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OBERRHEINISCHE
STADTRECHTE.
HERAUSGEGEBEN
VON DER
BADISCHEN HISTORISCHEN KOMMISSION.
Z\VEITE ABTEILUNG:
SCHWÄBISCHE RECHTE.
ZWEITES HEFT:
ÜBERLINGEN.
BEARBEITET
VON
FRITZ GEIER.
HEIDELBERG.
CARL WINTERS UNI VERS ITÄTSBUCHHANDLUNG.
1908.
Twkci-ANkH Jtr. m.
OBERRHEINISCHE
STADTRECHTE.
HERAUSGEGEBEN
VON DER
BADISCHEN HISTORISCHEN KOMMISSION.
ZWEITE ABTEILUNG:
SCHWÄBISCHE RECHTE.
ZWEITES HEFT:
ÜBERLINGEN.
BEARBEITET
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FRITZ GEIER.
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1 •
§
HEIDELBERG.
CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG.
1908.
TcffliciANMv Kr. 9».
Carl Winter*s Universitätsbuchhandlung in Heidelberg.
Deutschrechtliche Beiträge
Forschungen und Quellen zur Geschichte des Deutschen Rechts
H»Maus^'e;:ehen von
Dr. Konrad Beyerle
ord. Professor an der Universität GSttin^en.
Die Deiitsohrechtlielieii Iit>itrUgre crschfiiit.'ii in ;?«'llislriiuli<ren Helten,
von fleiien jejlt*> i'ino nh;:os('lilo>-ri'in.' Ail»'Mt fiithaltfii soll. Mflireiv Hefte werden
jeweils zu einem Ban«i zu>aninienf-'^«*ral/.l nii<i mit Bamltit«'! und Inlialtsverzei(?hnis
versehen.
Ersohinien -ind:
Band I, Hell T. Das elieil'he tjütrrreclit v«»n Mülliausen. Mit einem
Urkundeiianlian^f, Von H. Arnnld. '1 .Mk.
Band I. Heft II. Die ('iM-rtraj-'uni^' liojj:enden Gutes in der niittel-
alt erlii.lien und neuzi'it liehen Stadt Breslau. Mit
rrkundenardianjk'. \\m Th. tiörlitz. l.su Mk.
Band I. Heft IIl. Da«i Salmannonn-dit und dit- Juden. Mit urkundlichen
Beilaj^en vnn A. Knli...r. tJ.so Mk.
Band I. Heft IV. Die Land>t:uMl.' d.-r tiraf-i-liaft Mark l»i> zum .lalire
ir»H>. Mit urkmi.ili.lHMi {{.-ila-t-n \«in lUnl. J?rhulze. 4.<>t» Mk.
Band I. Heft V. Fat riziat n n.l (M->,lih'.lit..-rlu'rrM.hafl in der Reich.s-
.stadl Und all Villi Si^ymuntl Kfllrr. .'J.^io Mk.
Diese Ö Hefte bilden den vv>U.\\ Hanil. iXvv au.li knmpletl ^^eheflet lür 1:2.40 Mk.
erhältlich ist.
Im Druck betinden sirh u.a.:
Band II, Heft I. Der Dout>rlii-n.-|»ie-.-l in -».finfin sprachlich-stili-
>tiMlien ViTliältni." /.um S:ir|i-en-i<i»*u»*l und zum
Sj-li \vaben>iiii':^fl N«»n Ku::«'n Kilii'. v. Mrilit-r.
Band II, Ibdt II. Das H.'t^r;:«.'wat.- vnn Kuit Klatt.
Ban<l II. Hell 111. Da- (itTicbt-vcrlahrcn \'T uml iiarli di-r Müiiste-
ri-^rlu'U I.and.i: t-rirli I -.. nl nun:: xoniriTl und ili«»Auf-
nalinu. ilf- i nii- i->«ln.n llflits ins Slilti" M(in>ler
voll .loh-. Baitmann.
EntsprtMljond ilfU Arboii-L'fbii'l.'ii d.- II. ■la".----!».'!- wnllrii dli-s»- „Ih'ulsclj-
rechthchen Bi'drä;:«-'* v«ir allfin •im: Wi'it.'n-n Aii-Imi, «Iit i1i-uI-iIhmi Trivaüvrlits-
geschii^ht*^ und tl«'r KkImim hnn;.* -«ndtn-'/hlüoliti K!ii.;.n dieiM-n. l/ber ili«* Ffdle
von Arbeit, die in der «M-t»rri: lüilitii!:- n..«!. zu hin i>f. lH'rr-«-hl bei keinem
Sachver^ändi.L'fn rin Zw«.-:!«!. D:«- ;in rmi.ii.u -'lU zuni-lnin-nden )-»-rol.jen Stadt-
recht&publikatioiien sl«.-iki-ii i:l.i«.lil.dN {..r! nnd t..«! ii.-iic Zii-l«« für ««inilri m/ende
Forscherarbeit. x\u- ihn.ii >.li..j'!.ii -rmiflJ.lM' iM'bic'.i' der deut.M-hrn Rerlits-
gesrhichte. ViTla-MUi.;:. l'!i\alnM 1,-. Ilr. ht^^.n:^' und Strafrei.ht. zu Lileifhem
Rechte. Fr»'ilitli -idli-n im:! .iii-i! :».•■. i« n Imi-. linni:sL'«'bii'U*n nur di«.- Haupt-
richtuniren anu«-d»."iil«-l u' •.i«'ii. i.i' '• di'ii. i: lii-r Herau-irebfr di<'<«' .Snnmhmj^
auszubauen bollf. D.m \V. •_. ^. •..••!.'• .-i::.!!!- .iii«li fin»-r ander«- FiML'-en l»olian-
delnden Arbeil Kin.uinj iind A:;ii al-- •• /.ii ij-w.ilnvn. ^oll damit nirlil t:rund-
.*^ätzlich gi*.'-p»*rrt mmi.
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OBERRHEINISCHE
STADTRECHTE.
HERAUSGEGEBEN
VON DER
BADISCHEN HISTORISCHEN KOMMISSION.
ZWEITE ABTEILUNG:
SCHWÄBISCHE RECHTE.
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HEIDELBERG.
CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG.
1908.
V«rla«i.ATCfclir Rr. flv.
OBERRHEINISCHE
STADTRECHTE.
HERAUSGEGEBEN
VON DER
BADISCHEN HISTORISCHEN KOMMISSION.
ZWEITE ABTEILUNG:
SCHWÄBISCHE RECHTE.
ZWEITES HEFT:
ÜBERLINGEN.
BEAKBEITBT
VON
FRITZ GEIER.
HEIDELBERG.
CARL WINTERS ÜNIVERSITÄTSBUCHHANDLÜNG.
1908.
Alle Rechte, besonders das Kecht der Übenieuuug In fremde Sprachen, werden vorbehalten.
II. Heft.
Überlingen.
3«-
vu
VorTv^ort-
Von den „Schwäbischen Rechten**, die die zweite Abteilung der von
der Badischen Historischen Kommission herausgegebenen , Oberrheinischen
Stadtrechte** bilden, erschien das erste Heft, mit den Aufzeichnungen für
Villingen, im Jahre 1905. Jetzt schließt sich daran ein zweites Heft, die
Stadtrechte von Überlingen enthaltend. Das Verdienst, die Edition dieser
Stadlrechtsreihe in Gang gebracht zu haben, kommt Herrn Prof. Dr. Stutz
zu, den die Kommission infolge seiner Übersiedlung nach Bonn leider
nicht mehr in ihren Reihen sieht. Zunächst war Herr Dr. Hoppeler aus
Zürich mit der Bearbeitung der Überlinger Materialien betraut. An seine
Stelle trat später Herr Dr. Geier, ein Schüler von Prof. Stutz, der sich
5^chon durch seine Schrift „Die Durchführung der kirchlichen Reformen
Josephs II. im vorderösterreichischen Breisgau ** um die Erforschung der
oberrheinischen Geschichte verdient gemacht hatte. Er hat die Haupt-
^beit der Edition getan.
Ein lebhaftes Interesse hat die Stadt Überlingen unserer Publikation
durch die Bewilligung eines Beitrags von 1000 Mark entgegengebracht.
Ihr sei dafür auch an dieser Stelle der aufrichtige Dank der Kommission
ausgesprochen.
Die Auswahl der Stücke, die in die Ausgabe aufgenommen worden
sind, schließt sich im allgemeinen der bei den Villinger Stadtrechten ge-
troffenen an (siehe „Schwäbische Rechte**, I.Heft, S. Vlllf.). An diese
Vorlage und überhaupt an das Muster der bisher von der Badischen
Historischen Kommission herausgegebenen Stadtrechte hielt sich der Be-
arbeiter für gebunden, was zu freundlicher Berücksichtigung allen denen
empfohlen sei, die etwa in der Einrichtung der Eüition dies oder jenes
anders gemacht sehen woUten.
VIU Vorwort
Unter allen Umständen bleibt es ein großes und vielseitiges Mater
das durch die vorliegende Eüition zugänglich gemacht 'wird; Überling
ist unter den Städten, die bisher in der Sammlung der ,, Oberrheinisch
Stadtrechte ** Berücksichtigung gefunden haben, die quellenreichste. Die
schöne Vorrat von Aufzeichnungen wird von der städtegeschichtlicl
Forschung dankbar begrüßt werden.
Freiburg i. B., im Februar 1908.
G, von Below.
IX
Inhaltsverzeichnis.
Seite
I. Stadtrecht (St. I) 1—28
§ 1. Besuch der Ratssitzungen.
§ 2. Beschimpfung des Rats.
§ 3. Verbrechen innerhalb des Stadtetters.
§ 4. Totschlag.
§ 5. Notwehr gegen einen Gast.
§ 6. Strafe der gefährlichen Körperverletzung, des verbotenen
Waffentragens, des Meineids *und des Falsches.
§ 7. Totschlag eines Bürgers durch einen andern Bürger.
§ 8. Angriff mit unbewaffneter Hand.
§ 9. Beleidigung.
§ 10. Beschimpfung eines Bürgers durch einen Gast.
§ 11. Überfall eines Bürgers durch einen andern Bürger.
§ 12. Verhinderung der Beilegung von Streitigkeiten.
§ 13. Aufnahme bewaffneter Gäste in der Stadt.
§ 14. Ungehorsam gegen den Ammann, den Bürgermeister oder
andere Respektspersonen bei Schlichtung von Streitigkeiten.
§ 15. Ungehorsam eines Gastes bei Schlichtung von Streitigkeiten.
§ 16. Klagen gegen einen Gast, Ladung vor Gericht.
§ 17. Körperverletzung mit nachfolgendem Tode.
§ 18. Blendung.
§ 19. Erlöschen der Bürgschaft mit dem Tode.
§ 20. Vergehen gegen das Weingesetz.
§ 21. Unerlaubte Benützung der Torkei.
§ 22. Zuständigkeit des Ammanngerichts.
§ 23. Pfändung um Gült.
§ 24. Pfändung eines Bosses.
§ 25. Abhängigkeitsverhältnis gegenüber einem fremden Herrn.
§ 26. Heirat mit der Bedingung eines „Falles**.
§ 27. Ausschluß aus der Stadt.
§ 28. Feldfrevel und Sachbeschädigung zur Nachtzeit.
§ 29. Heeresfolge.
§ 30. Hehlerei.
§ 31. Feuersbrunst.
§ 32. Beschränkung der Gültklagen.
§ 33. Taxe für den Weinschank.
§ 34. Allgemeine Bestimmungen für den Ausschank von Wein.
§ 35. Kauf von Zinsgeld.
X Inhaltsverzeichnis.
Seite
I. Stadtrecht (St. I) 1—28
§ 36. Verkauf von Gütern innerhalb des Stadtetters.
§ 37. Einziehung von Gülten.
§ 38. Verbot des Kaufs oder Verkaufs der innerhalb des Stadt-
gebietes liegenden Güter zu Leibgeding.
§ 39. Schwere Körperverletzung.
§ 40. Verbot der Ehe zwischen Überlinger Bürgern oder Bürge-
rinnen mit Leibeigenen der Herren von Salmansweiler.
§ 41. Abhängigkeitsverhältnis gegenüber fremden Herren.
§ 42. Verbot der Anlegung von Reben außerhalb des Überlinger
Etters.
§ 43. Aufgabe des Bürgerrechts, um der Verpflichtung, ein öffent-
liches Amt anzunehmen, zu entgehen.
§ 44. Hausfriedensbruch.
§ 45. Ausübung des Hausrechts durch den Wirt.
§ 46. Rachsüchtiger Tadel über verhängte Strafen.
§ 47. Entlohnung berittener Boten.
§ 48. Bestellung eines Grundstückspfandes.
§ 49. Belastung des Eigengutes mit Leibgeding.
§ 50. Räumliche Unbeschränktheit der Geltung des Überlinger
Stadtrechts.
§ 51. Verbot der Verhaftung eines andern innerhalb des Etters
ohne Erlaubnis des Rats.
§ 52. Landfriedensbruch.
§ 53. Verleihung des Bürgerrechts.
§ 54. Ausschließlicher Gerichtsstand für dingliche Klagen.
§ 55. Erwerb eines liegenden Gutes durch einen Gast.
§ 56. Hochzeitsordnung. Störung der Ratssitzung.
§ 57. Bannrecht.
§ 58. Werbung eines Bürgers gegen einen andern.
§ 59. Entführung der Ehefrau.
§ 60. Das Geldwechslergeschäft.
§ 61. Die Steuerpflicht des Ammanns.
§ 62. Unerlaubte Entwendung väterlichen Gutes.
§ 63. Frevel an Bäumen und Reben. Handhabung der Sitzungs-
polizei durch den Ammann.
§ 64. Friedbruch.
§ 65. Bestechung eines Richters.
§ 66. Verbot des Erwerbs von Eigentum an liegenden Gütern
durch Juden.
§ 67. Baupolizeiliche Vorschrift zur Erzeugung größerer Feuer-
sicherheit.
§ 68. Unzulässigkeit der Verbindung des Gewerbes eines Gast-
wirts mit dem Amte des Ammanns.
§ 69. Beschränkte Geschäftsf«ihigkeit der Kinder unter 18 Jahren.
Leistung von Bürgschaft.
§ 70. Unerlaubte Aufläufe.
§ 71. Ansprechen eines Kindes zu der Ehe.
Inhaltsverzeichnis. XI
Seite
Stadtrecht (St I) 1~!28
§ 72. Verbot, neuangelegte Rebäcker vor Ablauf von 10 Jahren
weiter zu veräußern.
§ 73. Verbot der Anlegung von Weingärten auf neuerworbenen
Grundstücken.
§ 74. Lohn der Weinbergarbeiter.
§ 75. Verpflichtung zum Hilferufen beim Ansichtigwerden von
Körperverletzungen.
§ 76. Amortisationsgesetz.
§ 77. Ebenso.
§ 78. Bauordnung bei Errichtung von Grenzbauten.
§ 79. Schlichtung von Grenzstreitigkeiten zwischen Nachbarn.
§ 80. Gefangennahme eines Verbrechers; Widersetzung und Ver-
wundung desselben.
§ 81. Ahndung der Besitzstörung.
§ 82. Verbot der Belastung von Eigengütern mit Zins. Not-
zuchtsversuch im Hause eines andern.
§ 83. Verbotene Selbsthilfe gegen einen Gast um Gült.
§ 84. Wahl des Bürgermeisters, des alten und neuen Rats.
§ 85. Wahl der Zunftmeister.
§ 86. Voraussetzung für die Wahl zum Zunftmeister.
§ 87. Arbeitslohn der Weinbergarbeiter.
§ 88. Holzdiebstahl.
§ 89. Strafe für Umgehung der Stadtgesetze.
§ 90. Lohn eines Rebknechtes.
§ 91. Steuerhinterziehung.
§ 92. Notwehr.
§ 93. Festlegung des Brotpreises nach dem Vescnprois.
§ 94. Festlegung des Brotpreises nach dem Kornpreis.
§ 95. Pflicht der Bäcker, allen um den festgesetzten Preis Brot
zu geben.
§ 96. Verordnung für das Feilbieten des Brotes auf dem Markt.
§ 97. Brotschauordnung.
§ 98. Verleihung der Mitgliedschaft für die Bäckerzunft.
§ 99. Bestimmung für den Verkauf des von auswärts herge-
brachten Brotes.
§ 100. Nachweis der Leibeigenschaft.
§ 101. Rechtliche Stellung der in Überlingen Ansässigen.
§ 102. Verbot, Gäste zwecks Weinkaufs vor die Stadt zu weisen.
§ 103. Verbot der Akkordarbeit in den Reben.
§ 104. Strafe für diejenigen, die trotz Aufforderung die Mitglied-
schaft einer Zunft nicht erlangen.
XII Inhaltsverzeichnis.
Seite
IL König Rudolf I. erteilt den Bürgern zu Überlingen verschiedene Frei-
heiten in Beziehung auf das Erbrecht, hofrechtliche Lasten und den
Gerichtsstand 29
III. König Rudolf schlichtet Streitigkeiten zwischen den Johannitern zu
Überlingen und den Bürgern daselbst, die bauliche Anlage des Johan-
niterhauses und die Wege durch dasselbe beireffend 30
IV. König Heinrich VII. erlaubt dem Rat und den Bürgern von Überlingen
eine Zunft zu haben .' 31
V. Kaiser Ludwig unterhandelt mit den Bürgern zu Überlingen über die
Stellung der Juden daselbst 32
VI. Verordnung Kaiser Ludwigs über die rechtliche Stellung der Juden in
Überlingen 33
VII. Karl IV. bestätigt die Privilegien der Stadt Überlingen und verspricht,
sie nie vom Reich zu veräußern 34
VIII. König Karl IV. erklärt die Bürger und die Stadt Überlingen, nachdem
der verbrannten Juden Gut den beiden Ulrich, Grafen zu Helfenstein,
an des Reiches statt überantwortet wurde, ledig und los . . . 35
IX. Kaiser Karl IV. verspricht der Stadt Überlingen, daß er die Vogtei, die
Steuer, das Ammannamt, das Ungeld und den Zoll daselbst nebst dem,
was dazu gehört, nie höher verpfänden wolle, als sie gegenwärtig
verpfändet sind 36
X. Vertrag zwischen dem Domkapitel zu Konstanz und dem Haus Mainau
einerseits und der Stadt Überlingen anderseits wegen der Entrichtung
des großen Weinzehnten 37
XI. Kaiser Karl IV. versetzt dem Endres Cobe, Ammann zu Überlingen, um
60 Mark Silber das Ammannamt zu Überlingen 40
XII. Kaiser Karl IV. versetzt dem Endres Cobe um 60 Mark das Ammann-
amt zu Überlingen nebst den dazu gehörigen Bannen und andern
Zugehörungen ....••• ^^
XIII. Friedrich. Pfalzgraf bei Rhein, gewährt Überlingen die Gnade, Juden
zu Bürgern anzunehmen 41
XIV. König Wenzel bestätigt dem Endres Cobe die durch Karl IV. erfolgte
Verpfändung des Ammannamtes zu Überlingen und erteilt ihm und
seinen Erben außerdem die Befugnis, einen andern zu substituieren 42
XV. Andreas Kob jung verkauft das Ammannamt an die Stadt Überlingen
um 150 ffi h 43
XVI. König Wenzel gestattet denen von Überlingen, schädliche Leute auf dem
Lande oder sonst, die Auf habhafter Tat ergriffen werden oder schlinun
beleumundet sind, bei Missetaten, auf welchen der Tod steht, nach
Ermessen festzunehmen und auch richten zu lassen nach der Erkennt-
nis, welche der Rat von Überlingen auf seinen Eid nimmt . , . . 45
Inhaltsverzeichnis. XIII
Seite
CVIl. Schiedsspruch zwischen dem Grafen Albrecht von Werdenberg und
der Stadt ÜberUngen wegen der von Überlingeii zu Bürgern gemachten
Eigenleute 46
XVIil. König Wenzel erlaubt den Städten Konstanz, Überlingen, Lindau,
Ravensburg, St. Gallen, Wangen und Buchhorn auf zehn Jahre ein
Bündnis miteinander zu haben, wie es schon unter seinem Vorgänger
der Fall war . 47
J^IX. Herzog Leupold von Österreich nimmt die Städte Überlingen, Lindau
und St. Gallen in die Vereinigung der Städte Konstanz, Ravens-
burg u. a. auf 48
XX. König Wenzel erlaubt der Stadt Überlingen lohter aufzunehmen . 49
XXI. König Wenzel verpfändet der Stadt Überlingen das dortige Ammann-
amt für 120 Mark Silbers und verleiht dem Ammann zugleich den
Blutbann 50
^11. Stadtrecht (St. II) 52—116
§ 1. Besuch der Ratssitzungen.
§ 2. Beschimpfung des Rats.
§ 3. Bestechung im Amt.
§ 4. Verbrechen innerhalb des Stadtetters.
§ 5. Totschlag. Ehebruch
§ 6. Notwehr gegen einen Gast.
§ 7. Beschimpfung eines Bürgers durch einen Gast.
§ 8. Ungehorsam eines Gastes bei Schlichtung von Streitigkeilen.
§ 9. Angriff eines Gastes mit unbewaffneter Hand auf einen
Bürger.
§ 10. Schiaghändel.
§ 11. Gerichtsstand für Klagen der Gäste untereinander.
§ 12. Unerlaubte Selbsthilfe bei Erfolglosigkeit einer Strafklage.
§ 13. Körperverletzung mit nachfolgendem Tode.
§ 14. Strafe der gefährlichen Körperverletzung.
§ 15. Strafe des Falsches, des Meineids und des verbotenen
Waffentragens.
§ 16. Totschlag eines Bürgers durch einen andern Bürger.
§ 17. Angriff mit unbewaffneter Hand.
§ 18. Beschimpfung.
§ 19. Freventlicher Überfall.
§ 20. Verhinderung der Beilegung von Streitigkeiten.
§ 21. Ungehorsam bei Schlichtung von Streitigkeiten unter
Bürgern.
§ 22. Friedbruch.
§ 23. Blendung eines andern. •
XIV Inhaltsverzeichnis.
Seite
XXII. Stadtrecht (St. II) 52—11
§ 24. Schwere Körperverletzung.
§ 25. Erlöschen der Bürgschaft mit dem Tode.
§ 26. Schutz angefallener Güter gegen Mißbrauch.
§ 27. Vom Wein.
§ 28. Vergehen gegen das Weingesetz.
§ 29. Unerlaubte Benützung der Torkel.
§ 30. Ausschließlicher Gerichtsstand für dingliche Klagen.
§ 31. Verbot der Pfändung um Gült.
§ 32. Heirat mit Bedingung eines ..Falles*'.
§ 33. Feldfrevel zur Nachtzeit.
§ 34. Nächtliche Ruhestörung.
§ 35. Sachbeschädigung zur Tagzeit.
§ 36. Maßregeln zur Verhütung von Feldfrevehi.
§ 37. „Redlicher" Schaden.
§ 38. W^eiden und Grasen an verbotenen Orten.
§ 39. Obstdiebstahl.
§ 40. Freventliches Übersteigen der Umzäunungen.
§ 41. Diebstahl.
§ 42. Verübung von Schaden bei Nacht.
§ 43. Verübung von freventlichem Schaden bei Nacht.
§ 44. Unterlassung der Anzeige bei Sachbeschädigung.
§ 45. Zufügung von Schaden durch Fremde.
§ 46, Strafe für Widerspruch gegen vorstehende Bestimmungen.
§ 47. Abhängigkeitsverhältnis gegenüber auswärtigen Herren.
§ 48. Aufgabe des Bürgerrechts aus geringfügigen Gründen.
§ 49. Hausfriedensbruch.
§ 50. Ausübung des Hausrechts durch den Wirt.
§ 51. Rachsüchtiger Tadel über verhängte Strafen.
§ 52. Bestellung eines Grundstückspfandes.
§ 53. Belastung des Eigengutes mit Leibgeding.
§ 54. Knechtung anderer.
§ 55. PHicht der Verhütung von Knechtung innerhalb des Ge-
richtsbezirks.
§ 56. Strafe wegen Übertretung der vorstehenden Bestimmung.
§ 57. Pflicht der Verhütung von Freiheitsberaubung innerhalb
des Stadtettcrs.
§ 58. Landfriedensbruch.
§ 59. Ausschließliche Zuständigkeit des Überlinger Gerichts für
Klagen aus dem Eigentum an den im Stadtctter liegenden
Gütern.
§ 60. Bannrecht.
§ 61. »Werbung eines Bürgers gegen einen andern.
§ 62. Verbot für ZOnile und Handwerke, ei>^enmächti|f neue Ord-
nun^^en aufzurichten.
§ 63. Entführung der Ehefrau.
8 64. Unerlaubte Entwendung väterlichen Gutes.
§ 65. Beschädigung von Bäumen.
Inhaltsyerzeichnis. XV
0
Seite
XII. Stadtrecht (St. II) 52—116
§ 66. Handhabung der Polizei während der Gerichtsverhand-
lungen.
§ 67. Übertretung des Friedgebotes vor Gericht.
§ 68. Beschuldigung wegen. Meineids.
§ 69. Baupolizeiliche Vorschrift zur Erzeugung größerer Feuer-
sicherheit.
§ 70. Beschränkte Geschäftsfähigkeit der Kinder unter 18 Jahren.
§ 71. Ansprache wegen der Ehe.
§ 72. Heirat junger Leute unter 18 Jahren gegen den Willen
ihrer Eltern.
§ 73. Hinterlistiges Nachstellen, um die Ehe zu erlangen.
§ 74. Unerlaubte Aufläufe.
§ 75. Von Dienstboten.
§ 76. Weinkauf.
§ 77. Vertragsbrüchige Dienstboten.
§ 78. Kündigung des Dienstes.
§ 79. Verpflichtung zum Hilferufen beim Ansichtigwerden von
Körperverletzungen.
§ 80. Amortisationsgesetz.
§ 81. Ebenso.
§ 82. Bauordnung bei Errichtung von Grenzbauten.
§ 83. Schlichtung von Grenzstreitigkeiten zwischen Nachbarn.
§ 84. Pflicht sofortiger Anzeige bei vorkommenden Übeltaten.
§ 85. Ahndung der Besitzslörung.
§ 86. Verbot der Belastung der eigenen Güter mit Zins.
§ 87. Notzuchtsversuch im Hause eines andern.
§ 88. Von säumigen Schuldnern.
§ 89. Strafe für den Bruch des Gelöbnisses „an den Stab**.
§ 90. Steuerhinterziehung.
§ 91. Steuerordnung.
§ 92. Ansprache eines Bürgers um die Eigenschaft.
§ 93. Verbot, Gäste zwecks Weinkauf vor die Stadt zu weisen.
§ 94. Verbot der Beteiligung von Wirten beim Weinkauf von
Gästen.
§ 95. Weinschankordnung.
§ 96. Versteuerung des ausgeschenkten Weines.
§ 97. Weinsteuerordnung für Wirte.
§ 98. Aufgabe des Bürgerrechts.
§ 99. Vom „zu Gast machen" eines Bürgers.
§ 100. Vom „zu Gast machen** einer Frau.
§ 101. Bestrafung von Freveltaten.
8 102. Wehrpflicht.
§ 103. Ungehorsam gegen Hauptleute.
§ 104. Verschärfte Gehorsamspflicht gegen die Stadtgesetze beim
„Ausfahren".
§ 105. Unerlaubte Teilnahme am Kriegsdienste fremder Herren.
§ 106. Pfundwucher.
XVI Inhaltsverzeichnis.
Seite
XXII. Stadtrecht (St. U) 52—116
§ 107. Verkauf und Rückkauf derselben Sache.
§ 108. Gewährung von Darlehen zwecks Verkaufs der eigenen
Waren.
§ 109. Vom Setzen der Bäume.
§ 110. Entweihung des Friedhofs.
§ 111. Entschädigung für im Dienste der Stadt krank gewor-
dene Pferde.
§ 112. Spielen um Bargeld oder Pfand.
§ 113. Streitigkeiten zwischen Geistlichen und Bürgern.
§ 114. Fünfjähriger Besitz des Bürgerrechts als Voraussetzung
der passiven Wahlfähigkeit zum Rate.
§ 115. Hehlerei.
§ 116. Feuerpolizei.
§ 117. Verbot der Gültklage gegen fremde Kaufleute.
§ 118. Zinsfuß.
§ 119. Umwandlung von Eigengut zu Lehengut.
§ 120. Schutz der rechten Gewere.
§ 121. Erkrankung eines Dienstboten.
§ 122. Polizeiliche Genehmigung zur Ausübung eines Handwerks.
§ 123. Regelung der Verköstigung des ausziehenden Kriegsvolkes.
§ 124. Verbot der Aufnahme von Nichtbürgern als Pfründner.
§ 125. Baupolizeiliche Vorschrift über Erstellung von Aborten.
§ 126. Form der Testamentserrichtung.
§ 127. Feld-, Forst- und Flurfrevel.
§ 128. Anzeige durch Bannwarte.
§ 129. Von den Verschwendern.
§ 130. Von den verfallenen Gütern.
§ 131. Rechtswidrige Veränderung eines Pfandes.
§ 132. Regelung der Nutzung verfallener Güter.
§ 133. Betrag für eine Meßstiftung.
§ 134. Ablösung des Weinzinses.
§ 135. Beitreibung von Schulden auf dem ordentlichen Rechtsweg.
§ 136. Haftung für angerichteten Schaden.
§ 137. Von den Gewerben.
§ 138. Verbot der gleichzeitigen Zugehörigkeit naher Verwandter
zum Rat.
§ 139. Zweifache Versetzung liegender Güter.
§ 140. Beschränkung des Güterkaufs.
§ 141. Erbschaftssteuer.
§ 142. Rebbauordnung.
§ 143. Von der Steuer.
§ 144. Autonomie der Zünfte.
§ 145. Verschiedene Bestimmungen über Trinkstuben, Modali-
täten beim Kauf, Gewerbefreiheil u. a.
§ 146. Voraussetzung für den Eintritt in den großen und kleinen Rat.
§ 147. Bestimmungen für Bäcker.
§ 148. Bestimmungen für Möller.
Inhaltsverzeichnis. XVlt
Seite
CIL Stadtrecht (St II) 52—116
§ 149. Bestimmungen für Breimelber.
§ 150. Bestimmungen für Metzger.
§ 151. Bestimmungen für Fischer.
§ 152. Bestimmungen für Schneider.
§ 153. Bestimmungen für Grewandschneider.
§ 154. Verletzungen bei Turnieren.
§ 155. Frist zur Bezahlung von Geldstrafen.
§ 156. Zuteilung der Spengler, Maler und Hafner zur Küferzunft.
§ 157. Beschränkung der Konkurrenz durch Frauen im Schneider-
gewerbe.
§ 158. Weinkontrolie für Wirte.
§ 159. Normierung des Gewinnes am Weinumsatz für Wirte.
§ 160. Standgeld auf dem Tuchmarkt.
§ 161. Ausschluß der Schaffner und Pfleger der Chorherren von
Konstanz von der Mitgliedschaft des Rats und Gerichts.
§ 162. Miete von Häusern und Läden nur auf Georgi (23. April)
kündbar. Kauf bricht Miete.
§ 163. Verbot der gleichzeitigen Zugehörigkeit naher Verwandter
zum Rat.
§ 164. Einführung des Repräsentationsrechtes bei der Erbfolge.
§ 165. Obergangsbestimmung.
§ 166. Gesetzliche Dauer der Verfangenschaft bei beerbter Ehe.
§ 167. Ausschluß naher Verwandter aus dem kleinen Rat.
ilage zu Stadtrecht II 111—116
§ 1. Zweifache Versetzung liegender Güter.
§ 2. Veränderung eines Pfandes.
§ 3. Anzeige von Sachbeschädigungen.
§ 4. Aufgabe des Bürgerrechtes.
§ 5. Fahnenflucht.
§ 6. Entrichtung der Steuer.
§ 7. Besteuerung der Pfandschaft.
§ 8. Beschränkung des Rechts der Kinder auf Auseinander-
setzung bei beerbter Ehe.
§ 9. Appellation.
§ 10. Verbot der Aufstellung neuer Torkelbäume.
§ 11. Verbot, Häuser abgehen zu lassen.
§ 12. Verbot, einem Fremden ein Haus in der Stadt zu verkaufen.
§ 13. Ausschluß der Beerbung eines Hauses durch einen Nichl-
bürger.
§ 14. Verfahren gegen flüchtig gegangene Schuldner.
§ 15. Freie Wahl zum großen und kleinen Rat.
§ 16. Beschränkung der Ratsmitglieder in der Übernahme fremder
Dienste.
§ 17. Verlust des Bürgerrechts bei nachträglichem Bekanntwer-
den der Leibeigenschaft.
Oberrheiubcbe Sudirecbte. li, 2. II
)[VIIl liihaltsverzeicbnis.
Seite
Beilage zu Sladtrecht II 111-116
§ 18. Schutz des einheimischen Weines.
§ 19. Steuerpflicht für den Wein.
§ 20. Beschränkung in der Benutzung des Oberlinger Torkels.
XXIII. König Sigismund verpfändet der Stadt Oberlingen die Reichssteuer
von jährlich 350 Pfund Heller um 5000 Gulden Bheinisch .... 116
XXIV. König Sigismund verleiht der Stadt Überlingen als Reichspfandschaft
die Reichsmünzstätte und andere Pfandschaften, welche die im Mannes-
stamme ausgestorbenen von Hohenfels vormals besessen hatten . 117
XXV. König Sigismund versetzt an die Stadt Oberlingen die Riedmfihlen
und die Mühlen am Graben 119
XXVI. König Sigismund erlaubt Bürgermeister, Rat und Bürgern der Stadt
Oberlingen mit Stimmenmehrheit für ihr Gebiet verbindliche Satzungen
zu machen 120
XXVII. Obereinkommen König Sigismunds mit der Stadt Überlingen über die
Behandlung der Judenschaft wegen Ermordung eines Knaben ... 121
XXVIII. König Sigismund spricht die von Oberlingen von allen Forderungen,
die er an sie der Juden wegen hat, los 122
XXIX. König Sigismund bestätigt die Befreiung der Stadt Überlingen von
fremden und auswärtigen Gerichten 123
XXX. Von den Pflegern und dem Meister des Spitals zu Überlingen fest-
gestellte Satzungen mit Straf bestimm ungen der spitälischen Gerichte
in einigen spitälischen Dörfern bei Überlingen 125
XXXI. Schlichtung von Spännen zwischen dem Grafen Johann von Werden-
berg und der Stadt Überlingen wegen Gericht, Zwing und Bann . 131
XXX II. Mitglieder des Rats von Konstanz schlichten Streitigkeiten zwischen
dem Grafen Johannes von Werdenberg und denen von Überlingen
wegen der Gerichte, Zwinge und Banne 132
XXX III. Stadtsatzung über Steuer, Ungeld, Strafgewalt der Zunftmeister
u. a. m. 135
XXXIV. Das Gericht zu Pfullendorf entscheidet Streitigkeiten zwischen dem
Grafen Jörg zu Werdenberg und Heiligenberg und der Stadt Über-
lingen wegen der Hintersassen 138
XXXV. Richtung zwischen der Stadt Überlingen und den Bewohnern des
„Dorfs**. Aufnahme der Dörfer in den Rat von Überlingen. Schlich-
tung der Streitigkeiten mit dem Hause Mainau 139
XXXVI. Bündnisbrief der Reichsstädte Überlingen, Lindau, Ravensburg,
Wangen, Buchhorn 141
XXXVII. Spitalordnung 151
Inhaltsverzeichnis. XIX
Beile
^CXVIIl. Rebsteckenordnung 152
^XIX. Vertrag zwischen Heiligenberg, Salem, Mainau, Konstanz und
Cberlingen wegen der Fischerei auf dem Bodensee 153
^XX. Kaiser Friedrich verleiht der Stadt Überlingen in Erwägung der
gegen Herzog Karl von Burgund und König Mathias von Ungarn
geleisteten Kriegsdienste die besondere Gnade, zur Besserung ihrer
Mauern, Gräben, Türme usw. in ihrem ganzen Gebiete Reichssteuern
und sonstige An- und Auflagen erheben zu dürfen 156
XXXI. Kaiser Friedrich gibt der Stadt Überlingen ein Privileg wegen der
Pfahlbürger . 158
XXXII. König Maximilian schafft eine bisher in Überlingen im Wider-
spruch zum gemeinen Recht gültig gewesene Gewohnheit hinsichtlich
des Erbrechts der Enkel, auch Bruders- und Schwesterkinder auf
Vortrag des Magistrats von Überlingen endgültig ab 159
XXXIII. Malefizgerichtsordnung 160
XXXIV. Bestimmungen über den bei der Wahl eines Bürgermeisters zu
Überlingen einzuhaltenden Modus, Formeln für die Ansprachen des
Stadtschreibers, die Eidesformeln sämtlicher Überlinger Angestellten 162
1) Eid der Räte 166
2) Eid des Ammanns 167
3) Eid der Richter 168
4) Eid der Bürger 168
5) Eid der Mitglieder des großen Rats 169
6) Fertigung des Büttels 170
7) Des Büttels Lohn 172
8) Eid des Büttels 176
9) Fertigung der Ehefrau des Büttels 178
10) Fertigung des Ganters 178
11) Eid der Säckelmeister 179
12) Der Ungelder Eid 180
13) Eid der Spitalpfleger 181
14) Eid der Bauherren 181
15) Eid der Ungelderknechte 182
16) Des Bauknechts Eid 184
17) Eid des Knechtes im „Stühle" 186
18) Eid des Knechtes auf dem Rathaus und seiner Hausfrau . 191
19) Eid des Knechtes im Salzhaus und seiner Hausfrau ... 191
20) Fertigung eines Salzknechtes und seiner Hausfrau ... 192
21) Eid der Zoll-Salzknechte J94
22) Der Unterkäufer Eid 194
23) Der Kornmesser Eid 196
24) Der Träger Eid 199
25) Trägerlohn 200
26) Der Schütter Eid 201
XX Inhaltsverzeichnis.
Seite
27) Fertigung der Weinlader "203
28) Fertigung der Eicher 204
29) Der Brotschauer Eid !2(Mi
30) Der Flcischschauer Eid 208
31) Der Unbauschauer Eid 213
32) Eid der Mistschauer 214
33) Der Breimehlschauer Eid 215
34) Der Schmalz- und Unschlittschauer Fertigung 218
35) Eid der Spendpfleger 219
36) Eid der Heiligenpfleger und der Pfleger des Armenhauses zu
Fischenhäuser 220
37) Schuhmacherordnung 220
38) Eid der Lederschauer 222
39) Des Stadtschreibers-Substituten Eidpflicht 223
40) Untergänger Eid 225
41) Die Häuser- und Gartenschätzer 225
42) Eid eines Hauswirts im Salmansweiler Haus „auf der Wiese" 225
43) Fertigung der Weißbäcker 225
44) Eid derjenigen, die das Bürgerrecht aufgeben 22(i
45) Eines Bettelvogts oder Salmeisters Fertigung und Besoldung 227
46) Fertigung derer, die Schweine zu Haufen in der Stadt feil
haben und verkaufen wollen 230
47) Fertigung der Selbstzüchter 230
48) Des Zollers und seiner Hausfrau Fertigung 230
49) Der Steckenschauer Fertigung 231
50) Eid des Substituten des Stadtschreibers 231
51) Eines Gredmeisters und seiner Hausfrau Fertigung . 232
52) Eines Wagmeisters und seiner Hausfrau Fertigung . . 233
53) Fertigungg eines deutschen Lehrmeisters 234
54) Ordnung der Schlüßler, wie sie auf- und zuschließen sollen 235
55) Des Büttels Lohn 237
56) Eide der Zehender 240
57) Steuer Eid 240
58) Der Söldner Eid 240
59) Des Spitalmeisters Eid 240
60) Ordnung der Schau der Gerbor 241
61) Feilträger Eid 243
62) Ordnung des Bauschauens in den Weingärten .... 243
63) Der Torkelmeister Fertigung 244
64) Fertigung der Torkelmeister zu Hagnau 245
65) Eid der Garnschauer 24(i
66) Eid der Strohschauer 247
67) Rebbauschauer-Eid. Fertigung mit angeschlossener Rebbau-
ordnung 248
68) Fertigung der sog. .,Zweier", die zur Aufrechterhaltung der
nächtlichen Ruhe auf die Gassen verordnet wurden 250
69) Fertigung eines Gerichtsschreibers 251
70) Fertigung der Amtsleute auf dem Lande betr. Salzmessens 252
Inhaltsverzeichnis. XXI
Seite
71) Eid der Leibeigenen des Klosters Weingarten, die in Ober-
lingischen Grerichten sitzen 253
72) Ordnung für solche, die in ihren eigenen oder in andern
fremden Orten wegen der Blattern und der Franzosenkrank-
heit ärztlich behandelt werden 253
73) Ordnung, wie es betr. des Ungeldes in den Oberlingischen
und des hl. Geists Spitals Flecken, Dörfern, Weilern und
Nieder-Gerichtsbarkeits-Orten gehalten werden solle. Fer-
tigung, wie die Wirte darüber beeidigt werden sollen . 253
74) Eid der Wirte und Gastgeber auf dem Lande .... 256
75) Fertigung des Brunnenknechts 256
76) Eines Brunnenschöpfers Fertigung 258
77) Eid der Oberlingischen Eigenleute 259
78) Der Hintersassen Eid, die Eigen- und Vogtherren haben 259
79) Des Kalkknechts Fertigung 259
80) Eid der Komherren 261
81) Mehl- und Mühlschauer Eid 262
82) Mehlschauer 263
83) Eid der Mühlschauer 263
84) Eid des Stüblinschreibers 265
85) Eid der Salzherren 266
86) Eid und Fertigung des Spendknechtes 266
87) Des Spendbäckers Fertigung 277
88) Eines Stadtboten Fertigung 268
89) Ordnung eines Wagmeisters, wie er es mit Zoll und Wag-
geld in dem Schmalzhaus halten soll 269
90) Feuerleiter 272
91) Fertigung der Wagenspanner 273
•iXXXV. Kaiser Maximilian I. erteilt der Stadt Überlingen das Privilegium,
unehelich geborene Personen, oder solche Personen beiderlei Ge-
schlechts, die ohne eheliche Leibeserben in ihrem Gebiete sterben,
beerben zu dürfen 277
XXXXVI. Stadtrecht (St. 111) 279—336
XXXXVIl. Ordnung des „unteren" Stadtgerichts 336
1) Gastgericht 340
2) Gantordnung 340
3) Haftung für die Schulden Verstorbener 343
4) Verfahren gegen solche, die mit Hinterlassung von Schulden
flüchtig gehen 344
5) Judeneid zu Rottweil auf dem Hofgericht 344
6) Einschränkung der Appellation 347
7) Von der Gerichtsbüchse 347
8) Zahlung von Gerichtsgebühron 347
9) Taxordnung 348
10) Maiengericht 348
11) Gerichtsferien 349
XXII Inhaltsverzeichnis.
Seite
XXXXVII a. Kaiser Karl V. gibt der Stadt Überlingen ein Privilegium wegen
der Brbfälle 350
XXXXVIII. Vertrag zwischen dem Grafen Christoph zu Werdenberg und
Heiligenberg und der Stadt Überlingen wegen Abgrenzung der beider-
seitigen Jurisdiktion 352
XXXXIX. Kaiser Karl V. erteilt der Stadt Überlingen ein Privilegium über
Nachsteuer und Abzuggeld 355
L. Kaiser Karl V. erteilt der Stadt Überlingen einen Wappenbrief .... 356
LI. Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der Stadt Überlingen
wegen der Jurisdiktion in Strafsachen 358
LH. Kaiser Karl V. gibt der Stadt Überlingen ein Privilegium exemptionis
von fremden und auswärtigen Gerichten 359
LI II. Kaiser Karl V. erteilt der Stadt Überlingen ein Privilegium de non
appellando 360
LIV. Gerichts-, Zwing- und Bannordnung des Spitals zu Überlingen , 362
1) Des Ammanns Eid 364
2) Des Richters Eid 365
3) Der Eigenleute Eid 365
4) Der Hintersassen Eid, die Eigen- und Vogtherren haben . 365
5) Einwanderung in den Gerichtsbezirk des Spitals .... 366
6) Gerichtsordnung 366
7) Von Versetzung und Pfändung 367
8) Lidion 368
9) Vom Spielen 368
10) Beschränkung der Verfügungsgewalt über eigene und Loheii-
güter 368
11) Strafrechtliche Bestimmungen 368
12) Acht und Bann 371
13) Verlöbnis und Ehe. — Belastung von Grundstücken zugunsten
der Kirche. — Aussätzige 371
14) Brotschau 372
15) Gewinn beim Weinschank 372
16) Zwangsversteigerung von Grundstücken 373
17) Die Appellation. — Verbotene Heiraten 373
18) Feuerpolizeiliche Vorschrift 374
19) Holzhauen 374
20) Verkauf liegender Güter 374
21) Geschäftlicher Verkehr mit den Juden 376
22) Vorkauf des Salzes 376
23) Heirat nach auswärts 377
21) Bürgschaft 'Ml
25) Ladung vor das Landgericht. — Verbot der Aufnahme leib-
eigener. — Verbot für Wirte, auswärts Wein zu kaufen. —
Viehschaden 378
Inhaltsverzeichnis. XXIII
Seite
26) Weinkauf 378
27) Vormundschaft über Waisenkinder 379
28) Beschränkung beim Verkauf von Vieh 379
29) Aufforderung zu religiösen Andachtsübungen. — Verpfän-
dung, Verkauf und Bepflanzung der Güter zu Sematingen
im Hallerstein 380
30) Dberlinger Weinrechnung 381
31) Viehschaden 381
LV. Vergleich zwischen dem Landgrafen zu Neuenbürg und der Reichs-
stadt Oberlingen wegen Vollziehung des Arrests in liegende Güter . 382
LVI. Karl V. erteilt der Stadt Oberlingen die Gnade, daß fürdcrhin ohne
Wissen und Willen des Rats auf zwei Meilen im Umkreis der Stadt
keine neuen Märkte, Korn- und Salzkäufe u. dergl. abgehalten werden
dürfen 383
LVIl. Kaiser Karl V. erteilt der Stadt Überlingen ein Privilegium wegen der
wucherischen Kontrakte der Juden 384
LVIII. Ratsordnung 386
LIX. Kaiser Karl V. ersetzt die seit 1268 bestandene Zunftverfassung durch
die Geschlechterherrschaft (Hasenordnung). Wiederbeseitigung der
letzteren und Wiederaufrichtung der Zunftverfassung 388 — 408
A. Kaiser Karl V. kündigt Bürgermeister und Rat der Stadt Oberlingen
die Ankunft einer Kommission an 388
B. Kaiser Karl V. unterrichtet Bürgermeister und Rat von Oberlingen
über den Zweck der Kommission 389
C Antwort und Gegenvorstellung des Bürgermeisters und Rats der
Stadt Überlingen auf vorstehendes Schreiben des Kaisers Karl V. 390
D. Wahlordnung der Stadt Oberlingen zur Zeit der Hasischen Kom-
mission 392
E. Von der Hasischen Kommission vorgeschriebene Ratsordnung . . 395
F. Eidesformeln zur Zeit der Hasenordnung:
1) Eid der Bürgermeister 398
2) Eid der Mitglieder des kleinen Rats 399
3) Eid des Ammanns 400
4) Eid der Richter 400
5) Eid der Mitglieder des großen Rats 400
6) Eid der Bürger und Einwohner 401
G. Ratsordnung 401
H. Kaiser Ferdinand erlaubt dem Bürgermeister und dem Rat der Stadt
Oberlingen, die von Kaiser Karl V. eingeführte Ralswahlordnung
abzuändern 400
I. Kaiser Ferdinand erlaubt denen von Oberlingen, die unter der Herr-
schaft der Hasenordnung abgeschafften Zünfte der Metzger und
Schneider wieder einzuführen 407
XXIV Inhaltsverzeichnis.
Seite
LX. Verordnungen des Rats der Stadt Überlingen (meist polizeilichen Cha-
rakters):
Feldpolizeiliche Vorschrift 408
Aufforderung zur Rückgabe der Waffen 409
Entlastung des Bürgermeisters durch En^'eiterung der Machtbefug-
nisse der Quartierherren 409
Einschränkung des Tauschhandels von Waren gegen Wein . . . 410
Überfahrtstaxen für die Fährleute 411
Verordnungen gegen groben Unfug, Waldfrevel, Majestätsbeleidigung 412
Verordnung zum Schutze und zur Förderung des Weinabsatzes . 414
Erneuerte Kornordnung 41t)
Verordnung wegen Vertilgung der Raupen und Einschränkung der
Fastnachtsgebräuche; Ermahnung für die Osterzeit .... 42:2
Kornordnung 422
Feldpolizeiliche Vorschriften 423
Trunksucht und grober Unfug 425
Verbot der Veräußerung von Grundstücken an geistliche Genossen-
schaften und Ausländer 426
Maßregeln zum Schutze der Kirche und des Kirchhofs vor Ver-
unglimpfung 428
Backlohn für Bäcker 429
Verbot, mit Juden Geschäfte zu machen 429
Ungebührliches Verhalten gegen die kaiserlichen Anordnungen
(Hasenordnung) 430
Abstellung eines Mißbrauchs bei den Handwerkern 431
Fischerei in der Aach 432
Fertigung eines Dorfammanns 432
Verbot der Basler Münzen 432
Unerlaubte Auswanderung 433
Verbot des Verkaufs von Kriegsrüstungen 434
Verordnung gegen groben Unfug 435
Spendpflegerordnung 435
Schutzmaßregeln gegen Einführung schlechter Rebsorten . 437
Maßregeln gegen Auswüchse des Zwischenhandels auf dem Korn-
markt 438
Apothekerordnung 439
Fuhrlohn nach Lindau 447
Verordnung zum Schutze der öffentlichen Gesundheit .... 447
Schmiedeordnung 448
Schlosserordnung 449
Fastnacht-sordnung 450
FeldiK)lizeiliche V^orschriften 452
öfToiitliclK» Aufforderung wegen der Mordbrenner 453
Tior(|uälcrci 453
Verordnung: zum Schutze der öffentlichen Reinlichkeit .... 454
FIucIhmi und Scliwören 455
Strafen für t)esonders aufgeführte Fluchausdrücko 456
Forstpolizeiliche Vorschrift zum Schutze der spitälischon Waldungen 456
Inhaltsverzeichnis. XXV
Seite
Lohnordnung für das Jahr 1558 457
MiBbrauch des Eides 459
Weinschenkordnung 459
Verbot der welschen Münzen 461
Gredmeisterordnung 462
Standgeld an den Jahrmärkten 465
Abgabe an den Salzknecht 467
Abgabe an den Gredmeister 469
Küferordnung 476
Handwerker- und Lohnordnung 481
Roßweideordnung 484
Verbot der Basler Münzen und Schnapphahnen 484
Doktor- und Apothekerordnung 485
Hebammenordnung 489
Einführung der Türkensteuer 492
Hochzeitsordnung 499
Primizfeiem 506
Patengeschenke 507
Kindszechen 507
Hochzeitsordnung für die Gerichtsorte des Spitals 508
Verordnung gegen die Landstreicher 511
Maßregeln zur Vertilgung von Ungeziefer 515
Kontrolle für Weinfässer 515
Ordnung der Mahlzeiten auf dem Rathaus 516
Die Michi 533
Almosenordnung für Allerheiligen 534
Steuerordnung 535
Rechnungslegung 538
Vergütung für besondere Dienste der städtischen Beamten . . 539
Vorbesprechung zur Bürgermeisterwahl 539
Feierlichkeit bei Besichtigung der Reben 540
Geschenke aus Anlaß des Fischauswägens 540
Trinkgelderordnung für die Ratsdiener 541
Leerung der Büchsen 541
Besoldung des Ratsknechts 542
Besoldung des Büttels 543
Besoldung des Ungeldknechts 544
Baukontrolle 545
Maßregeln zur Vertilgung des Ungeziefers 545
Vorsichtsmaßregeln beim Gebrauch des Pulvers 546
Weberordnung 546
Verrufene Münzen 549
Umrechnung fremder Münzsorten 551
Disziplinargewalt über Geistliche 553
Verköstigung der Gefangenen 553
Besteuerung der Fremden 554
Entbindung der Ratsmitglieder von der Zeugnispflicht .... 554
Steuerveranlagung für das Jahr 1566 555
XXVI Inhaltsverzeichnis.
Seite
Festlegung der drei „ewigen" Jahnnärkte 559
Christenlchr-Ordnung 560
Rebbauordnung 565
Verordnung gegen die Einheirat fremder Frauenspersonen . . 566
Schutzmaßregel gegen die Mordbrenner 566
LXI. Die Stadt Überlingen erwirbt von der Deutschordcnskommende Mainau,
dem Collator und Lehensherrn der alten Pfarr- und Mutterkirche
Aufkirch und der beiden Filiale Überlingen und Hödingen, das Patronats-
recht über die Pfarrkirche St. Nikolaus daselbst 567
LXIl. Gütlicher Vertrag zwischen Graf Friedrich zu Fürstenberg, Werden-
berg und Heiligenberg und der Stadt Überlingen wegen eines streitigen
Artikels im Vertrag von 1459, den Untergang betr. ...... 570
LXIII. Schadcnstrafer- und Wettgelter-Ordnung 571
LXIV. Kaiser Maximilian gibt der Stadt Überlingen ein erweitertes Privi-
legium wegen der Juden 583
LXV. Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der Stadt Über-
lingen betr. die Beschreibung der innerhalb der Ettersteine gesetzten
24 Hochobrigkeits-Marken, desgleichen die Beschreibung der 27 Etter-
steine 588
LXVI. Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der Stadt Über-
lingen wegen der strittigen Gerichtsbarkeit 594
LXV II. Vertrag zwischen der Stadt Konstanz, der Deutschordenskommende
Mainau und der Stadt Überlingen über Maßregeln zum Schutze der
Fischerei auf dem Bodensee 602
LXVIII. Kaiser Rudolf erlaubt der Stadt Überlingen in ihrem ganzen Gebiet
ein Wein- und Ungeld zu erheben 608
LXIX. Bischof Jakob von Konstanz genehmigt die Umwandlung der Münster-
pfarrkirche zu Überlingen in ein Kollegiatsstift 609
LXX. Gredordnung 621
LXXI. Stadtrecht (St. IV):
1) Von der Besetzung des Gerichts und des Rats .... 625
2) Bestrafung derjenigen, die durch Geschenke in das Gericht
oder in den Rat gekommen sind 626
3) Verbot, gegen eine Verordnung des Rats zu schimpfen oder
zu reden, was Aufruhr veranlassen könnte 626
4) Räumliche Ausdehnung der Strafgerichtsbarkeit .... 627
5) Von Schlägereien oder andern Freveltaten innerhalb des
Stadtctters 627
(i) Von blutrissigen Wunden und andern Schlaghandlungen.
Angriffe auf die Nachtwache 627
7) Von Scholt- und Schmähworten 028
8) Von der Übertretung des Friedensgebotes 628
9) Hausfriedensbruch 628
Inhaltsverzeichnis. XXVII
Seite
10) Vom Ausfordern 629
11) Mißachtung und tätlicher Widerstand gegen verhängte Strafen 629
12) Der Strahoilzug 629
13) Das Verbrechen des Falsches und seine Bestrafung . . 629
14) Unerlaubte Selbsthilfe 630
15) Pflegschaft für Witwen und Waisen 630
16) Folgen der Verheiratung ohne elterliche Einwilligung . 631
17) Bestrafung derer, die den Kindern ehrbarer Leute nach-
stellen oder sie verkuppeln 631
18) Von den verfangenen Gütern 631
19) Die Verschwendung und ihre Rechtsfolgen 632
20) Unerlaubte Liegenschaftsveräußerungen 634
21) Formvorschrift für Verträge über Grundstücke .... 635
22) Das Zugrecht 635
23) Von Testamenten 638
24) Behandlung des Nachlasses unbekindeler Ehen mangels
anderweitiger letztwilliger Verfügungen 639
25) Vom fremden Wein und der Herbstrechnung 641
26) Tätigkeit des Nachlaßgerichts 641
27) Von der Bebauung der Rebgüter 642
28) Fahrlässige Brandstiftung 642
29) Rangordnung bei Befriedigung der Gläubiger im Konkurs 642
30) Von der Steuer 643 •
31) Von der Leibeigenschaft 644
32) Erwerb, Aufgabe und Aufbehalten des Bürgerrechts . 644
33) Das Abzugsrecht 645
34) Sachbeschädigung 647
35) Zuwiderhandeln gegen die Vorschriften über den Gerichts-
stand für Überlinger Bürger 647
36) Pfändung um Schulden oder Gült 648
37) Verfügungsbeschränkung für Pfleger 648
38) Verbot, Holz in die Stadtgräben zu legen 648
39) Wegzug von der Stadt 648
40) Von den Handwerksburschen 648
41) Befähigungsnachweis für Handwerker 649
42) Erneuerte Steuerordnung 649
LXXII. Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der Stadt Über-
lingen wegen der strittigen Gerichtsbarkeit 652
LXXIII. Vergleichs-Rezeß zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der
Stadt Überlingen wegen der Unteruhldingischen Schiffahrt und der
Fruchtmärkte daselbst u. dergl 677
LXXIV. Ratsconclusum über die Reduktion zweier Löwenräte und aller
acht Richter. -Besetzung des unteren Stadtgerichts u. a 681
LXXV. Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligonberg und der Stadt Über-
lingen wegen der Gerichtsbarkeit t>85
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Berichtigungen.
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wirt er des (statt der) überkomen.
7 statt 8.
ald statt als.
ain statt am.
dargan statt dar, gan.
nit statt mit.
iiit gehaben möcht. Ald ob. . .
großes oder kleines (ohne Konmia!).
nit statt mit.
varender statt warender.
verwilgung statt verwilgeng.
Actum statt actum,
absagung statt Absngung.
von stall vom.
zu recht statt förecht.
das da rint, in kainem wege. (Komma!)
wagmaister statt ragmaister.
Dto statt Oto.
es nicht heißen: erweitert, sondern nur: neu bezeichnet.
(Die Grenzen blieben immer dieselben.)
ausfluß statt aussi'hluß.
undern statt unden.
Wächters statt Wächters.
Anm. 11 statt Anm. 1.
Michi statt michi.
Reutlinger statt Reutlingen,
fahet statt fahrt,
fahen statt fahren.
XXXXVIIa statt XXXXVII.
Hasenordnung statt Haasenordnung.
ernewerten statt emwerten.
ob aber ain maister oder fraw ain knecht oder niagd
ain Winter außfüetteret, . . (ohne Komma!).
XXIX
Einleitung.
Die Urkunden der Stadt Überlingen am Bodensee reichen nicht
so weit zurück wie ihre Geschichte. Iburinga villa publica, herzog-
licher oder königlicher FronhofS erscheint schon im Jahre 770 als
Ausstellungsort einer St. Galler Urkunde*, und ebenso erwähnt die
um das Jahr 780 verfaßte Vita Sancti Galli eine villa Iburninga.^ Volle
vier Jahrhunderte verschwindet sodann der Fronhof Überlingen aus
der Geschichte, um Ende des 12. Jahrhunderts, zur Zeit der Gnmd-
herrschaft der Staufer in Überlingen (1191[?]— 1268), als Stadt wieder
zu erscheinen.
In welches Jahr die Stadtgründung fällt, läßt sich mangels jeg-
lichen urkundlichen Nachweises nicht genau ermitteln; die bisherige
Forschung nimmt an, daß sie im Jahre 1191 bereits erfolgt war.*
Die Urkunde über die Verleihung des Stadtrechts ist wohl, wie
noch zahlreiche andere Urkunden, dem großen Stadtbrande im Jahre
1279* zum Opfer gefallen.
Vom Ende der Stauferherrschaft an gehörte Überlingen zum Reiche
und behielt seine zünftig-patrizische Verfassung, abgesehen von einer
kurzen Unterbrechung unter Karl V., bis zum Verlust seiner Reichs-
unmittelbarkeit durch den Frieden von Luneville.
In die erste Zeit der Zugehörigkeit zum Reiche fällt die Ent-
stehung des ältesten Stadtrechts. Die in vorliegender Bearbeitung mit
Stadtrecht II, III und IV bezeichneten Gesetzestexte sind Nouredak-
tionen dieses ersten Stadtrechts mit mehr oder weniger zahlreichen
* Krieger y Topographisches Wörterbuch des Großherzogtums Baden, 2. A. 1905,
Bd. II, S. 1223.
* In Lichtdruck wiedergegeben bei SeviUy Kaiser Rotbarts Fronhof Überlingen, 1900.
Vgl. Urkundenbuch der Abtei St. Gallen I, 56.
» S. Gall. Mitteil. N. F. II, 20. Vgl. Schäfery Wirtschafts- und Finanzgeschichte der
Reichsstadt Überlingen am Bodensee in den Jahren 1550— 16i28. [Crierkes Unter-
suchungen etc.. Heft 44, S. 1 f.]
* Schäfer, a. a. 0., S. 5.
* Vgl. Staiger, Die Stadt Überlingen a. B., 185Ö, S. 118.
XXX Einleitung.
Novellen, keine eigentlich neuen Stadtrechte. Bei St. II und IV er-
schien wegen der zahlreichen Verschiedenheiten die Mitteilung des
vollständigen Textes erforderlich, während von St. III nur die in St. II
nicht enthaltenen Bestimmungen aufgenommen wurden.
Im übrigen hält sich die Publikation in dem Rahmen, der ihr
durch das von Professor Dr. Roder bearbeitete Villinger Stadtrecht
vorgezeichnet war.
Die Aufnahme der umfangreichen „Protokolle sämtlicher Ge-
bote und Verbote des Rats zu Überlingen** aus den Jahren 1552 — 1609
konnte nicht gut umgangen werden, ohne einen wesentlichen Teil des
Stadtrechts i. w. S. außer Betracht zu lassen. Diese Protokolle stellen
die Kodifizierung fast aller sowohl vorher wie nachher geltenden Rechts-
grundsätze auf dem Gebiete der Gewerbe- und Volkswirtschaftspolitik,
der öffentlichen Gesundheit, Sicherheit und Sittlichkeit dar. Nun mag
zwar die Berechtigung der Aufnahme der Gesetze und Verordnungen
wirtschaftspolitischen Charakters in den Stadtrechtspublikationen im
allgemeinen mit mehr oder weniger Recht angezweifelt werden, im
besonderen — und dies trifft namentlich in bezug auf das Überlinger
Stadtrecht zu — wird sich eine reinliche Scheidung ohne Gefahr für
die Vollständigkeit der Publikation nicht durchführen lassen.
Bei dem engen verfassungs- und verwaltungsrechtlichen Zu-
sammenhang zwischen der Stadt und dem Spital zu Überlingen (vgl.
z. B. S. 181) erschien auch die Mitteilung sowohl der vom Spital aus-
gehenden als der auf das Spital sich beziehenden Verordnungen an-
gebracht.
In bezug auf die Behandlung des Textes habe ich mich im all-
gemeinen den von Roder befolgten Grundsätzen angeschlossen. Die
konsonantischen Wucherungen wurden durchgehends beseitigt. An-
langend die Vokale, so ist
ä, ä, ä = Mittellaut zwischen a und o;
ü, ö = ü (wobei ü den Umlaut durch darauffolgendes i,
A den durch e darstellt);
ö, ö = ou;
u = uo;
& = ä;
ft = ö.
Die Überschriften wurden, wo sie im Urtext vorgefunden wurden,
beibehalten, wo sie fehlten, ergänzt.
Von den Urkunden zu vorliegender Publikation befinden sich
die unter II, 111, IV, VII, IX, X, XVI, XX, XXI, XXHI, XXIV, XXVI,
XXIX, XXXX, XXXXI, XXXXII, XXXXV, XXXXVIIa, XXXXVIIII, LH,
Einleitung. XXXI
LIII, LV, LVI, LVIIII H und I, LXIV, LXVIII mitgeteilten im Großh.
Generallandesarchiv zu Karlsruhe, die unter XXX und LIV aufge-
führten im Spitalarchiv, alle übrigen im städtischen Archiv zu Über-
lingen. Das älteste Stadtrechtsoriginal wird noch im Erzbischöflichen
Ordinariatsarchiv zu Freiburg i. Br. aufbewahrt, doch ist dessen Rück-
gabe an die Stadt Überlingen in die Wege geleitet.
Mit Rücksicht auf das noch im Laufe des Jahres erscheinende,
von mir zu bearbeitende Register und Glossar beschränken sich die
Fußnoten fast ausschließlich auf textkritische Anmerkungen.
Dr. Pr. Oeier.
Ueberllngen.
I.
stadtrecht. (St L)
Zweite Hälfte des 13. Jahrh. bis 15. Jabrh.
In Gottes namen amen. Allen den, die disen brief sehent oder
hJrent lesen, kündint wir, der amman, der burgermaister und die rit, ||
der alt und der junge, und öch die zunftmaister der stat ze Überlingen,
das wir mit gemainem rät und unzerworfenlichen durch fiides sterkerung
gebietent allen ünsren burgern ze Überlingen, du nahgesriben gesetzte
and gebot stät ze han und ze behalten, an alle b6se liste.
§1.
Wir habint gisezte und ufgilet^ das die burger, die zum rät
erweit sint, wchegUges an dem fritag zem rät sont gan imd sont in dem
rat sin, e du rätglogge, die man nach der messe lütet, werd verlassen,
es sigi denne, das etlichen, der dar nit eukunt, ehaftigü not sumi ; und
swer zegegen nit ist in dem rät, e du glogge verlassen werde, der git
der stat sehze phenning, und sol man die phenninge nemen^ e das der
rät zergange, und swele rätgebe zem rät kunt, gat der danna an urlub,
e der rät zergat, der git öch der stat zehze phenning.
§2.
Swer a dem rät set, das er nit sagon sol, wirt er der über-
komen mit zwain erb&ren mannen, der git der stat zehen phunt und
dem amman dri Schilling und ist mainaide, und sol jar und tag vor
der stat sin und nümmerme an den rät komen.
§3.
Ir sont öch wissen: swer dehain unzuht* tat wider unser stet reht
und gesezt in dem zile, das anvahet ze Vischerhüsern*, und gat unzint
ze Hansen des Wehters b&cheU, und in dem zil, das in dem Dorf be-
' Aufgelegt. Riezler (s. Bern, am Schluß) liest: üfgilSt.
* Korrigiert aus: niemen. — * Verbrechen i. w. S.
* Vorstadt von Ü.; vor dem jetzigen Chriatofskeller. Die Grenze zog sich von
hier nordöstlich um das Dorf herum und wieder südlich bis au den See.
Oberrheinische Stadtreohie. n, 2. 1
2 ÜberÜDgeD.
griflFen ist, und in dem zil, das von dem Dorf mit dem wege*, der gegen
der Siechobrugge wiset, begriflFen ist, und in dem zil, das von der Siecho-
brugge unzint zem Obern Tor gat, und in dem zil, das von dem Obern
Tor gat unzint zem Miilibach, und fun dem Mülibach unzint zen n&hsten
veluvon*, und fun den veluvon unzint an den Se, und fun dem Se unz
an die Rinchmure, der mflz die unzuht bessiron und bflzen, als er si en-
mitten in der stat hetti getan.
§4.
Wir habint öch gesezzet: swer den andern ze tode sieht in dem
vorgenanten zil, der sol öch nah reht erslagen werden, ez w&ri denne,
ob aine unser burger etlichen fundi nahtes slafßnder diet^ in siner
herberge; ursleht der burger den, ob er sin mit gehaben mach, darumbe
sol der burger mit erslagen werden. Der burger sol öch swem, das er
in binüt* gehaben mfthti.
§5.
Wir habint öch gisezzet: wil ain gast slahen ain burger mit gw&f-
finter haut, wird der gast von dem burger erslagen, so sol der burger
bezügen und fürbringen mit zwain erbS-ren bürgern — beschiht ez tages —
das der gast über in röfti, oder uszügi swert oder messer; und sol der
burger darumbe mit erslagen werden; beschiht es aber in der naht, so
sol ez der burger behabon mit siner aingun** haut und sond im alle
burger raten und helfen, und sol darumbe nüschenit* bessiron^
§6.
Ir sont öch wissen: swer den andern wndot oder in gewirsot' mit
gew&ffinter liant, und in sweles lederhosen ain verborgen mortmesser
funden wirt, und swer überzügot wirt ains mainaides, und swer välschit
etwas, an dem der vi\lsche schinb&r ist, swie es binemmet ist; wirt ieman
überzügot der vorgenantun mistat dehainain, der riht der stat drü pfunt
und dem amman drü phunt ; der sol in vierzehentagen us der stat varn
und sol jar und tag vor der stat sin.
§7.
Ir sont öch wissen: ist dehaine unser burger des andern vigent,
swa der burger den einen vient ze tode sieht oder wndot, oder sussint
> Korr. aus: wiege.
• Weidenbaum, Geflecht aus Weiden zum Fischfang. (Laxer.)
» Mensch, Kerl Aber «slaffinder» Nominativ! (Diet = Zeit?)
• Durchaus nicht. — ^ Sic ! — • Nichts.
• wirseu =: verletzen.
Überlingen. 8
sieht oder übel handilot, der sol die unzuht bfizen, als ob ers in der
I statt hetti getan, oder er sol bew&rn^ mit zwain erbiren zügon, das er
vor mit im trunk und ässi, und mit im früntlich und lieplicli wandleti.
§8.
Wir habint öch gesezzet: swer den andern vr&velicben sieht mit
ungw&ffiniter hat, der git der stat zehen Schilling und dem amman zehen
Schilling. Swaz ain gast aim burger tat mit Worten ald mit werchen,
das sol er zwivalt rihten*.
§9.
Wir habint öch gesezzet: swer den andern lasterlichen schilt, ist
er ain burger, der riht der stat dri Schilling und dem amman dri Schilling;
[schilt abir ain gast ain burger, der riht der stat sehz Schilling und dem
amman sehz Schilling. Es ist gesezt.] ^
§ 10.
Wir habint öch gisezzet: ist öch, das ain gast mit aim burger übel
redet, mach der burger das bezügon mit zwain mannen, sieht denne^ der
burger den gast, oder ieman * von der burgers wegen, darumbe sont sü
nüznit rihten.
§11.
Wir haut öch gisezzet: swer uf den andern vr&velich und Übelich
dringet, der riht der stat fünf Schilling und dem amman fünf Schilling;
ist aber, das ain gast uf ain burger dringet vr&velich und übelich,
der git der stat zehen Schilling und dem amman zehen Schilling.
§ 12.
Wir haut öch gisezzet: swer ainen ierret, der krieger und zürner
schaiden will®, der riht der stat zehen Schilling und dem amman zehen
Schilling.
§ 13.
Wir^ haut öch gisezzet: swenne ain gast kunt in unser stat, so
I sol unser burger, in des herbeg^ der gast belibet, den gast manon und
I haissen, das er swert und messer fun im lege; manot aber unser burger
* AI« wahr dartnn, beweisen. (L.)
' Der Nachsatz von cswaz» an ist von späterer Bd. des 14. Jahrh. mit hellerer
Tinte hinzogefügt.
» Von [bis] mit hellerer Tinte wohl von derselben Hd., von der der Nachsatz
des vorhergehenden Paragraphen stammt, durchstrichen. Die letzten drei Worte sind
▼on späterer Hd. des 14. Jahrh.
* Die Silbe cne» ist von späterer Hd. hinzngefdgt. — * Sc. : anders.
* Wer einen daran hindert, zwei in Feindschaft lebende zu versöhnen.
' Über diesen Absatz steht von späterer Hd. geschrieben: ris (?) — > Sic!
4 ÜberliDgen.
den gast nüt, so riht er der stat fünf Schilling und dem amman dri
Schilling. Ist aber, das der gast versmahot fun im ze legen swert und
messer, und wil ünsren gisezten nüt gehorsam sin, so sol der burger,
in des hus des gastes ros sint, du rosse lasterlichen ustriben und slahen,
und sol der gast umb die versmähde rihten der stat ain phunt und dem
amman ain phunt; und ist, das der burger du ros nüt ussleht, als dik
er das übergat, als dik riht er der stat fünf Schilling und dem amman
dri Schilling. Wir haut öch gisezt, das dem gast, der swert und messer
tret^, nieman ze essen noch ze trinken sol gen, wan ain aingen ertrunch^;
und swer die gisezt brichet, der riht der stat fünf Schilling und dem
amman dri Schilling.
§ 14.
Wir' haut öch gisezzet: w&r, das dehain ünsir burger mit anandren
kriegetint und zerwrfint, swa das beschiht, ist, das der amman, oder
der burgermaister, oder des rätes dehaine*, oder der zunftmaister dehaine
zegegen sint, die sont den kriegern und den zümem gibieten bi ir aide,
das sü ir zorn und ir krieg ablassint, und sweli undir den kriegern nit
gehorsam sint und den ratgieben nit er bietent und unser gisezt briechent,
die gent der stat fünf Schilling und dem amman dri Schilling.
§ 15.
Wir* haut öch gisezt: kriegot ain gast mit aim burger, wil der gast
den krieg and den zorn nüt ablan, so er ermanot wirt fun dem ammaD,
oder fun dem burgermaister, oder fun der rätgeben aim, oder fun der
zunftmaister aim, so sont die. burger allesament, die zegegen sint, an
den gast vallen und haben, unz er die versm&hde gibessiregi; und sol
der gast der stat rihten zehen Schilling und dem amman dri Schilling.
Ist öch, das ein gast ain bui-ger sieht mit ungw&ffinter haut, der riht
der^ stat ain phunt und dem amman ain phunt, und sol iegliche burger,
der zegegen ist, den gast haben, unz er die unzuht gerihte, oder er git
der stat fünf Schilling und dem amman dri Schilling.
8 16.
Ist öch, das ein gast üschit^ ze clagen het uf ain gast, ez w5.r
umb röp, umb diepstal, umb brant®, oder umb ander gelich ding, der
sol in ze geriht fürn mit dem gebüttel oder mit des rihters kneht,
oder mit dem burgermaister, oder mit der ratgieben aim, oder mit der
* Trägt. — « Lies: ertrunk.
• Über diesem Absatz steht von späterer Hand geschrieben: 40 fi" A.
* Einige. — * Über diesem Abs. von späterer Hd.: 5 Pfd.
• Die beiden letzten Worte über der Zeile von späterer Hd. eingefügt.
' Irgend etwas. - « Brandstiftung.
Überlingen. 5
znnftmaister aim; und ist, das der gast willeclich ze geriht wil gan, so
sol nieman siu hant an in legen; leti^ darüber ieman sin hant an in
and viengi in, der riht der stat drü phunt und dem amman drü pbunt.
W&r abir, das der, der ze geriht gerüft ist, willeclichen nüt welti dar
komen, so sol der stat gebüttel oder des rihters kneht den selben vahen
und vr&velich ze geriht ziehen. W&r abir, das der gebüttel umb helfe
fragt: sweli burger das sehent oder hfimt, die sond im helfen; tünt sü
des nüt, so rihtent sü der stat zehen Schilling und dem amman dri
Schilling. Es ist öch gisezt: weit aine ünsir burger ain gast umb die
Yorgenantun sache ze geriht r&fen, das sol er mit des rihters hotten tfin;
mag er den nüt han, so sol er mit dem burgermaister, oder mit der
rdtgeben, oder mit der zunftmaister aim den gast ze geriht ziehen ; mag
er diero öch enhain han, so mag er wol selbe in mit sinen gisellen oder
mit andren burger mit gewalt ze geriht ziehen; der burger sol abir swem,
das er der vorgenanten botton und rätgieben enhain mfthti han; swer
aber nit tot, als da vor gesprochen ist, der git der stat fünf phunt imd
dem amman dri Schilling.
§ 17.
Wir hant öch gesezt: swer den andern wndot mit gew&flfenter hant,
den sol man haben sehs wochan und zwen tag, und besch&hi, das der
gewundot in den selben sehs wochan und zwain tagen sturbi, so sol man
den andern öch nach reht erschlahen. Ist aber, das der gewndot lebt die-
selben sehs wochan und zwen tag, so sol der ander nit erschlagen werden,
doch sol er der stat rihten drü phunt phen'ning und dem amman drü
phunt, und sol us der stat varn, als da vor gescriben ist; und hat er nüt
gfttes, das er die ainung gerihten* mfig, so sol man im die hant ab-
schlahen. Ist aber, das es ain gast tut, der riht die ainung zwivalt.
§ 18.
Wir hant öch gesezt: swer den andern an aim ögen blendet, der git
der stat zehen phunt phenning und dem amman drü phunt phenning, und
so] iar und tag vor der stat sin, und siner helfer ieklicher git öch der stat
zehen phunt und . .^ dem amman dri phunt, und sont iar und tag vor
der stat sin. Swer öch den andern an beden ögen blendet, der git der
stat zwainzig phunte phenning und dem amman drü phunt phenning,
und sol iar und tag vor der stat sin, und siner helfer ieglicher git öch der
stat zwainzig phunte phenning und dem amman drü phunt phenning, und
sont iar und tag vor der stat sin. Swele aber nit hat, das er die ainung
nit gerihten mag, dem sol man ienem * er die ainung
verschult het.
* Legte. — ' Korrigiert aus: berichten.
' Pnnkte im Original. ~ * unleserlich infolge Abreibung.
6 Überlingen.
§ 19.
Wir hant öch gisezt, das enhain erben, es sigint wib oder kinf
sont gelten^ dehain burgschat', die iro vatter oder ir man gelobt hant
§ 20.
Wir hant öch gisezt, das enhaine ünsir burger dehainem gast g(
halti* dehain win, der in unser wingarton ether nüt* wahset; es sol öc
enhain unser burger denselben win weder köfin noch an giilt nemer
swer das gebot brichet, der riht der stat fünf phunt und dem amma
dri Schilling. Swer öch den lüten win gehalt, der in ünsirm ether wahse
die weder stümd noch waohont, der riht öch der stat fünf phunt un
dem amman dri Schilling. Ist aber, das ain gast win köfb umb die bu
ger, der mag in wol legen in die stat unt kunt darumbe in hain schadei
§21.
Wir* hant öch gesetzet, das niemen kain win in kainen torg
sol usgewinnen des wingarten, der nit hie verdienot* ist; und an a
mSnigem der torgelmaister das brichet, da ist der torgelmaister vc
iegUchem der stat vervallen umb ain phunt und dem amman sin geril
§ 22.
Wir hant öch gisezt, das enhaine unser burger niena clagnon s
von dehainen ünsren burgern, wan allaine ünsirm amman umbe dehai
Sache, swie si sige, noch sol die clag niena fürlegen, wan allain ünsen
amman, es wäri denne umb ain e, oder umbe ain mainait, oder um
weher; und swer das brichet, der riht der stat fünf phunt imd dei
amman dri Schilling.
§ 23.
Wir hant öch gesezt, das enhaine ünsir burger umb gült nier
phenden sol, er nemi e urlub von dem amman, von dem burgermaistc
und von aim der rätgeben, und von aim der zunftmaister; der d;
brichet, der git der stat fünf phunt und siner helfer ieglicher fu;
Schilling, und düselbun phant sol nieman gehalten und virphende
wan sin helfer.
» Bezahlen. — ' Bürgschaft.
• Bewahren, aufheben.
* Dieses Wort von derselben Hd. über der Zeile.
* Dieser Absatz, mit blasserer Tinte geschrieben, stammt von einer jünger
Hd. des U. Jahrh.
• Versteuert.
ÜberlingMi. 7
§24.
Es ist öch gisezt: swer ain ros pbenden wil, der tfigi das und durch
der stat ere; und wil der virsezsser^ das ros Iftsen, so sol man im es
wider gen, und sol in nieman daran ierren.
§ 25.
Wir* haut öch gisezt: swer sinem aigen herren dienot us der stat
ludnlichen oder offenlichen mit dehainem gedinge, er schenke im denne
ain kantli wines, den schirmet enhain burchreht, wan als verre du
stür gat.
§ 26.
Wir haut öch gisezt: swele burger ain wip nint mit sfilicbem ge-
dinge, das er verbürgot und gedingot ainen val ', der riht der stat zeben
phont und dem amman dri Schilling; und swele unsir burger dem
selben hilft, der sol die selbun ainung gen und fürbas enhain burch-
reht han.
§27.
Wir hant öch gisezt: swer dem amman drü phunt wettot* und
der stat drü phunt, der sol us der stat vam in zwain wochon und sol
osrant^ der Rinchmur beliben iar und tach; ist abir, das er villicht in
die stat gat in dem vorgenanten zil, so ist er mainait und sol zem andern
mal gezühtigot werden also, das er die vorgenantun ainunge riht der
stat und dem amman, und sol öch us der Rinchmur beliben als vil
zites, als da vor giset* ist; und so iar und tag hinkomet, so soP er in
die stat mit gan, e er von den rätgeben bisent^ wirt, mag öch er die
vorgenantun ainung mit verrichten, so sol man im die haut absiahen.
§ 28.
Wir hant öch gisezt: swer dem andern nahtes sin zun brichet, oder
swer den andern nahtes ungetnilich schadgot in sinen garton, an sinen
rebon, an sinen bomen, an sinen winbern, oder an sinen krutern, das
» Von jüngerer Hd. des 14. Jahrh. durchstrichen; darüber: versetzer.
« Dieser Absatz ist mit jener hellen Tinte, mit der die Nachträge des 14. Jahrb.
geschrieben sind, durchstrichen. (Erscheint aber trotzdem in der späteren Redaktion
des Stadtrechts wieder.)
s Val ist zunächst Todfall, dann das, was dem Herrn eines Gutes entrichtet
wird, wenn dasselbe durch Tod (val) oder sonstwie den Besitzer ändert. (L.) Vgl.
Privileg K. Rudolfs v. 1275 : quod nemo decedentis bona sibi debet attrabere eo iure,
quod cval> vulg^riter appellatur.
* Strafe bezahlt; vgl. wettphenniger. — * Außerhalb.
« Von jüngerer Hd. des 14. Jahrh. durchstrichen und darüber geschrieben: geseit.
^ Über der Linie von derselben Hd.
' besenden = holen lassen.
R Überlingen.
sont die, den der schad bischiehen ist, sint sü als erbär, es sigin
VTOwan oder man, mit ir ainger^ hant behaben; swer das tftt, der rih
der stat drü phunt und dem amman dri Schilling. Swer öch dem anden
nabtes sin venster zerbrichet, oder in mit dehainer serunge unrüwij
machot, der da gisert wird, der bibebt ez öch mit siner ainger hant, un(
sol mam geloben ; swer abir den schaden tfit, der riht der stat ain phun
und dem amman dri Schilling; und swer den andern schadgot tages ii
sinen wingarten, oder an den vorgenanten dingern, der riht der sta
zehen Schilling und dem amman dri Schilling, und einem, dem er dei
schaden tot, dri schilUng und sin schaden zwigiilten, und sol, der di
geschadgot ist, das mit siner aingun hant behaben.
§ 29.
Wir* hant öch gisezt, das unhaine' ünsir burger sol varn in deÜai:
raise und in debain urlüge^, und nieman ze helfe komen, wan ünsirt
herren, dem künge, und sinem vogt und phleger, an * ünsirs ammani
und des burgermaisters, und der r&t, und öch der zunftmaister urluh
swer das gebot und die gisezt brichet, der riht der stat fünf phunt un
dem amman dri Schilling.
§ 30.
Wir hant öch gisezt: sweli röp köfen, oder in phandes name
üschit daruf lihent, imd in behabent, die rihtent der stat drü phur
und dem amman dri Schilling.
§ 31.
Wir hant öch gisezt: in swelam huse ain für ufgat, swer in der
huse wirt ist, ob der das für verbergen wil und die tür nit uftüt, un<
öch nit sriget, und ob das sin nahgeburen sehent, das er enhain wis^
das für offinot, so mag ain sin nahgebur darüber swern; und riht aii
solicher, der das für verbirget, der stat fünf phunt und dem amman di
Schilling. Wir gebietent öch: und sweli zem für löfent und das fü
nit helfen t löschen, die rihtent der stat ain phunt.
§ 32.
Wir gebietent öch, das dehaine ünsir burger dehain clag haige
umb dehain gült fun den, die vail gut fürnt in unser stat, oder wii
köfen und den verfürn went, und die clag tügi von ir herro weger
es w&ri denne, das sü im von aigern gült, oder von burgscheft' g(
bunden w&rint.
• Eigner. — * Über diesem und jedem der folgenden Absätze steht von eine
Hd. des 15. Jalirh.: scbrib.
• Keiner. — * Krieg. — * Von neuerer Hd. korrigiert in : ane.
• Von einer Hd. des 15. .lahrh. ist hier übergeschrieben: oder ainan verbi<
als heft. — ' Korrigiert von späterer Hd. aus : burgschaft.
ÜberlingeD. 9
§3S.
Wir hant ftch gisezt, das enhain winschenk enhain win türo^ schenken
sol, wan als er in köft, er giwinn denne an dem f&der fünf Schilling
und ain phunt an gevSrde. Der das brichet, der riht der stat ain phunt
nnd dem amman dri Schilling.
§ 34.
Wir* hant öch gesetzet: swele wirt ain win koft ane ander der
rinnen, den sol er schenken nach der stat sazzung; tat er des nit und
verkoft den win anders, denne das er in schenkt nach der stat sazzung,
als dikke er das tut, so riht er der stat von iedem boden' ain phunt
und dem amman sin geriht.
§35.
Wir hant öch gisezt eweclich, das allenn&nglich, es sigint burger
odCT gest, die geköften zinsgelt hant, von hüsern oder fiin hofstetten,
68 sigi in der stat oder vor der stat, die an den stetten ligent, die mit
ÜDsstünrd^, die zinsherren sont den zins wider gen ze lAsen iren zins-
gülton umb das höpgut, da der zins umb köft^ wart, also das die zins-
lieer das höpgät den zinsherren zu sant Jacobes dult gelten sont; ist
aber, das die zins herren das höpgfit verspriechent und es^ mitniemen
went, darnach sint die zins; Iftser ümmirme^ ledig von dem zins doch
sint 8ü des höpgütes den zinsherren gebunden. Ist aber, das die zins-
loser das höpgät bringent nach sant Jacobes tag, so sont sü den zins
desselben iares mit dem höpgüt den zinsherren bringen.
§ 36.
Wir hant öch gisezt: swele burger sinü guter verköfen wil, du
in ünsirm ether üegent, dehainem gast, gailichem* oder weltlichem, der
burger soll mit dem gast sunderlich gedingon, das er von den gittern
dienegi^ als er müsi^^ tun, ob er burger w&ri. Derselbe burger sol öch
vor den rätgieben mit zwain erb&ren mannon bezügon, das er das vor-
* Teurer.
* Dieser Absatz von späterer Hd. des 14. Jahrh.
* Boden =: Faß (pars pro toto).
^ So im Original anstatt: stürnd.
^ = dammb der zins kÖft wart.
* Dieses Wort ist* von einer Hd. des 15. Jahrh. eingefügt.
' Durchstrichen. Darüber von späterer Hd. des 15. Jahrh.: iemerme.
^ Von einer Hd. des 15. Jahrh. durchstrichen und überschrieben: gaischlicheu.
* diene, Steuer zahle.
i<* Von derselben Hd., wie unter 6 genannt, durchstrichen und überschrieben:
m^Bse.
10 Überlingfen.
genant gedinge mit dem köfer habi getan; swele bnrger abir der gisi
ungehorsam ist, der sol den vierdentail desselben g&tes der stat^ riht
und dem amman dri Schilling, und sont die burger den underkfifl
swarlich zühtigon.
§ 37.
Wir haut öch gisezt, das weder ain amman noch sin erben,
der amman mit en ist, oder von dem amt gisezt wrdi, enhain gült V(
dron sont, noch niemen umb dehain unzuht, von bürgern oder von gestc
§ 38.
Wir hant öch gisezt, das enhain ünsir burger, es sigi wip oc
man, köfi oder verköfi dehainü göter, du in dem ethern ligent,
ainem libtinge; swer das mit st&t het, der riht der stat funfphunt uj
dem amman dri Schilling*.
§ 39.
Wir hant öch gisezt: swer den andern [an dehainen sinen lid€
gewirset, das sü im unnuzze sint, ane an den ögen, der riht der s
drü phunt und dem amman dni phunt und sol jar und tag vor c
stat sin].*
§ 40*.
Wir^ habin och gesetzt, das enkain unser burger noch niem
anders, über den wir ze gebietent habint, enkain frowen zer e nem
sol, du der herren von Salmenswiler aigen ist, es w&r denne, das d
selb man och der herren von Salmenswiler aigen w&r von dem Hb . .
Es sol och enkain frow enkainen man ze der e nemen, der der herr
von Salmenswiler aigen ist, es wir denne, das düselb frow och d
herren von Salmenswiler aigen w5r von dem lib. Wer aber das üb(
fAre, es w&r wib alder man, der sol den burgern und der stat vervall
sin das drittail alles des gutes, das er denne hat, es sie ligent ald
varent gut, als dikk das von ieman überfarn wirt, und dem ammi
sin geriht.
§ 41.
Wir habint och gesetzt : wer sinem aigen herren dienot uss der stj
hainlich alder offenlich, mit dehainem ding, er schenk im denne a
kSntli wins, den schirmet enkain burgreht, won als verre dii stür ga
' Diese beiden Worte über der Linie von gleichzeitiger Hd.
' ünterkaufer, Unterhilndler.
* Eine Hd. des 15. Jabrh. fügt hinzu: und sol och nit kraft han.
* Von [bis] von jüngerer, aber noch dem 14. Jahrh. angehörenden Hd.
» Dieaer und die beiden folgenden Absätze gehören der 2. Hälfte des 14. Jahrh. s
* Dieser ganze Absatz mit gleichfarbiger Tinte durchstrichen.
' Punkte im Original. — * Bis hierher übereinstimmend mit § 25.
Überlinjjren. 11
. . . .^ Aid w&r och, das sich ieraan mit sinem aigen herren satzti
also, das er im järgelichs ainen genanten zins gäbe, es w&r pfeSers,
wachs, phenniug, ald welerlaie es w&r, das wider unser stett reht und
gesetzt w&r, alder erb alder v&lle hinuss g&be. Wer aber diser vor-
gescribenen stukk dehaines bricht mid überfert, es sie wib alder man,
der ist och den bürgern und der stat vervallen ains drittails alles des
gfites, so er hat, es sie ligent alder varent gut, und dem amman sin
geriht, und sol darzu iemerme ussrent dem ettem sin.
§ 42.
Wir habint och gesetzt, das enkain unser burger noch nieman,
über den wir ze gebietent habint, enkain reban legen sol &ssrent den
zun, als unser etter begriffen het, und als er geordenot ist, als unser
vehwaid gat; und wer das darüber t&t, der riht der stat von ieder hof-
stat 5 flf, und dem amman sin geriht, als dikk ers tut, und sol man die
reban ussziehen und das vehe darin schlahen, und damit fr&velt nieman.
§ 43.
1864, Juni 1.
Wir* habint och gesetzt: wer der ist, der unser burger ist, und der
von ungehorsami wegen burkreht ufgit darumb, das er nit burgermaister,
noch rätzherre, noch zunftmaister, noch ain vierundzwainziger, noch
ain ainlüfer werde, ob man sin an in kunt, wele burkreht darumb ufgit,
und dafür nit swerren wil, das ers darumb nit entigi', der sol fünf jar
vor der stat sin ussrenthalb ünserm ettem, und sol in och die fünf jar
enkain unser burkreht nit schirmen, und sol och die fünf jar unser
böiger nit haissen noch sin. Actum anno LX^IV® prima die Junii.
§ 44.
1364, Jani 19.
Wir habint och gesetzt: wer den andern von zornes wegen iu dehain
hus jegt und im über* die s welle inhin nachloffet, er slahe oder er slahe
nit, es sie ainer alder me, und wie maniger iro ist, der sol iegelicher
fünf phunt ^ gen, und dem amman sol von den 5 ff werden 10 |i, und
sol darzfl jar und tag vor der stat sin, ussrenthalb unserm ettern, als
dikk ers tut; und wer dis vorgeschribenen Satzung überfert mit gew&f-
fenter haut, der riht der statt siben phunt phenning und dem amman
drü phunt phenning, als dikk ers tut, und sol darzü jar und tag vor
der stat sin ussrenthalb unserm ettern.
^ Punkte im Original. — > Dieser nnd die folgenden 3 Absätze von neuerer Hd.
• Tue (mit Negation).
* Diese drei Worte doppelt, das erstemal jedoch durchstrichen.
12 Überlinfi^n
§ 46.
War och, das ieman also in debain hus gelegt würdi, was der
der Wirt denne zemale darzft t&t, ane den todslag, der sol darumb nit
schaden komen; doch ist mit namen ussgesetzt umb schädlich lüt, :
ob ieman den andern wundoti oder erschlüge, dem sol man nachlof
in hüser und och süss als vormals, es sie mit dem geriht oder ane <
geriht, und sol man in haben und dem geriht antwürten ; in sol aber i
man schlahen, es war denne, das er sich nit wolti lassen vahen. Act^
feria quarta ante Johannis Pabtiste anno LX^quarto.
§ 46.
Wir habint och gesetzt: wer gestrafFet wirt von kainerlai unzi
wegen vor der gemaind, vor dem klainen rät, alder vor geriht,. wer <
&venren^ wolti an ir aller kainem, der riht der stat die bftss in al
der wise, als es verscriben ist von der fridbr&chi wegen. Actum ut sup
§ 47.
Wir* haben ouch gesetzet: weller ingesessen burger ainer geritt
botschaft bedarf und man sie dem schikt, ob sich dann ain klaiuer n
mit dem mereren tail erkennet, daz er des schaden haben sulli, so ;
er der botschaft mit zwain pferden, die nit über naht uss ist, geben 3 ji
belibet aber die botschaft über naht uss, wie dik das beschähi, so i
er 6 (J ^ geben.
§ 48.
Wir* haben ouch gesetzt: wer dem andern an liggent phant v
setzen wil, der sol gan für unsern statschriber und sol im das ph«
da versetzen und ufgeben, und sol ouch daz phant in unser stat phai
buch uf denselben tag verschriben werden, und sol daz phant nit fi!
versetzet werden, denn dem ersten, unschädlich, und sol intweder d(
statschriber vier phening geben, und sol kain andrü versatzuug wec
mit luten noch mit briefen weder kraft noch macht me haben, won <
imb buch stat, also daz daz buch vor allen dingen gan sol; und v
das buch feltschet, der ist der statt vervallen 6 ff ^, und sol jar u
tag vor der statt uss dem ettern sin.
§ 49.
Wir haben ouch gesetzt, daz nieman sin aigen mit lii)ding schwai
sol, er welti dann sin kint gaistlich damit versehen.
» äfern, eig. wiederholen, gehässig wiedervorbringen, tadeln, rächen.
* Dieser und der folgende Abs. von verschiedenen Händen aus dem Ende •
14. und dem Anfange des 15. Jahrh. — » Berittener.
* Dieser und der folgende Absatz von derselben Hd. wie der vorhergehende.
/
Überlingen. 18
§50.
Wir* haben ouch gesetzt durch merer fritz willen: wer dehain un-
xobt t&t wider unser stat gesetzt, gewonhait und recht, ez si mit werten
ald mit werken, wa das beschiht, es si vem ald nach, inwendig' ald
asswendig unsem gerichten und gebieten^ kompt das ze klag der sol
und mÄs die unzuht und frevli bessern und bissen gelicher wise, als
ob er es inmitten in der statt getan hetti.
§ 51.
Wir habet' gesetzt, daz nieman den andern ane dez räts oder dez
menren taU dez räts urlob in unsem ettem widert vachen noch bifangen
sol in dehaine wise. Wer aber, dez ieman den andern viengi, ald daz
kain geschell^ ald geschrai in ünserm ettem wrdi, so sol menglich,
alz bald er daz hfirt, ald siecht, ald gewar ald inne wirt, bi dem aide
zischrigen, zuloflFen und darzfi komen und tun* nach aller vermügent,
ane geverde; wer aber daz nit t&ti, und dez über wrdi*, den wil ain
rat schwäre darumb straffen und bAssen.
§ 52.
Wir habint ouch gesetzt, daz nieman, über den wir ze gebietent
habint, kain stabrais, kain samnung, kain überzog, kain glfiff, noch
kainerlaig zonge^ ane dez räts oder dez merren tail dez räts urlob nit
bwen*, machen noch tun sol umb kainerlaig sache; wer ez aber darüber
diti, so kumpt der ursacher als menger der meri ieglicher umb 5 ff und
ir helfer ieglicher umb 1 ff der statt.
§ 53.
Wir haben ouch gesetzt: wenn man burgrecht licht, daz der am
bufgrecht ver . . . gen® sol, alz da her und was in der rät haisset an
ain huss liegen, daz sol er . , . h . . .®.
§ 54.
Wir^^ haut öch gisezt: swer der ist, der dem andern sin hus, ald
bof, ald sin garten, ald dehain sin aigen, das in dem ethern lit, ansprichet
anderswa, denn vor ünsir stette amman ze Überlingen, bihebt er daz
^ Dieser und die folgenden drei Absätze von anderer Hd. um 1400.
' Ein vorausgehendes: uswend ist durchstrichen.
'Sic! — * geschell = Kollektivum von Schall, Lärm.
' Mangels eines darauffolgenden: cschuldig sein» ist so zu schreiben, nicht wie
Kiezler ediert: zö schrigen, zu loffen usw.
* So im Original. Wohl zu ergänzen: über f am wrdi. — ' Zank, Streit.
* Offenbar ein Schreibfehler. In St. II § 58 statt desecn: bringen, bezw. brucben.
* Unleserlich infolge Abreibung.
*^ Dieser und die folgenden Absätze von der ersten Hd.
14 Überlingen.
iena anderswa, swer der ist, der daz köfet, der sol niemmer burger
werden ze Überlingen. Der ez ftch emphahet oder buwet, der sol die
grossun ainunge gen^ als dike, so ers brichet.
§ 55.
Wir hant öch gisezt, das enbain gast enhain gut, das in ünsirm
etber geliegen ist, ze libtinge köfen sol; köft abir ers darüber, so sol
er davon* dienon, als er müsi tun, ob er burger wiri. Welt abir der
gast von denselben gAtern nüt dienon, so verbieten wir allerm&nglicb,
das im ieman dehain dienst tugi. Swer im darüber dienot, der git der
stat drü phunt und dem amman dri Schilling.
§ 56.
Wir' hant öcb gisezt, das nieman zen haim brutloft^ me sol han
denne zwainzig schüsla. Swer das brichet, der riht der stat zehen phunt
und dem amman dri schilUng.
Wir hant öch gisezt: swele vr&velich a dem rät gat, so wir an
dem rat sizzent, der sol fünf Schilling gen; ist aber, das uns dunket,
das er als gar vr&velich drab^ gat, so sol man in fürbas b&zzen.
§ 57.
Swer der ist, er sigi amman, er sigi lüpriester*, oder swer in dem
geribt seshaft ist, geistlicher oder weltlicher, in des gewalt mag man
wol verbieten, swas dehaiue in ir gewalt het, das man sol verbieten.
§ 58.
Swer der ist, der burger ist, der wider den burger wirbet, das der
stat schad ist, oder ze schaden komen mach, der sol vierzig phund gen
und sol zwai iar vor der stat sin, und sol dennoch stan an dem burger-
maister und an dem rät und an den zunftmaistem, wie in die für-
bas bäzzint.
§ 59.
Wir hant öch gisezzet: swer dem andern sin ewip enwechffirt,
der riht die grossun ainung; vint aber er dehain sin gut bi iuan^, wan
als si ze kilchun und ze stras gat, so sol ers uf in stossen als uf
ain diep.
§ 60.
Swenne der münser^ ze wehsei sizzet, als er dur reht sol, so sol
nieman wehsilon, wan ze im, oder er git der stat fünf Schilling und
dem amman fünf Schilling.
1 geben. — ' Korrigiert. - « Dieser Absatz von spaterer Hd. durchstrichen.
* Brautlauf, Hochzeit. — * darob, davon.
• Leutprietter. — ' Von späterer Hd. darüber: inen.
e Der Münxer, der demnach zugleich das ausschließliche Wechselrecht hatte.
OberÜDgen. 15
§ 61.
Swer amman ist, swas gfites der het, das sei er nüt virdienon;
BIS er aber darnach gfites köft, fürst ^ er amman wirt in dem ethern,
3 sol er virdienon.
§ 62.
Wir hant ftch gisezt: swele sinem vatter üschit nint*, es sigi wat
[er Waffen, das er verspilot oder vertrinket, oder swar ers tut, swa sü
18 vindent, das sol man inan wider gen.
§ 63.
Wir' habent daz gesezt: swer dem andern sin bftm abehöwet, ald
1 reben ushowet aldir zert*, odir mfitilingen verbrennet und unwider-
it* inrent dem ethem, mag er das übirkomen mit zwain erbern un-
Tsprochenen mannen, und sin hant du dritte si, den sol man vom
Ipt t&n. Ist abir, das ainer spräche: ich han im widersait, gat daz
Q6n burger an, so sol och ers bizügen mit zwain erbern bürgern und
18 sin hant du dritte si. Gat es abir ainen an, der nüt burger hie
; und sus hie dienot, den sol man erzügen mit denen, die dieselben
enst hie tont, ald mit burgern. Wir abir, daz ers fürbraht, als die
irger gesezt hant, darumbe war er nüt ledich, er sol die grossen ainung
iten und enem sinne schaden abtfin.
Wir hant öch gesezt: wäxi, das zwen mit* ainander kriegtent
balklich vor giriht, und das in der amman gebütti ze swigene, täten
' es^ dur des gebottes willen nüt, so sftltent sü dem amman gen ain
Hut und den bürgern ain pfunt; würdent abir sü gen anderen dringent,
sftltent sü dem amman fünf pfunt und den burgern fünf pfunt geben';
irdent abir si slahent®, swer es denne anevieng®, der sfilt dem amman
kea pfimt und den burgern zehen pfunt ^^, und jar und tag vor der
itsin. V&lst^^ aber iemen dem andern einen ait vor geriht, der gibit"
m amman drü Schilling und den burgern drü phunt^^.
1 = vür daz, von da an, sobald, nachdem. — • nimmt.
* Dieser imd die folgenden Absätze stammen aus dem 14. Jabrh.
* Vom vorbergebenden Verbum ist nocb «us» zu ergänzen ; uezert = außreißt.
* Obne Aufkündigung der Freundscbaft und Ankündigung der Febde.
* Ein vorausgehendes «mit» durchstrichen.
' Dieses Wort von späterer Hd.
^ Diese Form ist nicht Partizip, wie Biegler meint, sondern Infinitiv.
* Von späterer Hd. durchstrichen; darüber: anvieng. — ^^ sc: geben.
^* Dieser Satz von wenig jüngerer Hd. des 14. Jahrb.
" Von späterer Hd. durchstrichen; darüber: git.
^* Am Rande von späterer Hd., 15. Jahrb., 10 pfd.
16 Überlingen.
§ 64.
Wir^ hant öcli gesezt: swer ainen fride, den . . .* die rii, ald
ander erber lüt machent, bricht mit worten schalklich und fr¥licb,
der riht der stat fünf phunt und . . .* dem amman sin reht Swer
aber den frid bricht, also das er ainen mit truknen straichen' schiebt
ane gew&Sent hant, der riht der stat zehen phunt phenning und dem
amman sin reht, und mAss jar und tag vor der stat sin. Swer aber
den frid bricht, daz er^ ainen sclüeht mit gew&ffenter hant, der riht
der stat zwainzig phunt phenning und dem amma^ sin reht, und mAss
jar und tag vor der stat sin; und het er der vorgescriben bftssan nit
ze rihten, so sol man im es ab dem Üb nemen.
§ 65.
Wir* hant öch gesezzet: swele burger überkomen wirt mit zwain
erb&ren mannen, das er dehain miet nint von des gerihtes w^n,
der sol die grossun ainunge rillten, und sol an geriht noch an rate
niemmer komen.
§ 66.
Wir' hant öch gesezzet: swel Jude, es sige vrowe oder man, dehain
aigen in ünserm ethem köfet oder ze gelt nint umb dehain ünsem burger,
so sol der iude gen vierzig phunt phenninge an dise stat und dem
amman sin gerihti, und sol jar und tach vor der stat sin, und der
burger, der in das aigen git, der sol öch vierzig phunt an dise stat
gen und dem amman sin geriht, und sol öch jar und tach vor der stat
sin, als dike so sü das gebot brechent. Wir habint öch gesezzet: köfet
dehain Jude, es sige vrowe oder man, dehain aigen umbe ainen gast in
ünserm ethem oder nint ze gelt, so sol der Jude zwivalt ainunge rihten,
als ob ers köfti umbe unser burger ainen, als dike, so ers brichet.
& b4.
Wir* habint öch gisezzet: swer hinnanfür in unseren gerihten^
buwen wil, daz der mit ziegeln deken sol und die wende biwerfen mit
phlaster oder mit laime, ald aber muron^^. Swer daz nit tut, der git der
stat zehen phunt und stat dennoch an dem , . V rate und an den . . .^'
zunftniaistern, wie man in furbaz bösen sul.
• Dieser Absatz von anderer Hd. — - Punkte im Original.
• Trockene Streiche, auf die kein Blut tiii-bt, — * Auf Ra^nr. - * Sic !
• Dieeer Absatz tod der ältesten Hd.
" über dem Abijatz steht von einer Hd. des 15. Jahrb. ^reächheben : non legatur.
• Dieser Absati von si>dterer Hd.
• Diese drei Worte *ind von einer Hd des 15. Jahrb. nachj^etracen.
10 oder aber er »oll maaern. — «* Punkte im Original.
ÜberliDgen. 17
§ 68.
[ Wir * hat öch gisezzet : swer amman ze Überlinge ist, das der nit
gastgiebe noch oflfine wirt sol sin. Swa er das brichet, so sol er der
stat zwainzig phunt gen, als dike so ers brichet. W&r abir, das der-
selbe amman nit gehorsam welti sin der dinge, als da vor gesriben stat,
so sol denselben amman nieman gemeinsamen. Wer abir das brichet,
der riht der stat ain phunt als dike ers brichet '.
§ 69.
Wir ' hant och gesezzet, daz enhain kint, es sige tohter alder sun,
nnder ahzehen jaren enkain gewalt hat ze tun, daz im sch&delich an
sinem g&t mugi gesin, mit kainan Sachen. War aber, daz ez dekainr
dinge notürftig w&r, so sol es mit sinen guten fründen ald lantlüten*
für den rdt komen und sol dem rät die sach fürlegen, und swas im
denne die rätgeben erlobent, dez het es gewalt ze tun.
Wir hant öch gesezzet: swer hie sessehaft ist und^ iemans bürg
wirt, also daz er laisten sol, der sol ain mal an dem tag^ laisten und
nit me, und sol in nieman furo nfiten.
§ 70.
Wir haint öch gesezzet durch frides willen, daz nieman sich ge-
Tärlich noch bedahkUch besamenen sol über den andern von zoms
alder von krieges wegen, also das er den andern überlofen welli in sinem
hos, alder in anderen hüsem, als an den Strassen. Swer daz tut, als
da vor gescrieben stat, der git der statte fünf phunde und dem amman
diie Schilling und sol jar und tag für die statte.
§ 71.
Wir^ haben öch gesetzet: swer dem andern sin kint zu der ß an-
spricht, es sigen vrowan alder man, mag der sin reht nüt fürbringen
alder behaben an gaischlichem geriht, als er durch reht sol, so sol er
{ der stat gen zehen phunt ze beserung und dem amman sin reht, und het
^r des gutes nüt ze gen, so sol man im die band abschlahen und zu
der bfis sol er iemer eweklich von der stat sin.
§ 72.
Wir® haben öch gesetzet: swela® ainen akker köft alder zinset,
das er ainen nüsatz ^^ daruf leg, der sol den nüsatz ald den wingarten,
> ' Hier beginnt die Bückseite des Rodels. Der Absatz gehört dem 14. Jahrh. an.
* Über dem Absatz von späterer Hd.: non legatur.
i * Dieser Absatz von anderer Hd. — * Landsleuten.
:' * Dieses Wort von späterer Hd. über der Zeile.
* Gerichtstag, Termin. — ^ Dieser Absatz von anderer Hd.
' Dieser und die beiden folgenden Abs. sind mit hellerer Tinte durchstr.
* wer immer, quicunque.
'* Daher akker = Grundstück überh.
OUnbeinlschc Stadtrecbte n, 2. 8
18 Überlingen.
den er darus erzüht, niemer verköfen in den n&hsten zehen jaren na
der zit, do er in inlet^; und swer dawider tut, der git an die stat fun
phunt, und dem amman sin reht.
§ 73.
1980
juu 2». Wir haben öch gesetzet in dem jar, do man zalt von gottes gebür
drüzehenhundert und drissig jar, an dem nähsten sunnentag nach san
Jacobs tag, das niemen, der in ünserm gebiet ist, uf dehainem veld aldei
akker, daz er von dem hütigen tag köfet alder iezo empfangen het
alder noch emphahet umb ainen gesatzten zins, dehainen wingartei
alder nüsatz legen sol ; und swer das übergat \md bricht, der mus vor
ieder hofstat, die er lait, den burgern fünf phunt phenning gen unc
dem amman sin geriht, und mus doch darzü denselben garten lan zergan
het aber ieman ain veld alder ainen akker, die uf den hütigen tag sin
aigen sint, da let er selb wol ainen garten uf *, das er nüt darumbe biizet
§ 74.
Wir* haben öch gesetzet umb den Ion der werklüt, die in den garteD
würkent, das in der zit, so man us den torgeln gät, unz an die lieht-
misse, so sol man ainem grubenraiter, und ainem grubenertwerver, und
ainem spizzer, und ainem schnider, und ainem, der graben ufwirfet
fünf phenning ze tagelon geben, und ainem tunger sehs phenning; und
von der liehtmisse unz an den herpst, daz man wimnot, so sol mar
ze Ion geben täglich *.'ainem schnider äht, ainem spitzer sehs, ainen
tunger Sht, ainem graber nun, ainem stösser vierzehen, von binden süben
ainem grüber äht, ainem leger zehen, von erbrechene und von ufbindei
süben, ainem valger nun phenning, und wil iemen den werklüten z(
essene gen, der sol für die spise ieklicliem, den er ätzet, drie phennini
abschlahen des vorgescriben lones; und swer dise gesezet übergat, e
sige, der den lön git aldir nimt, der wirt der stat fünf Schilling wetten
und dem amman sin reht, als dikke so er es tat.
§ 75.
Wir^ haben öch gesetzet: swer iemen den andern siht wundei
inrent den ziln ünsers gerihtes, der sol zurufen und schrien mängelich
alder tat er des nüt, wirt er des überzügot mit zwam mannen, so gi
er der stat fünf phunt und dem amman drige Schilling, und müs ja
und tag vor der stat sin.
1 einlegt. Gedacht ist an das Einlegen der Rebstöckc.
* Daranf mag er wobl einen garten anlegen.
* Dieser Absatz von anderer Hd.
^ Ein voransgebendes «ainem» ist dnrobstricben.
* Dieser Absatz yon anderer Hd.
Überlingen. 19
§ 76.
Wir^ habent öch gesetzet: wer der ist, der unser burger ist, der
laim phaffen, alder gotzhus, alder closter, alder dehaim spital, alder
liainer kilchen, alder orden dehain gut git, es sige hüser, garten, zins,
leer, wisan, bongarten alder dehain ander aigen, wie es genemt sige,
s in unser stat und in ünserm etter gelegen ist; wer der ist, als da
rbenemt ist, dem solich gut und seigerät gegeben ist, der soll es in
Q n&hsten jars frist verköfen und ainem ünserm burger ze köfen gen,
d swa er daz übergienge, daz er dez nit entät, so ist dazselb gut
wallen wider an desselben nähsten erben, der daz gflt gegeben het;
d w&r Ach, daz dieselben erben näh dem gut inront dem nähsten
inot näh dem jär sich des gätes nit underziehen wAltent mit klag
id mit andren rehten, so hant die burger ufgesetzet, daz inen dasselb
t yervallen' sol sin an die stat.
§ 77.
Wir' habent ouch gesetzt, daz kain unser burger kain kloster, noch
in gotzhus, noch an kain kilchen, noch an kain altar, noch an kain
mnung, noch an kain spital, noch kainen veldsiechen kain aigen ze
fent sol gen, noch enkain weg fftgen*, weder umb süsse ^ noch umb
^ing, daz in ünserm etter gelegen ist. Es sol ouch kain unser burger
in sin kint ze kloster beraten mit kainem aigen, daz in ünserm etter
legen ist, also daz daz aigen dem kloster icht belibi. Wer der stuk
hains überfert, so sol dezselb t&tis^ gut der stat halbes vervallen
L lüi.^
§ 78.
Februar
Du® Satzung beschach, do man zalt von gottes gebürt drüzehen- ^*'^
indert jär, darnah an dem drü und drissigosten jär unser vrowen abent
der liehtmisse^.
1 Dieser Absatz von anderer Hd.
* Im Orig.: veruallem.
' Dieser Abs., aas der 2. Hälfte des 14. Jahrb., steht im Orig. zweimal; jeder
«. rührt aber von a. Hd. her. Beide Aufzeichnungen stimmen jedoch — abgesehen
D einzelnen Abweichungen in der Schreibweise — wörtlich überein. Hier ist der
eite, lesbarere, wiedergegeben.
* in anderer Weise verfügen. — * umsonst. — • Sic!
' ? vielleicht Jahreszahl: [13J53?
* Dieter Absatz von anderer Hd.
* Dieser Abs. mit blasserer Tinte durchstrichen.
20 OberliDgen.
Wir^ habint öch gesetzet: swä zwai hüser alder zwo hofstet an-
ander stössent, swedern huswirt da muron wil und ain erbern buwe tfln
wil, das er am gaden über das ertrich muron wil des ersten jars, so sol
in der ander lassen muron ufiFen gemain ertrich, als dikke so er die
mur machen wil. Wfir aber, das er sich des übersehen wÄlti, das er
sines nächgeburen ertrich ze vil invahen w51ti zu der mur, so sont die
rät ze Überlingen dar, gan und in sweler dikke sü dunkt, daz die mur
sAIi sin, nah dem sol öch er sines nahgeburen ertrich invahen und du
furo, und sol öch du mur gemain sin des, der dem andern sin ertrich
git, das er uf dieselben mur murie und darin dramie*, und öch daruf
und darin buwe, won es ain gemainü mur sol sin.
§ 79.
Wir^ haben öch gesezzet: wa zwen nächgeburen anander stössent
haut lius oder hove, akker oder wisen, wingarten oder bongarten, oder
wie es genemt ist, das in ünserm etter gelegen ist^ war, daz ain naJi-
gebur, der an den andern sftllich gut stossende het, graben wÄlti uf
sich selber, oder uf sinen nächgeburen, das sinen nachgeboren duhti,
das es im schädlich war, haisset er im denne den amman oder der rit
ain oder der zunftmaister ain ainen hotten erloben, und das er sinen
nahgeburen verhütet von dem amman und von den burgern, das er iht
mer grabi, won in dunki, d^is es im schfidli sie, grebt er denne furo
über das gebotte, so riht er den burgern ain phunt und dem amman
drie Schilling, und sont darnach die rät und die zunftmaister zfi dem
graben gan un verzogen lieh; und dunkt sü, das es sinem nächgeburen
unschädelich sie, so sol er sin werk voUefilren; ist aber, das es die rät
und die zunftmaister dunkt, das es sinem nächgeburen schädlich sie, so
sont sü im verbieten, das er ütz mer da gra])i. W61t aber er das gebotte
Übergan, und wftlti furo graben, so stat es dennoch an den raten und an
den zunftmaistern, wie sü in furo bützint, oder ob er es nüt miden wÄlti.
§ 80.
Wir* haut öch gesetzet: war, das dehain unzuht in unser stat
widerfür, das iemcn ^ewundot oder erschlagen wurdi, oder dehain andern
fräfli icnien widerfür in unser stat, oder in ünserm geriht; ist, das ain
goschraie wirt, und die hit zülöfent und den, der die fräfli getan het,
gern viengent, wolt sich der fräventlich werren, und wftlt sich nit lan
vahen, wurdi der gewundot oder erschlagen, der die fräfli gettin het.
* Am Rande von einer Hd. des 15. Jahrb.: über das buwen.
* dramen = mit Balken versehen.
* Dieser Abs. von a. Hd.
^ Dieser und der folgende Abs. von ders. Hd. wie der vorhergehende.
Überlingen. 21
und sin fründe wftltint den zihen, der in erschlagen oder gewundot het,
das er durch m&twillen getan hetti, mag derselb denne, den man es
zihet, zu den hailigen sich entschlahen, das er im es durch notwer sines
libes getan habi, und das er sich nit wAlti lan vahen, so sol weder der
amman, noch die burger enhain geriht zu im nemen, weder zu sinem
lip, noch zu sinem gut. W&r aber, das der, der die Mfli getan het,
als da vor geschrieben stat, für die stat entrünnen, sendent im denne
die burger nahe, und haisent in vahen vor der stat, und dem geriht
antworten, wÄlti er sich denne werren Mvenlich, und wÄlte sich nit
lan vahen, wurdi er darüber gewundot oder erschlagen, und wÄltin denne
sin fründe zihen den, der in erschlagen oder gewundot het, das er es
durch mutwillen getan hetti, mag derselb denne, den man es zihet,
zu den hailigen entschlahen sich, das er im es durch notwer sines libes
getan habi, und das er sich nit wÄlti lan vahen, so sol weder der amman,
noch die burger, enhain geriht züz im nemen, weder zu sinem lip, noch
rf sinem gut. Wurdi öch ain zfilofiFen us den garten uf den, der die
iräfli getan het, mag sich denne der, der da zugeloffen ist, und in ge-
wundot oder erschlagen het, öch entschlahen zu den hailigen in allem
dem reht, als da vor geschriben stat, so sol weder der amman noch
die burger enhain geriht züz im nemen, weder zu sinem lip, noch zu
sinem gut.
§ 81.
Wir haut öch gesetzet: swer dem andern sin aigen oder sin phand
verhütet, ierret er in darüber uf sinem aigen oder uf sinem phand, der
git den burgern zehen Schilling, dem amman drie Schilling, und dem
clSger drie schilüng, als dikke, so er es tut. War aber, das er sin logen ti^
so sol man in sin erzügen oder sin reht darum b nemen.
§ 82.
Wir * haut öch gesezzet : es sien wingarten, oder wisan, oder ükker,
)der hofstet, das die nieman furo sol swärren mit kaim zins, es sie
ienne als verre, das er es verlihen welle ze hüsern, so hat er gewalt, das
jr sü wol verlihen mag; w&r aber, das du hüser abbrunnen oder abge-
)runnen wSrent, so hat er nit gewalt, furo uf die hofstet zu schlahenne
cain zins ze marktreht, er hat nit gewalt, kain hus furo ze swJlrene mit
caim zins. Swer aber das briht, der riht der stat drü phuut und dem
tmman sin geriht.
Wir haut öch gesezzet: swele burger dem andern in sin hus gat,
3S sie tags oder nahtes, und im sin wirtene, oder sin tohter, oder sin
* leugnete c. Genet.
* Dieser und die beiden folgenden Abs. von a. Hd. des 14. Jahrh.
22 Überlingen.
swester, oder siu mfimen^ oder sin erberen gehusen scbrfiget und übel
handelet, und si benötzogen wil, wirt das gesehraige als groß, das er
und sin husgesinde und sin nahgeburen sin geinrot werden, so sol der,
der die unzuht getan het, der stat rihten fünf phunt und dem amman
fünf Schilling, und sol iar und tag vor der stat sin. Tut es aber ein
gast, der rihtet dieselben^ ainung zwievalt. x 1*.
§ 83.
Wir hant öch gesetzet: swele gast den andern anvallet, und in
vahet von gült wegen, ane den amman oder ane des rätes ain, oder
ane des zunfbmaisters ain, der riht der stat fünf phunt und dem amman
sin geriht.
§ 84.
Wir' hant öch gesetzet, das . . .* die zunftmaister und . . .* die
gemainde gewalt hant, das si sont &llü jar ainen burgermaister setzen;
und wenne der das jar burgermaister ist gewesen, als in . . .* die zunft-
maister und du gemainde gesezt hant, so sont denne . . .^ die zunft-
maister und . . .* du gemainde aber ainen andern burgermaister setzen,
der das jar nit burgermaister ist gewesen ; und wele denne burgermaister
wirt, so sol derselb burgermaister und . . .* die zunftmaister zu der
gemainde sitzen, und sont von der gemainde ainlif nemen, die under
den burgermaister swerent, und sont denne . . .* der burgermaister und
. . .* die zunftmaister und . . .* die ainlif und du gemainde den rat
sezzen, nüwen und alten, und öch die vier der vierundzwainzgen also,
das si zfi dem rät nemen sont, wen si went, er sie vor an dem rät
gewesen oder nüt, der sü alle oder iro der mer tail dunkt, uf den aid,
der darzü gut und nüzze sie; ... .^ sol man öch &llü jar ainen rät
sezzen, als da vor beschaiden ist.
§ 85.
Wir^ hant öch gesetzet, das ieglichü zunft soll Mlü jar ainen zunft-
maister sezzen, und wenn aiu jar uskunt, mag denne ain zunft aber
denselben zunftmaister erbitten, das er das nahgändig jar aber iro
zunftmaister sie; das mag er wol tun, und sol denne du zunft, so du
zwai US sint, ainen andern zunftmaister nemen, das si den selben nit
nemen sol, der vor die zwai jar ist zunftmaister gewesen.
» Auf Rasur. — ' V^ohl Jahreszahl [13J 40?
» Dieser Abs. von a. Hd. 2. Hälfte des 14. Jahrh.
* Punkte im Orig. — » Unleserlich infolge Abreibung.
• Über diesem Abs. von einer Hd. des 16. Jahrb.. non legatur.
Überlingen. 28
§ 86.
Es* het öch' der burgermaister, . . .* die zunftmaister, und . . .'
du gemainde ze Überlingen gesezt^ das enkain antwerk . . .' sol enkainen
zunftmaister nemen, won der^ ain antwerk tribet, das in derselben zunft
ist, ane alle gev&rde.
§ 87.
Wir habint och gesetzt umb den Ion der werklüt, die in den garten m»?28.
würkent, das in der zit, so man uss den t&rgeln gat, unz an die liecht-
miss, so sol man ainem grübenraiter, ainem grubenentwerfer, ainem
spitzer, ainem snider und ainem, der graben ufwirfet, sehs phening ze
tagelon geben, und einem tunger und einem erdtrager siben phening
und von der liehtmiss unz an den herbst, das man^ wimnot, sol man
ze Ion geben t&glichs ainem snider acht phening. Het aber ir ainer ainen
son, alder ainen fründ, alder gesellen, den sol er mit mit im nemen
umb denselben Ion, er sie denne ahtzehen jar alt*, und ainem spitzer
8 ^, und ainem erdtrager nun phenning, ainem rebenleser und ainem
holzleser vor der hechtmiss 5 ^, und nach der liechtmiss 6 ^ ; ainem
graber 10 ^, ainem stosser 14 ^, von bindene 7 ^. Het aber ir ainer
ainen sun, alder ainen fründ, alder gesellen, den sol er nüt mit im
nemen umb denselben Ion, er sie danne zwelf jar alt^; ainem gruber
nun phenning, ainem leger 10 ^, von erbrechene und von ufbindene
ainem knecht 7 ^, und ainer frowen 5 ^, ainem valger 10 ^. Und
weli da uss in den garten belibent, den sol man ze imbiss müss und
ärwsan geben; tut aber ainer sinem winzürlen bas mit kost, darumb
sol er nit gestraflfet werden. Won® sol öch ainem ietter^ ze taglon geben
sehs phenning und ainer ietterinen 5 ^, ainera behower 6 ^, ainem . . .^®
4 ^, ainem buttentrager 10 ^, ainem tretter 6 ^, ainem, der mit ainem
karren gat, 8 ^, ainem torgelmaister tag und naht 8 ^. Wer der vor-
genanten stukk dehains bricht, es sigin frowen alder man, über den wir
ze gebietent habint, der ist der stat vervallen 5 jJ ^, und dem amman
3 jj ^, als dikk ers tut, und als an maniger person das Überfarn wirt,
es sie der me git, alter me nimpt, und sol darumb aht tag ussrent dem
ettem sin, öch als dikk ers tat.
> Dieser Abs. von a. Hd. — * Dieses Wort von ders. Hd. über der Zeile.
> Diese nnd die folgenden Punkte im Orig.
^ außer einen solchen, der . . .
* Über der Zeile. — • Von : f het aber ir» bis «alt» mit schwärzerer Tinte durchstr.
» Von «het aber ir» bis «alt» durchstr. — ® Sic! Statt: Man. - ® ietten = jäten.
^^ Hier verweist ein Zeichen auf ein am Rande stehendes Wort, das aber gänz-
lich verblaßt und unleserlich ist.
24 Überlingen.
§88.
Es sol öch nieman enkain holz, das sin nit ist, uss den garten
tragen, und wer das überfert, er gebe es, alder er neme es, der riht der
stat 5 ß und dem amman 1 ß >^, als dikk ers tat.
§ 89.
Und wer öch von diser gebott wegen von der stat füre und dis
Satzungen flühi und sie nit halten wolti, der sol fünf jar vor der stat
sin; und wer öch za disen sachen bärlich und unreht redot, das sol an
den r&ten stan, wie in die darumb b&ssint.
§ 90.
Wir habint öch gesetzt, das man ainem haimschen kneht, der under
der reblüt zunft ist, und küü werk in den garten kan, des tags wol ze
Ion geben mag, ob er wil, zehen phenning von grfibend und von inlegend,
der sü baidü ungevarlich mitanander tut, und verschult damit nieman
enkain büß. Actum anno Ix^ quarto dominica post Urbani.
§ 91.
Ain ^ groß und klain rät haut sich geaint und gesetzt : wer der ist,
der an der stür unredlich und ungerecht funden wirdt, was der mere
hat, dann er verstürt hat, das alles sol ain rät im nemen an die statt.
Und ist der tode, so sol man es sinan erben nemen. Lebet aber ain
sftlicher, so sol er ain erloser man haissen und sin, und sol an rät noch
an geriht niemermere komen, und sol nieman weder gut noch schad
sin, und sol dennoch an grossem und klainen rät stan, wie man in
fürbas straffe und biisi.
§92.
Dis* ist umb ain notwer'.
Wir haben och gesetzt : wa zwen anander slahent, ob denne aine*
zu dem andern klegt, er hab in geslagen, und denne iene sprichet, er
hab es an im angevangen, und welli ain notwer war machen, und mag
er aber die notwer nit war gemachen, so sol und mag doch der erst
kleger, ob er wil, das er mit slahent nit angevangen^, swerren, das er
mit slahent nit angevangen hab.
^ Dieser Absatz von einer Hd. aus der Zeit um 1400.
« Dieser Absatz von anderer Hd. aus dem ersten Drittel des 14. Jabrh.
• Von späterer Hd. hier, gleichsam als Überschrift, hinzugefügt: notwer wisen.
* Siel — • Dieser Nebensatz ist durchstrichen.
Überlingen. 25
Wir ^ haben och gesetzt*: wenne der gemain merrkoflF ist, daz man
ain nialter vesen git under ain phund und sechs Schilling phenning,
daz denne die brotbeken phenwerdigi' brot bachen sont. Wenne aber
der gemain gr6zzer-kofif ist, daz man ain malter vesen git ob aim phunt
and sehs Schilling phenning, so mAgent si zwaienwerdigi brot bachen
und sont och dehain brot türo bachen denne zwaienwerdigi, äne ze
wihennachten, so mAgent sie götbrot bachen, alz man gewonlich daher
getan het, und kainerhand ander brot, daz grftzzer si denn ains umb
zwen phenning.
§ 94.
Och haben wir gesetzt : wenner der grAzzer gemainer kojGT ist, daz
man ain malter roggen git unter sechzehen Schilling phenning, so sont
si phenwerdigi brot bachen ; wenne aber der gemain merrkoflf ist, daz
man ain malter roggen gif ob sechzehen Schilling phenning, so mflgent
si zwai phenwerdigi brot bachen. Wenne aber daz w&r, daz die brot-
beken dücht, daz der merrkoflF ob aim pfund und sechs Schilling phenning
an den vesen war, oder wenne si dücht, daz der merre kofif umb den
roggen ob sechzehen schiUing phenning war, so sont si dennocht dehain
zwaienwerdig brot, deweder wisses noch ruggins, bachen, sie bringent
daz vor an den rät. Und wenne si daz an den rät bracht hant, so
sol der rät dri von dem rät erwelen, die danach dez nehsten zinstag
den kornkoflf erkunnen und besehen sont ; und dunkt denne dieselben
dri oder ir den meren tail, daz si zwaienwerdigi brot sollen bachen, an
wedsem körn daz wer, an vesan oder an roggen, oder an in baiden, so
mfigent si daz tun. Dunkt aber si, daz sie phenwerdigi brot fürbaz
bachen sollen, daz sont si och tun. W&r aber, daz danach über lang
oder über kurz abschlag an dem körn bescheh, so sont der rät aber
dri erwelen, di dez marktz IftfiF erkunnen und innemen ; und dunkt denne
dieselben dri oder ir den meren tail, daz der koflf an dem körn also
gang rmd abgeschlagen si, so sont si phenwerdigi brot bachen. Dunkt
si aber dez nit, so mögent si zwaienwerdigi brot bachen, als och vor.
Wele aber darüber zwaienwerdigi brot buch, so er dez nit tun sftlt, alz
vor ist beschaiden, alz dik er daz übervert, der kompt umb ain phund,
und dem amman umb dri Schilling phenning.
§ 95.
Och haben wir gesetzt: in welem kofif si brot bachent, ez sien
zwaienwerdigi brot oder phenwerdigi brot, daz sont si iederman tailen,
wer dez begert, und sont dem daz halbs geben umb den phenning, alz
* Dieser Absatz von anderer Hd. — ^ Hier von anderer Hd. als Überschrift:
Ton brotbeken. — ' Brot für einen Pfennig.
26 Überlingen.
denne darumb der koflf ist, ungevarlich. Und wele dez nit tit, als
dik er daz übervert, der kompt umb 5 (J ^, und dem amman umb
1 M-
§ 96.
Wir haben 8ch me gesetzt: waz brotz ieglicher bek ze markt bringet,
daz er daz selb brot alles ze stund fAr sich uf den bank leggen sol,
und daz iederman ze kofifent sol geben, und daz deweder ob dem bank,
noch darunder, noch in dehainem geschierre sol haben. Wele aber sin
brot, daz er ze markt het bracht, anderswa, denne vor uf dem bank
liggent het, alz dik er daz übervert, der kompt von zwaienwerdigem
brot umb 2 (J ^, und dem amman umb 1 (J ^, von dem phenwerdigem
brot umb 1 |i ^, und dem amman umb 1 f ^. Und ^ welhi daz gebott
übervarend, die sont die brotshower den wetphenninger' uf den aiden
sagen und schuldig geben.
§ 97.
Me haben wir gesetzt: wen die brotschower an zwaienwerdigem
brot schuldig gebeut, daz er ze klain gebaehen hab, der kompt umb
2 ß .♦!, und dem amman umb 1 ß ^; und wen si an phenwerdigem brot
schuldig gebent, daz er ze klein hab gebaehen, der kompt um 1 ß ^,
und dem amman umb 1 ß ^.
§ 98.
Och haben wir gesetzt : wer der brotbeken zunft unter in verbürgen
oder vergelten mag mit aim phund und fünf Schilling phenning, dem
sont si die zunft liben, und daz och der mit in bachen mag in der
wise alz die andern. Dazu haben wir öch me gesetzt, daz der brotbekken
zunftmaister und sin ailif under im allerierclichen vor dem rät ze Über-
lingen sweren sont, daz si äne dez ratz wissen und willen dehain sunder
gesetzt von brotz wegen under in setzen, haben, der* halten wellen,
und daz dehainer dez andeni deweder mit altbachem noch mit nübachem
brot dehain Schonung hab, und daz der zunftmaister und die ailif
ierclichen dri under irem antwerk erwelen sont, dieselben dri vor dem
rät sweren sont, daz si versehen und versorgen, daz der markt äne brot
iht si ; und wenn dieselben dri unter irem antwerk verkflnden, daz er
bach, der sol daz tun. Wa der dez nit t&t und brot uf dem markt nit
het unz uf die stund, daz im daz verkundt wer ungevarlich, der kompt
umb 1 U ^, und dem amman umb 3 jj ^, alz dik daz bescheh, und
sont dieselben dri uf ir aid sagen äne geverde, weli daz überfAren.
* Dieser Nachsatz von anderer, jüngerer Hd.
» Einzieher der Wette, Geldbuße.
* Soll wohl calder», €oder> heißen!
Überlingen. 27
§ 99.
Wir haben öch gesetzt: wer brot uf der acbö her bringet, der sol
och daz uf der achs verkoflfen ; und wer brot ze schefiF her bringet, der
sol och daz in dem scheff verkoffen, und daz in dem scheff haben, unz
er daz verkoflft, es wer denne, daz Unwetter anviel, so mag er daz uzzer
dem scheff tfln und daz ze gadem verkoffen, äne alle ge verde.
§ 100.
Wir ^ haut öch gesezt : swer der ist, der ain unser burger für aigen
anspricht, mag der ünsern burger, den er für aigen anspricht, mit drin
mannen, die desselben ünsers burgers nähsten anerbornen müter mag
sint, besezzen^ die die sippschaft raiten kunnent, das er das geniessi;
mag aber er der drier nit han, mag er in denne mit zwain mannen
und mit ainer vrowen desselben burgers nähsten m&ter magen besetzen,
die die sippschaft raiten kunnent, des sol er öch geniessen.
§ 101.
1360
Wir* habint öch gesetzt: wer der ist, der hier sessehaft sin wil, Mai n.
der Bol burger werden ald p * mit der rht willen ald wissen.
Wer den darüber huset ald alder hovet, der riht der . . . .* stat ain phunt
phenning und dem amman sin geriht, als dikk ers tot ald überfert.
Dis beschach an dem sunnentag nach ünsers herren uffart tag, de man
zalte von* gottes gebürt drüzehenhundert jar und darnach in dem
sehzigosten jar.
§ 102.
Der* rät und die gemainde haut gesetzt: wele wirt, ald wer burger ^^^^^
hie ist, dehainen gast ienehin für die stat wiset, das er da win koffe, 28.
der riht der stat von iedem gast ain phunt phenning, und dem amman
sin geriht, als dikke ers tut. Es sol öch enkain wirt hie mit kainem
gast gan win koffen; ald wele das bricht, der riht der stat 5 ji ^j^
und . . .* dem amman sin geriht, als dikk ers tut.
Actum feria sexta post ßartholomei anno Ix®.
' Dieser Absatz von anderer Hd. ca. 1350.
* Am Rande dieses Absatzes von späterer Hd.: non legatur.
* Abgerieben; vielleicht: pfahlbarger? — * Abgerieben.
* Ein zweites «von» durchstrichen.
* Am Bande von späterer Hd.: wie.
^ Ein vorhergehendes: «1 lib. ^» durchstrichen. — ^ Punkte im Original.
28 Überlingen.
§ 103.
Wir^ habint och gesetzt gemainlich umb kllu du* werk, die man
durch das jar in den reban tut, das nieman kain dinkwerk verdingen'
sol; wer es aber darüber verdingoti, ald wenn es verdingot wurdi, der
riht iegelicher der stat fünf Schilling, und dem amman drie schiUmg
phenning, als dikk ers tut.
§ 104.
Die* rät und die gemaind band öch ufgesetzt: wele müssiggenger
enkain zunft het von sim vatter her, nah die zunft .... gekoft het
nah .... ain ... . enkain, das der .... durch burgennaister
nit tat, der git der stat 2 U ^ und dem amman 3 ß ^, als dikk er
das tut ... . mftcht es öch als frävenlich, das man in ... . sol.
Darzü haben wir öch ufgesetzt
Das vorstehende Stadtrecht (St. I) steht auf einem atis mehreren Stücken
jsfusamtnengehefteten Pergamentrodel von 2J3 m Länge und 29 cm Breite.
Die einzelnen Stücke sind hier durch Striche kenntlich gemacht. Das Original
befindet sich im Erebischöfliclien Archiv in Freiiurg t. JB. Die Einträge
gehören sehr verschiedenen Zeiten an, Sotveit bei den einzelnen Absätzen
nichts Besonderes bemerkt ist^ stammen sie aus der 2, Hälfte des 13. Jahr-
hunderts. Die jüngsten Satzungen dieses St. reichen in das 15. Jahrhundert,
Infolge Abreibimg durch häufiges Zusammenrollen sind manche Stellen völlig
unleserlich geworden. Die Abschrift dieses St. aus dem 17. Jahrhundert^ die
Schäfer (Wirtschafts- und Fifianzgeschichte der Reiclisstadt Überlingen
am Bodensee in den Jahren 1550—1628, Heft 44 der ^Untersuchwigen
zur deutschen Staats- und Rechtsgeschichte*, herausgegeben von 0. Gierhe^
Breslau 1893) noch vorgelegen zu haben sclieint, wnd die zur Ergänzung
hätte herafigezogen werden könneti, ist seit mehreren Jahren aus dem Über-
linger Stadtarchiv abhandelt gekommen. Abdruck bei Riezler in Zeit-
schrift für Geschichte des OberrJieim (Z.O.), Bd. 29, S. 295 ff .
^ Dieser Absatz ist etwas jünger als der vorhergehende.
2 Über der Linie. — ' verkaufen.
* In diesem letzten Absatz lassen sich nur einzelne Worte entziffern, da die
übrige Schrift fast unkenntlich ist.
Überlingen. 29
n.
König Rudolf I. erteilt den Bürgern zu Überlingen, die mit ihm
und dem Reiche verbunden seien wie Glieder mit dem Haupte,
yerschiedene Freiheiten in Beziehung auf das Erbrecht, hofrecht-
liche Lasten und den (Gerichtsstand.
1275 Jani 30 Konstanz.
Rudolphus, Dei gracia Romanorum rex semper augustus, universis
Romani imperii fidelibus presentem paginam inspecturis graciam suam
et omne bonum. Dignum iudicat nostra serenitas, ut illorum votis desi-
deratis ac votivis desideriis graciosius annuamus, qui nobis et sacro
Romano imperio tanquam membra capiti indissolubiU fidelitatis vinculo
coniunguntur. Inspectis igitur dilectorum fidelium nostrorum civium de
Ubirlingen meritis, quibus ipsi nostram meruerunt graciam et merentur
infra scriptas gracias, ipsis liberalitate regia duximus faciendas. Primo,
quod volumus et pro iure statuimus observari, quod nemo civium civi-
tatis predicte sive masculus sive femina in hereditate succedat alicui,
sive hereditariam percipiat porcionem nisi heres proximior, et qui est de
linea et sauguine decedentis. Secundo, quod nemo decedentis bona sibi
debet attrahere eo iure, quod «val»^ vulgariter appellatur. Tercio, quod
nemo civium de Ubirlingen extra civitatem in iudicium est vocandus,
nisi si causa fuerit spiritualis, quam per personam ecclesiasticam con-
venit terminari. Quarto, quod nemo civium praedictorum ab extranea
persona ulla de causa proscriptionis sentencie poterit innodari. Item
volumus et statuimus, quod quicunque vel qualiscunque persona aliqua
bona cuiuscumque condicionis in districtu seu terminis civitatis de
Überlingen possidet, de bis possessor ima cum civibus de Überlingen
contribuet et serviet iuxta bonorum, quae possidet, facultatem. Item
statuimus et pro iure volumus observari, quod quicunque civium de
Überlingen ab aliqua appellat sentencia, illam appellacionem iuxta ius
et statuta civitatis de Vriburg prosequetur, et quicquid sentenciatum
fuerit a civibus de Vriburg, illud ratum a partibus est servandum. Item
volumus civitatem et cives de Ubirlingen in omni iure et gracia, qua
apud nostros antecessores permanserunt, nunc et in antea permanere.
Item ex speciali gracia concedimus civibus sepedictis, quod vadimonia
debitorum suorum extra civitatem residentium pro suis debitis valeant
occupare, ita tamen, quod ad id faciendum ministri seu iudicis licencia
requiratur. In testimonium predictorum nostre maiestatis sigillum pre-
sentibus duximus apponendum.
Die Anführungszeichen sind vom Bearbeiter gesetzt.
30 Überlingen.
Datum apud Constanciam secundo kalendas julii indiccione tercia,
anno domini miUesirao ducentesimo septuagesimo quinto, regiii vero nostri
secundo. Signum domini Rudolph! Romanorum regis invictissimi.
Perg, Orig. mit Monogramm und Siegel an roter Seide. Großh.
Bad. General' Landesarchiv, Select der Kaiser- und Königs -Urkunden
Nr. 88K Abd. bei Gerbert, Cod. Epist. Rud. S. 229 (das Datum ist
irrigerweise auf den 21. Juni reduziert); G engl er, Deutsche Stadtrechie,
S. 495. Regest in Boehmer-Redlich, Regesta Imperii VI, 1, S. 112. Die
Kopien im St.-A. Überlingen sind sehr fehlerhaft.
IIL
König Rudolf schlichtet Streitigkeiten zwischen den Johannitern
zu Überlingen und den Bürgern daselbst, die bauliche Anlage des
Johanniterhauses und die Wege durch dasselbe betreffend.
1282 Mai 13 Überlingen.
In gottes namen amen. Ich Rudolf von gottes gewalt ain Roemscher
kunic, tun kunt allen den, die disen brief lesent oder horent lesen, si
sigent zegagen || oder komen noch zegagen, min hulde und alles gut.
Wissent alle gemainlichen, daz ich die klage, die ansprach und öch die
mishellunge, diu da waz entzwischent den brödern sant Johans ordens
von dem spittal zu Jerusalem, die da seshaft sint in der stat zu Über-
lingen, und öch under den bürgeren derselbun stat mit ir baider willen
habe verscliht, alse an disem gegenwartigen brieve geschrieben stat. Bi
dem ersten, umbe die ansprach, die die burger von Überlingen gemain-
liehen hattent umbe ainen wec, den si soltent han durch den hof dez
huses ze Überlingen der vorgenanten brüder, und umbe ainen andern
wec, den alten, der stete halp an demselben hove abe gienge, der baider
wege habent sich gemainlichen und mit gutem willen die vorgenanten
burgar verzigen, daz si umbe die baide wege dekaine klage noch dekaine
ansprach sunt me haben. Es solent öch die vorgeuanten bröder dekaine
mure noch dekaine gewer umbe denselben hof dez huses ze Überlingen
machen, weder uf tor noch uf tiuUe*, noch uf zune, wan daz si daz tor
oder daz tiuUe oder den zun ^ deken mit ainem tächelin. Si sollent
öch die vorgenanten briider machen umbe ir hofstette halp ain ge-
muretes tor an ir kilche, darnach ain tiuUe oder ainen zun, sweders
si went, und sol daz tiulle oder der zun stette halp von dem gemureten
tor ze ende dez alten weges au dem hove der bruder abe gan, bis an
> Im folgenden wird der Kürze halber Htatt dessen nur zitiert: L. A. Nr. . .
« tiulle = Bretter.
' Diese drei Wörter aind durchatricben.
Überlingen. 31
die mure der stat ze Juberlingen ^ äne viunf schuhe, und sol daz tiulle
oder der zun mit der swelle da uf ez wirt stände, sin zehen schuhe hohe.
f^s sont öch die burger von Überlingen und alrmaneglich han aine
offener wec, der inrunt der stette mure viunf schfihe wit sin, unze an
den tum der burger, der hinder der brflder hove stat Ez sunt die burger
han und alrmaneglich ainen niuwen wec an den alten weges stat, und
sol der wec an dem tiulle oder an dem zune abe gan der vorgenanten
briider hof, und sol der sin in der witi daz ain karre oder ain wagen
uf und abe muge gan äne gevärde. Und daz diz veste und State iemer
belibe, so henke ich Budolf, ain Roemischer kunic, min insigel und
die vorgenanten br&der von Überlingen ir huses insigel ze derselben
stat, und öch die burger von Überlingen der stette insigel an disen
gegenwrtigen brief. Diz geschach ze Überlingen, do von gottes geburte
warent tusent iar und zwai hundert iar und zwai und achtzig iar, an
dem nehesten gAtemtage nach unsers herren uffart.
Perg. Orig. L. A. Archiv der Johatmüerkommende eu Überlingen,
Siegel : 1. Fragment des bekannten Thronsiegels K. Rudolfs. 2, Das para-
bolische Siegel des Johanniterhaases. Auf dem Siegelgrunde ein Arm, der
gegen den Himmel weist. Rechts und links davon je ein achtstraJdiger Stern,
f S/ DOMUS. SC. lOHANIS L VBERLIGK S. Das Siegel der Stadt
ist am Original abgefallen; dagegen ist es an dem für die Stadt ausgestellten
Duplikate ziemlich gut erhalten: Reichsadler in dreieckigem Schilde. AUe
Siegel an dunkelblauer Seide. Das Duplikat liat manche sprachliche Ab-
weichungen. Abdr. desselben hei Gerbert, Cod. Epist. Rud. S. 246. Abdr.
der Original-Urkunde in Z. 0., Bd. 22, S. 26 ff. (siehe dort auch wegen des
hier in der Anm. Gesagten). Reg. in Boehmer-Redlichy Regesta Imperii VI, 1,
S. 366 (mit dem Datum 11. Mai).
IV.
König Heinrich VII. erlaubt dem Rat und den Btlrgem von Über-
lingen eine Zunft zu haben.
1309 Juni 12 Ulm.
Heinricus d. g. R. r. s. a. prudentibus viris . . . consulibus et civibus
in Überlingen, fidelibus suis dilectis graciam suam et omne bonum.
Vestris peticionibus annuere cupientes vobis, ut zunftam in civitate
nostra Überlingen habere possitis, ad instar dive reeordacionis Alberti
Romanorum regis, antecessoris nostri, de benignitate regia indulgemus
presentibus ad nostrum beneplacitum duraturis, quas daraus in testi-
monium super eo.
* So — nicht üiberlingen.
82 Überlingen.
Datum Ulme, 2. idus junii anno domini millesimo trecentesimo
nono, regni vero nostri anno primo.
Perg, Orig, mit schadhaftem Siegel an einem Pergamentstreifen. L. A.
Nr. 156. Abdr, Acta Imperii Sei. nach einer Abschrift von Hugo, die
Mediatisierung der Reichsstädte, Die Urkunde K. Albrechts L ist ver-
schollen. Diese Erlaubnis, die nur ad beneplacitum Geltung haben soUte,
wurde später mehrmais wörtlich wiederholt. So von K. Friedrich (17. Aprü
1315, Konstarus), der dem Rat und den Bürgern von Überlingen eine Zunft
gestattet ad instar Alberti genitoris et Heinrici Romanorum regum prede-
cessorum; von K. Ludwig (28. August 1330, Konstang); von K, Karl IV.
(26. Januar 1348). Da die genannte Urkunde K Albrechts frühestens im
Jahre 1298 ausgestellt sein kann, so schließt Schäfer a. a. 0. aus diesem
Umstände, daß die älteste Stadtrechtsurkunde (St. I), die von Zunftmeistern
redet, früliestens in diesem Jahre entstanden sein kann. Der Schluß ist nicht
zwinge^id. Einmal redet das Stadtrecht von Zunftmeistern in der Mehr-
zahl, die von K. Albrecht genehmigte Zunft besaß aber, wie alle Zünfte^
nur einen Meister. Außerdem ist nicht bewiesen, daß diese Zunft die erste
in Überlingen war. Es ist daher wahrscheinlicher, daß es sich in vor-
stehender Urkunde um die Genehmigung der sog. GescUecMergunft, später
der €Löwem> genannt, handelt.
V.
Kaiser Ludwig unterhandelt mit den Bürgern zu Überlingen der
Juden wegen. Bürger und Juden sollen sich gegenseitig crichten»;
geschieht Mißhellung unter ihnen, so sollen sie das Recht suchen
zu Eonstanz, und soll dasselbe geschehen nach Überlinger Stadtrecht.
1332 Juni 8 Ravensburg.
Wir Ludwig v. G. g. Romischer keiser, ze allen ziten merer des
richs, tun cliunt allen den, die disen brief || ansehent oder horent lesen,
daz wir under andern theidingen, die wir mit den burgern ze Überlingen
gehabt haben von der Juden wegen dtiselben, die si verderbet habent,
zwischen in und den Juden, die noch lebent, also seralichet und ge-
theidinget haben, daz sich die burger mit den Juden und die Juden mit
den burgern umb ir gut beidenthalbe mit einander richten suUen, so
si allerbest und heplichest chunnen und mögen. War aber, daz dhein
stfizz oder missehallung zwischen in geschähe, so sullen si recht an ein-
ander tun ze Konstantz nach irer stat reht ze überiingen, ob ez in da
füget ze suchen und dar ze chomen. Und darüber ze urchunde geben
wir in disen brief versigelten mit unserm keiseriichem insigel, der geben
Überlingen. 83
ist ze Ravenspurcb an dem montag in der pbingstwocben, da man zalt
von Kristus geburt driuzebenbundert iar, darnacb in dem zwenund-
dreizzigsten iar, in dem achtzebenden iar unsers riebe, upd in dem
fnnften des keisertums.
Ferg, Orig. Siegel des Kaisers an rotgrüner Schnur; zerbrochen.
St,'A. Abt. F, Nr. 60.
VI.
Kaiser Ludwig verordnet, daß die Bürger zu Überlingen den Juden
Becht widerfahren lassen sollen nach ihrem Stadtrecht vor ihrem
Ammann in der Stadt Eonstanz, aber nur bis auf den 12. Tag zu
Weilmachten. Alle Klagen und Ansprachen der Juden gegen die
von Überlingen nach dieser Zeit sollen gänzlich ab sein und keine
Kraft haben.
1334 August 21 EonBtanz.
Wir Ludwig v. G. g. Romiseber keiser. ze allen ziten merer des
richs, verieben offentlicb an disem brief, || daz wir wellen, daz der am-
man, der rat und die burger gemeiucblicb ze Überlingen, unser lieben
geirewen allen, den Juden, die binz in ibt ze sprechen, ze cblagen oder
ze fordern babent von der Juden wegen ze Überlingen, die verderbet
wurden, ez sin umb ir erbe, umb gfit, oder umb gelt, daz si den ein reht
tan sullen nach irer stat recht vor irem amman in der stat ze Kostentz,
von hinnan unz uf den zwelften tag ze weibenäcbten, der uu schierst
chumt, als dick si es an si vordemt. Und w&r, daz die Juden die vor-
genanten unser burger ze Überlingen nach dem zwelften tag ze weihe-
n&chten ibt ansprächen oder cblagten, wellen wir, daz si in derumb
dhein recht tfin, und nemen alle ansprach, oblag und vorderung, die
si fürbaz immer ^ binz gehaben möchten, g&nzlicben ab von unserm
keiserlicbem gewalt mit disem brief und wellen, daz si in dhein scbad
sei, und weder chrafb noch macht haben. Und darüber ze urchunde
geben wir in disen brief, versigelten mit unserm kaiserlichen insigel,
der geben ist ze Kostentz am sonntag vor Bartholomei nach Christus
geburt driuzehenbundert iar, darnach in dem virden und dreizzigstem
iar, in dem zweinzigstem iar unsers richs und in dem sibeuden des
keisertums.
Perg. Orig. Siegd des Kaisers an roter Schnur; abgerissen. St.-A.
Abt. F, Nr. 61.
* Im Original mit drei m.
Obeirbtfn liehe Stadtrechte. n,2.
34 ÜberÜDgCD.
vn.
Karl IV. bestätigt die Privilegien der Stadt Überlingen und ver-
spricht, sie nie vom Beiche zu veräußern.
1348 Januar 27 Ulm.
Wir Karl v. G. g. RSmischer kung, ze allen zelten merer des reichs,
und kung ze Beheim, verleben und tun kunt offenlich mit disem brif:
Wann wir die stat Uberling so genaigig, so undertenig und ouch so ge-
stendig an uns an dem heiligen R&mischen reiche funden haben, umb
daz haben wir derselben stat ze fürderung und ze gnaden getan, daz
wir ir nu und hernach vestinen, newiren und besteten mit disem brif
alle ir freiheit, gewonheit und reht und ouch alle ir brif, di si hant,
und di si biz uf disen h\^tigen tag her haben braht, daz besteten wir in
allez fürbaz immermer ze halden und ze haben, also, daz wir, noch
iemant andere von unsern wegen dhein ir brif, reht, freiheit und ge-
wonheit niht endem noch verkem sullen noch wellen in dheinen weg.
Wir haben ouch derselben stat mer ze gnaden getan, daz wir si durch
dehein unser noch des reichs not, noch durch dhein ander sache niht
versetzen, verkaufen, noch dheins wegs verkftraern sullen; und ob daz
gen iemant geschehen wer, oder noch geschehe, daz sol genzlich ab sein,
und kein kraft haben. Wir wellen ouch, daz diselb vorgenant stat für
das reiche iemant pfant sei, noch daz iemant für uns und für daz reiche
nftt oder pfend^. Und waz uns und dem reiche von derselben stat
gewönlicher stewr ergangen sind, und ob in ouch von den Juden, di
bei in wonent sind oder weren, von irs schirms wegen dhein hilf ge-
schehen wer unz uf disen hewtigen tag, des sagen wir si ouch genzlich
ledig mit disem brif. Wir haben ouch der vorgenanten stat an disem
brif solch fürderung und gnade getan, ob ir iemant der vorgeschriben
artikel einen oder mer überfarn w51t, oder wer sie von disen unsern
gnaden, di wir in an disem brif erzaigt haben, dringen oder zertrennen
w61t, daz denn diselb stat und di andern stete alle, den wir ouch dise
gnade mit unsern briefen getan haben, einander sullen und mügent
beholfen sein^ des wir in gönnen und erlauben von unserm kunglichen
gewalt, und sich des weren und reten sullent, als verre ir aller mügent
raichet, daran si wider uns und dem reiche nihtz tön noch verschulden
^ Im Ölig. Abljürznngsetrich durch d.
2 Diese Städte sind folgende : Augsburg, Ulm, Memmingen, Kempten, Kauf benren,
Leutkirch, Wangen, Biberacb, Ravensburg, Lindau, Buchhorn (= Friedrichahafen),
Überlingen, PfuUendorf, Eßlingen, Reutlingen, Rottweil, Weil, Nördlingen, Gmünd,
Hall, Heilbronn, Wimpfen und Weinsberg. Diesen Städten erteilte K. Karl IV. in
einer Urkunde vom 9. Januar 1348 (obne Ort) das hier nach einer für Überlingen
gegebenen Ausfertigung abgedruckte Privileg. Abdr.: Lünig, Teutsches Reichsarchi?,
Bd. 13, S. 16, wo Kempten, offenbar aus Versehen des Herausgebers, fehlt.
Überlingen. 35
sullen in dbeinen weg, und waz dieselb stat fürbaz mit uns, oder vor
uns ir notdurft ze werben und ze reden haben, darurab sullen wir si
gnedegelich verhorn. Mit urkund ditz brifs, versigelt und gevestent
mit unserm kunglichen insigel, der geben ist ze Ulme, nach Christus
gebürt druzehenhundert iar, und in dem ahten und virzigsten iar, an
dem sunntag vor unserer frawen tag der lihtmesse, in dem andern
jar unserer reiche.
Perg. Orig. mit Siegelresten. L. A, Ahdr.: Z. 0. Bd. 22, S. 28 ff.
Hugo, a. a. 0. S. 383. Reg. in Böhmer-Hulcr, JRcg.K. Karls IV. Nr, 574.
vm.
König Karl IV. erklärt die Bürger und die Stadt Überlingen,
nachdem der verbrannten Juden Out den beiden Ulrich, Grafen
zu Helfenstein, an des Beichs statt überantwortet wurde, ledig
und los.
1349 Juni 20 Frankfurt.
Wir Karl v. G. g. R&mischer kunig, ze allen ziten merer des richs
und kunig ze Beheim, vergehen || offenlich mit disem brief und tun
chunt allen den, die in sehent oder herent lesen, das die burger und
die stat semantlichen ze Überlingen der Juden gfit ze Überlingen, die
das^ verbrennt sint, gegeben und geantwurt hant gar und genzlichen
an unser und des richs stette unsern lieben getrewen Ulrichen und
Ulrichen graven zu Helfenstein, unsern lieben getrewen lantvogten in
Obern Swaben; und umbe den uflauf, frevel und umb alle die getat,
so die vorgenanten burger ze Überlingen begangen hant an unsern und
des richs Juden in unser vorgenanten stat ze Überlingen, haben wir
dieselben burger ze Überlingen und ir stat ledig und loz getan, und
sagen si auch ledig und loz mit disem brief für uns selb und für unser
nachkomen an dem rieh, und haben auch den vorgenanten burgern
und ir stat ze Überlingen unser und des richs genad und huld gegeben,
und haben si in unsern und des richs schurm genomen, und nemen si
auch mit disem brief, also das si fürbaz von uns und von unseren nach-
komen an dem rieh umb denselben uflauf, vraeflin und getat aller burgern
fri sullen sin. Mit urkund ditz briefs, den wir in darüber geben, be-
sigelt ze Frankfurt mit unserm kuncblichem insigel nach Cristus geburt
druzehenhundert und nünundvierzig jar des sampztags vor sant Johannes
tag Baptisten, in dem dritten jar unserer riebe.
' Sic!
36 Überlingen.
Perg, Orig. mit Meinem Kmngssiegel an einem Pergament streifen.
St.'A. Abt, rill Nr. 62,
Reg, in Böhmer-Huher, Reg, Kaiser Karls IV., Nr. 6603.
IX.
Kaiser Karl IV. verspricht der Stadt Überlingen^ daß er die Vogtei»
die Steuer, das Ammannamt, das üngeld und den Zoll daselbst nebst
dem, was dazu gehört, nie höher verpfänden wolle, als sie gegen-
wärtig verpfändet sind.
1858 Joni 29 Nürnberg.
Wir Karl, v. G. g. Rftmischer keisir, zfi allen zeiten merer des
ricbs, und kunig zu Beheim, bekennen und tun kunt ofFenlleb niit diesem
briefe allen den, die in sehen odir hören lesen, daz wir von miltekeit
angeborener gfite gnediclich haben bedacht stete trewe und flizige dienste,
die uns und dem heiligen rieh die burgermeister, der rät und burger
gemeinlich von Ubirlingen, unsir und des heiligen richs lieben getrüwen
oft unverdrüzlich zu ere und wirdekeit des heiligen Rftmischen richs
haben getan, und als vil mit flizzigem ernst und lutirkeit steter trüwe
uns und dem rieh vorbaz in künftigen zeiten suUen verbonden sein,
nutzlich zu tön, als sie befinden, daz wir^ sie von des heiligen richs
wegen mit besunder friheit und genaden gnedecUch bedenken. Davon
so haben wir mit rechtir wizze und volkomenheit kesirlichen' macht
denselben von Ubirlingen soliche gnade getan, daz wir* die vogethie,
die steur, daz ammanampt, daz ungelt und zolle doselbis, und was dorzfi
boret, nimer in deheinen zeiten vorbaz hoer versetzen, verschriben oder ver-
pfenden wuUen, wan sie zu diser zit versetzet, verschriben und verpfendet
sein. Mit urkund ditz briefes, versiegilt mit unser keisirlichen maiestat in-
Siegel. Geben zu Nuremberg nach Cristus geburt drüzenhundert jar dar-
nach in dem achtundfunfzigistera jare, an der heiligen zwolfbotten sant
Petir und Paulus tag, unsir riebe in dem zwölften und des keisirtums
in dem vierden jare.
Per dominum imperatorem
Henricus de Wesalia.
Perg. Orig. mit Siegel, L. Ä, Nr. 320. Ahdr. hei Hugo, a. a, 0.
S. 387 mangelhaft. Reg. in Böhmer-Huher, a. a, 0. Nr. 2795.
Diese beiden Worte im Original korrigiert.
Sic! — • Original: wier.
Überlingen. 87
X.
Vertrag zwischen dem Domkapitel zu Konstanz und dem Haus Mainau
einerseits und der Stadt Überlingen anderseits wegen der Entrichtung
dee großen Weinzehnten daselbst. Strafe für die Säumigen; Eontrolle
über richtige Lieferung.
1362 März 22 Konstanz.
Wir . . ^ der . . burgermaister . . der . . amman . . der
rat und . . die burger . . alle . . gemainlich der stat ze Über-
lingen tfint kunt . . und veriehin oflfenlich rait disem gegenwürtigen
. . brief . . allen, die in ansehen t, alder hfirent lesen . . daz wir
alle mit gernainem rate, mit ainberem gutem willen umbetwungenlich
und mit gftter vorbetrahtunge lieplich und früntlich nach allem unserm
willen verrihtet und verainbert sigin mit den . . erwirdigen in . .
Got, unsem gnädigen herren . . dem cappittel gemainlich ze dem Thöm
ze Coetentz, und mit dem . . comendur und . . den . . brfidem
. . gemainlich dez Tütschen Huses in der Maienowe von desselben
. . huses und des Tütschen Ordens wegen, umb alle die stftsse, miss-
hellung und . . ansprach, so si mit uns gehebt haut, und zwischen
uns und inen daher ufgelofFen sint von der . . zehenden wegen der
kilchen ze Uffkilch und ze Überlingen, du an den tisch in der Maienowe
hftrt*, und des och du quart an das obgenant cappittel ze dem Tumb
ze Costentz hÄrt, mit den gedingen, stukken und artikeln, als hienach
an disem brief geschriben und beschaiden ist:
Also daz wir und alle burger ze Überlingen, die winwachs bi uns
und umb uns hant, über die wir ze gebietent haut, us dero garten der
zehende den obgenanten herren zugehört, die zehenden nu hinnanhin
ungevärlich weren und rihten sont in dem torgel unter der Rinnen,
äne alle geverde, ie als er järgelichs gevallet. Der wissen win het, der
sol wissen geben ze zehenden, und der roten het, der sol roten geben,
als im in Got git, und als reht ist, zehenden ze rihtend, äne alle geverde.
Und wer sich daran übersah, und den zehenden nit rihti, als vor
geschriben stat, und des überwunden würd mit zwain erbern mannen nach
unser stette reht ze Überlingen ald ob er nit überwunden würde, mag er
sich danne mit dem aid nit davon genemen, der soll den obgenanten
herren bi derselben tagzeit, so darumb gerihtet wirt, widertön, ald aber
das gut vergewissen ze gebend, uf weli tag die herren went ; darzu soll er och
danne derselben unser stat ze Überlingen ain pfunt Costentzer pfennige
äne gnade zu bftß und ze besserung geben, und dem amman sin reht.
^ Diese und die folgenden Punkte im Original.
« Sic!
38 Überlingen.
W&r och, daz irer dekain, über den wir ze gebieten hant, den
zehenden entriige, oder sus wider rehtes entwerti, der des och also über-
wunden würde, als vor ist beschaiden, ald ob er nit überwunden würd,
mftcht er sich danne mit dem aid mit davon generoen, der sol der stat
fünf pfunt gen ze bus und dem amman sin reht, und sol darzfi denselben
herren och widertün unverzogenlich ald vergewissen, als vor ist beschaiden,
und als dik die herren oder ir amptlüt darzü zügnüs bedürfent ze
laitend ; dieselben gezüg sont des willig sin, ald wir sont si darzu halten,
das si es tun mftsent.
Es sol och ain iegelich burgermaister, der danne ist, oder ob der
burgermaister nit war, ain amman ze Überlingen wenne und weles jars die-
selben herren oder ir nachkommen betschaft zu im darumb sendent an allen
torgelmaistern gemainlich, über die wir ze gebieten hant, unverzogenlich
schaffen, das si alle und ir iegelicher besunder mit siner trüwe ane
aides statt lobe mit guten trüwen ze besorgent, das die zehenden un-
gevärlich gerihtet werdin, als vor geschriben stat, und ob es inen von
ieman kuntb&r würde, der den zehenden entrüg oder nit rihti, das sont
si, die herren, oder ir amptlüt innen bringen, so si erst mugent, bi
derselben trüwe, äne alle geverde. Würd aber derselben torgelmaister
ainer des ainest mit zwain erberen mannen überwunden, als vor ist
beschaiden, ald ob er nit überwunden würd, m6cht er sich danne mit
dem aid nit davon genemen, das er die gerfiget het, als er billig solt,
den oder die sol unser rat ald der raer tail des rates ze Überlingen under inen
straffen und büßen bi dem aid in aller der wis, als ob es unser getat
w&r. Wir s51in och uf den aid unverzogenlich und och ungevarlich,
so es an uns gefordert wirt, fünf erbar man von ünsern r&ten ze ünserm
amman ze denselben sachen iegelichs jars besunder geben, die uns
duukent, das si ze denselben sachen nütze, gut und schidelich sigin, die
dasselb jar gewalt liant, alle dieselben sachen ze verhörent, und och
darumb ze richtend, unverzogenlich, denselben herren und iren amptlüten
von allen den, die inen gerüget werdent; was aber vor den des jars nit
ze klag kunt, das sol danne fürbas äne klag beliben.
Wer och denselben herren nu und hernach dienen wil, denselben
iren zehenden ze legent, ze fertigent, ze behalten, ald wes si darzü
bedürfent, den s51in wir es wol gunnen und sölin och nieraan darumb
straffen noch rechtfertigen.
Wir sigin och in ainer liebi und durch gtües frides willen über-
ainkomen, das dieselben herren und alle ir nachkomen denselben
zehenden iegelichs jars besunder von unser stat ze Überlingen unverhoft
fertigen und füren sont ie zwischen dem herbst und sant Hilarien tag, un-
ÜberlingeQ. 39
verzogenlich, wenne es inen in den tagen allerbest ffiget, lützel oder vil;
wir aber, das si uns des aines jars bätin, das wir si desselben zehenden
wins in linser stat ain tail in denselben tagen verkoffen ließent, da
sAlin wir inen danne gönnen, desselben zehenden wins unz an zwainzek
f&der ze verkoffent, doch also, daz si danne denselben win bi dem
becher in unser stat nit vertriben sont; und sol och danne derselben
herren amptman uns ainen gelerten aid ze den hailigen swerren, das er nit
me da alsoß verkoff desselben zehenden wins, danne unz an zwainzek
fader, als vor ist beschaiden. Würd er aber des ainest daran brftchig,
und würd des überwunden mit zwain erberen mannen, als vorgeschriben,
ald ob er nit überwunden würd, das er sich danne mit dem aid nit
davon genemen m6ht, also vor ist beschaiden, so ist er vervallen ze
gebend uns und der stat ze büß fünf pfunt Costentzer pfenninge und
dem amman sin reht; w6It aber er sich des sperren, ald das er danne
von lins entwich, wa wir in danne mit gaischtlichem oder weltlichem
gerillt darumb bekümberen und angriffen mugent, dawider sont die
herren nit sin, und sont sich och des in kain wis nit annemen.
Wir sigin och durch baider tail frid überaiukomen, das der herren
amptman järgelichs ie vor dem herbst uf die kanzel an ainem firt&ge-
lichem tag gan sol in der kilchen zeÜberlingen, da ain burgermaister oder ain
amman ist, ald ob die da nit sint, wen wir danne von dem rat darzu
schikkent, und sol derselben herren amptman och danne da swerren
zft den hailigen, das er den herren von derselben kilchen und des
zehenden wegen, und och uns und unser stat von derselben sach wegen
das beste und das nützest tage baiden tailn, äne alle geverde, und sol
im och der vorgenanten ainer, der burgermaister oder der amman, ald
wer von dem rat darzö geschikt ist, des den aid geben. Es ist och
fdrbas beredd, wa der herren amptman kaines gebresten ald schaden
von des zehenden wegen innen wurde, wen er danne der ünsern darzü
bittet gan, der sol och danne darzö gan un verzogen lieh, und sol dem
amptman den schaden helfen wenden, ald aber siner warhait darumb
helfen. War och, das ieman den andern rögti, den sol doch darumb
nieman vehen, des wir gewaltig sigin, beschähe es darüber, des s61in
wir im vorsin.
Dise vorgeschriben dinge und gedinge haben wir alle mit guten
trüwen ungevärlich für uns und alle unser nachkomen gelobt, st&t ze
habent und ze volleffirrent luterlich, äne alle geverde, alle die wile dieselb
kilch ze Uffkilch und ze Überlingen in des Tütschen Ordens gewalt und
banden stat, und nit furo.
W&r aber, daz der obgenanten stuk dehaines überfarn würd, daz
sich daz redlich befunde, ald ob ieman w&r, der den obgenanten rihtern
40 Überlingen.
nit gehorsam w&r des gerichtes, als vor ist beschaiden, von dem oder
von den mögent dieselben herren ir reht suchen vor iren rihtem ze
Costentz, und sAlin wir si des weder sumen noch ierren in dekain wise,
ane alle geverde, und sol och vor denselben rihtern beliben.
Und ze warem und offeme urkünd .... geben wir denselben
herren darüber diesen brief, mit der obgenanten stat ze Ü. insigel
besigelten, daz wir offenlich daran gehenket haben. Der brief ist ze
Ü. geben, do man von Cristes gebürt zalt drüzehenhundert jar, darnach
in dem zwaiundsehzigosten jar an dem nehsten zinstag vor unser Frowen
tag ze dem änide.
Orig. Perg. L. A. 5, 195. Kopie im KopidUmck 1389, fol. 206 ff. L. A.
XI.
Kaiser Karl IV. versetzt dem Endres Gobe, Ammann zu Überlingen,
um 60 Mark Silber da43 Ammannamt zu Überlingen.
1366 April 6 Prag.
Wir Karl v. G. g. Römischer keiser, zu allen zeiten merer des
reichs und kunig zu Beheim, || bekennen und tun kunt offenlich mit
diesem briefe allen den, die in sehen oder boren lesen, daz wir ange-
sehen haben den steten getrewen dinst, den uns und dem reiche Endres
Cobe, amman zu Überlingen, unser und des reichs lieber getrewer, oft
nutzlichen getan hat und fürbaz tön wil und mag in künftigen zeiten,
und haben im dorurab sechzig marg silbers Friburger gewichts gnediclich
geben. Dafür haben wir im und seinen erben unser ammanampt do-
seibist zft Überlingen zu rechtem pfände eingeben und versetzet, also
daz er und die egenanten erben dazselbe ammanampt mit aller seiner
zfigehorungen als lange innehaben, nutzen und niezzen sullen, unge-
hindert, bitz daz wir oder unser nachkomen an dem reiche daz lunb
die egenanten sechtzig marg silbers wider von in losen. Mit urkund
ditz briefes versigelt mit unser keiserlichen maiestat insigel, der geben
ist zu Präge nach Crists geburt dreuzenhundert jar darnach in dem
sechsundsechzigsten jar, am nehsten mantage nach Obresten^ unser
reiche in dem zwenzigsten und des keisertums in dem eilften jar.
Orig. Perg, mit gut erhaltenem kaiserlichen Majestätssiegel an einem
Pergamentstreifen, St.-A. Abt. III, Nr, 48. Reg, in Böhmer-Huber, Reg.
Kaiser Karls IV., Nr. 7199.
» Sic!
Überlingen^ 41
XII.
Kaiser Karl IV. versetzt dem Endres Cobe um 60 Mark Silber das
Ammannamt zu Überlingen nebst dazu gehörigen Bannen und anderen
ZugehOrungen.
1367 Oktober 31 Wien.
Die Urkunde nimmt zunächst Bezug auf die Verpfändung
des Ammannamts an Endres Cobe und fährt dann fort: . . . und
wann die banne zft demselben ammanampt von rechte und alter gewonheit
gehören, so meinen und wollen wir, das der egenante Endres Cobe und
seinen* erben dieselben benne mit dem egenauten ammanampt halten
und geniezzen sullen in pfandes weiz für die obgenanten sechzig marke
Silbers, als lange unz wir oder unser uachkomen an dem reiche dasselb
ammanampt mit bennen und ander zfigehftrunge um dieselb sume gelts
von dem egenanten Endres oder seinen erben gelfisen. Darumb gebieten
wir dem burgermaister, dem rate und den burgern gemeinlich der ege-
nanten stat zu Überlingen, unsern und des reichs heben getrewen, emst-
Uch und vesticlich bi unsern hulden, das sie dem vorgenanten Endres
und seinen erben mit dem obgeschriben ammanampt, bennen und allen
andern seinen zugehftrungen wartende und gehorsam sein sullen, an alle
Widerrede. Mit urkund ditz brieves, versigelt mit unserm keiserlichen
insigele, der geben ist zu Wienne nach Cristes geburte drewzenhundert
jare, darnach in dem sibenundsechzigisten jar an Allerheiligen abend,
unser reiche in dem zweiundzweiuzigsten, und des keisertums in dem
drewzenden jare.
Orig. Perg. mit sehr gut erhaltenem Beichssiegel an einem Pergament-
Streifen. St.'A. Abt. III Nr. 49.
Reg. in Böhmer-Huber, Reg, K K IV., Nr. 7249.
xin.
Friedrich^ Pfalzgraf bei Rhein, gewährt Überlingen die Onade, Juden
zu Bürgern anzunehmen.
1378 Janaar 16 Ravensburg.
Wir Fridrich v. G. g. pfallenzgraf bi Rein und herzog in Beyern etc.
bechennen || offenUch mit dem brief, daz wir den ersamen, dem burger-
meister, dem amman, dem rat und den burgern gemainUch der stat
ze Überlingen, unsern Üben besundern, di genad und den gewalt geben
haben von unsern wegen, waz si Juden in ir stat ze burger nemend,
daz daz mit unserm willen, wort und heisen ist; und wellen auch di-
selben Juden ir hausfrawen, iren chind und ir ingesinde mit aller irer
42 Überlingen.
hab genedicblich beschirmen und ußrechten, als ander ingesezzen burger
ze Überlingen, an all geverde. Dez gilichs gunnen wir den obgenanten
bürgern, daz si daz auch tun m&gen und sunderlich an all beschatzung,
also daz uns diselben Juden ierlich stewer suUen geben nach der ob-
genanten burger rates rat, dez wir also z& in gegangen sein. Mit
urcbund ditz briefes, der geben ist mit unserm anhangenden insigel
versigelten ze Bauenspurg an sampztag vor sand Antoni tag anno
domini M^CCC^LXX« octavo.
Ferg, Orig. mit dem Siegel des Pfahgrafen an einem Pergament-
streifen. St.-A. Abt. F, Nr. 65.
XIV.
König Wenzel bestätigt dem Endres Gebe die durch Karl IV. erfolgte
Verpfändung des Ammannamtes zu Überlingen und erteilt ihm und
seinen Erben außerdem die Befugnis, einen andern zu substituieren.
1378 Oktober 16 Prag.
Wir Wenczlaw v. G. g. Rfimischer kunig, zft allen zeiten merer
des ricbs und kunig zu Behem, bekennen und tun kunt offenlich mit
disem brief allen den, die in sehen oder boren lesen, das wir haben
angesehen steten und getrewe dienste, die Andres Kob, amman zft Über-
lingen, und Cönrat, sein sun, unser und des reichs lieben getrewen, dem
allerdurchluchtigsten fürsten und herren, hern Karlen, Römischem keiser,
zft allen zeiten merer des reichs und kunige zu Behem, unserm lieben
herren und vater, und uns selber getan haben, und noch tun sullen
und mögen in künftigen zeiten, und haben dorumb in und iren erben
bestetiget, bevestet und confirmiert, bestetigen, bevesten und confirmiren
mit crafte ditz brieves alle und igliche ire brieve, hantvesten und gnade,
die sie von dem egenanten unsern lieben herren und vater haben, gleicher-
weis, als ob sie von wort zu wort in diesem brieve begriffen weren; auch
tun wir in die besunder gnade umb den dienst, den sie uns getan
haben, und noch tun sullen und wollen; und dorumb, so slahen wir in
uf unsern wegen von newes auch sechzig mark silbers Friburgers ge-
wichtes uf das egenant unser aramanampt zu Überlingen, und das dorzft
gehöret, on alles absiahen der nutze, die denn gevallen sein. Wir meinen
auch und wollen und gunnen in, wenn sich das geburet und in das
f&gelich ist, das denn ir einer einen andern biderben man setzen mag
an sein stat, der vollen und ganzen gewalt haben sol zft richten über
leip und gftt mit banne und mit allen iren rechten, als ob ir einer selber
da zft gerichte sezze; doch unschedlich uns und dem reiche und aller-
Überlingen. 43
meniclich an unsem und iren rechton. Und gebieten dorutnb allen
fürsten, geistlichen und werltlichen, graven, frien, herren, dienstlüten,
rittem, knechten, amptlüten, stetten, gemeinden und allen andern unsem
und des reichs lieben getrewen und undertanen, das sie die egenanten
Andres, seinen sun und ir erben, wider diese unser brieve und gnade
nicht besweren, hindern, dringen oder irren sullen in dheine weis, sunder
sie dabei getrewlich behalten und darz& schätzen und schirmen aller-
menidichen von unsem und des reichs wegen, als liep in sei unser
swere ungenade zu vermeiden, und darzü einer rechten pene zwenzig
mark lotiges goldes. Der also wider die obgeschribene gnade frevelichen
tete, als ofte der dawider sol verfallen sein, die halb in unser und des
reiches camer, und das ander halb teil den egenanten Andres, seinem
8an und iren erben, die also überfaren werden, ou alles minnernuzze
sollen genzlich gevallen. Mit urkund ditz briefs, versigelt mit unser
RAmischen kunigUchen maiestat ingesiegel, der geben ist zu Präge, nach
Orists geburte dreizenhundert jar darnach in dem achtundsibenzigsten
jare an sante Gallen tag, unser reiche des Behemischen in dem sech-
zehendem und des Rftmischen in dem dritten jar.
Orig. Perg. mit sehr gut erhaltenem kaiserlichen Majestätssiegel an
einem Pergamentstreifen. St.-A, Abt. III, Nr. 50.
f' XV.
:l Andreas Eob jung verkauft das Ammannamt an die Stadt Über-
/ lingen um 150 U h.
1383 November 10. (Ohne Ort.)
I Ich Andreas Kob, bi den ziten statamman zu Überlingen, Andreas
Koben seligen, ouch wilunt statamman ze Überlingen, elicher sun, ouch
burger ze Überlingen, künde und veriech mit disem brief ofiFenlich
allermenglich für mich und fiir alle min erben urab daz ammanampt
daselbs zu Überlingen mit-dem banne und gemainlich mit allen rechten,
ehafti, nutzen, gewonhaiten und zügehftrden, wie ald wa daz alles
genant, gelegen, ald geschaffen sie, daz in pfandes wise^ von dem
balligen Rflmschen riebe nach lutung und sag der brief und Urkunde,
8o ich daramb inne hatt, mir zftgeh&rt, bekenne ich mich mit guter
wissent, daz ich mit zitlicher vorbetrachtung, mit wolbedachtem müt,
mit gunst und mit g&tem willen aller der, die darzft nottürftig warent,
durch min redlich notturft und mines bessern nutzes wegen dasselb
ammanampt zfi Überlingen mit dem bann und gemainlich mit allen
^ Im Orig.: «wie» ohne es», offenbar Schreibfehler.
44 Überlingen.
rechten, ehafti, nutzen, gewonhaiten und zügehfirden und genaainlich
min und aller miner erben ansprach zu wart-, vorderung und rechtuDg
darz& und daran recht und redlich aines schlechten, ewigen und st&tea
koffes hau verkoffet, und ze koffen gegeben, und ze koffen gibe mit
Urkunde diz briefs den fürsichtigen wisen, dem burgermaister, dem raal^
allen burgern gemainlicb, und allen iren erben und nächkomen in
pfandes wise von dem hailigen Rfimschen rieh, alz vorbeschriben stitt.
Der koff beschehen ist umb anderthalb hundert pfunt haller, der ich garw
und ganzlich von inen in minen g&ten fromen und nutz also bar
gewert und bezalt bin. Darumb so han ich mich verzigen und verzih«
mich mit disem brief für mich und für alle min erben gegen den ob-
genanten, dem burgermaister, dem raut, allen bürgern gemainlicb se
Überlingen und allen iren erben und nächkomen, dasselbe ammanampt
mit dem bann und mit allen vorbeschriben rechten und zügehftrden
nu hinnanhin fürbaß mSre in pfandes wise ze haben, ze messen, ze
besetzen und entsetzen, wie in aller beste fügt, Sn min, aller miner
erben und allermenglichs von unsern wegen irrung, sumnuß und Wider-
rede, doch dem hailigen RAmschen riebe, sinü rechte und rechtung zu
der losung vorbehalten und bedingt, an alle gewerde. Und also sullen
ich und alle min erben der obgenanten des burgermaisters, des rautz,
aller burger gemainlicb, und aller ir erben und nacbkomen diz koffes
umb das vorbeschriben ammanampt mit dem bann und mit allen vor-
beschriben rechten und zflgehftrden recht wern sin für allermenglichs
von unseren wegen irrung ^ und ansprach, also waz irrung ald ansprach
in von gaistlichen ald weltlichen lüten ald gerichten von unsern wegen
in beschehi ald widerfüri, daz wir in daz enthrihen, vertretten und aller
ding richtig und unansprechig machen sullen nach dem rechten, daz
sie daran habent sigint, an alle gewerde. Ich verzihe mich ouch hiemit
für mich und für alle min erben und nachkomen gegen den ob-
genanten von Überlingen, und gegen allen iren erben und nachkomen
aller hilf gaistlichs und weltlichs gerichtz, alles schirmes, aller list, geverde,
funde und uszüg, damit wir ald ieman von unsern wegen hiewider
wider disen koff, wider disen brief, ald wider kain* artikel diz briefs
komen, gereden ald getün raöhtin, und gelob bi guten trüwen för mich
und alle min erben, dieselben von Überlingen noch ir erben noch nach-
komen zu und an dem vorbeschribenen ammanampt mit dem bann und
mit allen vorbeschribenen rechten und zügehörten niemer ze sumende noch
ze irren, zu bekümbem, noch ze bekrenken, weder an recht noch mit
recht, weder mit werten noch mit werken, weder mit r&ten, noch mit
* Or.: jirrung.
* irgend ein.
Überliogen. 45
ten, weder baimlieh noch offenlich, noch schaffen getSn werden suß
I so in dehaine wise. Were euch, daz die obgenaut, der burger-
iter und der raut ze Überlingen, ald der merere tail under inen
erkantint oder sie dunkti, sich ander vertgung, wie die genant were,
mir ald minen erben nottürflig ze sinde, die vertgung sullen wir
I oach tan und vollef&ren, wann sie daz an uns mutant und vor-
ity ongevarlich, doch under ir selbes kosten und schaden, also daz
des kain kosten noch schaden haben sullen, ungevarlich. Und das
s zfl waren und offen Urkunde hän ich obgenanter Andreas Kob
I aigen insigel offenlich gehenkt an disen brief, damit ich mich und
1 erben binde aller vorbeschriber ding und geding von uns an disem
ȣ. DarzA han ich euch erbetten den edeln hocherbornen minen
^gen herren herren grafe Wolfram, herm ze Neuenbürg, daz er
es lantgerichtes in H6g5w und in Madach insigel zu waren offen bezüg-
ß aller vorbeschriber ding und geduig zu minem insigel auch heran
lenkt hat Daz veriechen euch wir obgenanter graf Wolfram herre
Nellenbuig, daz wir des vorbeschriben unsers lantgerichts insigel
rch bett des obgenanten Andreas Koben zu ainer bezügnuß der ding,
3h uns Sn schaden, ouch gehenkt haben an disen brief, der geben
do man zalt von gebmi Cristi drüzehundert und achtzig jär, dar-
3h in dem dritten jär an sant Martinis abent.
Perg. Orig. mit den Siegeln des Andreas Kob jg. und dem Land-
idU in Hegau und Madach, St-Ä. Abt VI, Nr, 79.
An demselben Tage verkauft auch die Witwe des früheren Stadt-
mannSy des Andreas Kob aÜy Lucia, das Ammannamt zu Ü. um
tOwUhhundert Pfund gute Heller an Bürgermeister, Bat und Bürger eu
Darüber eine mit der vorstehenden vöUig gleichlautende Urkunde mit
t Siegein des Oheims der Witwe Kob, des Vogts Konrad Mangolt von
nstanjgy und dem Landgericht in Hegau und Madach. St.-A. AU. VI,
. 78.
XVI.
nig Wenzel gestattet denen von Überlingen, schädliche Leute auf
a Lande oder sonst, die auf habhafter Tat ergriffen werden, oder
limm beleumundet sind, bei Missetaten, aufweichen der Tod steht,
>h Ermessen festzunehmen und auch richten zu lassen, nach der
Kenntnis, welche der Bat von Überlingen auf seinen Eid nimmt.
1384 September 27 Lützelburg.
Wir Wenczlaw v. G. g. Rfimischer küng, zu allen zeiten m. d. r.
1 küng z& Behem, bekennen und tuen kund öffentlichen mit disem
3ve allen den, die in sehent oder h&rent lesen, das wir durch trewer
46 Überlingen.
dieoste willen, die uns und dem reiche die purgeimaistere, zunftmaisiere,
rete und purgere gemainlichen der stat zu Überlingen getan babent,
und noch auch fürbas tuen suUent und mfigent, und auch durch irer
fleißiger bete willen, als wir von iren wegen gebeten sein, denselben
purgermaistern, zunflmaistern, reten und purgern unser und des reichs
stat zfi U. mit wolbedachtem mute und Rftmischer künglicher macht,
diese besundere gnade getan haben, und tuen in die von rechter unsir
wissen in kreften dicz brieves, ouch an unser adir unser nachcomen
am reiche, Rftmische keiser adir künge, widerrufen. Were es sache,
das ein weltlich man uf dem lande, adir sust, der in solichem gemeinen
adir beschribenem bAsen Iftmden adh* missetat erfunden, adir von in
ergriffen worde, darumbe er den tod von solichir missetat mogelichen
vordient adir verschuldet hette, und sich des der rat zft U. uf ir eide
erkenten, so m&gen und soUent sie denselben ufhalten, vorechten, und
auch zu desselben missetettigen leibe richten, als recht ist. Und die
egenanten purgermaistere, zunftmaistere, rete, piirger und stat z& ü.
soUent daran nicht gefrevelt, vorbflsset, adir missgetan haben gen uns,
dem heiligen Römischen reiche, adir sust gen dheinirlaie hoffegerichte,
lantgerichte, adir andir gerichte in dheiner weis.
Mit Urkunde dicz brieves, versigelt mit unsir Römischer künglichir
maiestat insigel. Geben zu Lüczelpurg nach Crists geborte drizen-
hundirt jar darnach in dem vierden und achtzigsten jare des dienstages
vor sante Michelis tage, unsir reiche des Beheimschen in den zweiund-
zwonzigsten, und des Römischen in dem neunden jarn.
Orig. Perg. mit Siegel an einem Pergamenfstreifen. L. A. Nr. 411.
Abdruck in Lünig, a. a. 0., Bd. 14, S. 541, wie alle Abdrücke Lünigs
zwar inhaltlich richtig ^ aber in der Schreibweise ganz willkürlich.
XVII.
Schiedsspruch zwischen dem Grafen Albrecht von Werdenberg und
der Stadt Überlingen wegen der von Überlingen zu Bürgern ge-
machten Heiligenbergischen Eigenleute.
(Schiedsrichter: Sigolt, Landgraf zum Leuchtenberg, Graf zu Hall etc.
und 6 Beisitzer.)
1390 Mai 28 Pfullcndorf.
[Verschiedene strittige Punkte, wie Ansprüche der Stadt Überlingen ge-
gen den Grafen wegen Zehrungskosten, Steuer und Bürgorrechtsgeld, femer
Klagen der Stadt Ü. gegen den Grafen wegen Belastung und Versetzung
ihrer Bürger und deren Güter bleiben unerledigt und werden vor besondere
Schiedsgerichte gewiesen.] . . . Und als dan graf Albrecht den von
Überlingen. 47
U. herwiderumb ztigesprochen hat, daz si im sein aigen leut, sidmalen
er ir burger ward, unz uf die zeit, daz er in abseit, und von der zeit,
als der krieg verriebt ward, unz uf dise zeit ze burgern empfangen
habint, da habent wir uns erkennet: dunket graf Albrecht, daz si im
in der zeit kainen seiner aigen man empfangen habint, ir sige ainer
oder me, frauwen oder man, daz er die besetzen mag mit zwain mannen
und mit ainer frauwen, oder mit zwai frauwen und mit ainem mann,
die dem, den er besetzen will, als nachsipp sigint, daz si mit ainandem
ze der ehe gegreifen m Achtint; und welchen er also besetzet, der soll
im beliben und sond die von U. fürbas nichts me mit ime ze schaffint
hon. Welchen er aber also nit besetzen mag, der soll den von U.
beliben. Es sollint auch mit rechtem geding all genanten uf ain
schlecht urveht ledig sein, an alle geverd. Und darumb . . . disen
brief, der geben ist ze PfuUendorf an dem nechsten sambstag nach
sanct Urbans tag, da man zait von Christus geburt dreizehenhundert
jar, darnach in dem neunzigisten jar.
Nach etcei gleichlautenden Kopien aus dem Ende des 16. Jhdts, 8t,'A.
AU. LXXIIl Nr. 2088 leew. 2089.
xvin.
König Wenzel erlaubt den Städten Eonstanz, Überlingen, Lindau,
Bavensburg, Si Oallen, Wangen und Buchhorn auf zehn Jahre ein
Bflndnis miteinander zu haben, wie es schon unter seinem Vor-
gänger der Fall war.
1390 AngüBt 21 Prag.
Wir Wenczlaw v. G. g. R&mischer kunig, zu allen zeiten m. d. r.
und kunig zu Beheim, bekennen und tfin kunt oflfenlichen mit disem
brive allen den, die in sehen oder hfiren lesen, das wir von wegen der
burgermeister, stete, burger, gmeinlichen der stete Costentz, Überlingen,
Lindow, Ravenspurg, Sandgallen, Wangen und Büchorn, unser und
d^ reichs Üben getrewen, underweiset sein, wie das in seliger gedecht-
Dusse der allerdurchleuchtigiste fürste, unser über herre und vater, der
Römisch keiser Karle, dieweil er lebte, durch gemeines nutzes und
frides willen einen bunt in irem begriffe aneinander zfi haben erloubet
bette, der weren solte desselben unsers herren und vaters lebtage und
domach zwen ganze jare, und sind nu diselbe zeite vorgangen ist, so
haben uns die egenannten tmsre und des reichs burger und stete mit
fleisse gebeten, das wir in sulchen bunt uns und dem heiligen reiche
z& eren und zu nutze etliche zeite zu haben gnediclichen besteten
48 Überlingen.
gerbchten. Des haben wir angesehen und eigentlichen bedacht des vor-
genannten unsers herren und vater Weisheit und ouch redUche Sachen,
die in dorzfi bewegt haben, und ouch getrewe nutze und unvordrossene
dinste, die uns und dem reiche die vorgenannten stete getan haben,
teglichen tfln und fürbas tfin sollen und mögen in kumftigen Zeiten, und
haben mit wolbedachtem m&te, rate unser fiirsten und getrewen, und
von rechter wissen denselben bunt von newes erloubet und bestetiget,
erlouben und besteten in den von Römischer kuniglicher mechte in
craft ditz brives, also das die burger, stete, denselben bunt anzflheben
von datum ditz brives über zehen ganze jare in irem begriffe und
gegende an allermeniclichs hindemusse haben, halden und des gebrauchen
sollen und domach bis an unser oder unser nachkumen, R&mischen
keisern oder kunigen, widerrfiffen in aller der masseu und weise, als
in den der obgenannten imser herre und vater derloubet hat.
Mit urkunt ditz brives, versigelt mit unser kunigUchen maiestat
insigele, geben zfi Präge noch Crists geburt dreizehenhundert jare und
domach in dem neuenzigistem jare des suntags vor sand Bartholomes
tag, unser reiche des Behemischen in dem achtundzweinzigisteu und
des Römischen in dem funfzehenden jaren.
Franciscus Qlom, cancellarius.
Ferg. Orig. mit gut erhaltenem Majestätssiegd des Kaisers an einem
Pergamentstreifen. St,-A. Abt, /, Nr. 5.
XIX.
Herzog Leupold von Österreich mmmt die Städte Überlingen, Lindau
und St. Gallen in die Vereinigung der Städte Eonstanz, Ravensburg
u. a. auf.
1395 Juli 28 Baden (Schw.).
Wir Leupold, v. G. g. herzog ze Osterrich, ze Stir, ze Kemden
und ze Krain, graf ze Tirol etc. tun kunt: alz wir uns vormalen zu
den erbern || wisen, unsern sunder lieben, den burgermaistern, raten und
allen bürgern gemainlich des balligen riehs stetten, mit namen Costentz,
Ravenspurg, Wangen und Buchorn, für den hochgebornen fürsten,
unsern lieben herren und vettern, herzog Albrechten, unsern heben
bruder, herzog Wilhalmen, und unser nachkomen verainet haben mit
unsern landen Turgow, Ergow, Swaben, mit unser herschafl ze Velt-
kilchen und ze Churwalhen, und mit unsern stetten, vesemen und
slozzen, die in denselben unsern landen gelegen sind, und wes si und
ouch wir uns gen in verschriben haben, alz das die brief, die darüber
gegeben sind, wisend und sagend, daz wir durch bett willen der vor-
Überlingen. 49
genanten stett die erbem und wisen, die burgermaister, r&t und alle
bnrger gemainlich, rieh und arm, der stett Überlingen, Lindow und
Sant Gallen, in die vorgenant verainung empbangen und genomen
haben, und versprechen in bi unsem fürstlichen trewen, eren und gnaden,
die vorgenant verainung, und wes wir uns für den egenanten unsern
herren und vettern, herzog Albrechten, unsem brüder und uns selb gen
den egenanten richsstetten verschriben haben für denselben unsern
herren und vettern, unsem brüder und uns, gen den egenanten von
Überlingen und Lmdow und von Sant Gallen und gen den iren
getrewiich ze halten nach lut und sag der brief, die den egenanten
richsstetten darumb gegeben sind, und ze gelicher wis, als ob si in
denselben brieven mit nemlichen worten begriffen weren und verschriben
ständen, an all gewSrd. Doch so nemen wir gen denselben richsstetten
in diser verainung uß den erwirdigen unsem lieben fründen, herm
Gbfinraten, bischof ze Basel, die stat ze Basel, den erwirdigen apt Conen
KÜ Sant Gallen, den edeln unsem lieben ohem, graf Fridrichen von
Toggenburg, und euch des richs stett in Swaben, alz sich die sidmals
zu uns verpunden band, nach dem und sich die vorgenanten von
Costentz, von Ravenspurg, von Wangen und von Buchorn zu uns ver-
punden hatten. Mit urkund ditz briefs. Geben ze Baden in Ergow
an mitwochen nach sant Jacobs tag, nach Cristz gepurde drewzehenhundert
jar darnach in dem fünfundnewnzigsten jar.
Ferg. Orig. mit dem Siegel des Herzogs Leupold an einem Pergament-
Streifen. St.'A. Abt. LXr, Nr. 1854.
XX.
König Wenzel erlaubt der Stadt Überlingen Ächter aufzunehmen.
1397 Oktober 25 Nürnberg.
Wir Wenczlaw v. G. g. Römischer kunig, zfi allen zeiten m. d. r.
und kunig z4 Beheim, || bekennen und t4n kunt offenlichen mit diesem
brive allen den, die in sehen oder hören lesen, das wir haben angesehen,
dinste und trewe, als uns und dem reiche der burgermaister, rate und
barger gemainlichen der stat zu Überlingen ofbe und dicke nutzlichen
and williclichen getan haben, teglichen tun und fürbas tun sollen und
mögen in künftigen zeiten, und haben in dommb mit wolbedachtem
mftte, gutem rate und rechter wissen dise besundere gnade getan und
tftn in die in craft ditz brives und Rfimischer kuniglicher mechte, also
das sie alle und igliche echter, wie man die nennet, die heimlich oder
offenbar echter sind, sie weren in vorkundiget oder nicht, ufnenien,
enthalden, hawsen und hofen, und alle gemeinschaft mit in haben
OlMRlialnische Stadtrechte. U, 2. 4
50 Überlingen.
mögen, als mit andern leuten, und sollen oueh damit wider uns, das
reiche, noch niemanden anders nicht getan noch überfaren haben, und
des ouch nicht weder an leibe, noch an gute engelden, noch oueh
darumb von niemanden mit dheinen gerichten angereicht, bekumert
oder besweret werden in dheine weis, doch also vernemlichen, das sie
einem igUchen cleger, der zu sulchen echtem, einem oder mere, ichtes
zu sprechen hette, und rechtes von in begeret, eines volkomeu rechtes
zu in unverzogenlichen beholfen sein sollen, als recht und billich ist,
und als ofte sulche echter in die egenante stat kumen, und wider doruss,
das sie niemande ansprichet mit dem rechten, das sol den egenanten
burgern gemeinlichen noch in besunder von der gemeinschaft wegen
keinen schaden bringen in dheine weis. Mit urkunt ditz brieves, ver-
sigelt mit unser kuniglichen maiestat insigel. Geben zu Nurenberg nach
Cristes geburt dreizehenhundert iare und domach in dem sibenund-
newnzigisten iaren, des donerstages vor sant Simonis und sant Judas
tage, unser reiche des Behemischen in dem funfunddreissigisten, und
des Römischen in dem zweiundzwenzigisten iaren.
Ad relationem Borziwogii de Swinar
Franciscus canonicus Pragensis.
Perg. Orig, mit Siegel an einem Fergamentstreifen, L. A. No. 434.
Äbdr.: Hugo, a. a. 0, S. 392.
XXL
König Wenzel verpföndet der Stadt Überlingen das dortige Ammannamt
für 120 Mark Silbers, und verleiht dem Ammann zugleich den
Blutbann.
1397 Oktober 25 Nürnberg.
Wir Wenczlaw, y. G. g. Rf)mischer kunig, zu allen Zeiten ra. d. r.,
und kunig zfi Beheim, bekennen und || tun kunt offenlichen mit diesem
brieve allen den, die in sehen oder hören lesen : Wann der allerdurch-
luchtigiste fiirste und herre, her Karl, Römische keiser, zfi allen zeiten
merer des reichs und kunig zu Beheim, etwenn unser liber herre und
vater, das ammanampte zu Überlingen mit seinen zügehorungen Andresen
Kob und seinen erben für seclizig mark silbers Freiburger gewichtes
vorsatzt hat, und wir darnach demselben Andresen, Cünraden seinem
sun, iren erben, uf dasselbe ammanampte ouch sechzig mark silbers
Freiburger gewichtes von newes geslagen haben, als das beide des
egenanten unsers vaters seligen und ouch unser maiestat brive, die in
doruber geben sein, wol usweisen, und wann nu die bürgere und stat
/
Oberlingen. 51
zfi Überlingen, unser und des reichs lieben getrewen, das egenant amman-
ampt mit iren zügehoruugen an sich von dem egenanten Andresen
redlichen bracht und gelÄst haben, als uns das ouch der egenant Andres
in unser hende mit seinen offen briven usgesant und usgelossen hat,
des haben wir angesehen dinste und trewe, als uns und dem reiche die
egenanten burger zu Überlingen ofte und dicke nutzlichen und williclichen
getan haben, teglichen tun und fürbas tän sollen und mögen in
künftigen zeiten, und haben darumb mit wolbedachtem mute, gutem
rate unser fiirsten, edeln und getrewen, und von rechter wissen zu sulcher
lozunge des egenanten ammanamptes mit seinen zügehoruugen unsern
willen und gunst gnediclichen gegeben, und geben auch dorzü in kraft
dilz brives und Römischer kuniglicher mechte und meinen und wollen,
das die egenanten burger und die stat zu Überlingen das egenante
ammanampt bei in in der stat mit seinen z4gehorungen für hundert und
zweinzig mark Silbers Freiburger gewichtes, dorumb das dem egenanten
ÄDdresen und seinen erben von dem egenanten unserm vater und auch
no8 usgesatzt was, in pfandesweize inhaben, halden, besitzen, und des
gemessen sollen und mögen von allermenclich ungehindert, als lange
bis das wir oder unsre nachkomen an dem reiche. Römische keiser und
kunige, dasselbe ammanampte von in für dieselben hundert und zweinzig
mark wider lozen an allen abslag der rente und nutze, die von dem
egenanten ammanampte gefallen sein. Auch so geben und leihen wir
dem amman der egenanten stat, der nu ist, oder den die egenanten
burger in zeiten setzen werden, den bann über das blüt zu richten
und recht zu tun, als billich und recht ist, unschedlich doch uns und
dem reiche und allermeniclich an unsern und iren rechten. Und
gebieten dorumb allen und iglichen fürsten, geistlichen und werltlichen,
grafen, freien, herren, dinstleuten, rittern, knechten, amptleuten, burger-
meistern, reten und burgern geraeinlich der stete, merkte und dorfer
und sust allen andern unsern und des reichs undertanen und getrewen
ernstlichen und vesticlichen mit diesem brive, das sie die egenanten
burger und stat zu Überlingen, an der egenanten pfantschaft des
egenanten ammanampts und seinen zügehoruugen und ouch den egenanten
gnaden nicht hindern noch irren in dheine weis, sunder sie dobei
geruchhhen bleiben lassen und ouch hanthaben, schützen und schirmen,
als libe in sei, unser und des reichs swer ungnade zu vormeiden und ouch
ein pene zweinzig mark lotiges goltes, die ein iglicher, als ofte er die
überfÄre, verfallen sein soll, die halbe in unsere kunigliche caraer, und
das ander halbteil den egenanten burgern und stat zu Überlingen
genzlichen gefallen sol. Mit urkunt ditz brifs, vorsigelt mit unser
kuniglichen maiestat insigel. Geben zu Nurenberg noch Cristes geburt
4»
52 Oberlingeii.
dreizehenhundert jare und domach in dem sibenundneunzigisten jare,
des donrstags noch sant Severin tage, unser reiche des Beheimbscheo
in dem funfunddreissigisten, und des Römischen in dem zweiund-
zweinzigistem jaren.
Ad relationem Borziwoii de Swinar
Franciscus canonicus Pragensis.
Perg. Orig. mit Siegel an einem Pergamentstreifen. L. A. No. 442.
Abdr.: Hugo, a. a. 0. S. 390.
XXII.
Stadtrecht. (St. n.)'
Um 1400.
[1.]^ Wir, der burgermaister, die zunftmaister und die r&t groß und
klein der statt Überlingen bekennen und tünd kunt allen den, die diss
Satzung und abgeschrift iemer vernemend, und allermenglich gemainlich,
daz wir mit gemainem rät unzerhollen, mit gfiten fürs&tzen, die wir hier
innegehebt haben, durch frides und früntschaft merung willen, und daz
unser ainer dester bazz bi dem andern beliben müge, gesetzt und
gebotten haben und setzen ietz wissentlich in diser geschrift in der
wis und form, alz hernach geschriben ist:
§ 1-
(Weiher an den rät gesezt wirt.)*
Item des ersten: welche an den rät gesetzt sind, grossen oder
kleinen, oder noch furo werdent, daz die an den rät komen sond,* wenne inen
daran gebotten wirt, oder ze unzite, wenne si daran hörend lüten,anegevirde,^
und sollend auch an dem rät sitzen und beliben unz ze end uß an
gevärde. Wer daz liberffir, den mag^ ain rät darumb bflssen und
strafen, nauchdem und daz gefärlich oder ungefärlich geschehen ist.
§2.
(Weiher an dem rät seit.)
Item, welcher an dem rät seit, daz er nit sagen sol, und des
überkomen wirt mit zwain erbern mannen, der git der statt 40 ^ -J
^ Obwohl viele Artikel dieses Stadtrechts fast wörtlich mit St. I übereinstimmen,
wirJ es hier doch der Übersicht halber vollständig mitgeteilt.
'^ Diese in [] gesetzten Zahlen bedeuten die Blätter des Orig.
' Wegen der Überschriften s. die Bemerkung am Schlüsse dieses Abschnittes.
* Von spät. Hd. korrigiert in: die sollen an den rdt komen.
* Das «e» am Ende durchstrichen.
* Durchstrichen. Dafür darüber von spät. Hd.: soll.
Überlingen. 53
and dorn amman sin gericht,^ und ist mainaide und sol jaur und tag
Yor der statt sin und niemerme an gerichte noch an rät komen.*
§3.
(Weiher mit nimpt.)
Item welher überkomen wirt mit zwain erbern mannen, daz er
miet von des' gerichtes oder rätes wegen nimpt, der sol die grossen
ainuDg richten* und sol an gericht und an rtit niemerme komen.
§4.
(Wer Unzucht tfit.)
Ir sond ouch wissen : wer dehain unzüht tut wider unser statt gewou-
heit und recht* in dem zil, daz anfachet ze Vischerhüser und gät unz
zft Hansen des Wächters bächli, und von dem bächli ob den
Halden in den ßruggraben, und die Bruggraben umb daz Dorf,
und umb daz alt Dorf und umb Ganssen Gassen, und von Ganssen
Gassen für die schwöstran an der Wis unz zu der Siechenprugg,
und von der Siechenprugg hinumb zu Hainrich Strebeis wingarten,
und den weg hinin unz zu der Juden kirchoff, und von der Juden
kirchoff den weg hinhinder unz zu Kener Glafen,* und von Kener
Olafen* zö der Blaichi an den Sew, und von dem Sew unz an die
rinkmur, der müß^ die unzüht* bessern und bössen,^ alz ob er si*^
enmitten in der statt het getan. ^*
> Die Worte von «und» bis «gericht» sind von späterer Hand durchstrichen. —
' Der ganze Absatz nacbträgl. durchstrichen. — * Durchstrichen. — * Von anderer
Hand am Rande beigefügt: «das ist AO U ^». — ^ Die Worte von «dehain»
bis und mit «reht» sind durchstrichen und dafür ob der Zeile von späterer Hand ein-
gefügt: «ainmali fitzbigat». — • Ein erstes «f> ausradiert. — ^ Durchstrichen, von anderer
Hand beigefügt «sol». — * Durchstrichen, dafür «die» in «das» korrigiert; von späterer
Hand korrigiert in «dis». — • Von der ersten Hand am Rande beigefügt: «mit minder
dann». — " Durchstrichen über der Zeile von späterer Hand: «das». — *' Die beiden letzte-
ren Worte sind von späterer Hand durchstrichen und tlafür «begangen het» beigefügt
worden. Auf dergleichen Linie folgen dann durchstrichen die Worte «desglich wer im» .
Dieselbe Hand schiebt nachstehenden § zwischen § 4 und 5 ein: «desglich, wer im
etter, so weit der gat, durch fliessend wunden oder in ander weg frevelt, wie sich
das begibt, derselb frevel sol von aim rat alhie gestrafft werden nit minder, dann
obs enmitten in der statt bescheben wer; und sol ain jeder burger und einwoner, wer
im etter sieht und gwar wirt jemantz freflin, meniglich darzfl rflfen und schreien und
den oder dieselben in glilpt nennen, sich in acht tagen den nechsten alher in unser statt
ze stellen und darns nit ze komen, er sei dann darvor gutlich oder rechtlich mit
minen hem uskomen; ob sich dann dess jemantz sperren w5lt, dieselben sollen si, sovil
si ir mechtig sin, venklich annemen und ainem burgermaister überantwurten ; alles
bi dem aid, so ain jeder ainem b[urgermaister] geswom hat».
54 Überlingen.
§5.
(Wer den andern zu tod schlecht, und ob einer einen unerlich bi sinem
wib ffinde.)
Wir hand ouch gesetzt: wer den andern ze tod schleht in den vor-
genanten ziln, der sol ouch nach recht erschlagen werden, es w&re denn,
daz ain unser burger ainen fönde^ nachtes schiäffenden [diet]' in siner
herberg ; erschlecht der burger den, ob er in nit gehaben mag, darumb
sol der burger mit erschlagen werden. Der burger sol ouch sweren,
daz er in nit gehaben m6ht, ald ob ain burger tags ainen fflnde bi
sinem ewib gefärlich und unerlich, ob er den oder daz wib erschlecht
oder si beide, darumb sol er nit erschlagen werden.
§6.
(Wa ein gast einen burger schlecht.)
[2.] Wir hand ouch gesetzt : wil ain gast schlachen ain burger mit
gew&ffnoter oder ungew&ffnoter hand, wirt der gast von dem burger
erschlagen und geschieht daz tags, so sol der burger bezügen mit zwain
erbern mannen, daz der gast des ersten mit b6ser red daz an in brächt
und sol der burger darumb nit erschlagen werden; geschieht es aber in
der naht, so sol es der burger behaben mit siner ainigen hande, und
sond im alle burger raten und helfen, und sol darumb nihtzit bessern.
§7.
(Wa ein gast mit den burgern übel redt.)
Ist auch, daz ain gast [aint]' ainem burger übel redet, mag der
burger daz bezügen, schlecht denn der burger den gast oder ieman von
des burger[s] wegen, darumb sond si nichtzit bessren, und sol der
gast für sich und den burger und alle die, die darzü geholfen hand,
die Unzucht bessern.
§8.
(Krieget ein gast mit den burgern.)
Wir hand ouch gesetzt: krieget ain gast mit ainem burger, wil
der gast den krieg und zorn mit ablön, so er ermant wirt von ainem
burger[maister, von ainem amman, oder von ainem des rätes, grosses,
oder kleines, ald von ainem ratzkneht],* so sond die burger allesamend,
die zegegen sind, an den gast vallen und'' haben, unz er die versmicht
gebessert, und sol der gast der statt richten b U ^.
» Darüber von anderer Hand «und».
* Durchstrichen am Rande von einer anderen Hand «betredte».
s Durchstrichen.
< Die eingeklammerten Worte sind durchgestrichen.
^ Eine jüngere Hand fügt am Rande bei: «in hant».
Überlingen. 55
§9.
(Wa ein gast mit ungew&pneter band einen burger scblecbt.)
Ist oucb, daz ain ^ [gast ain bürger] * schlecht mit ungewäffnoter
hande,* der riebt der statt 2 ff ^,* und sond alle burger, die zegegen
sind, den gast* haben, unz er die unzuht gericht. Weiher burger des
nit tat, der git der statt 8 ß ^.
§ 10.
(Wa zwen einandem schlahend.)
Wir band oucb gesetzt: wan zwen anander schlachend, ob denn
ainer zfi dem andern clegt, er hab in geschlagen, und denn jener spricht,
er hab es angefangen und welle ain nötwer war machen, tut er daz,
so rieht der, der daz^ angefangen hat, für si beid; [mag er aber die
nötwer nit war machen, so sol und mag der erst cleger, ob er wil,
sweren, daz er es mit schlachen nit angefangen hab.] ^
§11.
(Wa ein gast [zum burger]® ze clagen het.)
Wäre euch, daz ain gast zt clagnent het zfi ainem andern gast,
es wir umb rob, umb brand, umb diepstal, umb mord oder umb ander
missetät, der sol daz bringen an ainen burgermaister oder an ainen
amman und an die rät, und daz mit dero rät verhandeln. Ist aber
ainer alz frävel, daz er ainen selb anfallet an urlob des gerichtes, so
sol man si beid heben zu dem rehten; und ist, daz der cleger sin clag
mit reht nit voUefören mag, so sol er in semlichen schulden sin, alz
er dem andern zugesprochen het.
§ 12.
(Wer den andern umb misstät anfeit.)
Wer aber den andern umb missetät anfallet mit urlob des gerichtes,
und der ain summ geltz verbürget, sin clag ze vollefüren mit reht, ob
er daz nit getün mag, der rieht der statt die summ geltz, die er ver-
bürget het, und ist damit ledig der statt halb, und waz er also ver-
bürget het, so vil sol er dem, so er angefallen het, oucb schuldig und
verfallen sin.
^ £r8te cain» durch Abkürzung in «ainer» korrigiert.
' Die eingeklammerten Worte durchstrichen; von jüngerer Hand dafür «den
andern fre?enlich>.
' Darüber von derselben jungem Hand: «thüt es ain gast».
* Desgleichen: «und ain burger 1 U ^», — ^ Desgleichen: «hand».
* Darüber von derselben jungem Hand: «schlahen».
' Die eingeklammerten Worte durchstrichen.
* Die eingeklammerten Worte radiert.
56 Überlingen.
§ 13.
(Wer den audem wundet und der gewundet stirbt.)
[3.] Wir band ouch gesetzt: wer den andern wundet mit gewifF-
noter band, den sol man baben^ zwen tag und sechs wocben; und
gescbSxjh, daz der gewundet in dem zit stürbi, so sol man den andern
oucb näcb rebt erseblacben. Ist aber, daz der gewundet lebt die zwen
tag und secbs wocben, so sol der ander mit erscblagen werden; doch
sol er der statt ricbten 6 ff ^ und sol uss der statt fareu^ alz hienäch
gescbriben ist, und bet er nit gutes, daz er die Mfli gerichten mftg,
so sol man im die band abscblacben. Ist aber, daz es ain gast tAt,
der riebt die Mfli zWfalt.
§ 14.
(Wer den andern mit gewS-pnoter band wundet.)
Ir sond oucb wissen: wer den andern wundet oder gewirset mit
gew&ffnoter band, der riebt der statt 6 ff ^ und sol in vierzeben tagen
uss der statt varen, imd sol jaur und tag vor der statt sin.
§ 15.
(Wer einen valsch begat.)
Wir band oucb gesetzt: wer ainen valscb begät, mit welcberlaig
ding daz ist, und der valscb kuntlicb wirt, und wer aines mainaides
überzüget wirt, und bi welcbem ain verborgen mortmesser funden
wirt, dero jeglicber riebt der statt 40 ff ^ und sol an geriebt noch an
rät niemermer komen. Der valscb m5cbt oucb in samlicber m&ß ge-
farlicb an im selb sin, daz ain rät daz meren und ain an lib und an
gut bössen mag.^
§ 16.
(Ob ein burger des andern vind ist.)
Ir sond ouch wissen: ob ain unser burger des andern vigent ist
und in darumb ze tod schlecht, oder in wundet, oder in sust schlecht
und übelhandlet, usswendig uusern gerichten, wa daz geschieht von
Sachen wegen, die sich in dem gericht erhebt band, der sol die Unzucht
bössen, alz ob es in der statt geschenhen' war, er möge denn bezügen
mit zwain erbern mannen, daz er vor mit im getrunken und geessen
oder sust früntlich mit im gelebt habe.
§ 17.
(Wer den andern mit ungewäpnoter band schlecht.)
Item wer ouch den andern friivenlicb schiebt mit ungewiffenter
* Von anderer Hand über der Zeile davor: «band».
« Von anderer Hand durchstrichen. Derselbe Schreiber fügt dann bei:
«m6chte».
» Sic!
ÜberlingeD. 57
band, der git der statt 1 tf ^. Ist er aber ain gast, so ribt er die
frifli zwifalt.1 ^ ,^
9 1^-
(Wer den andern lasterlicb scbilt.)
Wer ouch den andern lasterlicb scbilt, daz scbeitwort baissent,
der riebt der statt 6 ß ^. Ist er aber ain gast, so riebt ers zwifalt.
§ 19.
(Wer uf den andern Mvenlicb dringt.)
Item, wer uf den andern Mvenlicb dringet und unbillicb, der ribt
der statt 10 ß ^, und ain gast zwifalt.
§ 20.
(Wa einr scbaiden wil.)
Item wer' oucb jeman ierret, der krieger und zümer scbaiden wil,
der riebt der statt 1 ff ^.
§ 21.
(Wa burger miteinander kriegend.)
Wir band oucb gesetzt: wir, daz debain unser burger miteinander
kri^nt und zen^rfind, wa daz bescbicbt, ist, daz ain burgermaister,
ain amman, oder ainer des r&tes, grosses oder kleines, ald ain rätzknecbt
und ain jeglicber unser burger, den die sach nit angät, debaine zegegen
sind, die sond den kriegern gebieten bi iren aiden, daz si den zorn
und krieg ablassind; und welcbe des mit geborsam sind und unser
gesetzt brecbent, dero jeglicber git der statt 40 ff ^.^
§ 22.
(Wer einen frid bricht.)
Item wer oucb ain frid bricbet mit worten oder mit werken, der
im gebotten ist ze balten bi dem aide, der baisset und ist mainaide und
riht der statt 40 ff ^. Wirt aber ain frid gebotten an gelt und nit
uf den aide, wer den frid bricbet, der riebt daz gelt, daran im der frid
gebotten ist. Wirt* oucb ain frid gebotten in der niriß, als der fiid
stat, wer den bricbt, der ist mainaide und rieht der statt 40 ff ^j.
Wird oucb ain frid gemacbet scblecblich an alle fürwort und gebott,
der den bricbet, der ribt oucb der statt 40 ff ^.^
§ 23.
(Wer den andern an einem ougen blendt.)
Wir band oucb gesetzt: wer den andern an ainem ogen blendet, der
git der statt 20 ff ^ [und dem amman 3 ff ^]* und sol jaur und tag
» Der ganze Absatz von jüngerer Hand durchstrichen.
> Von späterer Hand überfahren.
' Dieser Absatz ist von jüngerer Hand durchstrichen.
* Von jüngerer Hand überschrieben.
* Die eingeklammerten Worte durchstrichen.
58 Überlingen.
vor der statt sin, und siner helfer jeglicher git ouch sovil und sol ouch
jaur und tag vor der statt sin; wer aber den andern an beiden ougen
blendet gefarlich und mit ufs&tzen, und wer ouch darzö hilfet, die
s611en alle ouch geblendet werden; w&re aber, daz jeman sin gesiebt
engieng von der wegen, daz er gestossen, geschlagen oder sust gewndet
war, daz stät an der r&t erkantnusse und nach gelegenhait der sache.
§ 24.
(Wer den andern wundet und sin glid unnütz würde.)
Wer ouch den andern gewirset [an dehainem] * sinen gelid, daz er
im unnütz wirt, ön an den ougen, der riht der statt* 6 ff ^ und siner
helfer jeglicher ouch6ff^ und sol jaur und tag vor der statt sin, und
waz er dem ze bessrung tilg, dem der schad geschehen ist, ald ob im ze
bessren sie oder nit, daz stät denn ouch an aines rates erkantnusse.
§ 25.
(Von der burgschaft.)
Wir band ouch gesetzt, daz dehain erben, es sien wib oder kmd,
sond geben dehain burgschaft, die iro vatter oder ir man [vehaissen*
band].*
§ 26.
(Von der vervallen götter wegen.)
Wir band ouch gesetzt: wi\r, ob ain vatter sinen kinden ir [ver-
fallen]* gut versatzte, oder [dehaines weges]^ verkümberti an [des kindes]^
und siner nächsten fründ urlob, willen und wissen, daz daz den kinden
kainen schaden bringen sol.
§ 27.
(Vom win.)
Wir band ouch gesetzt, daz dehain unser burger dehainem gast
gehalte dehainen win, der in unserm etter nit gewachsen ist;
wer daz briht, der rieht der statt 5 ff ^, es sie denn, daz das gut hie
verstürt werd.®
^ Durchstrichen, darüber von späterer Hand «und schediget an ainchem».
' Über der Zeile durchgestrichen, späterer Zus. v. ein. neuen Hand eingeklammert.
»Sic! — * Die eingeklammerten Worte sind durchstrichen und dafür von einer
späteren Hand beigefügt: «oneverachribung undverzeihung'schlechtlich verhaissenhond».
* Durchstrichen, dafür am Rande und über der Zeile: «verfangen und ver-
fallen». — ® Durchstrichen.
' Durchstrichen, darüher von anderer Hand «ains rats».
* Der ganze Absatz durchstrichen; zwischen Art. 27 u. 28 ist von spät. Hand
bemerkt: «sind hinfür geschriben».
Oberlingeii. 59
§ 28.
(Wer den lüten win gehalt.)
Wer ouch den lüten win gehaltet, der in unserm etter wachset,
und den man nit verstüret, der riht ouch der statt 5 ff ^. Ist aber,
daz ain gast win koufet umb ainen burger, der mag in wol in die statt
l^en und kumpt darumb nit ze schaden. Ist aber, daz der kouf be-
schieht vor der stür und denn die stur den win ergriflfet, so sol der
gast den win verstüren nach unser statt gewonhait, tat er des nit, so
rieht er der statt 2 U ^}
§ 29.
(Von des wins wegen.)
[ö.] Es sol ouch nieman kainen win in kainem torgel hie uss-
gewinnen, der in den garten wachset, die hie nit verstürt werden t noch
verdient; und an alz mengem ain torgehnaister daz bricht, da ist der
torgelmaister von alz mengem verfallen von jeglichem 1 ff ^ [und dem
amman sin gericht.]*
§ 30.
(Der fremden gericht.)
Es sol ouch kain unser burger kainen andern unsern burger nit
laden noch bekümbem mit kainen frftmden gerichten unb kain sach,
an urlob aines rätes; wer daz bricht, der riht der statt 5 ff ^.
§ 31.
(Von dem pfenden.)
Wir band ouch gesetzt, das dehain unser burger umb gült niena'
pfenden sol, er neme denn urlob von ainem burgermaister oder von
dem rät; wer daz bricht, der riht der statt 5 ff ^ und siner helfer
jeglicher 1 ff ^.
§ 32.
(Von des vals wegen.)
Wir band ouch gesetzt: weler burger ain wib nimpt mit der ge-
dingt, das er verbürget oder ainen vall gedinget ze geben, der git der
statt 10 U ^; weler unser burger denselben des hilfet, der sol dieselben
bftss geben und sol fürbazz enkain^ burgrecht hän.
§ 33.
(Wer den andern an sinen gütter schädiget nachts.)
Wir band ouch gesetzt: wer dem andern nahtes sinen zun brichet
ald ungetrüwlich schadgot in sinen garten, an sinen reben, an sinen
^ Der ganze Absatz durchstrichen.
* Die eingeklammerten Worte von späterer Hand durchstrichen, desgleichen
der ganze Absatz.
• Dieses Wort von jüngerer Hand durchstrichen; dafür am Rande beigefügt:
cniemandf. — * Die Silbe «en» von einer späteren Hand gestrichen.
60 ÜberliDgen.
bomen, [an sinen winbern],* an sinen krüttern, der rieht der statt
3 ff ^, und ob er des logenen w61t, so mugen die, den schad beschehen
ist, daz mit ir ainigen band beheben, und den sol man darumb geloben.
§ 34.
(Wer den andern nachts unrfiwig mached.)
Wer ouch dem andern nachtes sin venster zerbricht oder mit
dehainer ^erung unröwig machet, der rieht der statt 3 ff ^, und mag
der daz mit siner ainigen band beheben, find sol man im geloben.
§ 35.
(Vom schaden tags.)
Wer aber den andern tags schadget an den vorgenanten dingen,
der rieht der statt 10 jj ^ [und dem aman 3 jj ^]^ und dem, dem der
schad geschehen ist, ouch 3 ß ..J und sol im sinen schaden [zWgülten.]'
§ 36.
[Maßregel zur Verhütung von Feldfreveln.]*
Es sol ouch menglieh wissen, daz vil red und clag under armen
und riehen uferstanden ist, daz die lüt gemainlich hie ze Überlingen,
welche ünt uf dem veld band, grössentlichen besehadgot werden in dem
winter an Iren steken und an iren zünen und hegem, in dem sumer
an iren krüttern, an iren gressern, an irem ops, an iren winbem, und
daz ain grosser und kleiner rät besorgt band, ob daz nit für komen
^Vrde, daz man den grossem schaden, sunder an den lüten, davon
enpfachen m6ht. Und daz alles ze fürkomen, so ist grosser und kleiner
rät und darzü ain grosser ziisatz, me denn noch ainest alz vil, alz des
grossen rätes ist, mit inen ze rät worden und band gesetzt: wer hie
burger oder wonhaft ist, der jeman sieht dem andern redlichen schaden
tun, w&r an daz ist, daz der denselben oder die, die den schaden tünd,
es sig lüt oder vieh, rfigen und sagen sol, wenne und wie dik daz zö
schulden kumpt^ alz bald er denn darzü komenlich komen mag, ainem
stattaraman oder ainem des rätes knechten, weihen er allerbest haben
mag, bi dem aid, den er der statt und sinem zunftmaister gesworen
haut, an alle gevärde.*
* Die eingeklammerten Worte durcbstrichen.
2 Von jüngerer Hand durchstrichen und dafür gesetzt: «bekeren».
3 Eine Inhaltsangabe dieses Art. am Rande fehlt; dagegen von anderer Hand
beigefügt: «non legatnr:».
* Der ganze Absatz ist durchstrichen.
Überlingen. 61
§ 37.
(Welches redlicher schad haist.)
[6.] Und* umb daz ir merkint, daz es nit gefarlich noch in uf-
s&tzen, denn umb daz gemain gut grossen schaden ze fürkomen
geschehen sige, so haben wir ainen underschaid darin ne geben, weles
redlicher schad haisse oder nit. Des ersten: wo ain frow oder ain man,
jung oder alt, wandlet oder gaut gewonlich weg, die nit verzunt sind,
ob da jeman wäre, der ops under ainem bom uf hAbi ze essen und daz
Siss, ald ob aines ainen trüben oder zwen an ainem fürgän abbr&ch, und die
ouch uss der band ungefarhch &8S, also, daz er weder ops noch trüben gefar-
lich in die ermel oder sek ald ander behaltnüsse nit lege noch hintrag, daz
sol nit redlicher schad haissen, und ist nieman gebunden, daz zerAgen.^
§ 38.
(Von halten oder grasen.)
Wir band ouch gesetzt: wer in des andern garten, oder an den
/ wegen, ald in den gassen haltet oder graset, der rieht der statt 5 ji ^
i (Und dem amman sin gericht]' und dem, der geschadget wirt, sol er
8inen schaden [z\^gülten]* alz dik, so ers tut; und het es der, der den
schaden tut, nit ze richten, so sol man fürkomen* an den wirt, uss des
hus der schad beschehen ist.
§ 39.
(Vom schaden der friicht.)
Wer aber dem andern an semlichen gewonlichen wegen oder anders wa
sin ops oder sin trüben, ald anders das sin abgewinnet, ufliset, schütt, schlecht
oder wirfet, und daz behalt und hintreit, oder anders damit gefert, denn vor
ist beschaiden, daz haisset redlicher schad und sol man darumb rflgen.
§ 40.
(Wer über die zun klimt.)
Wer auch dem andern über sinen zun oder wand inkliraet, oder
durch sin hag bricht, waz der da tut, der fr&velt damit, und den sol
man rfigen.
§ 41.
(Wer dem andern daz sin nimpt.)
Wer* ouch dem andern sust an andern dingen daz sin nimpt
gefarlich, den sol man ouch rflgen in der miß alz daz vordrig, an gev&rde.
* Wie beim vorigen Abs. von einer jungem Hand am Rande bemerkt «non legatur*.
' Der ganze Absatz ist durchgestrichen.
* Die eingeklammert. Worte von einer spätem Hand durchfitrich.
* Von späterer Hand durchstrichen und am Rande beigesetzt «bekeren».
» Die Silbe tfdr» von jüngerer Hand durchstrichen; darüber «in'».
* Bei diesem und den fünf folgenden §§ am Rande von anderer Hand bemerkt
<iMm legatur».
62 Überliflgen.
§42.
(Nacht schaden.)
Wer aber jeman nahtes schaden tut, wie sich daz gefüget, den
sol man darumb rfigen, und der sol daz bessren in der m&ß, alz vor-
malz umb naht schaden der statt gewonhait und reht ist.
§ 43.
(Fr&venlicher schad bi nacht.)
Sich m6ht ouch jeman alz fr&venlich in den dingen halten nahtz
oder tags, daz man in nit beliben Hesse bi ainer sohlechten fräfli, denn daz
man in furo biiste nach ains rautz erkantnüsse.
§ 44.
(Verswigen der schaden.)
Wer ouch, daz jeman den andern an schaden säch, und der das
nit rfigti, alz vor ist beschaiden, wä sich daz erfündi, der \^rd darumb
gesträfet alz umb ain mainaide, wann diss gebotten ist zetänd bi
dem aide.
§ 45.
(Wa ein gast schaden tut.)
Und wd ain gast, er sie dienstkneht, dienstmagt, oder sust usslüt,
in disen dingen ze schaden gerögt werden t, die richtent die fr&vli z^falt;
darumb sol es menglich dem andern verkünden, umb daz man sich
wisse vor schaden ze hAten.
§46.
[Strafe desjenigen, der sich mit Worten vorstehenden Bestimmungen
widersetzt.]^
[7.] Sich m5cht ouch jeman mit worten alz fr&venlich hiewider
halten, daz man den ouch bessren w51t nach aines ratz erkantnüsse.
§ 47.
(Wer usser der statt sinem herren dienet.)
Wir band ouch gesetzt: wer sinem aigem herren dienet uss der
statt haimlich oder offenlich mit dehaiuen dingen, er schenk im denn
ain kentli wines, den schirmet enkain burgerreht, denn alz verr die stur
gät; ald wt\re ouch, daz sieh jeman mit sinem aigem herren satzte, also
daz er im jdrliches ain genanten zins g?ib, es war pfeffer, wachs, pfenning,
oder welcherlaig es wir, daz wider unser statt reht und gesetzt wir,
oder erb ald vSlle hinussgäbe, wer aber* wider diser vorgeschribnen
stük [dehains]^ tat und* überför, es sig man oder wib, der ist ouch der
* Am Rande von anderer Hand bemerkt «non legatur».
« Dieses Wort durchstrichen.
3 Durchstrichen und statt dessen am Rand von jüngerer Hand beigefügt: «ainchs».
* Über der Zeile von anderer Hand «dz».
Überiingen. 63
statt verfallen aines drittentails alles des gutes, so er hSt, es sig ligend
oder varend gut [und dem ammau sin gericht]^ und sol darzu iemerme*
usserthalb dem etter sin.
§ 48.
(Wer uss ungehorsami burgrecht ufgibt.)
Wir band oueb gesetzt: wer der ist, der unser burger ist, und der
von ungehorsami wegen burgerrebt ufgit dar umb, daz er nit burger-
maister, rÄtzberr, noch zunflmaister, noch ain seclisundzwainziger und
ain ailiffer werde, ob man des an in kompt, welcher darumb burkrebt
ufgit und darum nit schweren wil, daz er es darumbe nit tfige, der sol
fünf jaur vor der statt sin, usserthalb unserm etter, und sol in ouch die
fünf jaur kain unser burkrebt nit schirmen, und sol ouch die fünf jaur
unser burger nit haissen noch sin.
§ 49.
(Wer den andern von zoms wegen in ein hus jficht.)
Wir band auch gesetzt: wer den andern von zornes wegen in
dehain hus jftchet und im über die swell hinin nauchlaufet, er schlache
oder er schlache nit, es sig ainer oder me, ald wie menger er ist, dero
sol j^licher der statt 5 flf ^ geben [und dem amman sol von den
5 ff werden 10 (i ^],* und sol darzü jaur und tag vor der statt sin
usserthalb unserm etter, alz dik er daz tfit; und wer diss vorgeschriben
Satzung überfert mit gewäflfnoter band, der rieht der statt 10* ff ^ [imd
dem amman 3 ff ^],^ alz dik ers t&t, und sol darzü jaur und tag vor
der statt sin usserthalb unserm etter.
§ 50.
(Wer in das huß gej&cht wirt, ob der wirt darzü tat.)
Wire ouch, daz jeman also in dehain huse gej&cht ^Vrde, waz
denne der wirt denne zümäl darzü t&t on den todschlag, der sol dar-
umb nit ze schaden komen; doch so ist mit namen ufgesetzt umb
schädlich lüt, ald ob jemane den andern wndeti oder erschlüge, dem
sol man näcbloflTen in büser und ouch sust [alz vormälz]^ er sie mit
dem gericht oder an daz gericht, und sol man in haben und dem
gericht antwrten; in sol aber nieman schlacheu, es wäre denn, daz er
sich nit wftlt laussen vachen.
1 Die eisgeklammert. Worte durchstrichen.
« Dieses Wort v. a. Hd. durchstrichen und darüber gesetzt: «ewiglich».
■ Die eingeklammert. Worte sind durchstrichen.
* Korrigiert aus: 12.
* Die beiden eingeklammerten Worte sind durchstrichen.
64 Überlingen.
§ 51.
(Wer gestraft wirdet und daz äfem täte.)
Wir band ouch gesetzt: wer gesträfet wirt von kainerlaig unzucht
wegen von der gemaind, von ainem kleinen rat, oder vor gerieht, wer
daz äffern w<e an ir aller kainem, der rieht der statt [die bfiss in
aller der wis, alz es vorschriben ist von der fridbr&ehi wegen]/
§ 52.
(Von den ligenden pfänden.)
[8.] Wir band ouch gesetzt: wer dem andern ain ligend pfaut
versetzen wil, der sol gän für unsern stattschriber und sol im daz pfant
da versetzen und ufgeben, und sol auch daz pfant in unser statt pfant-
büch uf denselben tag verschriben werden, und daz pfant sol nit furo
versetzt werden, denn dem ersten, unschidhch, und sol man dem statt-
schriber 8 ^ geben, und sol kain andre versatzung weder mit lut noch
mit briefen weder kraft noch mäht nit enhaben, wän die in dem
bfich stand, also daz daz buch vor allen dingen gdn sol; und wer daz
buch velschet, der ist der statt verfallen 6 U ^ und sol jaur und tag
vor der statt usserthalb den ettern sin.*
§ 53.
(Die aigen mit lipding mit besw&ren.)
Wir band ouch gesetzt: daz nieman sin aigen mit lipding swinren
sol, er welle denn sin kind gaistlich damit versehen.' *
§ 54.
(Vom bifangen oder beschalken.)
Es sol ouch nieman den andern in unsern gerichten bifangen noch
beschalken noch wider sinen willen daruss ziehen an aines rautz urlob;
wer es aber darüber tat, er war burger oder gast, der rieht der statt
10 g 4.
^ Die eingeklammert. Worte sind von einer jüngeren Hd. durchstrichen, die
dafür am Schlüsse beifügt: «40 U Ay>.
* Zwischen § 52 und § 53 hat eine dem Anfang des 16. Jahrhunderts angehörige
Hand nachstehenden Eintrag gemacht: «Item meine herren setzen und wollen auch,
das sich nu für ohin dhain burger mer hinder kain Juden verschreib, weder mit
noch one versatzung, ligend- noch warender gütter, dann welcher oder welchi das
überfür, der oder dieselben sollen alsdann ir burgerrecht dadurch verwurkt haben, und
darzü mitsampt wib und kind uß der statt gericht, zwing und bann gan, und dero
ir leben lang beraupt sein.»
3 Hier fügt die in Note ' genannte Hand bei: «actum Pentecostes im XVIII.
jar» (-23. Mai 1518). Das Datum bezieht sich auf den in Note 2 abgedruckten Ein-
trag und kam nur aus Mangel an Platz nach § 53 zu stehen.
* Der ganze Absatz ist durchstrichen.
Überlingen. 65
§ 55.
(Wer des bifanges gewar wirt.)
W< ouch ieman semlich ding in unsern gericbten tfin, wer daz
lenn sieht, hftrt oder gewar wirt, der sol darzb keren unverzogenlich
und daz wenden und den, der semlich Mvel tun wftlt, dem gericht
antwrten. Wftlt sich aber ain semlicher nit laussen vachen, wirt der
darüber gewndet oder erschlagen, da gaut kein raut nach.
§ 56.
(Wer in dem bifangen nit zükerte.)
Wer aber darzu nit kerte, ald darzu nit tat, daz semhch Mve
gewent i^de, so er daz s&ch oder geschraig hftrti, der rieht ouch der
statt 10 ff ^.
§ 57.
(Im etter weder vahen noch bifangen.)
Wir band ouch gesetzt, daz nieman den andern an der ratz oder
des meren tail des rötz urlob in unsern ettem ienert fachen noch bi-
fangen sol in debain wise. W&r aber, daz ieman den andern fienge, ald
daz geschell ald geschraig in unsern ettern \Vrde, so sol menglich^
alz bald er daz hftrt oder sieht, gewar ald innen wirt, bi dem aide zü-
schrigen,^ züloffen [und darzü komen und tun]* nauch aller ir* ver-
mfigen an gev&rde.* Wer aber des nit ent&t* und des überwnden
^de, den wil ain rät swir darumb bessren und biSssen.
§ 58.
(Von der stabraiß.)
Wir band ouch gesetzt, daz nieman, über den wir ze gebieten
haben, kain stabraiß, kain samnug,® kainen überzog, kaiu gelftff, noch
kainerlaig gezenge' an des rautz oder des meren tail des rätz urlob nit
bruchen,® machen noch tun sol umb kainerlai sach. Wer es aber dar-
über tat, so kumpt der urs&cher, alz menger der war, jeglicher umb
5 ff -^ und ir helfer jeglicher umb 1 ff ^ der statt.
' Über der Zeile von späterer Hand «und».
' Die eingekl. Worte von jüngerer Hand durchstrichen und am Rande notiert:
i «die helfen retten und die retter der oberkait verantwurten».
» Von jüngerer Hand korrigiert in «irm».
* Hier folgt von ders. jüngeren Hand unterhalb des Absatzes folgender Zusatz :
«^ würd jemantz darüber gewundet oder erslagen, da gat och kain rath nach».
* Die Silbe «en» von späterer Hand durchstrichen.
* Von späterer Hand korrigiert in «versamling».
' Durchstrichen, darüber von jüngerer Hand «derglich».
' Korrig. ans «bringen» von der nrsprüngl. Hand.
Obenfaeiniflcbe SUdtrechte. U, 2. 5
66 Überlingen.
§59.
(Wer dem andern sin eigen im etter usserhalb der stattgerieht anspricht.)
Wir band ouch gesetzt: wer der ist, der dem andern sin hus, ald
hoff, oder sin garten, oder dehain sin aigen, daz in den ettem lit,
[9] ansprechet || anderswa, denn vor unserm gericht ze Überlingen, behebt
er daz iendert anderswa, wer der ist, der daz koufet, der sol niemerme
burger werden ze Überiingen; der es ouch enpfachet oder buwet, der
sol die grossen ainung richten, alz dik ers tut.
§ 60.
(Von dem verbieten.)
Wer der ist, er sie amman, er sie lütpriester, oder wer in dem
gericht sesshaft ist, er sie gaistlicher oder weltlicher, in des gewalt
mag man wol verbieten, waz dehainer in ir gewalt hSt, daz man sol
verbieten.*
§ 61.
(Wa ein burger wider ein ander burger wirbt.)
Wer der ist, der burger ist, der wider den burger wirbet, daz der
statt schad ist oder ze schaden komen mag, der sol 40 tf ^ geben und
sol zwai jaur vor der statt sin und sol dennocht stän an dem burger-
maister und an dem rät und an den zunftmaistern, wie in die fürbazz
bÄssent.
§ 62.
(Kein zunftnüwrung machen.)
Es sol ouch kain zunft noch hantwerk noch nieman besunder kain
nüw Ordnung und gesetzt under inen nit setzen noch machen, das ander
Zünften und hantwerken ald ieman anders anrÄrte, denn sie selb, &n
der rät und zunftmaister urlob, wissen und willen; ald wer daz überfür,
der rieht der statt 40 U ..j. Ir mftht aber alz menger darzü gehafl sin,
ald es m5ht so gefarlich und ufsätzentlich geschehen, daz ain rät,
grosser und kleiner, die furo darumb strafen möchten, es w&r an lib,
an gut, oder an eren.
§ 63.
(Wer dem andern sin wib hinwegfiert.)
Wir band ouch gesetzt: wer dem andern sin ewib hinwegfliret,
der rieht der statt die grossen ainung; vindet er aber dehain sin gut
bi inen, wän si zu kirchen und ze Strassen gät, so sol ers uf si stossen
alz uf ainen dieb, und sol man zu im richten alz zu ainem dieb.
* Der ganze § ist von einer späteren Hand durchstrichen.
Überlingen. 67
§ 64.
(Weiher sinem vatter ünt^ nimpt.)
Wir band ouch gesetzt: welcher sinem vatter ünt^ nimpt, es sie
wit oder wäffen, daz er verspilt oder vertrinket, oder w&hin ers tut,
w4 si daz vindent, daz sol man in widergeben an alles Iftsen.
§ 65.
(Wer dem andern sine bomm abhowet.)
Wir band ouch gesetzt: wer dem andern sin b&mm abböwet, ald
sin reben usshuwet, oder zert* ald mutlingen verbrennet [und unwider-
sagtp innret dem etter,* mag er daz überkomen mit zwain erbern
mannen, und sin band die dritt sig, den sol man von dem leben tbn.
[10] [(Ist aber, daz ainer spräche: ich hän im widerseit)^ || gaut daz
aiu burger an, so sol ouch ers bezügen mit zwain erbern burgern, und
daz sin band die dritt sig; gaut es aber ainen an, der nit burger
ist und sust hie dienot, den sol man erzügen mit denen, die dieselben
dienst hie tund, ald mit burgern. (W&r aber, daz er es nit fürbr&cht,
alz die burger gesetzt band, darumb w&r er nit ledig; er sol die)* grossen
ainung richten und jenem sinen schaden abtun.]' ®
§ 66.
(Wa zwen vor gericht schalklich kriegten.)
Wir band ouch gesetzt: w&r, daz zwen mitainander kriegotind
schalklich vor gericht, und daz in der amman gebütte ze swigen, t&ttend
sie das durch des gebottes willen nit, so sullend si de[m amraan]^ gen
2 U ^ [und dem burgern 1 9f ^];^® werdent sie aber gegen ain ander
dringen, so sullend si de[m amman]^ 10 af ^ [und den burgern 5 S[ .,jY^
geben; werdent aber sie schlachen, wer es denn an dem andern an-
vieng, der s< de[m amman]" 10 ff ^ [und der statt ouch 10 ff ^Y^
geben und jaur und tag vor der statt sin.
§ 67.
(Ob vor gericht frid hotten würd.)
Wrde inen aber frid gebotten [ald]^^ ze swigen, wer daz über-
fÄr, der sftlt daz richten in der miß, alz es inen gebotten w&r.
* Durchstrich, darüb. v. and. Hand «ichtzit». — » Von späterer Hand über der
Zeile die Silbe «us» zugefügt. — ' Die eingeklammert Worte durchstrichen. — ^ Eine
jüngere Hd. fügt bei: «er hab im darvor tröwt und abgesagt oder nit; hat er im aber
tiftwt lollichs zu thun und thuts nit, der rieht der statt die grossen ainung. — ^ Das
in 0 Gesetzte durchstr. — > Das in () Gesetzte von jüngerer Hand durchstr., dafür
»Q Bande beigef. : «bringt er dann das für, soll er die . .» — ^ Späterer Zusatz: «und
Wher nit gestraft werden.» — • Die mit [] eingeklammert. Sätze nachträgl. gestrich.
* Durchstrich., «dem» korr. in «der», üb. «amman» — «statt». — ^^ Die eingeklammert.
Worte durchstr. — n Durchstr., korr. in «der statt». — " Die eingeklammert. Worte
durchstr. — " Durchstrichen.
6*
68 Oberlingen.
§ 68.
(Wer den andern an sinem aid velscht.)
Item velschet aber ainer den andern an sinem aid vor gericht
oder anderswa, und mag daz nit ussbringen nach reht, der rieht der
statt 10 U .^.^
§ 69.
(Wer buwen wil, sol mit ziegel decken.)
Item wir haud ouch gesetzt: wer hinfür in unsern gerichten buwen
wil, daz der mit ziegeln deken sol und die wend bewerfen mit pflaster
oder mit laime, aid aber muren; wer daz nit tit, der git der statt 10 ff ^
und stät dennocht an dem rät und an den zunftmaistern, wie man in
fürbass bissen sulle.
§ 70.
(Kind under 18 jaren kein gewalt haben.)
[Wir haud ouch gesetzt, daz kain kind, es sie tochter oder sun,
under 18 jauren]* kainen gewalt hat' ze tftn, daz im* schädlich* an
sinem^ gut [m&ge gesin]' mit kainen Sachen; w&r,® daz es^ kainer ding
nottürftig war, so sol es^^ mit sinen^^ gütten Mnden und landlüt**
für den rät komen und [sol dem]^' rät die sach fürlegen, und waz inen
denn die r&tgeben erlobent, da^* hat es" gewalt ze tün.^*
§ 71.
(Anspr&ch von der ee wegen.)
Wir band ouch gesetzt, wer dem andern sin kind zft der ee an-
sprichet, es sien fröwen oder man, mag der sin reht nit fürbringen
oder behaben an gaistlichem gericht, alz er durch reht sol, so sol er der
statt geben 10 Ä ^f ze bessrung und dem amman sin gericht und hat
er des gutes nit ze geben, so sol man im die band abschlachen, und
zu der büss sol er iemer ewenclich vor der statt sin.^'
1 Von späterer Hand beigef.: und ist dem andern sin reht nichtzdestminder
gegen im vorbehalten. — - Die eingeklammert. Worte darchstrich.; statt dessen bei-
gef.: Wir band ouch gesetzt: wa [kind]wai8en in unser statt weren von bargeni, das
dieselben an stund nach absterben vatter und niutter inhalt der statt Satzung und
Ordnung bevogten werden und s&Ilen für sich selbe on verwilgeng ains rata nit
macht haben, dieselben ire v> wider ufzesagen; 8i s&llen och ou gonst ains rata und
irer vögt .... — * Von jung. Iland korrig. in «haben». — * Korrig. in einen».
— * Üb. der Zeile v. jung. Hand, «möge sin». — • Durchstrich., ersetzt durch cirem».
— ^ Die eingekl. Worte durchstr. — ^ Üb. der Zeile v. jung. Hand coch». — - • Korr.
in <si». ~ " Korrig. in: «wären, so seien si». — - » Durchstrich., korr. in «iren». —
*^ Darchstricben ; ersetzt durch «vögten». - ^' Die eingekl. Worte durchstr. und ersetzt
durch «aim». — ** Korr. in «das». — ^^ Korr. in «haben si». — '• Dieselbe korrig. Hd.
fügt bei: «und sunst nichtz, gar nichtz».
" Der ganze Art. v. jung. Hand durchstr. und ersetzt durch folgende beiden Be-
Überlingen. 69
§ 72.
(Wa kind ander 18 iaren mannent oder wibent.)
1^11.] Item, welches kind ouch under 18 jauren mannet oder wibet
wider sines vatter und einer müter willen, diewile die in Hb sind, daz-
selb kind mag vatter und müter wol enterben alles ihres gutes, daz es
des nit me erb noch gefichig sin sol, ob si wend, und ob si das kind
nit enterben wend, so sind si doch nit gebunden, im ünt ze geben, die-
wile und si lebend.
Ist aber ainem semlichen kind vatter und müter abgegangen, daz
dero ames dennocht lebet, und daz kind verfallnes gutes wartet, so ist
doch vatter und müter, welhes denn under inen in leben ist, nit ge-
bunden, diewile es lebt, dem kind von dem verfallnen gut ünt ze geben
[und ob auch daz kind wftlte tailen, so mag es dennocht vatter und
müter tun oder nit, weders si wend.]^
§ 73.
(Wa ainer des andern kind gevarlich uachgät.)
Wir ouch, daz jeman des andern kind, knabeu oder tochtran,
gefarlich nächgienge und es überkam, daz es im selb oder ainer ander
personen sinem fründ oder siner mümen ain ee verhiess, an sines vatters
und siner müter, ob es die het, willen und wissen, ald ob es nit vatter
und müter het, an siner n&chsten fründ und pfleger willen, diewile es
under 18 jauren alt ist, der ist der statt verfallen 40 ff ^, und sol jaur
und tag vor der statt sin, usserthalb den ettern, und wele darzu helfent
und rätent, es sien man oder wib, dero ieglichs ist ouch der statt ver-
fallen 40 ff ^.
§ 74.
(Daz sich niemand gevarlich noch bedachtlich besamnen sol über den
andern.)
Wir band ouch gesetzt durch frides willen, daz nieman sich ge-
farlich noch bed&chtenclich besamnen sol über den andern von zomes
ttimmungen: Wir band och gesetzt: wer von burgern dem andern sin kind anspricht
za der ee, es seien frowen oder man, m&gen dieselben ir recht am gaistlichen gericht
nit fiirbringen, die sollen gestraft werden an 20 ß^ ^ und sollen jar und tag vor
der statt sin und nachgends darein nit komen, si haben denn minen horm die 20 8 ^
davor abgelegt.
Würde aber ain dinst oder gast ainem burger sin kind zu der ee ansprechen,
der soll ain aid löblich zA got und den haiigen sweren, das er das recht fürderlich
mit im fiimemen welle, und so das recht sin endschaft gewinn, das er sich dann bi
demselben aid wider alher aigner person stellen und ainem b[urgermai6ter] den sententz
und urtel anzaigen w6ll.
1 Von [bis] durchstr.
70 Überlingen.
wegen oder krieges, also daz er den andern überlofFen welle in sinem
hus oder in andern hüsern, ald an den Strassen; wer daz tat alz da
vorgeschriben stät, der git der statt b U ^ und dem amman 3 (l ^
und sol jaur und tag für die statt.^
§ 75.
(Von dienenden lüten.)
Und wän vil clag da hergewesen ist von dienenden lüten, daz si
von iren herren und fröwen anders gehalten werden, denn liht billich sig,
es sie mit urlob ze geben in dem jaur, ald gevarlich nach ainem ge-
dingde abzesagen, und desgelichen herren und fröwen von iren diensten
ouch clag und gebresten gehebt band, die beidü ze fürkomen und daz
ainen tail alz gelichs darinne gescheiche alz dem andern, so haben wir
gesetzt: welche frow oder man ainen dienst dinget und im winköf git
oder äne winkouf mit werten überkomen, uf ain zil inzegend, daz sie
kurz oder lang, darnach dazselb mag sinen dienst wol absagen und
den winkouf widernemen uf den tag, alz es gedinget hat, und darnach
nit, an alle gevärde. Seit aber ain frow oder ain man sinem dienst ab
nach denselben tagen, ald git im in dem jaur urlob an redlich ursach,*
die es mit erbern lüten ald mit sinem aid fürbringen mag, so ist es
dem dienst sin ganzen jaurlon verfallen; bringt es aber senüich redlich
sach für, die im daran lige, es sie mit lüten oder mit sinem aid, daz
es im nit f&glich sie, so ist es dem dienst nit furo gebunden ze geben,
denn alz vil alz es sich nach dem jaur ergangen hat und nauch gele-
genhait der Sachen an gevärde.
§ 76.
(Von den diensten gegen ire herren oder fröwen.)
Item und desgelichen ist ouch den diensten gen iren herren und
fröwen auch behalten: welche kneht oder magt zu ieman dinget, die
sond iren winkouf nit widergeben, si rügen es denn uf denselben tag,
alz si gedingt band, an gevärde.
§ 77. ^
[Vertragsbrüchige Dienstboten.]
[12.] Seit aber ain kneht oder ain magt sin dienst ab nach dem-
selben tag, oder gät im uss dem jaur an urlob und an redUch sach,
die es wol fürbringen mag, daz sol des jaures an kainen andern dienst
hie zfi Überlingen nit kernen, und sol man im umb daz, das es gedient
het, nünt gebunden sin ze geben.
1 Der ganze § ist durchstrichen.
* Die Silbe «urt über der Zeile.
Überlingen. 71
§ 78.
(Von Absagung der dienst.)
Item dinget aber ieinan ain semlich person, die anderswa iren
ist hat abgeseit, anders denn vor ist beschaiden, oder die ainer
ren uss dem jaur ist gegangen, anders denn billich ist, und an
lieh sach, und dem wider ist, zfi dem es vor gedingt hat, ald uss
1 jaur gegangen ist, der rieht der statt 1 9f ^, ob er im kunt wirt
in, an gevärde.
§ 79.
(Wa iemand den andern sieht wunden.)
Wir band euch gesetzt: wS jeman den andern sieht wunden
eret den zun unsers gerichtes, der sol darzu r&fen und schrigen
(iglich; ald t&t er des nit, wirt es des überzüget mit zwain erbern
nnen, so git er der statt 5 tf ^, und dem amman 3 ß ^, und mftß
r und tag vor der statt sin.^
§ 80.
(Das niemand gelegen gut an die gotshüsere geben sftlle.)
Wir band oueh gesetzt, wer der ist, der unser burger ist, der
lainem pfaffen, gotzhus, closter, orden, dehainem cappittel oder
tal, ald dehainer kirchen dehain gut git, es sie hüser, garten, zins,
:er, wisen, bongarten, ald dehain ander aigen, wie es genent sie, daz
unser statt und in unser etter gelegen ist, wer der ist, alz davor
lempt ist, dem söliche gut und selgr&t geben ist, der sol es in dem
hsten jaurs frist verkoufen und ainem unserm burger ze koufen geben;
i wä er daz übergienge, daz er des nit tä,t, so ist dazselb gut verfallen
ler an desselben nächsten erben, der das gut geben hat; und wS.r
:h, daz dieselben erben nauch dem gut innert dem nächsten mänot
ich dem jaure sich des gutes nit underziehen w61ten mit clag und
» andern rehten, so band wir gesatzt, daz inen* dazselb gut verfallen
sol an die statt.
§ 81.
(Das niemand die eigen gÄter der geistlicheit zu koufen geb.)
Wir band ouch gesetzt, daz kein unser burger kainem closter noch
nem gotzhus, noch kainer kirchen und kainem altär, noch
ner sammung, noch kainem spital, noch kainem veitsiechen,
n aigen gftt ze kofifen geben sol, noch in kainen weg fügen,
der umb sust, noch umb pfenning, daz in unserm etter gelegen ist.
sol ouch kain unser burger kain sin kind ze closter beraten mit
^ Der ganze Abs. dnrchstr.
* Durchstr.; darüberges. «dan».
72 Überlingen.
kainem aigem, daz in unserm etter gelegen ist, also daz das aigen dem
closter iht belibe. Wer der stuk dehaines überfert, so sol dazselb gut
der statt halbes verfallen sin.
§82.
(Von dem buwen, wa zwei hüser aneinander stossend.)
Wir band ouch gesetzt: wä zwai hüser oder zwo hoffstet anain-
ander stossent, wedra^ husswirt da muren wil und ain erbern buw tfin
wil, daz er ain gadem über daz ertrich mären wil des ersten jaures,
so sol in der ander laussen muren uf ain gemain ertrich, als dik so
[13.] er die mur machen wil. WJLr aber, || daz er sich des übersehen
w61t, daz er sines nauchgeburen ertrich zu vil machen w< zu der mur,
so sond die rät ze ÜberUngen dar gan, und in welcher dike si dunkt,
daz die mur sulle sin, nauchdem sol er sines nauchgeburen ertrich
infachen und nit furo, und sol ouch die mur gemain sin daz der, der
dem andern sin ertrich git, daz er uf dieselben mur mure und darin
tröme und ouch daruf imd darin buwe, wän es ain gemaine mur sol
sin; w61t aber darüber ainer trengen und benötten, daz er im hülfe
buwen, daz sol stän an den rätten, nachdem und der lüten Sachen ge-
stalt sind, die es denn anrüret.
§ 83.
(Wa nachpuren gflter aneinander stossend.)
Wir band ouch gesetzt: wä zwen nächburen anainander stossent,
hus oder hoff, akker oder wisen, wingarten oder bongarten, oder wie
daz genant sig, daz in unserm etter gelegen ist, war, daz ain nauchbur,
den* an den andern* s61ich gut stossen^ hett,* graben weite, uf sich
selber oder uf sinen nächgeburen, daz sinen nächgeburen dühte, daz
er im schändlich wi\r, haisset er im denn den amman oder der r&t einen
oder der zunftmaister ainen ainen botten erloben, und daz er sinem
nauchgeburen verhüttet von dem amman und von dem rat, daz er nit
me grabe, wän in duuke, daz es im schädlich sie, grebt er denn furo
über daz gebott, so rieht er der statt \ ft ^j und dem amman 3 jj ^,
und sond darnauch die rät und die zunftmaister zu dem graben gän
unverzogenlich; und dunkt si, daz es sinem nächgeburen unschädhch
sie, so sol er sin werk voUeffiren; ist aber, daz es die rät und zunft-
maister dunkt, daz es sinem nächgeburen schädlich sie, so sond si im
verbieten, daz er nit mc grabe; wfilt aber er daz gebott übergän und
w61t furo graben, so stät es denn ouch an den rätten und an den zunf-
maistem, wie si in furo bössent, ob er es nit miden w61t.
* Durchstrichen; darüber mit blasserer Tinte «welher».
' Durchstrichen.
■ Korrigiert in fstosset».
Überlin^D. 78
§ 84.
(Wa Unzucht in der statt widerfAr, das ein gescbrai wirdet und die
lüt züloufend.)
Wir band ouch gesetzt: w&r, daz debain unzucbt in unser statt
widerfdr, daz ieman^ geendet oder gescblagen >Vrde, oder debain
ander Mfli ieman widerfAr in unser statt oder in unserm geriebt, ist,
daz ain gescbraig wirt und die lüt zulofent und den, der die fr&fli getan
het, gern viengent, w< sich der fr&venlicben weren und w61t sieh nit
lassen vachen, i^de der geendet oder erschlagen, der die Mfli getan
het, daz er es durch mütwillen getan bette, mag derselb, den man es
denn ziehet, zu den hailigen sich entscblacben, daz er im es durch nöt-
wer sines libes getan habe, und daz er sich nit wölte lassen vachen,
so sei [weder der amman nochderrät debain geriebt]' zu im nemen,' weder
zä sinem lib noch zu sinem gut. W&r aber, daz der, der die fräfli
getan het, alz da vor geschriben stSt, für die statt entrinne, sendent
im denn die rät nach, imd haissent in vachen, vor der statt und dem
gericht antVIrrten, w<e er sich denn weren Mvenlicb, und w<e sich
nit laussen vachen, wirde er darüber geendet oder erschlagen, und
w<ent denn sine fründ ziehen den, der in geendet oder erschlagen
het, daz er es durch m&twillen getan het, mag derselb, den man es denn ziehet,
zu den hailigen sich entscblacben, daz er im es durch nötwer sines libes getan
hab und daz er sich nit w<e laussen vachen, so sol [weder der amman, noch
der rat debain gericht]* zu im nemen^ weder zu sinem lib, noch zu sinem
gut; Wrde ouch ain zülof uss den garten uf den, der Mfli getan het,
mag sich denn der, der da zugelöfen ist und in gev^ndet oder erschlagen
het, ouch entscblacben zu den hailigen in allem dem rebten, alz da
vor geschriben stät, so sol [weder der am]* man [noch die burger debain
gericht]^ zu im nemen® weder zu sinem lib noch zu sinem gut.
§ 85.
(Wer dem andern sin eigen oder pfand verbüt.)
Wir band ouch gesetzt: wer dem andern sin aigen oder sin pfant
verhütet, irret er in darüber uf sinem aigen oder uf sinem pfant, der
git der statt 10 ß ^, und dem amman 3 ß ^, und dem cleger 3 j^ ^,
* ce» korrig.
' Die Worte von [bis] Bind durchstr.; am Rand von a. Hd.: «man nit».
* Durchfltr.; darüb. v. der unter =*gen. Hand: «richten».
* Von [bis] durcbstr.; dafür am Rande von a. Hd.: «man nit».
* Dnrchstr.; dafür von der unter ' und ' gen. Hd. darüber: «richten».
* Von [bis] dnrchstr.: dafür am Rand v. derselben Hand, wie oben: «aber nit»
' Von [bis] durchstrichen.
* Durchstrichen; darüb. v. d. obgen. Hand «richten».
74 Überlingen.
alz dik ers tut; w&r aber daz er si logne, so sAl man [in sin enzügen]^
oder sin reht darumb nemen.
§ 86.
[14.] (Die eigen girier mit zinsen nit besw&ren.)
Wir band ouch gesetzt: es sien wingarten, wisen, akker oder hoff-
stett, daz die nieman furo sol swärreu mit kainem zinse, es sie denn,
alz verre daz er es verliclien welle ze hüsern, so haut er gewalt, daz
er si wol verüben mag; w&r aber, daz die hüser abbrünnen oder ab-
gebrunnen wären, so haut er nit gewalt, furo uf die hoffstltt ze schlachen
kaineu zins ze marktreht, er haut nit gewalt kain hus furo ze sw&rren
mit kaim zins. Wer aber daz bricht, der rieht der statt 3 8f ^ [und
dem amman sin gericht].*
§ 87.
(Wer dem andern tags oder nachts in sin hus gät und daz gesund
übelhandelt.)
Wir band ouch gesetzt: welcher burger dem andern in sin hus
gät, es sie tags oder nahtes, und im sin wirtinen, sin tochter, oder sin
sw&ster, sin mömen oder sin erber gehuset* schraiet und übel handlet,
und si benötzogen wil, wirt daz geschrai also groß, daz er und sin
husgesind und sin nauchburen sin geindert werdent, so sol der, der die Un-
zucht getan het, der statt richten 20 U ^, und dem amman 5 (J ^, und sol jaur
und tag vor der statt sin ; tut es aber ain gast, der rieht der statt dieselben
ainung zwifalt, daz ist 40 & ^j] und ob der huswirt, oder der, den daz
angieng, denselben darumb strafet mit schlachen oder mit stechen an
den tod, der sol damit nit gefr&velt hän, und sol man im sinem aid
darumb geloben.
§88.^
[Von säumigen Schuldnern.]
Nota: burgermaister, rät und richter sind ainhellenclich zu rat
worden und wfillen och daz nu fürohin halten : wenn daz ist, das ainer
umb ain schuld mit recht erlangt wirt, und darnach ain amman, ain
gebüttel, oder ainer dez rätes oder des gerichtz zwüschen demselben und
dem sJtcher ain tüding machet, und dann der, der die schuld sol, der t&ding
nit nachkompt, so sol er zu pen ain pfund pfenning geben und ver-
fallen sin.
1 Von [bis] durchatr.; dafür darüber: «zügüus».
* Von [bis] durchstrichen.
* Korr. aus: gehusen.
* Dieser und der folgende Absatz befinden sich auf einem beigeheftet. Papier-
streifen; dazu V. spät. Hand «Nr. 31» ges.; § 89 steht auf der Rückseite, («Nr. 88»).
Oberlingen. 75
§ 89.
[Strafe für den Bruch des Gelöbnisses tan den Stab».]
Si sind ouch mit dem merren ains worden: wftlher an den stab
lobt, und dem nit nachkompt, den sol man in den thurn legen und
furo zfi rat werden, waz er verschult hab.
§ 90.
(Wa einer nit recht verstürt.)
Ain groß und klein rat hand sich geaint und gesetzt: wer der ist
der an der stür unrecht und unredlich funden wirt, waz der me het,
denn er verstürt het, daz alles sol ain rät im nemen an die statt; und
ist der tod, so sol man es sinen erben nemen; lebet aber ain sAIicher,
so sol er ain erloser man haissen und sin, und sol an rät noch an
gericht niemerme komen, und sol nieman weder gut noch schad sin,
und sol dennocht an grossem und deinem rät stän, wie man in fürbazz
bfisse und strafe.
§ 91.
(Wenn man sturen wil, wie die Ordnung ist.)
Wir hand ouch gesetzt, daz man alle jaur uf den aid sturen sol,
fröwen und man, und wenn man den lüten den aid git, waz si ver-
stüren wellen, so sol man in denselben aid geben, daz si die stür richtint
unz uf den tag, alz in denn verkündet wirt; wer aber des nit tat, der
ist des vierdentailz der stür, die er richten sol, verfallen, alz er^ die
stür ze geben zu der rechten stür und sol unverzogenlich nauch dem
tag, alz er die stür solt haben gericht, uss der statt sich antwurten und
darin uf denselben aid niemerme komen, unz er die stür und daz vier-
dentail gericht; welcher aber von der statt sesshaft ist, der sol sich in
die statt ant^rten und daruss niemer komen, unz er die stür und daz
vierdentail gericht; wenn aber ain mänot nauch dem tag, alz sich der
uss der statt oder darin solt haben geantwurt, ergangen hat und für-
kompt, und der die stür dennocht nit het gericht, wes sich denn ie der
rat oder der merer tail fürbazz darumb erkennent, und ze rät werdent,
des sol man bi demselben aid gehorsam sin, an all gevärde; welher
aber für gericht nit käme, dem da fürgebotten würd, den send die
wettpfenninger darnach unverzogenUch besenden, daz er swer und voile-
für, alz denn urtail über in gegeben het, an alle gevarde.*
§ 92.
(Wer einen burger der eigenschaft anspricht.)
[15.] Item, wer ainen unsern burger anspricht, daz er sin aigen
aid sin unverrehtnoter amptman aid nächjagender vogtman sie, wie
* Die beiden Worte durchstrichen.
' Der ^anze Absatz durchstrichen, auch das am Rande stehende «non legatur».
76 Überlingen.
man den besetzen sol, daz wisent allwegen die ainungen und büntnusen,
so denn die stett oder herren und die stett mitainander band.
§ 93.
(Wa ein burger den gast für die statt wist win ze koufen.)
Item, welcher wirt, ald wer burger hie ist, dehainen gast ienert
hinfdr die statt wisent, daz er da win kof, der git der statt von jedem
gast l U ^, und dem amman sin geriebt, alz dik ers tut
8 94.
(Die wirt sollen nit gan mit den gesten win ze koufen.)
Es sol ouch kain wirt, noch nieman hie in der statt, mit kainem
gast gän win koufen; welher daz bricht, der riht der statt b ^ ^ alz
dik ers tüt.^
§ 95.
(Nüwen und alten, roten und wisen win schenken.)
Wir band auch gesetzt, daz nieman kain win hie schenken sol,
er baisset in vor an oflFem markt rufen oflFenlicb und daz ouch nieman
ainsmälz me win schenken sol, denn alten und nüwen, wissen und röten,
jetweders ain vass.*
§ 96.
(Die, so win schenkend, zu verungelten.)
Und wer win hie schenkt, der sol in all wochen w&chentlieh an
dem Samstag verungelten, also daz [ain] wirt unverungelteter vass nit me
uf im haben sol, denn die er [in] ainer wochen ussgeschenkt het und sol
fürbaz kainen win nit me schenken, er habe denn daz ungelt vorhin
gericht, es war denn, daz im an dem sarastag ain vaß nit garuß wilr,
ungefarlich; daz sol und mag er denn wol also bestan laussen unz an
den nächsten samstag darnach an gevürde. Ald ob ain vass also ISg,
daz man es dennzemäl nit komenlich heruß bringen möbt an schaden,
daz sol im denn ouch nit schaden bringen an gev&rde. Wer der stuk
dehaines überfert, der rieht der Stadt i fi *f und dem amman sin
gericht, alz dik ers tüt.^
§ 97.
(Wie die wirt den win verungelten sAllen.)
Wir band ouch gesetzt, daß alle gastgeben und wirt, die gastung
band, allen den win, den si gesten geben wend, es sie ob mal, vor oder
nauch dem mal, iemeriiie verungelten sond, und welchen win si den
gesten geben wend, über daz vass sol ain jeglicher wirt der geswomer
* Der ganze Absatz durchstrichen.
' Der ganze Absatz durchstrichen.
* Der ganze Absatz durchstrichen.
Überlingen. 77
underköfer ainen f&ren und ain paigel uf den win haissen stossen ; und
of welchen pfenning er den gesten den win geben wil, alRO sol ouch der
gastgeb daz vass den ungeltem sagen ze verschriben, und wenn daz
vass usskunpt, so sol er daz ze iche legen, und daz verungelten n&ch
der statt Satzung. Und wenn sieh ain fronvast ergaut, so sol ain jeg-
licher wirt und gastgeb, der gest enpfachet, zu den ungeltem komen
und denen sin und siner eehalten bmch an dem win ze erkennen geben,
waz er der fronvasten wines hab verbrucht, und dem sond die ungelter
an dem ungelt laussen abgSn nauch gelegenhait sines bruches; wftlten
si im aber nit laussen abgän nachdem und in denn dücht, daz er der
fronvasten an win mit sinem gesind het verbrucht, so sol er bi dem
aid sagen, waz in dunk, daz er am win verbmcht hab, ungefarlich, alz
vil sol im denn an dem ungelt abgän, alz vil sich von sovil wines ze
ungelt gebftrt an gevirde; und sol ouch ain jeglich gastgeb j&rliches
sweren die Satzung zehalten und ze voUeffiren, alz vor geschribeu staut,
ungefarlich.^
§ 98.
(Wer sin burgrecht ufgeben wil.)
[16.] Wir hand ouch gesetzt: wer unser burger ist, es sien fröwen
oder man, der burkreht hie ufgit, und es der raut von im ufnimpt, der
sol sich nach dem tag, alz er burkreht hie ufgegeben haut, in den
nächsten vieraehen tagen, äne alles verziehen, mit wib und mit kinden
von der statt usserthalb unserm etter ziehen, und darnach in den
n&chsten fünf jauren niemer hie sesshaft werden, es wSr denn, daz er
andrest burkreht enpfieng, und sol ouch derselb alles daz gut, daz er
in dem etter hat, fürbaz, diewile er nit burkreht haut, in gastes wise
verstüren und verdienen, und wer sich darüber in den n&chsten vier-
zehen tagen von der statt also nit züchet, alz dik er daz vierzehen tag
überfert, alz dik ist er verfallen der statt 10 ff ^ [und dem amman sin
gericht] ;• wer aber in denselben fünf jauren oder nauch denselben fünf
jauren wider burkreht enpfachen w61t, und den der raut wider ze burger
enpfieng, der sol alles sin gut in der statt buch verschriben und ver-
dienen uf den aide, alz lieb im daz ist, ungefarlich, und sol ouch burk-
reht verbürgen, nauchdem und er denn gut haut, alz ob er nit burger
wir gesin, an alle gev&rde; w&r aber, daz ainer sMich sach zu schaffen
het, daz den rät dicht, daz im und der statt sin burkreht nit fflgiich
wir, von dem mag der rät wol burkreht ufnemen an engeltnusse der
vorgeschriben gesetzte.
' Der ganze Absatz durchstrichen.
* Rasur.
78 Überlingen.
§ 99.
(Wer den andern ze gast machet.)
Wir hand ouch nie gesetzt: wer nu hinnanhin von disem tag, alz
dise gesetzt ist geinachet, den andern hie ze Überlingen nach der statt
reht ze gast machet, der mag daz dem amman verkünden, daz er in
verbiet, und wenn er dem daz verkündet, so sol der amman dem, der
ze gast ist gemachet, gebieten, daz er unverzogenlich uss der statt geriebt
ze Überlingen vare und darin niemerme k&me, denn mit des klegers
urlob und gutem willen oder e^ daz er den cleger siner schuld, dar-
umb er in ze gast haut gemacht, ussgericht haut, und mag darzü der
cleger sinen Schuldner und sin schuld mit andern gerichten bekümber*
und umb umbtriben^ an allen geltnüss der statt; welcher aber darüber
in daz gericht kumpt, der ist der statt l ü ^ und dem amman 3 |S ^
verfallen, und mag ouch den der cleger ümb sin schuld, imd die statt
und der amman umb ir pen den Schuldner vachen und in den turn*
legen, und sol der daruss niemer gelaussen werden, denn mit des clegers,
der statt und des ammas * gutem willen, oder er aber den clager* umb
sin schuld, die statt, den amman umb ir pen haut ussgericht, und doch
also ist, daz in der cleger umb sin schuld in turn leit, der sol in ouch
versorgen mit kost, des er von hunger nit verderbe, an gev&rde. Ist
ouch daz in die statt oder der amman darin legent, die sond in ouch
versorgen.
§ 100.
(Welche frow ze gast gemacht wirdet.)
Wir hand ouch gesetzt: welche frow ze gast wirt gemachet, der
sol man ir gewant nit abclagnen alz si zii kirchen und zu sträß gät, an
gev&rde, und sol ir bettgewi\t laussen, daz aines pfundes wert ist, un-
gefarlich, und mag si der cleger mit frömden gerichten umb sin gult
beclagnen an allen rauth und engeltnusst* der statt und mag ouch der
cleger dem amman verkünden, daz er der fröwen uss der statt gebiet,
daz ir ouch der amman äne vorziehen der statt an 1 ff ^ und dem
amman an dri Schilling sol gebieten, daz si uss der statt var; tut si
des nit unverzogenlich, wä si denn darüber in der statt begriflFen wirt,
so sol si der amman in den turn legen und daruss niemer gelaussen,
e daz si der statt 1 ff ,^ und dem amman 3 |i ^ gericht an gevSxde.
§101.
(Wer umb frSfFel gestrauft wird.)
[18.] Wir hand euch jjjesetzt: wer der ist, der ain frSfli oder me
verschuldet mit worten ald mit werken, darumb er umb pfenning kumpt,
* Durohstrichen. — * Sic! — « «u» korrigiert aus «h».
80 Überlingen.
ze bezalen, so sol man in str&fen an dem Hb, es sie ain hand abze-
schlachen, ald wie sich denn die richter erkennent n&ch gelegenhait
der sach^
§104.
(Wenn man uszücbt raissen.)
Wir hand ouch gesetzt: wenne wir ußvarend, es sie raison oder
für vestinen, ze lanttagen, ze tagen, oder ze pfenden, oder welcherlaig
weg wir ußvarend, wer denn die Satzungen brichet und übergaut, die
gesetzt sind, und in unser statt buch verschriben sind, der rieht si
zwifalt, der statt und dem amman drig |i ^; er mag dennocht die ge-
setzt alz Mvenlich und alz schädlich übergangen hän, daz die r&t dar-
über sond sitzen und ze rät werden, wie si in furo darumb bflssint
und sträfint ; weihe ouch denn, so man ußvert, von den r&ten ald von den
zunftmaistern dargeben und gesetzt sind, oder weihe denn an iro statt
dargeben sind, die den andern gebieten sond, wer denn den gebietem
nit gehorsam ist, daz si im gebietent und daz gebott übergaut, der
rieht der statt die fräfli, alz ob er si in der statt getan het, mit sovil,
alz im denn die gebieter hand gebotten, er mag ouch dennocht daz
gebott alz Mvenlich und alz schalklich übergangen hän, daz die r&t
darüber sond sitzen und ze raut werden, wie si in furo darumb bfissent
und sträfint.*
§105.
(Das dehain burger in kein raiss äne urlob varen sol.)
[18.] Wir hand ouch gesetzt, daz dehain unser burger sol varen
in dehain raise und in kain urluge und nieman ze helf komen, wan
unserm herren, dem küng, und sinem vogt und pfleger, äne unsers
ammas^ und des burgermaisters und der nU und ouch der zunftmaister
urlob; wer daz gebott und die gesetzt brichet, der rieht der statt 5 ff ^
und dem amman sin gericht."*
§106.
(Wer pfundwucher licht.)
Wir hand ouch gesetzt: wer dehain pfundwucher liehet, der rieh*
der statt 5 ff ^j und dem ammann sin gericht, alz dik ers tut.®
§107.
(Wer dem andern icht zu kofFen git, und daz wiederumb von im kouft.)
Wir hand ouch gesetzt: wer dem andern git ze koufen, es sig kom
oder win, oder welcherlaig er im git ze koufen und denn dazselb wider-
* Der ganze Absatz durchetrichen.
• Der ganze Absatz durchstricben.
* Sic! — * Der ganze Absatz dnrchbtricben.
• Sic! — ® Der ganze Absatz durchstrichen.
Überlingen. 81
nmb inkoufet, der rieht der statt ö tf ^ uud dem amman sin gericht,
alz dik er6 tüt.^
§108.
(Wer icht zu koffen git und gelt darzfi lihet.)
Wir band ouch gesetzt: wer dem andern git zfi koufen, es sig
kom oder win, oder welcherla-ig er im git ze koufen und im darzü
Pfenning liehet, der rieht der statt 5 tf ^ und dem amman sin gerieht,
alz dik ers tfit.^
§ 109.
(Von bomm setzen.)
Wir band oueh gesetzt, daz nieman dem andern kainen bom sol
setzen in kainen wingarten, daz sinem nauchburen sch&dlich sie ; dunkt
aber denselben, daz er im seh&dUeh sie ald im gefarlich gesetzt sie, so
sol er für den raut gSn imd sol es denen fürlegen, und sond die r&t
von dem rilt und von der zunft darsehiken und sond oueh daz beiden
künden, daz si zugegen sien; und erkennent sich denn die r&t und die
zonftmaister, die dahin gesent sind, daz er im seh&d- und gefarlich ge-
setzt sie, so sond si es wider für den rat bringen ; und wes sich denn
nauch; iro beiden red die r&t erkennent, des sond si beiden thalb ge-
horsam sin. Es sol oueh jederman in sin krutgarten und in sin bon-
garten bAm setzen, daz er sich versieht, daz im nutz sie. Es sol ouch
jederman, der wil, usser sinen wisen und usser sinen &kkem und usser
sinem wingarten bAmgarten machen, ob im dunkt, daz es im nutzlich
sie, an alle gev&rde; wer aber des nit gehorsam ist, alz da vor ge-
sehriben staut, der rieht der statt 1 tf ^ und dem amman sin gericht.^
§ 110.
(Wer den kirehoflF entwihet.)
Wir band ouch gesetzt: wer der ist, der unsern kirehoff entwichet,
der zfi sinen tagen komen ist, der sol schaflFen, daz er wider gewicht
werd; t&t er aber des nit, so sol er uss der statt varen in aht tagen,
und sol niemer in die statt komen, unz er der statt den schaden abtfit. ^
§ 111.
(Wa ainem sin maiden bresthaft würde.)
Wir band ouch gesetzt: welhem unserm burger sin maiden gebrest
haft werdent in der statt dienst^ und im ainest gebessret werdent, gänd
die furo in der statt dienst ab, die sol man im nit furo bessren, man
sol im aber sinen rosslon geben. ^
' Der ganze Absatz durchitrichen.
Otenbeixilsche Stadtrechte. U. 2. 6
82 Überlingen.
§ 112.
(Umb bargelt oder pfand spilen.)
[19.] Wir band ouch gesetzt: wer spilen wil mit kainerlaig spil,
daz den pfenning triflFet, er g[e]sig burger oder gast, daz der spilen sei
umb par pfenning oder uf varende pfant, die da zegegen sien. Es sei
ouch nieman spilen uf kain aigen, uf kain gewerschaft, uf kain über-
gewet, noch uf kainen bürgen ; wer aber daz darüber t&t, der rieht der
statt 1 ff ^ und dem amman sin gericht, und sol doch die verlust noch
der gewin kain kraft hän nauch dem rehten, und welher gast daz
überfert, der rieht die büss zwifalt.^
§ 113.
(Wa zwischen geistlichen und unsern burgern widerw&rtigkeit entstünde.)
So haben wir gesetzt: war, daz dehain gewicht oder gaistlich man
oder frow oder dehain sch&ler mit dehainem unserm burger zerwürf oder
misseheUig würd mit Worten oder mit werchen, daz unzficht antr&ff, zu
dem sol der rät schiken, und wil der unserm gericht und unserm raut
gehorsam sin in derselben sach, so sol man die sach ze frid bringen in
aller der wise alz gen den andern unsern burgern; w< aber der gewicht
man, frow oder schüler, der sach nit gehorsam sin dem raut und dem
gericht, waz im denn von sinem widersachen oder von sinen helfem
darumb widerfert, es sig im gericht oder usswendig dem gericht, da sol
kain rat nächgän an umb den todschlag in dem gericht, den sol man
rechtvertigen.
§ 114.
(Weiher an den rät gesetzt wirdet, der sol 5 jär burger gewesen sin.)
Wir band ouch gesetzt, daz man nieman an dehainen rät setzen
noch erwellen sol, weder an grossen noch an deinen rät, er sie denn
vor zu dem minsten fünf jaur unser iugesessner burger gewesen.
§ 115.
(Weihe roub koufend.)
Wir band ouch gesetzt; welche röb koufent, oder in pfandes namen
ünt daruf lihent und in behaltent, die richtent der statt 3 ff ^ und
dem amman sin gericht.
§ 116.
(In welchem büß ein für ufgät.)
Wir band ouch gesetzt: in welchem hus ain für ufgaut, wer in
dem huse wirt ist, ob der daz für verbergen wil, und die tür nit uftüt,
und ouch nit schriget, und ob daz sin nauchburen sehent, daz er in
dehain wise daz für offnoti, so mag ain sin nauchbur darüber sweren,
' Der ganze Absatz durchstrichen.
Überlingen. 83
und rieht ain s&licher, der daz für verbirget, der statt 20 tf ^ und
dem amman sin gericht. Wir gebieten ouch, weihe zft dem für nit
ISfent und daz für nit helfent l&schen, die richtent der statt 1 8 ^.^
§ 117.
(Das unser burger niemand von ir herren wegen nicht verheften.)
Wir band ouch gesetzt, daz dehain unser burger dehain clag habe,
oder ieman verbiet ald heft umb dehain gült von den, die fail gflt fftrent
in unser statt, oder win koufen und den verfAren wend, und die clag
tugen von ir herren wegen; es w&r denn, daz si im von aiguer gült
oder von burgscbafl gebunden wären.
§ 118.
(Wie man die zinsgült nämlich 1 ß umb 15 |l ^ l&sen mag.)
[20.] Wir band ouch gesetzt ewenclich, daz allermenglich, es sien
burger oder gest, die koufte zinsgelt band, von hüsem oder von hoff-
stetten, es si in der statt, oder vor der statt, die an den stetten ligend,
die mit uns stürend, die zinsherren sond den zins wiedergeben ze l&sen
iren zinsgülten, 1 ^ umb 15 ^, 1 (l umb 15 ß ^, alz es sich gebArt
nauch der vili, also daz die zinsloser daz den zinsherren ze sant Jaucobs^
dult geben sond. Ist aber daz die zinsherren daz versprechen t uud
es nit nemen wend, darnach sint die zinsl&ser iemerme ledig von dem
zins, doch sind si des hobtgfltz den zinsherren gebunden. Ist aber daz
die zinsloser daz hobtgut bringent nach sant Jaucobs tag, so sond si
den zins desselben jaures mit dem hobtgüt den zinsherren bringen.
§ 119.
(Weiher sin aigen zu leben machet.)
Wir band ouch gesetzt: weia unser burger dehain sin aigen in
unserm etter oder davor gelegen zu leben machet, an aines ratz urlob
und gunst, der ist der statt verfallen 100 ff ^, und sol jaur und tag
vor der statt sin usserthalb unserm etter. Sich möcht ouch ainer alz
fr&venlich darin halten, daz ain raut darüber sitzen und in furo dar-
umb strafen m&ht.
§ 120.
(Wa einem burger sin eigen oder leben angesprochen wirdet.)
Wir band ouch gesetzt: war daz dehainem unserm burger dehain
sin aigen oder leben angesprochen oder angefallen würd, und derselb
unser burger dazselb sin aigen oder leben jaur und tag unansprächig
^ Von späterer Hand beigefügt: «es m&chts och ainer so fre venlich überfaren,
ain rat bebalt im sin straff bevort.
« 25. Jnü.
«♦
84 Überlingen.
innegehebt het, den oder den fröwen oder mannen suUen wir dazselb
sin aigen oder leben helfen vertretten und verstAn mit dem rehten, uf
der statt gemainen schaden und nit uf sin.^
§121.
(Wa ein Dienst sondersiech wirde.)
Item wir band ouch gesetzt: wer der ist, der gesunt in unser
statt komet, und jaur und tag^ ain unserm burger dienstbar ist, ob
da ain semlicher siech und ußsetzit wirdet, daz der unser pfr&nd uf dem
berg haben und niessen sol in aller maß alz ain ander burger, unge-
varlich.^
§122.
(Das niemand handwerk trieb an urlob eins rauts.)
Ouch habint wir gesetzt, daz von hinnanhin nieman, wer der ist,
dehain antwerk in unserm etter triben sol An ains rautz urlob; wer
aber das überfAr, den mag ain rat darumb straufen, nauchdem und
das gefarlich oder imgefarlich beschehen ist.
§123.
(Die Ordnung mit der lüfrung in der raiß.)
1420. Item wir habint ouch geordnot und mit diser schrift entschaiden :
wenn das ist, das wir ußfarent raisen und von der statt spis gebent,
das denn die reblüt des ersten kost und win nemen suUent, darnach
die beken, darnauch die schüchmacher, darnach die küflFer, darnach die
schnider, darnach die metzger, darnach die gärwer', und denn ain
burgermaister zuletst.
Actum anno [MCCCC]XXVP.
§124.
(Daz dehain gotshuß noch spitäl dehainen pfrÄndner, der nit burger
ist, in dehain ir hus setzen.)
1428 [21.] Item es band burgennaister , zunftmaister , rat, groß und
Febraar 10. ßl^jjj^ vcst^ncHch gesetzt nu fürbaß ine ewenchch ze halten, das dehain
gotzhus noch spitäl dehainen pfrindner, der nit burger hie sie, in dehain
ir hus in unserm etter gelegen nit setzen, noch denselben imsem burger,
weder wib noch man, in semlichen h-en hfisem nach tod nit erben
suUen, wenig noch vil, in kain weg; wer aber sach, das sich ieman
wider semlich Satzung verschrib ald verhieß, das sol doch kain kraft
noch macht nit enhän.
actum Solastice anno [MCCCC]XXVnp.
* Der ganze Abschnitt durchstrichen. — * Korrigiert aus: «jaur».
* Dursohstrichen; dafür von anderer Hand: «vischer».
Überlingen. 85
§125.
(Das dehainer sinen nachpuren mit der privat übersetzen sol.)
Wir haben och gesetzt: wer nu fürbaßme in unserm etter buwen
wil, der sol sin nachgepuren mit dehainer privat übersetzen; denn wil
ainer ain privat machen, die sol er 7 schfich von sinem nachburen setzen
ungefarlich; und von der alten privaten wegen, het oder gewfln da
ieman clag oder gepresten, so sol man von aim rät darzfischiben und
das besehen, und was sich diebekennent, so darz& geschiben werdent, dabi
sol es beliben.
§126.
(Wer iestament und gemicht machen wil.)
Wir haben och gesetzt: wer nu fürbaßme . . . ain . . .^ gem&ht
in dem todbett ald davor tun wil, es sie durch Gott ald ere, das er
darzA ziehen und nemen sol zween des r&tes, ald ob man die nit ge-
haben m&ht, sust zwen erber burger; wän was gemachtes darüber
beschehen und nit also vollefllrt werden, die sollen weder kraft noch
mäht haben, es weren denn versigelt brief da, die s611en allweg bi iren
kreften beliben.
§ 127.
(Die Ordnung, wer dem andern an sinen hAlzem schaden tat.)
Item es band min herren, burgermaister, gross und ciain rat an-
gesehen semlich manigvaltig clag, so unzher oft und dik von armen und
riehen beschehen ist, daz die lüt gar swarlich beschaddiget werdint tags
und nahtz an iren hfilzem, an iren reben, an graß, an ops und andern
dingen, dadurch ze besorgen w&r, das vil grösser unrät und* den lüten
uferstän m&ht, ob das nit fürkomen würd; daz ze wenden und ze un-
derstan, so band si geordnot und gesetzt, und setzen ietz wissentUch
und fürbasser me ewenclich ze halten: wer der ist, der den andern
schaddigot an sinem holz, der sol von ie aiuem karren fol brennholzes
verfallen sin 5 (l ^, doch ussgenomen aichin holz, und sol dem, so in
ergriffen hat, damit verbüssen. Item imd von ainem stumpen aichis
brennholzes 1 |J ^, alz menger der ist. Item von aichim zimberholz,
daz ainer uf ainen karren stossen mag, von ainem stumpen 10 ^ ^,
und daz man wagnen mAss, 1 tt ^. Item und von nahtschaden ald
gehowen holtz die vorgenanten bfissen zwifalt, und sol die bässe der
statt halb werden und jenem halb, dem der schad geschehen ist.
Item, und von des andern schaden wegen mainen si bi den alten
Satzungen ze beliben, also waz die Satzung inhalt gegen der statt bfisse,
daz denjenen, so der schad beschehen ist, halb sovil werden sol, uss-
^ Vor and nach cain» je ein Wort wegradiert.
' Hier fehlt ein Wort; etwa: widerwertigkeit.
86 Überlingen.
genommen berend bom; wer die dem andern ussgrfib, abhuw ald sust
gebresthaft mahti, der rieht der statt 10 ff ^ und jemem', so der schad
geschehen were, 5 ff ^; t&t es aber ain vich, so rieht der, des das vich
ist, der statt 1 ff ^ und dem, so der schad geschehen were, 10 ß >^, und
sol allermenglich einen aigen schaden rügen bi dem aid, und sol oucb
demselben darumbe ze geloben sin; ouch so mAgent kneht, mägt und
kind, die zft iren tagen komen sint, iren herren und frowen schaden
r&gen, und sol man denselben ouch darumb geloben, alles an alle
gev&rd.*
§ 128.
(Wen die banwarten angebend.)
Sich band ouch min herren burgermaister imd r&tte ainhellenc-
lieh erkennet, wen^ die banwarten* angebend,* es sien lüt oder vich,
daz [die halb bfiss nämlich]^ ain ieglich hopt 4^ |l ^ geben [sullen;
wäre aber, daz ainer ieman den an dem sinen selb vindet, es sien lüt
oder vich, der kumpt ain jeglich hopt umb 8 (l ^; derselben sftUen
4 ß ^ der statt werden und die andern 4 ß ^ dem, so si angeben
het, ungevarUch]®.
§ 129.
[Von den Verschwendern.]
Item der burger halben, so das ir unnützlich verthund, ist von
[22.] minen herrn erraten: Item anvenglich; das fürohin kain derselben
unser burger, so verhirat ist, siner husfrowen züpracht hiratgüt, ererpte
und angefallne gfitter, wie die an ain frowen komen w&reu oder würden,
von ligendem noch varendem, gegen jemand, der si in stetten, markten,
oder uf dem land gesessen, hochs oder niders Stands, gaistlichen ald
weitlichen, in ainich weg weder zfi versetzen, zu verkoufen, zft ver-
tuschen, zfi verschenken, noch sunst in ander weg änzüwerden macht
noch gewalt haben solle, one ains rats gunst und verwilligen; und ob
aber das über söllich verbott, Statut und ansehen von jemand besch&che,
oder sich ainer one das sunst in ander weg in sftllich merklich schulden
schliege, das er mit sinen gfittern nit bezalen möchte, so sol doch kain
glÄbiger noch jemand desselben der frowen zügeprachten hiratgüts uß-
stürung, morgeugab und ererpten und angefallnen gütter, wie obstat,
weder ligends noch varends, in dhainen weg v&chig sin.
* Sic! — * Der ganze Absatz durchstr. — * Das <n» in «r» corrig. v. späterer
Hand u. am Rande beigef. «an schaden». — * Beide Worte durchstr.; dafür am Band
von der gen. Hand: «ergriffen wirt und er». — * Das «d» durchstr.; über der Zeile
«widetf. — • Von [bis] durchstr. — ' Von gen. Hand corrig. in «8»; über der Zeile
«der statt». — ^ Von [bis] durchstr.; von der spät. Hand hinzugef.: «und sol dem be-
scbedigten sin schaden abthun nach ains rats erkantnus. So dann glich ainer nit er-
Überlingen. 87
Zum andern : und ob sich glich ain frow mit irm man obgerflrter
gestalt verschribe, oder im darin bewilligte, so sfillen doch dieselben
verschribungen und bewilligungen gar kain kraft haben, si bescheen
denn mit gunst, wissen und willen der oberkait und der v>, so jeder
firowen dennmals in söllichen v&llen von aim rat zugegeben (vom ain rat
zflg^eben)^ und verordnet werden sollen.
Zum dritten : ob dann ain burger, der ledig oder ain wittwer w&r,
und dhain firowen noch kinder het, das sin offenbar unnützlich verth&n
wAllie, derselb soll alsdann über sine gegenwürtigen und zbkünfbigen
ererpten und ander angefallen gAtter gar dhain Verwaltung mer haben,
sonder von ainer oberkait bevogtet werden. Dieselben vAgt sollen sich
nachmals aller siner gfltter, ligender und varender, underziechen, die zu
im banden nemen und ine davon sinem stat gemeß nach rat der ober-
kait zimUch underhalten; und ob sich derselb binderrucks der vftgt, so
im von aim rat zugegeben weren, für sich selbs gegen jemand umb
schulden oder anders verschriben, oder von sinen ligenden oder varenden
gütiem ichtzit versetzen, verkoflFen oder in ander weg änwerden würde,
dieselben verschribungen, verkouf oder versatzungen sfillen alsdann
ouch kain kraft haben, noch der jemantz v&chig sin, in dhainen weg.
Zum* vierten: ob dann ain burger, dem sollich Statuten und 1519
Ordnungen also zehalten nit anmfitig sein, dadurch sin burgrecht ussgen ^^°* ^^
wölte, oder würde, er wer ledig, verhirat, oder ain wittwer, und het
kinder oder nit, von demselben sol es in sollichem val nit ussgenomen
werden; und aber so sollen sich die obbemelten Satzungen verrer und
weiter nit strecken, dann uf die burger, so sich ains leichtvertigen
Wesens halten, bösen gesellschaften anhangen, und das ir, wie oblut,
mit üppigen schneden fröwen, spUen, zutrinken, oder in ander weg un-
nützUch onwerden und verthünd, in krieg löfen, teglichs in wirtz-
heusern und trinkstuben ligen und in ander weg handien, das der erber-
kait nit züstat. Baten und beslossen mit gros und claineu reten in
Pfingsten anno [MD] XVmi.
§ 130.
(Wenn die gelegen güttem zu vällen körnend, die zu halten nach
gemaind recht.)
Anno domini MCCCC™° XXXI"'^ band sich grösser und klain U3i.
rftt ainhellenclich geaint und mit dieser Satzung von des verfallnen gätz
griffen würde, und es dannoht kuntbar und offenbar wer, das er zu schaden gang,
•oll 68 aber also gehalten werden, wie oblut t.
1 Die eingeklammerten Worte durchstrichen.
' Dieser 4. Absatz ist später hinzugefügt.
88 Überlin^i^n.
wegen entschaiden ewenclich zft halten: wer die sint, die verfallen gftt
innhand, wenn denn der vall ganz besehieht, es sig Mg oder spit in dem
jaur, so sol man daz halten nach gemaind reht, als ob ainer semlich
gflt zu gemainden von aim andern gebuwen het, ungevarlich.^
§ 131.
(Wer dem andern das versetzt pfand verendert.)
Item wer dem andern ain pfant versetzet und dasselb pfant ver-
ändert an des willen, dem das pfant versetzt ist, der riht der statt
5 tf ^.^
§ 132.
(Von den verfallen güttem und öch der nutzung davon, wie daz gehalten
sol werden.)
Wir haben och gesetzt von des verfallnen gutes wegen, so denne
den kindeu hie verfallet^ das man das halten sol von der aigen w^en
als unz her, und wSn von der nutzung wegen semlicher gut vil intrags
komen und erwachsen ist, das ze verkomen wer, denne der ist, der
semlich verfallen gut mit sin selbs gelt buwet, als acker und wingarten,
gät der nSch sant Johans tag, des TAffers', ab, so sullent ander sin erben
zft der nutzung griffen, nach gemaind reht hie ze Überlingen; gaut er
aber vor sant Johans tag ab, so band die, den das aigen verfallen ist,
den andern erben umb die nutzung nit zu antwurten.^
1608 [23.] Nachdem in den fällen der gelegen gütter mit der nutzimg
oft irrung entstanden ist, so haben klaiu und groß rate uf obgemelt
artikel der nutzungen halb dise lüterung gemacht und hinfüro
ewiglich zu halten gesetzt, nämlich also: wölcher der ist, der sollich
verfangen gütter, als acker oder wingarten, mit sein selbs gelt buwet,
gat der ab nach sant Johanns des Töffers tag, so sollen ander sein
erben zft der nutzung griffen nach gemaind recht hie zft Überlingen,
doch die gfttter biß zu herbst uf der statt schow in eren halten; welche
gütter aber zu gemainden verlihen weren, und das abgegangen dem
gemainder gelt geliehen, oder nicht ald stecken in dieselben dasselb
jar gethon betten, so soll dem beliben stieffatter oder Stiefmütter von
dem gemainder das gelihen gelt, auch mist und stecken, bezalt werden,
und aber der halbtail der nutzung den kinden mit dem gut auch ver-
fallen sein.
Item wfilcher aber vor sanct Johans des Töffers tag abgienge,
so mag und sol das überbeliben, es sige stieffatter oder Stiefmütter die
gütter dasselb jar buwen und die nutzung nach gemaind recht nemen,
^ Dieser Absatz durchstrichen.
« 24. Juni.
' Dieser Absatz durchstrichen.
Überlingen. 89
und sol aber dieselben gütter mit mist und stecken mit sein selbs gelt
auf der statt geschwomer schow in eren haben und halten.
Item zfi welcher zeit aber der fal in der pfandschafb hewsem oder
wisen beschicht, so soll die nutzung derselben, so dannocht nit ergangen
oder verfallen ist, damit auch haimgefallensein.
Actum uf montag sanct Jacobs aubend anno domini XV."* und
im achtenden jare.
§133.
(Wer ein geistlich pfrAnd stiften wil.)
[24.] Anno domini MCCCCXXXII™<X') so ist in grossem rät mit i*w.
dem maisten beschlossen und zfi ewiger Satzung mit diser geschrift ent-
schaiden: wer nu fdrbaßme ain meß stiften wil, das der aim priester
nit under fünfzig guldin machen und die gflt usserthalb ainer halb mil
an die meß köfen sol, und nit naher; wer daz überfert, der rieht der
statt unlSssenlich zu nemen 50 tf pfenning.
§ 134.
(Einen aimer wins umb 5 tf ^ abzölAsen.)
Item uf denselben tag so ist gesetzt: wer winzins in imserm etter i^ss.
hat, das der nu fürbaßme ain aimer abzül&sen geben sol umb fünf
pfond pfenning; doch in dem etter und nit davor, und sol man den
zins an den win abl&sen vor saut Jacobs tag, und nach sant Jacobs
tag mit dem zins und als daz umb den pfenning zins gewonlich ist.^
§135.
(Das niemand den andern umb schulden an schaden legen sol.)
Item uf samstag vor dem Sonnentag, als man in dem ampt der ^^l^^^
haiigen meß singet letare Jherusalem, in der vasten anno domini
[MCCCCJXL tercio,* so ist durch groß und ciain r&tte ainhellenklichen
beschloßen und zu ewiger Satzung mit diser geschrift gesetzt und
entschaiden worden, das nun fürbaßmer dhain burger noch burgerin
sinem mitburger ald burgerin umb kain sach schuld noch zäspruch,
an Juden ald schaden legen, sonder in nach der statt recht hie zu
Überlingen umb sin schuld und zusprach rechtvertigen s&Ue; und wer
das überfert, der richtet der statt fünf pfund pfenning unlißlichen.
§ 136.
(Wenn einr dem andern schaden t&t und doch nit ergriffen würde.)
Item uf fritag nach dem «onnentag, als man in dem ampt der iws
haiigen meß singet letare, anno etc. XL quarto, so ist durch groß und
1 Der ganze Absatz durchstrichen. — * 30. März 1443.
M&rz ]
00 Überlingen.
clain r&tte aiDhelleiiklichen beschießen und mit diser gesehrift zA ewi-
ger Satzung gesetzt worden: wä ainer dem andern schaden getan het,
oder noch t&tte, und daran nicht ergriffen noch gerAgt und doch kunt-
bar würde, so sol derselb, der schaden getön hette, dem andern ge-
recht werden.*
§137.
[Von den gewerben.]
1445 Uf samstag vor dem Sonnentag Judica anno etc. XL quinto ist
von der gewerb wegen so dann vormals getriben und in die zunft,
inm&ßen hernach volget, beschiben gewesen sind» in großem raut be-
schloßen worden als hemäch staut:
Des ersten, das all gewerb, hienach begriffen, allain in libdings
wise sond verkouft werden und nit furo, also das ieglicher in der zunft
beliben und darin dienen sol, darin er vor gewesen ist, und sol ain
ieglicher gewerb nit türer noch niher geben werden, denn umb ain tf und
5 (J ^, damit dann ain ieglicher der zunft, darin sfillicher gewerb ist,
gnög geton und fiiro damit nichtz zu tun haut noch verbunden sin sol,
ungevarlich.
Item in der beckenzunft sond sin zwen gewerb, nämlich kemer
und semmelwer, und dieselben zwen gewerb sol och die zunft zu ver-
koufen haben umb die obgeschriben sum geltz.
Item in der schftchmacherzunfl sond och sin zwen gewerb,
nämlich krftmer und merzler.
Item in der küfferzunft sol sin ain gewerb, nämlich isen, stahel
und kupfer ze verkoufen, und sollend aber die scbmid denselben gewerb
nit triben, sonder an ir hantwerck benAgen lausen.
Item in der schniderzunft sol ouch sin ain gewerb, nämlich
gewandschnider, barchat, zwilich und hotzen, und wie ouch daz die zunft
vormals gehalten haut, also sollen si ouch das nu hinfür under in selbs
och halten.
Item und in dem allem sind ußgeuomen allsamen kftff und offen
markttag; [die] s&Uend gehalten werden in mkß als vor.
§ 138.
(Die Ordnung der fründ, so nit zftsamen in den raut gesetzt werden
sollen.)
1446^ [25.] Item, uf den haiigen pfingstmäntag, anno domini M^^CCCC^XL
sexto haut ain burgermaister, zunftmaister und ir mitgesellen mitsampt
großen ritten [sind bedauchtlichen zu raut worden]* darin der statt,
Juni 6.
^ Der ganze Absatz durch&tricheu.
• Von [bie] durchstrichen.
Oberlingen. 91
nutze und ander billichbait angesehen und zu ewiger Satzung mit diser
gesebrift gesetzt und bescblossen, daz hienacb zft ewigen zitten under
ainem burgermaister und den zunftmaistern, so järlicben hie zä Überlingen
gesetzt werdent, weder vatter, sun, gebruder, vetter, noch geswistergit-
kinde züsamen gesetzt werden sftllen, und s&Uend die zunft ir wal dar-
nach ansehen und fdrnemen, daz sfiliicbs nit geschehe.^
§ 139.
(Wer sin gut zwifalt versetzt.)
Item uf zinstag vor sant Agnesen tag anno domini etc. XLVII1I°° lus
80 ist durch groß und klain riLte ainhelliklich beschlossen and mit
diser geschrifte zfi ewiger Satzung gesetzt worden: wer ain ligend gAte
iwivalt versetzet und in der nachgenden versatzung die ersten versatzung
nit öffnet, daz der an gnäd 20 8 .^ zö unl&ßlicher büß vervallen sin
sol, und ob er die zu bezalen nicht vermAcht, so sol man im ain band
abschlahen; und wer sini versetzte gAter, die stünderit umb zins ald
sonst umb schlecht schulden, verkoufbe &n der willen und wissen, den
sie versetzt w&rent, und sftlich gelt zu sinen banden neme, und daz nit
an die ende, dahin sie versetzt w&rent, werden und volgen liesse, den
8oI man an all gnäde zö toud ertrenken.^
§ 140.
(Das dehain pflegere derselben pflegnuß gütere im selbs verkoufen sol.)
Item von gemainer statt nutz wegen ist durch gross und klain
rät bed&chtenclich zu ftwiger Satzung erraten und gesetzt, das dehain
pfleger, es sigen spittälpfleger, oder ander pfleger, weder Jigends noch
/ varends gut an dem end, da er pfleger ist, selbs oder durch ander lüt
koffen sol, es werde im dann durch ainen gesessnen rät erlobt.
§ 141.
(Welcher ein erb von diser statt ziehen wil.)
Item von gemainer statt nutz wegen ist durch gross und klain
rat zu öwiger Satzung engten und setzend: wÄlher gast ain erbe von
diser statt ziehen wil, (ez)* ligends oder varends, der sol den zehenden
Pfenning davon zu abzog geben, und ob er sftlich erbe wfilte ligen
lassen und in gastes wise verstüren wfilt, dennocht sol er den abzüg,
den zehenden pfenning, davon geben nachdem und daz erb geschätzt
wirt.
§ 142.
[Rebbauordnung.]
[26.] 1. Item umb die Ifin der werklüten, die über jaurin den garten
wirken t, haben wir geordnot und gesetzt: des ersten, daz man in der zit
> Der ganze Absatz durchstrichen. — ^ Durchstrichen.
92 Oberlingeo.
alz man uß den torgeln gaut unz an die lichtmisse einem grabenraiter,
ainem spitzer, ainem schnider, 6 ^ zA Ion geben sol, und ainem
löser 4 ^.
Item und ainem rebenleser 5 ^.
Item ainem tunger und ainem erdtrager 7 ^.
Item von schufelwerk in derselben zit 7 ^.
Item n&eh der lichtmisse von spitzen 8 ^.
Item von schniden 8 ^.
Item von rebeniesen 6 ^.
Item ainem tunger und erdtrager 9 ^.
Item von schuffelwerk von der lichtmisse unz zu sant Gerirot 1
tag, daz ist zA mittem merzen,^ 10 ^, und nauch sant Gertrut tag udk ]
ze herbst 1 ß ^.
Item von pfaulen, von stossen 14 ff
Item von graben und in den schlag zfi stossen 1 |^ ^.
Item von binden, heften und erbrechen 6 ^; aber ainem ge-
wächsern kneht mag man von heften geben 8 ^ und ainen jetter 6 ^.
Item ainem behower 6 ^.
Item ainem wimner 4 ^.
Item ainem puttentrager 10 ^.
Item ainem, der mit dem karren gaut, 8 ^.
Item ainem torgelmaister tag und naht 8 ^.
2. Und bi den vorgeschribnen lAn mag man kainem werkman nit
geben weder essen noch trinken, an gevirde, es w&r denn, ob ain werk-
man oder me ze imbis in den garten beliben und nit hain gän wÄlten,
den sol man ze essen geben mAß und &rbs oder ander warm kost,
doch an aiger, an visch und an flaisch, und sond die werkman ir selbs
bröt haben. Welt jeman sinen winzürnen ze imbis drinken in den
garten senden, daz mag er wol tiin; doch daz er im nit me send, denn
bi ainer maß wins, wie vil er ouch werklüt het; und bröt mag man
ainem winzürnen ouch geben.
3. Item den vorgeschribnen Ion von dem schuflFelwerk sol ouch
nieman nemen, denn der 18 jaur alt ist und in verdienen mag an
gevSxde.
4. Und umb daz ussgän an daz werk und wider ingän von dem
werk, daz ist daz menglich sich sol darnach gericht hau, daz er an sm
werk gang, wenne man zu dem münster zu frAger mess zesamen lüt,
und daz werk denne nit verziehen, an gev&rde.
5. Item, so sol ouch ze naht nieman von sinem werk laussen,
unz daz man daselbs zu den BarfAssen conplet lüt, oder am ainem vier-
1 2. Februar bis 17. März.
&.
Überlingen 93
anbend zunft(?)^ zä dem münster, an gev&rde. So wend ouch unser
lierren die r&t ordnen und schaffen, daz man die conplet über jaur,
somer und winter, ordenlich und zu rehter zit lüte.
[27.] 6. Item, und von des r&wens wegen, daz man zu dem valgen
ttt, haben wir geordnot, daz an ainem tag vor im bis ainer wol ain
beschaideu rüw nemen mag, und ob ieman in dem garten ze morgen
essen wil, der sol daz tun uf die zit, alz es die röw nimpt, ungefarlich,
and nauch dem imbis, so mag ain jeglicher nauchdem und es ains
schlecht, nauch mittem tag ouch wol ain schlecht beschaiden rAw nemen,
in gev&rde.
7. Item und ouch jeman w&r, der sich daran übersieh, es w&r,
der me nemme oder me g&b, ald der andern stuk nient kains nit hielt
in der wis, alz vor ist beschaiden, der rieht der statt 8 |J ^, alz dik
ers tat, und wil man ouch kuntschaft daruf haben; da wisse sich jeder-
man vor schaden ze hfiten.
8. Item so ist uns ouch fürkomen, daz grosser gebrest sie in
dem, alz man garten ze gemainden verlihet; imd daz ze fürkomen, so
band wir gesetzt: welher ain gemaind von dem andern enpfachet und
im denn darin nit tfit, alz er im verhaisset, es sig an mist, an steken
oder an buwen, und sich daz erfindet mit zwain erbem mannen, der
rieht der statt 1 fi ^, und sol im sinen schaden abtfin.
9. Item welcher ouch den andern sumet an, sinen garten ze ver-
oder ainen an gemainden ze enpfachen, der rieht ouch der
statt 1 ff ^.
10. Item und ob die reblüt kain Satzung under in betten, die
wider disen stuken w&r, die sullend si ablaussen bi den aiden, die si
gesworen band, und ouch kain ander dawider nit furo setzen noch
halten bi denselben iren aiden, an der r&t willen und wissen, an alle
gevärde.
1 1. Und won wir bekennen, daz uns und den unsern grosser schad
gewachsen imd uferstanden ist von dem, daz die unsern ze gemainden
und in ander weg buwent die wingarten umb unser statt gelegen, da-
von uns kain hilf beschicht, weder an unsern stüreu noch an andern
diensten, und doch mit uns niessent wun und waid, unser m&rkt und
werklüttorgel \md ander ir nötturft, alz wir andern, die doch swärlich
siüren und dienen mAssen; daz ze fürkomen, so haben wir geordnot und
gesetzt: des ersten, daz nieman, über den wir ze gebieten haben, kainen
wingarten, von dem uns nit wirt weder stür noch ander dienst, wä die
gelegen sind, nit me ze gemainden buwen noch enpfachen sol, es sie
1 So im Original.
94 Überlingen.
denn daz der oder die, dero die garten siud, davon sturen und dienen
wellen nauch unser erkantnusse, an gev&rde.
12. Und umb daz die unsem dester bazz dabi bestän mögen, so
mainen und setzen wir, daz kain der unser kain semlich gemaind dem
[28] andern || nit abenpfacben sol, noch im an siner gemaind kainen
schaden tun an gev&rde; welher aber daz überfAr, der rieht der statt
10 ff ^. Wir aber, daz ain frftmder, über den wir nit ze gebieten
haben, den unsern semlich ir gemaind abenpfieng, dem sol denn kaiD
der unser kainen tagwan nit entün, weder umb gelt noch umbsust mit
sinem Üb in den reben ze wirken, noch mit sinem vich uss oder in ünt
ze f&ren, noch den win in sinem torgel ussgewinnen, noch kain ander
hilf noch fürdrung darzü nit tun, lützel noch vil, an gevärde; und wer
daz überför, der rieht der statt \ U ^ und dem amman sin gericht,
alz dik er daz tut.
13. Item es sol och nieman dem andern sin reben uflesen, noch
sin steken haimtragen an sin gunst, willen und wissen; wer aber daz
überfert, der riht der statt dieselben obgeschriben bflßen.
14. Und* wann vil gepresten uns unzher komen sint von dem,
das die, so die garten zfi gemainden empfahen, den lehenherren ir
garten ufsenden, es sige frft oder spät in dem jaur, es sige von frost,
hagel oder ungewächst, daz zA verkomen, so haben wir gesetzt: wer der
ist, der ain gemaind empfahen oder verlihet, und die nit ufsendet, oder
abseit vor unser lieben frowen tag, der liechtmiß, daz der oder die sem-
lich gemaind dazselb jaur für ußbuwen und davon nit stan, noch davon
getrengt werden sond in kain weg; [und wer daz überfert, der richtet
der statt b U ^, als oft daz beschiecht]*.
§ 143.
[Von der Steuer.]
1461 Nota: es hand ouch burgermaister, gross und ciain r5t
Mai 22. . . . ° ,. °.. j
von ains geraainen nutzes wegen diser statt und ganzer ge-
maind diser statt diß Ordnung gesetzt, und uf fritag vor dem
hailigen tag zu pfingsten im 61® jar* beschlossen, und wollen
die gehalten werden von menglichem*.
Item und nachdem und vil lüt stür, nutzungen, ungelt
und wettgelt zu bezaln lang zit nach den zilen und wan die
vervallen ist zu geben, verzogen, und nit bezahlt hand, und
vil gebot bi den aiden und sunst verachtet hand:
* Dieser Absatz ist von anderer Hand überschrieben: zu gemainden buwen.
* Von [bis] von anderer Hand,
s 22. Mai 1461.
* Die letzten 2 Worte auf Rasur.
Überlingen. 95
1. Item des ersten: wer der ist, der die stür nit bezalt in der zit,
als der statt gewohait^ bißher gewesen ist, das man dem oder den nit
mer bi dem aid erbieten, sunder ainen kn&cht, zwen oder dri, zu in
senden und ieden umb sin anzal der stür, sovil er schuldig wirt, pfenden,
upd sovil pfand von im nemmne, die pfand uf offen markt tragen und
das verkoffen sol, sin gelt daruss lösen, und das übrig dem sächer wider
antwurten.
2. Item desglichen sol man dehain g^lt umb der statt nutzung
Yerköfen, man tfige dann darumb mit gäten ligenden pfänden trostung,
die besser denn dieselb nutzung sie, und so sich zil und tag ergangen,
das man dann das gelt ervordri, und ob die gölt nit ervolgen mAge,
die pfand z& verköfen und die gült zfl Iftsen und damit zu gevarn, wie obstat.
3. Item von des ungeltes wegen, da sol man niemands mer weder
088 der statt noch darin bieten, sonder das von in nemen alle samstag
bar, als dann das von alter herkommen ist; wftlhe das überfAren, so
hat grosser rät klainem riit gewalt geben, dieselben fürzfinemen nach
irem gevallen und derselben verschulden.
[29.] 4. Item wölbe das wetgelt nit richtind nauch herkomen der
statt, der sol uss der statt gän und darin nit komen, er hab dann die
Btr&f bezalt, so sol man in darumb strafen als ainen, der sin aid nit
gehalten und überfaren hat.
§ 144.
[Autonomie der Zünfte.]
1. Item des ersten, das amman und richter in den zünften absin
und nit mer gebrucht werden sond.
2. Item und sollen nu furo ain zunftmaister und die ainlif in
ieder zunft nichtz straffen umb dehain sach, das usserthalb ir huse
beschicht, es wir dann sach, das etwas sachen beschehen, [die] ir zunft
gewerb* und hantwerk anrürte[n], damit ir Ordnung nit gehalten würde,
doch mit den fürworten, was sich verlüff, das ainer sinen aide oder ere
übersähe mit valsch gewicht, gewürz, schmalz oder anderem, oder das
ainer den andern wundoti oder messer zuckti, das sol allwegen ainen
Stattamman und dem rSte haimgesetzt werden.
3. Item es mögen ouch zunftmaisterer und die ainlif von den
iren gelüpt und aid innemmen als bißher, in iren Ordnungen gehorsam
zu sind, es si zu ainlifen, cristafeln, oder andern dingen, doch die
ietzgemelten stuck ainem stattamman und dem rät behalten, die si nit
strafen sollen.
« Sic!
* Dnrchstrichen.
96 Überlingen.
4. Item si m&gen ouch den im in irm huse gebieten an 3, an 5
oder an 10 ß ^, ob ainer ir Ordnung irer zunft gewerb^ gebott oder
hantwerks überf&re, die Mvlin sol der zunft beliben; w&r aber, das
ainer ainen mit der fust schlügen*, oder im Scheltwort erbütti, oder nit
ain cristafel sin w<, sölich fr&flin dann irm huse halbs und der zonft
das ander halbtail beliben sol.
5 Item und ist das die straf, die si nemen m&gen: wAlher ain
haisset liegen oder fluchet, so sol die minder str&f sin 3 [l ^, und die
mer 6 ß ^,' als dann die wort an im selbs sind, doch möchten die
Scheltwort die er ber&ren, das ist dem amman und At behalten.
6. Item furo: wölcher in siner zunft sin hantwerk, oder sinen ge-
werb^ nit haltet, als ir Ordnung inhalt, und ob der vom zimftmaister
und den ainlifen gestraft wirt, dasselb gelt sol gemeiner zunft hain g&D,
ussgenommen, das den obgeschriben stuck berfirt : valscher aide, fridbr&che,
fliessend wunden und messer zucken.
7. Item w&lher den andern mit ungewafihoter^ band schlecht:
8. Item es sollen ouch die gesellen, so ain huß erköft band, g^
walt haben, das huß ob si wend, ainem zu köfend z& geben oder nit ;
doch w&lher in die zunft h&rt, und unbelündet ist, dem sol man das
huß geben, ob er si begert.
9. Item es s&Uen ouch die gesellen, so ain huß erköft band, ge-
walt haben, daz hus, ob si wend®
10. Item es s&llen gemain hußgesellen gewalt haben, ob sich ainer
als ungehorinclich hielte, ald als unordentlich sich zu erkennen, in vom
huß zu wisen oder dabi zä beliben lassen, ain zit oder gar.
11. Item es sol ouch ain jeglicher gesell ains huses den gewalt
haben, ain huß ufzfigeben vor gemainen husgesellen, wenn es im eben
ist, doch das er das gelt, so er urab das huß geben hat verlorn hab.
12. Item w5,r ouch sacb, das etlich, so hüser erköft band, dabi
schuldig wären; w&lher dann das huß ufgeben w<, der sol sin anzal
der gesellen dennzümäl hinach geben.
13. Item ob ainer umb ungehorsam! gestraft würd, es w5t, das
ainer ain mit ungewaflnoter band schlug, Scheltwort erbütt, nit cristafel
* Das Wort cgewerb» durchstrichen.
2 Da« «n» durchstrichen.
' Über der Zeile.
* Die beiden letzten Worte durchstrichen; darüber von anderer Hand «Ordnung».
* Das «g» korrig. aus «s».
^ Dieser Absatz bricht hier ab und ist durchstrichen.
Überlingen. 97
sin wAlt, oder sin zech bezaln, oder ander s&liche stuck, so s&llen
zonftmaister und ainlif gewalt haben, demselben zä gebieten, die pen,
darumb er gestraft w&r, zu geben an 3, 5 oder 10 (l ^; und ob er die
gebott verachten tat, sol sölich pen dem büß halb und der zunfb der
ander halbtail werden; und ob ainer dem allem ungehorsam sin wölt,
so 8&llen derselb zunftmaister und die ainlif umb sftlichs ain burger-
maister und rat anrufen in hilflich zfi sind, denselben gehorsam zu
. machen.
[30.] 14. Item, es sol euch ainem ieglichen die oberhand behalten
siD, dabi man euch ainen^ beliben lassen sol, und die truw, so man
gewonlichen nimpt, sol ain nit irren.
§ 145.
[Verschiedene Bestimmungen über Trinkstuben, Modalitäten b6im Kauf,
Gewerbefreiheit u. a.]
1. Item dergUch wil man s6Uchs gegen den andern trinkstüben, es
sigen schinderkn&chten, becken-, ktlffer- und schmidkn&chten oder andern,
oach bestellen und halten.
2. Item die usslüt s&llen dehain aigen trinkstüben haben, sonder
in ain trinkstüben, oder in ains wirts huß gan, und dehain irn aigen
wio darin tragen.
3. Item man sol den wirten maßen geben, derglich kain wirt kain
kanten bruchen sol,' si sie dann pfS>cht und hab der statt zaichen.
4. Item si setzen und wollen, das hinfdr kainer weder win, körn,
ross, hüser, garten, noch anders, nichz ussgenomen, mitainandern
und zu ainandem verköfen oder gelt zu dewederm lihen sollen; denn
was ainer hinfür verköfen wil, das sol er ainlitzig und nit zwifalt
verköfen.
5. Item derglich band si gesetzt: wftlher unge wonlich köf git, es
si kom, wins,' roß oder ander ding, aber nichz ussgenomen, den w&Uen
min harren strafen, nachdem der köf an im selbs ungewonUch ist.
6. Item furo mainen si, das man ir Stattsatzungen hinfür halten
solle, wie die gesetzt sind; und wer die überf&r, das ain rat die oder
den nach inhalt der Satzungen umb all stuck, die darin vergriflfen sind,
strafen mAg, und die nit mindere.
7. Item si mainen, [daz] ainer, der isen vail hat, an ainer schinen
isen, die er dings git, 5 oder 6 ^ gewins nemen sol, und darüber nit.
^ Korrigiert ans «ainem».
* Von anderer Hand eingefügt.
> Das «8> durchstrichen.
Oberrbeiniache Stadtrechte. n, 2. 7
Mai 10,
98 Überlingen.
8. Item si band ouch gesetzt, das alle gewerb ab und mengliche
fri sin sMlen, damit der gemain man, arm und rieh, sin narung dest
baß gehaben mflg.
9. Item der statt sol der salzköf beliben; doch mag iedermc
salz und isen köfen und mit win daran stechen, und das hie wid
verköfen, doch bi ganzen schiben oder drithalb meß für ain schilx
und sunst nit.^
§ 146.
[Voraussetzungen zum Eintritt in den Großen und Kleinen Rat.]
1463 Item zinstag post dominicam cantate anno etc. LXIII^ sind i
und riehter ainbellenclich zfi rät worden, daz man' dehainen in gros»
und clainen rate setzen sol, er sige dann vor 10 jär unser buiger g
wesen und daz besessen hab, und och leben oder aigen hab.
§ 147.
(Beken.)
[31.] 1. Item wiewol daz ist, daz vor zitten unsere vordem gesel
und geordnot haben, in welchem kouf des komes die brötbeken ai
pfenningwerdig brSt bachen, zwaienwerdig bröt bachen sullend, so hai
si doch darin ussgedingt und behalten, ob iouch der komköf h5ch
wS.r, denn die sum geordnot ist, daz si doch darumb nit h&cher bach<
sond, denn si vor getan band, an der r&t erloben; darumbe so hab(
wir ouch gesetzt, daz die brötbeken hie ze Überlingen niemer ka
zwaigenwerdig bröt bachen sond, in welchem kouf der komkouf sie,
bringen es denn vorhin an die rät und tügen es mit der r&t erlobei
wer daz überfur, der rieht der statt von jedem malter koms 1 U
und dem aman sin gericht.
2. Ouch haben wir gesetzt: in welchem kouf si bröt bachent, <
sien zwaigenwerdige bröt, oder pfenningwerdige bröt, daz sond si jede
man tailen, wer daz begeret, und sond denn daz halbes geben umb de
l)fenning, alz denne darumb der kouf ist, ungefarlich; und weih«
daz nit tat, alz dik er daz überfert, der kumpt umb 5 ji ^ und dei
animan 1 (i -f.
3. Wir band ouch me gesetzt: waz brötz jeglicher bek ze mar!
bringet, daz er daz bröt alles ze stund für sich uf den bank legen sc
und daz jederman ze koufen geben sol, und daz weder ob dem bau
noch darunder, noch in dehaim geschirre sol haben; welcher aber si
bröt, daz er ze markt liet braucht, anderswa denn vor im uf dem bar
* Am Rande «von».
2 Über der Zeile.
Überlingen. 99
ligent het, alz dik er daz überfert, der kumpt von zwaigenwerdigem bröt
amb 2 ß ^, und dem amman umb 1 ß ^, und von pfenningwerdigem
bröt umb 1 ß ^, und dem amman umb 1 ß ^; und welche daz gebott
überfarent, die sond die brötschöw dem wetpfenninger uf den aiden
sagen und schuldig geben.
4. Me haben wir gesetzt: wen die brötschöwer an zwaien werdigem
bröt schuldig gebeut, daz er ze ciain gebachen hab, der kumpt umb 2 ß ^
Qod dem amman umb 1 ß ^; wen si aber an pfenningwerdigem bröt
schuldig gebeut, daz er es ze ciain hab gebachen, der kumpt umb 1 ß ^
und dem amman umb 1 ß ^.
5. Darzfi haben wir ouch me gesetzt, daz der brötbeken zunftmaister
und sin ainlif under im alle und jeglicher besunder vor dem rat ze
Überlingen sweren sond, daz si an des rätz wissen und willen kain
sonder gesetzt von brötz wegen under in gesetzt haben oder halten wellen,
und daz dehainer des andern weder mit altbachem noch mit nüwbachem
bröt dehain schönung hab, und daz der zunftmaister und die ainlif
jirlichen drig under irem hantwerk erwellen sond, dieselben drig vor
dem raut sweren sond^ daz si versehen und versorgen, daz der markt
fai bröt nit ensig, und wem dieselben drig under irem hantwerk ver-
kündenty daz er bache, daz sol er tun; wä der des nit t&t und bröt uf
dem markt nit het, unz uf die stund, daz im daz verkündet war, un-
gefarlich, der kumpt umb 1 U ^ und dem amman umb 3 ß ^J, alz
[32.] dik II daz besch&ch, und sond ouch dieselben 3 uf ir aid sagen,
an gev&rd, weihe daz überfaren; welher aber under den drin sich daran
übers&ch und daz nit t&t, der ist ouch die p&ss verfallen.
6. Wir band ouch gesetzt: wer bröt uf der achs herbringet, der
sol ouch daz uf der achs verkoufen, und wer bröt ze scheff her bringet,
der sol ouch daz in dem scheff verkoufen, imd daz in dem scheff
haben, unz er daz verkouft; es wir denn, daz unwetter anfiel, so mag
er daz usser dem scheff tun und daz ze gnaden verkSfen, an all gevirde.
7. Wir hand ouch gesetzt: welher brötbek vail bröt uf den markt
bachen wil, der sol kain körn koufen, daz er wider ze pfragen welle
verkoufen; wer daz überfert, der rieht der statt 1 fi ^ und dem
amman sin gericht, alz [dik] er daz überfert.
8. Wir hand ouch gesetzt, daz die kornköffer sond ouch kain gemaind
mitainander haben von des pfragens wegen ; welher daz bricht, der rieht
der statt 1 tf ^, und dem amman sin gericht, alz dik er daz überfert.
§ 148.
(Müller.)
1. Item das ir kainer kain meß in siner müli nit hab, weder
gr&ss noch ciain meß, denn das der burger brand hab.
100 Überlingen.
2. Item das die imm, bi denen si Iren lön nement, beliben in der
m&ß, alz unzher daz fünf . . ^ imi ain viertal tügen, und das ouch si
bi denselben imin den lön nemen, als er von alter gesetzt ist; doch das
si die imin gestrichen nemen und nit furo, und das si desselben messes
haben halbe imin und vierentail und halbe vierentail.
3. Item das si ouch haben gerechte imin, dero vierü ain viertail
tünd, und bi denen messen, was si verköfent, ald den lüten geben, und
das si bi denselben imin kainen lön nit nemen.
4. Item das si den wannerlön nemen von ainem malter vesen ze
girwen 1 ^, und von ainem schöflfel mögent si ain heller nemen, un-
gevarlich, und das ouch si denselben wannerlön erfordrint an menglich,
wenn si gi\rwent, ald ze müli holent; und wer inen denn den wanner-
lön git, das si dem denn nünt furo nemen, denn den rehten lön.
5. Ob aber ieman den wannerlön nit geben w< an gelt, das si
denn dafür nemen mügen, das ir ainen bedunkt, ain glichs dafiir ze
sint, bi sinem ayd ungevärlich.
6. Item das si die mühnen in eren haben mit gestain, mit richten,
mit billen und mit andren dingen, die dem mülwerch zAgehören, un-
gevärlich, und das si iederman das sin widergeben, und davon nünt
entfrömden, an allain den rehten und gesetzten lön, als vor beschaiden ist.
7. Item und welhes sähe oder gewar würde, es wir ain man von
sinem wib, oder von sinen diensten, ald von andern lüten, ald ain wib
von irem man, ald von iren diensten, ald von andern lüten, ald ain
kneht oder ain magt von iren maistern, oder iren fröwen, ald er mit
diensten, ald von ieman anders, das man jeman me neme, denn den
rehten lön, dasselb sol das rfigen und fürbringen ainem stattamman
oder ainem räteskneht, als dik und das zeschulden kumpt, an verziehen,
ungevärlich, die man und mannesnamen bi iren aiden, die si darumb
gesworen band, und die fröwen und fröwennamen bi iren trüwen, die
si an rehter gesworner aid statt darumb geben und gelopt band lüt-
erlich, an all gevarde.
8. Und wäre, das der stuk ieman kains überfflre, das wil man
darumb strafen, als umb ain mainenaid, und nach ains ratz erkantnuß.
§ 149.
(Brimelwer.)
[33.] 1. Item und von der briemelwer wegen, in welchem köf si
das briemelw geben suUent, ist gesetzt, daz si dehain imin brimelwes
nit türo geben sullent, dann als si ain viertail haberns ungevärlich
köfent.
* Ausradiert: «halb».
ÜberÜDgen. 101
2. Notum, es hat aiu groß und ciain rät uf mentÄg vor Hilari ^^^
anno etc. XXVII^ ainhellenclich gesetzt: wernu hinnanfüran der bröt-
Bchow ze klain fanden und schuldig von den schöwern gegeben wirt,
das der koroen sol umb 2 |i, und dasselb bröt legen uf die zwen und-
rosten benk gegen dem stad werd, und desselben brötz zwai umb drig
haller geben, und das alles herfürtragen, und auch nieman versagen;
welcher aber des nit entüt, der sol an gnäd umb fünf Schilling pfenning
komen, imd sAUent das die schöwer dem wettpfenniger angeben,
ungefarlich.
§ 150.
(Metzger.)
1. Des ersten, daz si sullend gereht wagen und gewicht haben,
und daz si dabi wegen sond alles flaisch, daz si verkoufen wend, uss-
genomen allain rehte milchlember und milchkitzi\ daz mögend si
nauch dem ougen verkoufen, und euch ussgenomen hopter und swm-
ruggcn, die sullend si nit bi der wag verkoufen.
2. Item wenne si wirst machent und verkoufen wend, so sond si
den braten wegen an die d&rm, also daz die därm nit sullend gewogen
werden.
3. Item und waz si flaisches band, es sie rindrin, swini ald anders,
des sullend si jederman geben, alz vil alz er denn vordret, es sig 1 ^,
^/« Ä, lützel oder vil, und sullend es darumb nieman verzihen, ob ains
lützel wil, und sunderlich des brätz zä den wirsten sond si nieman me
geben ains mälz denn 5 ^, umb daz andern lüten ouch werde; und
allediewile und si den brät vor in band, so sond si menglich davon
geben und daz nieman verziehen, an alle gevärde.
4. Item welher ouch flaisch verkouft, es sig lützel oder vil, daz
sol er ouch enweg geben und nit hindersich henken, wän alledie-
wile und es da hanget oder Ht, so sond si es geben, wer des begert.
5. Item waz ouch flaisches hie geschlagen wirt und an die schow
kumpt, daz sol ouch jegUcher under der metzi hie verkoufen und nit
ustragen, noch anderswahin senden ze verkoufen, es w&r denn, daz die
drig sich bekantint, daz es hie nit nötturftig wir, und es erlobtint, so
m&hte es ainer wol anderswahin senden.
6. Item daz si drig under in wellen, die sweren zu den hailigen,
die metzig ze versorgen, also daz die drig je mit inen reden und si
haissen schlaihen nach nötturft, daz nit gebrest an flaisch werd, un-
gefarlich, und daz in kainer des andern schone mit houwen noch mit
andern dingen, denn daz si ungefarlich hauwen, wenn es geschätzt werde.
> Die Worte Fon «rechte» bis hier auf Kasnr.
102 Überlingen.
[34.] 7. Item und daz si kain flaisch türo geben, denn es gesch&tzt
wirt.
8. Item waz si vich hie uf unser waid bringent, und daz unz an
den dritten tag hie uf unser waid g&i, es sig groß oder dein vich, daz
sol denn ir kainer anderswahin verkoufen an ains rätz urlob, es sie ge-
saltzen oder grfin.
9. Item und daz si kain flaisch schrenken, denn daz jeglich flaisch,
daz ains ist, bi ainander hange; welcher daz bricht, der rieht der
statt ain U ^.
10. Item wir haben ouch gesetzt: wer der war, der dehain hobt
klain oder groß, dehainen swinin ruggen und hamman ieman wfig, oder
ieman dehainen braten mit den därmen wfig, daz der der statt an gnäd
schuldig und verfallen sin sol 5 (l ^.
11. Item si suUend ouch nieman me brätz ainsmälz wegen denn
5 0f, und allediewil und si den brät vor in band, so sond si den nieman
versagen sunder aim 1 ff, V21 2, 3, 4 geben; und welcher das nit entit,
rieht die vorgenant bflß.
12. Item und uf diß inzenemen und ze Iflgen würden die schöwer
beide, vorschöwer und nächschöwer, sweren zu den hailigen: von welem si
das innen würden, der der vorgesetzten stuk ains oder me brechen und über-
faren het, daz si den ainem wetpfenniger angeben sftlten; doch wenn die
metzger daz den ussern schöwern Seiten, so sftlten si genüg getan hän
und iren aid damit enbunden.
13. Item daz si schJifflinflaisch nebend dem rindrind geben sullend.
14. Si sollen och nieman dehain geliber noch höpter mit dem
flaisch wegen ^ geben, es si denn sin guter will.
15. Item desglichen sollen si nieman tz [raten noch]* kalb flaisch
versagen, ob er nit ain höpt krftß oder föss darzü nemen w<, es sige
denn sin will; alz dik si aber aim daz uf sölichs versagen, so wil man
si darumb strafen.
16. Item es sSUen dehain pfarren vor sunt Michels tag an der
metzgen, sonder davor [schlahen] und ain ff geben umb 2 ^ und nach
sant Michels mögen si die wol in der raetzg schlahen und usswegen,
nachdem und si geschätzt werden.
§ 151.
(Vischer.)
[35.] 1. Wir habent ouch gesetzt: wer truken visch herbringet
und die man truken verköfet, es sigint burger oder gest, die sond alle
* Dieses Wort durchstrichen. * Durchstrichen von [bis].
Überlingen. 103
die visch, die si herbringet, ze zwain malen ze markt bringen, und sol
euch nieman dehain visch vor dem ersten fronzaiehen verköfen; und
zue welcher zit er an dem tag nach dem ersten fronzaiehen visch her-
bringet, die sol er ze stund unverzogenlich ze markt bringen ; und wer
ouch visch an dem markt salzen wil, der sol inen allen die schwenz
abhöwen; wer aber der stuk ains ald me überfert, als dik er das tut,
als dik rieht er der stast 8 ß ^.
2. Item wir habint ouch gesetzt, das nu hinnanfür nieman dehain
lögenen von unser statt fflren sol noch verköfen, an ains rStz urlob, willen
und wissen; wer das aber bricht, der rieht der stattl Sf ^ als dik ers tut.
3. Item es sol öch nieman dehain visch köfen in den zil, daz ist
TOD der Mainow und gen Uldingen engegenüber von Blüssenhüser und
unz an den bach gen Süssen, und dazwischen unz zu der statt; wer
aber daz bricht, der riht der statt 1 ff ^ als dik ers tut.
4. Item wir habent auch gesetzt, daz nieman weder burger noch
gist gesalzen hürling furo uf unsern markt nicht vail haben sfiUent;
und wer daz überfert, der richtet der statt 1 ff ^ als oft ers tut.
5. Item sich hat ain burgermaister und ain rät erkent: wer der
ist, er sie burger oder gast, der visch herbringet und die usser den ziln
kJpfet, so vor stand, daz er die wol verköpfen und vail haben mag an
engeltnuß der zunft.
6. Wir habent ouch gesetzt, daz dhain gemaind under den vischern
sin solle, weder mit visch koufen noch verkoufen, ußgenomen zwen
mÄgent ungevarUch visch mitainander gemain haben, doch daz die ußer
den obgeschriben zilen gekouft werden; und wer daz überfert, der richtet
der statt 1 ff ^, als oft er daz tut.
7. Item der gendzüg, und welhz z4 ainer segi gehörent, mögent
irol gemain mitainander haben, die visch, so si mit demselben züg
\rahent, und sust ouch nit dhains wegs, bi der obgeschriben pen.
8. Item es sol ouch under den obgeschriben gemaindern nu der
ain und nicht baide ir gemaind visch vail haben, bi der selben pen.
Item es band ain burgermaister, grosser und clainer rät, die
schfichmacher und gärwer mitainander entschaiden von des wegen, daz
die schfichmacher mainten, daz inen die gSrwer g&rwen s&Iten, alz vil
si wAlten; item also, daz die g&rwer den schüchmachern nünt gärwen
sond, denn die hüt, so si ungevarlich schlachten und iro helbling, wie-
vil der wir, ungevarlich; doch so hat* ain raut im selb hierin behalten,
daz si daz mindern oder meren mflgen, es sie über kurz oder lang.
Actum secunda ante pentecostes anno domini millesimo CCCC^XXIIP.
^ Über der Zeile.
1423
Mal 21.
104 Überlingen.
§ 152.
(Schnider.)
[36.] 1. Item von zwain schlechten hossen ungefAtert und an
läppen 5 ^.
2. Item von zwain gefilterten an läppen 6 ^, und mit läppen
hinnan und vornen 8 ^, doch ungelftchert
3. Item und von ainem schlechten anligenden knöpfloten hiß
gefütert unz an die gfirtel 14 ^, gefiltert durchuß 18 ^.
4. Item von ainer schlechten kn&pfloten juppen ungefiltert 1 jl ^,
und von ainer witten juppen bi 4 oder 4*/, aln gefiltert umb die '
brüst 18 ^,
5. Item von ainem schlechten ainfalten mansmantel obnan ge-
filtert 18 ^, und von ainem zwifidten 2^2 ß den.
6. Item und von ainem schlechten anligenden wamsal mit uf-
genägten nesteln 3^/2 ^ ^ und von obem anligenden schöpen 4Vs ß ^'
7. Item von ainer schlechten ainfalten kappen, die bi ainer ein
ist, gefitert under ögen 6 ^ von ainer zwifalten bi zwain einen 1 jl ^,
und bi drin einen 18 ^.
8. Item von ainem schlechten tapphartrok geffitert uf das kniw
ald dabi, ist er wuUi, 2^2 |J ^, ist er arrassin, 3^2 P -4^ und von ainem
langen tapphart uf den ffiß, wulli 4 |J, arrassin 6 ^ den.
9. Item von ainem schlechten rok uf das kniw, obnan gef&tert
den man mit gefild füllen wil, 2 |i ^j.
10. Item von ainem anligenden fröwenrok, abgeschlagen, alz man
si ietz machet, vom Rin 4 |S ^j, von Mächein 5 ji ^; und von ainem
schlechten fröwenrok, an glenk und an brisinen, bi 6 oder 7 einen
2V2 |5 ^.
11. Item und von ainem sclilechten fröwenmantel vom Rin 2V2 ^ -Ji
von Mächein 3^2 ß -tf-
12. Item von ainer fröwenbarchart mit glenken und mit brisi, an
ermel 2 ß ^J, und mit ermein 2^2 ji ^'
13. Item ainen kneht 6 ^, ainen lernkneht 4 ^, ainen maister
1 |i ^j und an dem virtagen nieman ze essen; pena 5 ji ^, er geb
oder nem.
14. Item von den reht grossen kappen und umb zadrocht zerhöwen,
gewand umb die wamsal mit Iftchlin und daruf man schnir nagt, und
umb die gelöcherten hossen ist kain Ordnung.
15. Item es mag ir ieglicher haben 3 kneht und ainen lernknaben,
oder aber zwen kneht und 2 lernknaben, und er und sin wib.
Überlingen. 105
16. Item welcher das hantwerk triben wil mit der nädel, der sol
oft gewant schniden noch vail hän weder wllis, barchart, zwilich noch
17. Item es sol euch kain schnider mit kainen gewantschnider
oit gemain Mn, noch sust zwen gewantschnider ouch nit mitainander
gemain han.
18. Item si sond ietz sagen, welchen gewerb ir ieglicher triben
wfill, and wele daz hantwerk triben wend, die sond ir gewant, daz si
ietz band, vertriben, unz zu der nächsten herbstmeß und dazwischen
kains me köfen.
§ 153.
(Von gewantschnidern.)
1. Item was fr&mder gest gewant herbringen ze verköfen, daz die
über jaor mflgent vail h&n an dem zinstag und zwen tag der wochen
daizu, ain vor und ain nauch, oder zwen nach, weders si wellent dar-
oinb, das gest dester gerne herkoment; aber die von Costentz und die
' bi ainer mil wegs hieumb gesessen sint, daz die durch das jaur ze
wochenm&rkten nit anders vail haben, denn in der m&ß alz vor.
2. Item zu jaurm&rkten, das denn menglich mfiht gewant vail
haa unz an den vierden tag sunderlich uf der Gred und nit anderswa
of benken.
3. Item was ouch gewandes herbraucht wirt ze verköfen, das das-
sdbe gewant kain ander gewantschnider, er sie burger oder gast, noch
nieman anders, der es furo verköfen ald verschniden w61t, nit ufköfen
8ol in den vier tagen, diewil der markt werot; wenn aber der markt uß-
wirt, so mag menglich ganzü ticher köfen; was aber hie geschnitten
w&r, daz sol ouch nieman ufköfen hie in der statt, noch davor in-
wendig ainer wil wegs.
4. Item brächt aber ieman tüch her in der wochon, was denn
ze markt und ze bank geleit wirt, daz sol nieman furo ze pfragen uf-
köfen; was aber nit ze markt geleit wirt, daz mag man wol ze pfragen
and furo ze verschniden köfen.
5. Item und wer daz überfür, er war burger oder gast, der rieht
der statt 5 fZ^ ^ alz dik ers tat.
[37.] 6. Item es band groß und ciain rät anno domino MCCCCXIX'»«
sich geaint und gesprochen von der schnider wegen: welchem kneht
man der wochen 1 (J tf geb, das si den ußlihen mügen des tags umb
8 ^, und welchem kneht man darunder geb, das si den lihen mögen
des tags umb 6 ^, und das si nieman kain kneht lihen, noch ze hus
«etzen süllen, welchem si under 6 ^ der wochen geben.
1419.
106 Überlingeiu
§ 154.
[Verletzungen bei Turnieren.]
1464 Item uf samstag vor dem sontag Reminiscere im LXIV jaur so
Februar 26. jjg^^ gross üud claiu rät gesetzt: wenn ain gest&ch alhie zu Überlingen
ist, w&lher dann besch&digot an sinem lib oder leben wirdet, es dgen
zblflger oder die stechend, von denen, so dann den heim ufgebunden
händ, das d&rn&ch dehain rach noch straf ^in sol; würde öch ain
sticher von dem andern fürs, daz si baid die heim ufgebunden hetten,
beschädiget, oder zä tod gestochen oder gerennt, da sol aber dehain
räch nachgän.
§ 155.
[Frist zur Bezahlung der Geldstrafen.]
Item uf den gemelten tag haben aber gross und ciain rat gesetzt:
w&lcher ain fräfli verfallet, die under b U ^ oder 5 U ist, die sAlleo
dieselben frSfli in acht tagen den n&chsten richten und bezaln, oder
usser der statt gan und nit darin, emäls und si die fräfli gericht hand;
waz aber ob 5 fl^ .»^ ist an fräfli, da sol ain clainer rat zil z& geben
gewalt haben.
§ 156.
[Zuteilung der Spengler, Maler und Hafner zur Küferzunfk.]
1426 Item, anno domini millesimo CCCC^XXVP an mittwochen in der
April 8 österwochen so sind die zwo zönft, die schuchmacher und die kflfifer,
entschaiden von der spengler, der mäler und der haffner wegen, under
welchi die drü hantwerk gehören sollen ; darumb ain burgermaister und
die zunftmaister verhört hand vierzehen erber mann, von ietwederem
tal siben, und bi geswornen aiden, und nauchdem und si das befunden
hand, so hand si sich darumb ainhellenclich erkent, daz die drü hant-
werk billich nu hinnanfür under die köffer gehören und derselben
zunft dienstlich haißen und sin suUent, ungesumpt der schuchmacher-
zunft, doch also, das die spengler nit vail habint anders, denn si selber
machent und zu dem spengelwerch gehöret, ungevarlich.
§ 157.
[Beschränkung der Konkurrenz durch Frauen im Schneidergewerbe.]
Item nota: als derschnider zunftmaister, die ainlif und gemain zunft
für ain burgermaister, zunftmaister und raut bracht und sich clegt hand, wie
si gross beswärde in ir zunft nemen von den fro wen, so ir antwerk triben, und
sich mit der nadel begangen, dero ain tail nit zunft noch burkreht haben, ain
tail lemtochtran setzen und sich understauden, wullis zu nSgen, das si
unzher nit getan haben etc., haben sich ain burgermaister, zunftmaister
\
Überlingen. 107
und rät daramb aigenlich underredt und die Sachen bedaucbt; des
ersten von dero wegen, die hie sitzen und weder zunft noch burk-
idit haben, das die furo in unser statt und in der statt etter nünt
nigen noch ir antwerk triben sond in kain weg. Item von dero wegen,
die Bimders&ssent sind und aigen husrftchi band, daz dieselben alle
fiirbaßme under der schnider zunft h&ren und dienen, und damit der
vcM^iigen zunft ledig sin sond. Nun von dero wegen, so also sitzen
und nSges pflegen, euch mann haben und under ander zunft dienen,
daz semlich wol n&gen mAgen lini gewand und dehain wullis nit, doch
daz ir kain nit me denn ain lertochter hab; w&It aber ain semliche
ainsmals me denn ain lertochter halten, so sol si die zunft als umb ain
gewerb abl^en, doch aim raut darinne behalten, daz zu mindern oder
zft meren, ungevarlich.
§ 158.
[Weinkontrolle für Wirte.]
[38.] Wir band euch gesetzt, das alle gastgeben und wirt, die
gastung band, fürbaß iemerme allen den win, so in zu herbst wirdet,
€8 sie uf ir aigen ald sust, alsbald der herbst usskomet, allen in ge-
main, roten und wissen, sond lassen verschriben und die vaß bailen;
und uf welchen pfenning ainer den gesten den win geben wil, das sol
er sagen der ungelter aim, ald in beiden, ob er si gehaben mag, die
OQch denen den win aber also verschriben sond; und wenn der uss-
komet, so sol er in verungelten in m&ß, als das verschriben ist; und
was im öch wines also ze herbst verschriben und gebaiolt wirt, dieselben
yaß alle sol er öch zu Ich legen, und das ungelt davon richten, es were
denn, das er sament aim gast ünt davon verköft, und dabi die ungelter
iien kneht gehept betten, so vil sol im denne an dem verschriben win
und an dem ungelt abgSn; furo so suUen si niemerme dehain win
wa ald von wem si den verköfen in ire hüser, noch gewalt bringen,
noch füren, er sie in denn vor gebaiolt und verschriben, wie vil des sie,
und wenn er den schenken welle; und wenn ain vaß ußkomet, so sol
er das ze iche legen, ob es vor nit geichot were, und das verungelten
nach der statt Satzung; und wenn sich ain fronvast ergät^ so sol ain
i^licher wirt und gastgeb, der gest erapfacht, zu den ungeltern komen,
Qnd denen sinen und siner ehaltern brüch an dem win ze erkennen
geben, als das vor in der alten Satzung begriffen ist.
§ 159.
[Normierung des Gewinns am Weinumsatz für Wirte.]
Und won daher vil red gewesen ist, das die wirt, so von der band
schenken, den win vast türo geben, denn si den verköfen^ damit die
tot arm und rieh vast besch&tzt werden, das ze verkomen, so haben
108 Überlingen.
wir ouch geordnot: wenn das ist, das man win schenket, und das pfen-
wert git, das denn kainer an aim ffider nie gewinnes nemen sol, denn
ain pfund und fünf Schilling pfenning zu dem meisten, und nit darüber;
ist aber das ainer win schenkt, da er das pfenwert nit git noch geben
mag, denn ain becher umb zwen pfenning^ als umb vier Schilling, dri-
schilliug, vier und drig^ Schilling etc., da sol und mag er an ainem füder ze
gewin nemen zwai ff fünf Schilling ^, öch zu dem maisten, und nit me.
§ 160.
[Standgeld uf dem Tuc^imarkt.]
Item uf den markten, so git ainer, der uf dem huß vail h&t, von
ainem Mächeischen tüch, von ainem Lamparschen tüch, von iedem tftch,
alz vil ainer dero hat, von aim 1 (i ^ und von ainem Einsehen tüch,
alz vil ainer hat, von iedem tüch 6 ^ und von grawen gewand von
Horw, von Rotwil von aim tüch 4 ^, und von aim Nördlinger, alz vil
ainer hat, von aim tüch 3 ^; und ist sach, daz ainer die tüch alle
schnit, so er hat, so git er dehain pfunt zoll, denn 5 ji ^ ze stattgelt;
und verschnitt er dehains, als vil ganzer tüch er denn hat nach dem
markt, so git er von aim tüch 6 ^ und den pfundzoll; so git och ain
iecUch ball mit gewand, die fürgät, ain ieclichen Staffel 18 ^; verköf
ainer ain tüch ganz, oder alz vil er ganzer tüch verköf, von aim tüch
6 ^ und den pfundzoll, er verköfs oder vertuschs.
§ 161.
[Schaffner und Pfleger der Chorherren von Constanz sind von der Mit-
gliedschaft des Rats und Gerichts ausgeschlossen.]
juni^ ^^^^ ^^^ donrstag iu der hailigen pfingstwochen anno domini
M^CCCCLXXI ist durch einen burgermeister, zuntfmeister *, gros I
und dein rät durch frommen nutz und billichkeit willen einbirlich
erraten und angesehen und zu ftwigen ziten gehalten sol werden,
das ein ieder, so der Chorherren von Costentz Schaffner und pfl^r
hie in dieser statt ist, zu öwigen ziten weder an gros noch dein r&t,
noch an das gericht gesetzt sol werden, sonder zu halten in maß und
die ander fünf hüsere.
§ 162.
[Miete von Häusern und Läden ist nur auf Georgi (23. April) kündbar.
Kauf bricht Miete.]
[39.] Item so haben gros und dein rät angesehen und erraut«^'
wer der ist, der hüser oder laden verliehen oder bestän wil, da ^^S
der, der das verlihet, oder der das bestät, umb einen zins dem sS^^^^^
vor sant Jörgen tag das wol wider abkünden; doch nach sant J*^^^
TTTt. ^ 'Sic!
* Auf Rasur. -^
110 Überliogen.
und swesterkind, von ainem leib geboren, ir seien vil oder wenig, an-
statt irer vatter oder mutter für ain person zugelassen und gezellt werden
sollen.
§ 165.
[Übergangsbestimmung.]
Was aber erbfall vor diser Ordnung und Satzung gefallen, gehanddt
und besebehen seind, und davon nit geappelliert ist, wollen groß und
klain rate, das es mit denselben allen und ieden dem bemelten alten
brauch, gewonbait und recht nach gehalten werden, und niemands [40.]
dise newe Ordnung und Satzung der || vergangen erbfäll halb fürtrag^,
noch sich iemands derselben derhalben in dbain weise behelfen solle.
§ 166.
[Gesetzliche Dauer der Verfangenschaft bei beerbter Ehe.]
Doch so w&Uen meine herren: so sich begibt, das ain egemächit
vor dem andern mit tod abgeet und erstiirbt, und eelich kinder, ains
oder mer, und auch darneben kindskind verlasset, das dann die verlassen
hab und gütter dem oder denselbeP kinden und auch den kindskinden
weiter oder lenger nach diser statt recht nit verfangen sein soll, dann
dieweil des abgegangen egemächits kind, ains oder mer, im leben be-
leiben; so aber das oder dieselben kind alle vor dem beliben eege-
mäcliit absterben würden, so sol des abgegangen egemächits verlassen
hab und gut den kindskinden weiter nit verfangen sein, sonder darnach
in der erbschaft dem rechten gemäß gehalten werden.
§ 167.
[Ausschluß naher Verwandter aus dem Kleinen Rat.]
1B12 1. Item uf mitwoch vor der hailigen uflFart unsers herren Jesu
Mal 19. ciiristi anno eiusdem fünfzehenhundert und zwölf haben mine hern
burgermaister, zunftmaister, klain und groß rät vor der besatzung des nüwen
regiments die alten Ordnung und Satzungen anzaigent, wienach die fründ-
scliaft in klainen rat zusamen gesetzt werden sollen, für ougen genomen
und nach ermessung aller notdurft sich entschlossen, liinfüro disen artikel
dermässen zu halten, wie hernach volget: also das hinfüro hie zu Über-
lingen vatter und sun, bruder und geschwistergit kind, deßgleichen zwen
schweher, Schwäger und toclitermann nit zusamen in klainen rat gesetzt
werden söllent, doch in dem ußgenomen : der weiber finindschaft in an-
gezaigter linien sol also mit gerechnet werden; weihe aber ainandem
zun dritten kinden oder weiter nit fründtschaft verwandt sind, dieselben
mögen wol in klainen rät zusammen gesetzt und erweit werden.
' Sic!
Überlingen. 111
2. Ditz Satzung und Ordnung in raten ist von meinen heren wider- j^J^\^ .
b emewert, die strenclich gegen meniglich zehalten. Actum Nicolai
21. jar.
3. Item 80 haben sich dann meine hem mit dem austretten in^ ^^^^
Desemb. 28.
m diser Ordnung ze halten* entschlossen: welcher dem andern* zun*
rten kinden und necher mit freundschaft verwant si, den der handel
ür, der söl davon austretten und nit bleiben sitzen; was freundschaft
1 aber streckt biß uf die vierten linien und weiter, dieselben und
;h die, so die obbemelten nechin* der freundschaft nit aigentlich
tsen möchten, sollen bleiben sitzen und thün als vil als ander.
Actum montags nach Thome apostoli anno etc. XXI.
Beilage zu St. IL'
§1.
(Wer sine guter zwifalt versetzt.)
[1.] Item es band groß une klain rät einhellenclich beslossen und
t diser geschrift z4 öwiger Satzung gesetzt: Wer ein ligend gut zwivalt
rsetzt and in der nachgenden versatzung die ersten versatzung nit
het, das der ön gnäd 20 flf ^ zu unabl&siger büs vervallen sin sol;
d ob er die zfi bezalen nit vermftcht, so sol man im ein band ab-
)lahen; und wer sine versetzte gflter, die umb zins ald sust umb
ilecht schulden verköfte öne der willen und wissen, den si versetzt
ren, und solich gelt zii sinen banden neme, und das nit an die end,
hin si versetzt werent, werden und volgen liesse, den sol man ön alle
ad zä tod ertrenken.
§2.
[Veränderung eines Pfandes.]
Item wer dem andern ain pfand versetzt und dasselb pfand nach-
Qds verendert, one des willen, dem das pfand versetzt ist, der rieht
r statt b U ^.
§3.
(Schaden rflgen.)
Item es sol jeglicher sinen aigen schaden rAgen; der gUche sine
id und^ wib, und sine dienst in acht tagen den nechsten, nachdem
der schad gescheen ist. DesgUch sol jederman dem andern sinen
laden^ rügen bi sinem eid^ ungevarlich.
* Auf Rasur. — ' Korrigiert. — * Siebe Bemerkung am Schlüsse dieses Äb-
mittet. — < DuTcbstricben. — * Über der Zeile von späterer Hand cocb».
112 Überlingen.
§4.
(Burgrecht ufgeben.)
Item wer der wäre, der burgrecht ufgeben w61t, der sol das thön
vor einem gesessen raute, nach der statt gewonhait und herkomen.
§5.
(Mit dem baner in daz veld.)
Item wir band och gesetzt: wenn man mit dem paner in das veld
züchet, w&lcher dann von dem paner flucht^, dem sol man öne gnad
das hopt abschaben. i
§6. . ■
(Die stur ze richten.)
Item wer der ist, der die stür alweg uf Sonntag mittvasten nit
bezalt, das der bi sinem aide usser unser statt gerichten, zwingen und
bennen gan sol und darin nit mer ze kommen, er hab dann die stür vor
hin usgericht und bezalt.
§7.
(Von der pfandtschaft.)
Wir haben ouch gesetzt von der pfandtschaft wegen, das die pfandi
Schaft in der stür als varend gut verstürt werd und in dem erbfal vallen
und gehalten sol werden, als ander gelegen verfangen gfit.
§8.
(Daz die kind vatter und müter nit zum tail drengen.)
Item wa zwai egemächit sind, und ir eins vor dem andern mit
tod abgät und elich liberben von in geporen verlassend, das dann die-
selben ir kind und liberben, jung oder alt, weder vatter noch mflter
zum tail nit drengen sollen noch mögend.
§9.
(Articlelus* der appellatz.)
Ma1^8 Item welher burger sich von der urteile, so am undergericht oder
am obern Stattgericht gesprochen wirdet, beruft und appelliert, das der
sweren wirdet einen liplichen eide zu Gott und den heiigen, das er
sÄlicher appellatz notturftig sige, und die nit tue zu verzüg der wider-
parthie an sinem rechten; tut er den eide, das dann im der appellatz
gestattet werd.
Actum donrstag nach dem heiigen pfingstag anno etc. LXXXVF.
' Von späterer Hand über der Zeile beigefügt: «und dem hoptman nit gehorsam
ist». — • Sic!
Überlingen. 113
§ 10.
[Verbot, neue Torkelbäume aufzustellen.]*
Es habend och min herrengros und dein rät erraten, das fürohin
niemand torgelbomm in dis statt und vorstett zieehe und die ufrichte,
ön verwillgung gros und dein rät, da vor kainer gewesen ist
§11.
[Verbot, Häuser abgehen zu lassen.]
Es sol och fürohin niemand weder in der statt noch in vorstetten
ire büser und hofraitin nit lassen abgan und unnütz werden, noch die
abprechen öne gunst und willen gros und dein rät.
§ 12.
[Verbot, einem Fremden ein Haus in der Stadt zu verkaufen.]
[2.] Es sol ouch fürohin dehain burger dehainem gast hüser hie in
der statt z& köfen geben, es wftUe dann der gast sich in jars frist lier-
äechen und burger werden.*
§ 13.
[Auch im Wege der Erbschaft soll kein Haus an einen Nichtbürger
kommen.]
Es sol ouch fürohin dehain huß hie verkouft werden, dann gegen
einem burger, weder in der statt noch in den vorstetten; wo die aber
durch ieman frftmden, die nit burger wären, ererpt würden, so sftUten
die in kain frftmd, sonder in ains burgers hand verköft werden und
änderst nit.
§ 14.
(Wan ainer dem andern zethünd ist und onbezalt hinweg gat.)
Item wenn das ist, das einr dem andern zetönd ist, es sige von
pfandtschaft, Zinsen, hußinsen oder was schulden die sien, und der
Schuldner hinweg gat, wenn dann der Schuldner zwen monat uss ist
und hie nit erschint, so mag der, dem dann* der Schuldner zetfind ist,
des Schuldners hab und gut heften und den haft nach der statt recht
rechtvertigen, und bedarf dem Schuldner witer nit verkünden, dann an
das end, da dann der Schuldner am letzsten zu herberg gewesen ist.
§ 15.
[Freie Wahl zum Großen und Kleinen Rat.] mAh>.
Es haben och gros und dein rät erraten und gesetzt, das in der
besetzung grosser und deiner rS,t die fri wal sin sol ; welher dann unser
;er an gros oder deinen rät, desglich von den zünften erweit und
* Dieter wie auch der folgende Absatz sind mit blasserer Tinte geschrieben.
' Der ganze Absatz nachträglich wieder gestrichen. — ' Korrigiert aus «dem».
Oberrheinische Stadtrechte. U, 2. 8
114 Überlingen.
gesetzt wirdet, das derselb darinne gehorsam sin sol, das och der
die, so also erweit werden, in der herren und gotshüser dienst
hüsere in diser statt nit sin sol; und welber söliehen dienst an
genomen het, das der sieh des von stund an verzihen sol. Actum f
vor der crützwochen anno etc. LXXXXIP.
§ 16.
juni^li. [Beschränkung der Ratsmitglider in der Übernahme fremder Dien
Es haben och gros und dein rät erraten und gesetzt, das in
besetzung grosser und deiner r&t die fri wal sin sol, und welher i
burger an deinen rät und gericht erweit und gesetzt wirdet, das de
darinne gehorsam sin sol; das och der oder die, so also erweit wei
in der herren und gotshüser dienst und hüsere in diser statt nit sir
und welcher s&lichen dienst an sich genomen het, das der sich des
stund an verzihen sol. Es sol och der oder die, so von grossen i
in sftliche hüser und dienst körnen, sich keinr ander gesch&ft noch sa«
nit beladen noch annemen, dan allain das, so sinen dienst und i
berieret. Actum sampstag vor Johannis Baptiste anno 93.
§ 17.
jj^^^JJ^ 23 [Nachträgliches Bekanntwerden der Leibeigenschaft zieht Verlust
Bürgerrechts nach sich.]
Och habend min hen-en gros und dein rät errauten und ges
weihe die sien die burger sind, oder burger werden, die erfui
werden, das si oder ire wib und kind eigen weren oder nachjaj
vftgt hetten, das si dann ir burgrecht und zunft verloren habend;
welher och in m5ß, wie obstet, also erfunden wirdet, der sol in mo:
frist nechst von diser statt gän und fürter darinne nit sin. A(
sampstag vor Katherine anno LXXXXIII.
§ 18.
[Schutz des einheimischen Weines.]
Wir band auch gesetzt, das dhain unser burger dhainem
gehalte dhainen wein, der in unserm etter nit gewachsen ist; wer
bricht, der rieht der statt f) /? ^; es scic dann, das das gut hie
stewrt werde.
§ 19.
[Steuerpflicht für den Wein.)
Wer auch den Icuten wein gehaltet, der in unserm etter wac
und den man nit verstewret, der rieht auch der statt b U ^. Ist t
* Der ganze Absatz ist wieder durchstrichen; vgl. den folgenden, von
gleichen Hand geschriebeneo.
Überlingen. 115
das ain gast wein kaufet umb aineu bfirger, der mag in wol in die
statt legen und kumpt darumb nit zfi schaden. Ist aber, das der kauf
bescliieht vor der stewr, und dann die stewr den wein ergreifet, so soll
der gast den wein verstewren nach unser statt gewonhait; th&te er deß
nit, so rieht er der statt 2 U ^.
§ 20
[Beschränkung in der Benutzung des Überlinger Torkels.]
Es soll auch niemand kainen wein in kainem torgel hie auß-
gewinnen, der in den garten wachset, die nit hie verstewrt werden noch
verdient; und als* raenigem ein torgelmaister der bricht, do ist der
torgelmaister von als menigen verfallen 1 ff ^j.
Orig. Perg, Band von 51 Blättern, 22 cm, hr., 32 cm. l, davon 42
Rotier beschrieben, der Rest unbeschrieben, St. Ä, Abt. VIII Nr. ISO.
Das vorliegende Stadtrecht bezeichnen mr mit St. IL Nach der starken
Abnützung und einzelnen Randbemerkungen, wie «wow», ^non tegatun^ zu
sddießeny war das vorliegende Exemplar das amtliche, das alljährlich bei
der Verlesung der Stadtgesetze an Pfingsten auf der Gred benützt wurde.
Die Einträge stammen von ganz verschiedenen Händen: Bl. 1 bis
20a van Hd. A (Anfang des 15. Jhdts.) mit wenigen Ausnahmen, die
jetceils besonders vermerkt sind. Auf Bl. 20b und 21a folgen Einträge
ms den Jahren 1426, 1428 von verschiedenen Händen. Bl. 21b folgt
«iederum eine nette Hand. Bl. 22b enthält Einträge aus dem Jahre 1431.
Bl. 23 und 24a dagegen weiseft eine bereits dem 16. Jhdt. (1508 bczxv.
1509) angehörende Hand auf. Die ersten Einträge von Bl. 24 a ge-
hören ins Jahr 1432 und stammen von derselben Hd., wie der erste Ab-
sat2 auf Bl. 22b (1431). Die nächsten Einträge aus den Jahren 1443,
1444, 1445, 1446, 1449 gehören einer und derselben Hd. an. Bl. 26— '28a
iceisen wieder Einträge von Hd. A auf; Bl. 28 a enthält außer de^n solche
m der 1. Hd. auf Seite 24a (1432). Bl. 28b bis Bl. 30b sind von
einer Hd. besdirieben (1461); der letzte Absatz Bl. 32b stammt aus dem
Jahre 1463. Auf Bl. 31a bis 33 stammen wieder sämtliche Einträge von
Hd. B. Auf den folgenden Bl. wechseln die Handschriften sehr oft, fast
jeder Absatz rührt von einer anderen Hd. her. Das Datum der Auf-
stdlung der einzelnen Gesetze ist fast immer im Text selbst erwähnt. Der
in der € Beilage^ wiedergegebene Text befindet sich auf einem in das
hrgamemÜibdl des St. II. irrtümlich als Blatt 2 und 3 eingebunden ge-
^ßesenen Doppelblatt. Die Schrift ist, soweit nichts anders bemerkt ist,
rftca gleichzeitig mit der oben mit Hd. A bezeichneten.
^ Dnrehstrichen; darüber can».
8*
1
116 Überlingen.
Die Überschriften stammen fast aUe von einer Hd.y sie ist identisch
mit derjenigen^ weiche die Einträge aus den Jahren 1443 ff. El. 24
geliefert hat.
Die Paragraphierung rührt von Bearbeiter her, ebenso die Inter- \
pimktion^ die im Origifwl durchweg fehlt.
xxm.
König Sigismund verpftodet der Stadt Überlingen die Reichasteoer
von jährlich 850 Pfund Heller um 5000 Gulden Bheinisch.
1415 April 18. Ohne Ort
Wir Sigmund, v. G. g. Romischer kung, zft allen ziten merer des
richs, und ze Ungern, Dalmacien, Croacien etc. kung, bekennen und tfin
kunt offenbar mit disem brief allen den die in sehen oder hftren lesen.
Wann wir unsern und des heiligen Romischen richs, und nemlich des
heiligen concili, das man gegen wArtiklich in unserer stat zfl Costencz
haldt, anligunde und notdurftige Sachen und geschefte mit großem fliße
und sw&rer zerunge und koste getriben und gearbeit haben, t^Iich
triben und arbeiten, und des mit Gots hilfe nach allem unserm ver-
mögen fürbaß zu tän ganzen und vesten willen haben; und wann uns
die burgermeister, rate und burger gemeinlich der stat zu Überliog,
unsere und des richs liebe getrfien, von Iren rehten tröen und gftten
willen und ouch von unser sunderlicher begerung wegen, funftusend
Rinischer guter guldin gelihen haben, und die ouch in unsere und des
richs und der egenanten sache scheinbaren nutzen gewant und komen
sint, und wir sunderlich begerend sin, si derselben guldin sicher und
gewis zu machen, als das ouch billich ist, darumb haben wir mit gfiter
Vorbetrachtung und rate unser und des richs getrüen, für uns, unsere
nachkomen, Romische keiser und kunige, denselben burgermeistern, rate
und burgern der stat zu Überlingen und iren nachkomen, burgermeistern,
raten und burgern doselbs die gewonliche stewre, uns und dem riebe
iarlieh uf sant Mertins tag doselbs vallend, der mit namen vierdhalb-
hundert pfunt haller ist, für die vorgenanten funftusent Rinischer guldin
ingesetzt und in eins rechten pfandes wise ingegeben, setzen und geben
in die also in craft diß briefs und Romischer kuniglicher machtvol-
kumenheit und meinen und wollen, daz si die also in pfandes wise für-
baßmere unwiderruflich innehaben und alle iar uf sant Martins tag uf-
heben und in iren nutz keren und wenden, und damit tun und lassen
mögen, was in fi'iglich ist, von uns, unsem nachkomen und aller-
meniglich ungehindert, und daz si ouch daruf unser und derselben
unser nachkomen quittbrief nicht vordem oder warten bedürfen, als lang
und biß uf die zit, das wir oder unser vorgenante nachkomen an dem
Überlingen. 117
icbe die vorgenante stewr omb die egenanten funftusend Rinischer
uldin, genger und g&ber, von in oder iren nachkomen, burgermeistern,
ate und burgern der vorgenantenNstat ze Überling, on allen abslag der
i6tze, die si in der zit und die nit gelöst ist, davon innemen und haben
werden, gar und genzlich geledigt und gelftst und si oucb derselben
linftusend Riniscber guldin gewert und bezalt haben, und wir sagen
i ouch für uns und unsere nachkomen an dem riebe, Römische keisere
nd künge, der vorgenanten stewer eins iglichen iars, bis das solhe
)8Tmg beschehen ist, quitt, ledig und loß mit disem brief und meinen
nd sprechen, daß sie unser und unserer vorgenanten nachkomen quitt-
rieve, als lange und alldiewile und dieselb stewer nit gelftst ist, zu
emen oder zfi haben nit phlichtig sin sollen in kain weiß; und ob ouch
)mands brief über dieselbe stewer zfi Überling gegeben weren, oder von
eigessenheit oder ander sache wegen geben würden, meinen und setzen
m mit disem brief, das die denselben von Überlingen und der stat
n der obgenanten stewer und pfantschaft keinen schaden bringen in
Ihdn weiße. Ob in aber darüber iemands dheinerlei ansprach, vordrung
der ander sach zuziehen würde, darumb wollen wir ir fürstand und
^wer sin, als oft in des not beschiht, und si uns darumb ermanen.
)Qch sollen die vorgenanten burgermeister, rat und burger gemeinlich
ier statt zfl Überling, uns und unseren nachkomen an dem riebe der
orgenanten losung der stewer zu Überling umb die obgeschribene
umm ftinftusent Rinischer guldin an alles verzihen und widersprechen,
Uezit stat tun. Mit urkund diß briefs, versigelt mit unser kuniglichen
nhangenden maiestat insigel, der geben ist nach Cristi geburt vier-
ehenhundert iar und dornach in dem funfzehendem iare am nechsten
lonerstag vor sant Jftrgen tag, unser riebe des Ungrischen etc. in dem
leunundzweinzigisten, und des Romischen in dem fünften iaren.
Ad mandatum domini regis Jodocus Rftt Canonicus Basiliensis.
Perg, Chig. mit Siegel. L, A. Nr. 576. AbgedrucJct in Z. 0.
Srf. J22, S. 29f. Reg. in Altmann^ Die Urkunden Kaiser Sigmunds, Im-
ml 1896—1900, Nr. 1623.
XXIV.
^nig Sigismund verleiht der Stadt Überlingen als Reichspfandschaft
ieReichsmttnzstätteund andere Ffandschaften, welche die imManns-
bunme ausgestorbenen von Hohenfels vormals besessen hatten.
1415 Juni 30 Konstanz.
Wir Sigmund, v. G. g. Romischer künig, zu allen ziten merer des
chs und zu Ungern, Dalmatien, Croatien etc. küng, bekennen und || tun
unt offenbar mit disem brief allen den, die in sehen oder boren
118 ÜberÜDgen.
lesen: als den edeln . . .^ von Hohenfels unser und des richs inftntze
und mülene mit Iren zögehorungen und ouch etliche zinsen zft Über-
lingen von unsem vorfarn an dem riebe vor ziten versetzt und ve^
pfendet ist, widerlosung nach Inhalt der brieve, doruber gegeben, das
uns fürkommen ist, das die vorgenanten von Hohenfels mansgeslehte
von todes wegen all abgegangen sin, und das die vorgenant unser uiid
des richs mAntze von in in langer zit nicht geschlagen si, als sich ge-
bAret hette; wann wir nu nit meinen, das solich mAntze lenger ver-
altet und verlegen belibe, sunder fürbassmere, mitsampt anderer vo^
genannten pfantschaft, uns und unsem vorgenanten nachkomen in
redlichem wesen behalden werde, und nemlich, wann wir wol underrichtet
sin, daz die bürgere der vorgenanten stat Überlingen die vorgenant mftntze
und pfantschaft in redUchem wesen allerbast behalden mögen, und wenn»
uns ouch doruf tusent Rinischer guldin, die wir in unsem und des
richs knntUchen nutze gewant haben, bereit gelihen haben, zA dem,
dorumb solich pfandschaft vor versetzt ist, dorumb, mit wolbedachtem
mute, gutem rate und rechter wissen, haben wir denselben bürgern und
der stat zu Überlingen bevolhen, gegunnet und erloubet, bevelhen,
günnen und erlowben in ouch von Rfimischer künglicher macht, in
craft diß briefs, das si die vorgenant mAntze und mülene, mitsampt
iren rechten, nutzen und zAgehörungen, und ouch zinsen und anders,
das den vorgenanten von Hohenfels daselbs zu ÜberUngen versetzt ist,
nach Inhalt der briefe, dorüber gegeben, an unser stat und von unsem
und des richs wegen, umb solich summe, als si dann den vorgenanten
von Hohenfels versetzt sind, losen und die ouch in pfandswise für die-
selben summe und dorzü die vorgenanten tusend guldin innehaben,
und 011 allen abslag der nutze, davon fallende, innehaben, nutzen und
niessen sollen und mugen als lange, biß das wir oder unser nachkomen
an dem riebe solich pfantschaft umb die vorgenant smnme, darumb
si den von Hohenfels versetzt ist, und ouch die vorgenanten tusend
guldin von denselben von Überlingen ledigen und losen werden, solicher
losunge si ouch uns und denselben unsern nachkommen allzit gestatten
und gehorsam sin sollen, welich zite im jare das ist. Mit urkund diC
briefs, versigelt mit unserer küniglichen maiestat insigel. Geben zu
Costentz, nach Gristi gehurt vierzehenhundert jare und darnach in
dem fünfzehendem jare, des nechsten suntags nach sant Peters und
Pauls tag, unserer riebe des Ungrischen etc. in dem XXIX, und de^
Romischen in dem fünften jaren.
Ad inaudatuni domini regis Michael de Priest
canonieiis Wratislaviensis.
> Punkte im Original.
Überlingen. 119
Terg. Orig. mü gut erhaltenem Majestätssiegd König Sigismunds.
L Ä. Nr. 588. Abgedruckt Z. 0. Bd, 22. S. 31 f. Reg.: Altmann a. a. 0.
Nr. 1795.
XXV.
König Sigismund versetzt an die Stadt Überlingen die Biedmühlen
und die Mühlen am Oraben.
1417 März 18 Eonstanc.
Wir Sigmund, v. G. g. Römischer küng, zö allen ziten merer des
richs, und zu Ungern Dalmacien, Croacien etc. küng, bekennen und
ton kont offenbar mit disem brief allen den, die in sehen oder hören
lesen: Wann uns die burgermeister, rete und bürgere der stat zö Über-
lingen, unser und des Richs heben getrüen, durch unser sunderlichen
b^erung willen ein summe gelts, mit namen tusent Riniseber gülden,
af die mühnan, genant die Rietmülin, und die mülinan an dem Graben
lü Überlingen gelegen, und ouch uf den küngzins * daselbs gelihen
haben; und wann wir denselben von Überlingen gegunnet und erloubet
haben, dieselben mülinen und küngzins, die unser und des richs eigen,
und etwann den von Hohenfels und eim Truchsessen von Walpurg
umb genant summe marke silbers vor ziten ouch versetzt geweßt sind,
an sich und die statt Überiingen umb dieselben summen der versatzung
zft Iftßen, nach inhalt der itzgenanten unser vorfarn briefe denselben
von Hohenfels und Truchsassen dorüber gegeben. Und wann die itz-
genanten von Überlingen die vorgenanten mülinan und küngzinse von
der vorgenanten von Hohenfels erben an sich gelftßt und also ußge-
geben haben von erste hundert mark lötigs silbers, die seliger gedecht-
nÜ88 küng Rudolf etwann den von Hohenfels uf den vorgenanten
RietemüUnan, und darnach küng Adolf hundert und zwenzig mark
Silbers ouch uf denselben Rietmülinan gegeben und verschriben hatten,
und domach hundert marke silbers, die keiser Ludwig eim Truchsassen
von Walpurg uf den vorgenanten mülinan an dem Graben und küng-
zinse gegeben und verschriben hat, die die vorgenanten von Hohen-
fels vor ziten ouch an sich gelößt haben; das alles zusamen machet
dreihundert und zwenzig mark silbers. Doramb sollen und mftgen die
vorgenanten von Überlingen die vorgenanten mülinan und küngzinse
förbaßmere in pfandewise von uns und dem riebe innehaben, und die
nützen und niessen, als dann die vorgenanten von Hohenfels und ir
erben bisher getan haben, von allermenglich ungehindert, als lang, bis
das wir oder unser nachkomen, Römisch keiser oder küng, dieselben
^ Korrigiert aas: küngeczins.
120 Überlingen.
müllDan und küngzinse vou den vorgenanten von Überlingen umb die
vorgenanten tusend rinische gülden, und ouch die vorgenanten dri-
hundert und zwenzig mark lötigs Silbers ön abslag der nütze, die si
dann davon empfahen und haben werden, ledigen und l&ßen, s&licher
Iftßuug si ouch uns und s&lichen unsern nachkomen allzit gestatten
und gehorsam sin sollen, zft welcher zit im jare das ist. Mit urkuud
diß briefs, versigelt mit unser künglicher maiestat insigel. Geben zu
Costentz nach Crists geburt vierzehenhundert jare und dornach in
dem sibenzehenden jar, an dem aehtzehenden tage des mondes Mertzen,
unser riche des Ungrisehen etc. in dem drißigsten und des Römischen
in dem sibenden jaren.
Orig. Ferg. mit anhängendem haiserlichen Siegd (zerbrochen). St, Ä.
Abt. IV No. 59. Reg.: Altmann a. a. 0. Nr. 2119.
XXVI.
König Sigismund erlaubt Bürgermeister, Bat und Bürgern der
Stadt Überlingen mit Stimmenmehrheit für ihr Oebiet verbindliche
Satzungen zu machen.
1429 September U Preßburg.
Wir Sigmund v. G. g. Romischer kunig, z. a. z. m. d. r. und zu
Hungern, zu Beheim, Dalmatien, Croatien etc kunig, bekennen und tun
kund offenbar mit disem briefe allen den, die in sehen oder hören
lesen, daß wir angesehen und gütlich betrachtet haben getrüe und an-
neme dienste, die uns und dem heiligen riche die burgermeister, rate
und burger der stat zu Überlingen, unsere und des reichs lieben ge-
trden, ofte und dicke getan hant, teglichen tön und fürbaß zu tun
willig und bereit sind und wol tun sollen und mögen in künftigen
Zeiten, und haben dorumb mit wolbedachtem mute, gutem rate, unser
und des richs getrüen denselben von Überlingen und iren nachkomen
dise besunder gnad getan und freiheit gegeben, und in gegunnet und
erloubet, tun, gunnen, erlouben und geben in die von Romischer kunig-
licher machtvoUkomenheit, mit rechter wissen in craft diß briefs, das
die burgermeister und rate derselben stat zu Überlingen, die jetzund
sind und in künftigen zeiten sein werden, oder der merer teil under
in in derselben stat und in iren zugehorungen, gebieten und etter
in allen Sachen, setzen und ordinieren mögen, was si nach erkentnus
des rates daselbst oder des merern teils under in uf ir eide notdurft
und besser getan dann gelassen wirt, dünken sein; und was si denne
also setzen, ordnen und erkennen, das soll in der stat zu Überlingen
und in derselben stat gebieten und etter bei in von jedermann gehalten,
Überlingen. 121
volfÄret und gegeben werden one Widerrede, intrag und alle hinder-
nuße eins iglicben, unsehedlich doch uns und dem riebe und sust
iedermann an seinen reebten. Mit urkunt diß briefs, versigelt mit unser
hmglichen maiestat insigel. Geben zfi Preßpurg nacb Crists geburt
viizehenbundert jar und dornach in dem neunundzweinzigisten jare an
dem heiligen creuz tag exaltationis, unser riebe des Hungrischen etc.
in dem dreiundvirzigisten, deß Romischen in dem neunzehenden und
des Behemischen in dem zehenden jaren.
Ad mandatura domini regis
Caspar SUgk.
Perg. Orig. mit Siegel an einem Pergamentstreifen, L, A, Nr. 661,
Ahdr.: Lünig, a. a, 0. Bd. 14, S. 542. Reg,: Altmann a. a. 0. Nr. 7426.
xxvn.
übereinkommen König Sigismunds mit der Stadt Überlingen über
die Behandlung der Judenschaft wegen der Ermordung eines Knaben.
1430 Juli 14 Wien.
Wir Sigmund, v. G. g. Romischer kunig, zu allen zeiten merer
des reichs und zä Ungern, zfi Behem, Dalmacien, Kroacien etc. kunig,
bekennen und tun kunt offenbar mit disem brief allen den, die in
sehen oder boren lesen: als die judischeit in unsern und des reichs
steten in Swaben, nemlich zu Ravenspurg, Überlingen, Costentz, Lindaw
und in andern, durch mordes willen, den si an einem knaben be-
gangen haben, in gefenknuß komen sein und durch soliche zeugnuß
und bewisung, die uf si gescheen ist, daz si solicbs mordes schuldig
sein, als wir underwist sein, uns und dem heiligen Romischen riebe
leibs und güts verfallen sein, und als nu etliche stett über ire Juden
doramb gericht haben, also sein wir mit unsern und des richs lieben
geträen, dem burgermeister, rat und burgern der stat zu Überlingen,
die ir volmechtig botschaft dorumb zu uns getan haben, umb soHchen
feil, als uns dann die judischeit bei in leibs und güts verfallen ist,
genzlicb überkomen und eins worden, daz si uns dorumb ein ganz
genugd getan haben, also daz wir denselben burgermeister, rat und
burgern ganzen gewalt und macht geben in craft diß briefs, daz si
uiit denselben Juden und judinnen, die ietzund bei in und in irer stät
sein, handeln und faren mögen und sollen, als recht ist, und als sich
das heischen und gebAren wirt. Sunderlich mit aller irer hab und
gut, es sei ligend oder farend, pfandschuld, oder was das sei, nichts
ußgenomen, sollen und mögen si in iren und irer stat nutz wenden
und damit handeln und tun, als wir das selber getun mochten und
122 Überlingen.
sollen, wie in das gefallen wirt und wir, noch iemand von unsern
wegen sol si doran hindern, noch in dorein greifen in dhein weis,
sunder wir sollen derselben Juden und ires güts ganz ledig sein. Es
ist ouch sonderlich beredt worden: wer sache, daz man über die Juden
bei in richten, oder aber si umb ir hab und gut schätzen wfirde, also
daz si nimmer daselbs zö Überlingen wonen und sein würden, so geben
wir von Romischer kuniglicher macht in craft diß briefs dem spital
zum Heiligen Geist zu Überlingen und den armen leuten dorin wonen-
den durch gotes und unserer sele selikeit willen alsdann der freithof
oder die stat der begrebnuß, do sich die Juden daselbs zfl begraben
pflegen, also daz si damit t&n und handeln nach nutz des spitals ob-
genanten. Und wir gebieten dorumb allen und iglichen unsern und
des heiligen reichs undertanen und getrüen, in welichem adel, wirden
oder wesen die sind, ernstlich und vesticlich mit disem brief, daz si,
die egenant von Überlingen an solichen unsern bevelhnußen nit hindern
noch irren in dhein weis, sunder in dorinne behülflich und fürderlich
sein, als lieb in sei, unsere und des richs swere ungnad zö vermeiden.
Mit urkund diß briefs versigelt mit unserer kunigUchen maiestat insigel.
Geben zfi Wienn, nachs Crists geburt vierzehenhundert jar und domach in
dem dressigisten jare, am fritag nach sant Margarethen tag, unserer
riebe des Ungrischen etc. im vierundvierzigisten, des Romischen im
zweinzigisten, und des Behemischen im zehenden jaren.
Ad mandatum domini regis
Caspar Sligk.
Perg. Orig. mit Siegel an Pergamentstreifen. St. Ä. AU. V. Nr. 66.
Vidimiis des Rats von Konstanz v. 1441 Reg.: Altmann a, a. 0. Nr. 7726.
XXVIII.
König Sigismund spricht die von Überlingen von allen Forderungen,
die er an sie der Juden wegen hat, los.
14)U Januar 20 Konstanz.
Wir Sigmund, v. G. g. Römischer kunig, z. a. z. m. d. r. und
zu Ungern, zu Behem, Dalraacien, Croacien etc. kunig, bekennen und
tun kunt offenbar mit disem bief allen den, die in sehen oder hören
lesen: Als wir etliche Zuspruch und vordrung an die burgermeister, rat
und bürgere der stat zu Überlingen, unsere und des richs liebe getrüen,
gehabt haben als von der judischeit wegen, die si verbrant haben, und
von des frithofs wegen, also haben si unser gnad und huld gefunden,
daz wir mit in dorumb und ganz verriebt sein, und sollen in des hin-
Überlingen. 123
für in Ungnaden nit gedenken, und si sollen ouch bei den gaben be-
leiben, die wir in vormals zu Wienn gegeben haben. Und dorumb, so
sagen wir die egenanten von Überlingen alle und ir iglichen besunder
aller solicher vordrung und züsprüch für uns und unsere nachkomen
und alle unser amptleut quid, ledig und loze mit disem briefe. Mit
urkund diß briefs versigelt mit unserer kuniglichen maiestat insigel.
Geben zö Costencz nach Crists gebürt vierzehenhundert jar und dornach
in dem einunddrissigisten jare, an sant Sebastiani und Fabiani tag,
unserer riebe des Ungrischen etc. in dem vier und vierzigisten, des
Romischen in dem einundzweinzigisten, und des Behemischen in dem
eiUten jaren.
Ad mandatum domini regis houptmarschalk de Pappenheim referen.
Caspar Sligk.
Perg, Orig, mit abgerissenem Siegel, St. Abt. V. Nr. 67. Ebenda
eine vom Bat jzu Konstafus vidimierte Kopie. Reg.: Altmann a. a. 0. Nr. 8239.
XXIX.
Kaiser Sigismund bestätigt die Befreiung der Stadt Überlingen von
fremden und auswärtigen Gerichten.
1433 Oktober 30 Basel.
Wir Sigmund, v. G. g. Romischer keiser, z. a. z. m. d. r. und zu
Hungern, zö ßehem, Dalmacien, Croacien etc. kunig, bekennen und
tuen kund oflFembar mit disem brief allen den, die in sehen oder hören
lesen, das zu uns gesandt haben unsere und des reichs lieben getrüen,
der burgermeister, rat und burger der stat zu Überlingen ir erbere bot-
schafl und haben uns fürbringen lassen: wiewol si und die stat zu
Überlingen von alters her von unsern vorfarn, Romischen keisern und
kunigen gefriet und begnadet sein, das niemands, wer der sei, der zu
iren burgern doselbst zö sprechen hat oder gewinnet, das der recht
von in nemmen sol vor einem rat doselbst zu Überlingen; jedoch so
werden si und ir gemein stat zu zeiten fürgenommen und mit fr6mden
gerichten bekömert, nemlich wanne soHche sachen gemein stat an-
triffet, und haben uns demöticlich angerufen und gebeten, si und ir
gemein stat dafür ouch zu frien und zu begnaden, damit si soUcher
intreg überhaben werden. Des haben wir angesehen solich ir demütig
bete und ouch anneme getrüe dienst, die si uns und dem reich getan
haben und hinfür tun sollen und mögen, und haben in dorumb von
Römischer keiserUcher macht dise gnad und freiheit getan und gegeben,
t&n und geben in die von Romischer keiserlicher macht und gewalt
124 Überlingen.
in craft diß briefs: also das niemands, in welchen wirde, State und
eren der sei, die gemein stat z& Überlingen fiir frftmde gerichte, wo die
sind fürheischen, fordern, oder laden solle noch möge, sunder, wer zt
gemeiner stat zu sprechen hat, der soll recht nemmen und suchen vor
unser und unser nachkomen Romischer keiser oder kunig maiestat,
oder vor eins reichs lantvogt in Swaben, der die zeit sein würde, oder
vor einem rate diß nachgeschriben reichs stete einer, nemlich Costenz,
Lindow oder Ravenspurg, an derselben vorgeschriben stet einer, die
vorgenanten von Überlingen einem iglichen, der zft in von gemeiner
stat wegen zu sprechen hat, des rechten gesteen und uswarten sollen,
und mindert anderswo. Ouch von sunderlichen unsern keiserlichen
gnaden haben wir den obengenanten burgermeister, rat, burgern und
stat z& Überlingen dise besunder gnad getan und freiheit gegeben, tnn
und geben in die von der egenanten unser keiserlichen macht und
gewalt in craft diß briefs: wer zu ir gemeiner stat eigen lüten oder
derselben stat burger eigen lüten, und die in der stat Überlingen ge-
richten sitzen, zu sprechen hat, das der recht von ir nemmen sol vor
den geriehten, dorinne dieselben ir aigen lüte sitzen, und nindert
anderswo, es wer dann, das dem cleger oflFentUch recht in denselben
gerihten versagt würde, so mag der cleger anderswo das recht furba8
sfichen an den steten, do das billich ist. uns haben ouch die itz-
genante burgermeister, rat und burger der stat zfi Überlingen fürbracht,
wie sie ein Wechsel umb ctlich gut an Ramßperg gehörend, das von
uns und dem reich pfand ist nach lut der brief dorüber gegeben, ge-
tan haben, gen den von Jungingen, Benzen von Kunigsegk, und
Mollin Truchsessen, und uns demfiticlich gebeten, unsern willen und
verhengnuß dorzü zu geben. Des haben wir angesehen solich ir bete,
und das si das dem reiche zu nutz getan haben, und haben dorumb
unseren willen und verhengnuß darzue geben, geben von Romischer
keiserlicher macht in craft diß briefs beheltnuß alzeit dem reich der
lozung nach lut keiserlicher und kuniglicher brief dorüber gegeben.
Und wir gebieten dorumb allen und iglichen fürstcn, geistlichen und
wertlichen, graven, frien, herren, rittern, knechten, lantrichtern, richtern,
vogten, amptlüten, schultheissen, burgenneistern, reten und gemeinden
und sust allen andern unsern und des reichs undertanen und getrüen
von Romischer keiserlicher macht und gewalt ernstlich und vesticlich
mit disem brief, das si, die vorgenante burgermeister, rat, bürgere und
stat zu Überlingen an den vorgeschriben unsern gnaden, freiheiten,
verhengnuß und willen nicht hindern oder irren in dhcin weiß, sunder
si der getrulich gebruchen und geniessen lassen, als lieb in sei, unser
und des reichs swere ungnade zu vermeiden. Mit urkund diß briefs,
Überlingen. 125
veisigelt mit unser keiserlichen maistat insigel. Geben z& Basel nach
Ciists geburd vierzeheuhundert jar und dornach in dem drei und drissi-
gisten jare am freitag nach Simonis und Jude tag, der heiligen
zwelifboten, unser reiche des Hungerischen etc. im siben und vier-
zigisten, des Römischen im vier und zweinzigisten, deß Behemischen
im vierzebenden, und des keisertumbs in ersten jaren.
Ad mandatum domini imperatoris Caspar Sligk miles, cancellarius.
Perg, Orig. mit Siegel an schwarzgelhcr Seide, L. A, Nr. 694.
Äbdr.: Lünig, a. a. 0. Bd. 14, S.542. Reg.: Altmann a. a. 0. Nr. 9717.
XXX.
Von den Pflegern und dem Meister des Spitals zu Überlingen fest-
gestellte Satzungen mit Straf bestimmungen der spitälischen Gerichte
in einigen spitälischen Dörfern bei Überlingen.
15. Jahrhundert.
Sematingen.
Anno domini etc. XLIIIo. 1443.
Das gericht ze Sematingen, zwing und benn, wunn und waid
ÖDt des spitauls ^
Die pfleger und der spitalmaister ze Überlingen hont das gericht
ze Sematingen mit zwßlf gesworen richtern, die da richten sont dem
annen als dem riehen ungevarlich, und mögent och si widerrufen, wenn
Ä wend, fln menglichs von ir wegen irrung.
Es hont öch die pfleger und maister des spitals dis nachgeschriben
Satzungen gemachet und geordnet; wä.r die überfert, der sol busfellig
sin als hienäch geschriben stat.
1. Die erst Satzung ist: wer den ander mit gewafneter band
schlecht, der ist dem spital 3 ff ^ vervallen.
2. Die ander Satzung ist: wer den andern überloft in sinem hus
oder uf dem sinen nachtes önwiderset, der ist dem spital 10 ff ^
vervallen.
3. Die dritt Satzung ist: wer uf den andern messer oder ander
Waffen zukt oder erhebt, der ist 3 ff ^ dem spital vervallen.
4. Die vierd Satzung ist: wer dem andern sin kom ald sin wisen
nacht oder tags abschnit oder fretzet, alder sin winber abbricht, oder
sin ops aed sin holz abhowet, was in sin gut gehört, ald ainer dem
andern sin vich ze tod schlecht, der ist dem spital 3 ff ze rechter büß
und pen vervallen.
5. Die fünft Satzung ist: war mist, hftw, stro oder holz verkoft,
der kumpt umb ieden karreu, als dik er daz tot, umb 10 jj ^.
1 ^ Hier ist die Schrift vollständig abgerieben.
126 Überlingen.
6. Die sech8[t]8atzung: w&r der ist, der dem andern uf ein aig
oder lehen stelt, der ist 10 ff ^ vervallen.
7. Es ist öch mit gemainer urtail aller richter gesetzt: w&r (
ist, der den richtern oder iren ainem besunder von des gerichts weg
an ir er ret oder tot mit Worten oder mit werken, der ist dem spi
vervallen 3 ff ^, und den richtern oder dem er an sin er ret, och
rechter pen und büß 3 ff ^.
8. Es ist och furo me mit gemainer urtail des gerichts geset
war der war, der den andern heißet liegen, es sig an gericht oi
anderswa, und sich denn erfint, das er disem unrecht getön hat, (
ist . . .^ vervallen dem spital und richtern 8 ß ^.*
9. Item es ist gesetzt: welher win schenken wil in dem dorf, •
sol mit der richter willen schenken, und sol &llü jar die miß ph&ch
und den brand ofFenlich daran hän; w&r aber, daz ainer ain ze kh
m?iß het, und den lüten nit das recht und die rechte m&ß gab, <
ist dem spital 10 ff ^j vervallen.
10. Item me setzent wir: wenn man die richter weit, und si (
gericht schwerent, das si denn in denselben aid nement: wa si hfire
das sich ze unfrüntschaft zühet oder sehent, es si wort oder w^erk, o(
eß kSm si suß für haimlich oder offenlich, es werd klegt oder nit, aim
richter oder me, oder dem der an des spitals statt hie in dem hus i
so sond si frid gebieten, si all oder ieglicher besunder, es wachs 1
von wiben oder mannen, an 15 ff ^j, das si frid schaffint und geb
ze beden siten für sich und für menglich von ir wiegen uf ain rec
Und wer och \vj\r, der des überwunden würd am rechten nach erka
nüß der richter, der rieht die büß, als vorgeschriben stät, und wdrt d<
spital 10 ff ^, und den richtern 5 ff ^J oder dem dorf, oder w&r s(
haft ist daruf, und von dem dorf wichet.
11. Item w^er der ist, der schenkt erkoft wdn, der ist dem spi
verfallen 1 malter haber.^
12. Item wir setzent öch: wenn der richter ze gericht gesessen ist, \
denn der ist, der den andern haist liegen offenlich an dem gericht, u
des überwunden wirt am rechten, der richts mit 1 ff ^; da wirt d
si)ital 15 jS ^ und den richtern b ^ ..j.
13. Item me setzent wir: w^a ains das ander haist liegen in üns<
gerichten, zwingen, oder bennen,* und das ze klag kumpt für ain rec
der rieht es mit 9 jj „j, dem spital mit G ji ..J und den richtern mit 3 ß
* Hier sind einige Worte ausradiert. — ^ Der ganze Absatz ist durcbstricl
' Dieser Absatz von anderer Hand, ebenso die beiden folgenden. •— * Am Rand: ^
oder waid.
Überlingen. 127
14. Wir^ zimren wil und was er rimerholz hßwet zft sant
Martis tag, das sol zu sant Walpurg tag verzimert sin, und was er howet
zfi sant Walpurg tag, daz sol verzimert sin zu sant Jacobs tag, und
was er howet zu sant Jacobs tag, daz sol zu sant Martis tag verzimert
MD, und alz dik er daz Übersicht, derkompt ön gnäd umb l U ^.
15. W&r der ist, der da schenkt und win koft, der sol an ainem
ßder gewinnen in dem summer 30 ß ^, 5 ß ^ minder oder mer an
gevird, und an dem winter 2 0f, 5 (J ^ minder oder mer an gevärd,
und sol die m&ß uf den tisch setzen und so dik er daz übervert, den
sol ain gericht strafen umb 1 0f ^ an gnäd.
16. W&r der ist, der den andern übereret oder überzünt über offen
marken, der rieht 1 0f ^ ön gnäd dem dorf und dem spital sine recht.
17. W&r der w&r, der an dez dorfs alman stiessi, oder dem dorf daz
sin anvieng oder rüti öne ainen undergang, der ist verfallen \ U ^,
18. W&r* der ist, der da ain varit pfand vor ainem geschwornen
amptmann insetzt, der dez nit halt in allen ünsern gerichten, der ist
dem spital verfallen 3 £ ^.
19. Wir der ist, der da ain ligend pfand vor ainem geschwornen
amptmann insetzt, und daz nit halt in allen ünsern gerichten, der ist
dem spital verfallen 10 !? ^.
Disendorf.
Dis sint die benn dez gerichtz ze Disendorf:
1. Die erst Satzung: w&r verkoft ainen karren^ mit mist, der ist
vervallen dem spital 5 ji ^.
2. Wir verkoft ain burdi hßw alder ain burdi strow, der ist 6 ^
vervalfen.
3. Item wir verkoft ainen karren mit holz, der ist vervallen
4. Die vierd Satzung: w&r ainen karren mit aichin holz verkoft,
der ist vervallen 10 ß ^.
5. War ain burdi holz verkoft, der ist vervallen 6 ^.*
6. Item w&r ainen karren mit hftw alder strow verkoft, der ist
vervallen 5 ^ ze büß und pen.
7. W&r den andern mit den fünsten schlecht mit truken straichen,
der ist verfallen l U ^ etc.
8. W&r den andern schilt mit scheltworten, der ist vervallen 5 ji ^.
^ Dieser und die folgenden Absäize sind von späterer Hand nachgetragen und
sieben im Original hinter den Bestimmungen für Ematsreute, wohin mit einem Zeichen
▼erwiesen ist. — " Die beiden folgenden Absätze von verschiedenen Händen. — ' Auf
Karor. — * Dieser Absatz ist durchstrichen.
128 Überlingen.
9. Item w&r uf den andern mit gewafnater band schlecht, der
ist dem spital vervallen 3 f( ^,
10. Item w&r den andern schlecht mit fünsten und truken straicben,
der ist 1 0f ^ vervallen.
11. Item w&r der ist, der dem ander[u] bi nacht oder bi nebel sin
graß oder körn absehnit, oder ops abiist, oder winber abschnit, der ist
verfallen 3 0f ^.
12. Und die zwing und benn gand als verrals ir tart, wun oderwaidgäi^
13. Item wer der ist, der dem andern das sin fretzet, es sig kom,
gras etc. bi nacht und bi nebel, der ist vervallen 5 fif ^.*
Denkingen.
1496 Dis sint die Satzungen des gerichtes ze Denkingen, als der spital-
maister von Überlingen und der jung Nübrunner von PfuUendorf gesetzt
und versetzt hont anno Domini MCCCC<>LXXXXVP.
1. Die erst Satzung ist: w&r dem andern in sinen gebannen, wisen
und gerden und akkers vert und etzet und schaden tut, der kumpt von
iedem höpt tags umb 2 ji ^', nachts umb 3 ji ^, als dik er daz tftt
was hoßlkker und wisen haissend und sind, es sig an samen in den
witraitenen oder in den hofäkkern.
2. Item die ander Satzung ist: war den andern schelkt mit bfisen
Worten und red, der ist dem gericht vervallen 5 (J ^.
3. Item die drit Satzung ist: war den andern schlecht mit truken
streichen an gewafnet band, [das er blütrünsig wirt],* der ist dem
gericht vervallen P 'S ^j.
4. Die vierd Satzung ist: w5t den andern schlecht mit gewafnater
band, daz er blütrüsig wirt, der ist dem gericht veiTallen 3 fC ^.
5. Item die fünft Satzung ist: welhem richter an dem abent
fürgebotten wirt, und an das gericht geruft wirt und nit kumpt, der ist 3 J ^
vervallen, es w&r denn, das er ehafti not mftcht und künd erschainen.
6. Item die sechs Satzung: war der war, der den richtern gemain
oder ainem besunder, an ir er retti oder sprächi, oder daz gericht valschti,
und verschmachti, der ist vervallen 10 U ,*jy als dik er es tut.
7. Item die sibent Satzung ist: wer holz verkoft, der kumpt von
ieglichem karren vol umb 3 jj ^, alz dik er es tut.
8. Die acht Satzung ist: war in den bauh61zer[n] holz howet, der
kumpt von ainem karren vol umb 3 |J .J, alz dik er es tfit.
» Dieser und der vorhergehende Absatz von anderer Hand. Der letztere ist
durchstrichen. — ^ Von anderer Hand. Ein weiterer Absatz ist vollständig ausradiert. —
^ Auf Rasur. — * Die Worte von [bis] durchstrichen. — * Auf Rasur.
Überlingen. 129
9. Item die niind Satzung: wer gen dem andern dringet Mven-
lich An zuken, der ist verfallen 10 ß ^^.
10. Item die zehent Satzung ist: wer über den andern wäffen zukt
oder erhept, der ist verfallen 1 6f ^.
TtC
iE
Bambergen.'
Es ist ze wissent allermenglich, das Hans Bessrer und Ulrich Griner j^^^^^ ^g
liant entschaiden uf sant Hilarien tag im XXXII jaur, das unser vier
maiger ze Banbergen sftllent nit me denn ainer sechs karren vol mist
füren, als si denn es gef&ren mflgent mit iren rossen in ir aigen wingerten.
Och mflgent si wol strow behalten, damit si ir reben ufgeheften mügent,
und das übrig sftllent si uf den güttem beliben laussen; das band die
vier maiger verhaissen und gelopt für sich selber und für alle ire hus-
gesint ze halten etc.
Bambergen.'
Die zwing und benn ze Bambergen sint gesetzt als hie ge-
schriben stat etc.
1. Wer verkoft ainen karren mit mist, der ist vervallen dem
spital 5 ß ^.
2. Item wer ainen karren vol holz verkoft, der ist vervallen 3 ji ^.
3. Item wer verkoft ainen karren mit aichin holz, der ist ver-
vallen 5 (J ^.
4. Item die vierd Satzung: wer verkoft ain burdi holz, der ist
vervallen 6^.
5. Item w&r verkoft ainen karren vol strow alder hftws, der ist
vervallen 5 (i ^.
6. Die sechs Satzung ist: wfir den andern schilt mit scheltworten,
der ißt vervallen 5 ji ^.
7. Item w&r den andern schlecht mit gewafnater Hand, der ist
vervallen 3 ff ^ tags, es si messer, k&nten, tremel, stangen, stain, isen
oder holz*. .
8. Item wer der ist, der dem andern das sin fretzet, es sig körn,
gras etc., bi nacht und bi nebel, der ist vervallen 5 U ^^
9. Wer ain burdi mit strow oder hftw verkoft, der ist dem spital
6 ^ vervallen.
> Dieser Abtatz, ebenso der nächste, von anderer Hand. — > Dieser Absatz von
»aderer Hand. — • Von „es si** von anderer Hand. — ♦ Das folgende wieder von
der ursprünglichen Hand. — > Dieser Absatz von anderer Hand.
Oberrheinische Stadtrechte. H, 2. 9
180 Überlingen.
Item wer den ander überloft nachts mit gewafnoter hand, oder
ain sin tören Mvellichen ufstosset, der ist vervallen dem spital \0 fi ^K
Siggingen.
Der spital von Überlingen het die zwing und benn ze Siggingen nnd
mag daz gerieht besetzen mit 12 gesworen richtem, wenn man richten will.
Item diß sind die Satzungen des gerichts ze Siggingen:
1. Die erst: wer den andern schlecht, er sig frow oder man, mit
truknen streichen, der ist verfallen dem spital 1 U ^.
2. Item die ander: wer den andern schlecht mit gewäfihoter band,
der ist dem spital verfallen 3 £ ^.
3. Item die dritt: wer dem andern sin graß oder körn absdmidet
bi nacht und bi nebel, der ist verfallen dem spital 3 ff ^.
4. Item die vierd: wer den andern überloft in sinen hus, oder
sinen türen uflFstosset Mfelich, der ist dem spital verfallen 10 ff ^,
5. Item wer der ist, der den richter allen [oder] ieren aim be-
sunder an sin er redti, der ist verfallen dem spital 10 ff ^.
Item die zwing und benn ze Hernatzrüti sind des spitals mit
den nachgeschriben Satzungen des gerichts ze Hernatzrüti, ut sequitur,
und sol daz gericht besetzen mit 12 richtern.
1. Die erst Satzung ist: w&r verkoft ainen karren mit mist, der ist
vervallen 5 jj ^.
2. Item wer verkoft ainen karren mit holz, der ist vervallen 3 jj ^.
3. Item war verkoft ainen karren mit aichim holz, der ist ver-
vallen 10 ji ^.
4. Item wer verkoft ain burdi holz, der ist vervallen 6 ^.*
5. Die fünft Satzung: wer verkoft ainen karren mit strow oder
mit höw, der ist vervallen 5 (i ^.
6. Item die sechts Satzung: war verkoft ain burdi mit strow alder
mit hftw, der ist vervallen 6 ^.
7. Item wSj den andern schilt mit scheltworten, der ist vervallen
[der ist verfallen]^ & |i tf-
8. W&r den andern schlecht mit gewafnater hand, der ist ver-
vallen 3 ff ^.
Orig, FergamenÜihdl mit 10 Blättern, davon 9 beschrieben. Auf der
Eückseite steht: Dorffofnung, Spital- Archiv Überlingen, Abt. L Nr. 2,
Abdr. Z. 0. Bd. 17 S. 149 ff.
^ Ein folgender Absatz stimmt mit dem ersten über «Bambergen» mitgeteilten
wörtlich überein, ist deshalb im Original durchstrichen.
« Dieser Absatz ist durchstrichen. — * Von [bis] durchstrichen.
Überlingen. 131
XXXI.
Schlichtung von Spännen zwischen dem Grafen Johann von Werden-
berg und der Stadt Überlingen wegen Gericht^ Zwing und Bann.
1456 Juli 1 (ohne Ort).
Wir, diß nachbenempten Hanns von Liustetten, der zit vogt zum
Hailigenberg, Hanns Ruch und Ulrich Blaurer, bald burger zu Costentz,
bekennen öffentlich und tund kunt allermenklich mit disem brieve von
der spenn und zwitracht wegen, erwachsen und uferstanden entzwischen
dem wolgebornen herren grauf Johannsen von Werdenberg, herre zum
Hailigenberg etc. unserm gn&digen herren, ainstails, und den fürsich-
tigen und wisen burgermaister und r&te der statt Überlingen, deß andern
tails. gericht, zwing und benn berürende, so dann die gemelten von
CrberUngen und die iren zu der herrschaft zum Hailigenberg ligen band,
und der ietzgemelt unser gn&diger herr, grauf Johanns von Werdenberg,
den von Überlingen vorgenant, als si vermainen, inen mit den hohen
gerichten in ire niedem gericht griffen hab witer, denn im zu tünd ge-
pÄre, da aber sin gnaud deß nit vermaint, das wir mit baider parthien
gunst, willen und wissen und och von ir gepett wegen so vil darzfi
geredt und si umb sftUich ir spenn in der gütUchait bet&diugot haben,
uf form, so hernach begriffen staut:
Des ersten: als die von Überlingen in mainung gewesen sind, das
der wolgebom herr grauf Johans von Werdenberg etc., unser gnädiger
herre, mit den hohen gerichten inen in ire nidern gericht griffen
hab witer, denn sich zu tünd gebore, da aber sin gnaud vermaint: nain,
da haben wir beredt und bet&dingot, das der genant grauf Johans von
Werdenberg, sin nachkomen oder sin vögt, mit den hohen gerichten
richten und straufen miigent, alles das, das ainem mentschen an sin
lib und leben und an sin ere, oder zu hut oder zu haur gaut.
Danne von der herlichait och deß vorsts und wiltpands wegen, da
sol es beliben und bestan, als das von alter herkomen ist. Furo
denn, als von der nidern gericht wegen, haben wir aber beredt, das
die von ÜberUngen in iren gerichten mügent haben bott und verbott,
vmd mfigent och in irem dorfetter all fräfiinen, fliessend wunden wol
straufen, ussgenomen das, so in den hohen gerichten zugehört, und
in den ussern etter, als verr ir zwing und benn griffent und gänt,
mflgent dieselben von Überlingen och all fräflinen wol straufen, uss-
genomen fliessent wunden und das, so denn die hohen gerichten
zfigehftret, und das sol und mag der oftgenant unser gnädiger herr,
grauf Johans oder sin nachkomen und v6gt in dem ussern etter
straufen. Und als denn die von Überlingen vermainend, das sie gefrigt
sigend von Römischen kaisern und künigen, das si zu schädlichen
9*
132 Überlingen.
lütten usserthalb ir statt griffen, die darin fauhen und ziehen mflgend,
und mit den gefaren nach recht, da aber der wolgeporn grauf Johanns
yermaindt, das sin graufschaft in sAlicher maß herkomen sige, das inen
das zft tünd nit gepüre in siner herrlichait, von des stucks und arückels
wegen haben wir nichtzit beredt noch betSdinget und wftUent in mainung
sin, das das nit not nott^ sie. Und won baid parthien vorgenant diser
unser gfitUchen sprach und entschidung willig und benügig gewesen
sind, uffzenemen diesen biefe, der geben ist uf domstag nach
sant Petters und Pauls tag der haiigen apposteln in dem jaure, als
man zalt von der gepurt Cristi, unsers heben herren, thusent vierhundert
sechsundfunfzig jaure.
Ferg, Orig. mit 4 Siegeln der hetden Tädingsleute und der beiden
Parteien, je an einem Pergamentstreifen, St Ä, Abt. LXXIIL Nr. 2097.
Regest im Fürstenbergischen Urkundenbuch (F. ü.) Bd. 6. S. 177.
xxxn.
Hitglieder des Bats von Eonstanz schlichten Streitigkeiten zwischen
dem Grafen Johannes von Werdenberg und denen von Überlingen
wegen der Gerichte^ Zwinge und Banne.
1459 Februar 15 Überlingen.
Wir, dis nachbenempten Ulrich Blarer, burgermaister zu Costentz,
und Conrat Schatz, des rauts daselbs, bekennen ofFenUch und tönd
kund allermenglich mit disem briefe: Als dann z wüschen dem wolge-
pornen herren grave Johannsen von Werdenberg etc., unserm gn&digen
herren an einem, und den ersamen wiseu burgermaister und raute der
stät Überlingen, unsern guten fründen, des andern tails, etwas spenn
und zwiträcht erwachsen sind von wegen gericlit, zwing und binn, so
dann die vorgenanten von Überlingen in der gräfschaft zum Hailigen-
berg ligen händ, das wir baid obgenant zwüschen baiden vorgenanten
parthien von bevelhens wegen unser herren und guten fründe, ains rautz
zu Costentz, euch von baider parthie gebette wegen, ainen früntUchen
unverbunden gütUchen tag uf hüt, den tag, als diser briefe geben ist, ab-
gerett und gen Überlingen in die stät gesetzt, so vil zwüschen in ge-
rett, und si umb sölich ir spenn in der gütliche und mit irm wissen
verainet, und umbe dis nachgeschriben stuck betädingt haben uf die
form, so hernach geschriben staut:
Des ersten, als dann der vorgenant unser gnadiger herre, grave
Johanns von Werdemberg, vermaint hat, das die vischentz in der Ach
> Sic!
Überlingen. 133
zü Siggingen in zwing und in b&nn sinen gnaden zfigehAren sftlt, ist
bereit, das der spittaul zu Überlingen nach lut eins briefs dabi beliben, und
der genant unser herre, grave Johanns von Werdemberg, denselben spittal
daran ungehindert laussen soI. Und als dann der jetzgenant unser gnädige
herre, grave Johanns, vermaint hat, im solle das gericht zu Kriewangen
zAgehftren, ist aber berett und get&dingt, das es gen Siggingen und dem
ber&rten spittal zugeh&ren, und in daran ungesumpt laussen suU. Furo,
als dann unser gn&diger herre, grave Johanns, aber vermaint und vor
im gehept hat, sin gnäd s511e die pl&tz in der von Überlingen gerichten
in der gräfschaft zfim Hailigenberg gelegen besetzen und entsetzen, ist
sin gnäd erbetten, das er davon gestanden ist, und hinfür die jetz-
genanten von Überlingen und die iren daran ungesumpt wil laussen.
Und als dann die vilgenanten von Überlingen bisher in irn zwingen
und b&nnen von des genanten unsers herren, grave Johannsen, v>en
und amptlüten in underg&ngen gehindert sind mit dem, das si vermaint
haben, si sfilten den underg&ngem den aid geben, ist berett, das der
von Überlingen amptlüt, an wftlhen enden es in not wirt zu under-
gän, zwüschen inen und den iren in dem iren den aide geben s611ent
unegesumpt des benanten unsers gnädigen herren, grave Johannsen,
siner vftgt und amptlüte, es were dann, das si oder die irn an
ander lüten gfite stiessen, die nit die im weren, so sollen si ainem
vogt oder amptmann gen dem Hailigenberg enbieten, die sftUen une
hinderungj zü dem undergang keren, die aide geben, und sunst dehain
gebotte dabi thün. Ob si aber nit kommen oder hindrung darinne
tun wWten, so sftUen der gemelten von Überlingen amptlüte dannzümäl
di aide der v> und amptlüte halb zCim Hailigenberg ungestraft geben,
damit der undergang nit gehindert werde. Dann, als unser gnädiger
herre obgenant in mainung gewesen ist, das die von Überlingen vor-
genant in iren gerichten dehain aventüre ußgeben sölten, dann mit
siner gnaden erloben von dem stuck, wir sin gnäd aber gütlich gewiset
haben, und mögen die von Überlingen in iren gerichten wol tun. (Der
nächste Punkt betriflfl einen speziellen Rechtsfall zu Siggingen.) Dann
von des vorsts wegen, antreffend das voglen ist berett, das unser gnädiger
herre die von Überlingen damit gnädiglich, die yon Überlingen sich
ouch beschaidenlich halten sollen, als dann von alter herkomen
ist. Als dann von der berenden bÄm wegen haben wir aber sovil
zwüschen inen in der güthche gerett und si betädingt, das die
von Überiingen und die iren berend bftm, haimsch oder wild, uf
im aign leben- oder zinsgütern abhowen mögen ungestraft, uß-
genomen in den fronwälden und uf gemain merken, da sollen si es
miden, es sige dann mit siner gnaden, oder siner vögten und amptlüten
134 Überlingen.
willen und erlöben. W&r ouch oflFenlich und tags über offen marken
sei, graset, zunt, schuldet oder mäit, das sol in die nidern gericht zu
strafen geh&ren und nit den hochen gerichten; wä aber das anders
gescMche, das sol den hochen gerichten gehören. Von des hofs Wegen-
furt, so unser herre, grave Johanns obgenant maint im in sine gericht
gehftr, dawider aber die von Überlingen mainen, das es inen und gen
Ramsperg gehftrt, ouch das bisher in nutzlicher gewerr inngehept haben,
ist aber berett, das sich unser gnädiger herre, grave Johanns vorgenant
darumb erfaren sol, mag er dann die von Überlingen vordrang nit
erlaussen, darumb sollen si sinen gnaden glicher billiger recht sin.
Und als dann die vilgenanten von Überlingen fiirgewendt und in clag
gehept händ, das in und ire amptlüten bisher mengerlai intr&g von den
amptlüten zum Hailigenberg mit bott und verbott in irn gerichten,
zwingen und b&nnen der nidern gericht beschechen si, die inen doch
nach lut ir brief zfigeh6ren, ist berett, das si hinfür daran von dem
obgenanten unserm gnädigen herren, grave Johannsen, sinen vfigten
und amptlüten ungehindert beliben sollen, es were dann sach, das es
die hochen gericht antr&ff und berürte. Es sol ouch dem jetzgenanten
unserm gn&digen herren grave Johannsen von Werdemberg sin ge-
rechtikait zu dem hüfnagel zu Hagnow von der hochen gericht wegen
behalten sin. Furo und zum letsten ist berett, das die richtung zwuschen
dem gemelten unserm herren, grave Johannsen von Werdemberg, und
den von Überlingen zu Salmenschwilen durch etlich begriffen bi iren
creften beliben und bestan sol. Und ob sich dehainerlai unwile zwuschen
baiden vorgemelten parthien und den iren sölicher spenn halb bis uf
hüt, disen tag, gemacht het, der sol ouch ganz tod, ab haissen und sin,
und deweder tail den andern des hinfür engelten laussen. Und wann
baid obgenanten parthien diser unser gütlichen entschidung imd be-
redung willig und benügig gewesen sind ufzenemen, und uns gebetten
händ, inen der urkund und brief zu geben, darumb und des alles zft
warem urkund diesen brief, der geben ist uf dornstag vor dem
samtag, als man in der hailigen kirchen in dem ampt der hailigen meß
singet reminiscere in der vasten, in dem järe so man zalt von gottes
gepurt tusend vierhundert fünfzig und in dem nünden jaure.
Ferg. Orig, St. A. AU, LXXIII, Nr. 200S. Sämtliche 4 Siegel, die
der beiden Tädingsleuie, des Grafen vofi Werdenberg und der Sta^t
Überlingen sind abgefallen. Vid. Copic des Rats von KonMan^ mit wohl-
erhaltenem Siegel vom 28. Januar 1472: St. A. Abt. L XXIII Nr. 2099.
Heg. in F. U. Bd. 6\ S. 177.
Überlingen. 135
XXXIII.
Stadtsatzung Aber Steuer.üngeld^ Straf gewalt der Zunftmeister u. a. m.
1461 Mai 22.
Nota. Es band oucb burgermaister, gross und clain rat von aius
gemainen nutzes wegen diser statt und ganzer gemaind diser statt diß
Ordnung gesetzt und uf fntag vor dem bailigen tag zfi pfingsten im
LXI jar beschlossen, und wollen die gebalten werden von menglicbem :
Item und nauchdem und vil lüt stür, nutzungen, ungelt und wet-
gelt z& bezaln lang zit nach den zilen, und man die verfallen ist z&
geben, verzogen und nit bezalt band, und vil gebott bi den aiden und
8U8t verachtet band;
item des ersten: wer der ist, der di stür nit bezalt in der zit, als
der statt gewonhait bißher gewesen ist, das man dem oder den nit
mer bi dem aide bieten, sunder ainen kn&cht, zwen oder dri, zu in
senden und ieden umb sin anzal der stür, sovil er schuldig wirt, pfenden,
und Bovil pfand von im nemen, die pfand uf offen markt tragen und
das verkoffen sol, sin gelt daruss l&sen und das übrig dem sächer wider
antwurten.
Item desglichen sol man dehain gült und der statt nutzung ver-
koffen, inan trüge dann darumb mit guten ligenden pfänden trostung,
die besser denn dieselb nutzung sien, und so sich zil und tag ergangen,
das man das gelt ervordre und ob die gült nit ervolgen müg, die pfand
zu verkoffen und die gült zfi lösen und damit zCl gefaren, wie obstat.
Item von dez ungeltz wegen, da sol man niemands mer weder
uß der statt noch darin pieten, sondern das von in nemen alle samstag
bar, als dann das von alter herkomen ist; und wftlche das überffiren,
80 hat grosser rät clainem rät gewalt geben, dieselben fürzunemen nach
irm gefallen und derselben verschulden.
Item wftlche das wettgelt nit richtind nach herkomen der statt,
der^ sol uß der statt ^n und darin nit komeu, er hab dann die straff
bezalt; so sol man in darumb straffen als ainen, der sin aid nit ge-
balten und überfstren hat.
Item si band gesetzt, das amman und richter in den zünften ab
sin und nit mer gebrucht werden sond.
Item und sollen nu furo ain zunftmaister und die ainUf in ieder
zunft nichtz straffen umb dehain sach, das usserhalb ir huse beschicht,
es wir dann sach, das etwas Sachen besch&hen, [die] ir zunft und
hantwerk anrfirten, damit ir Ordnung nit gehalten würde, doch mit den
» Sic!
136 Überlingen.
fürworten, was sich verlüflF, das ainer sinen aide oder ere übersähe
mit falschem gewicht, gewurz, schmalz oder anderm, oder das ainer
den andern wundoti oder messer zuckti, das sol allwegen ainem statt-
amman und dem rate haimgesetzt werden.
Item es mftgen ouch zunftmaister und die ainUf von den iren
gelüpt und aide innemen, als bißher, in iren Ordnungen gehorsam zu
sind, es si zft ainlifen, cristaflFeln oder andern dingen, doch die jetz-
gemelten stuck ainem stattaman und dem rät behalten, di si nit
straffen s&llen.
Item si mügen ouch den im in irm huse gebieten an dri, an fünf,
oder an zehen Schilling pfening, ob ainer ir Ordnung, ir zunftgebott
oder hantwerks überfAre. Die frSflin sol der zunft beliben; wäre aber,
das ainer ainen mit der fust schlflge oder im Scheltwort erbütti, oder
nit ain cristaffel sin wölt, s&lich fräflin dann irm huse halbs und der
zunft das ander halbtail beUben sol.
Item und ist das die straff, die si nemen m&gen: wMher ain
haisset hegen oder fluchet, so sol die minder straff sin 3 ß ^ und die
mer 5 ß ^, als dann die wort an im selbs sind; doch m&chten die
Scheltwort di er ber&ren, das ist dem amman und rät behalten.
Item furo: wftlcher in siner zunft ain hantwerck und Ordnung
nit haltet, als ir Ordnung Inhalt,, und ob der vom zunftmaister und den
ainlifen gestrafft wirt, dasselb gelt sol gemainer zunft haimgän,
ußgenomen, das die obgeschriben stuck berürt: valscher aide, fridbriche,
fliessend wunden und messerzuckten. ^
Item w61her den andern mit ungewaffnoter hand schlecht: zehen
schiling pfening.
Item es sollen ouch die gesellen, so ain huß erkofft hand, ge-
walt haben, das huß, ob si wend, ainem zu koffend ze geben oder nit;
doch w61cher in die zunft h6rt und unbelündet ist, dem sol man das
geben, ob er si begert.
Item es sollen gemain husgesellen den gewalt haben, ob sich ainer
als ungehorsamlich hielte, ald als unordenlich sich zu erkennen, in
von huß zu wisen, oder in dabi zu beliben lassen, ain zit oder gar.
Item es sol ouch ain jeglicher gesell ains huses den gewalt haben,
ain huß ufzügeben vor gemainen husgesellen, wenn es im eben ist;
doch das er das gelt, so er umb das huß geben hat, verloren hab.
Item Wi\r ouch sach, das etlich, so hüser erkofft hand, dabi schuldig
wi\ren, wftUier denn das huß ufgeben wölt, der sol sin anzal der ge-
sellen dennzumal hinach geben.
» Sic!
Überlingen. 137
Item ob ainer umb ungehorsam! gestrafft würd, es wäre, das
ainer ainen mit ungewaffnoter band schlÄg, Scheltwort erbütt, nit
cristaffel sin wMt, oder sin zech nit bezaln, oder ander s&Hche stuck,
so sftlleii zunflmaister und ainUf gewalt haben, demselben zu gebieten,
die pen, darumb er gestrafft w&r, zft geben an dri, 5 oder 10 ß ^; und
ob er die gebott verachten tit, sol sftlich pen dem huß halb und der
zunfl der ander halbtail werden; und ob ainer dem allem ungehorsam
sin w<, so sftUen derselb zunflmaister und die ainlif umb s&Iichs ain
burgermaister und rät anrflfen, in hilflich zu sind, denselben gehorsam
zji machen.
Item es sol euch ainem ieglichen die oberhand behalten sin, dabi
man ouch ainen ieglichen beUben lassen sol, und die trAw, so man ge-
wonlichen nimpt, sol ain nit irren.
Item derglich wil man s61ichs gegen den andern trinkstuben, es
sien Bchinderknichten, hecken-, küffer- und schraidkn&chten oder andern
ouch bestellen und halten.
Item die ussliit sollen dehain aigen win^-trinkstuben haben, sunder
in ain trinkstuben oder in ains wirts huß gän und dehain irn aigen
win darin tragen.
Item man sol den wirten massen geben, derglich dehain wirt kain
kanten bruchen sol, si sie dann pfficht und hab der statt zaichen.
Item si band ouch gesetzt und wollen, das hinfür kainer weder
win, roß, hüser, garten noch anders, nichtz ussgenomen, mitainandem
und zu ainandem verkoffen, oder gelt zu dewederm lihen sollen; denn
was ainer hinfür verkoffen wil, das sol er ainitzig und nit zwifalt verkoffen.
Item* dergHch band si gesetzt: wölher ungewonlich k&ff git, es
si kom, win, roß, hüser, garten noch anders, nichtz ussgenomen, den
wftUen min herrn straffen, nachdem der koff an im selbs ungewonlich ist.
Item si setzen aber, das man ir Stattsatzungen haben sol, wie die
gesetzt sind, und wer die überfert, das ain rat die oder den nach In-
halt der Satzung umb alle stuck, die darin vergriffen sind, straffen
mfig, und die nit mindere.
Item si wftUen och^, [das] ainer, der isen vail hat, an ainer schinen
i8en, die er dings git, 5 oder 6 ^ gewins nemen sol und darüber nit.
Item si band ouch gesetzt, das alle gewerb ab und menglichem
fri sin sollen, damit der gemain mau, arm und rieh, sin narung dester
baß gehaben müg.
j
* Dieses Wort über der Zeile.
' Hier beginnt die Rückseite des Rodels.
* Dieses Wort über der Zeile.
138 Überlingen.
Item aber setzen und w&Ilen si, das der statt der salzkoff belib,
doch mag iederman salz und isen kofifeu und mit win daran stecheOf
und das hie wider verkoffen, doch bi ganzen schiben, oder drithalb
mess für ain schiben und sunst nit.
Oriflf. Vergamentrodd87,2cm lang, SlMmbreit StA.AhU VIILNr.131.
XXXIV.
Das Gericht zu Pfullendorf entscheidet Streitigkeiten zwischen dem
Grafen Jörg zu Werdenberg und Heiligenberg und der Stadt Über-
lingen wegen der HiatersaAen.
1468 August 6 (ohne Ort).
.... Das dero von Überlingen aigenlüte hinder minem gnä-
digen herren grave Jfirgen von Werdemberg in sinen gerichten, zwingen
und binnen gesessen demselben grave Jörgen mit dienen und raisen
gehorsam sin sollen, als ander sin aigenlüte, doch den von Überlingen
an ir gerechtikait der aigenschaft halb unschädlich und unvergriffenlich.^
Dergelich sollen mins gnädigen herren grave Jßrgen von Werdemberg
aigenlüt hinder den von Überlingen in iren gerichten, zwingen und
bannen gesessen denselben von Überlingen mit dienen und raisen als
ander ir aigen lüte gehorsam sein, ouch minem gnädigen herren an siner
gerechtikait der aigenschaft halb unschädlich und unvergriflFenlich. . . .
Samßtag vor Sant Affren tag nauch Cristi unsers lieben herren gepürt
vierzehenhundert und im achtundsechzigosten jauren.
Perg, Orig. Siegel des Stadtammanns von Pfullendorf, Jakob Hänüing,
abgerissen. St, A, Abt LXXIII Nr. 2102. Reg. in F. U. Bd. 6. S. 179.
XXXV.
Richtung zwischen der Stadt Überlingen und den Bewohnern des
,,Dorfs'': Aufnahme der Dörfer in den Rat von Überlingen;
Schlichtung der Streitigkeiten mit dem Hause Mainau.
1469 Mai 21 Konstanz.
Wir nachbenempten Ulrich Blarer burgermaister, Conrat Grdnem-
borg des richs vogt, Ulrich Lind, Ludwig Schilter, Jfirig Engenlin,
Cristan Denckel und Hans Schwänninger, alle des ratz zu Costentz,
* Diese „gerechtikait der aigenschaft" wurde in einem Erläateningsarteil des
Gerichts zu Pfullendorf (St.- A. Abt. LXXIII, Nr. 2102) dahin bestimmt, daß nur „sturen,
väll, geläß, und nit ander dienst** darunter verstanden werden sollten.
Überlingen. 139
Banns Waltkilch, alt burgermaister zCi Schaflfhusen, und J6rig Gm&nder,
alt burgermaister zu Sant Gallen, tünd kund allen den, so disen brief
aiisechen, lesen oder hören:
Nachdem sich etwas unwille zwüschen den ersamen wisen burger-
maister und raute zft Überlingen, unsern sondern guten fründen an
ainem, und den dftrfem, irn burgern, am andern tail erhabt hat, dar-
rürende der spenn halb zwüschen dem comithur des huses zä Mainow
von der sinen, der von UflFkirch wegen und den dfirfern antreffende
tratt und waid, der si zä baider sit uf ainen gemainen mit glichen züsatz
kommen und etlich sprüch geben, die den dörfern wider gewesen sind,
aud darinne mitsampt irn vier vorgenger von dörfern gerett hond,
daran dann ain rät zft ÜberUngen ain mißvallen gehebt und darumb
zu im drien von den vier vorgenger griffen laußen und in vangknus
genommen und sich deßhalb menglich verloffen hat, so zu beschriben
nit not ist, uf das der mertail von dörfern von dannen gewichen sind
und in gAtem in die statt Costentz kommen, und so nu unser fründ
7on Costentz, Schaffhusen und Sant Gallen sölh unainikeit vernommen,
ä sorg gehept haben, daz die ding noch erger werden möhten, das
lach dem allerbesten zu verkommen sige, wie jeglicher bott von sinen
runden zu den spennen geordnet und gesendt, und ist uns von in mit
^mst bevolhen, hochen vlis an den Sachen zu keren, damit die sach
rüntlich hingelegt wiirde; also haben wir uns uf sölich bevelh als die
gehorsamen zwüschen baid parthien getan und si sölichs ires Unwillens,
darüber sich der gemacht het, von ainem an das ander vernommen
md si daruf mit ir wissen und willen in der gfitlichait früntlich gericht
md zft ainikait bracht in maßen hernach stat:
Des ersten, nachdem und dann bisher die dörfer von in vier zu
rorgengern und pflegem, die in ir Sachen handelten, genommen haben,
las da hinfüro öwiglich ain burger ^ und rät zu Überlingen den dörfern
ier pfleger usser und von denselben dörfern geben sol, die si dann
larzü togenlich sin beduchte, und ob under den vieren ainer des tS,g-
ichen ratz ist, der sol von den vieren der dörfer pfleger und ain für-
Qunder gen aim raute sein, was si anzubringen haben; w&r aber under
len vieren ainer nit des täglichen ratz, so sollen die dörfer sechs usser
lem täglichen rät zu Überlingen erwöllen, usser denselben sechsen sol
in t&glicher rat ainen pfleger den dörfern zu den vieren geben, der
a ir Sachen fiirtrag und äne dieselben, so des ratz und ir pfleger sint,
Wien die andern pfleger noch dörfer nicht fürü^mmen weder ainungen,
epoit, noch verpott, doch mftgen die vier mit rät der dörfer ir werinen
^ Soll wohl heißen: burgermaister.
140 Überlingen.
und wacht besetzen, wie von alter herkomen ist^ und was ouch also
die vier pfleger und die fürmünder, so in von aim rät geben wirt oder
von dem mertal under in angeseehen und verlaußen wirdt, dem sol
nachgangen werden; und wenn die vier dem fünftmane, der in von
ainem raut zfi fürmünder geben ist, zu in embieten zu kommen, ob er
denn zu in nicht kS,me, so mögen noch dann die andern vier mit den
dftrfem äne den fünften irn fürmünder die Sachen ouch ußrichten, &n
all b6ß gevSxd. Furo hat ain rät gewalt, die thor im dorf zu versechen,
doch daz ain rät die thorbeschliesser in dem dorf neme, die sie darzb
bedüchte togenlich sein, und die ouch ain rät mit irn aiden vertigen
sol, die thor zu beschliessen und ufzetün, nachdem und dann ain rät
nach gelegenhait der 16ff bedücht not sin, ungev&rd.
Item nachdem die d6rfer bisher gepfendt band, m&gen si furo tiin,
ob si wend; doch ob in daruf icht uferstiind, sol des ain rät und die
statt zu Überlingen unengolten sein.
Item von der entschaidnüs wegen der waid und der tratt sol ain
rat zfi Überlingen den comithur in der Mainow mitsampt der von
Costentz bottschaft ernstlich und vlissig bitten von den Sprüchen und
der entschaidnüs vormals geben zu laußen, und der sach der waid
halb anderwert zu recht Z& kommen; und sait er daz Z&, als wir das
in ganzer hoflfnung seind, so sol der comithur von der sinen der von
UflFkirch wegen zwen nemmen und die dftrfer ouch zwen, vor den vieren
si dann ir spenn der waid halb, darumb si dann st&ssig sind, fürtragen
sollen; die sollen si dann entschaiden, und mögen die vier sich ains
meren mitainandern ainen wol und gut; ist des nit, so sftUen dieselben
vier ainen obmann usser den sechs stellen ainer, nämlich Costentz,
Lindow, Ravenspurg, Wangen, Isni und ßüchorn, nemmen, und wie
si dann die fünf oder der mertal under in mit recht entschaiden, derbi
sollen si baidersit beliben, dem nachkommen.
[Der nächste Punkt betrifft einen einzelnen Streitfall wegen des Weidgangs.]
Item und als dann ain rät zu Überlingen [von] den d5rfern etlich
brieve zu sein banden hat, die sol er inen ouch wider zu irn banden
geben und antwurten, und uf sölicli underschaidlich richtung und
artikel sollen si z& baider sit sölicher vorgemelten vergangen Sachen
und Unwillens halb mitainandern früntlich und gütlich ganz gericht
und gut fründ haißen und sin, und s51icher sach ainandern furo zu
argen nit gedenken, sonder die dftrfer, so von sölicher sach wegen von
dannen gewichen sint, äne all straff und engaltnüs aller Sachen jetz
und öwiglich, ganz an allen dingen widerumb in ir haimwesen gen
Überlingen gelaußen werden, und daruf die, so si in vanknüs genommen
Überlingen. 141
haben, ir vangenschaft uf ain alt schlecht urfecht Sne alle straflf irs libs
und gfits an allen Sachen jetz und hernach ledig sein; doch daz die,
so von d6rfern gewichen, auch die, so in vanknuß gelegen sind, ir
zerung, atzung und cost selbs ußrichten sond und darinn nicht zfiwort
haben, in dem allen b6ß argenlist und geverd genzlich ußgeschaiden und
hindangesetzt. Und uf s61ichs so haben die personen, so von d&rfern
gewichen und gen Costentz komen sind, in min, des obgenanteu Ulrich
Blarers burgermaisters, band mit irn band gegeben guten trüwen für
sich und alle die, so von ir wegen zft der sach hast gewandt und
darander verdaucht sind, gelobt und versprochen, sölicb richtung, wie
die mit im puncten, clauselen und artikeln vorbegriflfen ist, nach-
zekommen, dabi zu beliben und dawider nit ze tünt noch schaffen
getan werden, jetz noch hernach in dehainen weg. Desglich haben die
vorgenanten burgermaister und r&te zu Überlingen sftlich richtung zu
halten und dawider nit zu tund euch zugesagt, und uns daruf zu baider
Sit ernstlich gebetten, z& bestattung diser richtung, und daz der in
künftig zit nicht vergessen werd, inen des versigelt urkünd und brief
zft geben. Hierüber zu anged&chtnus diser richtung, den gegenwirtigen
und künftigen, so haben wir .... (wie in der Einleitung der Urkunde)
unsere insigel . . . offen gehenkt an disen brief, der zwen in glicher
lut geschriben und geben sind zu Costentz uf den balligen pfingstag
nach Cristus gepurt vierzechen hundert sechtzig und nun jären.
Nach eitler gleichzeitigen Kopie in dem Quarthand ,,Prothocdllum
widriger sacken'', St.-A. Abt LXXXX, Nr. 3506.
XXXVI.
Bündnisbrief der Reichsstädte Überlingen, Lindau, Ravensburg,
Wangen und Buchhom^
1470 November 22 (ohne Ort).
In dem namen der heiligen unzertailten Drivaltigkait, des Vatters,
des Sims und des Heiligen Geists. Wir, die burgermeister, r&te und
alle burger gemainlich, rieh und arm, diser nachbenempter des heiligen
B&mischen reichs stett mit namen Überlingen, Lindow, Ravenspurg,
Wangen und Büchorn, an dem Bodensew gelegen, bekennen offenlich
mit disem briefe und tuen kunt allen den, die in ansehen oder hören
lesen: wann wir vormals vil zits und jare in guter früntschafl, ainung
* Vergleiche den Aufsatz von Roth von Schreckenstein: Der Bund der
Städte Überlingen, Lindau, Ravensburg, Wangen und Buchhorn, 1470—1495, in Z. 0.
Bd. 22, S. 225 fr.
142 ÜberÜDgen.
und puntnusse bi- und mitainander gewesen und uns in gemainem
nutze die zite von den gnaden des allmächtigen gottes gelfleklich und
wol gegangen und gewesen ist, und in gutem fride und gemach beliben
sind, und hinfür mit gottes hilfe och sol bescheen, so haben wir be-
trachtet der schw&ren herten und ungetruwen Iftflfe, so laider vil zites
umb und bi uns manigvaltencUch gew6sen und noch sind, uns fti^
genomen, uns der zu widersetzen nach dem und wir alle gemainclich
und insonder zu fride und gemainem nutze genaigt sind, insonder das
wir gemainclich und alle die unsern, so uns und den unsem zu ver-
sprechen stand, dester furo in friden, ruw und gemach an dem aUer-
durchlichtigsten, unüberwintlichsten, allergrosmächtigsten fürsten und
herrn, herrn Fridrichen, RAmischen kaisern, zu allen ziten merer des
reichs, herzog zu Österich etc., unserm rechten und allergnidigsten
herren und sinen nachkommen, Rftmischen kaisern und kAnigen, und
an dem heiligen Römischen rieh unzertrennt beliben besten, und in dem
witwen, waisen, bilgrin, kofflüt, gotshüser, lantfarer und anderer erber
lüte, gaistlichs und weltlichs stäts, in unsern kraisen und gebieten dester
sichrerer^ werben, wandeln und beschirmt werden; och das wir und die
unsern unredlicher, mutwilliger zügriff, gewalts und ander unbillicher
Sachen dest furo absin m&gen, und darumb so haben wir obgenannten
stett alle mit wolbedachtem sinne und miit beratenlich und mit gAtem
willen, so wir züsamen haben, dem almächtigen gott zu lob, unserm
obgenannten, unserm allergnädigsten herren, den Rftmischen kaisern
und dem heiligen Römischen rieh zu wirden und eren, uns selbs, unsern
liben und guten und gemainen nutz zu fride und zu gutem gemach,
und sonderlich durch der vorberfirten Ursachen willen uns mitainander
veraint, züsamen getan und ain püntnuß mit geswornen aiden zösamen
versprochen und gemacht, machon und versprechen die also züsamen
von hüt dato diß briefs bis zu sant Jörgen tag, des heiligen martrers
allernechst komende, und von dem ietz nechstkomenden sant Jörgen
tag zwai ganze jar die nechsten nacheinandern zu erzellen, dieselben
jar und zit uß alle stäteclich und vestenclich bieinander zu beliben
und einandern in allen Sachen, so dann ein icde statt zfi tund oder
gewönnet, getrülich mit lib und gut zu rattend und zu helfende in aller
wiß und mäße, als hernach und underschaidenlich geschriben stät; doch
usgelassen offen angelassen krieg und vindtschaft; doch nämlich und
vor allen dingen mit behaltnuß dem vorgenanten unserm allergnidigsten
heren, dem Römischen kaiser und dem heiligen Römischen rieh alle ir
recht zö behalten und ze tünd, ön alle geverde, und och also und
' Sic!
Überlingen. 143
mit sftlicher bescheidenheit : wäre, das udb die vorgenanten stett alle
gemainlich, aine oder me, under uns besonder, oder die unsem, und
die uns z& versprechen stand, iemands, wer der wäre, angriffe oder
bescb&digeti an lib oder an gut, uf wasser oder uf dem land, es war
mit brand, mit mord, mit rob, mit vanknüsse, oder mit unrechtem wider-
sagen; oder wer der wäre, der uns gemainlich oder besonder von unsern
fSrihaiten, rechten und g&ten gewonhaiten nemen oder von dem heiligen
R5mischen rieh triben oder trengen, versetzen oder verkoffen wölte, oder
wie oder weihe wise wir oder die unsern also wider rechts beschädiget
oder angegriffen würden, die oder dieselben stett oder statt under uns
sftllent und mAgend denn wol zu frischer getat darzA keren und ton
von einem mittentag unz z& dem andern, ob si bedunkte, und sich
der meren tail derselben stett oder statt, das si das zu frischer getät
geirüwteden z& erobern erkenneten, und s&Uen wir ander stett allen den
alsdann darzfi und darinne bi den aiden getniwlich beraten und be-
holfen sin, was si darum angät, ungevarlich. W&r aber, daß sAlich sach
und angriff also geschaffen w&rend, das sich die r&t derselben stett
oder statt, oder der merere tail under in erkann tend, das si das zä
frischer getät nit sAlten noch möchten erobern, so sollend dieselben
stett oder statt, die dann die sach also angen oder anrüren würde, uns
die vorgenanten stett alle züsamen manen an sAlich stett, die si dann
bedunkt und erkenneten, das es uns andern stetten allerbekomenlichest
si, ungevarlich; und uf denselben tag, so dann ein ieglich statt under
uns besonder ir bottschaft mit vollem gewalt unverzogenlich schicken
und senden und si bi den aiden da beliben und niendert von dannen
komen, es werde dann vorhin der clagenden statt gesprochen und erkennt
und werde zfi raut, wie man ir helfen wftUe, oder was darzü ze tänd
si. Und wes wir uns andern stett also gemainlich under uns erkennen
und z& rät werden, es si mit hilf oder mit andern sachen, das darzü
ze tond sie, das sond sich die andern beschädigiten stett oder statt
und die iren wol lassen benAgen. So sollen wir vorgenannte stett alle
dem, was wir also gemeinclich oder der mertail under uns erkennet
und zfi rät werden, oder wamit wir ain ieglich statt haisend dienen,
nachdem dann in ain sach ainer ieglichen statt under uns gelegen ist,
gnflg tfin und darinne gehorsam sin und och bi den aiden vollstrecken
und volleffiren, das unser dehaini si, si sige gros oder ciain, dehainen
iren vortail darinne nit sfichen noch triben sol in keinen weg, ön alle
geverde. Darzft so sol die nechst statt der clagenden statt dem oder
denen, die den schaden also getan hatten, uf denselben tag für uns
verkünden, das die oder der kome und sich vor uns verantwurten und
den schaden und angriff früntlich und gfitlich ablegen und wider-
144 Überlingen.
kern w<e, och der oder die das tun, das s< dann die clagende stett
oder statt wol ben&gen, doch also, das dann an uns andern stetten
stan sol umb die fr&fli, die der oder die damit begangen hetten, wie
si das uns und den clagenden stetten oder statt och ablegend und
bessrend, ungevarlich. Und insonder ist beredt: war sach, das ain statt
gen6tiget oder angriffen würde, und die nechsten statt ilens umb hilf
mante, und dieselb gemant statt hilf zusandte, es war zu roß oder zu
füß, das dann s&lich zerung, die zimlich ist, und die sÄlich gesellen un-
gevarlich verzarten, uf gemain stett gerechnet werden sol, und sust kain
sold ; doch das die stett, so sftlichen costen dargeben het, zu der rechnung
bi dem aide darlegen sol. W&r, ob iemands söliche, die uns also angriffe
oder beschädigte, nach dem angriff gevarUch schiermte, huste oder hofete,
essen oder trinken gebe, oder mit iren knechten oder mit irem hamasch
uf uns dientend, oder ire pferd darlihend, und sich das küntlich erfiinde,
gegen denselben sollen wir einandern getrülich beraten nnd beholfen sin,
und die darumb angriffen und beschädigen zu gUcher wise als den oder
die, die den schaden selber getan band. Kem och derselben ir ainr
oder mer in dehain statt unsers punds, der oder dero IIb und gflt sol
dann dieselb statt beheften, ob ir das zu wissen ist, es si mit manung
oder ön manung, und die darzfi halten, unz das si den schaden, den
si getan band, genzlich widerkerend und ablegend, und darzfl die
schmächait und fräfli bessrind, die si damit begangen band, als vor-
geschriben stät. Besch&ch es och, das gott nit wolle, das dehain statt
under uns von iemands besessen oder übervallen wiirde, oder also be-
kümbert, das si uns andern stett nit gemanen mftcht, alsbald dann
wir stett des innen und gewär werden, es beschee mit manimg oder ön
manung, so sSUen wir unverzogenlich züsamen keren an sÄlich stett,
die dann den sachen allergelegnest sind und uns da erkennen und zu
rät werden, wie der belegnen und übervallnen statt beholfen werden,
oder was darzü ze tund sie, oder wie die, die also vor der statt ligend
oder in der statt w&rend, und alle ir helfer widerumb anzügriffen und
zö beschädigen sien; und wes wir uns gemainclich oder der mertail
under uns erkennent und zö rät werden, dem sollen wir dann also
gemainclich oder ein ietliche statt under uns besonder genüg tön, und
darinne bi den aiden gehorsam sin, öne geverde. War och, das wir
vorgenante stett alle in der zit diß bunds von der obgenanten stuck
und artikel wegen iemands besitzen und ein geleger machen wurden,
es war vor bürgen oder vor stetten, so sol ein ietUche statt under uns
und besonder die nechsten statt gebunden sin, allen iren gezug, wie der
genant ist, der zu sSlichen sachen gehört, darlihen ; darzü sond die stett
oder statt, von der wegen mau also zu veld liget, alle cost, die über
Überlingen. 145
irerchlüt, tagdienster, oder über ander buw, oder über ander kuntschaft
gSt, och darlihen, und das aigentlich bi dem aid versehriben unz uf
die zit, das das geleger oder das ges&ß zfi end komet; und wenn das
bischicht, welieh stett oder statt dann under uns sAlich oder ander cost
oder gelt uf unser aller nutz oder notturfl darlichent oder usgebent, die
mflgent dann uns ander vorgenant stett darumb manen, an weihe statt
si bedunkt, da es aller bekomenlichest sie, dahin dann wir alle unser
erber bottschaft mit vollem gewalt senden und schicken sftUen, dasselb
gelihen gelt und alle ander cost, die uf uns gemein stett also gegangen
und usgeben ist, zu rechnen und anzulegen nach ietlicher statt gewon-
licher stür und anzal. Und nämlich ist herinne beredt, das die stett
sust ein gut vertruwen zu ainander s&Uen haben. Würden sich krieg
machen und der kuntschaft halb an die stett brächt, die ander z&
haben, dann obgeschriben stat, das dann werd vergunnet, was billich ist.
Ob aber ein statt vor emals und si das an die andern stett bringen
m&cht, kuntschaft hette, das si dann aber ein gut vertruwen zä den
andern stetten haben sol, das geleit werd, was zimlich sie, und wenn
oder alsbald das alles in massen, wie vor stät, angeleit und verrechnet
wirt, was dann ainer ieglichen statt under uns besonder gepürt zu be-
zalen, das sol si in zwain monaten, den nechsten darnach, unverzogen-
lich bi den aiden bezalen und usrichten den stetten, den man da
schuldig wirt, oder mit irem willen überwerden ön alle geverde, doch
mit namen und rechten gedingten werten, das in s&lichem anlegen wir,
die von Überlingen und Lindow, ietliche statt insonder bi drithalbhundert
pfund haller, Ravenspurg bi hundert und fünf und sibenzig pfund
haller, Wangen bi hundert pfund haller und wir von Büchoru bi
sechzig pfund haller geleit werden. Wann och das also zu schulden
kerne, oder sich gepurte, das wir ain geleger und ein ges&ß machen
würden, es w&r vor bürgen oder vor stetten, so ist unser mainung,
das vnr einen offen rfif haissent tun ; weihe sich danne darinne
oder daruf fr&venUch land besitzen, zwingen oder nöten, werden
die gewunnen oder gefangen, das man zfl in richten wolle nach des
richs recht, öne geverde, oder nach bekantnüß der stett, öne geverde,
oder ir des merentails, die denn zumal im veld sind; doch das daran
ein ietliche statt, so man darumb fraget, nit mer stimmen sol, denn als
gemain stett sust bi einander sitzend und hernach geschriben stat und
merklich begriffen ist, ungevarlich. Darzü wollen wir mit namen, das vor
dehainer vesti oder statt von niemands dehain ufbruch beschee bi den
aiden, die wir darumb liplich zö den heiligen gesworen haben, der
ufbruch beschee dann mit erkanntnuß der stett gemainclich oder dem
meren tail, die denn uf dem veld sind, ön alle geverde. W&re och, das
OberrheiniBche SUdtrechte. II, 2. 10
146 Überlingeo.
dehain volk oder iemand wider dehain statt unsers bands täten, oder
sich in ir ruck niderschliegent, erkanutend sieb dann der mertail der
rät derselben stett oder statt, das si dasselb volk mit hilf einer statt
oder mer ge wüsten, beschidigen oder niderlegen m&ehten, die mag dann
wol und hat des vollen gewalt ein statt under uns oder mer oder uns
alle gemainclich zu ir manen, zu der wir dann unverzogenlich bi ge-
swomen aiden ietliche statt nach irm vermögen und nach gestalt der
sach ziehen s611en und den mit lib und gut hiläich und beraten sin, ge-
trülich und ön alle geverde. Besch&ch och, das uns einsmals mer
dann ein statt umb hilf manete, als vorbeschaiden ist, wes sich dann
der rät oder der mertail under den gemainen stetten bekennent, weihe
statt der hilf allernotturftigest si, zu der sol man dann ziechen und in
hilflich sin, als vorgeschriben ist. Damach sol man dann der ander
manung och genug t&n, nach erkantnuß der gemainer stett oder ir des
merentails, ungevarlich. W&r och, das uns stetten gemainclich oder
besonder iemands, wer der w&re, vehen oder hassen w<en nach usgang
dis bunds umb s&lich Sachen, die in in diser puntnuß bescheen weren,
denselben stetten oder statt s&Uen wir andern stette alle bi guten träwen
und bi geswornen aiden dannocht nach usgangs diß bunds getrülich
beraten und beholfen sin, als lang und unz uf die zit, das die sach
genzlich erobert und usgetragen wirdet, öne geverde. Wir haben ocb
darumb einandern zu manen und zfl versprechen in allen vorgeschriben
rechten. Och haben wir uns verbunden: wäre es, das es nun hinnet-
hin, dieweil dis puntnüß weren sol, dehain statt under uns mit einander
stössig oder irrig würden\ das ein ganze stat angieng, das dieselben
stfts und Sachen nit anders gegen ainandern verhandeln noch furo arges
darzü tun, dann das si zu beider sit für uns ander stett bi geswornen
aiden früntUch bringen und uns darum zu ainandern mannen sftUen,
und wes wir uns dann darumb nach beider tail red und widerred und
nach brief und kuntschaft, lut und sag, ob die da sind, gemainclich
oder mit dem mererntail under uns erkennend und zö dem rechten
sprechend; dabi s611ent si dann zu baider sit beliben, ön alle geverde.
Welich stett oder statt aber solichen unsern Sprüchen nit gehorsam
w61ten sin und die verziechen, es wSren groß oder ciain stett, so sollen
wir ander stett dem gehorsamen tail bi geswornen aiden zulegen und
wider den ungehorsamen tail beholfen sin, und den darzu halten, das
er gehorsamen werd, und der stett Spruch und erkantnuß gnüg tue,
öne geverde. Ob sich och begeben würde, das ein statt unser verainung
Zuspruch und clag zu den andern gemainen stetten gewinne und über-
1 Sic!
Oberlingeo. 147
kein, danimb si die zu rechtvertigen vermeinte, das dann die andren
stett der clagenden statt in vierzehen tagen den nechsten, dri erber
statt des richs furschlahe, under den drien stetten sol die clagende statt
eine erkiessen; vor derselben statt dann die andren stett der clagenden
statt nftrag des rechten sien, und was dann alda mit recht erkennt
wirdet, dem nachzekommen und dabi ze beliben. Es sollen och die
clagende statt und die andren stett unverzogenlich umb annemung der
sach bitten. Wir och, davor gott si, das st5s oder zerwürfnüß uf-
erstünden in unser der vorgenanten stett dehainer, der ain rat derselben
statt nit gewaltig noch mächtig sin m&chte, alsbald wir andern stett des
innen oder gewar werden, so sAUen wir unser erber bottschaft von unsem
Äten darzü senden und dieselben stfts richten zu minn oder zu recht,
als verr wir mögen, ungevarlich ; und weder tail in der richtung nit
gehorsamen sin wfilt, so sollen wir bi den aiden dem gehorsamen tail
zfilegen und hilflich sin in der wise, als vorgeschriben stat, ön alle
geverde. Gewunne aber sust dazwüschen ein burger zfl dem andern
icht zu sprechen, es w&ren prelaten, herren, ritter oder knecht, oder
ander, die unser burger hiessent oder w&rent, der ieglicher sol dem
andern nachvaren in die statt und gericht, da dann der antwurter burger
ist, den man da ansprechen will und sich eins rechten davon im be-
iiflgen lassen, doch usgenommen verbrieft schulden, unlogenbSre göt,
zios und häpgelt; darum mag iedermann angriffen, pfänden und n&ten,
ab von alter herkommen ist, öne geverde, und och mer ainer ietlichen
statt ander uns iren gaistlichen bürgern ir gaistlich Sachen hindan
gesetzt; doch ist beredt: war, das in zit dis bunds dehain statt under
uns Zuspruch gewinne zft dehainem herren, rittern oder knechten, die
uns nit gehortend, si wären gaistlich oder weltlich, w61ten dann dieselben
herren, ritter oder knecht derselben ir stfts und züsprüch komen uf uns
andern stett zum rechten, das sond sich dieselben stett oder statt under
uns wol lassen ben&gen, und sfillen wir si darzü halten und wisen, das
si das ufnemen und dabi beliben. Desglichen: w&r es, da^ zwüschen
dehainem ritter oder knecht, die also zu uns gehorteud, dehainerlei st&s
und Zuspruch gewünnen zft ainer gemainen statt, und das ein gemain
statt angienge; wftlten dann dieselben herren, ritter oder knecht die-
selben ir stfis kommen uf uns andern stett zum rechten, des sollen
dieselben stett oder statt under uns aber beniigen und das ufnemen ön
widerred. Wftlten si aber ir sach kommen uf einen gemainen, und
mftchtend sich des mitainandern nit geainen, so sollen wir inen aiuen
erbem schidlichen mann uß den stetten oder ab dem land, uf dem si
» Sic!
10 ♦
148 Oberlingen.
ir Sachen berecbtend und ustragen, und der in öch dann in monads
Mst dem nechsten derselben ir 8t6s end und ustrag geben, on alle
geverde. Wir wollen och mit namen, das in zit dis bunds und ver-
ainung dehain statt under uns enkainen herren, prelaten noch convent,
zfi burger innemmen noch empfahen sol, es si dann unser aller oder
des meren tails under uns gunst und guter wille. Wol mag ein ietlich
statt under uns einen schlechten edelmann oder einen priester zu burger
innemmen, als iede statt herkommen ist, öne geverde. Sunderlich, so
wollen wir, das da zwüschen dehain statt under uns dehain frowen öd
im elichen mann, ob si den hat, zu burger nit innemmen noch empfahen
sol, in keinen weg. Dann von der pfaulburger wegen ist unser mainuDg,
das sich ein ietliche statt under uns deshalb halten sftllen in sftlicher
beschaidenhait, als si sich darinne getrüwet zu verantwurten. Ob aber
doch ein statt hienäch von s61icher pfaulburger wegen angelangt würde,
was dann die andern stett under uns gemaincUch und einhellenclich
erkennet und zä raut werden, ob dieselb statt darbi gehandhabet werden
solle oder nit, dabi sol es dann beliben. Wir sollen och niemands, wer
der si, dehainen sinen aigen mann noch unverrechneten amptmann
oder die sluchts&mi verbürget oder verschworen band oder nachjagend
vogtmann zu burger och nit innemmen noch empfahen. Besch&ch es
aber darüber uns unwissentlich durch verschwigen derselben lüt und
also hushäblich in unsern stetten säßen, so ist unser mainung, das man
die besetzen mag. Also wil ainer ain besetzen, das er sin aigen si, das
sol er tun in jars frist dem nechsten, nachdem und derselb enpfangen
wirdet mit zwain rechten mütermaugen und mit sin selbs band, das
die die dritt si. Wil aber ainer ain besetzen für sin unverrechnoten
amptmann, oder das er im hab verbürget oder verschworen, das mag
er aber wol tun in jars frist, dem nechsten, mit zwain erbern unversprocheu
mannen, den er nit zu gebieten hab, si sien uß den stetten oder ab
dem land, also das aber sin band die dritt si, und zu den heiigen
schweren, das er sin unverrechnoter amptmann sige, oder im slucht-
sämi verbürget oder verschworen hab; damit sol dann der bewisung
genüg gescheen sin und sol man sich der oder dero furo mit annemmen.
Aber umb nachjagender vogtlüt, der sol mann iedermann gestatten zu
beheben, doch also und in sftlicher wise, das der ietlicher selbdritt
erberer mann, den er nit hab zu gepieten, si sien ab dem land oder
uß den stetten, schweren sol, das er die vogti, darin der oder die ge-
hören^ die er dann besetzen wil, von alter und mit dem rechten hab
herbracht, das die sin und siner vordem recht und nachjagende vogti
haiß und sie, also war die lüt, die da sitzent, immer hinkomend, das
si im dennocht diensthaft und sin uachjagent vogtlüt haissent und sient.
Überlingen. 149
Sn alle geverde. Damit ist dann der besatzung aber genug bescheen,
and 8ol man sich dann der furo aber nit annemmen. Und ob das
besch&ch, das sölich bewisung der drier artikeln ainen graven oder
herren anrfirte, der mag sinen amptmann darstellen, der von sinetwegen
besetzt und entsetzt, und die bewisung an sins herren statt tun in der
wis, als vorgeschriben ist, ungevarlich. Aber gotzhus lüt mag man
wol zft burger innemraen und empfahen, als von alter herkommen ist,
ön geverde, doch also, das dieselben also hußhäblich in unsem stetten
ffltzent und gehalten werden sond, als von der pfaulburger davor merklich
ist entschaiden, ungevarlich. Wir wollen och durch merer und besserer
fräntschafb und frides willen, das die in unsern vorgenanten stetten
gemeinclich und insonder, die zit und dis verainung und puntnüß
zwäschen uns weret, gehalten werd, als dann wol merklich begriffen
und geschriben stät von aignen lüten, von nachjagenden vogtlüten oder
unverrechneten amptlüten, oder die fluchts&mi versworen oder verbürget
hettint, wie man die besetzen sol und mag, also iemands, in welhem
staut, adel oder wesens der wäre. Nachdem und sftlich lüt in den
stetten bejaretend, sich verlftgnetend, das man in söüch lüt, wib oder
man, sonder oder sampt, zft burger ingenommen oder empfangen het,
das der zft land nit enw&r gewesen, oder das er nit gewißt hab und
danimb tot, das recht ist, und daruf einer besatzung mutet und begert,
daa dann ein ietliche statt under uns derselben aber der besatzung
statt tun sol und der gehengen in der wise und maß, als von der be-
satzung obgeschriben ist, ön alles widersprechen, verziechen und irren,
öne geverde. W&r och, das iemands in dis puntnüsse begerte zu kommen,
oder sich iemand mit uns verainen oder zfi uns verbünden w<e mit
etlichen stucken oder mit einer genannten sumen, oder wUr es, das von
dem obgenanten unserin allegn&digsten herren, dem Römischen keiser,
oder von iemands andern dehainer mutung oder Werbung besch&ch an
uns vorgenanten stett, darumb haben wir uns veraint, das niemands
nuder uns besunder das verantwurten noch ufnemen sol, dann sftüchs
vorhin an uns vorgenanten stett alle bracht und zu wissen getan werden
sol, und was wir uns dann alle gemainclich erkenneton und zu raut
«werden, das sol einen fürgang haben und dabi beliben, öne geverde.
Wir och, das dazwüschen dehainer, wer der wfir, in unsern stetten
flüchtig würd, und den lüten darinne das ir entruge oder entragen w<e,
den mag dehain ander statt under uns zö burger och nit innemmen
noch empfalien. Besch&ch es aber darüber und würd verswigen, so sol
nch doch dasselb ir burgrecht noch dehain ander frihait noch sach
iavor nit schirmen, dann wa man s51ich ergrifft und ankörnet, man die
iaramb wol bekümbern, heften und nöten mag, als ander rechtlos lüt.
150 Überlingen.
öne geverde. Und wann wir daher vil gepresten under uns selbe gehepi
und vil stuck, darumb wir gemant werden, verzogen haben, danis cost
und arbait gewachsen ist, dasselb zu fürkommen, und das iedermann
von uns dest richtenclicher usgericht werde, so haben wir uns des
geaint: wenn das beschicht, das wir zfi einander gemant werden, wammb
das ist oder vie vil der stuck sint, das wir uns dann allweg daheim in
unsem raten darumb in sölicher maß underreden sollen und w&Uen,
wenn wir zusammen kommen uf den tag, als wir gemant werden, das
wir och bi einander beliben bi den aiden, und von einandern nit komen
sAUen. Dieselben stuck, darumb wir dann gemant sind, si sigend vorhin
genzlich usgericht und gerechtvertiget, und sfiUen der dehains ufschieben
noch verziechen, es si dann, das wir uns uf unser aid erkennen, das
das sftUche eh&ftige stuck sien, die wir uf die zit nit usgerichten kftnnen
und mögen, und billich ufzeschieben sien. Und darumb so mainea
und w&llen wir, das in allen unsem erkantnüssen und urtailn zu mina
oder zu recht in allen unsern Ordnungen und legungen, die wir also
durch unser r&t mit dem meren tail anlegend, ordnend, rechtsprecheni
oder erkennend, das minder dem meren bi unsem geswomen aidem.
volgen und nachhengen sol, doch usgenomen, das wir die zit diser*
puntnüß uß bi einandern beliben und von dem bunt unser obgenanteim
stette dehain bi unsem eren und aiden mit ablausen noch darvoim
tretten sollen durch dehains vortails noch ander not und sacben w^ea.
in keinen weg, es gesch&che dann mit gemainem unser stett einhelligen»
erkennen, gunst und willen. Und och aber herin usgenomen, das eir»
ietliche statt under uns belib bi allen iren frihaiten, rechten, briefen,
gnaden und guten gewonhaiten, die wir band und herbrächt haben voa
dem heiligen stül zu Rom, von Römischen keisern und kftnigen, und
das ein ietlich statt under uns mag, ob si wil, beliben bi ir müntz, als
si die ietzo haltet und davon wider irn willen mit dehainem maisteu
keins wegs sol oder mag gedrengt werden. Das och dehain statt under
uns mit dehainem maisten in kain witer puntnüß, noch über die
artikel, so diß puntnüsse iunhalt, weder zu herren, zu stetten oder
communon, noch zu keiner ussern fr&mden hilf wider iren willen nit
getrengt werde in kainen weg. Und wenn und wie dick och das beschicht,
das wir obgenanten stett zu ainandern genant werden, so haben wir
uns des ietzo veraint, das dann wir obgenanten von Überlingen, Lmdow
und Ravenspurg iethch statt zwo Timmen, und wir, die von Wangen
und Büchorn ietlich statt ain stimm und nit mer haben sollen, die
ander frag sond gezelt werden, öne geverde. Und also haben wir ob-
genante burgermaister, zunftmaister, groß und ciain rat der vorgenanten
stett für uns und alle die unsern lipUch zu gott und den heiligen mit
Überlingen. 151
u^hepten vingern und gelerten worien aide gesworD, die puntnüß und
yerainang mit allen den Stacken, puncten, mainungen und artikeln, als
in disem brief begriffen ist und geschriben stat, gegen ainander frünt-
lieh und getrülich zA halten, ze laisten und zu voUfieren ön alle arge-
iist und geverde. Und des z& warem offem urkund und st&ter vester
Sicherheit aller diser vorgeschriben ding, das die ungevarlich von uns
allen in ganzen trüwen gehalten werde, so haben wir, die obgenanten
gtett alle und ietliche insonder unser statt gros insigel offenlich gehenkt
an disen briefe, der geben ward an donrstag vor sant Katherinen der
heiligen junkfrowen tag im jare von der gepurt Cristi, unsers lieben
herren, vierzehenhuudert und sibenzig jare.
Perg. Orig. mit den Siegeln der fünf vertragschließenden Städte je
an einem Pergametiistreifen, SL-A. Abt, LXV, Nr. 1862.
xxxvn.
Spitalordnung.
1473 Dezember 13.
Dis nachgeschriben Ordnung im spittal ze halten ist durch min
herren errauten und angesehen an mitwoch nach Lucie, anno etc.LXXIII®:
Item von der libdinger wegen im gotzhuß etc. ist von minen
berrer^ erraten, das man furo kainem Ubdinger weder gelt, kom, noch
win zfi Ubding koufen geb, sonder die 40 lib. den. nachwart an ge-
legnem gut beliben lauß, und darumb sust kain libding ze koufen geb;
doch ob ain raut ze rät wiird, gelt zu libding ze koufen geben, das
dann 1 lib. den. umb 16 lib. geben werd.
Item das ain ieder, der pfründner ist, furo nit mer reben buwen
sol, dann dri hofstett reben.
Item das fürohin niemand im spittal weder win, brott noch anders,
weder lützel noch vil, daruß tragen sol, noch nieman das geben hinuß
ze tragen, und sol iedes das ander darumb rügen bi dem aide. Wer
das überfert, den wfillent min herren umb die pfründ striifen und
usser dem gotzhus schUessen.
Item als dann etlich frowen, die pfrfindnerin, gefrit sien, das si
nit in die garten gangen und arbaiten, da ist errauten, fürohin der ding
halb kain frowen ze frien.
Item als die pfrfindner täglichs zerung haben mit ir zech und den
win uß der statt in das gotzhus raichen, ist ouch erraten, das das füro-
hin nit gescheen sol.
» Sic!
152 Überlingen.
Item [da] zu essends ziten ain überlouf in das gotzhus [ist], ißt
errauten, das zii fürkomen, und [das] zö den ziten daz gotzhus allweg
beschlossen sin sol.
Aus: y,ProthokoUum widriger sachm'\ St.-A. Abt.LXXXX.Nr. 2506,
XXXVIII.
Bebstecken-Ordnung.
1475 Dezember 14.
So habend min herren ain Ordnung angesehen die rebstecken zft
schöwen an dornstag nach Lucie anno etc. 75.:
Item das man darüber schöwer setze, und sol nieman kein stecken
abzellen, si sien dann vorhin geschowet.^
Item wenn ainr rebstecken koufen will, so mag er ainen stecken
uß ainr burdin nemmen, und mit dem furman uf die lengin desselben
stecken sich koufs verainen.
Item das die schöwer sondern fiiss ankeren zä besehen, ob icht
gevarlichait darin erfunden, es sien ful stecken oder die kurzen under
die langen vermischt betten, das die schöwer den gewalt haben, was
der fürman im dafür thün solle.
Item das iede burdin 25 stecken haben s611, und wa darinne
minder erfunden würde, das si aber gewalt haben und damit die er-
füllet werden.
Item das ouch niemand dehain stecken bestellen, noch koufen
sol, enials die uß dem schiff getragen sien, und och nieman stecken
kouf, anders dann wie die schow daz zit. Und^ wa die schöwer die
ding, wie obstat, nit also gehandelt erfinden, s611en si minen herren
angeben.
Und sind die schöwer gevertiget bi irn aiden, so si minen herren
burgermeister gesworn hand.^
Aus: ,,Prothokollum widrujer saclim'\ St.-A. Abt. LXXXX, Nr. 2506.
* Am Rande von a. Hd. : Diser artickel ist usser Ordnung gelassen anno 81.
2 Dieser und der folgende Satz von der in Anm. » genannten Hand.
3 Diese Rebstecken-Ordnung ist das Ergebnis zweier Konferenzen, welche die
Weinbauinteressenten am Bodensee einige Jahre vorher abgehalten hatten. Die Be-
schlüsse sind in demselben Faszikel wie obige Rebstecken -Ordnung mitgeteilt und
haben folgenden Wortlaut:
1. Uf sambstag nach sant Agten tag, anno etc. LXX^o (Sic!) (= 9. Februar 1470^
ist von ietlichen herren, stetten und andern umb den Bodensee gesessen von gemains
lands wegen ain Ordnung der rebstecken halb fürgenommen und angesehen.
Also das die herren und stette und ander iren stetten, slossen, zwingen und
bennen geschworen schöwer ordnen und setzen sollen und den bevelhen: wenn stecken
ÜberliDgen. 153
XXXIX.
Vertrag zwischen Heiligenberg, Salem, M ainau, Eonstanz und Über-
lingen wegen der Fischerei auf dem Bodensee.^
1481 Juli 12 Konstanz.
Der vischer Ordnung in dem Obernsee, so zu Costentz uf donrstag
nach sant Kilianustag des jars, als man zalt von der gepurt Cristi,
unsere lieben harren, vierzechenhundert und in dem ains und achtzigisten
järe durch des wolgebornen herren grave Ge&rgen, graven zu Werdem-
berg und zum Hailigenberg etc., des erwirdigen in gott, herrn Johannsen,
abbte des wirdigen gotzhuses zfi Salmenswilr, des erwirdigen herren,
des commenthurs des huses der Mainow, der fürsichtigen, ersamen und
wisen burgermaistern und rätte der statt Costentz und Überlingen, und
kommen, das si die dann aigentlich besehen, und wo si ful stecken oder die, so nit
h6pter händ, oder kurz stecken under den langen gefärlicli fünden, oder das die kurzen
I under die langen gefärlich gestelt würden, so sollen si s&Uicb stecken nit laussen
verkonfen, und s&llichs den lüten sagen, divs die nieman köf, und mag ain fArman
die stecken alsdann wider haim füren.
Wölten aber die fürman die fulen stecken oder die, so nit h&pter händ, von
den guten, desglich die kurzen stecken usser den langen glichlich zusammenthün, und
^e kurzen burdinen von den langen stellen, also das glich bi glichem war, das m&gen
li thftn; doch so sollend die schower das aber schöwen; und findet sich, das söllich
inhalt der Ordnung beschuhen ist, so mögen si sMlich stecken laussen verkoufen.
Wer aber s&lich stecken, so inhalt der Ordnung von den schöwern nit be-
schöwet wären, kofte, so sol der köffer von iedem verkouften tusend stecken fünf ß ^
ZQ bflß geben, als dik daz beschicht.
Item welher burdinen 5ch nit die rechten zal haben, nämlich an ainer burdin
25 stecken, so sol der verkftfFer für iedeo stecken, des zu lützel an ainer burdin ist,
«wen stecken geben.
2. Üf sambstag vor sant Hilarientag annodomini etc. LXXII« (= 11. Januar 1472)
ist zÄ mainung(?) zö Costentz des rebzimers halb von der herren und stett hotten am
Bodensee ain Ordnung angesehen und zu halten vcrlaussen:
Des ersten, das es bi der fürgenommen Ordnung vor angesehen mit dem under-
schaid und der übrigen bei iben sol: also wo ful stecken, oder die, so nit h&pter händ,
onder den guten funden werden, desglichen kurz stecken under den langen vermischet
werden, sol (Sic!) sol der, so s&llich stecken gebraucht haut, die burdinen, darin man
sölliche gevarlich vindet, widerumb bi dem aid haim füren.
Item es s6llen ouch die fürlüt, so die stecken ffiren, glich laug burdinen zö-
flamenstellen, und wenn sie die gestelt händ, erfündet sich denn hernach gevarlich,
das kurz burdinen under die langen gestelt sind, so s&llen si die kurzen budinen, so
under den langen stand ouch widerumb bi dem aid haimffiren. Item weihe burdin
euch nit die rechten zal hat, namblich 25 . . . (wie unter Ziffer 1).
' Über die in diesem und dem später zu erwähnenden Vertrag von 1589 erwähnten
fifchereitechnischen Ausdrücke vergl. Stoffel, Die Fischereiverhiiltnisse auf dem
Bodensee, Bern 1906.
154 Überlingen,
des vesten Ulrichs von Helmstorff volm&chtig anwält und sendbotten,
angesechen, gemacht und ainhellenklich beschlossen worden ist:
Item es sol hinfür niemant mer dehainen hAchen' fachen, denn
der das meß und di lenge hat, wie das hieb] bezaiehnet stat^; wa aber
ainer buchen fachet, die das meß und die lenge nit haben, vU oder
wenig, sol er dehainen essen, verkoufen, noch in den wiger lassen, sunder
ain jetlicher, sobald er dero ansichtig wirt, sol er die zu stund bi sinem
aid ußwerfen, si sigint lebendig oder tod, ungevarlich.
Item es sol och hinfüro niemant mer dehain seien* fachen in
dehainen weg durch das ganz jär uß, weder zu essent, zö verkoufent, i
noch zfi verschenkent. Wa aber ainer seien fachet vil oder wenig, die
sol ain jetlicher, sobald er dero ansichtig wirt, bi sinem aid och uß-
werfen, wie die buchen.
Item es s&llen ouch alle die riser, so in den hernach bemelten
zilen und kraissen allenthalben in dem Obernsee gestossen sind, uß-
gezogen werden, so denn den genden züg irrent an den höptzügen, und
dehain riser mer hinfüro daselbs hingestossen werden, die standint uf
der halden oder uf dem land, und sollen die riser also ze besechen,
weihe den genden zflg irrint, von ainer jeden gegni ain erber person^
die sich der ding verstand, so denn uf den obvermelten gehaltnen ta^
sind, erschinen, geschiben und geordnet werden, und die sich och deniB.
darumb erkennen, was riser also beliben oder dannen getan werden,
sollen, und was si ouch sftllicher riser also dannen ze tänd sich erkennen,
die sollen alsdann on widerred dannen geton und dehains mer von
ieraand, wer der ist, in den hernaehbemelten zilen und kraisen begriffen,
gestossen werden.
Item es sol öch hinfüro niemant mer nachts von der sunnen
nidergang biß zu der sunnen ufgan^ triben in dhain wiß noch weg.
Item und das ouch hinfüro niemant mer dehain straifen* durch
das ganz jär ußziechen sol, doch ußgenomen von dem donrstag nach
der äschrigen mitwuchen biß zu Ostren. So mag die die zit ain ider
wol ziehen an dem bomm und sust.
Item es s511en ouch hinfüro die lantwatten"^ durch das ganz jär
uß nit mer uf das land zogen werden, dann mit aim bereu ^ der anderthalb
ein lang si, hinder den blachen^ und sowit als das brittli ist, so darzü
von den gesendten hotten und anwfdt obern in s511icher Ordnung be-
* Hecht. — ^ Am Ende des Blattes ein Strich 22 ^'j cm Länge. — * Junger
Blaufelchen. — * Netz in Form eines Sackes. — * Enge, große Netze, die an der
Halde auf den Grund gesetzt und aus Land gezogen wurden, daher für den Laich
sehr gefährlich waren. — « Her ist ein korbartiges Netz. — ' Eine Gattung Garn.
Überlingen. 155
^ffen, gegeben wirdt, und sol söllicher ber ufrecht stpon on sein schnür
md enmitten umbgebunden sin, alles ongevarlich.
Item und das öch sÄllich Ordnung von allen den, die ber&rent und
Q disen hernach bemelten zilen und kraissen gesessen, so denn die
raidni der vischeri jetz bruchen sind, oder die hinfür das nach bestimpt
it bruchen w&llen, also gehalten soll, wie obstat, fünf jär die nächst-
omenden, bi dem aid, den ain ieder darumb schweren wirdet an den
ndem, wie das hernach volgt.
Item es soll Seh dis Ordnung also ze halten anfachen zu Visch-
»ach^ und von Vischbach den Obernsee allenthalb ab und ab gan biß
;en Bödmen*, und von Bödmen widerumb beruf biß gen Costentz in
len Obemsee hinuf, so serr denn daselbs hinuf die waidni der vischeri
k'OQ denen, so in den obbestimpten zilen und kraissen begriffen sind,
vorgebracht worden ist, und die anfachen also ze halten und verschworen
Verden uf sonntag nächstkomend von allen denen, so die waidni jetz
brachen sind.
Item und uf das alles so s&llen alle die, so in den obbestimpten
zilen und kraissen gesessen und begriffen sind, die denn di waidni der
vischeri jetz bruchent, oder hinfüro bruchen wollen fünf jär die
nichstkomenden, s&lUch Ordnung, wie obstat, also ze halten und der
oachzekomen, aid liplich zu gott und den hailigen schweren und in
denselben aid nemen, ob dehainer jetzo sun oder knecht het, oder hin-
füro in dem bestimpten zit der fünf jär überkam und gewünn, die
lillich Ordnung nit geschwom betten, das si die waidni der vischeri ze
»ruchen nit f&ren noch bruchen lassen wöllint, die habint söllich Ordnung
enn vor wie si ouch geschworn ze halten und der also nachzükomen,
ie obstat; und söllicher aid sol beschechen und iugenomen vor und
on ains ieden obern in den bestimpten zilen und kraissen begrififen,
ad also bi der Ordnung durch sin bottschaft gewesen, oder von denen,
e denn dieselben ir obern darzü ordnent, und den si das ze tun be-
3lhet, alles ungevarlich.
Original Papierblatt St.-A. Abt. XXXX, Nr. 976. Außerdem
ehrere Kopieen.
Die eigejUiichen ,,Fischcrordnungen'^ werden hier, weil reine Zunft-
icheUy nicht mitgeteilt. Das St.-A. Überlingen besitzt mehrere solcher
Ordnungen^^; so eijie vom 17. Juli 1536 mit 107 Artikeln; vom Jahre
}53 hezw. 1555 (nach Einführwig der ,,Hase^i-Ordnung^^ ; s. u.) eine solche
; einem Papierlibell von 88 beschriebenen Seiten. St.-A. wie oben.
* Fischbach, Ort westlich von Friedrichshafen.
s Bodman, Ort am westlichsten Ende des Überlinger Sees.
156 Überlingen.
xxxx.
Kaiser Friedrich tut der Stadt Überlingen in Erwägung der gegen
Herzog Karl von Burgund und König Mathias von Ungarn geleisteten
Kriegsdienste die besondere Gnade, zur Besserung ihrer Mauern»
Gräben und Türmen usw. in ihrem ganzen Gebiete Beichssteuem
und sonstige An- und Auflagen erheben zu dürfen.
1482 AuguBt 8 Wien.
Wir Friederich, von gottes gnaden Rftmischer keiser, zu allen
Zeiten merer des reichs, zu Hungern, Dalmacien, Croacien etc. künig,
etc. etc. bekennen offeniich mit disem brieve und tun kund allen, die
ine sehen oder hören lesen : nachdem sich unser uud des reichs heben
getrewen burgermeister, rate und gemeinde der stat ÜberUngen in den
kriegsleufen, der sich weilent herzog Karl von Burgundi vor verschinen
Zeiten und itzo künig Mathias zu Hungern, als unser und des heiligen
reichs veind und widerwertiger zu abpruch, Zerrüttung und nider-
druckung des heiligen Römischen reichs und deutscher nacion gebraucht,
mit irer und der iren schweren costung, wagnuß und daratreckung leibs
und gftts uns uud demselben reiche zu ere, rettung und behaltung uud
in ander wege, als unser und des heiligen reichs undertan allezeit in
getrewer gehorsamkeit beweist und erzeigt, und hinfür in künftig zeit
wol tun mögen uud sollen, so haben wir mit wolbedachten mut«, guten rat
und rechter wissen denselben von Überlingen und iren nachkomen zu er-
gözlichkeit und belonung sölichs ires schweren costen darlegens und
Schadens, und damit si deshalben nit in abnahmen und verderben
kommen, sonder die gemelt stat Überlingen uns und dem heiigen reich
zu aufenthalt mit mauren, ti'irnen, graben und andern notdürftigen
weere dester bas gopessorn, vor unbilliclier beschwerung und beschedi-
gung aufenthalten und verhütten, und die iren dest stathafter befriden
und beschirmen mögen, dise besonder gnad getan und freiheit gegeben,
auch gegönnet und orhuibet, tun, geben, gönnen und erlauben ine von
Römischer keiserlicher machtvolkomenheit vissentlich in kraft dis briefs,
also das si zu stcier der obeslimhten zweier rai.sen und nu hiefür zu ewigen
Zeiten, wann und als oft si von uns oder unsern nachkomen am reich,
Römischen keiseren oder künigeu, umh hilf und beistand in raisc oder
ander wege mer ervorderet, oder sust zu den genielten gepewen, oder
andern derselben stat Überlingen anligenden notdürften und beschwer-
ungen dürftig w^erden, auf alle und jegliche personen, die iren und der
iren gerichten, zwingen, pennen und gebieten, so si ietzo haben, oder
künfticlich in kauf, tausch, salz, oder ander weise zu iren und der
obgemelten stat banden pringen, underworfcn, zügehörig, oder sust zu
Überliogen. 157
versprechen steen, wo die gesessen sein, ziemlich anlegen und auflege
tun und machen, solches von denselben erforderen, einnemen und auf-
heben, und die, so sich dawider setzen, widern, oder darin ungehorsam
erzaigen würden, bei billichen und zimlichen penen, straffen undpflssen,
das wir ine hiemit unser macht und gewalt geben, darzfi zwingen und
halten und zfi gehorsam pringen mögen, und s&llen damit wider uns,
das heilig reich, noch sust iemand anderen nit gefrevelt, gehand-
let noch getan haben in einich weise, getrewlich und ungeverdlich;
doch ims und dem heiligen reich an unserer oberkeit, auch den, so
dieselben ir hindersessen mit leibeigenschaft zögeh&ren, an iren ge-
rechügkeiten derselben leibeigenschaften unvergrifiFenlich und unschedlich ;
und gebieten darauf allen und iglichen curfürsten, füi*sten, geistlichen
und werltlichen, preleten, graven, freien, herren, rittern, knechten, haubt-
leuten, ambtleuten, vitzt&mben, vftgten, pflegern, verwesem, schult-
heissen, burgermeistern, richtern, reten, burgern und gemeinden, und
sust allen andern unsern und des heiligen reichs undertanen und ge-
trewen, in was wirden, states oder wesens die seien, und besonder allen
und iglichen in iren und der iren gerichten , zwingen , pennen und ge-
bieten gesessen und zfigeh&rig, von Römischer keiserlicher macht ernst-
lich und vesticlich mit disem brieve, daß si die vorgenannten von
Überlingen und ir nachkommen an difen obgeschriben unsern keiser-
lichen gnaden, freiheiten, vergönnung und erlaubung nit hindern noch
irren, sunder si der berülich gebrauchen, geniessen, genzlich dabei
bleiben, und also inpringen und nemen lassen, sich auch des nit setzen
noch widern, und hiewider nit tun, noch imands zu timde gestatten in
dhein weise, als lieb einem iglichen sei unser und des reichs swere
ungnad und verliesung einer pene, nemlich fönzig mark lötigs goldes
zu vermeiden, die ein jeder, sooft er freveulich hiewider tette, halb in
unser und des reichs camer, und den andern halben teil den ge
nanten von Überlingen unableßlich zu bezalen verfallen sein soll. Mit
orchund des briefs, besigelt mit unserm keiserlichen maistat anhangen-
dem insigel. Geben zu Wienn am achten tag des moneds Augusti,
nach Cristi gepürd vierzehnhundert und im zweiundachtzigisten, unserer
reiche des Römischen in dreiundvierzigisten , deß keisertumbs im ein-
unddreissigisten, und des Hungerischen im vierundzweinzigisten jaren.
Ad mandatum domini imperatoris proprium.
(Ohne Unterschrift.)
Perg, Orig. mit Siegel an roter Seide. L. A. Nr. 945, Abdr.:
Lünig, a. a. 0. S, 544.
158 Überlingen.
XXXXI.
Kaiser Friedrich gibt der Stadt Überlingen ein Privileg wegen der
Pfahlbürger.
1483 Dezenaber 28 Wien.
Wir Friederich v. g. g. Römischer keiser, zu allen Zeiten mera"
des reichs, zfi Hungern, Dalmacien, Croacien etc. künig, herzog z&
Osterreich, zu Steir, zu Kerndten und zu Crain, grave zu Tirol,
bekennen, daz unser und des reichs lieben getrewen bürgermaister und
rate der stat Überlingen färbringen haben lassen, wiewol si in craft
gemeiner beschribner rechte, auch nach aufsatzung der guidein bulle
uit schuldig weren in iren und der iren gerichten und gebieten pfal-
bfirger zu halten, so würden si doch an menigen enden irer und der
iren gerichte und gebiete unbillicher weise damit beladen, daraus ine
und gemeiner stat merklich beschwerung und schaden entstAndon, und
uns diemflticlich anrfifen und bitten lassen, si hierinne gnediclich zu
fürsehen; und wann wir nu denselben von Überlingen umb ires ta-
uchen getrewen verdienens willen mit besondern gnaden geneigt, auch
solich beswerung an in selbs unbillich und im rechten und unserer
guidein bulle verbotten sein, so haben wir denselben von Überlingen,
über das si des selbs macht hatten, unser sonder gewalt und macht
gegeben, und geben auch von Römischer keiserlicher machtvolkomen-
heit wissentlich in craft diß briefs, also das si alle und iegliche pfal-
burger, so itzo in iren und der iren gerichten und gebieten sitzen, oder
sich hinfür darein ze setzen understeen würdene, Urlauben, si daselbs
ferrer ze enthalten oder gedulden nit schuldig sein, und welich sich
des widern oder setzen würden, die mit gewalt aus denselben iren und
der iren gerichten und gebieten treiben mögen, und damit wider uns,
das heilig reiche, und auch die personen in was wirden, states oder
Wesens die weren, den dieselben pfalbürger zugehörten, nicht gefrevelt
noch gehandelt, noch in darumb ichts schuldig sein sollen in kein
weise, und gebieten darauf allen und ieglichen fürsten, geistUchen und
weltlichen, prälaten, . . .(wie in Nr. XXXX.) und wollen, das si die genannten
von Überlingen wider diß unser keiserlich gnad und erlaubung mit
pfalbflrgern noch in ander wege nicht dringen noch besweren, noch
dawider tun, noch iemants ze tünde gestatten, sonder si von unser und
des heiligen reichs wegen getrewlich dabei hanthaben, schützen und
schirmen, als lieb einem ieglichen sei unser und des reichs ungnad und
straf zu vermeiden. Daran tun si unser ernstlich meinung. Mit ur-
kund diß briefs besigelt mit unserm keiserlichen aufgedruckten insigel.
Geben ze Wien an achtundzweinzigisteu tag des monats december, nach
Überlingen. 159
Cristi gepurt vierzehenhundert und im drewundachtzigisten, unsere
keiserthumbs im einunddreistigisten jaren.
Ad mandatum domini imperatoris.
Perg. Orig. mit Fragmenten des rückwärts aufgedrückten Siegels.
LA. Abgedruckt in Z. 0. Bd, 22, S. 270 f.
XXXXII.
König Hazimilian schafEt eine bisher in Überlingen im Widerspruche
zum gemeinen Recht gültig gewesene Gewohnheit hinsichtlich des
Erbrechts der Enkel, auch Bruders- und Schwesterkinder auf Vor-
trag des Magistrats von Überlingen endgültig ab.
1496 Oktober 17 Lindau.
Wir Maximilian, v. G. g. Römischer kunig, zu allen zeiten merer
des reichs, .... bekennen ofTenlich mit disem brief und tun kund
allermeniglich , das uns unser und des reichs lieben getrewen burger-
meister und rate der stat Überlingen durch ir erber potschaft haben
fürbringen lassen : wiewol bisher bei inen zu Überlingen gewonheit sei,
das eniklin zft ir anherrn und anfrawen, desgleichen brflder- oder
swesterkinder nach absterben irer vater und müter zu derselben irer
vater oder müter geswistergiten gelassen hab und gittern neben den
rechten geswistergiten derselben ir anherrn und anfrawen, auch
vettern oder mftmen nit zugelassen worden wern, so würden doch
solich gewonheit und herkomen, wo die an ander und hfther gericht zu
rechtvertigung kemen zu zeiten mit recht aberkant, das inen iren mit-
burgem und den iren zfi merklichen costen und scliäden raiche, und
uns darauf diemütiglichen angerufen und gebetten, das wir als RAraischer
kunig in solichem zfi fürsehen und vor schaden zu verböten gnedig-
lichen geruchten. Und wann nu nach Ordnung und Satzung gemeiner
geschribner recht die eniklin, auch bröder- und swesterkinder irer vater
und mfiter erbschaft und teil, so die zu fall kumen mit den geswister-
giten, derselben irer vater und muter gleich erben, haben wir angesehen
ir zlmlich bete, auch die annfimen getrewen und nützlichen diust, so
si uns und dem heiligen reiche oft williglichen getan haben, und hin-
fur in künftig zeit wol tfin mögen und sullen. Und darumb, auch
dieweil solichs als vorberört dem gemeinen geschribnen rechten gleich-
f&nnig und gemeß ist, mit wolbedachtem mfite, gutem rate und rechter
wissen, solich ir obgemelt alt herkumen und gewonheit verendert und
in nachgeschriben massen gesetzt, geordnet, declarieit und erclert, ver-
ändern, setzen, ordnen, declariren und erklären auch von Römischer
160 Überlingen.
küniglicher machtvolkumenheit wissentlich in kraft diß briefs, also das
nu hinfür in ewig zeit in der gemelten stat Überlingen die eniklen,
brfider- und swesterkinder an stat irer vater und müter. zu irer an-
herrn und anfrawen, auch irer vater und müter leiblich geboni brftdern
und swestern gelassen hab und gfittern mitsambt derselben irer vater
und müter vettern mümen eelichen geswistergiten als den neclistge*
sippten rechten natürlichen erben nach Ordnung und Satzung der ge-
meinen geschriben rechten gelassen werden, die annemen, innhaben,
besitzen, nutzen, gebrauchen und niessen, und so die berürt, nach einich
ander stattut, herkumen noch gewonnheit daran nit irren noch ver
hindern suUen noch mügen in kein weise; doch das in solichen die
eniklin, brüder- und swesterkinder von einem leib geborn, ir weren vil
oder wenig, an stat irer vater und müter für ein person zugelassen und
gezelt werden, auch alle erbföll, so vor außgang diser unser kuniglichen
Ordnung, Satzung und declaracion auf solich der. vorgenannten stat
Überiingen herkumen und gewonheit biß auf dato diß briefs gefallen,
gehandlet und beschfehen, und davon nit geappellirt ist, alles bei sein
wirden und kreften beleiben und dieselben unser kuniglich Ordnung,
declaracion und erklerung denen keinen abpruch, schaden, noch Ver-
letzung bringen suUen noch mügen in dhein weise, getrewlich und un-
gevarlich. Und gebietten etc. (wie gewönlich. Strafe: vierzig mark
lötigs goldes.) Mit urkunt diß briefs, besigelt mit unserm kuniglichen
anhangendem insigel. Geben zu l^indaw an sibenzehenden tag des
monets ottobers, nach Cristi ^eburt viorzchenhundert und im sechs -
undnewnzigisten, unser reiche des Romischen im eilften, und des Hung^
rischen im sibenden jaren.
Ad mandatum domini regis proprium Bertoldus archiepiscopuir
Moguntiensis, arehicancellarius.
(Unterschrift des Königs fehlt.)*
Perg, Ori(j. an hlau-tceiß-roter Seide. L. A. Nr. 1035.
XXXXIII.
Malefizgerichtsordnung.
10. Jhdt.
Worbei zue wißen, daß der bittel, wann er in das malefizgerichi
verkündet, mit dem knöpf seines steckens ahn eines jedwederen raths-
verwandten thüer 8 mahl nacheinunder klopfen und dann für das tach-
* Maximilian war an diesem Tage persönlich nicht in Lindau anwesend. Vgl-
Z. 0. Bd. 22. S. 261.
2
\
Oberlingen. XQt
trauf heraußgebn und bei dem aid auch 3 mahl gebiethen soll, anderen
tags auf bestimbte zeith bei dem malefizgericht zue erscheinen.
Item das malefizgericht solle vermög habender Privilegien bei ver-
schloßenen und verrigleten thüeren und fensteren (welches der jüngste
Zunftmeister thuen soll,) gehalten werden.
Item sollen die bauherren dem bittel befehlen, daß er den armen
Sünder von dem thurn herab und unter die leuenthüer hohlen laße; dem
ratbsknecht sollen sie befehlen, daß er die Sturmglocken leithe, dem
bettelvogt, daß er die taffei vortrage ; dem nnchrichter sollen sie sagen,
was das urthel vermag und wie er den armen sünder richten solle.
Der canzleiverwalter solle das urthel auf dem trippel verleßen und
aolle der ambtsburgermeister neben ihm auf der rechten, der alte burger-
meister auf der linken seithen und der stattammann neben dem alten
burgermeister stehn; der umbgelterknecht solle nach verleßenen urthel
folgends außruefen:
«Hört, hört ihr herren, reich und arm!
diße sach solle niemand äfferen ahn
meine herren die burgermeister, ahn
meinen herren den stattamann, ahn
meine herren die Zunftmeister, ahn
meine herren die richter und räthe;
wer das überfehrt, der soll in des
armen manns fueßstapfen gestellet
werden. »
Item wann man einen armen sünder außführet, solle der bittel
'öit geladener bix hinter ihm hergehn.
Das maleflz-gericht aber ist folgendermaßen zu halten:
Nachdem man Sessionen genommen, zaigt der amtsburgermeister
^hn, daß ain armer sünder in der gefangenschaft, zue welchem 2 von
dem rath geschickt seien worden, die haben einem ehrsamen rath
^Unterbracht, waß sie bei ihme gefunden, woraufhin seie dem armen
Münder auf heuth ein rechtstag ernennet worden.
Alsdann begehret der stattammann zue wißen, w^elches die 2
thuruherren seien, welche der stattammann, nachdem sie ihm vom
ambtsburgermeister namhaft gemacht worden, fragt, waß sie bei dem
nrmen sünder gefunden.
Die geben mündlichen bericht und dan die bcschriben urgicht
ffin, welche auf des stattammanns begehren verleßen wird.
Alßdann fragt der stattammann beede thurnhcrren weither bei ihren
ehr- und aiden, ob sie dieße urgicht und bekanntnuß von dem armen
Sünder selbsten persöhnlich gehört?
01)errheiDl9che Sladlrechtc. II, 2. 11
162 Überlingen.
Die geben bericht.
Der stattammann fraget widerumb, ob der arme sünder gebeichtet
«nd versechen sei worden?
Die thurnherrn geben antworth.
Nach dißem fragt der stattammann den ambtsburgermeister, ob
man mit dem gericht führfahren wolle oder nicht? auch ob etwer für
den armen sünder gebetten habe?
Der bürgermeister gibt antworth.
Darauf fragt der stattammann umb, und so das mehrere, daß mau
mit dem malefizgericht fürfahren soll, erinneret der stattammann, daß man
nach Inhalt habender kais. Privilegien die thüeren verriglen und fenster
verspehren solle, welches dan von dem jüngsten Zunftmeister beschichet,
wornach beschicht durch den stattammann bei erinnerung eines jeden
aid die umbfrag auf das urthel; dann folget nach dem mehreren das
urthel und befilcht der ambtsburgermeister denen bauherren zue thueo,
was hieroben vermeldet ist.
Nach einer Kopie aus dem 18. JhrhdL St. Ä. • AhL VIII. NrJ64a.
XXXXIV.
Bestimmungen über den bei der Wahl eines Bürgermeisters zu
Überlingen einzuhaltenden Modus, Formeln für die Ansprachen des
Stadtschreibers, die Eidesformeln sämtlicher Überlinger Angestellten.^
Anfaug des 16. Jahrhunderts.
[l.J Nota, so man ainen bur^ermaister im Refental er-
weleu sol, so redt aiii stattsclirciber mit grossen raten als
hernach stet etc.:
» Ülier die 4 verachiedcuon Fassungen siehe am Schlüsse dieses Kapitels.
Handschrift B trägt auf dem Umschlag folgende Aufschrift:
Regimentß-et Rats-Ordnung.
Wie zur zeit der heil, pfingsten die herrcu hürgermeister, rät und richtet er-
wählt sollen werden und derselben, sambt aller der ambtsherren und andern bedienten
der statt Überlingen, vom höchsten biß auf den nidersten, fertigungen und aidea,
worauf ein jeder nach seiner Verwaltung züe schwären hat, mit beivermerkten un-
derrichtung der zwing und bann, auch der güeter, so in das spittelambt gehörend, das
einem spitel, so man im fertiget, fürgehalten wirdt.
Auf der ersten leeren Seite steht folgende
Lew
Keblewt 1502
Becken 1503
Schuhmacher 1504
Küofer
8chn(^ider
Metzger
Vischer
Ordnung
der zunften :
Überlingen. 163
Fürsiclitigen, ersamen und wisen all meine berren, darumb üwer
wisshait zfi disera mal alher beruft', das ist von wegen der endrung
aines burgerraeisters, wie dann dem löblichen brach nach diser statt
järlichen uf diß zeit zft thün gepflegen wirdet, darumb^ so sol ain ieder
bi dem aid, so er gesworn bat, raten an ainen, der in, der statt önd
den lüten diser statt darzCi tougenlich, nütz und gbt bedunkt, niemen
zu lieb noch zfi laid, weder durch müet, noch durch gab, durch frünt-
schaft, noch durch vindschaft, noch besonder durch kains andern ge-
nieß oder vortails willen, uugefärlich. Es soll ouch ain ieder ver-
swigen, das zfi verswigen ist, und allhie geredt oder geraten würt bi
dem virbestimpten aid.
Uf das so fragt dann ain stattschriber darumb die zunftraaister,
und wann die geraten so stet der oberstzunftmaister und ain zunft-
maister mit im uf, und nemen von grossen raten die fragen und
stimmen in; dieselbigen stimmen werden dann geöffnet und mit den
merem stimmen ain burgermaister erwölt.
Und wann also ain burgermaister erweit ist, so sol dann vor-
bestimpter massen' geraten und geredt werden von ains alten burger-
maisters wegen, wie dann das von meinen herrn zunftmaistern und
grossen raten erraten ist, und deßglichen so sol uf dieselben zeit* ain
stattamman im Refental ouch erwölt und [aber derselb und ouch der
alt burgermaister]^ nit geöffnet werden bis uf donrstag darnach.
[2.] Und so das alles volbracht würt, so sol dann ain statt-
schriber grossen raten verkünden^, daz alle zünften bi iren aiden uf
denselben tag, so also ain burgermaister erwölt ist, vor vesper zeit ire
zünftmaLster ouch erwölen sollen, wie dann desshalben der bruch' und
gewonhait ist, ungeverlich.
Darnach geen meine herren zunftmaister usser dem Refental uf
das rathus nach baiden bürgermaistern und clainen raten, die dann
alle komen in das Refental, und wann die dahin körnen, so redt ain
stattschriber zfi dem alten burgermaister, der desselben jars gewest ist,
und danket im von meiner herren wegen, als hernach steet:
Herr der burgermaister 1 meine herrn zunftmaister, ciain und gros
rate haben mir bevolhen, üwer wisshait zu danken, üwer müe, fliß und
arbait, so ir dann vormals und insonder diß jars mit inen und den
iren gehapt, und das ir sie und die iren allweg® früntlich und gütlichen
* A: gebotten. — • In A folgt hier: all min herren. — ' Diese beiden Worte
fehlen in A. — * In A: und uf die zit sol . . . - * Die Worte von [bis] fehlen in
A. — ' In A; So sol man ouch alsdann ainem großen raute verkünden. — ^ A: wie
dann das in gebruchung . . . — ^ A: «so>.
11*
164 Überlingen.
empfangen und tissgericlit hond, und erbieten sich^, wo sie das ieteo
und in künftig zeit umb ücli und alle die üwern beschuldeu* und ver-
dienen künden, das sie allweg willig und berait erfunden' werden wollen,
Darzü gibt dei* alt burgermaister antwurt.
Uf das redt furo ain stattschrib«' mit ime also:
Herr der burgermaister! so hond meine herrn zunftmaister, ciain
und gros rate mir fürbass befolhen üch zu bitten, das ir inen helfen*
bitten den ietzerwölten meinen herrn burgermaister N, den meine herrn
zunftmaister und gros rate uf diss jar zu ainem burgermaister erwölt
liaben, das er darzü willig si, angesehen, das meine herrn ain gut ver-
trüwen zu ihm band und wol erkennen, das er sie und die iren vor-
mals allweg gütlich und wol empfangen hat, und das und anders wol
waisst^ zu ermessen® und zu versehen.
Und so dann der alt burgermaister mit dem nüwerwölten burger-
maister uf das redt, und der nüwerwölt burgermaister antwurt gibt, so
würt wither mit demselbigen geredt':
Herr burgermaister! lassen üch die sach nit swär sein und seind
willig, so wollen üch meine herren zusetzen und üch hilflich und be-
ratenlich sein in hoffnung^, das ir die Sachen dester ringer und fürder-
lieber mögen vollbringen und verwesen.
Uf das sol dem nüwerwölten burgermaister der nachfolgende aid
in dem Refental vorgelesen und gegeben werden, nämlich also^ ^^:
Herr der burgermaister, ir werden swören der statt und den lutea
diser statt gemainlich, armer und riclier, imlz fromen und eere zöi
fürdern, iren schaden und unere zu wenden und zu warnen on gevenl-
[4.] Und besonder, das ir uf dis jar ain gemniner richter sein wollen^*
dem armen und dem riehen, ainem nls dem andern, niemanden zfi
lieb noch zu laid, durch dehains genieß oder vortails willen^*.
Item das ir ouch ^^ witwcn und waisen schirmen und bi der statt
frihaiten, gewonhaiten und rechten handhaben wollen^'*.
Item das ir ouch^^ die zunftcn bi iren gewonhaiten und rechten
nach irem herkomen behaben und behalten wöllen^^, als vil das an üch
ist, und ir das mit eeren und nach üwer erkantnus gethiin mögen^^
* A: und beveUhen mir fleh zu sagen. ... — * A: verschulden. — ^ A: all»
weg darinne willig erfunden. ... — -^ B: «helfen ze bitten». ... — * A: wisse.
* A: zu verwesen. — "^ A: Zu dem nüwen burgermaister wirdet also geredt:
* A: beräteulich erschienen, das si hofVeu. ... -- * A: Den aid, dem burger-
maister im refental ze geben. — ^'^ Am Rande von anderer Hand bemerkt: <?on>.
" A: sieu; («wöllen^> fehlt). - '2 A: zfi laid, noch von kaius \orteils willen. — «^ Diese
3 Worte fehlen in A. — ^* A: und rechten ze beheben. — ^^ A: ze beheben und ze
behalten. — '*^ A fügt hinzu: one geviird.
Überlingen. 165
Und ob sich begeben, das in zeiten üwers ampts etwas vorhanden
war, oder fürfiel, dardurch zwüschen ainem erbern rät und ainer erbern
gesellschaft oder zunft, darin ir gehorten, spenn oder irrung sich uf-
erheben würden, das ir dann der gesellschaft oder zunft, darin ir gehören,
in demselben kainen rät, hilf noch bistand thün, sonder bi ainem
rät beliben und daselbst alles das, so ains räts und gemainer statt lob,
nutz und er sin mög, helfen, raten und handien wöllent, nach üwerm
besten verston und vermögen, alles trüwlich und ungefarlich, es w^äre
dann, das sölichs üwer aigne fründschaft in sonderhait anträff*, sölts
gehalten werden, wie unzher die Ordnung der fründschaft halb
gewesen ist*.
Item was ir ouch fravenlich Unzuchten und geschichten sehen
oder üch clagt, oder ir sunst gloupUch bericht' werden, daruß der statt
flrävel mag gefallen, das ir das rügen bi dem aid, den ir ietzo * swören
werden.
Item was diß jars Sachen bi üch hie gescheen, die büsswirdig
uud zii rechtvertigen sind, das ir die bi üch rechtfertigen, als verr ir
mögend mit hilf der zunfbmaister und rate, die zu üch gesetzt werden,
und das ir daz gevärlich nit verziehen noch niemand andern* nach
euch sparen wollen.
Daruf so soll der burgermaister seine finger ufheben und dem
stattschriber disen gelerten aid nachreden und swören:*
[5.] «Als mir hie vorgelesen und mit worten entschaiden ist, das
^11 ich stät halten und getrülich volfüren on alle gevärd ; also bitt
ich mir gott zu helfen und all haihgen.»^
[10.] Darnach am donrstag redt der stattschreiber also:^
Fürsichtigen, ersamen und wisen all meine herrn! darumb üwer
wisshait ietzo alher gebotten, daz ist von enderung wegen meiner herrn
rate und richter, wi dann bisher (wie ir wissen habt) üwer gewonhait
gewesen ist, darumb so sol ain ieder uf das, so er gefragt würdet
1 Am Rande von anderer Hand <daz>.
' Der ganze Absatz von einer anderen späteren Hand als der vorhergehende
Absatz (Hd. B) fehlt daher in A und B. Am Rande von demselben Schreiber bei-
gefügt : c beschlossen von minen herrn zunftmaistern und grossen raten 2^ post petecosten
aoctc. Xm mo im Refental.» (17. Mai 1413.)
' Die Worte von «oder» bis «bericht» fehlen in A und in B.
* Dieses Wort fehlt in A und in B.
* Statt dieser Überschrift in A und B: Juramentum.
* Blatt 5 sonst unbeschrieben; gleicherweise Blatt 6—9.
' Am Rande von anderer Hand «im Revental».
166 Überlingen.
raten an ainen, der ine dann zu dem, darumb er gefragt würt, der
nützest und der best bedankt^ bi dem aide, so er geswom hat*
Darnach am sonntag uf der Gred redt der stattschriber also:*
Fürsichtigen, ersamen und wisen all meine herrenl üch allen ist
wissend die enderung, so dann järlichen uf diß zeit mit meinen herrn
burgermaister , araman, raten und richtern gepflegen würdet, die nu
ietzo abermals (als ich zu gott verhofiF) gemainer statt und den lüten
darin löblich, eerlich und nützlich* bescheen und volbracht*, und ist
also uf ditz jar zu ainem burgermaister^ erwölt mein herr N., der sich
dann hievor in allen ämptern, so ime von meinen herrn zunftraaistem,
klainen und grossen raten, von gemainer statt nutz wegen bevolhen
worden sind, so ussrichtig®, löblich und wesenlich gehalten und erzaigt
hat, das im meine herren uß denselben Ursachen also zu ainem burger-
maister erwölt hond.
So ist uf ditz jar alter Ijurgermaister N.
So ist uf diß jar' zö ainem stattammann erwölt mein herr N.
[11.] So waist ouch iedermann seinen zunftmaister wol, der ime
uf ditz jar gegeben ist.
Den und andern meinen herrn raten und richtern wolle gott der
allmechtig geben wishait, glück und hail, söliche ire ämpter und all
ander ir und der statt sachen ze handeln und ze werben, das gott dem
allmechtigen gefallig und® löblich, der statt und den lüten diser stat
nützlich und inen eerlich si.^ Daruf volget der
Eid der Räte.
So werden ir meine herrn des clainen rats swören uf ditz jar zu
richten und zu raten in den Sachen, die für üch komen, das best und
gerechtest, das sich dann üwer ieglicher erkent nach unser statt gewon-
hait und recht, weder durch müt noch durch gab, niemand zu lieb
^ In A folgt hier: es si an rät und richtern, und das sol jeglicher rauten. . .
' A hat außerdem : niemand zu lieb, noch zft laid, weder durch miet, durch gab,
früntschaft, vindtschaft, noch von kainer ander eache wegen, ungefaurlich.
' A: Nota: uf der Gred red also.
* Diese 2 Worte fehlen in A.
* A fügt bei : einholliglich.
^ Dieses Wort fehlt in A.
^ Das Wort «ainbarlich» in A ist durchstrichen.
® Diese beiden Worte fehlen in A.
* In A und B folgt hier noch folgender Absatz; «Uf das sol ainem burger-
maister sine vorgeschribne artickel lürgelesen werden, und wiewol er in dem refen-
tal gesworn hat, so sol er uf der Gred [nichtdestminder dieselben artickel] ouch sweren».
Diese Worte von [bis] stehen nur in B, sind aber von anderer Hand in A am Bande
beigefügt.
Oberlingcn. 167
noch zfi laid, noch durch kains andern vortails willen, on alle geverd,
und das ir gehorsam sein wollen^ geholten und andern endrungen,
und die* rate und anders, das zu verswigen ist, verswigen, und ge-
mainlich der statt und der lüten diser statt nutz, fromen und ere
fardem, iren schaden und unere wenden und warnen wollen, alles
on gevärd.
Were ouch, das ir dhainest zu unziten hörten an den rat lüten,
üch ward gebotten oder nit, das Ir dann komen und an dem rat he«
üben wollen.'
[12.] Und insönderhait*, das ir kainen Juden noch jüdinen in
üwer statt schirm noch hurgrecht nemen wollen'^, als vil als an üch ist,
und ir das wenden mögen on gevärd.
Eid des Ammanns.
Herr der amman! so werden ir swören das ammanampt und das
gerichte von gemainer statt wegen uf ditz jar zu besitzen und ain
glicher richter zft sein dem armen als dem riehen, und dem burger als
dem gast, nach diser statt gewonhait und recht, niemand zu lieb noch
zft laid, [weder durch müt noch durch gab]®, noch durch kains [andern
geniess oder]® vortails willen, on geverd.
Item was ouch unzücht clägt werden, oder was ir unzücht sehen
b^een,^ daruß der statt fraveln gefallen mögen, das ir die fürgeben
und rügen und mit dem rät® straffen und gevärlich nit verziehen, noch
niemand nach üch sparen, ouch one geverd.
Auch das ir rät und haimlichait der rät, ob ir der innen werden,
verswigen, und was zu verswigen ist, on geverd.
[13.] Weiter* wärden ir, mine herren der altburgermaister und J^^i3
ßtattamann bald schwerren, ob sich begaben, das in zeiten üwers ampts
etvas vorhanden war oder fürfiel, dardurch zwüschen ainem erbern rat
und ainer erbern gesellschaft oder zunft, darin üwer ieder gehorte,
spenn und irrungen sich uferheben würden, das ir dann der gesellschaft
oder zunft, darin ir gehören, in demselben kainen rat, hilf noch bistand
thiln, sonder bi ainem rat beliben, und daselbst alles das, so ains räts
und gemeiner statt lob, nütz und er sin mög, helfen, raten und handien
wöllent, nach üwerm besten versten und vormögen, alles trüwlich und
UDgefarlich, es wäre dann, das söUichs üwer aigne fründtschaft in son-
» Fehlt in A. — 2 Statt fdie» in A: «das ir». — » Dieses Wort fehlt in A;
dafür «one gfärd». — * A: «mit sonderhait». — * Fehlt in A. — » Die eingeklammerten
Worte fehlen in A. — ^ Am Rande v. and. Hand: «ald ir sonst glaubwürdig bericht
werden». — ^ A und B: mit hilf der rät. — ' Dieser und der folgende Absatz von
Band B geschrieben; fehlen in A und B.
Mai 16.
168 Überlingen.
d erhalt anträff, dann sölts gehalten werden, wie untzher die Ordnung
der fründtschaft halb gewesen ist.
Ist beschlossen von minen herren zunftmaistern und grossen raten
montags im pfingstfirren, anno etc. XIIl™^ im Refental.
Eid der Richter.
So werden ir meine herrn die richter die obbeschriben puncten
und artikel, so meinen herrn den raten vorgelesen und geoflFnet sind,
sweren, und sovil mer, das ir kain sach von dem undren gericht für
den rat schiebend , es sie dann , das ir üch bi üwern aiden mit dem
merern tail erkennet, das es ain sölich sach, üch zu schwer und under-
ßchaid darin zu erhoUen nottürftig seien, on geverd.
[14.] Item wann minen herren den rätten und richtern ir ver-
tigungen gelesen werden, so sollen sie swören und darnach sollen die
burger gefertiget werden^.
Eid der Bürger.
[15b.] All mein herrn! wissend, das meniglich sweren soll under
ainen burgermaister ald under ainen zunftmaistjer der zunft, under der
er vor gewesen und in die er^ geschiben^ ist, und under kainen andern,
on ains räts urlob; wer aber das nit thät, der rieht der statt 5 8^*,
darzü frävelt er an meniglichem und niemand frävelt an im! Diß
Satzung haben wir langezit gehalten und wellen ouch dieselben und
ander Satzungen, wie bisher* für basser halten; hiemit man üch warnet
das ir üch vor schaden wissen zu verhüten.
[16.] Auch wissend, were", das under dem burgermaister, ald den
zunftmaistern, aiuer dem andern mit dem rechten ainichen abbehielt''',
das er under im sin s51te, war in dann behept, dem sol er gehorsam
sein bi dem aid, den er hie sweren wirdet, und soll im das den aid,
so er vorgesworen hat, nit berüren**.
Sonder, so merkend, was ir ietz zumal schweren werden, das ist^
das ir gehorsam seien dem buigermaister, den zunftmaistern und den
raten allerding, so sie alle, ald der raerer tail under inen, die dann
zumal biainander sind, ze rat werden, ungevarlich; und were, das ü wer
^ Der letzte Absatz von einer späteren Hand C; fehlt in A und B.
* Diese 3 Worte fehlen in A.
3 A: «beschiben».
^ In A: und dem aman sin gericht. Später durchstrichen.
* In A und B: die wir bisher gehalten haben, . . .
* Die beiden letzten Worte durchstrichen; darüber von Hand B: «ob sich begebe».
^ A: anhüb. B: abbehüb.
® In B ist von späterer Hand am Rande bemerkt: Aid der burger alhie an-
zuheben und inen den vorzulessen uf das kürzest.
Überlingen. 169
dhainer icht verneme, das diser statt, ald den lüten diser statt koramer
ald gebresten machten ald bringen möcht, oder das sich der statt ald
den lewten zfi ungemaeh, zu unfriden, zö widerparthien ald zu uflöwfen
ziehen ald scliieken möcht, das soll er bringen für ainen burgermaister,
oder für ainen zunftmaister, ald für ainen deß räts unverzogenlich^ on
all geverd.
Dis gelupt werden ir halten unz üf den nechstcn sant Johanns
tag ze sonnwenden und von dannen über ain ganz jär ongeferd.
Also hebend auf und sprechen mir nach: als mir hievor gelesen
UDd mit Worten beschaiden ist, das will ich stett halten und getrewlich
voUfüren, on all gefärd; also bitt ich mir gott zu helfen und all
hailigen.
[18.] Zu wissen* uf ditz zeit, so man under ainen burgermaister
schweren will, das dann durch den büttel den ußlewten, in unsren
gerichten seßhaft, nämlich: üflFkirch^, Goldpach'^ Brunispach*, und.
Burgkberg*. verköndt werd, her in die statt und uf die Gred zö komen,
und alsdann under ainen burgermaister ouch zu schweren.
Legantur statuta.
[19b.] Eid der Mitglieder des großen Rats.
Aide der grossen rät, den schweren sie in der ratstuben und sollend
alle deß grossen räts sweren:
All mein herrn! es haben mein herrn mir bevolchen, euch meinen
heim deß grossen räts zö eroffnen etlich puncten und artikel, die ir
werden schweren zu halten und den getrewlich nachzekomen ungevarlich**.
[20.] So werden ir sweren, das ir gehorsam seien dem burger-
maister, den zunftmaistern und raten aller ding, so sie alle, ald der
ßierer tail under inen, die dann zumal biainander sind, ze rat werden
Ungevarlich, und were, das ainer iemer ichtzit' vernäm, das dieser statt
kommer ald gebresten machen ald bringen möcht, oder das sich der
statt ald den lewten ze ungemaeh, ze unfriden, ze widerparthien, ald
ze uflöwfen machen ald schicken möcht, das sol er bringen für ainen
* Dieser Absatz steht in AundB als erster Absatz unter folgender Überschrift:
Detar iaramentum universaliter. Legantur statuta.
« Aufkirch
< R •* ' b h ^^^^^ Weiler im Gebiet der Gemarkung Überlingen.
» Burgberg
• Am Rande von späterer Hand bemerkt: «die grossen räth».
^ In A: ünt; von späterer Hand dafür: ichtzit.
170 Überlingen.
burgermaister ald für ainen zünftmaister, oder für ainen deß räts un-
verzogenlich, on alle geferd.^
Und besonder, so sollen ir ditz jar raten* in den Sachen, die für
euch komen, nach ewerm besten versteen, und das so zu verschwigea
ist, verswigen, ungevarlich.
Diß nachgeschriben underrichtung der zwing unnd
benn, und das, so in das büttelampt gehört, wirdet aineiix
büttel, so man in vertiget, fürgehalten:
Gericht, Zwing und Banne.
Item von erst vahet das an und gand so weit, als das ettcr greifet,
hohe und nidere gericht
Item so gehörend gericht, zwing und bann her, so weit die drei
herden der statt, dörfer und mülliner tratt, wunn und waid haben und
bruchen, und darzö Reutin der hoflF', ouch so weit wunn, tratt und
waid gat, und die mülUnen zu Rüti* gehört nit in der statt gericht,
zwing und bann, das schaidet das kilchspel, wann Reutin, der hoff,
gehört her, und die müllinen gen Pfaffenhofen* in die kirch höre, und
die gericht der mülline gen Bamberg.*
Item Regnatzhawsen ^ der hof gehört her.
Item Burgberg® gehört her.
Item der hof zu Hellwang* gehört her.
Item Uffkirch gehört her.
Item der StolP^ gehört her.
Item Brünlispach.
Item Goldpach. An den enden allen hat ain rat ze richten und umb
fräflinen, ußgenoraen, was den hohen gerichteu iugehört und hawt
und har anrürt.
Denen sol man verkünden, under ainen burgermaister zu swören:"
Goldbach mit den diensten
Brünispach »
Der StoU
Hellwang >
Uffkirch
* Darunter v. d. spät. Hd.: cNota den . . . (unl.) frevel, bussen, straffen, Unzuchten».
2 A: Und diß jaur ze rauten . . .— ^ Keutchöfe, nordöstlich von Überlingen-Andels-
hofen. — *• Reutemühle nördlich der Reutehöfc. — * Pfaffenhofen jetzt Dorfteil von
Owingen, nördlich von Überlingen, früher Name des ganzen Ortes. — ® Bambergen,
Dorf nördlich der Reutehöfe. — ^ Heute Rengoldshausen, östlich von Überlingen, bei
Deisendorf. — » Burgberg, siehe oben. — » Höllwangen, Hof bei Hödingen, nördlich
von Überlingen. — *^ Weiler zwischen Sipplingen und Goldbach am Bodensee.
" Dieser Abschnitt stammt von späterer Hand, fehlt daher in A und B.
ÜberlingeD. 171
Rütin mit den diensten
Regnatzhasen »
Burgberg »
Sanct Lienhart* »
Sanct Katherina* »
Sanct Ulrich' »
Blaichin * »
Hußwürt in Salmswiler huß an der wiß mit den diensten.
In das gebüttelampt gehört diß, alles^ hernach stat :
Jltem zwo wisen bi Beuren an der Ach,* aine enenthalb, die ander
berdischalb.
Item sechs maden hörend darz&, und sol der büttel der ander
sein, an seinen maden zu mäien.
Item vor Hellwang bei dem hof ligt ain halb juchart.
Item hinder dem hof ligt oueh ain acker.
Item ain acker leit enhalb Hedinger Tobel,^ ist ain wenig mer
daDD ain halb juchart.
Item zu Hedingen vor den linden, da der steig gät gen Lengen-
feld, ligt ain halb sattel.
[26.] Item uf dem Nellenbach® ligend dri juchart^ acker; an dem
ainen ligt ain wislin, hört darzu.
Item ob den wisen, an Erlach, ^® ligt ain acker, ist ain groß juchart.
Item ain halb juchart under Lugen *^ herab, ob dem Schindelberg,
ligt an der siechen acker, der da gehört gen Pfaffenhofen , in der
siechen hoff.
Nota.
Item wann ain gepüttel von seim dinst abtritt, ist der wisen und Novemb. so.
acker halben, die in das pittelampt gehörig sin, von meinen herren
angesehen und erraten worden, das dem abgestandnen püttel die äcker,
die er selbs gesät und geböwen habe^*, desglich die wisen, die er selbs
gemät, genossen '' und nit verlihen hat, uf** dasselb jar zuschneiden,
zu nutzen und zu niessen verfallen sollen.
' St. LeoDhord östlich von Überlingen, Kapelle und Pfründnerhaus.
I < St. Katharina bei St. Leonhard.
I ' Früher Kapelle bei den Mühlen im Osten der Stadt.
^ Bleiche bei den Mühlen. — ^ A und B: als.
* Beuren an der Ach, wohl Grasbeuren an der Aach.
' Schlacht von Hödingen bis Süssenmühle, westlich yon Überlingen.
» Fließt durch Überlingen. — » Fehlt in A und B. — '® Gewann bei Über-
lingen. — *' Lagenhof, nördlich von Überlingen. -^ *' Durchstrichen. — " Durchstrichen.
** Dorcbstricbeo.
172 Überlingen.
Und aber, was er von ackern^ nit selbs gesät und gepüwen,
sonder verlihen, disglich, was er von wisen verlihen und nit selbs gemftt
hab, dieselben äcker und wisen sollen dem newen gepüttel gehören
und züston.
Actum Andree im XI jar*.
[28b.] Des Büttels Lohn.
Item von erst, so gibt man^ von ainem fürbot am undern und
obern gericht 1 ^j*, oder so der pütel ainem sust in kraft seiner
Ordnung ain schuld erfordert, 1 ^, und aim gast 2 ^.
Item von jeden zeugen zu gebieten am undern und obern gericht
von ainem burger 1 ..j, von ainem gast 2 ^^.
Item von undergängen nichts.
Item wann er ainem burger zu hus rieht, wann er dann rieht,
daran der cleger ain benügen hat, so gibt man im 4 ^, er seie burger
oder gast.
[29.] Item von güeter spenen oder pfenden 1 |i ^, er seie burger
oder gast.
Item von inzeschriben 1 ^ dem schriber, und das mein herrn
ainen darauf bestellen.
Item von ainem, der in meiner kerrn fangnus kompt etc., welcher
umb schuld in fangnus kompt, und so er ledig wirdet mit miner herrn
willen und wissen, der gibt 5 jj ^, und welcher umb Unschuld in
fangnus kompt, da geben weder meine herrn noch der gefangen nichts.
Item von schedlichen leuten, was man bi den findet, und im zu
sinen banden wirdet, es seie schubgelt oder anders, das soll er an meine
herrn bringen und inen das offnen, oder mit miner herrn willen be-
halten, und hat ain büttel kain gcrechtigkeit darzü, ußgenomen gürtel,
gewand, und was daran hanget von waffen.
Item und sollen meine herrn in ußrichten von dem, so sie bi im
finden umb thurn, löß und atzuug, und ob sie sovil bi im nit finden,
so soll ain rät in daunocht darumb ablegen, und soll der züchtiger
davon ouch ußgericht werden, ob das vorhanden ist, das überig mag
ain rät Scheiben den fründen oder den hailigen , oder wo sie bedunkt
gut sein.
* Die beiden Worte von derselben Hand über der Zeile.
- Diese Nota stammt von späterer Hand D.
' Durchstrichen und am Rande von anderer Hand beigefügt: <.ain burger».
■* Durchstrichen, dafür das folgende von anderer, jung. Hand, E, mit blasserer
Tinte angefügt, fehlt daher ia A und B,
* In A und B: lA
Überlingen- 173
Item wann meiner lierrn knecht gefangen bringen, sie seien veind
r ander, was sie dem oder den nemcn und bi im findent, es seie
;, nomen oder anders, darumb band sie dem büttel nichtz zil ant-
rten, und mögen mine herrn das werden lassen und sclieiben nach
erkanntnus, [und sollen die knecht süllichs minen herrn über-
wui-ten.]^
Item wann ainera büttel ain gefangen geantwurt wirdet, so soll er
lerschaid ^ron ainem rat nemen^, wie er den halten soll mit essen,
sei schädhch oder unschädüch.
[30.] Item von ainem hafl etc., wann ain burger kompt zum büttel,
1 an im begert, im die kettenen, genant den hund, inzeschliessen,
T in das schiff leit, sol man im davon G ^ geben, und so menig
das in haft hgt, iedes tags 4 .^j ; kompt dann der, dem das sein in
X gelegt ist, und bitt meine herrn umb teding, so sollen die ding
meinen herrn darumb steen, und vom ußschhessen gibt man im nichts.
[Item wann er usserhalb die statt gen must \md denen, so für
sem Stab gehören, fürbott thut,]* von ainem ieden 0 ^j, imd ob er
1 ußman hie in der stat beträt und fürbot thet, dri tag vor dem
httag, oder zwen, ald ainen tag, davon 2 ,•].
Wenn aber er ussrhalb unsern st^ gerichten verkündt in der nähin,
soll im von ieder person 1(J ^| gegeben werden; ob er aber weiter^
ras wit verkünden müßte, so soll der Ion und fürpottgelt an ainem
it ston.^
Item wenn ainer ainem vaß wein verpfenden will, davon 6 ^j.
Item wa ain burger oder ains burgers kind selbs cost im thurn
Iten, sollend dannocht dem büttel deß tags 4 ^j werden.
Item wo pfle;?ere oder cristaflFel, ir seie zwen, dri oder mer, ainem
bieten wellen, da sollend die pflegere oder cristaffel dem büttel vom
bott 1 ^j geben, und wo der büttel das bott Überseche, so soll er
n andern fürbott nichtz nemeu.
Item wo ain arman roß und karren in der statt het, und ain
rger im das verheften wellt, so sol der burger mit dem büttel zfi dem
len mann gan und söllich schulde an in vordem, und ist er im der
uld bekanntlich, so mag er im dos verheften und darzü richten
ih der statt recht.*
* Von [l)is] Dicht in A und B.
* Am Rinde von anderer Hand bemerkt: «wahin es den legen und».
' Durchstr.; am Rande v. derselb. Hd. wie unter ^ beigefügt; «und trinken er?.
* Anstatt des Eingeklammerten von [bis] in A und B: Item zil fürbotten den
itten ... — * Durchstrichen. — ^ Durchstrichen. — ^ Dieser Absatz von anderer
d, C, fehlt daher in A und B. - « Dieser Absatz ist vom Schreiber des nächst-
enden Absatzes durchstrichen.
174 Überlingen.
Item und ob ain annerman^ in die statt trüge ain armbrosi
mantel oder ander waffen , ußgenommen das gürtel begreife, mag de
büttel dem burger umb sein schulde darzfi richten nach der statt recht.
[30.] Item wa ain gast roß und karren oder ander war in de
statt het, die mag ime der burger durch den püttel um sein schuk
verheften und darzö richten lassen nach der statt recht; het er abe:
eingesetzt und wollt wider uß der statt farn oder reiten, mag ine dam
der burger underm thor noch ergreifen, hat er macht, ime ain roß
zwai, drei, sovil im geliept, für sich selbs ufzftsetzen, deßgleich aii
reitenden wider abzusetzen, und dieselben roß wider herein in ain win
huß zfl fürn, und si also um sein schuld damit zu verheften.
Item wenn das ist, das mein herrn den partien rechttag setzei
und inen fürgepotten het, wa dann der verzüg deß rechttags an minei
herrn were, und der rechttag durch meine herrn verzogen würde, s
soll der büttel den parthien zu den andern rechttagen fürgebieten un<
davon nit* nemen; deßglich soll gegen den zeugen och gehaltei
werden, so den fürgebotten würde, und die sach durch meine hern
verzogen*, das dann der büttel zfi den andern fürbotten mit näm*.
Item das holz, so mein herrn dem stattamann und richtern gend u
das brothus,® das soll ain büttel oder die sinen uftragen.
Item wenn der büttel ainen beschliessen w^ürd, so soll er komei
zu ainem burgermaister und im sölichs zu erkennen geben, und sc
dabi sagen, das von minen herrn angesechen seie, das ain burgerraaiste
darzfi Scheiben soll , damit die hab angeschriben werd, und von der
allen ganz nichtzit nemen, noch iemand davon nichtzit schenken, noc
ander leut davon lassen nemen dhains wegs.
Item ob es sich begibt, das die hab an der gant verkouft soll
werden dem haft nach,*^ das alles an die gant lassen komen, und in
selbs, noch sinen verwandten, noch niemand andern an der gant nich
koufen, noch andern bevelchen, das an siner statt zfi thund, und wa:
daruß gelöst wirdet, das alles soll er® aigentlich von stuck zu stuct
ufzeschriben^ und dann damit zu ainem burgermaister oder statt
haltcr fürderlich zukehren^® und im sölichs zu erkennen geben, dami
* Durchstrichen, darüber v. d. folj^eod. Hand «gast».
' Der ganze Absatz ist späterer Zusatz von Hand.E.
« Durchstrichen; darüber «nichts». — * A. u. H fügten bei: wurde.
^ Die beiden letzten Worte durchstrichen von der?. Ild. wie unter » beigefüj^t
«nichts neme». — ' Durchstrichen am Kande v. and. Hd. korrig. in «gerichthus». -
' Seil: 80 sei er . . . — ^ Über der Zeile. — * Die Silbe «ze» durchstrichen. — ><> Di
Silbe «zu» durchstrichen.
OberÜDgen. 175
mn der burgermaister darzu scheib, damit ^ das gelt an statt zu
cherhait gelegt werd.
Item deO büttels Ions halb berürend die gant und das ufschriben,
) er im hus thftt, dem haft nach wellend meine herrn dir darumb
ndenicbtung geben; die* ist also: was uf ainen tag vergantet wirdet,
)vil deß ist, so soll von allen tailen dem büttel 18 ^ geben werden,
nd nit mer, deßgleich, so er nach ains absterben desselben verlassen
ab und gfit ufschreipt, soll ime auch 18 ^ davon gelangen*.
Item min herren wollen dir hinfür weder vom zol, noch sunst
ichts mer zfi geben schuldig sin, dann in deiner bestallung*.
Item meine hern wollen och, das man dir^ hinfüro weder vom
oll noch sunst niclits zu geben schuldig sin, dann das, so [dir^]
Nie [jetz gebort,]^ in sin dienst gehört.®
Diß obgemelt des büttels belonuug soll zu der nach- i6ii
folgenden deß büttels vertigung gesetzt werden, und die^^^ruste
baide allweg aufeinander gelesen.*
Uf des nüwen pütels anbringen der wisen und äcker halb in das
pütlelampt gehörig, haben min herren burgermaister und zunftmaister
darara geredt, das dem abgestanden püttel die äcker, die er selbs ge-
saigt und gepuwen hab, söUent volgen das jar zu schniden und zft
nutzen, aber die andern, die er nit selbs gesäet oder gepuwen, sonder
verliehen hat, das die dem nüwen püttel zügeherent, und also fürohin,
wenn daz zum fal kompt, ouch dermassen gehalten werden soll.
Actum mitwoch prius Lorenti anno etc. XI™".
Deßglich ist uf fri^® sampstag vor Andree a^ etc. XI™" von minen i^n
herren burgermaister, raten und richtern der wisen halb, so ins bittel-^^^'"'^ '
ampt gehören, der entschid geben, das dem nüwen pütel die wisen, so
der alt püttel verliehen und nit selbs gemät hat, billich zusten und
gehören sollen.*^
* Korrigiert in cdas».
' Die Worte von: cdie ist also» bis: «und nit mer» rühren in A von anderer,
etwas späterer Hand her.
" Die Worte von «deßgleich» an stehen am Rande und rühren von Hand £;
lie fehlen, ebenso wie die beiden folgenden Absätze, in A und 6.
* Von Hand D und mit blü-sserer Tinte; nachträglich wieder durchstrichen.
' Durchstr. und darüber von Hand E: «ainem pütel».
* Durchstr. von Hand E durchstrichen; dafür «im».
' Diese 2 Worte von derselb. Hand durchstrichen; dafür oblut.
* Dieser Absatz stammt von Hand D.
* Beide folgenden Absätze stehen nicht in A und B.
'" Durchstrichen.
»" Beide Absätze, der letztere von derselben Hand, aber später beigefüsjt, sind
orcbst riehen.
176 Überlingen.
Eide des Büttels.
Item du wirdest schweren, der statt eer, nutz und fromen zil
fürdern und zfl schaffen, und irn schaden und unere zfi wenden und
zu warnen nach dinem besten versten und vermögen, ouch minen herrn
allerding gehorsam zft sein und zft richten dem armen als dem riehen,
und das kainem zu versagen, besonder, wann er will und es am zit*
ist, ungevarlich.
2. Was dir ouch fräv(4 oder Unzucht fürkompt oder clegt wirdet,
oder du selbs siechest, das du dasselbig inschriben lassest, und dannocbt
nichtdestminder aincni burgorniaister^ ouch zu erkennen geben wellest,
[und nämlich das du, so die umbew angeben werden, dieselben orden-
lich, und wie die beschechen sin, aigentlichen ufzaichen wollest.]*
[33.] 3. Das du ouch der statt gefangen versorgen^ und also
verwaren wellest, damit du dieselben widerumb antwurten mögest,
und ob du oder diu husfrow, von den gefangen ichtzit vernemen, das
du dann dasselb fürderlich ainem burgermaister oder Statthalter zu er-
kennen geben wellest, [und besonder kainen gefangen one erlaupt aus
kainer vengnus verendern noch anderßwahin zu legen, dann wie im
Süllichs iederzeit von ainem burgermaister oder Statthalter bevolchen
würdet.)^'
4.' Da solt ouch bi dir in deß thurns behusung kain gastung haben
und niemand frömbden enthalten, dergleich one erlopt ains burger-
maisters niemand zu den gefangen lassen.
f). Wo du ouch körnest zu misshellung oder kriegen, die sollt du
stillen und als verr du magst, nidorlegon.
0. Iteni du solt auch in craft der newen Ordnung ainen jeden
burger, biwoncr und gast sin fürderlich recht ergon lassen, und die'^
uf die pott, so du ainem jeden thüst, Üeissig ufmercken haben, und
» Hand B fügt hier an : uiigefaurlich, und der gericht und recht erlangt, das
dorn richtest, wenn er des begert, und enkaiiicn über ainen manot des versaget, be-
sonder, wenn er will . . .
^ A: an dem zil . . . B: an zeit . . .
3 Am Rande von Hand F bemerkt «das hinderlich».
* Von [bis] nicht in A; in IJ von derselb. Hd. mit bhlsserer Tinte später zugefügt.
^ A fügt hier an: «und was dir gefangner geantwurt werden, das du die ve^
sorgest in niauß, das du die wieder antworten mögest j. Alles folgende fehlt in A.
* Von [bis] von and. Hd.. später zugefüg^, fehlt daher in A und B.
^ Anstelle dieses Absatzes, der in A und B fehlt, steht in A: «Item, was du
anzüchten sehest, dardurch minen hcrron frävol gan mag, das du türbringen damit
die gestrauft werden».
** Durchsl riehen.
Überlingen. 177
)ald ainer dieselben Übergang, ine darumb einsehreiben und meinen
rn anzaigen, alles bi dem aid, so du ges^ sweren wirst*.
7. Du sollt ouch weder spilen noch karten, [noch in ainichen weg
1 oder gemain an dem spil haben],' allediewil du in miner herrn
^nst bist, und besonder so sollt du ouch schweren, one urloub ains
rgermaisters oder Statthalters von diser statt nit z& gan, alles ge-
wlich und ungevarlich *.
8. Item was du ouch gehaimer rate oder anschlage verstündest
er vememest, das du dann dasselbig verswigen und besonder, so du
fangen annemest, derselben gut, gürtel, mitsampt dem seckel und
derm daran hangend, wie du das erfindest, ainem Statthalter one alle
nderung antwurten wollest.
Und* wenn du® dins diensts halb nit zfi schaffen habest ^ ufain
rgermaister wartest®.
9. Du solt auch getrewlichen ob der wacht diser statt und be-
ider darob sein,^ so es wäet, das du^** dann dieselb" mit umbgeenden
echten und in ander weg stattlichen versechen werde ^*.
Hie^' soll dann dem büttelouch gelesen werden sin nutzung und
sioldung, auch wie er es mit der gant halten soll, findt man an den
3hsten 3 blettren hievor nechstgeschriben.^*
10. Item deßgleichen, das du insonders ain rock meiner hem
rb machen lassen imd damit gerüst warten wollest.
Item zfi welcher zeit du dich och meinen herni nit gefeilig hieltest,
Uen meine hem inen vorbehalten und am selben ort weiten weg
ben, ire dinst nach irm gefallen zu verleihen ^'^.
' DarchBtrichen. — * Der ganze Absatz von späterer Hand D, fehlt also in A
IB. — ' Von [bis] fehlt in A, in B am Rande von derselb. Hd. mit blasserer Tinte
gefügt. — * Die folgenden Absätze Nr. 8, 9, 10 fehlen in A. — * Durchstrichen
i ander. Hd.; am Rande bemerkt «deßgleich». — * Von ander. Hd. über der Zeile. —
urcbstrichen; von derselben Hand wie sub • darüber gesetzt «hast». — ' <st>
'chstrichen; daneben am Rande von Hand A «wollest»; der ganze Absatz fehlt in B. —
>ie beiden letzten Worte von Hand D durchstrichen und dafür hinter «statt» «sein»
gesetzt. — 10 Über der Zeile. — " Durchstrichen. — " Die drei letzten Worte
chstrichen; dafür «selbs versehest». Dieser Absatz lautet also endgültig: «Du solt
h getrewlichen ob der wacht diser statt sein und besonder, so es wäet, das du
n selbs ufstandest und dieselb nacht die wacht mit umbgeenden knechten und
Inder weg, und was in die dienst gehört, selbs stattlichen versehest.» — ^^ Dieser
atz fehlt in B. — »* Dieser Absatz ist durchstrichen von derselben Hand D, von
^her der nächste Absatz stammt. — ^' Dieser Absatz fehlt in B.
»berrhelnische Stadtrechte. I!, 2. 12
178 Überlingen.
Fertigung der Ehefrau des Büttels.^
[34.] [Item es soll ouch allweg ains pütteis frow gefertiget] • w^en',
das so sie* von den gefangnen ie zu ziten hören würden, niemand
dann dem burgerraaister oder dem püttel zä sagen, auch den gefangen
kain meidung oder raichung zu th&nd noch zu geben, derglich das sie
one erlopt ains burgermaisters niemand zu den gefangen komen lassen
wollen one gevärd*.
Item min herren wollen dir hinfür weder vom zol noch sonst
nichts zu geben schuldig sin, denn das, so in din dienst gehörte^.
Und soll uf das hernach volgen die vertigung ains ganters, die
er alle jar ouch schwem soll.
Item es sollen ouch all knecht unverzogenlich, nämlich ain ieder
iusonders, ain rock miner herrn färb machen lassen, und damit gerüst
warten.
Item zu welcher zit sich die knecht minen herrn nit gefeilig
hielten, so wollen sie inen Witten weg haben und behalten, ire dienst
nach irm gefallen zu verlihen. '
[35.] Und soll uf das hernach volgen die vertigung ains
ganters, die er alle jär ouch sweren soll.®
Item ain gantknecht sol schweren gemainer statt und auch der
lüten diser statt nutz und fromen zu fürdem und schaden zu warnen
und zu wenden nach pestem seinem versten und vermögen, und das
er menglich sein war, so im einhendig gemacht wirt, alliclich an offnen
gantmarkt komen lassen, usserhalb der gant ieraands ichzit zfischeibea
und alßdann daselbs zum getrewlichisten und fleissigisten verkoffen
und mit dem r&f iemands hindern noch fürdern, besonder ainem, wie
dem andern, un verschont ob er reich oder arm, oder wer der sei,
rufen, und darin ainich geferd bruchen.
* Dieser Abschnitt fehlt in A und B.
* Von [bis] von Hand D durchstrichen, dafür: «Ir».
* Am Rande von Hand D : «geben ewer trew an aids statt», das von derselbeo
Hand wieder durchstrichen wurde; dafür «sweren».
* «sie» von Hd. D durchstr. dafür: «ir».
* Die 3 letaten Worte von Hand D.
* Dieser Absatz von Hand F.
' Die 4 letzten Absätze durchstrichen.
^ In A lautet dieser ganze Eid:
Ganter, der an der gant verrüft, ist sin aid :
Item was er uf der gant verrüft, da sol er nit mer nemeu, dann von iedem
U den. 6 den.
Es sol och weder er noch iemand ander von sinen wegen mit an der gant konfen.
Überlingen. 179
Und das er fümamlich weder an gantmärckten, noch usserhalb
selbs noch den seinen gar nichtzit koffen noch zflscheiben, noch och
terhalb seins bestimpten Ions iemands weiter beschweren, besonder
b in dem allem halten welle, wie im wol z&stand, getrewlich und
all geverd.
Und ist sein Ion vom tf 6 ,*f , [von 15 |l 9 hllrJS under 15 ß bis
10 a 4 -^, 10 ß 3 ^, zwüschen 10 ß und 5 |l 2 ^, 5 f 3 hUr, un was
der 5 ß ist, 1 ^ *.
Weiter noch mer sol er nit nemen, noch auch weder zerung oder
der schaden nit thün noch auftriben, kainswegs, [kain zerung witter
riben noch nemen].'
Wo er aber iemand auf sein selbs begem und nit nach recht-
ber erfolgung sein war an offnem marke verkoufen würd, des er sich
on zfi thün nit sperren noch verwidem, so sol man im ain tag 20 kr.
d zimblich essen und trinken^, mer nit ze geben schuldig sein.^
Eid der Säckelmeister.
[38.] Ir als die, so uf ditz jar von meinen herm in das stüblin
«rollt sind, werden schwern, miner herm und gemainer statt nutz,
»men und eere zä fürdern und zä schaffen, und im schaden zfi
urnen und zfi wenden, nach üwerm vermögen und besten verstau,
trewlich und ungevarlich.
Item, das ir ouch alles ^eli, das euch von meinen herm und der
itt wegen geantwiurt würdet und ir empfaehen, wie sich das begibt,
trewlichen versorgen und in üwer innemen, deßglichen das ir uß-
ben, in üwer ußgeben aigentlich schriben lassen wollen, damit ir
jinen herrn darumb wissen erber rechnung zfi geben und zu thun.
[39.] Das ir ouch alles das gelt, das euch ingeantwurt wirdet,
er ir sunst empfaehen oder innemen^ allain in meiner herm und ge-
liner statt nutz anlegen und wenden wellen ungevarlich.
Deßglichen so werden ir schwem, alle jar jerlichen zfi viermaln
5 müllinen mitsampt den buwherm zu besichtigen, und was ir an
er in ainer oder mer unrecht erfinden, ainem erbem rat diser statt
erkennen zfi geben ungevarlich.
» Von [bis] fehlt in D.
s Bis hierher stammt der ganze Abschnitt von einer anderen Hand.
' Von [bis] von anderer Hand, ist wieder durchstrichen.
^ In D: und weder essen noch trinken nit mer zu geben schuldig sein.
^ Von späterer Hand.
• Steht nicht in A.
18*
180 Überlingen.
Item so ir auch gebieten, minen herm und gemainer statt ir
schulden, zins und gelt bi aidspflicht oder an gelt zfi geben and si
bezalen, so sollen ir allweg die, so dem bott ungehorsam erschinen, bi
üwem aiden rügen und ainem erbem rat zfi erkennen geben.
Das ir ouch die schulden diser statt getrewlichen inbringen und
besonder in inbringung der besetzten galt kain enderung on ains rats
wissen und willen thün wellen.
Der Ungelder Eid.
Ir werden schweren, meiner herrn und der statt nutz und fromen
zö schaffen und irn schaden zu warnen und z& wenden, getrewlich
und ungevarüch.
Item das ir ouch alle wochen uf ainen tag an dem ungelt sitzen
und das getrewlichen berechnen und emphachen und ouch furter das
empfangen gelt den seckelmaistern ^ überantwurten und darz& aigent-
lieh ingeschrift setzen wellen, damit ir meinen herm darumb wissen
erber rechnung z4 thün.
DeßgUchen, das ir wettpfenninggelt getrewhchen inbringen und
darin one ains erbem rats verwiUigung kain nachlassen thün oder zu
geben, und was desselben gefeilt und üch ingeantwurt wirdet, den seckel-
maistern überantwurten und darzö aigentlich inschrift setzen wollen,
damit ir ouch darumb wissen rechnung zu thun und alles gelt, so euch
vorgelütter weise ingeantwurt wirdet, in kainen andern weg anz&legen
oder zu bewenden, dann in miner herrn und gemainer irer statt nutz
und fromen, ungevarlich *.
Item so ir ouch gebieten, meinen herm und gemainer statt ire
schulden, zins oder gelt bi aidpflieht oder an gelt zu geben und zä
bezalen, so sollen ir allweg die, so dem bott ungehorsam erschinen, bi
üwern aiden rügen und ainem erbern rät zu erkennen geben.
Ir sollen auch mitsampt den bawhern all fronfasten all wagen und
gewicht allenthalben bei meniglich, wer sieh der allhie in unser statt
gebrucht, uf heben und besichtigen, und nämlich den man bei seinem
aid, ainem burgermaister geschworen, und die frowen bei gütten trewen
an aid statt vertigen und daruf erfordern all wagen und gewicht, so
si haben euch darzulegen und nichtz zu verhalten, und bei welchem ir
^ A: «den etOblinelüten».
2 In A lautet (iieser Absatz folgendermaßen:
Und deseglichen wettpfeiiin^gelt, bo dann gevelt und üch ingeben und ge-
antwnrt wirt, das och in^'eschrift ze setzen und den stttblinslüten zö antwurten und
darumb rechnung ze tdnd und das gelt alles in kainen andern weg zii bewenden,
dann in miner hern nutz und fromen ungevarlich.
Überlingen. 181
alsdann ainen valsch oder gefar erfinden würden, fürter dasselb an
stund ainem burgermaister und rat zfi erkennen geben; deß oder der-
selben straf soll alsdann alwegen an aim rat ston, dieselben zfi bietzen,
den ainen am leib, den andern am gät, nachdem ains jedes gefarlich
oder ungefarlich gebandelt bat^
Ir sollen ouch* mitsampt den bawhem allen wierten ain mal im
jar und nämlich umb sant Jörgen tag ire massen uf heben und pfechten.
[44.] Eid der Spitalpfleger.
Ir werden schweren, des spittals nutz und fromen ze schaflFen und
ze fürdem und im schaden ze warnen nach ewerm besten vermögen
und das gelt, so ir uss kom, wein imd anderm lösen und empfachen,
das ir das weder in ewerm aigen nutz bruchen, noch sunst in ander
w^ verleichen, sonder allain in deß spittals nutz anlegen und bewenden ;
das ir auch kain gelt weder an leibding, zins oder gütter ' noch ligende
gütter anders anlegen wellen, dan mit wissen und verwiiligung ains rats;
deOglich das ir deß spittals vleißeg warten und dem getrewlich zösechen,
auch all ewer einnemen und ussgeben in ewer rechnung ordentlich
setzen und komen lassen, und all wochen vom maister deß spittals alles
seins einnemens und ussgebens gute raitung nemen, und so. ir bi im
oder andern ichzit argwannigs erfimden, dasselb meinen hern aim rat
unverzogenUch z& enkennen geben* wollen, alles getrewlich und un-
gefarlich^.
Eid der Bauherren.*
Ir werden swem, das bawampt mit allem dem, das darzü dient,
getreuwlicb und mit höchstem fleis zu versechen und gemainer statt
nutz und fromen ' zu fürdern und im schaden und abgang zu warnen
und zu wenden nach allem ewerm vermögen.
Das ir ouch, so sich spenn in bewen umb guter in unser statt ge-
legen oder deren gerechtigkait halben begeben würden, uf ansuchen
der partheien unser burger und bewoner in sollichen irn spennen aigent-
lich und nach notturft gegen ainander verheren, si fürter nach ewer
besten verstentnus deren rechtlich entschaiden und darin glich richter
sein wollen dem armen als dem reichen, ainem wie dem andern.
* Dieser and der folgende Absatz von anderer Hand E, stehen also nicht in
A nnd B.
* Über der Zeile.
* Diese beiden Worte sind durchstrichen.
* Die Stelle von «und so ir> an bis cgeben» ist durchstrichen.
' Dieser Absatz von einer anderen Hand, steht nicht in A und B.
* Dieser «Eid» steht weder in A noch in B.
' Über der Zeile «darinn».
182 ÜberÜDgen.
Und ob euch in sollichem etwas beschwärlichs begegnen und fiir-
fallen wurde, das ir das ainem ersamen rat fürderlich fürtragen und
zö erkennen geben, und am selben ort weiter beschaids erwarten.
[45.] Derglichen das ir mitsampt den ungeltem allen wierten und
gesselierem ain maul im jar, und nämlich umb sanct Jörgen tag, iie
massen ufheben und pfechten wollen.
Item das ir ouch mitsampt vermelten ungeltem all fronfasten all
wagen und gewicht allenthalben bei mengelich, wer sich der alhie in
unser stat gebrucht, auch ufheben und besichtigen und nämlich den
man bei seinem aid ainem burgermaister geschwom, und die firowen
bei glopten truwen an aidsstat vertigen und daruf erfordern wollen, all
wagen und gewicht, so sie haben, euch darzelegen und nichtz zu ve^
halten, und bei wölchem ir alsdann ainen valsch oder gefar erfunden
würden, fürter dasselb an stund ainem burgermaister und rat zfi er-
kennen geben, deß oder derselbn straf soll alsdann al wegen alwegen^
an aim rat ston , dieselben zu bietzen , den ainen am lib, den andern
am gfit, nachdem ain jedes gefarlich oder ungevarlich gehandelt hat.
Und auch sunst alles das thün wollen, das euch amptzhalben zsütat,
und ir zu thfin schuldig sind, alles getruwlich und unngevarlich.*
Desglichen, das ir alle jar jerlichen zu vier malen . mitsampt den
seckelmaistem die muUnen besichtigen, und was ir an oder in ainer
oder mer unrecht erfinden, das ir das ainem erbern rat diser statt zu
erkennen geben. ^
Auch gar dhain holz noch spen nit mer nemen, besonder sich der
bandnüß und epfel uf irn costen zu haimen beniegen lassen.
Auch von amptz wegen dhain rittgelt nemmen, es werd dann ainer
sonderlich verordnet vom rat zu ritten.
Auch dhain rittgelt über 8 tag ansteen lassen; welcher das aber
nit in solcher zit empfacht, dem werden die seckelmaister dannach
nichtz geben.*
Eid der Ungelderknechte.
(Ir werden) du würdest ^ schweren, miner herrn und geraainer irer
statt nutz und frommen zu fürdern und zu schaffen, und irn schaden
zu warnen und zu wenden, und meinen herrn burgermaister, zunft-
maistern und den raten aller ding gehorsam zu sein, und ouch uf ainen
burgermaister zii warten, ungevariich; derglich all gehaim und das dir
* Doppelt.
* Bis hierher der ganze Abschnitt von Hand E.
* Dieser Absatz von Hand D.
* Die beiden letzten Absätze von einer anderen Hand.
* Die beiden ersten Worte stehen umittelbar über den beiden folgenden.
Überliogen. 188
z& verschwigen und z& handln bevolchen wirdet, nach miner herm
befelch zu handhi und zu verschwigen.^
Item das (ir) du all wochen das ungelt von den wierten ufschriben,
und alle sonntag' bi den ungeltern sitzen und das ungelt (wollen) wollest'
helfen rechnen, nachdem und (ir) du^ das angeschriben (band), hast, das (ir)
du ouch die becher so (ir) du ußlichest, allwegen anschriben und am
Sonntag' sovil der an dem ungelt gebrucht sind, uf das räthus ant-
wurten wellest (wellen).
Item und das (ir) du am ungelt die ungelter kain gelt innemen
innemest^ wollest.
Item wann ain wiert win in sinen keer® ziehen will, das (ir) du
dann denselben wein aigentlich ufzaichest und anschribest, (ufzaichnen
und anschriben^, [ee der win in den kern kompt].®
Item (ir) du (werden) würdest ouch schwem, aller der vaß eich, so
an die eich komen, anz&schriben , und wann die wiert (üch) dir ain
eiche angeben, das (ir) du dann die eich aigentlich ufschriben (wellen)
wellest; [und so man iehet das du selbs dabi siehst bis zu end].®
Item wann (ir) du ouch becher (ußleihen) ußlihest, das (ir) du dann
denjenen, die sie bruchen wellen, (sagen) sagest, so sie ußgeschenkt
haben, das sie dann die becher mitsampt dem ungelt [am nechsten
Sonntag, nachdem der win ußgeschenkt ist, uf das rathus]® bringen
(wellen) wellest^®, so die glok zwölfe schlecht, ist es ain mansperson, bi
sinem aid, ist es ain frowenbild, bi irer trew an aidsstat.^^
Item das (ir) du kainen becher geben (wellen) wellest, er sage (üch)
dir dann bi trewen an aidsstat zö, das er damit kainen win schenken
welle, der ains gasts sie.
Deßglichen (sollen) ir solltu kainer frowen oder kind, die ainen
eeman oder vatter, der anhaim ist, haben, ain becher geben ; [(ir söllent)
du sollt ouch kainem priester kainen becher geben, er habe dann ainen
* In A lautet dieser Absatz:
Item, dn würdest sweren, minen herren, burgermaister, Eunftmaistern und
raten gehorsam ze sind und uf ainen burgermaister wartest! ungevarlichen.
* In A ursprünglich: samstag; von spät Hd. durchstr. und darüber: sonntag.
' Diese 3 Wörter sind folgendermaßen geschrieben: ungelt <^^ ,, ^'
wollest,
* Ähnliche Schreibweise wie unter *.
* Dieses Wort von Hand D durchstrichen, von der das folgende Wort stammt.
* keer = Keller.
' Dieser Absatz in A durchstrichen.
* Von [bis] von Hand E, fehlt in A und B.
» Von [bis] fehlt in A.
'" Diese 2 Worte durchstrichen.
^^ Die folgenden 8 Absätze fehlen in A.
184 Überlingen.
burger, der minen Herrn urab den becher und das ungelt verspreche,
und soll ouch derseib burger von (üch) dir gewertiget werden, wie ander
burger, so becher nemen].^
Item dass du auch unverzogenlich ain rock meiner heren färb
machen laßen und damit gerist warten wellest.^
Des Bauknechts Eid.
Item du würdest schwem miner herrn und gemainer irer statt
nutz und fromen zu fürdern und zu schaffen, und irn schaden zft
warnen und zu wenden, ouch minen herrn und ouch den buwherm
aller ding gehorsam zu sin.
Item alles, das dir von der statt wegen ingegeben wirdet, es seie
gelt oder anders, an kain ort ußzügeben, anders dann den seckel*
maistern getrewlichen und fürderlicheu zfi überantwurten.
Item [das du ouch kain holz der statt zugehörig in dinen nutz
bewenden lassen wollest, sonder]* was du siebest der statt zft unnütz
ligeu, dasseibig zum besten zu versechen und zu haimsen [und in dinen
aigen geschefften usser der statt nit zu gan, one erloubung ains burger-
maisters oder der buwherm].*
Item du wirdest och schwern, das du alle sampstag den rechnem
die werkleut, so dann der statt gearbait haben, angeben, auch zft der
statt buwen und werkluten getrewlichen sechen wollest.
Item das du ouch ain glicher uuderkoufer sin, und darinne nicht
durch müet, noch gab handln, sonder darin getrewlich und ungevarlich
underreden wellest, als sich gepürt, und vom burger nit mer under-
kouf nemen, dann von 2S ..j 1 hlr., vom gast vom fi ^ l hlr., und
mag solchs wol mindern.*
Item das du ouch bi dem Ion deß underkowfs, wie dann dir der
gesetzt ist, beliben und niemand« höher staigen wollest, auch kain spil
tliün und weder tail noch gemain daran haben, dieweil du in miner
herren dienst bist. *
Und git der burger von zwaien pfänden ain haller, und der gast
von ainem pfund ain haller zu underkouf, es sige im angeben oder nit,
ald er sige dabi oder nit.^
* Von [bis] in ß von anderer Hand beigefügt.
2 Dieser Absatz von Hand E; fehlt in A und B.
» Von [bis] fehlt in A.
* Die Worte von «und vom burger» an sind späterer Zusammensetzung; nach-
träglich wieder durchstrichen, fehlt in A und B.
* Die Worte von «auch kain> an derselben Hand wie sub * beigefügt, fehlt
in A und B.
« Dieser Absatz, sowie alles folgende, fehlt in A und B.
Überlingen. 185
Du solt auch getrüwlich ob den wacbtem sin, das die wacht
ordenlich fQrsehen werde, derglich solt du darob sin,^ wann es wärt,
das dann die wacht' mit umbgendön knechten stattlich fürsehen werde'
Sv du auch unfur.^
[48.] Item es sollen ouch all knecht unverzogenlich, nämlich ain
ieder insonders^ ain rock miner herm färb machen lassen und damit
gerüst warten • wollest. "^
Item® zÄ welcher zit dich® du dich^^ miner herrn nit gefellig
hieltest, so wollen sie inen Witten weg haben und behalten, im dienst
nach irm gefallen zfi verlihen [und nit schuldig sin, ursach zu sagen]^^
(darumb z& sagen und anzfizaigen).^'
Ir sollen auch dhainem gast weder holz, stain, koU noch anders
der statt zfigehörig nichts zfi koufen geben, dann umb bar gelt und
den bürgern uf borg also das ir dem burger sagen, das er bis nehsten
sontag daz erkouft bezallen und zu ewern oder kalchknecht banden
antwurten soll; dann wa daz nit bescheche, musten ir dieselbigen bi
ewern ambtz geschworen aid den funfen angeben, die werden ainen ieden
darumb um 10 |i^ unabläslich bezallen^' straufen.
Und was ir also einnemen^' verkoufen, es werd bezallt oder nüt,
aigentlichen aufschriben, und was üch bezalt wirdt, all sontag den
seckelmaistem in bisein ains bauherrn lutter abraiten, und die büchs,
darin ir alweg daz bar gelt stossen, überantworten sollen^' [auch sonst
die ausstend klain und groß fürderlich unverzogenlich einbringen, und
darumb auch gepürende raitung thun sollen] ^*. Derglichen solle er die
spen und abholz zum nützisten verkoufen, auch das gelt darauß gelöst
alweg in die büchs, darzü gehörig, stossen und alsdann überantwurten.
Und ist sin sold wochenlich 8 (J 9 ^. (Item und alles, das du von der
statt wegen verkoffst, dasselb aigentlich ufzaichnest, und alles, das du
innemest, alle sambstag minen herrn söckelmaistern darum rechnung
* Diese beiden Worte darchstrichen ; am Rande von and. Hd. «die wacht».
' Die letzten 4 Worte durchstr.; von Hand F am Hände beigefügt: «selbe
persenlich».
* Darchstrichen.
* Durchstrichen; auf Bl. 48 von derselb. Hd. beigefügt: «oder ander un-
Kimblichait [ebenfalls durchstr.] was auch mine herrn in verpott setzen, wo dasselb
verbrochen wurde, das du dasselb, so du deß gewar werdest, rügen und angeben
wollest».
* Die* Worte von «Es sollen» an durchstrichen^ darüber von anderer Hand
«das du och unverzogenlich».
•Von einer ander. Hd. — ^ Von Hand D. — ® Darüber «und». - * Durch-
strichen. — *° Auf Rasur. — " Durchstrichen. — " Von [bis] von Hd. C, das übrige
von (bis) von derselb. Hd. wie ♦. — " Durchstrichen — " Von [bis] am Rande von
einer späteren Hand.
186 Überlingen.
thüest und überantwuriest, und das, so rainen berm bi dinem ver-
koffen ußstünde, forderlich nacb miner herrn seckelmaister befelch in-
bringest, und dasselb auch überantwürtest und rechnung dammb thüest.)^
Kid des Knechts im cstüblin».
Item (ir werden) du wirdest schwern, miner herrn und der stat
nutz und fromen zA fürdern und z& schaffen, und im schaden z&
warnen und zä wenden, ouch denselben minen herrn gehorsam zu sdn,
und haimlich rate, so (ir vememen) du vememest zu verschwigen [und
deß stublins zu allen zeiten geflissen ze warten].'
Item alles das so (üch) dir ingegeben wirdet, es sei an gelt, bücher,
briefen oder anderm, was das ist, getrewlichen zu fürsechen, damit (ir
wissen) du wissest, das minen herrn widerumb zu antwurten.
Item das gelt, so (ir) du umb die salzschiben oder uß dem meß'
empfachen, in den stock und sunst uiendert hinzuthün und zfl stossen.*
Item das (ir) du ouch uß der statt nit geen (wollen) wollest, one
mins herm burgermaister sund (üwer) diner herrn seckelmaister * urloub
und vergönnen.
[50.] Item das (ir) du ouch alle wochen die meß deß salz, so (ir) du
dem salz knecht (inmessen) inmessest, aigentlich in schrift nemen (wollen)
wellest, damit (ir) du du im stüblin (wissen) wissest, darumb rechnung
zu thün, das (ir) du ouch den salzknecht kain saltz (lassen) lassest nemen,
(ir) du (haben) habest im das dann zuvor gemessen. (Ir) du (sollen) sollt
ouch weder spilen noch karten, [diewil (ir) du au disem miner herm
dienst sind bist].^
Item das (ir) du ouch niemands (lassen) lassest salz schiben nemen
weder umb bargelt, noch uf bait, sonder sölichs selb (thuen) thuest
und (versechen) versechest, das (ir) du ouch das gelt selbs in den stock
(stossen) stossest.
Item (ir) du (sollen) sollt ouch weder burgern noch gesten anders
dann umb bargelt salz geben, dann mit erloubung der seckelmaister®
[und dasselb gelt auch in den stock stossen].^
* Von (bis) auf einem ])e8on(leren losen BJatt von Hand C.
» Von [bis] von Hand D, fehlt in A und B.
* Die 4 leUten Worte über der Zeile von ander. Hd., fehlen in B.
* Der ganze Absatz durchstrichen.
Mn A: stflblinslttt. — « Von [bis] fehlt in A.
' Der ganze Absatz durchstr. von Hd. C, von der auch der folg. Absatz stammt.
» In B: stüblinslüte. - » Von [bis] fehlt in B.
Überlingen. 187
Item auch kain gelt ußgeben oder ußlichen one ains burgermaisters
oder seckelniaister befelch. *
So auch gebotten wirdet, gelt oder schulden der statt zfi bezalen,
das (ir) du dann die ungehorsamen bi (ewerm) dinem aid rügen (wellen)
wellest.
Item wann (ir) du ouch gelegne guter (verganten) vergantest, so
(sollen ir) sollt du mit der gant nit eilen, sonder den ersten rfif th&n,
so die glok ^wölfe schlecht, darnach zwüschen ainem und zwaien den
andern röf, und so die glok drew schlecht, den dritten und letsten
ruf thün«.
Item es sollen ouch all knecht unverzogenUch, nämlich ain jeder
insonders ain rock miner herren färb machen lassen, und damit gerüst
warten '.
Item zu welcher zit du knecht* dich* minen herren nit gefellig
hieltest, so wollen sie inen witten weg haben und behalten iren dienst
nach irm gefallen zfi verlihen ; und solt er* nit macht haben urlob zu
nemen noch ain rat wither zu staigen und wann man im urlob geben
wöll, soll man im zwen monat vorhinab künden*.
Sin bestallung ist im ratsbüch geschriben*
[51.] Item nachts nit uß siner herberg zfi sind*.
Derglich nit ze gast zu essen one miner herren seckelmaister gönnen
und erloben.*
Item ir sollen ouch hinfür' kain gelt, das min herren zugehört,
niendert anderswa empfahen, dann im stüblin bi dem buch, und das
dann inschriben und das den seckelmaistern fürderlich anzaigen.
Item min herren wollen auch hinfür vom zol noch sun>st® nichts
mer schuldig sin dann mit der bestallung*.
Item min herren wollen auch, das du im stiblin^ kain zeh noch
ürti ufrichtest^® noch habest^^ darunden im hus^* mit niemants nit
ouch kainen überloflF ins stüblin weder von wib noch kinden gestattet;
desglichen das salz selbs zerstössest und redest und dazu demselben
kainen knecht anstellest, on erlobnuß diner herren der seckelmaister;
^ Dieser Absatz, sowie alle folgenden, fehlen in A.
* Der ganze Absatz durchstrichen.
' Am Rande bemerkt <non>. Dieser und alle folgenden Absätze fehlen in ß.
* Durchstrichen. — * Dieses Wort zum Teil («d») auf Rasur.
* Durchstrichen, darüber von derselben Hand cir».
' Von der gleichen Hand über der Zeile.
8 Die 4 letzten Worte über der Zeile. — • Über der Zeile von einer and. Hd.
^^ €st» korrig. aus «en». — " Die beid. Worte von derselb. Hd. über der Zeile.
" Die drei letzten Worte durchstrichen.
188 Überlingen.
ZU dem das du dich^ schickest wol zfi warten im saltzhus, und in-
sonder zinstag und sampstag vom morgen bitz zu abent, und in allem
dem, des du von den seckelmaistern gemainer statt notturftig zft ihond
beschaiden wirdest trüwlichen gehorsam und willig siest, damit man
dich nit allweg suchen maß.'
[65.] Eid des Knechts auf dem Rathaus und seiner Hausfrao.
Item ir baide* wirden* schwem minen herrn burgermaister, zunftr
maister und raten gehorsam z& sin^ und der statt eere, nutz und
frommen zu fürdem imd zu schaffen, und im schaden und uneer zi
warnen und zfi wenden, nach ewerm vermögen getrewlich und un-
gevarlich.
Das ir ouch deß rathuses gät acht haben und zft nacht nit daroß
sin wellen on wissen willen und erlouben ains burgermaisters; und
wann brunsten oder sunst ufrären bi nechtlicher weile beschechen, das
ir dann den tigel anzinden und dem wachter uf dem glokenthum,
wo er deß sunst nit gewar oder erinnert worden were, zürüefen und
söllichs endecken, ouch bi dem hus beliben und mit höhen und liechtem
wol verwart sein wollen.
Auch war üch * fenglich in daz rathus geantwurt wirdet, den oder^
dieselbigen sollest® annemmen und verwarn, auch an stund ainem
burgermaister, wie verrer mit inen gehandelt werden solle, anzaigen*.
[54.] Was ouch üch im rathus ingeantwurt wirdet, das ir das
versorgen, damit ir das meinen herrn widerumb wissen zu antwurten.
Ir sollend auch alwegen zu den hüsern in rat bieten und nit
im rathus oder uf der gassen, und sein mitgsellen selbs ouch ansagen. ^*^
Item was ir hainilicher rate vernemen, das ir die bi dem aide
verschwigen und behalten wellen.
Item das ir dhainen ratsherrn und richtere, deßglich miner herrn
knecht gegen dem andern versagen noch verlaidigen wollest in kainen weg.
• Über der Zeile.
' Der ganze von and. Hd. stammende Absatz von «desglichen» an durchstrichen.
• Die Rückseite von ßl. 51, BI. 52 und die Vorderseite von BI. 53 sind un-
beschrieben. Mit BI. 53b beginnt wieder die ursprüngliche Hand.
• Über der Zeile.
» «ir» und die 2. Silbe von «wirden» auf Rasur; ursprüngl. «du wirdest».
• Durchstrichen, darüber «dir».
' Die beiden letzten Worte über der Zeile.
8 Über der Zeile.
• Der ganze Absatz von anderer späterer Hand, fehlt in A und B.
*° Dieser Absatz von späterer Hand, fehlt in A und B.
ÜberliDgen. 189
Item wo du zerwurfnus der lewten in der statt sechest das du
dann zükerest und die zum furderlicbesten stillest nach dinem ver-
mögen.
Item das du allwegen uf ainen burgermaister warten und
weder spilen noch karten, noch auch schiessen wollest, [noch daran
weder tail noch gemain haben].^
Du solt dich och allwegen mit aim eehalten fürsehen, der meinen
herm och gefeilig sei, und die [ir]* dem amptman anzaigen. •
Item das ir uf dem rathuß kain schnider, kursener noch nägerin
nit haben ^, noch ander zuker haben ^ on erloben ains ratz.®
Item das du och das brennholz den knechten, so dir jedesmals
von minen hern zugeben werden, sampt dinr hussren und magt, sovil
da dins dinsts halben fügUch darzu komen mögest, wollest helfen us-
tragen. '
Item wann mine herm uf dem rathus essend, was dann^ cost
überblibet, das** du dieselben den kücheleuten antwurten wellest,^® auch
den kuchelütten, Statthaltern, noch amptherren nichts noch jemand
andrer nichts schicken noch schenken wollest, es werd üch dann be-
volhen zA thun und enmerndrigs gUchlutter abraiten und meniglich
desselbigen tags bar bezallen. ^^
Item wann meine herrn zunftmaister uf dem rathus essend, so
sollt du^* ainen jeden knecht allweg, als oft als den andern, nämlich
ainen nach dem andern nach Ordnung laden alda zu essen.
Item das ir ouch weder nachts noch tags hofstuben noch gastung
one verwiUigung ains burgermaisters uf dem rathus haben wollen in
kaiuen weg.
Item das du och one haissen, verwiUigung und z&lassen ains
burgermaisters oder Statthalters von gemainer statt wegen ^' niemands
frembd schenken wellest^*, auch wem und wieviel du jedem win schenken
* Von [bis] fehlt in A und B. — * Durchstrichen. - • Die Worte bis «sei»
stammen von Hand D., der Rest von der mehrfach Blatt 53/54 genannten späteren
Hand. — * Von der ursprünglichen Hand herrührend. — * Mit blasserer Tinte von
derselben Hand wie die späteren Zusätze in Nr. 2 der Regiments- und Ratsordnung
Yon 1502|1504 (Abt. Vni Nr. 138). — • Von späterer Hand. — » Dieser Absat«
stammt von Hand D, fehlt in A und B. — * Am Rande von einer spätem Hand
beigefügt «win, brot und ..». — • Über der Zeile von derselben Hand wie unter
' «ir». — '® Durchstrichen. — " Der Passus von «auch» an ist von derselben Hand,
wie unter * genannt, beigefügt, fehlt in A und B. — " Über der Zeile «ir». —
" Die letzten vier Worte von derselben Hand D am Rande beigefügt. — ** Durch-
strichen, darüber von anderer Hand «wellest».
190 Überlingen.
würdest dasselbig Eigentlich ufscbriben und daz register (sampt siner
vertigung) ^ ußgang jares für mine herren legen *.
Item ^ wann man Herrn oder andern * schenkt, so sollt du nit mer
nehmen dann^ ainen crützer® von ainer kanten, und ob dir ain herr
oder ander ^ gast in sonder gelt geben, sollt ^ du bi dinem aid das nit
nemen, und ob die herrn dich zu tisch laden thäten, so solltu das nit
thfin, und wo die^ gesellschafben gehalten werden, und man denselben
schankte, so ist man dir davon ^® nichts schuldig ze geben ; ob aber die
gesellschaft dir etwas gebe, daran sollt du benügen haben.
Würdest du aber an offen herbergen ainem graven, frihem, ritter,
vom adel, prelaten oder andern gaistlichen ^S oder vogt und amptman
denselben zügehörig schenken, wamit dich alsdann dieselben ver-
eren, dasselb magst du wol nemen, und nichtzdestminder ist dir der
wirt von jeder kanten darzö 1 er ze geben schuldig.^*
Wo du aber nit an offen herbergen, sonder an ort, do man dir
kain schenkgelt zu geben schuldig ist, schenken würdest, wo dir dann
dasselb mer dann ain crützer schenkgelts von ainer kanten wirdet, so
sollt du dasselbig ainem burgermaister anzaigen ; [du solt aber gefarUch
uf dasselbig nit warten].^*
Item wa aber^* kaisern, königen oder fürsten geschenkt wirdet,
wamit alsdann die knecht hin wider vereret werden, dieselb vererung
sollen si den seckelmaistern überantwurten und fuerer an minen hem
stan, sollichs gemainer statt zu behalten, oder aber gar oder zum tail
under inen uszütailen nach irm gefallen. ^^
Item, du oder die Imsfrow sollen euch kain sonder wösch für üch
selb uf dem rathus haben, doch so man ains rats hussgewet oder linwat
zu weschen uf dem rathus nottürftig were, und dasselb thäte, alsdann
so mögen du und din husfrow mit wissen der buwhern üwer plunder
ouch damit weschen lassen ungevarlich.
Item du solt ouch ganz kainerlai gastuug oder mäler, weder mit
den knechten oder andern uf dem rathus haben, es were dann, das
den knechten ungeverlicli ain supp vereret würde, die mögen sie uf
dem rathus essen; wann sie aber darzü mer zu essen züwegen bringen.
* Am Rande von wieder anderer Hand. — ^ Der Schluß des Absatzes von «welltest
auch» an von der unter ^^ vors, genannten Hand steht in A und B. — • Über der Zeile
von Hand D «und». — * Diese beiden Worte durchstrichen; darüber von Hand D:
«von stetten an offnen herbergen». — * Über der Zeile von Hand D «vom wirten», —
• In B: 6 v>. — ^ Beide Worte durchstrichen; daneben von D «und». — * Über
der Zeile von D «wolte». — ^ In A und B: «hin». — »« Über der Zeile von D
«och». — " Die vier letzten Worte am Rande. — ^'^ Der ganze Absatz von Hand
D; fehlt, ebenso wie alle folgenden Absätze, in A. — *^ Von [bis] fehlt in B, ebenso
alles folgende. - " Durchstrichen. - " Dieser Absatz stammt von Hand D.
Überlingen. 191
. 56.] und ain mal damit zurichten wollen, so sollen sie söUich mal
uf dem rathus, sonder in ir ains huß haben.
Item zö welcher Zeit ir (ich minen herren missfellig hielten, so
lalten mine herren inen weiten weg üch ze urloben.^
Und ist die besoldung des jars II Sf ^, salz und ersen, feur
1 liecht*
Ain rock miner herren färb machen.
Die stund im rathus wider richten und warten.*
Von den Verehrungen (Geschenken), die fallen, wenn die
Ratsherren den Fürsten schenken.*
Item es sollen ouch all knecht unverzogenlich, nämlich ain jeder
onders ain rock miner herren färb machen lassen und damit gerüst warten.
Item zu wölcher zit sich die knecht minen herren nit gefellig
Iten, so wollen si inen witten weg haben und behalten, ire dienst
;h irm gefallen zö verlihen. *
Item meine herren haben sich von wegen der vererungen, so dem
i^necht, wan er schenkt, geschenkt würden, entschlossen, was mit
lem und seitzen geschenkt würdet, sole dem ratzknecht beleiben/
Wa aber kaisem, kingen oder' fürsten oder andern in fassen, in
ßken oder anders uf wägen® geschenkt rürdt, und® die selber widerumb
Lenken, das sölb mügen meine hern nach irem gütbedunken under
knecht tauen. ^^
Eid des Knechts im Salzhaus und seiner Hausfrau.
[58.] Item ir baide" werden schweren den salzkoufe getreulichen
fürsechen, und darin und ouch sunst in all ander weg miner herrn
i gemainer statt nutz und frommen zu fürdem und zu schaffen, und
schaden zu warnen und zu wenden, getreulich und ungevarlich.
Das ouch du oder die husfrow alletag, firtag und" Werktag, nach
tagmeß in dem laden seien, und alda warten und die leut mit
D saltzkoufe vertigen^*, imd am zinstag und am sambstag solt du
3S in dem laden warten und die lüt vertigen.^*
* Dieser Absatz rührt von Hd. C her. — • Zusatz von Hand D. — » Die beiden
ätze von anderer Hand. — * Dieser Abschnitt steht nur in A. — ^ Der ganze
latz durchstrichen. — * Der ganze Absatz durchstrichen. — ' Über der Zeile,
Hand D. — » Die Worte von coder» bis «wägen» besonders durchstrichen. —
urchstrichen ; über der Zeile von Hand D «wamit». — ^^ Auch dieser Absatz
hträglich durchstrichen. — Blatt 57 und die Vorderseite von Blatt 58 sind un-
chrieben. — ** Dieses Wort über der Linie von Hand C. — • " Diese beiden
rte fehlen in A. — ^s Am Rande von Hand F: «und früntlich und tügenlich
«en und empfahen». - ^* Der Passus von «und am» an stammt von Hand C;
t in A und B.
192 ÜberliDgen.
Item das ir ouch alles das gelt, das du und die husfrow im sali-
huse oder laden empfacben, von stund an in den stock stossen und sunst
nit secklen wellen S noch an euern aignen nutz verwenden wollen.
[59.] Item das ir ouch kain salz selbs uß dem salzhus nemen,
sonder dir oder diner husfrowen, das den stüblinsknecht inmessen
lassen wollest.
Das ir ouch das salz, so ir' also vom stüblinsknecht ingemess^
wirdet, flisslich und fiirderlichen an die hölzer, so ir baid gegen ain-
ander haben, anschniden wollen.'
Item das du ouch* zö kainen ziten in die ürtinen gan, ouch weder
spilen noch karten wellest, diewil du an disem dienst bist.
Das du ouch den klainen^ zoll getreulichen insamlen, und deß warten
wollest und was dir davon wirdet, dasselb von stundan in die büchsen
zä stossen, und an kain ander ort und end zö bewenden oder zu thun
anders, dannden amptlüten in der büchsen zu überantwurten.
Item zfi wölcher zeit ir üch auch minen herren missfellig hielten,
behalten mine herren inen weiten weg, üch ze urloben und im dienst
in ander weg zu fürsehen. ^
Item es sollen ouch all knecht unverzogenlich, nämUch ain jeder
insonders, ain rock miner herren färb machen lassen und damit gerüst
warten. "^
[60.] Fertigung eines Salzknechts und seiner Hausfrau.®
Ir baide werden schwörn, das saltzhauß und den salzkauf ge-
treulich zu fürsehen und darin und auch sunst in all ander weg meiner
herren und gemainer statt nutz zu fürdern und zu schaflFen, und im
schaden zft warnen und zii wenden getreulich und ungevarlich.
Das auch du und dein husfrow an baiden orten im salzhuß und
salzladen all tage und sunderlich im salzladen feirtag und Werktag
nach der tagmess geflissen warten und meniglich mit dem salzkauf
vertigcn wollen.
Das du auch, so wägen mit salz kernen, die von meinen herren
seckelmaistern zu losen angenommen werden, dieselben mitsampt den
knechten, so dir meine herren jederzeit zügeben, fürderlich wollest helfen
* Durchstrichen von Hand D, von der die folgenden Worte stammen, die in
A und B fehlen. — * Auf Rasur. — ^ Fehlt in A; ist in B von anderer Hand
später eingeschoben. — * Über der Zeile «ir». — * Über der Zeile. — « Dieser
Absatz fehlt in A und B. — ^ Die ])eiden letzten Absätze von Hand C. Der ganze
Abschnitt ist nachträglich durchstrichen; an dessen Stelle scheint der folgende
getreten zu sein. — ^ Dieser Abschnitt ist von Hand K, fehlt in A und B.
Überlingen. 193
entladen, und nachmals ins salzhuß tbfin, das prochen salz stossen^
und in casten getrewlich einmessen und was von ganzen Scheiben sind,
das du dieselben allweg im fuststapfen' klocken und probieren wollest
ob die vol und werschaft seien oder nit, und wa du mangel erfündest,
dir alßdann dieselben darvor wider füllen lassest, und nachmals ain
salzkauf abziehest und uf ain jede schiben des ffirmans namen mit
rotelstain verssaichnen ; ob du auch jemands in der wöchen salz uf borg
geben würdest, es weren ganz Scheiben oder beim mess, haimschen oder
frömbden, das du dasselb aigentlich ufschreiben und kainem frömbden^
den du nit erkennest oder trost haben, das du von im bezalt werden
mögest, ichtzit geben wollest, er vertröste dir dann mit ainem einge-
sessnen bürgert
Item das du auch kain salz für dich selbst uß dem salzhuß
nemmen, besonder dir oder deiner husfi'o\fen das allwegen der seckel-
maisterschreiber einmessen lassen wollest, und was dir oder deiner hus-
frowen also jederzeit eingemessen wirdet, dasselb fleissig und fürder-
lichen an die holzer, so ir bald gegen ainander haben, anschneiden
wollen.
Item das auch du und dein husfrow alles das gelt, so ir im salz-
huß oder laden empfahen, von stund an in den stock stossen und sunst
nit secklen noch an ewem aignen nutz bewenden^ wollen; [das du och
kain zech noch irtin im saltzhus mit niemand ufrichten wollest].^
Deßgleich das du alles körn, so der statt von im vogteien und in
ander weg jarlichs eingat, ordenlich empfahen, getreulich verwarn,
fleissig ufschreiben, und den seckelmaistern anzaigen, auch im jar,
wann und sooft es die notturft erfordert, das körn ' umbkern und kain
kom von jemand anemmen wollest, es sei dann kaufmansgüt und
werschaft.
Item das du auch zu kainen zeiten in die ürtinen gan, auch weder
spiln noch karten wollest, dieweil du an disem dienst bist.
Deßgleich das du fürderlich ainen rock meiner herren färb machen
lassen, und damit gerüst warten wollest^ [und sonst alles das thon
wollest, das du von meinen hern und den seckelmeistern gemainer statt
notturftig zfi thünd beschaiden wirdest].*
* Darüber von B: «und reden», (roden = sieben.) - * Am Rande von HandD
beigefQg^t: €und on erloben der seckelmaister kainen knecht darzü anstellen». —
• Faststapfen = Faustknüttel. — * Am Rande von späterer Hand: bemerkt «diser
artikel soll heraussen gelassen werden». — * Am Rande von Hand D beigefügt:
«oder usleihen». — * Das Fingeklammerte ist Zusatz von Hand D. — ' Diese beiden
Worte über der Zeile, von Hand D. — » Durchstrichen. — • Der Passus von [bis]
«und sonst» an stammt von Hand D.
O^errhdiaUche St&dtrechte. I[, 2. 13
194 Überlingen.
Ir sollen auch fürohin von dhainen ffirleuten dbain wein nemeD
noch holen laussen^
[61] Item zä wölcher zeit ir euch auch meinen herren missfellig
hielten, behalten meine herren inen weiten weg, euch ze urloben und
im dienst in ander weg zu fürsehen irs gefallens.
Eid der Zoll-Salzknechte*.
Weiter so werden ir baide schweren gemainer stat nutz un fromeo
ze fürdern und Iren schaden z& warnen und zA wenden nach ewenn
bössten verston und vermügen.
Das ir auch den zoll Inhalt des zetels euch von meinen henn
überantwurt one allen abgang und nachlaß getrewUch einsamlen, an
stund in die büchs stossen, und an ewem aignen nutz nit bewenden,
noch ichtzit darvon außleihen noch on werden, und ainem jeden sein
boliten dargegen ordenlichen außgeben und gfit achtung haben, das
euch dieselbigen boliten am sambstag zu aubendt von den thorhietem
wiederumb geantwurt werden, und also jedes sambstags ordenlich be-
sichtigen, ob ir minder oder mer boliten dann ir aufgeben heten,
widerumb empfachen, und so enderung oder minderung gespürt, das-
selbig dergleichen, ob ir ainichen abgang in der Gred an dem zoll
Josen Ronbühels, oder an ainicher war, hab oder guter, so nit in die
verzaichuus komen wer, bei jemandz erfinden würden, daz ir dasselbig
an stund den stüblinßhern, gredmaister, oder zoller anzaigen und zfi
wissen thun sollen, auch alle 8 tag die boliten enderen und abwechseln,
und insooderhait al wegen die büchs am sontag den stüblinßheren über-
antwurten; dergleichen zu welcher zeit ir euch meinen hern mißheilig
hielten, so mügen sie sölichen zoll aim andern bevelhen.
[(32b] Der Unterkäufer Eid^
Ir werden schweren miner herrn und gemainer irer statt nutz und
frommen zu schaffen, und irn schaden zu warnen und zu wenden,
getrewlich und ungovarlich.
Item das ir ouch den undcrkouf gemain mit einander treiben,
halten und haben wollen, gegen burgern und gesten, armen und reichen,
und nemlich von ainem burger 8 ^j, und von ainem gast 1 ß ^, von
ainem fuder wins ze nemen, und nit mer zu fordern, ungevarlich; das
ir ouch von demselben gelt der statt ir recht geben wollen.
> Dieser Absatz von Hand C. - ^ Der ganze folgende Absatz von Hand C,
steht nur noch in 1). — * Blatt 62a ist unbeschrieben ; der folgende stammt wieder
von der ersten, anfänglichen Hand A.
Überlingen. 195
[63.] Item es soll ouch üwer jeglicher zu dem underkouf gan
ann er darzu erfordert würdet, und sich üwer dhainer gevarlichen
ivoD Scheiben.
Ir werden ouch schwern, weder müet noch gab weder von bürgern
»ch gesten zft nemen, noch ouch sich die gest laden zu lassen und
t mit denselben zA essen; deßglichen weder zä spilen noch zA karten,
>ch tail, noch gemain daran zA haben, diewil ir in miner herm
3nst sind.
Deßglichen, das ir die zit, so ir in miner herm dienst sind, kain
en ürtin thun wellen, anders dann in offen trinkstuben, und aber
i zinstag und donstag ganz kain ürtin thAn, sonder der wagerlüt
d des underkoufs warten wellen^.
Ir sollen ouch weder in wierts- noch gesselier-hewser kain male essen'.
[63b.] Wann ir ouch wein verkoufen, so soll der verkoufer kainen win
dem oder den vassen nemen oder geben, der win sie dann zAvor
belassen oder gebailet*.
Item wo ouch die gest den underkouf nit bar bezallen, das dann
, so das glaß tragen, dieselben schulden für bar gelt rechnen sollen.
Es soll ouch üwer dhainer von der statt gan one ains burger-
isters urloub'.
Das ir ouch niemands, der win koufen will, den win in gläßem
jr anderm geschirr vor und ee der kouf beschlossen ist, uß den
jren tragen lassen ; deßglichen, kain frowen die ainen eeman hat, über
r] die wein die zu koufen füren wellen, der mann seie dann nit in land.
Ir sollen ouch üwem fründen weder win koufen noch verkoufen*,
dhainen weg*.
Das ir ouch alle kouf, so ir wierten und gesselieren helfen koufen,
r und umb welchen ouch von wein der kouf beschechen seien, dem
gelterknecht von stund an amgeben wollen, und ob ir verstünden,
5 gevarüchait in den koufen von inen gebrucht würde, es were mit
chlassen an der koufsumma, oder mit merung oder zAgeben deß wins
dem kouf, das sollen ir bi üwem aiden ainem Statthalter anzaigen.^
Ir sollen euch och vom herpst bis wihennächten im weinkoffen
ein der nepflin und dhains glas gebruchen; und ob sich aber ain gast
B glas der underköffer oder aigner glöser für sich selbs gebrauchen
Ute, darzA hat der gast dieselben zeit und ouch durch das ganz jar
iten weg.''
» Dieser Absatz fehlt in A und B. — « Fehlt in A und B. - » Alle folgenden
lätze fehlen in A und B. — * Von Hand F; fehlt in A und B. — » Die letzten
i Worte von anderer Hand. — • Dieser Absatz ist in B von späterer Hand ein-
igt. — ' Dieser Absatz stammt von Hand D; fehlt auch in B.
196 Oberlingen. v
Item wann ir ouch die gest ainem in sin keer füren, und die mit
im trinken, so sollen ir getrüwen fliss brachen, demselben den win di
[64] verkoufen, und die gest eemals sie die kouf ganz abschlacben, ge-
varlich nit hinuß in ander keer und über ander win ftiren.^
Ir sollen auch jemand anzaigen wie vil weins jederzitt alhie noch
unverkoffl ligend sie.*
Item ir werden ouch schwern, das ir die gotzpfenning, so von dem
underkouf gefallen, getrewlichen insamlen und witter nit verendem oder
anders nit anlegen oder bewenden wollen, dann alle sampstag in die
büchs, so die seckelmaister haben, stossen wollen damit die allejarao
die kerzen und in ander weg, wie sich gepürt, angelegt werden.*
Item es^ sollen ou<fh all knecht^ unverzogenlicb, nämlich ain
jeder insonders ain rock miner herren färb machen lassen und damit
gerüst warten.
[65] Item zu welcher zit sich die knecht^ minen herren nit ge-
feilig hielten, so wollen sie inen witen weg haben und behalten, ire
dienst nach irm gefallen zu verlihen. '
Der Kornmesser Eid.
[67b] Ir werden schwern, miner herm und gemainer statt nutz
und frommen zu fürdem und zu schaffen, und im schaden zA warnen
und zu wenden, und inen allerdings gehorsam zu sein.
Item das ir ouch in miner herm gescheften, wie uch die bevolchen
werden, gehorsam sin, ouch das gellt, so üch überbeleipt, an dem, so
üch gegeben wirdet, wann ir geschickt werden, von stund an, so ir
komen, widerumb in das stüblin antwurten wollen.
Item das ir ouch one miner herm oder ains bürgermaisters
urlob von der statt nit gan wellen.
[68] Item von monntag nacht biß an donnstag an morgen kain
zäch noch ürtin weder in trinckstüben noch anderswa zu thfind, sonder,
so einer trinken wolle, das soll er in sinem hus für sich selbs thfin.'
Das ouch üwer kainer weder spilen, karten, noch kain tail an dem
spil haben wolle, allediwil er in miner herm dienst ist.
Item das ir ouch die gest getrewlichen vertigen, es sie morgends
oder aubends und inen dasselb mit kainen geferden verziechen wollen.
^ Dieser Absatz fehlt auch in B. — * Hand C; fehlt auch in B. — • Die beiden
folgenden Absätze fehlen auch in B. — * Durchstrichen, darüber von späterer Hand «ir>.
— * Beide Worte durchstrichen. - • Die drei letzten Worte durchstrichen ; darüber von
anderer Hand: «ir euch och». - ^ Die beiden letzten Absätze sind von der ersten Hand,
aber etwas später, diesem Abschnitt beigefügt worden. — Blatt 65 ist sonst unbeschrieben,
ebensoBlattÖBunddie Vorderseite von Blatt 67. — » In A und B lautet dieser Absatz:
citem am zinstag uffdem markt kain zech noch ürtin ze thfind, bis der markt ergangen ist».
Überlingen. 197
[68b] Item das ir ouch das, so ir zA ziten hören im thum mit
D gefongen handeln, ouch haimlich rate, wie ir die verstanden, oder
ich mine herm mit üeh gehandelt werden, verswigen.^
Item* ir sollen ouch kain kom messen, ir haben dann zfivor den
of desselben koms erfraget, mid denselben den marktversehem an-
sagt.
Item' ir sollen ouch kain dingskouf messen vor dem mitwoch ze
ttag, und aber den kouf den^ versechem ansagen.
[69] Deßglichen anschlage, so durch die houptleut oder ander uß
reldi miner herrn mit üch geschechen, verschwigen und dhains wegs
Bobam wellen.
Item das ir och kain vierteil in der Gred ußlihen wellen, one ur-
I der märktversecher, und wo frömbde viertail in die Gred kernen,
I ufzeheben und den marktversechern anzflzaigen.
Item das ir ouch allen Ion, so von dem kornmessen von üch allen
nainlich, oder üwer ainem, oder mer insonder, es seie an wochen-
Irkten oder sunst, in der wochen gewunnen wirdet, an gemainem
l komen lassen wollen.
Item^ es sollen ouch allweg die zwen, so usser üch am zinstag
haber Gred verordnet sind, oder werden, acht haben uf die dri kouf,
jeder zinstag zA nacht oder darnach am mitwochen am morgen den
melbschowem sagen und endecken.
Item das ir ouch am zinstag zu morgen bi der Gred alle sament-
I warten und flis haben wellen, damit karren und wagen von dem
; komen.*
Item die kommesser^ haben an mine herrn gebracht, nachdem
* allwegen under inen® zwen erkiessen zft wochnern, und dann in der-
ben zit der wochen becken, müUer, hußlüt oder ander komen, und
I die wochner angestrengt^® inen kom zu messen, und in Ion davon
rdet, so wolten sie", dasdasselbig allain den wochnern belibe; deß-
jhen und herwiderumb, ob ainer, der nit wochner were, zu sölichem
oft würde, und alda kom meß und gelt gewünne, das dann der-
' Das letzte Wort Hand G. — ^ Dieser und die folgenden 2 Absätze fehlen
l und B. — * Durchstrichen. — ^ Am Rande von einer späteren Hand beigefügt:
trkt». — * Dieser, sowie alle folgenden Absätze fehlen in A. — ' Dieser Absatz
B von anderer Hand eingefügt, alles folgende fehlt in B. — ' Durchstrichen,
iber von einer andern Hand cals ir dann». — > Durchstrichen^ darüber von
erer Hand cir euch», das 2te Wort indessen nachträglich wieder gestrichen. —
■rchstrichen, daneben von anderer Hand «euch». — ^o Die Silbe «ge» durch-
dien und korrigiert in «anstrengten». — >^ Durchstrichen, darüber «ir».
198 Überlingen. ^
selbig sölich sin verdienten Ion den wochner halben gebe, ist ineuM
von minen herrn geantwurt die mainung, das sie dasselbig* zä* lassen-
wollen^, so lang und es minen herrn gefällig ist und nit lenger.
Item dem püttel^ gehorsam zu sind.
Item es^ sollen auch all knecht^ unverzogenlich, nämlich ain
jeder insonders, ain rock miner herren färb machen lassen und damit
gerüst warten.
Item zfl wölcher zeit sich die knecht^ minen herren nit gefällig
hielten, so wollen sie inen witen weg haben und behalten, Ire dienst
nach irem gefallen zu verlihen.
Item es sol hinfür under den trögein, kommessem und schüton
alwegen einer bi dem zuber pliben, bis der zoller oder der gredmaister
darzü komen mag, und ir gelt enpfahen mügen.
Item wöUcher under den kommessem, trögein, oder schütem von
min herren geschickt imd geprucht wirdt, dem sol sin Ion in der Gred
nichts desto minder werden; doch sollen si ain andern knecht an des
stat, der gschickt oder geprucht wird, bestellen, der sol das von des
tail, der geschickt ist, bezalt werden, und das übrig im oder siner hus-
frauen volgen und werden.*
1614 Uf domstag nach sant Appolonien, der hailigen junkfrowen, tag
anno etc. XIV*® haben mine herrn burgermaister und rät irer knechten
der trögel, messer und schütter halb dise nachgeschribne Ordnung hin-
füro zö halten angesehen und beschlossen, nämlich also: Weiher^® furo-
hin under denselben^* knechten von minen herrn in gemainer statt ge-
Schäften ihenderthin gebrucht und geschickt wirdet, das demselben ge-
schickten sin Ion in der Gred nichtz destminder aller maß , als ob er
anhaimsch wer, on widerredt der andern knechten verfolgen und
gediehen soll, imd ob^* ainichs mals an markttagen die zit, so der ge-
schickt knecht noch nit anhaim komen, ains knechts an sin statt not
[71] dürftig war, das dann die andern knecht uf ir aller gemainen costen
an des geschickten statt, damit nit mangel erschin, ainen knecht be
stellen imd denselben bestelten knecht all gemaialich von irem gemainer
Februar 16.
* DarchstricheD, darüber von anderer Hand «euch». — * Die letzten sech«
Worte durchstrichen. — • Von anderer Hand über der Zeile «ge» beigefügt. -
* Durchstrichen. — * Am Rande von fremder späterer Hand beigefügt «und buw
knecht». — * Darchstrichen ; darüber von anderer Hand «ir#. - ' Durchstrichen. -
® Die drei letzten Worte durchstrichen, darüber von anderer Hand «ir euch». -
• Die beiden Absätze von HandF; der 2 te durchstrichen von der folgenden Hand. -
1** Am Rande von anderer, jüngerer Hand: «Item meine herren wollen och». -
^* Durchstrichen, am Rande von anderer, jüngerer Hand «euch». — ^^ Darüber vo
anderer Hand: «man».
Oborlingen. 199
gdt^ versolden, und was sich darüber iro jedem zfl sinem teil gepürt,
0ovil dem geschickten ouch verfolgen lassen, und wo derselb' ir taiP
uf die hitt ir tailung noch nit anheim komen war, siner hußfrouen
einen gepürenden tail on mindrung überantwurten sollend.^
Der Träger Eid.
[73] Item ir werdent schwem, miner herm und gemainer statt
nutz und frommen z& furdern und zfi schaffen und im schaden zä
warnen und zu wenden, und inen allerding gehorsam zu sin.
Item das ir ouch in miner herrn gescheften, wie euch die bevelchen
werden, gehorsam sin, ouch das gelt, so euch überblipt an dem, so
üch g^[eben wirdet, wann ir geschickt werden, von stund an, so ir
komen, widerumb in das stübUn antwurten wollen.
Item das ir ouch one miner herm oder ains burgermaisters ur-
loub von der statt nit gan wellen.
Item vom montag zA nacht biß uf donstag am morgen^ kain
zech oder ürtin, weder in trinkstuben noch anderswa zu thünd, sonder
wil ainer trinken, das soll er in sinem hus für sich selbst thun.
Das ouch üwer kainer weder spilen noch karten, noch dhain tail
an dem spil haben wolle, allediewil er in miner herrn dienst ist.
Item das ir ouch der gest getrewlichen vertigen, es seie morgends
oder aubends, und inen des mit kainen geverden verziechen.
Item das ir ouch das, so ir je zu ziten hören im thurn mit den
gefangen handeln, ouch haimlich rate, wie ir die verstanden, oder durch
mine herm mit uch gehandelt werden; deßglichen anschlage, so durch
[74] die houptlüt oder ander uß bevelch miner herrn mit üch geschechen,
versehwigen und dhains wegs offenbarn wellen.
Item das ir ouch den markt versehern gehorsam sin wollen, es
sie mit kom vassen oder laden, ouch in allem dem, so sie mit üch in
üwer hanthierung in der Grede verschaffen, wie sich das haischen und
gepüren würdet.
' Am Rande von derselben Hand: <aß der büchs».
* Darflber von derselben Hand: «uff» wieder darchstrichen.
* Beide Worte durchstrichen.
* Der ganze Absatz von einer von der ersten verschiedenen Hand. — Eine
neae, wohl gleichzeitige Hand fügt am Schlüsse bei: «hüner-, hennen-, caponen-,
easel-, roß- and sowen-schäden vor der Gred und darin bim aid riegen». — Der
Rest von Blatt 71 ist unbeschrieben; ebenso Blatt 72.
^ In A und B: «Item, am zinstag uf dem markt .... bis der markt
vergangen ist».
200 Überlingen.
Item das ouch ir all und ewer ieder besouder allen Ion, so ir zi
märkttägen und ouch sunst in der wochen gewinnen, an gemainen taile
komen lassen wollen.^
Das ir ouch am montag nach mittag bi der Gred warten und fliss
haben wollen, damit die karren und wägen von dem weg komen, und
am zinstag all und üwer ieglicher besonder darob und dabi sin, damit
die karren und wägen obgelauter wise gefertiget werden.
Item nachdem ir die knecht etwan von den gesten geilet und ver-
erungen ald schenkinen von inen empfangen, haben mine herm er-
raten, sollen ouch in den aid nemen, das hinfiiro kain knecht mer
geilen noch schenknen fordern sollen; ob aber jemand uß &ien willen,
one ir ansuchen, den knechten zum g&ten jar ald sunst etwas schenken
würde, dasselb alles sollen sie an die tailung in die büchs stossen und
inen selbs nit behalten.
[75] Item sie sollen ouch hinfüro bi ainander gastung oder mäler
haben in kainen weg, sonder das, so jedem mit der tailung würdt, in
sinem hus mit wib und kinden gebnichen.*
Item was ouch der büttel * mit tich fürnimpt, das derselb, so von
dem büttel erfordert würdet, one widerred gehorsam sei.
Item es sollen ouch all knecht unverzogenlich, nämlich ain ieder
insonders ain rock miner herren färb machen lassen und damit gerüst
warten.
Item zu welcher zit sich die knecht minen herren nit gefeilig hielten,
so wollen sie inen witten weg haben und behalten, ire dienst nach irm
gefallen zu verlihen.
Trägerlohn:*
Item uß den scheflFen in die Gred von ainem malter körn dri haller
und von ainem malter licht körn zwen pfenning.
Item von ainem malter körn in kästen zu arbaiten 4 ^.
Item von ainem malter uß dem kästen hinab zu arbaiten 3 ^.
* In A folgt hier nachstehender Absatz: «Item, wa ir sehent dem luten
schaden thun von luten oder vihe, das sollen ir rügen, und das vich, wa ir das annemen
mögt, in die statt in ains wtirt hus triben». Alle folgenden Absätze fehlen in A
und 6. In B ist noch von anderer Hand angefügt: «Das ir auch am montag nach
mittag bei der Gred warten und fleiß haben wollen, domit die karren und wägen
von dem weg kommen».
2 Dieselbe Hand wie auf Blatt 71 fügt bei: «hüner-, hennen-, caponen-, essel-,
roß- und sawen-schaden riegen bim aid, daz gescheche in der Gred oder davor».
* Am Rande von anderer, jüngerer Hand beigefügt: «und buwknecht».
* Dieser Abschnitt steht nur in C.
Item von den
gestriptben :
ÜberliDgen. 201
Doch 80 lassen mine herrn' die lön usser der Gred in die scheff
bliben wie bißbar.
[76] Auf den Jabrmärkten: ^
Item von der grössensten ballen tüeb uf und ab z& arbeiten 8 erützer.
Item von ainer metteln ballen uf und ab 6 kr.
Item von der mindern 4 kr.
Item welche darunder ist, davon sollen sie nemen, was zimblieh ist.
Item was ballen aber hieunden ufgethon werden, davon soll den
tregeln der obgemelt Ion geben werden.
Item von ainer Frankfurter ballen, sie sige groß oder klain, in
die scheff zfi laden 1 ß -«l-
von den grösten: 8 ^.
von den metteln: 6 ^.
von den mintsten: 4 ^.
Item von dem zentner gut in die Ored oder schmalz von dem
Zentner 2 ^. Ist dann die für da, so git er nit me dann die 2 ^., ist
aber die für nit da, deshalb man den zentner darnach laden muß, so
git der zentner aber 2 ^.
Item und von dem zentner an den markt beruf zfi arbeiten 3 ^.
[77] Item von ainem tröglin mit geschmid, daran zwen tragend,
uf und ab, 2 kr.; ist es aber minder, sollen sie nach zimlichait nemen.
Item von ainer salzschiben in das scheff von dem gast sollen sie
nemen 1 ^.
Item was aber mine herrn zfi arbeiten hond, geben mine herrn,
was sie wollen.
Und umb dise stück werden mine herrn inen ain obman geben.
Item die büchsen sollen sie lassen umbgan.
Item die tregel sollen ouch die schefflüt mit laden vertigen.*
[79bl Der Schütter Eid.»
Ir werden schwern, miner herrn und gemainer irer statt nutz und
frommen za fürdern imd zfi schaffen, und irn schaden zu warnen und
zfi wenden, und inen aller ding gehorsam zfi sin.
Item das ir ouch miner herrn gescheften, wie üch die bevolchen
werden, allerding gehorsam sin, und weder spilen, noch karten, noch
ouch kainen tail an ainichem spil haben wollen, so lang ir in miner
herm dienst sind.
1 Aach dieser Abschnitt steht nur in C.
« Die Rückseite von Blatt 77, sowie Blatt 78 und die Vorderseite von Blatt 79
sind unbeschrieben.
> Dieser Abschnitt steht nicht in A ; in B von der späteren Hand geschrieben.
202 Überlingen.
Das ir ouch die gast getrewlichen vertigen, es seie am morgea
oder aubend und inen dasselb mit kainen geverden verziechen wollen.
[80] Item wann der verkoufer üch^ im ußlern und schütten be-
helfen ist, so soll er* üch vom malter ainen haller Ions geben,*
Wann aber die* verkoufer üch mit schitten oder leren nit beholfen
ist, so soll er üch vom malter ainen pfenning Ions geben.^
Item von den sacken zu entladen, oder wo das kom in vassen
ist, das ußzöleren und in sack zu füllen ie von ainem sack 1 heller^ ^.
Und soll aber ewer kainer macht haben, den verkoufer zu drengcD,
das er in laß entladen, ußleren oder schütten; so er aber üch gfits
willens brucht, so soll er üch den obbestimpten Ion geben.
Item was ir verdienen, das sollen ir alle in gemaine büchs stossen
und under ainander zä gleichen tailn tailen.
Item wann ain gast sin kom selbs nit ußleren oder schütten wil,
so soll er üch bruchen und sunst niemands andern, es were dann, das
er ainen andern vergebens bruchte; wo aber ainer ainen andern umb
gelt bruchte, so soll er nicht desterminder üch den Ion geben.''
Dem büttel® gehorsam zu sind.®
Item es sollen ouch all knecht unverzogenlich, nämlich ain ieder
insonders ain rock meiner herren färb machen lassen und damit ge-
rüst warten.
Item zu wölcher zit sich die knecht minen herren nit gefeilig
hielten, so wollen sie inen witten weg haben und behalten, ire dienst
nach irm gefallen zu verlihen.
1620 Item allen knechten in der Gred ist uf ir anbringen von meinen
hern zi^gelassen, das si im jar von der manvaßnacht bis sant Gallen tag
an der mittwoch in iren lieusern wol mit und bei ainander den imbis
» Diese 4 Worte durchstrichen; über «wann» von einer andern Hand «vom».
' Die 5 letzten Worte durchstrichen; über der Zeile von anderer Hand «sei man».
' Die 4 letzten Worte durchstrichen; darunter von anderer Hand «ist ain
pfenig» (durchstrichen) «ain pfenig Ions geben».
* Verbessert in «der». — * Dieser Absatz durchstrichen. — • Durchstrichen.
^ unten auf der Seite von derselben Hand bemerkt: «und wann [si daz] (durch-
strichen, darüber «ir») saltz abladen, und [si] (durchstrichen) erfordert werden ein
zö [lad] tragen sollen [si] ir schuldig sein, 2 schiben oder sovil salz umb 1 haller
einzutragen», darunter: «hüner-, hennen-, caponen-, essel-, roß- und sauen-schäden,
so in der gred oder darvor beschechen, bim aid riegen».
» Am Rande von anderer Hand «und buwknecht».
• Von Hand F beigefügt: «in dem., das in sin dienst von der stat wegen
gehört». Dieser und alle folgenden Absätze fehlen in ß.
Überlingen. 208
nemen mögen, doch das sis zimlich halten, und lenger nit, dann so
lang es meinen hern fügt, ists inen zugelassen.
Actum Johannis im XX jar.^
Fertigung der Weinlader*.
Ir [und ist die also, das si]' werden schweren ainen aid liplich z&
gott und den hailigen, alles das gelt, das euch von winampt wirdt, bei
ainem pfening minder und mer in die büchß zu stossen und dazselb
gelt bei demselben aid in dehainen andren weg nicht zu bewenden,
sonder allw^en in acht oder vierzehen tagen und uf daz höchst in
ainem monat die büchß mit dem gelt uf das rathaus zu tragen und
nach anzal des jars mit dem gelt minen herren zu bezaln, und ob etwas
äbrig da sein würde, so ir minen herren nach anzal der jars betzalt
haben, dasselbig gelt mögen ir under ainandem tailen, und das an
ewem* nutz bewenden, und ob aber des gelts minder in der büchs
wer, das ir^ meinen herren nit bezalen möchten nach anzal des jars,
so [soll in]* dieselb summ gelts ufgeschriben [werden]^ von ainem
halben jar zfi dem andern, und das ir vertrösten, dieselben summ gelts
ieder insonders sein anzal uf dieselben zeit zfi geben und ußzfirichten ;
and ob ainer von schulden wegen oder ander sachen halb von diser
statt komen würde, so soll der oder dieselben, als lang und si von diser
statt sind, des diensts und ampts ganz verschalten sein und in von
dem dienst ganz nicht verfolgen, ußgenomen, wenn ainer in der statt
dienst wer, und soll auch kainer kain gelt behalten; es soll auch ain
i ^lieber in den zwain jaren minen herren gehorsam sein in der statt
dienst furo, wa ir [bi]^ mit der bezalung sum[i]g würden, wie obstat,
so mügen meine herm die geverten darumb fürnemen und anlangen,
so lang bis si genzlich ußgericht sind, oder mit hotten nach ir statt
bruch. Und darumb zfi guter [zu guter]® sicherliait so haben die geniwten
winlader ieder insonder minen herrn trostung [thon]^ gethon.
Item [so habend meine herm beratten, das]^® uß den vassen, so
[si]** in die schiff oder us den schiffen uf die wegen laden, ganz kainen
trinkwin daraus nemen [sollend]^. Furo so soud si'^ kain wein me
tragen oder schicken uß den kelem, der inen** wirt, wenn man ablat
von gastwirten und burgern ; besonder so soll der win da ußgetrunken
* Der letzte Absatz von anderer Hand. Später wieder darchstricben. --
* Dieser ganze Abschnitt fehlt in A und B. — ' Von [bis] durchstrichen. — * Auf
Rasar. — ' Durchstrichen; dafür von Hand D: cwirdet euch». — « Durchstrichen.
- ' Durchstrichen. — * Doppelt. — » Durchstrichen. — »<> Durchstrichen, dafür von
Hand D: «ir sollend och». — " Durchstrichen, dafür: «ir>. — " Durchstrichen,
dafür: «euch».
204 Überlingen.
werden, [furo so sond si]^ den knecht, den si' bestellent uf den icl
brunen, denn si' sond [ir] si' lassen bei dem brunnen und soll di
ußschwenken, und ob er bilf bedürft, so sond si' die vaß selbs vei
siglen ungevarlicb [furo ob sach]' und den gesten die vaß versoigei
Furo, ob sach es wer, das ain burger aigen wein bei under aim halber
ffider, und wellt den in ain andern ker füren, t&t er das mit sii
aigen hab, so ist er den winladern nüz schuldig; hat aber ainer üb<
ain halb füder, so soll er inen den Ion gen.
Item der* winlader [halb ist inen fürgehalten]', [welcher der we
der] sich och^ in den 2 jaren unzimlich hielte, und ungeschickt we
so band mine herren inen vorbehalten, das si in mögent urlob gebe
im jar, wenn si wend, oder all wochen, und mugent in geben nac
anzal des jars oder der wochen. Furo, so soll auch kainer in de
2 jaren, dieweil und er an dem dienst ist, weder spilen noc
karten, es si tag oder nacht, noch zu niemand legen, dessgleichen sol
ist knecht soll* auch weder spilen noch karten, noch zu niemand legei
noch teil haben. [Diß 2 artickel werden si in die vertigung nemen.]
Item dessgleichen, wo si ain [unrechten]^ unrecht! ich finden t i
den fassen, es wer ze vil oder lützel, das si die faß bei zwen aiden it:
ein weg ^ wöUent Ion und das vorhin anzögen aine^ burger[mai8ter]
oder Statthalter oder den seckelmaister.
Fertigung der Eicher.
Item [das sie]*® die vaß die [für]^ üch fürkomend, [sollend]^ [zö]
ichen, [bei den aiden, die si schweren werdent] *^ dem burger und dei
gast und [daz er]^* vleis haben, das die ichen eben ufgeschniten werdei
und sollen kain vaß schwenken, bis das es schier lär sei, das es i
den züber mug, denn die klainen vaß, die da sind under siben aimei
die mugend ir wol schwenken und sollend die wagenleut und seege.«
glich vertigen und sollend auch gefiissenlich warten, damit das allwe
ainer bei der statt sie, das man die gest allweg fertigen mög, das si
on clag seiend; und ob [inen]*^ unsubri vaß fürkomend, dieselbige
sollend [si] " minen herren von stund an zögen und söllichs zu erkenne
geben bei dem aid, so [si]** schwerend; dessgleichen sollend die ges
* DurchBtricben, dafür: «und». — » Durchstrichen, dafür: «wir». — ' Durcl
strichen. — * Von gleicher Hand eingeschoben. — * Durchstrichen, dafür: «wölcher
— • Von Hand D eingeschoben. — ^ Von [bis] durchstrichen. — • Durchstriche]
dafür: «hinweg». — • Siel — '** Durchstrichen, dafür: «ir werden swern». — " Darcl
strichen. — *• Von Hand D eingeschoben. - »» Durchstrichen, dafür: «euch». -
** Durchstrichen, dafür: «ir>.
Überlingen. 2(M>
binder kain vaß under aim tachtroff lassen ston, und vleiss ankern,
und vorhin lugen, das die vaß suber seind, ee si die z&binden^.
Dis gehört in den grossen zoll:
Item ain iedes füder win, das hin oder her gat, geit 6 ^.
Item von ie ain malter koms, es sei vesen, roggen, haber, gersten,
firbs, ald welcherlai kom das ist, der gast kauf oder verkauf, 1 ^.
Item, von ainem roß 4 ^; sind es aber zween gest, so geit
ieglicber 4 ^.
Item von velen gerbt oder raw von dem hundert 6 ^.
Item was ain gespaltnen f&ß hat, geit dem köffer und verköffer 1 ^.
Item ain esel 8 ^.
Item ain Scheiben salz 1 ^.
Item ain krätli salz 3 ^.
Item ain rörli 6 ^.
Item von ainem schaff 1 heller.
Item von iedem geladnen wagen, der durch die statt gaut, 6 ^
and von ainem karren 3 ^.
Item uf sant Niclaus tag' geit ain ieglich kromer von ainem redlichen
krom, den ainer zu rüggen dret, 2 ^, und ain tellertrager geit nütz.
Item uf sant Niclaus tag geit das tenni geschier 1 ^ ^, gaut
der drittail in den grossen zoll.
Item ain grabstain 4 ^.
Item ain ieder tuchmann geit 6 ^ in den grossen zoll uf sant
Nidans jarmarkt.
Item hüng, öl von zehen Schilling pfenning 1 ^ zoll.
Item ain stick öpfel geit 1 ^ der kauft oder verkauft, und an
sant Niclaus tag ain iegliches stick ain imi' öpfel.
Item welcher an sant Niclaus tag käß vail hat in zuber oder uf
karren, der geit 4 ^.
Item ain rind oder ain ku 1 ^.
Item so man isen verkauft, von ainem pfund pfening geit man 2 ^.
^ In A lautet diese Fertigang folgendermaßen: (fehlt in B ganz)
Item ir werden sweren, das ir ichen wollen dem gast und dem bnrger ge-
trawlich and mit vHß ze bandeln.
Item kain vaß ze leben, es sie dann gans vol binden and yomen and ebnen
verzapfnet
Item ob ir zwifels haben wurden, an dem so ir ain vaß gelebt betten, das
ir dann das vaß wider fCÜlen lausen und es widerumb lebend.
Item das ir die icbz&ber fftrecht stellend und sooft die gebunden werden,
si aladenn wider ze pfkcbten und die iche darine su stellen.
Item kain vaß zezaicbnen, das da rint in kainem wege.
* Dezember 6. — ' iini = Maßbezeichnung, der neunte Teil eines Viertels.
206 Überlingen.
Itetn von bächin flaisch von ainem pfund pfening geit man 2 ^.
Item von ainem mülstain 4 ^.
Item von ainer tunnen bäring von ainem pfund pfening 2 ^, der
gast kauf oder verkauf.
Item von scbmalz, winstain, häfen, fedran, gam und anders dess-
gleicb von iedem pfund ^ 2 ^.
Item von ainem imm 1 ^, si wie ciain er wöU.
Item und wann ain imm, der 10 ji ^ gilt, auch 1 ^, gilt er
1 tf ^ oder mer, so geit man von ainem tf ^ 2 ^.
Item von wachs von ainem ff ^ 2 ^.
Item von ainem hundert sicblan 4 ^.
Item von ainer bürdi raif am steckenmarkt l haller.
Item von ainem krutschiff 4 ^.
Item welcher roß uf ain wochenmarkt vail hat, geit 4 ^.^
Der Brotschauer Eid.
1. Ir werden schweren, das brott zu schowen in der becken heusea
alle tag durch das ganz jar, am morgen^ und an 12 potten oder anderer
gebannen aubenden, zfi zwaien maln', wie sich dem komkouf nach
es sie mit der weisse, grosse, figure, durchzogne, wie von alter herfcommer^
ist, gepürt, und das ir darin niemands durch kains vortails oder genied
willen verachonen, sonder wo es üch bußwirdig bedunkt, dasselbi^
straffen wellen, [und sollen nämlich all[weg]* tag nach der frümes de^-
becken am markt warten, und von welchen ir uf dieselben zeit ze
schowen nit erfordert werden, dem sollen ir uf denselben tag bi ewerc
aiden weiter nit mer schowen].^
2. Und naralich, so habend irgewalt, das ir zwai brott urab dri
haller, oder wie üch nach gestalt deß kornkoufs gut bedunkt, schetzen
mögen; was ir ouch also straften, das sollen ir haissen uf die newen
brottbenk tragen und das daselbs zä verkoufen und nit höher z& geben,
dann es von üch geschetzt ist.
[84] 3. Item ir sollen ouch denen, so ir also straffen, sagen, das
sie das brott, so ietzgelutter wise von üch geschetzt und gestraft ist,
weder wierten in die trinkstüben uf das land, noch iemands anderm
geben, sonder allain uf den gemelten benken, wie es geschetzt ist,
und nit anders verkoufen sollen, bi der straff 1 ^ .j.
4. Welcher ouch also gestrafft ist, den sollen ir den wettpfenningern
angeben, so dick das geschieht, und sooft ain jeder umb 10 ^ ^ ge-
strafft worden [ist],
» Dieser Abschnitt steht nur in C. — ^ Am Rande von Hand D : «nach der frümes».
' Am Rande von Hand D: «wan ir deß von dem becken ervorderu werden».
* Durchstrichen. — * Von [bis] von Hand D, steht nicht in A und B.
Überlingen. 207
5. Ir sollen ouch in den hüsern kain brott schowen, es sie dann zu
vor wol zerl^^ und alles brott, so uf den pfragen gebachen wirdet,
es sie mutzschellen, bretzen, dinneton oder anders, das sollen ir schowen.
6. Wann ir ouch das brott in den hevsem ain mal geschowet
hond, so bedürfen ir dasselb brott in den hüsern nit mer schowen;
ward üch aber sölich schow am markt gevarlich bedünken, so mögen
ir das brott am marckt ouch schowen.
7.' Deßglichen so sollen ir ouch üwer ufmercken haben, das alles
brott, so ir uf das benken schowen, alda verkouft werde, und ob ir
verstünde, das dasselbig nit bescheche, so sollen ir den uberfarer darumb
rüegen und den ungeltem angeben.
8. Und namUch, so sollen ir ouch ainem jedem becken, dem ir
sin brott uf das benklin schowen, gebieten, dasselb brott niemands zu
geben, noch z& verkoufen, der das widerumb bi dem pfenning wert
oder sunst widerumb hingibt, oder verkouft, noch ouch siner husfrowen,
Mnden oder diensten sölichs zu thfln zu gestatten; welcher aber sölich
Verbott verachten würde, den sollen ir ouch, wie obsteet, rüegen.
9. Item wann ouch ain beck zwen schütz gebachen hat und der
^n die schow behalt und der ander nit, so sei er dasselb brott, so die
Bchow also nit behalten hat, uß dem huß tragen und uf den benken
Verkoufen, wie hernach volgt.
10. Item die brotschower mögen ouch in der schow wol zwai oder
drew brott zerschniden, so vil üch nodt bedunkt und die dann beschowen.
11. Item ir sollen ouch in dem schowen allweg, so dick ir schowen,
den becken oder den maister knecht, oder ire sön, bi dem aid und die
frowen bi der trüw ermanen, alles das brott, so sie uf den pfragen ge-
bachen haben, an die schow zö legen, und das sie sunst kains mer
haben, dann das sie an die schow legen.
[86] 12. Ordnung wegen des Brots, das auf das tbenklin»
geschaut wird.
Uf sant Jörgen tag, anno etc. septimo haben mine herrn erraten Aprii 23.
und* den becken strenglich zu halten gebotteu, das das brott, so uf
das benklin geschowet wirdet, von dem maister oder von siner hus-
frowen, und nit von den diensten oder kinden uf dem benklin verkouft,
* Dieser Absatz ist von Hand D folgendermaßen geändert: c. . . hüsern bi
ewem aiden jedes schutzbrot besonders schowen und euch allwege jedes scbntzbrot
z&vor wol zerlegen lassen und darob und daran sein, das die becken bi iren aiden
jedes schutzbrot besonders legen und nit under ainander vermischen».
' Dieser und der folgende Absatz sind in B von späterer Hand nachgetragen,
aUe folgenden Absätze fehlen in B. In A steht dieser Eid in kürzerer Form.
• Anstatt der Worte von cUf» fbis erraten und am Rande von einer spätem
Hand: c Meine herrn, ain erbarer rath haben auch».
208 Überlingen.
und wann also brott uf das benklin gescbowet wirdet, so sollen dii
scbower von stund an gebieten dem mann bi dem aid, und der frowei
bi der trüw, dasselb brott alles von stund an uß dem hus ze tragei:
und uf dem benklin fall zu balten, was dann desselben tags nit ver-
kouft wurde, das sol nit widerumb in die büser getragen, sonder undei
die brotloben in die trog, so von minen berm darza geordnet sind,
gelegt und bebalten und dann darnach, wie verlut, uf den benken gai
verkouft werden; und soll aber derselb beck witter kain brott bachen,
biß söUicb brott uf dem benklin gar verkouft würdet.
13. Item es soll oueh kain beck vor der scbow über ains Schillings
wert brott verkoufen^ und an denselben samenthaft nit über 6 pfenning
wert ainsmals sonder ainzächtig hingeben.
14. Daruf sollen die scbowerlüt irer vertigung ufsechen haben.^
[88b.] Der Fleischschauer Eid.»
15. Ir werdent schweren, die metzig ditz jars mit der nachgeenden
schow zu versechen, und alle tag, wann flaisch fall ist, zft schowen
nämlich allwegen, so man das erst zaichen leutet und nit ee, und in
herpst früer, ungevarlich.
Item ir sollen ain pfund guts wolgemeschtz ochßenflaisch uml
4 ^ •, und wölches ochßenflaisch aber nit wol gemeschtz oder gefürt ist
umb ain crützer oder neher nach gestalt siner güete schätzen und erloben
Deßglichen ain pfund göts rindsflaisch umb 3^2 ^*» und welchei
rindfleisch nit wol gefürt ist, umb 3 ^ ^ welches aber die dri pfenninj
nit ertragen mag, umb fünf haller [schetzen]^ und was fünf haller ai
der schaw nit behalten mag, an stund in Sew schawen und verschafien
[89.] Und sollen [aber diß] ^ schow strenglich halten und nemblicl
also, wann die metzger das vich von Costentz ald andern orten alhe
» Die Absätze Nr. 12, 13 und 14 feblen in A.
' Dieser ganze Eid lautet in A:
Itemir werden sweren, die metzgt ditz jars mit der nacligenden scbowe zi
versehen alletag, wann flaisch vail haut, so man das erst zaichen lutet und nit ee
und in dem herpst fruer, ungevarlichen.
Und sonder das ir das best üaische schätzend nach der Ordnung, und dai
ander ouch nach sinr gfite, one gevärde, und das ir niemands darin schonend durcl
kains vortails willen, und ob ir sächend oder vernämend, das ir ainr flaisch türe
gäbe, ouch swine hopthor, rüsel, harnen, oren und swinerüggen wäg, das ir dei
ainem wettpfeninger angäbend ouch one gevärde, und wenn ei sunst üwer bedürfei
in dem tag kelber ald schäflf ze schowen, das ir och dem gehorsam sien, ouch da
die metzger die nieren in den kelbern nit ufziechen, ouch sollen ir das gliber schowen
* In B: «umb ain crützer». — Mn B: umb 3 ^. — » In B: umb 5 h<ller.
• Durchstrichen von Hand D, die auch den ganzen folgenden Satz einfQgte
» Von Hand D durchstrichen und dafür: «in der» gesetzt.
Überlingen. 209
biiDgen, das ir dann dasselbig alles vor und ee es geschlagen wirdet,
euch lebendig fürfüren lassen, und so es üch also fürgefüret wirdet,
dasselbig alles und jedes insonder mit flis besichtigen und schowen,
und ob ald kuen oder ander schadhaft viech, das üch ansieht, der be-
räerten schow ungemeß ouch dem gemainen mann unnützlich sin, üch
fürgefürt würden, das sollen und mögen ir die metzger haissen^ weg-
Mn und inen an fünf pfund pfenning gebieten, dasselbig alhie nit
zu metzgen und zfi verkoufen.*
Was ir aber z&lassen in metzgen, das sollen dannocht nicht dest-
minder darnach tod, obgeschribner Ordnung nach, strenglichen' schowen;
doch welches fleisch ir lebendig zulassen zfi metzgen, das sollen ir in
der nachgenden schow tod nit haissen wegthfin*.
Welchem metzger ir ouch obgelutterwise gebieten würden, das vich
wegzfithün und alhie nit zu verkoufen, und derselbig dem nit lepte,
den sollen ir bi üwern aiden den wettgeltem angeben.
Deßglichen, so sollen ir das best kalbflaisch umb dri pfenning,
und welches ringer und doch koufmannsgCit ist, umb fünf oder vier
haller, nach gestalt des flaischs schowen, welches kalbflaisch aber vier
haller nit ertragen mag, oder der nit wert ist, so sollen ir dasselb
talb mitsampt allem sinem ingewaid in den See zu werfen verschafien,
und darzfi den metzger, des das kalb gewesen ist, den wettpfenningern
Der gestalt sollen ir es ouch mit den metzgern, davon ir das
rindflaisch umb 2 ^ schetzen, halten, also das ir dieselben den wett-
1 Am Rande von HandC: «bi derselben tagzeit ain meil wegs von der statt».
* Hier fögt Hand D an: «Ir sollen och fürohin allweg am freitag zu nacht
^i gfiter zeit nnd volliglich ain gute stond, eemaln das vich aber See konipt, am
8«e warten und die metzger, sovil euch möglich, surdern ; desgleichen uf ander tag
in der wochen, wann si diß notturftig sind; und begern och und soll fürohin dhain
schawer allain nichtz schalen, sonder allwegen den gesetzten schower von handwerk
bi im haben und zu im berufen, oder ob er nit vorhanden wer, ain andern maister
(ieß handwerks und ob sich derselb deß weeren und setzen wollt, soll or in diß
ennanen bi sinem aid, ainem b[argermaister] gesworn, daruf er im schuldig sein sol,
gehorsam zfi sein, oder ob der verordnet schower deß handwerks freuntschaft halb,
oder daz er mit demselben ain gmainer wer, davon geen müsste, soll er abermals
mit ainem deß handtwerks gelert ersetzt werden, in gestalt wie oblut>.
» Von Hand A eingefügt: coch».
* Hand D fügt hinzu: und was fünf haller an der todten schow, [«die gewonlich
schaw» von anderer Hand] nit ertragen mag, soll fürderlich in See verschaft und
geworfen werden, der Ordnung nach, wie oblut, und deshalben die lebendig schow
die todten schow nit irren [«noch hindern» von derselben andern Hand], sonder
bald gehalten werden in gestalt, wie obbegriffen.
^ Dieser ganze Abschnitt ist eingeklammert.
Oberrheinische Stadtrechte. II, 2. 1^
210 Überlingen.
pfenningern ouch angeben sollen, und soll ain jeder, sooft das be
Schicht, umb fünf j^ ^ gestraflft werden.*
Ir werden ouch schweren, das ir in sölichem niemands durch
ainichs genieß oder vortails willen verschonen wollen, und ob ir sehen!
oder vernement, das ainer flaisch tewrer gebe, dann es geschowet were,
ouch schwinehoupter, riessei, hamman, stötzlin, oren und schwinerügken
wege, das ir dann denselben den wettpfenningem angeben wollen und
sollen, nämlich die metzger, die schwinen rügken ußhowen und die,
wie obsteet, bi den ougen verkoufen.
Ir söUent ouch das geliber schowen und daran sin, damit die
metzger die niern in den kelbem nit ufziechen, und wann sie sunst
in dem tag üwer bedürfen, kelber oder schaff zu schowen, darin ouch
gehorsam sin, alles ungevarlich. *
Und sollen die schöwer alles das, so rügbar ist, rügen.
Und ^ wöUichen ir also das leben tig vich hinweg zi\ tun gebieten*,
den sollen ir den wettgeltem angeben und soll derselb um 5 jj ^ darumb
nicht destminder auch gestrafift werden.
Item es soll auch alles rindflaisch, so alher zu failem kof gebrucht
wirdet in der wochen, darin man es metzgen will, vor und ehe es
geschlagen wirdet, den schowern lebentig zu schowen fürgefürt und von
den schowern beschowet werden, bi peen 10 tf -^. Ob aber iemanl
erfunden würde, der ain oder mehr vihe lebentig also onbeschowet und
onzügelassen schlahen und metzgen würde, nachdem dann meine hem.
sollichs für ain trug halten und achten, so dann meine herrn des gewai
und bericht wurden, wölln meine herrn denselben nach gestalt dei
trügs ernstlich straffen und sollen die schower des rügen.
Item es soll auch kain kalb lebentig, auch weder kelberin nocl
ander flaisch in den hüßern besonder allain in der metzg nach dei
Ordnung verkouft werden.
Item es soll auch hinfüro, bis auf ains rats witter bevelch dei
schower, so von ainem rat darzu verordnet ist, den andern schowern
die todtenschow auch helfen thün und volbringen.
[91b] Eid der Fischschauer.
Ir werden schweren, ditz jar den vischmarkt mit der schow zi
fürsechen und nämlich, wo ir sehend visch an dem vischmarkt, die ni
frisch oder geb sind, und die also in ewer erkanntnus erfunden, dai
^ Dieser ganze Abschnitt ist durchstrichen.
2 Die folgenden Abschnitte stammen von Hand C, fehlen in B.
' Die nächsten 4 Abschnitte stehen auf einem hier eingelegten losen Blatt.
* Von Hand D eingefügt: «oder welches rindflaisch an der todten schow di<
gewonlich schow nit ertragen mocht, deshalben es in See verschafft wurde».
-3^=.
Überlingen. 211
ir dann dem oder denen, so dieselbigen visch haben, verbietend, die
fail zu haben und ouch darz& den oder dieselben darumb den wett-
pfenningem angeben wollen.
^^1 Wo ir ouch horten oder sehent, das man trucken visch alher
brächte und die verkoufen wollte, so sollen ir wissen, das dieselben zu
ainem mal zfi markt gebracht werden sollen; deßglichen so sollen die,
80 visch an dem markt salzen wellen, oder ab dem markt tragen, den
i C' vischen die schwenz alle abhowen, darumb wölcher dero stuck ains
oder sie baide überfüre, soverr ir das horten oder sehen, so sollen ir
^ ^ dasselbig rüegen und den wettpfenningem angeben.
Item* was todten felken oder gangfisch an den markt von
haimischen oder frömbden gebracht werden, die sollen nit ab dem markt
den wierten haimgetragen werden, sie sien dann zuvor an dem markt
und nit in den hewsern von den wierten oder irn diensten erkouft;
ob aber ainer die visch hinweg nemmen oder unverkouft tragen lassen
wölte, denselben soll man die schwenz abhowen.
pjj^ Item was visch ouch* am aubendt vor mitternacht gefangen
werden, die nit lebendig sind, die sollen mornends nit uf dem visch-
markt, sonder hieruß uf dem benklin verkouft werden, die aber nach
mittemacht gefangen werden, mögen wol an dem markt verkouft werden.
22J Item wer ouch visch in den nachgeschribeu ziler kouft oder ver-
kouft, die sollen ir, wie obsteet, ruegen, imd sind aber das die ziler
von Mainow biß gen Uldingen hinüber und darnach den See ab, von
blassenhewser und unz an den bach gen Süessen und dazwuschen unz
zft der statt, es were dann, das ain biderman an sie füre und visch
zu sinem husbruch koufle, darumb sind ir nit schuldig den vischer
3^ zfl ruegen.
Item ir sollen ouch ruegen, wo die vischer gemainder sind mit
kr visch koufen oder verkoufen, anders dann zwen, die mögen ungevar-
Üchen wol visch miteinander gemaind haben, doch das sie die visch
osserhalb der obgeschriben ziler verkoufen, und also das under den-
selben gemainder nun aber der ain und nit sie baid ir gemain visch
fail haben; dann wo sie baid fail betten und ir das sehen oder warlich
bericht würden, so sollen ir dasselbig ruegen.
Deßglichen, wo frömbd vischer, so mitainander gemainder sind,
visch alher bringen, so soll nun der ain usser inen fail haben, wo aber
das nit bescheche, so sollen ir dasselb ouch ruegen.
:e&!r
rar
•el;
n
> Dieser und der folgende Absatz fehlen in B.
* Von Hand C eingefflgt am Rande: «von sanct Jörgen tag biß auf sanct
OtUen tag».
14*
212 Überlingen.
Item SO ir ouch sehen oder erfinden, das ain vischer tod und
ungeb gangfisch unden in das geschirr und oben die lebendigen oder
geben legte, oder die todten und ungestalten visch under die zainen
verberge, so sollen ir dasselbig ouch rüegen.
Wa ouch die vischer stüben under gangfisch haben, so sollen sie
in dem ußzellen die stüben von den gangfischen schidigen und gang-
fisch für gangfisch, deßglichen stüben für stüben rufen und verkoufen,
und aber in dem nit ufschlagen.
Deßglichen wo sie umb ungerad gelt visch rüefen lassen, so sollen
sie allweg den ^j^ vierdUng umb den minder tail deß gelts geben.
Es soll ouch kain unverkoufter visch anders dann uf dem markt
zu stucken gemacht werden, und aber kain vischer kainen visch vor
dem züsamenlütten zu den früen ampt, deßglichen vor dem ersten
zaichen zu der vesper machen oder machen lassen.
Es sol ouch kain vischer am morgen frue vor der achtenden stund
visch ruefen lassen. Was gangfisch ouch man am morgen oder am
aubendt vahet, derselben halb lassen mine herrn den vischschower zu
der ding in der schow zum besten zu fürsechen.
Was visch aber tod und übernächtig sind, die sollen die vischer
uf ainem sondern bank fail haben; welcher das nit thäte, die sollen
ruegen, und wirdet derselbig um ö tt ^ gestrafft.
Item von ostern biß uf sanct Gallen tag soll kain geflosseter
felch, kilch oder gangfisch uf dem markt, sonder hierussen uf dein
benklin verkouft werden; sie möchten aber so ungeb erfunden werden,
die schower möchten damit wie mit andern handlen. ^
Deßglichen, so sollen ir die geflosseten velchen, so dannocht kouf-
mansgut sind, uf demselben bank ouch fail lassen haben.
Item wo ungeb visch under geben erfunden wurden, oder die
vischer sunst ungeb visch uf den markt brächten, so sollen ir die
vischer dieselben nit verkoufen lassen, sonder inen dieselben visch alle,
wie ir die finden, in den See schütten und dannocht den oder die vischer
nicht destminder rüegen.
Item man mag ouch zu herpstzit vor dem ersten zaichen zu dem
früen ampt wol visch koufen.
Item die vischer mögen ouch die laich viscli, die sie selbs faheu,
von ainer mitternacht zft der andern, so sie gefangen sind, uf dem
markt wol verkoufen; doch so sollen sie von kainem andern vischer
die koufen, und ouch nach verschinuug der bemelten zit weder uf
dem markt, noch sunst kainen laichvisch nier verkoufen; welcher aber
* Dieser Absatz feblt in B.
Überlingei), 218
das nit ibäte, den sollen ir, so ir daß gewar werden, rüegen, deßglichen
welche frömbden laichvisch alher bringen, so sollen sie dieser Ordnung
ouch leben und von den vischschowern bi den aiden, so sie im herm
geschwom haben, daruf gevertiget werden.
Item ir sollen ouch die häring schowen, dergestalt, das ir die
tonnen zA baiden bödmen ufschlachen, und an jedem ort etwevil ge-
legd ufheben, imd dann darnach, soweit ir mögen, in die tonnen hinab
griffen und daselbs die häring ouch besichtigen, und wo ir die arg-
wöQung erfinden, so mögen ir die in ain gelten schütten, gar oder zum
tail, und ob ir dann daruf ainichen mangel oder gebresten in den
häringen erfinden, so sollen ir damit gefaren, wie dann das bisher ge-
pfl^en ist, und nämlich also, wann der kowfer deß kuntschaft begert,
so sollen ir im dieselben zösampt dem boden uf sinen costen z&
frischer that geben.
Es soll ouch kain haimische frow uf dem vischmarkt visch fall
haben; wo aber das bescheche, so sollen ir dasselbig ruegen und ist die
baß deß und ander obgeschriben stuck halb, do kain pen sonderbarlich
ußgedruckt ist, 4 ^ ^}
Der Unbauschauer Eid.*
[97.] Ir die unbuwschower sollen bi den aiden, so ir ainen
burgermaister geschworen haben, wann iemands zfi üch kompt und
' Von Hand C ist folgender Absatz angefügt:
citem, was todter visch von sanct Jörgen tag biß auf sant Michels tag
vonnittag gefangen werden, die mögen am vischmarkt vor mittag verkofft werden;
1W8 aber derselben vor mittag nit verkoflft werden, die söUin zum vespermarkt
lieraoß uf dem benklin und nit am vischmarkt verkofft werden. Ist gebotten
an! ff J[.
Item von sanct Gallen tag biß uf mitfasten söllin kaine grösit gefangen
werden, bi pen b U Jl. Actum montags nach Mathes anno etc. Vnivo. (1508
September 18.)
Von Hand D stammt der folgende Absatz: «Es soll ouch weder von
frembden noch haimschen dhain visch, die z& vailem kof alher komen, niendert in
^er statt in heusern noch under den thoren verkofft werden, dann an aim vischmarkt
bi straff l U JL, Doch ist den wirten zugelassen, so inen gest einfielen, das si als-
dan morgens und nachts wol vor der erlobten zeit koffen mögen, doch, wie oblüt,
oiendert, denn am vischmarkt. Actum montags nach Medardi, anno etc. XXI.
(1526 Juni 10.)
Von späterer Hand ist folgender Absatz angefügt: c[Jnd wann sich
aber begebe, daz kain geordneter vischschawer vorhanden were, so sol ain ieder
viscber der alhie burger ist, schuldig sein, die visch, so also zä vailem kauf zft
markte komen, zu schowen auf die Ordnung, so den schawern geben ist, und ge-
meinen zunftigen der viscber vorgetragen werden sol, bi seinem aid meinen herrn
burgermeistem geschworn».
< Steht nicht in A,
214 Überlingen.
üch pitt, mit im zA sinem wingarten komen und den unbuw, so
vermaint darin beschechen sin, zfi schowen, das ir dann mit der
selben dahin keren und den buw mit flis und trewlichen schow<
wollen; und ob ir erfinden, das in demselben unbuw oder mißbrui
gepflegen were, so sollen ir üch darüber erkennen, was der, der d<
unbuw gethon hat, dem andern, der sich deß beclegt, für sölichen u
buw und mißbruch thün solle.
Und sollen darzä denselben den fünften angeben mit underrichtui
gestalt der sachen, damit allweg söUich unbuw und mißbruch gestra:
werden.
Und wann ir ouch unbuw und mißbruch vorgelutter wiß erfinde
wann ir dann uß dem etter gebrucht werden, so soll der, der den u;
buw gethon hat, üch 2 jj ^, und so ir nit uß dem etter gebruc
werden, l ji ^ zu geben schuldig sin.
Ob aber kain unbuw und mißbruch erfunden wirdet, so soll de
der üch gepetten hat zu schowen, obgelutter wise 2 oder 1 jj ^ s
geben schuldig sin.
Ob^ und wan sich auch zutregt, das gestinen^ komen und ieraanc
sein erd oder buw uf den garten, an die aleen, bawweg oder Strasse
fiesen, alsdan sollen ir uf der partheieu erfordern zükern, und di
Inhaber sölUcher guter um dieselben erd oder buw, wem die zügehöri
sein, und wie die getailt werden solle, nach gestalt gelegenhait der güt(
und zimblichen billichen dingen antschaiden, dabei auch die parthie
alsdann unverwegert bliben sollen.
Eid der Mistschauer^
Ir werden schweren uf dis jar allen denen, die üch darumb e
ersftchen oder tiwer begern, ire niist getrewlich zii schowen und namlic
in nachgeschribner maß und gestalt, wann aiuer, wer der ist, er bu
ainen garten zu aigen, zii gemainden oder an den kübel, der mit dei
geding mist kouft, das man im den mist für den garten antwurte
solle, so soll derselbig köwfer, wann im der mist für die garten g
antwurt wirdet, den mist nit intragen oder intragen lassen, er wen
dann zuvor geschowet.
Es soll ouch ain ieder in vier tagen den ncchsten, nachdem ii
der mist geantwurt ist, üch erfordern den mist zii schowen, und so
dann den mist also geschowet haben, so sol dbainer den mist intrage:
* Diefler Absatz, von anderer, späterer Hand, steht nicht in B.
' gestinen = schäumende Wogen, Überschwemmung.
' Steht nicht in A.
I
Überlingen. 215
er bab dann zfivor die schow angenomen uud och umb üwern Ion,
wie hernach bestimpt ist, ußgericht.
Item was und wiewil gelts ir üch ouch an söücher schow zu ab-
gang am mist erkennen, dasselbig und sovil soll ouch der, der den
mist ouch kouft hat, am kouf innbehalten, und sol üch namUch von
iedem karren voll mist, 1 ^ zu schowen gegeben werden, dasselbig
gelt sol der köwfer geben.
Wer es ouch, das sich begebe, das nit jeder karren voll mists in-
sonder möcht geschitt werden, sonder das derselbig uf ainem hufen
geschitt würde, so mögen ir dannocht nichtdestminder den mist am
hufen ouch schowen.
Item wann ir ouch also ainen mist geschowen, so haben ir dann
daruf macht, dem, der den mist kouft hat, zfi gepieten, denselben nach
gestalt deß mists in ainer zit inzötragen, welchem gepott ouch ain
jeder gehorsam sin soll; welcher das nit thäte, den sollen ir angeben,
und dann derselbig nach lut deß bots gestrafft werden, deßgUchen, wo
ir vememen , das mist, der obgeluter wise kouft were, vor und ehe er
geschowet wer, intragen würde, das ir dann dasselbig ouch rüegen und
den wettgeltem angeben.
Der Breimehlschauer Eid^
Ir sollen bi den aiden, so ir minen herrn geschworen hond, das
brimelb nachgeschribner Ordnung nach getrewUchen schowen, nämlich
also, das ir ie ain imin brimel 2 ^ neher schowen wellen, dann ain
viertail haber am nechsten zinstag darvor in mittlem kouf erkouft und
gegeben ist.
Und damit ir aber desselben mitlen koufs zu ieder zit grund
haben mögen, so hond ir macht allwegen, die brimelber bi im aiden
der drier köwf, so jedes zinstags darvor umb der haber gewest sind,
zu erlernen, die ouch schuldig sind, üch dieselben dri köwf dergestalt
2& sagen und zu eröffnen , und dann uf das dem mitlern kouf nach
1 In A lauten die ersten Absätze dieses Abschnitts, die in C fehlen, folgender-
maßen:
Item wenn man ain malter habem kouft umb ain pfand pfening, so gepürt
sich das vierentail brimel 3 den., und ob das malter gülte 1 27 5 ß den., so gepürl
das yierentaile 1 crQtzer und würdet also dem malter nach und nach an dem koufe
allwegen uf die 5ß den. ufschlags 1 heller an dem vierentail, desglich, wenn der habern
abschlecht, so gepürt sich zu abschlag der 5 ß 1 haller am vierentaile abzu-
Bchlahen; also werden die schower ir ufmerken alle wochenmärkt haben, wie man
das malter koufe und dann obgerierter Ordnung nach das brimel schowen.
Item wenn aber der habern umb 5 ß haller uf- oder abschlecht, so sollen die
schower dann demselben nach an dem halben ime den haller uf- oder absetzen.
Und ist söUich Ordnung gesetzt uf den gemainen habernkoufe.
216 Überlingen.
das brimel vorgeluter wise geschowet werden ; würden ir aber erfindeo,
das ain brimelber üeh in söUiehem die warbait verhielte, so sollen ir
denselben angeben, damit er darumb gestrafft werd.
Deßglicben so sollen ir alle zinstag die zwen kornmessen, so in
die habergred verordnet werden, ouch uf ire aide erlernen, was die dri
kouf umb den haber gewest wern.
Item welcher selbs brimelb wil lassen machen, von demselben
sol der milier nit mer Ions nemen, dann von dem vierteil haber zu
thörren und zu brimelb zu machen 2 ^.
Item es mögen ouch die gest uf üwer verwilligung das mußmel
fall haben in der Gred und under den lowben.
Item es lassen ouch mine herrn zu, das die gest das mußmel am
zinztag 2 ^ neher geben sollen, dann die burger; were es aber, das die
gest üwer erkantnus nach das brimel als gut und geh gemacht hetten,
als unser burger, so mögent ir dieselben bi der schow wie unser burger
beliben lassen.^
Item wo ir erfinden, das das brimel nit geb und gerecht,
sonder mit haber, sprüer oder in ander gestalt undermist were, so hond
ir macht, das brimel nach sinem werd zu schowen oder zä verschaffen,
dasselbig besser und anders zft machen ; welchen ir ouch also erfinden,
denselben sollen ir den wettpfenningern angeben.
Item* was brimel unser burger machen, das sollen sie nit under-
koufen, ir haben dann dasselbig zuvor geschowet; welcher aber dasselb
nit thäte, denselben sollen ir rüegen und den wettgeltern angeben und
sollen weder sie, noch ir dienst das brimel oder muß an kainera andern
ort verkoufen denn under der brottlowben.
Item ir sollen ouch alle zinstag alle dri der schow warten und
haimschen und frembden das brimelb schowen.^
Und nachdem den müllern und brimelbern bi irn aiden bevolehen
ist, den stoub und das, so in das ))rimel nit gehört, mit dem windror
zu steubern, so sollen ir acht daruf haben, damit demselben gelept
werde; und wo ir söllichs anders erfinden, das sollen ir den wettgeltern
angeben und rüegen.
Item ir sollend ouch bi den fröuibden brimelbscliowern darob sin,
das si ir brimelb obgeschribner massen mit dem windror ouch steubern
und ouch also halten.
* A fügt hier ein: Item das die schower das brimel haimschen und fremden
an den wochenmarkt schawen Bollen.
« Dieser Absatz fehlt in B.
' Alle folgenden Absätze fehlen in A.
Überlingen. 217
Und ist die büß iedes obgeschribens artikels 5ß^.^
Und als aber hinfüro mine herrn das brimelben für ain gewerb
und nit für ain gelert handwerk haben und haben wollen, so mag
meniglich soHchen gewerb uf die schow und vailen kouf under der
loben und sunst niendert triben und gebrachen, und solle aber ain
jeder, der söllichen gewerb tript, allweg, so er zfi failem kouf under der
brotloben stat, haberkernen bi dem brimelb vail haben und nichtzit
yerkoufen, es sie im dann zfivor gesehowet und für göte werschafl er-
kennt; doch welcher sölichen gewerb tribt und die zunft nit bette,
derselb sol die zunft umb den gewerb mit 10 (i ^ ablegen.
Und werden die müUer des brimelbens ganz stillsteen, anders
dann allain das, so sie in irn müllinen gewinnen, das mögen sie allain
linder der loben und sunst niendert verkoufen, und so sollen die schower
inen das nit schowen, aber sie sollen dargegen jedes imin brimelbmus
oder haberkeraen 2 ^ neher dann die brimelber geben.
Ist alles an 5 a^ ^ gepotten.
Item welches brimelb dem habernkouf nach die schow mit behalt,
das soll bi deß Giggers brücklin und sunst niendert verkouft werden,
wie es dann die schower erloben, und sollen die brimelber dasselb
brimelb bi dem ime und darunder, aber nif darab, hingeben noch
Item welchem brimelberer ouch sein brimelb also die schow nit
behalt, der sol von den schowern den wettgeltern angegeben werden,
nnd sollen dann die wettgelter denselben straffen umb 5 jj ^.
Item ir sollen auch kain brimelb in den secken beschowen, es
sige dann zuvor biß uf üwer benügen uß den secken gelert.
^ Alle folgenden Absätze fehlen in 13. Dagegen enthält ein dem Libell hier
eingebunder zettel folgenden Text:
Uf zinstag vor Sant Johannis ta^ Baptiste anno etc. secundo (1502 Juni 21),
ist allen brimelbern gesagt, wie hier nachvolgt, nämlich:
Am ersten, das sie zu irem gewerb gcsworn knecht, die des breimelbens
bericht seien, haben, oder aber dasselbig selbs und in aignen personen thun sollen.
Zum andern so sollen sie den habern mit dem sib und der wannen wol
senbern, und so das beschicht, den habern allen sieden.
Item zum dritten, so der haber wol geseubert und auch gesotten scie, so
sollen sie den habern schauen lassen, ob er genugsam zügericht seie oder nit.
Und uf das alles so ist dann den müUern an 5 ^ den. gebotten worden, das
gestippt and den nachkernen uß dem muß hinweg zu thün und dabei den brei.
melbern uf ir aid bevolhen, dasselb gestippt nit in das muß zu thün.
Actum et publicatum ut supra.
Inen ist auch gesagt, haberkernen neben dem zunmelb und dem brothenmüss
zfi haben.
218 ÜberÜDgen.
Item und sollen aber jedesmals die brimelber uf die zit der b^
schowung sich zu der schow selb verfügen.^
Der Schmalz- und Unschlittschauer Fertigung.^
Der merzler halb.
Wie si das unschlitt koffen, so sollen si an ainem pfuud zu liechtem
gemacht 1 ^ und nit mer gewinen- und kaine andere dan allain pfennig,
und hallerwertige liechter nach dem koff uf das pfimd machen, damit
sich die hechter dem pfennig und haller wert nach dem gelt deß pfunds
vergleichnen.
Item si sollen ouch sölliche lichter bi dem pfund und halben
pfund nach willen deß köflfers um das bargelt hingeben.
Item an einem pfund unschlitt, das si nit Hechten, mögen si 1 ^
und nit mer gewinnen, und sollen aber dasselb zö pfunden und halben
pfunden den begerenden hingeben.
Item an ainem pfund schmer mögen si 2 ^ und nit mer gewinnen,
und sollen das bi pfänden, halben pfunden', Vierlingen und halben
Vierlingen ußwegen, und mögen aber die pfennig wert auch geben,
doch nit anders, dann das pfennigwert dem vierdlig gleich und gemäß.
Item si sollen ouch hinfüro kain schmer beröchen, sonder das,
wie es inen würt, beüben lassen.
Item si sollen ouch in das schmer nichts thün, so nit darein ge-
hört, und ob si es darin funden, so sollen si es rügen und den
schowern angeben, bi wölchen merzlern aber das funden würde, und
er selb nit angegeben hette, den wollen meine hern darumb straffen.
Item an ainem pfund specks oder schmelzigs mögen si 1 ,.j und
nit mer gewinnen, und sollen aber luttern speck und nit kuchschmalz,
flaisch oder rippi darin verkoufen noch ußwegen.
Item von wannen her schmelzigs schmalz und schmer alher prachi
würdet, das sol nit ussge wogen werden, es seie dann zuvor geschowei
und gftt koffmansgüt von den schowern erkent und nach der Ord-
nung erlobt.
Item es sol auch ain ieder frcrabder, der also schmelzigs uuc
schmer alher bringt, bi seinem aid behalten, das es gut koffmansgüi
seie. Was aber die schower nit koffmansgüt erfinden, das sollen s:
ainem Statthalter ansagen.
Item wie die schmelzler das schmalz zu Costantz erkoffen, so mögen
si an ainem pfund ain pfening und nit mer gewinen, doch so sol kainer,
* Diese beiden Absätze stammen von Hand C.
' Die ersten 6 Absätze des folgenden Abschnitts stammen von Hand E, die
übrigen von anderer Hand, fehlt auch in B.
ÜberllDgen. 219
n- f&r sich selbs kofft, weder zigerkäß, noch anders darein dingen;
er aber uf die statt Costantz kofft, was dann die statt Costantz von
broalz darein dingt oder kofTt, das mag er auch thön.
Item so si dann dasselb schmalz alher bringen, sollen si bi iren
len den kofT desselben dem pütel ansagen, und darnach meinen
ren geordenten schower inen erloben und sagen, wie si das pfund
)en sollen und inen an ainem pfund 1 ^ und nit mer gewinns lassen.
Item es sollen auch die schmelzler kain schmalz usswegen noch
koffen, inen seie dann zfivor der koflf von den schowern erlobt.
Dise obgeschriben artickel sind all und ieder insonders an 5 S» ^
>otten; doch so möchte ainer in den dingen so gefarlich handien
ar verbrechen, ain erberer rat würde in weiter darumb straffen.
Item es wollen auch meine heren si all getrewlich gewarnet haben,
: wagen halb die suber zfi halten und zu verkören, der hivor^
nacht strags und geflissenlichs zu leben und nachzäkommen.
Item meine heren wollen auch, das die merzler mit den schissein
r wagen all wegen am andern tag abwechseln und die verkören und,
er die wagen anders oder hocher nit henken, dann nach der baiel,
) ains zwerchen fingers dick sein sol, wie inen die angezaigt würdet,
d sol darzü die zung mer nit, dann ain solichen finger für das haüs
D, so die Schüssel mit dem gwicht ufstat. Welcher aber das anders
Iten würde, den wollen meine hern, wie si bedunkt gut sein, ernst-
h darumb straffen und in solichem ir ufsechen haben lassen, damit
m also mit henken und verkeren der schusseln gelept werde.
Die schower sollen die überfarer bi iren aiden rügen, ^ und ainem
ittel angeben one Verzug.
Eid der Spendpfleger.
Item ir werdent schwern, der spend nutz und frommen ze schaffen,
I schaden zu warnen und zu wenden, nach üwerm besten verm6gen,
d das gelt, so üch von der spende zügeantwurt wirdet, das weder in
^em aigen nutz noch sunst in ander wege zu bewenden noch ußzö-
en, sonder das an der spend nutz anzulegen und die sprüer, so von
n körn vallend, zu verkoufen und das, so ir daruß lösen, in üwer
lernen zfi setzen und zfi verrechnen, und wann ir die jarrechnung
zen, so mögen ir bi ainander essen und sunst kain zerung noch male
der spend costen nit habend ; ^ das ir euch von der spend gut kain
t anlegen, anders dann mit verwilligung ains rats, und auch anders
, denn umb kom gelt.
> Statt dieses Wortes von Hand D: «och deshalben».
' Dieser Satz ist von Hand D. — ' Alles Folgende fehlt in A.
220 Überliogen.
Ir sollen ouch all wegen zfi den ziten, so üwer pflegnuß förter
dann zu andern ziten wart haben muß und gebrueht wirdet, bi d«
statt beliben und derselben warten, und tich an demselben aigen ge-
schäfl oder gewerb nit irren lassen, ungevarlich ; welcher sich aber ge-
varlich von der statt zö denselben ziten thäte, den wollen mine herm
nach gestalt siner Verhandlung straffen.^
Eid der Heiligenpfleger und der Pfleger des Armen-
hauses «zu Fischenhäuser».
Item ir werden sweren, den hailigen und im gotzheusern nutz
und frommen zu fürdern und irn schaden zu wenden, und was üch
allen und üwer jeglichen besonder der hailigen und der kirchen gute
inwirdet, dasselb ouch wider an irn nutz und frommen oder nach ains
rats erkanntnuß bewenden, und der hailigen gut und gelt zu üwerm
aigen nutz nit bewenden noch hinzehchen, one miner herrn wissen
und willen, alles ungevarlich.
Schuhmacherordnung.^
Nachdem sich bisher an den jarmärkten, auch sunst vilmaln zu-
getragen, das die frembden schüchmacher allerlai gemachte arbait al-
her zu verkaufen gefürt, und aber under derselbigen arbait, den meren-
tail, die nit verschaft, sonder allain auf den kauf und schein gemacht
worden ist, dardurch dann der gemain mau, so solche arbaiten kauft,
etwas betrogen und seins koffens nit befrünet werden mögen: solichem
fürzekomen, so ordnen, setzen und wellen wir mit ernst, das den fremb-
den irc arbaiten, so si alher auf die jarmerkt und andere merkttag zii
verkaufen bringen, hinfürter fleissiglichen durch die alhieigen verord-
neten geschwornen schauer, schüchmacher handwerks, beschawet werden,
und sollen darvor garnichts verkaufen, und was dann inen, den frömb-
den, an irer arbait für unwerschaft erkendt und abgeschaut wirdet,
dieselbig arbait soll inen durch die schawer genomen, auch nach ge-
stalt der Sachen gestrafft werden, und sodan die frembden maister
schüchmacher handwerks von den jarmärkten alliic widerumb haim hin-
weg wellen, so inen alßdann ir genommne abgeschaute arbait widerumb
liiewegzefaren geben und zugestelt werden.
Dessgleichen setzen und wollen wir auch, das ermelte schauer der
alhieigen maistern schüchmacher handwerks ire arbaiten zu ungewissen
tagen, wie si dasselbig gefertigt werden sollen, in iren heusern gleicher
gestalten schauendt und was inen dünn auch an der schaw für un-
^ Dieser letzte Absatz in ß von späterer Hand zugefügt.
3 Der ganze Abschnitt von Hand E, fehlt also in H und B.
Überlingen. 221
rschaft erkent würdet, das sollen si womöglich, und si dasselbig
mden bekern und bessern, doch weiter niemand zu kaufen geben,
ßhe arbait sie dann zfivor widerumb werschaft gemacht und erkent,
1 sollen kaine schuch noch stifiel nit verkaufen, die sien dann, wie
s angezaigt ist, geschawet.
Und sind daz die furnemesten mengel, darauf die schaw be-
lehen würt:
Item so die solen der schfich oder stifel zu dinn, dise stück seien
ich gestopplet oder ainfach.
Item wo die übergschiech auch zu dine und das leder nit z& ain
iftch gebraucht würd, da es billich hingehorig.
Item do das leder nit recht berait were.
Item wo die arbait nit sauber noch recht genet, also das etwan
r drat z& klain oder zu weit gestochen were.
Item auch, wo engerich löcher, die nit recht verstochen oder ver-
lebt wem.
Item es solle auch kain schdchmaeher kain fldternen inneen, die
I dann geschmürbt.
[133.] Item es solle auch kain schüchmacher kain schuch noch stifel
u^en, das leder sie dann geschmürbt ausserhalb deren, die über die
stückten laist gemacht werden.
Item wo das leder zu stifel und schüchen ungeschmürbt und nit
cht noch genugsam berait were.
Item die frawenstifel sollen mit dem drat ufgestochen sein und
a kerdel darin gelegt sein, und nit mit der nadel, darzu ain reinsti leder.
Item die rama zu den dopplaten schüchen mügend wol russe sein,
•er geschmürbt.
Item die weite der mansbar stifel und auch frawenstifel sol auch
schawet werden.
Item es sol auch auf mannen und frawenstifel und schlich ain-
'h ain klemfleck gelegt werden.
Man wirt auch nit allain obgeschriben, sonder andere mengel,
I an den maistern schfichmachern handwerks sein möchten,
massen schowen und straffen, besonder auch den schiichknechten
T gesellen, wie die genant sein, ir arbeit besehen, und wo in dem
lalben etwas hinlessigkait oder mangel befunden würde, dieselbigen
dcbknecht gleicher gestalt nach ir jedes unfleis und beschehnen ver-
mos straffen, wie sich gepürt.
222 Überlingen.
Eid der Lederschauer.*
Ir werden schweren, das künftig jar das leder der nachgeschriba
Ordnung und schow nach zu schowen, und lut nämlich die Ordnung also
Es ist gesetzt über die iedergerber, das sin ainer ieglichen häute
so si gerben wollen, sollen gerben vier newe law und nicht minder, uim
sol ouch niemand kain leder koufen noch verkoufen, noch kain gl
werket haut verschniden, ee das es die schawer, die darüber geseMI
sind, geschowend, und dann inen das erlouben; were aber, das es ^
schower nit gut noch fremdgab bedeuchte, also das man dasselb
mit mer cost und arbait widerbringen mochte, so soll man
leder wider instossen, mer arbait und zeug daran legen, als lang
das es widerkompt; bedankte die schower, das das leder [als ung
gab]* were, das man es nit wider bringen möcht mit kainen
oder so man das änderst ingestossen hette nach der andern
das sie auch das alsdann aber schowen lassen sollen; aber wo [dasi
unfrendtj' gab würde, so soll man dasselb leder von hinnen
und in der statt nit verkoufen, und darzü soll man von jeglicher
zu besserung geben an die statt 2 ß ^ und sollen ouch gaißfäle, 1
fille wol und erberlich werken, als von alther her gewonlich ist ge?
und soll man das ouch beschowen ; thäten sie das nit, so soll man i
besserung geben an die statt von jeglichem gaißfUle 4 ^, und von j^
liebem schaffäle und kalbsfäle 2 ^, und söliches den ungeltem ang
Es sol ouch kain gerber kain leder usscr siner Werkstatt ald
geben, es sie denn zuvor geschowet ungevarlich. .
[115] Item ir sollen dhain leder schowen, diewil es naß fr
sonder wann es trucken ist. .
Item wann üch och leder fürkompt, das nit gnüg gärbt ist, ^t
sien heut oder f&le, so sollen ir es haissen instossen bis es gnüg
doch das es üch darnach wider zu banden komm; ist es dann
sollen ir daruff des zaichen stossen.
Item wann üch aber lonleder fürbracht wirdet, das verderpt
und man im nicht mer helfen kau, das sollen ir dann hinsei
ainem rate.
Item wann ouch ainer leder uß dem hus gebe, das nit
were, wo ir deß bericht würden, so sollen ir dasselb ouch ain«
haimsetzen ungevarlich, doch sollen ir den oder dieselben thäter deß
Item ir sollen ouch den frömbden ir leder, so sie her
markt bringen, ouch schowen, und wo ir erfunden, das dif.
' In A unter der Überschrift: Ordnung der echow der 0'
' Von Hand I) durchstrichen, dafür: «verderbt und T
' Von Hand D durchstrichen, dafür: «dai ver«'
^'4
riehen were, oder suns: uv. i-^rt
id von (ich gerüegt weräfL
Item wann die gä?i i'd-s.
acher desselben kain.s zer-e:.:.
howet. und W" ir daran erti:: üi
tiem ende, dannen her r- r.
y-wer daran vrnnden, so s-liti
ll,'* DeiJ -•*.::■": .».-n wo ULft'
i s^'I mii der s::. -w also «-i. :
Er ist c*i :. von niineL . •.
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ocli
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Hand
224 Überlingen.
canzlei an ir iedes gepürend ort alweg unverzogenlich legen, behalten
und versorgen, dannit du die ieder zeit min herren und dem stattschriber
widerumb unerkent antwurten megest und wissest ; derglich auch iemands
über der statt noch stattschribers register, bücher, brief, Schriften, copien,
prothocollen noch verzaichnussen, sich darin zu ersechen, zft erlernen
noch ainich behelf darauß zfi neraen, zu verzaiehnen, noch abschriben
ze lassen, noch geben, noch auch durch dich selbs noch andern nit
abschriben, behalten, hinschiben noch tragen, denn das alles mit e^
lobung ains Statthalters und stattschribers. [Was dir auch ieder zit
von min herren im rat, gericht, thurm in erkundigung und sunst usser-
halben zft lesen oder zu schriben zu verzaichen und zfi vertigen bevolhen
wirdet, sölhs alles und iedes solt du von stund und on alles verhinderen
williglichen und vlissiglichen thun und volstrecken und das volzogen
und verfertigt alweg ainem stattschriber und in seinem abwesen ainem
Statthalter unverzogenlich anzaigen, darmit fürter volfaren, nichtzit
[118] angehenkt noch vergessen beliben, auch alles das, so von rat
oder gerichts wegen ußgat, in der statt oder stattschribers bücher,
register und rödel ordenlich zu gedächtnus registrieren und prothocol-
lieren und in ains Statthalters, rats oder stattschribers zuvor abhören,
nichtzit ußgeen lassen noch ververtigen, besonder ain iede sach irem
befelch nach volstrecken, und die registratur, was rat oder gericht
berürte, über ain nacht nit anstellen, noch inen noch iren burgern, ald
den iren ainich brief noch Schriften über 3 tag ungemacht nit ligon
noch nacher laufen lassen, dann mit sonderm vorwissen und w^illen ains
Statthalters oder stattschribers, auch insonderliait in abwesen ains statt-
schribers, des rats, gerichtz und canzlei, für ander zit getruwlichen zü-
gewarten und raeniglichen mit schriben fürdern und abfertigen. Auch
fürnamblichen in der canzlei zii dhainer zeit dhain gselschaft noch
versamlung einziechen, haben noch halten mit iemandts, dann mit
denjenigen, so in die canzlei gehörend, darzü gelopt und geschworen,
oder vom stattschriber erloupt sind oder werden; doch alles zimlichen
und züchtiglichen sonder gsind.]^ Begebet sich auch, das sich ainich
Sachen verloufen in der zitt, und du alhie bim stattschriber in dinst
bist, darumb du vermaintest mine herren und gemaine statt Überlingen,
auch ire burger, stattschriber und die iren, so inen und den iren zu
versprechen zu recht vertigen, das du dann mine herren und gemain ir
statt Überlingen bi recht nach irer frihait sag und ire burger vor statt-
gericht und die iren vor dem gericht, darin si gesessen und gehörend,
behben lassen und mit frömbden gerichten noch rechten nit bekömberen,
* Von [bisj fehlt in A.
Überlingen. 225
ibtriben noch anfechten sollest noch wellest m dhain weg, alles uf-
ibt, redlich, getrüwlich und ungfahrlich.
Untergänger Eid.
Item ir werden schweren zu undergan in der statt und vor der
tt, und darinne nit anzflsechen weder fründschaft, veindtschaft, müet,
oe noch dhainen andern vortaile, dann nach der parthien fürgeben,
•ffiiung und kuntsehaft nach üwerm besten versteen, ungevarlich.
Item ir sollen ouch kainen undergang thün, es sie dann den
rthien darzü verkündt.
Item wo ir verborgen marken erfinden, die sollen k angeben bi
em aiden, es möcht dann ainer bi sinem aide sagen, das er die ver-
i^en marken nit gewißt hette, sodann ist er nit straffbar.
Item wo ir ouch dem undergang nach bott thflnd, und dann ainiche
rihi sOKchem bott nit lepte und üch dasselb erclagt würde, so sollen
den ungehorsamen den wettgeltern angeben.
Item wann ir ouch zfi undergang gebieten, es sie den houpt-
^em oder kuntschaftern, und derselben ainer oder mer zum under-
Dg nit erschinen, den oder dieselben sollen ir obbemelter massen
xh rüegen.
i\h] Die Häuser- und Gartenschätzer^
sollen bi im aiden, so sie dem burgermaister und raten geschworen
»nd, schetzen, nach gelegenhait und gute der gütter und nit uf die stür.
22] Eid eines Hauswirts im Salmans-
weiler Haus cauf der Wise».^
Er soll schweren meiner herren burgermaisters und rats zu Uber-
igen und irer statt nutz und fromen zft fürdern und schaden zfi wenden,
trülich, minem herrn von Salmenschwiler am aid im gethon, un-
hedlich und unvergriffenlich.
23] Fertigung der Weissbäcker.*
Ir werden schwören, das handwerk der weissbecken mit guter
)ldigner hab, wie von alterher zfi allen zeiten zu versorgen und zu
tBechen, damit gemainer statt, och dem handwerk kain schad zfistand,
d das ir darin allen möglichen fieiß ankeren und bruchen,
ch all Wochen zwai frische newe hab machen, und ob uf mittwoch
3r domstag in der wochen ain feirtag keme, das ir dieselben wochen
i new haben machen, und wann ir ain new hab machen, das ir die
* Fehlt in A und B. — « Von Hand C, fehlt also in A nnd B. — » Von Hand
fehlt also in A und B.
OberrtMinitche SUtdtiechte. U, 2. 16
226 Überlingen.
alten darumb nit ußschitten, noch hinweg thftn wellen, ir haben dann
gut wissen, das ir der newen gnftg haben. Ir sollen auch kain alte
hab ander die newen nit schitten, noch das den ewern verwilligen oder
zulassen, sonder ain jedes insonder, wie hernach volgt, hingeben : ersüich
wann ir ain newe hab gemacht habeü, die sollen ir am ersten hingeben,
es begere dann ainer der alten, und darinne kainen für den andern
fordern noch hindern, sonder welcher der erst ist, zum ersten geben;
wann ir auch der newen hab nit mer haben, so sollend ir kainem der
alten geben, ir haben im dann z&yor auzaigt und eröffnet, das ir
kain new hab mer haben, darüber mag ers mit der alten wagen oder
nit, damit der beck dannocht gewamet si^. Ir sollen auch kain hab
usser unser statt nit hingeben noch verkoufen, ir haben dann in gfitem ;
wissen, das das handwerk allerding vei^sorgt sei und kainen mangd ;
noch nachtail habe; ir sollen och weder ewer husfrowen, magt noch
ander wibspersonen, so die mit ir nattürUchen krankhait beladen sind,
nit über die hab lassen, noch die jemands derselben zeit hinzugeben
vergönnen. Und ob es sich begeh, das jemantz zu unzeiien hab begerte,
dem ze pachen nit gepotten were, dem sollen ir dieselben nicht dest
minder geben; doch das von stund an und bei derselbigen tagzeit
ainem zunftmaister oder dem obersten der zunft anzaigen und ru^[en
ist ain jedem sein gegenred vorbehalten, alles getrewlich und ungefarlidi.
Eid derjenigen, die das Bürgerrecht aufgeben.^
Item ir werden schweren ainen liplichen aide zfi gott und den
hailigen, was sach sich verloufen hab in der zit und ir burger gewesen
sind, darumb ir dann zu minen herrn burgermaister und rate und z4
unser gemainen statt züspruch vermainten zfi haben, sie bi recht bliben
zfi lassen, nach diser statt frihait, namblich uf Costentz, Lindow oder
Ravenspurg, der drier stett aine, und ir burger vor irm stab diser
statt, und die minen herrn zu versprechen stond, in den gerichten,
darin sie sitzend oder darinn sie gehörend, und sie mit frömbden ge-
richten nit fürnemen noch bekömern, kainswegs und in 14 tagen den
nächsten mit wib und kinden von diser statt usserhalb diser statt etter
ziehen, und in den nechsten fünf jare hie nit mer seßhaft werden, es were
dann, das ir das burgrecht anders empfiengen und würdet ouch üch io
disem aide verpflicht und ingelipt, das ir von diser statt mit üwerm
üb nit komen, ir haben dann üch mit den Schuldnern, den ir züthund
sind, vorhin vertragen.
Und ob üch das burgrecht ufgehalten würde dannocht nicht
destminder, so sollen ir die Schuldner vor üwerm abzug bi üwerm aid
zii benügen ablegen.
^ Fehlt in A and ß.
ÜberÜDgen. 227
Bines Bettelvogts oder Seelmeisters Fertigung
und Besoldung.^
Item du wirst schweren ain aid, des Seelbaws nutz und fromen
fordern und schaden ze warnen nach dinem besten vermegen; auch
2h haws und alles daqenig, so dir darin überantwurt ist, es sie bett,
rätt, hußrat oder anders, vlissig bewam, versorgen und in gutem
a und unzergenglichem, sovil im meglich, halten und haben, und
ii8 in sein aigen nutz nit bruchen, auch den armen lüten mit vUß
echen und inen getrüwlichen pflegen, wie du dann des nach auß-
lung der stiftbrief zA th&n schuldig bist.
Wann den armen lüten imdem thoren einzulassen vergönt wirt
d im Seelbaws über nacht hüsin begern, denen solt du ainem iedeu
i stuck prott, ainich muß und erbsen im spittal hollen. Doch soll
kainem armen menschen kain hund mit im hinein lassen.
Du solt auch kainem armen mintschen in gedachtem Seelhaws mer
an ain nacht herberg geben, es werd hn dann von der oberkait ver-
einen. Du solt auch den armen lütten zu gepürender zeit für und
dit nach irer notdurft geben. Wann du die armen lütt nachts
laffen fürest, solt du darob sein, das ain iede person zuvor vor dem
icifiz 5 pater noster, 5 ave maria und ain globen betten, gott dem
rren zä lob und der Stifter und allen glöbigen seelen z{l trost. Du
i auch den armen lütten kain claider noch haß mit inen in die camer
linlassen, besonder sollen si es heraussen abziechen, es wäre dann
ih, das ain frowenbild zfl ker notdurft etwas haben muß, mag er der-
ibigen ain hembd oder anders darzä gehörig mit ir hinin lassen, darmit
) bett dester seuberer bUben mögen. Du solt auch darob und daran
n, das die armen lütt, denen man herberg gipt, weder in der statt
ch auf dem kirchofi* das almüsen samlen, es werd inen dann erloupt,
id so es inen schon erloupt würd, solt du inen doch anzaigen, das
nit in die hewser gangen, noch auch kains offen schaden aufbinden
11; welcher aber dem nit geleben wollt, sultu der oberkait anzaigen
E&stellen.
Wann auch die armen lütt kinder mit inen prächten, soltu die
t stro und küsselin und anderm darzu gehörig in die wiegen, so alda
D, wie von alter auch beschechen ist, versechen.
Wa auch armlüt in sollich hawß kämen, es warn frowen oder
nnpersonen, die argwönig oder sich sunst ungepürlich hielten ald
Aren hetten, die soltu riegen und von stund an ainem burger-
ister anzaigen.
1 Von Hand £, fehlt also in A und B.
16»
228 Überlingen.
Du bistu auch schuldig, alle tag täglich zCi allen thoren zu gea
zfi erfaren, was für arm lütt vorhanden seien, deßglichen den thorhütem
anzezaigen, darmit si kaine armen leut one erloupt herinlassen.
Du solt auch alle tag 2 mal in der statt allenthalben umbgOD
und dem vlissig ufmerken haben, ob arme lütt herumb gingen, das
almosen samein, und wa du die also betrette, solt du iedes fragen, ob
im erlopt sei in die statt zu geen, und so du erfürest, das im nit erlopt
were, soll er es zfi dem thor, dardurch es herinkomen were, wider
hinaußfüren und nochmals von demselben thorhütter solch einlassen
dem bawherren anzaigen.
Du solt auch alltag in der statt hermnb gon, und zä allen rünßen^
ob bäw, mist, oder anders darin lag, derglich zfi allen grünen, ob
unsubre gschier, es wären kübel, gelten, schob oder anders unsuberkait
darin lägen, dem vlissig ufmerk haben. Und wa du solchs ald de^
glichen erfindest, dasselbig all wegen anzaigen und die gschier nicht-
destminder dem pawknecht überantwurten.
Du solt auch allwechen die brottloben, stadloben und die brott-
loben suber fürben imd insonderhait ob der brottloben das schfichbauß
uf die jarmarkt auch fürben.
Du solt auch am sontag und andern feirtagen und ie zu zittea
an den Werktagen sein ufmerken, damit die armen lüt, die seien frömbd
oder haimsch, jung oder alt, weder uf dem kirchoff noch in der kirchea
kain unfüren haben, besonder soltu die stillen.
Du solt auch, wann man gen ßiernow mit dem crütz gat, den.
priestern zfi den Barfüssem ir beraitschaft zum meßhalten hinauß und
wider herin tragen. Dargegen solt du dann desselbigen tags den imbis
daselbst zfi den barfüssen innemen und haben.
Wann und zfi welcher zitt der salzknecht dein notdürftig sein würd,
salzschiben helfen einzfitragen, auch salz zerstossen, und körn auf-
ziehen, des alles solt du dich nit widern, besonder helfen volbringea-
Wann der stattwerkmaister am grund oder anderschwa steen macht,
der statt zügehörig, die solt du, so dir das angezaigt wirt, zesamen häufec
Wann man im spittal das muß oder brott außgipt, solt du alweg
aigner person darbi sein, ufmerken haben, wem man es geh, und
wievil ains kinder hab.
Du solt auch alweg nach den jar- und wochenmarkten in der statt
ufmerken haben, wa die cromer uf der gassen vor den hüsern schrägen
oder britter steen oder ligen lassen hetten, dieselbigen ufheben und in
das schragenheuslin versorgen.
Du solt auch, wie von alterher, am zinstag mit der blatterbüchs r-
das almüßen in den wirtzheusern insamlen.
Überlingen. 229
Wann die pfleger holz koufen, dasselbig solt du in das bauß ver-
igen, und 80 es nit geschitten were, helfen schitten one widerred.
Da solt auch uf die sondersiechen sechen, darmit die nach irer
innng allain am sambstag in der statt ze samlen eingelassen werden,
td nachmals wider hinaußkemen.
S7.] Eines Bettelvogts oder Seelmaisters Besoldung.^
ErstUch haben du und dein haus&au muß, erbsen und allerlai
ppen on flaisch, das du oder die deinen alle tag täglich im spittal
lie hollen und nemen mögen.
Mer hastu auß dem spittal alle wochen 2 rüggin laib brots.
Mer geben dir meine herren im sttiblin wechenUch 4 ß ^.
Mer von der spend all fronfasten 3 fiertail kernen von dem schüch-
B ob der brottloben zd färben, die du dann alweg uf die jarmarkt
fürben schuldig bist, gibt man dier iedes fürbens 6 ^ ze Ion.
Und wann man die spend gibt, soll man dir alweg für dich selbs
brott für sein Ion geben, und so du kinder bettest, so du si dann
gerest, soll man dir ainem ieden kind, sovil du der bettest, auch ain
Ott zA deinen 4 brotten geben, wi andern armen lütten.
Derglichen, so man sunst ander spenden gipt, es sie in kilchen
ler im rathus, gipt dir auch 4 brott, wie vorstatt.
Mer gebend dir die pfleger ain gantz jar für bestrichen und waschen
q8 |i ^.
Mer für 2 katzen, die du alwegen in solhem hauß underhalten
It, damit das gefider und bettgwätt vor miß und ratzen destbas ent-
dten werden mög, 6 kr., damit sold du inen milch koufen.
Mer geben dir die pfleger auch holz und salz ieder zitt nach
aner und der armen lütt notdurft, und so du hast, denselbigen gibt
ich die nottdurft.
28.] Fertigung deren, die Schweine zu häufen
in der Stadt feil haben und verkaufen wollen (Händler)'.
Die sollen loben und bi iren aiden, so si irn obern gesworn haben,
gen, das under irn suwen in dem nechsten halben jar vor diser ge-
)ang ganz kain tödlicher gebrest gewesen, auch kain suw in sollicher
t imder irn suwen presthaftig gestorben sige, item und das an
3 orten, do ire schwin gangen sind, das halb jar in ainer halben
^ Zwischen dieser Überschrift and dem ersten Absatz steht von derselben
id E geschrieben der caid ains wttrtz in salmannswiler huß uf der wisen»; ist
r wieder durchstrichen, da er schon oben steht. Der ganze Abschnitt fehlt in
ind B.
* Die beiden folgenden Abschnitte von Hand £, fehlen also in A und B.
230 Überlingen.
milwegs geriügswiß umb under dem vech kain prest oder sterbend ge--
wesen sige.
Fertigung der Selbstzüchter.
Item das sie bi im aiden, so si im obem geswom haben, sagen
und darzft geloben, das under den swinen, die sie verkoufen wollen,
in sechs wochen und drien tagen kain tödlicher prest under inen ge-
wesen, auch kain swin presthaftig gestorben, und das sie weder uf waid,
käß oder trenken zu den presthaftigen oder denselben harden in der
zeit gegangen sigen.
Des Zollers und seiner Hausfrau Fertigung.^
Item ir werdent schweren gemainer stat nutz und fromen zu fürdem
und iren schaden zu warnen und zb wenden nach ewerm hosten verston
und vermügen ; das ir auch den zoll inhalt des rodeis euch von meinen
hem überantwurt, on allen abgang und nachlas getreulich einsamlen, an
stund in die büchs stossen, und an ewem aignen nutz nit bewenden,
noch ichtzit darvon ausleihen, noch onwerden, und alwegen am sontag
die büchs den stüblinsherrn überantwurten ; und ob ir in der Gred aia
gredgelt oder bei dem zoll Hansen Wemen, dem salzknecht, und seiner
husfrawen, einzüsamlen bevolhen, oder an ainicher hab war oder guter,
so nit in die verzaichnus komen wer, bei jemandz ainichen abgang er-
finden würden, das ir dasselbig an stund den stüblinsherrn, gredmaister
oder Wernen anzaigen und zu wissen thfin wellen, und insonderhait
ain getrew aufsehen haben, das bei den thoren und allenthalben mit
den boliten vleissig und wol gehandelt werde.
Ir sollen auch weder mit kernen, haber, noch anderm körn kain
gewerb noch gemainscbaft haben, noch ainichen kofF oder verkoff steuren^
hindern noch fürdern.
Auch von der stat one erloptnus ains burgermaisters oder seins
stathalters nit zügaun.
Dergleichen sollen ir alle, dieweil ir in meiner herrn dinst sind,
weder spilen noch karten, noch daran weder tail noch gemain haben.
Und zu welcher zeit ir euch meinen herrn nit gevellig hielten, behalten
sie inen weiten weg iren dinst nach irem gevallen zu verleihen.
Dergleichen sollen ir Jon Ronbühel* in sölichem dinst schuldig
und verbunden sein, sampt ainem bittel oder bauknecht, das verzaichnet
standgelt helfen inzüziechen und dasselbig alweg von stund an on ab-
gang getrewlich in das stüblin antwurten.
» Von Hand E. fehlt also in A und B.
' Durchstrichen, dafür: «Martin Joch».
Überlingen. 281
Der Steokenschauer Fertigung^
Die steckenschower sollen bei iren aideo, so si geschworen haben,
zfi allen zeiten, so si zft der schow erfordert werden, die stecken laut
d« Ordnung getreulich schowen, und das gefarlich niemand verzeichen,
Damblich das si gleich zu gleichem stützen auch darob und daran sein,
das söllichs beschech. So auch etwas gefar darinnen gepraucht würde,
sollen si solchs allwegen ainem burgermaister als Statthalter anzaigen.
Item si sollen auch niemand dann inen selb stecken weder kaufen
nodi bestellen in kainem weg.
Dann wölcher steckenmann die stecken nit gleich zu gleichem
stützten und solchs die steckenschower erfunden, sollen si es rüegen und
angeben, und ain ieder steckenmann, so oft es gefarlich erfunden würd,
iedesmals umb 3 tf >^ gestraft werden.
Dergleichen, so soll auch kain burger noch einwoner kain stecken
kaufen, die seien dann beschowt und durch die steckenleut nach der
Ordnung gestützt, bei straff 1 tf >^.
Item die ligenden bederschen(?) sollen die steckenleut aufrichten,
aber nit verkaufen, bis das die widerumb durch die verordneten schower
besehen und geschont werden.
Item und an bürdinen soll ain ieder 25 stecken und auch iede
bfiidin gleichlich gepunden sein', also, da nit lang imd kurz stecken
zQsamen gepunden und gethon werden, bei obgemelter straff der 3 ff ^.
Item und zu dem allem, ob sich zu wenig stecken an bürdinen,
oder in bürdinen faul oder brüchig stecken erfunden würden, so sollen
die steckenleut schuldig sein, dieselbigen bürdinen wider mit andern
stecken erstatten.
Und ob die steckenschower ichtzit diser Ordnung nit gemeß straff-
pars erfunden, das si dasselbig rüegen und ainem burgermaister oder
Statthalter angeben sollen.
Eid der Substituten des Stadtschreibers.^
Ir werden sweren minen herren burgermaister, zunftmaistem* und
ifttten gehorsam ze sind, imd diser gemainen statt und uusers statt-
schribers nutz, fromen und eer ze werben und ze schaffen, und im
schaden ze wenden und ze warnen, nach ewerm vermögen, getrüwlich
und ungevarlich, ouch alle und iegliche miner herrn haimliche rätte,
80 ir dabi sien oder sunst verstanden, zu öwigen ziten zu verswigen
und besonder ouch alle und iede der statt unser verainung manung,
1 Von Hand £, fehlt in A und B. — > Am Rande Ton anderer Hand «unge-
fsnrlicli». —'Von Hand E fehlt in B; in A von späterer Hand, vergleiche oben: «des
ttatiachribert Substituten aidpflicht». — * Von Hand eingefügt: «richtem».
232 Überlingen.
wie die irs inhalts erschinen und ußgeen, ouch zft öwigen ziten zä v*
swigen, und die briefe, wie üch die von minen herm oder dem sta
schriber ingegeben, oder üch sunst zfikomend ald geantwurt werde
deßglichen nottürfdg copien und büchere in unser schreiberie, als si
gepürt, zu versorgen, damit ir wissen, die minen herm und dem sta
schriber wider zä antwurten^. Ob sich ouch begäbe, das sich aini
Sachen veriufen in zit, und ir hie wären, darum ir vermainen, min hei
und gemain statt, auch ir burger und die im, und die inen zu v
sprechen standen, zu rechtvertigent, so dann mine herm und gem^
ir statt Überlingen bi recht beliben laußen, nach ir frihait sag, und
burger vor irm Stattgericht und die im vor dem gericht, darin si {
hörend, und mit frömbden gerichten nit bekümbem noch anfachte
in dehainem wege, alles ungevarlich.
Eines Gredmeisters und seiner Hausfrauen Fertigung.*
Item ir werden schwören gemainer statt nutz und frommen :
fürdern und irn schaden zu warnen und zu wenden nach üwerm best«
verston und vermögen, das ir ouch der Gröd zu ieder zeit und sond(
lieh in der wochen am montag, zinstag, mittwoch imd dornstag n
uf und zöschliessen und in ander weg auch der leuten gütter dar
frembder und haimscher vieissig und wol warten, dem allem getreuli(
zusehen,' ouch das grödgelt, wie ir das in ainem rodel ordenlich i
gezaichnet haben, on allen nachlaß und abgang ordenlich empfah
und kain böß verpotten gelt, sonder allain Überlinger werschaft nem
und das nach dem empfang an stund in die büchs legen und an ewe
aignen nutz nit bewenden, noch sunst in anderweg ichtzit davon i
lihen, noch verendren, sonder allwegen am sontag den stüblinshe
überantwurten,* so ir ouch zu ainicher zeit in der Gröd säuen, eesel oc
ander schadhafte thier sehen oder gewar werden, das ir dasselbwend(
der Gröd eüssern und söllichs in allweg fürkommen, damit niema
schad zügefiegt werd; deßglich, so ir bi iemands am zoUe^ ainichen i
gang erfinden und erlernen würden, das ir dasselb an stund [d<
* Am Hand von Hand F: «Und was ir im thurn hören, zä verswigen, und k
kopien, die der stat oder dem schiber zfthören, hinausnämen und geben».
2 Dieser Abschnitt ist von Hand E, fehlt in A und B.
* Am Rande von Hand D: «och allwegen baide zöberhus samenhaft und
ains an das ander ufschliessen, sonder wann daz ain ufgeschlossen sei, das ir alsdi
das ander och ufthun.
* Am Rande von Hand D: und inen alsdann allwegen das ratzöHgelt, so ii
der wochen ußgeben haben, dabi och zu verston geben.
* Am Rande anstelle des von derselben Hand gesetzten: «Ronbuhels i
Hanns Wernen» von anderer Hand: «Martin Jochen».
Oberlingen. 283
loller]^ anzaigen and zu erkennen geben wollen,' alles getrewiich und
imgevarlich.
Es soll ouch ainem jeden grödmaister befolhen werden, das er
linen hond enthalt.
Wann gredmaister uß dem huß zu gesten oder . . .^ gat oder
erlopt, sei er beschaid hinder im lassen, wo er zä finden. Er sol auch
stain noch bau uüstellen oder uf die brugk werfen lassen, er wiß dann
kuD, wems zAgehör, oder daz er solchs verantwurte.
Eines Wagmaisters und seiner Hausfrau Fertigung^
Lr werden schwören, gemainer statt nutz und fromen zu fürdem
Qnd ir schaden und abgang zu warnen und zö wenden, nach ewerm
besten versten und vermögen, das ir ouch am zinstag und mitwoch
biß zfi mittentag vleißig warten und ob sich in der wochen begeben,
das man zfi der großen wag ewer nottürftig sein würd, das ir alßdan
aber darzü gehorsam und wärtig und allwegen anzaigen wollen, das
man üch wiß zu finden; deßgUchen, das ir die großen wag im schmalz-
hnß und in der Gröd selbs versehen und sunst niemands anderm zu
thfin befelhen und von der großen wag vom zenthnar nemen wollen,
wie hernach volgt: nämlich vom burger und gast von dem verköufer
swen Pfennig, würde aber etwas uf der großen wag tailt und gewogen,
80 gibt der zenthnar aber 2 ^ oder nach anzal deß zentlmars, und
was euch von der fronwag also gefeilt, das sollen ir bi ewer aidspflicht
* Dorchstrichen dafür am Rande von derselben Hand : inen oder den stublinß.
uCfen.
' Von Hand D angefügt: «Ir sollen auch all zfiber getrewiich allwegen einsliessenf
ond kainen hemssen lassen, och kainem kainen geben, bis man die zügeben uf'
iefalflistt, es were dann, das ainer kernen in vassen brechte, oder, so ainer nali körn
in secken hette, denen mög ir wol züber geben und sollen aber niemands kain züber
of den secken behaft sten lassen. Item, das ir och das Gredhus unden und oben
nber halten und all monat den bnw und schoren usfüren und weder in der Gred
ooch dem gesslin kain buw noch schoren machen, sonder allweg vor der Gred haben
ond dieselben, wie oblut, all monat rumen, und lenger nit ansten lassen, och all
lilber in ewer zal, wie euch die eingezelt sind, haben wollen, und ob euch mit
Itainen, vassen oder anderm in der Gred gespör oder Irrung gemacht würde, sollen
ir darob sin, damit die Gred gerumpt werd, ob den jemand euch hieran Verhinderung
ttiit, das sollen ir den buwhem ansagen, die sollen sollichs fürter abwenden. Ihr
sollen och weder mit kernen, haber, noch anderm kern |kain gewerb haben ; der-
^cfaen in der Gred gar kain gastung, noch ouch weder hünt noch tuben halten, und
ooe der bnwhem erlobnus kain buw in die Gred ligen lassen. Derglich sollen ir,
*Uedieweil ir in meiner hem dinst sind, weder spilen noch karten, noch daran weder
tail noch gemain haben, und zft welcher zeit ir euch meinen hern nit gefellig hielten,
^>öhilten sie inen weiten weg, im dinst nach irm gefallen zö verleihen. — » Unlesbar.
* Von der gleichen Hand, wie der vorhergehende Abschnitt; fehlt in A und B.
234 ÜberliDgen.
an stund in den stock stossen and mögen ir an der clainen wag 1
und darunder wegen aber nit darüber.
Item ob euch dann die schmelzler umb ewer arbait thetten
griessen, es wäre mit ainem badgelt oder von abschabenden, das
an der clainen wag euch zügehören, und was obgelutter gestalt alsc
den stock geföllt, davon sollen euch die zwen tail und der statt
drittail verfolgen, z& dem gibt man euch von der statt järlichs sold 1 fli
Item was Schmalzes oberhalb Lindow dohin komende zA Lin<
erkouft, daselbs gewogen und alher gefiert wirdet, das mag ainer
koffen, wie er vermaint, daß zu gemessen; aber das schmalz, so ai
underhalb Lindow und näher uf diser stattwag erkouft und alher brii
da soll jeglich pfund an der großen wag ains hallers näher dann
der clainen wag gegeben werden.*
Ir sollen auch, alledieweil ir in meiner heren dinst sind, w€
Spillen noch karten, noch daran weder tail noch gemain haben; i
zft welcher zeit ir euch meinen heren nit gefeilig hielten, behaltei
inen weiten weg, im dinst nach irem gefallen zu verliehen.'
Ir noch ewer verweser sollen auch dhain schmalz, schmelzig i
Schmer iemand außwägen, es si denn zuvor durch geordnet scho
geschowet und für koufmansgut erkannt.
Item das ir auch weder schmalz, unschlitt, schmer, harz n
andere war, so alher zu verkuwfen praeht werden, nit aufkaufen s«
dann allain sovil ir das zu ewenn handwerkverprauch notdürftig si
Und sollen ewern dienst durch euch selbs und nit mit den kind
und eehalten versehen.
Item wann speck, schmalz oder ander derglichen war von fi-ei
den hierher kompt, sollen ir dasselbig den schowern anzezei
schuldig sin.*
Fertigung eines deutschen Lehrmeisters.
Nachdem und ir von meinen hern aim ersamen rath zu air
teutschen lermaister bestelt und angenomen worden sein, so werdei
schweren, meiner hern und gemainer statt Überlingen er, nutz i
fromen zu fürdern und im schaden und uner zu warnen und zu wen
» Hier von späterer Hand zugefügt : «Der ragmaister soll auch dhain sc
schmalz nach schmeltzigs unslitt^ so vom . . . (unles.) herkompt, uÜwegen, nocl
das schmaltzhauß lassen, in dhainem weg».
• Von späterer Hand zugefügt: «Item und was von unsern burgern für wa
den pfragen beim zentner alhie erkofft würdet, davon sollen si den gewonlichen w
Ion darz& balbtail gredlons geben».
• Von späterer Hand beigefügt: «ist im nachgelassen».
^Dieser Absatz von einer späteren Hand.
r
Überlingen. 285
nach ewerm höchsten vermögen, inen auch wie ander biwoner pot und
verpot halten, in allweg getrew, gehorsam und gewertig zu sein und die
baigers kind, so man zd euch in die 1er gon lassen wirdet, mit ge-
trewem and bestem fleiß zu underwisen und zft lernen, auch band, so
TÜ an euch sei, ob inen ze halten und ob ir kunfbiglich über kurz
oder lang umb Sachen, die sich in der zeit, und ir meiner hem diener
geweet weren, begeben und verloffen hatten, zA meinen hem aim er-
SRmen rath gemainer stat im burgern, den iren oder denen, die inen
oder den iren zügehören und zu versprechen stunden, spruch oder vor-
drang betten, als gewunen, darumb ir si rechtens nit vertragen möchten,
das ir si alsdan bi früntlichem rechten pleiben lassen wollen, nämlich
meine hem lut ir freihält sag vor der dreier stet ainen, Costentz, Ldndow
oder Rafenspurg, ir burger vor irm odenlichen gerichzstab hie zu Uber-
lingra und die ander ir hindersassen und verwanten jeden in den ge-
richten, darin si sitzen oder darein si ordenlich gehören. Und das ir
auch aller und ieder brief und Schriften in unser stat stillston und die
weder frembden noch haimschen, si standen gemainer stat Überlingen
au versprechen oder nit, imib ainich besoldung oder veremng hie in
unser stat machen wollen, noch das zu thün iemands befelchen. Deß-
glich das ir die schul und behusung, so euch von meinen hem zu
nnderhaltung ingeantwurt worden ist, in zimlichen wesenlichen em und
trewen halten wollen, alles imd iedes getrewlich und on all geferd.
Dagegen ist auch von aim rath zugelassen, das ir steur, wacht, rais-
gelt und aller anderer usslegungen und beschwerungen fri sitzen sollen,
6B b^ebe sich den, das meine hem gemaine stat mit ir selbs leiben,
oßziehen und raisen würden, alsdan sollen ir inen im selben auch
gdiorsam und sovil schuldig sein, alß ein ander ; wie dan ander unser
burger dennmals mit der liferung der besoldung gehalten, dermaßen
sollen ir och gehalten werden, oder ob ir fürohin ligende guter im ether
gel^n überkomen würden, die sollen ir alsdan auch wie ain anderer
burger versteuren.
Ordnung der Schlüßler, wie sie auf- und zuschließen sollen.
Item die schlüßler zum Oberthor sollen zuschliessen, wann man
das ave maria lit, und allwegen ain ruf oder zwen thün, und ob in
iemands entsprech, sollen si mit dem zfischliessen nit ilen und uf-
sdiliessen, wannn man das zaichen uß der früen tagmeß lüt, und dem
Wächter riefen, auch das usser thor nit uf thün, er entsprech in dann.
Item die schlüßler zum Heithor, nämlich der zum türlin, soll uf-
8chließen, wann man das tagglöglin lüt und nit von dann gon, der
' Von Hand E; fehlt in A und B.
286 Überlingen.
thorhütter sei dann da, und soll zflbeschliessen, wann man spetwacht
lut, und ob er lüt oder wagen herte, sol er mit dem bescbliessen nit
ilen, und die schlüßler zum großen thor sollen zäschliessen, wann man
das ave maria in der pfarr litt, und uf wann man das zaichen uß der
frien tag meß litt.
Item die schülßler zum Wetzenstain sollen ufsebliessen, wann sie
ervordert werden.
Item die scbülßler zur alten radstuben sollen oueh ufsebliessen,
wans ervordert worden.
Item die scblüßler zum obern und imdern gatter an der alten
Gred sollen zöbeschliessen, wann man das ave maria in der pfar lit
und ufthAn.
Item die schlüßler z& baiden thoren an der newen Gred sollen zu-
schliessen, wann man das ave maria in der pfar lit, und ufsebliessen,
wann man das zaichen uß der frawen tagmeß lit.
Item in der alten Gred sollen si ufsebliessen, wann si ervordert
werden.
Item die schlüßler zum stadtgatter und thor sollen züscbliessen,
wann man ave maria in der pfar leit, oder aber nebel leg oder leut uf dem
8ee Sechen oder horten, sollen si mit dem bescbliessen nit ilen, oueh
sollen si vor ain rftf oder zween thün, und sollen am morgen da sein
und ufsebliessen, sobald man uß der früwen tagmeß lüt, und besonder
uf wochenmerkten.
Item die schlüßler zum spittalthor sollen uf und züscbliessen
morgenz und abentz, wann man ave maria in der pfarr litt.
Desglich sollen die schlüßler zum gatter bei der metzig oueh thün.
Item die schlüßler bei des spittals bad sollen ufsebliessen, wann
si ervordert werden, und sollen züthün nach altem bruch.
Item die schlüßler zu Rüdolfsthor sollen züscbliessen, wann man
ave maria litt in der pfarr, und ufsebliessen, wann man das zaichen
zur früwen tagmeß litt.
Zum schlachthauß sollen si irem alten bruch nach zft und uf
schUessen.
Item die schlüßler zu sant Cristoffels thor, und ist nit mer dann ait:
Schlüssel, sollen züscbliessen, wann man ave maria in der pfarr litt
und ufsebliessen, wann man das zaichen uß der frien tagmeß litt.
Item die schlüßler zu Barfüßer thor sollen uf und züschliessea
wie die zu sant Cristoffels thor.
Überlingen. 237
Item die schlüßler zum Wißthor sollen ouch ufschließen, wie die
ZQ sant Cristoffels thor, doch sollen si rufen und wann sie wägen o[der
Ifit]^ an der nechin herten, sollen si mit dem besch[liessen] ^ nit ilen.
Item der zmn thürlin soll nach[z]^ ufschliessen, wann er von
ainem burgermaister ervordert wirt.
Item die schlüßler zum mittelthor, nämlich der zum thürlin, soll
ulschliessen, wann man das tagglöcklin lit und nit von dannen gon,
der thorwart sie dann da, und die zum grossen thor sond züschliessen,
wann man ave maria in der pfarr lüt, und allwegen rufen ; ob si iemand an
der nächin herten, sollen si mit dem beschliessen nit ilen, und schliessen,
wann man das zaichen uß der tagmeß leit.
Item die schlüßler zum Ganzen thor sollen züschUessen^ wann
man ave maria in der pfarr lüt, und ufthün, wann man das zaichen uß
derfrüwen tagmeß lüt.
Desglich sollen die schlüßler zu Vischenheuser thor ouch zä und
afschliessen.
Die schlüßler zu Sückengraben und gatter sollen ufschliessen, wann
si ervordert und ermant werden, und züschliessen, wann man ave maria lüt.
Die schlüßler zum gerberthor sollen züthün und ufschliessen, nach
irem brach.
Schlüßler zum steckenmarkt, zur Stegen und zum gatter beim
kalchhauß sollen züschliessen, wann man ave maria lüt, und ufthün,
wann man das zaichen uß der früwen tagmeß lüt.
Desglich sollen die schlüßler zum gatter zur müllin am See, die
schlüßler zum müllin thor, die schlüßler zu sant Ulrichs thor, die
schlüßler züs nachrichters thor und die schlüßler zu hirten thor ouch zu
und ufschliessen.
Und soll finfüro kainer mer zu oder ufschliessen, er hab dann
hoeen und wammes an und die wör bei im, damit si nit mer, wie dann
zft Zeiten beschechen ist, also ploß in den hemedern imd one wör dahin
komen, deß wellen sich meine herren zu inen versechen und zu ge-
schechen verlaßen.
Des Büttels Lon.*
Item von erst so git man von ainem fürbott am undern und obern
gericht 1 den.
Item von iedem zügen zu gebieten am undern und obern gericht
von ainem burger 1 den., von ainem gast 1 den.
^ An dieser Stelle ist von dem Blatt ein Stück abgerissen.
* Diese und sämtliche folgenden Abschnitte fehlen in C und D; mit Ausnahme
bietet ersten Abschnittes, der in A und B steht, fehlen alle auch in B.
288 Überlingen.
Item von undergängen nütz.
Item wenn er ainem burger zu hus rieht, wann er dann rieht,
daran der cläger ain benügen hat, so git man im 4 den., er sie burger
oder gast.
Item von gütter spenen oder pfenden, 1 ^ den., er sie barger
oder gast.
Item von inzeschriben 1 den. dem schriber, und das min herren
ainen daruf bestellen.
Item von ainem, der in miner herren vanknuß kompt, oder welher
umb schuld in vanknuß kompt, und so er ledig wirdt, mit miner
herren willen und wüssen, der git 5 |i den., und wellicher umb Unschuld
in vanknuß kompt, da geben weder min herren noch der gefangen nichts.
Item von schädlichen lütten: was man bi den vindet und im zu
sinen banden wirdet, es sie schüb, gelt oder anders, das sol er an min
herren bringen und inen das ofi&ien, oder mit miner herren willen be-
halten, und hat ein büttel kain gerechtikeit darzft, ußgenommen gürtel,
gewand, und was daran hanget von wäffen.
Item und sönd min herren in ußrichten von dem, so si bi im
fünden, umb tumlöß und atzung, und ob si sovil bi im nit finden,
so sol ain raut in danuocht darumb ablegen, und sol der züchtiger
davon euch ußgericht werden, ob das vorhanden ist; das übrig mag
ain raut schiben den fründen oder den haiigen, oder wo si bedunkt
gut sin.
Item wenn miner herren knecht gefangen bringen, si siend vind
oder ander, was die dem oder den nämen und bi in vindent, es sie
gelt, nomm oder anders, darumb hant si dem püttel nütz ze antwurten,
und mögen min herren das werden laussen und schiben nach irerkanntnuß.
Item wenn ainem püttel ain gefangner geantwurt wirdt, so sol
er underscheid von ainem raut nämen, wie er den halten soll mit essen,
er sie schädlich oder unschädlich.
Item von ainem haft, oder wenn ain burger kompt zum püttel
und an in begert, im die kettenen, genannt den hund, inzeschliessen,
oder in das schiff leit, sol man im davon 6 den. geben, und so menig
tag in haft liget, iedes tags 4 den. ; kompt dann der, dem das sin in haft
geleit ist, und bitt min herren umb täding, so sollen die ding an minen
herren darumb steen, und vom ußschliessen git man im nichts.
Item zu fürbotten den ußlütten von ainem ieden 6 den., und ob
er den ußman hie in der statt beträt und fürbot tat, dri tag vor dem
rechttag, oder zwen ald ainen tag, davon 2 den.
Item wenn ainer ainem vaß win verpfenden will, davon 6 den.
Oberlingen. 239
Item wa ain burger oder ains burgers kind selbst cost im thurn
/leiten, sollend dannocht dem püttel des tags 4 den. werden.
Item wä pflegere oder cristafel, ir sie zwen, dri oder merer,
einem furbieten wollen, da sollend die pflegere oder cristafel dem püttel
vom fürbott 1 den. geben, imd wä der püttel das bott übersehe, sol er
zum andern förbott nüt nämen.
Item wo ein armann ross und karren in der statt het, und ein
böiger im das verheften wollt, so sol der burger mit dem püttel zfi
dem arman gan und sölich schulde an in vordem; und ist er im der
schuld bekanntlich, so mag er im das verheften und darzft richten nach
der statt recht.
Item und ob ein arman in die statt trüge ein armbrost, mantel
oder ander waufen, ußgenommen, das gürttel begriffet, mag der püttel
dem burger umb sin schuld darzü richten nach der statt recht.
Item wenn das ist, das min herren den parthien rechttag setzen
und inen fürgebotten het, wa dann der verzog des rechttags an minen
herren wäre, und der rechttag durch min herm verzogen würde, so soll
der püttel den parthien zfi den andern rechttagen fürgebieten, und
davon nüt nämen. DesgUch soll gegen den zügen ouch gehalten werden,
80 den fürgebotten würde, und die sach durch min herren verzogen
würde, das dann der püttel zu den andern fürbotten nüt näm.
Item das holz, so min herren dem stattamman und richtern gend
uf das Grethus, das sol ein püttel oder die sinen uftragen.
Item wenn der püttel einen beschliessen würd, so sol er kommen
zA einem burgermeister und im söUchs ze erkennen geben, und soll dabi
sagen, das von minen herren angesehen sige, das ein burgermeister
darzfl schiben söU, damit die hab angeschriben werd und von dem allem
ganz nüt nämen, noch iemand davon nicht schenken, noch ander lüt
davon laussen nämen dehains wegs.
Item ob es sich begibt, das die hab an der gani verkofft sollt
werden dem haft nach, das alles an die gant lassen kommen, und
im selbs, noch sinen verwandten, noch niemand andern an der gant
mcht koufen, noch andern befelhen, das an siner statt ze tfind, und
was daruß gelost würdet, das alles eigenlich von stuck zfi stuck ufze-
schiiben, und dann damit zfi ainem burgermeister oder statthallter
firderlich zokeren und im sölichs zfi erkennen geben, damit dann der
burgermeister darzfi schib, damit das gelt an statt zfi Sicherheit geleit
werd.
Item des pütteis Ions halb, berürend die gant und das ufschriben,
90 er im hus tfit dem haft nach, wollend min herren dir darumb
^derrichtung geben. [Die ist also: was uf einen tag vergantet wirdt
240 Überlingen.
sovil des ist, so sol von allen tailen dem püttel 18 den. geben werdes
und nit mer].*
Eide der Zehender.
Von der zechender wegen schwert ainer, den zechenden ze erfordern
und ze sammeln, als das von alter herkommen, sit, gewonheit und prucht
ist; und ob das war, das sich iemand dawider satzte und das nit tan
wollt, das er dann den richtern, so daräber geben und gesetzt werden,
angeben und sagen wöU ön all gevärd.
Steuer-Eid.
Item so werden ir schweren, bi der stür ze sitzen, die aid in-
zenemmen und die stür anzelegen, ze rechnen und darinne gemein ze
sin dem armen und dem riehen.
Der Söldner Eid.
Ir werden schweren, der statt und den bürgern ze dienend ain
jär mit (ich selb, mit hengst und mit harnasch wider aller menglich,
und in dem der statt nutz und ere ze fördern, im schaden und unere
ze wenden, als vil ir mögen ungefaurlich.
WÄr ouch, ob üch in dem zil, oder wie lang ir hie dienend oder
wonend wären üt widerfüre von iemand, [der] der statt oder unsem
pundgenossen zügehörte, das ir üch darumb ains rechten hie oder aber
eins rautz spruch benügen laussen und nit furo darzu tuen.
War ouch, das ir in dem zil mer innemmend, dann man üch
schuldig würd, das ir das bekerend, wenn das zil ußsige, oder aber mit
ains rautz willen überwerdent.
War ouch, ob üch hengst und harnasch in der statt dienst ab-
giengen, das ir üch dafür laussend benügen in der maß, als man uch
das schätzen wirdet.
Item ob ir ainem angriff tätten, das ir dann mit nommen und
gefangen den rätten gehorsam sien.
Item wann ir mit iemand ritend, das sollen ir in üwerm costen
tun, es wäre dann, das ir einen knecht verwäsend.
Des Spitalmaisters Eid.
Item, ir werden sweren, des gotzhus spittals nutz und ere ze werben
und ze schaffen, sinen schaden ze wenden ^ nach üwern besten versteen und
vermögen fürzekerren, ze wenden und ze warnen, getruwlich one gevärde.
» Von [bis von anderer, aber gleichzeitiger Hand.
« Darchstrichen.
Überlingen. 241
Item des spittals pflegere gehorsam ze sind und mit inen des gotz-
hos Sachen ze handeln zum besten ungevarlich; deßglich in notturftigen
geburlichen dingen mit den ämptern im gotzhus die Sachen och ze
handhi ungevarlichen.
Item den dürftigen armen lüten, ouch den pfrundnem ge-
trawlich ze th&nd und zu bescheen, verschaffen und ien ze thün und
erfolgen lasse, nach angesehen dingen.
Item wa knecht an der ehalten oder pfrundner sich in ungehor-
sami erzögten^, das für die pflegere ze pringen.
Item darob ze sind nach üwerm besten vermögen, das von meng-
lichem im gotzhus, es sie ob tisch oder zu allen andern ziten, togenlich
stilligkait, zucht und zimlich gebärde halten thue.
Item das bargelt, so üch vom gotzhus ingeantwurt würdet, ge-
tmwlicben versorgen, und die Ordnungen, von minen herren gesetzt,
die rechnnngen zu beschriben und also nach irm inhalt ze halten und
lechnuDg ze thünd, damit ir wissen, das bargelt und anders, [so] üch
ingeantwurt ist, zu antwurten und [zfi] verrechen.
Item des gotzhus bargelt niemand zelihen one mins herm wissen
und willen.
Ordnung der Schau der Gerber.*
E2s ist gesetzt über die ledergärber, das si ain jeglichen hüte, so
8i gärben wollen, sollen geben vier nüwe low und nicht minder; und
8ol ouch niemand kain leder koufen noch verkoufen, noch kain ge-
werchet hut verschniden, ee das es die schower die darüber gesetzt
sind, geschowend und dann inen das erlouben; wäre aber, das es die
schower nit gut noch fruntgäb beduchte, also das man dasselb leder
mit mer mit* cost und arbait widerbringen möcht, so sol man dasselb
leder wider instossen, mer arbait und züg daran legen, als lang unz das
es wider kompt Beduchte aber die schower, das das leder als un-
fruntgäb wäre, das man es nit widerpringen möcht mit kainen dingen,
oder so man das änderst ingestossen hette^ nach der andern schowe,
alO 81 ouch das alsdann aber schowen lausen sollen; aber wa das so
Onfruntgäb würde, so sol man dasselb leder von hinan füren und in
der statt nit verkoufen, und dazu sol man von ieglicher hut ze bessrung
geben an die statt 2 (i ^, und sollen ouch gaißfele, kalbsfele, schaufele,
wol und erberich werk, als von alter her gewonlich ist gewesen, und
»1 man das och beschowen ; tätten si das nit, so sol man zfi bessrung
* €ögt» auf Rasur. — ' Daneben stebt von späterer Hand: «Ir werden sweren,
^ ir das leder der nacbgescbriben Ordnung und scbaw nacb zfi scbawen».
* Dorcbstricben.
Obeirheiniiche Stadtrechte. U, 2. 16
242 Überlingen.
geben an die statt von jeglichem gaißfele 4 ^, und von jeglich schaf-
feie und kalbsfele 2 ^, und soUichs den ungelter angeben.
Item es sol ouch dehain gärber dehain leder uß siner Werkstatt
ald bruse.nit geben, es sie dann vor geschowet ungevarliche.
Item das si ouch ^ dehain leder schowen, diewile es naß ist, sonder
wenn es trucken ist.
Item wenn inen^ ouch leder fürkompt, das nit genüg gärbt ist,
es sien h&t oder vele, so' haissen si es* wider instossen, bis es gnfig
haut, doch das es inen' darnach wider zflhanden kome; ist es dann
gut, so stossend si^ daruf das zaichen.^
Item wenn inen* aber lonleder fürpr&cht würdet, das verderbt ist
und man ime nicht mer helfen kan, das setzend' si dann hin® za
ainem raute.
Item wenn ouch ainr leder uß dem huß gäbe, das nit geschowet
wäre, si* des bericht würden, satztend si^® das ouch ainem raute ^^ haim
ungevarlich: doch sollen si* den oder dieselben tattere des rügen.
Item so^* ist den schowem^' bevolchen, den frömbden ir leder, so
her uf den markt pringen, och ze schowen, und wa si* erfunden, das
daz leder gestrichen wäre, oder sunst nit gerecht, die sollen dann
darumb^* strauft und" gerügt werden.
Item wenn die gest leder herbringend, das dann die schficb-
macher desselben leders kains zersniden, es sie dann vorhin von unsem
schowern^® geschowet, und wä unser schower^^ daran erfindend, daz dasselb
leder vorgeschowet wäre an dem ende, dannenher es komen ist, und
das zaichen derselben schow daran erfunden, das sollen si*® lassen be-
üben; deßglichen wa uns schüchmacher leder herpringend, das sol mit
der schow also ouch gehalten werden, wie vorsteet.
Es ist ouch von minen herren errauten, das kain schüchmacher
leder in sin huß neme, es kome her uf den markt, oder es werde im
* Die beiden letzten Worte durchstrichen; darüber von anderer Hand(B) «ir sollen».
2 Durchstrichen; darüber von Hand B «euch».
' Von Hand B hier über der Zeile geschrieben «sollen ir es».
^ Die beiden letzten W^orte durchstrichen.
* Durchstrichen; darüber von Hand B «sollen ir».
* Von Hand B beigefügt «stossen».
^ Die beiden letzten Worte durchstrichen; darüber von Hand B «aollen ir».
® Von Hand B über der Zeile geschrieben «setzen».
* Durchstrichen; darüber von Hand B «ir».
" Beide Worte durchstrichen; darüber von Hand B «so sollen ir».
" Über der Zeile «dasselb». — ^^ Durchstrichen; darüber «es». — " Beide Worte
durchstrichen; darüber «euch auch». — ** Von Hand B über der Zeile; durchstrichen;
dafür: «vest». — "Über der Zeile «von euch». — »«Beide Worte durchstrichen; darüber;
«euch». — " Oto; darüber «ir». — »* Durchstr. ; darüber von Hand B gescbr. «ir».
Überlingen. 243
heigeschickt, es werde dann zevor in der Grede oder in der sebäch-
macher huse^ beschowet, oder es sie vor geschowet, emalen das her-
komen sie, und hab derselbig schowung zaicben.
Feilträger Eid.
Item so sol ihm von ieden pfimd pfenning, so er lost, sechs
pfening werden, wie lang er das im laden hat.
Item wer der ist, der under sinen rechten jaren ist, von dem sol
er nichtz annemen, dann mit verwilgung vater, müter und pfleger.
Desglich von ainer efrowen nicht annemmenn, dann mit willen
des emans.
Item von den dienstmägten und knechten nit annemmen, ir
habend dann ein recht wissen, das daz ir aigen gut sie.
Item ob üch etwas furkera, es sie von silber, gold, cleinet, oder
von dem, so der kirchen z&gehörte, oder wölcherlai üch fürkem, das
üch argwönig beduchte, das sollen ir ainem burgermaister zft erkennen
geben onverzogenUch.
Ordnung des Bauschauens in den Weingärten.
So haben min herren von gemains nutz willen erraten und ange-
sehen: also wer der ist, der vermaint, das im in sinen wingarten un-
buw und missbruch gescheen wer, und derselb zfi den buwschowern
kompt, und si bitt, im in sinen wingarten ze keren und den buw
flchowen, und ob da unbuw und misspruch gepflegen war, und sich
die buwschowere des erkennen, so sol der, der den unbuw getan hat,
den buwschowern geben 2 (J ^ oder zwai halbi viertel wins, und sollend
sodann die buwschower sich erkennen, was der, der den unbuw getan
bat, dem andern, der sich des beclagt hat, für solichen unbuwe und
misspruch tfin solle, und ist der oder* die söUchen unbuw getan haben,
der reblüt zunft, so sollen die schower den iren Zunftmeister augeben
und den für die ailf stellen den ze straffen ; dieselb strauf sol dann der
reblüt zunft beliben und zügehören; ob aber der oder die so den un-
buw getan betten, einr andren zunft wäre, so sollen die buwschower
die den fiinfen angeben mit underichtung gestalt der sach; dieselben
fiinf sollend dann den oder die umb den unbuw und misspruch nach
siner gestalt straffen, die strauf dann minen herren zügehören sol, und
sol doch alleweg einem rate als der oberhand herinne nach gestalt ieder
sach sin recht und strauf vorbehalten sin. Ob aber kaiu unbüw und
misspruch erfunden wird, dass dann der, der die buwschower gebetten
bat zeschowen, die 2 ß ^ oder die zwai halbi viertel wins den buw-
schowem geben sol.
> Die vier letzten Worte durchstrichen; darüber von Hand B <uf dem».
16*
244 Überlingen.
Der Torkelmeister Fertigung.^
Ir werden schweren, daz ir die zehenden nach laut und inbalt
der vertrag richten wellen, namblich den ailfben aimer nach dem tretten;
waeß den ailften aimer deß weisen weins nit ergreift, daß ir von dem
sechsten aimer ain halben aimer geben, und wa eß under oder ob sechs
aimer würdt, daz ir aber nach der zimlichait die zehenden richten
wollen.
Item von deß nachtruck wegen, wann die zehenden nach inhalt
der vertrag gericht sind, daz ir von dem nachtruck geben, namblich
von sechs aimer weins ain halben aimer wein, deßgleichen daz ir von
seihen, acht, neun, zehen aimer auch nit mer, dann ain halben aimer,
und waß den ailften aimer ergreift, ain ganzen aimer weinzehenden
geben wellen.
Item und wievil weins ir von dem gutz nemen, daz ir denselben
wein in den weisen wein schüten.
Item, ir sollen auch von allen zehenden wein in daz vaßlia
ervordem.
Item und welcher sith gefarlich mit den zehenden hielte, oder die
nit richte nach laut der vertrag, oder dem wein von aller zehenden
nit weite in daz feßlin geben, daz sollen ir dem obern zechenden-
knecht angeben.
Item ir sollen auch darob sein, daz der wein usser dem vaßlin
zimlich gepraucht werde, denn es mecht derselbig so gefarlich gepraucht
werden, meine herren würden den darurab strafen.
Deßgleichen so sollen ir auch dhainen zins- oder leibding-wein
usser der statt hinweg füeren lassen, es sei dann zuvor verzollet und
dem zoller angezaigt worden.
Item ir sollen auch niemand kainen wein in dhainem torkel hie
ußgewinnen, der in den garten wechset, die nit hie verstert werden
noch verdiant; und an als manigen ir daz prechten, von als machen
sind ir zuo puoß verfallen ain pfund pfenuig.
Item ir sollend auch darob und daran sein und mit den stocken
nit eilen, sonder daz dieselben sauber ußgetruckt, damit jedem werden
mag daz, so im zuogehert.
Es soll auch ain jeder torkelmaister bei seinem aid am und deß
herbsts, so er die torkelbött ußpfrundt, waß frembder zeuber, die seinem
torkel nit zügehem, in seinem torkel wehren, daran sein, daz dieselben
züber denen weiderumb haimgeantwürt werden, denen sei zuogehem,
und ob ain torkelmaister die züber nit erkannte, wem sie zuogehorten,
* Alle folgenden Fertigungen stehen nur in D.
Überlingen, 245
SO sollen [sie] doch dieselben züber zum Ölberg lassen tragen, damit
amem jeden seine zeuber weider werden megen.
Ir sollen auch bei ewem aiden dhain frembden, er sei gaistlich
oder weltlich, so nit burger allhie ist, dhainen wein nit trucken noch
torgeln, er brüng euch dann zftvor kuntschaft von der stat seckel-
maister, daz er meinen herm all uOsteend steuren und bodenzinß er-
legt, und sei dero bezalt habe.
Dieweil der tag kurz ist, und vielleicht etwelch notürft ervordert,
die trauben nachts einzflfäeren , derhalben haben meine herrn zuoge-
lassen, welcher deß nott ist, und bei tag under dem thor, dardurch er
herinföert, anzaigen [macht], desselben sollen zwischen thoren gewartet
und nachts eingelassen werden; welcher sich aber, wie vorsteet, nit an-
zaigt, derselb soll nit ingelassen werden.
Eid.
Wie uns vorgelesen und mit Worten entschaiden ist, daz haben
^ wir gehert und verstanden, wellen demselben geleben und nachkomen,
also schwern wir getrewlich, one alle geferd, bei gott und seinen heiligen.
Fertigung der Torkelmaister zu Hagnau. i678
Oktober 1.
Und wiewol vor alten und bis anhero nit gebrauchen noch in
Qbung gewesen, daz die torgelmaister zuo Hagnaw gevörtiget oder be-
aidiget worden, dardurch aber veil und mancherlai mißordnungen und
nnglichaiten im raiten deß zehenden und ander entstanden, deßhalber
ain ersamer wolwaiser rath deß hailigen reichs stat Überlingen von
oberkait wegen für nutzlich und guot und nothwendig angesehen, daz
f&rohein die torgelmaister, nachdem sei erbiet und der sachen erfaren
befunden worden, durch den vogt zuo Itendorf neben und in beisein
deß aman und veir außer den veirundzwanzigen zuo Hagnow volgender
gestalt gevörtiget werden sollen:
Erstlich werden ir schweren, daz ir die zehenden nach laut und
inhalt der vertrag getrewlich außzellen und richten wellen, namblichen
den ailften aimer, alß daz allwegen deß gefallnen weinzehenden, die
zwen geleuthen und der dritteil nachtruck sein soll; do auch roten
wein gemacht, sollen ir auch roten wein darvon geben zehend.
Item daz ir die wein von jedem stock insonders durchaus messen,
darvon der zehend, wie oben vermeldet, für und für rüchten, und wenn
die zal im ausmessen den ailften aimer nit verraicht, alßdann von sechst-
halb aimer und von ailf vierteln wein ain viertel zehenden geben; do
246 Überlingen.
aber die zal im ausmessen daz ailA viertel nit verraicht, sollend ir auch
kain zehenden darvon nit zuo geben schuldig sein.
Item und welcher sich gevarlich mit dem zehenden hielt, oder die
nit richte nach lauth der vertrag, die sollend ir dem oberzehendknecht
jederzeit anzaigen.
Item ir sollend auch fürohin jemandts weder zinO- noch schulden-
wein, außer dem . . .^ nit geben, es sei dann zuovor der zehend darvon
trewlich erstatet worden; darneben aber soll euch nit benomen sein,
wan die renn unß voUgelofen und ir nit hilf heten, daz ir die wol in
aim ander stand überschaffen mögen.
Item und letstlich sollend ir auch darob und daran sein, daz mit
den stecken nit geeilt, sonder daß dieselben sauber außgetruckt [werden],
damit jedem werden möge daz, so ime zuogehert.
Eid.
Als uns vorgelesen und mit worten fürgehalten, daz haben wir
wol verstanden, daz getrewlich halten und dem nachkomen ohn alles
geferd, darzuo biten wir uns gott zu helfen und all hailigen.
Decretirt und beschlossen in senatu calend. octobris, actum 13mo
osculto Herman Notuitano tunc temporis iurato gramatco. Actum 1573.
Eid der Garnschauer.
Ir werden schweren, das künftig jar das gam und tuch der nah-
geschsibnen Ordnung und schaw nach reichen und armen, gaistlichen
und weltlichen, zuo schawen und zuo wegen, wie hernach volgt:
Erstlich so sollen ir nun hinfürter allen und jeden maistern, so
sich deß weberhandwerks allhie geprauchen wellen, von ainer fronfasten
zu der andern all ir geschirr und gestüel, zu sollichem handwerk ge-
hörig, beschawen und besichtigen, ob sie dasselbig mit dem blat und
sonst in der weite und braite haben, wie gemainer stat alt herkomen
maß begreift und in sich halt.
Und ob ir ainem oder mer geschirr und gestüel mangel befinden
würden, sollen ir alsdann ainen jeden umb fünf Schilling pfening
strafen, es were dann sach, daz ainer in demselben so gevarlich be-
funden würd; so soll alsdann die erkanntnus bei euch steen, wie der
maister darumben zu straffen.
Zum dritten sollen ir auch jedermeniglichem, reich und arm alles
garn und daruß gewürkt tuch, inhalt euch gegebner Ordnung mit vleiß
und ordenlich wegen und schawen, auch niemands über daz gesetzt
weg- und schaugelt weiter beschweren, sonder jederman, frembd und
haimsch darbei pleiben lassen, die mit güeter freundlicher beschaiden-
* Hier ist im Original eiu Stück abgerissen.
Überlingen. 247
haii, sovil euch möglich, jederzeit befürdern und nit auf halten ; sonder-
lich aber ir die polliten oder zaichen, wem ir dieselben und uf waß
tag g^eben, sampt deO auch deß webers namen, er sei haimscb oder
frembd, wivil daz gam gewogen, ordenlich in ain sonderbar buch ver-
zaichnen, die polliten vleissig bewaren und guot achtung geben, daz
euch dieselbigen, wan daz tuoch gewürkt, sampt dem gewürkten tüch
weiderumb an die schaw und wag gepracht und überantwurt, auch
deaselben nam im bfich usgethon werd. Wa ir dann hemacher an
dem tfich mangel befinden, ald daz jemands angefenglichs sein gam
nit wegen lassen oder der weher die polliten nit antwurten würde, das
alles sollen ir Inhalt der Ordnung strafen.
Un waß also von obbestimpter wag und schaw auch andern ob-
berüerter Ordnung ewer . . .* strafen und . . -S von ainem zu dem
andern, auch eingehn und gefallen, wie du daz alles sollen ir bei ob-
bestimpten ewem geschwomem aid ordenlich einziehen, die btißwürdigen
strafen, daz gelt samentlich in ain sonderbar büchs thuon, zä welcher
die stüblinsherrn den schleusel und ir die büchs haben, und nichzit
darvon, weder haller noch pfennig, in ewern aignen nutz verwenden,
sonder alle fronfasten die büchs sampt dem gelt in daz stüblin zfi
banden der stübUnsherm überantwurten, doch sollen ir all wegen daz
stapelt, wievil desselben gefallen, ordenlich verzaichnen und dieselben
verzaiehnus neben der büchs überantwurten ; und zuo ergetzlichen ewerer
müehe und arbeit ist euch von meinen herm ditz jars, doch nicht
lenger dann es inen gelegen, vergönnt, zuo der fronfasten von sollichem
geföU deß wag- und schaugelts den halbthail volgen zuo lassen.
Eid der Strohschauer.
Ir die stroschawer sollen bei den aiden, so ir ainem burger-
naaister geschworen haben, auf ditz jar schawen allen denen, so euch
daramb ersuochen. erfordern und ewer begeren, namblich alles daz stroh
an schouben in daz meß, so euch insouderhait von meinen herren
ainem ersamen rath gegeben und verordnet worden, dasselbig alles
auch niemands verwegern noch abschlagen bei vorbestimptem ewerm aid.
Und ob jemands stro allher zuo fallen markt, oder sunst ainem
bnrger oder einsassen kaufweise pringen und ir zuo der schow desselben
stroB nit berüeft würden, so sollen ir ain soUichs jederzeit den wett-
pfennigeni angeben, damit keufer und verkeufer von solliches nit
scbowens wegen inhalt der newen ordnuug darumben gestrafft werden.
Wenn ir nun ainem gehorter gestalt schob geschawet haben, und
ir an dem meß, deßgleichen der lengi des stroes ald daz weiderwertigs
^ unleserlich infolge Abreibung.
248 ÜberÜDgen.
under ainander vermischt worden were, so nit zuosamen gehörte, befunden,
darumben sollen ir auch bei obberürten eweren aiden erkennen, was
dem verkeufer an dem stro abgezogen worden, darbei es dann baide
thail, keufer und verkeufer, unverwegert pleiben lassen sollen, jedoch
aber mag der keufer den abgang darumben . . .^ erkanntnus gethon an
dem kauf vol inbehalten . . .*.
Und ist ain jeder keufer euch allwegen von hunder[t] schouben
zwen pfennig und also uf und ab, je nach der anzal und vile deO stros
zu verrechnen, schaugeld zuogeben schuldig. ,
1584 Rebbauschauer-Eid. Fertigung mit angeschlossener Rebbau- \
^P'^^ ^^- Ordnung. ]
Ir werden schwören, ditz jar alle diejenigen, so von ainem burger i
oder einsessen, ald pflegnussen, oder der gotzheusern von newem zu
gmainden bawen, unangesehen sie haben darvor allhie reben zu pawen
oder nit, dessgleichen auch die, so torgelmaister allhie sein, wann euch
solche Inhalt new fürgenomner und publicierter Zunftordnungen für-
gepracht und dargestelt werden, ordenlich und mit vleiß examinieren
und probieren wollen, ob ain jeder zuo dem, so er geherter gestalt zft
triben begert, geschickt und taugenlich oder nit, und welcher rebknecht
onangesehen er sei burger oder in der michi, in der prob nit besteen»
sonder von euch für untauglich und der Sachen unerfarn abgestellt
würd, der oder dieselben sollen ir gleich alsbald bei bestimptem ewerm
aid ainem erbarn rath zu erkennen geben, damit sie nach gepür und
vermög obangeregter Ordnung gestrafft werden.
Zum andern sollen ir auch nunhinfüro, solang ir an dieser Ver-
waltung und schow sein, alle esch und werk dreimal im jar, namblich
das erstmal, wann man gar nachgeschniten und pfalet hat, item zum
andernmal zu der maienfalg, und dann zum driten nach der herpstfalg
mit ordenlichem vleiß besehen und alle vier esch durehgeen, wie man
zu ainem jeden falg insonderheit gesclmiten, pfalet und gerait, deß-
gleichen grabet, gefalget, als ob ain jeder zö hoch oder teif, oder wie
man sonst eingelegt hab; und an welchem baw oder werk ir mangel
sehen und befunden würden, alsdann solches den lehenherrn anzaigen
und volgendts nach ewer erkanntnus den gemainder gegen dem lehen-
herrn zfl gevärlichen abtrag anhalten, auch daruf den gmainder nach
gestaltsame der sachen strafen und darinnen nichzit ansechen, noch euch
verhindern lassen, weder frenndschaft feindschaft, müet, gaab noch ich-
zit anders, daß ainiche sauninus oder Verhinderung hieran geperen
mecht, überal in dhainerlai weise.
^ Hier ist ein Stück abgerissen.
Überlingen. 249
Es mecht aber ainer so gevarlich bawen, so sollen ir schuldig
sein, solliches ainem ersamen rath anzäzaigen, und darnach bei ainem
lath ste^i, wie derselbig, so unbaw gethon hat, mit Verweisung der
stat, oder in ander weg darumb gestrafft werd.
Zum driten, dieweil auch Ordnung fürgenomen worden, daz
Qunhinfurter alle gmainder im lehenherren die ordenliche zal und dar-
2Q0 die überzahl der stecken in die güeter bezalen sollen und müessen ;
werde dann ain gmainder ain oder mer garten und gät allein uf ain
oder zwai jar lang, minder oder mer, bawen, und von sollicher ursach
der überzal wegen die stecken in güetem abgen lassen und nit er-
füllen, dessgleichen, wo ir befinden, daz ain gmainder in seinen leheu-
güeiem usser jetzerzelter ursach järlichs deß minder raite oder einlegte,
80 sollen ir alsdann in beeden vehlen euch darumb erkennen, waß der
gmainder dem lehenherm für abtrag ze thün schuldig, und dannoch zu
thun nichzit destminder von euch noch weiter umb jedes verprechen
insonderhait nach der gepür gestrafft werden.
Und gibt man euch für sollich ewer mühe und arbait alle drei
nmbgeng mit ainander zfl ainer ergetzlichait von gemainer stat, und
zwidnzig pfund pfening und zwelf laib brott auß dem spital, doch nit
lenger dann es ainem rath gelegen ist, die müegen ir zu obbestimpten
dreien umbgengen mitainander in frieden und freud verzeren. Ir
sollen aber nit mer, wie bißher beschechen, mit ainander zu imbis essen
noch ainander mit hausen zu losen füeren, ald derwegen sonderbare
meler ufiichten, sonder wenn ir obgeherterweise zuo gesetzter zeit
ainen umbgang thun wellen, ain jeder anhaimsch zu morgen essen, und
nach barfuoser tagmeß zuosamen komen und den eschen nach mit-
ainander deß ußgangs verglichen, auch volgends zum zaichen in die
fri^ness ußgehn und ungevarlich biß ain oder zwo uhm nachmittag in
den eschen herumbziehen , dieselben mit ordenlichen vleiß, wie oblaut,
beschawen, und allererst zu nacht ze ewerer gelegenheit mitainander
essen, alles one geverd.
Item wann ainer oder mer, so reben an gemainden oder für sich
gelbsten baut, strafbar erfunden würde, daß er der Ordnung nit gemeß
gebawen hat, oder sonsten unbaw gethan hat, der oder dieselbigen sollen
durch die unbawschawer sambt dem herren zunftmaistern im Wolf, so
derselben zeit im ambt ist und den stab halten, soll gestraft werden.
Item sollen auch die rebbawschawer, so oft sei ain umbgang
thfin, diejenigen, welche sei strafbar befinden, glich bald nach voll-
endten derselbigen umbgang und zuvor und ehemaln sei den andern
oder dritten umbgang thün, fürstellen und strafen, und die strafen
von zwaien oder dreien umbgangen nit züsamen komen lassen.
250 Überlingen.
Item wan dann aineroder mer wieder die rebbauordnung baute, oder
sonsten unbew thet, und doch die rebbawschower sehen und erkennen
künden, daz es ungevarlicher weis beschehen, die oder dieselbigen soUct
sei beschicken und inen solliche unbew ainmaln undersagen und ver-
warnen, daz sei solliche unbew bei inen abschafen und verbessern, den
da sei dasselbig nit thün und hernachen mer also erfunden werden,
sollend sei darumb gestrafft werden.
Item do auch zwischen den dreien ordenlichen umbgangen die
rebbauschower, ainer oder mer, für sich Selbsten in daz veld gehend
und dann zuomaln bei ainem oder dem andern solliche unbew fiinden,
die sollen sei nit weniger zuo rüegen schuldig sein, als wan sei sollicbe
unbew in den ordenlichen umbgengen gefunden heten, dieselbigen
sollen alsdann auch fürgestelt und umb solliche unbew gestrafft werden.
Item dieweil ain jeder gemainder die ganz anzal der stecken in
die reben zu geben schuldig und aber den verordneten fürkumen, das
etliche lehenherrn den gemaindern die stecken nit kaufen und den
gemaindem dieselben nichzit dester weniger aufrechnen, daz soll nun
fürohin nit mer gescheen, und welcher lehenherr die stecken nit kauft, }
die sollend auch den gemaindern zuo bezalen nit ufgerechnet werden,
noch sei dieselbigen zu bezalen schuldig sein. \
Actum, mitwochs nach quasimodo geniti anno etc. 84. "^
Nota: Hierzuo geherd auch die new rebbawordnung, beratschlagt ;
und fürgenomen montags vor Laurentii anno etc. 80.^
1553 Fertigung der sog. «Zweier», die zur Aufrechterhaltung der
Februars. nächtlichen Ruhe auf die Gassen verordnet wurden.
Ir werden schwereu, daz ir meinen herrn, burgermaister und rath
gehorsam sein und nun hinfüro biß uf ir meiner herrn widerabschafen,
alle nacht zuo gewonlicher zeit, wan man sonst uf die wacht leutet,
allenthalben in der stat lierumbgehn und uf die Unzuchten, so sich bis
daher mit boldern, siugen, jutzgen, schreien und anderweg ganz un-
zeimblicher weis erheben, ewer gefleissen aufmerken und getrew achtung
geben wellen ; welchen ir nur aubends nach geschlagner zehenden stund,
er seieheman, junggesell, dienst, frembd oder haimsch, ohne ain brennend
Hecht sehen oder betreten, den sollen ir in verzaichnus und kundschafl
nemen und sei volgends dem pitel ereffnen und anzaigen. Ob sich
aber ainer oder mehr, vor ald nach bestimpter zeit der zehenden stund
mit singen, jauchzgen und polderu ungeschickt und unbeschaiden halten
und erzaigen würd, alsdann [den] oder dieselben abermals nit weniger,
dann wie ob, in verzaichnus und kundtschaft nemen und dieselben dem
pitel anzaigen und fürbringen, und so ir nun zuo obbestimpter zeit uf
» 1580 August 8.
Überlingen. 251
die wacht kaamen, sollen ir zuvor und ehe es ains geschlagen hat, nit
neidemmb davon ab und anhaimsch, noch auch darz weischen in ainich
iimkstaben, wierz- oder gessUerheuser gehn und darinnen zechen, ganz
Hberall in dhainerlai weise.
Wa ir auch in bemelten heusern unbeschaidenlich geschlög oder
lofiraor erhörten, welches zuo ungemach und weitleifigkait dienen mecht,
flo aoUen ir euch in dieselben gast-, würts-, oder gesslierheuser thün,
effirang begem und solliche unhändel und angefangen ufrürn abstellen,
fieid machen und pieten; welcher oder welche aber sollich ewer freid-
pieten [mißachten], weiter handeln und denselben nit halten weit oder
irOrde, alsdann den oder die fänkhch greifen und die umbsteenden
pereonen, wa ir für euch selbs nit stark genuog weren, zuo heilf er-
Doanen und morgens darnach, wie obgehert, clagen und anzaigen.
Insonderhait aber sollen ir nun hinfürter bei vorbestimptem ewerm
■id zuomahl bei den hochzeiten oder sunst lenger nit mer tanzen noch die speli
gdm lassen, den biß die glogg neune geschlagen hat, sonder wan solliche zeit
Dngevarlich fürüber und verschinen ist, alsdann dasselbig alles bei den hoch-
Mit- und andern leuten in namen ains ersamen raths tugentlichabschaflfen ;
ob aber dazselbig jemands übertreten und nit halten würd, alsdann
»ollen ir schuldig sein, ain sollichs zuo rüegen und fürzuobringen.
Zum andern, ob ir bei der nacht jemandts gehn, ichzit tragen,
steigen oder anders über und handien sehen, welches allerlai argwon
UDd besen verdacht uf ime tragen mecht, sollen ir ain sollichs nach
geetalt der Sachen gleich alsbald mit ernst rechtvertigen und gegen den
verdachten und argwenischen personen mit gefenglich einziehung (sover
ir änderst derselben stark genuog), wie oben der Unzucht halben gemelt,
handeln, oder aber ain sollichs ainem herrn burgermaister eroffnen und
onverbalten lassen.
Und zum beschluß dhain nacht von der wacht ohne ehehafte ur-
Bachen und erlaupnus meines herrn burgermaister ald stathalters uß-
bleiben, sonder gehorsamlich und gefleissen erscheinen, auch ir ainer von
dem andern sein verlessigkait, unfleiß und ungehorsame obermelten
mdaen herrn, burgermaister ald Statthalter, bei seinem aid clagen, er-
effiira und fürbringen, und daz dhains wegs vertrueken oder verschwigen,
alles getrewlich und ungevarlich.
Nota: Jedes besoldung ist nachts ain halber balz und darzuo von
jeder straf ö ^ ^.
Actum uf unser lieben Frawen lieh tmeß tag anno etc. 53.
Fertigung eines Gerichtsschreibers.
Ir werden schweren ainen aid zuo gott und seinen hailigen, meinen
jrm, burgermaister, stathaltern und räthen, auch stataman und richtem
252 ÜberliDgen.
allhie zfi Überlingen aller ding gehorsam und gewertig zuo sein, auch
derselben und gemainer statt alhie und all unser nachkomen nutz und
fromen und ehr zuo werken, ze thün und zuo schafen, ir schaden, gefar,
nachtail und unehr zuo wenden, zuo warnen und zuo verhindern nach
ewerm hechsten versteen und evrmögen, und dann ewerm ampt mit
schreiben und lesen getrewlich obsein, brief und Urkunden, auch alle
gerichtliche einlegen, die in recht fürgebracht werden, getrewlich bei
dem gericht oder hinder euch bewaren, den parthein oder niemandta
andern zuo ereflfnen, was von den Sachen in rathschlagen der richten!
und urtelsprechern geredt oder gehandelt würdet, auch die haimlichd
gerichtshandel niemand ts zu effnen, lesen oder sehen lassen, auch sonsteo
alle haiinUche räth und anders, was euch in gehaim zuo behalten be-
folchen würdet, biß in ewer gruob verschwigen, und dhain copeien von
den einbrachten briefen und Schriften den partheien geben, ohn e^
kanntnus oder erlaubnus des gerichts, darzuo dhainer parthei wider die
ander rathen und warnen, dhain schenkin nemen, noch euch zuo nute
nemen lassen, sonder ewers lohns jederzeit beniegen lassen; und zuo
welcher zeit ir euch auch nit nach meiner herrn gefallen und diser
ewer vertigung gemeß verhalten, wellen meine herrn inen weiten weg
und offen band vorbehalten haben, euch dann und jedesmal zuo inrlouben.
1558 Fertigung der Ambtsleute auf dem Land des Salzmessens halb.
Ir werden schweren ainen aid leiplich zuo gott dem allmechtigen
und allen hailigen, daß ir alles daz salz, so euch in dem saltzhaus von
meinen -herrn ains ersamen raths salzkneehts eingemessen würdet, ge-
trewlich und mit allem vleiß den underthonen und armen leuten uf
dem land weiderumb ausmessen; jedoch jemands ainich salz, weder
wenig noch veil, uf borg, sonder umb bare bezalung volgen lassen;
deßgleichen daz davor ordenlicli einziehen, dasselbig gleich alsbald und
von stund an in die büchs stossen und solliches in ewere aignen nuti
nit bewenden, sonder wan ir ewer anzal gar ausgemessen haben, eudi
alsdann für die stüblinsherren in diß stüblin gen Überlingen die büchs
ermelten herrn zuostellen und inen umb ewer empfangne und euch
uberantwürte anzal salz, auch eingenomen gelt ordenliche und umb-
stendliche reitung und anzaigung thün, und daz gevarlicher weis dhains
wegs verziehen noch sonst hierinnen ewerer person halben ainich
mangel fürgehn oder erscheinen lassen wollen, daz ermelten meinen
herrn, ainem ersamen rath zuo Überlingen, an dem salz und gelt zuo
nachthail, abgang und schaden raichen und gelangen mocht, alles ge-
trewlich und ungevarlich.
Actum freitags nach Maria himelfarth anno etc. 53.
Oberlingen. 253
Eid der Leibeigenen des Klosters Weingarten, die in
Überlingischen Gerichten saßen.
Alle die meins gnedigen herrn von Weingarten laibaigen seind,
und ZUG Hagnaw, Kippenhausen, Imenstad und anderen orthen in der
Togtei Itendorf gesessen, werden schweren ain aid zuo gott und den
bailigen mit ufgehepten fingern und gelerten worthen, seiner gnaden
und gottshauß Weingarten nutz zu fürdern, schaden zuo wenden, auch
Jt leib und guot nit zuo entfieren, noch in ain ald den andern weg
flnehtsam sein, auch kain andern leibherm und schürm, dann allain ir
gnaden und gottshauß Weingarten, suochen und annemen, auch sunst
alles daz zft thun, daz fromen, aignen, gehorsamen, gottshauß leuthen
2& thün gepürt, alles getrewUch und ungevarUch.
Ordnung deren, die in iren aignen Häusern oder in andern
fremden Orten an cbösen Blattern» und cmorbo gallico» ärzt-
lich behandelt werden.
Item ain jede manns- und frowenperson, die in im aignen heuser
oder andern orthen ausserhalb deß gemainen blatterhauß an den
blättern geartzneiet werden, sollen sich von stund an, so sei vermainen
gesund sein, bei der oberkait anzaigen und nachmaln durch die doctores
and scherer geschowet werden, und so ain person noch nit gesund an
1er schow erfunden, soll dieselb person, ain man bei dem aid, meinen
lierm burgermaister geschworn, und ain frow bei im trew an aid stat
rider in daz hauß gevörtiget, daz sei daruß nit komen, die seien dann
lachmaln als gesund hierauß zuo gohn erkennt; und so ain jedes als
resund erkennt würdet, soll dazselbig bei seinem aid oder trew an aid
itatt in ainem halben jar, dem nechsten, nach geschwomer schow in
Ihain versamlung noch gemainsam weder in der kürchen, am visch-
narkt, in der metzge, badstuben, offnen zechen, der gesellschaft in
Liewen, noch den erbam zünften und andern orthen, auch in dhain
ich&rstuben nit geen noch komen, sonder ungevarlich in seinem hauß
deiben; es soll auch ain jede person in sollichem halben jar dhaine ire
daider als hembd, leinlachen und dergleichen, leins und waulins, in
Ibain gemaine oder lohnweschen legen, noch weschen lassen, bei ob-
^melten im aid oder trew an rechts aids statt.
Ordnung, wie es des Ungelds halber in den Überlingischen ^j^^*
ind des hl. Geists Spitals Flecken, Dörfern, Weilern und^^'"""^' ^*'
Jidern-Gerichtsbarkeits-Orten gehalten werden solle. Ferti-
gung, wie die Wirte darüber sollen beeidigt werden.
Demnach die röm. kais. majestät etc., unser allergnedigister herr,
ron meinen herrn burgermaister und ainem ersamen rath deß hailigen
254 Überlingen.
röm. reichs stat Überlingen, allerunderthenigist berichtet worden seiend,
welcher massen sei und ain ganze gmaind bei disen anetz schwären,
theuren jaren und Zeiten mit teglichen ausgaaben sonderlich zno e^
haltung und Verrichtung irer selbst aignen unumbgengHcher bav
notürften, zuomahlen der grosen menge der armen, so in irn spital ge-
nomen und underhalten werden müesen, hochbeschwert seiend, und
dardurch an irem Vorrat und gemainer stat seckel so tief erschepft und
ersaigert worden, daz, wo denselbigen nit mit andern gepürlichen
mitein uf ain järlichs ewigs endkomen gesteurt oder geholfen, daz sei
berüerte ausgaaben, wie auch reichs-, krais-, stät- und derglichen ordinari
und extraordinari hilfen auch underhaltung camergerichts, deßgleichen
gemainer statt nottwendig gebew und anderen denselben nottürften nit
meer erschwingen noch erstaten werden künden und mögen, daß hierauf
hochgedachte röm. kais. majestät dem jüngst zu Regenspurg deß erst
abgelofnen fünfzehenhundert vier und neimzigisten jars gehaltnen ge-
mainem reichstag aus sondern kaiserlichen miltischen gnaden, auch
umb und vorweg der trewen, nutzlichen und erspreißlichen diensten, so
wohlgedachte jetzige regierende burgermaister und rath der statt Über-
lingen, als derselben antecessores irer röm. kaiserl. majestät etc. und
derselben vorfarn römischer kaisern und kinigen und dem hailigen reich,
auch dem hochloblichen hauß Österrich mit darsetzung irer leib, haab
und güetern, insonderhait zuo jedem im reich zuo tragenden entbärungen,
aufruoren und weiterwertigkaiten, neben und vor andern stenden und
rathen, als ain gehorsamer reichsstatt christenlich, ehrlich und unver-
drossenlich erzaigt und beweisen haben, daz dem allem nach ir röm.
kais. Maj. etc. von und auß römischer kaiserlicher macht und vol-
kommhait vorgedachte meine herrn burgermaister und ain ersamer rath
der statt Überlingen von gemainer irer statt wegen allergnädigist mit
ainer sonderbarn kaiserlichen benadigung und umbgelts freihält privi-
legirt, begäbet und denselben bewilligt und zuogelassen haben, daz sei
und ire nachkomen von nun an und hinfüro dez umbgelt, sowohl ausser
als in der statt Überlingen, in ire und irs gotzhauß spitals zuogeherigen
flocken, dörfern, weilern und undern gericliten von den weinen, den die
würtoder gastgeb in irn würtsehaften gegen den gesten und zerleuten ver-
brauchen, auch die erstgemelte würt und gastgeb und andern in im
würtsehaften und heusern bei der maß über die gassen keuflich aus-
schenken oder hingeben, allwegen die achtend maß, oder wie solches
in irer statt Überlingen von iren burgern gegeben würdet, zuo umbgelt
anschlagen, nämen und einvordern mögen, alles vermög und in craft
der darüber besagender und inen mitgethailter freihait.
ÜberÜDgeD. 255
Dieaelbigen nun in ir würkliche volnzichung zuo pringen, so setzen,
len und wellen mer und oftgedaehte meine herrn burgermaister
, ain ersamer rath deß hailigen römischen reichs statt Überlingen,
nun hinfürter ainicher würth mer in diser vogtei und geriehten^
»sen, dhain wein mer einlegen solle, es sei dann der vogt' und die
ordneten weinschetzer jedes orths darbei, der oder die sollen alsdann
^smahls in verzaichnus nämen, wie veil allwegen deß weins seie, so
würth eingelegt, wie er den kauft habe und ausschenken welle,
I dann volgends der vogt solliche verzaichnus alle wochen am
ibstag gehn Überlingen den umbgelter herrn überantwurten und
stellen.
Zum andern, do aber ain underthon, hindersäß, oder ein woner,
dhain ofner würth und gastgeb ist, wein ufthün und den von der
B zu verkaufen ausschenken wolte, der soll zuvor dasselbig dem
afher und den weinschetzern anzaigen und umb sollich wein aus-
enken anhalten und pitten; daruf sollen alsdann der schafner und
weinschetzer in den ker oder keller gohn, darein sollicher wein,
i man ausschenken will, liget, die vaß sumen oder bailen, wievil
0 jedes halte, dasselbig in verzaichnus nemen und dannochin, wann
ausgeschenkt ist, an die eich legen, dasselbig ordenlich eichen lassen
1 gegen der erst sum oder bailung verglichen, und wie es dann an
eich befunden, dasselbig an dem nechsten sambstag darnach durch
t vogt, den umbgelter herrn, auch wie er [über] die gaß geben und
geschenkt habe, in Schriften, verzaichnet überantwurten zuo sollen.
Zum dritten, was dann also ain würth, gastgeb, oder ain anderer
lerthon für wein in seiner gastherberg oder behausung verbraucht
1 ausschenkt, den allen und jeden, es sei wenig oder vil, soll er
nmbgelten und allwegen die achtend maß zuo umbgelt, daz ist vom
ndt zwen Schilling und sechs pfennig meinen herrn, burgermaister
1 ainem ersamen rath, wegen gemainer irer stat Überlingen von
er fronfasten zuo der andern, oder wan sei von den umbgelter herrn
► Überlingen deßhalber ervordert werden gewißlich, unfelbarlich und
le ainichen mangel und abgang verrechnen, erlegen und bezalen,
d dhainer zwai umbgelt zuosamen komen lassen, sonder dero jeder,
nn sei von umbgelterherrn zuo Überlingen sollich umbgelt abzuo-
then und zuo bezalen ervordert und beschaiden werden, denselben
0 gehorsamen schuldig sein.
Welcher oder welche aber hierwider handien, den oder dieselben wer-
5n meine herrn ain ersamer rath je nach gelegenhait imd gestalt der
^ Am BaDde: ein deß gottshaus hailigen geists spitals gerichten».
' Am Rande: cBchafner».
256 Überlingen.
Sachen abstrafen und behalten dieselbigen inen dameben bevor,dise
Ordnung und darauf gestelte fertigung und articul, ainen oder me, gar
oder kain thail zuo enderen, zuo meren, zuo mindern und zuo besseiD,
wie sie jederzeit begegneten dingen nach für bequem, guot und rath-
sam ansehen würdet.
Actum ex senatus decreto, dor[n]stag8 nach Thomae apostoli,
den 22. decembris anno 1594.
Eid der Wirte und Gastgeber auf dem Land, die zu der Stadt
Überlingen nidergerichtlicher Obrigkeit gehören.
Ir die würth werden schweren, meiner herm burgermaister und
ains ersamen raths zuo Überlingen und gemainer irer stat nutz und
fromen zuo fürdern, derselben schaden und nachthail zuo wenden, die
Ordnung deß umbgelts halber, wie euch die jetzt gegeben und hiemach
underscheidlichen geschriben ist, getrewlich zuo halten, samlich, dazir
und ewer dhainer mer in deß gotzhauß hailigen geists spitals zao
Überlingen gerichten gesessen (Itendorf, Hagnow, Ramsperg) dhainen
wein mehr einlegen solle, es sei dann der schafner oder die verordneten
weinschetzer jedes orths darbei, demselben anzaigen, wievil deß weins
seie, so er einlegen und ausschenken welle, und wie er den kouft habe.
Wann dann also ain würth oder gastgeb für wein in seiner gaatr
herb . .^ denn allen und . . er verungelten, u . . umbgelt; daz ist vom
pf . . herrn burgermaister . . ersamen . . ainer fronfasten zuo der andern,
oder wer sei . . umbgeltem herrn zuo Überlingen deßhalben ervordert
werden, ohne ainichen abgang gewissenlich und unfehlbarlich erlegen
und bezalen und dhainer zwai umbgelt zuosamen kauraen lassen.
Es soll auch dhainer ainichen wein, er habe desselbigen erbawen
uf rechnung oder an schulden genomen, ald sunst kauft, ausschenken,
er seie ime dan zuvor durch den vogt oder weinschetzer geschetzt worden.
Item waß sich auch für frefel und buosfellige Sachen in ewer
jedes herberg zuotragen und begeben, daz ir dieselbigen ieder zeit
ainem vogt uf daz fürderlichst und unverzogenlichst eröfnen und an-
zaigen, und hierinnen niemandts verschonen noch ansehen^ alles trew-
lich und ungevarlich.
Fertigung des Brunnenknechts.
Item erstlich soll ain brunnenknecht alle werchtag nach der tag-
meß für das rathauß komen, und den beschaid von dem bawknecht
[wegen] seiner arbeit deß tags vernemen und denselbigen volg thün.
^ Die mit . . bezeichneten Stellen fehlen, da ein Stück des beschriebenen Blattes
abgerissen ist.
ÜberlingeD. 257
r soll auch alle morgen, so man das taggleglin leuth, das klain türlin
n heldihor sampt dem andern türlinschliesser aufschliessen und am
abendt, so man spatwacht verleuth, zuoschiiessen, und alle nacht auf
em haldihor ligen, und so nachtlicher weiß, wer daz were, an daz
lior keme, solt er den beschaid von demselbigen nemen, und den
leinen herm den bawherrn oder dem bawknecht anzaigen; so aber
iner nechtlicher weiß ainer hebamen nottürftig wer in der Held, die soll
r haben, und [der brunnenknecht soll] mitsampt dem andern türlin-
chliesser mit verlauptung der obrigkait aufschliessen. Er soll auch alle-
Bg zA den brunnen in der stat sehen, damit daz die seuberlich ge-
lalten werden. So aber er gewor würde oder sehe, das von weubern
der andern personen unsauber geschier oder anders darinn gestossen
idtf gewaschen, dieselbigen solt er bei seinem aid zu rügen und
linem pitei anzegeben schuldig sein. Er soll auch Winterszeit alitag
A meiner herm weier und gruoben sehen, dieselbigen sonderlich die,
larinnen visch sein mochten, so sei mit iß uberfroren sein, die auf-
lawen und den vischen lufb machen.
Dergleichen sumers- und Winterszeit zu den weiern und gruoben
lehen cmd die wasserflüß, so darein dienen, aufthun, rumen und das
vaaser darein laiten, und so er gewar würd, daz der weier von Lugen ^
in dem influß deß newen weiers, so durch sein hof lauft, derselbig nit
ünlibgiDg, soll er den fluß hinabrichten und nichtdestminder den
oangel den bawherrn anzaigen.
Er soll auch dem brunnenmaister helflich sein, so er sein not-
Brftig, und zur wasserstuben und cüchel lotzen besehen ; wa aber auch
twan die bruggen, reussen, karren laissen in- und außerhalb der statt
oangelhaft, soll er die bessern, aufthun und laiten.
Er soll auch zft meiner herm velben hinder Birnow und allent-
Mlben besehen, damit die nit beschedigt werden. Er soll auch meiner
wrm holz, breter und anders in und vor der statt imd im See
ichwemen, und sovil möglich z&samenthün, war er seh, und den
icbaden fürkaumen.
Item wa und di bi wem er auch meiner herrn ha wen, bickel,
«^aggen und ander geschier sehe, die soll er zu sein banden nemmen
and dem bawknecht überantwurten.
Und gibt man ihm alle wochen wochenlich zehen Schilling pfennig,
und all fronfasten wartgelt zwelf Schilling pfennig, und zu weihenachten
«in fiponvastengelt dobblat, ain pfund vier Schilling pfennig, und alle
Jät für stifelt ain guldin und für holz auch ain guldin mitsamt der
t Lügenhof, oOrdlich von Überlingen.
<)b«iteliiltche Btadtreobte. n, 2. 17
258 Überlingen.
behausung auf dem haldthor und soll unverlaupt der bawherm nit aoO
der statt geen.
Er soll auch, wenn die brunnen zu waschen nottürftig, dieselbigen
seubem und rumen.
Wann er morgens aufschleuß, soll er nit vom thor geen, biß der
thorhieter da ist.
Eines Brunnenschöpfers Fertigung.
Item du würst schweren ain aid zu gott und den hailigen, das
du deß ichprunnen alletäglichen mit vleiß wellest warten, die göst, so
wein alhie kaufen, freundtlichen empfangen und zusprechen und ire
faß, die dir von den keufem [übergeben], oder von inen uf den ich-
prunnen gelegt werden, mit vleiß und von stund an füllen, damit m
gevertiget werden und mit dem baiennapf nachlof; und so du oder
diejenigen, die dir helfen, die faß füllen, sollen ir zuvor bei dem spaumten^
darinn schmecken, ob es nit dumele oder ander Vorgeschmack habe,
dardurch der wein mochte verletzt werden ; und so du deren ains oder
mer erfundest, solt du daz nit füllen, sonder dem küefer, der daz ge-
punden hat, anzeigen, damit er dem vaß den geschmack wende; aber
unangesehen solt du denselbigen küefer bei obgemeltem geschwomen
aid dem pitel oder umbgelterknecht rüegen und anzaigen, damit er
gestrafft werde. Du solt ouch dein ufmerken haben, damit solcher
ichprunnen von iemandts weder durch reif, unsuber geschier, oder in
ander weg geunsubert würde; und so du daran ains erfeßt, solt du
dieselbigen gleichfahls, wie obsteet, zu rüegen und anzügeben schuldig
sein. Du solt auch uf daz ichgeschier, was daz ist, dein getrew uf-
merken haben, damit daz nit verloren oder zerprochen werde.
Du solt dich auch von dieser stat nit usseren, dann mit bewilligen
und erloben ains hern burgermaisters, oder, im abwesen desselbigen stat-
halters. Du und der brunnenknecht sollen auch schuldig sein, alle fron
vasten den brunnen zu seubern und daz nit underlassen, dann mit
bewillgen der stüblins- und bawherm.
Und ob sach, daz die baiden icher mit dem ichen seumig und die
fürleuth nit fertigen und deß ichprunnen mit vleiß nit warten, und
darneben den fürleuthen bösen beschaid geben weiten, und du darneben
gewar und sehest, daz si die eichen nit mit vleiß anschniden, oder ain
oder mer vaß von inen nit recht geicht würde, dardurch dem burger
oder gast unrecht der eich halben beschehen mochte, dasselbig solt du
nit verhalten, sonder den stüblins- oder bawherrn anzaigen und dar
* Spunden.
Überlingen. 259
nebea die imrecht geichten vaß nit lassen fürfüeren, biß die reclit geicht
werden.
Da solt auch weder spilen noch karten, noch gemein daran haben,
auch im jar nit macht haben urlob z& nemen; aber gedachte
meine herm behalten inen bevor, im jar, wann es inen gelegen, dich
A orloben.
Und ob dir gelt, daz dir in abwesen der eicher von dem eichen
oder schepfen uberantwurt solt du das von stund an in die büchs
stossen« alles one geverd.
Eid der Überlingischen Eigenleüte.
Die werden meinen herren burgermaister und rath und gemainer
8tat Überlingen schweren, auch irs gottshaus spitals nutz und fromen
ZOO achaflEen, irn schaden getrewlich zuo warnen und zuo verbieten,
nach irm besten vermögen gepott und verpott gehorsam zuo sein, ir
kib and gaot in kainenweg zuo verendem noch beschweren, on gunst,
wiasea and willen meiner herrn; deOgelichen kainer herrn schütz^
sdifiim, vogtrecht, burkrecht an sich zuo nemen, dann mit wissen
und willen meiner herm.
Der Hindensassen Eid, die Eigen und Vogtherrn haben.
Meiner herm burgermaister und rath gemainer stat Überlingen,
auch 118 gottshaus spitals nutz und fromen zuo schafen, im schaden
getrewlich zuo warnen, doch ewem aigen und vogtherrn an irer aigen*
Schaft und vogtei unvergrifen, pott und verpott, solang ir bindersessen,
in gemainer stat und deß gottshaus spital geriehten seit, gehorsam zu
sein, und alles, daz (sei) sich in der zeit, dieweil ir hindersessen gewest
seind, verlofen hat, mit recht an dem end, da ewer jeder gesessen ist,
aostragen, und sei nit weiter bekümbem noch trengen in kainen weg,
daz auch der hemach und wer, so ewer jeden zuo haben auferlegt,
ewer jedes aigen sei, und den in kainen weg veraber wandlen, sonder
damit gehorsamlich warten.
Kalkknechts Fertigung.
Ir werden schwären ain aid zu gott und den hailigen, meiner
herm burgermaister, rath und gemainer statt schaden und nachthail
zft warnen und zu wenden, und sonderlich, daz ir das kalchauß ver-
sdien, darinnen von tag z& tag unverhindert anderer ewer gescheften
trewlich warten, kalch, breter, schindlen, stögen, sprissel, ziegel, Ziegel-
stein, landem^ und anders, so von den bawherrn kauft und euch in daz
> Stangenzann.
11*
260 Überlingen.
kalchhauß bevolchen würdet, ordenlich, jedes an sein gehörig ort und
züsamen behalten, versorgen und bewaren, und was ir von dem allem
und jedem verkaufen, daz sollen ir, wie im jedes zfi geben bevolhen
und eingesprochen würdet, ordenlich hingeben, und daz pargelt, so ir
uß demselben und sonst auß dem kalchauß erlosen, uf dem zalbrett
zölen, ordenlich verzaichnen und in gegenwürtigkait dess, so euch daz
gelt gibt, von stund an in den stock stossen. Waß ir aber für zeug
aus bevelch der bawherrn oder bawknechts uf borg ausgeben, sollen ir
dasselbig aigentlich ufschreiben, und alle daz am aubendt dem baw-
knecht [auf] ainen zedel Inschrift verzaichnet z&stellen, auch einen
gleichferraigen zedel von gemeltem bawknecht nemen, waß ir desselben
tags für pargeld und woraus (ir solliches) von stuck zu stuck erlest, deß-
gleichen, waß ir auf porg, und wahin, auch waß für holz, stain, kalch,
latten, sand und anders zä gemainer statt pawen hinauß gegeben haben,
und fttrterhin dhainen statwerkmaister one ewer erlauptnus und vor-
wissen, für sich selbst nichzit mer nemen lassen wellen, bei vorgeschribnem
ewerem aid; und ob ir geherter gestalt uf borg ichzit hinausgeben, daz
sollen ir in acht tagen den nechsten einziehen, und waß ir also für
pargelt erlosen und in den stock stossen, deßgleichen von den Schuldnern
einpringen, darumben sollen ir alle vierzehen tag den stüblinsherm
ordenlich raitung thün und am freitag darvor neben und mitsampt
dem stüblinschriber und bawknecht daz gelt uß dem stock [nemen], und
so daz von euch an schulden eingezogen worden were neben den zedel,
so ir ains jeden tags ewer losung und raitung halben von dem baw-
knecht haben, in daz stüblin uberantwurten , damit dasselbig von ge-
meltem stüblinschriber in die büecher, so irae einnemens und ußgebens
halben von wegen deß kalchauß sonderlich Inhalten bevolhen worden,
eingeschriben werden mag, und waß inner acht tagen nit eingezogen
were, dasselbig sollen ir darnach den stüblinsherm zu bezalen gebieten,
und welcher die gepott überfert, die anzaigen und angeben, auch dhaiuen
für sich selbst dhain zil noch frist geben in dhainen weg. Ir sollen
auch in dem kalchauß kain ürtin noch gastung ufrichten, haben noch
halten, dessgleichen auch, dieweil ir an disem dienst sein, weder spilen
noch karten, auch weder thail noch gemain daran haben wollen.
Zum andern, daz ir den zoll von den steckenlediuen, narablich
von jeder zwen Schilling pfening, und von bürdinenkeufen, davon die
keufer und verkeufer einen haller zu geben schuldig, ausgenomen die
burger, die zollfrei sind, mit vleiß und one nachlassen ziehen; doch welcher
zeitir euch missfällig oder sunst nnleidenlich erzaigen werden, daz sie von
tag zu tag soUichen dienst wiederumb von euch vordem, und denselben
ainem andern irer gelegenhait und guot ansehen nach verleichen mögen.
;
Überlingen. 261
Und ist sein lohn alle wocben, summer und wünter vierzehen
schiiling pfening.
Eid der Kornherren.
Ir als die, so uf ditz jar von meinen herrn zuo kornherrn ver-
ordnet sein, werden schweren, gemainer statt nutz und fromen ze fürdern
and zft schaffen, und im schaden und abgang z& warnen und z&
wenden, nach allem ewerm vermögen.
Das ir auch alles daz körn, so gemainer statt von irn vogteien
jailichs gefält und einget, mit allen trewen empfacben, dasselbig, ob es
konfmans guot und hermgült werung sei, getrewlicb und vleisig be-
sehawen, versorgen und bewaren, auch in ewer einnemeu ordenlich ver-
zaichnen und solliches uf den loben zä seiner gepürenden zeit umb-
schlagen lassen und selbst personlich allgemainlich oder uf daz wenigist
zwen, sovil euch immer möglich, dabei sein, damit dasselbig von den
knechten statlich verriebt werd.
Und was ir fOr presthaft oder angestochen kom uf den loben
sehen und befanden, das sollen ir unverzogenlich ainem burgermaister
anzaigen, damit verrer schad und nachthail fürkomen, auch sollich an-
gestochen und anlegerschaft körn zeitlich verkauft, oder in ander weg
vorwendt werden mag.
Ir sollen aber bei vorgeschribnem euwerm aid ainich kom weder
wenig noch vil verkaufen, noch dhainer under euch ichzit allain one hilf
der andern seiner mitverordneten für sich selbst handien, sonder je
ainer den andern darzuo beriefen und also in gemain ainander beralhen
und beholfen sein, damit sich euwer dhainer ab dem andern zu be-
schweren hab.
Und ob euch von meinen heixn erlaupt würd, under der gred
oder sonst kom, habern zu verkaufen, so sollen ir bei vorbestimptem
ewerm aid von sollichem körn oder habern für euch selbst niehtzit
weder wenig noch vil kaufen noch nemen, es werd euch dann von
ainem rath sonderlich vergunt, oder sovil man ainem andern burger
gibt, sonder dasselbig körn und habern andern leuten uf daz hechst,
so ir immer künden und gemainer statt nutz dabei sein mag hingeben
und verkaufen.
Was ir dann uß körn lösen, dergleichen für frucht der statt be-
stelten dienern an irn besoldungen geben, auch den underthonen uf
dem land mit bewilligen ains ersanien ratbs auelichen und ab den
loaben nemen werden, das alles sollen ir jederzeit ordenlich und vleisig
verzaichnen und niehtzit darvon in ewern aigneu nutz verwenden, sonder
wan ir frucht verkoufen, alsbald das erlest gelt den stiblinsherrn von stund
überantworten, damit ir ainem ersamen rath aller järlichs umb aller ewe
262 Überlingen.
einnemen und usgeben gepürende raitung geben, und wievilnoch körn nf
den louben in remanet vorhanden, ordenliche anzaigung thun köonden, .
alles getreuwlich und ungevarlich.
Mehl- und Mühlschauer Eid.
Nachdem ainem ersamen rath des malens halb vil klagen fürkomen,
sind si bewegt worden, bei andern erbem steten, alda man daz kern
und mal in und aus den miilinen zu wegen für guot angesehen und
dasselbig zuo thün in gebrauch het, erkondigung zuo th&n, waran
doch bisher alhie der mangel gewest sei, und haben sovil berichts em-
pfangen, daz si dardurch genuogsam verursacht worden, im müUern zuo
gepieten und zft verpieten.
Also daz ir kainer nunhiufüro ainichen seinem konnden daz kon,
so zur mülin gepracht würdet, bei irn aiden und verlierung leibs und
guots nit mer netzen, es were dann sach, daz der kond soUichs begerte
und seinen aigeu potten dabei hette, der darzuo sehen möchte, damit
im nit z&vil beschehe.
Sie, die gedachten müller, sollen auch bei angezaigter straf alles
kom, so inen dermassen zb mülin gepracht würdet, den hausleuten auf
der hausmüli nit wie vorher von ainem zäg, sonder zwaien zügen alles
vleiß malen, damit er könd des gefreut werden und am bachen seinen
nutz Schafen könde.
Doch mägen die becken auf der weismülin ir kom malen von
ainem oder zwaien zügen, wie si jederzeit für nutz und gut ansehen würdt.
Man wirt auch daz mal, sobald des von der müli in daz waghaus
kompt, schauwen, und sollen sich die müller befleissen, auch darnach
schicken, daz solich mülschaw alitag auf einmal beschehen mäge.
Dieweil auch befunden ist, daz die mülstain die ungleich standen
und uneben geen, so wellen meine herm, daz in solchem wendung be-
schehe, und daz die müller sich unib guot gestain bewerben, die
ordenlich auflegen und füren, und durch mengel derselbigen dem ge-
mainen mann nit beschweren noch zuo schaden bringen, dann man
würt die mülinen schawen Inhalt ainer sondern Ordnung, so den schowem
von meinen herm gegeben ist, und wann man an stainen nit allain,
sonder auch an zargen oder in ander weg mangel befunde, den müUem
verpiethen, das sei mit weiterm malen stillstanden, bis solcher mangel
erstattet, die müllschower wieder weider khört, weider besehen und
inen mit dem malen verrer fürzufaren weider erlaupt haben.
Und sollen die mälschawer daz mal nit allain oben, sonder en-
mitten und unden in secken vleissig schawen, im fall der notturft, und
so es si für gut ansehen würde, gar ausleren und besichtigen, und so
Überlingen. 268
a mangel befunden, denselben bei irn aiden ainem herren burgermaister
oder seinem stathalter der gepür nach dagegen ze handien wissen,
raegen nnd anzaigen.
Es mögen auch die mälschawer, so es sei für nott und guot an-
sehen würt, die mälschawer zuo inen vordem, die sollen auch, sooft
daz beschehe, gehorsam sein und inen verhelfen, daz mal besichtigen
und schawen, daz si auch das ungerecht erfunden, mit inen zum herm
bmgermaister oder ainem Statthalter geen und dasselbig helfen anzaigen.
Mehlschauer.
. . • Soll daz mal, wie vorsteet, vleissig schawen, dem armen als
demieachen, nnd kains müllers verschonen, bei seinem aid; so er auch
mangel befindt, denselben mangel rüegen und anzaigen dem herm
bnigermaister oder ainem Statthalter.
Er mag auch, so die sach damach geschaffen, zweifeUg, oder es
seiner achtung sonst von nöten, die milschower zA im berüefen
und dieselben milschower schuldig sein, ime in der schaw ze helfen,
auch die schaden, wa die befunden würden, ze rüegen und anzfizaigen,
und weiters beschaids zfl erwarten.
Dergleich soll der melschawer allein, und so die melschawer er-
vordert wem, si all das mal ordenlich schawen, oben, miten, oder unden
in secken, si sollen und mägen auch deß, wa es die notturft ervorderte,
gar aoßleren.
So sollen die mülschower die mülinen schawen, allweg zweischen
acht und vierzehen tagen ain mal, doch zu verkerten tagen, damit die
mfiller solchs nit wissen, und mägen den melschawer jederzeit zt inen
berüefen, der inen hierinnen auch hilflich sein, so sei dann an samen,
zaigen, oder in anderweg mangel befunden, sollen si dem müller gepietan
an zehen pfund pfening, nit mer ze malen, biß solcher mangel gewendt
würt, und si des hievor wider gesehen und für genuogsam erkenndt haben.
Und würt man jedem mülschawer zu Ion geben alitag, so oft er
schawet, acht creutzer; der mälschawer hat sein sonder besoldung, dabei
soll es bleiben.
Eid der Mühlschauer.
Das si die mülinen schawen sollen, allweg zwüschen acht und
vierzehen tagen ain mal, doch zu verkerten tagen, deren si sich mit-
einander verglichen mägen, damit die müller sollich tag nit weissen,
and die mülinen damach richten köunden, und sollen si, die mülschawer,
den mälschawer jederzeit zö inen berüefen, der inen auch, zu besichtigung
nnd schawen der mülinen verhelfen sei.
284 Überlingen.
Item si sollen auch den müllem an jedem scbawtag bevelcheoi
daz si die mülinen rain und sauber balten und sonderlich acht haben,
auch darob und daran sein, das die müller mit guotten müllstainen
versechen, allweg ain harten und ain saunften zuosamen ordnen.
Item daz die boden und löflFer richtschaitung und eben
standen, also, daz si nit an ainem orth anstreichen und an andern nit
aufligen, und sollen solch stain zum wenigsten anderthalb zöU dick sein;
welcher aber diese dicki nit het am anfang, wie er aufgestossen, oder
er sich hernach mit dem malen sovil abziehen würde, der solt als oft
es sich begebe, nit gellten, sonder durch die mülschawer hinweg ge-
schafft werden.
Item die zargen sollen von stain zwen zöU weit steen, und nit
minder noch mer, so sollen solch ganz und gehäb sein, damit dieselben
daz mal unden zum rechten ausgang fürdem und laiten mögen.
Und sooft die zargen ain halben zoll haben, sollen die mitsampt
dem schelinen nidergelassen werden, welchs auf zwen zoll beschehen mag.
Item es soll sich auch kain müller der schilt auf den zargen
geprauchen, besonder jeder ain ganze decki mit ainem runden loch haben.
Es sollen und miesen auch, dieweil die müller vermag ir sonde^
bare vertigung fürhin das körn auf der hausmülin mit zwaien zügen
malen werden, die crumellen weit, one pruch und gäch abgegossen
sein, daz dest mer kern darein gepracht werd, und dieselben crumellen
wol rorn mögen.
Item wenn man die stain billet und niderlast, soll gut acht ge-
nomen werden, daz die baid boden und loffer ober richtscheit und eben
gestellt werden, auch zuvor und ehe die müller jemandt malen, sollen
si solch stain bestetigen und seubern, und erstlich durch die sprewer
und volgendts mit deß müUers aigen körn, des er nit minder dann ain
halb imi darauf schüten soll, geprauchen und dem künden nit malen,
es sei dann also die zarg mit dem bilmel gefüllt.
Item die müller sollen teglichs, und die müUschower, sooft si
schouwen, zum buchs sehen, daz der wol bestelt si und mit rörn.
Dergleichen sollen si zuo den rödern sehen, und wa an den
schaufeln mangel befunden würde, dasselb wenden und zu wenden
bevelhen.
Und so die mülschawer, wann si also schawen, an stainen, zargec
oder andern müllgeschier ainichen mangel befunden, wie der were
sollen si dem müller gepieten an zehen pfund pfening, nit mer ze malen
bis solcher mangel gewert, auch daß hievor von inen wider besichtig
und für gut gegeben worden ist.
Überlingen. 265
Item wann der mälschawer si, die müllschawer, ervordem würde,
Uen si gehorsam sein, und ime helfen schawen.
Item si sollen kain körn, so inen ze malen gepracht wirt, netzen,
sei dann sach, daz der kond solchs beger, auch selbs dabei sei, oder
i potten darbe! hab.
Eid des Stüblinschreibers.
Item ir werden schweren, meiner herrn und der statt nutz und
men zu fürdem und zfi schaffen und im schaden z& warnen und
wenden, auch denselben meinem herrn gehorsam zfi sein und haim-
li räthe, so ir vernemen, zu verschweigen, und deß stüblins zA allen
ten geflissen zA warten.
Item alles, daz euch ingeben würdet, es sei an gelt, büecher,
ewen oder andern, waß daz ist, getrewlichen ftirsehen, damit ir wissen,
z meine herrn weiderAmb zu antwürten.
Item daz ir auch uß der statt nit geen wollen one meins herrn
rgermaisters und ewer herrn seckelmeister urloub und vergönnen.
Item daz ir auch [alle] wochen die mess deß salz, so ir dem salz-
echt inmessen, aigentlich in schrift nemen' wellen, damit ir im stüblin
ssen, darumb rechnung zu th&n, daz ir auch den salzknecht kain
z lassen nemen, ir haben im daz dann zuvor gemessen, ir sollen
ch weder spielen noch karten, dieweil ir in diesem meiner herrn
mt sind.
Item auch kain gelt ußgeben oder ußleichen, ohne ains burger-
ÜBters oder seckelmaisters bevelch.
Item so auch gepotten würdet, gelt oder schulden der statt zu be-
en, daz ir dann die [unjgehorsamen bei euwerm aid rügen wellen.
Item zu welcher zeit ir euch meinen herrn nit gefellig hielten, so
Uen si inen weiten weg haben und behalten, iren dienst nach irem
fallen zfi verleichen.
Item ir sollen auch hinfüro kain gelt, daz meinen herrn zügehert,
mdert anderswa empfachen, dann im stüblin bei dem buch, und daz
nn zfischriben, und daz den seckelmaistern fürderlich anzaigen.
Item meine herrn wellen auch hinfüro vom zoll noch sonst nichts
ST schuldig sein, dann laut der bestellung.
Item meine herrn wollen auch, daz ir im stüblin kain zäch noch
in ufrichten noch halten mit niemandts nit, auch kainen uberlouf
' stüblin weder vom weib noch kindern ges taten.
Und zum beschluß sollen ir auch alle Ordnungen, rechnungen,
tallungen und andern pacta und abredungen, es betrefe gemaine
t, pflegerschaften, gebew oder anderes an, ordenlich und mit vleiß
istrieren, damit ir iederzeit darumb antwurt zfi geben wissen.
266 Überlingen.
Eid der Salzherren.
So werden ir, die salzherren, schwären, gemainer statt salz getreu
lieh und vleißig, damit es vor nachthail behalten werden mag, zft vei
sorgen und zu bewahren, auch die amptleut, wann euch was von den
land hierin geschickt werden, unverzogenlich zö vertigen, inen daz sal
mit vleiß einmessen, dasselbig durch den stiblinsschreiber ordenlic
verzaichnen lassen, auch wann euch die büchsen mit dem gelt alhe
gepracht werden, dieselbigen alle sampstag gleich alsbald eröffnen un
ußleren, und daz gelt gegen dem ußgemeßnen salz abrechnen, da
gelt den stiblinsherm uberantwurten , und die büchsen nit mer, wi
vor, un[u]sgezelt steen und zuosamen komen lassen. Wo ir auch a:
dem gelt gegen dem salz über fünf batzen mangl oder abganj
befinden würden, ain sollichs ainem ersamen rat von stund an erefinei
und fClrbringen und daz gelt nit annemen, damit solcher mangel gc
wendt werd, alles one gevärd.
Eid und Fertigung des Spendknechts.
Ir werden schweren ainen aid zuo gott und den hailigen, de
spend nutz und fromen zfi fürdern und irn schaden und nachthail z
warnen und z& wenden nach alle werm besten verstand und vermögei
desglichen den spendpflegern allerdings und genzlich in dem, daz euc
von inen jederzeit zu thun bevolhen würdet, gehorsam, getreu w un
gewärtig zu sein, und one ire sonderbaren bevelch für euch selbs
weder von körn, gelt, brott, mel, noch anderer Sachen wegen nichz
zu handien noch zu verrichten, uberal kains wegs; daz ir auch z
Zeiten zuo der spend körn und frichten sehen, dieselben umbkerei
dessgleichen, wan körn in die meilin zu malen oder zuo gerben gegebe
würdet, daz mel, deßgleichen die grisch und spreier davon getrewiiche
empfachen, versorgen und bewaren, und was euch also von grisch ud
spreier usser der meilin ingeantwurt wirdet, dasselbig von ainem ta
oder Wochen zu der andern in beisein deß miliers, wievil deß korns g
west, darvon sollich grisch und sprewer gefallen, auch wievil der grisc
und spreier gewest, ordenlich in ainem sonderbaren zedel oder r
gister verzaichnen und denselben zedel, sooftermals der spend g<
malen worden ist, von ainem mal zu dem andern den spenc
pflegern uberantwurten, jedocli aber euch selbst auch ain abschri
darvon behalten, damit ir den spendpflegern darumb gepürer
raitung zu thün weissen, und im vahl, da ier ainichen arkwon 2
secken [hettet], daz meinder mel darinnen, dann orden lieber weise dar
gehörig were, daz sollen ir jedes mal bei obberüerten ewerm aid de
spendpflegern auch anzaigeu, und ob ir von grisch oder spreier ich;
verkaufen, dasselbig, wie euch jedes durch die spcndpfleger zu geb<
Überlingen. 267
bevobln and aiDgesprochen würdet, hingeben, verkaufen und daz par-
gelt, 80 ir daraus erlesen, ordenlich verzaichnen, und in gegenwürtig-
hit deß, so euch daz gelt gegeben, von stund an in die büchs stosen.
Was aber uD bevelch der spendpfleger und sonst für euch selbst
nit, uf borg ußgeben, oder man euch sonst an gruschen oder spreier
ID der meülin schuldig bleibt, sollen ir dazselbig gleichfa]s aigentlich
nbchreiben, den spendpflegem auch ain verzaichnus darvon geben, auch
ionerhalb ains monats frist den nächsten darnach daz gelt mit vleiO
dayon ainpriugen und umb dazselbig den spendpflegem sonderbare
nitong und anzaigung th&n, und was innerhalb deß berüerten monats
nit eingezogen were, dasselbig sollen ir darnach durch den pitel — on-
angesehen, die Schuldner seien reich oder arm — z& bezalen gepieten,
imd welcher daz gepott überfert, die rüegen und angeben, auch niemandts
ffir euch selbst dhain zeil noch frist geben in dhainen weg.
Ir sollen auch bei ewerm aid, wie obgeschriben, alle die wil ir an
der spend dienst sein, in der spend behausung, weder früe noch spatt,
es sei am morgen, z& imbis, noch zuo nacht, weder morgensuppen,
brfttenwin, gastungen, irtinen, noch schlaftrink haben noch halten, be-
sonder dessen alles in rue und miessig steen, auch zuo jeder zeit daz
q)endhau8 wol verwart beschlossen haben und niemandts andern weider
tags, noch nachts, dann der ordenlicher weise darin gehörig, hinein lassen.
Besohliesslich wellen inen meine herrn werten^ weg haben und
bebalten, zft welcher zeit ir euch mißfällig oder sonst gegen den spend-
pfl^m unleidenlich erzaigen werden, daz sie von tag zft tag sollichen
dielst weiderumb von euch vordem, und denselben ainem andern irer
gel^enhait und guter Sachen nach verleiben megen.
Der Spendbäcker Fertigung.
Ir werden schweren, der spend, daz ir, es seie meel, salz, unschlit,
Kechter oder anders, so euch ingeantwurt würdet, nichts ausgenomen,
getrewlich z&samen ze halten, nichtzit davon an ewem aigen nutz
di bewenden, besonder jederzeit im und deß gottshaus nutz und fromen
rt fordern und schaden zft warnen und zuo wenden nach allen ewem
vermägen, und daz ir über daz bachen nit minder vleiß und sorg
Ilaben und tragen wollen, dann ob es ewer aigen ding were.
Das ir auch am bächen die schütz mit dem meß, ainmal wie daz
ander, gleich halten wellen, damit allwegen uß dem malter weder
minder noch mehr brott gepachen werden, den wie ir aber uf dis jar
?(m aim ersamen rath ze bachen beschaiden seind.
^ 80 im Text. Soll wohl c weiten» heißen.
808 Überlingen.
Ir sollen auch weder ewer hausfrowen, kinder, magt, knecht, nodi
ander leuth, gar zuo euch in die peisterin wandlen lassen, noch ainidi
brott, zft was zeiten daz were, darus mit euch haimtragen, den eweni
oder andern leuten geben, oder selbst zu nemen gestaten, noch in ander
weg der spend entfrembden lassen; wann euch aber ewer hausfrowen
daz morgenbrott, den imbis oder daz nachtmal bringen und zutragen,
die megen ir alsdann mit euch essen lassen, doch daz sie, wie oblaat,
kain brott mit inen haim tragen.
Alle die weil auch angeschneitne brott vorhanden seind, sollen ir
weiter kain ganz brott anschneiden, daz ander seie dan zuvor hain-
weg gessen.
So ir auch bei den müllern, wann sei euch die seck mit meel
bringen, ainichen mangel oder abgang erfürdern würde*, sollen ir da«
von inen nit annemen, besonder es bei ewern aiden an stund der
spendpfleger riegen und anzaigen', alles jedes getreuwlich und un-
geMrlich.
Eines Stattboten Fertigung.
Du würst schweren ainen aid leiblich zu gott und den hailigen,
gemainer diser statt Überlingen nutz zu befürdern, schaden ze warnen
und zu wenden, sovil dir miglich ist, daz du auch dich meinem herm
burgermaister, so zft weilen am ampt ist, in namen bemelter unser statt
tag uod nacht, unverhindert deß weters oder anderer Ursachen, allain
laibskrankhait ausgenomen, mit loufen willig geprauchen lassen, die
brief so dir ufgeben, oder ob dir mündlich bevelch beschehen,
vleissig vernemen, andtwurten und verrichten, auch wa vouneten, all-
weg weider andtwurt bringen, und dicli nit mar beladen noch annemen
wellest, dann dir bevolhen.
Wann du dann von gemainer statt wegen ze laufen nit geprauclit,
so soltu allweg in der statfarb auf dem rathaus und der gassen wie
ander derselben kuecht, doch ohn ainen stab, aber mit der silberinen
büchs, so man dir zustellen wärt oder zugostelt hat, auf ainen burger-
maister warten, welch büchs du auch bei disem deinem aid weder hie
noch anderschwo versetzen, verkaufen, noch sonst darauf entlehnen solt
Und würde dir von demselben meine herrn burgermaister oder ainem
ersamen rath als jemandts von derowegen etwaß in gehaim anvertrawet,
und meundthch auszerichten aufgeladen, dali solt du alles [mit] vleiß
thün, biß in dein absterben bei dir behalten und niemand olfenbarn,
sonder dich in diesem dienst bcwisen, erzaigen und halten, wie ainem
* Soll wohl heißen: «erfiinilon würdet».
» Der Sina ist wohl der: «an stund rügen und den spendpflegcrn anzeigen».
Überlingen. 269
arewen diener gemainer etat wol ansteeth, auch da durch obemellt
icell schuldig und verpunden sein würst, alles getrewlich und un-
rarlich.
Und weurt daz dein underhaltung und besoldung sein: ain be-
osung, item am driten jar ain lindischen rock meiner herren färb,
) quatember und jede insonders zwai pfund pfening, mer wochenlich
] der Grad ain messer thail, item von jeder meil ze loflfen potten-
I sechs creutzer, und so du auß zufallender notturft uuderwegen
lligen würst, jeden tag drei batzen.
Würd dich dann ain burger ze loufen brauchen, deß aber unerlaupt
18 burgermaisters nit beschehen, so soll derselbig burger dir von
ler meil ze loufen zwen batzen und stilliggelt wie meine herm ze
ben schuldig sein; will er dich dann weiter verehren, daz magst auch
men, doch soltu für dich selb mit kainem ufsetzen.
rdnung eines Wagmeisters, wie er es mit Zoll und Waggeld
in dem Schmalzhaus halten soll.
Item ain frembder, so schmalz, schmer, unslitt käs, und der-
»chen wahr alher pringt, und allhie weigt und verkauft, gibt von
lern Zentner bestimpter wahren neun pfening; darvon gehören zwei
3ung waggelt in stock und sechs pfening in zoll.
Und ist der keufer auch frembder, gibt er gleichfalls sovil, wie
r verkaufer.
Wann aber ain burger dergleichen wahren in seinen aignen haus-
uich und nit auf den pfragen kauft, der ist, wie von alter her, nich-
zu geben schuldig; welcher burger denn, es sei ain grempler oder
, von ainem firembden ort schmalz, schmer, unslitt, käs und dergleichen
hren in vassen oder sonst alher pringt imd dieselben gegen ainem
mbden alhie weiderumb verkauft und uswigt, so gibt der burger als
r verkeufer von jedtwederm zentner acht pfening und der frembd
ufer auch acht pfening, die zwen in stock waggelt, die andere vier-
ten pfening zuo beederseits in zoll.
Item wann ain burger ainem andern burger unslitt zuo kaufen
»t, der jedweder verkeufer und keufer, wann daz unslitt nit in daz
uß verpraucht würdet, sein zwen pfening in den stock zu geben
Luldig.
So aber ain burger ainem frembden unslitt zuo kaufen gibt, so ist
r frembd von zentner neun pfening schuldig; davon gehern die drei
stock, und die sechs in zoll, derzuo gibt der burger auch zwen
oing waggelt in stock.
Item die grempler oder merzler, so anhaims oflfen laden haben,
d ihre wahren daselbst und nit im schmalzhaus, wie die schmelzler
270 Überlingen.
in verkaufen und dieselben wahren darinnen wegen lassen, geben auch
von jed wedern zentner obbesteimpter waren acht pfening, davon
gehend zwen pfening waggelt in stock und die überigen sechs in solL
Was dan der gredmaister bei der großen wag wigt^ unangeseben, {
was waren es ist, davon gehärn all wegen vom zendtner zwen pfening '
in stock.
Wachs und Öl.
Item wann wachs und öl gewogen würdet, gibt der frembd vom i
Zentner zwen Schilling pfening. j
Und der burger vom zentner, er kaufs oder verkaufe, ain Schilling
pfening; davon gehören all wägen, namblich vom frembden und haimschen,
zwen pfening in stock weggelt und das überig in zoll.
Reißblei, Zinn und Kupfer.
Item so ain frembder reißblei, zinn, kupfer, ald ander dergleichai
schweren wahren alher pringt, gibt er wegerlon von zentner neun
pfening; davon gehärn die drei in stock waggelt, die andern sechs
in zoll.
Aber ain burger gibt vom zentner allain zwen pfening.
Hanf und Werk.
Item ain ieder frembder, so hampf oder werk im schmalzhaos
verkauft, gibt von ainem jeden guldin wert zwen pfening, desgleichen
ain jeder frembder, so hampf und werk alhie kauft, von jedwederm
guldin wert auch zwen pfening.
Gleichfals ain ieder burger, so hampf oder werk alhie verkauft,
gibt vom guldin wert zwen pfening, aber der burger, so es in seinem
hauß prauch und nit uf den phragen kauf, gibt gar nichzit.
Und sooft dem guldin wert nach, vorgehärter weise, von hampf
und werk acht pfening zusamen komen, sein allwegen in den stock
und die sechs in zoll gehörig.
Sonst aber in all ander weg usserhalb vorgeherdten underscheiden,
soll es ain wagmaister gegen der burgerschaft, wie von alter her, halten.
Dem allem nach sollen nun hinfürter jetziger und künftiger wag-
maister zu ainem jeden fraunvasten jar die beed büchsen im schmalz-
haus leren lassen und im val, da dasselbig verzogen werden wölt, bei
den stüblinsherrn, so je der zeit [am] ampt sein, anmanung th&n, damit
solliche büchsen usgelert und daz gelt von untreuw oder anderer ver-
warlosung nach abziehung seines angepürenden thails in daz stüblin
genomen werden.
Überlingen. 271
Fertigung der „armen Leute", welche Spende erhalten.
Item es soll meniglich wissen, daz niemandts usser noch inner-
lialb der statt, der aigens, oder sunst sovil zeitlichs guots hat, daz er
deß almuosens nit nottürftig ist, die spend gegeben würdet
Deßgleichen soll sie denen, die sich der spend und dem almuosen
nit gemeO noch gleich halten, auch nit gegeben werden.
(Jndfumemblich, so soll ain jeder, der oder dessen weib und künder
die spend nämen, und man inen die gibt, er seie inn- oder usserhalb der
stat, in kain offen zech, weder in trinkstfiben, geßlierer \ noch weurz-
heuser nit sizen, auch kain spil weder mit weirfel, noch karten, noch
in kainem andern weg, gar nit thün, sonder sich als ain almuoser der
spend gleich gegen gott und der weit dankbarlich und rechts orden-
lichs lebens und wesens halten, und ist darauf dem bettelvogt und
andern meiner herm dicDern bevolchen, bei iren aiden in der geßlierer
und weurtsheuser in der stat und auf dem land acht gehaben und
kondtschaft zfi machen, welche die werend, die sich dem almuosen nit
hieltend und die spend durch sich oder die iren einnement, daz die
ainem burgermaister nach der gepür darumb ze strafen angeben und
ZUG demselben der spend inen selbs und den iren beraupt werden sollen.
Und gibt man den die spend, welche der gunst und sich ir gleich
halten, alle tag.
Item den michilüten, auch denen, die meinen herm mit aigen-
schaft oder sonst verwandt, in und usserhalb der stat, in meinen herm
gerichten gesessen seind, gibt man die spend zur wochen drei tag, am
Bontag, mitwoch und freitag.
Aber denen usserhalb meiner herrn gerichten gesessen, sie gehören
meinen herrü oder andern leuthen zuo, den gibt man die spend zur
wochen ain tag, namblichen an soutag.
Und soll ain jede person, der man die spend gibt, die selbs holen,
es weren dann böttligerig, kündbetern, alt, schwach, krank leut, die
nicht wandlen mochten, oder junge künd under siben jaren, die in diser
kelt nit umbtragen weren, denen ist bewilligt, die spend zft iren ge-
ordneten -tagen haim ze schicken.
Es soll und würdt auch ain jedes, so diser spend und almuosens
y&hig sein will, so lang er die einnimpt, ain klain kraten öffentlich,
nambUch die mann und knaben vornan au iren pareten oder hünten,
and die frowen und tochtern vomen an iren mentlen, daz man die
scheinbarlich wol sehen mag, tragen.
Und so den armen leuten dise vertigung verlesen würdet, soll
nachgendts denen, so diser Ordnung leben, imd daruf die spendt nemen
wellen, deqehnig meiner herm der räth, so jedes jars darzuo geordnet
272 Überlingen.
und gescheiben würdet, anstatt, in namen und von wegen der oberkait
mit ernstlichem vleiß fürhalten und daneben anzaigen rmd z6 erkenneu
geben, warumb die gestift, und was sei den armen abgestorben seelen
der stüfter dagegen schuldig seien, und daruf meniglich niderkneien
und jedes insonders den steiftern, eemaln es die empfacht, zuvor beten
lassen fünf pater noster, fünf ave raaria und ain glauben.
Die Spendpfleger sollen auch der frowen, so noch irn eewürt hat,
noch auch den kündern, die noch irn vater haben, am sontag die spend
nit mitthailen, der mann oder vater seie dann gegenwärtig, und hole
die selbs personlich ; ob sich dann ainer derselben schemmen, und umb
des willen, daz er die selbs nit hoUen bedurfte, sicher am sonntag der
spend verzeichen und die die seinen nicht destminder sonsten durch
die ganzen wochen nemen lassen wollte, den sollen die pfleger alsdann
bei iren aiden ainer oberkait fürbringen und anzaigen.
Es hat Eva Kupferschmeidin gestift und geordnet, daz alle qua-
tember den burgern, einwonern und michileuten, und sonst niemandts
ain creutzer aus der spend umb gottes willen usgethailt und gegeben
werden solle.
Ordnung der Feuerleitern halb.
Es haben meine herrn, ain ersamer rath, gesetzt, angesehen und
verordnet, wann hinfürter veinds- oder feuersnoth entsteen und ufgehn
würd, darvor uns gott der allmechtig gnediglich bewahren und behieten
welle, daß demnach dise jetzverlesen personen, alle und jede an die
ort, auch zi\ den laitern, dahin ain jeder insonders, wie gebärt, be-
schaiden ist, von stund an und unverzogenlich laufen und dieselben
z& dem füer tragen; ob aber ainer oder mer nit in ganzer anzal gleich
alsbald alda sein, oder sonst den laitern oder feurhaggen nit mit
staten obsein mechten, sollen alsdann der oder diese ander burger und
einwoner ain fürloflPen, oder wa sei die sonst sehen, beruofen, und
sei ermanen, inen behilflich ze sein bei dem aid meinem herrn burger-
maister von gemaiuer stat wegen geschworn; welcher oder welche also
genannt und erfordert würdet oder werden, die sollen bei denselben
irn dem herrn burgermaister gethonen aiden one alle Verhinderung ge-
horsam sein. Im fahl sich aber ainer desselben verwidern und speren
würd, alsdann der oder die ainem herrn burgermaister bei irn aiden
rüegen und anzaigen, one gevärd.
Item, welcher oder welche laiteren zu den brünsten tragen, die
sollen bei ir aiden schuldig sein, dieselben leitere gleich alsbald das
feur gelöscht würdt, widerumb an daz orth, da sie die genomen, zu
henken, zu tragen und zfi antwürten, bei straf eins ersamen raths.
tlberlingen. 278
Fertigung der Wagenspanner.
Lr baid und ewer jeder insonders werden schweren ainen aid zu
tt dem allmechtigen und allen balligen, gemainer stat eer, nutz und
•men su fürdern und irn naehthail und schaden zu warnen und zuo
nden, ewers hosten versteen und vermögen.
Und sonderlich, daz ir zuo jeder zeit der stat und ewers diensts
ch der furleut und gest vleisig warten, dessgleichen gedacht fuorleut
d güst jederzeit freundlich empfachen und inen zuosprechen; die-
bigen auch, sovil euch immer möglich ist, es sei mit dem spannen
flösen, oder selben befürdem und an dehain wegfart nit ver-
idem wellen.
Im vahl sie nun ewerer dienst zA dem spannen bedürftig sein,
d dieselben von euch ervordem würden, so sollen ir darinnen auch
Uig und inen umb hernachvolgenden ewem bestimpten lohn ge-
füg sein.
Doch sollend ir niemands euch spannen zb lassen nit tringen,
ider 00 ainer seiner gelegenhait nach selbst spannen wollte, in daran
i ainem pfening, meinder oder mer, in die beuchs, die euch nun
ifüro von meinen herm bei bestimptem ewerm aid zu haben und zu
Iten bevolhen ist, stossen und dasselbig gelt in dhainen andern weg,
der in ewem aignen nutz, noch sonst niendert anderstwohin verendem
ch bewenden, dann allain alle samtag sollen ir die büchs mit sampt
n gdt in daz stüblein zu banden der stiblinßherren uberantwurten,
d so daz gelt gezelt würdet, so soll euch all wegen von fünfzehen
jning der batz oder vier kreutzer und der fünfzehen pfening gemainer
tt, deß gelt si wenig oder vil, zuogeherig sein und pleiben.
Und damit ir aber die gesetzt belohnung deß Spanners und selbens,
ch waß disem ewerm dienst zA verrichten angehengig ist, wissens
ben, so sollen ir hinfüro nit mer belohnung haischen noch vordem,
on wie hernach volgt:
Nämlich von ainem jeden aimer wein, welche zal derselben ir all-
gen nach angeschniter eich der fassen ordenlich und mit vleiß, wie-
der aimer seien, abzellen sollen — ain halben, macht vom fuder
«rlinger eich fünfzehen phening; und so ainem darzuo solte [halten]
lessen, der soll euch zuo jetz bestimptem spannerlohn noch vier
tning für daz, so ir in gehalten, zb geben schuldig sein; do dann
er euch über jetzgesetzten lohn etwas weiter auß freiem guotem
len und ohne ewer anforderen oder geilen schenken würde oder
[te, daz megen ir auch wol nemen, jedoch auch in die büchs stossen
1 komen lassen.
>bcrrbelDifebe Stadtrecht«. II. 2. 18
274 Überlingen.
Ob aber in die hohen laiterwägen wein zft laden und ir dieselbigen
zu spannen ervordert würden, so soll euch von sollichem hohen laiter-
wägen zu spannen sechß kreutzer gegeben werden, ir auch soUich gdt
nit weniger, dann daz ander gleichfals in die büchs stossen, und weder
in demselben, noch der andern ewer obbestimpten gesetzten belohnung
niemandts weiter ubernemen, noch beschweren bei vorgeschribnem
ewerm aid.
Ir sollen euch auch zfi dhainen zeiten, sonderlich aber im herpst,
und wann sonst im jar die zuofart der göst geng und groß ist, von
diser stat nit thün, one erlauptnus meins herm burgermaisters, oder
Seins stathalters, damit ewers diensts halben von den fuorleuten oder
gösten clag oder mangel nit erschein.
Doch so behalten inen meine herrn weiten weg bevor, wa ir euch
bald oder ainer insonders nit geflissen, sonder hielten meinen herm
missfellig, daz sie alsdann sollichen dienst — der auch nun hinföro
ain dienst haissen und sein soll — jeder zeit im jar zfi irn banden
nemen und denselben irs gefallens andern verleihen wellen.
Wann ir aber under ainem ganzen oder halben fuoder wein
laden und sich die ladung nit ain ganz oder halb fuoder erlaufen würd,
so ist man euch von ainem jeden aimer, es sei zehen, ailf, zwelf, minder
oder mer, ain pfening spannerlon auf- und ab zuo rechnen, dessgleicben,
so ir ainem darzuo salben müessen, auch darzuo vier phening zu
geben schuldig.*
Zugrunde gelegt ist vorstehender Bearbeitung die mit «C» he-
^zeichnete Handschrift aus dem Anfang des 16, Jahrhunderts, ein Papier-
heft mit 137 zum Teil xmheschriehenen Blättern. St. A. AU, VIII No. 139.
Der ursprüngliche Text dieser Handschrift stammt aus der Zeit vor 1513,
aber nach 1504. Verschiedene, in den Anmerkungen in der Reihenfolge
ihres Alters alphabetisch bezeichnete Händo, die jedoch alle dem 16. Jahr-
hundert angehören y bringen Nachträge und Abänderungen zum ursprüng-
lichen Text, Letzterem hat die mit «-B» bezeichnete Handschrift., ein in
Schiveinsleder gebundenes Pajncrheft mit 37 schlecht beschriebenen Blättern,
als Vorlage gedient. Diese Fassung ist ihrerseits tvieder jünger als «.4>,
ein Pergamentlibell mit 22 schön beschriebenen Blättern aus den Jahren
1502 — 1504, In ^A* lassen sich 2 verschiedene, aber zeitlich nicht weit
voneinanderliegende Hände unterscheiden. Kleine Literlinearnotizen bringen
* Am Rande von derselben Hand. Nota: «Gilt nitz mer, dann sei von dem
aimer, es seien der vil oder wenig, nit mer dann ain haller haben sollen. Actum 77
anno (1577.)
Überliogen. 275
; bei der Verlesung zu berücksichtigenden Korrekturen nach tB*.
> und cJB» fit. A. Abt. VIII No, 188. Mit cDt endlich ist das ^Eid-
Ä» von 1594 bezeichnet^ das, von eifier Hand geschrieben, den
xt van «C», soweit er die Eidesformeln enthält, vollständig nebst ver-
dedenen Zutaten bringt, Papier-Band von 217 zum Teil unbeschriebenen
ättem. St. A, Abt. VIII No. 142. Da aber die Reihenfolge des Inhalts
t tC» abweicht, geben wir hier eine Übersicht Über die Titd von cD».
ftn €Eidbuch^ Abt. XXXVII No. 764 stimmt genau mit cZ)» überein,
infolgedessen nicht berücksichtigt,)
«Aid und vörtigungen, wie dieselben nach widerufhöbung bieob-
mder kais. Ordnung' von meinen herrn hinfürter allerjärlichs wider-
Qb, wie von alter, zu verlesen errathen worden.»
1. Aid ains burgermaisters.
2. Aid der räthe.
3. Aid des stattamans.
4. Aid der richter.
5. Aid der burger.
6. OroO rath.
7. Aide der seckelraaister.
8. Der ungelter aide.
9. Aid der spittalpfleger.
10. Aid der bauherrn.
11. Aid der komherm.
12. Aid der salzherm.
13. Spendpfleger aid.
14. Aid und vörtigung deß spendknechts.
15. Aid etc. der balligen und deß armenhaus züVischenbeusem pflegers.
16. Der spendböcken vörtigung.
17. Vörtigung der armen leut, so die spend einnemmen.
18. Aid deß beütels.
19. Vertigung des bitteis frauen.
20. Des bauknecbts aid.
21. Aide der ungelterknecht.
22. ünderkeufer aide.
23. Unbauwschouer aid.
24. Aid der mistscbouer.
25. Mal- und mülschouer aid.
26. Mälschauer.
27. Der mülscbauer.
28. Aid der lederschauer.
1 Qemeiotist die «Haflenordnung», die 1559 wieder aufgehoben wurde. (8. unten.)
18*
276 Überlingen.
29. Undergänger aide.
30. Heuser- und gartenschätzer aid.
31. Des zollers und seiner hausfrauen vertigung.
32. Ains grädmaisters und seiner hausfrauen vertigung.
33. Ains wagmaisters und seiner hausfrauen vertigung.
34. Ordnung ains wagmaisters, wie er es mit zoll und waggelt in
dem schmalzhaus halten soll.
35. Wachß und öl.
36. Reißblei, zin und kuffer.
37. Hamf und werk.
38. Aid des stüblinschreibers.
39. Aid des knechts uf dem rathaus und seiner hausfrouen.
40. Vertigung ainß salzknechts (und seiner hausfrouen).
41. Zoll salzknechts.
42. Rathknechts vörtigung.
43. Und soll uf das hernach volgen die vertigung ains ganters
die er alle jar auch schweren soll.
44. Vertigung deß brunnenknechts.
45. Icher vertigung.
46. Ains brunnenschöffers vertigung.
47. Vertigung der weinlader.
48. Trögell aide.
49. Schütter aide.
50. Kornmesser aide.
51. Brotschauer aide.
52. Flaischschouer aide.
53. Flaischschauer vörtigung de anno etc. [15]76 erneuert und anno
[15]77 abermahl erbessert und mit dem werth abgesetzt.^
54. Vischschauer aid.
55. Vischordnung.
56. Brimelbschauer aid.
57. Steckenschouer aid.
58. Aid der hebinmacher becken.
59. Ordnung der feurleitern halb.
60. Ains stattpotten vertigung.
61. Ordnung der schlüssler, wie sei uf- und züschliessen sollen.
62. Schuochmacherordnung.
' Anno 1581 wiederum erneuert, wie aus dem Scblußabsatz hervorgeht: «dige
flaischschauer Ordnung ist anno 81 abermaln genüert worden, wie auß der verzaich-
BUS zö sehen ist, welche in der schei adelladen bei andern darin gelegten Ordnung ze
finden ist:».
Überlingen. 277
68. Aid ains hauOwürts in Salmenschweiler bauß uf der weiß.
64. Aid deren, so daß burgrecht ufgeben.
65. Ainß pettelvogts oder seelmaisters vertigung und besoldung.
66. Vertigung derer, so suwen bei den häufen in diser statt vail
liaben und verkaufen wollen.
67. Vertigung deren ainzächtigen personen, so nit bei hufen,
•onder die sie erziehen, verkaufen wellen.
68. Des stattschribers Substituten aidspflichtt.
69. Vertigung ains teutschen lermaisters.
70. Der schmalz- und unschlitschauer vertigimg. (1575.)
71. Der torkelmaister vertigung.
72. Vertigung der torgelmaister zu Hagnau. (Mit Aid a° 1573.)
73. Steckenknecht oder wagenspanner vertigung. (1577.)
74. Gamschauer aid.
76. Aid der stroschauer.
76. fiebbauschauer aid; vertigung mit angehengter rebbauordnung.
77. Vertigung der zwaier, so der Unzuchten halben bei nächtlicher
^ uf die gassen verordnet sein. (1558.)
78. Ainß gerichtsschribers vertigung.
79. Vertigung der amptleut uf dem land salzmessens halben, (1553.)
80. Aid deß gotshauß Weingarten leibaignen leuthen in Über-
iQgischen gerichten gesessen.
81. Überlingischer aid aigenleuten.
82. Der Hindersassen aid, die aigen und vogtherrn haben.
83. Ordnung deren, so in irn aignen heusern oder an andern
^mdben orthen an bösen blättern und morbo gallico gearznet und
rirt werden.
84. Ordnimg, wie es des umbgelts halber in der Uberliuger und
ß gottshaus hailligen gaists spitalß flecken, derfern, weiler und nidern
ichÜichen oberkaits orthen solle gehalten werden mit angehenchter
Bvörtigung wie die weürth darüber sollen beaidiget werden. (1594.)
85. Aid der würten und gastgeben uf dem land, in der statt über-
gen nidergerichtlicher oberkait gesessen.
xxxxv.
iser Maximilian I. erteilt der Stadt Überlingen das Privilegium^
lehelich geborene Personen oder solche Personen beiderlei Ge-
hlechts, die ohne eheliche Leibeserben in ihrem Qebiete sterben^
beerben zu dürfen.
1518 August 20 Augsburg.
Wir Maximilian v. G. g. erwölter Römischer kaiser, zu allen zeiten
lerer des reichs, in Germanien, zu Hungern, Dalmacieu, Croacien etc.
278 ÜberlingexL
kunig, erzherzog zu Österreich etc. etc. bekennen offenlich mit disem
brief und thfin kund allermeniglich, das wir angesehen und betracht die
getrewen und nuzlichen dienste, so uns unser und des reichs lieb getrew
burgermaister und rat der statt Überlingen uns und dem heiligen reiche:
in manigfaltig weiß mit darstreckung irs leibs und gftts oft williglidi
getan haben und hinfüro in künftig zeit wol thfln megen und solleOi
und darumb zfi ergetzlichait solcher irer getrewen dienste, auch damit
die gemelt statt Überlingen an wesen und aufnemen behalten, und vor
abfall verhüet werden müge, mit wolbedachtem mftt, gutem rat und
rechter wissen, denselben burgermaister und rat der statt Überlingen,
dise sonder gnad und freihält gethan und gegeben, thün und geben inen
die hiemit von Römischer kaiserlicher machtvolkumenhait wissentlich
in kraft diß briefs: also wann und sooft hinfüro in öwig zeit personen,
die kainen erben verlassen, oder die ausserhalb der hailigen ee gebom,
die zu Zeiten ires abgangs bei inen in der stat Überlingen, oder ihren
zugehörigen gezirken oder gebieten wohnhaft seien, man oder frawen-
geschlecht, kaine, noch niemand außgenoraen, on eliche leibserben mit
tot abgehen das darauf derselben verlassen hab und güeter, ligend und
varend, nichz außgenomen, die suust nach gemainen geschriben rechten
in unser oder unser nachkumen am reiche, kaisern und künigen camm^
verfallen wern, denselben burgermaister und rat der statt Überlingen
und iren nachkumen daselbst zögehörig sein und bleiben sollen, und
die zu derselben statt gemainen nutz, paw und pesserung irer meuren,
thurn, weg und Stegen zu gebrauchen und zue geniessen on irrung, ein-
trag und widersprechen allermeniglichs, es were dann, das derselben
uneelichen gebornen personen eelich leibserben oder bestendig testament,
gescheft oder Ordnung ires lotsten willens, oder ander genugsambe ver-
schreibung in irem leben überkumen, gethan und verlassen betten, die
nach sag der recht solchen baimfall benemen möchten, und gebieten
darauf allen und icglichen churfürsten, etc. etc. (wie gewöhnlich.
Strafe: Zwanzig mark löttigs golds.) Mit urkund diß briefs; besiegelt
mit unserem kaiserlichen anhangenden insiegel. Geben in unser und
des reichs statt Augspurg am zwainzigisten des monats augusti, nach
Cristi geburt fünfzehenhundert und im achtzehenden, unsers reichs des
Römischen im dreiunddreissigisten und des Hungrischen im neunund-
zwainzigisten jaren.
Ad mandatum domini imperatoris Renner.
Perg, Oriy. mit Siegel an einem F er gament st reifen. L. A. Nr. 1190.
Abdr.: Lünig, a. a. 0. Bd, 14, S, 545.
Überlingen« 279
XXXXVI.
stadtrecht (St. HL)
1520.
Satzangbuch, von burgermaister, zunftraaister^, gros und
klainen raten der statt Überlingen mit gemainem rät durch
frides und freundschaft inerung willen, damit ainer dester
bas bei uns und neben dem andei'n bleiben möge» im fünf-
zehenhundertisten und zwainzigisten jar' ernewert und ain-
heiliglich beschlossen.
§1-
[Verpflichtung zum Erscheinen in den Ratssitzungen.]*
= § 1/
§2.
(Wölcher aim rat in seine gebott redt.)
Wöllicher aim rät, grossem oder clainem, wider seine gebot, für-
nemen und ansehen frevenhch rädt, der rieht der statt 20 tt ^.
§3.
(Wölcher redte, das sich zu ufrfir zwüschen aim rat imd gemaind
ziehen möcht.)
Würd sich dann iemantz understan und reden, das sich zwüschen
aim rät und der gmaind zu ufrür und widerwertigkait schicken und
ziehen möcht, wa und von wem das beschech, wiert er deß über-
wunden mit zwain erbern mannen, dem soll on alle gnad das hopt
abgeschlagen werden.
§4.
(Item daz der burger, so er daz hört, bim aid rügen soll.)
Und sol ain ieder burger in baiden artickeln den andern beim aid
zft rügen schuldig sein.
§5.
(Wölher von gerichtz oder ratz wegen miet und gab nimpt.)
= 8 3.
^ Dieses Wort steht nur noch in B.
> Die An^be des Jahres, in dem die Neuredakiion vorgenommen wurde, steht
nar noch in B [1530].
• Die in [] gesetzten Überschriften stammen vom Bearbeiter, die in () gesetzten
lieben am Bande des Originals neben den einzelnen Artikeln und rühren alle von
euer and derselben späteren Hand her.
^ Diese im folgenden noch öfter wiederkehrende Bezeichnung soll bedeuten, daß
der Inbalt des § wörtlich mit dem angegebenen § des Stadtrechts II übereinstimmt.
280 Überlingen.
§6.
(Item, das kainer an den rat, clainen noch großen, gesetzt werden
soll, er sei dann 5 jar burger gesin.)
= § ll4^
Und soll aber mit namen nunhinfiirter kainer, weder in der ordens,
Stift, clöster, oder anderer gotsbe&ßer behaußungen oder amptsver-
waltungen alhie, deßgleichen auch kain vogt auf gemainer stat vogteien
in besetzung großer und klainer räthen oder gerichts weder zue raib,
noch gericht nit mehr erwellet, erküeßt noch gezogen, alle dieweil sie
bei solchen iren angenommen amptsverwaltungen und vogteien unverendert
sein, blieben und gelaßen werden, ohne vorwißen und bewilligen klainer
rathen; wan und sobald sie aber sollicher irer ämpter oder vogteien
widerum erlediget werden, oder dero sonst abtretten, alßdan sie dißer
articul weiter nit schirmen, sonder gi-oßen räthen ir wähl frei stehen*.
§7.
(Item, wälber in disen zilen frävelt, wie er gebiezt sol werden.)
= 8 4».
^ C und alle späteren Redaktionen: c. . . er seie dann danror sehen jar lang
ain eingeseßner burger geweßt». F fügt noch bei: «Es seie dann sach, das solche
umbständ vorhanden, wordurch meine herren einen solchen auch vor verfließnng ent-
berüerther zeit zue rath ald gericht zue ziehen bewogen würden.
* Dieser Absatz steht nur in D und E. F hat kürzer: «Insonderhait aber solle
keiner, welcher in frembder herren, nicht weniger allhiesiger statt und spithals diensten
stehet, wehrender zeit sothaner bedienstung ohne wichtige ursach in den klainen rath
oder das gericht genohmen werden.
' Der hier beschriebene Bezirk wurde in der Folgezeit mehrfach erweitert. C
hat noch im ursprünglichen Text wie A und B, eine spätere Hand hat aber den Wort-
laut nach D und E korrigiert, wo er folgendermaßen lautet:
(Von malefitz in und außerhalb der statt.)
Tit. V.
Ir sollen auch wissen, wer ain malefitz begath in dem zeil, daß anfacht vor der
stat zuo Yischenhüssern an, hinauß biß zue dem bechlin, so genant würt Hanßen deß
Wächter bechlin, alda zue underst beim auschluß sollichen bechlins in den See,
in Wolfgang Michael Beckhen burgermaistcrs räbgarten, an der linken seiten, ob
der unden gruob, der gerödi ermelts Wächters bächlin nach, hinab auf der maur am
See der erst stain gestelt.
Der ander oberhalb an bemelts Hanßen deß Wächters bächlin jenseit der straß
am eck, an Matheißen Grießers gerbers rebgarten, so hievor Endriß Zieglers gewesen,
gegen der stat und Franzen Wetzeis seeligen künder gemaurten rebgarten wertz.
Der drit baß oben an gedachts Hanßen deß Wächters bächlin, bei doctor
Anthoni Klumppen seligen garten, so jetzo Ambroßi Kautb, vogt zue Ittendorf, inhat,
genant auf dem Stain, außwertz gegen weilundt Christof Schochners seligen witib
garten.
Überlingen. 281
§8.
(Item wer im etter frävelt, wie er gebiest werden; auch so ain
iiger oder biwoner das sieht oder hört, wie er sich dagegeu halten
IL)
= § 4 Anm. 1.
§9.
(Item wer den andern in den vorgemelten 2dlen z& tod schlecht,
er ainen tags oder nachtz gevarlich bi sinem eewib betritt.)
= §6.
§ 10.
(Item wa ain gast ainem burger übel redt.)
= 8 7.
Der viert dannen den fnoßweg gestraoks hinauf biß zae Walther Ibellackers reb-
rten bei dem nndem baufahrweg, der dem Stomppen zue gebet.
Der fanft abermals gestracks hinauf biß an den mitlern bauweg an der See-
den auf der braiti an Lentzen Ochßlins seeligen künder rebgarten, darinnen der
ß itain ligt.
Der Beehrt die braitin hinduroh über Aufkircher gassen bei Ulrich Schmidts
{arten, alda daß bild stehet.
Der ribent dem bauweg nach hinauf in Amman biß züe Joachimß Fümabuechs
ehtechreibes rebgarten.
Der achtent Ton dannen den fuoßweg im Amman nach hinumb über Aufkircher
len straß in Michel Hagers garten, genandt im Amman, auch im burggpraben am
zwischen Michel Hagers und Hanßen Waibels garten.
Der nünt den karrenweg hinab über die straß genandt Küegassen in Jacoben
riefen garten, genant im Zaan, bei dem gatter unden am eck ob der straß.
Der zechen den fuoß- und karrenweg hinauf biß zue Ambroßi Sodins garten.
Der ailft volgendts den karrenweg hinab in der unsauberen gassen unden am
an gemelts Broßi Sodins garten ob der landstraß gegen Owingen und Pfaffen-
en wertz.
Der zwelfb von dannen über die straß zue Gallin Notthelfers garten eben an
c am fuoßweg.
Der dreizechent den karren und graßweg binab biß zue Hanß Georg Hauen
jen oben am eck bei dem Wassergraben.
Der vierzechent von dannen biß zue Hanßen Waltbers garthen, genandt zue
uthgarten, am eck.
Der fünfeechent den karren und lauweg hinab in Ganzen Gasser straß, so uß
itzen Gassen thor heranß geet, am eck deß gottshauß spitals rebgarten am gotts-
er gelegen.
Der sechzechent die Gantzen Gassen straß biß an gotzacker, so von alter her
clösterlin geweßen, genant der Schwestern auf der Wiß, von dannen die landt-
iß hinauß under Salmanßweiler hauß und trogel biß uf der creützstraß beim Hoch-
d bei Veiten Volckweins rebgarten am eck.
282 Überlingen.
§11.
(Item wil ain gast schlahen ainen burger mit gewaffneter od
UDgewaffiieter band.)
= §6.
§ 12^
(Item wandet ainer den andern mit gewaflfneter band, er stc
derselben wunden oder nit, wie er gebietzt werden, und das die bur{
denselben bi den aiden nach der tat an stund vänklich annemen solle
Wir band aucb gesetzt, wer den andern wundt mit gewa&e
band, denselben sollen all burger, die zugegen sind, bi irn aiden scbulc
sin, fenklicb anzenemen und ainer oberkait zb überantwurten, der s
fürter von der oberkait in vanknus gelegt werden. Ist dann die wu
sorgUcb, das si im zum tod dienen mecbt, und im von dem andi
unbillicb zugefügt, soll er alda 6 wocben und 2 tag fenklicb entball
werden; stirbt er in der zeit, soll er aucb erschlagen werden, stirbt
aber in der zeit nit, sol der ander furo nit erschlagen werden, doch g
er der statt richten 6 tf ^. Tbfit es aber ain gast, der riebt die frei
zwifält; bat er aber nit gfttes, das er soUich frefün bar richten möch
soll trostung von im genomen, oder er aber bis zft ablegung derselb
von diser statt verwisen werden nach erkantnus ains räts. Erfün
dann die oberkait, das die wund nit sonder sorgveltigkait uf ir tri
oder das der ain notwer het bringen müssen, mag in ain rat na
gestalt der sach wol vor den 6 wocben seiner vanknus erlassen, na
dem erfunden wiert, und ain rät für gut ansiebt.
Der sibenzechent von demselben eck hinauß biß uf die Siechenbrug, geni
Stainein brück, von derselben Stainin brück hinüber zue Hainrichen Sträbels wingart
80 jetzo Michel Hagenweiler inhat, beim gather am eck.
Der achtzerhent den karrenweg hinein biß zue Michel Nieters garten, j*
Jadengassen genant, am eck.
Der neünzechent von ermelten eck den karrenweg hinauß biß zue der gerüerl
an ermelts Michel Nieters garten.
Der zwainzigist ist von dannen über Juden kirchof in Michel Ronbücheis gart
biß an daß eck desselben gartens.
Der ainundzwainzigist von deseelbigen Ronbücheis eck den karrenweg hinbin«
biß züe Ambroßi Spießen garthen, so hievor Martin ürbans selig geweßen, oben am e
Der zwen und zwainzigist über den Karrenweg an der frowen deß gotsha
Wald rebgarten, am zäun.
Von dannen durch die rebgarten hinab über den Mülbach zuenegst über
walke uf die heche ist der dreiundzwainzigist.
Nachgehends durch daß feld durch nider biß in den See zwischen der blaic'
und Vischgruoben uf dem Küebel, alJa die vierundzwainzigist und letste gestelt ist.
Der soll besderen und büessen nit minder dan alß ob er daß enmithen in <
stat begangen hete. — ' Vergleiche § 13 1. c.
Überlingen. 288
§ 13.
(Item, 80 ain gast mit dem burger krieget und seinen zorn nit ab-
lassen will, wie man eich gegen im halten soll.)
= §8.
§ 14^
(Item 80 ainer den andern mit ungewafifneter band frävenliohen
Bchlöcht, was die büß si.)
Item auch, das ainer den andern frevenlich schlecht mit ungewaff-
neter band, thftt es ain gast, der rieht der statt 2 tf ^, und ain burger
1 i ^, und sond alle burger, die zegegen sind, den gast handhaben,
untz er die Unzucht gericht; wöllicher burger des nit thet, der git der
statt i ^ ^.
§ 15.
(Item wer das schlahen mit dem andern anfacht, das derselb für
si baid biezen soll.)
Wir hand auch gesetzt, wann zwen ainander schlahend, ob denn
ainer zb dem andern clegt, er hab in geschlagen, und denn der ander
spriecht, er hab es angefangen und wolle ain notwer war machen, thut
^r das, so rieht der, der das schlahen angefangen het, für si baid.
§ 16.
(Item wer den andern mit gewaffneter hand wundet oder wirset,
was die bAß si.)
= § 14«.
Wa' aber ainer den andern freventlicher, muotwilliger und unver-
sechenlicher weiße, auch ohne ainiche ursach oder fürwort, mit unge-
wa&eter hand schlecht, ist die straf 3 ff den.; thuet eß aber ain gast,
so beßert und büeßet er die straf auch zwifach. Es mechte aber der
fauststraich so hart und ungefarlich sein, so soll alsdann die straf nach
gelegenhait der sach bei ainem rath stehen.
Item welcher gewaflFnet hand macht, er brauch sie oder nit, ist eß
tags, die straf 6 ff den. ; wa es aber nach spatwacht beschicht, die straf
12 ff den., und rieht der gast oder frembd dieselben in beederlai weg
auch zwifalt; würden nun dienstknecht oder frembde gehörter gestalt
bei tag wafnet hand machent und dieselben brauchen oder nit, so
sollen sie von stunden an in glibd verfaßt, sich in die straf zue stellen ;
beschicht eß nach spatwacht, gefenglichen angenommen und dem pitel
» Vergleiche §§ 17, 159 1. c.
> Dieser Absatz ist in A darcbstrichen; fehlt in B und C.
' Dieser und die beiden folgenden Absätze stehen nur in D, E und F.
WH ÜbtrHi^BiD.
in thnm flbenmtwart werden; doofa wa sieh dergleichen fehl tags od
nachts in den erbaren zttnften zuetragen, soll eO jeder orts mit c
straf vermOg zonftartioals gehalten werden; es würde dann einer bla
rflssig geschlagen, so gehört die sach fiELr ainen rath, nach der ge[
dazinnen zue erkennen.
Welcher auch der sein würdet, der nachtwacht angreift, geg
demidben gewaffnet band machet, er brauche die oder nit, ist er i
buiger oder einwohner, der rieht der statt 13 8 ^. Ist er ain fnmhi
oder gast, rieht er die doppelt; es mochten aber sich ain gast 04
buiger hieiinnen so vermeOenlich und gefahrlich halten, behalten me:
herm inen dieselbig nach gestaltsame der sachen und scherpfen i
rechten zft straffen bevor.
§ 17.
(Item, so ain buiger deß andern feind ist, und in z& tod schlec
Uflserbalb unsem gerichten umb sachen, die sich in gerichten eriu
hond, wie es gebietzt sei werden.)
= § 16.
§ 18.
(Wer dem andern Scheltwort anhenkt, was die bfiO si.)
= § 18^
§ 19.
(Item, wer uf den andern frävenlich dringt, was die bftß si.)
= § 19.
§ 20.
(Item, 80 ainer schaiden will, und in iemantz daran irrt, was (
bftß si.)
= § 20«.
Deß fridbots halben.'
§ 21.
(Item so ainem frid gebotten wiert von 40 tf ^ und uf den {
von der oberkait.)
Haben gros und klain rät ernstlich angesehen und gegen meniglj
strenglich ze halten beschlossen : Item, wa ainem von der oberkait f
geboten wirdet mit fürworten, nämlich an vierzig pfennig, und uf d
aid, wer den bricht und nit halt, es si mit werten oder werki
^ D, E nnd F, ebenso Korr. in C haben als Strafe 5 fif J[. Korr. in C so
Text in D nnd E fügen bei: cund soll darzue ain monat vor der statt sein».
• In D und E sowie Korr. C lautet dieser §: «Wir haben auch gesetzt: V
auch jemands irret oder verhindert, der spcnaige und zwiträchtige personen scbai(
oder befriden will, der richtet der statt fünf pfund pfening».
* Vergleiche § 22 1. c.
Überlingen. 285
der rieht der statt die 40 tf ^, und baist und ist mainaid, und soll
weder an gericht noch rat nimermer komen.
§ 22.
(Item so im von der oberkait frid gebotten wirdet an ain gelt.)
Wird im dann von der oberkait frid gebotten an ain gelt, an 5,
10, 20 tf ^, minder oder mer, unangehenkt deO aids, der soll und
wirdet gestrafft bei derselben peen, daran im gebotten worden ist.
§ 23.
(Item, wirt an ainem fnd gebotten von der oberkait an leib und
an leben.)
Wiert aber von der oberkait ain frid geboten oder gemacht bei
verlierung leibs und lebens, wer denselben bricht, der soll on alle gnad
sin leben verwirkt haben.
§ 24.
(Item, so ainem zfi Mscher that frid gebotten wirdet, und er den,
diewil er noch in der Übung ist oder bedachtelich bricht, was die büß si.)
Wirt dann ainem zu frischer that frid geboten, von wem das be-
schicht mit fürworten, uf den aid und an 40 ff ^, oder uf den aid
^n, oder schlechtlich on alle furwort und gebot*, bricht er den
zi frischer that, dieweil er in der Übung ist, mit Worten oder
weiten*, der rieht der statt 40 ff ^ und alle die weil er die nit
ncht, sol er mainaid haissen und sin, [bricht er den aber be-
dachtenlich und fürtrechtlich, der rieht der statt aber die 40 ff ^,
ond soll darzü jar und tag vor der statt sin]'; wirt im dann [vom
burger]' frid gebotten allain an ain gelt, bricht er den och zu frischer
that, der biest und bessert es bi der peen, daran im gebotten worden
ist. Würd aber iemands friden brechen bedechtenlich und fürtrechtlich,
in was gestalt der gemacht oder im gebotten were, der soll der statt
richten 40 ff ^, und sol darzü jar und tag vor der statt und usserhalb
unsenn etter sein*.
Item* wann hinfüro ainer gegen dem andern durch die obrigkait
oder sonst in friden an ain benante summa gelts, vil oder wenig, aid
auf den aid gestelt würdt, so soll sollichs ervolgt fridpott von kainer
* Von anderer Hand diese 2 Worte durchstrichen, dafür über der Linie: eich
gebent ench frid, oder geben frid».
* Von derselben Hand wie unter ^ eingefügt: «und wirt deß überwunden».
' Von [bis] durchstrichen.
^ Von cWürd aber» an von anderer Hand. Am Bande: «non».
* Dieser Absatz steht nur in D und E.
286 Oberlingen.
parthei weder auf eßen, trinken, gesellschaft, lieb noch fremdschafl n
widerumb aufgebebt werden, noch auch ufgehept haißen oder seiii
daßelbig seie inen dann beeden mit iren guethen willen auch uf ir p
und anhalten von der obrigkait nach irer erkhantnuß und gut anseche
allerdings widerum abgenommen worden.
§ 25^
(Item wa sich leut mit ainander zertragen, darunder gaistlich od(
priester sind, und denselben frid gebotten und nit gehalten wirdet, wi
sich gegen den laien und gaistUchen ze halten si.)
Und nachdem sich dann zö Zeiten ufrüren und unainigkeiten b<
geben, darin nit allain die laien gegen ainander, besonder ouch etwa
die priester oder ander gewicht zwüschen inen selbs ouch mit laie
verwandt sind, also wa mit fiirsehung und machung des fridens n
darein gesehen, das dann leichtlich groß sorgseligkait und schad dar«
entsten möchten, demnach zu fiirkomung desselben und zfl fürderun
und hanthabung deß friden so haben meine herm ain ersamer rat de
laien halb, auch uf sonder bewilligung und zulassen meins gnedigei
herm von Costentz der priester und ander gewichten personen hall
geordnet und zum höchsten befolhen* und hotten: wölhe meiner hem
geschwomen sehen oder dabi sind, das enbörung oder gezenk werdei
will oder wirdet, darumb frid zumachen not sin will, das dan dieselbec
zu frischer that' nach gestalt der enbörung nit allain den laien, besondei
auch den priestem oder andern gewichten, die derselben enbörung ver
wandt, frid gebieten mögen und sollen; und ob aber iemand, er wer<
priester, gewichter oder lai, sich fridens zu geben und zu halten sperrei
oder widern würde, in was schein das beschehe, so sollen die, so firic
gebieten, oder dabi sind, irnthalb one weiter straff oder peen den ode
dieselben widerspennigen, si seien priester, gewicht oder laien, nacl
unser statt Ordnung anneraen und meinen herm überantwurten, alle
bi irn aiden ainem burgermaister geschworn. Schickte dann ain burgei
maister oder rat naehgeeuds zu dergleichen geweichten personen aine
oder ainem schüler frid ze machen, und derselb ainem rat und gerich
in derselben sach nit gehorsam sein wollte, was dann derselben persoi
von irem Widersacher, oder von seinen helfern darumb widerfert, e
sei im gericht oder ußwendig dem gericht, da soll kain räch nachgac
on umb den todschlag in dem gericht, den soll man recbtvertigen*.
* Vergleiche § 113.
* Ein zweites «befolgen» ist durchstrichen.
» Diese 3 Worte von anderer Hand eingeschaltet.
4 Der ganze Abschnitt von anderer Hand. Am Rande: «non». In D und 1
lautet dieser Artikel folgendermaßen:
I
r«
E
=
Überlingen. 287
§ 26.
(Item, wer den andern an ainem oder baiden ougen blendt, was
die straff si^)
= § 23.
§ 27.
(Item, wer den andern von zorns wegen in sein hus jöcht und im
über die schwoll hinein nachloffl, was die böß si.)
= § 49.
§ 28.
(Item und so ainer also in ain hus gejöcht würde, und er von
dem haswirt gewendet oder verlötzt würde, ob der huswirt darumb zft
sdiaden komm oder nit.)
= § 50 mit folgendem Zusatz.
Item welcher, burger oder beiwoner, den andern tags ausser und
Ab dem seinen oder eins andern eigenthumb, oder in ander weg, in
was gestalt das geschieht, erfordert, der rieht der statt zehen ff ^, und
bescbeh es nachts, 20 8 ^; würd es dann ein gast thun, sollen alle die
i>Qiger und beiwoner, so zugegen sind, bei iren aiden schuldig sein,
vanklich anzenemen und der oberkeit zft überantwurten*.
§ 29.
(Item und so ainer umb Unzucht gestrafft wirt, und dasselb
iemands teuem wollt, was die bftß si.)
Item wa aufruor nnd nnainigkait zwischen laien sieb zuetragen, darin sich
prietier oder andere geweichte personen vermischen würden, haben meine berrn ain
erMiner rath der laien halb, auch auf sondere bewill'gung und zuelassen meines
genedigen herrens von Costantz der priester und andern geweichten personen halb,
geordnet und zum höchsten befolchen und gepoten: welcher hinfüro soeben oder dar-
be! sein, daß empOrung oder gezenk werden will oder würdet, darumben frid zne-
maehen noth sein will, daß dan dieselben zue frischer that nach gestalt der emperung
lut allain den laien, besonder auch den priestern oder andern geweichten, die derselben
empOning verwandt, frid gepieten sollen und mögen; und ob aber jemands, er were
priester, geweichter oder lai, sich fridens zue geben und zue halten sperren oder ver-
wideren würde, in waß schein daß bescheche, sollen, die frid gepieten oder darbei
wmd« irethalben ohne weitere straf und peen den oder dieselben widerspennigen, sie
•den priester, geweicht oder laien, nach unßer stat Ordnung annemmen und meinen
herm überantworthen, alles bei iren aiden ainem burgermaister geschworen.
* In A von anderer Hand durchstrichen, dafür von widerum anderer Hand am
Hände: «liß». Fehlt in D, E und F.
* Dieter Absatz von spaterer Hand. D und E, sowie Korr. C fügen noch an :
«und alsdann dertelbig gast in beeden vahlen die straff zwifalt verfallen sein».
S88 Überlingeik.
Wir hand auch gesetst, wer geetrafEbt wiert von ainicher uiusaebt
w^n von der gemaind, von ainem Uainen rat, oder vor gericfat, war
das äfiTem wollte an ir aller ainem, der rieht der statt 40 tf ^.
Item^ welcher auch der ist oder sein wflrde, der sich meiner hem
straff oder derselben dienern, do sie dieselben an ime anf empÜErngneo
befelch volnziechen weiten, thetliehen widersetzte, d^ soll 20 tf den.
unableßlichen straff verfallen sein.
§80.
(Item so ain gelöff in der statt würde, das man iemants omb
nnsadit fiahen und sich aber derselb nit gefangen geben wollte, so er
dan von jemantz gewundet, oder gar ze tod geschlagen würde, oder so
derselb für die statt entrinne, und im ain rat nachschickte den zfl bifiuigeii,
und er sich abermals nit fahen lassen, dardnrch er gewandet oder le
tod geschlagen würde, wie es in diesen Valien gehalten werden sölla)
= §84«
§ 31.
(Item, so ainer dem andern tags oder nachtz in sin hos gat und
im jemantz darzü beschrait, übel handelt, oder benotzogen will, was die
straff si.)
= § 87».
§ 32*.
(Item, so ain gewicht person sich mit aim burger zerrieg, und
nachgends dieselb von der oberkait beschickt würd, friden darin ze
machen, wa dann dieselb gewicht person der oberkait darin nit gehorsam
sin, und darüber von irm Widersacher und seinen belfern verletzt und
gewundet würde, on den todschlag, das kain räch darnach gon soll.)
Wir hand auch gesetzt: war, das dehain geweicht oder gaisüich
man oder frow oder dehain schüIer mit dhainem unserm burger zerwarf
oder mißheilig würd mit werten oder mit werken, das Unzucht anträff,
zu dem soll der rat schicken, und wil der unserm gericht und unserm
rat gehorsam sin in der selben sach, so soll man die sach ze frid
bringen, in aller der wiß, als gen den andern unsem bürgern; wölt
aber der gewicht man, frow oder schUer der sach nit gehorsam sin
dem rät und dem geriebt, was im den von sinem Widersacher oder
von einen helfem darumb widerfert, es si im gericht, oder ußwendig
1 Dieur Absats steht nur in D, E und F.
• Dieter § ttebt nur in A, B und C.
' Fehlt in F.
^ Dieear ganie Absohnitt durchstrichen; fehlt in allen übrigen Redaktionen.
Überlingen. 289
em gericht, da soll kain räch nachgan, on umb den todschlag in
em gericht, den sol man rechtvertigen.
§ 33.
(Item wer ain falsch begat, mainaid wirt, oder bi wölhem ain ver-
oigen mordmesser fanden wirt, was sein straff si.)
= § 15.
§ 34^
(Item so man dem baner in das veld zücht, ob iemantz davon
Iche oder dem houptman nit gehorsam wer, was sin straff si.)
Item wir hand auch gesetzt, wenn man mit dem paner in das
ild züchet, wöllicher dann von dem paner flucht und dem hoptman
t gehorsam ist, dem soll man one gnad das hopt abschlahen.
§ 35.
(Item so man stürm lüt, das man ußziehen will, wahin und wem
Q jeder züloffen soll.)
= § 102«.
§36.
(Item so man ußfört raisen von gemainer statt wegen, wie es der
eis und profant halben gehalten soll werden.)
§ 123».
§ 37.
(Item so ainer ain gut zwifalt versetzt, und die ersten versatzung
n& nit öffnet, deßglich, so ainer seine versötzte gütter verkoufte on
ß wissen, dem si versötzt weren, und demselben das, darumb die ver-
tzt weren, dabi nit folgen lies, wie er gestrafft soll werden.)
= § 140*.
§ 38^
(Item, so ainer dem andern ain pfand versetzt, und dasselb one
iß willen, dem es versetzt ist, verendert, was die straff si.)
^ Vergleiche § 103. Fehlt m allen übrigen Redaktionen außer B.
> Steht nar noch in B und C.
* Steht nur noch in B.
^ F hat noch folgenden Absatz; cWer auch seine dergestalten versohribene guter
6 deeeen wiesen und willen, deme selbe verpfendet seind, verkoufen, und solch darauf
•tes gelt nicht ahn orth und end, all wohin die güeter versetzt seindt, ahnwenden
det, derselbe solle gleicher gestalten darumben alles ernst j abgestraft werden».
• Vergleiche g 181 1. o.
»berrhelQlMhe Stadtreobte. U. 2. 19
290 OberliDgen«
Item wer dem andern Bin varend^ pfand versetzt, und dasee
pfand nachgends verendert one deß willen, dem das pfand versetzt ii
der rieht der statt b Ü ^.
§ 39».
(Item das die versatzungen, die in der statt pfandb&ch beschehe
vor allen andern versatzungen, es hab ainer leut oder brief darum
vorgond.)
Wir band auch gesetzt: wer dem andern ain ligend p£and v(
setzen wil, der soll gan für unsern stattschriber und soll im das pfai
da versetzen und ufgeben, und soll auch das pfand in unser sti
pfandbüch uf denselben tag verschriben werden, und das pfand s<
nit furo versetzt werden denn dem ersten, unschedlich, und soll mi
dem stattschriber 8 ^ geben, und soll kain ander versatzung wed
mit leut noch mit briefen, weder kraft noch macht haben, dann d
in dem buch stand, also das das bfich vor allen dingen gan soll; ui
wer das buch velschet, der ist der statt verfallen 6 8^, und soll ji
und tag vor der statt usserhalb dem etter sin.
§40.
(Item das fdrohin niemand kain ligend gut mit ainichem sdi
beschweren soll.)
= § 86».
§ 41.
(Item wer dem andern sin pfand verhüttet, so er in über di
daran irret, was die straff si.)
§ 85^
§ 42.
(lem so ain schuld vor aim püttel dem stattaman, ainem d(
ratz oder gerichtz verthädinget wirt, und er der thäding nit lept, w
sein straff si.)
= § 88.
§ 43.
(Item so ainer an stab lopt, und dem nit nachkompt was d
büß si.)
= 8 81.
* Dieses Wort von anderer Hand.
> Dieser Absatz steht nur in A.
» Fehlt in D, E und F.
* Steht ebenso wie die beiden folgenden Paragraphen nur in A.
Oberlingen. 291
§ 44.
(Item 80 jemantz ainichen stabraiß, versamliiDg oder gelöff on
der oberkait urlob brachen würd, wie er gebiezt werden solle.)
= § 58^
§ 45.
(Item das in unsern gerichten on ains rata vergönsten niemantz
den andern beifangen soll.)
= § 54^
§ 46.
(Item mid jemantz der unsern desselben gevar und innen würd,
wie er sich halten soll.)
= § 55».
§ 47.
(Item wölhe die, die söllichs horten oder Sachen und darz& nit
körten, was ir bfiß si.)
= § 55».
§48.
(Item ob jemantz den andern in unserm etber bifangen wolte, so
das geschrai kompt, wie man sich dargegen halten soll.)
= § 57*.
§ 49.
(Item so ainer den andern umb röb, brand, diepstal oder anders
& sich selbs on urlob des gerichtz anfeilt, wie man sich gegen dem-
selben halten söU.)
Were auch, das ain gast zu clagnen het z& ainem andern gast,
« wer umb rob, umb brand, umb diepstal, umb mord oder umb ander
oiiflsethat, der soll das bringen an ainen burgermaister, oder an ainen
&mman, und an die rät, und das mit dero rät verhandlen; ist aber
ainer als frävel, das er ainen selb anfallet, on urlob des gerichts^, so
soll man si baid heben z& dem rechten; und ist, das der cleger sin
dag mit recht nit volfürn mag, so soll er in semlichen schulden sein,
als er dem andern zugesprochen het*.
« Steht nur noch in R — « Fehlt in D, E und F. — » Fehlt in D, E und F.
- * Fehlt in D, E und F. — • D, E und F, Bowie Korr. C: «on urlob des raths».
* Kürzer F: Welcher, in was ding das sein würdet, ihme selbsten richten wirdt,
^ loUe nach befinden you einem lObl magistrat gestraft werden.
19*
292 Überlingen.
§60^
(Item so dann ainer den andern umb inißethat mit urlob de
gericbtz anfeilt, und ain sum geltz darumb verbürgt, so er das nit uü
brticht, was er der oberkait und dem angefallnen verfallen si.)
Wer aber den andern umb missethat anfallet mit urlob des gerichü
und der ain sum gelts verbürget, sein clag ze volfüren mit recht, ol
er das nit gethun mag, der rieht der statt die sum gelts, die er vei
bürget hat, und ist damit ledig der statt halb, und was er also vei
bürget het, sovil soll er dem, so er angefallen het, auch schuldig um
verfallen sein.
§ 61.
(Item so ainer dem andern im Meling oder nach dem herpst vecl
in seine gärten tribt, was die straff si.)
Wir band auch gesetzt, wöllicher dem andern in .seine weingärtei
oder bomgärten im frieling oder nach dem herpst vech oder rosß* treibt
und alda haltet, der rieht der statt 3 ff ^, frowen und man, jung unc
alt; und dem der geschedigt wirt, soll er seinen schaden bekeren, ali
dick so ers th&t, und het es der, der den schaden th&t^ nit td richten
so soll man in komen an den wirt, aus des hauß der schad beschehen ist'
§ 52.
(Item wer dem andern sein zun bricht, und zu schaden gat ii
sein gärten, was sein straff si.)
Wir band auch gesetzt, wer dem andern nachtes sinen zun brichet
ald ungetrewlich zu schaden get in sinen 'garten, an sinen reben, ai
sinen bomen, an sinen krütern, der rieht der statt 3 ff ^, und ob ei
deß legnen wölt, so mögen die, den schad beschehen ist, das mit ii
ainigen* band beheben und den soll man darumb geloben.
§ 53.
(Item wer dem andern nachtz seine venster zerbricht, und un
riebig macht, was büß daruß stand.)
= § 34.
§ 54.
(Item so ainer den andern an den obgeschribnen stücken tag
schödiget.)
. = § 35.
* Dieser § steht nur in A und B.
^ Diese 2 Worte in A, später eingeschoben.
" Von: «und dem der» . . an bis «beschehen ist», von anderer Hand, F füj
noch an: «Wan aber ein solcher die straf ald den schaden zue bezahlen nicht vermag
solle dessen herr oder maister für beede puncten zue stehen schuldig sein».
^ So A, B und C; D und E: «aignen».
Überlingen. 298
§66^
(Item so ainer in deß andern garten oder in den gassen, ald
wegen haltet oder graOet.)
Wir band auch gesetzt: wer [in des andern garten oder]* an den
wegen, ald in den gassen (mit seinem vech oder rossen, es bescbecb im
fiidiDg oder nacb dem berpst)', der riebt der statt 5 ji ^ (und dem,
der geschedigt wiert, soll er sinen scbaden bekem)^ als dick so ers
Mt (und bet es der, der den scbaden tbüt, nit ze Hebten, so soll man
in komen an den wirt, uß des bus der scbad bescbeben ist)^.
§ 66.
(Item so ainer dem andern ab berbafben bömen plust abrist.)
Wer aucb dem andern pläst ab frucbtbarn bömen abreist oder
zert, der riebt der statt 5 ^ ^> jung und alt, frowen und mansbilder^.
§67*.
(Item 80 jemantz in frembden gärten uf der wiß, oder den almen
ope, traben oder anders abgewint, uflist, scbütt, scblöcbt oder wirft.)
Wer aber dem andern an semlicben gewonlicben wegen oder änderst-
wo sin opß oder sin trüben ald anders das sin abgewinet, uflieset,
schit, scblecbt oder wirfet und ^bebalt und bintregt oder anders damit
gefert, denn vor ist besebaiden, das baisset redlicher scbad^, den soll
man darumb rügen, und dero ielweder riebt der statt 1 tf ^, es be-
schech in gärten, uf der wis oder auf den almen.
§ 68.
(Wer dem andern über sein zun oder wand inklimpt, oder durcb
sein liag bricht.)
= § 40.
§ 69«.
(Wer aim rät tbannen in irn hölzern abhowt.)
Wer auch am maientag, vor oder nacb, im jar aim rat tbannen
in im hölzern abbaut, riebt der statt von ietwederm reis 10 ^ ^.
^ Vergleiche § 88 1. c.
' Von [bin] in A darchstrichen; fehlt in allen andern Redaktionen.
' Von (bis) von späterer Hand eingeschoben. Seil: «schediget».
* In A durchstrichen von (bis); fehlt in allen übrigen Redaktionen.
* D und E, sowie Korr. G haben anstatt <5 ß^> «10 ß Ji* und fügen bei:
loll rieh und darzu mit dem beschädigten biß an sein benüegen vertragen.
* Vergleiche § 39 1. c.
' Diese 4 Worte stehen nur noch in B und 0; in letzterer Redaktion von
■Pfcterer Hand durchstrichen.
* Dieser § steht nur in A.
294 Überlingen,
§ 60.
(Item so ainer dem andern seine böm oder reben uOhowt odei
zert, oder mutwillig verbrennt im ether, er hab im darfor sollicbs rt
thon getrewet oder nit, was die bfiß si.)
== § 65.
§ 61.
(Item das meniglich ain andern und oueh sein aigen zügefi^tei
schaden in 8 tagen den nächsten riegen soll, baim aid.)
Item es soll ieglicher sinen aigen schaden rögen, derglicb
sine kind, wib und sine dienst, in acht tagen den nechsten, nachden
im der schad geschehen ist; deßgleich soll iederman dem andern sinei
schaden auch rügen bi seinem aid ungevarlich.
§ 62.
(Item was vech an schaden ergriflPen oder sunst kuntpar wirt
das es zu schaden gegangen si^ wie es gebiezt soll werden.)
Item wir hand auch gesetzt, wer an schaden ergriffen wiert, sc
der angeben wirdet, es sien lüt oder vich, das ain iegUch hopt de]
statt 8 (l -*! geben, und soll dem beschedigten sin schaden abthün nacl
ains rats erkanntnus, so dann glich ainer nit ergriflTen würde, und ei
dannacht kuntbar und offenbar were, das er zu schaden gangen, sol
es aber also gehalten werden, wie oblut.
§ 63.
(Item das waißen on vergunsten irer vögt gar dhain gewalt habei
ze thün, das inen schädlich mag sin an irera gut.)
Wir hand auch gesetzt: wa waisen unser statt werden von bürgert
das dieselben an stund nach absterben vater und müter Inhalt de
statt Satzung und Ordnung bevogtet werden, und sollen für sich seil
on verwilligen ains rats nit macht haben, dieselben iro vögt wider u
zesagen; si sollen auch on gonst ains rats und ir vögt kainen gewa
haben ze thün, das inen schedlich mög sein an irem gut, mit kainc
Sachen; wer auch, das si kainer ding nottürftig weren, so sollen si m
iren guten fründen und vögten für den rät komen, und ain rat d
sach fürlegen, und was inen denn die rätgeben erlobent, deß haben
gewalt ze thün und sunst gar nichts.
Eehandlungen.
§ 64^
(Item so ain burger dem andern sin kind zu der ee anspricl
und er das mit recht nit ußbringt.)
* Vergleiche § 71. Dieser und der folgende Absatz fehlen in F.
ÜberliogeD. 295
Wir hand auch gesetzt: wer von bürgern dem andern sin kind
QBpiicht zft der ee, es sien &owen oder man, mögen dieselben ir recht
m gaistlichen gericht nit fürbringen, die sollen gestrafft werden an
) flf ^, und sollen jar und tag vor der statt sin und nachgends
irein nit komen, si haben dann meine herm die 20 E ^ darvor
§ 66.
(Item so ain dinst oder gast aim burger sein kind zA der ee an-
rieht, was gegen im gebandelt werden soll.)
Würde aber ain dienst oder gast ainem burger sin kind z& der
ansprechen, der soll ain aid leiblich zA got und den haiigen schweren,
B er das recht fürderlich mit im fümemen wolle; und so das recht
n entschaft gewinn, das er sich denn bi demselben aid wider alher
(Der person stellen und ainem burgermaister den sententz und urtail
saigen wöll.
§ 66.
(Item so ain kind under achtzehen jam, manner oder weiber, das
Her und mfttter enterben mögen alles irs g&tz.)
Item wölliches kind auch under 18 jam^ mannet oder weihet
der sines vater und einer m&ter willen, dieweil die in leib und leben
id, dasselb kind mag vater und m&ter wol enterben alles irs gtits,
8 es des nit me erb noch fähig sin soll, ob si wend; und ob si das
)d nit enterben wend, so sind si doch nit gebunden, im ichtzit ze
ben, diewile und si lebend.
§ 67.
(Item hat dann ain kind verfangen gütter, und wer im die mutter
er der vatter abgangen, das im das bliben, allediewil es in leben
, von dem verfangnen gar nichtz z& geben verbunden ist.)
Ist aber ainem semlichen kind vater oder m&ter abgegangen, das
ro dnes dennocht lebet, und das kind verfallnes gutes wartet, so ist
ch vater und mfitter, wölliches denn under inen in leben ist, nit
)anden, diewile es lebt, dem kind von dem verfallnen" g&t nichtz
geben.
§ 68.
(Item so ainer deß andern kind gevarlich nachgieng, und es on
^willigen vatter oder m&tter oder seiner vogt überkomen, das es im
) ee verhieß, was die büß si.)
= § 73».
' Diese 3 Worte stehen nur noch in B und C; in letzterer Redaktion von
vierer Hand durchstrichen.
* D, E und F, sowie Korr. C hahen anstatt «verfallnen» «verfangen?.
* Der Passus «diewile es under 18 jaren alt ist» fehlt von Korr. G an, die
Werdern, wie alle folgenden Red., am Schlüsse des Absatsefl hinzugefügt:
990 Überlingen.
§ 69.
Juden.
(Item so sich ain burger hinder ain Juden verscbrib, wie er gebiezt
Bol werden.)
Item meine herm setzen und wollen auch, das sich nu fürohin
dhain burger mer hinder kain Juden verschreib, weder mit noch one ver-
Satzung ligender noch ^rarender guter; dann wöllicher oder wölliche das
überfürn, der oder dieselben sollen alsdann ir burgrecht dadurch ver
würkt haben, und darzü jar und tag vor der statt^ sin, und nach ver-
schinung deß jars herein nit komen, er hab dann der statt zuvor 30 ff -J*
abgelegt; und sobald er obgeraelter gestalt also von von der statt
verwisen würdet, soll sein hußfrow, kind oder verlassen gut bevogtet
werden, und so er sich gleich nacherwertz weiter gegen iemands ver-
schreiben oder ichtzit versetzen würde, sol dasselb gar kain kraft haben'.
§ 70*.
(Item so ain eegemächit von dem andern abstirpt und kinder
hinder im verlatt, das die kind das bliben eegemächit z& kainem tau
zA trengen haben.)
Item wa zwai egemächit sind, und ir ains vor dem andern mit
tod abgat, und eelich liberben von in geporn verlassend, das dann
dieselben ir kind und liberben, jung oder alt, weder vater noch mütter,
zum tail nit drengen sollen noch mögend.
§ 71^
(Item so ainer für jemaiitz verbürgt one sonder verschribung und
verzihung hinderueks seiner kind oder hußfrowen, das seine kind oder
wib niemand nichtz dabi schuldig sind.)
Wir band auch gesetzt, das dhain erben, es sien wib oder kind,
sond geben dhain bürgscliaft, die iro vater oder ir man one verschribung
und Verzeihung schedlich verhaissen band.
Es mechte aber jemandts die sach so gefahrlich handien, und mit listen den
eitern oder pflegern ald der freundachaft ain kündt haiinblicher weiß appracticieren
oder nachgehen, so soll alßdann bei dem rat stehen, wie solches (Korr. C: «solliche»)
darumb nach irem verdienen gestraffet werden.
* D und E, sowie Korr. C fügen hier noch ein: «auch zu peen fünfzig pfund
pfening verfallen».
* Die unter * genannten Red. haben statt dessen: cberüerte 50 ö ^».
' Der ganze Abschnitt fehlt in F.
* Vergleiche § 193. Dieser und die folgenden §§ stehen von D ab als 23 Titel
unter der gemeinsamen Überschrift: «Von den verfangnen güettern, und war von die
leufigen schulden nach absterben aines ehegemächts vor dem anderen bezalt
werden sollen».
' Dieser § steht nur in A und B.
Überlingen. 297
§ 72.
(Item 80 ain vatter den kinden ire verfangne gütter on ains ratz
bewilligen versetze, das es den kinden kain schaden bringen solle.)
Wir band aucb gesetzt: wer, ob ain vater sinen kinden ir ver-
logen nnd verfallen gfit versatzte oder verkümberte on ains rats und
ainer necbsten fründ urlob, willen und wissen, das das den kinden
kainen schaden bringen soll.
§ 73.
(Der löfBgen schulden halben, so ain eegemechit von dem andern
abstirbt und im kinder verlest, wer dieselben zfl bezalen schuldig si.)
Item so haben auch meine herrn zunftmaister^ imd rät der löfBgen
schulden halben, so ain egemechtit dem andern hinder im nach tod
verlast, wer oder wie dieselben, auch wavon si bezalt werden sollen,
ditk nachvolgend Ordnung fürgenomen und fürohin an meniglich ze
halten beschlossen:
Anvenklich, stirbt ain eegemechit von dem andern ab, und ver-
last im eeliche kinder von ir baider leib erpom, hinder im, ains oder
mer, und daneben löffig schulden, dieselben schulden all und ied, dero
nen wenig oder vil, sollen allain von der varenden hab bezalt werden,
es were dann, das sovil varender hab nit vorhanden wer, damit man
all schulden bezalen möchte. Sodann sollt dem belibnen eegemechit
von aim rat und der fründschaft vergönnen und zugelassen werden,
&in der kind verfangen ligend gut, deßhalb anzugreifen und zfl ver-
kaufen, doch anderer gestalt nit, dann das es den kinden dagegen dasjen^,
80 nß demselben verfangen gut erlöst, in allweg nach notturft vergüng
UDd versichere, inen dieselben erlösten sum hienaeh, es beleih in
witwenstat oder nit, widerumb z& bezalen, darumb auch den kinden
aDe des belibnen eegemechits hab und guter, so es zu denselben zeiten
bat and kunftiglich in koff, erbs oder ander weis überkompt, im allweg
pfiindtbar sin sollen.
§ 74.
(Item so sich das beliben eegemechit wider verhirat und weiter
kinder überkompt, wie es dann der schulden halben gehalten werden soll.)
Zum andern, begebe sich, das sich dasselb beliben eegemechit
nacherwertz in ander weg verhirate und bei demselben auch eeliche
kinder überkom, stirbt alßdann wider ain eegemechit von dem andern
ab und verlast im aber leiberben, und dabei schulden, dieselben löffigen
schulden, si sien von den zwaien erst verhiraten eegemechiten, oder der
1 Alle Bed. von C ab etatt «zunftmaister» «burgermaister».
* Schon B korr.: cdasjenig».
208 Überlingen.
nacbgenden gemacht worden, sollen abermals allain von der yarenden
hab bezahlt werden. Es soll auch dermals, so sich der val begibt, dem
beUbnem eegemechit dham der kind verfangen gftt anzflgreifen yer-
willigt werden.
Actum Hilarientag im etc. 20. jar^.
Als^ sich aber in etlichen vählen begeben und zugetragen, das
uf absterben ains oder beeder eegemecht, so mit verdingtem und un-
verdingtem heirat beiainander gesessen, die glöubiger und Schuldner umb
iro schulden, denen das oder die abgestorbnen eegemecht, bekannt und
unbekannt, nach tod hinderstöllig schuldig pliben, zu bezalung söllicher
irer geitschuldeu nit kommen, sonder umb der rechtsübungen zwispalt
und irrungen willen, so zwischen dem in leben belibnen eegemecht
und deß abgestorbnen freundenund verwandten eingevallen, mit söllich^
irn schulden und ansprachen, unangesehen, das dieselben läufige
schulden von der oder deß abgestorbnen eegemechts verlassenscbaft
one allen abgang bezalt werden mögen, jar und tag z& beschwerlichem
irm nachtail und schaden verzogen und ufgehalten worden sein, wölcbes
ainem erbarn rath mermaln clagsweise fürkommen und angezaigt ist',
derhalben so haben meine herrn burgermaister, ciain imd groß rfith
und richter, in sölichem nachvolgend Satzung und Ordnung fürgenomen
und fürohin an meniglich ewig zu halten errathen und entschlösse,
nämlich :
Wann sich hinfüro begeben, das* . . .
Item^ ob ain ehegemächt von dem andern todts abgehen und
eheliehe künder oder kains von irer leib erporen, darbei aber bekandt
und unbekandt leufig schulden und darzue sovil Vermögens, darvon
die schuldgleubiger bezalt werden mögen, hinder ime verlassen würde,
so sollen durch deß abgestorbnen künder (wafehr änderst ainiche ver-
banden) naeh^ derselben freundt, verwandten oder angemassten erben
zue ainicher thailung der Verlassenschaft nit greifen, auch weder ligenndt
noch vahrendt haab und gueth, wenig noch vil, darvon verendert,
gezogen noch gethailt, sonder zum vordersten und aller ersten innerhalb
zwaier monnaten den negsten nach deß verstorbnen ehegemächts todt
und abgang an zue rechnen alle und jede gleubiger umb ire bekandte
leufige schulden^ eß seie von pfandschaft, zinßen, haußzinßen, geliehen
1 Das Datum steht nur in A.
' Dieser Absatz steht nur in C.
' Dieser Relativsatz später wieder durchgestrichen.
* Dieser Anfang eines neuen Absatzes durchstrichen; dafür: Item ob . . .
* Alles Folgende steht nicht in A und B. (Siehe die Bemerkung am Schluß des
Artikels.) — • Schreibfehler statt «noch».
ÜberlingeD. 299
^ oder waß schulden die seien, und die abgestorben person hinweg
lOmmenS unangesechen und unverhindert der künder, verwandten,
T angemassten erben eingefallner spenn und irrthumben, ald iebender
btfertigung vor meniglichem entricht und bezalt, und volgendts
»rerst und darvor nit durch sie, die khünder, verwandten oder an-
naOten erben, mit der thailung fürgeschriten, oder aber, wa irrthumben
landen, solcher irer spenn halben im rechten procedirt und für-
ahien werden.
Im fahl aber ainiche leufige schulden nit bekandtlich, noch von
* kfindem' fründtschaften oder erben angüchtig weren, se sollen die
«n, künder oder verwandten abermals ainiche thailung mit deß ab-
itorbnen Verlassenschaft nit fümemmen^ auch weder wenig noch vil,
^dts oder vahrendts, klains noch großes, darvon vereussem, kaines-
gs, sonder solche leufige unbekandte und ungüchtpare schulden in-
mdig obbestimpter zwaier monatsfrist, und vor außgang derselben,
m oder der gleubigem' unverzogenlich mit recht erörtern und erleuteren
d aißdann volgendts darauf letstlich nach entrichtung der gleubiger
kandien und unbekandten leufigen schulden ire spennige Sachen,
rdemngen und ansprachen, wie oblauth, gegen ainandem rechtigen,
d darvor ainiche gleubiger mit der bezallung, eß seie mit der güete
er dem rechten, wider iren gueten willen nit aufhalten noch vor-
igeren, in kainerlai weiße, alleß und jeder bei peen und buoß 10 tf den.,
khe allwegen die gemainen erben oder verwandten ires nit bezailens
er gepürenden rechtfertigens halben verfallen sein sollen.
Wo aber jemandts alhie, frauen oder mann, burger oder michi-
um, todts ableibte imd nit sovil haab und guets, darvon die gleubiger,
kant und unbekant schulden, bezalt werden mechten, hinder inen
rHeOen, so sollen aißdann dieselben Sachen alle, auch aineß jeden
sprftch, wie sich gepürt, ordenlicher weiß alhie mit recht erörtert,
d alsdan volgendts ain jeder umb sein auslag, vorderung und zue-
räch Inhalt außgesprochner urthel und diser stat geprauch und recht
trichtet und bezalt werden.
Nachdem nun mer von langen unfurdächtlichen jarn her, und
iger dan sich menschen gedächtnus erströcken mag, in der statt
)erlingen herkomen gehalten und recht gewesen ist: wann ain
gemecht vom andern todts vergangen und kinder von inen beeden
pom verlassen hat, das dann sollichen kindem alle gelegne güeter
isamen gepracht und in werender ehe durch erbfäll überkomen oder
* So. «hat». — * Andere Handechrifb: «noch von den kindem, freundschaften ...»
* Andere Handschrift: «gegen den oder den gleubic^m ...»
800 Überlingen.
mitainander gewunen und fürgeschlagen verfangen gewest sein de^
gestalt, das das beliben eegemecht sein weil und leben lang davon
die abnutzung haben und die erneuten kinder darauß erziehen, auch
zu erlangung irer mundparen jar zfi gaistlichem oder weltlichem stand
nach rath der freundscbaft und disem verfanguen gflt gemeß ussteurn
und beratten machen soll.
Und aber darneben durch ainen alten gebrauch auch ein-
gerissen und an statt aines geschribnen stattuts gehalten werden: wo
sonn oder töchteren, ains oder mer, die von vatter oder mutter ain
Verfangenschaft gehapt, tods abgangen weren uud gleichwol ain oder
mer eliche kinder verlassen haben, so seien dieselben kinder als enicklin,
waverr ir vätter oder matteren kain geschwistergit gehapt, so nach der
statt brauch die Verfangenschaft gehept an statt irer abgestorbnen
vatters oder matter, derselbigen gefangenschafl nit mer vähig gewesi
sonder solche widerumb hinder sich an den anherm oder an anfirauen
kommen und gefallen; darauß bißher allerlai stritt irrung und recbi-
vertigUDg entstanden und erwachsen sein.
Dasselbig alles hinfürter sovil möglich z& fürkomen, so haben
burgermaister und ain ersamer rath^ diser des hailigen reichs statt
Überlingen uß cristlicher oberkait und darzü bewögenden biUichen u^
Sachen, wie inen dar auch ire freihaiten, vom hailigen remischen reich
habend und hergepracht,zft thünonemittel zulassen, hinfiiro in irer stattbiß
uf ir wider verändern zö halten ernstlich gesetzt und fürgenomen, namblich:
Erstlich so soll es hinfürter wie biß anher bei obbestimpter der
kinder Verfangenschaft, so sie ainiche von im vättern oder müttern ;
erleben und erlangen, pleiben und dieselbig strenglich gehalten werden
der gestalt: wann ain eegemecht vom andern tods vergeht und kinder,
ains oder mer, von inen beeden eelich gezillet, verlasst, das dan sollichen
kindern alle gelegne güeter und verschribenzinß, sovil vatter und mutter zu-
samen gepracht und in vverender ee durch erbfahl überkommen oder mit-
ainander gewinnen und fürschlagen, verfangen sein, also das das beüben
eegemächt sein weil und leben lang, onangesehen es verheuratte sich
anderwert oder nit, davon die abnutzung haben; doch soll es ernante
kinder darauß erziehen und 8o sie zu im volkomnen jam und tagen
komen, ussteurn zugaistlichen oder weltlichen ständen, nach rath nechster
gemainer und vertrauter freundt von vatter- und niüttermag, und disem
verfangnen gut gemeß auch dieselben verfangnen güeter pewlich,
weseulich und unabgenglich halten, und one ains ratbs sonder bewilligen
die weder versetzen, verkaufen nocli in ander weg verwenden in dhain weise.
* In der besonderen Abschrift am Rande beigefügt wie im Original: «groß und
klain räth und richter».
Überlingen. 301
Ob sich aber begebe, das die kinder in der ersten ehe erpom, es
ains oder mehr, oder sie alle, vor irem yatter oder mütter tods
engen, also das dieselbigen ir Verfangenschaft erlegt und kinder
eniklin gegen den anherren oder anfra&en, ains oder mehr, nach
hinder inen verliessen, so soll nichtzit dester minder der anherr
anfrau (onangesehen dieselbigen verheuraten sich widerumb und
'kommen ain oder mer kind, vill oder wenig) ir weil und leben
: in voller besitzung, nutz und niessung der Verfangenschaft pleiben
dieselben, wie obsteet in gewonlichen pewen, eem und wesen
smündert und unverendert halten.
Wann sich aber hernach zütregt, das der großvatter oder größ-
ter auch mit todt abgangen und ersterben sein, und ain oder mer
I oder kindskind bei ainem andern eegemecht eelich geporn neben
^rürten eniklin oder kindskinderu hinder inen verliessen, so soll
nglichs bemelten eniklin an irer abgestorbnen vatter oder mutter
. alles dasjenig, so von irem großvatter oder großmfitter seligen ald
elben selten und linien in erbs-, geschäfts- oder gemächtweise her-
pt und sie mit glaubhaftem schein darthün und beweisen mögen,
ainem freien vorauß volgen und werden; jedoch aber die eniklin,
ildig sein, ires vatters oder mütter seligen empfangen heuratgütt,
n außgesteurt weren, widerumb dargegen in gemaine thailung ein-
erfen; alsodann und so das alles gehörter gestalt beschehen, sollen
ends berürte eniklin mit ires vatters oder mutter stiefgeschwißer-
1 oder derselben kinden, bei der letsten ehe geporn, obbestimpte
uigenschaft ganz, nichtzit davon ußgenomen, mitainander durchauß
lie heupter aichelnweise gleich erben und thailen, als manig mund,
nanig pfund.
Glaichermassen soll es, wo der gedachten eniklin vatter oder m&tter
Verfangenschaft nach der statt prauch nit erlebt haben, sonder vor
i vater und mütter gestorben sein, und aber der anherr oder anfrau
lacher andere und mehr kinder oder kinds kinder überkommen,
z&negst hieoben steet, der Verfangenschaft erbschaft und thailung
len auch allerdings also gehalten werden.
Gefüegte sich auch, wie alles zu dem willen deß allmechtigen steet,
dieser vilgedachten eniklin vor abgestorbner vatter oder mutter den
der Verfangenschaft erlebt oder nit, und der großvatter oder größ-
ter kain kind im stand der andern dritten oder vierten ee geporn
oder verließ, so mag alsdann gemelter anherr oder anfrau, welches
BT inen in leben ist, ainen dritthail der verfangenschaft so irem
3r oder mütter nach der statt prauch als verfangen zugestanden were,
men und empfahen, und die andern zwen dritthail sollen berüerten
802 Überlingen.
eniklin an statt irer vatter oder mfitter varfangen haissen, sein ai
pleiben; doch mag berüerter anherr oder anfrau solliche ganze y(
fangenschaft ir weil und leben lang ungemindert und ungeschmök
nutzen und niessen, deßgleichen seinen gepürenden dritthail widenui
in ander weg verheuraten, verschaffen und vermachen durch gott oc
eer, freunden oder landleuten, den gedachten im eniklin, wem oc
wohin sie wellen; welcher groß vatter oder großmütter aber sollichen i
zugehörigen dritthail in zeit seines lebens nit verschaft, verheurat o(
vermacht hette, so soll derselbig nach seinem tödtlichen abgang d
mergemelten eniklin one alls mittel z&steen, volgen und pleiben, i
verhindert mönigUchs.
Und wie es im fahl, allda ain eegemächt, großvatter oder grc
mutter, zu der andern ee greift gehalten würdet, also soll es im &
allda ains zu der dritten, vierten, fünften oder noch weiteren ee gr«
auch gehalten werden.
Doch so hat ime auch ain ersamer rat hierinen sein ordenli
oberkait endlich vorbehalten, in dem allem und jedem jederzeit enderu
zu thun und fürz&nemen^ wie ine den leufken und begögneten ding
nach zft thun f(lr fruchtbar und gfit ansehen würdet, unverhind
meniglichs.
Es soll auch dise Ordnung und Satzung andern aufgerichten, rec
messigen heuraten und letsten willen oder übergaben kain nachth
noch abbruch geboren, wölches jedem burger dem rechten gemeß m
diser statt prauch aufzörichten bevorsteen, und auch gemainer statt
allen andern stattuten und Satzungen unvergrifBich und unabbrüd
sein soll.
Und^ zum beschlus, damit nun hinfüro jedermeniglich in künl
ewig zeit wissen mög, was zwai eegemächt grosvatter oder großmüt
züsamen gepracht, auch den eniklin, wo sich die vähl gehörter gest
oder in ander weg zutragen, Inhalt obberüerter statt satzui
werden und gefallen soll, so haben obermelte meine herrn gros u
klain räth erratten, auch für nottweudig, nützlich und gut angeseh»
das nun hinfürter ewiglich ain aigen und besonder stattbüch auf d(
rathhaus gehalten, auch darzü jederzeit etlich rathspersonen neben u
mitsampt dem stattschreiber verordnet; darein sollen aines jeden
gemächts, deßgleichen seiner hausfrauen jetzige und künftige züsam<
gebrachte heuratgüeter, auch was sonst von ains jeden selten er!
geschäfts-, gemächts- oder Übergabsweise herkombt, ordenlich und und
schidlich (soverr es änderst ains begert) geschriben und verzaichi
^ Diese Nachschrift ist gleichzeitig.
Überlingen. SOS
werden, allain daromb, damit in künftig zeit, wie obermelt, die eniklin
oder kindtskinder unübervortailt plaiben, und jederman recht bescheche;
doch 80 sollen meine herren berüert einschreiben zu ains jedens willen
dasselbig zu fürkomung allerlai künftiger irtumben zu thün oder under-
w^gen zft lassen, und sein abenthür darüber zu besteen.
Nachdem bis anher breuchlich gewest und mit gAter gewonhait
herkomen ist: also wann zwai eegemächit ain verfangenschaft mit ain-
andem genossen haben und sich begibt, das das ain eegemächt, namblich
das, darauf soUich nutzung gestanden, es seie manns- oder frauen-
peraonnen, mit tod abgeet vor sant Johanns tag zu sonnwenden, so soll
den kindem, an diese die verfangenschaft gewachsen unc^ kommen ist, die
nutzung damit auch vervolgen und werden, un verhindert des stiefvatters
oder der stiefmüter; trieg sich aber der faal nach sant Johanns tag zu,
80 gehört die abnutzung von verfangen güeter dem belibnen eegemächt ,
dieweil aber von wegen der costen, so von den eegemächten bei ir baider
leibzeiten zfl erbauung der reben aufgewendt worden, etwas irrung und
miflsverstand fürgevallen, so haben zu abwendung derselben irrung
Uain und gros räth in dem puncten den costen belangendt erleuterung
gethon, setzen und ordnen auch hiemit, das es fürohin in berüerten
&al dermassen gehalten werden: wölcher thail, es seien die kinder, oder
der Btiefvatter ald stiefmüter, die nutzung der verfangen güeter, in
massen als obsteet, empfachen werden, der soll auch den costen auf
nust und stecken dulden und leiden, und was die eegemecht desselben
jaiB den gemaindem fürgelichen^ heten, das sollen die kinder dem
beSben eegemecht, wann des andern abgang vor Johannis beschechen
ist, zft widerkem und zfi bezalen auch schuldig sein ; sonst soll es mit
der yerfiangenschaft besteen und pleiben, wie obstat'.
^ In B: cftür gemainlich . . .»
* Dieser letzte Absatz steht auch in B und zwar — wie ührigens auch in C —
auf der letzten Seite des Satznngsbnchs.
Der hier von § 70 an wiedergegebene Text findet sich, abgesehen von der oben
bsMichneten Ansnahme, vollständig in G, D nnd £. Der Text von dem Absatz an, der
mit den Worten beginnt: cNachdem nunmehr aber von langen uny erdenklichen
jaren ...» bis znm vorletzten Absatz steht unter der Überschrift «Satzung von wegen
der verfiuignen güeter» im Portokollbuch über «alle gebott und verbot des raths zu
Überlingen» von 1552 bis 1562 St. A, Abt. VIII Nr. 187. Vor dem als «Nachschrift»
beMiohneten Artikel ist das Datum beigefügt: «Actum und mit grossen und klainen
ruhen nnd richtem beschlossen samstags, dem 9. Februarii anno 1555». Eine besondere
Abechrift der vollständigen Satzung findet sich in St. A Abt. YlII Nr. 144 in einem
Püpiorbeft von 8 Bl&ttem mit der Aufschrift auf der letzten Seite: «Statutorum über-
liogensiam tit. 28.^ von den verfangnen güettem» u. s. w. (wie oben in Anm 1, zu
i 70 angegeben).
804 Überlingen.
§ 75.
(Item die ordnuug der burger halben, so das ir unutzlich verth&nd
und verhirat sind.)*
§ 76.
(Item ob sich dann ain frow mit iren man derselben unnützen
burger verschribe.)
§ 77.
(Item der unnützen burger halben, sO witmer oder ledig sind.)
§ 78».
(Item ob derselben unnützen burger ainer ditz Ordnung nit halten,
und dardurch sein burgrecht ufgeben wölt.)
Zum vierten, ob dann ain burger, dem sollich Statuten und Ord-
nungen also ze halten nit anm&tig sein, dardurch sin burgrecht ufgen
wölte oder würde, er wer ledig, verhirat oder ain witwer, und het kinder
oder nit, uberfert, als dick ist er verfallen der statt 10 tf ^; wer aber
in denselben fünf jaren, oder nach denselben fünf jam wider burg-
recht empfachen wölt, und den der rat wider ze burger empfieug, der
soll alles sin gut in der statt buch verschriben und verdienen uf den
aide, als lieb im das ist, ungefarlich, und soll auch burgrecht ve^
bürgen nach dem under den gut hat, als ob er nit burger wer geein,
on alle gevärde; wSr aber, das ainer sollich sach zt schaffen hei, das
den rät dücht, das im und der statt sin burgrecht nit füglich wer, von
dem mag der rat wol burgrecht ufnemen on entgeltnus der vorgeschribeu
gesetzte*.
Wir haben auch von gemainer stat notturft wegen zue ewiger
Satzung erraten, geordnet und gesetzt: welches burgerkündt, es seien
knaben oder dochteren, sich nunhinfürter ausserhalb der stat an die
fremde verheuratheu, ir anererbt burgrecht nit besitzen wellen, noch
niemallen besessen haben, sonder stillschweigendt durch aignen rauch
anderer orthen, oder aber öffentlich, mündtlich ald schriftUch, aufgeben,
und dardurch aigenthumblich väterlich oder müeterlich, großväterlich
oder großmüeterlich, ald ander anererbt frei guet von diser stat ausser
der steur ziehen, die sollen von allem dem, so also ausser der Steuer
kompt, aber die heurathgueter darvon ausgeschlossen, den zehenten
pfening zue abzug geben; doch soll er dasjenig, waß ainem hernacher
» §§ 75, 76, 77. 78 = § 119 1. c.
A hat nach dem Text des § 75 das Datum: «Actum und beschlosaen mit j^oß
und clainen räthen in pfüng»tfüren anno etc. 19». (1519 Juni 12.)
« Fehlt von D ab. In A am Schlüsse dieses § das Datum: c Actum und be-
schlossen mit groß und clainen reten in pfingitfüeren anno etc. 19». (1519 Juni 12.)
• Die folgenden Absätze stehen nur in D und den späteren Red.
I
Überlingen. 805
erblicher weiße, alß durch testament, geschäft und gemächt, übergaabs
oder anderer weiße zuesteen mag, hierinnen nit berüeren, sonder ain
jedes daßselbig volgendts nichzit desto münder nach laut gemeiner stat
habenden kaiserlichen freiheiten und unseren gueten ansehen insonder-
heit zue verabzugen schuldig sein.
Welcher burger aber, so nit ain erbburger und sein burgrecht
inhalt der Satzung 10 jar lang besessen bete, deßgleichen, wann erb-
burger ausser dem burgrecht an andere orth ziehen will, der ist nich-
zit zue abzug zue geben schuldig, sonder mag ain jeder mit haab und guet frei,
ledig von der stat ziechen; doch soll er dasselbig zuvor vor unß [nach]
altem gebrauch aufschweren, aber sollich aufschweren und hinwegziechen
weder von rats, gerichts noch anderer ämpter oder Sachen wegen nit
bescheeben, noch dasselbig dannzuemall in solcher gestalt von niemandts
angenommen werden.
Wa aber jemands, so in der michi ist, von der stat kompt und
an andere orth ziehen will, daß oder dieselben sollen auch vor allem
dem, so sie haben, den zeheudten pfening zue abzug geben.
Und ob ain witib ir burgrecht vermannen, oder in all ander weg
and in waß schein geschechen mechte, und haab und guet ausser der
stenr an andere orth ziechen würde, die soll gleichfals von allem dem-
jenigen, so sie hat, oder ir in wehrendem burgrecht durch erbs, geschäft
oder anderer weiß zuegefallen, hie ald von andern orthen, wa daz were,
den abzug geben ohne alle einredt.
Wa sich dann erbfeil mit güetem, so in gemainer stat etter und
stenr gelegen, begeben und zuetragen, und dieselben güeter durch
frembde, so nit burger sein, verkauft worden, dardurch daß gelt ausser
der stenr gezogen würdt, so sollen dieselben frembden unangesechen,
sie seien in gerichten oder ausserhalb gesessen, solch erbfeil auch mit
dem zehendten pfennig verabzugen.
Und welcher burger oder einwoner dißer stat nunhinfürter ainem
frembden, so nit alhie gesessen, ainich ligendt guet, es seien garten
oder andere güetter, so in gemainer stat etter gelegen abkaufen wolte
oder würde, der soll den kaufschilling nit von banden lassen, eß seie
dann zuvor gemainer stat umb ir abzuggelt entrichtet und bezalt worden,
bei straf 10 tf ^.
Demnach^ wider alt herkommen sich mißverständt eraignen wollen,
waß gestalt namblich dazumahl, da etwas durch testament, codicill
oder anderwertliche Verordnung auf den todtsfahl gestellet in unver-
bnrgert ohnsteuerbare band erwachsen solte, der abzug gegen dem rent-
stiblein zu erstatten, alß haben klein und große räthe allen disen
1 Dieter Absatz steht nar in E, der folgende nur in F.
OberriMlnlMhe Stadtrechte, n. 2. ^
306 Überlingen.
abzuhelfen, zu hellem Statut und zue ewiger Satzung verordnet, dass auf
dergleichen fahl einen der abzug mit parem gelt von der unvertheilten
erbschafb völlig abzulegen und zu entrichten sei.
So haben meine herm auch auß beweglichen Ursachen gesetzt und
geordnet: wann ins künftig eins oder das ander burgerskind, maus- oder
weibsgeschlecht, sich mit frembden und nit verburgerten verheiraten
würde, daß entweder keins aus ihnen beeden burger sein, oder das
frembde sich auch mit erstattung der gewohnlichen requisiten sieh vor
der hochzeit umb das burgerrecht gebührend bewerben solle.
Wir haben auch gesetzt: wöllicher der ist, dem sein biurgrecht
von aim rat sondere jar aufgehalten wirdet, der sein steur jarlichs bis
miterfasten nit rieht, das der oder dieselben alßdann ir burgrecht dar-
durch verwürkt haben sollen.
Item wöUichem auch sein burgrecht also sondere jar aufgehalten
würdet, der soll schweren ain aid zA got und den haiigen, unsere
burger umb all schulden, so er inen ze th&nd ist, vor seinem abschaiden
allerding abzulegen und bevügig ze machen, das er auch ainem ieden
an dem ort, da er sitzen, rechtz sein werde.
Item dem auch dermassen sein burgrecht aufgehalten würdet, so
der in der bestimpten zeit nit widerumb alher ziehen würde, sol derselb
durch sein abwesen und das er anderstwo hußhäblich gewest wer, das
burgrecht auch verwürkt haben.
Doch^ so haben sich groß und klain reth hinfüro z& ewiger Satzung
gegen meniglich strenglich ze halten entschlossen, das nufürohin
kainera unserm burger der sich mit husheblichem wesan und wib und
kinden von und usser unser stat hindanthüt, ob sich glich derselb steur,
wacht und all ander beswerungen nicht destminder, wie ain anderer
burger ze tragen erpieten würd, noch dan sein burgrecht kaine sondere
jar mer ufgehalten werden, besonder soll derselb sein burgrecht darvor
ufgeben. Wa aber ain eingesessner burger oder burgerssun sich uß
thapfern redlichen Ursachen usserhalb unser stat in dienst begeben oder
verpflichten oder sunsi umb ander ursach willen ain Zeitlang und anzal
iar usser land thän, iedoch nit mit husheblichem wesen von hinnen
ziehen und anderswa husheblich enthalten würde, dem oder denselben
mag ain ersamer rath nach gestalt der sach sein burgrecht wol sondern
iar ufhalten, wie ain rat für gut ansieht.
§ 79.
(Von auf- und annemung der newen burger, auch schweren ald
aufsagung und verbrechung des burgrechts, und abzug oder nachsteur.)
^ Dieser Absatz stammt von anderer Hand; steht nur in A und B.
Überlingen. 307
ünd^ welcher nun hinfürter in dißer statt alhie burger werden will, der
soll dasselbig anfenglichs gleich bahr, iuhalt der alten Ordnung, mit
5 ff ^ erkaufen, und darauf ainen gelehrten aid leibUch zue got
und den balligen schweren, zechen jar lang, die nechsten anainander,
ain eingeseßner burger zue sein, auch daß er hinder kainen Juden behaft,
noch weder vor hofe- noch landgericht rechthengig seie; und welcher
also gehörter gestalt zue burger angenommen würdt, soll volgendts über
daz bestimpt bahr bezalt burgerrechtgelt der 5 ff ^ die ihr
geschribnen zechen jar auß jerlichs und aines jeden jars allain und
besonder neben seiner ordenHchen geschwornen steur noch weiter ain
pfundt Pfennig burgrechtgelt in gemainer stat seckel erlegen und ant-
wurthen; wann und sobald aber dieselben zechen jar verruckt und
verscheinen, sobald alßdann solch pfund pfennig burgrechtgelt abgehen und
üedlen, und kainer weiter nit dann zue erlegung seiner jarlichen steur
angehalten werden. Ob aber ainer vor ußgang der zechen jaren todts
ablebte, so sollen sein verlaßen witib, künder oder erben die übrigen
außetenden pfundt pfennig zue ervolgung berüerter jähren nichzit desto-
minder neben der jerlichen steur auch erstatten.
Würde oder wolte aber jemands sein burgrecht alhie vor außgang
und verscheinung bestimpter zechen jar widerumb Aufschweren, und
sich an andern orth ziehen, so soll ain jeder von allem seinem Ugenden
und vahrenden haab und guet, sovil er dessen danzuemallen in ver-
mögen hat, den abzug oder nächstem* Inhalt gemainer stat habenden
freihalten nach begeren und guet ansechen aines ersamen raths erlegen,
deOgleichen und darzue auch schuldig und verbunden sein, die übrigen
auOstenden pfundt pfennig, sovil sich derselben biß zue ervolgung dern
zechen jaren erlaufen und außstendig sein werden, vor seinem abzug
und verenderung haab und guets gleich also bahr gemainer stat zue
entrichten und zue bezallen ohne alle ein- und widerred.
Doch ob jemandts hievor im burgrecht gesessen und von seinen
eitern hero ain geborner erbburger oder burgerin geweßen, aber solch
burgrecht ufgeschwom und sich ain zeit lang an andern orthen endt-
halten hete, wann derselben ainer, eß seien mans- oder frowenpersonnen,
widemm in das burgrecht begern, und von unß, dem rat, zue burger
angenommen würden, so soll dieselben obangeregte Schätzung nit binden,
sonder mit inen hierinnen nach altem brauch gehalten werden, also daz
ain jeder solch burgrecht nit hocher dann mit 5 ff ^ wider an sich
erkaufen. Ob aber ainicher erbburger oder burgerin mehrangeregtes
burgrecht vor außgang bestimpter 10 jaren abermals aufschweren weite,
* Die Überschrift, sowie die ersten 8 Absätze dieses § fehlen in A und B.
90*
308 Überlingeu.
80 soll kain abzug oder nachstpeur noch nichzit weiters an sie erfordert werdeu,
auch dieselben ainichen zue geben schuldig sein überall in kainerlai weiß.
Item wer der wer, der burgrecht* ufgeben wölt, der sol das thfin
vor ainem gesessnen rät nach der statt gewonhait und herkomen, und
alda schweren ain aid, das er in vierzehen tagen den nechsten mit
weih und kinden von diser statt, und uß dem etter ziehen, und in
5 jarn alhie uit mer sesshaft, auch sich mit seinem leib von diser statt
nit verendem wöll, er habe sich dann mit den Schuldnern, denen er
zethond ist, vorhin betragen.
Wir band auch gesetzt: wer der ist, der unser burger ist, und der
von ungehorsami wegen burgrecht ufgibt, darumb das er nit bui^r-
maister, ratzher noch zunftmaister, noch ain sechsundzwainziger
und ain ailpfer werde, ob man des an in kompt, wölh'cher darumb
burgrecht ufgibt und darumb nit schweren will, das er es darumb nit
thfige, der soll fünf jar vor der statt sin, usserhalb unserm etter, und
soll in auch die fünf jar kain unser burgrecht nit schirmen, und
soll auch die fünf jar unser burger nit haissen noch sein.
Wir* band auch gesetzt: wer unser burger ist, es sien frowen oder
man, der burgrecht hie ufgibt, und es der rat von im ufnimpt, der
soll sich nach dem tag, als er burgrecht hie ufgeben hat, in den
nechsten vierzehen tagen, on alles verziehen mit wib und mit kinden
von der statt usserthalb unserm etter ziehen, und darnach in den
nechsten fünf jarn nimmer hie sessliaft werden, es wer denn, das er
änderst burgrecht empfieng, und soll auch derselb alles das gut, das
er in dem etter hat, fürbas, dieweile er nit burgrecht hat, in gastes
wise versteuren und verdienen, und wer sich darüber in den nechsten
vierzehen tagen von der statt also nicht züchet, als dick er^
§ 80
[Verbot, liegende Güter an Gotteshäuser und dergleichen zu geben.]
= § 80.
§ 81.
(Kain gut an ewigkaiten komen lassen.)
= § 81^
Wir band auch mit klainen und grossen räthen gesetzt: nachdem
wir ain Zeitlang und biß anher zugesehen, gestattet und geduldet in
' Von C ab hier eiogeiilgt: «obgeschribner massen . . .».
* Dieser Absatz steht nur in A und B.
* Hier bricht der Text ab. — * Dieser und der vorhergehende § stehen in dieser
Fassung nur in A und B. Vom folgenden existiert eine besondere Abschrift. (S. unten.)
Überlingen. 809
anserer statt und derselben etter, deßgleichen in unsern und unsere
gotshauß spittals gerichten jedermeniglioh, onangesehen, ob er uns schon
weder mit dem bargrechten noch gerichtzzwang zfigethon geweßen ist,
seine gefallens und willens die gelegnen güeter hin und wider z& ver-
kaufen, auch zum thail (wie unsere voreltem) an die ewigkaiten und
sonst uß unserer burger einsässen, zugehörigen und verwandten banden
in frembder, ußlendischer, gaistlicher und weltlicher personen gewalt
kommen lassen, uß welchem allem mitler weil (wo hierinnen von uns
nit, wie durch andere unsere genachberten herm und stett, notturftig
und zeitlich einsetzen beschehen) nichtzit anders zu gewarten, dann das
durch angeregte ewige ergebungen und der frembden eintringen lest-
lich der niererthail der besten und gelegnesten güeter von der statt und
den gerichten, auch auß der bürger, ainwoner, hindersässen und zft-
gehörigen banden und gewalt nit mit geringem nachtbail und schaden,
andern aber zfl großem vorthail und gutem gezogen werden, und letstUch
mit beschwerden widerumb z& erlangen sein möchten.
Wiewol wir nun niemaln bedacht gewesst und noch nit sein,
jemandts an fürgenommen christlichen werken oder gotzgaben abzu-
halten, noch an ufrechten getroffnen köufen and conträcten, ald sonst
an eines jeden nutz oder frommen z& verhindern, sonder vilmehr uns
schuldig erkennen, z&vorderst gottes deß allmechtigen lob und ehr, auch
der unsern und jedermeniglichs wolfart und gedeihen unsers vermög-
clichen fleiß z& befürdern,
so haben wir demnach obermelte eingerissne beschwerden und
andere mehr treffenliche Ursachen uns hierzu bewögend, sonderlich
aber, wer künftiglich uns, gemainer unserer statt und allen den unsern
uß diser entstandner onordnung begögnen und für beschwärlichen
eingang gepören mag, für äugen genommen und in craft habender
unserer Privilegien und freihaiten, auch uß gewalt der oberkait und
unwidersprechenlicher Jurisdiction in unserer statt, auch unsern und unsers
gotzhaüß spittals nidern gerichtlichen oberkaiten, zwingen und penen,
ditz hernach geschriben ewige Satzung und Ordnung fürgenommen,
wollen und gepieten auch, das dieselbig nun hinfürter von unsern und
vermelts unsers gotzhauß spittals burgern, einwoner, underthonen,
hindersässen, zügehörigen und verwandten strenglich und ewighch
gehalten, auch deren gelept und nachgangen werd.
Namblich erstens, so solP nun hinfüro dhainer, es sei burger
oder einwoner, deßgleichen underthon, hindersäß, zügehöriger und
> In D und E, sowie Korr. C statt dieser 4 ersten Worte: cWir hond auch
^Mer sonderbare bewegenden artfachen gesetzt, das ...»
810 Überlingen.
verwandter, in der statt und uf dem land, in unsern und ermelts^ unaen
spittals gerichten gesessen, so uns und demselben spittal zA versprechen
steen, von kainem stift, eloster, gotzhauß, kirchen, altar, samlang, spittal,
veldsiechen, noch an ainiche andere eewigkaiten, dieselbigen alle ains
oder zum thail seien uns oder obbemelten unsern gerichten z&gethon
oder nit, kain aigen gftt mer weder hauß, hove, acker, wiseD,
gärten noch ichtzit anders, klains noch groß, wie das immer qamen
haben mag, so in unserer statt, auch derselben etter, deßgleichen in
unsern und merbemelts spittals gerichten gelegen, verkaufen, noch in
ainich ander weise oder weg, es sei durch erbfähl, haimsteur, übeigab
oder schankung, umb gelt oder durch willen, doran kommen lassen,
ganz überall in dhainerlai weise.
Deßgleichen auch dhainer, er sei, wie gehört, in der statt oder
unsern ald des spittals gerichten gesessen oder nit, ainich ligend gflt
mer gegen frembden und ußlendischen personen, so uns, dem rath oder
dem spittal nit zftgehörig noch verwandt, weder umb bargelt, borg,
leibding oder sonst hingeben, vertauschen öder verkaufen bei straff
10 9f den.
Ob* aber ain soHiches von jemandts unwissender ald ungevarlicher
weise beschehe, so sollen doch diejenigen, denen solHche güeter köuflich
oder sonst zfi seelgreth gegeben werden, in jarsfrist, der nechsten, die-
selben angenomne güeter alle und jede ainem unserm eingesessnen
burger oder ainwoner, oder wo solliche hingegebne güeter in imsem
oder unsers spittals gerichten gelegen weren, ainem andern, der uns
und unserm spittal verwandt und zügethon ist, unverwägert köuflich
zustellen; wo aber ainer dasselbig nit thun, sonder übergen wurd, so
soll doch sollich gut widerumb an deß gebers, verköufers oder testierers
nechste pultserben, und im fahl dieselbigen sich deß güts in dem
nechsten monnat nach dem jar weder güetlich noch rechtlich nit under-
ziehen weiten, alßdann uns und gemainer unserer statt in beeden ob-
angeherten stucken aigenthümblich, auch genzlich und gar haimgefallen
haissen, sein und pleiben, one einträg jedermeniglichs.
Zum andern soll auch liinfüro niemandts, weder fronen noch
mann, Pflegschaften noch andere Verwaltungen, sie seien haimsch oder
frembd, und uns mit burgrecht oder gerichtsbarkait verpflicht oder nit,
ainich ligend gut mer, wie dieselbigen durch erbfahl, kauf, übergab,
leibding oder anderer weise an einen jeden kommen und immer namen
* Dieses Wort fehlt natürlich in der voreeits unter * genannten Redaktion.
* Dieser und der folgende Absatz stehen nur in der besonderen Abschrift.
Überlingen. 811
haben möchten, so in unserer statt oder dem etter, in unsem oder mer-
bemeltsmisersspittals gerichten gelegen, gegen frembdenundußlendiscben
Personen, so uns und unserm spittal nit verwandt sein, weder umb
bargelt, porg, leibding, heurathgAt, Vorweisung, oder umbsonst in ainicb
weg vertauschen, versetzen, verschenken, noch in kain ander weiß
onwerden, sonder solliche güeter ainem unserm burger oder ainwoner,
ald unsem und deß spittals gerichtzverwandten jederzeit in zimlichem
leidenlichen gelt, one alles beschwerlich angedingt, vor jedermeniglichen
z&steen und volgen lassen, bei straff 10 tf den., die ain jeder, er sei
haimisch oder fremd, sooft er hierwider handelt gemainer unserer statt
z& bezaln schuldig sein solL
Würde aber ainer mit verkaufung, vertauschung oder Verwechslung
der güeter gehörter gestalt gegen frembden und uß wendischen personen
f&rforen, ald andere haimUche contract und vergleichungen, damit die
unsem von den güetera getriben werden möchten, machen, sollen
doch solliche kauf und abredungen weder in unserer statt noch ober-
melten gerichten ganz und gar dhain craft, würkung noch fÜrgang,
sonder ain jeder der unsern an denen orten, allda das g&t gelegen und
er seßhaft ist, alsdann volkommen gwalt und macht, auch freien offnen
weg haben, denselbigen kouf, unverhindert deß ersten frömbden, one
ainiche Simulation, betrüg, arglist oder geverd verfailset und z& geben
bewilligt worden ist, anzAnemen und an sich z& pringen. Wo dann
dhainer von bürgern, underthoüen oder hindersässen, die uns zägehörig,
verbanden, wölche berüerte verfailsete und angeschlagne gelegne güeter
der frömbden angepotten kaufsuma und piilichen dingen nach köuf lieh
an sich zu lösen nit gelegen weren, so soll sollich gClt jar und tag
jedermeniglichen abermals zu failem kauf offen sein dergestalt und
also, ob nach verscheinung berüerten jarsfrist dhain köufer, der in ^ den
gerichten gesessen und uns oder unserm spittal zägehörig, vorhanden
were, alsdann sollen die geschwornen Schätzer aines jeden orts, alldo
sich soUiche fahl in der statt oder unsern ald deß spittals gerichten
zflgetragen, unverzogenlich in die güeter geschickt und besichtigt, und
wie volgends dieselbigen durch berürter verordneten schauer ordenliche
erkondigung iren aiden nach geschätzt und angeschlagen werden, als-
dann uns und unsern nachkumen hiemit in craft der oberkait jederzeit
vorbehalten sein, das oder dieselbigen güeter in der statt oder uf dem
land, soweit sich unsere und unsers gotzhanß spittal nidern gerichtz-
zw&ng erströcken thftnd, der Schätzung gemäß, wie dieselbigen, als
vorsteet, durch die verordneten Schätzer angeschlagen werden, zfi
' In C von späterer Hand am Rande eingefügt: cunserer statt oder . . .».
812 ÜberlingeD.
gemainer unserer gelegenhait nach andern unsem^ undertbonen, biüd6^
Bässen, widerurab hinzögeben, zft verleihen und Z& verkaufen, wie uns
bemelter unserer statt und der unsern halben jederzeit für ratbsamlich,
nutz und gfit ansehen würdet.*
Wir^ band auch gesetzt: wer der ist, der dem andern sein haus
ald hof, oder sein garten, oder ainich sein aigen göt, das in den ettem
ligt, anspricht anderschwo, dann vor unserm gericht zu Überlingen,
behöpt er das anderschwo, wer der ist, der das koufet, der soll nimmer-
mer burger werden zu Überlingen; der es auch empfahet oder pawet,
der soll die grossen ainung richten, alls dick er es thüt.
Wir* haben auch gesetzt: welcher unser burger ainich sein aigen
in unserm etter oder darvor gelegen zue lechen machet, ohne rats Urlaub
und guust, der ist der stat verfallen 100 U ^, und soll jar und tag vor
der stat sein ausserhalb unserm eter; sich mecht auch ainer also
frevenlich darinnen halten, daß ain rat darüber sitzen und in furo
darumben straffen mechte.
1622 Und* demnach sich vielfältig begeben und zuetragen thuet, das
die burgerskünder bisweilen für sich selbsten, bisweilen aber mit vor-
wissen ihrer geliebten eitern, negsten befreundten, herren vögt und
pflegeren auß der statt in andere frembde orth und herrschaften sich
verheurathen, haushäblich niderlassen und in gemainer unser statt etter
und gerichten ligende güeter haben, oder zue heuratguot und Wider-
legung empfahen, deßgleichen hernacher ererben, darauß dann jeder-
weilen nit allain große slritt, irang und niißverständt erwachsen, sonder
auch vorderst gemainer unser statt, sodan ainer ehrliebenden burger-
Schaft sonder abruch, nachthail und schaden erfolgt und, da solchen
durch gebürende mittel nit solte gesteurt werden, noch verner anwachsen,
und die ligende güeter mittler zeiten gar von der burgerschaft gar in
* In C von späterer Hand am Rande eingefügt: «burgern, . . .»
* In C fügt (iieselho npätere Han<l bei: «solliche güeter zu n^mraen oder nit».
E setzt weiter binzn: «docb je'leHmahls und allezeit mit erstattunggehüehrendten
weinkaufs, und was an solichem ligenden guetb notli wendiger weis verbawen oder
verbenseret wäre worden».
Bis hierher geht der Text der besonderen Abschrift. Diese, ein Papierheft
in 4 Blättern, befindet Pich in St. A. Al»t. VIII, Nr. U4 und trögt auf der letzten
Seit« die Aufnchrift: «Exiract unser dem vierten HatzungHbüch am 16. l»Jatt, anno 1553
ern« wert und gemacht»
' Diener Ahpatz stimmt mit § 50 St. II. ülierein und sollte hier als § 82 auf-
geführt werdon. In (/ und den folfijenden Red. erscheint er hier und wird deshalb
des ZusammenhHnges wegen hier mitgeteilt.
* Dieser Ai>Hatz ^teht nur in D und E.
* Alles Folgende steht nur in E.
I
Überlingen. 818
fiembde hand komen möchten; demselben nun zue fürkommen und
me begegnen, so haben wür burgermaister, klain und groß räthe mit
zeitlichen vorgehabtem rath vernünftiglich, bedachtlich und hailsamlich
uns mitainander ainhelliglich bedacht und entschlossen, thuend auch
dasselbig hiemit und in craft darumben habenden kaiserlichen freihaiten
und b^;nadigungen condendi statuta et leges, und wollen, daß nun hin-
furo alle diejenigen, so aus dem burgerrecht und gerichten, durch was
gelegenhait das imer seie, ziehen und in der statt, derselben etter imd
gerichten zwang ligende güeter haben, oder zue heuratguot und Wider-
legung empfahen, von iren eitern und andern befreundten erben, oder
soDsten durch gescheft, vermächt, übergaab, schankung und in ander
weg überkommen und an sich bringen, dieselbigen innerhalb jahrsfrist
linder die burgerschaft zuo verkaufen schuldig sein sollen. Da aber
jemandts desselbigen sich sperren und verwaigern wolte, solle alßdan
ans und unsem nachkommen hie und in craft der oberkait vorbehalten
sein, das oder dieselbige güeter in billichem wert oder auf unserer
geschwomer Schätzern anschlag und Schätzung zue gemeiner unserer
statt handen zue nemen, Selbsten zue behalten, ald sonst unserer ge-
legenhait nach under unsere burger widerumb hinzuebegeben und zue
verkaufen, wie uns, bemelter unser statt und der unsern halber ieder-
zeit für rathsamlich, nutz und guot ansehen würdet.
Im fahl aber ain fremder und außländischer in mergedachter
unserer statt etter und gerichtszwang ligende güeter gegen fremden
verkaufen, vertauschen oder verwechslen werden würde, solle es der
zugsgerechtigkait halber gehalten werden, wie oben darvon geordnet
nnd vermeldet worden.
Were auch sach, das jemands sein erkauftes burgerrecht die
bestirnte fünfzeheu jähr beseßen hette und nach verfließung derselben
von der statt und auß dem burgerrecht gleich wol ziehen, dannach aber
in [der] statt etter und gericht anfügende güeter behalten wolte, der
solle ohnge^chtet seines erseßnen burgerrechts solche güeter ebuergestalt
zu verkaufen schuldig und verbunden sein, oder uns abermahls frei- und
bevijrstehu, dieselbigen zue gemainer unser statt handen und gewalt
zue ziehen und nach billichen dingen gegen der burgerschaft zu ver-
kaufen, ohne einred, Verhinderung und eintrag meniklichs.
Decretum durch klain und grose räth dornstag nach dem hailigen
pfingstag, von Cristi geburt gezehlt sechzehenhundert zwainzig und
: 2wai jähr.
§ H2.
[Betrag für eine Meßstiftung.]
= § 133.
814 Überlingen.
[Wer an den Rat gesetzt wird, darf nicht in Anderer Dienst stehen.]
= § 16 der Beilage zu St. ü.
§ 82«.
[Recht des Gläubigers an den Gütern eines Schuldners, der, ohne
seine Schulden zu zahlen, die Stadt verläßt.]
= § 14 der Bl.
§ 83.
[Verbot der Ladung vor fremdes Gericht.]
= § 30.
§ 84.
[Verbot der Pfändung um Gült.]
= § 31.
§ 85.
(Vom gedingten heiraten.)
Wir hand auch gesetzt: wöllicher burger ain wib nimpt mit
der gedinge, das er verbürget oder ainen vall gedinget ze geben, der
git der statt 10 flf ^; wölUcher unser burger och' denselben des hilfet,
der soll dieselben büs och' geben, und soll fürbas kain burgrecht hao/
§ 86.
[Strafe für den, da außerhalb der Stadt seinem Herrn dient.]
= § 47.
§§ 87-94.
(Die folgenden 8 Absätze stimmen mit den §§ 59, 61—64,
66—68 1. c. überein.) ^
§ 95.
[Einschränkung der Gültklagen.]
Wir hand auch gesetzt, das dhain unser burger dhain clag habe,
oder ieman verbiet ald heft umb dhain gült von den, die fail gut
fürend in unser statt, oder win kaufen und den verfüren wend, und
die clag tugen von ir hern wegen, es war denn, das si im von aigner
gült oder von bürgschaft gebunden weren.
* Dieser und der vorherj^ehende § stehen in dieser Fassung nur in A und B.
* Alles folgende steht nur in C und den späteren Redaktionen, die einleitenden
3 Artikel stehen nur in C und der besonderen Abschrift. (Siehe Bern, unten.)
» Dieses Wort von späterer Hand über der Linie.
* Dieser Absatz steht nur noch in B und C.
* Diese §§ fehlen in der Red. von D ab.
Überlingen. 815
§§ 96—100.
(Die folgenden 5 Absätze stimmen mit den §§ 119, 135, 141, 142,
1. c. überein.)
§ 101.
[Verbot, Holz in die Stadtgräben zu l^en.J
Wir haben auch gesetzt das niemand kain bolz in die greben an
er statmaur legen solle, bei straff 5 tf ^.
8 102.
[Blaichordnung.]
Item nachdem dann von unserm blaicher albie allerlai clag ob
. fix)wen blaichens halben entstanden, haben wir gesezt und lassen
er ieden Irowen zCl, das si ir selbs uf irm aigenthumb und den almen
in 20 eleu tüchs und darunder, aber nit darüber, wol blaichen
gen unverhindert des blaichers und meniglichs, doch soll[en si]^
ler leuten weder seinen fründen, haimschen noch frembden, iemand
geschlossen, nichts blaichen noch blaichen lassen, wenig noch vil,
ler umb gelt noch umbsunst ganz in dhainen weg; wer das überfert,
1 mag der blaicher alsdann das tüch wol aufheben, und rieht ain
» darzü der statt 1 9f ^.
§§ 103—106.«
(Die folgenden 4 Absätze stimmen überein mit den §§ 9— 11 der Bl.)
§§ 107—113.
(Die folgenden 7 Absätze stimmen überein mit §§ 69, 82, 83,
, 7 der Bl., 6 der Bl, 90.)
§ 114.
[Von der Steuer.]
Item^ so ist auch von meinen hern gros und klainen rät der
p halb als von wegen der aignen und verfangnen guter, wie die
)liin mit den buwen von ainer steur zu der andern versteurt werden
en, nachvolgend mainung erraten:
Item anfenglich, was ainer an sinen aignen, es si an hüsern,
kein oder dergleichen gutem, so er die bessert und nit von newem
awt, bis in 20 ff ^ und darunder erbäwt, das darf er nit versteuren ;
* Von [bis] durchstrichen und dafür am Rande von späterer Hand angefügt:
iniglich in der statt und den vorstetten blaichens uf den gassen, desglichen uf
i kirchhof stillsten ; es soll och jemantz . . .».
* Die §§ 108—117 stehen nur in A.
* Am Rande von späterer Hand zu sämtlichen über die Steuer handelnden
ikeln bemerkt: «Non legatur; wirt jerlich in der stür gelesen».
816 Überlingen.
verbawt er aber daran 20 tf ^ und darob, es si wenig oder vil, das
alles soll er in die steur legen.
Item bawt er dann ain hus, dorkel oder dergleichen guter uf
ain alten stock oder in die vier muren, oder uf plose hoflFstat gar von
newem, es si dar vor ain alt hus oder dorkel darauf gestanden oder nit,
das sol im von geschworuen schetzem gesehetzt werden, und alsdann
nach derselben Schätzung sollicher gestalt in die steur komen.
Item verbawt er dann an ainem alten hus oder dorkel halb als
vil, als dasselb sin aigenthum werd und in die stür komen ist, oder
darob, soll im fürter dasselb gftt uf sin beger auch gesehetzt werden
und nachmals also, wie es von newem gesehetzt wirdt, in die stür komea
Dergleich soll es mit den verfangnen guter auch gehalten werden,
wann ainer in gestalt, wie oblut, uf ain verfangen gftt ain new huß
oder torkel bawt, das soll fürter von geschworuen schetzern auch ge-
sehetzt werden, und den kinden als ain verfangen gftt uf ir Unien komen,
und was er alsdann am selben orten verbuwen hat, soll er halben tail
und die kind auch halbtail schaden tragen, und er den andern halbtail
in allweg uf demselben der kind verfangen gftt haben.
Item was dann ainer under 30 ff ^ an ainem verfangen gfit ver-
bawt und bessert, des sollen die kind kain schaden haben; verbawt er
aber daran 30 ff ^ und darob, soll er alsdann aber halbentail der ver-
bawen sum uf demselben verfangnen gut haben.
Were aber sach, das er an ainem verfangnen gut sovil verbawte,
das es den halbtail desselben verfangnen aigenthumbs, wie es in die
steur gelegt were, erlüffe, oder darob, soll denmals dasselb verfangen
gut abermals gesehetzt werden, und wie es gesehetzt wirdet, sollicher-
mas den kindern uf ir linien komen, und sovil er dann daran verbawen,
soll er aber nit mer dann den halbtail derselben verbuwen sum gleicher
form, wie oblut, uf dem verfangnen gut haben, und den andern halb-
tail, dieweil er sunst die guter in weesenlichen eren und buwen zu
halten schuldig ist, in allweg fallen lassen.
Und was ainer in vorgeluterter gestalt an sinem aignen oder
ainem verfangnen gut verbuwet, es si w^enig oder vil, das alles soll er
in glaubhaftem schein oder aber uf sin aid anzeigen.
Item und sol ain ieder, vater oder müter, die kind von der nutzung
der verfangen guter ,: si die kind haben für sich selbs aigne guter
oder nit :| mit essen, trinken, klaidung und anderm sinem vermögen
gemes erlieh uferziehen; deßglich, so si zu irn volkomen iaren und
tagen komen, handwerker oder anders lernen lassen, w^as sich ains
ieden stat nach zu thün wol gezimpt und gepürt, es were dann,
das die pfleger mit vergunsten der oberkait und fruudschaft die kiud
Überliogen. 817
ain hohe schfil oder studiurab schicken, zfi priesterlicher wirde ziehen,
r anders sius vaters stat und vermögen ungemäs lernen lassen wollten.
Das sollen sie alsdann thün von der kind aignen gütern und der
er dermals für das, das im über dieselben sine kind sunst, so er
ain handwerk lernen lassen hete, gegangen were, nach zimlichkait
stür auch darzfi geben.
Item der schulden halben, was ainer schuldig ist, vor dem und
BT steurt, es sien verbrieft oder unverbrieft schulden, die er vor sant
lanns tag im sommer bezalen soll und m&s, die mag er an der
enden hab wol abziehen; streckte sich aber die bezalung der-
^n schulden über sant Johannstag weiter hinus, soll er die wie
andere varende hab verstüren.
It€m wie ain ligend gut anfenglich in die stür kompt und gelegt
det, es gang in der stür uf oder ab, dermassen soll es, bis es zu
en kompt, unverendert darin bleiben.
§ UbK
inung und Satzung, wie es mit den berenden bomen, und der
Setzung derselben umb die statt soll gehalten werden.]
Item was bom, wöUicherlai die sien, und von alter her gesetzt
1, die sol man lassen stan und absterben.
Item was bom man aber ietz setzen wil, die sol man setzen in
hgeschribner gestalt:
Item die bom, so man imbtet', die sol ieder uf das sin setzen
1 7 schüch weit gegen sinem anstosser.
Item nußböm soll ain ieder 24 schflch weit gegen seinem anstosser
:en.
Item bandstöck^ 7 schüch weit von sinem anstosser setzen.
Item wa berend böm stand, da soll ain ieder davon das anreis
•en dem, uf den das anreis vallet.
Item und ob aber mit den alten nußbömen ainich anstosser
wert z& sein vermainte, so sollen diejenen, denen dieselben nußböm
:ehorig weren, sollich nußböm hinweg thfin, und aber so soll dem,
den nußböm hinweg thün müs, von sinem anstosser ain zimliche
lerlegung und ergetzlichait beschehen nach erkantnus der verordneten
iner hem* der rät.
' Steht nur in A.
' Impft, veredelt.
« Weiden.
* Auf Rasur.
318 Überlingen.
§ 116^
[Aufnahmebedingung für Fremde.]
Wir setzen auch: So ainer in meiner hem oder irs spitals gericht
ziehen will, oder sich darinn verhirän, oderain frembden halshem hete, der soll
nit angenomen noch alda enthalten werden, er bringe dann von seinem
halshern besigelt* verwilligung und urkund, alledieweil er in unsem
gerichten seßhaft si, das er inen in allen irn geboten, verboten, raisen,
diensten, raißgelten und allen andern uflegungen, wie sich die begeben,
gehorsam und gewertig sin wöU, doch simst seinem halshem an seinen
Valien, leßen, hoptrechten, steuren, zinaen, vaßnachtbennen und un-
genossami unvergriflfenlichen und unschedlich.
§ 117».
[Rechtsverhältnis der Bürgerkinder bezüglich des Bürgerrechts.]
Item der burger halben, so sich usserhalb unser stat verhelfen
und hinusziechen, so ire kind nichtdestminder burger sien oder nit,
ist erraten, das die kind des vaters oder m&ter verschulden an dem ort
nit entgelten, sonder nicht destminder ir burgrecht, wan si des, so si
z& irn tagen komen, begem, und sich meinen hem gefellig gehalten,
haben sollen. Würden sich aber dieselben kind, so si zdi iren tagen
komen wern, nachgends usserhalb enthalten, es wer bim vater oder
müter oder auderswa, und daselbs aignen rath haben, sollen dieselben
alsdan ir burgrecht dardureh verwirkt haben/
§ 118.
(Rebstecken kouf.)
Wir setzen und wollen auch, das niemands kainen stecken ab
dem steckenmarkt füren oder nemen solle, er habe dann zuvor darumb
ainen ußgetruckten koflf gemacht, und das die stecken zuvor besichtiget
oder geschowet sien. Wöllicher das uberfert, wirdet gestrafft umb 5 flf ^.
Es soll auch ain ieder, der stecken kofft hat, so er gefragt wirdet,
was die costen, sagen, wie er die erkauft liab, bei der obgeschribeu
büs; deßgleich sol niemands, weder haimschen noch fremden, mer
stecken oder mist kaufen oder zu kaufen bestellen, dann im selbs oder
an die pfleg, darzü er verordnet ist. Wöllicher das uberfert, der rieht
der statt die obgemelten büs, und sol ain ieder burger den überfarer
zu rügen schuldig sein.
* Steht nur in A. — ^ Die ersten drei Buchetaben auf Rasur.
3 Steht nur in A.
* Dieser Absatz von derselben Hand mit blasserer Tinte.
Überlingen. 319
§ 119.
acbträgliches Bekanntwerden der Leibeigenschaft zieht Verlust des
Bürgerrechts nach sich.]
Auch haben meine hem gros und ciain rät erraten und gesetzt :
lliche die sien, die burger sind oder burger werden, die erfunden
rden, das si oder ire wib und kind aigen weren oder nachjagend
^ beten, das si dann ir burgrecht und zunft verloren haben. Und
llicher auch in mas, wie obsteet, also erfunden wirdet, der sol in
natsfrist nechst von diser statt gan und fürter darinnen nit sein.
§ 120^
[Weinordnung.]
(Die ersten 3 Absätze stimmen mit den §§ 18 — 22 der Bl. überein.)
Item der alten und newen win halben, so zt zelten underainander
ogen werden, haben meine hern gros und klain reth ernstlich an-
echen und wollen: Wer farohin alten win mit newem, oder newen
I mit altem anziech oder vermisch, das der oder dieselben sollich
I fürohin alhie bi uns weder bi dem becher schenken, noch auch uf
wegen oder in ander weg verkoffen, besonder selbs in irm' hus
linken sollen, bi straff 20 tf ^.
Deßglich, welcher oder welche die weren, dieheffwin oder alten win, der
rch ain stock geloffen wer, beten, die sollen dieselben bi oban-
laigtev pen and straf hinfür uf die wegen auch nit verkoffen; aber
selben win hin in der stat gegen aim burger oder biwoner zu ver-
fen und och bim becher zu schenken, ist meniglich erlopt.^
Es haben auch meine hern gesetzt, das fürohin im iar vor und
ch Sant Martins tag kain burger noch biwoner kainen wein usser-
Ib der statt steur gelegen uf gwin kaufen vmd alher in unser statt
9r nachend her zu füren, und hie noch usserhalb unser statt an der
lie wider verkaufen noch ußschenken soll. Wöllicher das uberfert,
r rieht der statt 20 ff ^. Doch so mag ainer wein, der im usserhalb
: statt steur uf seinem aigen erwachsen^, oder an schulden worden
re, zwüschen herpstzeit und Sant Martins tag wol herzu und in unser
tt füren und den alhie verkaufen oder ußschencken, wie im geliept.
Es sol auch fürohin dhain kiefer, wiert, noch ander unser burger
sh biwoner, iemand ußgeschlossen, furo kainem gast, so der hie
d gegenwirtig seie, win koufen, oder mit ime gan, dan^ allain die
derköffel.
J §§ 120—124 stehen nur in A. — * Anf Rasur.
' Diese 2 Abs&tze sind von derselben Hand mit blasserer Tinte nachgetragen.
* Im Text «erwachen». — * Auf Rasur.
320 Überlin^n.
So aber ainem kiefer, wiert oder ainem andern burger oder bei-
woner vom gast Überfeld gelt alher zfigeschickt und er deßhalb gebeten
würde, ime win darumb zö kaufen, des hat er alsdann wol macht;
doch soll er ainen underköffel zfi ime nemen und dabei haben und
one denselben für sich selbs allain nichtzit handien.
Deßgleich, so ainer ime selbs win verkaufen wölt, des bat er on
ain underköffel auch wol macht.
Und ob aber zun zeiten ain burger nit anhaimsch were, mag er
wol ainem kiefer oder anderm burger oder bei woner befelch thün, im
seine wein gegem gast zu verkaufen, das auch alsdann demselben in
deß andern abwesen und sunst nit auch erlaupt und zugelassen sein
soll, doch mit geding, auch nit änderst dann in gegenwirtigkait ains
underköffels, wie oblut.
Und soll ain ieder underköffel die wiert, kiefer und ander burger
oder beiwoner, so der obbemelten artikel ain oder mer überfüren, bd
seinem aid zä rügen schuldig sein.
Es soll auch fürohin kain burger, weder wiert, gessellierer, kiefer
noch ander, noch auch dhain beiwoner kainem gast kain wein usserhalb
unser stat, ienhalb noch herdiset des Sees koufen noch in weisen, oder
ainich anlaitin geben.*
Dergleichen wollen meine hern, das fürohin, wie von alterher,
kaiuem gast kain faß alhie in unser statt geeichet werde, er lade dann
den win alhie oder im ether.
Wöllicher auch wein alhie kaufen will, der soll den im keer,
darin er ligt, versuchen, und in kainem geschier weder in glesem,
kanten noch anderm daraus tragen, vor und ee der kauf beschlossen
ist. Deßgleich so soll kain frow, die ainen eeman hat, über die wein
zu verkauffen gefürt werden, der eeman si dann nit in land.
So auch wein verkauft und abgefürt würdet, so sind koffer und
verkoffer den weinladern nit schuldig, mer weins in den bainapf zö
geben, dann ieder ain quart, und was si im keer nit außtrinken, ist
man inen für den keer hinus gar nichtzit ze geben schuldig.
§ 121.
[Hennen.]*
Item wir wollen auch, das die, so hener haben, dieselben be-
schneiden und also halten, damit die niemands kain schaden thugen;
* Die 6 letzten Worte durchstrichen. Dafür von anderer Hand: «Derglicben
8ol kain burger noch biwoner kainen ^ast ienderthin für die statt weisen, alda win
ze koiFen; wer das überfert, der rieht der statt, so oft er«! thüt, 1 U ^*. Vgl.
§ 93 1. c. — ' Diese und die folgenden Überschriften stehen, von anderer Hand ge-
schrieben, am Rand. Dieser und die folgenden 2 §§ nur in k.
Überlingen. 821
aber iemands hener an seinem schaden oder in dem seinen ergreift,
* mag die zfi tod sebiessen, werfen und schlagen.
§ 122.
[Hündbengel.]
Wir wollen auch, das niemands kain hund mit in die garten für,
)r one angehenkt bengel laufen las, bei straff \ U ^.
§ 123.
[Ausbessem der Fahrwege.]
Wir setzen und wollen auch, das ain ieder die farweg vor seinen
tem bessern und in wesen behalten soll. Wer das nit thet, den
Uen meine hem darumb straffen.
§ 124.
[Krieg ziechen.]
Item wir^ setzen und wollen auch, das niemand der unsem
1er unsem allergnedigsten hem, ain remischen kaiser, könig, noch
ch das hailig remisch reich' in krieg ziech. Wer des überfert, der
bt der statt unabläßlich 20 tf ^}
§ 125.
[Offen Wucher.]
Wir setzen und wollen auch: Bei wöUichem offenlicher wucher
ünden, und er deß überwunden wiert, das der der statt auch 20 tf ^
ableßlich zfi bezaleu verfallen sein soll. Es möchte auch soUichs
aands so gefarlich bruchen, ain rat behalt im sein straff gegen den-
ben in allweg bevor.
§§ 126—130.
(Die nächsten 5 §§ stimmen mit den §§ 76, 76, 77, 78 1. c.
erein.)*
§ 131.
[Vom Ansprechen der Bürger.]
Item wer ainen unsem burger anspricht, das er sin aigen, ald
i unverrechtnoter amptman, ald nachjagender vogtman sie, wie man
n besetzen sei, das wisend allwegen die ainungen und btLndnussen,
den die steet oder hem mitainander band.
1 Anf Rasur. — * Am Bande von anderer Hand: €oder bundt». — ' Dieser §
eht nur in A, B nnd G. — « Die §§ 126—181 stehen nnr in A.
ObtRbalnlKhe Stadtrechte. IT, 2. 81
Sfit Überpagoi.'
§ 182.»
[Strafe ftir fliabtor.]
Wir hand auch geaefart: WOUiche rob koffimd, od« in piurii
namen ichts darauf Uhent und i& behaltent, die richtau der rtattS f ^
§ 188 » § 116.«
§ 184.
[Vom Zins.]
Wir hand auch gesetart, das allwoieniglidi, ee aien buiger oder
geet, die koufte zinsgelt hand von hfisem oder von hofifatefen, ea äia
der statt oder vor der statt, die an den steten ligend, die mit aoi
stOrend, die zinshem send' den dns widergeben ae ksen, iren mm
gölten ain ^ umb 15 ^, ain ß umb 15 ß ^, als es rieh ge^irt nadi
der viU, also das die zinsloser das den zinshem ze Sant Jaoobe tag
geben sond. Ist aber, das die zinshem das y^rsprediend und es oit
nemend, darnach sind die zinsloser immerme^ ledig von dem zins; ioA
sind si des hoptgftts den zindiam gebunden. Ist aber, das die m»
löser das hoptgAt bringent nacäi Sant Jaeobs tag, so sond si den zins
desselben jars mit dem hopigikt den zinshem bringen.
§ 185 = § 132.
§ 186 = § 126.
(Ist durchstrichen.)
§ 137.
[Unwirksamkeit der Verpfründung an ain Gotteshaus.]
Wir setzen und wollen auch, so künftiglich sich ain burger zi
ainichem gotzbus oder spital verpfrenden weit, und sich in ain ir hus
in unserm eter gelegen setzte, das der oder dieselben nicbtdestminder aim
rat gehorsam sein sollen; und ob es sich dieselben understan würden,
ain gotzhus zu irm erben ze machen und sich deßhalben gegen selben
gotshus ichtzit verschriben oder sunst verhaissen würden, so soll doch
dasselb kain kraft haben, und seinen natürlichen erben an der erbschaft
unnachtailig und ganz unschedlich sein.
§ 138.
[Vom Spielen.]
Wir* haben auch gesetzt: wer spüllen will, daß der spüUen soll
umb bahr pfennig, die zugegen seindt; es soll niemandts spüllen, auf
* Vgl. § 115 1. c; fehlt in D und den späteren Redaktionen. — • Die §§ 133—138
stehen nur in A. — • Korrigiert von anderer Hand in: «daz dieselben zinshem send . . .».
— * Dieses Wort ist durchutrichen. — * Dieser 1. Absatz steht nur in D und des
spateren Redaktionen.
Überlingen. 823
igen, auf kain gewerschaft, auf kain übergeweth, noch auf kainen
i; wer aber daß darüber thet, der richtet der statt 5 ff den. und
>cb weder verlust noch gewinn kain crafb haben nach dem rechten,
velcher gast daz überfert, der rieht der stat die straf zwifalt.
[tem des spils halben setzen und wollen meine hem, das in der
md gesellierer auch andern heusern alle listlis spil uf wirfei und
1 ganz und gar abgestelt und vermiten werden; doch wölten
frömbd lüt und gest im bret ald uf der karten one listlispil in
iert, gesseUierer oder andern heusern kurzweilen, das megen si
nl umb ain roUibatzen und darunder, aber nit darob, wol thun
>ruchen, und mögen aber unser burger mit denselben frembden
gasten in obbemelten massen auch kurzweilen und nit anders
m, und sollen die wiert und gessellierer, wa es anders gebrucht
n wölte, soUichs nit gestaten, besonder Würfel und karten ufgeben,
va darüber anders gemacht würde, so sollen der oder die, so dar-
theten, auch der wirt, gesselUerer und ander, so des gestaten,
sooft das beschech, umb 1 ff ^ unabläßlich gestrafft werden.
Und nachdem sich bißher zum dickenmal ob dem spil begeben,
iner von dem andern gelt genomen und im bei trewen an aidstat
i hat, nit mer zu spilen, sooft er aber spile, so soll er im ain
;elt8 oder geltswert zu thün oder zu geben schuldig sein; darus
lerlai leichtvertigkait entstanden. Darumb so ist von ainem erbern
raten, das hinfüro kainer dem andern dermassen gelt geben, und
ner peen gelts oder geltswert das spil erbietten solle.
Deßgleichen, ob ainer hievor dergleichen gedink mit dem andern
Fen hat, so dann dem, der das spil also verlopt hat, von dem
n ztk spilen erlaupt wirdet, so sol in sollich gelüpt darnach nit
binden, oder er schuldig sein, dem andern ainich peen gelts oder
rert, so oft er spilte, darnach mer zu geben.
Es soll auch hinfüro kainer zu dem andern auf dem spil legen.
Es soll auch kainer mit dem andern mer auf dink oder kreiden
I, oder ainer dem andern auf dem spil ainich gelt leihen. Sooft
das beschicht, so soll der, der also schuldig wirdet oder entlechnet
lem andern darumb nichtzit zu geben oder zä bezalen pflichtig
schuldig sein.
Und ist die bös und straff" iedes stucks insonder ftlnf pfund
»ig.
Es möcht aber das letst stuck so gevarlich gebrucht und geübt
ön, das ain erber rat dasselb nach gestalt der Verhandlung straffen
).
81^
SU Oberiiageii.
§189.» ■
[ICatktoidniii]^.]
Wir setzen und wollen aucb, das nun fbxohin btm bmger, ein- j
woner oder gast wed^ kes, hflner, aier oder ander esswdig düng, aneb
werk oder anders dergleich, vor der xeiti so diser sWl venlin offenffiA
oi^esteckt wirdet, weiter oder mer, dann sovil er sA seinem iogom
huOrath und brach notturflag ist» nf dem maikt nit koffen säle; dfl^
gleich sol auch niemändt vor doMlb^i seit nf den p&agen andi nicbl-
zit ufko£fen.
Item wann aber der statt venlin ofgestedi wirde^ alsdann hat
meniglich, gest, burger und brnwimer, sft dem alkm weftmi weg.
Item was audbi unser buxger oder beiwoner aMe in unser statt #
den pfragra ufkoflt, das sol er nadimals alhie und im eter nit widei
verkaufen, aber usserhalb hat er weiten weg danft.
Item es soll auch kein buiger noch beiwoner ichtat, das s& Mm
koff uf den markt getragen wirdet» in sdn hus ufttdlen lassen.
Bs soll auch meniglich vor den thoten khtot uflmffen, bescmd«
aUes, das zft v^kaufen alher gebracht wirdet, uf den madct komot
lassen.
Item es soll auch kain buiger, beiwoner, noch gast mit
umb ichtzit, das z& fiailem koff an markt kompt, sftvor dingi-
koff machen der gestalt, mög es höcher nit verkaufen, das ers umb
dasselb gelt annemen wolle.
Dergleich wollen auch meine bern, das fürohin kain burger, noch
beiwoner, kainem gast noch frembden, vor der statt gesessen, icbtdt,
weder an jar- noch wocbenmerkten alhie ufkoff, und als erkofft uß
unser statt zuschick.
Dann, wöllicher oder wöUiche burger, beiwoner oder gest der ob-
bestimpten stuck, puncten und artikeln ainen oder mer uberfüren, dem
oder denselben, so oft und dick es beschicht, werden meiner bern
knecht denen bei irer verpflieht, ainem burgermaister gethan, uf die
ding sonder ufsehen ze haben, und die überfarer 'ze rügen und der
oberkait anzezaigen bevolhen ist, alles das nemen, das si bi inen über
meiner hern verpot koffl oder verkofft sein erfunden, und nicht dest-
minder wirdet darzft ain ieder köffer oder verköffer, so darwider thüt,
von der oberkait gestrafft umb ain pfund pfennig.*
1 Steht nur in A.
* Sämtliche 8 Abs&tze sind ein^i^klammert; am Bande steht yon anderer Hand:
€Non legatnr, ist geendert ainstails, und wirt die Ordnung all jar- nnd wochenm&rkt
an ainer taffei ufgehenkt».
Überlingen. 825
§ 140.
[Polgen der Versagung des michi.]
Item wöllich personen von meinen hem in das micbi nit ange-
men, sonder inen das versagt wirdet, dieselben sollen fürter alhie
der in dienst noch ander weg ufgenomen noch enthalten werden,
er das überfert, der rieht der statt 3 tf ^.
§ 141.
[Aufnahme von Dienstknechten in die Stadt.]
Item es soll auch kain dienstknecht in unser statt von iemands
^nomen werden, er sei dann zfivor von ainem Statthalter oder zunft-
lister der zunft, darein der maister gehört, geft^rtiget und hab ge-
iworen, wie der stathalter oder zunftmaister in bevelch hat, bi straflF
ff ^.
§ 142.1
[Strafe für Forstfrevel.]
Item meine hern wollen auch, das kain ir burger in den an-
essenden banholzern holz howen oder darus füren sollen. WöUicher
er* dasselb thete und von dem banwarten ergriflFen oder darumb
clagt würdet, der ist von iedem Stumpen holz, so axgrösse hat, zu
8 verfallen 3 jl ^, es were dann, das derselb stump espin wer oder
rrholz, so sol die büs nach gestalt der sachen und deß übergrifiFs
Q den richtern erkennt und gesetzt werden. Wöliicher aber klain
Iz, so geschickt were, achsin oder grösser, oder gros aichen, buchen,
er dergleichen hölzer gevarlich abhowen würde, so sol dieselb strafiF
nessiget und geschepft werden nach gestalt deß Schadens, so dann
oait beschehen, und wirdet allweg der, deß die far gewest ist, ob
chwol ain anderer die brecht, fürgestelt und gestrafft. Damach wiß
b ain ieder zu richten.^
§ 143.
(Zutrinken.)
Item meine hern haben auch got zö lob, zu vermeiden das un-
tnschlich zutrinken, so zun zeiten fürgat, ernstlich angesehen und
Uen, das fürohin niemand, weder alt noch jung, maus- noch frowen-
der, zutrinken, noch den andern darzu zwingen, raizen, noch anmuten
^ Steht nur in A.
s Hb.: über.
» Von späterer Hand ist hier eingefügt: «Wer auch am maientag, vor oder
£b, im jar meinen hern, ainem ersamen rat, tbannen in iren hölzern abhaut, der
M der statt von jedem reiß 10 ß J[». Vergleiche oben § 59.
Überliogen.
6üll. Wer das überfert, den will ain rat darurab an seinen Hb hertiglici
ßtraifen,
§ 144.^
[Ungewonüch schweren,]
Item tueine bern wollen auch, das meniglich die gotzleateni^
und das unmenschlich schweren vermeid und abatell; dann wöllieher
oder wölliche, es weren frowen- oder mansbilder, jung oder alt, erfimdHi
würden, dm diser nachgeschribneu schwier ainen oder mer thün und
schweren wf len, nämlich bei gotes leiden, crtitx, marter, fünf wuüdeo,
kraft, immacl :, herz, kree, lune oder leber, darzü der nam gotes ge
uempt wirdet, i ;, irer mülch, bei dem aacrament
hei dem him* er andern derglicheu uncristen-
lichen Bchwieren^ aie ^ :lich darurab strafl«en, den aiueu
an seim gfit, den anderr n driten am leben» ieden oach
gestalt seiner verschuldi :h menigklich zu halten.
Und sol ain ieder dui^^.. lin woner, der darbei w*ere, and
eoUich zfitrinken oder uucristenij fotzlesterung^ wie vorgeschribeß
stat, sehe oder horte, bei seinem aiL schuldig sein, die überfarer m
liegen uud anzögeben, und darin niemands verschont werden.
Und volgen hernach die straffen allain umb die gmainen schwier
hindan gesetzt die nngew^onlicfaen besen schwier:
Item wöllicher dem andern das fallend Übel wiuschet, so ist die
straff 2 ^\ und wüUicher got dabi schwert, ist 4 ^.
Item wann ainer dem andern den riten winseht, ist 4 .*f und
nempt er got darzö^ ist 6 ^j.
Item w^öllicher seh wert bei den hailigenf wöllichen haiigen er
nempt, ist 2 ^.
Item wöllicher bi gotes liden oder seinen wunden, oder gineß
glider Schwert, und got darzö nempt, ist 3 jl ^,
Item wöllicher bei unser frowen glider schwert, wie er das uod
got darzü nempt, ist 5 jl ^.
Item wöllicher schwert, das dich der ewig fläch ankom, ist 1 ß ^;
nempt ainer got darzfi, ist 3 jj ^.
Deßgleichen, wöllicher schwert, das dich all plagen ankom, ist
1 [J ^; nempt er got darzö, ist auch 3 jj ^.
Die schwur möchten auch so gros sein, es würde ainer von ainem
rate in seiner gepür hoch und merklich gestraft, ist ainem rat vorbe-
halten.
> Dieser und der folgende § stehen nur in A.
Überlingeo. 827
§ 145.^
[Von der durch Regen angeschwemmten Erde.]
Item nachdem sich zb zeiten, so die gissinen koinen, und ainem
t erd US seinem garten in seins nachpum g&t flösen, die irtung zu-
gt, das dan derselb vermainen will, sein erd in des andern garten,
ier zu seinen handen ze nemen ; beclagt sich aber der ander, das im
lieh erd nit on schaden in sein garten komen imd deßhalben im zA-
rig si, haben sich meine hern, klain und groß räth der mainung
tslossen : was von erd oder baw dermasen us den gütern an die baw-
g, almen, oder die strasen von himel geflöst werde, zu demselben'
1 allw^ ain rath schiben und verordnen, und was sich dieselben
bliesen, und wie si die, so tail an sollicher erd oder baw ze haben
mainen, entschaiden, dabi sollen si hüben.
Was aber sollich gissinen von erd oder baw uß ainem garten in
D andern, oder in die grasweg der guter flösen, das soll denselben,
*wil es inen ilit an schaden darein komen si, bliben.
§ 146.
[Form der Testamentserrichtung.] i»«»
Item es ist von meinen hern, klain und grossen rethen, zö ewiger
zung ze halten beschlossen: Welcher' unser burger* oder burgerin;
woner oder biwonerin, hinfüro ain gescheft oder gemecht bi uns in
3er stat im todbeth thün will, dieselb person soll zu im berufen zwen
i ratz oder gerichts, und darzü ain unverlümbteten erbern burger;
1 was si alßdan vor denselben dreien bi g&ter Vernunft verschaft
i vermacht, das soll furo, so si also todes abgieng, kraft haben nit
ider, dan obs vor gesesnem rath beschechen und mit rechtlicher urtl
tat were*; würde aber der allmechtig derselben person sovil gnad
lihen, das si desselben irs begers widerumb ufkem, will* si® dasselb
rescheft', so es nit verbrieft were, nachmals under besigelter urkund
:reftigen, und gescheft brief in nottürftiger form darumb ufrichten^
tr wa das nit beschäch, soll es füre kraftlos haisen und sein.
Wölte dan iemands ain gescheft oder gemecht bi gesundem gen-
n* leib thün, das soll zu im berufen drei deß rats oder gerichtz,
i zö denselben zwen erber, unverlaimbdet burger; und waß es vor
> Steht nur in A. — ^ Auf Rasur.
* Ein zweites «welcher» ist durchstrichen. — * Auf Rasur.
* Am Rande eingefügt von anderer Uand: «es sei verbrieft oder nit».
* Hier von anderer Hand eingefügt: «dan das».
^ Hier von derselben Hand, wie bei • am Rande bemerkt: «so si im todbet
iian hette, fQrgang gewinn, soll si das . . .»•
* = Gehendem. Fehlt in allen übrigen Redaktionen. (In B durchstrichen.)
Überliagen.
ma ifen verschaÄ und mit brieflicher urkund in nottürftig^r
^ uMeM% das adi aber kraft haben nit minder, dau obs vor ge*
ani xath beck^hechen und mit rechtlicher urti bestat war.
Begebe sich aber in sterbenden löfen^ das ains, so in krankbait
: Jiejeoigeii meiner hern der reth deoiimals nit gehaben oder bekoraen
, iKKlaim mag es zft im oemmen und berufen drei erber unvef
ii»det burger; und was es vor denselben vereehafft und vermacbt,
\ber kraft haben nit minder, dan obs vor gesessnem rat volstreckt
mit rechtUcher urtl bestät wer, es sei verbrieft oder nit; doch will
lelb person, so ir der allmechtig irs legers wider nfgeholfeü bete,
i: sdbig gescheft fOrgang gewin, soll si das in gestalt, wie oblut, wa das
verbrieft were, inachgends under besigelter urkntid auch bekreftigeo
uuU gescheft brief in nottürftiger form darumb nfrichten, oder wa das
clt beschechy eioll es furo auch uichtz mer gelten, besonder kraftlos
■lisen und sein.
Actum pentecostes im XXII jar.^
§ 147.
^ " • [Vom Strafvollzug.]
Itöm umb bessere gematner statt nuix willen, und ouch x& ?er*
itten Unwillen, so ineinen hern täglichs nf den rüken wechst, so
iiaben meine hem fürohin gegen menigtieh strenglich ze halten erneV
lieh augesechen und wellen: wölcher oder welche hinfüro, es sei m
frävel, hendeln oder andern straffwirdigen eachen in oder nsserhalb
rechtens an gelt gestrafft, das dann^ dieselb geltstraff unabläßiich und
on alle gnad von im einzogen und* hierin ainich fürpitt, es beschech
von kaisern, königen, fürsten, hern, dem adel, den stetten oder andero
sondern personen, mit nichten und von iemand angenommen werden
solle. ^ Besonder sol der, so wie oblut, umb ain frävel oder andres
mit oder one recht gestrafft wirt, im fusstapfen von ungeltem bei ge-
schwomem aid gefertiget werden, meinen hern denselben nach gepruch
und altem herkomen abzulegen, und biß er demselben statt thfi, leib
und g&t von diser statt nit zu verendern on wissen imd willen ains
burgermaisters.
Actum pentecostes im XXIII jar.^
* Auf Rasur. — * Das Datum steht nur in A. — » Auf Rasur.
* Das Wort «und» ist durchstrichen; daffiram Randevon anderer Hand: «ime
zft bexalong derselben ainich zil noch tag gegeben, auch . . .».
* Das letzte Wort durchstrichen j dafür das folgende von derselben Hand am
unteren Ende des Blattes angefügt. — « Das Datum steht nur in A.
ÜberÜDgen. 329
Und het er denselben, lut der hern ungelter vertigung, zu bezalen im
seinem vermügen nit, und wisste meinen heru darumb nit trostung ^°^^'* ^*
th&nd, soll er, er sei burger, beiwoner oder gast, alßdann fenklich
;enomen, und alda in fengnus bei muß, wasser und brott, unange-
en kaiserlich, küniglich, fürsten, bern, der stett, noch anderer sonderer
sonen fürpit, on alle gnad so lang enthalten werden, biß er den-
t>en frävel im thum aller diug abgelept und verbützt hat.
Und soll im nämlich, für jeden tag iusonders fünf Schilling pfen-
; abgon.
Würde dann ainer gegen dem andern das gegenrecht bruchen,
d im umb seinen begangnen frävel fürstand und abtrag zu thün,
htlich abbehalten, wa es alßdann in desselben vermügen auch nit,
d der, so im rechten gesigt und obgelegen wer, meine herren wider
anrftffen würd, soll es gegen demselben imib des andern frävel, wie
m seinen und obbegrififen ist, mit fanknus und in allweg aller-
issen euch also gehalten werden; imd wann er lut der Ordnung ob-
melt seinem frävel dergestalt mit dem thum verbützt hat, fürter uf
1 alt geschworen urfech wider ußgelassen, und dem andern alßdann
in straffgeit, so er darvor erlegt hatt, wider hiuußgeben und gezelt
irden.
Actum und beschlossen mit klain und grossen raten sampstags
ich Martini anno XXIII. ^
§ 148. 1591
itzung und Ordnung, wie es soll in gantrechten gehalten werden.)^
Demnach bißanhero je und allwegen und lenger, dan sich men-
len gedächtnuß erstrecken mag, in altem ieblichem gebrauch, gewon-
it und herkommen gehalten worden, daß in allen und jeden cessionen,
hen und gantrechten, so sich alhie vor herrn statamman und underm
kgericht begeben und zuegetragen, gemaine stat und von derselben
gen die verordnete stüblinsherrn umb iren außstand, eß seien an
ireln, buoßen, strafen, boten, verpoten, umbgelt, jar- und raißsteuren,
aggelt, auch umb allen und jeden bauzeug, materialien, alß in daß
chhauß, bauknecht, zeugwarth und dergleichen sachen vor allen
iem gleubigern verbrieften und unverbrieften schulden, den Vorgang
d prioritet gehabt und gewunnen ; so ist aber doch nur^ ain zeit hero
i ain geringer strit deßhalben und er den gleubigern^ entstanden und
Juni 6.
^ Das Datum steht nur in A.
' Diese Satzung steht als Tit. 25 nur in D und den späteren Redaktionen.
• Wohl Schreibfehler statt: «nun».
* Der Passus von «geringer» an von derselben Hand am Rande.
Qberlingen. 881
dieselbig ihr bezallung, wie obsteet, auch bei irem verschribnen under-
pfand suochen, und wann ainem etwaß darau abgeht, bei deß haupt-
Bchaldners anderem gemainem haab und güetern, so niemandts
verschriben seiend, oder in mangel derselbigen bei den mitgülten,
bürgen und gewehren suochen, aller vermög und in craft dißes allge-
mainen ratentschluß und decret durch klain und große rät sament-
lieh und mit ainanderen ainhelliglich entschlossen.
Actum donnerstags nach dem hailigen pfingstag, von Christi unsers
lieben herrens und seeligmachers gepurt gezalt fünfzechenhundert
neunzig und ain jar.
§ 149.
(Von^ brunst und feursnoth, auch straf dero, uß welcher vahrlässig-
kait solches beschicht.)
Wir band auch gesetzt: in wölchem büß ain feur ufgat, wer in
dem büß wirt ist, ob der das feur verbergen will und die thür nit
ufthfit, und auch nit schreiet, und ob das sein nachpuren sehend, das
er in dbain weise das für ofiFneti, so mag ain sein nachpur darüber
schweren, und rieht ain sölicher, der das für verbürget, der statt 20 Sf ^.
Wir gebieten auch: wölche zfi dem feur nit laufend und das für
ijit helfend löschen, die richtend der statt 1 8f ^; es möchts auch
ainer so frevenlich überfaren, ain rat behalt im sein straff bevor.
Und wo hinfürter ainem, er seie, wer er welle, reich oder arm,
tags oder nachts, in seinem hauß oder wohnung ain feur oder brunst
aufgehen sollte, und deßhalben ain feursgeschrai und zulaufens würde,
dero jeder soll ohne alles mittel umb 20 «? ^ gestrafft werden; wover
aber ainer dieselben armuet halben zue bezallen nit in vermögen hat,
der soll solliche in dem blatterhauß, inhalt der Ordnung, abdienen, es
were dan, daß etwann ainem ain camin ungefährlicher weiß angienge,
der solle hierinnen nit strafpar sein. Deßgleichen, ob jemandts in seiner
behaußung ohne sein selbst, seines weibs, künder oder dienst, verwahr-
loßung ain brunst entstiende, und dasselbig sich kundbarlich erfende,
darinnen will ime ain ersamer rat jederzeit weit weg haben und behalten
straf fürzuenemmen nach begegneten dingen und gelegenhait der Sachen,
wie es aines jedtwedern oder der seinen verschulden und verwahrloßuug
im werk mit sich bringen würdet.
> Überschrift und leteter Absatz nur in D und den späteren Redaktionen.
(Vom* abtrelten von freuod und echwagerscliaft wegen £ue rath uod
gericht.)
BHS^
Demnach alhie 'm klaio und großen räthen, wie auch in undi
oberm statgericht von alters herkommen und in lebliohem geprauch
gehalten worden ist, daß derjenigen, von welcher w^en im rath ader
gtricbt gehandlei würdet, bluotfreund, schwäger und verwände darbri
nicht sitzen gepUbeo, sonder derweilen vom rat oder gericht uß- uod
abgestandea, dadnnen aber nach und nach allerhand noordnungen und
mißbrauch eingerüsBen; solchem* nun sovil möglich zub fiirkomeß,
haben klain und große rät gesetzt und geordnet, thuend das auch
hiemit daß fürohin, sowol in klain und großen räthen, als im
gericht, niemandts von bluetsfreundschaft oder achwagerschaft balteB
und abtretten, noch abzuetreten schuldig sehi solle, dan ain großvat^r
wegen seiner enklin, ain vater wegen seiner kündern; hinwiderum ain
enkliu wegen seines großvaters oder großmueter, ain aohn wegen seioer
eitern und derselben geschwiistrig, alsda seindt des vaters oder mueter
brueder oder Schwestern, sodann von zwaien oder aiuem bandt ge-
echwistrig, geschwistrige küuder, ain brueder wegen seines bruedeR
haußlrowen, oder seines schwestermaunes, item ain brueder wegen
seines bnieders oder schwesterkünderu, deßgleichen ain achwecher wegen
seines dochtermanng oder sunsfrawen, hinwiderum ain docbtermatiii
wegen seines schwechers oder schwiger, und dann ain jeder wegen mimt
hausfrowen, geschwistrigen und derselbigen künder. Wer aber dißero
zuewider bandlen, und namblich da aiues, so jetztgemeltermassen ver-
wandt, nit abtretten oder der weiter verw^andt, abzuetretten sich an*
masseu würde, der ist und soli sein gemainer stat den klainen frevel
also 1 tf ^, ver&Uen.
Ratificirt den 16, novembris anno 1607.
§ 15L«
{Vom verbottenen fiaisch essen.)
So haben klein und grose räthe gesezt und geordnet, daz niemandts
ohne rechtes vorwissen baider, so gaist- so weltlicher oberkeit, und waß
weiß erhaltne freiheit, licenz ald begnadigung es were, zu verbottnen
fastdegen fleisch essen solle, so lieb jedem, sein oberkeitliche straff" tue
meiden.
' Dieser Abschnitt steht nur in D auf dem letzten Blatte des Heftes.
• Ha.: solche. — ' Dieser § steht — als letEter — nur in E.
Überlingen. 88d
Nota^
Von der statt Überlingen wunn, waid, trib und trat, auch waß
iselbigen anhangt und solches betreffen thuet, würd in dem großen
cen bAoch meiner annaUum und collaturen von dem 1267isten biß
daß 1600 jar* benantUchen under den jarzallen 1472, 1492, 1503,
'4, 1572, 1579 und 1582 underschidlich und außtruckenlich befunden.
Item in dem buech, daruf geschriben steeth : Alte vertrag und
ligen bergische handlungen an dem 6^^ und 8^° plat und dan her-
ber am 178. blat, schier in der mitte deßelben bueches, werden
lerschidtliche beschreibung der stat Überlingen wunn und waid be.
den.
Register.
Von besezung deß gerichts und raths titulus 1.'
Von besuechung der räth tit. 2.
Von straf deren, so umb gelt oder genußes wegen zue rath
lend tit. 3.
Verpot ainem ersamen rath in deßelben gepot, verpot noch be-
aid, oder so zue aufruer gedienen mechte, nit ze reden tit. 4.
Von malefitz inner und außerhalb der stat tit. 5.
Von schlachhandlungen und rumoren in gemainer stat etter be-
lechen tit 6.
Von todtschlägen tit. 7.
Von unfaegen und schlachhandlungen der frembden und haimb-
len; item die nachwacht anzuegreifen etc. tit. 8.
Von schelt- und schmachworten tit. 9.
Von deß fridtpots halben tit. 10.
Von nachjagen tit. 11.
Von außforderen tit. 12.
Von peen deren, so verdiente angelegte straffen äfferen tit. 13.
Von ehebruch, junkfrauen schwechen, notzwang und andern der-
dchen haimblichen nachstellungen tit. 14.
Von execution und volnziechung der strafen tit. 15.
Von straffen deß falschen tit. 16.
1 Diese cNota», vor dem «Register», sowie die Aufzählung der BOrgermeister
i 1600—1611 nach der Überschrift sind Einträge des Bürgermeisters Reutlingen
das Original.
> Gemeint ist die Reutlingersche Chronik, eine aus 16 Folianten bestehende
nmlung von allerlei Nachrichten sur Geschichte der Stadt Überlingen und ihrer
igebung.
* Wir geben das Wort ctitulust, das in der Vorlage bald ausgeschrieben, bald
gekürzt erscheint, im folgenden stets in Abkürzung.
Überlingfo. 335
Von firembden gerichten tit. 42.
Von pfandung tit. 43,
Von gedingten heürathen tit. 44.
Von pflegern tit. 45.
Die^ statmauren find graben unverlegt zue laßen, tit. 46.
Vom blaicben tit. 47.*
Montags, den 27ten Novembris a°. 600 bein ich Jacob Reitlinger*
von meinen herrn klain und großen räthen an weilundt meines sonders
günstigen herm und veters Mathei Meßmers, burgermaisters, seligen
stat, so den 3ten Oetobris jüngsthin seliglichen todts verschiden, ain-
belliglichen zue burgermaister erküeßt, erwellet und gleich aißbaldt
gefertiget. Got der herr verleiche mir darzue sein götliche gnadt, glük
und segen, amen. Zinstags, den 9'^ Januarii a^ 601 alß Phillips
Ederisch stüblinschreiber dißes statsatzungbuech und anders, so gemainer
stat zueständig^ bei gedachts herrn burgermaisters seligen witib erhebt,
ist mir dißes buoch und statsatzung von meinen großgünstigen herrn,
burgermaister Conradt Eschlinspergern, herrn obersten zunftmaister
Lorenzen Pschoren und junker Hanßen Schulthaißen, auch obgedachten
Philipp Ederisch, als stüblinschreibern, verehrt und geschenkt worden.
Montags nach dem haihgen Pfingstfest a®. 601 bein ich von klain
und großen räthen zum alten burgermaister eligiert worden.
Montags nach dem hailigen Pfingstag anno 1602 bein ich von
meinen herm klain und großen räthen zum andern mall neuer burger-
maister erwehlt worden.
Montag nach dem hailigen Pfingstag a°. 603 wardt J. Conradt
Eechlinsperger neuer und ich zum alten burgermaister erweit.
Anno etc. 604 Jacob ReitUnger neuer, J. Conradt Eschlinsperger
alter burgermaister, starb den 25^'* Februarii a^. 605.
Anno etc. 605 J. Jacob Keßering, vogt zue Ittendorf, neuer, Jacob
Reitünger alter burgermaister.
Anno etc. 606 Jacob Reitlinger neuer, J. Jacob Keßering alter
burgermaister.
Anno etc. 607 J. Jacob Keßering neuer, Jacob Reitlinger alter
burgermaister.
Anno etc. 608 Jacob Reitlinger neuer, Jacob Reitlinger* alter
burgermaister.
> Hb. : Der. — ' Hierauf folgt die Überschrift des Satzungsbuche, ohne Angabe
einet Datums — ' Jacob Reitlinger oder Reutlinger, geb. 1545, gest. 1611, bekleidete
der Reihe nach das Amt eines Spendpäegers, Gerichtsechreibers, Oberzunftmeisters
Spitalpflegers und endlich eines Bürgermeisters. S. Staiger, Die Stadt Überlingen, S. 48.
* Hier liegt Jedenfalls eine Verschrelbnng vor statt cj. Jacob Keüeringt.
Anno etc, 609 J. Jacob Keßering neuer, Jacob Raitiinger alter
burgermaister.
Anno etc. 610 Jacob Rdtlioger neueri J. Jacob Keßering alier
burgermaister.
Anno etc, 611 Jacob Keßering neuer, Jacob Reitlinger alt»
bnigermaister.^
Die EandscMfl des SL III, für die vorlie^efide Bearheitunff mü A
hegeUhneifiriemmLedergehmdmesPergammUiheü mit26sehQn beschri^imm
Blättern. St.-A. AM. VJll Nr. 132. Spätere Einträge vmt anärrm Hän^
sind jeweüs in den Anmerhungeu (ds solche geketm^dchneU Neure*
dahtionen existieren aus den Jahrm 1530 (B), SL-Ä. AbL FIIl Nr. 1B6
(davon eme g^eiMa/ntende Äbsrhriß fCJ, ebmda, ehefifaUs am dem IG. JhdU
hier nukl weiter berücksichtigt), fen^er 1558 (Dh St,-A. Abt VIIl Nr. 133.
Dfese letstere Bedaktiofi eiHkält wichtige Nmterimgm tnis den Jahrm
1550 — 1560. (Zeit der Hasmordnung!) Mit E ist eine Ücdaktim am
dem Jahre 1591 bejm^net, St-Ä. Abt Vlll Nr. 184, Sie hat mm
erstenmal mehrere Artikel susammenfassetide Titeliiberschrißeh^ die für dir
Folgesfeit maßgebend waren. Der Text von E ist offenbar eine Ab-
Schrift des dem Bürffernmster Reutlifiger im Jahre IßOl gesehetikfen ver-
loren gegangenen Originals. Am der Zeit nach W22 äammt die mit F
beseichnde Bedaktian (3 gUkhUutende Papierhefte), St-A. Abt VIU,
Nr, 162 und ISS. Die f4nier G einigemal anfgefiikrle Eedaliion, die
letzte des Überlinger Stadtrechis überhaupt^ stammt aus dem Jahre 1707.
Ihre Verschiedenheiten Imnien nicht alle berücksichtigt werden; sie ist de^
halb noch besonders als St IV mitgeteät.
xxxxvn.
Ordnung des «unteren« Stadtgerichts*
1520.
Ordnung des undern stattgerichtz zA Überlingen und anfäng-
lich, wie es die burger gegen ainandern halten sollen.
1520.
Item zA dem ersten fürbott mag ain burger gegen dem andern
erscheinen, ob er will.
Item sover der burger dem andern burger am nächsten gerichtz-
tag nach dem ersten fürbott aber yerkündt und fürbeut, und kompt
der antwurter und gibt antwurt dem clöger uf sein clag, wirdet dann
^ Heraach folgt der Text jeweils unter den im Register aufgeführten Über-
schriften und Titeln.
Überlingen. 337
r antYTurter dem clöger bei seiner clag schuldig, so wirdet dem ant-
irter gebotten an 1 flf ^, in acht tagen den nächsten umb das, so er
it urtail schuldig worden ist, außrichtung zu thflnd.
Item würde sich im daruf der antwurter innerhalb der acht tag
bieten, den clöger mit genügsamen underpfanden zä vergnügen oder
i verpfenden, und das von dem clöger angenomen, so ist der ant-
arier die bflß 1 flf ^ zä geben nit verfallen.
Wo aber der clöger an den underpfanden, der sich der antwurter
biet, nit benügen haben wollt, und si also baiderseitz darumb spennig
erden, so sollen si darumb und deßhalben allwegen dem stattaman,
1er ob er nit enthalben, von dem richter, der sein insigel hat, ent-
^haiden werden.
Item so dann der underpfandung gnflg ist, so soll darnach am
ftcbsten gerichtztag der clöger mit demselben underpfand vor gericht
rec^einen und begem an recht zu erfaren, wie er mit seinem under-
»fond gefaren solle. Ist dann das underpfand ain varend gut, so soll
amf erkennt werden, das er dasselbig am nächsten gantag an offner
[anien verganten möge; doch so soll er dem antwurter durch den ge-
chwomen gantknecht darvor zu der gant verkünden, und ob dann dem
löger ain underpfand abgienge, so sol im das von dem antwurter mit
ndem underpfanden erwell^t werden so lang, bis das er seiner schuld
'ergnügt und entricht wirdet.
Item ist aber das underpfand ain ligend gftt, so sol daruf erkennt
werden, das der clöger die underpfand nach verscheinung vierzehen tagen
Lm nächsten gantag an offner gant verganten und verkoufen möge, aber
n der gestalt und maß, wie obstet.
Item so aber ainer z& dem andern fürbott nit erscheint, so soll
ler clöger vor gericht darstan und zum andern mal sein clag thün,
10 wirdet darnach erkennt, das der scheinbott, der baide fürbott gethon
lab, soll gehört werden.
Item wirdet dann an dem scheinbotten erfunden, das er baide
ärbott gethan hab, so soll darnach erkennt werden, das dem antwurter
»ffenlich vor gericht gerüfft werden soll, sich zä verantwurten ; käme er
lann, dieweil der stattamann sitze, so soll im sein recht vorbehalten
lein; käme oder erscheine er dann nit, dieweil das gericht sitze, so möge
BT den antwurter umb sein schuld einschreiben lassen, und auch daruf
demselben zft huß und hoff gericht werden.
Item auf das so ist der antwurter schuldig, dem clöger umb das,
80 im laut der urtail erkennt und eingeschriben wirdet, außrichtung zu
ObcrrbelnlMhe Stadirecbte. II, 2. 22
888
th&Q; vemiÄinte aber darnach nach der bezalang desselben der aot-
wurter, diis in der clöger übereilt^ oder weiter claget bette, denn er im
schuldig were, so ist darumb und deßhaiben dem ant^orter sein recht
vorbehalten. |
Item wann dann also erkennt wbdet» ainera zh haus und hof lö
lichten, so mag der clöger den büttel oder gericbtzkneclit en^onlem,
im laut der urtail zu deß aotwurters haus und hofl* zu richten ; dem*lb
soll dann mit dem clöger gan für deß aDtwurters hauß; und erßndl
er denselbto nit im hauß, so sagt der knecht dem haußvolk, daß ä
dem antwurter sagen, das er mit dem clöger alao da gewest sie, und
hab laut der urtail pfand wollen ervordem, wo er nu weiter von dem
clöger ersucht und erv^ordert, so werde er widemmb komen und selbe
pfand nemen, er betrette in oder nit.
Item würdet dann daruf der büttel oder gerichtEkneeht von dem
clöger weiter ersucht^ dem antwurter 211 hauß und hoff zfi richten, so
soll der knecht aber mit dem clöger zu deß antwürters hauß gon: und
erfindt der knecht abermals, das der antwurter nit im banÜ, so soll
der knecht in sein hauß gon, und so^er die pfand vorhanden sind,
dem clöger bis auf sein beniegen pfand geben.
Item erfönde aber der buttel oder gerieh tzkn echt uf des clögen
erfordern den antwurter uf das erst oder ander ersuchen im hauß, so
soll der büttel an in pfand ervordem» und gibt er im die, so soll ei
dem clöger pfand geben, das der schuld gemäß seie; wo er sich aber
speren würde, die pfand zu geben, so soll der büttel im sagen, er solle
im pfand geben, anders er würde selbs die nemeu, sol auch hinein 10
das haus gan und pfand nemen, sover die vorhanden sind; wo aber
kain pfand vorhanden wer, oder der antwurter sagt, er hab kain pfand,
so soll er mit seinem aid erstatten, das er kain pfand zu geben hab,
und wan auch also der büttel selbs hinein kompt und pfand nimpt,
so ist der antwurter der statt 9 |! ^ zCi büß verfallen, die auch der
büttel den ungeltern darumb angeben solle.
Item wann auch ainem burger, wie obsteet, zt'i hauß und hoff
gericht wirdet, und der clöger, er sei burger oder gast, nimpt die pfand
vor und ee der büttel die zö seinen banden nimpt, an, so sol der clöger
dieselben pfand vor gericht rechtvertigen; wo aber der büttel die am
ersten zft seinen banden nimpt, so mag der clöger von stund an an den
büttel begeren, im über die pfand zfi erloben, der im ouch darüber er-
lauben soll, und ist darauf auch nit not, dieselben pfand weiter vüi
gericht zu rechtfertigen.
Item 80 der antwurter, wie obsteet, erstattet, das er weder pfand
noch pfenig hab, und will der clöger dem rechten nachkomen, soll er
' Auf Basur.
Überlingen. 339
dem antwurter widerumb fürbieten lassen und sich vor gericht erclagen,
das im kain pfand hab mögen von dem antwurter gedeihen, sonder so
hab er die erstattung gethon, wie oben erzöllt ist, und begeren, was
DU furter deO rechten seie, so wirdet anfänglich erkennt, das der büttel
oder gerichtzknecht gehört werden soll, und sodann also der gerichtz-
knecht gehört und liandlung und erstattung, wie vorsteet, erfunden
wirdet; ist dann der clöger ain burger, so soll erkennt werden, das
dem antwurter gebotten werden solle an 1 flf ^, dem clöger in acht
tagen außrichtung zu thün ; ist aber der clöger ain gast, so soll erkennt
werden, das dem antwurter auch an ain pfund pfening gebotten werden
soll, dem clöger desselben tags und also außrichtung zu thün, das
dannaht der clöger bei sunnenschein desselben tags ain meil wegs weit
mid brait von der statt mög gan.
Item erschine nu uf das der antwurter aber ungehorsam, und
thäte die außrichtung nit, wie obsteet, will dan der clöger weiter im
rechten fürfaren, so soll er dem antwurter widerumb zum rechten ver-
künden und dann uf dasselb vor gericht darstan, und sich deß aber-
mals erclagen, so soll dann uf das erkennt werden, das der püttel oder
geschwom gerichtsknecht aber gehört werden solle; und sover dann an
demselben erfunden wirdet, das alle fürbott und handlungen, wie vor-
steet, von ainem auf das ander beschehen seien, so soll dann darnach
bekennt werden, das der antwurter umb das pfund pfening eingeschriben
werden solle, und ist dann der clöger ain burger, so soll weiter erkennt
werden, das dem antwurter gebotten werden solle, bei verlierung seins
burkrechten dem clöger in acht tagen ußrichtung zu thän ; ist der clöger
aber ain gast, so soll erkennt werden, das der antwurter dem clöger,
wie obsteet, desselben tags außrichtung thün solle auch bei verlierung
seins burkrechten.
Item ist dann der antwurter aber ungehorsam, und last der clöger
im weiter zum rechten verkünden, und erclagt sich das alles, so im,
wie obsteet, von im begegnet, so soll dann abermals erkennt werden,
das der geschworn gerichtzknecht verhört werden soll; und wirdet dann
das alles an dem knecht erfunden, so soll daruf erkennt werden, das
dann der antwurter deß clögers gast sie, und möge der clöger den ant-
warter weiter außerhalb mit gaistlichen oder weltlichen gerichten oder
rechten fümemen, beclagen, oder wie er sein hab oder gut in unsern
gerichten ankomen oder betretten, dieselben höften möge.
Item so also ainer z& gast erkennt und gemacht wirdet, wan
dann der clöger der handlung und urtailbrief und urkund nimpt und
dießelben urkund dem büttel oder gerichtzknecht anzaigt und begert,
das er den antwurter, so er in betretten mag, annemen, wo dann der
22*
338 Überlingen.
thuD ; yermainte aber darnach nach der bezalung desselben der aiii>
wurter, das in der clöger übereilt ^ oder weiter claget hette, denn er üb
schuldig were, so ist darumb und deßhalben dem antwurter sein recht
vorbehalten.
Item wann dann also erkennt wirdet, aiuem zb haus und hof i&
richten, so mag der clöger den büttel oder geriehtzknecht ervordeio,
im laut der urtail zu deß antwurters haus und hoff zft richten; derselb
soll dann mit dem clöger gan für deß antwurters hauß; und erfindt
er denselben nit im hauß, so sagt der knecht dem haußvolk, daß m
dem antwurter sagen, das er mit dem clöger also da gewest sie, mul
hab laut der urtail pfand wollen ervordem, wo er du weiter von dem
clöger ersucht und ervordert, so werde er widerumb komeo und selbe
pfand nemen, er betrette in oder nit.
Item wirdet dann daruf der büttel oder gerichtzknecht von dem
clöger weiter ersucht, dem antwurter zu hauß und lioff eü richten^ m
soll der knecht aber mit dem clöger zfi deß antwurters hauß gon; and
erfindt der knecht abermals, das der antwurter nit im hauß, so soll
der knecht in sein hauß gon, und sover die pfand vorhanden sjod,
dem clöger bis auf sein beniegen pfand geben.
Item erfünde aber der büttel oder gerichtzkuecbt uf des eldgHS
ervordern den antwurter uf das erst oder au der ersuchen im hauß, m
soll der büttel an in pfand en^'ordern, und gibt er im die, so soll er
dem clöger pfand geben, das der schuld gemäß seie; wo er eich abef
speren würde, die pfand zu geben, so soll der büttel im etigen, er solle
im pfand geben, anders er würde selbs die nemen, sol auch hinein in
das haus gan und pfand nemen, sover die vorhanden sind; wo aber
kain pfand vorhanden wer, oder der antwurter sagt, er hab kain pffiods
so soll er mit seinem aid erstatten, das er kain pfand zu geben hab,
und wan auch also der büttel selbs hinein kompt und pfand nimpt,
so ist der antwurter der statt 9 |J ^ zu büß verfallen, die auch der|
büttel den ungeltern darumb angeben solle.
Item wann auch aineni burger, wie obsteet, zu hauß und hoff«
gericht wirdet, und der clöger, er sei burger oder gast, ninipt die pfanä
vor und ee der büttel die zu seinen banden nimpt, au, so sol derel^gw
dieselben pfand vor gericht rech tvert igen; wo aber der biittel die
ersten zu seinen banden nimpt, so mag der clöger von stund au aß
büttel begeren, im über die pfand 71*^ erloben, der im ouch darübi
lauben soll, und ist darauf auo' Bot, diese!
gericht zu rechtfertigen. "
Item so der antwurter. 0»
noch pfenig hab, und will
^ Auf Rasur.
dem antwurter widerumb fürbieten laeec lui ^ts. ^ •• L'^jr.c -r-:-^pr*.
das im kain pfand hab mögen von dem KLii-r^r^rir i=-i**ih#rf:. 4- r.iihr «f.
hab er die erstattung gethon. wie ob«: ^tl:«-: i-i zzii -.»sr^rs:. t;«»
nu fürter deß rechten seie, so wirdei ar.^rgv:^ rriÄJin ::l* :*rr -.-itritt
oder gerichtzknecht gehört werden goU rsiri «cöirui ur. -iKr z»rr-niit
knecht gehört mid handlang und €nu:sr:r^ ttit T.rvvwL ^\r^iktr^
wirdet; ist dann der döger ain bcig^. «o fcL ^ricscj:^ vrräc i^u^
dem antwurter geholten werden s^üe an 1 ff ^ c«:! 'iü>/*r „*. wer
tagen aaßnchtung zu thün: i^t &bo' der df^Sirv ai:^ ;2uc. *fi *<.ü ^rrc^^'v:
werdea, das dem antwniter auch an ais pfoc/i pfecir.g jp»r.i:rj;«i v-tr-:«^.
soll, dem döger desselben tags und ai«> a.'iiirct.r.ir^ za '*r.'.r. "U^
dannaht der döger bei sonoeosdiefn desKiben u^ air. s:>%t. v^« v^.-
mid brait vcm der statt mög gan.
Item eisdiiiie nn nf dac der antwurter aber acgehoriAz:: .j^i
thftte die anüiicbnmg nii. wie obetcet. will dan der d^^ger weiter \zl.
rechten farfaren, k »:41 er dem aotwizner widerumb zum nxLteL ver-
künden und äazm uf duseib vor gericbt darstan. und sich deG aber-
mals erdagen, so wSL dann uf das ericennt werden, das der püttel oder
geschwom geridnfiki«>cht aber gehört werden solle; und sover dann an
demsdben esfundec wirdet, das alle furbott und handlungen. wie vor-
steet, TOB nines: hzi das ander beschehen seien, so soll dann darL&ch
bekennt weröeE- dis der antwurter umb das pfond pfening eicgescLribeii
werden söLe. izri i=t dann der clöger ain burger. so soll weiter erkeiai-t
werden da§ mc antwurter gebotten werden solle, bei verüeruDg ?eins
burkrechieL ö£c: cl'/ger in acht tagen uCrichtung zu th4n ; igt der ciOger
aber ain gasL sn soll erkennt werden, das der antwurter dem clöger,
wie obsAeet. desselben tags außrichtung thün solle auch bei verlierujw
Beins bmiTeducn.
Iiem isi darji der a=.twurter aber ungehorsam, und last (
im weiter r::ii: rech:en verkünden, und erclagt sich das
wie obaieeL tot. im lies^gnet. so eoU dann abennals
das der ges!^w:'m s^ric-Ltzknecht Terh!>rt werden aolU i
an ösiz. kiitri-iii erfunden, so soU damf ^
r aotwor;«!: deS clOgers gi^ sie, und
mit gaistliehen odv
** vie flr •■■
840 ÜberliDgen.
büttel oder knecht den antwurter betritt, so soll er in annemen und
in f&nknus legen, doch uf deß clögers costen, und sol der büttel dem
gefangnen deß tags muß, brott und ain krug mit wasser, und der cl(^r
im darför deß tags 8 ^ geben für hütterlon und äzung; darumb sol
der gast, wo der clöger nit vermag, gut sein.
Gastgericht.
Item dem gast soll zö allen offen und ungebannen tagen gericht
gehalten werden von ainem tag auf den andern biß zum dritten
gericht.
Item wann der burger dem gast uf das erst fürpott erscheint und
zum rechten antwurt gibt, so ist der antwurter dem clöger nit schuldig,
kainen schaden zu geben, es sie dann ain verbriefte schuld oder zwü-
sehen in baiden ain teding vergangen, das der antwurter dem clöger
seiner schuld one sein schaden außrichtxmg thun wolle.
Item ob aber der antwurter deß ersten fürbotts nit erscheint, was
dann dem clöger desselben und der ander nachgenden fürbott costens
daruf hat, darumb sol der antwurter im außrichtimg und ablögung
thun nach erkantnus und messigung deß richters; doch sol der büttel
uf alle fürbott gehört, und sover die bott an im erfunden, daruf, wie
obsteet, gericht und geurtailt werden.
Item und ob dem gast gegen dem burger erkent wirdet, das dem
burger zu haus und hoff gericht werden soll, so soll dasselbig gehalten
und vollstreckt werden laut der vorgenden Ordnung, so deßhalben be-
griffen und gestellt ist.
Gantordn ung.^
Item würde der antwurter ässigen pfand geben und dem büttel,
wie obsteet, am ersten vor dem clöger zu seinen banden antwurten
und geben, sover denn der büttel oder gerichtzknecht, wie obsteet, dar-
über erlaupt, so dieselben pfand, der clöger sei burger oder gast, am
nächsten raarktag darnach an offner gant vergantet und verkouft
werden.
Item sind aber dieselben pfand ligend oder varend, so sollen die-
selben pfand in vierzelien tagen darnach vergantet werden, doch all-
wegen, wo dem clöger die underpfand nit am ersten zu seinen banden
geantwurt werden; wo im aber die zii seinen banden geantwurt werden,
so soll es damit laut der Ordnung bievor geschriben gehalten werden.
Item were aber kain pfand vorhanden, so soll es mit dem gast
gehalten werden, wie hieoben geschriben steet vom burger.
' Überschrift von späterer Hand.
Überlingen. 841
Item mit dem gastmachen ains burgers soll es aber gegen dem
gast gehalten werden, wie obsteet.
Item begeh sich aber, das ain burger oder gast aineu burger mit
dem ersten fürbott durch den gerichtzknecht betretten und derselb burger
demach entweichen würde, so soll darumb der gerichtzknecht gehört,
und sover das an demselben erfunden wirdet, sol alßdann verer im
rechten fdrgefaren und procediert werden laut der Ordnung deßhalben
begriffen.
Item würde sich aber ain burger gevarlich empfrembden oder
verbergen, damit im der clöger zum rechten oder der gant nit gebieten
oder verkönden lassen möchte, so mögen Statthalter oder stattamann
uf ansuchen deß clögers, er sei burger oder gast, ain zeit zuvor nach
gestalt der Sachen das bott oder die verkündung thän lassen.
Item ob ain burger oder gast zä ainem burger zA sprechen hat,
und der clöger den antwurtenden burger alhie nit betretten mag, so mag
der clöger für gericht komen und begeem im ain verköndung oder tag-
satzung an den antwurter von gerichtz wegen in geschrift und under
deß gerichtz insigel zA geben, so soll im dieselbig gegeben und also
durch ain potten überantwurt werden, wie auch auf das dem antwur-
ter dieselbig tagsalzung überantwurt und das durch den hotten vor
gericht laut der Ordnung angesetzt und erstattet wirdet, so soll daruf
von dem gericht geurtailt und gesprochen werden, als ob dem antwur-
ter sunst das ander oder dritt fürbott beschehen were.
Item wa ain burger umb zins oder lidlon zA der dritten clag nit komen
würde, es were gegen bürgern oder gesten, so soll der antwurter nun
Schilling pfening der statt zA bAß verfallen sein, und auch von dem
büttel oder geschwornen gerichtzknecht den wettgeltern angeben werden
und im dannocht nichtdestminder zA haus und hoff gericht werden,
laut der vordrigen Ordnung.
Item begebe sich auch, das ain burger ainer schuld verthädinget
und vertragen würde gegen ainem burger oder gast durch ainen Statt-
halter, stattaman, ratzfründ, richter oder büttel, sodann der Schuldner
beclagt würde, [daß er] der thäding oder Vertrags nit gelept, sover dann
an denjenen, die söUiche thäding oder vertrag gemacht haben, erfunden
wirdet, das dem also ist, so soll der, so also dem vertrag nit gelept
het, umb ain pfund pfening der statt zu geben gestrafft und den wett-
geltern durch den büttel oder gerichtzknecht angeben und darnach
weiter aber an ain pfund pfening gebotten werden, in 8 tagen auß-
richtung ze thön, sover der clöger ain burger ist; ist er aber ain gast,
80 soll das bott beschehen, dem clöger außriclitung zft thön bei der
tagzeit, wie obsteet; tbüt der antwurter das aber nit, so soll dann im
Hß uberlingeD,
fürgefaren und gehandelt werden laut der vordrigen Ordnung, biB da»
er zh gast gemacht wirtlet.
Item wann ainer mit pfänden verpfendt und danif erkennt wirdet^
ditK oder die pfand zu verganten, so sollen das oder dieselben pfand
durch den geschworen gaoter laut der urteil und der Ordnung, Mevor
begriffen, an ofiner gant vergantet und verkauft werden, und ob ichhit
an der gant der pfand verstünde, eover dann niemands weiter gehöfl^
so soll daseelbig dem, dem die pfand genomen sind, wider geantwuft
w^erden; ob aber jemands geböft hette, so soll derselbig verstand all weg
dem nächsten und ersten h Öfter gegeben werden, und also für und
für dem nächsten höfter vervolgeo.
Item würde aber ainer bei der gant rechtz begara, so soll der-
selbig, so also rechtz begert, von ainem burgermaister oder statthallter
beschickt und im eröffnet werden^ sover er beschwerd ab der gant hab,
ao werde im die gant ufgehegt unt uf fürderlicher reebttag gesetEt,
wo er auf das verlustig würde im ri en^ so werde er meinen herren
10 U 4 zu büß verfallen; wo er di 50 nimpt und im rechten ve^
lustig wirdet, so aoll ©r die obgeet en büß verfallen sein und den
wettgeltern von dem geechwornen | Iitzknecbt oder büttel angebeti
werden, und dannocht nichtdestminder uf dem nächsten gantag darnodl
das pfand vergantet werden, wie vor.
Item die obgeschribcQ Ordnung ist gesetzt und gemacht uf all
schulden, so ain burger dem amleru schuldig ist über ain pfund lialler
ußerhalb zins und lidlon; wölher burger alier detn andren 1 U haller
und darunder schuldig ist, so soll dem antwurter zu haus und hoff
gericht werden, laut der orduuug hieoben begriffen; wo aber der ant-
wurter einred bet, so soll dieselbig einred und deß clögers gegenred
gegen ainander durch den büttel oder geschwornen gerichtzknecht ver-
hört, und darut vor und duruii denselben gehandelt, eotschaiden und
gericht werden, als ob das vor gericht beschehen were.
Item wann ain burger abstirbt und sovil schulden verlaßt, das
sein verlaßne wittwe bsorgt, das si dieselben schulden nit wisse oder
könde von derselben hab zu bezalen, so mag daruf die fraw in acht
tagen nach absterben irs haußwirtz von derselben hab außgen und das
also und in der gestalt gehalten werden, das sie dasselbig an ain ratt
soll durch iren zunftmaister oder fürtrager gelangen lassen und im zu
erkennen geben, das si derselben schuld halb ußgeen wolle; so werden
darnach durch ain ratt zween daß ratz z& der frowen verordnet; vor
denselben soll die frow ain gelerten aid leiplich zu gott und den hailigen
schwern, das si irs hußwirtz verlassen hab und gut alle und jede, wo
oder wie die si, anzaigen und gevarlich davon nichtzit verhalten wolle;
Überlingen. 348
md so dasselbig besohicht, so soll dieselb frow von den berürten zwaien
leO ratz ußgesteurt und ir ain bettstatt mit irer z&gehörd, die in
aitler maß, nit die schwechest und auch nit die böst si, ouch darzA
lin häfelin und ain pfendlin gegeben werden, und darzu mit den clai-
lera, damit si ungevarlich bi leben irs hußwirtz am montag beclaidet
rewest ist, von der hab gewisen werden; daran sollen ouch die schuld-
ler derselben zeit benügig sein. Doch wo die Schuldner deß nit ge-
atten wollen, so mögen sie allwegen nach verschinung monatz, wann
li wollen, die frowen sölher schulden halb fürnemen, und sover si nit
erstatten mag, das si über das, so ir, wie obstet, von den zwaien ratz-
Tünden gegeben were, habe, oder in heiratz oder in ander weg über-
:omen het, so soll si schuldig sein, das, so si darüber het, den schuld-
lem an der schuld zfi geben, wo sie aber erstattet, das sie nichtzit
larüber hab, so sollen die Schuldner derselben zit daran benügen haben.
Item wann ainer verpfendt, und die pfand so wit gerechtvertigt
lind erlangt sind, so sollen dieselben mit drien rufen wie von alter her
irergantet werden, und das die gant umb ässige und ligende pfand,
H> die glock 12 schlecht, anfahen und am mindesten dri stund auain-
Inder weren soll, doch also: wölhes rfifs uf das pfand geschlagen würt,
lo soll widerumb z& rufen angefangen werden, und die dri räf beschehen,
ils ob darvor kain rfif beschehen were und sollen die ruf beschehen
if den drien crützen und bi baiden thoren umb die ässige und umb
lie ligende am markt, wie von alter her.
Item mit den varenden pfänden mag oder soll angefangen werden
5Ü ganten uf die ganttagen, wann dem ganter dasselbig gelegen ist,
luch wie von alter her.
Von verpietens oder höftens wegen abgestorbner oder ver- isis
dorbner personen. Actum pridie Mauritii anno etc. 13™^
Von dero wegen, die sterben und ire erben ungeerpt ußgond ; deß-
;leichen die sunst verderben und sovil nit hinder inen verlassend, das
dl ir glöbigen mögen bezalt werden, ist meiner herrn Ordnung, das die
löfter wie von alter her angenomea und meiner herrn schulden, dar-
lach die hußzins ouch lidlön von ersten vom göt bezalt werden, und
las der püttel und der geschworn gantner söllich verhöfte hab und
jütter verganten und das erlöst gelt zu der oberkait banden antwurten
iöUent, und so das geschieht und voruß miner herrn schuld, hußzins
ind lidlon ußgericht, das dann das überig under die andern glöubiger
md höfter glichlich jedem nach anzal und grössi seiner schuld, soweit
las gelangen mag, ußgetailt werden sollt, und wann miner herrn
jchulden, die hußzinser oder lidlöner vorhanden sind, so sollen deß
Brsten meine herrn umb ihr schulden, ald, so die nit weren, der huß-
Oberlingen. 845
ertrich dich verchlinde als Dathan und Abiron und kom uf die hopt
alle die sünd und alle die fiüch, die in dem gesatz Moisi und in der
wissagen geschrift gesötzt sind und beleiben bi dier ewiglichen.
Uf monntag vor sant laurentzen tag anno etc. 10™^ ist druch mein
herm burgermaister, rat und richter erratten, geordnet und gesetzt, das
hinfür am undren stattgericht niemans kain zfig erkennt noch geben
werden, sonder sollen die richter nach gestalt der sach für und für
richten.
Wer aber vermainte, mit der urtail beschwert z& sein, der möcht
die für das ober stattgericht ziehen.
Ob aber die urtail, sover vom undren stattgericht erkent wer, vor
obrem stattgericht gekrefbigt würd, so sollt der, so die urtail gezogen
het, zft peen und straff 5 flf ^ verfallen sin.
Das sollen die fürsprechen dem, so die urtail ziehen wollt, ver-
künden und sagen.
Item so fürohin parthien für gericht komen und sich der antwurter
beclagen würde, er het die zwen Schilling pfening lut der Ordnung nit
einzAlegen, wa dan clöger daruf witer seim rechten nachfragt, soll er-
kennt werden, das er laut der Ordnung och zu recht einlege und er thue
das oder nit, soll verer beschechen, was recht si.
Sover dan der antwurter dieselben zwen Schilling pfening nach
ergangnem urtl nit einlegen würde, sol dem clöger fürter mit der urtl
erlopt werden, er mög den antwurter, er sei burger oder michiman,
sein hab und gut verheften und den haft nachgends nach unser stat
recht und der Ordnung rechtfertigen, und dem antwurter darzü verkinden;
wan er dan gantet, sol der püttel von der erlösten sum die 2 ji ^ vor-
usnemen, damit meine hem, die richter, an dem ort bi irer Ordnung
beliben mögen.
Item so fürohin ain gast ainem burger umb schuld oder anders
zu recht fürbieten last, wa dan der burger zu dem ersten fürpott nit er-
scheint, sol zä recht erkent werden, das der scheinbot gehört werd; so
sich dann bei demselben erfünd, das er im under ogen verkindt het,
soll weiter erkend werden, das im der gebittel an ain U ^ gebiet, den
gast bei derselben tagszeit, lut seiner clag abzelegen [mit gelt oder mit
pfänden]^; so dan der burger sollichem gebott ungehorsam erscheint,
sol im furo [uf anrufen deß clögers] ^ uf den andern tag darnach wider
zft recht verkindt und abermals erkent, das der schein bot gehört werd;
und so sich erfindt, im sollich gebot geschehen sei, sol weiter erkent
werden, das er umb die ungehorsami eingeschriben und gestraft werd,
^ Siehe Bemerkung umseitig.
1510
August 5
Überlingen. 347
in etlichen clagstücken gesigen, und ainstails in den andern verlurstig
worden sind, wider hinoß geben werden.^
[Einschränkung der Appellation.]' leoi
Extract rathsproihocolli fritags den 16. novembris 1601. **^'™ '
Demnach vor under stattgericht allhier tägliche frivolae appellationes
herfürfallen, ist zu ewiger gedächtnus von meinen herren statuirt, ge-
ordnet und gesetzt worden, das man von under stattgericht hinfüro
vor ober stattgericht kain appellation annemmeu ald gestatten solle, es
sei denn der spruch, forderung und handlung 50 flf ^ hoch, und soll
ain ieder appellant, sobald er sein appellationem angebracht, dieselbe
innerhalb 2 monath zu prosequiren schuldig und verbunden sein, und
hemacher gefallen und nicht mehr angenommen werden ; und wan ain
frembder appellant in sua appelatione verlustiget wirdt, der soll ge-
mainer statt 10 U ^, und ain burger 5 tf ^ entrichten und bezahlen.
Von der gerichtsbixen.
Item gehört der halbe thail der langen biz herren stattamman
und dem bittel miteinandem ; der ander halbe thail aber solle in die
kleine bix gelegt werden, und gehört in die hohe allein das einleggeld.
Die ander bix, darin iede parthei, so ein gastgericht gehalten würdt,
ein pfund pfennig legen soll, deßgleichen so einer gestrafft würdt, ge-
hört allein dem gericht; darvon dan die mahlzeiten, und was sonsten
aufgehet, bezahlt würdt; so etwas alsdan übrig, soll es in gleichen aus-
tbaild werden, und hat der oberriehter den schlissel allein dazue.
Was durch die litipartes solle eingelegt werden, und wo ein
solliches hingehöre.
Damit ein löbliches under stattgericht ihrer beschwerden in etwas
ergezet und die vilfeltige labores nit vergebenlich übertragen mieße,
zuemahlen die Utipartes deterriert werden, verordneten meine herren
hieroit, daß hinfüro ein burger zehen, und ein frembder zwainzig kreutzer
einleggeld bezahlen, nit weniger auch von jedem zeugen, als ein burger
fünfzehen, und von einem frembden dreißig kreutzer zue verhören er-
fordert; und solliches verhörgeld den herrn stattamman zue halben
und dem gericht zue andern halben thail gedeihen solle.
Actum in senatu donnerstags den 25. junii anno 1637.
^ In allen 8 Handschriften folgt hier die Gantordnung vom Jahre 1589, die
Senan mit St. III D and E Titel 25 übereinstimmt, duher hier weggelassen wird.
> Alles Folgende steht nur in C.
1637
Juni 25.
M8 ÜbctibgtB.
[Taxordnang.]
Auf henen Christian SohwarfaEens bei herrü ambts burgermaisten
ohnlängist in causa taxae eingebnes memorial haben meine henen
ein ehrsamer rath die sach folgender geetalt moderirt und erlentert:
1. Als vorganglich und erstens soll ihnen yon jeder
gantsach, die sein gleich lang oder kurs gepflhien 1 fl.
2. Sodan von jedem edict, sovil deren wttrklich ge-
schriben und verfertigt werden .2 b.
8. Item von jeder inventation, die sein gleich groß
oder klein 1 £. SO b.
4. Wie auch vom blat auO dem proihocoll oder ge-
richtsacten zft extrahieren 6 kr.
6. Ingleichem für jeden receß 6 kr.
6. Für jeden compaObrief oder missiv • . .5 b.
7. Da aber ain parthei von der urthel appellirt, soll
von jedem blat der gerichtsakten als prothooolli
bezahlt werden 7 kr.
8. Pro simplid citatione 10 kr.
Die Zeugenverhör betr. weiln gerichtsschreiber in gewöhnlicher
refection eben den gnuß darvou gleich den herren richteren hat es nach-
mahlen sein verbleiben darbei. . ,
Maien-Gericht.*
Item ist ein altes herkommen, daß herr stattamraan und mit
richtere daß loblichen underen Stattgerichts allwegen am montag in der
hailigen creutzwochen die gerieht zue Goldbach in dem stain beschlossen,
und jeder richter, welcher das ganze Jahr etwas gesündiget, nach gebühr
solle abgestraftet werden. Volenden selbigen ist alle zeit ein altes her
kommen, daß man dem ganzen gericht in dem Constanzischen spital-
haus ein mitagsuppen gibt und die erste speiß ein buttermilch sambt
einem ballen maienbutter aufgestellt würdt. Jedoch soll solches alle
zeith ein tag etlich dem maister aldorten anvor durch beede kuchiherren
und gerichtschrei ber ankündt werden, denen alle zeith ein undertruck
gegeben worden. Und wan man abgedankt, ist alle zeith ein guldin
in die kuche verehrt worden.
Volgenden zinstag hernach halt das gericht ein mahlzeit auf dem
rathhaus in der gerichtstuben ....
* Vergleiche Sevin Überlinger Hiluserbuch 1. A. 1890 S. 118. Das «Maien-
gericht» ist heute noch zu sehen an der alten Straße nach Goldbach, westlich von
Überlingen, nahe bei der alten Grenze zwischen dem «Hegau« und dem «Linzgau».
Überlingen. 849
Item 80 man die erste heurling fahrt, hat alle jalxr das gericht
ein mahlzeith auf dem rathhauß ....
Hernach volgen die tag, an welchen die gericht
beschlossen sein.
Die ersten fahren an St. Thomas abend und wehrend biß an den
tag Hilarii.
Die andern fahen an am sambstag vor der faßnacht, wehrendt
biß an montag nach invocavit.
Die dritten fahendt an am palm habend t, wehren biß an montag
nach quasimodo geniti.
Die vier tag in der kreuzwochen.
Item am pfingstabendt bis am montag nach trinitatis.
Sodan am abendt sanct Jacobs, wehrendt biß au den negsten tag
nach Bartholomaei.
Von abendt Michaelis bis auf Galli.
Von der €Ordnung des unteren Stadtgerichts* besitzt das StrA,
UebeHingen 3 Exemplare. Die älteste Handschrift ist ein in Schweins-
leder gdmndenes Pergamentheft mit 8 schön beschriebenen PergamefUbUUtern,
St.'A. AU. VIII Nr. 159 (A), die zweite Handschrift (B) vom Jahre 1589
ist eine genaue auf Papierblättem gefertigte Abschrift von A. St.-A.
Abt. Vlll.y Nr. 160. Die dritte Handschrift endlich, ebenfalls eine genaue
Abschrift von A (oder B) ist ein Papierheft von 27 beschriebenen mit roten
Initialen gezierten Blättern St.-A. Abt. VIII, Nr, 161. Dieses Heft
enthält außerdem einen größeren Auszug des St. III Redaktion 2), some
einige Protokolle des Maigerichts zu Ooldbach. Ein auf den ersten Blättern
sich befindendes doppelseitiges Aquardlbüd stellt eine MaigericMs-Sitzung
in Gctdbach dar. Die Unterschrift unier detn Bild lautet:
Jahresgericht zu Ooldbach auf dem Stein
Ward gehalten ; wider Görg Rebstein
Von Immenstad die dag geführt.
Der stritt ain guldin hat berührt,
Beclagter würdet condamniert^
Mithin der aäus exerciert.
Den 12. Mai dis geschehen wahr.
Da man zahlt 1681 jähr.
:\
XXXXVIL
Kaiser Karl V* gibt der Stadt Überlingen ein PriviiegraÄ" wegtn
^ der Erbfälle.
H 1521 Februar 14 Worms.
P Wir Karl der fünfte, von gotts gnaden erwelter Römischer
keiser etc. i^tc. bekennen offenlich mit diesem brief und thun kundt
ailermenniglich, Wiewal wir aus angeJjorner keiserlicher güete und
miltigkeit allezeit geneigt sein, unsern und des heiligen reichs imder-
thanen und getrewen gnad und hilf mitzuteilen, so ist doch unser
keiserlich gemüet mer bewegt, denen, die sich gegen uns und den]
heiligen reiche alle^seit in getrewer gehorsam halten mid stete willige
dienste beweisen, noch mer gnad zu erzeigen, und dieselbe damil m
begaben und zu fürsehen. Wann wir nu güetlich angesehen und be-
tracht haben die annemen, getrewen und uützlichen dienste, so unser
und des reichs lieb, getrew burgerma ister und rat der statt Ulyer-
lingen und ire vorforderen unsem vorfaren. Römischen keiseren und
künigen, und dem heiligeu reiche mit darstreckung ihrer leib und
güeler in manigfeltige wege oft williglich und unvcrdrossenÜich ge-
than haben, und hinfiiro uns und dem reiche wol thun mügen und
sollen. Und darumb zu ergetzlichait derselben irer getrewen dienstp,
auch damit die gemelt statt in w irden und wesen beleiben und uns
und dem reiche dester statlicher gedienen müge, mit wol bedachtem
muete. gnetem zeitigem rat und rechter wissen den genannten burger-
meister, rat und der statt Überlingen als Römischer keiser dise sonder
gnad und freibeit gelhan und gegeben haben r wo sich nu hinfüro
zu ewigen zeiten erbfelle in der gern eilten statt Überlingen oder ausser*
halb in den gerichten, zwingen und pennen, derselben statt zfige hörig,
begaben und zu solchen erb feilen kein erb, so der oder den personen,
davon also dieselben erbfßll herkummeUj im zehenden grad der freunt-
schaft des geblüets, oder im sechsten grad der magschaft, mitsip-
schaft und frundtschaft verwandt, verbanden wire noch deshaJbeö
erscheinen würde, daß alsdann dieselben erbfelJ, wenig oder vil,
keinen ausgenommen, es seien ligende oder varende hab und güeter,
dem gemeinen nutz der statt Überlingen on alles mittl heimfallen,
züsteen und beleiben, und burgermeister und rat zu Überlingen und
ir nachkumen, die also zu dem gemeinen nutz berüerter statt ein-
ziehen und einnemen, und damit, wie mit andern der statt einkumen
des gemeinen nutz zu notturft und gebrauch derselben statt handien,
thun und lassen sollen und mügen, thün und geben inen die gnad
und freiheit von Römischer keiserlichen machtvollkmmenheit hiemit
wissentlich in crafft ditz briefs, und mainen, setzen, ordnen und
Überlingen. 851
wellen, das die gemelt statt Überlingen nu fürbashin die obberüert
unser gegeben gnad und freiheit haben, und burgermeister und rat
ierselben statt und ir nachkumen die erbfSUe, die sich also, wie ob-
steet, in gemelter statt, oder in iren zugehörigen gerichten, zwingen
und pennen begeben, zu dem gemeinen nutz der statt, unverhindert
und unangesehen aller recht, freiheit, statuta, Ordnung, sazungen und
gewonheiten, so hiewider sein, fürgenomen und gesetzt wftren, oder
fürgenomen und gesetzt werden möchten, einziehen und dieselben
zu notdurft und obligen der gemelten statt Überlingen gebrauchen,
und soliche erbfelle niemandts, so der oder den personen, davon
also die erbfelle herrüehren, in der gestalt, wie oben angezeigt, ver-
ivandt ist, zu geben oder volgen zu lassen schuldig und gebunden
sein, noch auch si, ire burger und gemeine statt, ir, oder derselben
bab und güeter, weder mit oder on recht darumb nit angelangt, be-
cümbert, aufgehalten, oder beswert, noch in disem fall ichtz wider
äie gericht, geurteilt, gehandelt oder procediert werden, sonder sich
ier obgemelten unser gnad und freiheit gebrauchen und gemessen
sollen und mügen von allermenniglich unverhindert. Und ob hier-
über die gemelten burgermeister, rat, burger und statt Überlingen
3der ir nachkumen und derselben hab und güeter umb solch erbffeU
fürgenomen, beklagt, aufgehalten, oder ichtz wider dieselben gehandelt,
jericht oder geurteilt würde, so wellen wir doch ietz als dann, und
lann als ietz von obberüerter unser keiserlicher macht, das solches
dies craftlos und untaugenlich sein, und die gedachten burgermeister,
rat, burger und statt Überlingen und derselben hab und güeter nicht
binden, noch denselben keinen schaden bringen oder geberen soll
in kein weise noch wege.
Und gebiethen darauf allen und jeglichen chürfürsten etc. etc.
wie gewöhnlich. Strafe: vierzig mark lötigs goldes).
Mit urkund ditz briefs; besigelt mit unserm keiserlichen an-
langenden insigl. Geben in unser und des heiligen reichs statt Wormbs
im vierzehenden tag des monats februarii nach Cristi unsers lieben
lerrn gepurt fünfzehenhundert und in einundzweinzigisten, unserer
reiche, des Römischen im andern, und der andern aller im sechsten
iaren.
Carolus.
Ad mandatum domini imperatoris
Albert. Cardinal. Moguntin.
archicancellarius.
Perg, Orig, mit Siegel an schwarz-goldener Schnur L.-A. 3/88,
Abdr.: Lünig, a. a, 0., Bd, 14, S. 646.
852 ÜberliDgen.
XXXXVIII.
Vertrag zwischen dem Orafen Christoph zu Werdenberg und Heiligoo-
berg und der Stadt Überlingen wegen Abgrenzung der beiderseitigeii
Jurisdiction.
1525 Janaar 27 Konstanz.
.... Zum ersten, daß alle ungnad, unwill, unfreundschaft . . .
tod und abhaißen und sein . . . sei.
Zue dem andern: ob iemands dem andern der oder anderer
ende in deren von Überlingen nidern gerichten bei nächtlicher weil
holz, klein oder groß, daß nit sein oder ime ergeben wäre, oder so
ainer dem andern vorgehowen oder geschaitet holz (hindangesezt
nöst, tolden oder reiß, so von andern leuthen, die es gehowen hätten,
verlassen), oder über offen marken näm oder wegfüeren würd, es
beschehe tags oder nachts, daß alsdan herr graffe Christoph macht
und gewalt haben, dieselben umb soliches als oft das beschehe, es
wäre dan, daß sie sich sonst güetlich mit ime vertragen weiten, recht-
lich zu straffen; wa aber iemands dem andern an obgemelten orthen
in dcro von Überlingen nidern gerichten tags holz, das nit sein oder
ime ergeben war, abhawen, wegfüeren oder -tragen, daß dieselben
on alles mittel denen von Überlingen, als den nidern gerichtshenn,
zu straffen zuesteen; doch soll den grundsherrn an irer gerechtigkait
empfangen Schadens durch das nichts benommen, sonder in allweeg
vorbehalten sein.
Zum dritten, daß die von Ü. ire burger und einwoner in der
statt und vorstatt daselbst, auch all ir nachkommen von ir statt den
See hinauf biß in die Aach, die Aach hinauf in die Reißmüllen,
der Reißniülle nach gen Achhaußen, von dannen die rechten Aach
hinauf biß gen Salmansweiler, fürter gen Brugkvelden in die müllen,
von dannen neben Daiderstorf, wie die Aach herab künt; darnach gen
Hedwang, auch daselbs, wie sich der landgrafEschaft Neuenbürg und
gralTscliaft zum Hailigenberg grenzen schaiden, und See hinauf biß
wider gen Überlingen, auß gnaden und gütter nachparschaft aichherlin
und alles gefligel uf dem See, weiern, wassern, und darzue uf den
weitirien schüeßen, unverhinderl sein, herrn graffe Christophs, seiner
erben und derselben vorstmaister. Doch sollen sie in sollichem be-
zirk nach usserhalb irer statt etter kain fuchs, haßen, röcher, schwein,
noch ander gewild, nichts außgenommen, auch in nachbemelten höl-
zern, als namblich in dem Muchenhardt, dem obern holz, dem Hüener-
bach, am Wasen, Aichholz, im Gertholz, und am Gsteintzach in ob-
gemeltem gezürk gelegen nichtzit schüeßen. Derglichen, so mögen
dieselben von Überlingen, ire burger und einw-oner, in gemelter irer
Überlingen. 358
statt und vorstatt gesessen, in bestimpten gepürk mit dem kloben-
tragen, stendhütten, voglen und auch in ir statt etter füchs, liaßen
und alles geflügel auch unverhindert gemelts herrn grave Christophs,
seiner erben, noch der iren, schießen und fahen. Doch sollen sie
über jetzbemelten zierk in der graffschaft zum Hailigenberg vorst-
lichen oberkaiten sonst weder voglen, schießen noch ander waid-
werk prauchen. Wa aber ainer oder mer das also, wie vorsteet
übertretten, welches doch nit sein soll, und mag gedachter herr grave
Christoph, sein erben, nachkommen, oder die iren von iretwegen den
oder dieselben darumb nach geprauch der graveschaft zum Hailigen-
berg strafEen, wie sich gepürt.
Zum vierten, belangend die fließenden wunden: daß herrn grave
Christoph, so ainem ain band, arm, fuß, finger oder ander glied ab
gehawen würd, dasselbig zu straffen zuesteen ; daentgegen sollen denen
von Ü. die bainschrötend und fließende wunden in den dorfettern
im niedern gerichten zu straffen zuegehören. Waß aber leminen weren,
und der schadhaft in jarsfrist nach sollicher Verwundung nit wider
grad würd, noch zue sainem gsund kam, daß dan jede parthei ain
wundarzet geben, dieselbige solliche wunden besichtigen, und sover
sie die bei im aiden für lam erkandten, achteten und hielten, so soll
solliche handlung mit landtgericht zum Hailigenberg fürgenommen,
beclagt und gestrafft, und also alldo erkendt, herrn grave Christophen
oder seinen und denen von Ü. jeder parthei zum halbthail zugestellt.
Ob sich aber zuetrüege, daß durch bemelt wundarzet in solchen
wunden ain zweifei würde, also das der ain vermainte, es were ain
lemi, und der ander nit, so sollen dennocht die von Ü. denselben
thätter weder mit noch ohne recht umb den frävel nit straffen, es wäre
dan sach, das in vorgemelte zwee wundarzet in beisein herrn graff
Christophs amptmann zuevor nit lam erkant betten; doch so mögen
baid thätter irer schaden und schmerzen sollicher wunden halb er-
litten, in den ettern der nidern gericht, aldo es beschehen ist, wohl
ain andern mit recht fürnemmen und beclagen.
Zum fünften, die vogtei des dorfs und den Munchove zu Hagnow
mit ir zuegehörd, auch die nidergericht, zwing und bann, und was
denselben anhangt, betreffendt, darin herr Christoph hoch und nider
gericht, straff und büß uf dem Bodensee zue Hagnow zu haben und
zu gebrauchen vermaint, daß denen von Überlingen all frävel und
bäßen, den nidern gerichten anhängig, daselbst uf dem See biß an
die vach oder segginen der vischer und nit weiter in allermaßen, wie
sie ußerhalb irer dorf, alß weit sie die nider gericht haben, auch zu
straffen und büeßen zuegehören soll.
Obtrrbainliche 8udtr*chte. 11, 2. 88
864 Überlingen.
(Der sechste Punkt betrifiEt einen besonderen unbedeutenden
Rechtsfall.)
Zum sibenden, als dann herr graffe Christoph von Werdenbeig
vermaint hat, alle die, so auf den landstrassen in dero von Cberlingen
nidem gerichten fräveln, ze straffen, daß, was sich ffir frärel, den
nidem gerichten zuegehörig, in den dorfettem, darin die von Ober-
lingen die nidem gericht haben, zuetragen oder yerfallen, denselben
voh Überlingen und was außerhalb der dorfetter fOr frävel, hoch oder
nider, darin nichts ußgenommen, sich auf den Straßen begeben, hem
grave Christoph oder deinen nachkommen ze straffen zuegehören sollen.
(Der achte Punkt betrifft wiederum einen besonderen RechtshIL)
Zum neunten, der gemainen undergängen halb, daß derseUrig
inhalt deß jüngsten Vertrags, welcher under anderem uBweißt: wi
herr graffe Christoph und die von Überlingen mit den gerichten andi
trib und tratt zuesammen stossend, und demhalb irrung oder spenn
erwfiechse, daß ain gemainer gezogner undergang gegeben werden,
nämblich, daß ein jeder thail den halben undergang geben, und waß
dieselben undergenger erkennen, darbei soll es verpleiben. Ob sich
aber solch undergänger deßhalben mit ainandem nit vergleichen, so
sollen bald partheien umb ain obmann, sover sie sich deß nit gfiet-
heben verainen möchten, das loß werfen.
(Der 10. Punkt betrifft einen Spezialfall; ebenso der 11. Punkt)
Zum zwelften, als herrn graff Christophs vorstmaister sich under
standen, von den krämmern, so sie an der kirchweihin in dero von
Überlingen gerichten auf dem land fail gehabt, platz- und standgelt
genommen, haben wir, obmann und zuesäz, herrn graff Christophen
erbetten, daß er auß gnaden und nachparlichem willen davon ge-
standen ist, und hinfüro gemelte von Überlingen und die iren daran
ungesaumbt und ungeirrt will lassen.
Zum dreizehenden, als herrn graff Christophs vorstmaister dero
von Überlingen armen leuthen uf dem land verpottner zeit gar kain
klainen hund mit noch ohn angehenkt trommel zue gedulden,
sonder darzue halten wellen, daß sie die einsperren, daß derselben
von Überlingen arme leuthen in verpottner zeit kain hund, klain noch
groß, ohn angehenkt bengel der graffschaft Hailigenberg vorstlichem
gebrauch nach laufen lassen sollen.
(Der 14. und letzte Artikel betrifft wiederum einen Spezialfall.)
Nach einer Kopie vom Ende des 16, Jhdts. (1585.) St-A.
Abt, LXXIII, No, 2091. Reg. in den „Mitteilungen'' aus d. f. F.
Archiv, Bd. i, S. 104ff.
Üi)erlingeD. 355
XXXXVIIII.
Kaiser Karl V. erteilt der Stadt Überlingen ein Privilegium über
Nachsteuer und Abzuggeld.
1526 November 30 Granada.
Wir Karl der fünft, von gots gnaden erweiter Römischer kaiser
etc. etc. bekennen für uns und unser nachkomen am reiche offenlich
mit disem brief und thun kundt allermeniglich, das wir in ansehung
und betrachtung der manigfeltigen getrewen und nutzlichen dienst,
so unsere und des reichs liebe getrewe N. N., burgermaister und rath
der stat Überlingen und ir vorfaren weilent unseren vorfaren. Rö-
mischen kaisern und künigen, uns und dem hailigen reiche mit dar-
streckung irer leib, hab und güether oft williglich gethon haben,
teglichs thun und hinfüro auch zu thun sich willig erbieten und be-
sunder. das si sich in der jüngsten empörung und aufrur der mut-
willigen baurn und pövel bei dem durchleuchtigen fürsten, herren
Ferdinanden, infanten in Hispanien und erzherzogen zu Oster-
reich etc. unserm freuntlichen lieben brudern, und dazumal unser
stathalter im hailigen reiche, neben und für ander cristlich, crlich
und wol bewisen und gehalten, gemelten burgermaister rat und ge-
meind und iren nachkomen, mit wolbedachtem muet, zeitigem rath
und rechter wissen disse besundere gnad gethan und freihait ge-
geben haben, thun und geben inen auch solchs von Römischer kaiser-
licher macht, wissentlich in craft ditz briefs, also das all und iegliche
person, was wirden, standts oder wesens die sein, niemandts hindan
gesetzt noch außgeschlossen, so in gemelter unser stat Überlingen
bei inen nit wohnhaft gesessen, oder dem etter und Stattgericht under-
worfen, hinfüro von denselben burgern, einwohneren oder denen,
so im statgericht seßhaft und begriffen sein, ainig hab und guet,
ligend oder farend, vil oder wenig, durch gescheft, gemächt, kauf
oder in ander gestalt, wie das namen haben, oder genent werden mag,
nichts außgenomen, erben, überkomen, oder sunst an sich bringen
würden, das derselb und dieselben allwegen fünfzehen jar, die negsten
darnach volgendt, bei derselben ererbten oder angezeigten maß über-
komen und an sich brachten hab und güeteren personlich wonen
und sitzen, und das burgerrecht zu Überlingen mit aller und ieder
anderer vorhabender irer hab und güeter annemen, auch das tragen,
wie ander itzt gemelt unser stat Überlingen burger, einwoner und
statgericht einsassen, pflegen und schuldig sein zu thun. Würd aber
dem oder denselben die vorbestimbt fünfzehen jar solch burgerrecht
anzunemen nit gemaint sein, so sollen alsdan der oder dieselben all-
wegen von solchen ererbten überkomen und an sich brachten hab
tsi
und güetereiij ligeiidt oder varendt, klain oder grossen, nirbts aiiß-
genonien, wie vorstet, durchaus der naehbestinibten suma aine, iiem-
lieh den dritten^ sechsten, achten oder zehenden pfenniag allwegen
nach willen und vvolgefallen des itzigen und aines ieden zukiinftigen
burgermaister und klainen rath zu gernainer stat Überlingen nniz,
iröm itzigen oder zukünftigen geschworen rechenniaisteren on allen
abgang, verzug, eintrag, widerred und verhindrung für den ab^ug
zu gftben und zu bezaln schuUlig und verbunden sein, und si hie-
wider kain geschriben oder ander stat- oder landtrecht, freihält, ge-
wonhait, noch gebrauch nicht fürtragen, noch helfen in kain weiß;
doch unß und dem hailigen Römischen reich an unser kaiserlichen
obrigkaiten und gerechtigkailen unschedlich und uuvergriifen. Und
gebieten , . . . (wie gewöhnlich; Strafe: fünfzig mark löüigs goldts)-
Geben in unser stat Granaten am letzsten tag des nionats novembris,
nach Cristi unsers lieben herren gehurt im fünfzehenhundert sechs-
uiidzwainzigisten, unserer reiche des Bömischen im achten, und der
anderer aller im ailften jaren.
Carolus. ■
- Ad mandatum caesareac ac catholicae maieslatis proprium.
Brantner.
Perg^ Oritf, mit Siegel an ackwar^-gelber Heide. L^-Ä. Bß9»
Abdr.: Lünigf a. a, 0., Bd. 14, 8. 547.
L.
Kaiser Karl V. erteilt der 'Stadt Überlingen einen Wappenbrief.
1528 Februar 3 Bargos.
Wir Karl der fünft, von gots gnaden erweiter Romischer kaiser
etc. etc. bekennen für uns und unser nachkomen am reich offenlich
mit diesem brief, und thun kundt allermeniglich : wiewol wir aus
angeborner güete und kaiserlicher miltigkait aller und ieglicher unser
und des hailigen reichs underthonen und getrewen ere, nutz und
bestes zu fürdern allzeit geneigt, iedoch sein wir meher begirig und
williger gegen denen, so bei unsern vorfarn. Romischen kaisem und
kunigen, auch uns und dem hailigen reiche in steter williger, getrewer,
gehorsamb und dienstbarkait für andern herkomen, und sich redlich
erzaigt, gehalten und bewisen haben, si mit unsern kaiserlichen gnaden
zu begaben. Wan wir nu güetlich betracht und angesehen haben
solch ehrbahrkait und fromkait, darin unser und des reichs lieben
getrewen burgermaister, rath, burger und gemeind der stat Über-
lingen vor unser maiestat berumbt sein, und wie si sich in den
Überlingen. 857
negsten Lutterischen, beurischen emborungen und aufrurigen schweren
leufen uns und der hailigen cristlichen kirchen zu gehorsam dapfer,
mandlich und redlich gehalten, auch die getrewen, annemen und
willigen dienst, so si uns und dem hailigen reiche in manigfeltig
weg gethon haben, und hinfürter wol thun mögen und sollen, das
wir demnach mit wolbedachtem muet und rechter wissen den ge-
dachten burgermaister, rath, burgern und gemaind der stat Über-
lingen ir altes lang hergebrachts erblich wappen und clainot, so mit
namen sei ein gelber oder goltfarber schild, und darin ein schwarzer
adler mit außgeschlagener zungen und außgereckten flügen und
füessen, in das vorderthail des Schilds sehende und auf dem schild
ain thurniershelm, geziert mit ainer gelben oder goltfarben cron, und
gelben oder goltfarben und roten helmdecken, so ire vorfordern, si
und die stat Überlingen, bisher gefüert und gebraucht, zu ewiger
anzaig solcher irer obgemelten redlichkeit, wie hernach volgt, nemb-
lich in mitte, in dem herzen des gedachten adlers ein klaines gelbes
oder goltfarbes schildtlein, und darin ainen roten, stenden lewen mit
außgeschlagner zungen und clawen, haltend auf seinem haubt ain
gelbe oder goltfarbe cron, in das vorder thail des schildts sehend,
und auß der gelben oder goltfarben cron auf dem thurniershelm ainen
halben roten lewen entspringend, auch mit außgeschlagner zungen,
habend auf seinem haubt auch ein gelbe oder goltfarbe cron und
haltend in der rechten vordem branken ein bloß schwert, gleichwie
im klainen schiltlein formirt, zum forderthail des schildts kerend,
wie dan solch wappen und clainot in mitte ditz unsers gegenwertigen
kaiserlichen briefs gemalt, und mit färben aigentlicher außgestrichen
sein, verendert und gebessert, auch sovil von noten, alles von newem
verlihen, gegeben, confirmiert und bestet haben, verendern, bessern
und verleihen, geben, confirmieren und besteten inen solchs auch
von newem, von Romischer kaiserlicher machtvolkomenhait wissent-
lich in craft ditz briefs, und maincn, sezen und wollen, das berürte
burgermaister, rath, burger und gemeind der stat Überlingen für und
für ewiglich die vorgeschriben wappen und clainot haben, fürn, ujid
sich der in allen und ieglichen erlichen und redlichen Sachen zu
schimpf und zu ernst in streiten, stürmen, veitzeugen, paniern, ge-
zelten, aufschlegen, insiglen, clainoten, venstern und sunst an allen
enden und steten nach irer notturft, willen und wolgefallen gebrauchen
und geniessen sollen und mögen, als ander unser und des hailigen
reichs burgermaister, rath, burger und gemeind sich irer stat wappen
und clainot gebrauchen und geniessen von recht oder gewonhait,
von allermeniglich unverhindert. Und gebieten .... (wie oben. Strafe:
858 Überlinf^en.
fünfzig mark löttigs goldts). Geben in unser statt Burgos in Castilien
am dritten tag des monats februarii, nach Cristi unsers lieben hem
geburt im funfzehenhundert und achtundzwainzigsten, unser reiche,
des Romischen im neundten, und der andern aller im drew-
zehenden jarn.
Carolus.
Ad mandatum caesareae et catholicae maiestatis proprium.
Alexander Schweis.
Percf, Orig, mit gemaltem Wappen, St.-A, (früher, bis 1885
L.-A.) Abdr,: Lünig, a, a. O., Bd. 14, S. 549.
LI.
Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der Stadt Über-
lingen wegen der Jurisdiktion in Strafsachen.
1528 Mai 14.
Wann sich begeh, daß ainer ain andern in den von
Überlingen dörfern, nidern gerichten und gebieten, alda dem herm
graven die hoch obrigkait, als vorsteet, zugehörig ist, uß dem seinen
oder sonst frevenlicher weise ausfordert, oder ainer nach dem andern
ain wehr, wie die genannt werden möcht, oder ain stain ald anders
nachschüß oder würfe und nit treffe, sonder välet, es geschehe tags,
oder nachts, daz sölich lättor uinb der ietweder mißhandlung umb
zechen pfuiidt pfeiiing laiidtsweniiig gestrafft, und sollich straff ge-
molteni hcrrn graveii, sein erben und nachkommen zum halbthail,
und der ander halbthail den von l'l)(»rlingen zuogehürn, auch ir baidc
thail ambtleuth, oder wen sie zuo icMJcr zcMth darzuo verodnen, die-
selben mit ainandern geinainlich einziehen. \Va aber ain lätter seiner
that in lougen steen wüni, so solh* (Icrscih von baiden thailen mit
sein, des herrn graven, fri landtgiMichl fürgenoinen, und, wie sich
desselben gebrauch nach gehurt, hcM-lagl, und was cost oder schaden
inen gegen denselben heclagten [)ersonen in solcher rechtferligung
auferloffen, denselben auch geinainlich duhhMi und tragen; und sollen
zuo solicher beclagung und rechthTtigung haid thail ainandern ge-
trewlich beraten und beholfen sein; auch was si also rechtlich er-
volgen, mit ainandern in gleichem thail, wie ohlauth, halbiert und
eingezogen. Doch ist hierin fürneinlich beredt worden: wann die
hierten oder sonst knaben, die noch nil vierzechen jar oder darüber
alt weren, ainand(M-n vordertcn, oder mit staincMi, stecken i)der der-
gleichen dingen zuosainen würfen und väleten. daß dieselben in
solichen baiden articuln außgesondert, nit begriffen und von kainem
thail gestrafft werden ....
Überlingen. 859
Nach 2 gleichlautenden Kopien vorn Ende des 16. Jhdts. St,-A.
Abt. LXXIII, No. 2088 hezw, 2089.
AiLsf. Reg. in den „Mitteilungen** au^ dem f. fürstenb. Archiv,
Bd. 1, 8. 155f.
LH.
Kaiser Karl V. gibt der Stadt Überlingen ein Privilegium exem-
tionis von fremden und auswärtigen Gerichten.
1530 Juli 29 Augsbarg.
Wir Karl der fünft, v. G. g. Romischer kaiser etc etc. bekennen
für uns u. s. w. (wie oben), daß wir demnach mit wolbedachtem
mueth und rechter wissen den gedachten burgermaistern, rat, burgern
und gemeind der stat Überlingen dise besondere gnad, freihait und
recht gegeben und gethon, thün und geben inen die in craft diß
von Romischer kaiserlicher machtvolkomenhait, das hinfür zu ewigen
Zeiten kain burger zu Überlingen, gemainer stat, noch derer burger,
Spitals, noch gotzsheuser phant, aigen, dienst, gerichts hindersassen,
underthonen und zuegehörigen leute, samenlich noch sonderlich nun
fürbasmer zu ewigen zeiten auf niemants clag, sprich, oder aufordrung,
wer der oder die, und umb was Sachen das were, nichtzit ausge-
nomen, es berüer oder betreff eer, leib, oder guet, vor unserm und
deß reichs hofgericht zu Rotweil, dem Westvalischen, noch einichen
hof-, landt- oder andern gericht, wie die genannt seind oder werden
möchten, nicht fürgenomen, gehaischen, geladen, beclagl noch wider
sie oder iren güeter gericht noch procediert werden, sondern sollen
die cleger das recht gegen iren burgern vor irem statgericht und
gegen gemeiner stat und iren burgern, spitalen und gotshewsern
phandt, aigen, dienst, gerichts hinderscässigen unterthanen und zue-
gehörigen leuten vor den gerichten, darin si gesessen und gehörig
sein, und sonst niendert anderschwo suchen, geben und nemen; alles
unangesehen ainichs hof-, land-, noch anderer gerichts, dhains hierin
ausgenomen, freiheit, ehaft, recht, gewonheit, Statut, herkomen und
gerechtigkait, die weren ietzt in bruch und Übung erlangt, oder würden
noch künftig erfolgt, gebrucht und geüebt. — Ob aber hierüber ainicher
burger zu Überlingen gemainer stat, irer burger, spital und gotsheuser,
phant, aigen, diensten und gerichts hindtersässen, underthonen und
zuegehörigen leute und ir nachkomen, oder ir hab und güeter an den
obgemelten unsers und des reichs hofgericht zu Rotweil, westvalisch
oder sunst an ainichen hof-, landt- oder andern gerichten beclagt
und fürgenomen würden, und an denselbigen wider si ichtzit gehan-
delt, gericht, geurtailt, geacht und procediert würde, das alles und
SiO ^^^^^^^^^^^^^ CberliögeD»
jedes soll craftlos und unpündig sein, imd den fürgeladenen und ver*
kündten personen an iren leiben» eren, hab und güetern, auch den
benennten von Überlingen, iren nachkomen und den Iren an diser
unser sonder gnad und freiheil nnvergriffentnoh nnd unschedlich sein,
und kainen nachtail oder schaden pringen noch gebern, das wir
auch ietz als dann, und dann als ietz, von obbestimbter unser kaiser-
lichen macht volkomenheit in crafi diß briefs aufheben, abthun und
vernichten, es were dann sach, das das recht durch die von Cber-
lingen oder die iren jemandt kuntlich uf sein begern versagt L>der
geferlichen ver^KOgen würde, der oder dieselbigen mögen alsdann das
recht anderswo suechen, wie sich nach unser und des heiligen reiclis
Ordnung gebürL Wir haben inen auch die besonder gnad hierin ge-
thon und wollen, wölcher oder wölichc vermelt bürge nnaisler und
rat zu Überlingen oder ir burger al inwoner und gemeinsame und
enthalten offner ächter, die w^eren inen verkündt oder nil, hinfCirf*
mit hof-, land- oder andere gerichten bekomerte und zu costen und
sehaden prachten, das der oder dieselbigen vorgenant von Überlingen
gemeine stat, ir burger und inwoner, iedos fürneniens, bpc lagen s und
bekomerns halben, umb allen iren erliien und empfangen costen imd
schaden ablegen und bezalen sollen» one verzug, widerred und auch
unverbindert allermeniglichs. Und gebieten u. s. w, (wi«> oben,
Strafe: 50 m. 1. g.). Geben in unser und des heiligen reichs statt
Augspurg am neunundzwainzigisien tag des monals julii nach Cristi
u. 1. h. gehurt im fünfzehenhundert und dreissigisten, unsers kaiser-
thumbs im zehenden, und unser reiche im fünfzehendten jaren.
Carolus.
Albert. Cardin. Moguntin.
Vdt. Waltkirch. archicancellarius.
Ad mandatum caesareae et catholicae majestatis proprium.
Alexander Schweis.
Perg, Orig, mit Siegel. L.Ä. 2/90. Abdr.: Liinig, a. a. 0.,
Bd. 14, S. 552.
LIII.
Kaiser Karl V. erteilt der Stadt Überlingen ein Privilegium de non
appellando.
1530 Juli 29 Augsburg.
Wir Karl der fünft, v. G. g. Romischer kaiser, etc. etc. bekennen
öffentlich mit disem brief für uns, unsere nachkomen am reiche und
thun kunt allermeniglich : wiewol wir aus angeborner güete und
kaiserlicher miltigkait aller und ieglicher unser und des hailigen
Überlingen. 861
reichs underthonen und getrewen er, nutz und bestes ze fürdern
allezeit genaigt, iedoch seind wir mer begierig und williger gegen
denen, so bei unsern vorfarn, Römischen kaisern und künigen, auch
uns und dem heiligen reiche in stätter, williger, getrewr gehorsam
und dienstperkait für ander herkomen und sich redlich erzaigt, ge-
halten und bewisen haben, sife mit unsern kaiserlichen gnadn zu be-
gaben. Wann wir nun güetlich betracht haben sollich erberkait und
frombkait, darin unser und des heiligen reichs lieben getrewen,
burgermaister und rat, burger und gemeind der stat Überlingen vor
unser maiestat berüembt sein, und wie si sich in den nechsten Lute-
rischen peurischen embörungen und aufrüerigen schweren leufen uns
und der heiligen cristlichen kirchen zu gehorsam tapfer, mandlich
und redlich gehalten, auch die getrewen, anemen und willigen dienst,
so si uns und dem heiligen reiche in menigfeltig weg gethon haben
und hinfürter wol thun mögen und sollen, das wir demnach mit
wolbedachtem muet^ und rechter wissen den gedachten burgermaistern,
rat, bürgeren und gemeinden der stat Überlingen dise besondere gnad,
freihait und recht gegeben und gethon, thun und geben inen die auch
hierait von Romischer kaiserlicher machtvolkomenhait wissentlich
in craft diß briefs, und mainen, setzen, ordnen und wollen: nemblich
erstlich, das ein ieglicher burger oder burgerin zu Überlingen, so
von ainer urthail von dem oberstatgericht daselbst ergangen, appeliert,
dieselb appelacion, nachdem er ain gelerten aid geschworen, das
diselb appelacion nit von gfar noch verzug, allain aus siotturft ge-
thon haben, nach den recht und Statuten der stat Freiburg im Preiß-
gew, oder der stet Rotweil und Ravenspurg, die ein ersamber lat zu
Überlingen ainem jederzeit anzaigen und benennen wirdt, volziehen,
und alles das, so von dem rat zu Freiburg, Rotweil und Ravenspurg
mit urtail erkennt und zu recht gesprochen würd, das dasselb stät
und ungewaigert von baiden partheien gehalten werden, und wann
der appelant verlustig würde, gemainer statt Überlingen zehen phunt
phening für büß abzutragen verfallen sein, und in die statt Überlingen
nit mer komen soll, die seien dann zuvor bezalt worden.
Zum andern, das ain ieder burger oder einwoner zu Überlingen
ainem ieden frembden und auswendigen sein hab und guet ußserhalb
der stat Überlingen und dersclbigen irer burger, auch spital und aller
ander gotsheusser daselbst, gerichten, gebieten, zwingen und benneii
umb sein anfordrung wol zu recht heften mögen, aller der maß, als
si biß hieher in der stat Überlingen und ireni statgeritht gethon und
' Or. nuet.
im brucli'und ibung gehabt, und noch haben sollen, unverhindert
allermeniglichs.
Zum dritten, das burgermaisler und rat zu Überlingen^ die ieizundl
seind oder künftig sein werden, oder der merer tail linder in in der
stat Überlingen auswendigen^ auch irer burger, spital und andere
gotzhevYser, inen zuegehörig, gebieten^ gerichten, zwingen, bennen,
und derselbigen etter, in allen sachen setzen und ordinieren megeH|
was si nach erkanlnus des rats daselbst, oder des inerern tails under
in auf ir aid notturft und besser gethon, dann gelassen, bedunkea
sein würdet^ und was si denne allso setzen, ordnen und erkennen,
das 8oIt in denselbigen iren auswendigen, auch irer burger, spitals
und ander golsbeuser, wie v^«^*»* «^bieten, gerichten, zwingen und
bennen und derselbigen et
geben und volfüert werden^ onne
allermeniglichs, allermaß, g
Überlingen anzusehen und
thon haben, und hintüm aucn
allermeniglich imverhindf
liehen churfürsten etc.,
herren, freigraven, freiscu&i
Slrafe: fünfzig mark lötljges g
reichs stat Augspurg am neu!
it von jederman gehalten, ge
ind widerred, auch versaumnus
recht, wie sie in der sUtt zu
u altem her gebraucht und gp-
m und gebrauchen mögen, von
biethen darauf allen nnd jeg*
urtailsprechern, richtern, sluel-
Idhaissen etc. etc. (wie oheiL
ieben in unser und des heiligen
wanzigisten tag des nionalB
jutii nach Cristi unsers lieben herren gehurt fünfzehenhundert und
dreissigisten, unsers kaiserthiimbs im zehendten, und unser reiche
im fünf zehenden jaren.
Caroluö-
Albert. Card. Mogunt,
archicancellarius.
Ad mandatum caesareae et
catholicae maiestatis proprium.
Alexander Schweis.
Perg. Orig. rnit Siegel, L.-A. 2/90. Äbdr. : Lünig, a. a. 0.,
Bd. 14, S. 550.
LIV.
Oerichts-, Zwing- und Bannordnung des Spitals zu Überlingen.
1532.
Öffnung, Ordnung und Satzung in des gotzhauß spittals
zu Überlingen gerichten, zwingen und pennen, durch meine
herrn burgermaister und ain ersamen rath des hailigen
Überlingen. 363
reichs statt Überlingen ernewert, gesetzt und gemacht im
jar nach der gehurt Christi im zwaiunddreissigsten.^
Aid zu gehen.^
Als mir vorgelesen ist
und mit worten beschaiden,
das wil ich war und stät halten,
getrüwlich volfüren
ungevarlich.
Also schwer ich,
des bitt ich mir gots gehilfen
und all hailigen.
So mit urtail erkent wirt
aid zu thun, das ainer ainer
sach unschuldig ist.
Als zu mir clegt ist,
des bin ich unschuldig.
Also schwer ich.
Des bitt ich mir gotz gehilfen.
Aid zu geben ainer urfeh.^
Du wirst (ir werden) schweren ainen söllichen aid, das du (ir)
von sölher fangenschaft wegen niemand weder vechen, finden, hassen,
noch die in ainich weg rechen wellist (wellind), weder durch dich
(üch) selbs, noch durch ander lut sölchs schaffen gethon werden, ouch
die fürohin nit anden noch äfern gegen denen, so schuld daran, oder
rat, tatt und hilf darzu gethon haben, und ob du (ir) deßhalb zu minen
herren, iren burgern oder iren armen leutcn, hindersässen und ver-
wandten ansprach zu haben vermaintist (vermaintind), das du als-
dann meine herren und ire burger bi recht wellist (wellind) belibeu
lassen, nach lut irer statt frihait sag vor den drien stetten Costantz,
' Von dieser Satzung befindet sich ein Exemplar im Stadtarchiv in Überlingen,
welches der nachstehenden Abschrift zugrunde gelegt wurde. Das Spitalarchiv
besitzt mehrerti Exemplare dieser Satzung, unter andern ein Pergamentlibeli mit
10 Folioblättem. Letzteres, offenbar das amtliche, beim Verlesen benützte Exemplar,
ist unter der in den Aamerkungen erwähnten «spitälischen Handschrift» zu verstehen.
Das Spitalarchiv besitzt außerdem 3 Gerichtsordnungen von 1480, 1500 und dem
15. Jahrhundert, die tibereinstimmen. Soweit der Text der späteren Ordnung von
1532 mit dem älteren übereinstimmt, ist er gesperrt gedruckt.
■ Diese Formel steht als Vorwort zu den Spital-GerichtsorJnungen von 1480
und 1500. Spital-Archiv Überlingen, Absatz I, Nr. 3a und 3c.
• Diese Eidesformel befindet sich nur in der Spital-Gerichtsordnung vom
Jahre 1500. Spital- Archiv Überlingen, Absatz I, Nr. 3c.
Überlingen.
Lindow und Ravenspurg, deßglichen ire armen leut, hindersassen
und verwandten, jeden under sinen st ab und an den orten» do er
ordenlich hingehört und do er gesessen isl, und das du (ir) mmen
herren umb die raißhandlung sollest (sollend) und wellest (wellend)
zum rechten stan, so du (ir) deß erfordert wirst (werden) otu^h dem
gotzhua für die cost und lifmng, so uf dich (nah) in d<^r gefengnus
und uf die dich (üch) fenglich härgebracht haben, gangen ist, un-
verzogenlich iißrichten, bezalen und ablegen wellest etc-
Tit. 1.
Der am man aid.
Ersllich so würdt ain jeder amman schweren ain aid
lirh s:ü got und den hailigen, meiner herrn burgermaister und rat, auch
gemainer statt Überlingen und irs gotzhauß spittals daselbst eer, nutz
und frumen zvi schafien und ir gemainer statt Überlingen und ließ*
selben spittals schaden und nachtail warnen und wenden nach seinein
besten vermögen; deßgleichen, was im jeder s^eit von meinen herrn,
oder zii zeiten den geordneten pflegern gemeUs spittals bevolchen
würdet, desselbig soll er aller zeit, wie er des bevelch hatt, getreuw-
lieh und vicissig zu volstrecken und außzeriehten, auch das gericht
zü besitzen und ain gleicher richter ze sein den armen als
den reichen, und dem reichen als dem armen, niemand zn lieb
noch ze laid, und nit ansechen kain freundschaft noch veind^
schalt, noch auch weder müt noch gab, sonder allain dem
rechten zu lieb, und was im Unzuchten und unbandlungen für-
komen, sie werden im clagt oder nit, darauß meinen herrn und
dem gotzhauß spittal frevel und strafTeii geen megend, die soll
er all wegen den geordneten pflegern des spiltals oder dem spittel'
maiäter als schailnern in irm namen fiirbringen und rügen, bis
die berecbtet oder außgetragen werden und sollichs durch
nicmandts lassen bei obgedachteni geschwornen aid- Die
amfjtleüt in des gotzhauß spittals gerichten sollen hinfüro ir vleissig
aufsechen haben, wann in des gotzhauß spittals gerichten iemands
schulden halben auß des gotzhauß gerichten ausstritt, oder mit todt
abgeet und schulden unbezalt hinder im verließ; so sollen die ampt-
leut gemelts gotzhauß von oberkait wegen der ausstrettnen und abge-
storben verlassen hab und güeter jederman zu seiner gerechtigkait
zu arrest und verpott legen, und sodann das beschicht, dasselbig
meinen herrn des gotzhauß spittals pflegern anzaigen und darauf
irs bevelchs, was verrer darin ze handien sei, erwarten, und also
solch hab und güeter in verpott, bis meniglichem recht dabei wider-
Überlingen. 365
far, unverendert pleiben lassen, und alles vleiß darob und daran sein,
damit auß dem arrest und verpott solcher hab und güeter nichts
verändert noch hinweg genomen werd.
Tit. 2.
Richter aid.
So werden die richter schweren aid zu gott und zu den
hailigen, das ir hierauf ain gleicher richter ze sein dem armen
als dem reichen, dem reichen als dem armen, niemand ze lieb
noch ze leid, weder durch müeth, gab, noch kains vorthails
willen, dann allain dem rechten zu lieb und fürdrung, nach
eur jedes bestes verstendnus, auf das so zu recht für euch
getragen wirdet.
Und sollen auch alle haimlichait der räth und der ur-
thailn verschwigen bis in ir grub, und an keinem ende rath
suchen noch haben, dann vor irn oberkaiten und in derselben
gerichten.
Welchem richter an das gericht gepotten würdet zu hauß,
zu hoff, nit kumbt, biß die erst frag am gericht herumb
kombt, der ist auch zu püß verfallen drei Schilling pfennig,
er mag dann vor eehaft nott nit erscheinen.
Welcher auch vom gericht on urlob je zu zeiten der geord-
neten pfleger, oder ains spittelmaisters gedachts spittals, aid ains
ammans, aufsteet und hinweggeet, der würdet umb drei Schilling
pfennig gestrafft; es mecht sich auch ainer sogar ungehorsamlich
halten, er würd hecher nach gestalt seiner handlung gepüest und
gestrafft.
Tit. 3.
Der aigenleuten aid.
Die werden meinen herrn, burgermaister und rath, und ge-
mainer statt Überlingen schweren, auch irs gotzhauß spittals
nutz und fromen zu schaffen, irn schaden getrüwlich zu
warnen und zu verbieten nach irem besten vermegen gepott
und verpott gehorsam zu sein, ir lieb und gut in kainen weg
zu verendern noch beschweren, on gunst, wissen und willen
meiner herrn, deßgleichen kainen herrn, schütz, schürm,
vogtrecht, burgrecht an sich zu nemen, dann mit wissen
und willen meiner herrn.
Tit. 4.
Der hindersässen aid, die aigen und vogtherrn haben.
[Ir werden schweren:] Meiner herrn burgermaister und rath und
gemainer statt Überlingen, auch irs gotzhauß spittals nutz und
866
Übertingen«
fromen zu schaffen, im schaden gelrewlich zu warnen, doch
ewefn aigen uotl vogtherni an irer aigenj^chafl und voglei
unvergriffen, pott und verpott, so lang ir hindersässeii in
des gotzhanß spittals gerichten seit, gehorsam ze sein und alles
das, so sich in der zeit die weil ir hindersässen gewest sind> ver-
loffen hat, mit recht an dem end^ da ewer jeder gesessen
ist, ansBlragen und sei nit weiter bekümhern noch treiij^en
in kainen weg, das auch der harnasch* und wer so ewer jedem tii
haben auferlegt, ewer jedes aigen sei, und den in kainen weg verabcr
wandlen^^ sonder damit geliorsanilich warttni.
Tit. 5.
Ins^a'igs halb.
Es soll niernands in des gotzhanß spittals gericbten.
zwingen und pennen Kiachen on wissen und willen und er
lauben meiner herrn, od^r je zii zciten der geordneten ptleger clt?^
gotzhaufi spittal bei peen drei pfund pfening. Wer auch die^
selbigen herberget, der ist i drei pEundt pfening ver-
fallen, snofi das one erlopt hicht.
Und we/lrher also usser crlonuiuß meiner hcrrn in die geridif
ziehen will, der soll zflvor ainen gelerlen aid schweren, das er hindor
dhainen Juden behafl^ auch weder in aacht noch bann» deßgleicheii
weder vor hof-, land- oder andern gerichten recht bengig sei, und das
er kaineni herrn noch gotxhauß mit der leibaigenschaft zügethon nocli
verwandt, sonder in all weg seins leibs frei sei in all weg.
Tit, 6.
Ordnung und rat, wie es vor gericht gehalten werden soll
Welcher [den andern vor gesessem gericht beschelkl
mit scheItworten]% es seien fronen oder man, ist die peen
ain pfuiidt pfening. Was auch vor gericht bethedingt und be-
schlossen wirt, dem soll nachkommen werden; komt es clag,
ist die peen zechen Schilling pfening, und was vor ainera
amptman verlhedingt w^ürt und auch äü clag korabt, ist die
püß fünf Schilling pfening.
Welchem für gericht gepotten würt und kombt und be-
gert ains iiugs anf seinen herrn, mag der angreifen an den
Stab, das er solch sacben nit verantw^urten kend noch meg
' Die Worte von [bis] iind in der Bp^täliscben HB^ndicbrift duf eh strichen; d«fQr
am Rande: «Rieh mit werten oder wercken undchtig oder unbeecbaidönlich vor
gesessnem gericht hielt . . ,».
ÜberÜDgen. 367
ne seines herrn rath oder wissen, soll im zug geben werden;
lag oder will er nit darumb an den gerichts stab greifen,
oll im kain zug geben werden.
Und welchem ain zug auf seinen herrn geben würt, und
ich erfund, das der seinen herrn nit suchte, ist die peen
.in pfund pfening.
Welcher seinen mitsässen auf frembde gericht fürnimbt
ind ladet, oder in anderswa verclagt, der soll im allen
ichaden abthun; ist die peen fünf pfundt pfening.^
Wer Zuspruch zum andern umb ligendt oder varendt
;ut hat oder umb gehaiß, die soll er rechtfertigen in jars
frist, es were dann, das ainer nit bei landt were; thüt er das
nit, ist die peen ain pfundt pfening.
Welcher ain knecht animpt, der soll den in vierzechen
tagen den nechsten jetzo zu Zeiten den geordneten pflegern, dem
spittelmaister, oder amptman, das er lob, wie ain ander hinder-
säß, pringen; welcher maister das nit thüt, der soll gestrafft
werden umb ain pfund pfening.
Welcher fravel verfalt, ist derselbig in des gotzhauß spittals-
gerichten gesessen, so soll im ain pfund pfening gepotten werden;
welcher aber zu bezaln nit vermecht, der soll meinem herrn heim-
erkendt werden in venknuß zu legen, und darin all tag fünf Schilling
pfening abdienen; welcher auch gestalt würt, der ausserhalb des gotz-
hauss spittals gerichten gesessen, der soll auch je zu zeiten den ge-
ordneten pflegern des gotzhaußs die straff vertresten, ihut ers nit,
zu meiner herrn banden zuerkennen, und auch obgelauter massen die
straff in venknuß abdienen.
Tit. 7.
Von versatzung und pfandung.
Welcher ain gut zweifacht versetzt und die ersten ver-
satzung in der nachgenden nit eröffnet, ist die peen zechen
pfund pfening.
Wer auch versetzt, das nit sein ist, der soll auch umb
zechen pfund pfening gestrafft werden.^
^ In dieser, sowie in der spitälischen Handschrift von anderer Hand angefügt:
cdoch die handlangen und fehl, so der hohen oberkait z& straffen gebüren, hierinen
auflgenomen».
* Diese zwei ersten Absätze sind in der spitälischen Handschrift von anderer
Hand mit roter Tinte unterstrichen und eingeklammert; am Rande steht mit derselben
roten Tinte geschrieben: «sollen nit mehr verkint werden».
9B8
Überli
ugen
Welcher ainem pfand versagt, so die vom amptman er-
loupt sind *imb nnlougenbar srhiild, ist die püß ain pfiind
pfi'ning.
Wer auch dem andern pfand nimpt unerlaubt, es söj
iimb lougenbar oder uiilougenbar schulden, frevenlich, isl
die peen drei pfund pfeniug.
Weicher pfand auß des gotzhauß spittals gerichlen»
zwingen ond pennen, treibt oder tregt, onverrechtferligt,
ist die peen drei pfundt pfening.
Eh Süll auch kainer dhainen semen ?.ü pfand geben, or
mag dann schweren, das er sunst kain varend pfand hab,
so sollen dann der sem ain varend pfand sein, doch dem
lechenherrn an seiner gerechtigkait one schaden; wer das
überfert, ist die peen ain pfund pfening*
4
Tit, 8.
Von iidlon*
Welcher sich vor gericht beclaget unil> lidlon, und sieb
erfündt, das es nit lidlon wer, der ist verfallen drei Schilling
pfening.
Es soll auch umb lidlon nieniands kain unnütz pfand
geben; wa das zu clag kern, und ainer sein gelt nit darauß
lesen mecht, so ist die peen drei schülling pfening.
Tit. 9,
V'^on Spillen.
Wer endtlehnel oder über das spil leuchet, ist die peei
ain pfund pfening.
Wer auch dings spillet oder auf pfand, oder wer leihel
oder endtlechnet anders^ dann bargell auf dem tisch, aint
an das ander, ist die peen drei pfund pfening.
Wer auch in seinem hauß spülen lasst von dem ave maria
am aubendt unz am morgen zu ave maria, ist die peen ain
pfundt pfening.
Tit. 10.
Welcher^ dem andern auf sein lehen stellt, ist die peen
zehen pfundt pfennig.
' In der spitälischen Handschrift befindet sich über diesem Absati folgende
Überschrift von späterer Hand: «Von aigen und lehengOeter, auch recht
und gerechtigkait und dienstbarkait derselben».
ÜberliDgen. 869
Es soll auch niemandts kain gut verleichen noch ver-
:auschen von den güetern, so dem gerichts-, lehen- und
vogtherrn zügehern; ist die peen drei pfund pfening.
Es soll niemandts graben noch wasserlaitinen machen
durch die Strassen oder durch die gemain merk, one er-
laupt; ist die peen zechen Schilling pfening.
Wer dem andern sein körn, obs oder grass frevenlich
abschneit oder nimpt, der kumbt umb ain pfund pfening.^
Es soll niemandts in meinen herrn gerichten, zwingea und pennen,
in gemain mark und in ir helzern kain gereut machen noch lassen
machen one erloupt; ist die peen drei pfund pfennig.
Tit. 11.
Wa* zerwürfung und unainigkait will aufersteen, da soll
ain jeder geschworner darvor sein und frid gepieten, erst-
lich an ain pfund pfening, darnach an drei pfundt pfening, nachgendts
an fünf pfund pfening und biß auf zechen pfundt pfening, es were
dann sach, das ine nott sein bedunkte, gleich das mittel pott der
fünf pfundt pfening, oder das bott der zechen pfundt pfening ze thün;
würd aber ainen gedunken, das nott wirde, zum hechsten pott zu
pieten, und solchs überfarn, der oder dieselben übertretten, sollen
der oberkäit überantwurt werden, und welche oder welche dieselbigen
nit helfen annemen und uberantwurten, der oder dieselbigen sollen
umb drei pfund pfening gestrafft werden; und welcher solche pott
thüt, der soll das ainem jeden amptman angeben, damit die
gestrafft werden, bei peen ain pfund pfening.
Von Scheltworten."
Welcher den andern fravenlich, unbeschaidenlich und müt-
williglich, es seien frawen oder man, schelt, das soll meinen herrn
anzaigt und nachgendts durch sei gestrafft werden.^
^ In der spitalischen Handschrift ist dieser Absatz mit roter Tinte unterstrichen.
Am Rande steht, von anderer Hand geschrieben: «SoU nit so verkindt werden, sondern
wie tmden stath».
Dann folgt von derselben Hand: cWer dem andern sein körn, opß, rOeben,
aichelen oder graß frä venlichen tags abschneit, schilt oder nimpt, der kompt umb
ain pfnnd pfening, und soll dem andern sein zaegefüegten schaden nach simblichait
abtragen; wa aber daß änderst geschee, daß soll den hohen gerichten gehören».
' In der spitälischen Handschrift ist dieser Absatz überschrieben: cVon rumor
and schlachandlungen, auch fridmachung und Stillung derselben, deß~
gleichen der darüber gesetzten, von scheltworten und frävel und
büßen».
* In der spitälischen Handschrift durchstrichen.
^ Der ganse Absatz ist in der späteren Handschrift mit roter Tinte unter.
strichen. Am Rande: «soll nit mer verkindt werden».
Obtrrh«iniaohe BUdtieobt«. II. 9. 84
Überlingen. 871
Tit. 12.
Werl in die aucht kumbt, der soll auß diß gotzhauss ge-
richten geen; wa er das nit thut, als oft man in darin sieht,
ist die peen drei pfund pfennig; were auch, das ainer oder
mer, die in den gerichten sitzen, von seinetwegen zu schaden
komen, die soll er von schaden entheben, und soll in die ge-
richt nit komen, er pring dann wäre kundtschaft, das er
auß dem auchtbuch geschriben sei.
Welcher in meiner herrn gerichten gesessen und von andern,
iwrer der, oder wa die gesessen sind, ausserhalb gedachter meiner
herrn auf frembde gericht citiert oder geladen würdet, [der soll vor
denselben frembden gerichten nit erscheinen, noch antwurt geben,
er hab dann soUichs zuvor je zu zeiten den geordneten pflegern oder
spittelmaister anzaigt]*; wer das uberfert, der soll umb ain pfundt
pfening gestrafft werden.
Wer auch in bann komet, das die kürch vor im verschlagen
würdet, so soll dieselb person auß den gerichten geen, und nit wider
darin komen, bis er absolviert, und ist die peen ain pfundt pfening.
Tit. 13.
Von der ee wegen.
Wann ain person vermaint, die ander hab im die ee ver-
haissen und das nit außtregenlich machen, und nichtzit dar-
zü thün will, so soll der ander thail sollichs je zu zeiten den
geordneten spittelpflegern oder spittelmaister anzaigen,
die sollen alsdann verschaffen mit baiden thailen, das si
das in ainer kurzen zeit außtragenlich nxachen, und an
welchem thail dann das abgeet und sollichs nit thün will,
ist die peen zechen pfundt pfening.
Wer auch dem andern umb die ee zuspricht und der
widerthail im mit recht außgeet, so dann die Sachen mutwillig
erfunden werden, so ist der züsprecher zehen pfundt pfening
verfallen, er hab dann die sach mit den geordneten pflegern
oder spittelmaister gehandelt, wie dann hiervor begriffen ist.
^ In der spitilliechen Handschrift ist dieser Absatz überschrieben: «Verpott,
das kain einsaß den andern af frembde gericht citir».
s In der spitAlischen Handschrift von [bis] mit roter Tinte unterstrichen; dafür
angeftigt: «solchee Je zuo zeitten den geordnetten pflegern oder spittalmaistern an-
salgen, suo sehen, ob er nf gemainer statt flreihaiten abinyordem seie oder nit».
fl4*
ÜberÜDgen. 878
dreien oder vier pfund pfeningen und nit darüber an ainem Mder
^MTeins zu gewein hab, und soll kain würt macht haben, bei peen
ain pfund pfening, wein ze schenken, er sei dann zuvor durch die
verordneten Schätzer geschätzt worden; welcher würt soUichs über-
fert, der wirdet, sooft es beschicht, umb solche peen unablesslich
gestrafft.^
Tit. 15.
Der gant halb.
Wann ain gelegen gut, umb was sach das ist, auf die gant er-
langt würdet, so soll dasselbig in vierzehen tagen nach sollicher er-
langung durch den geschwornen aman oder pittel am ersten umb die
suma^ darumb es uf gant bracht ist, mit ainem offnen ruf, darnach
aber in vierzechen tagen gleicher weiß mit dem andern offnen ruf,
und alßdann abermals nach verscheinung vierzehen tag, so es bis
sfi drei ur desselben tags auf der gant gestanden ist, und jemands
mer darauf geschlagen hat, mit dem driten und letsten ruf ausgerüeft
und vergantet werden. Ob dann in solchen sechs wochen oder auf
dem letsten tag solcher gant jemands mer darauf schliege, so sollen
doch auf solchen letsten tag, nach verscheinung der sechs wochen,
solch gelegen gut dem, so am maisten darumben geben, am letsten
räf als sein aigen gut, nach gantrecht haimgesprochen und auf sein
begem gantbrief geben werden.
Tit. 16.
Der appelation halb.
Es haben sich meine herrn, des gotzhauß spittals pflegere, ent-
schlossen, ist auch ewiglich ze halten beratschlagt worden : wann nun
hinfüro, wer die wern, von ainem gericht für ain andern richter
seiner beschwerden außgangen urthel appellieren wil, des jedermenig-
lich erlopt; würde er aber vor solchem richter auch verlustig, so ist er
zu straff verfallen b ^ ^, Darnach wiß sich ainer ze halten.
Uiignossami halben der aigenleut.
Es soll nun hinfüro ainiche weder maus ald Weibspersonen, jung
noch alt, knaben noch tochteren, die dem spittal zu Überlingen mit
der leibaigenschaft zügethon und verwandt weren, ausserhalben des-
' In der spitälischen Handschrift von anderer Hand angefflgt, aher wieder
darcbstrichen : «and fürnemblichen, so soll aach kain würt oder wOrtin, wer der oder
die seien, an kainem frembden ort, sonder allain in der statt, oder in derselben ald
in des spittals gerichten und gepieten, wein kaufen und einlegen bei obgemeltem
verpott der fQnf pfund pfeningen».
«T4
r
Üheflin^en.
selb^i gericht one sonder vnrwissen und bewilligen der herm pflegere
desselben spit^als, nit z(i verhei raten; würde aber aitier oder aiiie
sollichs flberfaren und diß ußgangen verpott nit halten, sonder ver-
achten, der oder die sollen aißdann iimb die ungnossami ßäch er
kantnufi ermelter herr pflegere unablesslich gestrafit werden.
Tit. 17.
Bechy holz, offen und hampf halben.
Item das nun hinfüro ainicher bech oder ainiche frow hob
oder hampf mache in seinem hauß, in der stuben, oder hindcr dem
offen, der selbichs überfert und daran ß leuchtlich nachtail begeben
mag, der soll gestrafft werden umb 3 ^ ^.
»Tit 18,
Der hew halben.
Es haben meine herrn sich entschlossen dem gemainen maii t4
g&tem, das nun hinfftrter an fünf pfund pfenjng ainicher in die hew
treiben sollen; wer aber das überfert, der soll gestrafft werden bei
obgenanntem pott; und mecht ainer so gefarlich oder iingefarlich
handien, so steet di^ straff zö meiner herrn bekandtnuß.
t Tit 19.
HoUhowen halben,
Verrer haben sich auch gedachte meine herm erosüich und
strenglich ze halten entschlossen, das nunhinfüro kain gmaind, dorf-
pfleger, maier, seidner noch ander on^ vorwissen und bewilligen
meiner herrn ald ains spittelmaisters, Schaffners oder ander, die des
gewalt haben, kain holz in meiner herm gerichten nit hawen, noch
selbeft ausgeben sollen, beim pott fünf pfund pfening.
Tit. 20.«
Der verkauften ligenden güeter halben.
Nachdem ain erberer rath dieser des hailigen reichs statt Über-
lingen nit allain in der statt und auf derselben etter, sonder auch
dero und ires gotzhauß spittal zügeherigen gerichten und gepieten
lange zeit her zügesechen, gestattet und geduldet, die gelegnen güeter
zum thail an die ewigkaiten und sonst auß der burger, einsässen und
zügeherigen in anderer frembder und außlendischer personen banden
^ Dieses Wort von anderer Hand.
* In der spitälischen Handschrift steht hier von anderer Hand die Über-
schrift: «Ewige Satzung, verkaufung ald Veränderung der gfleter halber».
Üt>erlingen. 875
Lomen zu lassen, aus wellichem mitlerweil (wo änderst demselben
seitlich nit gesteurt und fürkomen) gewissers und aigentlichers nit
jrvolgen, dann das durch angeregte ergebung und der frembden ein-
tringen der merer tails der besten und gelegnesten güeter von der
statt und ausser derselben, auch ires gotzhauß spittal gerichten und
gepieten komen, inen zu nachtail und andern zu gutem, davon aber
mit beschwerden und grosser müe widerumb darzö gepraucht wurden.
Und wiewol ain ersamer rath dhains wegs dahin gesundt ist,
jemands an fürgenomen gotzgaben, getroffnen köffen oder wolfart,
wider sein nutz und fromen zu verhindern, sonder vil mer allen seinen
bürgern, zögeherigen und verwandten in der statt und auf dem land
zu nutzlichem gedeichen und aufnemen zu verhelfen und sei vor
beschwerlichen und nachtailigen eingang zu bewam ganz vätterlich,
schuldiglich und wol genaigt, — dieweil nun ditz alles, auch erzelte
beschwerden und hoch nachtailigen eingriff und sonderlich das für
äugen genomen, was künftiglich gemainer statt und dero zügeherigen
darauß fliessen und erwachsen mecht, dasselbig bests vleiß getrew-
lich beratschlagt und erwegen, — so haben sich demnach und hierauf
vermeg habender irer freihalten und auß gewalt der oberkait ditz
hernach geschriben Satzung und Ordnung fürgenomen, wellen und
gepieten auch, das dieselbig nunhinfüro von jederman, so inen zü-
geherig und verwandt sein, ewiglich gehalten und dero strackts ge-
lept und nachgegangen werde, nämlich:
so^ sollen nunhinfüro dhain burger, ein woner noch hindersäß
in der statt noch auf dem landt, es sei in derselben oder des spittals
gerichten gesessen, dhain ligend gut mer, es sei hauß, hoff, acker,
wisen noch gärten, klains noch groß, wie das namen haben mag, an
ainiche ewigkait, gotzhauß, pfrund oder spittal, umb gelt oder durch
willen verkaufen oder ergeben, ganz überal in dhainerlai weise;
deßgleichen auch dhainer, er seie, wie gehert, in der statt oder
derselben ald des spittals gerichten und gepieten gesessen, oder nit,
ainich ligend gut mer gegen frembden und außlendischen personen,
so ainem ersamen rath oder dem spittal nit zügeherig noch verwandt
sein, weder umb bar gelt, leubding oder sonst hingeben, vertauschen
oder verkaufen, bei straff 10 fß /^. Wo aber dasselbig darüber be-
scheche, so soll der kauf weder in der statt, noch ermelten gerichten
nit fürgang haben, sonder ain ganz jar frei und offen sein dergestalt,
das ain jeder burger, zügeheriger und verwandter in der statt und
auf dem land denselben kauf jedoch von denjenigen an demselbigen
* In der spitälischen Handschrift steht hier die Überschrift: «Der ver-
kauften güttern».
tT6
r
t^bafliiigeiir
ort, alda er getroffen, gesessen, umb das gelt, wie er gegen freinMei
on ainiche simulatioii, betrug, arglist oder gefard. verfailset wordeii
ist, wol annemen und an sich pringen mag, unverhindert des ersten
keffers und meniglichs.
Im vall aber, ob jemandts sollicher kaufe von bürgern, mg^*
herigen, in der statt oder auf dem land, in bestimbt gelt zäbel
oder anzftnmnen nit gelegen were, —
so sollen alßdann die gesrhwornen Schätzern jedes orts in aw
gfleter geschidct und, wie selbiche durch dieselben iren aiden nach
geschätzt werden, alßdann ain ersamer rath alhie gut füg und mach*
haben, das oder dieselben güeter in der statt, derselben etter, oder in
iem ald des spittals gerichten gelegen der schats^ung nach zö iru
banden ze nemen und dieselben gemeiner statt zu behalten, oder aber
andern irer gelegenhait, nutz und fromen nach widerumb zu ver-
kaufen. Doch so behalten inen ermelte meine herrn ain ersamer
rath' für sich und ire nachkomen ditz recht und gewalt bevor, ob-
bestimpt stattut und ßatzung, ob irrung oder ungleicher verstand mit
der zeit darinen fttrfallen mecht, zh erclärn, zft bessern, /ä\ mindern*
zft mem oder genzlich widerumb ab zij ih\\n, alles nach gelegenhait
der leüft und zeit, und wie si gut bedunkt; darnach wisse sich menij
lieh ze richten.
^ Tit. 21.
Der Juden halben.
Meine herrn, burgermaister und ain erbarer rath der statt über-
hngen, sampt den herrn spittelpflegern, stellen in dhainen zweifei,
es werde sich jedermenigJic,h irer burger und ein woner, desgleichen
auch ire und des spittals armen leut, hindersässen, zägeherigen und
verwandten auf dem landt, gnügsamlich zu erinern wissen des ge-
potts und väterlicher ermanung, so sie bei kurz verscheiner jam
allenthalben in irn und vermelts spittals vogtheien, gerichten und
gepieten außgeen und verkinden haben lassen, das sich nämlich
niemandts der irn hinder dhainen Juden noch judin thün, noch mit
denselbigen in ainicherlai weise oder weg ichzit, es sei umb zinß,
schuld oder anders, contrahiern oder handeln solle; alles bei dem
pott an 10 <S .^.
Tit. 22.
Salz halben.
Zum andern, nachdem sich auch etliche in meiner herrn und
des spittals gerichten understanden, ainen aignen salzgewerb zä
treiben, das salz scheibenweise aufzukaufen, und volgends zu gewein
Überlingen. 877
Lerumb züverkoufen, welches alles aigens willens und onerlaupt,
^h meiner herm salzfreihait zuwider und entgegen fürgenomen und
(chehen ist, derhalben wollen sie, meine herrn, dasselbig bei ainem
en an zehen pfund pfening abgestelt haben; und damit aber meng-
h, reich und arm, wissen, wo er salz finden meg, und deßhalb
an weit endtlegne orth darnach laufen darf, so haben erneute
dnc herm den amptleuten aines jeden fleckens ain anzal salz zu
t>en verordnet und inen bevolchen, ainem jeden umb bargelt, sovil
salz begert, außzümessen und widerfaren zu lassen. Damach
sse sich nunmer ain jedes zu richten und vor oberzelten straffen,
chtail und schaden zu verbieten.
Tit. 23.
Verheuraten halben.^
Es haben sich auch emente meine herm uß bewegenden ur-
3hen entschlossen und wellen auch hiemit, das kain junge ledige
ih[t]er und witfrawen, dergleichen kain junger gsell oder wittling
sserhalben gemainer statt und spittals gerichten one irer vorwissen
d bewilligen nit zu verheuraten; würde aber hierüber soUichs one
willigung beschehen, der oder die werde on alle gnad umb drei
ind pfening unablesslich gestrafft werden.
Tit. 24.
Meine» herm burgermaister und ain ersamer rath des
iligen reichs [statt] Überlingen lassen allen und jeden im und
s gotzhauß spittals underthonen, zügeherigen und gerichtsver-
tndten emstlich gepieten, das nunhinfüro dhainer mer für nie-
indts bürg, gwer noch selbstschuldner werden solle umb sach, das
i weder wenig noch vil, one vorwissen, bewilligen und zulassen
netter meiner herrn, bei straff zehen pfund pfening.
Tit. 25.
Landgericht halber.
Item welcher underthon und hindersäß, er sei in gemainer
itt oder des spittals gerichten gesessen, hinfürter für hove- oder
idtgericht citiert und geladen und [nach beschechner abvorderung] '
> In der spitäliscben Handschrift iet das Wort «halben» darchstrichen ; dafür
I anderer Hand «in frembde gericht».
' In der spitäliechen Handschrift steht über diesem Absatz von anderer
ad: «Verpott, daz niemands für den andern bürg werden solle».
» In der spitälischen Handschrift [bis] mit roter Tinte anterstrichen ; dafür
Rande: «die ime mitgeteilte abvorderting».
fV9 ÜbsHi^Mi.
08 gemainer statt freihait nit gewiaen^ würdet, der aoU mnb
pfnnd pfening gestrafft and darsA, bis das er soUidi bcive- oder laoi-
gericht widemmb abstelt, der geiicht verwisen werd«i.*
Es soll auch niemand in meines herm gerichten, weder joBg
noch alt, ledige oder manns- aid weibsperson, nit eingelassen, so
leibherm haben, sonder das ain jedes oder jede irer leibeigensdnft
halben in allweg frei, lidig and lofl sei.
Es soll auch kein würt noch wirtin in ainichen frembden sonder
lUlain in der statt wein kaofen, an 10 S #5^, wer das nbeifert*
Item welcher dem andern sein fich, wofl nama es lu|t^ m sein
gftt schlecht oder darein knmpt and dem schada beschicht, es sei ia
sama, wFsa oder in anderum, sol gestrafft werden mn 1 S ^, nad
sol dem der schad geschecha ist, abdrag don nach eibuitniis erbenr
lata.»
[Item welcher dem andern seine rieh, wie dafi dieeelben namen
haben mochten, alß namblichen auch rofl, schwein, schof, oder
kelber etc., in sein guot schlecht oder darinnen kumpt, nnd der
schaden besichtiget worden ist, es si in dem somen, wifien oder in
andern gfleter, ist die straff 1 S #5^.
Und so dem der schaden beschehen ist, so soll alfidann nadi
erbarer leuten erkandtnuß äbtrag beschehen.]
Tit. 26.«
Weinkaufs halber.
Meine herm burgermaister und ain ersamer rath des hailigen
reichs statt Überlingen haben ausser bewegenden Ursachen für gut
angesehen, geordnet und wellen, das nunhinfürter ain würt, gastgeb
oder weinschenk, so in gemainer irer statt und des gotzhaus spittals
gerichten gesessen, an dhainem anderm ort, dann z& Überlingen in
^ Dieaes Wort in der spitälischen Handschrift mit roter Tinte nnterstricfaen;
daltlr: «gerichtlich, wie sich gepftrt, fürbringen and sich ino weisen begeren».
* In der spitälischen Handschrift angeffigt von anderer Hand: «Gleicher gestalt,
welcher in die aacht deß hove oder landtgerichte kompt, der soll umb sehen pfund
pfming geetraflt, and der gericht so lang verwisen werden, biß er sich mit volkommeo
schein von derselben aacht widemmb erledigt hatt».
' Dieser and der vorhergehende Absatz von anderer Hand.
^ Am Rand: «oder roß».
* Dieser Absatz von anderer Hand. Der nächste Absati, stammt wieder von
der ursprünglichen Hand.
* Dieser Absatz ist von derselben Hand wie der bisherige Text, aber mit
blasserer Tinte gesdirieben. Alle folgenden Absätze stehen nar in der spitälischeD
Handschrift.
Überlingen. 879
Br statt von der burgerschaft wein kaufen soll; doch ist ainem
^en gastgeber oder würt vergunt und zügelasen, das er von herpst-
eit an bis Sant Niclaus tag und sonst verrer oder weiter im jar nit
eni wein, so ime uf seinem aigenthumb gewachsen, ußschenken,
der wie ain anderer hindersäß uf die wegen verkaufen mag, bei
traS zechen pfund pfening.
Tit. 27.
Von bevogtigung der kinder, so^ vatter und muoter
gestorben.'
Item, es haben sich meine herm ernstlich und gestrenglich ze
lalten entschloßen, dermassen, wo nunhinfürter über kurz oder
uig die eitern von im kindem absterben, das alsdann und zu stund
»erüerte verlassnen kinder durch ainen amman mit wissen und be-
willigen des gerichtsherm ordenlicher weiß verpflegt, auch anstatt
rer vatter und mäter selig hinderverlassner haab und güeter ligender
Lud varender, waran das sein möchte, nichts; außgenomen, underziehen,
lamit dieselben ire güeter in guten eern gehabt, auch denselben
indem darvon nichts verendert noch verkauft werde, alles bei den
hrewen, darumben ain jeder verordneter vogt und pfleger schweren
md anloben soll.
Tit. 28.
Von verkaufung der vich und kelber.
Item es wollen meine herm auch hiemit meniglich in im ge-
ichten verkündt haben, so und wann nunhinfürter ain maier oder
inderer, wer der were, oder die seien, ainiche vih und kelber ver-
laufen wollen und inen vail seie, das sei dasselbig alßdann ainem
;pittalmaister ald andem Uberlingischen mötzgern für ander, wie es
[ültbar ist, verfolgen ze lassen. So aber sei daselbig vich oder kelber,
;o ainer hingeben wölte, nit kaufen, so sollen si alßdann dieselbigen
lamit hingeben, wem sei wollen, weiten weg haben.
Fümemblich soll auch kain hindersäß in künftiger vasten, noch
indem vasten kain vich noch kelber an ainiche lautterische ort nit
angeben noch verkaufen, kains wegs, und dasselbig auch hiemit
emainem nutz und der landtsart zuo guottem bei meniglichem ab-
;estölt haben. Und weliche soUichs überfahren, dieselben unab-
ässlich umb drei pfundt pfening gestrafft werden, und ain jeder den
indem bei dem aid anzugeben schuldig sein.
^ Von späterer Hand korr. in: cdenen».
* Dieter and die Bämtlichen folgenden Absätze sind mit derselben Tinte wie
it 26, aber von anderer Hand geschrieben.
Tit, 29.
Verpott [des gotslöeterens und aller ewigtaifen].^
Verrer lassen meiae gepietendt und günstig Herren abermals
meniglich verkinden, so man das ave maria abend ts und morgendts,
deßgleichen das dürgenpett leiüet, das sich jede junge und alte person
in den hensem oder uf dem veld, wie dann gedachte meine herrn sich
zft ainem jeden Christenmenschen versehen, auch mit befleisnng der
diensten gottes, mit kfirdlgehn und in ander weg ganz chrisienlidi
und andechtiglich ensaig, auch gott den herrn und sein werde muoler
Maria umb gnad, gesondhei^ frid, rue und ainigkait anrüeffen und
pitten sollen, wie dann ainem jeden Christen von gott auferlegt ist,
und hiemit daz [gotstOstem und all üppigkaitenf
Von versatzung, verkautung und pllanziung der güeter zu
Sernattingen im HaHer^tain,^
Es haben meine gepietend und gönstig herrn pflegere des spittali
zue Überlingen mit sonderlichem bewilligen ains ersamen raths da
selbs denen personen, so leben zuo Sernattingen im Hallerstain umb
züns nnd sehenden nf ir trilngenlichs ansuochen von berüertem
spittal zue überiingen ffir aigen zügestölt und einhendig gemacht;
doch also, daz dhainer seine reben in sollichem Hallerstain niUL-
hinfürter ohne vorwissen, ztdassen und bewilligen obgedachter herrn
pfleger und iren nachkomen nit zu versetzen, noch zu verkaufen,
und auch allwegen meinen herrn die köuf und keufer eröffnen und
5 ® /5/ näher, dann inen ander leit in kaufsweiß darumb geben wölten,
verfolgen zuolassen ohne nieniglichs Verhinderung, bei straff fünf
pfund pfeningen. Und so meine herrn den kauf also gehörter gestalt
nit annemen wollen, möge der kauf oder versatzung . . . .* ^oUicher
bewilligt würdet, allein gegen denen in des spittais gerichten und nif
gegen ainichen frembden außlendischen, wol sein fürgang haben: i
doch den zins und zehenden in allweg obnschädlich und uanach- |
tailig, und solche gärten niendert änderst, dann in des spittais törg-
gehl getruckt werden. Deßgleichen soll auch kain persohn, so wie
gehört, rebgärten im hallerstain bißher ingehabt, und noch fürohin
inhaben würdet, bei außmessung und vergleichung sollicher güeter
beleiben und kainer verrer noch weiter, dann außmeßen und orden-
^ Von [bis] mit roter Tinte durchstrichen; dafür: cdeß flaociiena und
schweren halber».
* Von [bis] mit roter Tinte durchstrichen, daftlr am Rande: «gotteflaochen
und schwören».
' Am Rande: «nnder den 20. tittl».
* Unleserlich infolge von Abreibung.
Oberlmgen. 881
che marken gesetzt worden, rebgätten zeugen, reutinen oder graben
3geu den hölzern hinauf nit nmchen oder machen lassen, bei straS
ach fünf pfund pfening.
Tit. 30.
Uberlinger weinrechnung betreffende.
Item meine gepietend und günstig herrn, ain ersamer rath der
tatt Überlingen, auch die herrn spittalpflegere, gepietend und wollen
uß allerlai bewegenden Ursachen, das ire und irs gotzhaus spittals
ügehörigen underthonen, so reben in im oder gemelts spittals ge-
icbien ligen und die zu gemainden zu verleihen haben, daz weder
i noch die gmainder ald bawleut nit änderst dann auf meiner herrn
on Überlingen järlich gemachte weinraitung und sonst kainer uß-
endischen rechnung bawen und die weinnutzung gehörter gestalt,
lIso nach der statt Überlingen weinrechnung gegen und mit ainandern
errechnen sollen ; dann wölcher lehenherr oder f rowen, ald die gmain-
ler oder bauleut sollichs verächtlicher weise überfahrn, der oder
lie werden darumben nach meiner herrn erkanntnus unabläßlich ge-
trafft, und ain jeder den andern bei dem aid, so er jetzund schwören
irürdet, zu rüegen und anzugeben schuldig sein.
Tit. 31.
Übertreibens halb der roß, vih und Schweinen.^
Meine gepietend und günstige herrn, burgermaister und ain er-
;amer rath, sambt auch den herrn spittalpflegere, gepieten allen und
eden irn und irs gotzhaus spittals underthonen : wölcher oder welliche
lem andern sein iroß, vih, ald schwein uf desselben äcker oder andere
^eter treibt, ald schlöcht, oder ime sonsten in ander wege nachtail
md schaden im sommen ald sonst auf dem veld, es seie, wie groß
►der klain der wolle, züfiegen würde durch si, ire eegatten ald sunst
revenlicher, mutwilliger weiße beschehen oder nit, ergriffen und
>efunden würden, alßdan zu stund soll ain jeder übertrettner von
linem jeden houpt insonderhait 1 ® /5^ zu rechter unabläßlicher peen
md straff zu erlegen verfallen sein und dannocht er, deme so der
;chaden beschehen, uf der darzuo verordneten besichtigen nach irer
>rkanntnus abtrag zu thün und ain jeder den andern auch bei dem
lid zu rüegen schuldig sein. Darnach wisse sich ain jeder vor nachtail
md schaden zu verhüeten.
1 Dieser letzte Absatz steht auf der 2. Seite des letzten Blattes, das zugleich
l8 Umschlag dient. Die Schrift ist infolgedessen sehr abgerieben, und manche
V^Orter sind nur schwer zu entziffern.
YwfßjBUh swischen dem Landgrafen zu K eUenburg tmd der Baicba-
stadt Übenüngen wegen Tolkiehung des Arrests in liegende Otter.
1592 Mai 10 Innabruck.
Wir Ferdinand etc, bekennen, daz wir uns mit nnsem und des
rei<4i8 liebai getrewen burgermaister und rat zu Überlingen, inen zu
solidem genaden von wegen der arrest, so auf güeter in ir, deren von
OberUngen, nidem gerichlen gelegen vor unserm landgericht unserer
lao^^P^^^^^'^ Neuenbürg oder iren, der von Überlingen, nidem ge-
richtmi begert werden, nacbvolgender massen güetlich vergleidit
hab^n:
. Neimblidi, so iemandt in der von Überlingen nidern gerichlen
im buddtgericht Stockach gelegen arrests notiürftig, und selb arrest
am ersten bei der von Überlingen vögten und ambtle wten ersuecht
würdet, roll alsdann das arrest vor dem nidern gericht ausgetragen
tmd gerechtfertigt werden. Und ob nachvolgends iemand anderer
in derselbra »ach auf die gtieterj darauf das arrest, wie obsteet, im
nidern gericht ausgebracht ist, bei dem landtgericht zu Stockach uin]>
ftrrest aarOi^en würde, so sollen dieselben anrüefenden auf anzaigea
und beger des nidem gerichtsherren oder deren, so das arrest im
nidem gericht am ersten erlai^t, vom landtgericht Stockach mit irer
ansprach an das nider gericht gewisen werden. Gleicherwei0, so das
arrest von dem landtgericht Stockach am ersten ersuecht und ausge^
bracht würdet, so sollen die andern^ so zu denselben güetera spruch
haben, umb arrest, ob si wollen, auch bei dem landtgericht ersuechung
thun. Und dise vergleichung uns, als landtgraven zu Neuenbürg, aü
des genierten landtgerichts freihalten, herkomen, processen und ge-
brauch, auch denen von Überlingen an iren nidern gerichten und sonst
in all ander weg unnachtailig und unvergriffen sein, on geverde. Des
zu urkundt etc.
Geben zu Innsprugg am zehenden tag des monata mal nach
Cristi geburde fünfzehenhundert und im zwaiunddreissigisten, unserer
reiche des Romischen im andern und der andern im sechsten jare,
Rudolf, graff zu Sultz, Statthalter.
Commissio domini regis*
Jakob Franckfurter.
Orig, Perg. mit Siegel König Ferdinands. L.-Ä. 2/91.
ÜberHngen. 888
LVI.
atI Y. erteilt der Stadt Überlingen die Gnade, daß ftbrderhin
bne Wissen und Willen des Bats auf 8 Meilen im Umkreis der
tadt keine nenen Märkte, Eom- und Salzkäufe u. dergt abgehalten
werden dürfen.
1547 Februar 20 Ulm.
Wir Karl der fünft, v. G. g. römischer kaiser, zu allen zelten
lerer des reichs etc., bekennen oSenlich mit disem brief und thuen
and allermeniglich : Wiewol wir aller und ieglichen unserer und des
ailigen römischen reichs underthanen und getrewen ehre, nutz und
rolfart zu fürdern genaigt, so sein wir doch mer begierlich, denen,
ie sich bei uns und dem hailigen reiche in aller gehorsamb be-
tendiglich gehalten, unser kaiserlich gnad mitzütailen imd zu be-
reisen. Wann uns nun imsere und des reichs liebe getrewe herren
ai|(ermaister und rath der statt Überlingen durch ire erbare pot-
chaft fürbringen lassen, wie si kainen gewerb, allain ainen wein-
rachs, neben dem ainen wochenmarkt, körn- und salzkauf haben,
urch weihe markt, körn- und salzkauf die burger ire wein vertreiben,
bwechseln und anwerden. Damit nun si und ermelte burgerschaft
»ei solchem markt und salzkauf also und umb sovil desto statlicher
nd durch andere, so von uns oder unsern nachkomen mit dergleichen
aarktfreiheiten, körn- und salzkaufen hinfüran begnadet werden, un-
erhindert und unvernachtailt pleiben, haben si uns diemüttiglich an-
üefen und pitten lassen, das wir inen hierin mit unser kaiserlichen
ilf und fürsehung zö erscheinen gnediglich gerächten: das haben
^r angesehen solch ir diemüttig bit, auch die annemen getrewen
ienst, die ire vordem und si, unsern vorfarn römischen kaisern
ind königen loblicher gedechtnus uns und dem hailigen reiche bißher
nlliglich gethan haben und noch teglichs thuen und hinfüran in
:ünftig zeit wol tuen mögen und sollen. Und darumb zä etwas er-
;etzlichait solcher irer getrewen dienste und in sonderhait umb ires
^olhaltens willen, damit si sich in diser werenden empörung für
jidere stende und stette als ain gehorsame reichs stat bei uns er-
aigt und bewisen haben mit wolbedachtem mueth, guetem rath und
echter wissen, den gemelten burgermaister und rath der stat Ober-
ingen dise sonder gnad und freiheit gethan und gegeben, thuen und
;eben inen die auch hiemit wissentlich in craft dits briefs: also
las nun hinfürter one ermelter burgermaister und rath der stat Über-
ingen wissen und willen in zwaien meilen wegs die nechsten gerings
:mb die stat Überlingen, wo von alter her nit gefreit markt und gewerb
ewest oder noch sein, kaine markte, körn- noch salzkaufe oder ge-
m
werb mit oder one unser oder unserer nachkomen kaiserlicfa odet
kömgiicha freihait von newem aufgerichl, gehalten noch gebra^icbl
Wj»den SoUrai, die obgemelter stat Überlingen an iren markten tmd
gewerben^ 3cmderlich den körn- und salzkauf nachlailig und schedlich
sein mSgen. Wo aber solches hierüber von iemands fui^enoiaffi
würde, in was schein das immer sein möchte, so soll es doch im
craft noch wfirkung haben, das wir auch hiemit ietzo als dan und
dan als ietzo von römischer kaiserlicher macbtvolkomenhait aufhebt^n,
kraftlos und nichtig erkennen und ercleren wissentlich in kraft ditz
briefs. Und gebieten darauf allen und ieclichen churfürsten . , . .
(wie gewöhnlich. Strafe: zwainzig mark löttigs goldes). Mit urkimdl
dits briefe besigelt mit unserm kaiserlichen anhangendem losigeL
Geben in unser und des reichs stat lllmb am zwainzigisten ta|
desimonats fobruarii nach Christi unsers lieben hern gepurde fiinf
zeh^nhondert und sibenundvierzigisten, unsers kaiserthumbs im slh^n
undewainzigisten und unserer reiche im zwaianddreissigisten jmm
Carohis.
Ad mandatum caesareae et catholicae raaiestatis proprium.
Obernburger mp.
Siegel (zerbrochen) in Molzkapsel an schwarz-gelier ^ seidener
Schnur. St.-A. AbL L
LVIL
Kaiser Karl Y. erteilt der Stadt Überlingen ein Frivilegitim wegen t
der wucherlichen Eontrakte der Jnden,
1547 Februar 22 Ulm.
Wir Karl der fünft v. G. g. Römischer kaiser etc. etc, bekennea
öffentlich mit diesem brieve und thuen kund allermeniglich, als uns
unsere und dos reichs lieben getrewen N, burgermaister und rat der I
stat Überlingen fürpracht^ wie das die Juden, so in irer art gesessen, j
und iren wucherlichen anlehen und handlungen vil irer statt unte^ |
thanen und hindeibeabcii vfcidt^iiiL, auch von heushcheu ehren, weib
und kindern gebracht, und des noch täglich in Übung stüenden. Damit
aber si, ire unterthanen und hindersessen vor solichem verderblichen
schaden und nachtail verhüet, und bei heuslichen ehren erhalten
werden möchten, haben si uns demüetiglichen angeruefen und ge-
petten, das wir inen hierin mit unser kaiserlichen hilf und fürsehung
gegen solcher beschwerung zu erscheinen gnediglich geruehten. Daß
haben wir angesehen solch ir zimblich pitte, auch die getrewen an-
nemen dienst, die ire vordem und si uns und dem heiligen reiche
Überlingen. 885
i vil weg gethan und insonderhait ir wolhalten, darin si sich in
iser gegenwirtigen Schmalcaldischen empörung und aufruer gegen
HS erzaigt und bewisen haben. Derhalben wir dieselben von über-
Dgen von angezeigter und andern beschwerden zu entladen und mit
aaden zue bedenken, gnediglich genaigt sein, und darumb mit wol-
edachtem muth, guethem rat und rechter wissen dem gemelten burger-
laister und rath der statt Überlingen dise nachfolgendt gnad und
ondere freiheit gethan und gegeben, thuen und geben inen die also
iemit von Römischer kaiserlicher machtvolkomenhait wissentlich
1 craft dits brieves, und mainen, setzen und wollen, das nun hin-
iiro ainicher jud, oder Jüdin den burgern, underthanen und hinder-
essen der obberüerten statt Überlingen und in derselben obrigkait
md gepiet gesessen, ferrer nichts leihen, noch ainich pfand, ver-
iflichtung, verschreibung oder schuldbrief auf kain unbeweglich oder
igende hab und güeter nit nemen soll, in gar kain wege. Wa aber
;olches hierüber beschehe, und der gemelten von Überlingen burger,
interthanen und hindersessen hierumb an ainich hof-, statt- oder
andtgericht fürgenomen, geladen, daselbst beclagt, und mit acht oder
n ander weg wider si gehandelt, procediert und geurtailt würdt, so
yöllen wür doch aus berüerter unser kaiserlichen macht, das solches
dies und iedes craftloß, nichtig und unpündig sein, auch die von
Jberlingen, unangesehen solcher acht, urtail und erkantnus nicht desto
weniger solche ire burger, unterthanen und hindersessen in irer stat,
ierselben obrigkait und gepiet one alle entgeltnus, schaden und nach-
Lail enthalten sollen und mögen von allermeniglich unverhindert.
Und gebieten u. s. w. (wie gewöhnlich. Strafe: dreissig mark löttigs
;oldes). Geben in unser und des reichs stat ülmb am zweinund-
zwainzigisten tag deß monats februarii nach Christi u. 1. h. gepurt
Kinfzehen hundert und im siben und vierzigisten, unsers kaiserthumbs
im sibenundzwainzigisten, und unserer reiche im zwaiunddreissi-
;isten jaren.
Carolas.
Vdt. C. A. Bercenot.
Ad mandatum caesareae et catholicae maiestatis proprium.
Obernburger.
Perg. Orig. mit Siegel an schwarz- gelber Seide, L.A. 2/91.
äbdr,: Liinig, a, a, 0., Bd. 14, S. 544.
Ob«rr]ielniiche Stadtrechte. IT, 2. 25
188 ^^
LVIIL
RatB'Ordnuiig,
1551 Mür« S,
Nachdem die leuf darnach geschaffen und sich durch das werk
erschaint, auch offenbar am tag ligt, das die gescheft meiner herm
ains ersamen raths nit ab-, sonder vilmer zönemen, derbalb inaa
bisher tegUchs zftsameii komen müessen, wökhs sich die herrn ratfi
oftennals erclagt und angezaigt, das inen solchs aii0 villerlai tir
Sachen^ und sonderlich, das ir kainer in seinen aigen sachen und
haußhaltungen ichzit fruchtbarlichB füraemen oder denselben, wie die
notturft erforderte, begegnen,
so haben emente meine herrn rattsamlich vom handel geredi,
erwogen und bedacht, wie und in was gesialt demselben ainßthails
geholfen und nicht destminder diser statt Überlingen und gemainer
burgerschaft obligen gefürdert werden mögen, und dahin geschlossen,
wollen auch hinfOro halten und haben:
Das ain jede rathsperson, so dem gebrauch nach am abend g^
potten wirt, morgens, sopald die friiemeQ auß ist, sich in die raÜL-
Stuben verfüegen und von stund an am sein gegeben statt sitzen.
auch kainer auBbleiben noch vom ratth komen, im werde dann von
ainem herr burgermaister oder seinem Statthalter erlaupt.
Es sollen auch weder die ampt noch andere herrn räth den
herrn burgermaister noch seinen Statthalter am nidersitzen und an-
fang der ratshandlungen nit verhindern noch aufhalten, sonder, ob
si sonder particular handlungen betten, die nit für rath gehörten oder
zepringen nott wern, si die genanten herrn höpter zu andern be^
quemlichen zeiten suochen oder nach endung des raths, wa es fuog
haben mag, derhalben ansprechen.
Und damit die räth irer müe, arbait und versaumnus irer aigea
gescheft ain wenig ergötzt^ sich auch destw^eniger zu beschwern haben^
so wirt fürohin, wie solchs bei vil andern erbern stetten auch ge-
pflegen, ainem jeden jeglichs gepotnen rat B tag gegeben ain halber
batz, so er an anfang des raths gehorsamlich verbanden ist. Man wirt
aber, sobald der herr burgermaister zum rath nidersitzt, ain reisende
stund darstöUen, und wölcher rath nit kompt, biß das vierthail solcher
stund abgelesen ist, demselben soll diser halb batz nit geantwurt
werden, sonder er schuldig sein, auß seinem aigen seckel one alle
fürwort und außzüg ainen halben batzen herauszegeben, den man in
ain biichs stossen, und so ditz gelts etwas namhafts züsamen gepracht,
mag man damit fürnemen, was alßdann ainem rath fiir gut an-
sehen wirt.
Überlingen. 887
Würde dann ain rathsperson, über das ime gepotten were, uner-
laupt außbeleiben und den rath nit besuochen, soll er in angerüert
büchs zehen Schilling pfening, ob er sich solchs seins außpleibens
nit gnügsam entschuldigen mag, und thätt er das zum andern mall,
alßdann ain pfund pfening. So er auch zum drittenmal also handien
würde, so soll er dreu pfund (3 fg den.) dermassen unnachlässlich
ze geben und in die büchß ze stossen schuldig sein.
Es möcht sich aber ainer hierin so gefarlich und ungehorsamlich
halten, das man nit das gelt von ime nemen, sonder in in ander weg
straffen würde, nach ains rats guten ansehen und gestalt seiner ver-
würkung.
Es soll sich auch ain burgermaister oder sein Statthalter be-
fleissen, der räth am zeinstag und sambstag zu verschonen und nit
rat ze halten, es möcht dann not oder gemainer statt obligen halb nit
underlassen pliben noch umbgangen werden.
Zödem damit die gerichtssachen fürohin mer dann bisher ge-
fördert und verriebt werden mögen, so soll der herr burgermaister
oder sein Statthalter den herm richtem am montag von stund an,
und sobald ain rath nidersitzt, in die gerichtstuben und neben dem
herm stattaman das gericht zehalten, auch die partheien ze hören
und ze förtigen erlauben.
Gleichergestalt soll dasselb am dornstag, auf dise baid teg der
herr stattaman gericht halten soll, beschehen, so bald es auf solchen
dornstag rathshalben beschehen mag.
Trueg sich aber im ratt zu, das man ir der herm vichter not-
türftig, so würd man si bei der band haben und jederzeit woU er-
fordem mögen.
Macht dann ain herr burgermaister oder sein Statthalter außer-
halb erneuter zwaier, als zeinstag und sambstag, die rathssachen
auch einziechen und der herm räth mer und weiter verschonen, das
möchten si die räth leiden; doch soll inen, dem herrn burgermaister
und seinem Statthalter, hierinen kain maß gegeben, sonder des zu
seiner macht und gelegenhait der gescheft und Sachen gestölt sein.
Wölch Ordnung burgermaister und rath gemainlich angenomen,
wollen aber inen hierinen merung und münderung vorbehalten haben.
Datum am dritten tag deß monats Martii anno fünfzehenhundert und
im ainsundfunfzigisten.
Papierblatt Sf.-A., Abt. VIII, No. 147.
2B*
Kaiser Karl Y. eraetit die aeit 1£68 bestandene ZunftTerfassimg
doreh die Oeadüechterhenraehaft ( Hasenordnung:^); Wiederbesei-
tigmig der letateren und Wiederanfrlctitung der ZunftverfasBimg.
155l-15e3J
A.
Kaiser Karl V. kündigt Bürge rnieister und Hat der Stadt
Überlingen die Ankunft einer Kommission (oltiie nähere Be-
zeichnung des Zwecks) an. (Credenzscbreibcn.)
1561 MoYember 16 Innebmck.
Karl» y. 6. g.. Römischer kaiser, zh allen zelten merer des
reichs etc.
Lieb^i getrewen. Wir hab^i die ersamen unser liebe andech-
tigen und des reichs getrewen Qerwiggen, abbt der gotsfaeuser
Weingarten und Ochfienhausen, unsera ralh Sigmunden von
Hornstain, landcomenthur teatscfaordens zu Alentzbausen, und
Hainrich Hasen von Lauffen, uosBrn hofralh und presidentes
unsers fürstenthumbs Lützenburg, unsere eommissariea, ^u eucli
abgefertigt und inen bevolh^ti, in tmeemi nanien und an unser sUt
etliche sachen bei euch zft verrichten, so unsers eraehtens ewer uad
gemainer statt Überlingen wolfart höchlich belange, wie ir von inen
verneinen werdet, und begern demnach mit sonderbarem fleiß und
ernst an euch, ir wollet gedachten unsern commissarien in solcher
irer handlung und Werbung gleich uns selbs volkomen glauben zu-
stellen und euch darauf willfarig und gehorsam erzaigen, inmassen
wir uns dessen bei euch entlich versehen. Daran thuet ir z&sampt
dem, das es euch selbs und gemainer statt zä guetem kompt, unsem
gefeiligen ernstlichen willen und mainung.
Geben zu Insprug am 16. tag des monats Novembris anno etc.
domini 51, unsers kaiserthumbs im 32.
Carolus.
Ad mandatum caesareae et apostolicae maiestatis proprium.
Vidit Seid. Obernburger.
Orig, Pap, mit einer
Beilage
folgenden Inhalts:
Wir habend auch im fall, das der abt von Weingarten, oder land-
comenthur zu Alschhausen bei diser handlung etwann aus treffen-
8t. A. Abt Vm, Nr. 148.
Überlingen. 889
liehen fürgevallnen Verhinderungen nit sein mechten, vorgemeltem
ansenn Presidenten bevolhen, an derselbigen statt ainße den edlen
onsem und des hailigen reichs erbtruchseß und lieben getrewen Wil-
halmen, friherrn zu Waldtburg, von unsertwegen zu ime und
den andern seinen mitcomissarien zu Verrichtung solcher Sachen zu
nemen, dem ir gleicherweis inhalt diser credentz glauben geben sollen.
Das haben wir euch dannocht gnedigster mainung auch nit wollen
verhalten.
Datum ut in literis.
B.
Kaiser Karl V. unterrichtet Bürgermeister und Rat von
Überlingen über den Zweck der Kommission.
1551 Dezember 5 Innsbnick.
Karl, V. G. g. Römischer kaiser, zu allen zeiten merer des reichs etc.
Lieben getrewen. Wir seind aus beweglichen statlichen Ursachen
gnediglich bedacht, das regiment bei euch mit besatzung raths und
gerichts, wie hievor bei etlichen andern stetten beschehen, zu ordnen,
und in ain richtigkait zu pringen, nit darumb, das wir ab ewrer
bißher gepflegnen regierung, darin ir euch dann alles gepürlichen und
schuldigen gehorsambs und nach unserm gnedigisten willen gehalten,
ainich misfallen tragen, sonder allain und fürnemblich darumb, damit
durch guete fürsehung alle erbare pollicei und Verwaltung der ober-
kait hinfüro umb sovil desto statlicher bei euch gehalten werde. Und
ist demnach unser gnedig gesinnen und begern an euch, ir wollet
etlich wenig personen aus ewerm mittel verordnen, die zä ankonft
unserer comissarien, so wir zu angeregter rathsordnung verordnen,
sich mit denselben aller gelegenhait, wie solche Ordnung mit bestem
jEueg fürzunemen sein wolle, vertrewiich unterreden mögen. Daran
thuet ir uns ain angenems guets gefallen, und unsern ernsthchen
willen und mainung.
Geben zu Insprugk am fünften tag des monats Decembris anno etc.
im 51., unsers kaiserthumbs im 32.
Carolus.
Ad mandatum caesareae et catolicae maiestatis proprium.
Vidit Seid. Obernburger.
Orig, Papier,
überlißgeu/
c.
twatt liad Gegenvorstellung des Bürgermeisters und Rats
'fitadt Überlingen auf vorstehendes Schreiben des Kaisers
Karl V.
Ohne Datum* Anfang 1552:
Auf der Romischen kais. maj. etc./unsers allergnedigisten herm,
!ireib^ti> inhaUend, das ir kais. maj. aus beweglichen stattlichca ^
Bacheh gnedigliehen bedacht sei, das regimeni bei uns mit
tztmg rate und gerichts, wie hievor bei etlicheii andern stetten
schehea^ zft ordnen und in ain richtigkait zn bringen etc., wöli
schreiben gleichwoll mit etwas weiterm anhang z& Innsprugg amj
fünften decembris jetzverschines 51, jars außgangen nnd uns
10. tag desselben monats zükomen ist, das wir auch mit gezimbenden''
eem empfangen und angenomen haben, geben wir nachgemelte Imrgof'
maister und rätte volgenden bericht:
das Überlingen, wie ander stett im hailigen reich, von römischen
kaisem und königen hochlobUch privilegiert und sonderlich auf die
erbam zunft befreit sein, die auch bei uns vil jar und lenger, dautt
fläch menschen gedecbtnus erstrecken mag, gehalten worden, derge-
stalte das ain jede zunft drei personen, new und alt zunftmaist^r und
ainen richter, under inen erkiessen, die im rat sitzen; so haben dann
diese Ztlnften, all und jeglich insonder, zum richler noch zohen per-
sonen zu erwöUen^ werden genant groß rät, in deren und auch der
zunftmaister macht stett, ain ganzen rat und auch new und alt burger-
maister ze setzen, wölchs noch bisher vermittelst des allmechtigen
loblich und dermassen beschehen ist, das deßhalb bei uns von jemand
kain clag oder beschwerd, noch vil weniger ainichen stritt, Unwillen
oder unainigkait nie erhört ; dise rätt auch in und allweg das regiment,
gericht und recht gefüert, wie inen woll angestanden, göte policei
und neben inen aine gehorsame bürgerschaft erhalten, und haben,
one rhom ze melden, änderst nie fürkomen, bei allen römischen
kaisem und königen, auch dem hailigen reich in allerunderthenigsten
gehorsam erzaigt, bewisen und all ir gepürlich anlagen erstattet.
Was mörklich außgaben, cöst und schaden haben si dann bei
menschen gedecbtnus in des reichs ob- und anliegen erlitten und
sonderlich die nechsten vergangnen, als dem paurenkrieg, darinnen
si dem hochloblichen hauß Österreich und aller nachpaurschaft zu
underthenigisten gefallen und gutem ain namhaft volk merthails in
irm aigen costen erhalten, und damit vil abfals der underthonen und
sonst anderm unrath, des verfolgen hett mögen, verhüet. Gleicher-
massen si im Schmalkaldischen krieg auch gethon, geschweigen des
Überlingen. 891
merklichen grossen und unvergesslichen Widerwillen, den si nämlich
im Schmalkaldischen krieg auf sich geladen, auch domaln unser statt,
leib und gut in allerlai gefar der not gesetzt haben.
Nun were uns, wie wir jetzo im regiment sitzen, höchstgedachter
kais. raaj. gnedigst vorhaben nit zuwider, mechten auch der müe,
grossen arbait und sorg (des wir* mit höchster warhait betheuren)
well entladen sein; wir haben aber dagegen alleriai anfechtung und
bedenkens, wa ir kais. maj. verharen und mit disem werk für-
schreiten soll,
nämlich, das uns solchs bei meniglichem nit zu clainem schimpf
mid spott geraichen,
zum andern, das wir auch bei unser erbarn gemaind verdacht
werden möchten, als betten wir durch unser regierung in ain oder
ander weg gehandelt, das sich nit woll gepürte, und dardurch ange-
zogen freihalten, so von unsem eitern erlangt und auf uns komen,
auch dise endrung verschuldt oder zu derselbigen ursach geben.
Zum dritten, so tragen wir fürsorg, nachdem der gemain man
bei uns großer gnaden, darinen gemaine statt und dero zugewandten
bei merermelter kais. maj. steen, solle verwöndt, si werden jetz das
widerspill vermuten und uns verargwonen, als ob wir inen unser
verschulden verhalten wölten.
Es ist auch war, wie gemelt, wir haben bisher ain gehorsami
gmaind und an derselbigen ie ainichen mangel gehabt und noch;
wir haben aber dise handlung zu verhüetung allerlai unrats nit für
si komen lassen dörfen, dieweil wir wissen, das si von der freihait
der Zünften und dem gebrauch der jerlichen Stattbesatzung nit gern
komen oder weichen, villeicht vermainen werden, sich züwidersetzen,
oder als ain from volk, das ainer sonderbarn art und aigenschaft von
des alten glaubens und der kais. maj. wegen not leiden, doch ain-
feltig und unerfarn ist, jetz oder hernach fürnemen und handien, das
nit gut, uns laid were, und etwa denen, die zum newen regiment
geordnet und gesetzt, beschwerlich sein würde.
Dieweil wir dann uns ie nit erinern könden, das wir des ends
unserer Verwaltung und tragenden empter halben ichtzit verabsaumpt
oder mißhandelt, und der religion nie kain endrung gehabt, sonder
bei der catolischen kirchen bestandtschaft bliben und unser under-
thenigisten gehorsami gegen der kais. maj. allweg beflissen, auch
noch nit änderst gesinnet, nichtdestminder über das wir der zeit, wie
der von Schaumburg mit seinem kriegsfolk umb Salmenschweil ge-
legen, und wie die statt Costantz von Alfonso Vives überfallen, für
ander angeraint nachpaurn mit darraichung der profandt und in ander
its
weg den grOssten coafen und schaden erlitea, ist in kainer anleguug"
uns^ nie Terschont worden.
So hetten wir verhofft, es were dannocht zwüscheii den gehör*
samen und ungehorsamon ain underschid gehalten und denen, die
woll gehandelt^ von <ler andern wegen, die solchs nit gethon. im
reputation, freihalten und wolherkomen, gewonhaiten und gepraucli
nit gemindert, sonder ee gemert worden, damit ander dabei exempd
nemen, i5um gftten und der gehorsami dester geraizt und liewifl
werden.
Pitten demnadi hierauf undertheiiigists vleis und mit allem ernst,
die kais. maj. wöUe disen unsern berächt gnedigister und bessere
mainung von uns annemen, mer und baß, dann wir das dargethua,
erwogen auch unser fürsorg und bedenken ^ampt den erzölten er-
heblichen Ursachen» insonderhciit, wie wir und ander sieh in der
reUgion und gehorsami gehalten, zu gemüet füern und auf die wag
legen» also ains g^^i dem andern vergleichen, und uns als die, bei
denen nit allain» sonder ganzer unser gemaind bisher kain mangel
erscheinen» in disem vall allergncdigist bedenken, und hei unserm
alten wesen one endermig allergnedigist pleiben, uns auch unser»
wolhaltens erlitner cost und schaden^ und fürnemlich, das wir tina,
auch unser weih und kinder von der kais. maj. und des hauß Oster*
reich» wegen angezaigtor uia^sen in gefar gesetzt haben, mit gnaden
gemessen lassen. Das begern umb ir kais, maj, wir fürohin nit mit
minder underthenigistem gehorsami» daim bisher geflissen und willig
zu verdienen.
Allerunderthenigist
burgermaister und rath zu Überlingen.
D.
Rats-Wahlordnung der Stadt Überlingen zur Zeit der
Hasischen Kommission.
(Ordnung künftiger wal.)
Es sollen künftiglich, so man zu der wal ains raths und des-
selbigen empter greifen will, welche allwegen ungevarlich umb N.
tag, zwen oder drei tag, vor oder nach, je nach gelegenhait der feirtag,
jar- oder wochenmerkt, geschehen soll, der klain und groß rath,
auch die personen des gerichts und insonderhait die zu wällern ge-
hern, werden geloben und schweren hernachvolgende Ordnung zu
halten :
Namblich, das si zä besatzung und wal der empter und personen
des klainen raths, desgleichen auch zu bestellung anderer stattdiener
Überlingen. 398
als advocaten, stattschreiber und dergleichen, nun hinfüro ewiglich
diejenigen, so aines christenlichen, erlichen lebens und wesens, auch
sunst geschickt, verstendig, schidlich und fridlieben und insonder-
hait die, so der alten, waren, christenlichen religion anhengig sein,
für andern in all weg fürgezogen worden.
Und soll kainer der gehaimen reth seines Stands oder ampts
darzü er ainmal fürgenomen oder erweit, one dapfere, eehafte seines
anvennegens mishandlung oder andere erhebliche Ursachen entsetzt
oder erlassen, und dannocht dasselbig nit anders, dann nach er-
kantnus des klainen raths gestattet werden.
Was aber sonst andere personen des klainen raths betrifft, soll
es järlich auf ainer freien wal dermassen besteen und gehalten werden,
das jedes jars auf den tag, da jetzund die verenderung des raths
beschehen oder ungefarlich zwen oder drei tag darvor oder darnach,
wie sich etwan die Verhinderung der feurtag, jar oder wochenmerkt
halben, wie obgemelt, zutragen mag, die gehaimen, sampt dem klainen
rath volgendts der statt vogt, oder amman, sampt den gerichtsper-
sonen und letstlich die personen des grossen raths auf dem rathhaus
züsamenkomen und jede parthei sich in ain besonder ort, und also
in drei underschidliche gemach verfliegen, alsdann sollen von dem
klainen rath nach dem merthail der stimen zwen auß dem gehaimen
rath, und der dritt auß dem überigen klainen rath genent, dieselbigen
drei sollen alsbald den gerichtspersonen angezaigt, die sollen vol-
gends durch sich selbs gleicher gestalt nach dem merthail der stimen
aineu auß dem mittel des überigen klainen raths ernenen und noch-
mals dieselben vier personen den überigen N. personen des grossen
raths, auch angezaigt und durch dieselben gleicherweise nacli dem
merthail der stimmen die fünft person auß dem mittel des überigen
klainen raths erneuter fünf personen befünde, das die überigen ge-
haimen räthe in ungerader anzal, also das etweders alle drei, oder aber
nit mer dann ainer vorhanden, also das die zwen auß inen gestorben
oder abgestanden weren, so sollen die fünf obgenante personen, als
die wäler, macht haben, noch ain person, die si vormals im rath
gewesen oder nit, doch ausserthalbs der gehaimen zu inen zu nemen,
und volgends samt derselbigen, auch sampt den überigen gehaimen
reihen zu der wal der überigen rathspersonen biß zu erfiUung der
anzal N. schreiten und also sollicher personen halben, si seien im
rath gewest oder nit, ain freie unverpüntliche wal nach irem besten
verstand, und wie si es irer pflicht nach gedenken, zu verantwurten,
fümemen, auch die erweite personen volgendts also zu inen nider-
setzen, und wo derselben aine oder mer hievor nit rathspflicht gethon.
Überlingen. 895
dester minder gegen meniglich durch den rath desselben jars be-
schehen megen.
Dieweil auch die notturft erfordert, das von feurs- und anderer
not wegen ain besonder austhailung der ganzen gemainen burger-
schaft beschehe, und aber die zünften auß der kais. maj. bevelch
und Ordnung aufgehept worden, so soll ain andere austhailung nach
gelegenhait der statt, als in vier «oder sechs viertel, nach der gassen
und pletze gelegenhait, fürgenomen, deren jeden ain hoptman, der
zum wenigisten des grossen raths sein soll, gestelt werden, also das
in bemelten feurs- oder andern neten ain jeder burger bi seinen
baigerlichen pflichten schuldig sei, demselbigen hauptman züzälaufen,
und was derselb auß bevelch aines raths verschafft, zu gehorsamen.
Doch wil ir die kais. maj. in allweg vorbehalten haben, solliche
obgeschribne Ordnung in ainem oder mer artikeln auf weitern be-
stendigen grüntlichen bericht zu endern, zu mindern, z& meren und
zu verbessern, wie ir majestät nach gestalt der Sachen für das best
und nützlichest ansehen werden.
Ordnung in dem rath, von. der Hasischen commission
vorgeschriben.
Nachdem die Rom. kais. majestät, unser allergnedigister herr,
von anfang irer kaiserlichen regierung auß sonderm gnedigstem willen,
so ir maj. zu dem hailigen reich theutscher nation und sonderlich
gegen inen, denen von Überlingen, die irer maj. je und all wegen vor
andern ainer sondern redlichait und dapferkait berüempt, tragen, nichts
liebers gesehen, dann das zuvorderst die eehr deß allmechtigen gots,
auch der hailigen christenlichen kürchen, deßgleichen irer kais. und
der röm. kön. maj. und des hailigen remischen reichs gehorsame,
gleichergestalt auch alle guete polliceien und Ordnungen, so zu auf-
gang des gemainen wesens und erhaltung des armen mans dienst-
lichen wem, gefürdert, und was demselbigen zu entgegen, abgeschafft,
und allso alles das zu fürderung gemaines nutz, eher und wolfart
gelangen mecht, fürgenomen würd, so betten doch ir kais. maj. be-
funden, das auß vile der personen, so bi inen zu den regierungen ge-
zogen, allerhand zerritung, beschwärung des gemainen burgers und
Verhinderung der gescheft erwachsen, wie dann ain jeder verstendiger
bi ime bedenken köndt, das man in sollicher vile der personen zu
erfiUung der anza! etwan leut nemen müßt, die zu den regierungen
nie gezogen, derselbigen onerfaren und deshalben zun zeiten aller-
hand durch sie, und doch nit auß bessem gemüet, auf die ban gebracht
wflrde, dadurch etwan vilerlai unnotwendige disputationen ent*
stünden, zft dem das die umb fragen dester langsamer ir entschaft er*
reiclien meqhten, dadurch die gescheft merglichen verhindert, aber
nichts dester mmder die ganz anzal der personen des raths dem sdm
außwarten, und also das sein dehaimen versäumen, und deswegen
sein weih und Und dester weniger emeren und etwan des endts auch
nit vU außrichten kendt, man geschweige, das in solcher vile zu
Zeiten leut gencmien werden mussten, die ainaiidern nach verwandt
darauß dann volgends etwan manchen burger allerhandt nachtails
ervolgte, derohaiben ir kais. maj. auß gnedigistem willen, wie vor-
laut, und irem tragendem ampt nach, ir furgenomen, solliche weit-
löffige r^erungen etwas einzfiziehen und manchen armen man damil
soUicher beschwerdt zu erledigen, und haben darauf den personen
deB gewesnen raths gnediglich erlaupt und irer pflicht und aid, damit
si ainem rath verwandt gewesen, one Verletzung menigliclis gnedig
lieh erlassen und geordnet, das nun hinfürter drei biirgermaisler,
deren jeder das ampt vier monat im jar tragen und denen noch zwen,
welche fünf samenthaft, die gehainien räth, und zu sollirhen funfeu
noch zwelf personen, also das ir sibenzehen werden, die der klain
rath haissen sollen^ wie die inen jelz benent sind, welcJie irer red
lichait und dapferkait nach, wie sie deren bi der kais. maj, herueropl
sind, inen die eer gottes und gehorsame der hailigen christenlichen
kürchen irem hievor beschehnen bewilligen nach, auch irer kais. und
der röm. kön. maj. und des hailigen Römischen reichs, deßgleicbeii
alle guete polliceien und Ordnungen angelegen sein lassen, und alles
dasjenig handien sollen, das inen, iren nachkomen, gemainer statt
und dem armen gemainen man zu gutem komen mag. Und nachdem
hievor zu Überlingen nit mer dann acht richler gewesen, welche irer
notturft und der statt gebrauch nacli vast alle Sachen, die etwas
wichtig gewesen, zu entschaiden für ainen rath gewisen^ da sie m\*
genomen und entscheiden, und gleich von dem selbigen enlschaid
oder urthail nach gelegen halt der sachen und partheien geen Frei-
burg oder an das kaiserlicb camergericht, an welchen l>aiden orten
es entlich bleiben muß, appelliert und also den partheien die ander
instantz, dabei es villeicht etwan bleiben were, entnnmen und die
Sachen gleich für weil ungelegen gericht den partheien zu merklichen
schaden und verderben gezogen worden, desbalben geordnet, das mm
hinfüro ain stattamman und zwölf richter sein, vor denen alle aus-
geschaiden malefitzsachen rechtlichen ausgefürt und entschiden und
nit für rath, wie vor geschehen, gewisen* So aber in den hauptsaclieD
und endurthailen von dem gericht ergangen, so soll alsdann die b<^
Überlingen. 397
werdt parthei für ainen rath nach irer Ordnung zu appellieren
1 daselbst die ander instantz zu prosequieren, und so daselbst
ler ain endurthail ergeet, nach gelegenhait der partheien und Sachen,
5 soilichs bi inen herkomen, geen Freiburg oder an das kaiserlich
nergericht zu appelliern macht haben. Aber die malefitzsachen
len jederzeit, wie herkomen, vor ainen rath und gericht samentlich
thedingt werden.
Dameben so sollen aber solliche zwelf gerichtspersonen jeder-
t schuldig sein, auf erfordern ains klainen raths in fürfallenden
*.htigen Sachen bi inen in dem rath zu erscheinen, und dieselbigen
;hen der statt Überlingen zu nutz, eher und wolfart, auch zum
iten helfen bedenken; im val aber, das solliche wichtigen Sachen
fielen, das den klainen rath und die gerichtspersonen für gut an-
le, den grossen rath auch zu inen zu erfordern, so sind noch
Personen zu demselbigen geordnet, die gleicherweiß schuldig sein
len, jederzeit auf erforderung des klainen raths bi inen zu er-
leinen und alle ding zu dem getreulichisten, wie vorlaut, helfen
lenken und schliessen, auß welchem klainen und grossen rath
i gerichtspersonen allwegen die andern empter, wie soilichs bi
n herkomen, gesetzt und in solchem fal, dergleichen in der wal
' raths- und gerichtspersonen die Ordnung der wal nach gelegen-
i der empter gehalten werden.
Es sollen auch die personen des gerichts und grossen raths neben
ieni iren gewonlichen pflichten dem klainen rath geloben und
iweren, ime bi stendig gehorsam und gewertig zu sein, und was
jeder zeit erfaren, das ainem ersamen rath und der statt zu nach-
il dienen mag, dasselbig trewlichen anzaigen und in allweg der
tt nutz, eehr und wolfart zu dem getrewlichisten zu bedenken;
3h sollen si zu dem klainen rath ungefordert nit komen, noch auch
1 demselbigen damit one merkliche Ursachen beschwärt, und hin-
ter der burgermaister an den das ampt zu dem nechsten komen
rt, die umbfrag haben.
Und nachdem die röm. kais. maj. die zünften und geschenkten
idtwerck auß kaiserlicher macht aufgehaben, so ist dem rath in-
iderhait uferlegt, das si vorangeregten zünften alle Privilegien, brive,
:und, rechnungen und parschaft empfahen, und solliche versamb-
Lgen der zünft und geschenkten handtwerk nit mer gestatten, aber
ih etliche auß inen von dem, die den guten Ordnungen der handt-
rker vor seien, getrewlichen ob denselbigen halten, auch die hand-
rker jederzeit in iren obligenden Sachen hören, entschaiden, oder
8 inen zu schwer fallen wil, zu entschaid des raths wisen, des-
Oberlingen. 899
Und besonder, das ir gemain richter sein wellen dem armen
l dem reichen, ainem als dem andern, niemand zä lieb noch zu
l, durch kaines genieß oder vorthails willen.
Item das ir auch wittwen und waisen schürmen und bi der statt
ihaiten und rechten handthaben wellen.
Und ob sich begeben, das in zeiten ewer ämpter etwas ver-
iden were oder fürfiel, dardurch zwischen ainem erbern rath und
er erbern gemaind samet oder sonderen personen spenn oder irrung
li auferheben würden, das ir dann bi ainem rath beleiben und da-
bst alles das, so ains raths und gemainer statt lob, nutz und eer
a meg, helfen rathen und handien wellen, nach ewerm besten ver-
BD und vermegen, alles getrewlich und ungefarlich, es wäre dann,
; sollichs ewer aigene freuntschaft insonderhait antreffe, dann
3 gehalten, wie untzher die Ordnung der freuntschaft halb ge-
sen ist.
Item was ir auch frevenlich Unzuchten und geschichten sehen,
;r euch clagt, oder ir sonst glauplich bericht werden, darauß der
tt frevel mag gefallen, das ir das rüegen bei dem aid, den ir jetzo
iweren werden.
Item was dachen sich die zeit ewer jedes Verwaltung alhie be-
>en, die büswürdig und zu rechtvertigen sind, das ir die bi euch
htvertigen, als verr ir mügen, mit hilf der räth, die zu euch gesetzt
(i, und das ewer kainer dasselbig auf den andern gevarlich verziehen
'.h sparen.
2. Darauf volget der aid der räth.
So werden ir, meine herrn des klainen raths, schweren, auf dis
neben ermelten meinen herren burgermaistem zu richten und zu
hen in den Sachen, die für euch komen, das best und gerechtest,
\ sich dann ewer jeglicher erkendt nach unser statt gewonhait
i recht, weder durch müet, noch durch gab, niemand zu lieb noch
laid, noch durch kains andern vorthails willen one alle geverde,
i das ir gehorsam sein wellen gepoten, auch allen dem, das sich
± Inhalt der kais. Ordnung ze thün gepürt, und die räth und anders,
\ zfl verschwigen ist, verschwigen, auch gemainlich der kais. maj.
tt und den leuten diser statt nutz, fromen und eere fürdem, iren
laden und uneere wenden und warnen wellen, alles one geverd.
Were auch, das ir dehainest zu unzeiten herten an den rath
ten, euch werd gepotten oder nit, das ir dann komen und an dem
h beleiben wellen.
Überlingen. 401
werden, helfen rathen, nach irem besten versteen und das, so zu
verschwigen ist, verschwigen, ungevarhch.
6. Aid der burger und einwoner.
Burger und einwoner werden schweren, das si den burgermaister
und rethen der statt der röm. kais. maj., unsers allergnedigisten herren,
und von gemainer diser des hailigen reichs statt Überlingen wegen,
gehorsam sein wellen allerding, so si all ald der merer thail under
inen, die dann zemal bi ainandem seid, ze rath werden, ungefarlich;
und were, das ir ainer ichtzit vernem, das diser statt ald den leuten
derselbigen kumber ald gepresten machen ald bringen mechte, oder
das sich der statt als den leuten zu ungemach, zu unfriden, zu wider-
partheien ald zu auflöffen ziehen oder schicken möchte, das soll
er pringen für ainen burgermaister oder für ainen des raths unver-
zogenlich one geverd.
Des gelüpt werden ir halten unz auf sant Johanns tag zu sun-
wenden und von dannen über ain ganz jar, on geverd.
G.
Rats-Ordnung.
Nachdem sich bißanher augenscheinlich befunden, das die ge-
schäft meiner gepietenden und günstigen herrn, ains ersamen raths,
nit ab, sonder je lenger je mehr zugenommen, deßhalben man bißher
schier alle tag zusammen konunen und nit allain von bemelten ge-
schäften, sonder auch underweilen von andern eingefallnen, zum
thail etwann onnottwendigen sachen mit sampt räthen und richtern
reden und rathschlagen müessen, welches sich ermelte meine herrn
oftermals zum allerhöchsten erclagt und angezaigt, das inen dasselbig
uß vilerlai Ursachen, und sonderlich, das iro dhainer in seiner aigen
haußhaltung schier nicht, oder doch wenig fruchtbarlichs fürnemmen,
noch anders seine obligende Sachen, sein und der seinen notdurft
nach, verrichten könde,
so haben sie, die herrn burgermaister und räth, uf zuvor mit
vleis abgehörte, der Röm. kais. maj. etc. unsers allergnedigisten herrns
gegebne und bevolhne rathsordnung und enderung, deßgleichen auch
manigfaltige darüber ervolgte berathschlagung, gemainlich mit son-
derm ernst verrer vom handel geredt, auch rathsamlich erwogen und
bedacht, wie und wasgestalt dem allen ainßthails abgeholfen und
nichzit destermünder diser statt Überlingen nutz und nottdurft, wie
Oberrhainiiche Btadtrechte. II, 2. 36
Überlingen. 403
und hierinnen ainen ganzen rath uf berüerte rathstäg an fürgenommen
geschäften onaufgehalten und onmolestiert lassen.^
Zum dritten: dieweil auch höchstermeiter kais. maj. bevoihne
rathsordnung lauter mit sich pringt und ainem erbarn rath zu Ihün
und zu halten sonderlich uferlegt, das die gerichtspersonen zu den
rathssachen nit gezogen, noch von denselben one sonders merkliche
Ursachen damit beschwerdt werden, so soll nun hinfürter kain herr
burgermaister oder Statthalter noch auch der gehaim rath nit macht
oder gewalt haben, für sich selbst allain und onbewißt der klainen
rath die herm richter mit ainicher handlung, weder klain noch groß,
zu bemüehen, oder sie Inhalt vorberürter kais. Ordnung mit den raths-
geschäften verrer oder weiter zu beschweren; es were dann sach,
das hochwichtig und notwendig Sachen einfüelen, darzü man ir, der
richter, bedürfig sein würd. Alßdann soll allain bei einem klainen
rath und niemands anderm steen, aintweders sie, die richter, zu be-
rüffen, oder aber dasselbig zu underlassen, wie sich dann ermelte
< Hier fOgt eine andere gleichzeitige Hand mit blasserer Tinte am Rande bei :
Und wiewol vilfeltigHch befanden, das ain ersamer rath von gemainer statt
nnts und wolfart wegen nit allain in gepewen, sonder auch andern hochnotwendigen
und anligenden Sachen zum oftermaln gerathschlaget, auch bevelch gegeben, das
sOllichem allem, wie pillich, nachgesetzt werden solle; dieweil aber ain erbarer rath
aogeneeheinlich befunden, das an Verrichtung derselbigen notwendigen bevelchen
allerlai versaumung und hinlesaigkait erscheinen will, so soll nun hinfQrter ain ieder
gesd&womer herr burgermaister, so das ampt trögt oder darein trotten thüt, ald
sein Statthalter, in zeit seiner amptsverwaltung alle montag sA gehaltnen rathstägen
ain aller ersten und vordersten, nachdem sich ain rath gesetzt hat, ainen statt-
sdireiber anfragen und erkondigen, was hievor vergangner rathstägen, unangesehen,
ob ain solliches bei seiner oder aines andern herm burgermaisters amptsverwaltung,
disem oder anderm amptherrn, ald sonst gemeinen rathspersonen zu verrichten und zfl
verfaandlen uferlegt und bevolchen worden, Inhalt aines ersamen raths bevelch
Tolnstreokt, yerhandelt und verrichtet worden sei, auch auf dasselbig das register
oder buch, so ainem ieden stattschreiber zA halten bevolchen, iederzeit verhört und
volgendts von ainem ieden bevelch zA dem andern in gesessnem rath ordenlicbe
nmbfrag halten lassen, ob demjenigen, was bemelten amptherrn oder anderer raths-
personen nsser bevelch aines ersamen raths bevolchen, gelept worden. Und im vahl
ainiche versaumnus, varlessigkait oder andere ungehorsame erfunden, so sollen all-
w^gen die nrsacben and Verhinderungen, soverr änderst dieselbigen notwendig, aus-
fllerlich and verantwartlich angehört und volgendts uf dasselbig verrer mit gemainem
nUb gehandelt worden, wie dieselbigen, so solliche bevelch nit volnstreckt, aintweders
mit ernstlicher Verweisung, oder sonst nach der gepür zA straffen seien. Es möcht
sieh aber iemands in solUchen ämptem und bevolchnen Sachen so saumselig, ver-
drossen and mAtwillig erzaigen, ain ersamer rath wfirde ime gegen dem oder
deneelben gepflrende straff zA erfolgen iederzeit vorbehalten haben.
404
Überlinf^n,
meine herm klain räth imder gehaltner umbfrag jederzeit dess€^n ml
ainander ainhelliglich entschli essen und für gut ansehen werden.
' Wann dann sie, die herrn richter, v^on ainera klainen rath ge-
hörter gestalt zu notwendigen rathssachen, oder aber sonst zu den
bestimpten freitagen, es sei darvor oder darnach, in das ober statt-
gericht brachaiden sein, so soll alsdann in irer gegenwürligkail von
kainem herm burgermeister oder Statthalter, deßgleicheii von kainem
ampt- oder quartierherrn ald ainicher andern rathsperson gar nichtzil
angepracht noch anz&bringen angenommen, sonder zum allerv orderslen
und anfenglichs allain dasjenig und nichtzifc anders gehört und iiiil
inen berathschlagt werden, darumb inen nach meiner berrri, der
klainen räth, beschloß in rath gesagt worden ist, uf das die gerichts-
handlungen zum allerersten gefürdert und sie, die herrn riebter, neben
und mitsampt den herrn räthen mit lang sitzen und ralhschiagea
ttit beschwerdt öder belestigt werden, auch die ralhs- und gerieh ts-
handlungen ainander nit irren oder verhindern mögen; sobald uuii
dieselben Sachen mit inen, den richten^ berathschlagt und abge-
handelt sein, soll volgends ain jeder hcrr burgermaister oder sein
Statthalter denselben gleich von stund an widerumb anhaims *Kl©r
in das gericht erlauben, und die überigen rathsgeschäft und tiirträg
alle und jede bis uf ir abtretten genzHch und gar einstöllen und erst
darnach mit klainen räthen allain, welchen es ordenlicher weise 24- '
stehet und gezimpt, verrer die gepür dorinnen handeln und fürnemnien.
Gleichermassen soll es auch imib schleuniger befürderuug willen
der process am obern stattgericht in der gemelten richter gegenwürtig-
kait, mit anstöllung aller und jeder fürträg, wie ob nach lengs be-
griffen steet, gehalten werden, namblich dergestalt und also: was für
personliche oder bürgerliche actiones oder clagen aldo fürkonunen,
es sei umb schmach, Scheltwort, gegenrecht und all ander dergleichen
Sachen, dorinnen sollen die partheien fürderlich uf einander, wie an
andern landt- und stattgerichten gepreuchlich ist, in im clagen reden
und Widerreden durch die fürsprechen gehört, auch sobald ain jeder
darauf verfasst, verrer mit ainer andern parthei fürgeschritten und
dasselbig alles, deßgleichen, ob man kuntschaft oder zeugen darinnen
laisten würd, durch den jetzigen und ainen jeden künftigen statt-
schreiber protocoliert und verzaichnet, auch allwegen vor endlicher
Verfassung der urtl widerumb verlesen werden, damit ain jeder für-
sprech oder rathgeb, so mit seiner parthei ußgetreten und bei ains
andern einfüerung nit geweßt were, sich darnach schicken und mit
besserm grund darauf urthailen mög. Doch sollen gemainer statt
Sachen, sovil der pittel von derselben wegen jederzeit vor ober statt-
Überlingen. 405
Bricht zu handien haben würdet, zu beschreiben nit gemaint, sonder
lle hieinnen genzlich ußgeschlossen sein, es werde dann insonderhait
inem stattschreiber soUichs zu thün von meinen herrn bevolhen.
Sonst aber und usserhalb dises alles soll es mit fassung und
3bung der urtln, auch rechtlicher entschidung der partheien, nach
ises Stattgerichts alt herkommen, geprauch und gewonhait gehalten
ad die partheien, sovil immer möglich und die geschalt erieiden
lögen, gefürdert werden.
Zum vierten: triige sich auch zu, das ain herr burgermaister
ier Statthalter, ald ain anderer herr deß raths, etwas fürzüpringen
3tte, so ain andere gegenwürtige raths- oder gerichtsperson, ald
3sselben zügehörige oder verwandten beniem und antreffen möchte,
)11 erstlichs auch, zuvor und ehe der fürtrag beschicht, durch ainen
3rm burgermaister oder Statthalter in gesessnem rath gefragt, ob
mands derselbigen handlung oder person verwandt, und so ainicher
d kainer darauf abtretten oder vorhanden were, alßdann allererst
id sonst nit mit dem fürtrag fürgeschritten werden.
Ob auch ainer sonst ainicher handlung von mag oder sippschaft
egen verwandt oder zugethon were, so soll ain jeder, er sei im rath
ier gericht, Inhalt der alten Ordnung, onangesehen die verwandtnus
liehe von ime oder seiner hausfrawen her, auch gleich alßbald uß-
etten und bei derselben sachen sampt seinen oder seiner haus-
awen verwandten nit sitzen in dhainen weg.
Und zum beschluß: was jetzo an und hinfüro von ainem erbarn
.th in wichtigen und andern notwendigen sachen für beschluß und
jcreta ergehn und gefallen werden, dieselben alle und jede soll
tziger und künftiger stattschreiber von ainem rathstag zu dem andern
Ier aber, wa es etwan geschäft halben nit sein köndt, uf ainen
idern rathstag darnach in versameltem rathe verlesen und ain herr
irgermaister ain umbfrag darüber ergehen lassen.
Welche Ordnung obermelte meine herrn burgermaister und rath
jmainlich also angenomen haben; wollen auch, das dieselbig hin-
rter also gehalten und allwegen ainem herr burgermaister in an-
ettung seins ampts vorgelesen werden solle.
Actum donnrstags den
letsten Januarii anno 1555.
406 ÜberlingMi.
H,
Kaiser Ferdinand I. erlaubt dem Bürgermeister und Rat der
Stadt Überlingen, die von K. Karl V. eingeführte Ratswahl-
ordnung abzuändern.
1559 JnU 10 Angibiirg.
Zfiwissen, als bei der römischen kaiserlichen maiestat etc.,
unserm allergnedigisten herm, burgermaister, der groß und klain rath,
richter und ganze gemaind zfi Überlingen underthenigst angesuecht
und gebetten, das ir kais. maj. die durch weilendt irer maj. herm
bruedem kaiser Karlen den fünften, hochloblichister gedechtnus, bei
inen angerichte rathsbrdnung umb merer nie, frids und ainigkait
willen zwischen iren bürgern zu erhalten, in nachvolgenden puncten
allergnedigist zu verendem geruechte, nemblich und zum ersten:
Das aus den fünf quartierheusem, so hochstgedachter weilendt kaiser
Karl gemaiüer burgerschaft der statt Überlingen zu sambt der eitern
geschlechtem gesellschaft, so der Lew genannt, geben und zuegelassen,
ain jedes bestimbt quartier under sich selbst durch freie unverpind-
Uche wähl auf die aid, ainem burgermaister geschwom, zu gewond-
licher zeit der wähl ainen ratsfreundt oder quartierherm und für-
trager in rat erwöllen möge, welcher desselbigen jars denselbigen
quartiers verwandten und zuegehörigen ire beschwerden und anligen
in ainem rat fürbringen möge und solle, und so dann derselbig
quartierherr sambt den gemainen quartiersverwandten ainen groß rat
auch nach irer anzall zu grossem rat auch frei wollen, damit der groß
rat bei der zali, wie hochstermelte kais. maj. geordnet und auch
altem herkomen bleiben lassen, und solche fünf quartierherren ainen
under inen zu ainem obern erkiesen sollen, der desselben jars die
frag im rat haben solle.
So dann nun die fünf quartierherm und der groß rat gewellt
worden ist, das dann gemelte fünf quartierherm sambt dem großen
rath durch freie wähl am newen und alten burgermaister, deren bede
und jeder ain jar das ambt tragen soll, dergleichen ainem stattaman,
darnach die personen des klainen raths, wie von alter her an der
zall und dann an zall der richter, und dieselben rath und gericht mögen
halten, wie von alter her, auch hernacher alle gemainer stattambter,
Pflegschaften und dienst, wie von aller herkomen, besetzen und ver-
ordnen, und das solchs alle jar ernewert werde; das demnach hochst-
gedachte kais. maj. in ansehung und betrachtung gemelter burger-
maister, raths und gemain der statt Überlingen gehorsamen wolhaltens
in die begerte enderung allergnedigist bewilligt.
Zu urkund etc.
Überlingen. 407
Actum ZU Augspurg den zehenden tag julii anno etc. im neun-
undfunfzigisten.
Ad mandatum sacrae caesareae maiestatis proprium.
Vdt. Seid. Haller.
Orig. Pap, mit kaiserl. auf gedr. Siegel L.A. 2/93.
I.
KaiserFerdinand erlaubt denen vonüberlingen, die unter der
Herrschaft der Haasenordnung abgeschafften Zünfte der
Metzger und Schneider wieder einzuführen.
1568 Januar 24.
Wir Ferdinand, v. G. g. erweiter Römischer kaiser etc. thuen
kundt allermeniglich : als wir im verschinen neunundfunfzigisten jar
auf dem reichstag ^ü Augspurg unsern und des reichs lieben getrewen
N., burgermaister und rat unser und des hailigen reichs statt Über-
lingen, ir alt hergebrachte ratsordnung und besetzung ausserhalb
dareinziehung zwaier zunften, nemblich der metzker und Schneider,
widerumb zu halten und zu geben, aus etlichen uns damals durch
si fürgebrachten Ursachen gnedigist erlaubt und zuegeben, und si
uns aber jetzo gehorsamblich angelangt und gebetten^, das wir von
wegen merers vertrawens und erhaltung gueten willens under irer
gemain gedachten zwaien zunften ir alt herkomen, gebreuch und geübte
gewonhait, wie den feindern, auch vergunen und zuezelassen geruechten,
des haben wir angesehen solch ir underthenig zimblich bette und
sonderlich die underthenige, guetwillige, getrewe, gehorsame dienst,
so si uns und dem heiligen reich bißher in manigfeltige weg erzaigt
und noch [erzaigen] und darumben mit wolbedachtem mueth, guettem
zeitigem rat und rechter wissen gedachter statt Überlingen berüert
ir underthenig bitt und anlangen mit gnaden erlaubt und zuegelassen,
thuen solches auch aus Römischer kaiserlicher machtvoUkomenhait
hiemit wissentlich in craft ditz briefs, und mainen, setzen und wollen,
das emente zwo metzker- und schneider-zunften bei inen ir alt her-
gebrachte gebreuch und gewonhaiten gleich den andern wider für
banden nemen, und nun hinfüro würklich leben, sich derselben
frewen, gebrauchen, nützen und geniessen, auch alle eer, wirde, vortl,
recht und gerechtigkait, inmassen etwa vor zeiten, davon haben und
damit, wie die andern zunften, thuen und handien sollen und mögen
biß auf unser und unserer nachkomen am reich wolgefallen, von aller-
» Am 10. Januar 1563. Urk.: L. A. 2/93.
408 Oberiiiiitii.
meniglich unverhindert. Und gebieten etc. Mit oikund dits briefs...,
der geben ist in unser und des reichs statt Ravensporg, den Yieraiid-
zwainzigisten tag januarii, anno etc. im dreiundsechzigisten, nnseier
reiche des Römischen im dreiunddreissigisten und der andern im
sibenunddreissigisten.
Ferdinand.
Ad mandatum domini electi imperatoria proprium.
Vdt. Seid. B. Kobenzel.
Orig. Pap. mit aufgedrücktem kaiaerL Siegel. L.-A.
LX.
Verordnungen des Bats der Stadt Überlingen (meist pdligeilichm
Gharakters.)
15&2-ie09.
^^^ Berfif und verpott, das man hinfüro weder
haimiseheu noch frembden in seinen gfletern weder
an ops noch an andern fruchten schaden thftn u. a.
Nachdem mein gepietend und gönstig herm, ainen erbam rath,
mermaln ganz beschwerlich angelangt, wie auch meniglichem wol
wissend ist, das den leuten, nit allain bürgern und einwonem alliie,
reichen und armen, sonder auch den hieumb gesessnen genachbartea
allenthalben hin und wider in im aignen gfietem an ops, frflchten
und anderm grosser, merklicher nachtail und schaden beschehe und
ervolge, also das ainem iedem dasjenig, so ime gott der allmechtig
uß gnaden gegont, von bößen mutwilligen leuten entfrembdet und ent-
wöhnt, und das auch das wild ops ganz häufend schädlicher und un-
ordenlicher weiße gebrochen und geschüttet und in secken allher ge-
pracht und getragen werde, wöUiches dan von den genachberten zu
grosser klag und beschwerd komen und entstanden; dieweil dan dem-
selben also lenger zuzusehen ganz beschwerlich, so ist ain erbarer
ratli dahin bedacht und entschlossen, hinfürter acht banwarten und
namblich in jedem veld allain und besonder zwen zu haben und zu
halten, denselben auch jeglichem dcß tags die alte besoldung zu geben,
darzü den halben thail aller und ieder straffen, püßen, was von den
pußwirdigen zu rüegen und zu straffen ist, züsteen, volgen und wider-
fahren zu lassen.
Hierauf so laßt ain erbarcr rath meniglich verwarnen und mit
ernst gepieten und verpieten, das sich nun hinfüro ain iedes des
andern güeter entschlagon, darein nit mehr geen, und niemandts
weder an ops noch andern fruchten schaden thun noch zufüegen, und
sonderlich deß wilden ops brechens oder schüttens biß zu gebürender
Überlingen. 409
it genzlich und gar müeßigen und enthalten solle. Deß wellen sich
tgemelte meine herrn, ain ersamer rath, genzlich und entlich ver-
'hen; dan solt es hierüber nit beschehen, und ainer oder mehr deß-
ilb zö klag gebracht oder gerüegt würde, den oder dieselben will
n erbarer rath andern zu ainem exempel dermassen mit straf an-
(hen, und das gegen ime fümemen, das dardurch sein, ains ersamen
ths, ernstlichs misfahlen gespürt werden solle. Damach hab und
isse sich meniglich zu gerichten und vor schaden zu verhüeten.
Welcher nun also, wie obgehört, der banwarten dienst annemen
ölt, der mag sich deßhalb an orten und enden, aldo es sich zu thun
ibüTi, anzaigen.
Zum andern. Nachdem in jüngster unruw und kriegswider-
ertigkait gemainer burgerschaft und einwonern alhie, deßgleichen
ich deren diensten oder knechten bind und wider vil doppel und
nfach hacken sampt pulver, lot und anderer zügehör, deßgleichen
lebel und andere spieß zur wör, auch sonst etlichen pickel, schaufeln
ad anders zu fürfallender not zu gebrauchen, zügestelt und gegeben,
> ist aber doch dasselbig einem ersamen rath biß doher zum will
nd noch nit gar geantwurt worden; derhalben so lassen ir abermaln
jdermeniglich ermanen und mit ernst uferlegen, das ain ieder das-
mig, so ime obgehörter weiße von geschütz, pulver und lot, auch
piessen, wöhm, schaufeln und allem anderm undergeben worden ist
nd noch bei banden hat, fürderlich antwurten und lifern, des wellen
ich eegemelte meine herrn gleichsfahls zu geschehen gewisslich
erlassen.
Und zum beschluß. Als meine gepietend und günstig herrn,
ie herrn burgermaister, so ieder zeit das ampt tragen, biß daher
on der burgerschaft, sonderlich aber dem handwerksman, etwan
Ilain umb schlechter, ringfüeger Sachen und handlungen willen —
rölche wol durch ire quartierherrn ains ieden quartiers, dohin es
an ordenlicher weiße gehört, abgehandelt und erörtert werden
lögen — vilfeltiglich überloffen, beschwert und beladen, dardurch
an nit allain ir fürsichtige wißhait an irer ruw und ergötzlichait
bgehalten, sonder auch neben dem vilmaln an ains ersamen raths
md gemainer statt obligenden wichtigen geschäften merklichen ver-
ändert und molestiert worden ist, so wollen hierauf mergemelte meine
lerm, ain ersamer rath, verlassen und versehen, es werde nun hin-
ürter ain ieder dasjenig, was ime von seines handwerks, oder sonst
nderer Sachen wegen begegnet oder zusteet, seinen quartierherrn
ins ieden quartiers, darin er seßhaft oder gehörig ist, fürbringen
nd anzaigen, und von desselben gepürender erörterung, aiißtrags
1652
Soptemb.H.
410 Überlingen.
und entschidt gewarten, auch dardurch aines herm burgermaisters
Überlaufens halben genzlichen verschonen, und damit unbeschwert
lassen. Wa sich aber die Sachen so wichtig und hoch zutragen, also,
das dem quartierherrn dieselben für sich selbs abzehandlen beschwer-
lich fallen würd, wissen sie dasselbig iederzeit irem bevelch nach
an ainen geschwornen burgermaister gelangen zu lassen und hierüber
verers beschaids zu gewarten.
Actum montags, den 8. augusti anno 52.
Beruf und verpott, das kainer, er sei burger
oder einwoner, kain trotten brauchen, auch von
den underthonen an kainen der flecken oder dörfer,
so inen umb ir handarbait oder gewerb etwas
schuldig, wein daran nemen wolten, nit mer dann
drew fuoder weins in dise statt fiern sollen, dar-
neben das weinschütten wie von alter erlaubt
werden.
Meine herrn burgermaister und rath allhie lassen im burgern
und einwonern gepieten und verpieten, das nun hinfüro dhainer kain
trauben mit der trotten trucken solle, one vorwissen und bewilligen
der herpstversehern, bei straff fünf pfund pfening.
Weiter: Nachdem bißlier den handtwerks- und gewerbsleul
verpotlen gewest ist, wan si von den underthonen der arbait
oder gewerbs weiß luiib gwaiid wein genomen, nit dürfen allior
füren lassen, so ist doch durch groß und klaiu räth errathen und be-
schlossen worden, wr)llen auch vestiglich darob deninacJi ze konien
halten, das nun hinfüro die burger und einwoner wol sollen und mögen
von den underthonen der unibligenden dörfer umb ir handarbait und
gewerb wein nemen, und biß in die drei fuodcM', aber nit mehr, a liier
in dise stall füern und legen lassen, volgends widerumb verkaufen
und hingeben, oder selbs verprauchen. Dann wa ainer oder mehr be-
iretten, der über drei fuoder weins ai) den unibligenden orten in dise
statt füeren, dieselbigen wenien unablößlich gestrafft werden umb
vierzig pfund pfening, oder so die sach so gcnarlich sein würden, gegen
dem überfaren mit hoclier straff meiner lierrn guot ansehen noch für-
gegangen. Darnach wiß sich ain ieder zu richten und vor scliadeu
und nachthail zu verbieten. I^s soll auch unangesehen des alles die
alt Ordnung in allen iren punclen und arlikel bei iren creften j)leil)en
und gehandhapt werden, auch ain ieder schuldig sein, dero über-
tretter bei dem aid zu rüc^gen und anzezaigen.
Überlingen. 411
Zö dem so wollen meine herrn burgermaister und rath den erbern
gesellschaften daz ,weinschütten uf diß jar abermals vergont und
bei^illigt haben, wie von alter her.
Actum den 14. des monats September anno 52.
Ordnung der fürlön über See, wie sich fürohin
dieselben fürleut mit im belonungen halten sollen.
Item ain ieder burger oder burgerin, die one roß über See farn,
sollen bei stillem wetter fürlon geben ain pfening. So dann dieselben
burger ruoben, ops, oder dergleichen mit inen füerten, sollen si von
iedem stumpen, deßgleich, wa ains visch bei ime füerte, von ainer
zainen auch ain pfening geben. Was aber ains an der band trüg, es
vrem air, kriese oder anders solcher wahr, davon solle der fürman
kain Ion begern noch nemmen.
Und wölcher burger mit ainem roß über See fert, der soll für
sich und das roß fürlon geben fünf pfening.
Item ain iede frembde person, die nit burger ist, soll one roß
ziven pfening, und ain reitender für sich und das roß zwen kreuzer
geben zu fürlon.
Doch wan sorglich wetter und grosser luft im See weren, so sein
die fürleut zu obangezaigtem Ion nit verbunden, sonder mögen si sich
mit den, die der fart begern, ains andern Ions vergleichen; si sollen
aber wider die pillichait niemands beschweren.
So sollen auch die fürleut die metzger für sich selb, deßgleich
ire roß und vich, fürohin bei dem fürlon pleiben lassen, wie bißher.
Und dieweil zwischen den fürleuten des gransen halb ain miß-
verstandt fürgefallen, ist inen von meinen herrn der oberkait alhie
ain solche leuterung gegeben, das fürter ain ieder, der dem andern
an grans sitzt, vom Ion ainen thail, und der, dem das schiff zugehörig
ist, demselben schiff auch ain thail haben und nemen soll und möge.
So soll auch kain furman, bei straff ain pfund pfening, kain
scheff gebrauchen, es sei dann zuvor geschawet; und welchem scheff
von den schawern ain oder mehr roß ze füeren zugelassen, dem mag
man gransen, wie obsteet.
Item wann ain scheffman sechs oder siben pfening fürlon het,
so soll er anfaren und nit wider, so er drew oder vier schiff weit im
See ist, hinder sich heraus keren und mehr volk hellen, bei straff
fünf Schilling pfening.
Gleichermassen soll ain pfund pfening straff sein, wo ain fur-
man iemand über bestimpten fürlon beschweren würde, sooft das
beschicht.
4tS ÜlMrUng«!.
notwdÜ! » Berüff und verpott, das fflrohin kainer auf der
gassen juchzgen, schreien, wisplen, noch singen
soll. Das auch zum andern niemands kain unsacht
uf den gassen, weder mit schütten noch in ander
weg legen. Zum dritten, das man den leuten kain
schaden thue an zeunden, garten, pennen, holz,
stecken und andern züfüegen. Noch auch keiner
bei dem wein schmachred wider die kais. majestät
Ordnung iebe oder treib. '
Wiewol mein gepietend und günstig herm burgermaister und ain
ersamer rath diser statt Überlingen zu etlichen mallen hievor deB
unzimblichen juchzgens, Schreiens, wisplens und singens halben, so
bei nächtlicher weil uf der gassen geüept und getriben, verpott, Ver-
warnung und abstöUung thftn lassen, so ist doch' aber augenscheinlich
vor äugen, das demselben biß doher wenig, und also zft melden, gar
nit nachgesetzt, sonder alles in Verachtung und vergoß gestölt worden,
dardurch dann nit allain die oberkait, wölche deß tags und ununder-
lässig mit gemainer statt geschäften und Sachen zum höchsten be-
schwerd und beladen, sonder auch ain ieder anderer bideiman z&
nachts an seiner ruw und ergötzlichait abgehalten und verhindert
würdet, deß tragen nun ermelte meine herm, wie billich, ain sonder
hohes und ernstlichs misfallen. Und dieweil nun irer fürsichtigen
wißhait zu verhüetung allerhand verraths und Weiterung, so hierauß
leiichtiich erwachsen und entsteen möchten, demselben also lenger
zuzusehen und stattzugeben nit gemaint oder gelegen, so lassen sie
hierauf und dem allem nach meniglich verwarnen, auch hiemit ernst-
lich gepieten und verpieten, das sich nun hinfüro ain ieder, er sei
eeraan, jungsell oder anderer, niemands ußgenomen, obermeltcr nnge-
schicklichaiten zu nacht mit singen, juchzgen, poldern, schreien,
wisplen und in all ander weg gänzlich müessigen und enthalten. Des
wollen sich wolgemelte meine herrn gewißlich und aigentlieh ge-
trösten und versehen.
Damit aber nun dasselbig dester stattlicher und steifer gehand-
hapt werd, so haben ir fürsichtige wißhait errathen und für gut an-
gesehen, das nun hinfüro, biß uf ir wider abrüefen und verer giit-
bedunken zwo maimspersonen, so hierzu sonderlich verordnet, zä
nacht hierumbgehn, dieselben uf dergleichen unruw achtung und
ufmerkens geben, und welchen oder wölche si nun abends nach ge-
schlagner und verrüefter neunten stund uf der gassen one ain liechl
betretten, der oder dieselben sollen one alles mittel umb zwai pfund
Überlingen. 418
pfening gestrafft, und aber diejenigen, so si sich vor, nach oder in
bestimpter zeit gehörter weise ungeschickt halten, und deßgleichen
anzucht liben und treiben, die werden nach gestalt aines ieden Ver-
handlung mit harter straff dermassen angesehen, das es ainem zu
schwer fallen und andern ain abscheuchlichs exempel geben würdet.
Zum andern, so ist auch bißher von jungen kindern und etwann
alten leuten selbs allerlai unzucht und unseuberkait allenthalben hin
und wider in der Grad, deßgleichen uf den gassen und an den heusern
begangen, also das ain soUichs nit allain grossen gestank oder ge-
schmack gebracht, sonder auch den wandlenden und fürgenden per-
sonen, frembden und haimischen, neben enterung deß hochwürdigen
sacraments, so underweilen der enden fürgetragen, zu hohen und
grossem Unwillen raichet, so lassen vilermelte meine herrn ain sollichs
bei iedermeniglichem abschaffen und hierauf warnung thun, sich ge-
hörter Unzuchten hinfürter zu müessigen, und darbei gebieten, das
ain ieder dieselben bei seinen kindern abstöllen wolle. Dann ain er-
sanier rath hierüber sein sonder ufmerkens und kuntschaften haben
und verordnen, und alle diejenigen, so an berürter unzucht begangen,
sonderlich aber die altem an statt irer kinder mit straff dermassen
biessen und ansehen will, das es den übertrettern zu schwer fallen
soll und würdet.
Gleichfalls und zum dritten, so ist auch ainem ersamen rath
ietzo zum oftermaln clagsweiß fürkomen, das über vorige manig-
faltigc beschehne gebott den leuten hin und wider an im güettern,
eingezeunten gärten, peumen, holz, stecken und anderm grosser schad
beschehen, wölches nun wie alles anders obgemelt irer fürsichtigen
wißhait auch zu grossen mißfahlen raicht, gepieten darauf und wollen,
das sich ain iedes des andern güeter entschlagen und müessigen,
denselben, fürnemblich aber den zaunstöllinen, holzsetzinen und
anderm durch zerganzung, zerreissung, oder in ander weg kainerlai
schaden noch nachthail züfüegen wöll; dann ain ersamer rath die
büßwürdigen und betrettenen nit mit geringer, sonder vill höherer
straff, dann obgemelt, fürzünemen und anzusehen bedacht und ent-
schlossen ist.
Zum vierten, so langt auch ainen ersamen rath ganz beschwer-
lich an, das etwann hin und wider bei dem wein und sonst wider
der röm. kais. majestät, unsers allergnedigisten herrn, rathsbesatzung
und new fürgenomne Ordnung allerlai geredt, und dieselbig mit etwas
ungepürlichen und ungeschickten worten tractiert und ambgezogen
ward; wölches nun mitlerweil, do es für höchstermelte kaiserliche
majestät oder sonst gehn hove gelangen solt, nit allain bei irer ma-
414 Ob«riiiig«iL
jestät hohe and grosse ungnad geperen, sonder auch neben dem-
selben gemainer statt und burgerschaft, und etwann dem unschuldigen
für den schuldigen darauß leuchUich merklicher und unwiderbring-
licher nachtail und schad entsteen und ervolgen möchte, lassen dem-
nach meniglich ganz vätterlicher und getrewer wolmainjmg ermanoi
und ersuchen, das ime ain jeder vorangeregte kaiserliche ordnong,
auch alles dasjenige was ainem ersamen rath annemlich und gefiUig,
lieben und gefallen lassen und ichtzit, derselben zu entgegen, kains-
wegs reden, wollen sich erstgemelte meine hem zft ainem ied^a ganz
ernstlich und ungezweifelt verlassen.
Actum den 28. november anno 52.
Gesatz, das niemand hinfflro weder umb waren,
handarbait, auch weder auf anlehen noch bare be«
zalung usserhalb der statt etter wein nemen noch
herrein füeren lassen soUe.^
Nachdem ainer jeden oberkait zflsteet und gepürt, den gemainoB
nutz zum vordersten zu bedenken, auch alle policeien und Ordnung
dahin ze richten, das ainer neben dem andern bleiben und das buiger-
lieh wesen dest pas erhalten werden möge, so haben meine heiin
burgermaister und räthe diser reichstat Überlingen solichs alles mit
höchstem vleis bedacht und erwogen, erkennen sich auch des in
craft irs ampts ze thün schuldig sein.
Und dieweil alhie bei dem gemainen man kain anderer gewerb
ist, dann das sich derselb vom rebenpaw ernern, auch sein hausgesind
und sich selb darauß erhalten muß, auch offenlich am tag ligt, des-
halben kainer weitern erfarung von nöten, das vil jar her etlich burger
ire waren und handarbait auf das land hinaus geben und zu herpst
wein daran nemen; etlich leichen bar gelt und tregt sich zu Zeiten
zu, so man ainem ain pfund, zwai, drew, minder oder mer schuldig,
das er ain ganz füder wein oder mer an solcher schuld nimpt, also
gibt es sich, wann gott der allmechtig gnad thüt, das wir den nutz
erleben und erlangen, das gewonlich von frömbden orten der drittail,
mer oder minder, weins in dise statt kumpt, dann darinnen erwachsen
und worden ist, wie konnden dann die gemainen neben den bürgern,
so dermaß handien, nacher komen? Für ains.
Zum andern, so möcht auch im val der notturft dargethon
werden, das die, so wein ausserhalb an wahr schulden oder auf an-
> Dieter Abschnitt ist von anderer Hand geschrieben.
Überlingen. 415
lehen nemen, solchen wein etwan umb ain pfund und noch necher, dann
unser rechnung hie gemacht würt, zu wegen bringen.
Item wann si dergestalt ire kelier erfüllen und belegen, so hat
der kaufman bei inen die wal, darzü er dann genaigt ist, und wo er
dieselben finden mag; so sucht er die armen gesellen, die ain füder,
zwai, drew oder ungevarlich, bei ainem solchen haben, nit, also
kann der arm sein wein^, und sonderlich das sie, so der vili ver-
sechen sein, gegen dem gast ains pfunds oder mer nit achten, damit
si ire kelier leren und die im andern herbst wider schicken künden,
aus der ursach auch die abschleg komen, des der gemain zu hechstem
schaden und nachtail raichen thut.
Darumb ist auf meine herrn groß räth, auch derselben wolgefalen
minderung und merung von ainer Ordnung geredt, die in der statt
satzungsbuch geschriben und järlich zu pfingsten, so ainem burger-
maister geschworn würt, neben andren artiklen gelesen und ge-
schworen werden soll, wie hernach volgt:
Es haben auch meine herrn ciain und groß rät ainhelliglich
zu ewiger Satzung sich endschlossen, das nun fürterhin zft herbst-
zeiten kain unser burger noch einwoner, weder umb warn, handarbait,
auch weder auf anlehen noch bare bezalung ausserhalb der statt
etter wein nemen, weder wenig noch vil, und hereinfüeren ; ob er
aber also wein nemen wölte, so soll er doch denselben herdißhalb
Sees in ainer meil wegs und jenerhalb Sees in zwaien meilen weit
und brait nit herzubringen, legen noch verkaufen, bei peen und straff
vierzig pfund pfening, und ain ganz jar von der statt, auch nach ver-
schinung deßselben jars nit wider herein, solch vierzig pfund pfening
seien dann zuvor erlegt und bezalt.
Es soll auch jeder bei meiner herrn rechnung, so si järlich
machen werden, beleiben und uf kain ander rechnung handien, bei
vorberürter peen und straff.
Doch mögen die, so güeter ausserhalb etters haben, es seie jen-
oder herdißhalb Sees, iren wein, der in solchen iren güetern erwachst,
vor Martini wol herein füeren und allhie verkaufen, wie von alter her.
Es mag auch ainer, er seie främbd oder haimsch, aim burger
wol auf wein leichen, oder denselben an schulden nemen auf unser
rechnung und änderst nit.
Und damit solcher Ordnung dester gelept und nachkomen, so
werden meine herrn alle jar im herpst personen verordnen, auch im
berpst den herpstversechern und weinladem bevelch geben, am far
' Wohl SU ergäncen: «nit los werden».
416 ÜberitiigMi.
und under den thom ir aufsehen zft haben und der sacfa«! erbmdigimg
ze thän, auch was si solcher Satzung zftwider er&um und befinden,
das sollen dieselben jederzeit ainem herm burgermaiBter anzaigen
und inen deß in ir fertigung ingebunden werden.
Dieweil aber die tüchleut und ander villicht mer auf diB jar
irer waren und handarbait vil ausgeben und sich mit binden TeikOst
haben möchten, wollen meine herm zulassen, damit si sich dest-
minder zu beschweren und andere jar damacht ze richten haben,
das si den wein, so inen diS herbsts ausserhalb gefallen, der orten,
alda er gewachsen ist und inen gegeben wirt, legen and veAaufen
mögen.
Ernewerte kornordnung.
Es haben meine herm burgermaister und rätte diser statt Ube^
lingen etliche jar her dem gemainen nutz zu gfttem und sonderlich
in bedenkung der armen, wie si in craft irs obligenden ampts zA thAn
schuldig sein, vil Ordnung in kaufen und verkaufen des gethruti
alhie in der Gröd fürgenomen, und besondem täglichs, das derselbigen
Ordnung nit gelept, sonder von den käufem und Verkäufern ain litt
über der andem erdacht, dardurch ir vortail würklich gespeurt und
der gemain nutz, der doch vor allen dingen befördert werden soll,
scheinbarlich verhindert wirt; dieweil nun laider alles gethrait in
hochem wert, und nach der gestalt der löff auch sonst vil anderer
Ursachen halb das künftig ir in sölichem kain pesserung noch ab-
schlag verhoffenlich, — der almechtig gott wolle gnad und barm-
hertzigkait mittailenl — so ist durch bemelte meine herm von Über-
lingen verrer mit allem ernst ain Ordnung, wie die fürohin biß auf
ir weiter enderung, so si nach gelegenhait der zeit und begegneten
Valien vorbehalten, beratschlagt und ze halten für notwendig ange-
Sechen, bei gesetzten peen und straffen, wie underschidlich her-
nach volgt:
Erstlich deß gethraits halben. Das niemand alhie zu Über-
lingen, wer der sei, ainicherlai gethrait, weder kernen, roggen, waizen,
vesen, haber noch gersten aufschüten solle, dann allain, was jeder
deren dingen ingender gülten hat, deßgleich was jeder selbs arbaut,
darzü, was jeder für sich selb und die seinen zu seinem haußbrauch
auf ain jar haben muß.
Item es soll auch jemands gestatt und zugelassen sein und
werden, uf dem markt allhie, noch in meiner herrn oberkaiten ainicher-
lai körn zu kaufen, das man aufschüten wolle, außgenomen, was jeder
znr notturft im hauß, wie obgemelt ist, verbrauchen will.
Überlingen. 417
Item es soll auch nit gestattet werden, das jemands aim andern
kom auf dem markt alhie zu Überlingen, noch sonst in oftgemelten
meiner herm gerichten kaufe, das man widerumb gleich bald ver-
kaufen oder hienach zu verkaufen aufschütten wolle; besonder was
koms jeder haben wil, das soll er durch sich selber und nit durch
ander kaufen.
Aber so etwan ain gut freund dem andern zu seinem hauß-
prauch imd nit auf den pfragen kaufen wolle, das soll herdurch nit
abgestrickt werden.
Item welcher kornpfragner auf ainen tag ain markt alhie be-
suchen, denselbigen aber verlassen und auf ain andern ziehen würd,
der soll aber dann alhie, ob er gleichwol wider kome, desselbigen
markts nichts kaufen, es werd ime dann von meinen herrn zugelassen.
Item es werden auch mergemelte meine herrn der kornkrempler,
vorab der auslendischen halb, gut aufsehens haben lassen, das inen
je zu Zeiten nach gestalt der Sachen, und nachdem die merkt sind,
vil oder wenig zu kaufen gestattet werde.
Doch soll kainem zugelassen sein und werden, auf ainem markt
alhie mer zu kaufen, dann er desselben markts alhie hinwegfüeren
und mit seinem aignen gelt bezallen will, dann die kornkrempler nit
mit frömbden oder entlechnetem gelt, sonder mit irem aignen gelt
auf disen merkten werben und handien sollen.
Item es sollen auch die kornpfrager allain das körn kaufen, das
damals zu markt gepracht und fall vorhanden ist, und kains kaufs
mit jemands umb ainich kom sich vergleichen, das man erst zu
künftigen markten alher bringen soll.
Item wölche auch ausserhalb der kornpfragnern nit umb bargelt,
sonder dings kaufen oder verkaufen, dieselben kainen schlag machen,
noch, wie ir kauf sei, vor dem, ee das körn gefasset würt, eröffnen;
si sollen auch das körn am markt, oder dieweil der markt ist, nit
fassen, sonder erst nachdem der markt auß und zergangen ist; es
soll auch alsdann der kauf, wie der beschechen ist, offenlich ermelt
werden.
Doch werden auch oftgemelte meine herrn, sovil in müglich,
darob sein lassen, das in den dingskoffen kain unmaß bescheche,
die armen getrückt werden, und deshalben auch dem kommaister
und marktversehem bevelch geben, bei außmessung derselben dings-
koffen ze sein, die köff, wie si beschechen seien, aigentlich zu ver-
nemen, und das kaim damit kain gefar darinnen sei, zu besichtigen.
Item es soll auch meniglich im kaufen beschaiden sein und nit
frävenlich einfallen, damit dest fürter auf schlag verheut werde; dann
Obcrrheiniiche Stadtxechte. n, 8. 27
418 Überlingen.
wölcher durch sein unbeschaideahait etwas nachtails am markt ver-
ursachen würd, den werden meine herrn hertiglich darumb straffen.
Und wiewol das aufschüten gehörter mässen verpotten ist, soll
doch gedachten meinen herrn nit abgestrickt sein, zu irer gemainer
statt notturft gelegner zeit einzekaufen und aufschüten; deßgleichen
etwann zu verhüetung aufschlags zu verkaufen, doch sich darinnen
zimlich halten, damit aufschlag, sovil müglich, verhüet werde.
Item wölcher auch körn, das uf ainichen markt gefüert zu werden
aufgeladen und auf der straß und derwegen aufkauft, dem soll nit ge-
stattet werden, dasselb körn auf offem markt allhie wider zu verkaufen.
Und insonderhait, nachdem bisher großer mangel in imgleichait
deß korns befunden, dardurch der gemain nutz hochlich vemachtailt
und betrogen worden, wölln meine herrn zu bestellung^ desselbigen
schädlichen betrugs fürterhin ain solche Ordnung halten, inmassen
solchs, wie gnugsam erfarn ist, bei andern erbem stötten ze thün auch
gepflogen würt: Wo jemans mischelkorn und lauters, oder news und
alts zusamen thun, oder nachkernen und mangelhafts under gute war
ziehen und under ainandern mischen, also das oberst nit wie das
underst, und das mittelst auch demselben gleich sein würt, so sollen
die messer bei im aiden und deshalb sonderer beschechner fertigung.
so oft und dick si am messen disen gfar und betrüg befinden, ain
viertl solchs korns nemen und in den casten, so man hierzu ze
machen bevolchen hat, schulen; wölch körn darnach der spend zü-
gehörn und volgends von den geordneten spcndpflegern armen leutten
außgetailt und gegeben werden soll.
Zum andern, der müller und factoren halb: Demnach ge-
nante meine herrn hie zu Überlingen bcricht werden, wie die müller,
auch etlich burger under der Gröd kern, haber kaufen under dem
schin, als ob si deß in namen der becken, wirt oder anderer burger
thuen, wölche aber nit an im selb, sonder ain schlaich sein, und sollen
solch müller und bürger diß körn und haber inen selb und iren konden
gebrauchen, hingeben, oder auf gewin weiter verendern, dardurch
gemainer statt zoll und grödgelt entzogen und abgetragen würt, ist
auf solichs hievor zehen pfund pfening straff gesetzt; dabei wil man
es nochmals pleiben lassen und dieselbigen straff hiemit ernewern.
Item wölcher müller auch alhie von seinen konden auf körn,
haber oder ander frucht gelt empfangen, und jenen, denen si solch
frucht abkauft hetten, mit der bezalung so lang aufzüg, das si dar-
^ Soll wohl «abstelluugt heißen.
ÜberÜDgen. 419
durch verhindert und hie pleiben müessten, derselb müller sol umb
ain pfund pfening gestrafft werden.
Bei gleicher büß soll auch jeder müller, wa er dermassen seinen
künden kom kaufen würd, dasselbig von stund an dem grödmaister
anzaigen, und darvon zoll und grödgelt selbs zu bezale.
Doch sollen dargegen die burger und einwoner, denen die müller
also auf ir begern kom oder haber kaufen, si mit dem gelt, darumb
inen kauft worden ist, auch nit aufhalten, sonder inen dasselb gelt
alweg bei guter zeit ze antwurten sich befleissen.
Item es soll kain burger noch einwoner kainem frömden ainich
gethrait alhie kaufen unerlaupt der herrn marktner, solcher auch un-
wissend deß grödmaisters.
Dergleichen soll kains kornköfflers factor oder bevelchhaber, er
seie frömd oder haimsch, müller ald ander, kain körn, haber noch
anders, so er alhie in der Gröd kauft het, darauß verabhanden tragen
noch füeren, er hab dann darvon zoll und grödgelt gericht, und würd
im darauf von gemeltem grödmaister erlaupt, bei peen und straff wie
obsteet.
Zu dem sollen weder becken, breimelber, würt noch' ander burger
oder göst kain gethrait, wie daß namen hat, ausserhalb der Gröd
kaufen, noch anderstwo weder in müllinen, heussern, oder auf der
gassen aufgeben, messen oder messen lassen, bei peen und straff
jedes artikels insonderhait drew pfund pfening.
Der schiffleut halb wollen meine herrn, das fürterhin an jar-
iind wochenmerkten weder frömd noch haimsch schiffleut von land
diser statt nit faren, si haben dann sich hievor bei dem grödmaister
anzaigt und denselben besichtigen lassen, was si geladen, damit dar-
nach zoll und grödgelt ingezogen.
Und das gemainer statt solch zoll und grödgelt destminder under-
geschlagen und vorgehalten werden mög, so würdt man grödmaister
und zollern insprechen und bei irn pflichten einbinden, das si, die-
weii die tregl die frömbden laden müessen, wo es inen baiden samet
nit möglich, doch der ain, nämlich der zoller, so die haimschen
schiffleut mit iren aignen knechten laden, dabei sein und zusehen,
auch auf die wahrn acht haben, darnach mit bemeltem grödmaister
abraiten, und sollen si, die haimschen schiffleut, zoll und grödgelt
selbs und niemand andern von irtwegen richten, von wegen der
fremden raiten und zollen die tregel, wie von alter her.
Der trögel und schütter halb geben meine herrn auf iren
gehapten missverstand disen beschaid: Wann körn in vassen hieher
kumpt, oder das man überschlachen wollte, so soll dasselbig den
420 Überliogen.
schütem abzeladen und ze tragen zugelassen; so aber kom verkauft
wirt, stet sölichs den trögel ze thün zu. Welcher tail aber, so dennaß
körn in vassen herkom, oder das man körn überschlachen sollt, nit
vorhanden were, so mag der gegenwirtig sich diser arbaiten under-
fahen, und er also in das werk komen ist, ob gleichwol der ander
thail hernach kern, so soll im die belonung verfolgen, und dem andern
thail, der sich versaumpt und nit gewartet hat, nicht darvon werden.
Und das sich diser vorgesetzter artikel niemand der unwissen-
hait entschuldigen und sich ain jeder denselben gemeß ze halten
wisse, so würt man die drei markt nachainandern vorlesen und mit-
lerzeit an der Gröd offenlich anschlachen.
Zudem sind sonder personen verordnet, die hierin ir gemerkt
und aufsehen haben, auch was si in- und ausserhalb der Gröd be-
melten artiklen zuwider handien, sechen oder sonst gewar und innen
[werden], das werden si bei irn pflichten, deren si deshalb verfasst
sein, rügen und anzaigen müessen und niemands verschonen.
Welcher artikl auch ir gesetzt büß nit haben, die behalten inen
meine herrn bevor ze straffen, nach gestalt der überfarung. Darnach
wisse sich meniglich ze richten und vor schaden und nachtail zu
verhüeten.
Demnach sich zwischen meiner herrn knechten, nämlich tröglen
und schütem von wegen des korns, so in vassen zu markt kunipt,
das man überschlachen wil, etwas spann und misverstand gehalten,
also, das jeder thail vermaint hat, im solle dasselb in seinen dienst
ze arbaiten gebürn und züsteen, ist inen von meinen herrn burger-
maister und rate alhie zu Überlingen diser beschaid geben : Wann
fürohin körn in vassen hieher kompt, das man überschlachen will,
sollen die schütter dasselben abladen und tragen; so aber solch
und ander körn verkauft worden ist, so soll den treglen des also ze
tragen und in die schiff zu arbaiten zugehörn. Welcher tail aber
under schütter und treglen, wann dermassen körn in vassen alher
kom, das man abladen und überschlachen wölt, derzeit nit vorhanden
war, so ist dem andern gegenwürtigen tail zugelassen, das er sich
der arbait underfachen mög. Wann auch diser gegenwärtig tail, es
seien schüter oder tregl, in das werk komen sein, ob gleichwol der
ander hernach kern, so soll er den ersten tail fürfaren lassen, und
im von der belonung weder haller noch pfening* werden, sonder mögen,
die es dermaß verdienen, wie pillich ist, unangesechen der andern
wol inemen.
Überlingen. 421
Sonst anderer arbait halb ist benenten tregeln nach-
[>lgender Ion gemacht:
(Wie Seite 200 ff. mit folgenden Zusäteeni)
Aber was sack ausserhalb der Gröd jenhalb Reinflins steen,
)11 man inen den tröglen von jedem sack 2 J^, und was innerhalb
38 Reinflins steen, 1 ,5? in die Gröd ze tragen geben.
Item so oft auch von nötten ist und solchs treglen oder schüttern
3m gredmaister bevolchen würt, die seck auß dem weg ze raumben
id ze stepfen, so sollen si dasselbig one widerred thün und man inen
ivon noch darumb ze Ionen schuldig sein.
Auf den jarmärckten:
{Wie Seite 201 mit folgenden 2k$8ätigen:)
Item was ballen aber under dem töchhauß aufgethon und zu
ück von den tröglen auf solch hauß getragen werden, darvon soll
en der Ion gegeben werden nachdem die ball ist und als vorsteett.
Item von ainem barethler und ander grossen kromenstibichen
8 creutzer;
item von schuch- und lederstibichen auf das schüchhauß und
ider darab in das scheff ze arbaiten, jedem .... 4 creutzer;
wann aber die trögel ainem auf sein erfordern den stibich nit
ider herab theten und er denselben selbs herab thün müesst, so soll
• inen nit mer dann die 2 creutzer von desswegen, das si ime solchen
ibich hinauf gearbait haben, ze geben schuldig sein;
von ainem eisenstibich 8 creutzer;
wer es aber äin trögli, daran zwen ze tragen betten . 2 creutzer;
item von ainer kranerkratzen 8 ^;
item von ainem buchfürer stük 4 creutzer;
item von ainem stibich, darein stauchen oder leinwat geschlachen
{in, wann der groß ist 8 creutzer;
wer es aber klain, oder stauchen und leinwat allain in ainer
öchen, so sollen die tregel den Ion nach gestalt und schwere nemen;
item von ainem stibich mit obs, es seien öpfel, bieren, ald der-
eichen, oder darzü äschen ist i rd).
Dergleichen soll es mit den krautstibichen auch gehalten werden.
Von Frankfurter güeter:
(Wie Seite 201.)
Von dem zentnergüt:
(Wie Seite 201 mit folgendem Schlußzusatz:)
Wa si aber in der gemain oder sonderlich des alles, wie obsteet,
t theten, oder über bestimpte Ion jemand beschweren, und solchs
4M
Überlingen,
1508
Januftr S8.
meinen herm fürkoraea, so würden si gegen denselben Qberfarer mil
straff one aUe gnad handien, inmassen man inen müntüeh anzaigi
und ffirgehalten hat. Und damit sich ir kainer auf unwissenhait mi
schuldigen mög, so hat man inen von diser newen Ordnung ain ab
Schrift zügestelt^ sich jederzeit darin haben zö ersehen.
Memorial und kurze verzaichung der puncten, so die
quartierherrn in den quartieren mündlich verkinden und
verpieten sollen.
Erstlich, nachdem des unzibels^ und gewürmbs der rupen
halben aUerlai clag und beschwerd entstanden, das derhalben ain
ieder dieselben nach seinem hosten vermögen ab den paunien nnä
selbsgewachsnen högern thun und säubern wollen.
Zum andern, das niemands gegen würtiger laidiger beschwer-
licher leuft halben ditz künftig v^' ^cht, er sei jung oder alt, da»
vaßDachtküechlin hollen, noch vil liger sich verbutzen oder vi
welchen« soll, ganz überall in dha ai weise.
Zum dritten, so lassen samer rath uß christenlichem'
und vätterlichem eifer jedermei ?n ermanen, daz man sich xd
vorsteend hailig vasten und österi zeit zu rew, laid und warer
gerechter erkanntnus und beicht s ^r begangnen sünd, auch vot
gends zu empfahung deß hochwürdigen sacraments berait machen
und schicken und dasselhig nach allen eern empfahen wolle.
Actum sambstag, den 28, januarii anno 53.
Vörtigung der zwaier, so der Unzuchten halben bei
nächtlicher weil uff die gassen verordnet sein.
(Stimmt genau über ein mit der € Fertigung i> Seite 250 ff.)
1558
Febraar 19.
Kornordnung,
deßgleichen ernewerung der verpott von wegen der
schaden in garten und verpannen güetern. Item,
das man auch hinfüro dhain vich mer in die reb-
garten schlagen und an den rainen waiden; deß-
gleichen das die ainrössler und stattkarrer kainen
mer durch sein eehaften farn wolle.
Wiewol meine herrn ain erbarer rathe vor etlichen verschinen
jarn ain Ordnung gemacht und fürgenommen, wie es in kaufen und
verkaufen des getraids, körn und habers gehalten und gepflogen werden
sollen, so würdet doch aber ainen ersamen rathe angelangt und zum
* Unf^ziefer. — * Vermummen.
Oberliogen. 428
thail unwerk augenscheinlich befunden, das derselben biß doher wenig
gelept, sonderlich ain list über den andern mit vortailigen aigen-
nützigen fürkauf gesucht, getriben, und dardurch der gemain arm
man zum höchsten verkürzt und vemachtailt, auch der gemain nutz,
als wöUicher vor allem befürdert werden solt, scheinbarlich ver-
hindert worden ist.
Dieweil nun demselben in die leng züzesehen oder stattzögeben
je beschwerlich und dann ainer ieden oberkait züsteet und gepürt,
Ordnungen zu machen und die dahin ze richten, das ainer neben dem
andern pleiben, und bürgerlich wesen desto baß erhalten werden
möge, so haben meine herrn ain erbarer rathe soUichs alles mit
höchstem vleiß bedacht, obermelte Ordnung wider under banden ge-
nomen, dieselben übersehen, berathschlagt und zu halten für not-
wendig angesehen; gepieten und wollen auch, das alle ire burger
und einwoner diser statt Überlingen, auch ire und irs gotzhauß spittals
gerichts underthonen, und meniglich, so inen zugehörig, in irer statt
und hinder inen gesessen sein, auch alle diejenigen, so den markt
deß getraids alhie zu Überlingen mit kaufen und verkaufen besuchen
werden, sollich nachgeschriben articul, sovil ainen ieden berürt, vöst
und statt halten, und darwider nit handeln noch thun.
(Daß Folgende stimmt genau über ein mit der obenstehenden cern werten
komordnung».^
Zum andern, als auch vilermelte meine herrn gar kürzlich
und onlang hievor uf manigfaltige ervolgte clag meniglich verwarnen
und ermanen lassen, das sich ain iedes deß andern und frembden
güeter entschlagen, und niemands weder an ops, fruchten, stecken,
paumen, oder andern schaden thün oder zufüegen wolle, betten sich
ir fürsichtige wißhait zu meniglichem der pillichait nach genzlich
getrost und versehen, es solte soUichs oft beschehen vätterliche ge-
trewe warnung, über das es sonst zum höchsten wider den bevelch
und gebot gottes ist, doch ainmal würklich erschossen sein, so würdet
doch aber täglichs je mer und mer augenscheinlich befunden, und
sovil clag an tag gebracht, das das widerspil dargegen unverscheucht
getriben und nit allain dem gotzhauß spittal, sonder auch andern
bui^em an selben jungen bär und andern gepflanzten fruchtbarn
und eingezeunten bäumen, deßgleichen zaunstollinen, gartenthoren,
rebstecken und holz allenthalben mörklicher und grosser schad be-
schicht, auch dasjenig, so innen dhainsweg zugehört, ganz fräven-
licher weise entfrembdet, entwört und hinweggetragen wirt, alles und
iedes zu nit geringen spott, verklainerung und Verachtung meiner herrn
ains ersamen raths, ußgangner publicierten verpott, sonder auch den-
4U
jenigen, so berflrter eingriff beschicht, zu grossen schaden und nach-
tail. Dieweil nun demselben in die leng also zuzusehen je beschwer*
lieh und von gott dem herm nit woll verantwurUich ist, so lassen
meine herm abermals iedes zum leisten memglich, jung und alt,
ganz ernstlich und getrewlich ermanen, sich gehörter schädlicher ein-
griff, entwöhrungen und zügeCüegter schädeUj zerreissung und \er*
wüestungen frembder güeter, höker, krant in rebgarten und päum m
enthalten, dann ihr fürsichtige wißhait nun hinfürter den übertretler, 1
er sei jung oder alt, frawen oder man, sonderlich aber die elten!
anstatt der jugent, one alle gnad oder mitleiden, mit sollichem hohem
und grossem ernst straffen und dasjenig gegen inen bandeln will^
daß. denselben die tag irs lebens rew und nachgedenkens geben,
solliches auch, ainem ieden sich vor dergleichen hochverpeentea und
straffwürdigen sach wissen zu verhüeten, ain abscheuhlichs exempel
geben würdet. Damach hab sich ain iedes gewißlicii zu richten, auch
vor sein und der seinen schaden und nachtail zfi verhieten; wollen
und gepieten auch darauf, das ain ieder den andern, es seien, wie
gemelt, frawen oder man, jung oder alt, so frembden leuten echadeu
sehen thän, bei seinem aid, so er under ainen herrn burgermaiater
geschworen, unverlangt rüegen und anzaigen und dasselbig dhains-
wegs verhalten. Dann meine herrn wollen und werden die vertnicket
und schlaicher nit minder, dann die thätter selbst hörtiglieh darumben
straffen.
Und zum beschluss, so ist auch bißher ganz beschwerhch
eingerissen, das nach einbringung und vassung deß weins und fruchten
uß den gärten zue hörpst- und früelingszeit das vech in die gärten
getriben und daselbst an den rainen und vorleben gewaidet werden.
Nachdem aber dasselbig seiner gewonhait nach unbleiblich und etwan
vilmer dem nechsten anstossenden nachbern an jungen wachsenden
reben, dann dem das vich zugehört, schaden beschicht, so lassen
vilgemelte meine herm ain sollichs bei jedermeniglich abschaffen und
darauf gepieten, das sich ain iedes deß bestimpten waidens und
treibens in seine, noch auch andere garten hinfüro enthalten und
also ime selbst und seinen nachbem vor schaden sein wolle; dann
wölcher oder wölchs sich aines sollichen nit müessigen, den werden
meine herrn irem gut ansehen und nachdem der schad beschehen
ist, auch ungestraSt nit lassen.
Es sollen auch die stattkarrer und ainrössler nun hinfüro für
sich selbst noch uf ainer andern bevelch oder gehaiß durch frembder
eingezeunte und verpanne wisen, gärten, eehaftinen und güetter faren
und zeun oder gartenthor ufprechen, sonder die gewonlichen und
Überlingen. 425
gemainen weg und landstrassen prauchen, alles bei grosser peen
und puoß meiner herrn ains ersamen raths, damit ir fürsichtige wiß-
hait ainen ieden ansehen und bössern würdet. Darnach wisse sich
meniglich zä gerichten und vor nachtail zu bewaren.
Actum sonntags invocavit anno 53.
Verpott des überflüssigen weintrinkens und un- Hat 20.
züchten halben; auch das meniglich erbar frawen
und junkfrawen an irem fürkehr und wandel on-
angeschrihen lassen wollte.
Nachdem laider züvil offenbar und am tag, wölchermassen das
lasier der trunkenhait in disen letsten gevarlichen zeiten täglichs
ie mehr und mehr überhand genomen und eingewurzelt, also das
es schier dahin gerathen, das sich niemands mehr an ainem zimb-
liehen trank beniegen lassen, sonder nun gar über gepürende maß
und der natur würkung und craft erfüllt sein, auch volgends nach
begangner unzucht und vertranknen sinnen und gedanken und das
mancher weder steen noch geen mehr kan, sonder wie das unver-
nünftig vich umbgezogen werden müg, dasselbig etwann allererst zu
ainem erlangten rom und nit zu rew und laid wenden und ziehen will,
welches doch zuvorderst vor gott dem allmechtigen der höchst greuel
und verpottne todtsünd, und der weit, auch ainem ieden ehrliebenden
ain grosser anstoß und ergemuß und neben dem sonst alles unraths,
Schadens der seel und leibs, auch armut und schädlicher not ain
Verursachung und anraizung ist.
Dieweil nun die leuft in trüebsall und widerwertigkeit ietziger
zeit dermassen geschaffen, das ainer ieden cristenlichen oberkait, irem
von gott bevolhnen ampt nach, schuldiglich gepürt, in gehörten und
andern sündlichen lästern ernstlich einsehung zu thun und zu ver-
schaffen, so haben derwegen mein gebietend und gönstig herrn ain
erbare rathe alhie ganz vöstiglich gesetzt und geordnet:
Erstlich. Welcher sich nun hinfüro in quartier- würts- gesslier-
und andern heusern mit wein dermassen überfüllen und beladen
würd, also das er nit mehr weder steen noch geen könnt, sonder
aintweders haimgefürt oder getragen werden müesst, deren ieder,
er sei reich oder arm, sollen von stund an meniglichem zu ainem
offnen schauspill, auch ime und den seinen zu spott in deß derwegen
sonderbar züberaitet und gemacht heusslin in der metzg gelegt, als-
dann nach gelegenhait der sachen, und aines ersamen raths gütbe-
dunken widerumb erlassen und darzü umb 5 ^ ^ gestrafft werden.
426 Überlingen.
Zum andern. Nachdem auch aus ermelter trunkenhait neben
erzölten Sünden und lästern dise unverschämte weise ervolgt, das
sich mancher vor ainem erbaren man, frawen und junkfrawen an
offner freier gassen seiner notturft, es sei des wassers oder sonst,
begert, so er doch dasselbig in ainem hauß oder sondern abgesondert
haimblichen orten wol thün und volnströcken möcht, so haben meine
herrn ernstlich [errauten] : wölcher nun hinfüro also betretten und an
dergleichen orten öffentlicher schandlicher unzucht befunden wirt, das
si denselben in gleichem fahl, wie ob der trunkenhait halben gesetzt,
nit weniger straffen wollen.
Ob aber ainer nach eingezogner und widerumb erlassner vänknus
die fünf Schilling zu bezallen nit hett oder vermöchte, soll er als-
dann von stund an der statt on alle gnad verwisen und nit mer herein
gelassen werden, biß er die straff zuvor alher schickt.
Zum beschluß so wollen auch villermelte meine herrn ain
ersamer rath ganz ernstlich und hiemit gesetzt haben, das nun
hinfüro ain ieder, er sei man oder junggesell, dienst, frembd
oder haimisch, jung ald alt, erbar frowen und junkfrowen an irem
wandel und fürker onangeschrihen, unbetrüebt und imgeschmecbt
lassen, sonder denselben villmehr gepürende ehr erzaigen und be-
weisen; des werden sich meine herrn zu iedermeniglich ungezweifelt
getrösten.
Es möchte sich aber in vorgesetzten artikeln allen ainer so ge-
värlich und fräveiilich erzaigen, meine herrn würden ine bei vor-
gesetzter slradeii nit l)leil)en lassen, sonder anders gegen ime für-
ncMiien, das sich nach ji^eslalt seiner frävenlichait und verwürkung
zu tlnin gepürle. Darnach habe und wisse sich ain ieder zu richten
und vor schaden und nachtail zii bewaren.
Actum freitags, den 26. mai anno 53.
K)53 Ewig gesatz und Ordnung, das nun hinfüro
kainer ainicli gut an ewigkaiten ergeben, noch sonst
die güeter frenibden und ußlendischen personen
verkaufen solle.
Nachdem ain ersanier rath diser des hailigen reichs statt Über-
lingen nit allain in der statt und derselben etter, sonder auch dero
und ires gotzhauß spittal zügeli()rigen gerichten und gepieten lange
zeit her zugesehen, gestattet und geduldet, die gelegnen güeter zum
thail an die ewigkaiten und sonst ul,^ der l)urger einsessen und zuge-
hörigen in ander irenibder und ul.Uändischer personen banden konien
zii lassen, uß wöliclnMi mitth^rweil - wo änderst demselben zeitlich nit
Juni 16.
Überlingen. 427
gesteurt und fürkomen, gewissers und aigentlichers nit ervolgen, dann
das durch angeregte ergebungen und der frembden eintringen der meh-
rer thail der hosten und gelegnesten güeter von der statt und usser
derselben, auch ires gotzhauß spittal gerichten und gepieten komen, inen
zft nachthail und andern zu gfitten, davon aber mit beschwerden und
grosser müehe widerumb darzu gepracht würden.
Und wiewoll ain ersamer rath dhains wegs dohin gesinnt ist, je-
mands an fürgenomnen gotzgaben, getroffnen keufen oder wolfart
Inder sein nutz und fromen zft verhindern, sonder villmehr allen seinen
bürgern, zfigehörigen und verwandten in der statt und uf dem land zu
nützlichem gedeihen und ufnemen zu verhelfen, und si vor beschwehr-
lichen und nachthailigen eingang zu bewahm, ganz vätterlich, schuldig-
lich und wol genaigt, —
dieweil nun ditz alles, auch erzölte beschwerden und hochnach-
tailige eingriff und sonderlich das für äugen genomen, was künftiglich
gemainer statt und dero zugehörigen darauß fliessen und erwachsen
möchte dasselbig bösts vleiß getrewlich berathschlagt und erwogen, —
so haben si demnach und hierauf vermög habender irer freiheiten
und uß gewalt der oberkait ditz hernachgeschriben Satzung und Ordnung
fürgenomen, wollen und gepieten auch, das dieselbig nun hinfüro von
iederman, so inen zügehörig und verwandt sein, ewigUch gehalten und
dero stracks gelept und nachgegangen werd, nam blich:
So soll nun hinfüro dhain burger, einwoner, noch hindersäß, in
der statt noch uf dem land, er sei in derselben oder des spittals ge-
richten gesessen, dhain ligend gut mehr, es sei hauß, hof, acker, wisen
noch garten, klains noch groß, wie das namen haben mag, au ainich
ewigkait, gotzhauß, pfrund oder spittal, umb gelt oder durch willen
verkaufen oder ergeben, ganz überall in dhainerlai weise.
Deßgleichen auch dhainer, er sei, wie gehört, in der statt oder
derselben als des spittals gerichten und gepieten gesessen oder nit,
ainich ligend gut mehr gegen frembden und ußländischen personen, so
ainem ersamen rath oder dem spittal nit zugehörig noch verwandt sein,
weder umb par gelt, leibgeding oder sonst hingeben, vertauschen oder
verkaufen.
Wo aber dasselbig darüber beschehe, so soll der kauf weder in
der statt noch ermelten gerichten nit fürgang haben, sonder ain ganz
jar frei und offen sein, dergestalt, das ain ieder burger, zögehöriger
und verwandter in der statt und uf dem land denselbig kauf — - iedes
von demjenigen an demselbigen ort, aldo er getroffen, gesessen — umb
das gelt, wie er gegen frembden, one ainiche Simulation, betrüg, arglist
428 Überlingen.
oder gevärd verfailset worden ist, well annemen und an sich pringen
mag, unvertiindert des ersten käufers und meniglichs.
Im fahl aber jemands solliches kaufs von bürgern oder zflgehörigen
in der statt oder uf dem land in bestimptem gelt zft behalten oder an-
zunemen nit gelegen were, so sollen alsdann die geschwomen schftb«
iedes orts in die güeter geschickt, und wie solche durch dieselben ina
aiden nach geschätzt werden, alßdann ain ersamer rath alhie g&t füg
und macht haben, das oder dieselben güeter in der statt, derselben
etter, oder in im als daß spittals gerichten gelegen, der Schätzung nach
z& ire banden zfi nemen, und dieselben gemainer statt zu behalten
oder aber andern irer gelegenhait nutz und fromen nach widerumb d
verkaufen.
Doch so behalten inen ermelte meine herm ain ersamer rath ftr
sich und ire nachkomen, ditz recht und gewalt bevor, obbestimpt stat-
tut und Satzung, ob irrung oder ungleicher verstand mit der zeit dar
innen fürfallen möcht, zu erclären, zä bössem, zu mindern, zft mehren
oder ganzlich widerumb abzüthän, alles nach gelegenhait der leufl and
zeit, und wie si gut bedunkt. Damach wisse sich meniglich zft richte
Actum freitags nach Viti anno 53.
j^^^\^ Das sich die jugentdeß zerwerfens der fenster
an der kürchen, auch anderer Unzuchten uf dem
kürchhove enthalten solle.
Meine[ii] herrn ainom erbarn rath alhie zä Überlingen ist durch
die pfleger des pfarrm insters clagsweise fürgel>raclit, das durch die
jungen knaben und kinder die fenster in dem eher, deßgleicheu auch
die andern an bemelter kürchen allenthalben ganz frävenlicher, mut-
williger und unverscheuchter weise mit stainen zergenzt und zerw<.)rfeii
— wöllches alles nit mit geringen costen zu widerbringen — sonder
auch sonst durch bemelte jugent an gepannen sonn- und Werktagen
morgens under der predig, deßgleichen den gehaltnen ämptern, kreuz-
giingen und vespergebetten allerlai unzucht mit schreien und in ander
weg uf dem kürchhove getribcn und ußgezogen werd, so doch ain ieder
seine kinder vil mehr zii gottesforcht und christenlicher zucht ziehen,
dann darvon abhalten, auch vorerzülten verwüestungen, sovil imer mög-
lich, sein solt.
Demnach, so lassen meine herrn meniglich ganz ernstlich erraanen,
das ain ieder l)erüerte miingel anhaims ])ei seinen kindern und zuge-
hörigen mit vleiß abstöllen, das wollen sich meine herrn getrösten, oder
al)er, wo ain oder mehr kind hieriilxT an bcstimpten zerwerfen der
glöser als anderer Unzucht betretten würden, alsdann dieselben, oder,
Überlingen. 429
do si noch zfi jung, die eitern an irer btatt mit sollicher straff ansehen,
das sein ains erbaru ratbs missfallen spüren soll.
Zum andern haben auch meine herrn uß bewögenden Ursachen
fttrgenomen und angesehen, das hinfüro gar niemands uf dem kürch-
hove weder roß noch vich schlagen, noch dieselben sonst in der statt
hin und wider — usserhalb gewonlicher zeit des ußtribs — laufen
lassen, deßgleichen auch ichtzit mehr uf erstgemelten kürchhove, es sei
bolz, stain, vesser noch ichtzit anders, weder legen noch stöUen soll
in dhain weise, dann, wo man dasselbig verächtlicher weise übergehn
and nit halten würd, wollen meine heiTn die übertretter jedesmals, so
oft sollichs beschicht, umb ^ U ^ unablösslichen straffen.
Zum dritten S so ist von villermelten meinen herrn ainem erbaren
raih dem erbam handwerk der saurböcken alhie uf ir getrungenlich bitt
nnd in ansehung der treffenlichen klemmi und theurin deß holz in dem
lohn ufgesetzt worden, namblich, das nun hinfüro biß uf ir widerrüefen
Yon jedem viertel mel, so dem bocken in das hauß geantwurt, sechs
pfening, und von ainem viertel, so durch ains künden haußgesünd
anbeims gewerkt würdet, allain fünf pfening zft bacherlon, deßgleichen
auch für den höffel, würk- und stebmell, und also für alles von ainem
viertel mell ain halb vierenthailin und von ainem halben viertl ain acht-
tailin — alles abgestrichen und nit ufgehaufet — gegeben und von dem
bocken weder in bacherlon, noch mell mehr erfordert werden soll, bei
peen und p&ß in irer Ordnung begriffen. Darnach wiß sich meniglich
z& richten.
Actum freitags nach Viti anno 53.
Gesatz und gepott, das niemands mit dhainen
Juden mer ichtzit zu handeln oder zö schaffen haben. Juu 20.
Deßgleichen wider die kaiserl. und handwerks-
ordnungen nit murmuriern,
und in der Aach noch dem Mülbachmer vischen solle
Meine herrn burgermaister und ain erbarer rath diser des hailigen
reichs statt Überlingen stöllen in dhainen zweivel, es werde sich jeder-
meniglich irer burger und einwoner, deßgleichen auch ire und des spit-
tals armen leut, hindersässen, zugehörigen und verwandten uf dem land
gnftgsamlich z& erinnern wissen des gepotts und vätterlicher ermanung,
so sie bei kurz verschineu jam allenthalben in im und vermelts spittals
vogteien, gerichten und gepieten ußgehn und verkünden lassen haben,
das sich namblich niemands der irn hinder dhainen Juden noch Jüdin
thftn, noch mit denselben in ainicherlai weise oder weg ichtzit, es sei
amb zins, schuld oder sonst anders contrahieren oder handeln solle.
' Am Rande die Bemerkung: «Ist eingestöUt».
480 ÜberlingeD.
WiewoU sich nun ain erbarer rath hierauf der pillichait nach
gänzlich getrost und versehen, er hette sollich getrew anzaigen und ve^
warnen fruchtbarlich und wol erschossen, auch sich ain jeder chnst
und eerliebender mensch vor vermelter Juden uncristenlichem gesodi
und unzimblichem vortail, auch sein, seins weibs und kinder verderb-
lichen undergang, vertreiben, nachtail und schaden selbst abgehalten,
so befindt sich doch aber nunmer zuvil am tag, das demselben biß
doher gar wenig nachgesetzt und gelegt worden ist; wölches dann nit
allain durch der Juden eintringen verkinbemus der güeter und ve^
stossung anderer gläubiger, sonder auch ainem ersamen rath an alt
habenden, confirmierten und erst jüngst ußgebrachten kaiserlichen {wi-
vilegien und freihaiten grosse Verletzung, schmölerung und eintrag ge-
pracht hat. Dieweil nun ain sollichs fümemblich diser statt Satzung,
uf wölche man aller järlichs gemainlich zft schwören pfligt, gänzlich
entgegen, zuvorderst aber wider der königlich kaiserlichen majesUÜ,
unsers allergnedigisten herrens, ernewerte und im hailigen reich uOgangne
poUiceiordnung ist, so lassen dem allem nach wolgenannte meine herrn
das obbestimpt hievor ußgegangen gepott hiemit widerumb emewern,
und iedermeniglich, er sei burger, einwoner, hindersäß, underthan, zu-
gehöriger und verwandter, in der statt, als derselben oder des spittab
gerichten gesessen, oder nit, anzaigen und verkünden, daneben auch
mit hohem und grossem ernst gepieten, das sich ain ieder der Juden
entschlahen, und hinfürter nichtzit mehr mit inen, weder umb zins,
schulden, noch uf borg, wenig noch vill, handeln noch zö schaflFen
haben wöll ganz überal in dhainen weg, dann wo hinfüro ain jud oder
Jüdin über jemands anrücfen, oder man das sonst von ainem gewar
oder innen würd, das in ainer mit inen zu handeln gehapt het, unan-
gesehen, wann es imer beschehen sei, dessen wollen und werden sich
meine herrn gar mit nichten nier beladen noch annemen, sonder den,
so burger oder einwoner alhie ist, gleich alßbald seins burgreehts und
schürms berauhen, und dann die, so hinder ainem ersamen rath oder
dem spittal gesessen, mit weih und kinder von stund an one alle gnad
usser den gerichten weisen und nit mer darein komen lassen, biß sie
mit dem Juden umb sein ansprach allerdings abkomen und von inen
ledig sein.
Zum andern so haben auch obernante meine herrn ain ersamer
rath onlang hievor durch ußgegangen verkündungen gemaine burger-
Schaft und einsässon alhie uß getrewer annaigung und liebe umb ab-
stöUung eingerissner ungebürlicher reden wider der römischen kaiser-
lichen majestät, unsers allergnedigisten herrens, Ordnung verwarnet, und
derbei eruiauet, das ime ain ieder dasjenig, was ainem ersamen rath
Überlingen. 431
annem blieb und gefallig, liebeu und gefallen lassen, und wider dasselbig
icbtzit reden oder tractieren wolle, und sieb dem allem nach anders nit
versehen, dann dasselbig hatte bei iedermenigUch fruchtbarlich und wol
gewuchert. Wiewoll nun darüber ain ersamer rath nach embsiger und
vleissiger beratbschlagung ainem ieden handwerk und gewerb der ge-
legenhait und hievor gebapter Zunftordnung nach widerumb Satzungen
geben und zfistöUen lassen, und in denselben anders nichtzit fürgeno-
men noch zft tragen oder zö halten uferlegt, das jemands unleidenlicb
oder beschwerlich fallen mag, neben dem, das auch etlichen handwer-
kern und gewerben uf ir ervolgte clagen in irn Ordnungen enderung
gethon und under arm gegriffen worden ist, so will doch aber soUich
vatterlich wolmainen bei etUchen unrüwigen leuten nit ansehens noch
würkung haben, sonder würdet allerlai hin und wider darzu geredt und
under demselben particular und sonderbar personen zägelegt, als ob sie
fürderer und anstifter ditz werks seien, woUiches doch nit von inen selbs,
sonder uß gehaiß und bevelch ains erbam raths ervolgt und beschehen
ist. Demnach so wollen villermelte meine herrn hiemit abermaln sollich
mormurieren und ungepürlich hin und wider reden bei iedermenigUch
abgesiöUt und ainen ieden darbei ermanet haben, das er dasselbig, wie
pillich, hinfürter meiden, z& Zerrüttung bürgerlicher pollicei und Ordnung
nit ursach geben, sonder diselben vilmer fürdern und pflanzen helfen.
Des wollen sich meine herrn zö ainem jeden gewisslich getrösten ; dann
solle oder würde es nit beschehen und von jemands dergleichen hinob
erzölter reden, aine oder mehr, zö clag gepracht, ist ain erbarer rath
dohin entschlossen, ainen jeden gelegenhait der Sachen nach so hörtig-
lich z& straffen, das es andern ain abscheuhlichs exempel geben würdet.
Zum dritten. Wiewoll meine herrn vor jam in den geweßnen
erbam zünften verkünden und an ain benannte geltstraff setzen lassen,
das die handwerksleut weder an sonn- noch andern gepannen feirtagen
bei niemands zö gast essen, noch von jemands geladen werden sollen,
so befindt sich doch, das demselben biß doher wenig gelept, sonder
von den handwerksleuten gehapt und ervordert werden will, wölches
nun dem gemainen armen mann bißher allerlai beschwerlichen eintrag
gepracht hatt, dieweil sich nun ain ieder, wie pillich, seines gepürenden
und gesetzten taglohns beniegen lassen und niemands darüber weiter
beschweren soll. Derhalben so setzen und gepieten eegenannte meine
herrn, das sich nun hinfüro ain jeder maister, er sei wölches hand-
werks er immer wöU, für sein person und seine knecht, deßgleichen
auch die neerin und ire dienst, und hinwider ain ieder kund gegen
seinem werkmann des berüerten gastladens gänzhch müessigen und ent-
halten wollen; dann wo iemauds dasselbig übertretten würd, deren
4M
jedes iDBonders, er sei der kund oder werkcmn, als eeioe dienst, Bollm
iedeemals umb ain pfund pfenüig gestrafft werden.
Und zum beachluß so langt auch meine herrn clagsweiae an,
das etwöUche irer burger und etneässen alhie, dergleichen nnderweilea
uß gehaiß und bevelcb Ire dienst aigens willens liiiiauß In die Aacb
gdiu und darinnen vischen sollen, wölcbeä ie und allwegen bei aber
sonder grossen strafi* verpannen und verpotten gewest. Das wollen er
melte meine herrn hiemit bei meniglich abgestöllt haben und sich dä^
auf bd Vermeidung alter hievor gesetzter straff gewißlich versehen» es
werde ain ieder dasselbig meiden und hinfOrter eothalten; dann wo
ainer darüber straffbar befanden, den würdet nit allain der TOgt ull
bevelch, sonder auch ain erbarer rath yolgende dermasaen püessen. dm
er under ander sein Übergang spüren und erkennen solle.
Damach hab und wiß sich ttieuiglich zt\ richten und vor naehtail
zfl verhieten.
Actum den 25. julii anno 5S. ■
Moremb.». Vörtigung ain 8 dorfammans.
Ir werden schwören, meinen herrn burgermaister und rat der statt
Überlingen und allen irn nacbkonien, so lang ir da^ ammanampt ve^
walten, getxew, gehorsam und gewärtig zu sein, gemainer irer staU
und irer nachkomen, auch derselben underthonen und armen leut nutj,
eer und frommen zu fürdern, auch im schaden, naehtail und abgaug
zu warnen und zö wenden, deßgleichen das ammanampt, alleweil es ob-
ermelten meinen herrn, ainem ersamen rath, geliept und gelegen ist,
mit besstem und getrewestem vleiß zu versehen, darzu den leuten, so
euch ietzo bevolchen, in allen zimblichen und gebürlichen saehen be-
holfen ze sein, und was ir von fräfflinen^ büasen und Unzuchten hegen
sehen, hören oder sonst gewar und innen würden, das ir daaaelbig jeder
zeit ainem herrn burgermaister, eo im ampt ist, oder sonst an gepüren
den orten unverlengt zu clag und straff fiirbringenf und sollichs dbaina
wegs verschlaichen, noch verschweigen wollen oue geverd.
Actum an sant Andreas des hailigen zwelfpotten abend anno 1553.
J654 Verpott der Basler müntz, auch häller und pfen*
^P^" ^^- ning halben;
Deßgleichen von wegen ablaufens der kneebt;
item harnasch und gewöhr;
item von wegen der unsauberkait uf der gassen;
und dann der selbsgescboß halben beschehen*
Als ain Zeitlang in diser deß hailigen reichs statt Überlingen die
Basler müntz, so in unserer landsart nit gang noch geh, deßgleichen
Überlingen. 483
luch die pfening und haller über hiervorige publicierte uud ufgeschlague
>rduung von newem widerumb ganz häufend eingerissen und uf die
MUQ kommen, dardurch dann nit allain der gemain man, so berürte
iasHer müniz zu seiner notturft widerumb einzeehtiger weise ußgeben,
inch umb sein wahr böß pfening und haller und das nit in geringer
uizal vom keufer nemmen müessen, höchlich beschwert wolnien, son-
1er ist auch solliches alles dem gemainen nutz gänzlich zuwider und
entgegen. Derhalben so haben meine herrn burgermaister und rath
dhie entschlossen, auch bevelch gegeben und Verordnung gethon, das
lun hinfürter weder im stüblin, salzladen, noch auch in der Gred, ainich
»11, oder von andern irn ampt- und dienstleuten ainich Basler müntz
ner genommen, als inen gegeben werden soll, denn erst ermelte meine
lerm ernstlich dahin bedacht sein, vorberürte Basler müntz von jemands,
wer der sei, weder wenig, noch vil, in bezallung oder sonst mer
iDzunemmen in dhain weise. Jedoch aber so wöUen meine herrn zu-
assen und darbei gepotten haben, das furo in irer statt ain jeder irer
eiliger oder usslendisch weder in kaufen noch verkaufen on zins, schul-
len, kom, wein, noch in ander weg nit mer, dann under zwainzig gul-
3in ain gülden Basler müntz, und ob er will, gar kaine, deßgleichen
lach nit mer klain gelt, dann under fünf pfunden oder guldin ain
[>fand oder guldin, uud also uf und ab zu raiten, und nit darüber, aber
kaine andern pfening oder heller, dann die gut, geb, und an der tafel
)ffenlich angeschlagen sein, nemmen soll. Wo aber jemands dem ver-
keufer, schuldvorderer oder zinßherm hierüber ain oder mehrer an-
Ball Basler müntz oder klainen gelts uftrechen und ine damit be-
schweren, der würde, sooft sollichs beschehe und z& clag fürkeme,
ongeetrafft nit pleiben; neben dem so befinden auch meine herrn
ier niederländischen müntz halb, so man gemainlich schnapphanen
nennt, und bißher für vierzehen kreuzer und ain Basler fünfer darauf für
sechzehn kreuzer ußgegeben, aber sollicher werung nit sein, demnach solliche
schnapphanen ainzechtig hinfürter nit höher dann umb vierzehen kreuzer
ußgegeben, noch genommen werden sollen, bei obermelter straff.
Zum andern. Nachdem sich die leuft abermals etwas beschwer-
lich und widerwertig ansehen lassen, also das niemands wissen mag,
wem oder wohin soUiche vorhabende practicen und ufwiglungen zuwider
gemaint oder gepraucht werden wollen, derhalben ainer jeden oberkait
schuldiglich gepürt, hierinnen geflissen ufmerkens und sorg z& haben,
demnach so lassen meine herrn ain ersamer rath das jüngst ußgegangen
gepott hiemit widerumb renovieren und ernewem, auch darbei gepieten
und verpieten, das nun hinfüro kain burger, einwoner, noch z&gewandter
cUser statt bei dem aid, darmit er ainem ersamen rath verpflicht ist,
Ob«rrlielnUcbe Stadtrachte. II, 2. 8S
434 Überlingen.
dhaineo herrn mer, wie der genant werden möchte odö vorwiesen ge-
melter meiner herrn, ains ersamen raths, s^u^iehen, sooder desselben
stillsteen, müessigen und enthalten. Dann wölcher oder wölche dasselbig
nit thfin, sonder geTarlicher weise verachten und übertretten würden,
den oder die wollen und werden si, meine herrn, ohne alles mittel init
nachschickuog irer weib und kinder^ auch einziehung und consistieruDg
iier haab und güeter, und sonst so hertigüch straffen, das es andam
ain abscheuchlichß exempel geben würdet.
Fürs dritt hat sich jedermeniglichj so burger alhie ist, srii er
Innern, das aha jeder in annemmung seines burgrechtens, onangeselien,
er habe dasselbig von seinen vorölteru ererbt oder sonst erkauft, aioeü
aid leiblich zu gott und den balligen schweren mxiß, sein aigen har
nasch und gewöbr vermög der Ordnung zu haben, dasselbig weder kü
versetzen noch zu verkaufen, sonder jederzeit damit gerüst zuwarteo,
so ist doch aber ain ersamer rath in glaubwürdige erfambait gelaugt,
das in jüngst vergangner laidiger kriegsempörung etliche ire burger, und
deren nit in geringer anzall, ire harnasch und wöbr verkauft und dar
innen vil mer ainen klainen nutx und vorthail gesucht, dann ire km-
gerliche pflicht und ains ersamen raths bevelch bedacht und betrachtet
haben, wölches sich ain ersamer rath zu denselben gar mit nicht en xn-
sehen het, auch derwegen wol ureach, gegen inen mit gepürender straff,
andern zfi ainem exempel, nach der achöipfe zfi volefani. DieweiJ de
aber ditzmals uß miltigkait die straff einstellen, wollen sie doch hiemit
jedermeniglich, sonderlich aber diejenigen, so gehörter gestalt ire hai^
nasch und wöbr verkauft, ermanet und darneben ernstlich gepotteii
haben, sich bei obermeltem irem geschwomen aid in monatsfristj der
nechsten nach dato künftig, widerumb mit aigen harnasch und gewölu
gefaßt zu machen und zä rüsten, und dasselbig, wie ander gehorsam^
burger thfln, uf fürfallende nott warten zt lassen, dann ain erbarei
rath endtlich und gewisslich schon bedacht und entschlossen ist, nach
verscbeinung berürter monatsfrist durch ire verordneten von hauü iq
hauß ordenliche Inquisition und schaw zu halten, und alle diejenigen,
so gar oder zum thail mit harnasch und gewOhr vermög obberürter Ord-
nung nit versehen, von stund au umb drew pfund pfening unableßlicli
zft büessen, und volgends weiter die gepür gegen denselben ungehor-
samen fürzünemmen, das ains ersamen raths misfallen im w^erk gespürt
und befunden werden soll.
Und wie wol, zum vierten, ain ersamer rath vor kurz verschiner
zeit in den quattieren offen lieh verkünden und an ain benantliche gelt*
straff setzen lassen, das ain jeder für sich selbs, seine kinder und dieo^
den unseuberkaiten, so bißher uf den gaseen und winkeln begangen
ÜberÜDgen. 435
den, vor sein, und dieselben darvon, sonderlich aber die jungen
,ben vor Verwerfung und zergenzung der gläser in der kürehen und
lerer tumult, Schreiens und Unzucht, uf dem kirchhove abhalten und
von ziehen wöUe, so ist doch aber in demselben bißher wenig frucht-
kait, sonder mer Verachtung und das widerspil befunden worden,
rumben so lassen meine herm abermals, wie hievor verkünden und
warnen, sich gehörter Unzuchten hinfürter zu müessigen, und die-
>en bei im kindem anhaims abzäschafifen; dann wo hinfürter an
ibringung eegerürter unseuberkait, auch zerwerfung der fenster und
mg der Unzuchten uf dem kirchhove ain oder mer kind betretten
l ergriffen werden, wollen meine herrn die eitern anstatt ire kind,
nit zum sacrament gegangen, umb ain Schilling pfening, deßgleichen
, so manbar und erwachsen, auch zum sacrament gangen sein, umb
pfond pfening unableßlich straffen.
Und zum beschluß langt auch ainen ersamen rath an, das aber-
Isy wie hievor möchte beschehen sein, selbsgeschoß gelegt werden
len, dardurch dem fürgeenden und unwissenden leichtlich grosser
ad zftsteen und widerfarn mag; das alles wollen meine herm hin-
ter Z& meiden auch abgestrickt haben, alles und jedes bei hoher ains
imen raths straff. Darnach hab sich menglich z& richten und vor
(htail zu bewahren.
Actum mittwochs nach misericordia Domini anno 1554.
Spendpflegerordnung.
Ik^ich sollen sich die spendpfleger järlich ain gute gerurabte zeit
weihennecht durch irn fürtrager vor ainem ersamen rath anzaigen,
si spendkom malen lassen und becken zö bachen bestellen sollen.
rauf last ain rath, weß er sich entschlüßt, irm fürtrager antwurt sagen.
Damach, so ain rath die spend zö geben zülast, sollen die spend-
5ger uf sant Steffans tag alle burger, michileut, schüler der statt
zheuser und irer burger aigenleuth, auch der nachpauren umbgelegen
ren und stattleut, die deß allmüsen der spend begern zu empfachen,
liftlich verzaichnet durch irn fürtrager übergeben.
Solche verzaichnus ain erbar rath verhört, und an welchen per-
len, burger, michi-ald aigenleut si vermainen, das allmüsen nottürfüg
1 wol angelegt sein, bedenken und in sollicher verzaichnus beleiben
}en. Denselben sollend die spendpfleger das allmüsen uf nachvolgend
: geben«
Und sollen die pfleger allwegen jedes jars anfachen uf sant Stef-
fi tag zt Weihennächten die spend geben, und die taglichs allen armen
ten, frömbden und haimschen, geben, bis uf das neue jar.
88«
486 ObOTÜngeii.
Item am nechsten tag nach dem neuen jar soUent die pfleger da
gewachsnen armen leuten die spendkratten geben und inen Bagen» dafl
si die kratten offenlich und unverborgeu an iien bareten, hieten oder
oberdaidem antragen und sich als personen, die das aUmflson nemmoi,
denselbigen gleich und gepürend halten; dann welcher das nit thite,
dem oder denselbigen würden si die spend vorhalten und nit mer geben
Und wann unser lieben frawen liechtmeO tag yerschinen ist, so
sollen die pfleger durch iren fürtrager vor rath erfarung ttiiün, wie lang
si fdrohin die spend geben soUen und ains ratha beechaid darin e^
warten und erstatten«
Diespendpfleger sollen auch dhainen herren noch stetÜeuten geben,
si haben dann das von ainem buigermaister oder seinem Statthalter
sonderlich bevelch.
Es sollen aber mein herr burgermaister oder Statthalter s&vor au-
w^ solcher herren oder stattleut halben jedes oberkait oder amptleot
erkondigen, oder urkund zfi bringen ervordem, was wandeis, handdi^
th&n oder lassens die spendnemend person seie. Und so er befttod^
wol und g&th angelegt sein, soll und mag er solohs dem BpeadpBßgat
anzaigen, damit si ime nachvolgender Ordnung nach die spend gebea
könnden und mögen.
Die Spendpfleger sollen auch neben angerflerter versaicbnua dni
grössinen spendbrott in den rath zu ersichtigen geben und beschaidt
erwarten, welche grosse das gegenwärtig jar geben werden solle.
Und wölche grosse ain rath ze geben verordnet, dieselbigen sollen
die pfleger ungeendert bacben lassen und den armen leuthen geben.
Die pfleger sollen auch jeden tag insonder vor außgebung der
spend die armen laut ernstlich und vleissig vermanen, gott den herren
für die anfenger, Stifter, merer und handraicher und all gleubig seelen
andächtiglichen zu piten, inen guad und barmherzigkait mitzütailen.
Und sind das die drei grössinen brots diß jars: Namblich die
gröst: hat ain malter kernen drewhundert brott geben.
Die mittelgroß: hat ain malter viertbalbhundert brott geben.
Die klainst grosse: hat ain malter kernen vierhundert brott geben.
Also hat ain rath die mittein grosse, namblich viertbalbhundert
brott aus dem malter ungevarlieh zu bachen und zu geben verordnet
Und hat man den burgern und michileuten alle tag täglich nach
der fruemeß solche spend geben biß uf der herren vassnacht,
der statt und irer gotzheuser und burger aigenleuten zftr wochen
zwen tag, namblich am sonntag und dornstag geben; doch sollen die
alten, alls vater und müter, solche spend an dem ainen vorbemelten
tag selbs hoUen;
Überlingen. 487
und der umbgelegen herren und stattleuten, so wie vorsteet, er-
kondigt worden sind und eingeschriben, die spend alle sonntag geben;
den landstreifem und fürziehenden armen leuten überall nur ain
mal ain brott geben.
Die pfleger sollen auch alle die, so die zaichen nit tragen, und
dannocht die spend understüenden z& erfordern und z& nemen, allweg
bei iren pflichten ainem burgermaister oder Statthalter anzaigen, damit
ain rath derhalb, was furo z& thün, sie bevelhen möge.
Gepott und verpott der weissen und roten Weinreben, ^uch^^^J^ ^^
der Ordnung des kornmarks, der ufgerichten glocken halb.
Es kompt meinen herren ainem ersamen rath für, wie auch augen-
scheinlich im werk vorhanden, das in kurzen jaren her in den güetern
umb dise statt gelegen, die weissen reben heftig eingerissen und ge-
pauen, und dargegen die guten alten als kläfner und ander dergleichen
edel reben — welche unsere voreitern und die, so die fart in hoUung des
weins bißher zu gemainer statt gepraucht, je und allwegen in hocher
achtung gehapt — abgangen und ussgereut worden sein, daraus dann
nichtzit anders — es beschehe durch den lehenherrn oder gemainden — ,
dann allain die vilin des weins, onangesehen, ob er säur oder sieß sei,
gesucht würdet.
Nachdeme aber ermelte meine herrn solliches alles und hernach-
volgende daraus fliessende beschwerden für äugen genomen, auch die-
selben mit allem ernst und vleis hin und wider erwogen und berath-
schlagt, haben sie vemünftiglich dahin geschlossen und zu abschnei-
dung obermelts eingerissnen bösen prauchs und handhabung der zfifart,
dessgleicben, das die gäten kläfnerreben nit gar undergetruckt und in
abfall gepracht, und dargegen die weissen kuollreben und ander deren
art gemeß an die statt gepracht und gepflanzt werden, ditz nachvolgend
Ordnung umb gemains nutzens willen fürgenomen, wollen auch, das
dieselbig bei darauf gesetzter peen nunhinfürter ewiglich strenglich und
mit ernst gehalten werd.
Und erstlich, so soll dhain gemainder, er sei burger oder in der
michi, nunhinfüro seinem lehenherrn, von dem er bauet, dhaine gute
kläfner ald rotreben usshauen und an derselben statt hinderrucks, und
one desselben seines lehenherrn vorwissen, andere, weisse reben von
neuem legen, noch mit einlegen die kläfnerreben hindern, schödigen
oder verderben. Desgleichen auch dhain er, so aigne reben hat, und
dieselbigen baut, dhaine weisse reben in die reifen garten, alda es nit
zeitig mag werden, und von alter dhaine gewest sein, legen, auch dhain
lehenherrn solliches zu thfin für sich selbs, one vorwissen deren, so zu
r
besieh tigung des rebbaus verordnet, k& legen bewilligen, ganz Überal
in dhainerlai weise.
Und dann, bo soll auch Diemandts iueonderhait gar kain kooU
reben oder hindisch elbelen in ainichen garten einlegen ond die jeti
gelegten fürohin nit mer einlegen noch pflanzen, sonder solüche alle
und jede nach und nach mtUch abgehn lassen, alles und jedes bri
straff, welcher sollichea Übertretten würdet» er sei lehenherr oder gmaia*
der, fünf pfund pfening, die ermelte meine herrn von ainem jeden onab-
lesslich einziehen, auch darauf die gartenschauer ir achtung haben und
die büßwürdigen rüegen werden, — Für ains.
Zum andern haben auch vorermelte meine herrn clags weise an
gehert, das über jüngsternewert© kornordnung in der Gröd eich etlich
aigennütziger, und möcht wol gesagt werden, arglistiger und gevarlichei
weine understeen sollen, in dem, das sie den frembdeu kau Heuten und
gösten, so den kornmarkt alhie mit kaufen und verkaufen, paucß,
pflanzen und sfichen, wann sie ainen kauf oder schlag getroflFeo habea,
einfallen, dasselbig koru nuder dorn schein, als ob sie es inen selbs o<lef
ainem einsässen alhie diser statt wellen umb gemachten kauf zt ini
banden nemen, den ersten kaufmann darvon Verstössen, und darntdi
solhch kauft körn andere und frembden lassen. Welches nun nit sUm
obermelter kornordnung gentzlich und gar zuwider und entgegen, soa-
der ist auch z& besorgen, wa dem nit zeitlich fürkomen, das in kunflcm
den burgern und einwonern alhie gleich sowol als den frembden an dem
kornmarkt daraus allerlai nachtail und schaden endtsteen und ervolgen m^.
Und derhalben zu abstell ung desselben und pflanzung unsers korc-
markte nachfolgend artickel beratschlagt und für göt angesechen, wollen
auch ernstlich dieselben von jedormeniglicheu zü halten. Und nambHch:
So soll hinfürter dhain burger oder ein woner, er sei müller oder
sonst, dhainem frembden kauf herrn in seinen getroffen kauf steen, noch
auch insonderhait dhain müller noch burger ainichen frembden ussleu'
disehen künden oder ander leuten nichtzit kaufen, ald von deß fremb-
den kaufherm gekauftL^n getraid oder körn, weder wenig noch vil, ne*
men, vordem oder ansprechen, dann sovil er ainem burger oder ein-
Sassen alhie haben und derselb in seinem haus verprauchen will; allei
bei straff zechen pfund pfening, |
Und damit aber jedermonigHch, haimisch und frembd, dergewisseD
stund des markts, wie dieselbig von meinen herrn hinfürter zft halten
angesechen worden sei» wissen mög, so würdet man jetzt an und all-
wegen (wie an andern unseru genaeh harten orten auch gepreuchig) am
zinßtag nachmitag umb ain uhrn ain glocken in der Gröd (so man
sonderlich alberait schon dahin verordnet hat) leuten, auch alsbald dar-
Überlingen. 489
auf züber geben und ainem jeden z& kaufen, onangesehen, es seien vil
oder wenig korngöst vorhanden, bis am mitwoch zft zehen uhr vormi-
tag inhalt merberüerter kornordnung freien weg lassen. Wann es aber,
wie gehert, am mitwoch zehne geschlagen hat, soll alsdann beräerte
glock abermals geliten werden und volgends der markt von stund an
bis die nechsten wochen darnach sein endschaft haben.
Und damit sich meniglich obgeschribner articul, sovil die korn-
ordnung belangt, der unwissenhait nit entschuldigen mög, so würt der
grödmaister uß bevelch meiner herren dieselben etliche mal in der gröd
o£fenlich verkünden und jetz zinstag nechstkünfbig dise Ordnung im an-
fang gewinnen.
Damach wisse sich menigclich z& richten.
Actum den 16. novembris anno 1554.
Nachdem meine herm, burgermaister und ain ersamer rath diser iw»
des hailigen reichs statt Überlingen, uf der röm. kaiserl. majestät, ^
ansers allergnedigisten herm, rathe enderung under den handwerkern
and gewerben in irer statt allerlei Satzungen und haltungen gemacht,
haben si auch volgends umb gemaines nutzes und fürstand willen jeder-
meniglichs, er sei gesund oder krank, nach zuvor gepflegnem rath und
ir selbs vernünftigem bedenken und gät ansechen von hernach gemelter
der herm appothecker Ordnung rathsamlich geredt, wollen auch, das
dieselbig nun hinfürter, biß auf irer fürsichtigen wißhait widerrüefen-
verbössern oder abthun strenglich gehalten und deren gelept und nach,
gangen werd, alles getrewlich und ungevarlich.
Der appothecker zu Überlingen gesatz und aid.
Erstliches so soll nun hinfürter jetzo an und ewiglich niemands,
was standts oder wesens der sei, vergondt, z&gelassen oder gestattet
werden, allhie oflFenliche noch haimliche appothecken zö halten und zu
practicieren, zuvor und eheraaln er durch bewärte und erfame ärtzt und
appothecker seiner kunst und schickliehait halben deß lateins und in
ander weg probiert, erkondigt und erfaren, das er darzu taugenlich und
der newen künsten, so jetzo durch die scribenten täglichs an tag ge-
pracht werden, erlernt ist.
Und soll ain jeder appothecker bei hernach geraeltem seinem aid,
ob er ain oder mer gesellen oder diener halten wölt oder würd, kainen
andem, dann die, so redlich und wissenhaftig, auch eelicher gepurt
seien, annemen.
Insonderhait aber sollen si gleich jetzt an und hinfüro dhainen
gesellen oder diener anstellen, er seie dann zftvor der oberkait angezaigt
iiO n^^^i^Blr überHngen.
und habe derselbig seiue abschid, fonnata oder disdplin brief, das «r
aines söllichen erlernet, erfaren und zu disem artificio taugenlich sei,
fürgepracht, auch durch ine »ftvor die Ordnung aines appoüiecken ge-
»chworn, darmit durch den oder dieselben knecht die art^neien iiit ve?
dörpt und die menschen gesund oder krank durch ünwissenhÄit aW
untrew nit verwarlosset werden,
Derhalben so werden die appothecker und jeder insonders, deß
gleichen ire haiisfrowen, sön und diener uf vor* und nachgeode artioil
leiplich aid vA gott und den hailigen schwöra, ire officinas und appo
theckeu zö allen zeiteu durch sich selbe und erfarne, geschickt© diener
mit trewen und höchstem vleiß zfiversechen, die in eeren zö haben mid
deren zfi gewarten, damit alle ding nach gepeurender Ordnung uud der
lerer anweissung erhalten und irehalb dem menschen zu nachthail nicht-
sdt verabsaumpt werd. Neben dem aollen auch sie, die appothecker, bei
obberürten irnni aid weder Ire hausfrowen, noch ainich ander frowenbild
in der appothecken mit den reeeptis, compositis und andern fürnemeii
treibenden artzneien mit nichten lassen umbgeen, ordnen und noachtiu
sonder solliches alles durch sich selbs oder obberürte ire approbierte
diener und sonst niemand ts andern ordenlich und getrewlich verrichleo,
sich auch dar^u iohalt derselbigen aidspflicht betlei^sen, das sie die her*
bas, floreflj fructus, semina und radiceB, jedes nach seiner geordnetsa
zeit eingewinnen und dicBelben volgendts an gepeurenden orten vor ab-
gang und verderben mit vleiß bewaren.
Zum ander n, das sie in den dingen, zu der artznei gehörig,
noch ainichen andern Sachen oder handlungen in koufen oder verkoufea
in oder uß den appothecken mit dhainem doctor, artzat, noeli appo-
thecker alhie z& Überlingen, weder zu gewin noch Verlust nicht ansteen,
thail noch gemain haben, auch dhainen für den andern nit fürdem,
weder loben noch schelten, noch auch ichtzit umb ainiches vortbails,
genieß oder fürderuug willen, weder uf borg, zinß, bürgschaft, noch in
auderweg, wenig noch vil, fürsetzen oder leihen, deßgleichen von dhainem
doctor oder appothecker, noch den seinen kain schenkin, müeth noch
gab annemen, dann ungevarlich umb weihenecht zeiten mag ainer den
andern mit ainer schenkin verehrn, die ungevarlich das ganz jar vier
guldin und nicht darüber wert sei, in dhainen weg. Doch soll ainem
vatter gegen seinen sönen oder kindern, deßgleichen brüedem und ge-
schwüstergitten, auch seh weher und schwiger und andern blutsver-
wandten, innhalt meiner herren rathsordnung gegen ainandern bürg-
schaft zu thün, aid comercien oder gewerb mit derselben zu üben
und zft gebrauchen, hiemit nit abgestrickt, sonder vorbehalten, aber
Überlingen. 441
gegen andern personen, wie hievor steet, ganzlicli und gar abgelaint
und verpotten sein.
Fürs dritt sollen si alle artznei nach ußweissung der büecher, die
dann gerecht bei inen sein sollen, deßgleichen nach raih, beschaid und
recept aines doctors ald artzt, sovil möglich und sie die gehaben mögen,
in irem beisein ordnen und machen, und für sich, noch uß inen selbs,
gar nichtzit in ainicherlai artznei wandeln, oder ichtzit, das der artznei
zfigehört, vermischt oder unvermischt und veraltet, auch über die zeit
von den gelerten darauf gesetzt, sophisticiert, nichtig, verlägen und sonst
in ainich weisse schadhaft und verdörpt ist, in die recepten, one der
doctores, aines oder merern, raths vermischen, absetzen oder verkaufen,
sonder in allen Sachen empsig und vleissig sein, darmit durch ainiche
versaumnus die siechen oder kranken mit nichten verwarloßt werden.
Und ob si die materialia, so in den recepten begriflfen, nit hetten, sollen
sie doch dhaine andere, die gleicher würkung weren, sonder allein die
nemen, so inen in die recept geschriben sein und jederzeit derselbigen
materialien ainen gepeurlichen zimlichen vorraih, welcher sich der zeit
monat und tagen nach der lehrer an Weisung an ainander verzört haben,
frisch und geb sei, auch vor abgang und verderben behalten werden
mög, und dhainem haimschen oder frömbden aiuiches auß der appotheck
geben, oder zfi ainem andern, so er das erfordert nit het, tringen oder
bereten, in dhainer weise.
Sie sollen auch bei obberürten im aiden weder haimschen noch
frömbden durch sich selbs noch die im ainich oppriment oder ander
artznei, damit man kindlin vertreibt, oder sonst das von ainicherlai
boßhait wegen zweivelich oder verdächthch ist, one der doctor und aines
erbam raths verordneten vorwissen in gemain geben oder verfolgen
lassen, sonder soll ain jede eingesessne und frömbde person, die der-
gleichen vergift oder ander schädlich und verdachtig artzneien begert,
und berürte bewilligung von den verordneten erlangt, mit ainem ein-
gesessnen burger für besorgenden nachthail, gefahr und schaden ver-
trösten, und darzfi ain politen oder warzaichen von den überigen fünf
gehaimen räthen, die nit appothecker sein, mit sich pringen und dem
appothecker überantwurten ; wa aber dasselbig durch jemandts nit be-
schechen möcht, ichtzit, weder klains noch groß, usser der appothecken
volgen noch geben lassen.
Ob auch ainieher appothecker spüren und befinden würd, das die
detectiones, so die doctores geordiniert haben, schier ußgeen wollten,
sollen sie das den doctoribus, so solliche verordnet haben, unverlengt
anzaigen, und sich bei denselben, was darinnen weiter zft thAn, be-
schaids erhoUcn.
F
Zum vierten sollen sie die beraitmig irer recepten, nattiblicb
die würdigisten, als da sein aurea alexandrina, die groß tiriaea, diambir
damustt und andere dergleichen artznei, die langzeit nach irer eiube^
raitung und einnmchung in der appothecken pliben sein, one der ge^
lerlen — denen soUichee gepeurt — ordenliehe und vleissige achow»
Verordnung und besichtigung, vermischen, noch auch aioieberlai coq-
fectiones, electuaria, pulver, pillulen oder trocisten, ald andern coraposita
dispensiern, eie haben dann dieselben, auch alle materialia und stück,
die darein gehörn, getrewlich abgewegen, deßgleicheo vermelter meiner
herru geschworn und zögelassen leibartzfc dieselben vorhin besichtigt
und fürgfit geacht. Und wa er darumb ervordert würd, wie er solüolü
coraposita oder artznei machte, soll er schuldig sein, die und andef©
eryorderten artznei ainen doctor sehen zu lassen, und in allen zweivela
der artznei und auch den recepten zu den doctorn und arteten zMucbt
2Ü soeben, und von inen under Weisung zö nemen, damit niemaodi
durch Äfivil starke oder ungerechte recept geschwöcht noch kränkt werde.
Und ob ainicher appothecker in abwesen der herrn doctor od«r
geschwomen leibartzt aina oder mer dispensiert betten, so sollen sio
doch dieselben materialia nit hinweg geben, besonder unverendert also
ligen lassen, biß dieselben durch die arUt besichtigt und erkondigt
worden sein, auch zfi allen recepten, so sie allso berait und behalten
haben, die doctores oder ir ainer mit eelbs aigner band bezaichnen und
den tag, monat und jar darzü schreiben lassen, wann jedes vermischet,
auch wie lang es nach seiner beraitung ligen, frisch und geb sein;
deßgleichen ain gerecht receptbüch oder dispensatorium jüngstlich durch
Valerium Cordum von Nürnberg im truck nßgangen haben und halten,
damit man umb sovil dest^r ee die güete und würdigkait befinden und
niemands damit übervorthailt oder betrogen werden mög.
Das sie auch zum fünften umb die composita oder vermischte
artznei, so inen in verzaichnus an ainem Ketel übergeben sein, der zetel
auch ain jeder doctor und die qnattierherren au statt ains ersamen
raths den dritten haben, den lou nemen, so an dem selben zetel solli-
chen artzneien jegHcher besonder zügezaichnet ist, und die leut nit
höher oder weiter beschwären, noch sich mit ainchen andern appotheckeu
oder doctor verpinden, verainigen oder vergleichen, die ding umb den
oder disen pfening zu geben, sonder alles bei obberürter tax unverendert
pleiben lassen, alles bei hoher straff ains ersamen raths.
Und nachdem sich die simplificia oder unvermischte artzneien
umb ain gestellt gelt nicht taxieren noch schätzen lassen, in bedacht,
das dieselben, deßgleichen alle andere species, deren sich die appo-
thecker bißhär an statt aines freien gewerbs gepraucht haben, in kaufen
Überlingen. 443
als ander kaufmansgfit uf und abschlagen, das man umb solliche unge-
mischte ding und species ainen erbam zimlichen lone warden und ne-
men, wie an andern unsem genachparten stetten und orten allenthalben
hin und wider gepreuchlich, erbar und pillich ist, damit sich niemands
befugter weise übertheurens beclagen mög, noch über die erbam zim-
lichen maß in Vergeltung der ding beschwärt werde.
Zum sechsten sollen sie auch in obberüerten iren aiden nemen
und inen bei demselben gepotten werden, das sie zu den compositis
und siruppis, wann und zfi welcher zeit sie componiert seien, und den
transmarinis jedem ordenlichen seinen namen, deßgleichen den recepten,
80 inen in die appothecken gelüfert, zuschreiben wellen, was es koste,
und auf welchen tag, damit man dester baß in spennigen und andern
fürfallenden Sachen den irthumb befindten mög und jederman recht
beacheche.
Zum sibenden, das sie auch niemands kain . . .^ nicht besechen,
auch durch sich selbs noch jemand von irn wegen kain leibartznei,
rath ald solutiva medicinales' nit geben sollen noch wellen, dann die,
so durch die doctores in die appothecken geschriben, oder durch die leut,
80 die koufen und prauchen wollen, gevordert werden; doch schlechten
gesellen räth und confortativa z& geben^ soll inen nicht abgestrickt
noch benomen sein.
Zum achten sollen si järlichs z& jedes krauts, plumen oder
würzlen zeiten die doctores, sovil sie deren gehaben mögen, über die
alten, so sie haben, füeren, dieselben, ob sie noch frisch und kreftig
seien, besichtigen lassen, deßgleichen die wasser, so über zwai jar in
irer würkung nit cröftig pleiben mögen, widerumb an andere frische
kreuter schütten, und dieselben dem geprauch nach von newem gastigen
lassen werden. Doch sollen sie ainem jeden alten und newen wasser,
wann sie gepreut oder destilliert seien, seinen namen zuschreiben, auch
dieselben mit der jarzal ordenlich signieren und verzaichnen und jeder
zeit die bössem von den schlechtem segregiern und absondern.
Und zum beschluß sollen sie zum mindsten im jar ain mal die
appothecken beschawen und die materialia besichtigen lassen, darinnen
nichtzit verhalten, und was nit frisch mid geb, sonder verlegen, und
deßhalb den patienten ze geben nit gut were, dasselbig alles fürder-
lich für sich selbs und zuvor ab uf der herrn doctor, deßgleichen der
artzt und der verordneten verschaffen und bevelchen bei gethonen aids-
pflichten hin und ab weg thftn und sich deren mit nichten mer ge-
prauchen in dhain weise, alles one gevärd.
* Unleserlich infolge Abreibung. — 'Siel
Mi Überlitigeti.
Ordnuag der Visitation und wie man die appo»
thecken rechtvertigen soll.
Und auf das alles so sollen nun hinfürtar aller jar järUcks und
aines jeden jars allein und besonder die geschwornen doctores und leib-
art55i diser statt, deßgleichen zwen von dem regiment oder bürgern, die
darzfi geschickt und taugenlich sein, und von ainem ©rsamen rath nach
irem gut ansechen darzü verordnet werden, ain mal im jar oder mer,
so oft es aioem ersamen ratii für gut ansechen würdet, zu Ungewissen
und unbestimpten zeiten in die appoth ecken berumbgeen^ einfallen, das
und jenes stück er vordem, begern, all ir diog vleissig, ordenlich und
nach nottuiffc begechen, rechtfertigen, und was sie erfinden nit nutz oder
taugenlich seie^ liinweg thun, ußächütteo oder von stund an in angesicht
verprennen. Und ob sie iergen gevarlichen betriig finden, sollichs aineoi
erbarn rath anpringen, und was inen dann darurab weiter bevolhea
würdet laii thön, alsdann sollicbs gehoreamlich volnstreckeo.
Sie sollen auch bind er inen in aioem gegehribuen oder getruckten
buch verzaichnet haben von stück, wie die materiaha, würzen, kreuter,
wasaer und ander ding, als lattwergen, siruppen und andere Vermi-
schungen, in der appotheeken sein und gehalten werden sollen, auch
wie lang ain jedes wärschaft und nutz sein, uf das den dingen dester
steifer und uf rechter nachkumen werden mög, alles one gevärd.
Doch behalten inen meine ersterraelte, meine herrn, ain ersamer
rath, tiierinnen, wie in allen andern Ordnungen ir ordenliche oberkait
und volmacht bevor, ditz Ordnung über kurz oder lang zu mindern, zft
mehren, zu widerrüeffen oder von newem zu machen, wie es sie jeder
zeit, begegneten dingen nach und gemainem wessen zu gutem für nutz
und bequem ansechen würdet.
Actum und mit klainen räthen und riehtem beschlossen
donstag, den 4. aprilis 1555.
Declaration über obbestimpte appotheckerordnung.
Wiewol meine gepietend und günstig herrn, t)urgermai8ter und ain
ersamer rath diser statt Überlingen, irn lieben burgermaister und appo-
theckern, herrn Hans Jacoben Hauen und herrn Wolfgang Michael
Becken, umb gemaines nutzes willen, sovil die appotheckerei belangt,
etlich gesatz und Ordnungen begriffen und zusammenziehen, inen auch
dieselben darauf also zu schwören überantwurten und zustellen lassen,
so haben sie doch ernaute beede herrn dargegen etliche mal in im be-
schwärden nach notturft auch angehört und inen letstlich uf angeregte
ir gefürte beschwärd und einred über etlich articul obbestimpter Ord-
nung einverleipt ditz volgend declaration und erleuterung schriftlich ge-
Überlingen. 445
geben, iedocb anderer gestalt, mainung und enderung nit, das erstan-
gedeuter Ordnung noch ainichem articul derselben hierdurch gar nicht-
zit benomen sein, sonder solliche bei all irem inhalt, cröften und wür-
den pleiben, aber auf ire personen nach dem lautern bfichstaben nit
allso directe, sonder zukünftige appothecker, die sich der practic alhie
behelfen wollen, verstanden werden soll.
Und erstlich, sovil den articul der examination und prob der
appothecker belangt, namblich das dhainem, was Stands der sei, alhie
zu pracücieren zugelassen werden, derselbig seie dann zövor seiner kunst
und schicklichait halben in allweg probiert und erfaren, haben meine
herm in sollichen puncten an jeder herrn appothecker kunst und schick-
lichait, auch wolgeüebter erfarnhait, gar dhainen mangel, ist auch diser
zeit nit irethalben, wie bevorsteet, sonder von wegen anderer und künf-
tiger appothecker gesetzt worden, wollen sie beede derhalben berüerter
examination jetzmals, jedoch unvernachthailt deß bestimpten articuls
giltwillig imd gern überhöben.
Sie auch, zum andern, bei den aiden, so sie beede an das bur-
germaisterampt gethon, pleiben lassen und hierinnen mit sonderbarer
aidespflicht jetzo auch nit beschwären.
Und nachdem, zum dritten, söllichem articul auch angehengt,
das sie, die herrn appothecker, hinfürter bei bestimpten im aiden weder
ire hausfrawen, noch ainich ander frawenbild in der appothecken mit
den materialiis oder stücken, so der artznei anhengig und darein ge-
hörig sein, mit nichten umbgeen lassen sollen, wollen sich wolermelte
meine herrn ain ersamer rath uß allerlai ansechenlichen eingeprachten,
bewögenden Ursachen nochmaln versehen. Derselbig solle und werde
inen also zu halten nit beschwärlich fallen, in sonderlicher erwegung,
das er der frawenbilder halben die zeit und andere ungelegenhait iret-
halben nit jedesmals erleiden mag, auch an andern orten, und für-
nemblich bei den treffenUch stötten, nit also in geprauch und härkomen
ist, das den frawenbildern mit den materialiis und artzneien umbzügehn
gestattet oder zugelassen werde; doch species und gewürtz von der band,
ganz oder gestossen, ußzäwegen, hinzugeben und z& verkaufen, soll
weder under disem articul ußgeschlossen und nit abgestrickt, sonder be-
melter herm appothecker hausfrawen hinfürter, wie bißanhär damit zu
handeln und zu werben offen und erlaupt sein.
Was dann bei dem vierten articul die bürgschaft, anlehen, auch
thail und gemeinsame betrifft, soll ainem vatter gegen seinem sone oder
kindem, deßgleichen brüedern oder geschwüstergitten gegen ainander
bürgschaft z& thün, ald comercien oder gewerb mit denselben zft üben
und zfl geprauchen kainswegs hierdurch abgestrickt sein, sonder mag
■
ÜB Obarllngen,
sich ain jeder deßhalben gegen berüeilan soinen kinderti, hrüedern und
geschwüstergitten nacli begögneteu dingen wol verpinden und eiuUiasea.
doch diiB sonderbarer gesftch und vorthail hierinneo genzlich vermitlen
und uOgesehlossen^ deßgleichen durch hohes und grosses züsamenlegeii,
hautiern, leihen und pürgschaften, EDder hantierend gewerbsleut gevar-
lieber weise nit undergetrnckt, die handlungen und gewerb allain an
sie gezogen, auch andere neben inen zu verlassnng deß im getrUDgeu,
sonder gar dhain gefahr gep raucht werde, in dhainerlai weise.
Als ßieh auch die herrn appothecker ob dem vorrath der mataria^
lien beschwärt, ist merermelter mainer herrn gemüt und mainung
nit, das sie ainen nam Wichen grossen Überfluß derselbeuj sonder allaiu
aioen gepeurhchen ximlichen vorrath, wölcher sich den monaten und
tagen nach der lehrer an Weisung an Einander verzört und nit in ffe^
fallenden unversehnen sachen gleich die newberaiten und angemachtem
materialien gepraucht werden müeßten haben, wolche dem menschen
in arizneien zfi geprauchen onschädUch seien, sie auch frisch und geh
jederzeit Terhoffeu eü verschleissen und zfi vertreiben.
So soll sie auch irnthalbeu der articul von wegen deß opprimeati
und anderer treibender und giftiger ding so gestracks nit pinden, sod*
der inen offen band gelassen sein, onervordert ainicher poljtan oder
bürgschafl, frömbden oder haimschen, iedes unverdächtlichen und uü*
argwenigen personen, die inen wissend und bekant, berüert oppriment,
niereurium oder andere giftige ding hinfurter wie allwegen auch sicli |
selbs und oiemands anderm uß der appothecken volgen, z&lassen und
zugeben; den dienern aber soll daeselbig dhains wegs gestattet noch
zugelassen werden, sonder deßhalb bei dem geatöllten articul steet und
vest pleiben. |
Verrer das dispensorium belangend w^olleu meine herrn deudelbeti
articul diser zeit auch allso in ruw stöUeo, dermassen, das die herrn
appothecker hin furo nach irn alten büechern wie allwegen dispeneiem
und sich deren geprauchen und behelfen mögen.
Es sein auch meremante meine herrn nit dahin bedacht nocli
dhains wegs gesinnt, wo mangel oder unrechtz durch künftige Visitation
in der appothecken befunden wttrd, ine zö verklainerung vor jedermenig-
liebem ausschütten oder verprennen zu lassen, sonder jederzeit ander ge-
peurlich abschaffung darinnen zu thün, es were dann sach, das der
mangel so gevarlich und groß befunden würd ; will ime dannocht ain
ersamer rath darinnen offen band vorbehalten haben, handlung dar-
gegen fürz&nemen, das sich nach gelegenhait und gestalt der sachen
jederzeit gepeuren würdet.
Oberlingen. 447
Und wollen sich demnach merermelte meine herrn, ain ersamer
ratb, der pillichait nach getrösten, die herrn appothecker werden sich
in verkaufung der species jederzeit erzaigen, auch in Vergeltung der
ding, sovil imer mögUch, innhalt der bestimpten Ordnung gepeurende
gleichait halten, darmit der gemain man nit beschwärt, noch zä piUi-
eher clag geursacht werd.
Sonst und usserhalb ditz alles, soll es bei mergerüerter Ordnung
'entlich und genzlich besteen und pleiben, auch derselben inhalt und
einverleipten articuln, allen und jeden, (usserhalb, sovil obgemelter baider
herrn burgermaister personen und dise declaration belangt, bis auf ains
erbam raths widerrüefen abthftn, auch minderung und mehrung, wel-
ches inen in craft der oberkait genzlich vorbehalten sein soll) jederzeit
Yolkomenlich gelept und gepüerend volnziehung gelaist werden.
Ains fürmans besoldung gen Lindow zä faren.
Item von ainem schweren sack ... 4 kr.
Item von ainem leichten sack ... 3 kr.
Item von ainem 1er sack ... 3 kr.
Item von ainem ffider wein . . . 6 [J ^.
Item von leren fassen ... 2 kr.
Item von ainem füder britter . . . 3 ji ^.
Item von ainem tusend gemachter stecken von lindaw . . . 6 ß ^.
Item von ungemachten . . . 8 ß ^.
Item von ainem busch eisen, stahel, centner und dergleichen kauf-
mansgüetter . . . 1 ß 4 ^.
Item von ainer langen taugen ballen ... 6 kr.
Item von ainer kurzen taugen ballen ... 1 batzen.
Item von ainem salzfas ... 4 batzen.
Item von ainer Scheiben salz ... 4 kr.
Item von ainer begelen negel ... 6 kr.
Item von hundert reifen, wie vom fader pritter.
Item von ainem äschen stück ... 3 batzen.
Doch soll von geschriebnen stücken allen der farman usserhalb
der stecken von Bregentz, und so ers bei dem bomblin lath, an allen
zoUstetten den zoll geben.
Wie die armen leut, frawen und mann, so mit
der krankhait der Franzosen oder bösen platern be-
laden sein, in das Platterhauß angenommen und
wider darauß gelassen werden.
Erstlich soll man sie, vor dem und sie dermaß in das Platter-
hauß kommen, soUcher krankhait halb, ob es gewißlich dieselben krank-
hait seien, beschaweii, und so mau die an inen erfündt, in beneußt
hauß haisseii geen, daneben auch bevelhen, das ei darinoea belibea xmi
sich darauß nit thuea, sie seien dann zuvor wider bescbawt und bail
erfunden, auch inen das von meinen herrn erlaupt worden.
Und ao ainer sollichen person dermaO wider auß dem PlatterhauD
ze geen vergont wirdet, so soll doch dieselbig person in einem halben
jar, dem nechsten darnach, weder in die beder*, fünften, Wirts*, gesslier
oder ander beuser, noch auch sonst an ander ort und statt» alda gemaiß*
Bchaften der leut seien » nit kommen, nach außerhalb irer aigneo ht
haußung mit jemand weder essen noch trinken.
So soll auch ain jede dergleichen personeu dem gotzhaus epittal
für die miderhaltung, auch essen und trineken, das ir in das Platterhaas
geraicht und geben worden ist, Widerlegung und bezallung ze thuD
schuldig sein, uamblich ain mau für iegliche wochen, die er im Fiat-
terhaus gewest ist, 7 |i .*f, und ain frawenbild 4 ^ ,^, und mit sollicher
bezallung nit seumig sein.
Dann, wa das nit beschehen, oder das sich ain solüche peRon
anders dann hievor stet, halten, so würden meine herrn gegen derselbea
handien, wie sich zu th&n gepürte, und das si speuren und sehen müsseni
das genannt meine herrn ab irer erkann tnus erzaigter und beweiJkl
güthait auch irem frevel kain gefallen hatten.
Des newen schmids Ordnung an der Seegassen,
beschlahens halben der roß und red er.
Item ain Schilling pfening von ainem newen eisen ainem roß aus
dem markstall suraer und winter aufzftschlahen, doch soll er kemtiscb
eisen dazu utfuiiiiuii.
Item von ainem alten eisen vier pfening, auch sumer und winter
aufzuschlahen; der abbruch der eisen soll gegen ime gehalten werden,
wie von alter her.
Item zwelf schilUng pfening von ainem jeden par reder, es seie
die lastwagen, ald ander reder, von newem oder altem oder altem eisen
zä beschlahen, doch soll der spittal das eisen darzü geben.
Item der spittal Costanz halt ditz Ordnung mit
seinem schmied:
Wann er des spittals roß beschlägt, gibt man im von einem newen
eisen neun pfening Costantzer.
Item von ainem alten eisin drei Costanzer pfening.
' Am Rand von späterer Hand: «kürchen an markt».
Überlingen. 449
Item so er dann reder beschlecht, gibt man im von ainem bar
1 goldin, doch gibt spittal das eisin darzft.
Item was er sonst für geschier macht, lünden und anders, gibt
w^en spittal das eisin und würt nach gestalt der sach derumb
lont.
Dagegen aber, so spittalsrossen krankhaiten oder schaden zfistan-
Q, artzneiet ers dem spittal vergebens, aber dem zeug, so zur artznei
bort, bezahlt der spittal.
Item dem wagner gibt man ains tags ze Ion fünf kreutzer, trinken
d essen; den braucht man nit stets, sondern allain, so der spittal sein
ttürftig ist; doch m&ß er aigen Werkzeug haben; aber bem und
der holz, so er nottürftig ist, gibt spittal im, werkt allain umb den
;lon.
Schlosserordnung.
Item von hundert spitzen z& spitzen . . . 1 ß 4 ^.
Item von ainem ißinen wegen zue schwaizen . . . 4 ^.
Item von ainem zwaispitz an baiden orten zö stehlen, und so der
ilosser den stahel darzü gibt ... 4 kr.
Item von ainem newen zwaispitz zu machen, und soll der Schlosser
a stahel zfi baiden spitzen darzu geben . . . 2 ß ^.
Item von ainem newen hechel zfl machen . . . 2 ß ^.
Item von ainer fort stam für das wißthor . . . 5 ^.
Item von ainer fart stain für das heldthor . . . 4V< ^.
Item von ainem newen viertel zA beschlahen, so meine herrn das
in darzfi geben . . . 5 ß h.
Item von ainem ißinen wecken zfi erlegen ... 18 ^.
Item von ainem bickel zfi stehlen, und soll der Schlosser den
Lhel darzü geben . . . 8 ^.
Item von ainem bickel zfisammenzfistossen . . . 8 ^.
Item von ainem wecken zfi reiben . . . 1 ß ^.
Item von ainem wegen zfi schwaizen . . . 4 ^.
Item von ainem newen wegen zfi machen, und meine herrn das
lin darzfi geben . . . 1 ß 6 ^.
Item von ainem zwaispitz zfisamen zu stossen . . . 7 ^.
Item von ainem hechel zfisamenzfistossen ... 2 kr.
Item von ainem hechel zft stehlen, soll der Schlosser das eisin
jzfl geben . . . S ^.
Item von einem newen wegen z& machen . . . 18 ^.
Item von ainem newen eisin schlegel z& machen in den stain
uoh . . . Vs guldin.
OberrlMinlaohe Stadtreehte. n, 2. M
ain@m
von amem
ufzieheii of ainen hechel zwaispitü, töq
r
1&&6
ibruar 9.
Diß sein die löhn ainem scblosser gegen die statt
It«m von ainem zwaispitz new zu machen . . . 2 (J -^.
Item von ainem zweispitz zu stehlen . . , 14 ^j.
Item von ainem hechel new zu machen , , . 2 (1 ^,
Item von ainem hachel zu stehlen . . , H ^j.
Item von ainem newen wegen zö machen . . , l |i G .
Item von ainem alten wegen zn stehlen . . . 2 ^,
Item von hundert spitzen zfi machen . , . 16 ^,
Item von ainem newen eisin^ es sei klain oder groß, new li
machen , . . 10 ^.
Item von ainem eisin zfi stehlen , , , 5 ^*
Item von ainem newen scblegel zt. machen . . . 5 ^ ^.
Item davon zu schwaitzen . . . 1^6^,
Item aim stainmetzel von ainer steinax, und ain zwaispitz new ü
nachen * . . 3 (1 ^.
Item davon zu stehlen . , • 14 ^.
Item von ainem schelhamer . . . 4 |i ^.
Item von den großen deiche! zwingen . , . 6 ^.
Item von dem klainen deichel zwingen . . . 5 ^.
Lon ainem schmid.
Itera von ainem par reder, und ist das eisen spitals , . .
Item von den durchgehenden nägel durchbuschen , ,
Item von den grossen legeieen < . . 10 f ^*
Item von den andern legeisen , . . 6 ß ^,
Item von ainem lum , . . 2 ^.
Item von ainem stmpen nagel * , l^/i ^,
Item von ainem echilt unden an die aehsen . , , ^ ^-
Item von ainem schilt an die lauban ... 4 ^:
Item von ainer zimmerklammen new zu machen . . . 7^/s >^.
Verpott deß vaßnachtkiechlins, deßgleichen
maumereiens, item beichtens, danzens, juchzgens
und der ring halben beschechen.
Meine herrn, burgermaister und ratt diser statt Überlingen, haben
erwegen und bedacht die lef und andere gelegenhait, darinnen daz hailig
remisch reich, unser geliebt vatterlandt, diser zeit steet, und deßhalb
t dem allmechtigeo xfr lob imd tiaxL MZitii m± him-esA^^ «Jeüi
Ostens die alte vertNitt videnimb th emeweszk feyttccr»^. wit st
h hiemit thAn und wideranib papooeo bubiii volkc:
Erstlich das jelzo and £s9e gf^enmunigt vbEdbAi weder tod
n noch jungen niemandz ta^ Dodi imdaz in die beoser oder of den
sen in der mammera zak nmbgelin. Doch auch jenaModz bei dem
lern das kieehlin b<den. an^emiDen MÖDem gooten freundt bei dem
lern, deßgleichoi den jmigcD kmdem bei den großTWUem^ gioßmftt-
1, gettin, gotta mid gesqiCen ficnnden, beroert Idecfalin zä boien und
reichen soll es nit ahgesinckt tan: doch das scdlidis bei rechter zeit
chaidenlich mid nf kainen aodeni ta^ dan den mcmtag nach der
Ten vaOnacht bescbecben. mid denu^h gegen der nacht jederman
big sei, alles mid jedes bei staff obberüerter artikel und ains jeden
onders drei pfond {^ening.
Zum andern scdlen die alten gepoit der bdcbt halben hiemiet
ewert sein, and nach Tenneg dersdben gepott jetlichs mensch, fraw
1 manObildem, so hievor zom hoehwärdigen sacrament gangen, in
aftiger vast^i zwaimal beiditen ond seh volgends of die österliche
t nach leer ond onderveiagang der bekhtvätter mm selben sacra-
nt abermals diristlich adiicken, ond ditz, wie sich gepenrt, würdig-
ten empfSahen.
Zum dritten wdlen auch sie, meine herren, an allen enden
d ortai, es sei in henser od« uf der gassen, haimhch und ofiFenlich
ttz hiemit abstellen. Dodi ist der jugent zugelassen, disse vaßnacht,
itags, audi montags und zeinstags darnach, uf der Gred von zwelf
m biß umb resperzeit und nit lenger zu tanzen; das soll aber mit
dit und erbarfcait beschehen, kain man noch lediger gesell ainich
wenbilder ufi^rengen, unbeschaidenlich umbkeren, ufheben oder un-
htig angrdfen, denn es werden etlich under gedachte meiner henen
«chtffli jetzo und hinfuro allwegen verordnet sein, die aufsechen haben
id wo si solches hören, sechen, oder gewar- und innen [weidenL das
von manen oder gesellen geschechen würdt, dieseÜMn aoüen
adi alsbald von berüerten knechten fengUch angenomen,
I dem tanzhauß gefuert, und in die darzA vmvdn
legt, nnd hierinnen niemandz, weder hochs noch maimt «hmk ^^,
hont werden. Ob sich aber in disem fahl
iBMlhar ernten, ald ain criwuew ratt befindo^ iteibintii oder
1555
Juli 27.
452
Zum vierten. Wiewol ain ersamer rath onlang hievor der Un-
zuchten halben, so bei oächtlicber weil uf der gaesen begangen werden,
ernstlich gepott nßgelaBfien, so befind t mau doeb, das denselben bisher
wenig gelept, sondern ain zeitlang nachts auf der gassen mit nniim^
lichem singen, geschrai, juchzen, wieplen, pfeifen und dergleichen sot*
lieh nnordentlidti leben gefiert, dadurch die oberkait und ander bi<li^
bar leut btonrawigi worden, dernhalben wellen ernannte meine herra
jedermanigUch hiemit abermab ermant haben, hmfüro olos sollicheo
s& rüg und müefisig züsteen und ime selbst vor schaden zö seio; denn
war jemands in berüerter ungeschiklichtait und unruoh hierüber vüß
dannen, so schon meine herrn daruf verordnet^ betretten, der wiifd<l
darumben gebtiest und angesehen, wie aiues jeden verdienen und v«r*
schulden jederzeit erfordert, aueb audere ain abscheichlicbs exempd
derab nemen und empfahen megen.
Zum beschluß lassen vilermelie meine herrn allen im burgera
deO ktteferhandwerks, deßgleichen auch allen denjenigen, so sieh tnaebmif
der ring zu den weinen geherig bißher gepraucbt haben, und ä\bk
seßhaft sein, niemandz außgenomen, ansagen und verlanden« das ä
sich alle bei im bürgerlichen pfliditen mitwochs neehstkünfüg morgtu^
nach der firiemeO uf des rattbauß allhie für aius erbam ratta yerord
neten verfÜegen, Ire recepten mit inen pringen und von denselben ver
ordneten verrers besehaidz gewarten.
Des alles wellen 3t sich zt gescbechen endtlich und angezweifelt
verlassen.
Actum sampstags, den 9. februarii 1555.
Verpott von wegen zerreissung der zeunstelli^
nen und güeter.
Item das niemandz dem andern schaden thün*
Item ain Verwarnung der mordprenner halben.
Meinen herren aiuem ersamen rath koumpt für, wie es auch lag
lieb der augenschiu zu erkennen gibt, das die Waldungen und gehelzar
hierumb gelegen, geniainer statt und dem spittah auch etlichen ainzeeh
tigen burgern zügeherig, ganz hechlich und übel gevestigt, also das von
burgern und einwonern alhie, jungen und alten, nit allain das abgeeii4
sonder auch ander frisch, gesund und steend holz allenthalben hie und
wider ausser denselben holzungen häufender und unverscheichter wei
herein getragen, und das noch vil mehr anderer eingezünteu eehafüuei^
garten und güeter nicht zit destminder darneben auch nit verschoot,
sonder die zaunstollinen und gartenthüren, welche die Inhaber derselbefl
durch das ganz jar mit grossen costen underhalten müessen» übel Ie^
Überlingen. 458
reissen und zergenzt werden, dessen tragen obermelte meine herm
(wie pillich) ain hoohes und grosses misfallen, lassen dasselbig hierauf
bei jedermeniglichen abschaffen, und dabei ganz ernstlich gepieten,
das man sich nun hinfürter aines sollichen enthalten, auch ain
jeder seine dienst und kind darvon weissen und ziechen, wollen sich
meine herm getresten, oder aber die yerbrecher, die an dergleichen
schaden der helzer imd güeter betretten und derhalben gerüegt werden,
so feetiglich straffen und püessen, das zechen an ainem solchen und
ains ratts mißfall im werk speuren sollen.
Zum andern thuen erstermelte meine herrn jüngst außgegangen
verpott das ops und andere fruchten betreffend hiemit auch widerumb
emüwem und darbei gepieten, das inhalt desselben dhainer dem andern
mer, weder durch sich selbs noch seine kinder an dhainem ops zu
schaden gehn, sonder ainem jeden dasjenig, so ime uf ditz jar von gott
dem aUmechtigen auß gnaden in seinen güetern verüben ist, onent-
fremdet pleiben lassen welle, dann ain erbarer ratt schon bevelch ge-
geben und haim liehe kundschaft bestelt hat, wo iemands hierüber
betretten, oder sonst die jugend darab ergriffen und von innen zu clag
komen würdet, man die alten bei der alten straff nit mer pleiben lassen,
darzft auch die jugend an statt der eitern je nach gelegenhait imd ge-
stalt der Sachen mit straff dermassen ansehen und püessen, wie ain
ersamer rat dessen darüber zö rat würdet.
Zum beschluß so ist ainem ersamen rat an gestern glaubwür-
diglich zAgeschriben, das abermals ain anzall mordprenner vorhanden
sein, auch hin und wider im hailigen reich umbziehen und etlich under
inen schon in fangnus ligen sollen, derhalben welle jedermeniglich
dester gewarsamer und behuotsamer sein, auch uf solliche und der-
gleichen perschonnen geflissens ufmerken geben, und ob iemandz sol-
licher perschonnen aine argwenlichen alhie und ausserhalb diser statt
sechen und vememen würden, alßdan dieselben unverlengt meinen
herm eröffnen und auzaigen, damit man die gepeur gegen innen
liandlen und fürnemen, auch übel und unrath zeitlich fürkomen wer-
den meg.
Das alles wellen sich meine herm zu geschechen ungezweifelt getresten.
Actum sambstags nach Jacobi apostoli anno 1555.
Verpott von wegen des hundzschlachens. i^^
■r ^ 1 rx ,. 1 1^1 11 8eptbr.27.
Item das man denHoulbach sauber halten soll.
Deßgleichen des erschrockenlichen gotzlestern
und schwerens halben.
Meine herm burgermaister und ain ersamer rat lassen jedermenig-
[cbem verkinden und anzaigen, das ir fürsichtige wißhait vereuderung
454 Überlingen.
und befelch gethon, etlich tag lang die hund und miObellin, iedoch
allain nachtz schlachen und sonst tags lebendig mit ainem strick an-
fachen zu lassen und ab dem weg zu thun; derhalben wolle ain jeder
seinen hund nachtz anhaims behalten und ime tags ain zaichen an-
henken, dann man zu nachtz alle hund, so auf der gassen betretten,
unangesehen, welchem sie zügeherig, und ob sie sauber oder unsaub»
seien, schlachen, und tags, die dhain zaichen antragen, sonst ab dem
weg thün würdet; und gepieten hierauf meniglich bei hocher strafi^
das man die perschon, so hierzu verordnet ist, in sollichem befelch tags
und nachtz unthurbiert und unbekimbert laß, und niemands g^en
derselben ichzit thättUchs weder mit werten, werken, noch schreien, Ye^
jagen der hund, noch in anderweg handle oder ftirneme in dhaineiüu
weisse. Deß werden sie sich z& geschechen versehen und getresten.
Für ains.
Zum andern hat ein ersamer ratt erst newUches zeit auß grosser
notturfb den Haulbach selbem und räumen lassen und deßhalb nit ge-
ringen costen leiden müessen; dieweil man aber findt, das nichtdest-
minder widerumb sollicher bach gewiestet imd allerlai unsauberkait und
urbaw von zerbrochnen hälfen, kächlen, stainen, todten dhierlin, ginO
und anderm darin geworfen, dardurch das wasser andern zu nacfatail
geweit, an seinem ordenlichen gang gehindert und ainem ersamen ratt
sauberes und rumens halben ain anderer uncost verursacht würdet, das
wellen sie, meine herrn bei meniglichen, sonderlich aber den genach-
barten berüertz bachs hiemit auch abstellen und dabei verwarnen, sich
hinfürter angcregtz verwissens oder veraunsauberens erst bestimptz
bachs zu enthalten, oder aber in meiner herrn straff dargegen zu ge
warten.
Fürs dritt, nachdem laider diserzeit geraain, das vil leut nit
allain under mannen, besonder gleich sowol die weibsbilder, auch jung
und alt, thcchtern und knaben, bei der craft und macht gottes vom
leib, glider, wunden, todt, marter und Sakramenten, of leicht fertiglich
und besslich schweren, fluochen und die mütter unsers hailand uud
seeligmachers Christi, auch die lieben seine hailigen frävenlich lesteru.
so lassen obernante meine herrn burgennaister und ratt alhie, wie
innen auch solliohes in der röm. kais. majestät, unsers allerguedigisten
herrens, als der hechsten weltlichen oberkait, deßglaichen gemeiner ^teeud
des hailigen remischen reichs außgegangner polliceiordnung aufgeladen
ist, hiemit abermals ernstlich gepieten und verpieten, das sich menig-
lich sollicher uud dergleichen uiigepeurlichen schwüren, lesterungen und
fluochens enthalten; wo aber ainer oder ains von mannen, frawen, jun-
gen oder alten baidorlai goschlcchten, die weren hainüsch oder fronii>d.
Überlingen. 455
hierüber ermelter schwfler, lestenmgen und flüech, ainen oder mer, thätte,
sollen die lesterer und schwerer von denen, so gegenwärtig darbei sein
und solliches heren, anfenglich in der güete, freundlich gepetten und
ermant davon abzfisteen, und sich deß hinfiiro zfi enthalten, damit nit
noch sein werd, solliches an ermelte meine herrn erlangen z& lassen,
and sie folgendz gepeurliche strafif auß christenlicher oberkait und
schuldiger pflicht an inen erfolgen müessen.
Und damit aber dasselbig dester steifer gehandhapt und soUich
gotzlestem abgestelt werd, so würt man guote nachfrag und erkanntnuß,
auch haimlich leßner halten und denselben mit ernst zbsprechen, uf-
laden und befelhen, wo si die übertretter erfaren, dieselben den feunf
achadenstraffem oder pittel anz&melden, uf das sollichen gotzlestern
mit straff volfaren meg Inhalt der verzaichnuß, darinnen die peen und
puoß jedes schwdrs imd fluochs underschidlich begriffen seie, welche ver-
zaichnuß innen, herrn schadenstraffem, auch ainem jeden quartierhauß
aine überantwurt und zfigestelt worden ist.
Es mecht sich aber ains mit unerherten, erschröckenlichen und
grossen gotzlesterungen vernemen lassen, imd die so fräveulich leben
und geprauchen, das gegen denselben würd ander und mehrer peen,
dan der thum oder an gelt fürgenomen, sonder mit benemung et-
licher glider und in ander weg dargegen gehandelt, wie sich das Inhalt
hochermelter kais. majestät reformation und polliceiordnung zu th&n
gepeurt.
Dem allem nach lassen vilermelte meine herrn auß christenlichem
vätterlichem eifer, auch threwherziger wolmainung ainen jeden zum
allerhechsten ermannen, das man von sollichen grossen und unzimb-
lichen schweren hinfärter absteen, sich dessen alles endthalten und
gleichsfals anhaimsch bei seinem weib, kinder, diensten und haußgesind
abstellen, auch dabei bedachten und gemüeth füren welle, waß sünd,
laster und schädlicher nachtail über das gott damit zum hechsten be-
laidigt und z& zorn bewegt würt, bißher darauß erfolgt ist, und noch
weiter, wo man nit davon absteet, beschwerlicher folgen, und so wir
das also vermeiden und uns z& besserung keren und schicken würden,
was gnad glick und hail uns von seiner gettlich allmechtigkait dar-
gegen unzweifenlich imd scheinberlich widerfaren und begegnen mege.
Damach wisse sich meniglich zu richten und vor schaden und nachtail
zu verbieten; dann hierin niemands übersehen noch verschont werden soll.
Actum den 27. septembris anno 1565.
1M5
fitoptbr.tr.
466
Von gqtzschwüereo und fluechen*
Diiz hernachgeschriben strafen und peeu hat aio
ersamer rat uf daa gotzlestern ond flficheo gesetzt
und ainem jeden überfarernnd ernstlich entschlossen,
namblich:
Item welcher oder welche schwereii oder flftchen bei der craft
und macht gottes, dem leib, glider, wnnden, todt, mader und sacrs-
menten unsere herrn und seligmachers Jesu Christi, der oder die soUen
von jedem dergleichen schwur oder fluch insondere zu straff verfaUen
sein sEecben Schilling pfening.
Gleicher gestalt sollen die, es seien manns> oder frawenbilder, ge-
: die lieben hailigen gattes fra-
m, pluot oder glidem fluochen,
gen fluocb, all plagen, fallend
len Übels winecht, der soll toq
en zA geben schuldig sein fünf
anhang, oder dem andern sant
wünscht, oder nur sant Quirio
ich vernemen laßt, der soll von
en drei Schilling pfeniog.
das dich gott sehend, der ist
1665
Dezbr. 20.
strafft werden, so die müter ""' *-^-
venlich lestem, oder bei im i t
Item welches dem andern uen
sftchtf franzogen, peätitenz oder dt
jedem der erneuten winschen od
sohilling pfening.
Item V *>ei i
Qoirins, san
ald sant Veitin a ««
jedem Qüch insonderl i sti
Item wer zu n andern
auch zu büß verfallen drei Schilling ptening.
Es mecht sich aber ains mit unerherten erschrocken liehen uucl
grossen gotzlesterungeo vernemen lassen und diese frävenlich üben
und geprauchen, gegen denselben würd ander und mehrer strafl' dann
der thum oder an gelt fürgenomen, sonder mit benemung etlicher
glider und in ander weg dargegen gehandelt, wie sich das Inhalt der
römischen kaiserlichen majestät, unsers allergnedigisten herrn reformation
und poUiceiordnung zu thün gepürt. Darnach wisse sich meniglich zu
richten und vor schaden und nachtail zu verbieten, dann hierin nie-
mandtz übersehen noch verschont werden soll.
Actum den 27. septembris anno 1555.
Verpott, das man ins gotzhaus spittal und
gemainer hölzer und walden an dannen und forinnen
nit also schaden thfln soll.
Koumpt auch ainem erbam rath für, das dem gotzhauß spittal
alhie in desselben und gemainer statt helzem und walden an
thannen und vohren von unden und oben auf in den spitz oder tholden
mit abstimmlung deß reiß grosser schad bescheche, durch wellches
ÜberÜDgen. 457
ungepeurlich abBchnaiteln die Waldungen und das geheiz, sonderlich
die jungen thannen und vohren gewiest und abgetriben werden, darbei
aber berüerten Waldungen uit gehaiet und erhalten müegen werden;
demnach umb gemaines nutz willen, so lassen ermelte meine herrn
Bolliche ungepeurlich und unbeschaiden abtreiben deß thannholz und
vohren, sonderlich der jungen thannen oder helzer bei meniglich auch
abschaffen, wellen aber dennocht darbei niemandz, sonderlich den
armen nit, abgestrickt haben, thannreiß hierin ze tragen; allain das
sollichs mit beschaidenhait zftgang, und die gesunden thannen und
vohren durch zfivil ungepeurlich außhawen und abstimblen nit muot-
wüliger weisse abgetriben und verderpt werden, bei straff ain pfund
phening.
Das wellen sich meremante meine herrn z& ainem jeden zu ge-
schechen verlassen, oder aber die Übertreter darumb hertiglich straffen.
Damach wiß sich meniglich zfi richten und vor nachtail zu bewaren.
Actum den 20. decembris anno 1555.
Jarlon auf das 1558 ste [jar].
Es haben meine herrn klain und groß räth errathen, auch für guot
angesehen und wellen, das die löhn im rebwerk und sonst gegen andern
diensten diß jar ge rieht und gegeben werden sollen, wie hernach volgt:
Item von erd oder mist zu tragen in die gärten von sant Gallen
tag biß zue liechtmeß ainem knecht ain Schilling phening, und ainem
knaben acht phening, und nach liechtmeß ainem knecht vier kreitzer
und ainem knaben zechen phening und den ganzen tag zu essen.
Item ainem rebknecht, der ain baw reben nach aller notturft wol
versehen kan, den sumer fünf phundt phening, und den winter viert-
halb phundt phening und nit darüber, auch sonst nichtz darzA; und
soll hinfürter dhainer ainichem gedingten knecht, er sei burger, michi-
man oder nit, z& herbstzeit dhainen dorkel zö versehen leihen, überall
in dhain weise, sonder es bei disem gesetzten Ion ungesteigert besteen
und pleiben lassen.
Item ainem haußknecht in ainem würzhauß ain jar sechs guldin,
sampt den letzinen, und ainem karrerknecht sechs phund phening imd
nit mehr. Es wellen auch meine herrn, das sonderlich die wiert bei
diser Ordnung pleiben und dhainen knecht oder magd hecher oder
weiter dingen, dann hie oben gesetzt ist, bei Vermeidung hemach-
gemelter straff.
Item ainer keehin in ainem würtzhauß ain jar nit über sechs
guldin und ainer magd, die in das veldt gehet, vier phund und fünf
Schilling ^; und den ainer magd, die nit in das veldt gehet, vier phundt
458 Überlingen.
phening, und inen kain tuoch^ schuoch, peltz, stauchen noch anders
darzü geben; alles bei strafif obgeschribner articul und aines jeden
insonders fünf phund phening.
Wann sieh auch hinfüro begeben und zutragen würd, das ain
maister oder fraw mit iren diensten unains würden, also das sich die
dienst ungepeurlich hielten und schädUch und unnützlich in iren
heusem weren, und inen also vor außgang ires zils urlob geben, so
sollen sie inen nach anzal der zeit im jar und nit gantzen lohn zft
geben schuldig sein. Es mecht sich auch ain maister oder fraw mit
iren diensten so ungepeurUch halten, also das sie vor dem zeil mit
unlieb von ain ander komen, so soll es, wie von alter her mit dem
lohn gehalten werden.
Ob ain maister oder fraw, ain knecht oder magd, ain winter auß-
füetteret und also ain dienst nach dem winter seinem maister oder
frawen noch weiter biß sant Jacobs tag zu dienen versprochen hat,
und sich aber z&trieg, das also ainer dem andern ain dienst nach dem
winter und vor verscheinung oder außgangs seins zils abgedinget,
demselben dienst soll weiter albie zu dienen nit zugelassen noch
gestattet werden.
Item von spitzen vier kreitzer und den ganzen tag zfi essend, und
von ainer hofstatt zu verdingen fünf kreitzer, und zft lassend ain
kreitzer oder spitzen und lassen sechs kreitzer von der hofstatt.
Item von schneiden: ainem knaben zechen pfening und ainem
kneclit, der über die sibenzechen jar alt ist, ain batzen und zft essen,
wie vor.
Item so ain fraw oder magd ain tag reben list, so soll mau ir
zeclien phening geben und den ganzen tag zu essend, und zu ver-
dingen von ainer liofstett sechs phening.
Item von binden aiuen tag ainer frawen oder magdt zechen phening
und zu essen; dinkwerk von ainer hofstett vier kreitzer.
Item von phallen ain tag fünf kreitzer und den ganzen tag
zu essend.
Item von graben und inlegen dem haimischeu ain tag sechzechen
pliening, und soll sein aigen schaufei prauchen, und ainem frembden
jedem ain tag ain batzen und hahnschen und frembden ain ganzen
tag zii essen.
Item von erbrechen ain tag sechs phening, den so zu dem
sacrament gond, und denen vier .j, so nit zum sacrament sond gaugeu;
auch inen allen tag zu essen.
Item ainer fraw ain tag zu hoften zechen phening und ainem
man ain Schilling, und den ganzen tag zu essen; und w^an es am
Überlingen. 459
morgen naß were, so soll ir jedes am abendt ain stundt dester lenger
arbeiten.
Item die maien- und herbstfolg gond dem graben und inlegen
deß vorgeschribnen Ions und essends gleich.
Item ainem mader soll man geben ain tag sechs kreutzer; deß-
gleichen zu essen und nit mehr.
Welcher oder welche aber über obgesetzte klaine lehn weiter Ionen,
und dise ains erbam raths Satzung und Ordnung übertretten würd, der
soll umb jedes versprechen insonders umb ain phund phening gestrafft
werden. Es soll auch ain jeder den andern bei dem aid zu gerüegen
und anzugeben schuldig sein.^
Von dem leichtfertigen und liederlichen aid-
schweren; auch wie er mit hechstem vleiß soll ver-
standen werden.
Zft merken sei meniglich, das laider jetzund schier vor allen
oberkaiten und gerichten teutscher landen ain gemainer prauch werden
will, auch vast in Übung, wie groß oder ringschätzig die sach ist, der-
halben zwischen den thailen irrung einfallen, derwegen güetlich oder
rechtlich für die oberkait kommen, das von stund an der aide von be-
stettigung deß ja oder nain.
Ordnung des weinschenkens von gemainer statt 1555
wegen. ^^^^'•''•
Nachdem ain ersamer ratt alhie zu Überlingen, mein gepietend
und günstig herm befunden, das bißher in dem verein oder schenken
deß weins von gemainer statt wegen gegen prelaten, graven, herrn,
vom adel und der stedt gesandten und rathspersonen, etwas ungleich
gehalten und gepflegen, indem es ernandten stenden und personnen,
wann sie underwilen uf ehrlich hochzeitcn geladen, oder sonst irer
gescheft halben alher geraiset sein, nit allwegen der wein in namen
gemainer statt vereret, sonder zun zeiten von dem ainen burgermaister
beschechen, von dem andern aber (alles umb deß besten willen) under-
lassen pliben, dardurch nun ainem ersamen ratt und gemainer statt
allerlai nachred erfolgt, dessgleichen erneuten herrn burgermaistern
von sollicher gehaltnen ungleichait wegen die schuld der versaumbnuß
oder Verhinderung zugetragen und aufgeladen worden ist;
* Neben der Überschrift dieses Abschnittes steht folgende Notiz: «Nota, sein
anno 1568 vor grossen und klainen räthen wider vorgelesen und aloo in den zünften
verkOndt und angeschlagen worden». Darunter: «Anno 1564, anno 1565» usw. bis
«anno 1572».
Überlingen.
461
soll allwegen der wein, wie hernach geschriben steet, geschenkt und
verert werden. '
Und ist ditz die anzal der stietzen von obemanten meinen herm
gesetzt und geordnet, die ain jeder herr burgermaister oder sein Statt-
halter gegen prelaten, graven, freiherrn, deßgleichen andere stenden
und ainzechtigen personen in vererung des weins von gemainer statt
wegen halten und nit darüber schreiten soll, wie hernach volgt:
ainem prelaten 8 stünzen
provincial 6
thumbprobst 6
thumbthechan 6
landtcommenthur . .6
commenthur 6
graven 6
freiherrn 6
thumbherm 4
ritter 4
doctor 2
vom adel 2
burgermaister der statt ... 2
raths- oder an sollichen personen
von stetten oder sonst .2 > .
Trüege sich aber zu, das kaiser könig oder fürsten ditz statt mit
gnaden haimsuchten, so soll, wie pillich, bei obementen meinen herrn,
ainem erbam rath, steen, ire kaiserlich imd königlich majestät, auch
ire gnaden mit credentz, silbergeschier, habem, wein, ochsen, vischen
und anderm z& verehm, wie sich ains ersamen raths und gemainer
statt halben gegen im majestäten und im gnaden auß undertheniger,
schuldiger, verpflichter gehorsame, und sonst in allweg zu thun ge-
zimpt und gepürt, auch sie, meine herrn, sich dessen mit ainhelligem
rath jedesmals verainbarn und entschliessen werden.
Actum domstags, den 10. novembris anno 1656.
Verpott der wälschen müntz halber.
Nachdem augenscheinlich im werk vorhanden und sich täglich
je länger, je mer, begeben und zutragen will, das vil und mancherlai
welsche, auch andere böse müntz, so im hailigen reich nit gemüntzt,
mit häufen in das Teusch land, auch alher in ditz statt gepracht, imd
in vil höherm werd, dann si anfenglich valuiert und geschlagen, hin
und wider ußgegeben und vertriben, dardurch dann der gemain man,
dieweil sie nit jederman bekant, bisher merklich gelaicht und betrogen
1566
Jani 8.
462
worden, solliches alles abzuschaffen und zu fürkonimen, so hab^D
burgermaister und rath iliser deß hailigeii reicbs statt Uberlmgen, wi€!
dann an andern umbligenden orten im hailigeu römischen reiche
gleichergestalt beschehen und noch täglich fürgenoramen werden,
sich entschlossen, auch ernstlich gesetzt, geordnet und wollen, das
gleiäi jetzt und hinfüran in irer statt oherkait und gerichten kam
welsche müntz, was sort, gepräg oder schlag die inier, auch wie groß
oder klain sie seien, sonderlich die Mirandulaner sechs krützerer und
dergleichen welsche müntzcn, kaine darvon gar mit nichten hedingi
noch außgeschlossen, item, auch die Hennenherger und Nürnberger
zwa.ierlin nit mer ußgehen, noch ainicher bezalung genommen werden,
sonder ganz und gar mit ainander zy nemmen und ußzegeben bei
straff drew pfund pfening (die der geber und neninier unablaslich ver
fallen) verpotten, auch dhain bezalung haissen noch sein. Doch der
Venediger ganze und halbe nianzellenp ifeera realn, de0gleichen drei* 1
batzer one das schültlin, und dann Regenspurger zwaierlin, auch den- '
selben an der güete gleich, sollen hierunder nit gemaiiit, sonder raenig-
liehen in irem preiß und werdt zö nemmen nnd außzugeben onabge-
strickt und onverpotten sein. Darnach wisse sich ain jeder zu ricbteo.
auch vor nachtail^ schaden und berüerter straff zu verhüetten.
Actum dorustags, den 8, juni anno 1556* ■
Gredraaisters Ordnung, wie ers mit gred- und
haußgelt halten soll.
Vom körn.
Ain ieder gast, seie köffer oder verköffer, soll geben von iedem
sack kernen, roggen, gersten, linsen, honen, ärbis, müßmel und der-
gleichen fruchten zwen phening.
Von ainem sack haber ain pfening.
Und was ausserhalb der Gröd verkauft und geniessen wirt, es
seie in würtzheusern oder an andern orten, gibt der sack auch zwen
phening, und der habersack ain phening, wie obstet, zoll und grödgelt,
und ist ain ieder kauf, er seie klain oder groß, schuldig, zwen phening
zübergelt.
Item wann dann körn in secken in die Gröd kompt, und fürge-
fürt wird, gibt jeder sack ain pfening grödgelt.
Vom wein.
Item wein, der über See oder von andern orten här in die Gred
kumpt, gibt allweg der aimer zwen pfening gredgelt und zoll; so dann
wein an die prughen kummen, sie werden härgelendt oder geschofft,
Überlingen. 463
oder die von ainera schiff in das ander überschlagen, soll allwegen
von ainem fuoder ain Schilling pfening genommen werden; so sollen
auch, die nit burger sein und hie im etter reben haben, im wein, der
inen in sollichen reben erwechst, onangesehen, das sie den versteuren
müessen, auch zu verzollen schuldig sein.
Vaßtaugen und raif.
Welcher newe vaßtaugen oder raif hie verkauft, und dasselbig
hie pleiben, der soll, so er frembd ist, allweg von zehen Schilling
pfeningen erleßt gelts zoll und gredgelt geben zwen pfening; und ob
dise wahr hinweggefüert uf der achs oder dem See, so soll nit allain
der keufer, sonder auch der verkeufer, wann er frembd ist, also von
zehen Schilling pfeningen zwen pfening zoll und gredgelt geben
schuldig sein.
Schmalz, schmelzig, weinstain, heff, unschlit
und blei.
Wann angezaigter stück ains oder mer hieherkompt, und unver-
kauft wider hinweggefüert würt, gibt jeder centner vier pfening und
gredgelt auch sovil.
Zin, kupfer, ör, garn, wachs und federn.
Dise stück, alle und jedes insonderhait, sollen, wo die durch die
Gred geen, verzollet und vergredgeltet werden, nämlich jeder centner
mit acht pfening, gehern zoller und gredmaister allwegen zu thailen.
Wo aber solliche stück, ains oder mer, hie verkauft würden, dann zu-
mal sollen keufer und verkeufer, ieder, wann si fremb sein, allwegen
von zehen Schilling pfening erlestem gelt zwen pfening zoll und gred-
gelt z& geben schuldig sein.
Frankfurter güeter,
so in ballen, stibich oder väßen hin und wider geet, gibt jeder centner
vier pfening zoll, und vier pfening gredgelt.
Honig und öll.
Honig und öll, das hie für- oder durchgeet, gibt allweg der guldin
werth zwen pfening. Was aber dise wahr von frembden kauft oder
verkauft würdt, da gibt der guldin werth vier pfening, und so der Ver-
käufer burger wehre, so soll derselb bei seinem aid sollichen verkauf
dem zoller anzaigen und den zoll, dem erlösten gelt nach, für sich
selb zwen pfening, und für den keufer auch zwen pfening ze geben
4U
schuldig sein; doch mag er, der burger, die zwen pfening, so er xm
wegen des keufers ußgeben hat, vom selben wider ainziehen, ob er will.
St ahoi und eisen.
Von ainem pfund eisen, das in die Gred kompt, zwen schillmg,
ain halb ain Schilling, ain v ierling sechs pfening, und ain halben vier-
ling drei pfening. Ain busch eisen gibt vier pfening, ain ganze legel
Stahely eisen oder nagel ncttn pfening, ain halb legel fünf pfening.
FöU- oder stabeisen gibt der centner drei pfening, ain halber centner
drei heller und ain vi^rling ain pfening.
Tu-'
ki^
nt
Item jeder frembder tuchman jt an jeglichem jarmarkt, so €i
an der 6röd fall hat, klain zoll si is pfening; über das neimnen die
herm umbgelter von inen, den euteu, das standgelt und deo
grossen zoll, und geet soUichs d linern zollern an.
W jn.
Von luner wollballen,
zoll neun pfening. ^^^
Item, von ainer woll ballen,
vier pfening.
Von ainer wollballen, die ainer tregt, gibt der frembd zwen pfening.
allen möß, gibt der frembd ri
zwen tragen, gibt der frembd
Linwat.
Item der frembd gibt von ainem vaß linwat, so in die Gred kompt,
zoll und grödgelt neun pfening,
Leder.
Was für leder, es seie rauw, gerpt, hie kauft oder verkauft wüit
gibt jede haut, so in die Gröd kompt, zoll und grödgelt drei heller;
dervon gehert dem zoller der pfening und von hundert kalb- oder
schaff -fäll vier kreuzer zoll und zwen pfening gredgelt. In disen baideii
articuln ist ußgeschlossen das leder, so hie gerbt würt. Sollicher ge-
stalt soll es auch gehalten werden mit dem leder, das von frembden
hieherkompt und nit verkauft würt, sonder durch die Gred geet,
Brott,
das schifwerz hieb er kompt und verkauft würt, darvon gehert dem
zoller zoll und standgelt und dem gredmaister gredgelt von jedem
pfund beleßten gelt ain pfening.
Überlingen. 465
Häring.
Wann häring in die Gred kommen und hie nit verkauft [werden],
von jeder thonnen genommen werden zoll vier pfening und gred-
auch vier pfening.
Würden aber häring alhie verkauft, gibt der verkeufer, so er
nbd ist, von jeder thonnen zwainzig pfening, davon gehert den
erkeufern ain Schilling pfening underkauf und meinen herm vier
ling zoll und vier pfening gredgelt, die häring kommen in die Gröd
r nit. Weren dann keufer und verkeufer frembd, so gibt jeder von
er thonnen häring zwainzig pfening und soll dises gelt getailt werden,
obstet.
Item wan ain frömbder häring in der Gröd ligen hat, und lenger
n acht tag steen laßt, gibt er von jeder thonnen ain pfening, und
nach allweg von acht tagen, solang die hie beleiben, ein pfening
igelt.
Und die frembden, so alhie häring auß den thonnen beim vierling
tr ainlitzig verkaufen, sollen mit underkauf, zoll und gredgelt auch
alten werden, wie obsteet.
Es soll auch ain jeder burger, die alhie beim vierling oder ainzig
ing verkauft, den underkeufern von jeder thonnen vier pfening, so
dann häring von der statt fieren und anderer orten sament oder
zig verkaufen, so sollen sie den underköfflern aber die vier pfening
I gemainer statt auch vier pfening zö zoll zö geben schuldig sein.
Standgelt an den jarmärkten, als namblich an
sant Niclaus-, sant Ulxichs-, sant Urslen- und bonen-
märkten von den, die ir warn uf dem rügen tragen;
welche stand gelt und zol darzü geschlagen ist,
furo ain jeder zoller einnemen soll, sonst niemandt.
Item von ainem gemengten kran: achtzehen phening.
Item von ainem isenkran: zwen Schilling phening.
Item von ainem messerschmid : achtzehen phening.
Item von ainem spengler und schaidmacher : achtzehen phening.
Item von ainem gewürzkraner : zwen Schilling phening.
Item von ainem glaßtrager: ain Schilling phening.
Von schmiden, die messer, achsen und nepper fail haben: acht-
en phening.
Von ainem Schlosser: achtzehen phening.
Von ainem ledergärber: zwen Schilling phening.
Von ainem schöchmacher : achtzehen phening.
Von ainem sailer: sechs kreutzer.
>b«niMtnltcbe Stadtrechte, n. 9. 80
iM
Von ainem sattler: sechs kreutzer
Von ainem sergenman: sechs kreutEer,
Kessler, kupferschmid, haffengresser: jeder zwen balzen,
Husslierer mit sergen und anderer clainfüegen wahr, die sie nmb-
triageB sollen, geben ain Schilling phening.
. Von ainem, der zwilch und barchet fall hat: 2wen Schilling
phming.
Item die stüchlerin: gibt ainc achtzehen phening.
Item gibt ain hafiner sechs kreatzer.
Item ain walch, der seiden, baret, samet und dergleichen tre|t
und fall hat : zwainzig kreutzer,
Item ain löfiler gibt T
Item ain kübeibinder: ai
Von ainem tischmacheri
Von ainem wannen- und »,
Von ainem kantengiesser :
Von ainem draier: zol
Von ainem, der v
Von
Von diiiT^mj a«r m
zweit Schilling phenin
Von ainem ; tner:
phening.
lilling.
her: von jedem sechs krentzeL
atzen.
Igelt drei batzen.
irail hat, achtzehen pbening.
en phening.
}t gemengt ding darbei fail hat:
i
zen.
Von ainem^ der nuu fail hat unaer der brottlauben, gibt von ainem
sack zwen phening.
Von ainem wagen mit käß: für zoll und standgelt drei batzea
Von ainem karren mit käß: für zoll und standgelt sechs kreutzer
Von ainem vaß mit käß: für zoll und standgelt ain schiIUD|
phening.
Von ainem sack mit käß: zoll und standgelt vier phening.
Von ainem halben sack mit käß [zoll] und standgelt zwen phening.
Welcher auch käß samenthaft verkauft oder kauft, geben keofer
und verkeufer, so die frembd sein, jeder von zehen Schilling phening
erlestes gelt ain phening ; were aber der keufer burger, und bette uf den
pfragen kaufte gibt er auch sovil, als obgemelt ist.
Von ainem, der tüch bei dem ralhhauß, oder uf der gatteri fail
hat, gibt in der wochen an jarmarkt, hat es sein gestalt, zehen
kreutzer.
Item von aim büchtrager: zwen Schilling phening.
Von ainem gewürzthaiissierer: ain Schilling phening.
Von ainem, der wachß fail hat, achtzehen phening ; kumpts daaü
in die Qröd, so gibts auch sovih
Überlingen. 467
Und an wochenmärkten geben all und jeder obbestimpter wahr-
verkeufer oder kraner halb als vil, als an jarmärkten. Welcher aigen
pritter hat, der nit aigen pritter het, gibt von wegen derselben pritter
drei phening darzfi. Außgenommen, die käß uf wägen oder karren hie-
her pringen, sollen an jar- und wochenmärkten mit standgelt und zoll
gleich gehalten werden.
Welcher burger schmalz, unschlit, bering, schmelzigs und der-
gleichen fail hat usserhalb seines hauß oder ladens, gibt uf sant Niclaus-
tag achtzehen phening.
Zoll, der dem salzknecht und seiner hausfrawen
einzuziehen zustet von den frembden.
Von weinen.
Item ain jeder, der wein für hin und wider uf der ächs, es seien
wägen oder karen, gibt vom fuoder ain Schilling phening ; von zwainzig
aimer neun phening ; von ainem halben aimer sechs phening, und was
münder ist, nach anzal nemmen.
Dergleichen sollen, die nit burger sein, und hie in etter aigen
reben haben, ire wein, unangesehen das si den versteuren müessen,
auch zä verzollen schuldig sein, wie obsteet.
Vaßreif und -taugen.
Item welcher newe oder alte vaßraif und -taugen uf der ächs
darchfürt, gibt vom wagen ain Schilling phening und vom karen drei
kreutzer; was aber sollicher wahr hie kauft und hinweggefüert würde,
soll alwegen von zehen Schilling pheningen zwen phening zu zoll
genommen werden.
Isen.
Item von ainem phund eisen, das durchgeht, gibt zwen Schilling;
ain halb phund ain Schilling phening, ain vierling sechs phening, und
ain halben vierling drei phening.
Item ain bosch eisen : vier phening.
Item ain ganz legel staheleisen oder nägel: nein phening; von
ainer halben legel fünf phening.
Voll- oder stabeisen gibt der centner drei phening, ain halber
centner drei heller und der vierling ain phening.
Visch.
Item von jedem vaß mit vischen, groß oder ciain, ain Schilling
phening.
m ÜberlirtgeB.
Salss.
Item von ainem rörlin sak: ain Schilling phening.
Bettgewatt.
Itera ain jeder frembder, der betlgewatt hie kauft, ererbt and
hinweg füert, gibt von jedem bettzipfel ain Schilling phening, voa
ainem pfülben und kisse jedem zipfel sechs phening.
So aber bettgewatt sonst hie durchgefüert wiirde, gibt der bell-
Zipfel sechs phening und der pfülb erster kissezipfel drei phening.
Roß oder rinder.
Item jedes ledig roß oder rind, so alhie fürgefürt oder getriben
würdtj gibt 20H zwen phening.
Geladen wägen usserhalb deren, so obsteen.
Item ain geladner wagen, der durchgefüert und mit obbesümmleü
wahrn nit geladen ist, gibt ain Schilling phening, und ain ungeladnar
wagen sechs phening.
Greladen karen,
damit der underschid auch angezaigter gestalt gehalten werden sotli
sechs phening^ und die nit geladen sein, drei phening*
Pritter, latten, ziegel und kalch.
Item gibt das fuder pritter und latten zwen phening, ain hundert
ziegcI vier phening, und ain hundert ziegelstain sechs phening, und
ain g51t mit kalch ain heller.
Geladen roß oder esel.
Item von ainem jeden geladnen durchgeenden roß oder esel drei
phening.
Schwein, schaff, lemmer und kitzi, so durchgeha.
Item gibt jedes schwein ain phening, schaff, lemmer und kitzi
ain heller.
Wagen, kranern.
Item von ainem wagen, geladen mit kranerei, achtzehen phening.
Von ainem kratten mit kranerei neun phening. Von ainem geladnen
kranerroß vier phening.
Schwein,
die hie durchgetriben und nit verkauft werden, gibt jedes insonderhait
ain phening zoll.
Überlingen. 469
Schaf, lemmer und gaißen
geben jedes stück ain fürtreiber ain heller zoll.
Kraut.
Item kraut, so uß den schiffen, die damit hieherkomen, kauft
und wider hinweg gefüert würdet, gibt der vierling zwen phening.
Ruoben und zwibeln.
Item von ainem sack mit rüeben oder zwibeln, die hie kauft und
wider hinweggefüert, gibt jeder auch zwen phening.
Zollers Ordnung, wie ers halten und was er nemmen soll.
Item ain jeder gast, er seie keufer oder verkeufer, geben von
ainem jeden sack kernen, roggen, gersten, linsat, bonnen, erbis, muß-
mel und dergleichen fruchten zwen phening.
Von ainem sack haber ain phening.
Was usserhalb der Gröd, es sei in würtzheußern oder an andern
orten [verkauft] und gemessen würt, gibt der sack auch zwen phening,
und der sack haber ain phening, wie obsteet, zoll und gredgelt und
ist ain jeder kauf zwen phening zaubergelt, er seie ciain oder groß
[zu geben schuldig].
Wann kern in secken in die Gröd kompt und fürgefüert werden,
gibt jeder öack ain phening gredgelt.
Vaßtaugen oder raif.
Welcher newe vaßtaugen oder raif hie verkauft, und hie pleiben,
so soll er, der verkeufer, wann er frembd ist, allweg von zehen Schilling
pheningen zwen phening zoll geben.
So aber der keufer frembd were, und solliche vaßtaugen oder
raif uf dem wasser hinweg füeren würde, soll [er] jederzeit von den
zehen Schilling pheningen zwen Schilling zoll zu geben schuldig sein.
Schmelzigs, schmalz, weinstain, heff, unschlitt und blei.
Wann angezaigter stück ains oder mer hieher kompt und wider
hinweg gefüert würdet, gibt jeder zoll vier phening, dem gredmaister
gredgelt auch vier phening.
Gredmaister einziehen in der Gred usserhalb zollers.
So dann zein, kupfer, öhr, garn, wachs oder federn hie durch die.
Gred geen, soll dasselb dopplet, das ist von jedem zentner acht phening,
verzollet und vergredgeltet werden. Ob aber obernanter stück ains
oder mer alhie kauft oder verkauft würde, und so geben keufer und
470 "Überlingen.
V'erkeufer, wann die frembd sein, all weg von zehen Schilling pheningen
erlösten gelts 2wen pbening 2DÜ und gredgelt "
Frankfurter güeter.
Item Frankfurter gut, so in ballen, stibich oder vaßen hin iml
wider geet^ gibt jeder zentner vier phening zoll und vier [ihening
gredgelt.
Gredmaisters einziehen, gros oder ciain, jedes aac
seinem wert
' Honig und öll
Was honig oder Öll hie für oder dnrchgeet, gibt der guldin wer
zwen phening; was aber von frembden kauft oder verkauft würdet,
gib! der guldin vier pbening; und so dise wahr von ainem bürge?
verkauft würde, soll er dasselbig bei seinem aid dem zoUer anzaigeQ
und den zoll dem erlösten gett nach, für sich selbs zwen phening und
für den keufer auch zwen phening geben. Doch mag er, der burger^
die zwen phening, ob er will, vom keufer wider einziehen.
Stibich, kratzen, trüchen oder trog.
Item von ainem stibich, kratzen, truchen oder trog, darin spe-
cerei, isenkran, messer, seiden^ ailber, gold, baret, rüche und was
dergleichen wahr ist, der jeder gibt an jarmärkten besonder aiß
Schilling phening, und an wochenmärkten sechs phening zoll; kompt
es in die Gred, gibt jeder dergleichen stücken acht oder sechs kreutzer
Von ainem stibich, kratzen oder trüchen, darin gemengte phen
wert sein, als schuoch, leder, stahel, gewürzt, stauchen und der-
gleichen ist, der jeder gibt insonders an Jarmärkten acht phening,
und an wochenmärkten vier, und von soUicben stibichen ain batzen
gredgelt; zoll pleibt,
Tuochman.
Item jeder frembder tuochman gibt jedes jarmarkts, so er uf
der Gred fail hat, klain zoll sechs phening, und von jedem tu och
besonder groß zoll sechs phening, darzü standgelt vier Schilling
phening; so aber ainer, der gueter tüecher, als perpianisch, lindisch,
stamöt und dergleichen von stücken, halb, zum dritten tail, oder noch
minder fail hette, soll er davon gleich sovil, als wann es ganz were,
zu geben schuldig sein.
Welcher frembder tuochman usserhalb der Gred in der wochen
tuoch fail hatt, der gibt jedesmals ain Schilling phening. Gehert
ainem umbgelterknecht einzünemen zu.
Überlingen. 471
Wollballen.
Item von ainer wollballen, die man wallen muß, gibt der frembd
zu zoll neun phening.
Von ainer woU ballen, die zwen wagen gibt, gibt der frembd
vier phening; gredmaister nimpt auch sovil.
Von ainer wollballen, die ainer tregt, darfür der frembd zwen
phening.
Linwat.
Item der frembd gibt von ainem vaß linwat zoll neun phening
und ain Schilling phening gredgelt.
Von ainem ganzen stück zwilch gibt der gast zwen phening
und von ainem halben stück ain phening; gredgelt auch sovil.
Von ainem ganzen linwattöch, das ainzig verkauft würt, es sie
brait oder schmal, gibt der frembd zwen phening, ain halb tüch ain
phening und gredgelt ain phening.
Von ainem bartuoch zwen phening, auch sovil gredgelt.
Von linwat, zwilch und stücktüecher.
Item von linwat, zwilch und stücktüecher, so man am arm tregt
und fail hat, ie von zehen eelen ain phening, uf- und abzüraiten;
gehert dem zoller.
Garn und werk.
Garen und werk, so in secken tragen und verkauft würt, gibt,
so es in die Gröd kompt, vier phening gredgelt und zoll auch vier
phening.
Von ainem halben stück, oder so ainer gam und werk underm
arm tregt und fail hat, gibt er den halben thail deß gelts, wie obstet.
Kemme aber dise wahr nit in die Gred, so würt allain der zoll
genommen.
Leder.
Item welcher frembder alhie raw oder gärpt heut kauft oder ver-
kauft, der gibt von jeder haut, besonder so es nit in die Gröd kompt,
zoll ain phening, von hundert kalbfäll oder schaffäll ain batzen.
Was aber in die Gred kompt und hie kauft ist, gibt jede haut
ain phening zoll und gredgelt ain häller und hundert kalb- oder
schaffäll vier kreutzer zoll und zwen kreutzer gredgelt; in disen baiden
articuln ist ußgeschlossen das leder, das hie gerbt ist.
Und das leder, so von frembden härkompt, hie nit kauft noch
verkauft würt, und durch die Gred get, gibt ain haut, raw oder gerbt.
überllnji^Dr
ain pbening zoll, gredgelt ain heller, und die fäll viet kreutzer zoll
und Äwen kreutzer gredgelL
Brott
Wann brott uf der achs, wagen oder karen Meher kompt iitid
Isfe verkauft würdt, soll der verkeufer all weg von zehen schilüiig
pheningen gelestc^s gelt für zoll und standtgelt geben zwen phening.
Was dann schrSwerlz hieber kompt nnd hie verkauft würdl,
davon gehert dem zoller zoll- und staiulgelt, wie obsteet, und dem
gredmaister gredgelt von jedem phynd erleßtem gelt ain phening,
Item brott, rias die berken bie uf das land geheiu darvon soll der
keufer zoll geben allweg von zehen srhilling phening werdts ain
pbening, von fünf scbilling werdta ain heller, und sollen die beckea
bei im bürgerlichen aiden schuldig sein, sollichen zoll zä beballen,
und aJ] ??ambstag dem geordneten zoller zu überantwurton: dismi
mügen sie auch darnach von den keufern wider einziehen,
Häring
Item von ainer thonnen, die nit in die Gred konipt> und durch*
geet uf der achs, gibt der zoll vier phening. So daun ain thouiieii
bering in die Gred kompt, würt dann vorhestimpter zoll und gredgeil
auch vier pbening genommen, das thüt acht pbening.
Würden aber häring verkauft, gibt der verkeufer, so er fremli
ist, von jeder thonnen zwainzig phening; davon gehert den under-
keufern ain Schilling phening underkauf und meinen herrn vier
phening zoll und vier phening gredgelt, die häring komen in die Gred
oder nit, Solliches gelt nimpt der gredmaister ein und soll davon den
underkeufeni und zoll er irn gepürenden thail geben.
Und so keufer und verkeufer frembd weren, gibt jeder von ainer
thonnen häring zwainzig phening, und soll dis gelt gethailt werden,
wie obsteet.
Item wann ain frembder häring in der Gröd ligen hat, und lenger
dann acht tag steen laßt, gibt er von jeder thonnen ain phening und
darnach allwegen den achten tag, solang die pleiben, ain phening gred-
gelt. Bei gleichem gelt laßt man auch die frembden pleiben, wann
sie die häring hie uß den thonnen beim vierling oder ainzig verkaufen.
Es soll auch ain jeder burger, dei« häring beim vierling oder ainzig
verkauft, den underkeuflern von jeder thonnen vier phening, und so
sie häring von diser statt füeren und anderen orten sammenthaft oder
ainlitzig verkaufen, so sollen sie ermelten underkeufern aber die vier
phening und alsdann gemainer statt noch vier phening zu zoll ze geben
schuldig sein.
Überlingen. 478
Stockvisch und platteislin.
Wan stockvisch und platteislin hieher in die Gröd kommen und
unverkauft durchgehn, gibt man von jeder ballen stockvisch acht
phening, von ainem grossen vaß mit platteislin ain Schilling phening,
von ainem clainen acht phening und von ainem sack vol, es seien
stockvisch oder platteislin, vier phening für zoll und gredgelt.
Und würde dise wahr hie verkauft, die were in der Gred oder nit,
so soll allwegen von ainem guldin erlesten gelt zwen phening ge-
nommen und damit uf- und abgerait werden.
So aber ain burger hie stockvisch, platteislin oder ander wahrn
uf den pfragen kauft, so soll er allwegen von ainem guldin kauf
1 Schilling zu geben schuldig sein.
Reiß.
Welcher frembder reiß hieher pringt und wider hinweg füert
in vassen, gibt von jedem zentner gredgelt zwen phening und zwen
phening zoll.
So es dann hie verkauft und gewogen würt, geben keufer und
verkeufer jeder, so die frembd sein, vom zentner gredgelt vier phening,
zoll zwen phening, und weggelt gibt allain der verkeufer von der
clainen oder grossen wag zwen phening.
Und was reiß die burger uf den pfragen kaufen oder verkaufen,
davon gibt jeder vom zentner vier phening zoll und gredgelt.
Nüß, biren, öpfel und dergleichen ops.
Item welcher gast alhie ain ganzen stibich mit obermeltem ops,
dier oder gren, kauft oder verkauft, der gibt davon zoll vier phening;
SO es in die Gred kompt, so gibt er auch sovil.
Ain sack mit nüß, biren und öpfel, oder anderm ops, gibt zwen
phening, ain halber sack ain phening Gredgelt; so es in die Gred
kompt, auch sovil.
Welcher aber vorbestimpt fruchten auß den stibichen von der
band ußmißt, der gibt jedes tags nit mer dann zwen phening zoll.
Müll- und grabstain.
Wer müll- und grabstain hieher pringt, gibt, so die fürgefürt
werden, jeder stain für zoll und gredgelt acht phening; würden die
aber hie verkauft, geben keufer und verkeufer, so die frembd sein,
jeder tail acht phening.
So dann dergleichen stain hie ufgestellt werden, gibt man von
jedem jegliche fronfasten drei phening.
Schaufel, pritter.
Gibt man vom hundert schaufeln, prilter, all wegen zoH drei
phening; gehert dem gredmaister gredgelt auch soviL
Roß, esel und rinder,
Welliche frembde alihie in der statt und derselben etter roß oder
esel kaufen oder verkaufen, die sollen all wegen vom guidin werts
zwBu pheningj
und von ainem rind, so hie verkauft würdet, überall drei phening
zoll geben.
Was aber diser beder slück fürget, davon nirapt der saUknechl
den zoll.
em Schwein, das si verkaufen,
ifen und wider hinwegtreiben,
hieher prechten und nit vcr^
üessen, so nimpt man derhaUi
müUeni, hecken oder andern
füerten, soll jeder kaufer vaa
;n,i
Die Schweintreiber ge
2 wen phening, und was s
geben sie von jedem sH^
Ob aber die na'*
kaufen, sonder wide
von in kaiu zoll*
So dann frembde alhie l
burgern schwein kauften und J
jedem stück schwein ain kreutze*
Schaff, lemer, gaiß und kitzi.
Ain jedes schaff, lam oder kitzi gibt jedes, so hie verkauft würdt,
ain heller zoll.
Und werden hierin die nachpauren, wie oben mit den Schweinen,
gehalten.
Low und äschen.
Von ainem stibich low oder äschen, so hie kauft würdet, geben
keufer und verkeufer, so die frembd sein, jeder gredgelt vier phening,
thüt acht phening.
Von ainem sack low oder äschen geben keufer und verkeufer
jeder ain phening.
Salz.
Ain vaß salz gibt sechs phening, ain seit oder sack salz ain
phening, ain lutzscheib oder krättlin anderthalben phening, ain scheib
ain phening zoll.
' So YOD einer andern Hand anstelle deti ursprünglichen Textes: cvon guldin
kaufschilling zwen phening nemnien».
Überlingen. 475
Imen.
Von ainem imin gibt man allweg von zehen Schillingen erlestes
gelts ain phening, und was darüber oder darunder ist, damit soll uf-
und abgerechnet werden; kompts in die Gred, gibts auch sovil. Ge-
hert dem zoller.
Sichlen.
Gibt ain schock, thüt sechzig sichlen, vier phening zoll der fremb.
Kabaskraut.
Ain jedes schiff, so mit kraut oder kabas hieher kompt, und groß
ist, gibt acht phening, und ain claines schiff gibt vier phening zoll.
Rüeben und zwibeln.
Damit würt es gleich gehalten wie mit dem kabaskraut.
Unschlit.
Welcher frembder alhie unschlit verkauft oder kauft, der jeder
gibt vom Zentner vier phening zoll.
Loginen.
Ain jeder burger von jeder gelten loginen, die er von der statt
füert, sechs phening zoll und ain frembder ain Schilling.
Schuöb und strow.
Von ainem wagen vol schob oder bürd strow, so an die frembde
gefüert würt, gibt der, so hie verkauft, ain Schilling phening.
Vom hundert schoub oder bürd strow sechs phening. So dann
ain burger schob oder strow uf den pfragen kouft und hinwegfüert,
soll er den zoll geben, wie obsteet; und kompt gemeltes strow und
schoub in die Gred, so gibts auch sovil.
Höw,
so schiffwerz hieher kompt, soll der verkeufer, wo er solch hew den
bürgern gibt, von ainem grossen schiff zwen Schilling und von ainem
mittelschiff ain Schilling phening zoll geben.
Wein.
So wein hie an die Gred gefüert und von ainem schiff in das
ander überschlagen würt, gibt jedes fuoder zoll sechs phening.
So dann ainer sonst mit wein anfert und anheft und nit über-
schlecht, gibt er vom fuoder wein drei phening.
Überlingen. 477
Mit grossen raifen.
Umb ain gütten eschin vierkläftrigen raif, der dreier finger prait,
nit zerprochen noch klückt ist und sein nottürftigen leib hat . 6 /^.
Umb ain bürkin raif, der dreier finger prait, allerding ganz und
gnügsam beleibt ist 4 /^.
Umb ain raif, der aichin, sälin, hagenbüchin und von dergleichen
güttem holz, dreier finger prait, ganz onzerklückt und wol belaibt ist
6 ^.
Umb ain heslin raif, der dreier finger prait, unzerbrochen ist
und leib hat 4/5^.
Welche raif aber minder, und nit gar so prait als obermelter raif,
doch gät und unmangelhaft sein, die auch an die grosse vaß gut zu
legen sein werden, von deren ieden soll gegeben werden . 1 kreutzer.
Und sollen die raif gleichlich, namblich iede gattung züsamen
an die bürdin gebunden, dann meine herrn werden ain schaw darauf
ordnen^ und bei welchem küefer änderst befunden, der ieder würdet
gestrafft umb 5 S /^.
Dergleichen, wölcher küefer raif änderst, dann obbestimpter Ord-
nung vermög und ieden raif sein gelt, wie der bezalt werden soll, auf-
gelegt ist, anschlieg und bezaln ließt, der würdet auch gestrafft umb
Es soll auch bei vorangeregter straff der fünf phund phening
kain küefer kain klückten, presthaften raif in kain bürdi thfin, noch
auch ainichen dergleichen raif, der bruch hat, und derselbig bruch
mit bandstal umbgeschlagen were, an kain vaß anlegen.
Und zfi diser schaw sollen fürohin geordnet werden drei per-
sonen vom handwerk und der gemaind, wie es meine herrn für gut
ansehen würdet.
Damit auch die schaw dest bas fürgenomen und gehalten werden
mögen, so soll kain ainich raif gar nach böß aufziehen, noch in ander
weg behalten, die seien dann zuvor geschawet.
Wo aber solches hierüber beschehne und durch die schaw vor
dem aufziehen oder an vassen der mangel und die gefar des küefers
also befunden würde, so sollen si, die geordneten schawer, bei irer
verpflicht, die si hierumb thün werden, schuldig sein, dasselbig jeder-
zeit den wettgeltern anzuzeigen, und die darnach dem überfarer
handeln, das sich in craft oberzaigter artikel ze thön gepürt.
Mit clainen raifen.
Von ainem raif an ain halbfüderigs faß 2 ^.
r
Von aifieni raif an die vaß, die raer dann halbfüederig seio,
gebraucht werden . . * , . , , ö haller.
Von ainem clainen häalin raif 3 haller.
Blinden des thorgelgescbiers.
Von binden der züber in thorgeln, klain vaß und anderm klaiii
thorgelgeschier, ainem maister des fags achtzehen phening, ainem
knecht ain Schilling phening und ainem lehrknecht äüben phening,
und sollen maister, die knecht und knaben dabei pleiben, dea tag-
wan trewlich thün; ob aber maister, knecht, oder der lebrknab von
der arbait g hn würden, so soll der kond ime nach anzal die zeit
und wesen int ^ü Ionen schuldig sein.
Von zül
Und von an<
gleichen cblain ge
ist, B haller.
lie an die aimer, kübel und der*
1 '.14.
Von ainer newen
füederigs vaß , . , .
in ain 50- oder 40 aimerigs
und in ain füederigs vaß . T^
Von ainer alten taugen inzesl«
:>ssen.
isen^ namblich in
I
am Ewi^i
18 4; m
., ... 16 4;
. .... 4 kreutzer,
, in wasi vaß das seie 2 krau t^ar«
New boden una nodenstücken.
Von ainem newen boden an die ftledrigen und vierzig aimerigen
vaß anzezieben .<........ 5 (I 4-
Und was über vierzig aimerigs vaß weren, ieden boden 5 batzeo ;
doch sollen die boden von gutem holz, nit wiirmstichig, eschtig nocb
»pältig und die spinen darin sein.
Von ainem bodenstück einzestossen in vassen, die ob vierzig
aimerig sind * * ... 16 4-
Und was darunder bis aul ain füder ist^ , . . . 4 kr.;
sollen aber die bodenstück schüebig^ auch gutes holz, das die spen
davon sein, und was minder^ dann schüebig ist^ so soll nach anzal
bezalt werden.
Raif, die an volle vaß gelegt werden.
Von ainem raif an ain voll vaß eschin holz .... 9 4.
Und bürkin holz dergestalt anzelegen 74.
So sich auch zötrüeg, das die küefer also raif anlegen müessen,
so soll der kund inen kainen wein noch trunk, sonder allain bestimpten
lohn zu geben schuldig sin.
ÜberliDgen. 479
Wölcher burger aigen raif und band hat, soll dem küefer, so er
maister ist, von klainen und grossen vassen 6 kr.,
und ainem maisterknecht 5 kr.
zu taglon geben, und soll die heff und die weinstain dem burger zu-
gehören.
So sollen auch die küefer nit den weinstain abböllen, sonder
allain mit dem schlegel außwendig ain vaß abschlachen.
Ablaß halb.
Wann die küefer den burgern wein ablassen, so soll ieder burger
uß iedem vaß, das füederig und bis in vierzig aimer ist . 1 batzen,
und von ainem vaß, das bis in fünfzig aimer .... 16 /5^,
und von den vassen, die grösser dann fünfzig aimer weren 18 ^
geben, wann der burger aigen ring hat.
Ob aber die küefer den burgern die gemainen ring geben werden,
so sollen die burger den küefern von iedem vaß, das füederig,
und bis in vierzig aimer thete 2 ^ ^,
und den vassen, die grösser sind 2 batzen
ablasserlon und für den ring bezaln ; doch soll man inen, den küefern,
weiter von boden inzeziehen nicht schuldig sein. Wölcher si dann
der gemainen ring nit beniegen laßt und besser haben will, der soll
sich derhalb mit den küefern vergleichen.
Es sollen auch die küeffer die heff in ain vaß, das die künden
darzä ordnen, züsamenschüten, vierzehen tag ston lassen und zuvor
darauf sparen; alßdann mag der burger, so sich die heff gesetzt hat,
den wein darab ziehen, und nachgends dem küeffer die heff verfolgen
lassen und züstöllen.
Doch sollen die küeffer den trüb wein nit under die heff schütten,
sonder in ain sonder vaß thün und derselbig trüb wein dem burger
oder künden zfigehornS wie von alter här.
Und wann den burgern ausserhalb des ablaß ain vaß z&gezogen
wirt, soll darvon bezalt und geben werden 6/5^.
Wann dann ain burger vor dem ablaß wein verkaufte, so soll die
heff achtag stan, darnach der wein ime, dem burger, und die heff
dem küefer zöstan, wie oblaut.
Wölcher küefer aber dem, so obstet, nit geleben noch nach-
konunen würde, sonder zuwider handeln, so soll derhalb von iedem
ablaß halb sonderhait zu pester straff verfallen sein fünf phund
phening, und solchs jedem burgern den wettgeltern angezaigt werden,
dise straff von inen wissen zö richten.
1 Im Text: ciügelon».
Überlingen. 481
Der offen würt halben
soll es mit Schätzung des weins gehalten werden vermög der herrn
umgelter Ordnung, also das dieselben herren umgelter sollichen wein
nach der güeti schätzen und den würten an gar güttem wein über die
vier phund, so inen am fuder zu gemain bewilligt sein, den koff nach,
noch ain halb oder ganz phund phening, doch nit darüber zulassen
mögen.
Si, die gedachten umgelter, sollen auch, wann der wein nit gut
und mangelhaft were, in der Schätzung ab sien, dergestalt, das si
den würt nit sovil gewins als obstat, gestaten, sonder mögen si in
solchem val allain auf dem kauf oder noch ringer schätzen, ie nach
gelegenhait der sachen.
So dann die wirt im herbst wein auf die rechnung nemen, oder
wein haben, die ime auf irem aigenthumb erwachsen sein, und si
denselben ausschenken wollen, so sollen si dasselbig allweg zuvor
den herrn umbgeltern angeben, und dise wein auch nach den keufen
und der güete geschätzt, damit auf- und abgesetzt werden, wie oben
angezaigt ist.
Und wölcher würt sich diser Ordnung zuwider halten, der nit
gelepte, so soll er jedesmal, sooft das beschehe, zu peen verfallen
sein fünf phund phening; es möcht aber ain wirt sich hierinnen so
gefarlich halten, meine herrn, ain ersamer rath, würden ander straff
gegen ime fümemmen, wie sich dasselbig seinem verschulden nach
zu thün gepürt.
Und das dise Ordnung sovil dest bas gehalten, auch darin allweg
gestrackts gelept und nachgangen werden möge, so ist in jede erbere
zunft ain abschrift gegeben umb desselben, wo jemand mangel haben
würde, oder ainem ains ald der ander abgefallen were, das die oder
derselbig zu inen oder seinem zunftmaister gon, und sich solchs
mangels zu [bessern] und sich erholen möge.
Hernachvolgende Ordnung haben meine herrn
den handtwerksleuten summer- und Winterszeiten
zu nemen und zu geben zu halten gesetzt und ver-
ordnet, namblich:
Zim^fleut, sumertaglohn, so man inen nit zu essen gibt:
Item, ainem maister für speiß und lohn deß sumerstags 12 kr.
Item ainem knecht 11 kr.
Item ainem lernknecht, das erst jar alle tag ... < 8 kr.
Zimerleut sumertaglohn, so man inen zu essen gibt:
Item ainem maister 6 kr.
Ob«rrb«lniiche StadtNchte. 11, 2. 31
Item ainem knecht ^^^^^^F^~ 6 kr.
Item ainem lernknecht, das erst jar alle tag . . . , . 4 kr,
Winterszeit taglohn den zimerleiiten, so man inan nit
zik essen gibt:
Item ainem maister . , 10 kr.
Item ainem knethl ,...-.- 9 kr.
Item ainem lernknecht • 7 kr. ^
Zimerleut Winterszeit taglobn, so man inen zä essen gibt:
Item ainem maister .*,,,* . 5 kr.
Ilem ainem knecht .,..., 16^*
Item ainem lernknecht .,...,*,.., 1 ^ 4
SlatnmetzeK die stain hawen, sumertaglon, so man inen zö
essen gibt:
Item ainem maister ....,<, 12 kr.
Item ainem gesellen oder knecht, der ußgelornet hatt . , 11 kr.
Item ainem bnoben in ersten Jaren .*,..,.. 6 kr.
Stainmetzel sumertaglohn, so man zu essen gibt:
Item ainem maister .....,.,..,,• 6 kr.
Item ainem. knecht ............. 6 fo
Item ainem buoben in ersten jaren . * 4 kr,
Stainmetzel wintertaglohn, so man inen nil zö essen gibt:
Item ainem maister ...,,..*.,.,, 10 kr-
Item ainem knecht 9 kr.
Item ainem buoben 7 kr.
Stainmetzel^ so man inen zu essen gibt:
Item ainem maister 5 kr.
Item ainem knecht , . 16^.
Item ainem buoben ..,«,.. 1 ß ^.
Maurer, die nit stain hawen; äumerzeit, so man
inen zu essen und nit zu essen gibt, haben si den
Ion, wie die stainmetzel und zimerleut
Item ainem rauchknecht und ainem pflasterrüerer, den sumer
und nit zu essen 8 kr.
Item sumerszeit, so man ime zu essen gibt 4 kr.
Item im winter und nit zu essen 2 (l ^.
Und 80 man inen im winter zu essen gibt 1 |i tf-
ÜberÜDgen. 483
Die obgeschribne werkleut sollen sumerszeit,
der dann von sant Peters stuolfeier biß sant Gallen
tag gerechnet werden, sollen am morgen an das
Werks gon, wan es viere schlecht in pharrküerchen
alhie zu sant Niclaus.
Deßgleichen Winterszeit, von sant Gallen tag biß sant Peters
stuolfeier gerait, wann man gesicht zu werken, und am abendt, wann
man zu werken nit mehr gesehen mag.
Item disen werkleuten allen, so man inen zu essen geben, stat
die wähl derhalben zu, denen, so werkleut prauchen, ob sie inen zu
essen geben wollen oder nit; soll man zimlich zu essen geben, das
ain werkend mann darbei pleiben mag; aber deß trinkens halb, soll
man ainer person nit mehr zö geben schuldig sein, dann über den
imbiß ain halb maß wein, und zum vesperprott zwaien ain halb maß
wein, und zum nachtmal ain halb maß wein.
Item von sant Verenen tag angefangen biß sant Peters stülfeier
soll man nit schuldig sein, das vesperprott zu geben. Welcher auch
für speiß und lohn bestelt ist, der soll dhain vesperstund haben.
Item von sant Martins tag biß zu sant Peters stuolfeier soll
dhainer die stund zum morgenbrott haben, aber wol die imbißstund,
und darumb, welcher nit will biß imbiß ohn gessen sein, der soll
dahaim, ee er an daß werk gang, essen.
Item von sant Georgen tag biß sant Verenen tag sollen sei wider
anfahen zum morgen- und vesperbrott gon, und allwegen nit lenger,
dann ain stund ußpleiben.
Welcher oder welche werkleut aber sollicher lohn, trank und
atzung, wie vorsteet, nit beniegig sein, besonder mehr oder hebern
lohn und atzung nemen würden, dieselbigen werden von ainer erbarn
zunft der küefer, dahin sie mit den handtwerken geherig sein, darumb,
so oft das übertretten würdet, ernstlichen gestraft.
Ob auch ainich werkleut umb obbestimpten sold, lohn und speis
iemand nit getrew arbaiten thätten ald volbrechten, und sich das
vor ainem ersamen rath kundtlich oder gefarlichen erfunden würden,
derselbig werkmann soll und würdet mit seiner aignen personn, auch
weib und kind für die statt Überlingen, derselbigen etter- und statt-
gericht, unverzogenlich nach ansehen ains ersamen raths sonder ge-
värd gewißen werden.
81*
3^^ J
Ordnung roBwaidens halben*
Meine lierrn burgermaister und rath diser statt Überlingen habefi
uÜ ainer bewegenden Ursachen, »nd sonderlich uß gemainen niitzungeö
der roß halben, wie es hin furo damit gehalten werden raög und soll,
nachvolgend Ordnung fürgenomen und sich entschlosseii :
Von nachvolgender Ordnung der roß halben haben beid me
herrOs new und alt burgermaister sambt herrn Etschenreuti als baw-
herrn den 6, tag aprilis geredt, doch auf wolgefallen ains er-
samen raths:
Erstlich, wölcher burger ain roß hat, der solle dasaelbig für
den hierten schlahen; wo aber ainer mehr dann ains hette, so soll
er die andern, der seien \il oder wenig, für sich selb ausserhalb deß
hiertens und unnachtailig gemainer statt waid underhalten, auch der-
massen versehen, das dieselben weder an almen noch andern orten
begriffen werden. Dann, wo das nachts beschehe, wtird ain iedcr
von ieglichs roß wegen insunderhait umb ain phund phening und
tags umb zehen Schilling gestrafft werden.
Es sollen auch die herden gesondert, altso das das kiefech allaiß,
und die roß auch allain gehalten werden, nnd die roß, so dennaB
für den hierten geschlagen, sollen verschnitten, auch gesund uad
sauber sein,
Wölcher allso ain roß für den hierten treibt, der soll dasselhig,
so es von dann herzu kompt, be waren, und auch weder an die weg
oder kilchhoff lassen, bei peen und straff sechs phening, die ain
iedes, so solche übertrett, sooft es beschehe, unnachlässig erlegeo
und bezaln soll.
Aber den metzgern, so zu bank steen, und von des gemainen nutz
wegen oder dann andern burgern gespannen sein müessen, ist zuge-
lassen, wann ainer zu unzeiten haim kern, das si den hierten nit mer
erraichten, das si alsdann ire roß doch allain aus und in die gerten
auf das Espach treiben und waiden lassen mögen.
Und in allweg so soll kain roß an die ort und end, dahin die
hägenhierten treiben, gethon werden.
Doch so inen nach gelegenhait minderung, merung oder ganze
Ordnung ze thün, haben gedachte meine herrn inen vorbehalten.
1657
März 9.
Gepott und verpott der Baßler münz, auch schnaphanen.
Nachdem meine herrn befinden und sonst augenscheinlich vor-
handen, das die Baßler münz, auch schnaphanen, alhie in diser statt
kaufens und verkaufens halben zuvil überhand nemmen, welches dem
geber und nemmer in allerlai weg etwas beschwerlich fallen will,
Überlingen. 485
SO haben meine herrn burgennaister und rath diser deß hailigen
reichs statt Überlingen, gemainer nutzen und jedermeniglichem zu
güttem sich entschlossen und zu ernewerung hievor außgegangen
gebotts ernstlich gesetzt, geordnet und wellen, das nun liinfürter
ainicher burger in kaufen und verkaufen under fünf guldin wert
güts nit mer dann ainen guldin baßler münz (doch ungeschwecht
und unvemachthailt derselben münz und wehrung), und dann ainen
jeden schnaphanen insonders nit höher dann umb vierzehen kreutzer
zu geben und zu nemmen schuldig sein. Inmassen dann darauf die
stüblinsherm auch andere ämpter gemainer statt alsbald von ainem
erbam rath bevelch emphangen, dißes alles gegen jedermeniglichem
an der steur, umbgelten und anderer gefäll gemainer statt stracks
zu halten, dann es sonst usserhalb obgelauter gestalt ainiche bezal-
lung haissen und sein soll.
Und beschließlich, so langt auch ain ersamen rath an, das hin
and wider in bezallung der geltschulden allerlai gefahr mit cinmischung
deß klainen gelt, als böser haller, phening und anderer münzen ge-
praucht, dabei aber der gemain unverstendig mann, welchem es durch
rerlin oder sunst in anderweg zu banden kumpt und überantwurtet,
so ermanen obermelte meine herrn ain ersamer rath hiemit jeder-
meniglich, das sich ain jeder böser münz enthalten, und demjenigen
umb sein emphangne wahr und haab gütte landzwehrung gedeihen
und widerfaren lassen wolle. Dann, ob jemandz, haimsch oder frömbd,
obangeregter baider puncten halben hierüber ainichen vorthail oder
genieß suchen und geprauchen, auch diß Ordnung oder Satzung ver-
achten, denselben sollen und werden meine herrn, je nach aines ver-
dienen, ungestrafft nit lassen. Darnach wiß sich ain jeder zu richten,
auch vor nachthail und schaden zu bewahren.
Actum den neunten monats marcii anno 1557.
Doctor- und appotekerordnung.
Nachdem meine herrn burgermaister und ersamer rath diser
deß hailigen reichs statt Überlingen uf der röm. kais. maiestät, unsers
allergnedigisten herrn, rathsenderung under den handtwerkern und
gewerben in irer statt allerlai Satzungen und haltungen gemacht, haben
sie auch volgendts umb gemaines nutzes und fürstand willen jeder-
meniglichs, er sei gesund oder krank, nach zuvor gepflegnem rath
und ir selbs vernünftigem bedenken und gut ansehen von hernach-
gemelter der herrn doctor und hebammen Ordnung rathsamlich ge-
redt, wollen auch, das dieselbig nun hinfürter bis auf irer fürsichtigen
Überlmg«ii.
wißhait widerraeffen, verbessern oder abth&o, strenglich gehalten and
deren gelept und nachgangen werd.
4
Aid und Ordnung der doctor,
Anfenglichs, so soll nun hinfüHer dhaiuem doctor oder arzt
was stand ts oder wesens der immer isl\ alhie offenlich noch haim blich
zt pmcticieren zugelassen oder gestattet werden, dasselbig seie dann
zuvor aiuem sonderlich von ainem ersaraen rath vergönnt, bewilligt
imd zugelassen.
Zum andern, so werden die doctores der medicin, auch alle
a-Tzif die sich, wie gebort, deß practicierens und arzneieas gebrauchen
wollen, ainen aid schwören, gemainen burgern, miebileuten, artnefi
und reichen, in diser statt auf ir beger, ervordern, und sooft sie d^
notdürftig sindj willig, vleissig und onsemig zii erscheinen, und dem-
selben kranken zu seiner krankhait umb hernacbgemelte gewonliche
besoldung nach irer besten verstendtnus alles dasjenig zu rathen und
zu beifen, was einem jeden für das best, nutzest und gelrewlichesl
nach der gnad und kunst ime von gott dem allmechtigen verleichea,
ansehen würdet.
Zum dritten, das sie nun hinlüro niemandts, weder frawen nodi
mann, gestatten noch zulassen wollen, sich ainicher leib- oder wunden-
arznei in diser statt zu gebrauchen oder vail zu haben, si seien dann
der kunst und nmterialien erfarn und dem menschen zti gebrauchen
onschädlich.
Zum vierten, so soll dhain doctor ainich appotekerei üben uini
sonderlicb kain giftige, treibende aid purgierende arznei oder trank
in iren beusern züberaiten oder machen, und volgendts dieselben
under die kranken ußthailen oder verkaufen in dhainen weg, sonder
sich allain deß wassersbesehens anweisung und rathgeben den
kranken, mündtüch oder schriftlich, geprauchen, auch kainen aignen
appotoker hie zu Überlingen haben oder erki essen, noch ai nieheu für
den andern nit fürdern, loben noch schelten, noch auch die leut zu
ainem für den andern, weder umb müet oder gab, neid, haß, freundt-
schaft noch feindtschaft, noch anderer Sachen nit weisen, sonder
ainen jeden selbst gehn und sein arznei bestöllen und kaufen lassen,
wo und wie ine Verlust, geliept und gelegen ist; es were dann, das
ainicher doctor bei ainem appoteker merer oder besser materialia
und höhern vleiß, dann bei dem andern weßte und erfünde, so soll
er dises articuls halben nit angebunden, sonder frei sein.
Sie sollen auch bei denselben iren aiden mit dhainem appoteker,
kreutler oder wurzler, weder thail noch gemain haben, sie auch nit
Dberlingen. 487
verlegen, oder inen ichzit gevarlichs leichen oder umb befürderung
willen fürsetzen, noch umb wenig oder vil bürgschaft thun in dhainem
weg, auch von ir dhainem oder jemandts vor irn wegen weder gab,
müet, schenkin, durch sich selbs, ir weib, kind oder gesind, dardurch
es inen in nutz kommen mechte, dann ungevarlich zu weihennecht-
zeiten mag ain jeder von ainem appoteker nit über vier guldin wert
eerung nemen.
Zum fünften, so sollen auch sie, die herrn doctores, bei sollichen
im aiden etwan zu ungevarlichen zeiten in der wochen und dem jar
für die appoteker gehn und den Jüngern recepta zu schreiben angeben,
sie auch erkondigen und erfarn, ob sie sonst der geschribnen recepten,
auch deß kochens und preparierens geschickt und erfarn seien, damit
durch derselben ungeschicklichait und unwissenhait dem pacienten
oder kranken zu nachtail nichzit verabsaumpt werde. Ob aber ain
doctor oder arzt ainichen jünger in den appoteken sehen und erfinden,
die gehörter gestalt deß Schreibens und der recepten, deßgleichen
deß preparierens, stossens und siedens der arzneien nit geschickt und
sonst in ander weg untaugenlich weren, sollen sie, die doctores, alß-
dann bei obberüerten irn aiden schuldig sein, solliches ainem erbarn
rath fürderlich und unverlengt anzuzeigen.
Zum sechsten sollen sie, die herrn doctores kainem burger
noch michileuten, frawen oder mann, kain sirop oder recept, noch
ainich ander innwendig leibarzneien, dann die, so durch irer statt
geschwom appoteker gemacht werden, deßgleichen dhainen verdachten
Personen dhainerlai gift, oppriment oder ander treibende arznei, dar-
durch jemandts schaden zügefüegt oder die gepürt vertriben werden
möcht, geben lassen oder soUichs zu thün verschaffen, bei hoher
ains erbarn raths straff. Und ob es schwär und sorglich krankhaiten
weren, darzü man new und aigen Vermischungen der arznei prauchen
müeßt, das alßdann ain jeder guten vleiß thün soll und wolle, damit
soUichs in seiner Ordnung gehalten und allerlai gefahr, unrecht sieden
und stossen vermieten werd und pleib.
Zumsibenden sollen sie zu jeder zeit mit allen trewen und vleiß
zu beeden appoteken sehen bei allen arzneien, so jedesmals den appo-
tekem ainem jeden möglich ist, und er mit fügen darzu kommen
kan, selbs personlich sein, auch wann und so dick sie ervordert
werden, die stück und arzneien in den appoteken, auch ainem appo-
teker seine büecher, darnach er die vermischten macht, deßgleichen
auch, sooft es ainem ersamen rath für gut ansieht, im jar die appo-
teken sampt meiner herrn verordneten helfer beschawen, auch die
materialia vleissig besichtigen, und was nit frisch noch geb, sonder
üb^rlbg^Q.
verlegen und deßhalb den pacienten ^ü geben nit fruchtbar noch gut
were, dasselbig alles hin* und abweg zii thim, vleissig verschafien
und darob und daran seinj damit die appoteker von den appotekeii
in eeren und notturft, auch meniglichs in ußgebung der arznei von
inen beschaidenlich und irer tax gemäß gehalten werden, und ob
sie die burger oder michileut betheurten, dasselbig ainem crbarn
rath umb wendung und fürkommung willen aines solHchen anzaigen.
Zum achten, wölche für sondersiechen gerüegt und ainem jeden
doeior zu besehen zugesandt, oder sie sonst für sich selbst gewai
und innen werden, soll ain jeder dieselbigen mit sampt andern doctom,
so ungevarüch alhie sein, mit vleiß besehen, rüegen und nach gestalt
irer geprechen und wesens schuldig sein, darumb zu erkennen und
zu sagen, und sich von ainem jeden menschen deß Ions benüegen
lassen^ so von aller darauf gesetzt, das ist von ainer person am
pfundt pfening.
Und ob hinfüro tragend frawen in kindlsbanden und nötten be-
strickt ains oder mer doctores begem würden, das sie dann zu dem-
selben auch gehn, die hebammen getrewlichen underweisen, auch ir
pesfs darzu thün und sich abermals zimblicher belonung benüegen
lassen-
Doch in sterbenden leufen, ob die zu ainichen zeiten alhie ein
fielen, alßdann sollen und mögen die herrn doctores, so von ainem
erbarn rath nit besoldet, unverbunden sein, dieselben sterbenden zeit
lang alhie zu bleiben, sonder ain jeder wol weichen, wohin er will
und ime gelegen ist, iedoch aber in den appoteken oder sonst getrew
underweisung und rath, was zu sollichem nutz und dienlich, liinder
ime verlassen. Aber ain jeder bestölter und besoldeter doctor oder arzt
soll schuldig sein, in der statt zu beleiben, und one sonderliche er-
lauptnus aines herrn burgermaisters und raths nit usser der statt zu
ziehen, ald in fürfallenden krankaiten zu weichen, noch über nacht
usser der statt zu sein in dhainen weg, sonder jederzeit gerüst warten
und sich im vahl der not finden lassen.
Fürnemblich auch, so ainer ain oder mer pacienten alhie ange-
nomen betten, soll dhainer von denselben noch der statt one deß
pacienten vorwissen reiten, noch vil weniger solliche siechen oder
kranke menschen verdingen oder inen zumuten, sich mit inen, vor
dem und ehe inen hilf oder rath beschechen, umb ain benanntliche
summa gelts zu vertragen, uf das niemandts übervorthailt oder ge-
variicher weise beträngt werd.
Und damit aber die doctores und meniglich [für] besichtigung
der Wasser und gäng die tax und mässigung wüssen mög, so haben
Überlingen. 489
vilermelte meine herrn, ain ersamer rath alhie, dieselben nachvolgender
gestalt gesetzt und den doctorn und ärzten bei vorgemelten im aiden
zu halten und zu nemen ernstlich auferlegt:
Namblich, so soll und mag ain jeder doctor von burgern, niichi-
leuten oder hindersassen in der statt und auf dem land von jedem
wasser zu besehen und für seinen rath und recept zu schreiben nit
mer dann ainen batzen nemen.
Und so ir ainer zu ainer kranken person zu komen berüeft und
erbetten wirt, und ime dieselbig anfenglichs ain guldin gipt, soll er
schuldig sein, acht tag lang zu demselben menschen zä geen, und
ime nach seiner besten verstand tnuß und vermögen zu rathen, zu
helfen und das wasser z& sehen. Wann und sobald aber berüerte
acht tag fürüber und verscheinen, und man ime kainen guldin mer
geh, noch gebrauchen wölt, ist er alsdann kainen mer in berüertem
gelt zö warten verpunden, sonder alßdann von den pacienten ledig.
Weren es aber gemaine oder arme personen, die nit also zu
Ionen betten, so soll und mag ain jeder doctor oder arzt von ainem
gang irisonders, so sie gehörter gestalt berüffen und ervordert werden,
ain batzen, nit mer, oder aber minder nemen, je nach gelegenhait
und gestalt der personen armüt, und sie die göttliche auch brüder-
liche liebe darzü naigen und bewögen würdet.
Welche personen aber nit also gradiert weren und doch arznei
pflegen wölten, die sollend in den obgemelten stücken nit mer dann
halben sold nemen, haischen und empfahen; alles und jedes bei
unablässlicher straff ains erbaren raths.
Und solang sich die herrn doctores in sollichem allem und jedem,
wie inen ain erbarer rath vertrawt, wol halten und vleiß fürwendeii,
auch alhie practicieren, so wollen meine herrn irer mit wachen, im
harnasch gehen, deßgleichen fronen im graben, phlegnussen, schawen,
beschliessen und dergleichen Sachen zu versehen verschonen, rüewig
und unbeladen lassen; sonst sollen sie allweg gehorsam sein, thun
und lassen, als ander eingesessen burger thün und zu thün schuldig
sein, one gevärd. Welcher doctor aber alhie nit practicieren oder
dise Ordnung anzünemen verwägern würd, die sollen sich aller aller
praxis enthalten, und nichzit destminder alßdann mit fronen, wachen,
harnasch gehn und sonst in all ander weg sovil thün und laisten,
wie ander burger schuldig sein.
Der hebamen Ordnung. ^^^^
Item der hebamen, so sich deß ampts alhie geprauchen wollen, ^^^^ ^
sollen zuvor durch die doctores und ärzt, auch etliche ersame weise
iMi ÜberÜTigen.
frawen, die darzfi taugenlich und voa ainem erbaren rath berüefea
und verordnet, behört und erkondiget werden, ob sie gnügsam vet-
stendtnuß und wissen haben, das sie zu dem ampt taugenlicb, auch
der Personen und glider balben geschickt seien, und alßdano voU
gead^ ditz hernachgeschriben Ordnung zu halten schwören;
Namblich, das sie alle zeit, tag und nacht, zu dienen willig und
gehorsam seien, dem armen als dem reichen, von welchen sie dann
je zu Zeiten am ersten berüeft und begert werden, auch kain arme
fraw zu verlassen und an ander cnd zu gehn umb mehrer gewinns
oder lohns willen, sonder, w^o sie anfahen zu arbaiten, dasselbs Lrew*
lieben ußzftvvarten und solliches niemands zu versorgen.
Sie sollen auch dbain frawen nötten oder zu kindtsarbail iiber*
treiben, es erscheinen dann zuvor der nahen gepurt gewisse zaichen
und inen dann darinnen je nach gestalt der Sachen umb zioilicheii
gepürlichen lohne vleissig dienen,
Und ob sich je zu Zeiten, vor oder nach der gepurt sorglich
züfäll begeben, also das sich die gepurt nit recht schicken wolt, oder
andere gepresten, es were der müter oder deß kinds halben, darzu
man raths und sorgen bedörftej so soll ir dhaine uf irem fürnemen
besteenj sonder weiser frawen oder anderer Iiebamen raths pflegen
und nach inen fürderlich schicken, und alßdanii ain jede hebam ge*
horsam sein zu erscheinen und nach irem besten versteen und ver-
mögen helfen zu ralhen und zu handien; und ob zu Zeiten not seia
würd, der gelerten rath zu haben, sollen sie auch nit darwider, sonder
genaigt sein, fürderung zü thün, umb das den müettern oder künden
destminder schaden oder gebresten zufallen und begögnen möge.
Sie sollen auch bei im geschwornen aiden zü dhainem kind
understeen zu brechen, weder umb litzel noch vil, alledieweil sie
merken mögen, das die kind bei leben sein, es standt umb die gepurt,
wie es immer wolle, one rath und gehaiß der verstendigen ärzt und
berichten frommer frawen, noch zu sollichen dingen kain grausam-
lieh oder ungeschickt instrument prauchen, bei straff leibs und lebens.
Und fürnemblich vor allen dingen schuldig sein, in der ersten
Wochen nach der gepurt allwegen zu der kindtbetterin zü sehen, sie
ZU berichten und getrewlich zu weisen, wie sie sich und das kind
halten sollen, uf das durch unwissenhait nichz verabsaumpt werde.
Item kain höbam soll bei irem geschwornen aid kain schwangere
frawen durch sich oder jemandts von im wegen bitten, sie für ain
andere zu kindtsarbait zu gebrauchen, oder sich dessen mit gevär-
liehen werten merken zu lassen, sonder ain jede schwangere fraw
lassen nemen oder berüefen, welche ir am besten geliept, noch dhaine
ÜberliDgeo. 491
vernichten oder schelten in dhainerlai weiß bei hoher ains ersamen
raths straff.
Und zum beschluß sollen die höbamen bei vorgeschribnem irem
aid schuldig sein, wo sie verdachte personen wissen, die in kindts-
banden legen oder das kind an die weit gepracht betten, dasselbig
zum fürderlichsten anzüzaigen, damit deß kindts rechter vatter er-
kondigt, und allerlai nachtail, so dem kind leuchtlich begögnen, ver-
hüet werden mögen.
Doch behalten inen erstermelte meine herrn, ain ersamer rath,
hierinnen, wie in allen andern Ordnungen ir ordenliche oberkait und
vollmacht bevor, ditz Ordnung über kurz oder lang zu mindern, zu
mehm, zu widerrüefen oder von newem zu machen, wie es si jeder-
zeit begegneten dingen nach und gemainem wesen zu gutem für nutz
und bequem ansehen würden.
Actum und mit räthen und richtern errathen und endschlossen
montags nach palmarum anno 1557.
Gepott und verpott der welschen und andern^^^^w
^ '^ Febniar 18.
bösen münzen halben.
Nachdem meine herrn burgermaister und ain ersamer rath diser
statt Überlingen in gründtliche und gewisse erfarung kommen, wie
solliches auch der täglich augenschein zu erkennen gibt, das allerlai
ittalianische münzen, sonderlich die newgeschlagnen zwen batzer,
item mirandulaner sechs kreutzer mit den wegelin and lothringer
fünferlin mit dem tölchlin, alhie in diser statt haufenweise und über-
flüssig einreisen, wölche doch deß groß und werdts bei weitem nit
sein, darfür sie dann diser zeit alhie und anderstwo emphangen und
widerumb ußgegeben werden, dardurch dann der gemain mann, die-
weil sie nit jederman bekannt, bißher merklich gelaicht und betrogen
worden ist. Sollichs abzuschaffen und zu fürkomen, so sein beinelte
meine herrn gemainem nutzen zu guten Vorhabens, bedacht und ent-
schlossen, uf nechstkomenden bonenmarkt dieselben erst new für-
komme welsche münzen, alle und jede, sonderlich aber die bestimpten
newen zwenbatzer, item mirandulaner sechskreutzerer mit dem wegelin,
deßgleichen die lothringer münz mit dem tölchlin, wölche gemainlich
under der basler münz ir gangenschaft hat, und dann neben den-
selben all wiener, nürmberger, nördlinger und schwarzkatzenphening,
auch andere denselben gleich und gemeß, waserlai sorten die seien,
der anfenklich uf ainen batzen vil mer geschlagen, dann sie alhie
ußgegeben werden, durch offenlichen ruf in der Gröd bei einer sonder-
baren straff jedermeniglichem verpieten zä lassen, als das die eege-
Überlingen,
schribnen welsche und lothringer münzen und die bestimpten pfening
in diser statt alhie, weder in geben noch nemen, dhain bezalimg mer
liaissen noch sein. Derhalben so wellen wolernante meine herra ire
biirger, einwoner und zögewaunten sollichs ires vorhabenden ver-
potts hiemit vätterlicher guter wolmainung bericht, auch dameben
verwarnet haben, sich vor eegescbribnen newen welschen und loth-
ringer münzen und pfeniog zu hüeten und dieselben in dhainer be*
zalung wider seinen guten willen zä nemen. Ob sich aber jemandts
hierüber mit sollichen newen bösen welschen und lothringer münzea
und pfeningen bezalen lassen vi^ürd, den würdet ain erbarer mth seiii
abentheur, wie er derselben mit nutzen widerumb abkommen mug,
lassen besteen, aber nicbzit des(mit)t!er alsdann ainen jeden mit stiaJf
dennassen büessen und ansehen, rlas menigHch darob sein emst-
lichs misfallen speuren und vernemmen soll. Doch der venediger
ganze und halbe niarzellen, item realn, deßgleichen bononier drei-
batzer imd sechskreutzerer mit dem löwcn, auch andern denselben
an der güete gleich welsche münzen, sollen hierunder nit gemaitit,
sonder meniglichem in irem prÖs und werdt, wie bißher, asfl nemen
und ußzügeben unabgestriekt und unverpotten sein.
Und zum beschluß, dieweil wissend und offenbar, das meraog«-
regte böse pfening mererthails in den brieflin und blälzUn undei
der zal aines guldins oder pFuud pfenings vertriben und vermengt
werden, so ist ains ersamcn ratbs ernstlicher bevelch, das dieselben
wiener, nürniberger, nördlinger und ander dergleichen böß pfeniiig
nit mer nßgcben noch in ainicher bezahmg genommen, ald obgelauter
gestalt in die brieflin und blätzlin under ander gut pfening vermischt
werden, soiulur ganz und gar mit ainander zu nemen und ußisügebeo^
auch underzümischen verpotten sein sollen. Dann ob jemandts das^
selbig versprechen und nit hallen, sonder, wie vorsteet, die bösen
pfening under die guten vermengen würd, deren jeder, namblich der
geber und nemer, sollen von jedem guldin oder pfimd pfening in^
sonders fünf Schilling pfening zii straff verfallen sein. Darnach wisse
sich meniglich zu richten, auch vor nachtail und berüerter straff z&
Ycrhüeten,
Actum freitags, den 18. tag februarii anno 1558.
1657
April ^7.
Christenliche ermanung ains erbarn raths der
stall Überlingen an ire burger, einwoner, hinder-
sässen und zugewandten, gaistlich und weltlich,
in ircr stalt und uf dem land, über den Regens-
Oberlingen. 493
purgischen Reichsabschid der türkenhilf halben
ußgatigen.
Nachdem laider züvil offenbar und jedermeniglich bewißt,
Weichermassen unsers hailigen christenlichen namens und glaubens
erbfeind, der Türk, lange jar her in täglicher practic, Übung und vor-
haben gestanden und noch steet, nit allain den überblibnen thail
an der chron Hungarn, in welchen er sich hievor und bißanher ge-
walüglichen eingetrungen, besonder auch andere der römischen
königlichen maiestät anrainende christenliche königreich, land und
greinzflecken, dergleichen der nechstangelegnen churfürsten, fürsten
und stend deß hailigen reichs teutscher nation land und leut mit
höreskraft zu überziehen, anzugreifen und zu bekriegen, und also
seinen fuoß je lenger je mer in die christenhait, fürnemblich teutsche
nation, zu setzen und ain land neben oder nach dem andern, auch
endtlich gemaine christenhait under sein joch, tirannischen gewalt,
macht und herrschung, auch vihische und onmenschliche dienstbar-
kait (wo ime solliches der allmechtig verhengte) zu zwingen. Wie
dann sollichs im werk erscheint, das namblich diser blüthund mit
seinem tirannischen und bluotdurstigen fürnemen onufhörlich und one
allen (oder doch gar geringen und schwachen widerstand fürtruckt,
dardurch er in kurzer zeit und biß doher vil unschuldigs christenlichs
blüts mit jämerlicher und erbermlicher ermördung, auch hinweg-
schlaifung deß Christenvolks, wüestung und verhörgung der land ver-
gossen, deßgleichen die fürnembsten paß, stett und bevestigungen
deß königreichs Hungern, das ain schilt und vormaur teutscher nation,
nach und nach gewaltiglich erobert, welches alles dann ainen jeden
recht christgleubigen mentschen sollicher armen betrangten christen-
leut halben, die alle stund mit irn unschuldigen weih und kindern
sollichen bluothund desselben eußerste not und gefahr vor äugen
sehen, deren gewertig sein müessen, und (one gottes deß allmechtigen
hilf, erlesung, röttung und beistand) nit entfliehen mögen, gottlichem
bevelch und christenlicher, brüederlicher liebe nach zu herzlichem
getrewem mitleiden soll und mag bewögen.
Und aber nichzit gewissers vor äugen noch endtlichers zu ge-
warten, dann do disem grausamen erbfeind sein erschrockenlich vor-
haben (darzü ime etliche seine bißher erlangte sig und eroberungen,
so (wie oblauth) uß zu schwachem widerstand ervolgt, nit wenig
anraizung, herz und küenhait gemacht) one gegenwöhr und röttung
lenger verbeugt und zugesehen, das dardurch one mittel gemaine
christenhait, auch das ganz römisch reich teutscher nation neben er-
oberung, Vergewaltigung und einziehung deß noch bevorsteenden thails
494 Überlingen.
der ort, flecken und greinzheuser der cbron Hungern sich nichzit
anders, dann unwiderbringlichs abfals ires balligen christenlicben
glaubens und namens verdörbung und verbörgung ires geliepten vatter-
lands, scbmäbung irer weib und kinder, deßgleicben vergiessung vil
cbristenlicbs und unscbuldigs blüts, auch ewiger vibischer dienstbar-
kalt an sei und leib zä befahren haben würdt.
Doher gemainer chrlstenhait und teutscher nation notdurft umb
sovil mer und trüngenllcher ervordern wollen, die Sachen nach ge-
legenhait derselben dermassen und mit sollichem vleiß und ernst zfl
berathschlagen, damit diser hochbeschwerlichen last durch gepeur-
lichen und notwendigen widerstand begögnet, auch der vorsteend
verrath und verderben gemainer christenhait und sonderlich teutscher
nation, sovil möglich, und der allmechtig gnad verleichen will, für-
komen und verbüet werde.
Darauf nun die römische königliche majestät, unser allergnedi-
gister herr, uf jüngstem zu Regenspurg ditz jars gehaltnem reichstag,
churfürsten, fürsten und stend deß balligen römischen reichs und der
abwesenden räth, potschaften und gesandten ganz freundtlich und
gnediglich ersuochen, gesonnen und begeren lassen, sie, die stend,
wölten solliches alles stattlich zu gemüet füeren und sonderlich der
betrangten königreich und land fürsteende gevarlichait, auch die nach-
tail, schaden und verderben, so (wie merermelt) darauß ervolgen
mögen, notturftiglich bedenken, und demnach irer königlichen maje-
stät (wo man änderst disem tirannen je stattlich von seinem vihiscben
gewalt vermittelst göttlicher gnaden erledigen, auch uns und unser
vatterland behalten) ainen doppelten romzug acht monat lang zu roß
und fuoß laisten und bewilligen, mit dem angehengten allergnedigisten
erpieten, das sich ir königliche majestät nit allain mit aigner könig-
licher person in das veld wider disen grausamen, mechtigen und on-
menschlichen erbfeind, den Türken, begeben, und das kriegswesen
und dise cxpedition selbs füeren, sonder auch ainen oder zwen irer
geliopten sön zu sich ziehen, oder uf den fahl, do ir majestät etwann
uß leibsschwachait oder andern merklichen eehaften Verhinderungen
selbst personnlich nit ziehen möchten, als dann irer königlichen
majestät sone, könig Maximilian zu Behaim, und im fahl, do derselbig
leibsschwachait halben daran auch verhindert, zum wenigsten irer
majestät geliepten sone, erzhörzogs Ferdinanden, ins velde schicken
und inen berüert kriegsw^esen bevelchen, deßgleicben sampt irer kön.
majestät und dero königreich und land vermögen, auch darbei er-
zaigen und beweisen wollen.
Überlingen. 495
Derhalben^ uf sollich irer königlichen majestät allergnedigst er-
pieten, zuvorderst aber zu schütz, schürm, trost und uffenthalt der
betrangten Christen, so der gevarlichait gesessen, so haben churfürsten,
fürsten und stend deß hailigen reichs nach züvorgeender vleissiger
und ordenlicher beratschlagung höchstermelter k. m. zu allerunder-
thenigster gehorsame und wolfart gemainer christenhait in sollich
irer majestät begern und die berüerten hilf acht monat lang gedoppelt,
nach aines jeden anschlügen an gelt zu laisten und zu raichen be-
willigt und zugesagt, an welcher hilf meinen gepietenden und günstigen
herm, ainem ersamen rath diser deß hailigen reichs statt Überlingen,
allain ires thails zu roß und füoß die bestimpten zeit uß ob den fünf-
tausend guldin zu geben und zu erlegen schuldiglich gepürt.
Und wiewol ain ersamer rath ganz wol genaigt were, obgerüerte
ir bewilligung und uferlegte türkenhilf ganz und gar uf sich zu nemen,
dieselben usser irem cammergüt zu erstatten und mit belegung dern
im gaistlicher und weltlicher in der statt und uf dem land umb allerlai
erlittner beschwerden, mißgewöchs und hagelschadens willen, wo es
möglich sein mechte, zu verschonen,
dieweil aber gemaine statt durch manigfaltige gelaisten offensive
und defensive hilfen, deßgleichen des hailigen reichs und kraiß par-
ticular, auch andere tnanigfaltige ußgaben an irem cammergüt und ein-
komen dermassen geschmölert und ersaigert worden ist, das sie diser
zeit solliche hilf uß der statt geföll zu laisten nit vermögenlich,
und dann obangeregter reichsabschid under anderm lauter und
dar mit sich pringt, das ainer jeden oberkait, wie herkommen und
recht ist, freistehn und zugelassen sein, auch mög und macht haben
solle, ire underthonen, gaistlich und weltlich, sie seien exempt oder
nit exempt, gefreit oder nit gefreit, niemandts ußgenomen, derhalb mit
steur zu belegen;
demnach zu allerunderthenigister und gehorsamer volnziehung
deßjenigen, so jetzangeregter reichsabschid ainem jeden stand deß
hailigen reichs, gleich wie ainem ersamen rath diser statt als ein-
verleiptem glid desselben zu thün uferlegt, so lassen wolernannt mein
gepietend und günstig herrn alle und jede ire burger, burgerin, ein-
woner, reich und arm, gaistlich und weltlich, in der statt und anderstwo
gesessen, deßgleichen ire und ires gotzhauß spittals gerichtsleuth, zu-
gehörigen und verwandten uf dem land, ganz günstiger, vätterlicher
und getrewherziger mainung ermanen, bitten und ersuochen, dar-
neben auch mit sonderm ernst und vleiß gebieten und uflegen, das
ain jeder zum vordesten die eer deß allmechtigen gots, auch seins
hailigen glaubens und gemainer christenhait nutz and vvolfarth uß
mnerlichem christenlichen gemiiet zu herzen füereti, auch sollkb^
gemainen mitzeu der chrislen^hail, und sonderlich der beschwerten
Christen, landt und Icuth irer niitbrüeder in christenlichem glauben
hohe notturfi bedenken und allem irem zeitlichen nutzen ufl christen^
lieber und brüederlicher Heb fürsetzen, darneben auch betrachten, wo
disem grausamen onmenschlicheu feind mit ainem beharrlichen und
dapfern widerstand nit zeitlicher und stattlicher abbruch und wider-
stand beschicht, was erbarmklicher und erschrockenlicher jamers,
angst, not, eilend, schand, schmach, uneer, blütvergiessens und^ndt-
lieber Verderbens an leib und gut ain jeder an ime selbs, seinem
weih, auch lieben kindern, eitern und verfreundteUj fürnemblich auch
an seinem aigen und geliepten vatterland neben dem abfall von unserm
hailigcu allgemeinen christenlichen glauben, Verachtung und lesterung
gottes, auch seins immerwerenden worts und balligen evangeli von
disem wüllerich künftiglich zu befahren hab.
Und sich derhalben ain jeder^ sie sien burger, burgerin, ein*
woner, bindersäßen, underthonen, zugewandten, in der statt und u£
dem landt, deßgleichen alle pharrherr, caplon» vicarien, auch kürcheu
und haiigen pfleger, darzü alle brfiderschaften, clausen und gotzheuser,
reich und arm, gaistlich und weltlich, exempt und nit exempt, nie-
mandes ußgenomen, one allen falsch, schein, arglist oder gevärd selber
schätzen und volgendts sein gepiirende anlag diser expedition hilf
nach n)nrung unrl abkiir^ung pifinoH Vermögens bei den pflichten und
aiden, damit ain jeder dem burgermaister und ainem ersamen rath
der statt Überlingen als seiner von gott gesetzten ordenlichen ober-
kait zugewandt, deßgleichen die gaisthchen bei irn würden, trewen,
glauben und christenlicher lieb und gewissin zu disem gottseligen
und nottwendigen werk, durch wölches vermittest göttlicher hilf und
beistands das christenlich pluot erröttet, die teutsch nation^ unser
vatterlandt, auch all unsere freihalten, leib und güeter geschürmet
werden, und also meniglich trost und schütz davon emphahen mög
mit freiwilligem gemüet uf nachvolgende zeit, und wie hernach ander-
schidlich begriffen, getrewlich erlegen und bezalen, und sich des-
selben in bedacht, das es aines jedwedem selbst aigne sach und wol-
fart ist, nit verwidern, noch sich etliche Sachen und unrichtigkait,
auch weder hägel, landsprästen, noch sonst anders nit abwenden oder
verhindern lassen wolle, in dhainen weg.
Und damit meniglich desto baß wisse, wie dise anlag der
ligenden güeter halb beschechen, so sollen die weltlichen ain jeder
oder jede, sonderhch die wittfrawen und unmundtbare kinder durch
ire geordnete vögt und pfleger bei angezaigter aidspflichten die heuser,
ÜberÜDgen. 497
höve, acker, wisen, gehölz, bom und krautgarten, aigen und leben,
in- und usserbalb der statt gelegen, selbs scbätzen und anscblagen,
namblich die höve, leben, wisen, bom und krautgarten nacb der gült
und nutzung, sovil ain jedes järlicb davon eingeend zu ompfaben
und zu messen bat, und dann die beuser, bofstatten und dergleicben
gelegne güeter, alls lieb ime die jetzo sein, und änderst nit.
Die reben soll ain jeglicbs, turger, burgerin, einwoner und binder-
säß, wie obsteet, bierinnen anscblagen, benamentlicb jeglicbe bof-
statt durcb außer weit oder näbe, umb 50 S ^/.
Pfandtscbaft als zinß nacb den bauptgüetern, deßgleicben roß,
esel und ander vicb, sampt den scbweinen, so lieb ime die sein.
Item es sollen anlegen die bandtwerksleutb, so zu sollicben
irn handtwerkem pritter, bolz, köl, isen und leder gebraueben, darzu
die gewerbleutb ire wabren, wie die sein mecbten, nicbts ußgenomen,
auch als lieb inen das alles ist.
Item weiter soll meniglicb parschaft und, so er schulden het,
die man ime zu tbün were, und dann wein und körn, veranlagen und
nach der heurigen rechnung anscblagen.
Und soll allwegen von allen bewöglichen und unbewöglichen
hab und güetern auch der gerechtigkait deß güts, so ain jeder be-
sitzt, nutzt und innhat, von 100 fg ^ recbtsi werds, uf- und abzurechnen,
6 (l /5^, und was sich nit 100 S ^ eriaufen mechte, von ainem jeden
pfund 1 rd) gegeben werden; welche aber nit 100 S werd, sonder
minder vermigens betten, es were, wievil das wölte, dieselben sollen
von jeglichem pfundt 1 ^ geben.
Doch wölcber 200 S Vermögens bat, der soll dieselben, wie ob-
laut, zu versteuren und dhain leibsteur zu geben schuldig sein.
Welcher oder welches aber allain 100 S und nit mehr zu ver-
steum hat, der soll dieselben, wie oblaut, mit 6 |i -5? veranlagen
und darzü halbe leibsteur, das ist 5 fi baller geben.
Ob aber ains minder dann 100 S ^ vermöchte, so soll ain
jedes von jeglichem pfund, wie oblaut, 1 ,d} raichen und darzü
ganze leibsteur, das ist 5 ^ ^, geben und bezalen.
Welche dann leibgeding haben, sollen anschlahen die zu baupt-
güetern, wie sie dieselben leibgeding erkauft und zu disem hoptgüt,
was es also järlicb ertragen mögen, als namblich 100 S 6 S und
dann allwegen von 100 S 6 ß, was aber die 100 S nit ertragen
mechte, von jedem S 1 /^ geben.
Item die priester sollen bei irn priesterlichen würden, trewen
und glauben, wie vorgemelt ist, ain jeder, der aigen gut hat, dasselb
auch besteurn und anlagen von 100 S 6 ^ /d), uf und abzurechnen,
Oberrhelnlicbe Sudtrechte. II, 2. 88
und was nit 100 |E erraicheri mag, von jedem pfundt 1 ,^, wie die
l>iirger.
Aber von irn beaeficieii, pensionen, reservaten, dergleichen atich
von allen im renten, galten, einkomnien und nutzungen, die sie von
im phnmten, beneficÜB, dignitalibus und gaistlichen stand haben,
namblich wein und körn, nach der heurigen rechnung, und was
ainer also für einkommen hat, rlo soll er allweg von 100 tJ fi St van
80 S 4 t 16 jJ 4, von 60 S 3 S 12 jj ^, und also uf- und abzt
raiten, geben und bezalen.
Hetlcn dann sie, die pricsler, schulden, die sollen sie auch be*
legen, allvpegen von 100 ^ 6 ^ ^ und was darunder ist, jedem pfundt
1 ^ geben. S
So dann ainer, gaistlich oder weltlich, biirger oder einwoner, (^
gehörter gestalt sein haufl oder hofsUtl, als lieb ime die jetzo i^t,
recble werds angeschlagen hal, soll und mag ain jeder den drilteii
thail desselben anschlags widerumb davon, deßgleichen, ob er sonst
etwas schuldig oder uf seinen giietern verzinßte, es were vil oder
wenig, das fuag er von diser besteurung dess ganzen seins guols
wider ufhöben und abziehen, doch in dem allen haußrath, silber-
geschier, klaider, klainaüer und df>rgleichen geschnieid hierinnen be-
dingt und vorbehalten, das ain jedes hierinnen zu veranlagen nit
schuldig sein. ^J^iT
Und uf das alles so soll auch also hiemtt ain jeder in der statt
und uf dem land, gaistlich und weltlieh, sein gepürende anlag und
steor zii disem christenlichen vorhaben und werk der expedition und
hilf wider den Lürken von allen seinen haben und güetern, ligenden
und varcnden, so ain jeder allenthalben hat, unverhindert, wo die
sein oder ligen, gelrewlich bei seinen pflichten, wie oblaut, auch
seinen glauben christenlicher lieb und gewisser ains ersamen raths
hierzu verordneten zwischen hie und sant Bartholomeusiag nechsl
künftig gewißlich erlegen, welche verordneten bevelch haben, die*
selben zfl empfahen und zu zelen, auch was ain jeder geraicht und
geben hat, zu seinem namen zu verzaichnen. Welcher oder welche
aber ungehorsam und mit sollicher irer bezalung sömig sein würden,
die sollen bei irn aiden den nechsten nach sant Bartholomeustag
usser irer statt und den gerichten ziehen, auch darein nit mer kommen,
sein angepür der anlag seie dann zuvor erlegt und bezalt.
Wern dann ettlich, die ditz gelt vor derzeit erlegen wölten, von
denen wirt mans 'auch annemen.
Es werden auch ernannte meine herrn, die verordneten sampt
dem Stattschreiber, von nechstkomenden montag über acht tag, das
ÜberÜDgeu. 499
ist montag nach jubilate, uf dem rathhauß das erst mal bei ainander
sitzen und den vierthein und thailn nach diser statt burger und ein-
woner, gaisthch und weltlich alhie nachainander, wie es die zeit er-
leiden mag, für sich beschicken und von ainem jeden gelegenhait
seines Vermögens, reichtumb und armut bei obberüerten aidspflichten
einnemen und empfachen, derhalben sich ain jedes hiezwischen sol-
licher zeit zur beraitschaft schicken und gefast machen soll und mag.
Das will sich ain ersamer rath zu ainem jeden neben dem, das
es gemainer christenhait, teutscher nation, seinem aigen vatterland
und ime selbs zä wolfart und gutem erschiessen thüt, zu geschechen
unverwaigert und endtlich verlassen, und auch ain gepürender ernst-
licher straff der übertretter, wie oblaut, niemandts verschonen. Dar-
nach soll sich ain jeder zu gerichten uiid vor nachthail und schaden
zu bewahren wissen.
Actum und mit räthen und richtern also beschlossen zinstag post
quasimodigeniti anno 1557.
Ordnung der hochzeiten und schenkinen, wie
es mit ladung, anzal der personen und tisch, auch
gaaben zur hochzeit, deßgleichen den offen und
beschlossen hochzeiten, und sonst von sollicher
Sachen wegen in deß hailigen römischen reichs stat
Überlingen gehalten werden soU.^
Nachdem in haltung der hochzeiten, deßgleichen schenkinen,
auch laden und berüffen zur hochzeit und sonst in mererlei weg grosser
mißbrauch, Überfluß und unmessigkait eingerissen, dardurch je ains
das ander zä nachtail und schaden gefüert, so haben meine herren,
burgermaister, auch klain und groß räth und richter diser deß heiligen
reichs stat Uberiingen, auß beweglichen und billichen Ursachen, wie
sie in kraft ires obligenden ampts zu thün schuldig, sonderlich aber
zu abstellung söllicher unmessigkait, prachts und unnötigen Überfluß,
damit gott der allmechtig ganz hochlich erzürnt wirdt, dise hernach-
geschribne Ordnung armen und reichen zu nutz und fürstand gesetzt
und fürgenommen, wollen, mainen und gepieten auch ganz ernstlich,
daß söUiche Ordnung in allen puncten und artickeln von meniglichem
in diser statt, er sei burger oder michimann, hochs oder nider standts,
bei darauf gesetzter peen stracks gehalten und volnzogen werden.
Erstens soll ain jeder, er sei auß dem lewen, burger, einwoner,
oder michimann, reich oder arm, hochs oder nider Stands, wann er
1W9
Januar 7.
i Von vorstehender cHochzeitaordnnng» sind noch mehrere gedrackte und
geschriebene £xemplaro in Buchform vorhanden. St.A. Abt. VIII.
82*
Überlmgen.
hochzeit haben oder zö kirchen geen will, acht tag vor soUiehem
kirchgang sich bei den stüblinsherren, so jeder zeit tin ampi sein
werden, anzaigen und vor inen selbs personlich erscheinen, aocli
dise Ordnung und Satzung von inen begeren und zu banden nemmen,
Und im fal, do ainer gemeldten stüblinsherren nit bekandt were, inen,
den stüblinsherren, bei guten trewen an aids stat angloben, daß
weder er noch sein haLißfraw, zii der er sich verheural, ainichen herren
mit der leibaigenschaft nit verwandt, noch zügethan seien. Welcher
nim sölliche gliibd volnfürt, dem soll ditz Ordnung und hochzeitzedel
zugestellt werden, Wa aber ainer gehörter gestalt nit angloben möchte,
ao soll er von gedachten stüblinsherren sonst in gliibd genommen
werden, daß er und sein weib, so sie änderst ir wonung alhie haben
wölleUj, ir sach der leibaigenschaft halben in aineni monat, dem
nechsten, vor ainein ersamen rath außt ragen. Im fal aber ainer
solliches innerhalb berürt.3 monats auch nil thäle, will ime ain er-
sanier rath hiemit vurbehalten haben^ gegen dem oder denselben imge-
horsamen dannzümal gepürende straff fürzünemmen, wie sie für giit
ansehen würdet. Doch so sollen sollicher glübd der leibaigenschaft
halben ußgenomnien und dieselb zu thün nit schuldig sein alle die»
so den stüblinsherren als eingesessne oder geporne burger oder sonst
dermassen bekandt sein, daß sie die stüblinsherren ausserhalb arg*
wons oder zweiteis für sich selbs guten bericht und Wissens haben,
daß dieselben personen und iro liaußfrawen zu denen sie sich ver-
heirate niemandt mit der leibaigenschaft zügethan.
Zum andern, so soll nun hinfüro niemandts mehr alhie, er sei
auß dem lewen oder von burgern, so ain offen hochzeit halten will,
(welches dann ainem ieden züthün zugelassen) nit lenger hochzeit
halten, dann allain ainen tag, und zu zwaien malen, als nämlich
gleich auf den kirchgang den imbis und volgendts das nachtessen.
Aber an dem andern tag und sonst weiter hernach soll gar dhain mal
mehr gegeben, noch iemandts anderer lenger dann am ersten tag
der hochzeit gespeißt werden. Doch so sein in disem articul die
frembden gösst, die usserhalb gemainer stat Überlingen und deß spitals
gerichten gesessen, so auf die hochzeit geladen, ußgenommen, also,
daß sie diser articul nit bindet. Darneben soll auch dem breütigam
und hochzeiterin vergunt und zugelassen sein, am andern tag, der
nachhochzeit, widerumb zwen tisch mit personen von mannen, weibern,
gesellen und junkfrawen, die inen hierzu gelegen, aber nit mehr noch
weiter zu haben. Deßgleichen an sollichem andern tag ain nachtanz,
iedoch denselbigen nachtanz an dhainem andern orth, denn allain
in der behausung oder herberg, darinn deß vorgeenden tags die recht
Überlingen. 501
hochzeit gewesst, oder in dem quartierhauß, darinn der breütigam
ordenlicher weise gehörig ist, zö halten. Es soll auch an erstberürter
nachhochzeit dhainer lenger nit, dann bis vesperzeit, tanzen oder bis
es drei uhrn geschlagen hat. Aber am ersten hochzeittag soll und
mag ain ieder auf der Gröd oder sonst, deßgleichen auch, wie lang
er will, zu tanzen freien platz haben.
Zum dritten soll auch niemandts alhie zu dhainer offnen hoch-
zeit nit mehr personen von mannen, frawen, gewachsnen gesellen
und gewachsnen junkfrawen haben noch laden, dann acht tisch und
ain tisch mit kindern, und zu jedem derselben tisch allain und be-
sonder nit mehr dann acht personen setzen; jedoch sollen hierinncn
abermals frembde gösst, so usserhalb und nit in gemainer statt oder
deß spitals gerichten gesessen, außgeschlossen sein, also, daß man
derselben über die vorbestimbten anzal nach aines jeden gelegenhait
wol haben und laden mag.
Zum vierdten ist ainem breütigam und seiner hochzeiterin, so
ain offen hochzeit (wie oblaut) haben wollen, zugelassen, am nechsten
abendt vor irem kirchgang zwen tisch mit personen, nemlich von
mannen, weibern, gesellen und junkfrawen, die inen usser denselben
am gelegnesten, aber nit über berürte zal der zwaier tisch zu laden;
doch frembde gösst, wie oblaut, abermals hindan gesetzt, deren ain
jeder, sovil er will, wol laden und setzen mag. Wölt oder würd aber
jemandts, der burger ist, ain beschlossen und dhain offen hochzeit
haben und halten, so soll die hochzeit abermals nit lenger weren,
dann allain ain tag und zu zwaien malen; und zu derselben be-
schlossnen hochzeit nit mehr geladen werden, dann vier tisch mit
personen und ain tisch mit kindern, aber wol minder und nit darüber;
und man zu jedem tisch auch nit mehr, dann acht personen setzen;
jedoch sollen hierinnen gleichsfals frembde gösst (wie hievor steet)
ausgeschlossen sein. Aber der breütigam, so ain solliche beschlossne
hochzeit fürnimmt, der soll weder mit pfeifen noch trummen, sonder
allain mit ainer geigen, lauten oder dergleichen saitenspiel zu kirchen
geen, sich aber sonst aller lautbarn instrumenten, auch umbziehen
in der statt müssigen und enthalten.
Welcher aber jetzgehörter massen ain beschlossen hochzeit halten
thut, der soll am nechsten abendt vor dem kürchgang nit mehr dann
ain tisch, deßgleichen zu der nachhochzeit auch nur ain tisch mit
personen, nämlich von mannen, weibern, geselln. oder junkfrawen,
wie ime gelegen, aber nit darüber, und sonst gar niemandts anderer,
darbei haben noch speisen; auch an demselben nachhochzeittag an
dhainem andere ort, dann alda die hochzeit gewest, oder dahin der
§02 Überlmgen*
breütigam gehörig ist, auch nit lenger, dann bis vesperzeii oder m
drei uhrn tanzen, üheral in dhainerlai weise. Doch wideniot frembdc*
leüt hierinnen, wie in obsteendem arlickeU ußgeschlossen.
Ferrer und zum fünften, so ainer obgelauter massen ain offen
oder beschlossen hochj^eit haben will, der soll zit ainer jeden malEeil
nit mehr dann vier trachten oder richten und darzu ain käß geben,
wie er will und ine für gut ansieht
Zum sechszten, soll man zu dhainer hochzeit nit mehr truch^
sässen noch tischdiener haben, dann daß sich allwegeu zu zwaiea
tischen drei diener gepüren.
Und damit nun meniglich wissen und versteen mög. was der
imderschaid zwischen offen und beschlossnen hochzeiten sei, so soll
meniglich erstlich und zum vordersten das für die offnen hochzoilen
haben, wissen und erkennen, nämlich: welcher breütigam öffentlich
mit pfeifen und trummen, oder ainem andern spil zu kürchen an das
spat anipt in obcrn chor geet, ime auch ain anipt mit schillern singen
laßt; deßgleichen ain offne schenki und ain offnen tanz auf der Gred
hell etc. Herwideram aber, welcher sich'herunden in der kürchen
zur aullfürung oder anderer orten eelichen laßt, das soll ain be-
gchloßne hochzeit baissen und sein.
Doch ist hierin fürnemlich gesetzt, welcher breütigam dhain ge*
porner burger» noch in das burgrecht alhie aufgenommen worden ist,
dem soll dhain offne hochzeit gestattet noch zugelassen werden, nucli
auch iro dhainer mit pfeifen und trummen zö kürchen und straß aW
sunst in der statt umbgeen, aber ain geigen, lauten oder dergleichen
instrumenta mag ain jeder, soferr er dero nit entperen will, dieselben
auch, wie der burger halben, als oblaut, gesetzt ist, wol gebrauchen;
jedoch sich aber sonst ain jeder der beschloßnen hochzeit settigen
und benügen lassen.
Und wiewol bißher breüchlich geweßt, wann jemandts ain offen-
liehe hochzeit gehalten hat und an das spat ampt in den obern eher
gegangen ist, daß man dem latinischen schülmaister, deßgleichen dem
priester, so die eeleüth eingefürt, item dem mößmer und seinem
knecht, auch Organisten und orgeltretter bei der hochzeit das mal und
den schulern, so das ampt gesungen, ain morgensuppen auch anders
darzu gegeben, so soll doch aber sollicher eingerißner brauch genz-
lich aufgebebt und hinfürter bei meniglichem abgestellt und ver-
botten sein, dergestalt und also: welcher breütigam ime an ainer
offnen hochzeit ain ampt singen laßt, der soll gedachtem schülmaister,
deßgleichen dem priester jedem in sonders sechs creutzer, item dem
mößmer und seinem knecht beeden sammentlich auch sechs creutzer,
Überlingen. 508
item dem Organist und orgeltretter auch beeden sammentlich sechs
creutzer und nit mehr für sölliche hochzeitmäler, und dann den
schulern, so das ampt gesungen, für die morgensuppen zween Schilling
Pfenning geben und bezalen, die auch ir jeder unverwägert zu be-
nügen darfür annemmen.
Dann zum sibendten, so ist der schenkinen und gaabeten halben
vatter und mütter, brüedern und Schwestern, schweher und schwiger,
anherren und anfrawen, auch allen frembden und außlendischen in
diser Ordnung vorbehalten und zugelassen, daß ain jedes wol seiner
gelegenhait nach gaaben oder schenken und sölliches der breütigam
und die hochzeiterin annemmen mag; item, die in der freundtschaft,
deßgleichen vögt und pfleger, das par ain goldguldin oder thaler,
welches es will, aber nit mehr. Die andern aber, so ausserhalb der
freundtschaft, ain ainige person weiter nit dann ain ort ains guldins
und ain par eeleut ain halben guldin wol minder, aber doch nit mehr.
Doch sollen dieselben personen, so nit in der freundtschaft, sonder
von göter nachperschaft wegen auf die hochzeit geladen, nit mehr
dann allain zu dem ersten imbiß nach dem kürchgang geen; aber
zu dem nachtessen, deßgleichen am nachhochzeittag, anhaimsch pleiben
und rüewig sein.
Zum achten soll auch weder breütigam oder hochzeiterin,
schweher, schwiger, freundt noch jemandts anderer alhie den andern,
weder vor noch nach der hochzeit, mit ainicher schenkin, wie die
namen haben mag, es sei mit klaider, tüch, hemder, schüch, gelt
oder geltswert, von der hochzeit wegen nit begaben, noch vereeren
dhains wegs.
Zum neunten soll hinfürter niemandts mehr am hochzeittag
oder sonst hernach usser ursach der hochzeit seinen pfenning mit
ainander zeren, sonder ain jeder rüewig sein, dann es der mäler
halben bei obgesetzter Ordnung stracks besteen und beleiben.
Fürnemblich aber soll das hochzeitbad, item morgensuppen und
ander gekocht vor dem kirchgang, deßgleichen mähel und ansingwein
genzlich abgethon und aufgebebt sein und dero dhains mehr geübt
noch gehalten werden; doch ist dem breütigam unbenommen, daß er
für sein person allain und one ainichen anhang in das bad geen;
er mag auch morgens am nachhochzeittag nach dem beischlaff zu
ainem tisch wol ain platten mit weinwarm machen und aufsetzen
lassen, aber nit mehr. Darbei es auch also, onangesehen, es seien
vil oder wenig personen zu dem weinwarm vorhanden, pleiben, und
mehrer weinwarm weder von freundtschaft noch liebe wegen nit
gekocht noch aufgesetzt werden soll, in dhainen weg.
Überlingeo. 505
übertrette^, den stüblinsherren, so jederzeit in der Verwaltung sein,
gegeben und bezalt werden.
Zum beschluß. Damit ditz Ordnung und Satzung dester steifer
und unzerbrochenlicher gehalten und volnzogen werd, so soll ain
jeder breitigam innerhalb acht tagen, den nächsten nach seiner hoch-
zeit, in das stüblin kommen und dise Ordnung widerumb antwurten;
daneben aber und mit ime die personen, so ime die hochzeit ge-
halten, es seien vatter, mütter, schweher, schwiger, vögt und pfleger,
oder ander gleichsfals vor den stüblinsherren erscheinen und den-
selben bei iren trewen an ains geschwornen aids stat angloben, ob
sie ains erbaren raths Ordnung nach außweisung der artickel, hieoben
bestimbt, volnzogen und gehalten haben oder nit. Wa dann schon
die eltem, als schweher und schwiher, oder vögt und pfleger, die
hochzeit auf gleichen kosten mit ainandern gehalten, sollen bede thail
sampt dem breitigam obgehörter massen anzüloben schuldig sein.
So dann der breitigam hierin seümig erschine, also daß er
dise Ordnung vor der hochzeit in acht tagen in dem stüblin nit
nemme, noch nach der hochzeit in acht tagen dieselbig wider hinein
gebe; oder aber, daß er, der breitigam, und die, so ime die hochzeit,
wie oben verlaut, gehalten, nit angloben möchten, daß sie der Ord-
nung gelebt hetten, der jetweder, er sei von burgern oder michimann,
reich oder arm, soll umb jedes überfaren die vorgeschriben peen
der zehen pfund pfenning, auch innerhalb vierzehen tagen, zu be-
zalen verfallen sein.
Darnach soll sich meniglich gerichten und vor nachtail zu be-
waren wissen.
Actum sambstags nach trium regum
Anno etc. 1559.
Erstmessen und gaistliche hochzeiten.* ißse
Und wie es hieoben der weltlichen hochzeiten halben nach lengs
gesetzt und geordnet ist, also soll es auch hinfürter mit den ersten
messen und gaistlichen hochzeiten in manns- und frawenclöster alhie
in allweg durchauß (ohnangesehen, wo solliche hochzeiten und vest-
essen — in gottsheusern, oder bei den würtschaften — gespeiset) ge-
halten werden, dergestalt, das man zu kainer ersten meß oder gaist-
lichen hochzeit niemand anderer, doch die ordenspersonen und laien-
priester ausgeschlossen, dann allain diejenigen, so sollicher newer
angenden ordens- oder gaistlichen person zu den dritten kindern und
^ Dieser und die folgenden Absfttze sind nur in den geschriebenen Exem-
plaren der «Hochzeitsordnung» enthalten.
Mai 2.
&(MJ ^^^^^^^^^"^ Überlingen.
noch neher verwandt oder zugethon, sie seien haimbsch oder frerabl
und darzü noch zwen tisch von mans- und trawenpersonenj so nit
sonach verwand* oder gar ausser der freiindtschaft sein, von guter
nachbarschaft wiegen soll und mag.
Und welche gaistliche person also ir erste meß oder fest; es
sei in clestern oder würtsheusern haben und halten will, die soll
auch acht tag darvor ditz Ordnung bei den stüblinsherm ervordeni ]
und nemen, auch darnach dieselben vor ausgang acht tag, den necbsten,
wider in das stüblin Ufern und antwurlen und bei irn ordenspHicbten,
würden und trewen ermelten gttiblinsherrn anzaigung thün, das si€
sich obgeset5£ter ordtumg mit ladung der personen, deßgleichen haltung
der nieler, auch gaabeten und scbenkin und sonst in all ander weg,
wie hieoben der weltliche» hochzeiten halben nach aller lengst be^
griffen und geschriben ist, aller ding gleichfermig und gemeß gehalten
haben, alles und jedes bei Vermeidung darauf gesetzten peen und
straff der zehen pfundt pfeuing, welche die iibertretter und ungehor-
samen gleichfahls zu bezalen verfallen sein und von den stCiblioff-
herren unableßlich ervnrderl und eingezogen werden sollen. Darnach
soll sich meniglich zu richten und vor nacbthail zu bew^aren wissea..
Actum die veneris post dominicam jubilate anno 1586,
U7fl Es ist von meinen herreu grossen und klainen räthcn ferner
jÄiiimr «6. ^^g^^j, sondern darzfj bew^egenden Ursachen errathen und w^ellen, das
nun hinfüro aiu jeder, so hochzeit halten will, nit merer dann zweii
tisch über seine nechi^te verw^andten und freundt berüefen und latien
solle, darunder die junkfrawen und ledigen gesellen auch gemaint
und verstanden werden sollen, bei straff ain pfundt pfening.
Actum mentag vor liechtmeß anno 1579,
1587 Freitags nach judica anno 1587.
^^ ' An heut hat sich ain erbarer rath entschlossen, der hochzeit-
ordnung anzuhenken, das fürohin kain burger mer dann acht, und
ain michimann fünf tisch mit leuten von mann, frawen, jungen ge-
sellen und junkfrawen, darzü von der nachbarschaft nit mer dann
die zwen nechsten an der seilen beruoffen und laden, darunder aber
sollen die fremden geladnen personen nit gemaindt oder verstanden
werden, bei straff fünf pfundt pfening.
Aprü\ Montag nach quasimodo anno 1587
ist errathen, der hochzeitordnung auch anzehenken, das bei den
gaabhochzeiten jedermeniglich sich mit derselben gaab der alten Ord-
nung gemeß verhalten solle; da es aber zaalhochzeiten sein, soll
Überlingen. 507
rterhin nit mehr, wie bißhär beschehen, zfir gaab ufgestellt werden,
10 und dergleichen soll es auch mit den ersten messen und ein-
ileissen der Ordenspersonen gehalten werden.
Ordnung, wie es hinfürter mit den gastungen,
einstricken oder göttigelt, deßgleichen beseheten,
ersten messen und wierten in allweg gehalten
werden soll.
Dieweil in hernachvolgenden articlen grosse Übermas erstlich
, haltung der gastungen, gotti- und einstrickgelt, deßgleichen ersten
ssen, beseheten, auch wierten und gastgeben merkliche unord-
ig gehalten worden in dem, das ir ainer den andern dardurch zu
laden und gleicher bemüehung und uncosten gebracht, welches
5S aber allain zu überflus und gottes deß allmechtigen bevelch
vider geüept und in Übung gebracht worden ist, nachdem aber
( alles gott dem allmechtigen misfällig, so ist zu abstellung des-
ben durch dise christenliche oberkait alhie hernachvolgende ord-
ig bei daruff gesetzten peenen streng zu halten angesehen und für-
Lommen worden. Namblich:
Erstens, welcher nun hinfüro jemands, es si ime verwandt oder
, in seiner behausung oder anderswo alhie zu gast haben und ime
' beweisen will, der soll uf ain malzeit, solang dieselbig weret,
mer dann vier trachten und letstlich ain käß, so gut es ainer dann
nal hat, und er bekommen mag, aber nit darüber, geben und uf-
zen, bei straf 10 S /5?.
Zum andern soll hinfüro niemands mer zu dem sacrament deß
iligen taufs nit mer dann ain oder zwen taufgötti und ain tauf-
ten nemmen und erbitten, noch auch dieselben taufgötti oder gotten
hrers oder weiters einstricken, dann ir jedes allein zwen batzen
i darüber nit, aber wol minder, welchs zö ains jeden gelegenhait
et. Es sollen auch die gotten weiter dhaine gottenhembder oder
1er dergleichen schenkinen geben, überall dhains weegs, bei bus
I /5^, die der geber und nemmer verfallen sein.
Beseheten in kindbötten.
Zum dritten, wollen meine herrn die beseheten der kindbötterin
mands abgestrickt noch verpotten haben; doch soll ain jede kind-
:terin zu dergleichen beseheten nit über ain tisch mit frawen halten,
:h gar dhain ander essen, weder warm noch kalt, sulz noch kalt
>teß, dann allain wein, brot und käß, und ob aine will, gebachne
rflädlin, aber sunst gar nichzit anders geben, bei straff 3 fg ^.
t!b«rlingeii.
Erst me^ssen,
Gleichsfals und zum vierdten soll es mit den ersten messen,
wie der hochzeiten halben geordnet und gesetzt ist., gehalten werden,
nambiich dergestalt, welcher künfiigclich sein erste meß singen und
halten will^ der mag zu der malzeil acht tisch und nit mer, aber
minder, benioffen und laden, auch an ain jeden derselben tisch achl
Personen und nit darüber setzen und ordnen; es sollen und mogm
auch alßdann solliche geladne personen schenken und gaaben, wie
hioben den eitern und geschwistergit, deßgleichen anderer freund«
vögt und pfleger nnd deren, so usserhalb der freundtschaft seift,
gesetzt und geschriben ist.
Herrnwiert und gastgeben.
Zum fünften sollen hinfüro die herrwiert und gastgeben alßp |
uf ain malzeit weder zu imhis, noch zn nacht, nit mer dann vier
trachten oder richten, darzft auch ain käß, geben und xihei^^en, auch '
die göst mit bezalung der mäJer jederzeit leidenlich und zimblich
halten; doch graven, herrn und vom adel hierinnen ußgeschlossen,
wo dieselben etwas mehrers und weiters t>egern, dann hieoben von
trachten gesetzt, gegen denen wissen sich die herrnwiert und gast-
geber nach ains jeden stand, wesen. mit fürstölhmg mehren trachten.
auch besserm speis und trank der gebür zu erzaigen, darinnen ineu
dann nit mas gegeben sein. Doch sollen sich die herrnwiert imd
gastgeben sauberer und Instiger trinkgeschirr, schissleUj thäller, tisch-
tüecher und zweheln befleissen.
Welcher oder welches nun der obgesetzten artickel ainen oder
mer verbrechen und nit halten wQrd, der jeder oder jedes soll umb
zehen ^ Si in münz unabießlich gestraft, auch die peen, so die über-
faren würt, in vierzehen tagen j den nechsten nach dem übe rt retten,
den stüblinsherrn, so jederzeit in der Verwaltung sein^ gegeben und
bezallt werden.
um
JiiDunr 20.
Ordnung der hocb^eiten und gastungen, wie es
in ains ersammen raths» und deß gotzhaus spital
zu Überlingen gerichten, deßgleichen mit deii
vvierten uf dem fand der mäler halben hinfürter
gehalten werden soll.
Dieweil meine herrn, burgermaister und rath deß hailigen reichs
statt Überlingen, uß christenlichem eingepflanztem eifer und bevolhnem
ampt zu abstellung deß eingerisnen mißbrauchs, überflus und un-
Überlingen. 509
messigkait, so sich bißher in haltung der hochzeiten und gastungen
zugetragen, in irer statt sunderbare Satzungen ußgeen, dieselben auch
gemainer irer burgerschaft und einwonern durch schrift und offen-
lich publicieren und verkünden lassen; so haben sie demnach irn
und ires spittals hindersässen, zügehörigen und gerichtsverwandten
uf dem land, die weil sich hierinnen bei inen in mererlai weeg biß
daher auch nit geringer Überfluß (welcher doch in allweg gott dem
allmechtigen und seinen gepotten zuwider ist) erschaint hatt, zu
güttem ditz hernachvolgend Ordnung fürgenommen und dieselben irn
und ires gotzhaus spittals vögten, amptleuten und Verwaltern in ir
jedes amptsverwaltung, deßgleichen irn hindersässen, underthonen
und gerichtsverwandten zu halten bevolhen. Es ist auch alles ains
ersamen raths ernstlich bevelch, das derselben bei daruf gesetzter
peen in allweg stracks gelept und nachgegangen werd.
Erstens soll nun hinfüro niemands mer in gemainer statt Über-
lingen und deß gotzhaus spittals gerichten (unangesehen, er sei wer
er wolle) nit lenger hochzeit haben noch halten, dann allein ainen
tag und zu zwaien malen, als namblich gleich uf den kürchgang das
imbis und volgends das nachtessen, aber an dem andern tag und sunst
weiter hernach soll gar dhain mal mer gegeben, noch jemands anderer
lenger dann am hochzeittag gespeißt werden, doch sein in disem
fahl frömbd göst ußgeschlossen. Es soll und mag auch ain jeder
breutigam und hochzeiterin am andern tag, der nachhochzeit, woll
widerumb zwen tisch, namblich sechzehen personen, es seien mann,
frawen, gesellen oder junkfrawen, zu gast haben, aber nit mer, sunder
weil minder, jedoch abermals die frembden (wie oblaut) ußgeschlossen.
Zum andern soll auch niemands in ains erbarn raths und deß
spittals gerichten zö dhainer hochzeit mer personen, es sei von
mannen, frawen, gewachßnen gesellen und gewachßnen junkfrawen
haben und laden, dann 64 personen, und nit darüber, aber woll under;
doch sollen hierinnen abermals frembde göst ußgeschlossen sein, allso
das man derselben über die vorbestimpten anzal nach ains jeden ge-
legenhait woll haben und laden mag.
Welcher nun also in den gerichten vorgelauter weise ain hochzeit
haben und halten will, der soll zu ainer jeden malzeit nit mer dann
vier trachten oder richten und darzü ainen käß, aber nit darüber
nit mehrers geben.
Gleichermassen soll es auch mit der kürchweihinen, gastungen
und den wierten in obermelter meiner herrn und deß spittals gerichten
gehalten werden, namblich das nun hinfüro niemands uf dhainer
kürchweihin oder gastung, noch auch dhain wiert in den gerichten
zu ainer jeden malzeii, onang tischen, die göst seien frembd oder
hainibsth, nit iiier dann vier traclUeii oder richten und darzü ainee
kliß geben und uf setzen, bei hernachgeineUer straff, doch graven,
herrn und vom adel hierinnen ußgeschlussen. Wo dieselben etwas
mehrers und weiters begern, dami hieoben von trachten gesetzt, gegee
denen waißt sich ain jeder wiert ul dem iand nach aines jeden stand
und wesen mit fürstellung mehrerer trachten, auch bessern speis
und trank der gebiir nach zu erzaigen, sunst aber gegen andern äoU
es in all weg bei den vier trachten oder essen und dem kä0 pleibeitt
Zum dritten, so ist der schenkin und gaabeten halben, vatter
und mütter, brüedern und schwöstern, seh weher und schwiger, M
und ana, auch allen frembden und ußlendischen, so nit in den ge-
richten gesessen, vor bell allen und unbenommen, das ain jedes woU
seiner gelegenhail nach giiaben oder schenken, und solches der breu^
tigara und hoch2eilerin annemmen mag. Item, die in der freundt-
Schaft, deßgleichen vögt und pfleger, sollen das par zu zweien malen
nit mer dann zwelf balzen und ain ainzechtige person sechs hatten,
nit mer, aber woll minder, gaaben.
Die andern aber; so usserhalb der freundtschaft, ain ainigf
person drei batzen und das par sechs balzen, auch nit mer, aber
woll (wie vorsteet) minder, doch sollen dieselben personen, so nii
in der freundtschaft, sunder gfitter nachperschaft oder willens wegen
uf die hochzeit geladen, nit mer dann allein zu dem ersteji imbis
nach dem kiirchgang gehn, aber zu dem nachlessen, deßgleichen am
nachhochzeittag, anhaims pleiben und rüewig sein.
Sonst aber und zum beschlufl, so lassen meine herm, ain er-
samer rath, der andern schenkinen halben in im und deß gotzhaus
spitals gerichten uf dem Iand jedermeniglichen zu, das man uiDem
breutigam, wie von alter her, woll schenken mag, doch soll sich m
jeder in denselben erbar und beschaidenlich, auch fridlich und freundt-
lieh und wie sich den ehin gemeß gezimpt und gehurt, erzaigen und
halten.
Welcher oder welches nun der obgesetzten artickel ainen oder
mer, es sei mit haltung der hochzeitenj gaslungen, kurchweihineiip
oder aber die wiert uf dem Iand in im hörbergen mit fürsetzung
merer trachten und essen, wie oblaut, verprechen und nit halten würd,
deren jeder oder jedes soll umb zehen pfund pfening unabloßhch
gestrafft, auch die peen durch ains ersamen raths und des spitals
vogt und amptleut von den überfarern ervordert und eingezogea
werden.
Überlingen. 511
Und damit aber ditz Ordnung und Satzung dester bestendiger
und unzerbrochen gehalten, auch die übertretter gestraft werden, so
soll ain jeder den andern, so sollichem allem in ainem oder mer
puneten nit gelept hat, seinen vogt oder amptman zu rüegen und an-
zügeben schuldig sein, bei straff drew pfund pfening, welche derjenig,
so solliche wissenthafte übertrettung obberürter artickel seinem vogt
oder amptman, darunder er gesessen, nit gerüegt oder angezaigt hette,
one alles mittel zu peen verfallen sein; darnach soll sich meniglich
gerichten und vor nachtail zu bewaren wissen.
Actum freitags, sant Sebastians, deß hailigen martirers tag
anno 1559.
Schwäbischen kraißabschids und Ordnung von ^^^
j j j i_ 1 1,1., Januar 11.
wegen der gardenden herrnlosen knechten, auch
bettler und andern unnützen gesinds.
Nachdem die stend dises hochloblichen schwäbischen kraiß uf
jüngstem kräißtag, so den sechsundzwainzigisten tag novembris deß
nechstverschinen neunundfünfzigisten jars zu Ulm gehalten worden,
uß angebornem fürstlichem und vätterlichem gemüet under andern
hochermelts schwabischen kreiß beschwerden zuvorderst für äugen
genommen, wie nunmer ain Zeitlang durch die herrnlosen gardenden
knecht der gemain mann, auch wittwen und waisen dises kraiß uf
dem land, der sonderlich zu diser theuren zeit mit seinen kindern
selber hunger leiden muß, mit abnemmung seines blutigen schwaiß,
deßgleichen auch sonst in all ander weg unangesehen ir, der armen
ieuth, unvermoglichait zum höchsten beschwerdt und überloffen
werden.
Und wiewol ain solliches alles deß hochverpeenten ußgekündten
kaiserlichen landtfridens, auch vervolgten reichs- und kraißabschiden
zum allerhöchsten verpotten;
und dann, dieweil an wirklicher execution erstangeregter con-
stitutionibus allerlai mangel erscheinen, dargegen sich aber die überlag
und beschwerd der herrenlosen und gardenden knecht täglichs je
mer häufen will,
so haben sich wolernannte schwäbische kräißstend dem armen
mann, auch wittwen und waisen, deßgleichen aines jeden stand? ge-
richtsverwandten und underthonen uf dem land zu gutem, und damit
sie künftiglich von sollichem übertrang und nachtail verhüet werden
mögen, hernachvolgender Ordnung, dieselben durch disen ganzen
schwäbischen kraiß, und allso ainen jeden stand insonders, in seiner
hohen und nidem gerichtlichen uberkait slrenglirh imd voll kommet)
lieh 2Ü hallen ganz ernstlich verglichen:
Erstlich soll ain jeder underthon, gastgeb und gerichtsvemandter,
oiuHigesehen, er sei hocbs oder niders Stands, ald under wökher
oberkait er gesessen, alle verdachte, umbschwaifende nnd uiihekaiirUe
personen ob den straasscn, in den flecken und herbergen mit boBteni
l^limpf und guter beschaidenhail ansprechen und fragen, woher üie
hieben» vver sie seien, wem sie zustanden, wem sie Eüwullen, und
wobinauü sie wollen etc, mit der Vermeidung, sie, die frembden
und unbeküTinten weiten es inen, den underthonen, in ungölem iiil
vermerki*n, dann solliche ordnnng mit gemainem beschlufl aller stend
dises kraiß beschehen ; so würde es auch inen, den unhekaouten
Personen z(i dhainer gefahr, sonder zu güttem in disen gefahrlichea»
geschwinden nnd unsichern leufen fürgenommeii.
Wo dann auf solliches befragen gütler, unverdächtlicber beschaid
gegeben würde, so sollen es alßdann die vögt, araptleut und uiider
thanen darbei bleiben und die fürziehenden one weiter besprechmig
hinziehen lassen.
Degebe es sich aber, das ut solliche ansprechen die unbekannte
personen bericht zu geben sich gar waigern, oder aber unricbligo
argwönige antwujlen, zu dem in den hörbergen, sonderlich aber iE
den offnen flecken sich gegen abends nit ußziehen, ire gewühr nnd
harnasch nit von sich thun, ire roß über nacht gesattelt stehn^ auch
nit zu bött weisen lassen, oder allain etUch zu bott, die andern
in stallen bei den geilen sich halten würden, so soll allso bald ain
jeder wüert und underthon, bei wölchem solliche leut einziehen oder
underschleuf suchen, bei den pflichten und aiden, damit er meinen
herrn, ainem ersammen rath der statt Überlingen verwandt und zü-
gethon ist, auch in craft obangeregts jüngsten craißabschids, zuvor-
derst aber deß hochverpeenten kaiserlichen landtfridens, schuldig und
verpunden sein, solliches allsobald, und one verzug, so tags, so nachts,
mit allen gütten notwendigen umbstenden, und wieviel die verdachten
personen, ainem vogt anzaigen.
Und im fahl, do es ain gesamelt gesind, nicht ainicherlai klaider,
die auch dhain herrn oder haupt bei inen, uf wölchen sie sich ver-
sprochen, weren verkapt uf den straassen, oder mit gemachten härten
abwegs geritten, Hessen sich auch sonsten verdächtlicher reden oder
trowort vernemmen, die sollen alßbald wol verwart, die stall, darinnen
die roß, verrigelt und verlegt, sie nit hingelassen und allso lang gegen
inen gehandelt, bis die zu haft und sicherhait gepracht werden.
Überlingen. 513
Nachdem aber sollich gesind sich gemainlich der sondern schlupf
und abweg befleißt, auch, da sie sich deren geprauchen, dester eher
für diejenigen, so nit rechte Sachen füeren, zu halten sein, so sollen
in mergemelter meiner herrn gerichten und gepieten durch die under-
thonen alle und jede landtwöhren verrigelt, vergraben, die fürt ver-
schlagen und allso angericht werden, das man bei der gemainen
landtstraß müesse pleiben und die verdachten durch solliche schlupf
nit einfallen könden. Es ist auch allen und ieden diser kraiß ober-
kaiten und herrschaften und underthonen in craft deß raichs- auch
hievoriger und jetzigen kraißabschids vergönnt und zugelassen, das
man sollichen verdächtigen personen von ainer oberkait in die andern
nacheilen und zu haftung pringen mag, zu wölchem dann ain jede
anstossende oberkait, fleck oder statt, ir unverzogenliche hilf mit
dem sturmstraich oder sonst zu beweisen schuldig sein.
Doch so sollen die underthonen, so allso obgehörter gestalt den
verdachten personen nacheilen, die flecken nit gar lehr verlassen,
sondern allain etliche nach gelegenhait deß notfahls ußschicken; die
andern underthonen aber sollen die flecken, thor und straassen ver-
hüeten, und sonderlich aber iallwegen ainer oder zwen reutender
ußgeschickt, auch von ainen flecken zu dem andern warnung gethon
werden, und soll gleich alßbald und von stundan in ainem jeden
flecken insonders Verordnung beschehen, welche und wievil personen
in fahl der not und fürfallender nacheil bei dem flecken pleiben, deß-
gleichen, wölche sich zu der nacheil schicken, und dann wer und
wievil personen zu den abwegen, passen und fürten beschaiden
werden sollen.
Zum andern, damit neben disem allem das garden der herrn-
losen knecht und andern unnützen gesinds in disem kraiß abgestölt
und das gemain arm volk uf dem land diser unlaidenlichen und un-
überschwenklichen beschwerd, sovil immer möglich, entladen werde,
so ist nit allain gemainer deß löblichen schwäbischen kraiß stend
beschluß, sonder auch meiner herrn, ains ersammen raths ganz ernst-
licher bevelch: wo hinfürter ainicher oder mer knecht, er sei kriegs-
mann oder anderer, uf den garden betretten würd, der oder dieselben
sollen umb irn nammen und von wannen sie seien, angesprochen
werden, und man sie alßdann globen und schwören lassen, sich den
nechsten in ir vatterlandt, sie seien in oder usserhalb dises kraiß
anhaim, zu verfüegen, dhain nacht, do sie die ander gewesen, zu
pleiben, und sich dazwüschen deß gardens gänzlich zu enthalten.
Würde sich aber ainer oder mer solliches gardenden gesinds deß
globen und schwörens, oder anders, wie obgemelt, verwidern oder
Obtrrheluifche Stadireobie. XI, 8. 88
.gif ÜbefHngeo,
spören, oder aber über ir gethone glübdt und geschwomeu aid witti
umbschwaifen, den necbsteu nit aribaims ziehen, sonder
vortfarn imd die armen und<jrlhonen beschweren und ob inen ligen,
die sollen in disem fahl den nechsien eingezogen und der malefitzischea
obexkait liberantwurt werden.
Es sollen auch die underthonen nieraandtSj weder reich noch arm»
sollichen gardenden und herrnlosen knechten, auch anderm unnützen
unibschwaifenden gesind nichzit nier, weder wenig noch vil, klains
noch groß, geben, auch dasjeiüg, so sie ergardet und den armen leuten
abgetrungen, von inen weder umb gelt, geltswerung, oder zörung
kainswegs nemraen, noch sie darumben beherbergen, sonder sie in
irem durchzug bei den ordenlichen würtschaften zeren lassen, auch
den nechsten hinweg in ir vatterland, und, do sie anhaims, zu ziehen
ermanen und weisen, auch, das sie demselben geleben und nach-
kommen wollen, angloben und schwören lassen.
Gleichsfals sollen es die underthonen gegen den ssigeuneni,
starken betüern und landtfarern nit weniger, dann nechst hieobeu
der herrlosen gardenden knecht, auch anderer verdächtigen und ark^
wenigen personen halben nach lengs gesetzt und begriffen ist, in
ttUweg halten, atlso das sie denselben gar dhainen lürschub oder
underschlauf gestalten, noch auch nichzit mer, weder wenig noch
vil, geben, auch dasjenig, so sie erböttlel, und den armen leuten ab*
getrungen, von inen weder umb gelt, geltswerung oder zörung kains-
wegs nemmen, noch sie darumben hehörbergen, sonder sie in irem
durchzug den nechsten hinw^eg in ir vatterland, und do sie anhaims,
zu ziehen ermanen und w*eisen, auch, das sie demselben gelobea
und nachkommen wollen, angioben und schwören lassen.
Zum dritten haben auch merwolernannte schwäbische krais*
stend verabschidet, gesetzt und geordnet, das der stend dieses kraiß
underthonen hinfüro ainander nicht rner vor landt- oder frembden,
sonder vor im ordenlichen gerichten mit recht fürnemmen und be-
clagen sollen, in dem fall aber ainicher underthon, oder ainich uß-
geseßne in gemainen Sachen ainander änderst dann vor irn orden-
lichen, sonder mit frembden gerichten fürgenommen würden, alßdann
soll der citiert oder beclagt sollichs von stund an der oberkait an-
zaigen, damit darauf die rechtvörtigung alßbald bei dem clagenden
underthonen abgestoUt werden mög.
Hierauf und dem allem nach, dieweil sich mein gepietend und
günstig herrn burgermaister und rath deß hailigen romischen reichs
statt Überlingen, als ain statt und mitglied deß schwäbischen hoch-
loblichen kraiß, schuldiglich erkennen, obangeregt gemainnutzig hoch-
Überlingen. 515
notwendig gut werk nit allain in irer statt, sonder auch derselben
und deß gotzhauß spittals nidern gerichtlichen oberkait uf dem land
(wie inen ain solliches der jüngstergangen kraißabschid zu thün auf-
erlegt) zum 'fürderlichisten anzurichten, und allso dardurch nit allain
den reichsabschiden, sonder auch vilermelter gemainer kraißstend
beschluß und Ordnung gepürende gehorsame und volnziehung zu
laisten, so wollen sie ain solliches allen und jeden irn underthonen
hindersässen und gerichts verwandten hiemit offenlich verkündt und
dieselben darbei ganz ernstlich vermanet haben, dem allem, so ob-
steet, tags und nachts in den flecken und uf den Strassen mit ge-
trewem vleiß und ernst, dieweil es unser aller unvermeidenlich not-
turft ervordert, zu geloben und nachzukommen und sich daran nichzit
verhindern zu lassen, alles bei Vermeidung der Ungnaden und straffen,
deßgleichen anderer peenfäll, nit allain dem kaiserlichen landtfriden,
sonder auch den reichs- und kraißabschiden und ußgegangnen publi-
eierten mandaten einverleipt. Darnach wisse sich meniglich zu richten.
Actum den ailften tag januarii anno 60.
Gebott deß gewürms, so man gmainlich die
sticher nennt, deßgleichen von der eich halben. ^i^
Meinen herm ainem ersamen rath ist fürkomen, wie sie auch ^p"^^^-
dasselbig in erfarnhait gebracht, das sich das gewürm, so man ge-
mainlich die sticher nennt, abermals häufend einreisend, dardurch
dem gmainen armen man grossen nachtail und schad zusteen und
begegnen soll, demnach gmainem nutzen, deßgleichen reichen und
armen zu guten, so ist meiner herrn bevelch, das jetzo ain jeder,
er sei burger oder michiman, er buwe reben für sich selbst, zu
gmainden oder nit, nechstkünftigen freitag mit seinem selbstaignen
haußgesind, deßgleichen auch darnach die andern volgenden wochen
biß pfinsten, namblich jede wochen, insonders am freitag und am samp-
stag, in die güeter schicken, und sollich unzübel in angster oder
ander geschier versamlen und verprennen, bei straff ains pfund
pfenings; welcher aber das nit thete, soll ain jeder den andern bei
dem aid zu rüegen schuldig sein. Doch ist kainem unbenomen,
welcher für sich selbst ime zu gutem zu abwendung sollchen vor-
steenden Übels zwischen sollichen tagen in den güetern handien, für-
nemen wollt.
Zum andern, nachdem ain jede christenliche oberkait schuldig
ist, den gmainen nutzen und darbei irer befolchnen burgerschaft,
underthonen, zügewannten wolfart zu befürdern, haben meine herrn
disen mangel befunden, das etwa frembde und ungleiche eichen alher
88»
^1^^^^^^^^^^^^^^^^ Überlingen.
komen, und darnacii die fasser uaertordert rechte eich im weinW
kaufen der burgerschaft alhie gefüllel werden, und demhalbeii dise
Ordnung fürgenoinen, auch dem erbarn handtwerk der kCiefer emsl
lieh bevelch geben; Welcher burger nun hinfiiro wein verkaufen
welle, wenig oder vil, das kain küefer die faß villen solle, er, der
burger, einwoner oder michiman, haben dann zuvor den küefer
ain zaichen oder polliten, was und wievil ime fasser geeichet und
in den keler geantwurt worden seien. Darnach wisse sich ain jeder
burger oder michiman vor nachlhail und schaden eü verhielen;
dann, so ainer oder mehr obsteende artieul überfüeren und dero nit
geleben, würden meine berrn verursacht, weitere und andere straffen
gegen den ungehorsamen fürEÜneraen.
Actum an saut Jergcn, deß hailigen ritters tag anno 60,
Gepott und verpott von den malern, so uf dem
rathhauB nun hinfürler gehalten werden sollen.
nam blich:
Mein gepietenrt und günstig herrn, ain ersamer rath, haben liir
äugen genomen, erwogen und bedacht die vilväUigen geschäfl und
handlungen, damit sie mit täglichen sitzen und rathschlagen uf dem
rathhauß, deßgleichen auch die amptsherrn von irer bevolchnen ämpter
wegen hemüeth werden, dardurch aber das ir anhaimsch verabsäumen
und wenig ergetzlichait (wie dann etwan an andern orten gepreuch
lieh) dargegen einnemen und enipfahen, und dann neben diseni allem
den grossen merklichen uncosten, so mit baltung der mäler auf dem
ralhhauß durch sie, die herrn und ire diener, ganz vilvältiglich und
überflüssig mit schmalz, wein, flaisch und anderm, so zu soUichen
malern von dem spittal reichlich genomen, gepraucht und ufgewendt,
aber dem spittal wenig darfür gegeben worden, anfänglichs ohberüerte
ämpter mit meherm willen und vleiß (onangesehen, das es ain jeder
usser gottes und der oberkait bevelch one das für sich selbst zu thun
schuldig ist) verrichten, auch dieselben zutragen, und desto statt-
licher zu versehen und zu verwalten den fürgesetzten heuptern und
ämptern unbeschwärlicher seien, deßgleichen obangezogen überflüssig-
kait und uncosten (welche zuvorderst [von] gott dem allmechtigen
zum hechsten verpotten) abgestellt, auch der gmain seckel verer damit
nit beschwert werd, so haben wolgenannte meine herrn sollichen
heuptern und ämptern von ainem zu dem andern järliche vererungen
von sollicher ämpter und auch der mäler wegen (die inen nun hin-
fürter uß dem stüblin gegeben werden sollen) geordnet, auch sonst
der mäler halben gesetzt und Ordnung fürgenomen, die selben hin-
fürter zu halten wie hernachvolgt :
Überlingen. 517
Die vererung derhäupter und ämpter betreffend,
beden burgermaistern:
Erstlich soll man nun hinfürter ainem newen burgermaister, so
das ampt tregt, järlichs von gmainer statt wegen zu ainer vererung
und ergetzlichait seiner vilvaltigen mieh und arbait geben fünfzehen
pfund pfening, davon soll er den geschwornen knechten, ' naniblich
rathsknecht und stiblinschreiber, deßgleichen stattpotten die mäler
zö den hochzeitlichen festen nach altem geprauch und herkomen
raichen.
Deßgleichen ainem alten burgermaister auch von gmainer statt
fünf pfund pfening.
Und dann ainem jeden newen und alten burgermaister und
obersten quartierherrn ab dem rathhauß auch nach alter gewonhait
ain bürdin hohen.
Dise accidentalia sein obermelten ämptern anhengig.
Item ainem jeden newen und alten burgermaister, stattaman,
obersten quartierherrn und stattschreiber haben dise gotzheuser von
alterher käß zu gutem jar gegeben:
namblich der comenthur in der Mainow zwen käß;
guardian zä parfuossen ain käß;
apt zu Salmenschweil ain barhopter käß;
pfarherr alhie ain käß;
spittal alhie ain käß.
Und dann, so verert ain comenthur in Sant Johanns oder sein
Statthalter die obgemelten hepter und ämpter jeden insonders aller-
järlichs zu weihenachtzeiten mit ainem guten wagen buochin holz.
Wann und sooft auch obermelte gotzheuser Salmenschweil,
Mainow und Sant Johanns vischen, so thuen sie ainen jeden der ob-
gemelten herrn mit vischen auch vereren.
Sonderlichen aber, *so verert mein herr von Salmenschweil meine
herrn räth und richter järlichs uf das letare mit ainem grossen hecht
und andern guten vischen. Dieselben werden alßdann durch sie,
meine herrn, mit ainandern uf dem rathhauß genossen und verzert.
Und so von gemainer statt oder deß spittals wegen gevischet
würdet, soll man allwegen ainem jeden newen und alten burger-
maister und obersten quartierherrn von ainer jeden gattung visch
ain stuck schicken und sie dieselben besichtigen lassen.
Dann man nun ußgevischet hatt, so soll man alßdann abermaln
ainem newen und alten burgermaister, stattaman und quartierherrn
jeden mit ainem par karpfcn, deßgleichen räth und richter, auch den
518 Überlingen,
slattschreiber, jeden mit ainein karpfen und dann volgendts hernacher
in der vasten allermassen, wie hieoben geschriben steet, vereren.
Und im fahl, das ain newer oder alter bürge rmaister, staUaman
oder oberster qiiartierherr in der statt an heusern, torgeln, gälten oder
andern dergleichen güetern ichzit xü bau wen Vorhabens oder willens,
so soll ir jedem, so ain solliches ampt tregt, ufl dem graben geprochen
stain gnüg, sovil er dero nottürftig ist, vergebenlich und darzu brälter,
ziegeU ziegelstain und kalch in dem gelt, wie ainem andern burger
gegeben, jedoch aber ir jedem an ainem füder brätter sechs pfeniag.
item an ainem hundert Siegel, ober und under lach, auch sechs
pfening, item an ainer tröchen voll kalch sechs pfening, und dano
an ainem hundert ziegelstain auch sechs pfening zii gut nachgelassen
werden.
Doch ob erstgeraelter ainer usserhalb der statt rinkmaur, es sei
zu Held oder mülinen, ald an ainem garten ichzit von maurvverk bawen
wollt, alßdann soll bei meiner hcrrn, ains ersamen raths, gelegen-
halt seiUj was man dann z&mal ainem sollichen usserhalb der statt
zu mauren zulassen, und wievil ime grabenstain zu demselben uß-
wendigen baw vergebenlirh volgen lassen welle oder nit.
Wellte oder würde aber ain andere raihsperson, deßgleichen
auch ainer deß gerichts innerhalb der statt bawen» dero jedem soll
ain fart mit stain uß dem graben (sover es änderst ainer begert und
dero bedürftig ist), namblich ain fart stain mit ainem roß umb achl
pfening, deßgleichen ain fart mit zwaien roßen umb sechzehen pfening
und nit heher gegeben werden.
Stattaman.
Item ainem herrn statlaman nun hinfürlcr von sins tragenden
ampts wegen usser dem stiblin innamen gmainer statt gegeben werden
fünf pfund pfening und dann järlichs von dem unü)gelt zwai pfund
pfening.
Doch soll er nach altem geprauch und herkomen gewonhait den
gerichtschreibe^", deß stattschreibers Substituten, den pittel und umb-
geltknecht zu den hochzeitlichen vesten die mäler geben.
Spittalpfleger.
Item ainem jeden spittalpfleger, so hinfürter usser der oberkait
bevelch solliche amptsverwaltung tregt, soll von dem gottshauß spittal
zu dem guten jar gegeben und verert werden, namblich zwen gold-
guldin; item für pfeffer und saffran zwai pfund pfening und ains
jeden eelichen haußfrawen ain pfund pfening, mer seinem haußgesind
fünf Schilling pfening, und am hailigen abend ain sauglamb, deß-
Überlingen. 519
gleichen am newen jars abend zwen pfanzellten und ain martins-
gmüeß, auch wann man Dirrenbach vischet, ain new par stiffel, und
dann in der emd ain batzen für badgelt.
Stiblinsherren.
Item ain jeder stiblinßherr, so das ampt tregt, soll hinfürter
iron seinem ampt zu vererung haben und tragen, namblich erstens
iron bertirts ampts wegen drei pfund zehen Schilling pfening; item
sibenzehen Schilling sechs pfening für den wein am sonntag; item
ier steur halben ain pfund pfening; item von machung deß spectavits
ireizehen Schilling pfening; mer von stair anzuschreiben ain pfund
irei Schilling drei pfening; von den kindtspflegschaften ungevarlich
zwai pfund pfening; von umbgelterherrn alle fronfasten zwen Schilling
vier pfening; und ain Schilling zwen pfening, sooft man deß baw-
knechts, kalch- und salzknechts steck und büchsen ußlährt. Es sein
auch sollich, deßgleichen der bawherren ampt alle und jede graben,
rhain, thäm und allmanden, gemainer statt zugeherig, einverleipt,
ioch sollen sie, die bawherrn und stiblinßherrn alle jar järlichs uf
sant Georgen tag umb solliche stattgräben, rhain, thäm und allmanden
durch frei unpartheiische handlung loßen, was dann ainem umb die-
selben das loß gibt, darbei soll ain jeder pleiben und ain jeder aller
järlichs den gepürenden zinß, wie von alter her, davon in das stiblin
richten und antwurten; gleichermassen sollen auch gemelte stiblinß-
herrei; und bawherrn die kelber, so von alter her auch in das baw-
ampt geherig geweßt, und dann allen baw oder mist von den drei
hierten, den erker zu müllinen, blaicher und meßmer zu Sant Lien-
harten, auch zugleich under ainander thailen, allso, das ainem sovil
gils dem andern widerfare; doch sollen sie gemelten hierten und den
ändern personen umb kelber und mist mit parem gelt abtrag thun,
wie dann zumal die schleg sind.
Bawherrn.
Beeden bawherrn samentlich und mitainander sollen in ir ampt
'eherig sein all nuß uf der wiß und gmainen allmanden, und hat
iin jeder darzü aller järlichs von solliches ampts wegen ußcr dem
stiblin zu ainer vererung zwai pfund pfening.
Es sein auch sollichem, deßgleichen der stiblinßherren ampt
lUe und jede graben, rhain, thäm und allmanden gmainer statt zü-
;eherig zu nutzen und zu messen einverleipt; doch sollen sie, die
3awherrn und stiblinßherrn, alle jar järlich uf sant Georgen tag umb
solliche stattgräben, rhain, thäm und allmanden durch freie un-
w»
übe(rHng«ii*
partbeiische handlung loßen, was dann ainem miab dieselben das
loß gibt, darbei soll ain jeder pleiben und aia jeder allerjärlichs deü
gepürlichen zinß davon, wie von alter her in das stiblin richlen und
antwurten.
Gleichermassen sollen auch gemelte stiblinß- und bawherm df
kelber, so von alter her auch in das bawanipt geherig gewest, und
dann allen bav^^ oder mist von den drei hierten, dem erker zu mülliuf'E.
blaicber und meßmer zu Sant Lienbarten auch zugleich under aii'
ander thailen, aüso das ainem sovil aUs dem andern davon wider*
fare; doch sollen sie gemelten bierten und den andern personen ob
vermelt umb kelber und mist mil parem gelt abtrag und bekemii|
Ihüji, was dannzümal die schleg und keuf in allem sein-
Umgelterherrn,
d
Item ain jeder unigelterherr hat von seinem ampL wikim er
stenrt, zwai pfund pfening, und so sie das fron f asiengelt in das stibliQ
überantvvurt, jeder fünf Schilling pfening; wie es aber mit aufhebung
und probierung der gewicht uf den jarmärkten von wegen der under-
trink und ir, der umbgelter auch bawherrn halben, hinfürler gehalten
werden soll, würdet bernaeher under dem tiUel: jarmärkt und uf-
hebung der gericht begrißen,
Ußvögt,
Item ainem jeden ußvogt soll alljärlichs hinfürler für die quart
weiuj so sie alle sampstag, wann sie geamptel, uf dem rathhaufl
gebapt haben, uß dem stiblin gegeben werden ain pfund pfenning.
und dann von dem vogt seiner bevolchnen ußvogtei zehen henneiL
Quartierherren.
Nachdem vor jaren, als die erbarn zünft in haltung und Übung
gew^est, etliche zunftmaister von irem ampt, sonderlich, aber die metzger
und becken von dem bank- und laibenzinß von wegen einziehung^
desselben ain vererung, etliche aber nichts gehapt, welche zinß zum
thail durch die oberkait ufgehept und dardurch solliche vererung
auch gefallen sein, damit aber under den quartierherrn gemainlich
durchgeende gleichait gehalten, so soll man nun hinfürter ainem
jeden quartierherrn von dem gmaine gefeil seins zugeherigen quartier-
hauß für solliche järliche vererung ain pfund pfening und nit mer
gegeben werden.
Überlingen. 521
Hernach volgt die Ordnung, wie es nun hinfürter
mit den malern und undertrinken uf dem rathhauß
gegen herrn und knechten gehalten werden soll.
Meine herm burgermaister und ain ersamer rath haben ußer ob-
angeregten erzelten n<^twendigen Ursachen zä abstellung deß merk-
lichen überflüssigen uncostens, so auf dem rathhauß mit den malern
aofgeloSen, ditz Ordnung fürgenomen, statuiert, gesetzt und wellen,
das nun hinfürter durch das ganz jar uf dem rathhauß nit mer dann
drew ordinär mäler gehalten und durch meine herrn räth und richter
genossen werden sollen,- nämlich das pfingstmal, großmal und
herpstmal.
Doch ob hier zwischen sollicher zeit und den genachperten herrn
underm adel mit wildbrät, vischen oder anderm verert würden, soll
jederzeit meinen herrn bedenken und gelegenhait steen, solliche ver-
erungen mit ainander uf dem rathhauß zu niessen und zu verzeren,
oder aber dasselbig underwegen zu lassen. Wann sich dann solliche
extraordinari mäler zütrüegen, sollen dieselben gleich wie die ob-
angeregten drei ordinari mäler auch uß dem stiblin bezalt werden
und die stiblinßherrn und ir diener zu sollichen malern Verwalter
und verseher sein.
Pfingstmal.
Anfenglichs, wann am pfingstmontag morgens, sobald die frie-
meß uß ist, Ineine herrn, die quartierherrn mitsampt dem stattschreiber,
nach alt herkomen geprauch und gewonhait uf dem rathhauß in deß
rathsknechts stiblin zusamen komen, und volgendts zu erwellung ains
newen und alten burgermaisters zu barfüssen in das reventhal hinauf-
geen wellen, soll man inen zuvor in gemelts rathsknechts stuben
geben und aufsetzen, namblich erstmals ain rüermilch, gut maien-
schmalz darinn und jung grüen zübelen, darbei ain voressen von
einem kalbskopf, kreß, milch und herz, ain gesattle suppen mit flaisch
und spißlin von lämbern, wo man änderst dieselben gehaben mag.
Und so nungemelte quartierherrn und stattschreiber sollich
morgenbrott eingenomen und genossen haben, so gehn sie volgendts
samentlich und mitainander zä grossen räthen hinauf in das reven-
thal und nemen obgemelter beeder hepter halben die freien unver-
bindlichen wähl für. Hierzwischen, weil die wähl deß newen und
alten burgermaisters halben im reventhal gehalten würdet, so komen
beed meine herm new und alt burgermaister, stattaman, die alten
quartierherrn und die herrn räth uß dem lewen in der gerichtsstuben
zusamen und gipt man inen auch die morgensuppen mit der speiß
Überlingen. 523
Nachdem gibt man das gebrattes, namblich erstens uf meins
herm burgermaisters tisch uf ain zini thäller ain zimlichen braten
und drew junge hiener, volgendts uf der vierzehner tisch, namblich
uf jeden insonders in drei zini blatten in ain jede ain zimlich ge-
brattes und darzü zwai junge hiener, allwegen zwai ain hun, und
so gemelte herrn alle speiß mit ainandern genossen haben, steet der
new erweit burgermaister von seinem tisch sampt seiner freundt-
Schaft, so er die änderst allda undern vierzehnern hat, uf und geet
von ainem tisch zu dem andern und bedanket sich gegen den vier
Zehnern; volgendts steen solliche vierzehner auch auf, geet ain jeders
anhaims und nach dem imbis erwehlt ain jeder quartier seinen
newen quartierherm.
Wann nun allso durch new erweit herrn burgermaister sampt
seiner freundtschaft den vierzehnern abgedankt hat, so gehn beede
erweit new und alt burgermaister, stattaman, die räth uß dem lewen,
auch new und alt quartierherm und stattschreiber in die hindern
newen stüben, darinnen würdet von inen der imbis genossen und setzt
man inen uf jeden tisch von trachten für, namblich ain voressen von
köpf, kreß, milch und herz, darnach suppen und flaisch und uf jeden
tisch ain versotten hennen, volgendts den pfeffer, nachdem das ge-
brattes an kelbem und lemern und uf die zwen obern tisch jeden ain
kaponen und zwai junge hiener und uf dem dritten tisch, daran die
alten quartierherm sitzen, drew junge hiener.
Nach ingenommen imbismal, so werden beede herm burger-
maister von der gesellschaft deß lewens zu der schenkin gebetten
und daselbsthin in stattlicher erlicher anzal belaitet; uf soiliches
gehn die quartierherm ain jeder in sein quartierhauß zu den quartiers-
genossen, und erweit uf denselbigen tag je ain quartier nach dem
andem inhalt der Ordnung, so ain stattschreiber bei banden, ainen
newen quartierherm. Wann und sobald nun ain newer quartierherr
erkiest und erweit ist, so soll volgendts der richter und sampt den
zwai obersten dem sitz nach under den vierzehnern oder den zwai
haußpflegera uf das rathhauß komen und den newerwelten quartier-
herm in das quartier füeren; darauf winschen ime die quartiers-
verwandten glück, und Schwert alßbald der quartierherr gmainem
quartier inhalt der vertigung. Nach dem allem schenkt ime das ganz
quartier und füeren ine volgendts nach eern haim.
Deßgleichen obermelts pfingstmontags zu nachts essen r.bermals
uf dem rathhauß an gemeltem ort und stüben beed herrn burgermaister,
stattaman, räth uß dem lewen, new und alt quartierherm, auch die
richter und soll man dannzümal hernachvolgende essen geben : erstlich
524 ^^^^^^^^^^^ ÜherUn^en.
geblot7.et jung hiener, darnach am jüsaeL nach dem das gebrattes.
darzfi «f deß herm burgermaisters tisch neben das gebrattes drew
jung hüener, letsüich aber ain zuckernus and nichzit mehr.
Zu welchem erstberürtem nachtmal geladet werden die drei vegl
Ottendorff, Ramsperg und Hohenbodman, wover änderst die vor
banden dannzümal sind.
Volgendts zum schlafftnmk so setzt man iif ainem jeden tisch
gezfickert erdber, wa solliche züwegen pracht werden raegen.
und geherend zö sollichem ordinari pfingstnial hernachvolgende
dienner, n am blich : stiblinschreiber, stattsch reibers Substitut, ge rieht-
Schreiber, rathsknecht, bittel^ umbgelder, baw-, salz- und kalchknecht,
marktstaler, beed überreutter, brunnenmaister, brunnenknecht, imd
die beed blaser, auch die, so den pfefler kochen, und der stattkarrcr
und bättelvogt; doch sollen jetzernannte dlener erst am Dacii-
tisch essen.
P Pfingstzinstag.
Item am pfingstzinstag zu imbis haben und halten beede stiblinfi-
und bawherren das rechnungnial und niessen. was deß vorgendcn
tags überbliben ist und laden xü sollichem mal beede herrn und
Stattschreiber. Es essen auch dannzCmial alle knecht auf dem raÜi-
häuB^ wie nechsthieoben am pfingstmontag irnthalben gesetzt, usser-
halb beeder blaser und deß staltkarrcrs, die sein dannzümal nit darzü
geherig. Uf den selben tag kompt ain vogt von Ittendorff sampt dem
bitte! von Hagnaw alhcr und übcrantwurten den stiblinBherrn das
erleßt gelt uß dem banwein und nach gethoner rechnung werden sie
beede von den stiblinßherrn zu sollichem imbismal auch gerüefen
und geladen.
Uf erstgemelten zinstag waschen die vier knecht, so den pfeffer
gekochet, alles geschier, thünd es widerumb in den spittal und helfen
inen brunnenmaister, brunnenknecht, dero jedem gibt man von dem
pfeffer zu kochen und dem geschier zu' waschen zu soldung ain Schilling
pfening und verer sie daneben in gmain mit zwaien halben viertel
wein und ain schillingwert brot und nit mer, und hat damit sollich
pfingstmal ain end.
Underred uf ainen herrn stattaman, deßgleichen
der räth uß dem lewen, der alten quartierherrn
und richter halben.
Item an der mittwochen komen die newen quartierherrn uf dem
rathhauß zusamen und haben und halten bemelte quartierherrn uf
Überlingen. 525
groß räth ain underred und wähl ains stattamans, auch der räthen
ii£ dem lewen, der alten quartierherrn und der richter halben, und
gibt man den jetzgemelten quartierherrn desselben tags für die zwai
mäler den batzen und ain halben batzen für badgelt; deßgleichen
den vier knechten, alls stiblinßschreiber, rathsknecht, umbegelter-
knechi und bittel jedem auch sovil als ainem herrn.
Wahl ains herrn stattamans, deßgleichen der
räth uß dem lewen der alten quartierherrn und
richter zu den Barfüssen im reventhal.
Volgends am dornstag darnach, morgens nach der früemeß gehn
obgemelte quartierherrn sampt dem stattschreiber zä grossen räthen
hinauf gehn Barfüssern in das reventhal, allda werden die gedachten
herrn stattaman, räth uß dem lewen, die alten quartierherrn und
richter erwellt.
Guardian zu den Barfüessen.
Dannzümal und sollicher wähl gibt ain guardian zu den Bar-
füessen in dem creutzgang ain gesattlete suppen mit gedignem flaisch
und wein darzu; aber an sollichem tag soll obgemellten quartierherrn
und Stattschreiber, deßgleichen den vier knechten, namblich stiblin-
schreiber, rathsknecht, umbgelterknecht und bittel für die zwai mäler
jedem drei batzen, deßgleichen ain halber batz badgelt gegeben werden.
Verkündung zu dem schwern in der Gred, so
durch den stiblinschreiber und büttel verrichtet
werden soll.
Am Sonnabend Birnower kürchweihin umb sechs uhrn soll ain
stiblinschreiber in der statt herumbreiten und an nachvolgenden
enden und orten, deßgleichen neben ime der geschworen pittel, die
rief thün und jedermeniglich zum schweren, auch anherung der
Stattuten ermanen wie hernach volgt:
Ruof des stüblinschreibers.
Hört, hört, ir arm und reich, es soll morgen meniglichs, so man
die zaichin der alter glocken verleutet, schweren under meinen herrn
burgermaister, stattaman, quartierherrn, räth und richter, nach alter
gewonhait und herkomen bei straff fünf pfund pfening; welcher aber
das nit thün, sonder gevarlicher weise verachten würde, derselbig
frävelt an meniglichs, und niemandts an ime. Darnach wisse sich
ain jeder vor schaden und nachtail zu verbieten.
Überlingen. 527
sampt dem stattschreiber mit ainandern in die alten rathstuben und
gibt der stattschreiber usser bevelch erstgemelter quartierherrn an-
fenklichs beeder burgermaister, stattaman, räthen und richtern
vermeg der Ordnung jedem den sitz.
Nach sollichem allem so soll ain rathsknecht die alten gloggen
leuten, und nach verleutung derselben beede meine herrn burger-
maister, stattaman, räth und richter, sampt gemainer burgerschaft,
einwonern, michileuten, deßgleichen andern dienstknechten hinab in
die Gred ziehen, und dann uf das alles ain stattschreiber anfänglichs
den häuptern, volgendts stattamman, räthen und richtern und dann
letstlich ainer ganzen gmaind die vörtigung verlesen, wie von alter
herkomen ist.
Wann und sobald nun solliche vertigungen zu allen thailen be-
schehen, so werden alßdann die stattuten und Satzungen, wie von
alter und hiezwischen geordnet, durch ainen stattschreiber öffentlich
verlesen und der oberkait glick gewinst.
Nach Verlesung sollicher Ordnung und satzungbächs gehn vor-
gemelte meine herrn allso samentlich mit ainander widerumb uf das
rathhauß und nach dem ain jeder seiner gelegenhait nach widerumb
anhaims; aber der newerwelt herr burgermaister soll desselben tags
den imbis hernachvolgenden dienern geben, namblich ainem stiblin-
schreiber, raths- umbgelterknecht, und sonst niemanden zu geben
schuldig sein, es were dann sach, das er jemandts anderer hierzu be-
ruefen verhabens, welches ime unbenomen sein soll.
Und damit endet sich das pfingstmal. Es sollen auch dannzumal
verer mäler nit gegeben, noch auf dem rathhauß gehalten werden.
Underred hernachvolgender ämpter und dienst
halben.
Monntags nach dem sonntag Bürnower kirchweihin sitzen beede
herrn burgermaister, die quartierherrn und stattschreiber und halten
hernachvolgender ämpter und dienst halben uf meine herrn klain
und groß rath underred, namblich der stiblins-, baw-, umbgelterherrn,
auch der spittalpfleger, bittel, bawknecht, umbgelterknecht, under-
keufer, brott-, flaisch-, mist-, bering-, visch-, läder-, unbaw-, schmalz-,
breimelb- und anderer schawer, auch der spend-, kornhauß- und der
hailigen pflegnussen und gibt man jedem herrn obgemelt umbgelt-
knecht und bittel desselben tags für beede mäler drei batzen.
Volgendts am sampstag nechst darnach setzen klain und groß
räth mitain ander obgemelte ämpter, pflegnussen und dienst.
Groß mal
Dornstags, den achten tag nach corporis Christi, würdet das
groß mal iif dein rathhauß gehalten und essen desselben tags morgeo
nnd zu nacht mitainander räth, rieht er und Stattschreiber, zu welchem
grossen mal uf den imbis zu gast geladen werden hemachvolgendo
pflegnussen, nam blich der Spend, Sant Niclauß, Sani Michaels, Saut
Josen, Sant inharten, Sant Ulrichs, Sant Barbara, Heilig Creutz,
Sant Kathrina und Sant Silvesters eö Goldbach,
ien zu sollichen beeden mäler obermelten herm tm
*men ttirgesetzt, namblich uf den imbis zil ainem vor
üben uf den vJBrtisch göt eingebait^l schlobratlen and
:* der newen rathstüben milch,
Sant Not
Und ,
trachten und
essen in dio
uf der pflegn
herz und kreo
und flaisch ur j
melten pflegnussen U
sottne henn: darnach auf
ankörnen ^ ' ^dt^
braft
kall
ainei
sameo
una
1 imbis
rrn in die
ich uf der herm tisch suppen
versottne hennen, aber ul g**-
u und flaisch und dhaia ver-
iscb, wie man die in die göete
Aiscb von Zungen, eiter, schio
Ulf das gebrattes von lämmer,
nf die zwen obern tisch üI
: kriessen.
hn obermelte pflegnussen alle
^n rathstühen. Dieselben und
1
auch alle amptherren überantwurten ire Schlüssel meinen herm;
darauf werden alßdann sie zu allen thailn uf die vertigungen, so inen
der Stattschreiber verlißt, vertigt, und darnach die schltissel durch
eie 2U allen thailen widerunib zu banden genomen.
Obgemetts dornstags zä nacht essen widerumb mit ainandem
beede vorgemelte herrn burgermaister, stattamman^ räth, richter und
Stattschreiber, welches vier besetzter tisch sein, und gibt man allfi-
dann zu trachten, wie hernach volgt: zum ersten geblotzet Iitiener^
darnach ain jüssel, von kalbflaisch volgendts das gebrattens, nach
demselben krebs, so mans gehaben mag, oder darfür ain zuckermAß,
und zületst kriesin, deßgleichen zum schlafftrunk verzuckert erber.
Zu sollichem grossen mal imbis und zu nacht geheren hernach-
volgende diener, namblich deß stattschreibers Substitut, gericht-
Schreiber, stiblinschreiber, raths-, umbgelterknecht, büttel, salz-, kalch-
knecht und überreutter.
Rechnungmal von obgemelts grossen mals wegen.
Freitags am morgen nach obgemeltem tag haben beede stüblinß-
herrn ir rechnungmal und würdet inen, deßgleichen beeden burger
ÜberliDgeo. 529
istern, ainem obersten quartierherrn, beeden umbgelterherrn und
n Stattschreiber, ainem jeden desselben tags für die zwai mäler
dem stiblin geben drei batzen und den vier knechten, namblich
3linschreiber, rathsknecht, bittel und umbgelterknecht jedem
;h sovil.
U£ erstgemelten freitag am morgen nach der früemeß versameln
h obgemelte beede herrn burgermaister, die quartierherrn und
ttschreiber uf dem rathhauß und haben hernachvolgender dienst
ben uf meine herrn klain räth ain underred, als namblich stiblin-
ireiber, rathsknecht, salz-, kalchknecht, gredmaister, zoller, klain
I, wagmaister. Wie dann der stattschreiber dieselben alle in ord-
ig hat, allso endet sich damit das groß mal.
Herpstmal.
Zfi dem herpstmal gehern beede meine herrn burgermaister, räth,
liter und stattschreiber, und werden noch weiter darzü geladen
amptman in der Mainower hauß, deßgleichen der bevelchhaber
• Thumprosti zu Constanz und Sant Johanns alhie, und gibt man
D meinen herrn dannzumal die visch oder aber flaischmäler, wie
nachvolgt.
Ordnung der speis.
Nämlich, ist es ain flaischtag, zum ersten ain voressen von
chen, nach dem suppen und flaisch und versotten hennen darinn,
gendts haiß gesotten visch, volgendts zületst ain gersten und wurst
innen und daruf nüß und epfel.
Item zum schlafftrunk gebratten bieren, und so man haimgeet,
t man jedem herrn ain liecht oder drei hohen.
Were es aber ain vischtag, so soll man hernachvolgende trachten
>en, nämlich erstens karpfen in ainem voressen, nachdem ain muß
>r erbssuppen, nach dem haiß gesotten visch, volgendts ain kraut
>r epfelmüß und bachvisch darauf, darnach bratvisch und zületst
} und epfel, und gibt ain amptman in der Mainower hauß anstatt
18 gnedigen herrn meinen herrn für sollich mal 8 S /5^, deßgleichen
thumherrn amptman 4 fg /^.
Und am hechsten tag nach vorgemeltem mal haben beede stiblinß-
m das rechnungmal, was über vorgemelt mal gangen und laden
zö beede bawherrn, deßgleichen beede burgermaister, obersten
irtierherrn und stattschreiber.
Und sind küchinleut und verseher beed stiblinßherrn und ir
aer.
tt>trrli«iiiiiche Stadtrecbte. n, 2. ^
Überliiigen.
Uf diesem obgemdLem berpstmal sollen üschdiener und xth |i
seher sein, naniblich gerichischreiber, slibbns^'hreiber, stattschmbem
Substitut, ralhs-, iimbgeltknecht, bittelj baw-, kalrh- und sakknedit,
und dann beede überreulter.
Stattamman und underslaltgericht betreffend.
Stattamman und richlern doß underu Staltgerichts ist zitgelasseOi'
das sie nun hinfüro im jan wann es inen füglich und gelegen, xd
dem ratbbauß zwai ordinari mäler usser irer büchs oder selbst aignen
darlegen, haben und niessen, auch in sollichera wein, brotl und
schmalz von dem gotzhauß spittal, wie von alterher, nemen und
koiifen megen, aber vol^eadtd alle andere mäler uf dem rathbaufi
zu messen, soll inen gen:
undern stattgericht unbenoi
aint weders mit ainandern
hauß in ainem würts- o^"'
zerem wie sie jederzeit
Das alles und jede
durch ditz ganz jar uf dei».
deß undern stattgerichts bu
werden solL ^
Hernach volger
welche, und auch u
kt sein; doch ist ainem erbam
■erig gell in irer büchs verwari
oder aber usserhalb deß rali-
iters aigner behausung zu ver-
m würdet.
iinari mäler, so nun hinfürler
isser gemaioer statt seckel und
weiter nit darüber gehalten
extraordinari mäler, für
indertrinkj raorgensuppen
und anders, meine herrn hinfürter das gelt zu gebea
verordnet,
Uf den 14 tag vor sant Jacobs tag sollen nun hinfürter nach altem
geprauch und gewonhait durch meine herrn burgermaister und quarlier-
herrn zu besichtigung der herdstattea irer vier verordnet vrerden^
die offen herdstatten, eamin inn- und usserhalb der statt zu besieh li^ea,
vermag und Inhalt irer Ordnung. Nämlich, wo sie an ainem oder mehr
ort mangel befinden, sollen sie denselben durch den Schreiber, so
ain jeder bei ime hat, verzaichnen lassen und darnach dem hauß-
volk, aldo der mangel verbanden, an ain pfund pfening gepieten,
sollichen mangel bis zu nechster schaw vor Michaelis zu wenden
und zu bössern bei berürter straff. Und gibt man inen ainem jeden
der gemelten herrn, auch beeden bawherm und stattschreiber, jedem
deß tags für die zwai mäler drei batzen und den knechten, so bei
der pfacht sein, auch rathsknecht und bittel jedem drei batzen.
Hernach volgt die Ordnung deß pfächtens.
Item die stiblins- und bawherrn sollen hinfürtei* bei dem pfächten
der viertl, halbviertl und imi sein und mit vleis zusehen, das recht
Überlingen. 581
und ordenlich gepfächt werd. Und pfächt ain umbgelterknecht die
imi und halb imi, auch vierthail; deßgleichen zwen messer, so man
sonderlich darzu verordnet, pfächten die ganzen und halben viertl.
Und soll aber hinfürter dem umgelterknecht alles nachpfächten,
so er bißher, und auch die belohnung davon gehapt, genzlich und
gar abgestrickt sein, auch sollich gelt hinfürter von dem nachpfächten
in das stiblin gefallen und obermelte verordnete herrn sampt ime
dem umbgeltknecht dem nachpfächten zu- und ußwarten.
Und stoßt ain stiblinschreiber den brand nach dem abfalet,
und nimpt von jedem stück den lohn, wie hernach steet:
Nämlich von ainem newen viertl und halben viertl, so vor nit
pfächt worden, 4 ,^, und von ainem alten ganz und halbviertl 2 /^,
und so man ain ring an ains, das rauch ist, schlecht, für ain /^.
Item von ainem ganzen imi und ainem halben imi, ganz und
halb unverthailt, so alt sein, 1 /5^. Deßgleichen von ainem newen
zwen pfening und ainen ring 1 ^,
Und sovil jar jedes stück nit pfächt noch geprennt worden,
sovil jar soll davon die belegung deß pfächtens genomen werden.
Es soll auch solliche pfächt und schaw ain jeder stiblinschreiber
am nechsten sonntag in der kürchen verkünden.
Umbgelterherrn, jarmärkt und ufhebung der gewicht.
Nachdem die umbgelterherrn hievor von alter allerjärlichs
auch ain aigen mahl gehapt, so soll solliches hinfürter abgethon
sein und hinfürter jedem umbgelter sampt umbgeltknecht für sollich
extraordinari mahlzeit sechs kreutz[er] uß dem stiblin gegeben werden.
Wann sie aber uf den jarmärkten das gewicht ufziehen, so soll
man ir jedem, deßgleichen dem goldschmid, so sie darzü geprauchen,
zövorderst aber den bawherm, so auch damit umbgehn, und dann
dem umbgeltknecht für undertrink auch ander müehe und arbait
geben jedem zwen batzen und gar kainen trunk mehr, ußgenomen
die knecht; so uf ain burgermaister warten; denen soll nach altem
geprauch und herkomen zu dem undertrunk uß dem der statt keller
zwai halbe viertl wein, und uß dem gotzhauß spittal ain ganzer
weiser laib brot, aber nit mehr, gegeben werden.
Ententag.
Uf den ententag, so von alterher gehalten worden, laden meine
herm, die quartierherrn, beede burgermaister, baw- und stiblinß- ^
herrn, auch stattschreiber, und gibt man jeden sollichen sollicher W
tag für das mal sechs kreutzer und den vier hernachvolgenden knechten,
84*
Überlingen. 588
obgemelten stiblinBherm anzaigen kende; doch so gemelte stiblinß-
herm sollich anschreiben volnstrecken wellen, soll das zuvor an dem
nächsten sonntag durch ain stiblinßschreiber in der kürchen im früe-
ampt meniglichem öffentlichen verkündt und angezaigt werden.
Michi.
Wann man die michi einnimpt und empfacht, so sollen beede
dorfpfleger, deßgleichen beede pfleger zu vischenheuser, und die in
der held, zuvorderst aber beede stiblinßherrn darbei sein, und gibt
man jedem für den undertrunk ain batzen und sonst weiter nichzit mer.
Voigt die Ordnung der michileut.
Item an sant Martinstag umb 12 uhrn sitzend beed stiblinß-
herrn und ir Schreiber an der michi und nemen das von jedem, so
▼on meinen herm angenomen, ein, wie hemachvolgt:
Erstens von ainer frawen oder junkfrawen 8 (l /^ ;
item von ainem man, der kaine reben buwt, 10 (l /5^ ;
item von ainem, der zu gmainden reben bawt, von jeder hof-
statt 1 ß /^;
so aber ain michiman aigen reben hette und dannocht zä
gmainden reben bawte, soll er von den aignen nichzit zu michi
geben, dann er die zä versteuren laut der steurordnung schuldig,
aber von denen, so er zu gmainden bawt, so er über zehen hofstett
bawt, 1 ^ rd);
so er aber under zehen hofstett zu gmainden bawt, soll er zehen
Schilling davon zu michi zu geben schuldig sein.
Es soll auch ain stiblinschreiber das an sant Martins tag am
morgen im früeampt öffentlichen verkünden, das meine herrn umb
zwelf uhm das michi einnemen und ain jeder seinen bürgen mit-
pringen soll.
Item es soll auch ain stiblinschreiber an ainem sonntag, un-
gevarlich vierzehen tag vor Martini, morgen in der früemeß ver-
kinden, dergestallt alle die, so das michi von meinen herm empfahen
wollen, die sollen umb zwelf uhrn desselben tags uf dem rathhauß
erscheinen, und ain jeder sich selbst und seinen bürgen, so er meinen
herm geben will, anzaigen, werde man ainen jeden einschreiben und
soll ain stiblinschreiber umb 12 uhrn sitzen und die einschreiben
und volgendts für rath bringen, welche meinen herrn annemlich seien
oder nit.
Item es soll auch ain jeder michiman oder -fraw, die das michi
von meinen herrn angenomen, ainen eingesessnen und häbigen burger
gedachten meinen herm zu bürgen und treater geben und einschreiben
lassen; der soll versprechen, ob er oder die seinen, deß bürg er ist,
in der zeit krank, auch sonst mangelhaft würd, dag er dieselben one
der statt, spitfeal und der spend nachtail und schaden erhalten welk;
und soll ain jeder bürg, so man das michi verleicht, selbst person-
lichen vor meinen herrn erscheinen und die Ordnung deß mjchibenm
und selbst mit mund vor meinen herrn die bürgschaft und trestung
versprechen und zusagen.
Item ain Jeder michiman soll auch sein wehr und harnai
haben, wie hernach steet :
Erstlich niggen und kreps, ain ringkragen, sturmhiU und ain
spieß, hellenbarten oder handror, welles er will.
Item es soll auch ain jeder new angenoraner michiman vnn
den orten und enden, aldo er vormals gesessen, gewonet oder ge-
boren, glaubwürdige kuntschaft, aucli seine manrecht mitpringen, das
er sich an denselben orten erlich und wol gehalten und redlich, Deß-
gleich auch ainen aid schweren, das er nil in acht oder bann, hinder
rd^inem Juden behaft und vor dhainem frembdcn gericht recht-
lieQgig sei.
sd|
Omnium sanctorum.
1
An aller hailigen tag würdet die arm weit, so sich nach
alter gewonhait 2Ü sollicher Eeit zä der statt nähert, mit speiß
und trankj holz und liecht gemehrt und bezalet und deß vol-
genden tags, an aller seien tag, durch die stüblins- und bawherni
mit gotzgaben verert, wie es hernach volgende Ordnung mit sich
bringt, und gibt man ainera jeden herrn und knechfe, so darzü ge-
bolüen, für die morgensuppen und nachtmal beede sechs kreutzer
Ordnung deß allmösens an aller haiigen tag.
Item an aller haiigen tag umb siben uhrn nach dem früeampt.
beschicken beed stiblins- und bawhcrrn die trüget, raesser und schütter
uf das rathhauß und verordnen fünf under die thüeren in dem münsier,
das allmüsen den armen einzüsamlen; deßgleichen ainen uf die brück,
genannt der hitzler; item ainen under das wißthor, das gelt, so alda
den armen gefeilt, einzüsamlen, item zwen knecht zu den schüiem
und hie igen bättlern alles bröt, wein und warm kost, so gefeilt, undei
sie ußzüthailen, deßgleichen drei knecht, so den armen das mü£
uf dem gotzacker kochen; die ander knecht all werden uf die wiß
beschaiden, wein, brot und warm kost, so von dem gotzhauß spittal
Überlingen. 585
und den bürgern umb gotzwillen dargeraicht würdet, ordenlich und
mit trewen under sie ußzüthailen, und darneben die armen in guter
zucht, es sei tag oder nacht, zu halten, und was also für gelt umb
gotzwillen gefeilt, dasselbig überschlahen die beed stiblins- und baw-
herm und ire diener, wievil jedem armen werden meg. Doch so
behalten sie, die verordneten herrn, von sollichem gefallnem gelt
ainen vorrath, damit man sich durch das ganz jar den armen, so
alher komen, auch zu geben hab, und gibt man den haimschen mer
dann den frembden,^ und den herrn zu den barfüssen ain guldin, dem
bettelvogt ain halben guldin, je nach gelegenhait und gestalt der
Sachen, und nach dem vil oder wenig gefallen ist.
Es helfen inen auch sollich allmüsen ußthailen und ordnen,
die armen in zucht zu erhalten, all meiner herrn knecht und bettelvogt.
Item brot, muß, schmalz und liechter, auch den wein gibt das
spittal, und das salz die statt.
Steurordnung.
Meine herrn beed burgermaister, obersten quartiersherrn, stüb-
linßherm, stattschreiber und stüblinßschreiber sollen nun hinfürter
an der steur zu gewonlicher zeit sitzen, und gibt man jedem deß
tags für die zwai mäler drei batzen, auch den drei knechten, raths-,
umbgelterknecht und dem büttel jedem auch sovil.
Zuvorderst aber gibt man ainem jeden meiner herrn, so an der
steur sitzen, namblich beeden burgermaistern, obersten quartierherrn
und beeden stiblinßherrn jedem ain pfund pfening.
Voigt, wie es mit der steurordnung gehalten werden soll.
Item, so meine herrn, klain und groß räth, nach herpstzeit wein
und koms halben den anschlag und rechnung gemacht, so verkündt
und eröffnet ain stibleinschreiber ain solliches am nechsten sonntag
darnach jedermeniglichem in der früemeß, und nach sollicher ver-
kündung in acht oder vierzehen tagen den nechsten darnach, an dem
montag, sitzen obvermelte meine herrn, die verordneten, an der steur
und vememen von jedem burger, michiman und einwoner sein ver-
megen an ligenden und varenden, welches alles volgendts in das
steurbüch, jedem uf sein Union geschriben würdet.
Doch so meine herrn an der steur sitzen wellend, soll ain stiblin-
schreiber dasselbig am nechsten sonntag davor, wie hernachvolgt in
dem früeampt meniglichem verkünden, darnach soll ain umbgelter-
knecht nach den partibus des steurbuchs von hauß zu hauß verkinden,
und ainem jeden an ain pfund pfening zu steuren gepieten. Und
6W
OtwrliB{!ei>.
n
welchen zft der steur gepotten würdet, und one erlaupl ains tem
burgermaisters nit erscheint, der soll umb das pfund pfening gesirait
werden.
Waan nun solliche erste steur volnbrachl ist, und volgendts nach
verscheinung vierzehen tagen oder drei wochen, wie lang es meine
herrn für gut ansieht, so sitzen sie uf ain tag an der nachsteiir,
alßdann steuren die, den man ire güeter schätzen niüsseu, auch
die, so erlauptnus von ainem bnrgermaister gehapt, und nach soUveher
letsten steur ischliessen meine herrn die steur und ratten die markec
zö göld, was und wievil die steur deß jars ertrag und welcher, er sei
burger, michileut, einwoner ald frembd, bis zu den beschluß der steur
nit gesteurt, u^^^ /iKat« aiivmim in Ac^m steurbuch bei seiner linigea
hat^ dem soll n
angeschlagen, der
werden.
Der stil
herrn in dei
ächreil i
V
angebe
darumben
DeßgiciA^uv^.
seiner liuigeu^ so die zu gelt
iner straff gerait und gethon
5 der ersten steur den pfarr-
■ sitzen, die sleurbar sind, zd-
regen pitten, an der canzel zi
n, das sie nach soll icher vet^
i acht tag komen und ir steur
ürden dieselben ungehorsameii
eiber die nachsteur an dem
nechsten sonntag darvor in der kürchen in der früemeS verkünden
und die straff den ungehorsamen eroffnen.
Schluß der steur.
Wann die steur järlichs beschlossen werden will, so sein z4
demselbigen bschluß verordnet beed herrn burgermaister, cpiartier-
herrn, stüblinßherrn, stattschreiber und stiblinschreiber, und gibt man
jedem deß tags für die zwai mäler 3 batzen und ain halben batzen
badgelt. Deßgleichen ainem rathsumbgelterknecht und bittel jedem
auch sovil alls ainem herrn; ob aber ainicher deputierter herr, zft
sollichem beschluß der steur geherig, nit erscheinen oder aber, ob
sich schon ainer erscheinte und sollichem beschluß der steur neben
meinen herrn, den hertern, nit volkomenlich bis an das end uß-
warten, dem soll obangeregte vererung gar nit volgen, sonder ain
zedtel gleich in das stiblin gegeben werden, welchem solhch gelt
usser gehorsame gegeben, oder aber der ungehorsame halben vorge-
halten werden soll, es were dann sach, das ainer krank oder sonst
von meinen herrn zu Verrichtung raths oder anderer geschähen ver-
Überlingen. 587
ordnet were; dann soll das gelt nichtsdestoweniger gleich wie andere
«rscheinten mitgethailt werden.
Voigt, wie es mit dem beschluß der steur gehalten
werden soll.
Item ungevarlich drei oder vier wochen nachdem die burger-
schaft erstlich nach der rechnung gesteurt hatt, und die maierschaft,
so güeter in meiner herm steur ligen haben, und diejenigen, den man
die güeter geschätzt, auch gesteurt haben, sodann beschliessen meine
berm das steurbüch in ain suma, dasselbig weret zwen oder drei
tag, eemaln das steurbüch gar beschlossen würdet.
Einzug der steur.
Wann die stüblinßherrn die steur innhalt der Ordnung einziehen,
und nach verkündung (welche, wie hernachvolgt, in der kürchen durch
den stüblinschreiber beschicht) desselben jars das vestmal daran
sitzen wellen, gibt man jedem, deßgleichen auch den knechten, namb-
lich stüblinschreiber und rathsknecht, für die mäler die ersten wochen
für jeden halben tag ain batzen, deßgleichen die andern wochen jeden
tag zwen batzen und dann für morgensuppen und undertrink (welche
in allweg in dem stüblin hinfürter abgestellt sein sollen) ain batzen.
Ordnung einziehung der steur.
Item am nechsten sonntag nach reminiscere in der vasten fahen
an beed stüblinßherrn und ir Schreiber an der steur zu sitzen und
ains jeden uferlegte steur einzunemen und zu empfahen. Und namb-
lieh sitzen sie die nechsten wochen bis an den sonntag oculi allain
vormittag und die andern nechsten wochen von dem sonntag oculi
bis an den sonntag letare zu avemaria zeit. [Wer] alhie sein steur
nit bezalt bette, derselbig soll von stundan uß der statt ziehen und
darein nit mer komen, er hab dann zuvor und ehe er wider herein-
kompt, erlegt und bezalt; so aber ainer, er sei burger oder michi,
der sein steur bis zu obgemelter zeit nit bezalt hette, ergriffen würdet,
deß und ains jeden ungehorsamen straff ist der thurn.
Doch soll das durch einen stiblinschreiber an dem sonntag
reminiscere in der früemeß meniglichen verkündt werden, wie her-
nach steet:
All meine herm : Es werden beed herm im stiblin dise nechsten
ganzen wochen vormittag und die andern nechsten nachgeenden
wochen vor- und nachmittag ß,n der steur in dem stiblin uf rath-
hauß sitzen und warten und von ainem jeden sein uferlegt steur
einziehen und empfahen. Derhalben ermanen meine herrn menig-
Überlingen.
lidi, äär'äÜe die/so steurbar seiu, sollich ir uf gelegte steur m
dachten vierzehen tagen zu erlegen, dann welcher oder vi^elche
bis avemaria zeit am sonntag letare aii erlegen ond bezaten. dteselbm
werden meine herrn nach Ordnung der steur straffen
^ Der drei vegt rechnungen.
Nach alter herkoraen gepraucb und gewoahait sollen die im
vegt Üttendorfj Ramsperg und Hohenbodman uf die escherigen mit-
WÖeh meinen herrn raihmg thön und sein darzfl v^erordnet bead
herrn burgermaister, die qiiartierherrn, beed stiblinJl- und bawhemi.
die drei nßvegt, stattschreiber und stiblinschreiber, und gibt mm
jedem deß tags für die
ffinf knechten^ raths- i:
und bawknecht, jedem
badgelt ain halben ba
Wie es mit ein!
drei batzen, deßgleichen den
üiecht, auch dem bittel, sak-
linem herrn. Darzü ir jedeni
4
elter raitungen gehaUe
olL
ler deputierter herr zu soUichtr
er aber sich schon ainer er-
n meinen herrn den heuptem
^arten würden, dem soll obait
Na
rechnun^
schein te, unu
mt volkome
geregte vererung gar nii ervojgeo, aunder ain ;cedte1 gleich alßbald
in das stiblin gegeben werden. Welchen sollich gelt usser gehorsame
gegeben j oder aber der ungehorsamen halben vorgehalten und ab-
gestrickt werden soll, es were dann sach, das ainer krank oder sonst
von meinen herrn zu vertigung raths oder anderer geschäft ver*
ordnet were, dem soll das gelt nichts destweniger gleich wie andern
erscheinenden mitgethailt werden.
Und soll ain herr burgermaister desselben jars den gemeUeii
dreien vegten die rechnung vierzehen tag darvor schriftlich oder
müntHch verkünden, sich darnach wissen zu richten.
Es gibt auch jeder vogt zu vaßnacht zeit ainem stibhuschreiber
von wegen deß ußzügskorns ain alte hennen.
Rechnung gemainer statt und anderer Pflegschaften*
Zu einem ung gmainer statt und anderer ämpter und pflegnusseii-
rechnungen sollen nun hinförter verordnet sein meine herrn beed
burgermaister, quartierherrn, stiblinßherm und bawherm, beed
spittalpfleger, umbgelterherrn und stattschreiber; deren jeden soll deß
tags, solang die rechnungen wert, für die zu mäler gegeben werden
Überlingen. 589
drei batzen und nach endung der rechnungen das badgelt, jedem
swen kreutzer, und würdet das gelt den hernachvolgenden dienern
gleich wie den herrn geben, namblich stüblinschreiber, raths-, umb-
gelterknecht, bittel, baw- und salzknecht.
Doch ob ainicher herr, zu sollicher rechnung deputiert, nit er-
scheinen, oder aber, ob sich schon ainer erscheinte, und sollicher
zechnung neben meinen herm, den heuptern, nit volkomenlich bis
an das end ußwarten würden,, dem soll obangeregte vererung gar nit
ervolgen, sonder ain zedtel gleich alßbald in das stiblin gegeben
werden, welchem sollich gelt usser gehorsame gegeben, oder aber
ungehorsame halben vorgehalten und abgestrickt werden soll, es were
dann sach, das ainer krank oder sonst von meinen herrn zu Ver-
richtung raths oder anderer geschäft verordnet were, dem soll das
gelt nichtsdestweniger gleich wie andern erscheinen gegeben werden.
Spittals raitung.
Die spittalpfleger geben meinen herrn von wegen deß gotzhauß
spittal alhie rechnung den nechsten tag, nachdem meine herm stüb-
linßherm ir jarrechnung gethon, welches sich ungevarlich zwen tag
verweilen thät, und gibt man den verordneten herrn, namblich beeden
burgermaistern, quartierherrn, stüblinßherrn, bawherm, umbgelter-
herm, spittalpflegem und stattschreiber, deßgleichen allen knechten
und deß Stattschreibers Substituten zu essen, solang, bis die rech-
nung ir endschaft nimpt.
Und alle raitung ir endschaft, wie vorgemelt, genomen, so holt
mein herr burgermaister klain und groß räth und ereffnet inen alle
raitung.
Sonderbare Verordnungen von gmainer statt wegen.
Wann hinfürter meine herrn burgermaister, quartier- oder ampts-
herm, raths ald gerichts, usser bevelch ains ersamen raths zu be-
rathschlagung Sachen und handlungen, es wäre auf spann, under-
gang ald andere consultationes und underredungen verordnet würden,
so ir ämptern nit anhengig weren, dero jedem soll deßhalben tags
auch ain batz gegeben werden; welcher aber bei sollichen Verord-
nungen oder consultationibus nit erscheine, demselben soll der batz
auch nit volgen.
Uffart abend.
Am uffart abend, morgens nach Bürnower kirchweihi, sobald
man mit der procession herankompt, erscheinen meine herrn, die
quartierherrn beiainander uf dem rathhauß und haben die ersten
überlißgeo.
Wahl und underred aines newen und alten bnrgermaisters halben
jedem herrn desselben tags an der mittwochen für die zwai mäler
drei balzen, auch den vier knechten^ als stibleinschreiber, raths,_
miibgeUerknecht und biitel jedem auch sovil
Ordnung, wie es u( denselben uffarttag abend gehalten
M werden soll
H Item an obermelten uffarttag nach der monatzeit, wann die i?
endschaft genomeUj geht ain jeder quartierherr in sein quartierhattfl
zu den vier zehnen, die er berüfien lassen, und halt inen im rath3chla|
ains burgermaisters halben für, und emplacht dann von inen au^
was sie von ains h\
die quartierherrn widb»
was er bei seinen vierzehen ^
Deßgleichen erstgemelts uffai
beed stiblins- und b; e
hin« ff gehn sanLK
pfiagBten
pfleger, s
haben, ai
gehn sie wideru
;en bedacht. Nach dem gehfi
iß zusamen tmd eröffnet jeder,
igs nach der monatzeit gebu
eed diener sampt dem metzger
in die ochsen, welche sie xÄ
darbei sind auch beed spittal*
ber; und so sie den besehen
welchen sie nemen wellen, so
j£ und gibt man inen ain Irunk*
Reben besehen.
Wann man inen nach altherkomener gewonhait die reben in den
eschen umb ditz statt gelegen besehen will, so soll den darzü ge»
ordneten, namblichen uß räthen, richtern und der gmaind, vor
irem hinaußgehn zö ainer morgen suppen nam blich kuttlen^ suppen
und flaisch, aber hernacher, wann sie widerumb hereinkomen sein,
gar dhain undertrunk (wie hievor beschehen) gegeben werden, aber
zünacht halten meine herrn beed burgennaister, quartierherrn und
Stattschreiber das nachtmal mitainander uf dem rathhauß, den würdet
alßdann durch die verordneten schawer relation, wie sie die escb
und velder allenthalben befunden; und zu ergetzlichait sollicher müebe
haben meine herrn die verordneten uß der gniaind zu gast, zu welcher
malzeit zft nacht ain voressen, suppen und flaisch, brattes und käB
verordnet würdet
Vererung der statt dieuer, wann man visch ußwigt.
So man von gemainer statt wegen visch ußwegen lassen will,
haben meine herrn bewilligt und zugelassen, das ire diener, so damit
Überlingen. 541
mnbgehn und die visch ußwegen, namblich stüblinschreiber, baw-,
salz- und brunnenknecht, brunnenmaister und stattkarrer mit zehen
karpfen^ deßgleichen fünf Schilling pfening gelts und ainem laib brots
aß dem spittal, uf den palmtag vereret werden megen; doch sollen
sie solliche vererung hinfürter mit nichten mer uf dem rathhauß,
sonder an andern orten one gemainer statt nachtail mitainander
verzeren.
Stülen zu grossen räthen.
Wann imd sooft man zu grossen räthen uf dem rathhauß stület^
so gibt man hemachvolgenden dienern, nämlich stüblinschreiber,
lafhs-^ umbgelterknecht und bittel ainen quart wein.
Item ain jeder vogt zä IttendorS, Ramsperg und Hohenbodman
gibt obermelten dienern vaßnachtzeit zu ainer vererung jeder ain
i alte hennen.
Deßgleichen der spittal alhie uf obermelte zeit jarlichen zwo
alte hennen, zwai halbviertel wein und ain weissen laib brot.
Item ain amptman deß grossen spittals zu Costantz uf vaßnacht
oder weihenecht fünf Schilling pfening.
Und dann die frawen von Wald zu herpstzeit ain aimer wein,
jedoch auß dhainer gerechtigkeit, sonder uf pitt.
Dise hieobsteende vererimg alle und jede sollen gemelte meiner
herm diener aintweders uf ain genampte zeit under sich thailen
oder aber dieselben mit ainander usserhalb deß rathshauß an ainem
wiert oder in im aignen behausungen one gemainer statt nachtail
verzeren.
Kalchstock.
Wann die stüblinßherm und ir Schreiber den kalch leren, sooft
dasselbig im jar beschicht, gibt man jedem, deßgleichen kalch- und
rathsknecht für das mal sechs kreutzer und kainen trunk mer, dann
derselbig trunk hinfürter allerdings abgestellt sein soll.
Stock im salzladen.
Wie vilvaltig man nun hinfüro im jar den stock im salzhauß
durch die stüblinßherm sampt den stüblinschreiber imd salzknecht
leren würdet, soll für die mäler gar nichtzit, noch kain tmnk mer
geben werden.
Und geet ungevarlich in ainen stock, das er voll würt, für zwai-
hundertundfünfzig ganze meß salz das gelt.
Überlingen. 548
Item sooft die herrn umbgelter zu den gewonlichen jarmärkten
rumbgehn und die gewicht ufheben, so gibt man ime jedesmals
srzehen kreutzer.
Deßgleichen muß und erbsen uß dem spittal, auch für und
cht uf dem rathhaus, wie von alter her, und vermeg obsteender
IS rathsknechts vertigung.
Und dann für den rock järlichs ain guldin.
Sonst der mäler halben, so hinfürter uf dem rathhauß (usser-
Jb der ordinari mäler) zu halten abgethon sein, soll ime für die
Iben mäler auch das gelt, wie ainem meiner herrn, vermeg der
jwen Ordnung uß dem stüblin, aber gar dhain undertrunk, noch
chts mer darfür, gegeben werden.
Und ist darauf meiner herrn ains ersamen raths ernstlicher be-
Jch, das jetziger und künftiger rathskhecht bei seinem aid alle tag^
»nntag, feurtag und werchtag, somer und winter, ainen rock meiner
>rrn färb tragen und damit für und für uf ainen herrn burgermaister
i rath, gericht und andern geschäften und in rath zu gepieten ge-
.st warten und denselben an seinem leib haben, ußgenomen, wann
nem seine eitern, haußfraw, brüeder, Schwester oder kinder stürben,
»11 ime die dreissigst lang ain clagklaid zu tragen z&gelassen sein.
2. Bitteis.
Deßgleichen deß bitteis halben haben ime meine herrn das
inz jar auch zu gewisser besoidung verordnet, die ime auß dem
iblin für undertrink und andere accidentalia usserhalb dessen, so
dnem dienst und dem gericht anhengig gegeben werden soll, nam-
zh 24 S ^, thut jede fronvasten 6 S /^.
Item für die garben, so ain pittel von ampts wegen hievor von
3n gericht harten in der ernd gehapt, vier malter körn, die ime auß
sm spittal gegeben werden sollen.
Item sooft man die mülinen schawt, gibt man ime zwen batzen,
eßgleichen liechter in turn zu den gefangenen.
Und jeder steckenman zwo bürdinen stecken; item ain guldin
Ir den rock. Doch soll ime hinfürter von kainem gefangnen, er sei,
er er welle, uß dem stüblin dhain turnlös mer gegeben, es were
ann ainer umb malefitz gefangen vom leben zum tod gericht, oder
>nst durch den nachrichter gestrafft würdet; dannzümal soll es wie
on alter gehalten werden.
Sonst der mäler halben, so hinfürter uf dem rathhauß (usser-
alb der ordinari mäler) zu halten abgethon sein, soll ime für die-
rfben mäler auch das gelt, wie ainem meiner herrn, vermeg der
l Überlingeo. 545
^•an seinem leib tragen, ußgenomen, wann ainem seine eitern, hauß-
f frawen, brüder, Schwester oder kinder stürben, soll ime die dreißigst
%laiig ain clagclaid zu tragen zugelassen sein.
j Gepott und verpott, . . . das dhainer kain baw i&ao
^ . in kain garten eintragen, er sei dann zuvor ge- '^*''' ^^'"
^t schawet, auch kain stain uf ainichen baw nit mehr
^ • legen, er sei dann zuvor geschawet. . . .
^ ... Zum andern soll auch nun hinfürter dhainer dhainen thumb
^oder baw in dhainen garten eintragen oder eintragen lassen, er sei
^idann zuvor durch die geschwomen mistschower dem geprauch nach
r geschawet und geschetzt, und was ainem, er sei haimsch oder frömbd,
f an ainem geschaweten baw abgeschawet würdet, darbei soll er es
> in allweg pleiben lassen und niemandts ichtzit über die schaw, die-
J selb hab er behalten oder nit, weder wenig noch vil darüber hinauß-
1^ gegeben, überal in dhainerlai weis; ob es aber jemandts verbrechen
■ und nit halten, den würden meine herrn der gepür nach mit straff
bössem und ansehen. Sonderlich aber ist meiner herrn bevelch und
mainung, das nun hinfürter dhainer, er sei reich oder arm, kainen
stain uf ainichen baw nit mehr legen soll, er wisse dann aigenlich,
das ime zuvor sollicher baw durch die geordneten schawer geschawt
worden, bei obbemelter straff
Actum Sonntag, den 15. tag decembris anno 60.
Gepott und verpott ausgangen von wegen der ^^^^^
sticher, keffer, schnacken; item maien hawen, holz
oder klotz sprengen mit pulver und selbstgeschoß
belangen.
Es haben unsere herrn ain ersamer rath nechstvergangnes jars
ain gemain gepott außgehn und jedermeniglichem verkünden lassen,
das man das einreisen deß verderplichen gewürms der sticher ab-
samlen und hinwegthün wolle; dieweil aber ein ersamer rath be-
richtet würdt, das sölliche sticher, deßgleichen auch keffer, schnacken
und ander unzibel widerumb haufendt überhandt nemeii soll, so lassen
ermelte meine herrn jedermeniglich ermahnen, ime selbs zu güttem
und andern zu fürkomnung nachtheils und Schadens gepieten, das
ein jedes nit allein solliche sticher, sonder auch die keffer und
Schnecken, ein jeder für sich selbst, pder aber di seinen, unverzogen-
lich absamlen und von dem weg thün wolle. Es soll sich aber jeder-
meniglich neben dem allen befleissen, das er sollich unzibel nit in
die weg schütte, sonder vermittelst deß fewers oder durch ander
gepfirlich weg umbbringe.
Ofe«Rli«luUGh« Sttdtrechte. II, fl. 86
Überlinjjen. 547
geben, in allerlai weg übervorthailt worden, so haben ermelte maine
frm zu abwendung solches vor äugen steenden mangels und ge-
äinem nutzen zu guttem, und dann ainem jeden uß seiner wahr und
spünst dasjenige so ime von gott und aller pillichait zugehörig ist,
m frembden und haimschen one mangelhaft gedeihen und wider-
hren möge, hernachvolgende Ordnung angesehen und fürgenommen,
imblich :
Erstens soll nun hinfürter kain maister weber handwerks kainem
inden würken, er frag in denn zuvor, wem er vorhin gewürkt hab,
id wann er dasselbig erkundigt, so soll er darbei fragen, ob er ime
was schuldig; und so er desselben bekanntlich, soll er im nit
arken, er hab ine dann darvor bezallt; bei strafif 2 (J /^.
Zum andern soll auch hinfürter kainer, er sei haimsch oder
Bmbd, dem andern sein arbait schelten oder verachten, es keme
inn zuvor für die verordneten schawer; bei straff 1 S /^.
Zum dritten sollen nun hinfürter alle und jede maister, so sich
jß weberhandtwerks alhie geprauchen wollen, alle und jede ire ge-
bier und gestüel, zu sollichem handtwerk gehörig, mit dem blatt
id sonst in der weitin und breitin haben, wie dasselbig gemeiner
Bitt altherkommen meß begreift und in sich halt.
Es sollen auch uf das alles die geschwornen schawer allerjar-
ihs zu den vier fronfasten sollich der weber geschier und gestüel
liie mit vleis besichtigen und beschwern, und ob sie an demselben
aen oder mehr mangel befinden würden, allsdann dero jeden umb
if (i /^ straffen; es were dann sach, das ainer in demselben so
varlich befunden würd, so soll allsdann die erkanntnus bei den
»leuthen steen, wie der maister darumben zu straffen.
Zum vierten soll nun hinfürter. alles und jedes garn, so den
^mbden und haimschen, es seien gaistliche ald weltliche, Thur-
fiw^er oder einsessen, in der statt oder usserhalb derselben an andere
i zu würken gegeben würdet, vor allen dingen an der geschwornen
;haw durch die schawer abgewegen, wievil das trucken gam am
jwicht gewegen und gehalten, auch vollgendts nach dem abwegen
srjenigen person, so sollich trucken gam zu würken übersehe, oder
L das Thurgow ald andere ort schicken will, an dem gredmaister
n politen oder zedelein gegeben werden, wievil sollich gam weg,
*8tmals an der geschwornen wag gewegen, welches zedelin auch
ifenglichs bemelte schawer mit ainem klainen zaichen ))emerken,
isselbig der grödmaister vollgendts in sein sonderbare verordnete
Ichs stossen, und kain garn, es sei gewegen oder ungewegen, über
86*
See füeren lassen soll, man hab inie dann obbeinelter i^estalt mn vti
zaichnete polita zügepracht.
Wann dann he mach er das ge wegen gani gewürkt, so soil 4:
clarauß gezogen tfjch von dem weber, er sei haimsch oder fremW,
widern mb an die geschwomen schaw gelegt und dasselbig tüch dtmli
die schawer besichtiget und geschawet werden^ ob es sein gepürendl
braiti und dicki hab oder nit, und alsdann abermals die Fcbawer
das tüch mit dem grössern zaichen bezaichnen, ob das tüch die
schaw behalten oder nit; bei straff, wer das tüch nit aa die schaw
prächte und ime schawen Hesse, von jedem obvermelter zwaiw
guncten insonders 1 U ^
Und ob sich begebe,
auß dem Thurgow, deßgleicoi
weltlich, ainich gewürkt
die gepürende braite, nd
so soll anfangs die je
schmtilerung wej i c^
stück 5
Sachen «v
soll zu ireri
geslalt dej
Und
.k.
«» siraffea.
endts der buri
ber, er sei burger oder fremt^A
ndern orten her, gaistiich mier
schaw alhie prächte, welche*
jt meiner herm maß nit h€tte.
lieh tüch gewürkt, von sollicher
schawern 3 [J ^^ von jedfiD
re dann, das die schawer ilif
befunden würden; alsdann ^
ben weber oder Weberin nadi
oder burgerin, michiman oder
anderer^ dem durch die schaw an der braite deß tiichs aberkanntau*
beschehen, dem weber oder Weberin, haimschen oder frembden, m\
mehr dann nachvolgenden lohn zu geben schuldig:
Namblichj so es an deß tftchs braite umb ain halb quart feli
von ainer elen aichwerke tüch 3 ^^ und so es ain quad feit, von
ainer elen aichwerke tüch 5 haller. Item von reislin tüch, gemainein
ain kreutzer, und so es an der breite deß tüchs ain quart feit, 3 aV
Welches tüch aber nach obaiigeregtem diser statt geschwomem
oder anderm, wann es auch umb ain halbe quart feit, von der elea
maß sein gepürendt braite hat, so soll ain jeder burger, burgerb
oder michiman dem weber oder weberin hernachvolgenden würkers^
lohn und nit mehr zu geben schuldig sein; Namblich von ainer elen
aich werkin tüch ain kreutzer. Item von ainer eleu gemainem reislin
tüch 9 haller, und von hüpschem reislin tüch der elen 5 ^^f ; wann
OS aber so hüpsch und rain were, so soll es bei erkanntnus der schaw
atebu, was der kundt dem weber von sollichem rainen tüch füf
würkcrlohn zu geben schuldig; dargegen aber soll alle achlichte und
spule, deflgleichen zettel und spuler . . , ,S auch all ander neben^
> Des folgende unleserlich <
Überlingen. 549
lohn genzlich ufgehept und abgethon, und niemandts ainichem weber
oder Weberin, si seien gaistlich oder weltlich, deßhalb nichtzit mehr,
weder wenig noch vil, dann allain im gepürenden würklohn zu geben
(Mdiuldig sein.
Würde dann ainicher weber oder weberin, haimsch oder frembd,
i gaisÜich oder weltlich, an ainem gewürkten töch weniger an die
( schaw bringen, denn hievor das trucken abgewegen garn an der wag
! Inhalt der schaw ufzaichnus gehalten het, so sollen derselb weber
; oder Weberin frembd oder haimsch, gaistlich oder weltlich, den ge-
• ordneten schawern zu straffgelt verfallen sein, namblich von ainer
jeden ein 2 kreutzer.
Und darzü neben dem allem sollicher weber oder weberin schuldig
und pflichtig sein, dem künden umb sollichen schaden nach erkanntnus
der schawer abwag und bekerung zu thun.
Wollt oder würd sich aber ain weber oder weberin, gaistlich oder
weltlich, vememen lassen, das ain stück tüch sovil und sovil ein
hielte, und sich vollgendts dasselbig in dem abmessen nit volkommen-
lich erfinden würd, so 30II alsdann derselbig weber oder weberin
von sollich erzaigten gefahr wegen den verordneten schawern 10 jJ -*|
verfallen und darbei schuldig sein, dem künden abermals abtrag zu
thün nach der schawer erkanntnus.
Umb und für obberürt der schawer müeh und arbait sollen und
mögen sie, die schawer, hernachvolgenden schawer- und wegerlohn
nemen, namblich von 5 ein 1 ,^, von 10 ein 2 ^, von 20 oln 4 ^
und von 40 ein 8 ^, und allso uf und nider zu raiten^ doch ni
lenger, dann es ainem erbaren rath gelegen ist.
Actum montags post conversionis Pauli anno 1561.
Gepott aller und jeder münzen halben, so uf dem 1060
. , , „ . IUI j • i. Febniar 17.
reichstag zu Augspurg entschlossen worden ist.
Meine gepietende und günstige herrn burgermaister und ain er-
samer rath diser deß hailigen reichs statt Überlingen stöllen in dhainen
zweivel, es werd sich meniglich selbst leichtlich zu erinnern haben,
was für nachthailige und unleidenliche beschwerlichhaiten dem. hailigen
reich teutscher nation, unserm allgemainen und geliepten vatterland,
nun mer lange zeit und jar her nit allain der geringen und nach-
gültigen, sonder auch ußlendischen, frembden und verpottnen münzen
halben erwachsen, uß wölchem dann sovil ervolgt, das sich die röm.
kais. maj., unser allergnedigister herr, uf dem reichßtag, so deß nechst-
vergangnen 59sten jars in der statt Augspurg gehalten worden, mit
churfürsten, fürsten und stenden deß hailigen remischen reichs ainer
OberlingeD. 551
Aber alle andere silberin münzen, so bis uf dise zeit und bis
zu anstöllung diser newen münzordnung im reich teutscher nation
geschlagen, im geprauch und gangbar gewesen, auch noch seind,
als kaiser königisch und ander im reich gemünzte thaler, je ainen
für achtundsechzig kreutzer oder sibenzehen batzen gerait, deß-
gleichen die ganzen reichsguldiner uf zwenundsibenzig kreutzer oder
achizehen batzen gerait, item bemisch ganz und halb batzen, sechsisch
zehen kreutzerer und einfach kreutzer, auch alle gute pfening und
haller, so bißher in unser statt geh gewest und noch sein, und allso
in gemain alle andere münzen, so durch die reichsstend der Ordnung
gemeß gemünzt worden, sollen neben der jetzigen newen reichsmünz,
solang sie verbanden, in dem werd, darauf sie geschlagen, wie von
alterher für werschaft genomen, aber nit höher gegeben werden. Doch
damit sich die pfening und haller (wie hievor auch beschehen) nit
«Avil häufend einreisend, so lassen es meine herrn bei jüngst uß-
gegangnem gepott, wievil ain jeder ciain gelt zu nemen schuldig sein
solle, allerdings und genzlich pleiben, wollen auch ir geflissen ach-
tung haben, ob sollicher Ordnung gelept werde, auch darauf <lie über-
tretter unabläßlich darumben straffen.
Verrer und zum andern, die güldin münz belangend, nachdem
der vier churfürsten am Rhein und der andern churfürsten, fürsten
und stende gülden, die uf remischen goldguldin die iren gereguliert
haben, auch allso uf das köllnisch gewicht geschlagen und gemünzt,
in ufrichtigen werth standhaftig erfunden worden seind, so sollen
dieselben hinfürter auch geb und gut haissen und sein, aber dero
dhainer weder uß den münzen wechseln, kaufen oder verkaufen, oder
in ander weg höher nit, dann uf fünfundsibenzig kreutzer, das ist fünf
ort, aber wol näher und geringer eingenomen und ußgegeben werden.
Doch sein von sollichen guten gewichtigen romischen goldguldin
und denselben am gehalt gemeß alle andere innlendische geringe
guldine münz ußgeschlossen, so nach ußgang obbestimpts termins
deß neunzehenden februarii verbotten sein und nit mer genomen
werden sollen, wie dann solliche verpotten geringe guldine münzen
nach ainander mit irn bildtnussen und circumferenzen nach lengs
befunden werden.
Was dann, zum beschlus, das ußlendisch frembd gold als du-
caten, cronen und anders betrifft, soll vermög obangezogner newge-
machten münzordnungen dhain frembd ußlendisch gold, so im reich
teutscher nation nit münzt worden, dann allain diejenigen frembden
guldin münzen, wie sie hierinnen specificiert sein, aber höher nit.
Überlingen. 558
OrdnungS wie es hinfürter die clerisei und 10««
gaistlichen alhie uf irer trinkstüben in frävelhand-
lungen und puessen halten sollen.
Wo ain priester von überflüssigkait wegen deß weins oder sonst
in anderweg uf iren trinkstüben ain unzucht begon würd, ist der
frateroitet verwilligt und zugelassen, das sie denselben priester umb
sollich sein begangen unzucht je nach gelegenhait und gestalt der
sach wol straffen mögen, jedoch aber nit an gelt, sonder allain umb
wachs, wie von alter her auch in geprauch geweßt.
Aber usserhalb dises puncten sollen sie sich sonst aller anderer
fräfflungen und straffen gegen priestern und laienpersonen hinfürter
gänzlich müessigen und enthalten, sonder wo ain laienperson ain
Unzucht, ald priester ald laien ainen andern fravel oder vrerhandlung
uf Iren Stäben begeen würd, sollen sie schuldig sein, solliches jeder-
zeit den wettgeltem zu rüegen und anzugeben, damit dieselben von
ainem rath oder derselben verordneten der gepeur nach gepessert
und gestrafft werden.
Actum montags nach Johannis Baptiste anno 63.
Ordnung aines gebüttels, wie er sich hinfürter ,^^. .
° ° ' August o.
mit atzutig der gefangnen (usserhalb deß malefitz)
halten soll.
Welcher nunhinfürter umb bürgerliche straff vänglich eingekert
und dem püttel in sein verwarung geantwurt würdet und der ge-
fangen zu bezalen Vermögens ist, der mag sich selbst von hauß
uß (jedoch nach ains raths verwilligen und guot ansechen) speisen
und etzen.
Wo aber ain gefangner nit deß Vermögens, sich selbst oder durch
die seinen in vangknus zu speisen oder zu verhalten, so soll ime
speiß und underhaltung usser dem gotzhauß spittal (wie sich gegen
gefangnen und nach gestalt jeder handlung gepeurt) mitgethailt werden,
und namblich uf ainen jeden dergleichen gefangnen deß tags nit mer,
dann ain ruggin laib broths und darzü muß oder erbsen.
Es soll derselbig dem allso gehörter gestalt die narung usser
dem spittal in zeit der fangnus mitgethailt werden, in seiner er-
ledigung neben der gewonlichen urphed schweren und in dieselben
nemen, für ufgeloffne atzung, namblich jedes tags insonders dem
gotzhauß spittal für muoß, erbsen und ain ruggin laib broths acht-
* Von hier ab beginnt der 2. Band der «Protokolle». Die ersten, ebenso die
letzten Blätter sind weggerissen.
Üb«rlmg«n.
zehen pfening zu bezalen, oder aber sotliches nach der Ordnung im
thurti abzudienen.
Im fahl aber ainer nit zu bezaleu het. sonder ehegerüerter ori
nung nach im thurn abdienen miiesse, dem soll deß tags allain ain
halber niggin laib broths sampt muß und brolhs, aber weiter nichtzit
gegeben werden.
Actum freitags, den 5. augusti aniio 63.
AUffUlt H.
Ordnung und ewige Satzung, wie es hinfürter
mit ervordening und einziehung der steu rn von den
frembden gehalten werden solL
i
An heut ist zu ev
gegenwürtigen und ktii
guoter im etter und der *-
bevolhen worden,
weltlich, fürst, gta
a!d anderf
niemands,
vertrag hal
guotern in d
hurender zeil
rrathen und den stüblinßhem
duung gegen meniglichen, so
en haben, strenklich zu halten
fremder, er sei gaistiich odei
, gotzhauß, statt oder spittal,
oder niders stand, davon gaf
?gen gemaiaer statt sonderban*
i geben, ußgenoraen, von den
Biegen zu ordenlicher und ge
eder die güeter noch cmpfangnp
darnutzung davon verstcurt, dem oaer denselben soll aißdann iniibalt
der steurordnung der peenfahl darzü gelegt; und so nun volgend^
ainer vermög alten gepraucbs sein uferlegt steiir bis sant Georgen
tag nechsL darnach dem stijblinßherm nit bezaJt, dero jedem soll
gleich alßbald alle werk in güetern verlegt und weiter zu bawon nil
gestattet, noch niemands darinnen verschont, sonder gegen menig'
Hchem, er sei (wie oblaut), was standts er wolle, hierinen durch*
gcnde cloichait ^ehallon wr^rden. sn Innü nml vil iun jfMlrr allrr
jarnclis sem steur ordenlicher weise angegeben, erlegt und bezalt
hat; dan nun hinfürter von dhainem ainich unwissenhait, bitt, noch
entschuldigung angenommen, sonder diser Ordnung stracks gelept und
nachgangen werden soll. Darnach wisse sich meniglich zu richten
und vor obangeregtem peenfahl, auch darnach gesetzter straS zu
verhüeten.
Actum dornstags, den 3. augusti anno 1564.
1564
August 7.
Stattsatzung: fürterhin ainichem usser dem
rath nit mer in ainer sach, darinnen er an raths
OberliDgen. 555
und oberkait wegen gehandlet, zuo ainem zeugen
außzuozichen.
Meine herrn, ain ersamer rath, haben samentlich und ainhellig-
;h zu ainer ewigen Stattsatzung, stattut und Ordnung gesetzt, statuirt
id geordnet: wan fürterhin ain herr burgermaister, zunftmaister,
d ain anderer rathsfreundt von wegen und auß bevelch ains er-
men raths oder seins tragend ampts halber gegen ainem burger,
woner, hindersäßen, gerichtsangehörigen oder frembden etwas
Indien oder ains ersamen raths bevelch und beschaid eroffnen und
ben, und dan dieselbig sach künftiglich widerumb in ain recht-
:hen span erwachsen, auch für meine herrn, ain ers. rath und ober-
itigericht fürgepracht, und von ainicher parthei, es were cleger
[er antwurter, diejehnigen, so inen von ains ers. raths wegen
sselben beschaidt gegeben und eröffnet, oder in ander weg ob-
hörter gestalt ettwas darunder gehandlet zu zeigen oder zu zeugen
[er kundtschaften auszüzihen begeren würde, das denselbigen ir
tgem aus aller und mancherlai fürgefallnen bewegenden Ursachen,
ich darüber gehaptem vleißigem und ernstlichem nachgedenken ver-
iigert und nit zugelassen, aber die verzaichnus defl rathsprothokoll,
vil dieselbig handlung betrifft, soll dem begerenden iederzeit mit-
thailt werden.
Actum montags, den 7. augusti anno 64.
Ordnung der anlag anno 1566. 1066
Februar 10.
1. Ligende güeter in der statt, darvor und uf dem land :
Erstens soll ain jeder oder jede, sonderlich die wittfrauwen
id unmündtbare kinder durch ihre geordente vögt und pfleger, bei
1 aidspflichten veranlagen die höve und leben, wo inen dieselben
;enthumblich zugehörig sein, nach der gült und nutzung, sovil ein
ies järlich davon eingeends hat, namblich:
Ain malter vesen 3 U ^;
J^^^ j ain malter 2 ff 10 jj ^;
gersten wie die vesen;
ain vierthel erbes 8 jj ^;
ain vierthel aier 6 jj ^;
ain hennen, ain hon 1 (i 2 ^.
Dises alles soll in das hoptgut gelegt und geschlagen werden.
2. Kom und wein u£ dem kastea und im kelter:
Ain malter vesen * . ■ * 4 fi ^;
™f ^° 1 ain nmlter . . . 3 S ^;
habem 1
gersten ....... wie die vesen.
ain f&der
neu wein ..*..... 40 ff ^j
alt wein .,...,... 50 ff ^.
3. Ander ligende güeter, so aigenthumblich Kein
Ttem die heuser, hof statten, äcker, wiseo, gehük, böm, krai
garten und dergleichen gelegne güeter, als lieb ime die Jetzo sein,'
und änderst nit. Docb soll ainem jeden allsdann von erstbestimpten
gelegnen güetem gleich alßbald der halbtheil seiner uferlegien äalä|
wider hinweg gethon und genommen werden.
Die reben soll ein jeglichs, burger, bürge rin, ein woner iiiwl
hindersäß bierinnen anschlagen, benantlich jegliche hofstatt durchiifi
weit oder nahe umb fünfzig pfund phenning.
Und so dann ainer gaistlich und weltüch obgehörter gestall
sein hove und lehen, deßgleichen hauß, hofstatt gehiilz, äcker, oder
reben j als lieb ime die jetzo ist, rechts werts angeschlagnen hal
soll kainer dasjenig, so er bei den güetern schuldig ist, es sei ver
schriben oder nit, ald er Yerzinß es oder nit, davon ziehen.
Was aber einer sonst leufiger schulden schuldig ist, dieselben
mag er wol abziehen.
4. Pfandtscbaft:
Item pfandtschaft, als zinß nach den hoptgüetern.
5. Varnus :
Item ain jeder, als sein vareude haab, es sei parschaft oder
schulden, kom und wein, wie oblaut. Deßgleichen die gewerbs- und
handtwerksleut, als ir waar und haab zu ir jedes gewerb und handt-
werk gehörig, und als lieb es ime ist.
6. Erb- und schuphlehen güeter :
Wölcher maier im erbgerechtigkait uf ainem hove hat, der soll
dieselben, so lieb sie ime ist, anschlagen, und nach demselben an-
Bchlag gar veranlagen und nit nach der hovegült.
Wann aber ainer ain schuphlehenhove bauwet und besitzt, dem
soll sein hove auch nach güete angeschlagen, wie lieb ime derselbig;
wann es ein erblehengüt were, und ime demnach allwegen gegen dem
Oberlingen. 557
«rblehengüt der fünfthail nach gelegenhait und gestalt der Sachen
und gut ansehen der herrn davon gezogen werden.
7. Somen uf dem veld:
Item ainer jeden jauchert ackers, dieselb gehöre in erb- oder
schupflehenhove, ist für som, körn uferlegt, wann sie mit Winter-
frucht steet — 3 malter vesen,
jedes malter umb 4<tg/5?;
und so sie [mit] sommerfrucht — als habern, steet . 3 <8 /5?.
Item, wölcher maier uf ainem aigenthumblichen hove sitzt und
nichtzit davon güldet, dem soll der som uf dem veld gar ange-
schlagen und nichtzit davon gezogen werden. Wölcher aber uf einem
erb- oder schupflehen sitzt und zinß und gelt davon gibt, dem soll
der dritthail von somen gezogen werden.
Wann aber ain maier oder underthon aigen äcker hat, so soll
er dieselben auch, so lieb sie ime sein, veranlagen und darzü den
somen gleichsfahls nach vorgehörtem underschid gar einlegen.
8. Anlag:
Und soll allwegen von allen bewöglichen und unbewöglichen
haab und güetern, auch der gerechtigkait deß göts, so ein jeder be-
sitzt, nutzt und innhat, von einhundert phund phenningen uf und ab
acht Schilling phening, und was nit hundert pfund erlaufen möchte,
von einem jeden pfund drei haller gegeben werden. Wölcher aber
nit hundert pfund pfenning wert, sonder minder Vermögens hat,
wievil das were, der soll von jedem pfund drei haller geben.
9. Leibsteur:
Wann ainer zweihundert pfund pfening Vermögens hat, der ist
dhain leibsteur schuldig.
Wölcher aber allein hundert pfund pfening und nit mehr zu ver-
steuren hat, der soll acht Schilling pfening anlag und darzü für die
leibsteur vier Schilling pfening geben.
Ob aber ainer minder dann ainhundert pfund pfening vermag,
«o gipt er von jeglichem pfund drei haller und darzü sechs Schilling
pfening leibsteur.
Wann aber ainer zeitlichen Vermögens gar nichtzit hat, der
soll geben z& leibsteur siben Schilling pfening.
10. Dienstknecht und mägd:
Item, wölcher dienst, es seien knecht oder mägd zum hoch-
würdigen sacrament gangen, ist es ain manßperson, gibt or zween
558 ^^^^^^^^^H
Schilling pfenmg zu anlag; isl es aber aiii wenJsmlS^aif^chjUiQg
pfeaing.
Wölche dienst aber nit zum sacrament gegangen, die sein nichlzU
zd geben schuldig.
11. Leibgeding;
nichuUj
Diejenigen, so leibgedings haben, sollen die zu hoptgut an-
schlagen, wie sie dieselben erkoflft und allweg von Einhundert pftinden
eingeenden leibgeding acht pfund, und dann alhvegen von hundert
pfnnden acht Schilling pfening; was aber hundert pfimd nit erijagen
mag, von jedem pfund drei halter.
12. Gaistlichen und priester:
Ain jeder priester soll all sein aigenthumblich haab und göt,
so er usserhalb deß beneficiumbs hat, es seien reben, heuSer, odei
pfandtschaft, wie ain anderer burger oder underthon, versteurn, und
denselben gleichförmig gehall cmi werden.
Aber von im benoficicn und einkommen sollen sie all wegen von
hundert pfund acht pfund, und achtzig pfund sechs pfund neun
Schillinge von sechzig pfund vier pfund achtzehen Schilling pfening
geben.
Deßgleichen von parschaft und schulden all wegen von hundert
pfunden acht Schillinge und was darumb, von jedem pfund drei häller.
Und dann die phrundbehausungj unangesehen er besitze es oder
nitj mit acht Schilling pfeningen» und dann die phrundgarten iii-
sonderhait nach ainer jeden hof statt, wie ain jeder anderer burger,
veranlagen. ,
13, Anschlag deß vichs in die anlag:
Ain roß göt und böß durchaufi umb lö tf ^^
ain Zugochsen g&t und böß 10 tf ^;
ain hoptvich in gemain 6tf-^;
ain järling 2 tf ^;
ain heurling 1 tf -j;
ain schaflf 5 P -tJ;
ain frischling 5 P -J;
halben frischling 2(16^;
ain som heuw \
ain som strauwj ^ ^''
ain fuoder stecken 2 ji 8 ^.
Überlingen. 559
Und wann dero letst geschribnen stuck ains under der jär-
lichen hovegült begriffen wäre, soll es auch, wie dann andere hove-
gült in das hauptgut geschlagen und darnach veranlagt werden.
Actum montags, den 10. 'februarii anno 1566.
Gesatz der ewigen jarmärkten. 1660
Juli 6.
Meine herrn burgermaister und ain ersamer rath diser deß
balligen reichs statt Überlingen haben usser allerlai bewögenden Ur-
sachen und sonderlich zu abschneidung deß mißverstands, so bißher
in haltung der dreier jarmarkt, namblich sant Ulrichs, sant Ursula
und sant Niclaus, wann dieselben den gefallnen festen und tagen
nach uf ainen andern tag geendert und verwendt werden müessen,
dardurch aber solliche jarmarkt, nachdem nit ainem jeden die Ver-
änderung derselben wissenthaft gemacht, oder sonst dero bericht ge-
weßt; wienig besucht worden sein, eingefallen, ditz hernachvolgend
Ordnung fürgenomen, auch hinfüro zu halten errathen und für gut
angesehen :
Wann künftiglich der gemelten dreier tag ainer, es sei sant
Ulrichs-, sant Ursula-, oder sant Niclaustag uf ainen sonntag oder
monntag gefallen würd, so soll am nechsten zinstag darnach sollicher
jarmarkt seinen fürgang haben. Würde aber obberüerter tag ainer
den zinstag, mittwoch oder dornstag ergreifen, so soll derselb jar-
markt je und allwegen uf den zinstag in der andern nechst darnach
volgenden wochen, one ainiche weitere verenderung, auch unver-
hindert anderer darzwischen einfallender fast- oder gepannen feirtäg
gehalten werden. Aber deß bonenmarkts halben, nachdem derselb
der zeit und dem jar nach allerjärlichs unverendert gehalten würdet,
laßt es ain ersamer rath bei sollichen, wie von alter her, ditzmals
pleiben. Das alles haben gedachte meine herrn, ain ersamer rath,
hiemit jedermeniglichem, dessen hinfürter ain endtlichs wissens zu-
tragen und mit besüchung eegerüerter jarmarkt desto aigentlicher
darnach mögen gerichten, auch ir ainer den andern diser Ordnung
zu verstendigen wissen, guter wolmainung unangezaigt nit lassen
wollen.
Actum freitags nach sant Ulrichstag des hailigen bischoffs
anno 1565.
^iHfi Überlingen.
i^V [Chriatenlehr-Ordauiig, Bestimmung über die Anzahl der
^''"*' Taufpathen und anderes^]
Meine herren borgermaister und ain ersanier rath diser del
hailigen römischen reichs statt Uberlingeii stellen in kainen Eweifd,
es wiß sit!h ieder menigUchs, Jungs und alts, reich und arm, noch
gnuogsamlich und wol zu erinnern der veilfeltigen vätterlichen und
ernstlichen ermanungen, so verzückter jaren und sonderlich erst neu
lieh neben der veilfeUigen lehre und predig deß seeligmachenden
worts gotles, von wegen abstelhmg des übersindtlichen, erschrocken
liehen gotzlestern und andern Unordnungen, so sich ain '*eit hero in
und außerhalb der kürchen, \if dem kürchhof und anderen geweichten
orLhen, deßgleichen erkaltner und erlosch ner liebe und andacht, m
verzichtung der dienst gottes, durch den herrn pfarhern an offner
canzelj deßgleichen auch in den erbarn zünften ußgegangen und v
kündt worden sein.
Und wiewol ain jeder christenmensch, welcher nach dem eben*
bild gottes erschaffen^ und von gott dem allmechtigen mit veil gnaden
begäbet ist, zum vordersten das reich gottes suochen und in stetleni
ernstlichem fiirsatz sein sündllich leben besseren, solliches alles in
embsiger und andächtiger volnb ringung der dienst gottes christenUch
und herzlich bedenken, auch dem in all weg nachvolgen solte;
so befündt doch aber ain ersamer rath laider das widerspi! der
obangeregten christenlichen leeren» predigen und ausgegangne vätter*
liehe ermanungen in abstellung der laster und bessenmg des lebeos
bei disen hochbeschwerüchen, erschrockenlichenj laidigen zeiten und
laufen, bei baiderlai geschlechten, weder alten noch jungen, manns^
noch frauenpersonen, knaben und döchtern, reichen und armen, wenig
erschossen, sonder das laster der boßhait und versaumung des guoUen
bißher ie mer und mer überhandt genommen hat, also, das er dehain
gerathen, das deren veil ahn den hailigen söhn* und andern durch
die christenlichen kürchen verordnete und eingesetzte feirtägen und
fest mider der predig und verkindung des wort gottes, desgleichen
Verrichtung der balligen ämpter und messen irn stand ahm margt,
an der hofstatt, uf dem kürchhove, dem stad und Gred loben haben,
etil ich aber in dor st fit* nri'l nw den thoren umbspacieren, ire eom-
mertien und gewerb verrichten, laden und entladen und dann etliche
hiezwischen als sonderbare Verächter und schmecher gottes worts
und seiner hailigen ämpter und dienst ir zeit hein und wider in den
^ Von dieser Verordnung ist eine besondere Abschrift vorhanden in St-A.
Abt. VIII, Nr. 146.
Überlingen. 561
Zünften würts- und geßlier-, auch andern heußern und haimblichen
orten und winkeln mit sündhaftigen und schändlichem gesprech,
essen und trinken wider gott, iren nechsten und sich selbst hinbringen,
auch obschon etwelch durch im guotten engein in die kürchen zu
anhorung des wort gottes gelait werden, so laufen sei doch, so bald
immer die predig aus ist, mit ungestimme von dem gemainen bett
hinauß und verhindern darmit das ander andechtig volk in irem
gebett und also dise gnadenreiche zeit uppiglich' und unnützlich suchen
zu Vertreiben und zu verkeren, und dardurch den tag in die nacht
wider gottes Ordnung und natteürlichen einpflanzung zu verwenden
pflegen, welches dann bei Juden und haiden wenig gesehen, sonder
nach irem leben ain andere Ordnung gefürt und gefunden würdt, so
doch ain jedes verstendig christenmensch die speis der seelen durch
hörung deß hailigen wort gottes und christenlich andacht der hailigen
ämpter und messen zum vordersten notwendiglich suochen und be-
trachten, denselben beiwonnen, und damit die zal der christenlichen
gemeinsame und versamblung in gemainem bett erfüllen solten.
Derhalben so last ain ersamer rath die hievor außgegangnen
gebott, auch alle andere hailsame ermanungen hiemit allerdings
wideitunb erneueren und darbei jedermeniglich jung und alt, frauen-
mid mannspersonen, niemandts außgenomen, auß christenlichem eifer
mid gemieth, vätterlich und treuherzig ermanen, es welle ain jedes
selbst zum vordersten seiner seel, hail, nutz, wolfarth und seeligkait
darbei auch die groß noth, angst und gefahr, auch beschwerlichhait
der zeit, darinnen wir diser zeit ermant, seelig leben, auch andere
unserer mitglieder, christenlichs names durch Verfolgung deß feindts
der allgemainen, wahren, rechten und catholischen kürchen diser zeit
jömerlich und laidig stehn, inniglich zu gemieth und herzen füeren,
sich in ain buoßfertig, reuig und besserlich leben schicken und zu
den diensten gottes hinfürter mit mererm vleiß und andacht, dann
biß anhero bescheen, befleißen, namblichen soll niemandts mehr ahn
dem hailigen son- und gepannen feürtägen under der predig und
verkindung des worts gottes und haltung der hailigen ämpter und
messen nit mehr, weder vor der kürche, kürchhof, uf den platzen,
ahm See, in der statt, noch vor den thoren umbgehn oder spacieren,
noch vil weniger dieselben zeit in den wirts-, geßlier-, zünften oder
anderen heusern und haimblichen winkeln und orten zu morgen
essen oder zechen, deßgleichen ainichen wirt, geßlier oder stuben-
knecht ald andere haußgenoß under sollicher verpotner zeit (außerhalb
frembder gast und leüth) niemandts nichzit weder wein noch brott,
kalts noch warms, weder umb gelt noch sonst ufstellen, fürsetzen,
Oberrbelnltche Suultrechte. U, 2. 86
562 ÜberliDgen.
geben noch darraichen ; under was schein das immer gesuocht werden
mechte, sonder sich ain iedes zue diensten gottes und der leer des
hailigen wort gottes verfliegen und dasselbig zum hail der seel hören
und empfahen, auch darinnen biß zum endt des gottesdienst, deß
hailigen ampts der meß beharren, und nit, wie bißher beschehen,
nach der predig auß alter böser gewonhait vor dem gemainen bett
sich abziehen; dann welcher würt, geßlier oder andere haußvätter
ald haußgesindt hainfürter ainichem burger oder einwohner (usser-
halb der frembden) ahn den sonn- und anderen feürtägen imder der
predig und hailigen ämptern essen und trinken geben und ufstellen,
deßgleichen, wa jemandts under sollicher zeit in den würts-, geßlier-
oder andern heüser essend oder trinkend, ald sonst in der statt
oder vor den thoren umbgehend, steend oder spacierend in ver-
saumbung der diensten gottes befunden würd, dieselben alle und iede,
si seien groß oder klain bansen, reich oder arm, die will ain rath
mit ernst dermaßen strafen, das man dermalen ains sein ernstlichs
hochs und großes mißfallen würklich speüren und befinden soll. Dann
ain ersamer rath nit allain die geschwornen diener, sonder ander
haimlich ufseher verordnet hat, uf sollichs ufmerkens zue geben und
guot geflissen achtung zu haben und die übertretter und ungehorsamen
von stund an zu rüegen und anzügeben, damit dieselben ir schuldig
verdiente straff darumb empfahen und gebessert werden megen; dann
ain rath ainmahl dahain entschlossen, diser und ander vorgehender,
auch nachgeschribnon christenlichen Ordnungen und Satzungen wirk-
Hell nachzusetzen und die übertretter hertiglichen darumben zu
strafen. Ob aber der gemelten diener und ufseher ainer oder mehr
sich aucli zu dergleichen gesellen und zechen setzen und mit inen
zwischen den äniplern und diensten gottes zechen oder trinken, ald
solliche strafbare Sachen, wa sie dieselben sehen, gwar oder innen,
nit riegen oder angeben würd, der oder die sollen und werden, so-
oft es fürkompt, gedopelte und zwifache straf darumben nemen und
empfahen.
Und dieweil gott der allmechtig unib abwendung alles anligen,
angst, noth und eilend der ganzen cliristenhait mit neuem herzen
und gemieth, ernstlichem andachl und unufhörlichem gebett ange-
ruoffen und gebetten sein will, und man sich aber biß daher zu den
geordneten, sonderbaren gebetstagen, wann man umbgangen ist, wie
sich laider erscheint, zu dem gemainen gebett wenig geschickt hat,
deßgleichen, wann man zu niittagszeit das türkenbeth leuth, wenig
mehr weder jung noch alt, niderkneuend und gott umb hilf und
abwendung der straf und Übels anruoffen und pitten, so laßt ain er
Überlingen. 568
samer rath abermals hiemit jedermeniglich ermanen, es wolle sich
ain jedes christenmensch, frauen \md man, reich und arm, hain-
fürter zu sollichen sonderbaren gebetstagen, als nämlichen den ge-
wonlichen creitzgang, der freitag vor anfang der friemeß, singen und
betten und sunderlich uf das allerwenigst auß ainem ieden hauß
ain gerichtbare persohn darbei erscheinen und zuo sollichem gottes-
dienst mit mererem ernst und andacht, dann bißher beschehen, selbst
persohnlich befleißen, auch derselben mit mehr andacht, zucht, Ord-
nung und erbarkait beiwohnen oder nachgohn, deßgleichen ain ieder
christenlicher haußfatter oder haußmuoter die jugendt darzu halten
und ziehen, daß dieselbigen in berierten creitztagen, processionen und
gottesdiensten nit durchainandern und ohne ainige Ordnung, gleich-
wie das unvernünftig thier under ainandern laufen, ir unnitz geschwetz
und tadel mehren, verrichten; und dann, wann man täglich aubents
und morgens das ave maria zu mittag zeit, auch das gemain bett
leuth^ welle ain iedes, gaistlich und weltlich, frawen und mann, jung
und alt, er sei im hauß, uf der gassen, in dem veld oder sonst
anderstwo, andechtiglich uf seine kneue niderfallen und gott von
innerlichem herzen umb abstellung alles Übels, straf und Jammers,
damit die gemain christenhait der sinden halben beladen ist, umb
mitthailung der gnaden anriefien und pitten, wie sich dann ain ieder
frommer Christ, ohne erinnert, selbst bedenken, das er von gott
erschaffen, durch sein unschuldig, für uns schuldig geschehen leiden
und sterben und herliche wideruferstehung erlest sei, sich auch
in seinem leben gegen gott, sein seeligmachend wort dankbar, gegen
seinen nechsten und sonst in allweg unverweisenlich und also halten,
das er hie zeitlich mit gott und guottem gewissen leben, dort ewig
seelig genossen, der zeitlichen straf entfliehen und, was ime nach
disem zergenglichem, im ewigen leben nutzlich sein, betrachten mecht,
uf das man von andern nit angesehen, geachtet, oder nach mensch-
licher arth und böser gewonhait geurthailt werden, das man sich
des alten catholischen, christenlichen glaubens allain mit leicht-
fertigen Worten von mund nehme und lobe, das herz und die werk
aber weit darvon seien.
Zum andern ist auch biß anhero ain grose Unordnung in der
kürchen under dem ampt der hailigen meß gehalten, in dem wann
der priester unsern herrn erheben will, das alsdann das gemain volk,
so bei und under dem cohr stehen, hinauf under die cohrthieren
laufen und dem andern volk in der vorkürch vor dem gesiebt stehen,
das si unsern herren nit kennden sehen ufheben, darzü verhindern
si auch die andern priester, so uf irn pfrundtaltarn meß gelesen und
8n*
Überlingen. 565
der Jugend darumben zft straffen, uf welches man dann sonderbar
achtnng und ufmerkens haben würdet.
Zum fünften, demnach das gotzhauß zä den barfüesem
allhie von unsern vorfarn und eitern zu dem dienst gottes, und
nit das man ain trink oder würtshauä darauß mache, gestiSt
worden, und wiewol vor etwelch jaren etwann meine herrn des
raths oder andere erbare betagte alte und wolerlepte männer
anderweilen dahin gangen, mit dem guardian ain trunk gethon, so
ist es ^ber ietziger zeit in ain sollichen mißbrauch gerathen, das
man nunmeer alle tag, sonderlichen aber zu sonn- und feurtägen
allerlai volk sich zusamenthon und haufenweiß gehn, daselbsten
zechen und trinken, das man mit fleschen und kannten nit wol mag
genuog zutragen, und also ainem wirtshauß meer gleichsieht, weder
ainem closter und gotzhauß; derenwegen wellen meine herrn ain
solliches hiemit allerdings und ganzlich abgeschafft und darmit ge-
betten haben, sich deßelben zu- und einlaufens darinnen zu zechen
oder irtinen ze thün, mießigen und enthalten bei ains ersamen rath
ernstlicher straff.
Zum sechsten haben meine herrn burgermaister und ain ersamer
ratb verschiner jaren ain rebbauordnung fürgenomen und gemacht,
dieselbige auch in den erbarn zünften nun etwelch maln verkinden
und darbei gepieten lassen, daß sich in erbauung der reben menig
lieh derselben gemäß verhalte, deß Versehens, es betten sich die
gmainder und rebknecht darinen gehorsamlich erzaigt, dem aber zu-
wider, so haben die unbauschauer bei dem vorigen und nechsten
umbgang nit allain veil umbeu von dem gemaindem, sonder auch
das im etlich die werk darinnen gar nit verriebt haben, befunden;
derwegen lassen meer wolgemelte meine herrn burgermaister und
ain ersamer rath angezogne erneuerte rebbauordnungen hiemit
widerumb verkinden, wellen und gebieten darauf auch allen und
würdet sein, wie dann bißher beschehen, und ain solliches durch die
gmainder bauen, daß si sich derselben gemeß verhalten und sonder-
lich die gmainder, deren die reben nit aigen seien, dann, wa das nit
besehen, und ainer oder meer darinnen farleßig und ungehorsame
würdet sein, wie dann bißher beschehen, und ain solliches durch die
verordnete und gesehworne unbauschauer befinden und ainen ersamen
rath, wie si es irn pflichten und aiden ze thun schuldig zu erkennen
geben, den oder dieselbigen rebknecht würdet man gewißlich, ohne
alle gnad und fürbitt, mit weih und kind der statt und irer, auch deß
gotzhauß spitals gerichten verweisen. Darumben wissen sieh dieselben
darnach zu halten.
m überilugM.
Zum sibenden haben meine herni kurz verschiner zeit auch in
den erbam ziinften verkünden und gebieten lassen, daß fürohm
kain burgersdoehter mit einem frembden gesellen ohne wissen mi
willen im eitern, verwandten, oder vögt und pfleger verheiraten trollen,
dann da eine oder mehr das thon werde, werde man si mit iretn
mann hinauß schicken, deÖ Versehens, es sollen sich die ledigen
burgerssühn, deßgleirhen die wüwer allhie, sollich urdnimg ennoerl
und derselben bei irer Verheiratung gleichiermig erzaigt und ver
halten haben. So befinden aber meine berrn, ain ersamer rath, das
nuhn ain zeit hero die ledigen burgers söhne von frembden orthen
vveiber hierein bringen, deßgleichen die witwer sich gegen frembdi'
verheiraten, dieselbigen auch in die statt bringen, dardurch dami
des gotzhauß spiüals die spendl und andere gestiffte armuosen hocli
lieh überladen und beschwerdt werdmu Derwegen wollen und gepielen
meine herrn, ain ersamer ratJi, daß sieh die ledigen gesellen und
burgers sölme, wie auch die wilwor in irer verheiratimg gegen deö
auÜländischen oder freuiliden etwas bedachtUcher und heschaiden*
lieber verhalten; dann wo das über diso getreue Verwarnung nit he
schehe, würden meine herrn, ^ain ersamer rath, die widerwerÜgen
und ungehorsamen mit iren frefubden zügeheuraten frauen von der
statt hinaußweisen, und si ires aÜeu ererbten burgerrechts von wegm
sollicher irer ungehorsame nit geniessen lassen, Damach wessen
sich dieselbigen zu verhalten.
Zum achtenden. Nachdem abermals ain anzall mordbrennef
im land hin und darwider umbzichen und durch brand groß jammer
und noth anrichten, derhalben so lassen obgemelte meine gepietende
und gönstjge herrn, ain ersamer rath, allhie iedermöniglich auß ge-
treuer sorgfeltigkait ermanen, mit guoller huot, sorg und wacht dester
gewarsammer und behuotsammer zu sein, und tag und nacht uJ
solliche und dergleichen argw^enische personen geflissen ufmerkhens
zu haben; imd ob iemandts soJticher personen verdäehtig nachts oder
tags sehen und vernemen würd, dasselbig alsbald meinem herm
burgermaister, oder in abwesen seinem Statthalter anzaigen, damit
man die gebür gegen sollichen schadhaften personen handien, auch
übel und unrath zeitlich fürkommen mege.
Actum sonntags exaudi anno 1585.
Die ^Protokolle sämtlicher Gebote und Verbote des Ratssu Überlingen^
füllen 2 starke in Buchform gebundene Folianten mit 263 beew, 450 be-
schriebenen Blättern und reichen von 1552 bis 1609, Dabei ist jsu bemerken,
daß vom 2. Band eine Anzahl Blätter weggerissen sind, die noch Proto-
kolle bis zum Jahre 1616 enthielten. St.-A, Abt. VIII, Nr. 147 bem.
Überliogen. 567
W, Vom 2. Band wurden nur wenige Verordnungen hier aufgenommen,
i aUe übrigen lediglich Wiederholungen früherer Erlasse darstellen. So
hren e. B. die Kornordnung y die Herbstordnung, auch vorstehende Christen-
hrordnung jedes Jahr wörüich wieder.
XLI.
ie Stadt Überlingen erwirbt von der Deutschordenskommende
ainau, dem Gollator und Lehensherm der alten Pfarr- und Mutter-
rche Aufkirch und der beiden Filialen Überlingen undHödingen,
das Patronatrecht über die Pfarrkirche St. Nikolaus daselbst.
1557 Juli 17 Überlingen.
[Bürgermeister und Rat der Stadt Überlingen setzten den Pfarrer
.ncentius Hardtweg daselbst eigenmächtig ab. Die Deutschordens-
)mmende Mainau erblickte darin einen Eingriff in die ihr als Collator
istehenden Rechte und beschwerte sich dagegen. Die im Verlauf
is Streites eingeleiteten Verhandlungen führten zu dem Ergebnis,
iß die Deutschordenskommende ihre Collatur-Rechte und Gerechtig-
>iten an der Pfarr- und Mutterkirche zu Aufkirch und deren Filialen
jerlingen und Hödingen vertragsmäßig an die Stadt Überlingen abtrat :]
. . . Das die vilgemelten herrn landcomenthur und hauß-
comenthur zu Mainow und von desselben hauses und comen-
thurei wegen die collatur und lehenschaft der alten pfarr- und
mutterkürchen zu Uffkürch und der baiden filialn zu Überlingen
und Hedingen, ouch der caplonei sant Katharinen althar auf der
glinken selten sant Niclaus kürchen zu Überlingen, so ver-
gangner zeit diser pfarr annectiert und eingeleibt worden, mit
allen rechten, gerechtigkaiten collandi, nominandi et presentandi,
wie es bißheer dem haus Mainow zügehörig gewesen, und die
herrn comenthur in Übung gehapt, nicht vorbehalten, auch der
darzue gehörigen zinsen, haus, hove, bom- und rebgarten, wa
und an wellichen enden die gelegen, mit grund, boden und aller
niessung und sonst aller andern gerechtigkaiten, accidentalien und
zustand in der kürchen von der stol, jarzeiten und seelbüch, wie
das ain pfarrer bißher selbs eingenomen, den vorbenanten herrn
burgermaister und rathe zu Überlingen und iren nachkomen über-
geben und absteen, derhalben in eewig zeit dhain recht oder ge-
rechtigkait nit mer haben, suechen oder gewinnen. Und nach-
dem bißheer die herren comenthur deß hauses Mainow ainen
pfarrherrn zu Überlingen mit ainem caplon und vier heifern under-
halten, und so weit sich die nulzung der pfarr zuegehörigen
Überlingen. 569
güetter, wie die herrn comenthur zu Mainow dasselb als lehens-
herrn hergepracht und bißheer in Übung und geprauch gewesen,
und die accidentalia und beinutzungen, wie es der pfarrer biß-
heer haben hergepracht, mitsampt im anhangenden beschwerden
und uncosten underaemen, an sich ziehen, auch die pfarr mit
taugenlichen priestern besetzen, wie das inen als collatoren, no-
minatoren und presentatoren wol zusteet und gebüert, und der-
massen versehen, das derhalben von den pfarrleuten und under-
tonen pilliche clag nit volge, und das hauß Mainow oder des-
selben zehenden und güetter hierumben in ainichen weg, wie
sich das begeben möcht, nicht angelangt oder angezogen werden
mögen. Nachdem ouch beed partheien ain notturft sein bewilligt,
das diser gepflegter handlung und vergleichung halben bei bäpst-
licher hailigkait und höchstgemelter röm. kais. m. (als dieser
zeit in namen der röm. kais. m.) ouch unsers allergnedigisten
herm Statthalter im römischen reich confirmationen außgezogen
und erlangt werden, ist abgeredt und von baiden thailen güetlich
angenomen, das sollichs in baidenthail costen beschehen, allso
was derhalben in ainichen weg für außgaben geton werden, das
ieder den halben thail erlegen und bezallen soll. Und so die
confirmationen erlangt und zu banden gepracht, sollen dieselben
zu baiden thailn notturft an ort und end, wie man sich der ver-
gleichen soll, hinderlegt werden, und iedem thail ain glaubwürdig
vidimus darvon volgen lassen. Wann das beschicht, soll herr
landtcomenthur und comenthur zu Mainow alle brief, so diser
pfarr halben verbanden und erlangt, sovil deren bei deß herrn
comenthurs banden und die pfarr berüeren, burgermaister und
rath zu Überlingen zugestellt werden, sich derselben der not-
turft nach haben zu geprauchen
[Beide Partheien wiederholen nochmals den Inhalt vorstehenden
Vertrags und versprechen dessen getreue Beobachtung.]
Geben und beschehen zu Überlingen, sampstags den siben-
zehenden tag deß monats julii deß fünfzehenhundert und sibenund-
fünfzigisten jars.
Orig. Perg. mit 6 anhangenden Siegeln (davon 1 ahgef,) der Stadt
Überlingen^ des Land- und Hauscomthurs zu Mainau, sowie der Obmänner.
St.'A. Abt. LX, Nr. 1544.
570 Überlingen.
LXII.
Gütlicher Vertrag zwischen Gh*af Friedrich zu Ffirstenberg, Werden-
berg und Heiligenberg und der Stadt Überlingen wegen eines
streitigen Artikels im Vertrag von 1469, den Untergang betreffend.
(Unterhändler Graf Hugo v. Montfort.)
1558 September 6.
.... So ist durch uns (den Grafen Haug v. Monfort und Roten-
vels) mit beder partheien gutem willen und vorwissen derselbig ar-
ticel also geleutert:
Das die von Überlingen nun hinfüro gegen jedermeniglichem in
alweg, niemandt ausgenomen, in ir nidem gerichten durch ire ampt-
leut und underthonen die gieter ausmarken, auch die undergenger
beaidigen und abvörtigen mügen; es were dann sach, das obemanter
unser schweher, grave Friederich, seine erben und nachkommen,
darzu auch ire underthonen und hindersässen der graffschaft Haiigen-
berg in gedachter von Überlingen nidem gerichten gieter ligen betten,
und dieselben durch sich selbs von hauß auß oder andern hüber
unangesechen, wa die gesessen seien, baweten, desgleichen, was
andern auslendischen personen zügethon und auch gieter in viler-
melter von Überlingen gerichten ligen betten, und solliche gieter
durch sich selbst, von hauß auß oder durch andere hüber, so den
von Überlingen von deß gorichtzwangs wegen oder sonst mit glipt
lind ptlicht nit verwaut oder ander inen seshaft weren, pauweteii.
SC) sollen die von Üborlingoii oder iro amptleuf alwogcn aiiieni vos'
oder amplinau gen dem hailgenberg einhietlen, die sollen alsdann
one hinderung zu (Jeni undcu'gang keren, die aid geben und sons*
dehain gepol darbei Ibun; ob sie al)er nit körnen oder liinderiinc
darinnen thun wellen, so sollen und mügen der gemelten \'on l'ber
lingen aniptleut danzumal die aide der vögt und amptleit halb zniii
Hailgenberg ungc^stralTt geben, darniit der undergang nit gehindert
nocli verzogen werd. Sonst und userhalb ditz puncten soll es i»ei
allen andern zwüschen gemelten parteien und derselben vordem hio
vor aufgerieliten vertragen entlich und ^enzlich besteen and plibeii.
und denselben hiedureh nicbtzil benomen sein. . . .
Venj, 0 )'{(). mit den Sicf/clH (hs Grafen von Montfort, des Grafrn jm
Furstenhenj etc., und der Stadt ÜhcrJinf/en St.-A. Aht. LXXIII, Xr. JiUl'K
Au^f. Hey in den ' JMittefhoujc}} ans denf f Filrstenhergischen Archiv,
Bd. i, S. .os;/:
Überlingen. 671
LXIII.
Schadenstrafer- und Wettgelter-Ordnung,
uino aintausend fünfhundert vierundsechzig gemacht und zusamengezogen.^
1564.
§ 1.
Meine herrn burgermaister und ain ersamer rath diser deß
balligen reichs statt Überlingen haben im mitburgern und raths-
Ereunden, den schadenstraffern und wöttgeltern, gegenwürtigen und
künftigen, so jederzeit darzu verordnet werden, ditz hernachvolgende
Satzungen und Ordnungen fürgeschriben, wie sie sich gegen den ver-
prechem und puoßwürdigen in straffparn fahlen halten und be-
fleissen.
Insonderhait aber, wann jemands vor inen fürgestöllt und uf
ainen artikel beclagt, auch der clag schuldig befunden würdet, soll
er innhalt artikels, ohnangesechen, er sei reich' oder arm, ungemündert
und ungeendert gesetzter straff, ohn ainich hinder-sich-pringen, von
inen gestrafft werden.
Es were dann, das die sach so frävenlich und bedächtlich ge-
handelt werden, und inen dieselben zu straffen beschwerlich were,
mögen sie solliche Sachen, und sonst nit, an ainen ersamen rath
gelangen lassen, oder aber je nach gelegenhait und gestalt der hand-
lungen und sachen in zweifeligen und ungevarlichen dingen irem
guot bedunken nach für sich selbst straff darinnen fürnemen.
Wo auch ainer gegen dem andern, in was sach das were, das
gegenrecht begern würde, soll ime dasselbig zu geprauchen unbe-
nomen, sonder vorbehalten sein; iedoch aber sie, die herrn wött-
gelter und schadenstraffer, ohnangesechen deß begerten gegenrechtens
nichtzit destominder mit der straff fürfarn und dieselben der par-
theien eröffnen und anzaigen.
WöUicher nun allso das gegenrecht üeben und prauchen will,
von demselben soll nit mer halbe, sondern ganze puoß genomen
werden.
Wölt oder würt sich aber ainiche parthei ir, der verordneten
scbadenstraffer, endtschid oder straff mutwillig widersetzen und
solliche Sachen ainem ersamen rath unbefüegt und unpillich für-
pringen, der soll nach gelegenhait der handlung mit sonderm ernst
darumb gestrafft werden. Was auch die fünf verordneten schaden-
^ Diese «Ordnung» enthält ssumeist keine neuen Bestimmungen, vielmehr sind
die Artikel größtenteils wörtlich aus den Stadtrechten bezw. aus den «Protokollen
aller Gebote und Verbote» entnommen. Hier werden deshalb nur die neuen Texte
vollständig, im Übrigen aber nur die Überschriften mitgeteilt.
Überlingen. 578
standen, und hab sich mit dem gegenthail vertragen, ohnangesechen,
der pittel werde desselben gewar oder innen, ald es werd ime, pittel,
«lagt oder nit, danimben gestrafft werden, und so es ainem das burk-
lecht berüeren, auch ainer dasselbig übergehn würd, soll es der
pittel alßdann ainem herrn burgermaister oder seinem Statthalter
nnverzogenlich eröffnen und anzaigen, dargegen innhalt der Satzung
wissen zu handeln.
Es soll aber der pittel bei seinem geschwornen aid mit den ge-
potten niemands übereilen oder vorthailiger weiße überruck tragen,
.noch wider deß clägers guoten willen und wissen uß dem weg halten,
ald für sich selbst aigne zill und fristen geben, sonder innhalt seiner
▼örtigung hierinnen ain glaicher und gemainer diener sein, dem armen
als dem reichen, dem burger als dem gast; wo aber die herrn
. achadenstraffer befinden, das er, der pittel, jemands umb gunst, ge-
nieß, forcht oder vorthails willen überruck tragen, ainichen vor-
fhail und gefahr prauchen und die pott nit ordenlicher weise, wie
oblauth, fürgehn lassen würd, so soll er darumben nach gestalt der
Sachen auch gestrafft, oder wo es von ime gevarlich gehandelt, die
sach für ainen rath gepracht werden.
§2.
Von fräflungen mit gewaffneter und ungewaffneter band.
Abs. 9: Item wann zwen ainander schlachend, ob dann ainer
zft dem andern clagt, er hab ine geschlagen, und dann der ander
spricht, er hab es angefangen, und wolle ain nothwehr war machen,
thuot er das, so rieht er, der das schlachen angefangen hat, für sie beed.
Abs. 10: Wo aber zwen mitainandern fräveln würden imd beed
desselben nit bestendig sein, so soll solliche sach für obergericht
gewisen und daselbst gestrafft werden.
§3.
Deß fridbotts halben.
§4.
Von glidem und äugen.
§6-
Von nachjagen in die heuser.
§6.
Vom ußvordern und fensterwerfen.
Überlingen. 575
§18.
Von bauchen,
welliches ain wesch an dem See oder an offner freier gassen
den geordneten orthen bei gemainer statt bauchkösseln
st zu straff ain phundt phening verfallen,
aber ain wesch in seinem hauß bauchet und dhain aignen
1 eingemaurten kössel hat, ist die straff drei phund phening.
§19.
Von frömbden personen.
well icher burger oder einwoner seinen vatter, muoter, ge-
1, geschwistergit oder ander verwandten, so nit burger oder
ichi alhie sein, im schein einer verleibdigung oder sonst
sen ains raths in underhaltung ufnimpt, ist die straff sechs
lening.
§20.
on vich- und roßwaiden, auch befriden der güeter.
§21.
Von schaden an güetern und fruchten.
§22.
Von ainrößlern und karrern.
I wellicher ainrößler und karrer, ald anderer burger und ein-
lie, für sich selbst, oder uf ains andern bevelch und gehaiß
ierer oder frembder eingezünte und verpannte wisen, gärten,
und güeter ohne erlauptnus fort und zeun, högei: oder
; ufbricht und nit die gewonlichen landtstraß gepraucht, der
es beschicht, ain phund phening zu straff verfallen.
§23.
Frömbde gericht,
§24.
Von vählen.
§25.
Stattmaur und graben.
. 2: Deßgleichen, wöllicher in die graben räum oder ander
kait schütt oder würft, ist die straff ain phund phening.
Überlingen. 577
:auft hetten, mit der bezallung so lang ufzüg, das sie dardurch
hindert und alhie pleiben müeßten, derselb müUer soll umb ain
md phening gestrafft werden.
Bei gleicher buoß soll auch jeder müller, wo er dermassen seinen
iden körn kaufen würd, dasselbig von stund an dem grödmaister
:aigen und davon zoll und grödgelt selbst bezallen.
Item wöllicher burger oder einwoner ainem frömbden ohne er-
pt der herrn marktverseher oder unwissend deß grödmaisters
ich getraid, vil oder wienig, allhie kauft, ist die straff drei phund
ming.
Desgleichen soll dhains kornkeufers factor oder bevelchhaber,
sei frömbd oder haimbsch, müller oder anderer, kain körn, haber,
3h anders, so er alhie in der Gröd kauft hett, darauß tragen noch
jren, er hab dann darvon zoll und grödgelt gericht, und werd ime
n grödmaister erlaupt, bei obermelter straff.
§33.
Von ruppen, gewürm und stichern.
§34.
Von Juden.
§36.
Vaßnachtküechlin, mummerei und tanzen halben.
§36.
Von gotzlestern und flüechen.
§37.
Von epitaphiis, bildnussen und grabstainen uf dem gotzacker.
Item wöllicher die epitaphia, tafeln, bildnussen oder grabstain
dem gotzacker verwüestet, zergengt oder zerschlöcht, ist ohn alle
ad fünf phund phening verfallen, und thuot es die Jugend, sollen
die eitern anstatt derselben büessen.
§38.
Vom Haulbach.
Item wöllicher den Haulbach wüestet und allerlai unsauber-
it und unbaw von zerprochnen häfen, kachlen, stainen, thodten
Oberrheinische Stadtxechte. II. 2. 87
Überlingen. 579
§45.
Von karren und trüchen.
Item wölcher biirger oder einsaß ald ainrößler seine karren oder
trüchen tags oder nachts an den gassen, uf den almen oder andern
orthen verhinderlich stöllt, allso das man in fürfallenden nöthen nit
freien ungespörten wandel haben kan, dero jeder ist, sooft es be-
schichte ain phund phening zu straff verfallen.
§46.
Von weinlader laitern und sailern.
Item wölliches den weinladern ohnerlaupt ire laitern und sailer
nimpt und gepraucht, dero jeder ist, sooft es zu clag von ime kompt,
ain phund phening zu straff verfallen.
§47.
Von mistschaw.
§48.
Von klötzsprengen.
Item wöUicher, er sei reich oder arm, ainichen klotz, klain oder
groß^ in der statt mit pulver zersprengt, ist die straff fünf phund
phening.
§ 49.
Von selbgeschoß.
Item wöllicher in seinen aignen gärten und güetern in der statt
und usserhalb oder sonst in dem veld selbgeschoß legt, ist die straff
fünf phund phening.
§60.
Der frömbden kraner halb.
Item wöllicher burger, gastgeb, geßlier oder einsaß alhie ainem
wählen oder frömbden kraner nach voUendtem jar- oder wochen-
markt ainichen kraum biß wider zfi nechstem markt einstöUt oder
behölt, der ist zu straff verfallen fünf phund phening.
Deßgleichen, wöllicher wähl oder frömbder kromer seinen kraum
nach ußgang deß jar- oder wochenmarkts inhalt der alten Ordnung
87«
Überlingen. 581
§57.
Von straff deß lasters der unlauterkait.^ 1602
Wan ihren zwai, dieselben seien gleich noch ledig oder im
wittwenstand, die werk der unlauterkait mit ainanderen getreiben,
deren iedes, es sei gleich die dochter oder wittfraw, geschwengert
oder nit, ald setzen ainanderen zuo den ehren, oder haben hochzeit
oder nit, rieht der statt zuo unnachlößlicher straff zehen phund
phening, und solle darzuo solche hochzeiterin durch baide hebamman
zuo imd außer der kirchen gefürt und beglaitet, auch gedachten
hebamman das mahl bezalt und geben werden.
Im fahl aber zwai deßhalben, sonderiich aber die hochzeiterin,
sich von den hebamman nit wolte füeren lassen, und derentwegen
nit alhie, sonder zuo Einsidlen, Engelschwiß, Birnaw ald anderstwo
hochzeit halten, dieselben sollent gemainer statt die straff dopplet,
das ist vierzig pfund pfening verfallen sein, und eher oder zuvor
in die statt nit kommen, biß solche straff entricht und bezallt ist.
Publicirt in zünften den zwenundzwainzigisten februarii anno 1602.
Renovirt und mit ainhelligen rathschluß also darob steuf zuo
halten decretirt freitags, den ainundzwainzigisten januarii im sechs-
hundert und zehenden jähr.
§58.
Von Wildpretschützen. i626
Jnli 5.
Wiewohl herrn burgermaister und rath dißer deß hail. röm.
reichs statt Überlingen zuo verschiedenen mahlen ihre bürgere ganz
trewherzig und vätterlich verwahrnen und ermanen laßen, sich deß
wildprettschießens und hinwegnemmens gänzlich zuo müeßigen und
zu enthalten, so befindet sich doch im widerspil, das solches von
tags zuo tags, je lenger je mehr, verüebt und getriben würdet und
die genachparte und angrenzende forstherren in ihren forsten und
Waldungen allso angegriffen werden, das täglichs bei ehrngedachten
herrn burgermaister und rath so mündtlich so schriftliche vilfältige
clagen vor- und angebracht, auch gar etwelche wildprettschützen nam-
haft gemacht werden. Dahero auch vorderist ain ersammer rath wie
zuogleich ain ganze ehrliebende burgerschaft in höchste gefahr, ver-
schimpfung und spott gesetzt würdet. Selbigem nun vorzukommen
und nach moglicheit zuo steuren, so laßen oftehrngedachte meine
gepietende herrn burgermaister und rath jedermeniglichem noch-
1 Dieeer, sowie die folgenden §§ sind spätere Nachträge.
m
mahls und zum leisten wolmaintlich ermahnen, sich varangeregten
wüdpreitschießens (es seiend roher, hürseh, seh wein und dergleichen <
gänzlieb zu enthalten und defleu in rhuo zu sein; dann da jemaiids
diße Warnung und verpott verächtlich in wind schlagen, und dar
wider sich vergreifen, nnd wildprettföHen hierein oder anderer orleri
tragen, füehren, verkaufen, oder selbsten verzehren und deßelbigen
verkundtschaft werden sollte, der oder clieselbigen sollen ^üßbalda
mit weih und kindern von und auß der statt und dem burgerre<:lit
gewiBen und diejenigen, so dergleichen wildprett, wenig oder vü,
den schützen abnemmen und kaufen, wie zuogleich. die ihnen daßelbig
über See oder andern ort wüßentlich füehren, ieder umb die große
Einigung, das ist 40 ß .^, imnachläßlicb abgestrafft werden; fahls
aber ainer solche geseticto geltstraS zun bezahlen nit in vermögen
bette, will ain ersamer wolweißer ratb schwehre Ihurn oder andere
leibstrafT darfür anzuosehen und fürzuonemmen vorbehaUen habeü.
Derobalben würdt ain jeglicher sieh darnach wüßen zuo ricJilen und
vor schaden selbsten zu verhüeten.
Decretum in senatu 2. julii anno 1626,
Publiciert den 5. julii anno 1626.
HM
IL
I
4
Extractus Reichsstadt Cberlingensche llatbs-Prüiho'
koUi^ d. d. donnerstags den IL Merz 1751:
Demnach ain loblicher Magistrat mit höchstem llißfallen walir*
nemmen müßten, waßmaßen die fornicationes und impraegnationes
an seithen deren allhiesigen Contingents-Soldaten eine Zeith hero
sehr stark in dem Schwung zu gehen und überhandt zu uehmen be-
gundten, dahero auch und den 5. huius und heuthigem dato, wie in
dem Landtschafts-Cassenamts-Fürtrag-Buch des mehreren zu ersehen,
die Verordnung gemacht und geschlossen worden, daß fürohin derlei
delinquirende Soldaten zu Roß und Fuß nebst vorläufig wohl ange-
meßenen 50 sogenannten Arschböller und außzüechung der großen
Montour ihrer Diensten caßirt und entlaßen, soforth aus der Stadt
und derselben Gerichten verwießen werden sollten; herentgegen aber
auch verlauthen will, daß die leedige Weibsbilder, so mit ihnen diß-
fahls zu thuen hätten, ebenso schlimm und keinnützig alß die Sol-
daten selbsten wären und dißen mit beständigen Nachlaufen und
verbottenen Zusammenkünften großentheils darzue Anlaß geben
thäten; alß ist in dißen weißem Betracht, zumahl zu hinkünftiger
möglichisten Abwendt- und Verhüthung derlei großen Beleidigungen
Gottes die bißher in dißen deHctis üeblich geweßene Geltstraff nun
gar und gänzlich aufgehoben, dargcgen aber staluiret worden,
Überliogen. 588
dafi alle in hoc puncto mit denen Soldaten sich versündigende Weibs-
bilder ohne Unterschiedt, sie seien gleich verburgeret oder nicht, mit
dem strohnen Kranz eine Stundt lang öffentlich auf das Geigen-
bänkle außgesezt, forth aber auf zwei Jahr lang ohne weithers aus
der Stadt und dero Gerichten verwießen werden sollen.
Orig. Pap. In Pappe gebundener Großföliafit mit 40 schön beschrie-
benen^ aber Spuren starker Benutzung aufweisenden Blättern. Das Heft etU-
hält außerdem einige RatsprotokoUe über die praktische Anwendung der Ver-
ordnung vom 11. März 1751, sowie einige von dem Notar und Gerichts-
secretarius Peter Antoni Cotto begl-aubigte Abschriften der vofn kaiserlichen
geheimen Beichsregistrator J, H, von Alpmanshoven in Wien gefertigten
Copien kaiserlicher Verordnmigen vom 29. November 1650^ 24. Januar
1563 u. a., deren Originale in Überlingen s. Zt. unauffindbar waren.
St.'A. Abt. rill Nr. 167.
LXIV.
Kaiser Maximilian II. gibt der Stadt Überlingen ein erweitertes
Privilegium wegen der Juden.
1566 80 März Aagsburg.
Wir Maximilian der ander, von gottes genaden erwölter Römischer
kaiser etc. etc. bekennen öffentlich mit disem brief und thuen kundt
allermeniglich, das uns unser und des reichs lieben getreuen burger-
maister und rath der statt Überlingen undertheniglich fürbracht und
zu erkennen geben: Wiewol in göttlichen und beeden geschrib-
nen rechten, auch uusern und des hailigen reichs Constitutionen, Sat-
zungen und Ordnungen, fifrnemblich aber in den reformationeu und
polliceiordnungen, so auf etlichen hievor gehaltnen reichstägen aufge-
richt, deßgleichen auch in des zwei und dreissigisten zu Regenspurg,
und dan des achtundvierzigisten und einundfünfzigisten jars der
wenigeren zall alhie zu Augspurg gemachten reichsabschiden, all« und
iede wucherische conträct und handlung, gemainclich und meniglich,
fümemblich aber den Juden und judinen vor andern höchlich verpotten,
so understüenden sich doch etliche Juden und judinen, so allenthalben
hin und wider gesessen seind, si, die burgermaister und rath der stat
Überlingen, iren dienern, aigenleutheu, hindersässen, underthonen, zu-
gehörigen und verwoudten, auch derselben weibern, ehehalten, dienst-
potten und hausgesindt, über vill beschehen ire gebott und verpott, one
des burgermaisters und rats der stat Überlingen vorwissen und erlaub-
nus, nit allein auf ihr varende und bewegliche haab, sonder auch auf
584 Überlingen.
ligende aigne bestandt- und lehengüeter, auch weil auf ihren tranea
und glauben zur laichen und andere contract mit ihnen zu treffen und
zu scbliessen und sie hemachmals mit beschwerlichen processen anzoe-
fechten und zu vervolgen, auch etwa gar von heuOIichen eheren zo
treiben, und also sambt weib und kinderen an den pettelstab zu bim-
gen, wölliches dan nit allain zu gedachter irer diener, hindersftSfleOf
underthonen, zugehörigen und verwandten merklichen beschwerdeo,
schaden und verderben geraichte, sonder auch inen an iren lehen- ood
zugehörigen güetern nachtailig were, und uns darauf diemüetigJiGli
angerueffen und gebetten, daß wir inen, iren dienern, aigene leuth, hin-
dersäß, underthonen, zugehörige und verwandten hierinnen noit gnadeo
zu bedenken und inen zu verhüetung und abwendung soUicher vo-
derblicher beschwerlichaiten und deßhalben täglichs clagens und anlan-
fens mit unserer kaiserlichen hilf und einsehen zu erscheinen gnadig-
clich geruechten.
Dieweil wir dan aus kaiserlicher güete und miltigkait allzeit ge-
naigt seind, aller und ieglicher unserer und des hailigen raichs under
thonen und getreuen nutz und frommen zu betrachten und zu beflta^
dem, so haben wir angesechen sollich gedachter burgermaister und raA
der statt Überlingen und ihrer underthonen, zugehörigen und verwandten
beschwerlich anliegen und demüetig bitt, und darumb mit wolbedachtem
muth, guetem rat und rechter wissen obgenandten burgermaistem und
rath der stat Überlingen dise besondere gnad und freihält gethon:
Namblich, das nun hinfüro nach publicirung, insinuirung und verkün-
dung diser unserer freihält kain jud oder judin gedachten burgermaister
und rath der stat Überlingen dienern, aignen leuthen, hindersässen,
underthonen, zugehörigen und verwandten, noch auch iren weibern,
kindern, eehalten, dieustpotten und haußgÄind weder auf ligende, un-
beweghche aigne bestandt- oder lehen-, noch auch auf vareiide und
beweghche güeter, noch auf andere underpfand, brief oder verschrei-
buug, noch auf iren trauen und glauben, weder mit noch ohne wuecher,
weder wenig noch vill, oue ir, der burgermaister und rath zu Über-
lingen vorwissen und erlaubnus, nit leiehen oder fürstreeken, auch mit
ihnen nichts tauschen, wechßlen, noch ainiche anlehens oder andere
contract, wie die namen haben mögen, benannt oder unbenannt
(ohne allein, was zu täglicher narung und notturft und varender
haab umb par gelt gekauft oder verkauft würdet, und die freien auf-
richtigen handtierung und comertien in den freien offenen messen und
Jahrmärkten außgenomen), weder mündlich noch schriftlich, heiniblich
noch öffentlich, umb was Sachen das were oder sein möchte, nit ein-
geen, noch auch solliches anlehens getroffner contract, Obligation und
Überlingen. 585
ndlung halben, so nach publication diser und unserer freihält ohne
rwissen und bewilligung gedachter burgermaister und rath zu Uber-
gen und irer nachkomen gemacht werden (unangesechen, ob dieselben
t band gegebner trew und glauben, auch geschwornen aiden be-
ttigt worden), vor unserem und des balligen reichs hofifgerieht zue
^ttweil, land- noch ainichen andern frembden gericht nit fürforderu,
dagen, noch ichts auf solliche der Juden fürfordem und clagen er-
ndt, gericht, noch geurtailt werden, auch in sollichen conträcten, ob-
ationen und yerschreibungen gar kain verborgner lißt oder betrug,
I ob das darlehen durch ain dritter person, als durch ainen Christen
scheche, oder sonst ander betrüglicher schein, wie dern etliche in
seren und des balligen reichs Ordnungen und abschieden, sonderlich
8 ain und fünfzigisten jars außgedruckt und wie die immer genandt
irden möchten, nit gebraucht oder fürgewendt werden, und da dem
der gehandelt, die Juden das hauptgut des dargeliehenen oder auß-
sehlten gelts, sambt daraus folgender schuld, verwürkt und ver-
len haben und solliches vilgemelten burgermaister und rath der stat
>erlingen oder Iren nachkommen zuesteen und ohne Verhinderung
)iben. Darzue auch, wöUiche Juden oder judinen von der herrschaft,
runter sie gesessen, auf obberürter burgermaister und rath der stat
>erlingen oder derselben nachkomen ansuechen ervordert und nit
saigen oder underschiedlich darthuen, was gemelter burgermaister
d rath der stat Überlingen diener, aigenleuth, hindersässen, under-
>Qen, zugehörige und verwandten, inen vor dato diser unserer kaiser-
hen freihält schuldig, und waß sie derhalben für versprochne, zuege-
jte und verschribne pfand oder underpfand haben, und darumben
DUgsame briefliche iu*kund fürlegen, davon abschriften geben oder
Igen lassen würden, dieselben Juden oder judinen aißdan von solli-
er verschwigner schuld wegen nit mer gehört noch zue clagen zuge-
een, auch vilbemelten burgermaister und rath der stat Überlingen
er ihre nachkumen, den Juden oder judinen, nichts darüber, weder
fnig noch viel, zu bezallung sollicher verschwigner schulden ver-
gen lassen, sonder solliches alles verwürkt und inen heimbgefallen,
iziehen und behalten sollen. Und so darüber oder darwlder auf der
len oder judinen anruefen gedachter burgermaister und rath der stat
)erlingen diener, aigne leuth, hindersässen, underthonen, zugehörige
d verwandten an unser und des balligen reichs hofifgerieht zu Rot-
il, land- oder ainich ander ußlendlsch gericht berürter sachen halber
"gehaischen und daselbs ichts wider sie, Ire leib, haab und güether
bandlet, procediert, gericht oder geurthailt würde, oder wo auch vll-
melter burgermaister und rath zu Uberllng, diener, aigne leuth.
IS^ ^^^^^^^^^^^ Überlingen.
hmdersössen, underthonen, zuegehorige und verwandten, wie ohgtifi
auf der Juden oder judinen gegchwind einfüeren eich in ainiche «ö
tr&ct begeben, und diser unserer oder anderer gnaden uod freihaitea
ausserhalb oftgenanten burgermaißter und rath der ßtat Uberhng und
derselben nachkomen vorwis^eeo, gonst und beT\illigung verzeihen wür-
den, in waß sehein oder weg das geschech, sollen doch alle contti/ct,
verschreibung und verzieht diser unßer freihält ohn allen naehtail, auch
die erfolgt© proceß und handlung, inen allen sambt und sonderlich &r-
iren haab und güetern kainen nachtail oder schaden bringen oder j;tr
bereu, sonder dieselben alle und jede, wie die genannt, ganz und gm
unteughch, nichtig, craftloß, unpindig, todt und ab sein und bieibti,
auch von meniglieh inner- und ausserhalb gericbts dar für gehalten iMid
oftgenannter burgermaieter und rath zuÜberhng, derselben diener, aigiH
leutb, hindersässen, iinderthonen, zuegehörige und verwandten und der*
selben haab und göeter, ligend^ varende, sollicher proceß halber dimb
die jaden oder judinen erlangt und außgebracht, weder mit noch ohne
recht, von niemandt nicht angelangt, bekommert, beschwerdt noch h^
schedigt werden^ dann wir das alles und iedes, so die Juden oder j^l-
dinen da entgegen inner- oder außerhalb rechtens ^u behelf haben
und fCirbringen raocbten, fürnemblich aber in der Juden, gemaine und
beaoudere freihalten, so sie dan zuwider ietzo haben, oder noch in kilaf-
tiger zeit von uns und unsem nachkomen am reiche erlangen, und 50
viel die hiewider sein oder verstandeu werden möchten, nichts anßge-
nomen, zu gleicher weise, als ob solliches alles hierin von worten zu
Worten speeifieiert und außgednickt were, von Römischer kaiserÜcher
machtvolkoninienhait hiemit in craft dits briefsj ietz alß dann, and
dann alß Jetzt, aufgebebt, ca^siert, abgethon und vernicht haben wollen
und darzne, wa vilgemelten burgerraaister und rath zu Uberling, iren
nachkumen oder dienern, aigenleuten, hindersässen, underthonen, zu-
gehörigen und verw und teilt ainem oder mer. nach verktindung diser
unser freihait obgehurter massen durcli einen Juden oder judinen ichtß
geliehen oder fürgestreckt würde, das derselb jud oder judin, so oft si
frevenlich hiewider thetten, zechen mark löttiges goldes uns und un-
Sern nachkumen am reiche in unser und des reichs chamer unnachleß-
lich zu bezallen verfallen sein sollen, thuen und geben auch den ob-
genannten burgermaistern und rath der stat Uberling oder ihren nach-
kommen obbestimbt gnad und freihait von Römischer kaiserlicher macht
wissenlich in craft dits briefs und mainen, setzen und wollen, das si,
ire erben und nachkumen, auch iro aigne leuth, diener, hindersässen,
underthonen, zugehörigen und verwandten sich derselben freihait nun
hinfüro alles ires innhalts frewen, gebrauchen und geniessen und genz-
Überlingen. ^87
lieh darbei bleiben sollen und mügen, von allerraeniglich unverhindert.
Und gebieten darauf allen und jeglichen churfürsteu, fürsten, gaist-
üchen und weltlichen, prelaten, graven, freiherren, richtern, kuechten,
liaaptieuten, vizthomben, vögten, pfleegern, verwes&ern, amptleuten,
«ehulthaissen, hoffrichtern, landrichtern uud allen anderen richtereu,
schöpfen, urtlsprecheren, burgermaisten, räthen, bürgeren, geraainden,
und sonderlich jetzigen und könftigen unseres kaiserlichen lioffgerichts
xa Rottweii hoffrichter uud allen anderen landrichtern und andern
gerichten, auch sonst allen unsern und des reichs underthonen und
getrewen, sonderlich aber denen, so Juden oder judinen hinder inen
sitzen haben, waß würden, Stands oder wesens die sein, ernstlich und
▼estiglich mit diseni brieve und wollen, das si, wa sie von obgedach-
ten burgermaister und rath der stat Uberling, oder ire nachkommen
mit diser freihält ersuecht, auf sollich ersuechen sich nit waigeren, die
Juden und judinen, hinder inen gesessen, für sich ervordern, und an-
snbalten, in gegenwertigkait und beisein gedachter burgermaister und
rath zu Uberling, darzue verorndten, underschiedlichen darzuthueo,
was gedachten burgermaister und räth zu Uberling aigne leuthe, diener,
hindersässen, underthonen, zugehörige und verwandten, auch derselben^
weiber, kinder und dienstpotten, inen von dato und insinuierung diser
unser kaiserlichen begnadigung schuldig, und waß sie derhalben für
versprochne, zugesagte oder verschribene pfand oder underpfand haben,
auch darumb briefliche urkund fürzulegen und auf erinderung diser
unserer freihält und begnadigung dises alles mit insinuirung der ab-
Schriften, wie es befunden, und iren, deren so die Juden hinter ihnen
sitzen haben, aignen angebornen insigeln, gedachten burgermaistern
und rath der stat Uberling glaubwürdige urkund zuezustelleu, auch
sonst ire, der burgermaister und rathe der stat Uberling aigne leuth,
hindersässen, diener, underthonen, zugehörige und verwandten an disen
obbestimbten kaiserlichen gnaden, Privilegien und freihalten nit hindern,
irren, betrüeben, auch darwider nit dringen, beschweren noch jemands
anderm zu thuen gestatten, in kain weiß noch wcge, sonder sie deren
beruebiglich frewen, nüessen und gebrauchen und unverhindert dabei
bleiben lassen, als lieb ainem ieden sein unsern und des reichs schwere
uugnad und strafif, und darzu ein peen, namblich vierzig mark löttigs
goldes, zu vermeiden, die ain ieder, sooft er hinwider frevenlich thette,
uns halb in unser und des hailigen reichs chamer, und den anderen
halben thail vorgedachten burgermaister und rath der stat Uberling,
oder iren nachkomen unablessig zu bezallen verfallen sein sollen. Mit
* Im Orig.: «denselben».
üVwrlmgeii*
urkund dits briefs, besigelt mit unserem k&iserlieheti anbangende
iDsigel Geben in nnser und des reichs etat Auggpurg, den dreisgig
ßten tag des monats marcü, nacb Christi unsers lieben hern gebü
fanfgechenhundert und im sechsundsechzigist eo, unßerer reiche,
Komischen im vierten, des Huügerischen im dritten und d^s Be
sehen im achtzehenden jaren.
MüximiUan.
Ad maodatum saerae caesareae maiegiatis proprium.
L. Kirehslager.
riß PergamenÜibell mit Steffel an schwarigeiher Seide. L. A. 2^95.
Abdr.: Lünig, a. a. 0., Bd, 14, S, 557,
LXV,
Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der Stadt tftef* '
lingen betr. die Beschreibung dar innerhalb der Ettersteine gesetzten
k24 HocbobrigkeitB- Marken, desgleichen die BeBchreibnng der
37 Ettersteine.
1572 Oktober 10.
Zft wissen und kundt gethon sei aUermeniglich mit disem brieve:
Demnach sich zwischen dem wolgebornen herren, herrn JoachimeD,
graven zue Fürstenbergj Hailigenberg und Werdeinberg etc* und dann
den ern testen, fürsiehtigen, ersamen und weisen burgermaistern uod
ratb der statt Überlingen irruug und mißverstend zuegetragen, in deme,
das gedachte burgermaister und rath zh Überhngen die hoche obrigkaii
und bestraflung deß malefitz umb ir statt uf dem land herunib innerthalb
den kundtlichen und vor vil jareu gesetzten etterstainen inen zuegehörig
sein, vor irer statt ettwa verr bestreiten und solhche anß lauger unfO^
denklicher iehung eiufüehren wollen, w^elches aber zue nachtbail und
abbruch der gravesehaft Hailigenberg reichs leben bezirks und vor
alters aufgerichter vertrag nicht ba^tanden, sonder widerfochten wordeD.
dannerher woi- und ernielte partheien gegen ainandcra an dem kaiser
liehen carumergericht in recbtKstritt erwachsen, das nun zu aufhebuiig
solücher besorgten langwirigen rechtzüebung und zweifeligeii ußtrtig
rechtens erledigung, nachdem ieder thail den andern in gepflegner zue-
saraensehickung und einnemmung deß aiigen seh eins etwas gründJicber
bericht, und aigentlicher vermerkt vorberüerter mißverstand der hocheo
obrigkait halber zue gütlicher uoderred und nachperlicher vergleichung
gezogen, auch endlichen iu maß und gestalt, wie underschidlich und
clarlich hienachvolgt, bei- und hingelegt worden ist*
ÜberlijQgeD. 589
Namblichen, so seind umb bemelte statt Überlingen, innerhalb
IT statt etterstainen (davon in vor aufgerichten vertragen ußdrucken-
3he meldung und hernach derselben usfüehrliche beschreibung und
oregong beschicht) vierundzwainzig hocherhepte Roschacher stain mit
taüigenbergischem und dann der statt Überlingen darein gehawem
rappen gesetzt worden, mit namen und erstens:
Von der statt zue Vischeuheusem an hinuß biß zue dem bächlin,
> genanndt würdet Hanusen deß Wächters bachlin, allda zu underst
dm usfluß sollichen bächlins in See in Wolfgang Michael Beckben,
irgermaisters, rebgarten an der linken selten ob der undern grüeb,
T gerödi ermelts Wachtersbächlin nach hinab uf der maur am See,
T erst stain gestellt.
Der ander oberhalb an bemelts Hannsen deß Wächters bächlin,
insit der straß am eck, an Matheiß Griesers, gerbers, rebgarten, so
»vor Endris Zieglers geweßt, gegen der statt und Frantzen Wetzeis
igen kinder gemaurten rebgarten wertz.
Der dritt, baß eben an gedachts Hannsen deß Wächters bächlin
i docter Anthoni Klumpen seligen garten, so ietzo Ambrosi Khaut,
^ zue Ittendorf, innhat, genanndt uf dem stain, ußwertz gegen wei-
id Christoph Schochners wittib garten.
Der viert, von dannen den fueßweg gestracks hinuff biß zue Wal-
sr Übelackers rebgarten bei dem andern bawfahrweg, der dem Stum-
d zuegehet.
Der fünft, abermals gestracks hinuf biß an den mittlen baw-
g an der Seehalden uf der braiti an Bentzen Öchßlins seligen kinder
>garten, darinn der groß stain ligt.
Der sechst ^ die braitin hindurch über Uf kircher gassen bei Ulrich
hmids rebgarten, allda das bild stehet.
Der sibend, dem bawweg nach hinuff in Aman biß zue Joachim
imenbuechs, gerichtzschreibers, rebgarten.
Der achtend, von dannen den fueßweg im Aman nach hinumb
er Ufkircher gassen straß in Michael Hagers garten, genanndt im
Dan, auch im burggraben am eck, zwischen erstgemelts Michael
sigers und Hannsen Waibels garten.
Der neund', den Karrenweg hinab über die straß genanndt Küe-
ssen in Jacob Schrieffen garten^ genanndt im Zan bei dem gatter
1 eck ob der straß.
1 Dieser sechste Stein steht heute noch an der Äafkircher Straße. — * Dieser
ante Stein steht noch, westlich vom Friedhof, er trägt einen eisernen Wegweiser.
590 Überlingen.
Der zechend, den fueß- und Karrenweg hinuf biß zue Ambrosi
Sodins garten.
Der ailft, volgendts den Karren weg hinab in die iinsaubern gassen
unden am eck an gemelts Brosi Sodins garten ab der landtstraß g^n
Owingen und Pfaffenhoven wertz.
Der zwölft, von dannen über die straß zue Gallin NodthelfoB
garten oben am eck am fueßweg.
Der dreizehend, den Karren- und Graßweg hinab bis zue Hanm
Jörig Hauen garten oben am eck bei dem Wassergrablin.
Der vierzehend, von dannen biß zue Hannsen Walthers gartai,
genau ndt zu krautgarten am eck.
Der fünftzehend den Karren- und Bau weg hinab in Ganzen Gasser
straß, so auß Ganzen Gasser thor beruß gehet, am eck deß gotzhaüß
spithals rebgarten am gotzaeker gelegen.
Der sechzehend, die Ganzen Gasser straß biß an gotzaeker, so
von alter her ain clösterlin gewesen, genanndt der Schwestern auf der
Wiß, von dannen die landtstraß hinuß under Salmenschweiler hauß und
torggel biß uf die creutzstraß beim Hochbild, bei Veiten Volckweins
rebgarten am eck.
Der sibenzehend, von demselbigen eck hinuß biß uf der Siechen
brück, genanndt Stainin brück, von derselben Stainin brück hinüber
zue Hainrichen Sträbels Weingarten, so ietzo Michael Hagenweiler inn-
hatt, beim gatter am eck.
Der aehtzehend, den Karrenweg hinein biß zue Michael Niethers
garten, in Judengassen genanndt, am eck.
Der neunzehend, von ermelt am eck den Karrenweg hinuß biß
zue der Geruweten, an ermelts Michael Niethers garten.
Der zwainzigist, von dannen über Juden kierchof in Michel Rou-
hühels garten biß an das eck desselben gartens.
Der ainundzwainzigist, von desselben Ronbühels eck den Karren-
weg liinhinder biß zue Ambrosi Spiessen garten, so hievor Martin Ur-
bans seligen geweßt, oben am eck.
Der zvvenundzwainzigist, über den Karrenweg an der frawen deß
gotzliauß Wald rebgarten am zun.
Von dannen durch die rebgärten hinab über den Mülbach zue
neclist ob der walk uf der buche ist der dreiundzwainzigist. Nach-
gendts (lureli das veld gestracks durch nider l)iß nn See zwischen der
blaichi und den visehgrueben uf dem Knöbel, allda die vierundzwaintzi-
gist und letst gestelt ist.
Welche ietztbesehribne vierundzwainzig gesetzte stain nun fünv
hin für hoehe ol)rigkait stain oder marken besagt und gehalten werden
Überlingen. 591
Collen, allso das innerhalb denselbigen zue geriugs herumb gegen der
Btatt wertz von ainer mark gestraeks der grödi und schauer nach in
«Ue andern die hoche obrigkait und bestraffung deß malefitzs den be-
anelten burgermaistern und raih der statt Überlingen aiuig und allain
liinfiiliro unansprechig zugehörig sein, und aber usserhalb denselben
letzt newgesetzten und bezaichneten stainen oder marken biß an die
^bangeregte sibenundzwainzig etterstain (so auch umb mehrer richtig-
Icait willen hernachbeschriben sein) inen von Überhngen mehr oder
"weiters nit zuesteen noch gepüren soll, dann was und sovil der vertrag
im jar thaussend funfliundert neunzehen zwischen der graveschaft
Hailigenberg und der statt Überlingen ufgericht (deß Inhalts, zum
ersten deß articuls, betreffend der statt Überlingen etter, ist entschai-
den, das derselbig biß uf die markstain, so genanndt werden etterstain,
strecken und geen soll, auch ihr statt etter haissen und sein, darzue
in demselbigen etter die fliessenden wunden inen von Überlingen zue
straffen zuegehören, doch den vertragen, so Salraenschweiler und Wer-
demberg gegen ainandem haben, unnachthailig) außweißt und inen uß-
dmckenlich zuegesagt, demselbigen vertrag, deßgleichen auch wolermel-
tem herm grave Joachim zue Fürstenberg etc. dero gnaden erben und
nachkommen an ihren der enden zue geringsweiß herumb, inner- und
nsserhalb oftangeregten hernach specificierten etterstainen habenden und
zuestendigen hochen, vorstlichen, landgerichtlichen und glaidlichen
obrigkaiten hierdurch genzlichen nichtz abgeprochen noch benommen
sein soll, und hierauf so haben wol- und ermelte partheien dem ge-
jfüehrten rechtzstritt, causae et liti, renunciiert, sich desselben genzlichen
b^eben und diser obgesetzten nachpürlichen vergleichung steet und
vest anz&hangen und zue geleben ainandern zuegesagt und versprochen,
alles wissentlich und wolbedechtlich in und mit craft diß briefs, son-
ders gevehrde.
Und seind diß die obangezognen vor vil jaren gesetzte und ietzo
von newem beschribne und verbesserte sibenundzwaintzig etterstain, wie
die ieder insonderhait nachainandern mit im anstössen hernach ver-
zaichnet steen:
Der erst, zue Nußdorf unden am See, im eck zue end deß dorfs
an Wehrnen gassen, zue nechst bei Peter Sergen hauß und vorüber bei
Theisen AUmaiers hauß.
Der ander stehet vor der Schussenriether hauß bei dem bild, das
stehet vor Nußdorf gegen Salmenschweiler torgel und an der straß geen
Biemow.
Der dritt, ob dem Mülbach an der benannten straß geen Bieruow,
und von deß gotzhauß Öchussenrieth garten, so vor jaren amer, ge-
ÜberUngen.
imuuilt Jer Traiei\ eingehagt, auch me der rechten haDd, so mau tos
Nußdorf geeu Biernow gehet, und an Gallin Eothen seligen kioder gart«it |l
Der viert stehet oben an der Fuchshalden an der straß auch geen
Biernow wertz an dem berg ziie der recbteu hand, eo man von Nufr
dorf geen Biernow gehet*
Der fünft stehet an der Egarten enendi dem Wehrengraben ob
dem obero Geirsperg am hag an Joachimen Ronbühels seligen garteo.
Der sechst stehet hinüber vor ernanndtem garten an der Egarten
bei sanct Lienharten an dem graben uf der schraien bei Josen Ki^
oiens garten.
Der sibcnd stehet in Regnatahauser gasseu im hag an der rechteo
floiten von der statt auß an graven Holtz, ao ietzo Simon Scberm
seligen wittib innhat.
Der achtend stehet zue end der Greithaldeo in R^gnatsbaustr
gasseo genanndt der Tbürli gart an Lüdin Fürnenbüechs garten.
Der neundt stehet uf der Greithalden an dem Karrenweg ob dem
von Wald garten.
Der zehend stehet uf Burgbei^er halden am Spiegelberg au Hoch*
raths garten, so hievor weilund betr Peter Hocbratli selig inogebapt
hat, und uuden an deß gotzhauß Müncbroth gtieter.
Item der ailft stehet ob dem steg, oder gehet voo deoa Bürglin
herab an dem Rain an Hansen Amaus seligen wittib garten, so Ietzo
Ulrich Bunckhover innhat.
Der zwölft stehet an der landstraß gleich vor der Letzi an dem
Kobeu tbobel vor der setzbruck an Galhn Müllers von Owingen garten
Der dreizehend stehet zue Hinderried anfangs deß guldin beigi
ob der Freibergerin wiÜ und dem nußbom, oben am acker im eck under
den weicbselbömmen.
Der vierzehend stehet binden am Galgenberg uf dem Koff neben
Hinderried an Hannsen Thigen von Owingen garten.
Der fuufzehend stehet voroen am Vähenberg neben Autboni
Scbrifien seligen garten, so ietzo Mari Schinbain inuhat.
Der sechszehend stehet an Hagnower braitin zwischen bedeo
Strassen im Spitz an sanct Lienbardts pfrüend garten.
Der sibenzehend stehet zue dem Öhnlin an der landatraß, so
geen Luegen gehet, an Veiten Waibels garten und wiß gelegen.
Der achtzehend stehet zue end der straß under der haldenden
wiß, stoßt an Hannsen Wagners garten.
Der neunzeliend, stehen zwen beiainandern ob dem rechten fahl
deß Thobelbachs uf dem Hierthumb, ob Christan Zieren von Über-
lingen garten.
Überlingen. 593
Der zwainzigist stehet under der Blatt am bach, under doctor
JBeichlins seligen garten, so ietzo Jörig Klöckler, landtrichter zue Wein-
garten innhatt.
Der ainundzwainzigist stehet uf dem Rosenberg in dem hag oben
an der alten Freiburgerin seligen garten.
Der zwenundzwainzigist stehet ob Bibiß hag an Hannsen Öchß-
lins garten.
Der dreiundzwainzigist stehet uf dem Burst ob burgermaister Wolf-
gang Michael Becken garten.
Der vierundzwainzigist stehet oben an der Fuchßgassen ob sanct
Jacobs pfrund garten, hat ietzo Stoffel Koffman inn.
Der funfundzwainzigist stehet uf dem Speirenberg bei deß haiigen
zue Hedingen und an Barthlome Kuenemans garten.
Der sechsundzwainzigist stehet ob dem Newsatz, genannt Stollen,
80 ietzo der spithal zue Überlingen innhat.
Der sibenundzwainzigist und letst stehet am alten bach zue Siessen
in sanct Michaels garten am spitz, genannt im engelin.
Und damit diser vertrag ietzo und in künftig eewig zeit desto
besser gehalten und von kainem thail überschritten werden, so haben
sich wol- rmd ernennte partheien dessen auch verglichen, das nunhin-
fürther si, ire erben und nachkommen die ob specificierten etterstain
und auch die hochen obrigkaits marken allwegen in fünf jaren ain
mal durch ire verordneten bereiten, auch dannzemal oder, sooft es da-
zwischen die notturft erfordert, in gemainem cösten renovieren und erne-
wem zue lassen schuldig sein sollen.
Deß alles zue becreftigung und wahren urkund seind diser ver-
tragsbrief zwen gleichlautend gemacht, und mit wolgedachts herrn grave
Joachims zue Fürstenberg etc. aignem und dann bemelter burgermaister
und rath der statt Überlingen gemainer irer statt Überlingen ufgedruckten
anhangenden insigeln für sich, ihre erben und nachkommen besigelt, und
von iedem thail ainer zue banden genommen worden. Geben und be-
schehen den zechenden tag deß monats octobris, nach Christi etc. ge-
pürt gezelit thaussendt fünfhundert sibenzig und zwai jar.
Orig. Pergamentlibell mit 6 Bl. Bruchstücke der Siegel des Grafen
Joachim von Fürstetiherg und der Stadt Überlingen an blau-gelb-weiss-
roter Seidenschnur. St, Ä, Abt. LXXIII Nr. 2093. Sevin, Häuserbuch
von Überlingeit, 1, A. S. 109 f., gibt einen Abdruck dieses Vertrags nach
der sehr matigelhaften Abschrift Kuteles (Hdschr. vom Auf. des 18. Jhdts.
LeopoldrSophienhibliothek in Überlingen).
Ausf. Reg. in den Mitteilungen aus d. f. Fürste^rb. Arch. Bd. 2 S. 185.
Oberrfaelniflcbe SUdtrechte. II, 2.
Überlingen. 595
Als sich auch zum dritten etwas irrung und mißverstand des
straifs der umbziehenden herrenlosen krüegs- oder gartknechten wegen
erhalten, also das herr grave Joachim zue Fürstemberg vermaint,
selbiger straif gehör irn gnaden alleinig zuo, dargegen aber Überlingen
vermelt, in irn nidem gerichten mitzAstraifen befüegt zu sein, sohieruf
diser punct also entschaiden: wann die von Überlingen künftigerzeit
straif fiörzflnemen vonnöten zu sein erachten, sollen sie iro gnaden umb
ain gemainen straif ansuochen, damit iro gnaden denselbigen uf zeit
und maß anzustellen wissen; wa aber iro gnaden nit mitstraifen wolten
oder würden, so mögen sie von Überlingen in irn nidern gerichten
anverhindert irer gnaden mit dem straif wol fürfahren, doch im gnaden
an derselben hohen vorstlichen, glaitlichen und landgerichtlichen obrig-
kait in allweg ohne schaden und mit dem anhang: wa under sollichem
straif ainiche persohn umb Sachen der hohen obrigkait züstendig bei-
gefangen würden, dasselbige jederzeit zum Hailigenberg in venknus
geantwort werden sollen.
Zu m vierten. Nachdem sich auch ain guote zeit hero irrung und
mißverstand wegen bestrafung der erdfrävel, als wann ainer den andern
schlagt, das er zuo erden fallt, in Überlinger nidern gerichten erhalten,
hierauf ist in der güete dahin gehandelt, das selbige erdfrävel in Über-
linger nidern gerichten fürohin von beeden wol- und ermelten partheien
den bain- schröt- und flüessenden wunden Inhalt der alten vertragen
gleich gehalten und unverhindert gestrafft werden sollen.
Fürs fünft. Alß sich Überlingen beschwärt, das sie oder ihro
underthonen in irn nidern gerichten uf den landstraßen ohnerlaubt deß
vorstmaisters erd aufzuschlagen, wegzftfüeren und darein zu streuwen
verhindert werden, wölches Fürsteuberg befüegt zu sein vermaint, also
ist bedingt und geschlossen, das die Überlingische underthonen und
zögehörigen fürohin in den nidem gerichten die landstraßen (doch
derselben, auch im gnaden an deren recht und gerechtigkeiten sollicher
landstraßen halber in allweg ohne schaden) inner- und usserhalb irer
dorfätter wol seubern, das wasser darauß ablaiten und erdrich ufschlagen;
auch in im dörfern und derselbigen ettern streuwen und thumb machen,
denselbigen nach irer gelegenheit hinwäg füeren mögen; aber usserhalb
der dorfetter sollen sie uf die landstraßen ohne vorwissen und bewilligen
irer gnaden vorstmaister nit streuwen, noch das ufgeschlagen erdrich
hinwegfüren keins wegs. Da und wann aber besagte Überlingische
underthonen ausserhalb irer dorfätter uf den landstraßen gehörter maßen
grund aufgeschlagen und den vorstmaister umb erlaubnus denselbigen
hinwegfüren zfi lassen ansprechen würden, denselbigen soll er es alsdann
38*
5d(} Überlingen.
(sover ea ohne naclithail oder schaden der landstraß gegein mag) ver-
goiiDeu und uit abschkgeD.
Zum sechsten. Als sich mergedachte von ÜljerUngeo erclagtußd
beschwert, nachdem in im gerichten zuo Imeoatad am gestad des See?
ir aniptman uf ains seines ambts angehurigeu aioem Tbürgewer sein
schiff schulden halber zuo recht arrestieret, das hab hernach und bald
darauf der Fürstembergisch ambtman daselbsten zuo Imenstad für sich
Selbsten und ohne willen des arrestanten und des Cberlingischen ambl-
maus wider umb relaxiert, dargegeu aber Fürstemberg so angemelt, dai
sollich aiTest vou irer gnaden ambtman billich relaxiert worden, defi-
wegen ist betädinget, das die von Überlingen oder derselben ambüeuth
in iren gebürenden nidergerichtlichen pott und verpotteo lauth der
alten vertragen und herkommen ohne ainichen eintrag sollen verbieibfii.
Zum sibendeu. Demnach die von Überlingen als gesetzt und
verordnete castenvögt oder schürmbheri-en deß gotzhauß Rugacker euo
Zeiten, wann es si und die frauw priori n und eonvent daselbsen
als collatriees oder lehenfrauw^en der pfarr zum Honberg vonuntai
ÄÜ sein geachtet, die heihgenreclinungen ermelter [>farr Honberg ein-
Kftnemen, wie auch dasselbige beschehen, aber wolgedachten hern grave
Joachim zuo FQrstembcrg etc, ain solches nie zu wissen gethon oder
verkCiüdt worden, da doch berüert gotzhauü Rugacker sambt dessen
Kflgehorungen im gnaden mit hohen und nidern gerichten zögeliörig,
darumben dann dieselbigeo sich aiu solches beschwärd^ darauf bereii
worden: da und wann fiirohin solliche rechnung dureli gemelte von
Überlingen wollen fürgenoraen, das ain solches im gnaden zuvor ifi
wissen gemacht werden soll, und, ob si wollen, der rechnung aineo
wol zösetzen mögen, dieeelbig anhören, aber sonst nichtait darbei zä
thün, noch ainiche Ordnung oder maß darinnen geben sollen, doch mit
Bollicliem oft besagten von Überlingen und derselbigen fundadtion, auch
ermelten frauwen priorin und eonvent des gotzhauß Rugacker habenden
recht und gerechtigkeiten in allweg ohne schaden und nachtail; deß-
gleichen soll es auch mit der pfarrverleihung zum Honberg g^o
besagten clossterfrau wen ^um Rugacker ohne allen eintrag und Ver-
hinderung irer gnaden bei dem alten herkommen bleiben» und inea
dieselbigen pfarr jederzeit, wann si ledig wtlrdet, ainem erbaren leiea-
priester nach irem gefallen zö verleihen frei- und bevorstehn.
Zum achten. Alß vil wolgedachter herr grave Joachim zuo
Fürstemberg etc. gemaiud, das die von Überlingen in irer gemainer statt
und andern irer vogteien und irs gotzliauß spittals nidern gerichten
keinen bildstock und wettercreutz ohne irer gnaden wissen und b^
willigen ufrichten und setzen sollen, die von Überlingen fürgeweudt
Überlingen. 597
das ein solches wider das althärkommen seie, und deß änderst her-
gebracht, wölcher stritt also endschaiden und erleutert, das die von
Überlingen iro burger, einsässen, underthonen und zügewanden, auf dem
land in derselben nidern gerichten gesessen, von der statt Überlingen
hinab biß zfi dem Stollen, von dem Stollen widerumb den wäg hinauf
biß zuo dem engelin, alda ain etterstain steet, und von dannen wider,
umb der statt zuo, und von der statt biß geen Bürnauw, und also
femer ringsweiß, sover und weit sich die etterstain der statt Überlingen
erstrecken, macht haben sollen, staine oder hilzene bildstöck, deßgleichen
wettercreutz ohne befragt irer gnaden und derselben ambtleuth von
neuwem aufzurichten und die alten zfi verbössern, oder auch gar zu
erneuweren; da aber dieselben Überlingische burger, einsässen, under-
thonen und zuogewandte ausserhalb diß bezürks noch an andere orth
bildstöck und wettercreutz ufrichten und setzen wolten, darumben sollen
ihre gnaden ersuecht werden, und dieselbigen darauf den begerenden
dasselbig nit abschlagen, sonder gnedigHch vergünstigen und zuolassen.
Wann aber in obgemelten bezürk und in andere Überlingischen nider
gerichten und ausserhalb irer habenden hohen oberkeit bezürks cappellen
wolten von newem, alda zuvor nie keine gestanden, ufgebauwen werden,
das soll änderst nit gesehen, dann mit irer gnaden vonvissen und be-
willigen, also und dergleichen soll auch weder in obberüertem bezürk
noch ausserhalb derselben uf kein landstraß ainicher bildstöck, wetter-
creutz und cappeln, ohne vorwissen und bewilligen irer gnaden uf
gericht werden.
Zum neundten. Als sich oft wolgedachter herr grave Joachim zuo
Fürstemberg etc. ab Überlingen beclagt und beschwärt, das derselbigen
bevelchhabere verschiener jare bei und umb Birnauw ir wun und waid
undergangen und etwelch marken an deß gotzhauß Salmansweiler-
daselbsten zuo Birnauw habenden reb- und krautgarten gesetzt, aber
ainem ambtman zum Hailigenberg den undergengern den aid zfi geben,
noch auch dem aigenthumbs herren sollichs reb- und krautgartens zuo
sollichem undergang nit verkünd haben, deßwegen ihro gnaden umb
gebürenden abtrag angehalten, dargegen aber die von Überlingen für-
gewend und angezaigt, das sie vermög der vertragen ainem ambtman
zum Hailigenberg den undergengern den aid zu geben noch zu verkünden
diß orts nicht schuldig, dann sollicher kraut- und rebgarten nit von
hauO auß, noch ainem frembden bauwmann, so ihnen von Überlingen
mit dem gerichtszwang, auch pfächt und aid nit zugethon, sonder
dem baußmaister zuo Birnauw, als der in Überlingischen nidern gerichten
gesessen, auch under einem burgermaister daselbsten gelobt und ge-
schworen, gebauwen werde. Deßgleichen haben sie es ernanten hauß-
598 ^^^^^^^^^ Überlingen*
maister angezaigt, das man derselben enden undergeeu werde, wölchen
er Wivl gedulden und sehen mögen, dero wegen sin verhotf, darmit ml
unrecht noch wider die vertrag geton zu haben; sollicherarittist allsoeiit-
ßchaiden, das man es diß punctens halber bei den alten vertrigfin
verbleiben lasse, und das fiirohin denselben gemeß gelebt und uadi-
gangen werde.
Zum zeh enden. Demnach verscbiner mt durch dero von Überlinjg«!
undergenger ain mark zuo Uudersickiugen in die landstraß solle ge^^tit
worden sein, dessen dann sich wolgedachter herr grave Joachina vk.
beschwärt und umb abtrag geclagt, sollicher punct ist also verglicheji:
dieweil ein solches ohne fürsßtz und uit mit gefahr beschehen, das iliP)
gnaden dasaelbig dißmals auß gnaden fallen lassen und hingeben, uuJ
solle hinfürter mit den uudergeogen den alten veiirägen gemeß geholten
werden.
Zum ailften haben sich die von Überlingen erclagt und beschwörd,
das iro gnaden nun ain zeit liero in irn nidem gerichten tags und
nachts eingefallen, derselben underthonen in gachen, die nit nialefitzisdi
noch auch kein argwöhn oder verdacht ains malefitz uf in tragen,
venkliclien hin- und anweg gefüert, dara:ue auch, wann Cbeiiingisehe
underthonen in verbrechen, so der hohen oberkeit zii strafen gepün,
verdächtig, dieselbigen werden alßdann er\^ordert, sich zum Hailigenberg
xCi der straf einzustellen; da sich aber di^elbigen, das sie sollichs
bessügs nit gestendig, oder sich dessen mit rechten zii ent^ehütkii
begeren, nit begerter massen einstellen wollen, denselbigen getrau w«^
wurdet, da sie sich nit stellen werden, das man den oder die selbigen
venklich h€>llen und zum Hailigenberg füeren wolle; dargegen aber ihre
gnaden geacht, das in sachen, so kundpar und notori, sie ain solch ei
zfi thün wol befüegt, daruf ist bered und verglichen worden, das, wa
es ain kundpare malefitzische sach ist, oder ain verdacht ain malefitz
(darunderehebrnchj'unkfrauwenschwechung und huererei auch begriffen]
uf ihr tregt, daß ire gnaden solche malefitzische und argwöniscbe per-
sohnen tags oder nachts nach irer gnaden guetachten wol venklich
annemen und zum Hailigenberg füeren und die geptir gegen inen fur-
nemen mögen, doch denen von Überlingen an dem rechten, so sie des
ehebruchs und jungkfrauenschwechung halber mit im gnaden noch an
dem hochloblichen kaiserlichen cammergericht in puncto seoundae
simplicis quaerele intituliert unendschaidnen standen, auch irer biß dahero
gebrauchten bürgerlichen straffen in berüerten beeden ftlhlen (biß zuo
endlicher erledigung sollichs rechtstreits) ohne schädlich und nachtailig;
diejenigen aber, so Sachen oder handlungen, so nit malefitzisch, be- j
gangen, die irn gnaden vermög der vertragen zu strafen gebüreo, die
Überlingen. 599
mögen ire gnaden zuo abtrag oder buoß zum Hailigenberg sich zu
stellen ervorderen. Da aber die verbrechere oder delinquenten dessen
bedankens haben und sich zuo güetlichem abtrag nit einzustellen, sonder
mit recht verantworten wölten, in sollichem fahl sollen ihre gnaden den
oder die selbigen mit recht und landgericht beclagen und nach befundner
beschaffenheit der sachen mit recht strafen lassen; darzuo sollen die
von Überlingen solliche persohnen halten.
Zum zwölften. Alß sich dann zwüschen wol- und beraelten partheien
auch stritt umb und von wegen des gerichtszwangs under Hödingen
an Büntzen und under Ufkürch erregt und zugetragen, ist derselbige
also verglichen, das man zuo ehister gelegenhait uf den spänigen boden
wideramb zfisamen kommen, daselbsten ainandem in vorbringen und
habenden recht und gerechtigkaiten anhören und darauf nach aller
vennögücheit sich mit ainandem deßhalben in der güete vergleichen;
wa aber ain solches wider verhoffen in der güete nit könnte auß-
getragen, soll diß mit unpartheischem undergang erörtert werden, und
was also durch denselben erkennt würdet, darbei sollen beede partheien
ohne ainiche appellation und reduction verbleiben, doch mögen hie-
zwüschen ernennte von Überlingen sich des strittigen waidbesuchs
gehörter orten halber mit der gemaind Hödingen irer gnaden, wie
gemelt, an dero recht und gerechtigkeiten ohne schaden, ohne zuordnen
irer gnaden in der güete wol verghchen, da es aber mit recht oder
nndeigang erörtert werden müeßte, soll aim ambtman zum Hailigenberg
den undergengern den aid zft geben lauth der vertragen darzuo ver-
kündt werden.
Zum dreizehenden haben sich die von Überlingen auch beschwerd,
wiewol sie und ihre vorfahren je und allewegen die ertrunkne leuth oder
persohnen, frembde und haimbsche, so auf dem See durch zugestanden
nngewitter, gots gewalt oder andern unfahl undergangen, an orth und
enden, da man sie Z& fänden verhofft, gesuocht, die gefundnen gen
Überlingen, ald wahin der ertrunknen freundschaft dieselbigen begert,
zuo gewichtem erdrich gefüert, und dieselben bestettigt, das aber ire
gnaden nit mehr gestatten wollen; welcher fürgefallner stritt also ent-
schieden, das die von Überlingen solliche persohnen, wölche abgehörter
massen also uf dem See ertrunken, si haben inen oder frembden zu-
gehört, wol suechen und die gefundnen zu geweichten erdrich geen
Überlingen, oder darhin dieselbigen pförrig gewesen, ald wahin der
ertrunknen persohnen freundschaft und verwandte dieselbigen uf ire
costen zu füeren begeren würden, füren und bestatten mögen ohne
hinderung und ein trag irer gnaden und derselben erben und nachkomen;
wa es sich aber anders befünde, das solliche leuth sich selbsten
über] logen.
ertrenket, oder durcb andere darzuo verursacht, das in disem fahl ireu
goaden gegen denselben die straf und gepür vorzüoemen soll vor
behalten sein.
Z nm V i e r 2 eh e n d e n haben Ire gnaden durch derselben abgeord
Beten auch beschwerdsweiß fürbringen lassen, das ire gnaden beticht
worden, das die von ÜberUngen uf dem Bodeusee in irer gnaden haben*
den hohen obrigkeifc diejenigen persobnen, so ainandern schmeehen mA
schelten, bestrafen, da deme also were, könnden ire gnaden dasselbig
nit gestatten, dargegen aber Überlingen angezaigt, daß sie sich dessen
nit Tii berichten wiseeu, und da sich gleich s'.wüschen nachgesehribDeö
obrigkeitsmarken, was verlofFen und sie, was vorgenoraen, verniaint nicht
unrecht gethon zu haben, also ist verabschidet, das fürohin die vöu
Überlingen innerhalb der vierundzwainzig obrigkeitsniarken umb dit
statt Überlingen, wie selbige in anno fünfzehenliundert sibeuzig und
zwai lauth dainahlen ufgeriehten Vertrags gesetzt und schnurs ainandern
nachgeen, noch weiter uf dem See von der ersten obrigkeitsmarken in
burgennaister Becken seeligen garten und der letsten zur Blaichin, al
dem Knobel genannt, xi^üischen den jetzgemelten beeden marken au
der stattnmuer hinauf und ab zehen rueten, deren jedwedere fünf^eheu
werkschuech haltet, hineinwerz in den See, tbiU ainhuiidert und fünfeig
werkschuech von der atattinaur oder dorn land, jederzeit des jars voa
, angehndem wasser an zu rechnen oder zu messen ; sollich© scbniaefa-
und schcUworte, deßgleichen auch andere hocligerichtUche fiihl, wie uf
dem land, alß uf dem See innerhaib gemelter obrigkeitsmarken und
uoessen der ain hundert und fünfzig werkschuoehen unverhindert irer
gnaden und derselben nachkommen der gepür nach strafen und büessen
mögen, aber usserhalb mergemelter maß zil und marken weder uf
dem See noch uf dem land vilbemelte von Überlingen der angemelten
Schmach- und scheltwoii;, auch all anderer hochgerichtlicher und straf-
barer fahlen recht und zügehörungen müessig steen und die nit anfallen
noch strafen, sonder es jederzeit an die inhaber der graveschaft Haihgen-
berg weisen sollen.
Zum fünf zehenden. Als sich wolermelter herr grave Joachim zuo
Fürstemberg etc. beschwert, das die von Überlingen z wüschen im und
andern nidern gerichten in der graveschaft Hailigenberg gelegen die
marken dermassen überhöcht, das man die selbigen von den obrigkeits
marken nit wol underschiden mögen, darauf ist bethädingt, das die von
Überlingen in oder an irn nidern gerichten fürohin die gerichtsmarken
höher nit ob dem erdrich dann zween werkschuoch hoch ufsetzen und
machen sollen.
Überlingen. 601
Fürs sechzend. Nachdem verschiener jarn ein vertrag oder
Spruchbrief zwischen im gnaden und den von Überlingen des niedern
gerichtszwangs zuo Immenstad halber ufgericht, darinnen under anderni
vermeldet würdet «die nidergerichtlich obrigkeit», so dann irer gnaden ab-
geordneter in ermelten spruchbrieven merenthails uß...die Überlingischen
hineingesetztworden, darob sich dann ire gnaden nicht geringes beschwärt,
und die versigelten spruchbriev widerumb zuo cassieren und von neuwen
dingen mit enderung und ergenzung sollicher puncten zfi ingrossieren
begert, wölches aber Überlingen also verantwortet, das sollichs durch
die spruchleuth in Verfertigung derselben briefen übersehen und ir
mainung nit gewesen, zuo dem die Wörter «nidergerichtliche oberkeit»
gemain breuchig seien, dann die werden auch in reichs- und craiß-
abschiden gebraucht und für die nidern gerichtsherrsn darinnen ver-
standen, darumben dieselben niemands zuo vorthail oder naehthail
hierinnen sollen und mögen gedruckt werden, deßhalber nit nöttig sein,
selbige brief widerumb zu endern, daruf ist bethädingt, das sollich wort
«oberkeit» nit änderst, dann uf den nidern gerichtszwang verstanden
und wolermelten herrn grave Joachimen zuo Fürstemberg etc. an i. g.
hohen vorstlichen, landgerichtlichen und glaitlichen obrigkeit, wie auch
auOIassang derselben abgeordneten an i. g. preminenz und reputation,
auch all anderen gebürenden habenden jus und gerechtigkeit in allweg
unvergrifflich, unnachthailig und ohne schädlich sein soll.
Zum sibenzehenden und letsten. Dieweil sich beed wol- und
vermelte partheien vor derzeit durch schreiben verglichen, wie und wo Icher
massen es mit insinuierung und exequierung der landgerichtsprocessen
in die statt Überlingen gehalten werden, nämlichen also, daß fürohin
kein proceß von dem freien landgericht der graveschaft Hailigen berg
in die statt Überlingen, und soweit sich die hohe außgemarkte oberkeit
unab die statt Überlingen uf dem land erstrecken thuot, wider ihre
burger und einwohner durch ermelts landgerichts potten verkünd und
exequiert werden sollen, besonder, da ain burger und einwohner der
statt Überlingen, was gegen ainem andern in wolermelt herrn grave
Joachims zu Fürstemberg etc. hohen und nidern gerichten der grave-
schaft Hailigenberg exceß und frävel, die ohne alles mittel vor mer-
besagtem landgericht gerechtförtigt werden sollen, begangen, das die
ainandern vor selbigem landgericht rechtlich fürnemen und das dem
cläger uf sein gerichtlich anhalten gebürende citation wider den be-
clagten burger oder einwohner zuo Überlingen erkennt, auch alsobald
darauf durch die Hailigen bergischen oberamtsleuth ain burgermaister,
so je zuo Zeiten in Überlingen sein würdet, dessen schriftlich bericht
werden soll, mit vermelden der erkauten zitation und ansuechen mit
002 ^^^^^^^ Überlingen,
iine beclagteii von obrigkcit wegen m verschaften, das er oder teiiTTot
mächtiger ao^alt uf dem angesetzten rechtstag und termin eraeheio mi
nhngeborsamlicli nicht ußbleibe, uf welches erscheinen daoü solle ime
die häevor erkennde citalion, ehe tind der cläger sein dag fürbringt
durch den Jandgerichtspotteu. damit von Bollieher der proceß aDgefaogen
werden möge, exequiert und iußinuiert werden, also soll es nochniahlen
jetzo und fürohin in craft difl abschids bestendig darbei verbleibeiL
Geben nnd beachehen montags nach dem tsoutag quiisiniQdo
geniti, den neunundKweinxigisten tag des monlags iiprilis, nach Chrieti
etc. gepurt gezollt füntxehenhundert achtzig und fünf jabr.
Joachim g. z. Ftiistemberg. ■
Penf. Orig, (IJMI mit 10 BD mit rhu Siegeln f/^.< (hafePl Jmtiim
mn Fursteftberff tutd (hr Htmit VUrlmjm an roter Scimm\ St.-A. Alt
IXXIIl Nr. J^J^'3,
Heg. in den Mideilurtym aus d. f, K Arcb., Bd. 3, S. 48a ff.
1
LXVII.
Vertrag zwischen der Stadt Konstanz, dar DeutschordeDscommeads
Mainan und der Stadt Überlingen über Maßregeln 2um Schutze d«
FiBcberei auf dem Bodeneee.
^5^9 Juni VJ KonstanK.
Zewisseji und kum! seie ineniglichem hieniit: Als sich auf dm
ainunclzwainzigisteu monat^tag martii deß v^erschinen fünfi'^ehenhundetft
sechsundsechzigisten jars die edleii, gestrengen, vesten, fürsichligen
und weisen Herren hauptman, burgermaister und rathe der statt
Costanz an ainem, und dann weiland der erwürdig, edel und gestreng
herr Wolfgang von Hohenegk, domals gewesner comenthur deß hauses
Mainow etc. selig am andern thail, ainer durchgeenden fischerord-
nungi, welchergestalt und -massen ir baiderseitz burger und under-
thonen die fischer, als die der Jugend und deß laichs nit verschont,
auch andere schädliche mißbreuch und Unordnung im fischen für-
genommen und geüebt, sich verhalten und fischen sollen, auf zehen
jar lang nachbeürlich mitainanderen eingelassen und verglichen, vol-
gends auch dieselbig Ordnung nach verscheinung erstbestimpter zehen
jaren mit etwas nützlicher enderung und Verbesserung widerumben
auf zehen jar lang prorogiert und erstreckt, sich aber siderhero biß
auf dise jetzige zeit augenscheinlich befunden, das nit allein z\vüschen
* Eine Kopie dieser «Fiecherordnung», deren Bestimmungen fast wörtlich
auf die vorstehende übernommen wurden, befindet sich im St.-A. Abt. XXXX,
Nr. 976, ebenso ihre «Erneuerung» vom 5. Januar 1580.
Überlingen. 603
vorgenanter baider partheien, als der statt Costantz und deß hauses
Mainow burgern und underthonen, sonder auch der statt Überlingen
fischer noch merere und weitere allermeniglichen nachtailige Unord-
nungen eingerissen und sich zugetragen, und durch si allerseits so
gevarlich und schädlich gefischet worden, das im fal solchem mif
zeitlichem einsehen nit begegnet, in kurzer zeit der See gar erschöpft
werden möchte, und der fischen, insonderhait der edlen fischen halber,
schlechter fang und nutz mer zu erhoffen wäre. Derohalben zu ver-
hüetung dises vor äugen schwebenden Schadens und abgangs, und
dargegen zu haiung und verschonung deß laichs und der jugend,
auch zunemmung und merung deß fischfangs und allermeniglichem
zu nutz und guottem, so habend an heut dato obernante lierrn haupt-
man, burgermaister und rath der statt Costanz, wie auch der er-
würdig, edel und gestreng herr Georg von Gemmingen, jetziger comen-
thur berürts hauses Mainow etc., mit den edlen, ernvesten, fürsich-
tigen, ersamen und weisen herrn burgermaister und rathe der statt
Überlingen auf obgehörte zuvor gemachte und hernach erstreckte alte
fischerordnung freundliche und nachbeurliche handlung gepflogen, sich
darinnen von ainem articul zu dem anderen nach notturft ersehen,
die gefundnen mengel verbessert, und darauf si, die drei partheien,
gemainlich für sich und ir allerseitz burger und underthonen, welche
sich deß Sees und fischens gebrauchen, dieselben Ordnung mit allem
irem inhalt widerumben von newem auf zehen nächstkommende
jar lang wollbedächtlich angenommen und darob alles ernsts zu halten
sich genzlichen entschlossen, auch dasselbig ainanderen zugesagt und
versprochen. Und lautet solche Ordnung, wie hernach underschid-
lich zu vermerken:
Erstlichen. Dieweil der herr commenthur allein zii erhaltung
seines haußbruchs aigen fischer in dem hauß erhalt und kaine fisch
verkauft, soll ime nachbeurlich vergund und zugelassen sein, nach
seiner notturft zu vischen, also, wann der fischer aines tags für den
baußbrauch zu speissen gnuog gefangen, soll er still, stöhn, und wann
die gangfisch außlaufen auf das sand, soll er auch nit mer, dann was
im hauß Mainow aines tags zu speissen vonnötten, fahen, und an
kainem montag abends, es sei dann am zinstag ain fastag, fischen;
hierin aber kain gefar gebraucht werden und nichts von solchen
fischen verkaufen, sonder, wie jetzt gehört, allein was ungevar zuo
dem haußbrauch vonnötten, gefangen werden.
Sovil dann die gemaine fischer betrifft, soll es mit den fischeni
nachvolgender gestalt gehalten werden:
t^berlbgen.
Item crstlichen, sovil die luoi und schwebseginen betrifft,
mim derselben kaiiie adil tag vor und drei wochen nach saut Geörgi
tag nit über die ha (den aiißziehen, bei straß drt^w pfund [rfeiiing,
Dergleichen soll es auch mit den netzen gehalten werden, aus
genominen die erlaupteo ziig, als benandlieh der sifrid, der ^tn^M-l
und der teufbüm, und von dem adelzüg hinanß an den atnnijjt^ti
und den stainzug, dergleichen die gruob hinder hok und gegen J«?id
Turgöw werz, vom Kogenbach biß an Bottighover bach, deßgleicheti
die von Überlingen von den haldenreiseni bei Mauren biß hinauf
an den hechlzüg vor der Aach; mer vom buch zi'i Nulidorl i^iim|it
der oberen und anderen gruoben daselbsten biß zu deß SpaUensUana
grüeble, und vor den hindroisern zur mülinen biß an mülgaiter. iwt
vom heidgraben biß zu deß Hüblerä maur; unden an der statt im\
man brauchen wie von alter her
Dergleichen soll kain netter nächtlicher weil treiben, au stJ
drew pfund pfenlng.
Belangend dio rackseginen soll es dergestalt gehalfeii werdea:
SO ain fischer ain racksegi machen will, soll er die ungescha\%'t m
den See nit füeren noch gebrauchen, si habe dann die gerechteo
gupfen, bei straff drew pfund pfening, welche gupfen acht eilen laui
sein soll; demnach so si die rechten gupfen hat und beschawet ist,
soll er dannocht vier wochen, das ist acht tag vor und drei wochen
nach saut Görgen tag, damit nit über die halden hinan ßziehen» aber
nach verscheinung der jetztbemelten vier wochen, wann der obbemett
bann auß ist, mag er dann mit ermelter racksegi alle wochen vier
lag, als namblich montag, mitvvoch, freitag und sambstag ziehen voß
Cosliintz binauß biß an deß herrn cooimenthurs fach unden an der
giilL und nnder ermelten fach und stock durch nider, alle tag un^
verhindert meniglichs; doch jedes tags nit lenger, dann biß zu sechs
ubren gegen aubeiuL Umb dieselben stunden sollen alßdann aia
glogken zu Coslanlz, deßgleichen zuo Überlingen und in der Mainoir
geleut werden, damit meniglich derselben zeit wüsse aufzehören, es
wäre dann, das ainer den bom gestossen, oder den hinderen stab
ausser dem schiff gesetzt, so mag ainer noch denselbigen ziig vol-
bringen. Und wann sanct Jacobs tag verbanden, soll man alßdann
die weiten gupfen ansetzen und nach Costantzer kirchweihe mit der
ragksegi auch nachts ziehen, aber nit lenger, dann biß zu sanct
Michaelis tag darnach gar aufgelegt werden.
Item die straifen mag man ziehen vierzehen tag vor der escherigen
mitwochen und nit früer, und benandlich der wochen nit mer dann
drei nächl, den montag, dornstag und freitags nachts und biß aul
Überlingen. 605
die escherigen mitwochen; darnach in der vasten mag ain jeder
fischer alle nacht ziehen biß auf den hailigen ostertag, und nach
dem hailigen ostertag soll man kaine straifen mer ziehen biß vier-
zehen tag vor sanct Martins tag und nach sanct Martins tag, alß-
dann nit mer biß widerumb vierzehen tag vor der escherigen mit-
wochen und nit änderst, bei straff zehen pfund pfening; und mögend
die Überlinger fischer in bemelter zeit mit iren straifen von Gold-
bach dem See nach ufhin biß gehn Nußdorf, und an der anderen
Seiten von Walhausen biß an das Fleußhorn ziehen; aber oberhalb
Nußdorf und des Fleußhorns sollen sie zu fischen sich endhalten.
Dann betreffend die landwatten und heurling soll es volgender
gestalt gehalten werden: nämlich das auch kaines kain landwath
an den See füeren soll, si habe dann den geschaweten her, der
zwo eilen lang und den laumen weg angesetzt sei, aber mit diser
wath die zwo verbottnen nacht, alß am montag und mitwoch zu
nacht damit nit ziehen, wie mit den seginen, kainer auch acht tag
vor sanct Görgen tag nit über die halden hinaußziehen, biß zu sanct
Jacobs tag; welcher aber tags mit der landwath will auf das land
ziehen, der soll den her nit verbinden, als wol als zu nacht, an drew
pfund pfening puoß.
Nach sanct Jacobs tag so mag ainer zum hürling über die halden
hinauß ziehen und auf dem sand on ain ber, welcher aber nachts
ziehen will, der soll den ber nit verbinden. Am mitwoch und samb-
stag mag ain jeder biß zu neun uhren ziehen, aber nit mer dann
ain halb viertel heurling, freitags und dann auch, wann ain fasttag
ist, biß zu zehen uhren und nit mer dann ain viertel fahen, biß zö
Costantzer kirchweihe ; und damit meniglich wüsse die zeit obvermelter
stunden und tagen, soll zu Costantz, deßgleichen zu Überlingen und
auch in der Mainow ain glogken geleut werden, damit jederman der
Ordnung erinnert und zu fischen aufhören könde, er habe die zall
obemant gefangen oder nit; und mag man mit den wathen ziehen
von Costantz biß an Mainower fach, wie mit den seginen, und nach
Costantzer kirchweihe mag ainer auch on ain ber zum heurling
ziehen und die einlassen, wie von alter her; also und auch mögent
die von Überlingen bei irem alten brauch und Ordnung deß heurling-
fangs halber verpleiben.
Item es sollen hinfüro niemands mer zum egle mit den angel
setzen, an drew pfund pfening straff.
Item zum schneggtrüschen mag ainer fünfhundert angel setzen,
doch nit darüber, an drew pfund pfening puoß.
Item ain jeder zocker soll auch nit mit ainem lebendigen kärder
0oe
überllA|::«u.
bei den reisem zocken, an der bestimpten straff droiv pfnnd
pfening puoß.
Es soll auch niemands uach sechs uhren aubends iiit nier
faderen, an geinelte straff.
liem auf deni sand soll kainer, er sei lün zDckef oder anderer.
mit lebenfligeüi kärder auch nit setzen, an drew pfund pfening putili.
Beschließlieh soll kain fischer kainen unmessigen fisch, der sn
hecbt, karpfen, al, färineu oder Schleien nit faben, sonder, so ft
desselben tags oder nachts, das er die gefangnen gewar \vürd. und
das meß nit haben, bei straff zehen pfnnd pfening außwerfen.
Das auch meniglich deß hecht-, karpfen-, al-, färinen- und
schleienmoB berichi. sind die rneß hiebei abgerissen,
Nandich das hechtuieß, wie das ud niargines der leiige nacli
hiebei verzaich^et^ im oberen Sf?e gebreuchÜchen und voo alliüs
also herkommen ist.
Das ahneB ist dreimal so lang, als hieneben verzaichnet \^\J
Das karpfen-, {ärinou* und schleienmeß ist gleich» und Imt vi
gende lenge.^
Die Seelen betreffend, wann ain fischer jederzeit derselben
war, soll er an zehen pfund pfening puoß die nit fahen» sonder dvu
bende! ziehen, damit die seelen lebendig davonkommen mogeti; dar^u
bei ermelter pnoß, das er seelen gespürt habe, anzaigen, damit vier
Zeilen tag derselben verschont werden möge, wie von alter bf^i
kommen ist, und damit hierin Ordnung gehalten, sollen die Costantit*r
und Überlinger fischer, wann si derselben gew^ar, deß herren comem-
thurs lischen und hingegen daß herrn coinenthurs fischer denen von
Cosianz und Überlingen si zu allen thailen obgemelter Ordnung ze
loben, erinnern.
Und soll kain parthei, noch derselben bürgern noch under-
thonen, ohne der anderen vorwüssen und bewilligen kaiu newenmg
auf den feldern und zügen fürnemmen, noch machen» weder mit
fachen reisern noch stumpen, damit die genden züg wie von alterber
gebrauchl werden mögen.
Es soll auch hinfüro niemands drew jar lang nach dato kaiae
kreßling fahen, an drew pfund pfening puoß, und dise Ordnung m
allen ai'iicul gleiclt gehalten werden von allen thailen underthouefl*
biü an das färb in der giilL
Was dann die edlen fiscli anlangt, haben sich die parlheieu
allerseits nachbeurlich mit ainanderen dahin vereinbart und ver^
* Am jimide ein St rieb von ^0 an tiiin^fe*
^ Am Kunde ein SIrieh von il*i cm Llln^e, tim ^mrae Anlniufi ht*trflgt ^ftmit ^lüttüi
■ Am Rr rille ein SLrich van Iß cm Ljinyje*
Überlingen. 607
glichen, das hinfürter kain thail, oder desselben burger und under-
thonen, von Martini biß auf der hailigen drei könig tag kain edlen
fisch in deß hauses Mainow gangfischfeldern, nämlichen von dem
predigertorggel bei der villen, biß an das fach fahen sollen.
Und damit jetztvermelte Ordnung hinfüro steif gehalten werd,
und dester minder der Ordnung zewider fürgenommen, sollen die
herren partheien nach verscheinung dreier jaren, den nächsten, wo
nit etwas zuvor Unordnung einfiel, zusamen kommen, die Ordnung
verlesen, und was ungebürlichs darwider wäre fürgenommen werden,
soll jeder thail dasselbig vermög diser Ordnung alßbald abschaffen,
und jeder thail die seinigen umb das übertreten vermög diser auf-
gerichten vischerordnung straffen, und niemands hierinnen verschont
werden; wo sich aber begebe, das Unordnung vor den drei jaren
wider dise aufgerichte fischerordnung sich einreissen würd, alßdann
mögen obangezaigte herren partheien allerseitz, wann si wollend,
wol wider zusamen komen, und von demselbigen mißbrauch red
pflegen, auch was der angenommen fischerordnung zuwider, ab-
schaffen, und jeder thail, wie hieoben vermeldet, die seinigen der
Unordnung und deß Übertretens onnachläßlich straffen.
Doch soll jetzvermelte Ordnung der statt Costantz außerhalb
obermelten articuln anderer Ordnungen, die si in irem trieter hat,
sonst in ander weg onschädlich sein; dergleichen soll es auch dem
herr commenthur und seinen nachkommen ausserhalb diser ange-
nommen fischerordnung an Verleihung irer felder und fischenzen, so
si hat, gleichergestalt der statt Überlingen, und also allen dreien
partheien an iren habenden rechten und gerechtigkaiten unnach-
thailig sein.
Und deß zu warem urkund sind diser abgereden und angenommen
Ordnung und vergleichung drei gleichlautende brief under ir, der
partheien, anhangenden underschidlichen secreten und anerbornen
insiglen verfertigt und aufgericht und jedem thail ainer zugestelt
worden.
Actum Costantz den neunzehenden monatstag junii, als man zalt
nach der gepurt Christi unsers hailands fünfzehenhundert achtzig und
neun jar.
Orig. Perg.'Libell mit 6 beschriebenen Blättern in Folio. Die Siegel
der Stadt Koyistam, des Frlirn. v. Gemmingen und der Stadt Überlingen
an weiß-rotseidener Schnur, St.-A, Abt, XXXX, Nr, 976, Außerdem
ebenda mehrere Kopien, Vorstehende <s^Ordnung» wurde <ierneuert und
bestätigt* in den Jahren 1599, 1602 und 1618, letztmals mit gemigen
Änderungen, Jeweils PapierurJcunden a. a. 0,
Überlingen. 609
kaiserlichen machtvolkomenhait, wissentlich in kraft diß briefs, das
merermelte statt überling und derselben nachkomen nun hinfüro solch
ungelt von den weinen allermassen, wie obsteht, fordern, aufheben,
empfahen und nemen sollen und mögen von allermenniglich, unver-
hindert, doch uns und dem heiligen reiche an unser obrigkait und
sonst meniglich an seinem rechten und gerechtigkaiten unvergriflen
und unschödlich. Und gepieten u. s. w. (wie gewöhnlich. Strafe:
fünfzig mark löttiges goldes). Mit urkund diß briefs, besiglt mit
unserem kaiserlichen anhangenden insigel, das geben ist in unserer
und des heiligen reichs statt Regenspurg, den andern tag des monats
julii, nach Christi unsers lieben herrn und seligmachers geburd fünf-
«ehenhundert und im vier und neunzigisten, unserer reiche des
Römischen im neunzehenden, des Hungerischen im zwaiundzwain-
zigisten und des Behaimischen auch im neunzehenden jahrn.
Rudolph.
Wolfgangus, Archiepiscopus Mog.
Ad mandatum sacrae caesareae maiestatis proprium.
An. Hanniwaldt.
Pery, Orig. mit Siegel an schwarz-gelber Seide, L. A, 2197, Ahdr,:
Lünig, a. a. 0. Bd, 14, S, 500 f.
LXIX.
Bischof Jakob von Eonstanz genehmigt die Umwandlung der
Hünsterpfarrkirche zu Überlingen in ein Eollegiatstift.
1609 September 19.
Jacobus, dei et apostolicae sedis gratia episcopus Constantiensis,
dominus Augiae Maioris et Oeningae etc., universis ac singulis prae-
sentibus ac posteris subscriptorum notitiam cum salute in domino.
Justis petentium votis, bis praesertim, per quae beneficiorum eccle-
siasticorum indemnitati honorique ecclesiarum nobis subiectarum
consulitur, cultus divinus adaugetur, salusque ac devotio Christi
fidelium uberius propagatur, lubenter annuimus eaque, ut in aevum
perdurent et inconcussa maneant, ordinariae auctoritatis subsidio sta-
bilire consuevimus. Pro parte itaque nobilium ac sapientum nobis
in Christo dilectorum consulis ac senatus oppidi imperialis Uber-
lingensis nobis exhibita petitio continebat, quod cum inter nostros
ad hoc specialiter deputatos commissarios et ipsos super beneficiis
et extra ecclesiam parochialem ibidem existentibus, quorum aliqua
quidem legitimes suos possessores habebant, alia vero pro tempore
Oberrhelni&cbe Stadtrechte. 11, 2. 3Ö
vacabant et eroctioue eiusdem in coUogiatatn eccle^
clusa sit iidem vero cqiiveotioiiem et transactionera liumsruüdi mm
no&tcr ratificans t^l a pprobans concurrat assensüs el aucloriUs inltr
veniat, tempore proceacnte impiigitari et invalidari po&se formidcMil
Quocirea humiUter uobis siipplicari tecennit, iit ipsis super bis palmui
et oportuuo remediu providere pt transactioiii praefatae cons^nauin
nostrum et ordiriariae aucturitatis robur pro perpetua ipsiös mbm*
steniia interpoliere ac adhibere dignareniur, Cuiiis transacUoim teiior
sequitur de verbo ad verbnra, et est talis:
Verzaichnus, wie es mit den eaploneicn in dem pfarnioniier m
Überlingen und den umblij^enden darzue gehörigen kirclieti imd ca
pellen beBcbaffen, und wie man es damit ins kiinflig mil dem ßotl*
dienst anstellen möchte,
Erstlich hat es in angeregtem ptarnnünster nachfolgende gestifi^
pfruenden und caploneien, dem ins patrunatiis und collatur ainem
ersamen rath daselbsten zuegehörh
1 Folgen die Namen der 23 Pfründen» mit Angabe der daran!
lastenden Verpflichtungen, gewöhnlich 5 Messen wdchentlicb*)
Hieriber hat es iiiM' und ausserhalb der statt Überlingen gelegen
kirehcn imd capeüen nachfolgende gestifte pfruenden und caplötieiea:
[Folgeti die Namen derselben*, ebenfalls mit Angabe der danwf
lastenden Verpfliehtungen; als letzte sind aufgeführt r]
33. Die pfarr St. Michael zu Uffkirch, so die recht inutterkirrJi
vor jähren war über Überlingen und Hedingen, wird alle sonn- und
feirtag durch den pfarrer oder seine helfer mit predigen und meB-
lesenj auch sonsten administration der hailigen sacranienten versehen
34. So würt auch St. Silvesters pfarr zu fJoldtbach, Stockacher
capituls, an sonn- und feirtagen durch ainen priester von Überliogeii
versehen mit predigen, mefllesen und administration der sacramenteii.
Warm nun das einkonmien aller oberierter pfruenden und cn^
ploneien außer der pfarr Uffkirch und Goldtbach, so änderst kam
1 L Johann Biiptis^t-Pfröiide ; ^. Ht, drei Kßni^e; 3 MartiJis und Vdt; 4. SL üiorfn
tius; 5. StConmd; I». St. Johann Evanj^elist: 7. St Sebastian: 8. Hl. Kieuz: Ü. l'risrf
lielien Frauen-Pfründe; 10, St. Gei>rg; 1 K St. Maria Magifalena; I^. Jakotm^ d. ü,; Vi. Ji-
kohns d, j,; 14, ii. th. St. Leonliard; lö. St. Barbara: 17. St. EILsalwth; 18, SL Feter u.
Paul^ 1^1. Bt Selxistkn; SO 8L Vei-eoa; äl. St. Christoph; M. St tbsmas und Daiuion;
23 St. Katharina.
» 1. Hl. Geist Sprtal; 2. St. Jrjsepti^kapelle in der Neustadt ß PfrötidenJ; 3. Bei dm
Schwestern zn deiiVisehenhäusern t 4. Auf dem Eeir^haiis (Gnlte^aokerlcapelle (f): oB^
den Sonder^^ie^hen vor der Stadr (SL Katliarinen auf dem Ber^rf; tl St, Leon hanl kapeile
7. Ä, Ülrichükapelb vor der Stadt.
Überlingen. 611
aigen einkommen haben, als was den fabricken oder hailigen gehört,
zusammen in ein massam geschüd würdet, yo betrifft dern ganzes
und völliges einkommen namblich ahn :
vesen 204 nialter 14 viertel *A imi;
roggen CO , 7 « 1 . ;
haber 180 „ (> , »^ » ;
gersten — „ 2 « — « ;
erbiß 2 , 4 , 1 , :
gelt . (>12 JC 0 ^ 3V» ^ = 099 fl 4lJll*/» ^;
zinßwein ... 3 fuder 2 aimer S quart \'2 maß;
zehentwein ungefähr 12 aimer;
hennen 30;
hienner 302;
aier oOCif) = 47 viertel 2(> aier;
gans 1;
reben in allem 224V« hofstat;
häuser 20.
Hergegen aber befünd sich, daß man zu erpawung der vacierenden
pfruenden reben, welche durch übel zuesehen der priester in großen
abgang gerathen, auch durch die additiones, die bißher etlichen auß
den angenommen priestern umb ires pfruenden schlechten ein-
kommens willen geschepft worden, nach und nach über die zweinzig
tausend gülden an haubtguet, aufgeschwollen zinsen und andern ge-
gemainer statt Überlingen an gelt und früechten in die zwelf tausend
gülden schuldig worden, und wann noch weiters also forthgehauset
werden solte, man jährlich zu erhaltung der ohne das vast abgangen
reben und entrichtnus der jährlichs gefallenden zünßen und addi-
tionen noch ein nambhafte suma* aufnemmen und entlehnen müeßte;
dahero der pfruenden genzlicher undergang, so mit zeitlichem rath
den Sachen nit fürkommen würde, in kurzem gewüßlich zu besorgen.
Derowegen, damit der gottsdienst nit gar zu grund gericht, sonder
in guettem möglichem wesen erhalten werde, so haben irer fürstl.
gnaden deß herrn bischoffes zu Costantz und aines ersamen raths
der statt Überlingen hierzue insonderhait verordnete commissarii über
gehabtes reifes berathschlagen und bei etlichen angestelten tag-
satzungen allerhand fürgeschlagne mittel entlich befunden (dieweil
der schulden last eben groß und füeglich ninderst anderstwo alß
auß verkaufung der reben ent rieht werden künde, darzuo auch elwann
jungen angehenden priestern, so erst zu den pfruenden kommen,
89«
Überlingen. 613
Zeiten auß dem spittal oder deßen in der statt ligenden törglen
ainem inwesenden pfarrer zehen fueder guets weins, die fünfe an
Vorlauf, und die andern fünfe an nachtruck; und dann gemainer
anstöllender priesterschaft sechzehen fueder guets weins, die zehne
an Vorlauf, die sechse an nachtruck, wie dann gott der allmächtig
jedes Jahrs auß seinen gnaden geben wird, und dann noch jährlich
berm Wolf gang Hetzen ^ zweinzig gülden an gangbarer münz von den
sechß hofstatt reben, so der Betzen-pfruend zuegehörig gewesen, aber
neben andern dem spittal auch übergeben worden, so lang er in
leben sein wird ; auch nach seinem absterben aines capituls gemainem
pfleger und einziecher zu der fabrick jährlich uf Martini ohnfelbarlich
zu liefern und zu geben schuldig sein, wie sich dann ein ersamer
ratb sie zu disem allem auf jedesmals erscheinenden saumsaal zu
balten guetwillig anerpotten und noch anerbieten thuet.
Das überig aber alles obbestimbter pfrüenden einkommen, alles
und jedes, waran das immer seie, großes und claines, an gelt, fruchten
und anderm, wie auch auß obbesagten sechßundzweinzig den
pfrüenden zuegehörigen häußern, die vierzehne, welche die beste zur
kurchen und gottsdienst bequemlichste und gemainer priesterschaft
die annemblichste sein werden, soll und wil ein ersamer rath ge-
mainer priesterschaft zu iren banden völlig und unabgänglich über-
antwurten und eingeben, also das sie daßelbig alles und jedes (so
durch ainen von ainem ersamen rath darzue nach irem belieben
verordneten weltlichen ambtmann oder pfleger, deme sie die priester-
scbaft ainen uß inen zu oberpfleger zuezeordnen, unverhindert menig-
licbs, eingeforderet, eingezogen und hernach volgenden oder noch
ins künftig nach befündenden dingen beßers verordnender maßen
neben obbestimbten wein außgethailt werden soll, nutzen, nüeßen,
innhaben, besitzen und von disem oder anderm irem priesterlichen
einkommen gemainer statt Überlingen ainiche steur, schatzungsanlag,
noch kaine andere bürgerliche beschwerden, wie die jetz wern oder
ins künftig aufkommen und aufgebracht werden möchten, wie bißhero
beschechen, und sie, die von Überlingen, vermög bei banden habender
brief und sigel einzelangen befüegt gewesen, zu geben noch zu er-
statten schuldig, sonder damit frei, ledig und unangefochten gelaßen
sei und bleiben, dabei aber andere ligende güeter, pfandschaften,
zinßbrief und dergleichen, so ein oder der ander priester villeicht
ex patrimonio oder sonsten keuflich oder in erbsweiß besitzen und
* WolfjfanK Beiz war der damalige Inhaber der St. Sebastians-, Unter- oder
Betzen-PMnde.
Überlingen. 615
liegender pfarlichen gescheften und seelsorg praecise nit verbunden,
aber die ires Vermögens zue besuechen hiemit ermannd sein, und
die so praesentes, gleich sowol als der herr probst, canonici und
caplön, jeder ain mettin kerzen zu presenz auß gemainen der pfrüenden
einkommen zu empfachen haben sollen, das frühe und spath anibt
sambt der vesper und complet (dabei auch die helfer, da sie änderst
der seelsorg halb nit verhindert, zu erscheinen) täglich zue gewöhn-
licher zeit singen und halten, der übrigen mettinen und anderer
tagzeiten aber (weil der gottsdienst sonst zu morgen zimblich streng
und biß man sieht wie die stift sich anlaßt, und etwann ein tägliche
dislribution uß dem überbleibenden der pfrüenden einkommen angestölt
werden kan, oder andere irer f. g. deß ordinarii Verordnung) geübrigt
und nit zu halten schuldig sein.
Und obwolen ain pfarrer und seine helfer bißdaher das hoche
ode]> spaat-ambt täglich auf dem fraun- oder choraltar allain zu singen
schuldig gewesen, so solle doch hinfür sollich spaatambt an sonn-
niid feirtägen von dem pfarrer alß prepösito oder ainem andern,
den er auf seine costen darzue bestöllen würdet, an Werktagen aber
durch die canonicos per turnum, ain wochen umb die ander, also
das derjenige, so den hochen altar versieht, selbige wochen zu hal-
tung der hienach aufgelegten messen nit schuldig seie, sonder daß
hoche ambt den gemainen Stiftern appliciern möge, hergegen aber
durch den pfarrer und seine vier helfer, so deß fraunaltars genzlich
außer sonn- und feirtägen entledigt werden, alle tag die lagmeß,
früeambt und undenneß auf st. Margarethen altar, auch per turnum,
und dan noch wochenlich zwo meßen bei den Schwestern zu sanct
Gallen und von sant Catharinen pfrüenden wegen, so der pfarr in-
corporiert, auf derselben altar in der pfarrkirchen auch wochenlich
zwo meßen gehalten, auch der gottsdienst zu Uffkirch, wie obstehet,
versehen werden. Was aber ain jeder an mettinen, ämbtern und
vespern zu verabsäumen, und wie die straff wider die, so über die
zuegelaßne zeit versäumen, fürgenommen, soll in statutis vermeldet
werden. Was aber die andere gestifte meßen betrifft, weil je die-
iselben, auß Ursachen, wie obstehen, gestifter maßen nit gehalten
werden künden, so solle ain jeder canonicus, den die wochen auf den
hochen altar nit antrifft, (alßdann der wochner zu lösung der hienach
aufgelegten meßen nit verbunden werden kann) wie auch die caplön
und dem jeder vier meßen, und wann ainer abstürbe, sein nach-
kommen dieselbigen hienach folgendermaßen zu lesen und zu halten
schuldig und verpflicht sein. [Folgt die Gottesdienstverteilung unter
den einzelnen namentlich aufgeführten Kanonikern und Kaplänen.]
Überliogen. 617
tag, SO der anfang der residenz sein, auch dise hieob- und hernach-
folgende Ordnung auf Georgii negst künftig deß sechzehenhundort
neunden jahrs iren anfang gewinnen und nemmen solle, ordenliche
ausfierliche und richtige raithung alles der stift einkommens und
außgebens, wo vonnötten, in beisein irer f. g. deputierten, einem
ersamen rath alß collatorn, inmaßen der pfruenden halb bißher be-
schechen, erstatten künde, wie er dann hierzue verbunden sein solle.
Damit nun ain jeder wüße, waß sein jährliches einkommen seie,
80 ist daßelbig jetzt volgendermaßen außgethailt, namblich dem prae-
posito solle jährlich von der probstei und dahero rüerender be-
gehwerden wegen vierzig gülden, und weil ie die pfarr außer ob-
gedachten sechsten thails deß weinzehendens und der incorporierten
St. Catharinen pfruend, dern einkommen ist an vesen acht viertel,
an haber acht viertel, an gelt fünf pfund zehen Schilling pfenning,
an reben zweinzig sechs hofstatt, sambt ainer behaußung, welches
alles bei obstehendem der pfruenden gemainem einkommen einver-
leibt und begriffen, gar kaine gefäll nit hat, und inen, denen von
Überlingen, anderer vilfaltiger außgaben halb etwaß darzue zu schießen
ohnmöglich ist, von disem der pfruenden einkommen, der zeit sie
dem coUatur gehabt, je und allwegen geben worden, jährlich für sein
pfärlich einkommen zu seiner und der vier helfer underhaltung zwei-
hundert neunzig ain pfund fünfzehen Schilling pfenning und an vesen
zweinzig fünf malter acht viertel, an haber acht viertel, daß gelt
in vier thail außzethailen und quattemberlich, die wein und fruchten
aber, wie obstehet, zu bezahlen neben obvermeltcn zehen fuedem
weins, und jedem helfer deß jahrs dreißig fünf pfund pfenning auch
zu quattembern auszethailen zu besoldung geben werden.
Sodann solle jedem chorherrn von den obvermelten sechzehen
fuedern weins zu herbstzeit vierzig aimer weins, die zweinzig fünf
an Vorlauf und die fünfzehen an nachtruck, und dan auß dem ge-
mainen einkommen an gelt zweinzig gülden, an vesen zwelf malter,
an habern acht malter, an roggen vier malter, an erbsen ain viertel,
an hennen drei, an hienern zweinzig, an airen drei viertel, für jedes
ainhundert zweinzig air geraith, und dan jedem auß den vier ca-
plönen ain fueder weinß, die zweinzig aimer Vorlauf und die zehen
nachtruckt, an gelt sechzehen gülden, an vesen zehen malter, an
habern sechß malter, an roggen drei malter, an erbsen ain halb
viertel, an hennen zwo, an hienern zwelfe, an air zwei viertel, das
gelt quattemberlich, jedoch weil das einkommen maisten thails erst
auf martini gefalt luid eingezogen werden kan, erst auf das quattember
Luciae mit entrichtung deß ersten zils anzefachen, die fruchten und
Überlingen. 619
weders an parm gelt und benanndlich der fabric zehen und dann
ain jeder Chorherr dem capitul zehen gülden allerseits haubtsächlich
anzelegen, und von dem, waß dem capitel angelegt, und jährliches
zinß gefall, under den capitularn gleich außzethailen, zu bezahlen,
oder a tempore adeptae possessionis mit landleufigem zinß jährlich
biß zu gleglicher ablosung zu verzinßen verbunden. Hierunder aber
die helfer, alß die sich bei dem helferstand villeicht nit lang auf-
halten, wie auch die jetzige obbenannde priester, sie weiten es dann
gnets willens zu mehrer befürderung ainer austollenden presenz für
sich Selbsten thuen, nit zu verstehn sein.
Erstlich hat es drei hailigen oder fabricken, nämlich St. Nie-
lausen, patrons deß pfarminsters zu Überlingen, dem vermögen ist
an reben zweinzig fünf hofstatt, an haubtguet verschribner zinßen
neunhundert sechzig zwei pfund zehen Schilling pfenning, und ein
behauBung. Darauß müeßen ohne allen paucosten jährlich acht jahr-
täg begangen, sechzehen ampeln mit öll nacht und tag zu brinnen
erhalten, sechzehn aimer weins bodenzinß geraicht, auf die andert-
halb centner wachß verbraucht, und einhundert gülden haubtguet
gegen St. Gallen verzinst werden.
Sanct Michel, patron zu Uffkirch, hat an reben fünf und dreißig
hofstatt, und an haubtguet verschribner zinßen achthundert vierzig
zwei pfund pfenning, und davon neben underhaltung an öll, wachß
und andern nothwendigkaiten zu jährlichem bodenzinß an wein neun
aimer zwo quart, und gelt vier Schilling neun pfenning zue bezahlen,
auch einhundert gülden haubtguets zu verzinßen.
Sanct Silvester, patron zu Goldpach, hat an reben drei und
zweinzig hofstatt, an bodenzinß sechß aimer weinß und an ver-
briefftem haubtguet ain tausend dreißig pfund fünf Schilling pfenning.
Dagegen verzünst er neben nothwendiger underhaltung der kirchen
ainhundert sechzig pfund pfenning haubtguets.
Dieweil dann der patron zu Überlingen in ansehung obliegender
beschwerden fast arm, die andern zween aber etwaß reicher und
bei weitem sovil außgaben nit haben, und ainem und dem andern
hailigen gesteurt und geholfen werde, so möchten die baide fabricken
zu üfifkirch und Goldbach den patronen zue Überlingen mit dern
völligem einkommen incorporiert und uniert werden, doch mit dem
geding, das darauß alle drei kirchen zu Überlingen, Uffkirch und
Goldbach in tachen und gepewen unzergenklich auch mit öll und
wachß und allen andern erhaischenden nothwendigkaiten ohne der
newen stift entgeltnus genuegsam versehen werden sollen. Demnach
Überlingen. 621
et singulos iuris et facti defectus, si qui in praemissis intervenerint
vel quolibet praemissorum. In quorum fidem ....
Datum die decima nona mensis septembris anno domini mille-
simo sexcentesimo nono, indictione septima.
Nomine ac vice reverendissimae et illustrissimae suae celsitudinis.
Joan. Hausman i. u. d.
vicarius generalis.
Orig, Pergamentlibdl mit Siegel des Bischofs von Konstanz an blau-
gelber Seidenschnur, Siegel der Stadt Überlingen abgegangen, St.-A.
Abt. LX, Nr, 1694.
LXX.
Grethordnung.
1649 November 30.
Wiewohl meine herrn burgermeister und rath dießer des heil.
Rom. reichs stat Überlingen zu mehrmalen in ihrem gräth- oder
komhauß viel gute Ordnung fürgenommen und einsehens gethan haben,
damit ein rechter, redlicher, tapferer und stattlicher kornmarkt ge-
halten und es zum gleichsten, billigsten zugang, also daß sich des
heimisch und fremde wohl gefrein und begehen möchten, so ge-
langt jedoch gedachte meine herrn nicht wenig glaublich an, daß
solchen eines ersamen raths ansehen und Ordnung von fremden und
heimischen wenig nachgegangen, sondern zimlicher maßen darwider
gehandelt werde, daß aber einem ehrsamen rath länger also zuzu-
sehen und den übertretteren solch verächtliches überfahren zu ge-
statten ferner nicht gesunnen noch vermeint sein will, darum, so
haben meine herren abermahl von neuem angesehen und geordnet:
Erstlich soll ein jeder, der frucht kaufen will oder zu kaufen
begert, sich bei dem gräthmeister anzeigen, alle fruchte verzollen,
bei straff eines ehrsamen raths.
Zweitens solle keiner kein frucht, so in der gräth oder darvor
abgeladen würdet, an keinem anderen ort kaufen, dann in der gräth
oder bei der standen, darinn die gefailste frucht ausgelärt; welcher
es nicht thätte und demselben nicht nachkommen würde, es wäre
der käufer oder Verkäufer, der solle um 10 S ^ gestrafft, auch der
messer nicht den kauf annehmen, noch viel weniger von denen herren
marktverseheren gutgeheissen werden; der kauf seie dann ergangen
bei der standen, wie oben gemeld, selbige ein ehrlicher burger und
ein geschworner diener vernohmen habe.
Überlingen. 623
1 S /5? gestrafft werden, auch schuldig mit dem, so also seinetwegen
verhindert und über nacht bleiben müssen, des unkostens und
zöhrungs halber einen billigen abtrag zu erstatten.
Achtens. Es sollen auch weder heimisch noch fremde an denen
Wochenmärkten kein sack mit frucht in der gräth noch darvor weder
aufstrücken noch auslären, bis der kornmeister erlaubt und die korn-
gloggen geläutet wird bei straff 3 <8 /S^.
Neuntens. So auch zu zeiten in erforderung der nothdurft
verbottene markt sind, und einem fremden eine bestimmte anzahl
koms zugelassen würde, solle von denen herrn marktverseheren gleich
zu anfangs und bei eröffnung der bestimmten anzahl des korns, so
einem zu kaufen erlaubt, die darauf gesezte straff, die ein jeder,
so er das überschreiten würde, verfallen würdet, geoffenbaret werden,
nemlich von einem jeden malter körnen 4 <S ^, soviel einer über
die bewilligung hat, so von einem jeden übertretter ohnnachlässig
eingezogen werden solle.
Zehentens. Es solle keiner kein frucht allhier kaufen oder
verkaufen, bis man die glogge auf dem kornhaus verläutet hat; keiner
mehr kaufen, noch verkaufen, bis man den markt ausgeläutet hat,
bei straff b ^ ^,
Eilftens. Welcher körn und andere frucht allhier verkauft und
dem messer den rechten kauf nicht recht anzeigte, sondern mit dem
kaufmann einen heimlichen kauf machte, und höher, als er ergangen
wäre, damit man ihnen von denen bürgeren nicht einfallen möchte,
anzeigen würde, der oder dieselben sollen um 5 ^ ^d^ gestrafft werden;
es möchte aber einer sich hierinnen so rauch oder fürsezlich er-
zeigen, so behaltet ein ehrsamer rath eine weitere straffe bevor, und
welcher gräthknecht einen solchen heimlich- oder verborgenen kauf
vermerken und verstehen, denselben aber denen herrn gräthver-
weseren nicht rüegen oder anzeigen würde, sonderen stillschweigend
beförderen helfen, die sollen darmit nicht allein ihre dienst verwirkt
und derselbigen abgestrafft, sondern auch solchen die stadt ver-
wiesen werden.
Zwölftens. Es soll auf unserem markt keiner mehr körn und
einigerlei fruchten kaufen, als was er mit paarem geld bezahlen kann,
bei straff 5 ^ ^, es wollte dann ihme der käufer gutwillig zuwarten.
Dreizechentens. Welcher frucht hat, es seie denn, was für
wolle, solle derselbige (und nicht der messer oder schütter, wie
zuvor etwann geschehen ist) den zoll, messerlohn und gräthgeld
Selbsten also paar auf der standen bezahlen bei straff 1 tJ ^y sollen
die messer oder schütter, sobald die frucht ausgemessen, dem gräth-
Überlingen. 625
nen botten noch brief allhier schicken, wo das von einem, er
xe, woher er immer wolle, erfahren würde, der solle um 5 <8 /5^
(traSt werden.
Einundzwanzigsten s. Alle diejenigen, so frucht anhero
Iren, sollen gute saubere körn, damit der arme und reiche wissen
Ige, was er kaufe; welcher aber dem nicht nachkommen, sondern
saubere kom führen würde, der solle es öffentlich wenden lassen
i dannoch nach der herm marktverseheren und eines ehrsamen
hs gutachten gestrafft werden.
Zweiundzwanzigstens. Es solle auch keiner die münz höcher
3geben und einnehmen, als wie selbe verruffen ist, bei straff
S /5^. Und dann, welcher in der Gräth das wasser lößet oder ab-
üaget, der solle zur straff 5 ^ ^ erlegen und bezahlen.
Dreiundzwanzigstens und leztlichen. Welcher die fruchten
mlicher weis bestellt und keinen ausdrücklichen, öffentlichen kauf
it, auch der, so dem andern an oder in den kauf fallet, derselbe
le um 5 ® /S^ gestrafft werden.
Derohalben wollen meine herm burgermeister und rath dieser
j heil. röm. reichs stadt Überlingen, hiemit allen ihren bürgeren,
iwohnem und gasten, so ihren markt besuchen und gebrauchen,
h solcher Verordnung gemäß zu verhalten, denen zu geleben und
h der obbemelden straffen zu verhüten gebothen, verkündet und
vamet haben.
Kanzlei allda.*
In Pappe gebundenes Papier-Libell mit aufgedrücktem Stadtsiegd.
A. Abt. XXXXL Nr. 996.
LXXI.
Stadtrecht. (St. IV.)
fi heiligen Römischen Reichs Statt Überlingen erneuerte
tz- und Ordnungen, von Burgermeisteren, klein- und
>ßen Räthen einhelliglich beschloßen den 10. Juni 1707.
Titulus primus.
Von Besetzung deß Gerichts und Raths.
1.
Es solle keiner weder ahn großen noch kleinen Rath gezogen
rden, ehe und bevor selbiger zehen Jahr ein eingeseßener Burgör
eesen, es seie dann Sach, das solche Umbständ vorhanden, wor-
* Darunter von a. Hd. mit Bleistift das Datum: anno 1649 am 30. November.
3berrheiuische Stadtrecbte. II, 2. 40
Überlingen. 627
Titulus 4 t"«.
Von Malefiz.
Wer ein Malefiz in dem Bezirk der bekanten Markten begehet,
derselbe solle darume, als ob ers in der Statt begangen hätte, ab-
gebüßt und gestrafft werden.
Titulus 5^^.
Von Schlaghändel oder anderen Fräfflen in gemeiner
SUtt Etter.
Ebenmäßig solle derjenige, welcher in gemeiner Statt Etter
Schlaghändl verübet und durch flüßende Wunden oder in andrer
.Weg frävlet, darume von einem ehrsamen Rath behörig gebüßt
werden.
Titulus 6 t»«.
Von blutrißigen Wunden und anderen Schlaghandlungen,
von Frembden und Einheimbischen beschehen, auch An-
greifung der Nachtwacht.
1.
Welcher ein gewaffnete Hand macht, er brauche selbe oder
nicht, ist es Tag, so ist die Straff 6 S ^', da es ab^r nach der
Nachtwache beschihet, 12 ß /5), und solle der Frembde in beeden
Fahlen selbe doppelt bezahlen; wann aber derlei tags oder nachts
sich auf denen Zünften ereignet, solle es mit der Straff vermög der
Zunftarticuln gehalten werden, es wäre dann, das einer blutrißig
geschlagen würde, deßen Bestraffung alsdann bei einem löblichen
Magistrat stehen soUe.^
2.
Welcher freventlich und muthwilliger Weis, jedoch mit unge-
waffneter Hand schlagt, derselbe solle um 3 {J /^, und- ein Frembder
mehrmalen um noch so viel gestrafft werden.
3.
Wer den andern mit gewaffneter Hand verwundet, ist die Straff,
so er ein Einheimbischer, 6 ß ,^, da er aber fremd, 12 ß .^ ; sofern
aber in diser und negst vorstehenden Begegnuß die Wunden oder
der Fauststreich gefährlich, behaltet ein löblicher Magistrat die fernere
Straff rechtlicher Ordnung nach vorzunehmen bevor.
* In B. am Rand: den 14. April 1791 hat Magistralus verordnet,' daß fremde
Frevlere gleich den Bürgeren nur einfach gestraft, und jene, so die Geldstraf zu bezahlen
nicht vermögen, für jedes Pfund Pfenning |: 1 fl. 8*/» x :| zur 24-stflndigen Bethurnung
oder zu eintägiger Schanzarbeit verfällt werden sollen.
40»
Überlingen. 629
2.
Obwohlen aber der Hauswürth, in deßen Haus einer dergestalten
Igejagt wirdet, sich gegen dem Nachjagenden vergreifen würde, solle
jedoch solches (den Todschlag ausgenohmen) ihme nicht zu Unstatten
kommen, auch er deßwegen mit nichten gebüßt werden.
Titulus 10™»8.
Von dem Außforderen.
Welcher Burger oder Innwohner den anderen auß- und ab dem
«einigen, oder eines anderen Aigenthumb, oder in andrer Weg, wie
solches beschehen möchte, des Tags ausforderet, der richtet der
Statt 10 ß /^ ; beschihet es aber zu nachts, ist die Straff 20 ß ^,
und solle abermahlen der Frembde in beedei^ Fahlen sothane Straff
zweifach verfallen sein.
Titulus 11™"8.
Von Straff deren, so verdient angelegte Straffen äffern.
1.
Wer von einem ehrsammen Rath oder vor Gericht wegen einig
begangenen Frevels gestrafft wirdet, und das gegen ihrer aller einem
äfifem wollte, der solle befündenden Dingen nach gebüßt werden.
2.
Welcher auch sich der angesezt verdienten Straff oder meiner
Herren Dieneren, wann solche aus empfangenen Befelch die Straff
ahn ihme voUzihen wollen, thätlichen widersetzen würde, ein solcher
solle 20 S /^ uhnnachläßlich verfallen sein.
Titulus 12™«8.
Von Execution und Vollzühung der Straffen.
Wann einer wegen verübten waserlei Frevels in oder außer
Gerichts um ein Geltstraft angelangt wirdet, demselben solle darunter
Dicht zugewarthet werden, sonder er sothane Straft gleichbalden zu
bezahlen schuldig sein, außer es würde ihme von der Obrigkeit diß-
fahls ein gewißer Termin gegeben und bewilliget, welcher alsdann
behörig zu beobachten.
Titulus 13«"«.
Von der Straff deß Falschen.
1.
Wer einen Falsch auf was Wegs das beschihet, begehet und
deßen^ wie auch, wer eines Mainaids überwisen, item bei welchem
ein verborgen Mordmeßer gefunden wird, deren ein jeder richtet der
Überlingen. 631
ihrer Vögten vor den Rath bringen, und was ihnen alsdann erlaubt
^wird, zu thun befugt sein, außer deßen aber sonsten nichts.
Titulus 16t«8.
Von Ungehorsatnme der Kinder, welche sich ohne Wißen
und Willen ihrer Eiteren verhewrathen.
1.
Welches Kind wider seines Vatters oder Mutters Willen sich
verhewrathet, demselben seind die Eltern, so lang sie leben, nichs
za geben schuldig, es wäre dann, das ein Vatter oder Mutter durch
solche Verhinderung selbsten zu vihl gethan hätte.
2.
Ob schon auch ein solches Kind von seinen verstorbenen Vatter
oder Mutter ahngefallenes Guth hätte, so ist jedoch auf solch obigen
Fahl der Vatter oder die Mutter, welches aus ihnen annoch bei
Leben, nicht schuldig, weilen es lebt, dem Kind etwas von sothanem
verfallenem Guth ausfolgen zu laßen.
Titulus 17«niu8.
Straff deren, so ehrbahren Leuthen ihre Kinder abprac-
ticiren oder anderen verkupplen.
Wer des anderen Kind, Sohn oder Tochter gefährlich nach-
gehet, daßelbe ohne Bewilligung deßen Eiteren ihme selbsten oder
einem anderen verkupplet, solle nach Erkantnuß eines löblichen
Magistrats gestrafft werden.
Titulus 18v«8.
Von denen verfangenen Gütheren.
1.
Wann zwei Ehegemächt mit Hinderlaßung vieler oder wenigen
aus ihnen ehelich erzeugten Leibserben von ein ander sterben, solle
denen Kinderen des Verstorbenen respective vätterlich- und mütter-
licher Verlaßenschaft, ligend- und fahrends Vermögen allerdings ver-
fangen sein und bleiben dergestalten und also, das denenselben zwar
die Proprietät oder Aigenthumb, dem überlebenden Vatter oder Mutter
aber (selbe verhewrathen sich widerumb oder nicht) lebenlänglich
die Nutznüßung, worbei die Kinder ehrlich auferzogen werden sollen,
davon gebühren, mithin das überblibene Ehegemacht zu keiner Ab-
theilung getriben ald genöthiget werden, jedoch aber auch nicht be-
fugt sein solle, von sothanverfangenem Guth, ohne eines löblichen
Magistrats und der nächsten Befreunden Wißen und Bewilligung,
Überlingen. 638
fahls die Frawen deren ansonst ihnen zustehenden und zu gutem
irerordneten Rechts wohl thaten sich nimmermehr zu erfrevven haben.
Es solle auch kein Frow denen anderen Gläubigeren, welche ihre
underschiedliche specificierte verschribne Underpfand haben, vorge-
zogen werden, sonder ein jeder Gläubiger bei seinen Brief und Siglen
und Zinsgerechtigkeiten, sofern dieselbe ordentlicher Weis nach hie-
siger Statt Satz- und Ordnungen, wie vor- und nachstehet, erlangt
worden, gelaßen werden und also die Fraw wegen ihrer liabenden
stillschweigenden Verpfändung die Priorität und Vorgang allein gegen
denen anderen gemeinen Gläubigeren, so keins specificirte und be-
willigte verschribne Underpfand, sondern auch nur tacitam hypothecam
haben, gewinnen, nicht aber gegen diejenige, so ihre expressam hypo-
thecam, das ist, ihr außtrucklich underschidlich verschribene Under-
pfand oder Versazung haben; jedoch solle wegen solch obig ver-
sezt- ald verkauften Guts der Frawen, wo möglich und es vorhanden,
anderweither Ersatz und Genugthuung geschehen, es wäre denn, das
selbe durch ihr üble Haushaltung und verthunerisches Leben hierzu
Selbsten Anlaß gegeben hätte.
3.
Nachdeme aber es sich ergeben, das die creditores ald Schuld-
gläubigere mit denen abseiten des weiblichen Geschlechts bishero
simpliciter und nicht aidlich, zumahlen auch so gar allein vor denen
Herren Amtszunftmeisteren beschehenen renunciationibus und Ver-
züchten ihrer derer W^eiberen habenden Privilegien und Rechtswohl-
thaten, in specie des s. c. Vellei- und Authent. : si qua mulier etc.
nicht mehr vergnüget, sondern in Zukunft beßer, und zwar nach
Anlaithung deren gemein beschribenen Rechten mit derenselben aid-
lichen Renunciationen versichert sein wollen, so ist in reifem Be-
dacht der Sachen Billigkeit von klein- und großen Räthen geschloßen
und hiermit statuirt, das dergleichen von dem gemelt weiblichen Ge-
schlecht zu thuen habende Verzüchten und renunciationes von nun
ahn, und fürohin in der Canzlei aidlich geschehen, jene hingegen,
so die praeterito von denen W^eibern ohne Aid sowohl in der Canz-
lei, als vor denen jeweiligen Herren Amtszunftmeistern praestiret
worden, welch leztere zugleich in futurum hiermit wider aufgehoben
und annullirt seind, um Verhüthung vieler Confusion und Unruhe,
auch um der bisherigen Observanz willen eben also aufgenohmen
und ratificirt, zumahlen die etwaige defectus und Mängel ex officio
et plenitudine potestatis suppliret sein sollen, als wann dise renun-
ciationes auch mit dem wirklichen Aid beschehen und bekräftiget
worden wären.
Oberlingen. 685
Titulus 21™»«.
^on Kauf, Tausch und anderen Contracten, auch wie es der
Weinkaufen halber zu halten.
1.
Wer einig ligendes Guth verpfänd, verkauft, vertauscht oder in
nder Weg verendert, der solle ein solches mit Zuzug und Erbittung
eines vorgesetzten ordentlichen Herrn Zunftmeisters, oder in Er-
nanglung deßen eines anderen Herrn des Raths thuen, anbenebst
Jl derlei Handlungen, wie auch die Theilungen, (welche leztere jeder-
:eit in Beisein jemanden aus meiner Herren Mittlen und Canzlei
vorzunehmen) 1 vor ein löblichen Magistrat zur obrigkeitlichen Rati-
ication gebracht, zumahlen darüber die behörige Brief und Theil-
:edul gegen Bezahlung gebührender Tax erhöbt werden.
2.
Dahingegen all- diejenige Contract und Handlungen, welche nicht
luf vorstehende Weis beschehen und einem löblichen Magistrat nicht
rorgetragen werden, ernstlich verbothen, mithin allerdings unbündig
ind ungiltig, insonderheit aber die Privat-Schuldbrief und Zünsver-
ichreibungen, die seien gleich mit oder ohne Underpfand, in so weith
inkräftig seind, das selbe ohne gestattenden geringsten Vorgang
leren gemeinen mit keinem Underpfand versehenen und Current-
schulden gleich geachtet und gehalten werden sollen.
3.
Damit auch wegen der Weinkäufen kein Übermaß gebraucht
werde, als solle von dem ersten Hundert ein Gulden, von jedem
deren weifhers nachfolgenden Hunderten aber allein fünf Bazen und
kein Mehrers passirt werden.
Pars secunda.
Titulus 22d"8.*
Von Zugrechten, wie auch Ahn- und Überschlagung der
ligenden Gütteren.
1.
Wann ein Burger ein in hiesiger Statt, oder in dero Etter und
Serichten, deßgleichen in gemeiner Statt Vogteien und des Gottshaus
* In B. am Rande verwiesen auf Ratsprotokoll vom 25 Febr. 1737.
* In B. am Rande: Nota. Den 30. Juni 1788 hat Magistratus erkläret, daß den
nächsten Anverwandten nach dem Ratsschlufi vom 26. September 1777 bei freiwilligen
Licitationen das Zugrecht bis nächsten Ratstag, den Bürgeren aber gegen fremde Käufern
^30 ^^^^^^^^"^ überiingeii.
Spithals Gerichten gelegenes Guth, es seien Haüser Scheüreu, Kraii^
Bauin^ oder Rebgärthen, deßgleichen Wiseii> Holz oder AckedcW.
einem anderen Bürger verkauft, sollen des Verkäufers negste Blut^v
befreunde, bis in den anderen Grad einschlüßüchen, Mann- uml
WeibS' peraohnen (jedoch das selbe von ehelicher Geburlh, zumahleii
in hiesiger Statt Borger seien oder sich bürgerlich einlaÖen wollen,
auch die im ersten Grad vor denen im anderen Grad venv^amiteö,
nicht weniger die männlichen Stammen denen Weibspersohnen, wann
sie gegen einander in gleichem Grad oder Staffel stehen, den Vorzug
haben sollen) befugt sein, selbiges in dem Kaufschilling and Werth,
was und wieviel der Käufer darumb versprochen^ zu zuhen und aliü
sich zu bringen, gleichwohlen aber solle darunter kein Gefahr aW
Schlaich gebraucht werden, sondern derjenige, w^elcher sotanes Giitb
gezogen, selbiges, ehe er es widerumh einem anderen, er seie sein
Blntsverwannter oder nicht, verkaufen ald hingeben thuet, w^enifist
3 Jahr lang zu besizen gehalten sein, sofern aber sich zeiget, das
der Käufer und die umb das Zugrecht sich Anmaßende gegen dem
Verkäufer in gleichem Grad mit Blutsfreundschaft ziigethan sein
würden, solle solchen Fahls under disen und zwar ohne Underscheid
des mann- und w^eibüchen Geschlechts lediglich kein Zugreehl ge^
stattet werden, wohl aber, wann ein näherer Blutsfreind solches bc*
gehran würd, sich deßen allerdings zu erfrewen haben wird," Weilet
ist vom löblichen klein- und großen Rath statuirt worden, das. im
Fahl keine Blutsan vermannte im erst- oder anderen Grad vorhanden,
oder doch solche sich um das Zugrecht des verkauften Guthes nicht
melden würden, alsdann die Verschwägerte im ersten Grad das Zug-
recht haben sollen. Wann hingeg^en aber die Persohn, von welcher
die Schwagerschaft herrührt, schon gestorben würe, solle ipso facto
auf Jahr und Tag, und den Hausbesitzern zu dem unter ihrem Hause gelegenen Kellen»
4 Wochen lang zustehen und vorbehalten werden solle.
Den 19. September e. a. hat der löbl. große Rath obiges beslettiget nnd daneb^t
beschlossen, daß dem Besitzer eines halben Hauses, wann die andere Hälfte verkauft
wird, hiezu das Zugrecht vor den Anverwandten zustehen, auch die Fremde und Nicht-
verbürgerte auf Häuser und ligende Güter zu schlepen nicht befugt, sondern von dein
Licitations-Recht ausgeschlossen sein sollen.
* In B. hier am Rande beigefügt: Dann solle den nächsten Anvenvandten bei
freiwilligen Licitationen das Zugrecht bis auf den nächsten Rathstag, denen Bürgern aber
gegen fremde Käufern auf Jahr und Tag und den Hausbesitzeren zu den unter ihren
Häusern gelegenen Kellern 4 Wochen lang, nicht weniger dem Besitzer eines halben
Hauses, wenn die andere Helfte verkauft wird, hiezu das Zugrecht vor den Anverwandten
zustehen und vorbehalten, auch Fremde und Nichtverbürgerte auf Häuser und liegende
Güter zu schlepen nicht befugt, sondern von dem Licitationsrecht ausgeschlossen sein.
Überlingen. 687
auch dise Zuggerechtigkeit nicht statt haben, sondern nichtig, tod
und abgethan sein.
2.
Gleichwie aber die Zugsgerechtigkeit allein zu denen verkauften
ligenden Güthern (und zwar ohne Underschied, ob das verkaufte
Gath auf den Verkäufer von seinen Eiteren gekommen oder erwachsen,
ald von ihnen lediger Weise, oder im Stand der Ehe durch getrewe
Haushaltung errungen, gewunnen, vorgeschlagen oder erkauft worden
seie) denen dem Verkäufer mehrgedachter Maaßen, bis in den anderen
Grad einschlüßlichen verwannt- und allhier verbürgerten Blutsfreunden
gebühret^ weiter aber und wegen anderer Sachen nicht Platz hat
oder gestattet wird, also ist auch
3.
der Zeit halber gesezt, das diejenige, so allhier säßhaft, inner
vier Wochen, welcher aber außer der Statt ald in Herren Diensten
sich aufhalten, inner acht Wochen, jederzeit der nächsten, von und
mit dem Montag ald Donnerstag, ahn welchem solcher Kaufs-Con-
tract einem löblichen Magistrat vorgetragen worden, bis auf den
4. oder 8.*«° Montag ald Donnerstag inclusive zu rechnen, sich so-
tanen Zugrechts bedienen mögen, zumahlen alsdann neben dem Kauf-
schilling den mäßig-gewohnlichen Weinkauf, benanntlichen vom ersten
Hundert einen Gulden und von jedem der übrigen Hunderten fünf
Batzen, samt was ahn solch gezogenem Guth nothwendiger Weis
verbawt oder verbeßert worden, abzutragen und zu erstatten ge-
halten sein, auch nach Verflüßung obiger respective 4 und 8 Wochen
dißfahls keiner mehr gehört werden, sondern solcher Kauf ligend
Guth dem ersteren Käufer allerdings verbleiben und ohnangefochten
gelaßen werden solle.
4.
Sofern nun mit Vorwißen und Genehmhaltung eines loblichen
Magistrats ein Burger gegen einem Frembden, ald ein Frembder gegen
einem anderen Frembden ein in allhiesiger Statt, dero oder des
Gottshaus Spithals Bezirk und Gerichten ligendes Guth verkaufen
würde, solle alsdann jedem Burger solch verkauftes Guth endweder
in dem abgered- und beschloßenen Kaufschilling oder wann es ihm
zu theur bedunkt, nach Werth und Anschlag der geschwohrnen
Schäzer allhier inner nächsten Jahr und Tags, da der Kauf vor ein
löblichen Magistrat gekommen, mehrmahlen neben Abtrag und Er-
stattung gebührenden Weinkaufs, und was ahn solch ligendem Guth
notwendig verbawt oder verbeßert worden, zu zühen und an sich
zu bringen allerdings freistehen.
Überlingen. 639
beschribnen Rechten oder wenigist auf Arth und Weis, wie negst-
stehend von denen gesunden vermerkt ist, einrichten und die Ge-
bühr beobachten, widrigen Fahls solche Verordnung allerdings nichtig
und kraftlos sein.
3.
Wann nun jemands bei gesundem Leib einige Verordnung ald
Geschäft zu machen Willens, derselbige solle, wann er nicht nach
denen gemeinen beschribnen Rechten testiren will, wenigst dreier
des Raths oder Gerichts, neben zweier unverleimbten, ehrbaren Bür-
geren zu sich beruffen, und was er alsdann in diser fünfen Gegen-
warth verordnen und verschaffen, zumahlen entweders selbst oder
durch andere Hand schriftlichen verfaßen wird, das solle mehrmahlen
ebensoviel Graft haben und giltig sein, als ob es vor geseßenem
Rath geschehen und mit rechtlicher Urthel bestättiget worden wäre.
4.
Begebe sich aber in Sterbens Laufen, das ein krank darnider
Ligends diejenige meiner Herren des Raths oder Gerichts nicht wohl
gehaben oder bekommen könnte, das mag an deren Statt zwei un-
verleimbte Burger über obbemelten ehrbahren Burger zu sich berufen,
und was es alsdann von disen Dreien verordnen, verschaffen oder
vermachen wird, das solle abermahlen gelten, als obsteht.
Titulus 24t"s.
Wie es im Fahl, da zwei Ehegemächt ohne Kinder und Hew-
rathspacten oder andere giltige Disposition von einander
sterben, dero Verlaßenschaft halber zu halten.
1.
Wann zwei Ehegemächt (selbe seien allhier verburgert oder Bei-
säß, jedoch das auf disen lezteren Fahl die Güther in hiesigem
District gelegen sein sollen) ohne Hinderlaßung aus ihnen beeden
ehelich erzeigten Rinderen von einander absterben und weder Hew-
rathspacta, noch andere gültige Verordnung vorhanden, solle alsdann
das Überblibene all sein sowohl zugebrachtes, als auch wehrender
Ehe etwann durch Schankung, Vermächt, Erbschaft oder andere derlei
Weis zugefallen ligend- und fahrends Vermögen, so es annoch vor-
handen, zum Voraus nehmen und haben, und demselben fernerweith
von des Abgeleubten in drei Theil zu vertheilen seiend völliger Ver-
laßenschaft, nichts davon ausgenohmen, zwei Drittel des wehrender
Ehe errungen- und gewunnenen Guths, das übrige ein Drittel aber,
so verlaßen- als errungenen, des verstorbenen nächsten Befreunden,
Überlingen. 641
Tadfahl keine Kinder ald von ihnen herstammende Descendenten
mehr bei Leben sein, wie auch, wann dasjenige Ehegemäch, so zuvor
mit keinen Rinderen begabt, zuerst sterben würde, es in beeden disen
; " Fahlen des verstorbenen Verlaßenschafts und Vorschlags auch beederlei
Vertheilung halber, wie in obangeregtem ersten §^<> versehen, gehalten
werden solle.
5.
Nächst disem solle in all solchen in vorstehendem vierten Punct
versehenen Fahlen wegen obangeregter Unkosten die Maaß nach Pro-
portion des ein- oder anderseiths bezühenden Antheils genommen,
nicht weniger wegen zu thuen seienden Ersazes deßen, so dem über-
lebenden Ehegemäch an seinem Vermögen abgehen dürfte, es nach
denen vorermelten zweiten und driten Puncten gehalten werden, je-
doch das ein- so anderen Fahls der Kinder erster Ehe zuvor zuge-
foUenes Guth darunter nicht angegriffen werden, sondern allerdings
frei verbleiben solle.
Titulus 25 1»^
Vom frembden Wein und der Herbstrechnung.
1.
Einem jeden Burger ist erlaubt, zur Herbstzeit dißeiths Sees
fünf Fueder, jennseiths Sees aber nur zwei und ein halb Fuder
Wein hereinzuführen, mit dem Anhang, das derjenige, welcher jenn-
seits Sees 21/2 Fuder einhandlet und hereinführt, alsdann nur noch
21/2 Fuder dißeits Sees hereinzuführen befugt sein solle, bei Straff
40 S 4.
2.
Es soll auch ein jeder Burger bei der Weinrechnung, welche
meine Herren alljährlichen machen, soviel allhiesigen Wein betrifft,
verbleiben- und mithin auf keine andere Rechnung handien, bei
Straff 10 S ^.
Titulus 26 ^»8.
Von Versecretirung.
Wann jemand aus unseren Verburgerten stirbt, und ein- oder
mehrere Erben, so nicht verburgert, hinderlaßet, solle deßen Verlaßen-
schaft ohne machenden Underscheid von gemeiner Statt wegen durch
die verordnete Herren des Umbgelts und Rentamts Secretari ver-
obsignirt werden, mit dem weiteren Anhang, das in anderen Fahlen,
da lauter verburgerte Erben vorhanden, nichts desto weniger be-
fündenden Dingen nach die Obsignation vorzunemmen^ oder zu under-
laßen bei einem löblichen Magistrat steht.
Oberrheinische Stadtrechte. II, 2. 41
Überlingen. 643
Straffen, Bott, Verbotten, Umbgelt, Salz, Steuren und Anlagen, nicht
weniger wegen der aus dem Kalchhaus von dem Zeugwarth her-
gebenen Materialien und derlei Sachen, vor all- anderen, so privi-
legirt, als gemeinen frembd- und innheimbischen, verbrieft- und un-
verbrieften Schuldgläubigeren, umb Haubtgut und Zins den Vorgang
und Priorität haben, ohngehindert männiglichs. Nach disem nun
2.
solle ein jeder Schuldgläubiger umb zu forderen habendes Haubt-
guth und Zins auf sein verschriben Underpfand gewisen und ein
jeder bei solch seinem Underpfand gelassen werden, also und der-
gestalten, das, obschon einem ahn seinem Haubtguth oder Zins vil
oder wenig abgienge, derselbe jedoch ahn des Schuldners ander-
weithe ligende Güther, welche einem anderen insonderheit und speci-
fice verschriben seind, dißfahls keinen Zugang ald Anspruch haben
solle, wohl aber bei deßen Haab und Güther in gemein oder bei
denen Mitgülten oder Bürgen sich darunter erhohlen möge, wie dann
jederzeit die specificirte der gemeinen Versatzung, dise seie zumahlen
gleich älter oder nicht, vorgezogen werden solle.
3.
Betreffend nun der Schuldgläubiger Außlosung mag zwar der
jüngere Pfandherr, so er will, den älteren wohl außlösen, ist aber
dabei nichts gehalten, auch die andere Schuldgläubiger, ob sie gleich
ältere Gerechtigkeit und aber andere sonderbahre Underpfand haben,
gegen seinen Willen außzulosen, sondern dieselbe sollen ihre Be-
zahlung, wie vorstehet, bei ihren verschribnen Underpfanden, und
wann ihnen daran etwas abgehet, bei des Schuldners anderen ge-
meinen Haab und Gütheren, so gegen niemand verschriben seind,
oder in deren Ermanglung bei denen Mitgülten und Bürgen suchen.
Titulus 30'"»^
Von Steuren.
1.
Es solle ein jeder all sein ligend- und fahrends Vermögen allhier
und anderwerthig gelegen, nach der jeweiligen Steurordnung ge-
bührend zu versteuren schuldig sein; sofern jedoch ein ligends Guth
von dem allhier geseßenen Aigenthumbsherrn außerhalb versteurt
werden muß, ist solches allhier nicht, wohl aber der nuzen davon
in die Steur zu legen.
2.
Es solle auch ein jeder gebohrner Burger wenigist 200 fl., der-
41*
Überlingen. 645
3.
Wann einige mann- ald weiblichen Geschlechts sich mit Frembden
und Nichtverburgerten verheurathen, solle entweder keines aus ihnen
Burger, oder das Frembde gehalten sein, noch vor der Hochzeit mit
Erstattung obiger Requisiten ebenmäßig umb das Burgerrecht ge-
bührend zu bewerben.
4.
Diejenige frembde Ehehalten, welche fünfzehen .lahr lang ohn-
underbrochen bei einem Burger (worunder aber der Herren Geist-
lichen Dienstbotten, wie auch die Handwerkbursch nicht vermeint
werden) getrew und redlich gedient haben, sollen, ob sie schon nit
5ÖÖ fl. im Vermögen haben, ohne Entgelt zu Burger aufgenohmen
werden; welche aber nur zehen Jahr lang dergestalten gedient und
in das Burger verlangen, fünfzehen Gulden Einzuggelt bezahlen.
5.
Wer nit mehr Burger sein will, mag zwar das Burgerrecht
münd- ald schriftlichen bei einem löblichen Magistrat gezimmend auf-
geben, solle aber alsdann inner Monathfrist von hier hinwegzühen,
zumahlen von seinem völligen ligend- und fahrenden Vermögen den
Abzug geben.
6.
Item welcher Burger das ihm aufgetragen Bürgermeisteramt,
Rathsstell ald ander Beamtung anzunehmen sich weigeren würdet,
der solle befindenden Dingen nach gestraft werden.
7.
Welchem von einem löblichen Magistrat das Burgerrecht auf
gewiße Jahr aufbehalten und ein solcher die Steuren, wie obstehet,
bis auf heilige Osteren nicht richten wird, der solle das Burgerrecht
dadurch in der That verwürkt haben.
Titulus 33«««.
Vom Abzug.
1.
Wer sich in die Frembde verhewrath und sein ahnererbt Burger-
recht nicht besizen will, wie auch alle diejenige, so allhier nit mehr
Burger zu sein begehren, selbige seien gleich Erbburger oder nicht,
und haben das Burgerrecht lang- oder kurze Zeit beseßen, dise sollen
ohne Underscheid von all ihrem Vermögen, die Fahrnus seie in der
Steur gelegen oder nicht, den Abzug zu erstatten schuldig sein, außer
Überlingen. 647
Titulus 341»«.
Von zugefügten Schäden ahn Gütheren.
1.
Welcher dem anderen in seinen Baum- oder Weingarthen, zu
was Zeit im jähr es sein mag, Vüch oder Roß treiben und allda
halten thut, der richtet der Statt, so oft das beschihet, 3 ® .^ ; wann
aber ein solcher die Straff ald den Schaden zu bezahlen nicht vermag,
solle deßen Herr ald Meister für beede Puncten zu stehen schuldig sein.
2.
Wer auch dem anderen in seinen Reeben, Baum- oder Krauth-
garten, Ackerfeld und Wisen, ahn denen Bäumen oder sonsten
Schaden zufügt und solches behörig erwisen wird, ist es tags, ist
die Straff 1 S /^, beschihet aber solches zu nachts, ist die Straff
3 S /5?, es möchte auch der Frevel so groß sein, behaltet sich ein
löblicher Magistrat die weitere Straff bevor.
3.
Wer dem anderen bei nächtlicher Weil in die Fenster oder
Laden würft oder haut, der richtet der Statt 20 S ^ ; es möchte
auch jemand dardurch beschädiget, oder verlezt werden, so würde
bei einem ehrsammen Rath stehen, gegen dem Thäter die Straff am
Guth oder am Leib yorzunemmen.
4.
Wer in denen Wegen oder Straßen Vieh oder Roß haltet oder
graset, solches beschehe zu was Zeit im Jahr es wolle, der solle,
so oft ers thuet, von jedem stuck 5 Schilling Pfening bezahlen.
5.
Wer dem anderen seine Reben oder Bäume aushawet, auß-
reißt, ald muthwilliger Weis verbrend, oder sonsten daran Schaden
zufüegt, es seie inn- oder außerhalb des Etters, der solle nach seinem
Verbrechen gestrafft werden.
6.
Negst deme solle jeder in vorstehenden Fahlen neben der Straff
den. zugefügten Schaden dem Beschädigten gut zu machen schuldig sein.
Titulus 35i»8.
Von frembden Gerichten.
Wer aus unseren Burgeren einen anderen Mitbürger ohne Er-
laubnis eines löblichen Magistrats, aus was Ursachen das sein mag.
Überlingen. 649
Von hinterlistig und unehrbarer Dienstwerbung. ^ 1710
Dato den 11. Juli 1710. Demnach einige Zeit hero die Erfahrung
gezeigt hat, das alihiesige Burgersöhne ohne in die Frembde zu ziehen,
sich gleich balden zu verhenken und gleichsam auß den Lehrjahren
zu verheirathen pflegen, welches nit allein sehr unanständig, sonder
auch dißes Weitere darauß erfolget, das sie dero erlehrnte Handierung
schlechtlichen ergreifen und durch solche alsdann die Handwerker
zu der übrigen Beschwerden übersezt werden, als ist hiemit ver-
ordnet, das ain jeder 4 oder wenigst 5 Jahr auf dem Handwerk zu
wanderen, als widrigen Fahls ein solcher nit beim Handwerk ge-
litten werden solle, worbei jedoch der Wittfrawen Söhne, welche zu
Guethem und Beihilf dero Müttern etliche Jahr der Meisterschaft
vorgestanden, insoweith ausgenommen werden, das bei einem löb-
lichen Magistrat stehen solle, obige Verordnung, sovihl selbe betrifft,
befündenden Dingen nach zu milderen und zu anderen.
Reformierte Steurordnung.
Erstlich solle ein Hofstatt mit Reben versteurt werden für fl. 60;
ein Hofstatt mit jungen Lochreben „40;
nach verflossenen 5 Jahren aber „60;
ein abgegangene Hofstatt ganz ohngebawte Reben . . „ 5;
ein Jauchert Ackers, so über Winter oder Sommer an-
geblühmbt „100;
ein Jauchert, so nit angeblühmbt oder brach liget . . „ 30;
ein Mannsmaad Embtwiß „100;
ein Mannsmaad ohne Embt „ oO;
ein Mannsmaad Brachwiß „30;
ein Jauchert Holz „10.
Sofern die Häußer in einem höcheren Preiß, als selbige jezunder
angesetzt seind, verkauft werden, solle selbige auch nach solch er-
höchterm Werth versteurt werden. Wann auch jemand wegen seines
Haußes Anschlag sich beschwehrt zu sein vermeint, mag er solches
auf seine eigene Kosten obrigkeitlich taxieren lassen.
Inmassen auch im Gegenthail der Obrigkeit ein solches zu ver-
tagen freigestellt bleibt, wornach dann sothane Behaußung in der
Steur angesetzt werden solle.
Es solle auch ein jeder, was er für Güther von denen Frembden
innhat oder bawet, ingleichem, was er für frembden Wein in seinem
Keller ligen hat, getreulich angeben.
1789
» Dieser Absatz sowie die nach stehende Stcuerordnung nur in C.
Überlingen.
651
Capital zu schlagen und mithin sich umb sovihi auß der Steur zu
lialten nicht gestattet .werden.
Ein Kue ist zu vers teuren für ... fl. 8
ein Jährling „4
ein Stüer „20
ein Pferd „30
ein Malter schwehr Frucht . . . . „ 6.
Der Wein ist auf dißes 1739. .Jahr in folgendem Werth zu ver-
steuern :
1731er Gewächs das Fueder für . . fl. 36:
1732er di
1733«'
1734 er
1735 er
1736er
1737er
1738 er
ito
y
>>
y 7.->
34
34
48
52
52
36
72,
Welch vorstehende und all andere Erfahrnuß ein jeder Bürger^
wie auch, was er sonst im Gewerb hat, besonders die Wein ohne
Abgang pflichtmäßig specificirter angeben solle.
Item ein jeder alter Burger solle wenigstens 200 fl., ein neu-
angehender aber 400 fl., ob er gleich nicht so vihl in meinem Ver-
mögen hat, in die Steur zu legen schuldig und verbunden sein.
Es solle auch ein jeder neben der Steur, so er von seinem ligend-
ald fahrendem Gueth zu verstatten hat, vor die bürgerliche Steur
1 fl. geben, auch von allen verbrieft und unverbrieften Schulden,
er habe sodann den Zünß eingenomen oder nicht, an derselbigen
nichts abgezogen, sondern ohne Underscheid in duplo versteurt werden.
Ferner, wann ein Burger oder Innwohner ein Gueth an sich
erkauft, es seien Acker oder Wißen, Reben oder andere Güether
(die Häußer allein außgenommen) er zahle nun solches zum Theil
oder nichts daran, so solle doch dem Käufer dißfahls an der Steur
nichts abgehen, sondern das ganze Gueth ohne einigen Nachlaß ver-
steuret werden.
Letztlich und zur Erhaltung der Gleichheit solle von jeden 3 fl.
ligenden Gütheren und Currentschulden 1 ^y von denen Capitalien
und all übriger Fahmus aber von 3 fl. 2 /^ gemainer Statt bezahlt, die
Frembde aber, ald auß dem Burgerrecht Außgetrettene oder Abge-
konunene wegen Versteurung deren allhier besizenden Gütheren nach
der Statt Satzungen gehalten werden.
Überlingen. 653
Spruch nicht aigentlich ankomme, und diße ohnehin schon auf der-
gleichen Geschäft, soweith sie dann darzu gebraucht werden, bei
denen Jahrgerichten beaidiget würden. So ist auf der Sachen reifere
Erwögung alles weitheren Vor- und Anbringens diße vorgekommene
Beschwehrde und Zweifelhaftigkeit dahin verglichen und erläutheret
worden, daß es deren Undergängen halber insgemein bei der Ver-
ordnung deren vorermelten beeden Verträgen solchergestalten sein
Verbleiben haben solle, daß eine löbl. Reichsstadt Überlingen und
dero Gottshauß Spithal zum Heiligen Geist, an welchen Enden es
ihnen Noth wird, zwischen ihnen und den ihren gegen jedermännig-
lich in allweeg, niemands außgenommen, in ihren Nidergerichten
durch ihre Amtleuth und Underthanen die Güther außmarken, auch
die Undergänger beaidigen und abfertigen mögen. In denen Fällen
aber^ da S. H. D., dero Erben und Nachkommen, darzu auch
ihre Underthanen und Hindersäßen der Grafschaft Heiligenberg
in gedachten von Überlingen Nidergerichten Güether ligen hetten,
and dieselben durch sich selbst von Hauß aus, oder andere Huebcr,
unangesehen, wo die gesessen seien, baweten, deßgleichen, was
anderen außländischen Persohnen zugethan und auch Güether in viel-
ermelter von Überlingen Gerichten ligen hetten, und solche Güether
durch sich selbst von Hauß aus, oder durch andere Huebere, so
denen von Überlingen von des Gerichtszwangs wegen, oder sonst
mit Gelübd und Pflicht nicht verwand, oder under ihnen seßhaft
wären, baweten, und bei dißen Güethern die alte Marken renoviret,
oder aber, wann der Zihl und Marken halber ein Streit oder Zweifel-
haftigkeit entstehet und bei sothanen entstehenden Strittig- und Zweifel-
haftigkeiten die alte Marken gehöbt, und entweder newe oder die alte
Marken wider eingesezt, oder auch sonsten bei und außerhalb denen
vorfallenden Strittigkeiten die Güether, Velder und Wälder in andere
Weeg durch die Undergänger außgezeichriet werden, so sollen die von
Überlingen oder ihre Amtleuthe einen Weeg wie den anderen denen
Qt^erbeamten zu dem Heiligenberg zeitlich gehn dem Heiligenberg
entbiethen, die sollen alßdann ohne Hinderung zu dem Undergang
kehren^ die Aid geben und sonst kein Gebott dabei thuen, ob sie
aber nicht kämen, oder Hinderung darinn thuen wölten, so sollen
und mögen der gemelten von Überlingen Amtleuth dann zumahl die
Aide deren Oberbeamten halb zum Heiligenberg ungestraft geben,
damit der Undergang nicht gehinderet noch verzogen werde. Und
nachdem
Zum anderen in dem Vertrag, de anno 1519 ein besonderer
Articul wegen denen Klosterfrawen zu Beche deren Undergängen
Überlingen. 655
dem ersten Articul gemeldet ist, benantlichen bei denea concurrierenden
Heiligen bergischen und fremden Güetheren in ihrer, deren von Über-
lingen, Nidergerichten gelegen, mag Überlingen den ergangenen Spruch
wohl fertigen. Da aber
zum sechsten eine löbl. Reichsstadt Überlingen, derselben Vog-
teien oder ihr anvertrautes Gottshauß Spithal zum Heiligen Geist
gegen andere Nidergerichtsherren oder Gemeinden mit Gerichten oder
Trib und Tratt zusammen stoßen und derentwegen in Stritt oder
Uneinigkeit zerfallen thäten, wie in specie bei Ernetsreuthe und
Lippertsreuthe schon zu underschiedlichen Mahlen geschehen, solle
jeweils von H. nicht nur denen ündergängern der Aid gegeben, son-
dern auch derselben Spruch und Außrichtung, wie hievor in dem
dritten Articul enthalten, außgefertiget werden. Und weilen
zum sibenden wegen denen Undergängen in offenen Straßen
es in dem Vertrag de anno 1519 §pho: „weiter der undergänger
halb in offenen straßen** etc. schon sattsam versehen, wie es darmit
gehalten werden solle, dißes auch in dem anno 1585 nachgefolgten
Vertrag §pho „zum zehenden** .etc. bestättiget worden, alß solle es
dabei lediglich sein Bewenden haben, daß nehmlichen die Under-
gäng in denen Landstraßen Sr. Hf. D. zu Fürstenberg etc., dero
Erben und Nachkommen zum H., zustehen sollen, und die andere
Weeg, die in die Dörfer gehen, sollen Macht haben, die zu under-
gehen, die da andere Güether daselbst undergehen, wann aber die
zu eng gemacht oder nicht gehalten werden, wie von alter her, haben
die Grundherren Macht, darinn zu reden; wann aber dieselbige nicht
darob wären, daß die Weitinen der Weeg gehalten würden, wie von
Alters hergebracht ist, mag der Herr des oberen Gerichts, nehm-
lichen ein jeweiliger Innhaber der Grafschaft H., solches versehen,
daß es gehalten werd.
Zum achten sollen die Ehehaftinen oder derselben Verwilligung,
alß der Mühlinen, Tafernen, Würtschaften, Torkien, Schmiden, Baad-
stuben, Ziegelhütten, Kalchöfen, Färbinen und dergleichen mit Ein-
begriff aller Feurstätten bei der hochen Obrigkeit verbleiben, solcher-
gestalten, daß disertwegen jeweils bei Sr. Hf. D. zu Fürsten-
berg etc., dero Erben und Nachkommen, oder bei dero verordneten
Oberamtleuthen zu H. umb die Erlaubtnuß geziemend angehalten
werden und höchstgedacht Sr. Hf. D. zu Fürstenberg etc., dero Erben
und Nachkommen solche befindenden Dingen nach zu erlauben oder
nicht, frei imd zue Willkühr stehen solle. Jedoch erklären und ver-
sicheren S. Hf. D. zu Fürstenberg etc., daß, wann erwißen werden
Überlingen. 657
oder befuegt sein. Herentwegeii wollen S. Hf. D. zu F. etc. es
deren Pfachtkösten halber bei der alten Observanz solchergeslalten
bewenden laßen, daß von einer Maaß newen Geschier sibenzehen
Kreutzer und von einer halben Maaß newen Geschier acht Kreutzer
zwei Pfenning gegeben. Wann aber das bereits gepfächte alte Ge-
schier nur visitiret wird, bei der großen Maaß von dem ganzen
Einsatz, das ist von der Quart, Maaß, Halbs und Viertelkanten, wie
auch von denen Gläßeren insgesammt dreißig Kreutzer und bei der
kleinen Maaß einundzwanzig Kreutzer zwei Pfenning bezogen werden,
jedoch S. Hf. D. zu F. etc., dero Erben und Nachkommen die Hand
offen bleiben solle, sothane Pfächtgebühr in das künftige nach er-
heischenden billichen Ursachen vermehren oder veränderen zu
können.
[Der 13., 14. und 15. Punkt betreffen Einzelfälle.] Und gleichwie
Zum sech zehenden bei der Grafschaft H. das Recht, die
Mühlinen je nach Nothdurft oder Guetbefinden zu beschawen, zu recht-
fertigen und die erfindende bußwürdige Sachen zu bestrafen in kraft
Torangezogener [in Ziff. 13] Schattbuchener Landgerichts Urthel [vom
Jahre 1322] und bißheriger Übung von uralten Zeiten wohl herge-
bracht ist, also solle dißes Recht zwaren auch auf allen und jeden
der Stadt Überlingen und ihres Gottshaußes Spithals zum Heiligen
Geist außer ihren der Stadt in anno 1572 verglichenen, und mit
denen vierundzwainzig hohen Obrigkeits Steinen ordentlich außge-
markten hochen Gerichten befindlichen Mühlinen ihro, der Grafschaft,
mit dem Pfächt der gewohnlichen Meßen und erforderlichen Aufsicht
darauf ganz ohngekränkt und allein verbleiben, jedoch wollen S. Hf. D.
zu F. etc. aus besonderer Consideration vor sie, die Stadt, und ohne
Schmälerung ihres juris universalis bei der Mühlin zu Goldbach hie-
mit zugeben, daß sie, die Stadt, auch jährlichen diße Mühlin gleich H.
beschawen möge. Ferners und
Zum sibenzehenden gehört die Bewilligung, Obsicht und Er-
kanntnus über die Wasserlaithungen, wo es umb eine newe Con-
cession zu thuen, oder wann wegen alten Wasserlaithungen ein Stritt
erregt wird, zu der hochen Obrigkeit; was aber die alte, bereits con-
cedirtc oder hergebrachte Wasserlaithungen anbetrifft, wegen welchen
kein Stritt entstanden, bei denen solle es ohne Widerred der hohen
Obrigkeit und männiglich ohngehindert verbleiben. Und wann
Zum achtzehenden in der löblichen Reichsstadt Überlingen
angehörigen vogteilichen oder hospitalischen Nidergerichten Stein ge-
brochen oder Sand gegraben werden wil, solle dißertwegen jeweils
bei der hochen Obrigkeit umb die Erlaubtnuß angehalten werden.
Oberrheiniicbe SUdtrechte. U, 2. 42
Überlingen. 659
Zum zwainzigsten hat eine löbl. Reichsstadt Überlingen der
Meinung sein wollen, es gebühre der Grafschaft Heiligenberg durch
den Vertrag von anno 1456 allein, die schwehre und beharrliche
Scheltungen, die eine öffentliche Schand-, Leib- oder Lebensstraf nach
sich zihen, abzuwandlen, die leichte Scheltwort hingegen als Hunds-etc.
und dergleichen, welch letztere Wort jedoch nicht beharret werden,
sondern aus Trunkenheit, Unbedachtsam- oder Gächheit geschehen,
gehoreten denen Nidergerichten zu. Da aber vonseithen Heiligen-
berg dargethan worden, daß vorermelter Vertrag seine mehrere Er-
läuterung aus denen nachfolgenden Verträgen von anno 1519 §pho:
der dreizehend articul: „Werdenberg wider U.** etc. und von anno
1585 §pho „zum vierzehenden" etc. erlange, die Grafschaft Heiligen-
berg auch vor und nach dißen Verträgen die Schmach- und Schelt-
worth je und allezeit ohne Unterscheid abgestraft, zumahlen sothane
ohnunterschiedene Befuegsamme nicht nur allein durch kaiserliche
privilegia außdnickenlich bestättiget, sondern auch solche wider sie,
die löbl. Reichsstadt Überlingen auf beschehene Anfechtung bereits
gerichtlich verfochten und darüber von derselben eine Caution de
non amplius turbando auf das Dorf Undersiggingen erhalten habe;
alß hat dieselbe die Ohnerhöblichkeit ihrer vermeinten und obange-
führten Distinction von selbsten erkennt, und ist hierauf zu Ver-
hütung aller ferneren dergleichen Zweifelhaftigkeiten dißem newen
Vertrag zu mehreren Erläuterung außdruckenlich einzuverleiben be-
schlossen worden, daß die Abwandlung und Bestrafung aller und
jeder Schmach- und Scheltworthen, sie seien groß oder klein, be-
harret oder nicht beharret, auß Ohnachtsamkeit, Trunkenheit oder
Gächheit, inn- oder außerhalb Etters beschehen, ohne Unterschied
und allein der Heiligenbergischen hochen Obrigkeit abzuwandlen und
zu bestrafen zugehörig sein sollen. Gleichergestalten und
Zum einundzwainzigisten sollen die flüßende Wunden, Bain-
scbrött und Erdfrevel, alß wann einer den anderen schlagt, daß er
zu Erden fallt, sofern eines oder das andere außer dem Etter be-
gangen worden, in kraft deren Verträgen von anno 1456 §pho „und
in den üßeren etteren** etc., item von anno 1525 §pho „zum vierdten,
belangend die flößend wunden** etc. und von anno 1585 §pho „zum
vierdten, nachdem sich** etc. der hochen Obrigkeit abzustrafen und
derselben die zuerkannte Straf allein gebühren; inner dem' Etter aber,
obwohlen sothane Frevel der flößenden Wunden, Bainschrött und
Erdfällen inner Etters begangen vermög erstangezogener Verträgen
denen von Überlingen zu strafen zusteheten, ist jedennoch die Sach
aus seinen sonders bewögenden Ursachen und gegen andere cedirte
42*
dingen.
Puncten dahin vergliclieii wortlim, daß rtirohin, sooft sich flößend«
Wumlen, Uainschröll oder Erdfall in deren von Cberlingm Nider
gcriuhlen inner Ktlers begeben, dar Thätor bei der hoehen Obrig-
keit zu Heibgenberg frirgeiiuinnii^n und daselbst gerecht fertiget, ifo
von der hocbcn Obrigkeit erkannte Straf aber halbicrtfL und die
Heifte sothaner Straf Sn Ilf. D. zu F. etc., dero Erfieii tnid
N.'ichkonimen. der andere halb Tlieil hingegen denen von Cbtr-
lingen oiler ihrem GoÜHhanß Spilhal mm Heiligen Cieist zugehören
nnd verabfütgot werden solle, deßwegen auch eine ttibL Reirhssiadt
Überlingen zn solcher büehobrtgkeiUiehen Cognition und Jinlicalur
pinen Arnlrnann oder des Orllis Animann nacher Ueiligenberg aU
schiekea und der Abgeordnete solhaner Cognition und Judicnlur bei
wohnen mag. jedoch solle dißer Amtmann oder des Orlhs Animanii
dabei kein Votum hal>ei^ norh andureh der liuehen obrigki^iHicließ
Jurisdiction im geringsten präjudiciret werden, Ihid daniil dio mehref«
bei sothaner AbBebitkimg erlaufende Kosten verhüetet w€?rden, ist
von öeithen Heiligenberg die Sinceration gejächeben» daü man jeweils
mehrere dergleichen casus auf einen Gerichtstag zusammen kouifuen
lassen wölb, doch wann auf den pro cognitione et jiidicatiira dili-
fabls angesetzten ticrichtstag niemand von seithen fbertingen öden
d®ro Hospithalö zu Heiligenberg erscheinen würde, so möge man vob
seithen der hochen Obrigkeit sich davon nicht abhalten lassen, son-
dern ein- ald anderen Falls nichts desto weniger damit türfahren.
Dahingegen und wann schon
Zum zweiundzwainzigisten in dem Jahr 1519 in dem da-
mahls errichteten Vertrag §pho: „darzii deß pauren zu Kriewangen
halb** etc. die truckene Streich der hochen Obrigkeit zuerkannt worden,
diße auch deren Bestrafung bißhero ohne Unterschied geübet, solle
es jedoch fürohin mit denen truckenen Streichen gleich mit denen
flüßenden Wunden, Bainschrött und Erdfällen, wie in negst hievor-
stehenden Articul mit mehreren! enthalten ist, durchgehends gehallen
werden. Und darzu wollen
Z u m d r e i u n d z w a i n z i g i s t e n S. Hf. 1). zu F. etc. in
denenjenigen Fällen, wann mit denen flüßenden Wunden, Bain-
schrött, Erdfällen und truckenen Streichen inner Etters Scheit- und
Schmachworth mit underlaufen, es auch wegen sothanen concurri-
renden Scheit- und Schmachworthen, gleichwie bei denen llüßenden
Wunden, Bainschrött, Erdfällen und truckenen Streichen selbsten
halten und die Straf halbiren lassen, doch in dem übrigen ohnver-
kürzt und ohne Abbruch dessen, was hieoben §pho: zum zwain-
zigisten etc. deren Scheit- und Schmachworthen halber, wann keine
Überlingen. 661
flüßende Wunden, Bainschrött, Erdfäll und truckene Streich inner
Ellers mit underlaufen, der privativen Strafbezihung halber und
sonsten gesetzt und geordnet ist.
Zum vierundzwainzigisten. So einem ein Hand, Arm, Fuß,
Finger oder ander Glid abgehawen wird, solle es bei dem V'^ertrag
de anno 1525 §pho: zum vierdten etc., und §pho: zum eilften sein
ohngeändertes Verbleiben haben, daß solches, es geschehe inn- oder
außerhalb Etters, Sr. Hf. D. zu F. etc., dero Erben und Nachkommen
zu strafen zustehet. Wie es dann auch
Zum fünfundzwainzigisten wegen der Lähminen bei erst-
angezogenem Vertrag solchergestalten sein Bewenden haben solle,
daß, wann der Frevel inner Etters geschehen, und der Schadhaft
inner Jahrsfrist nach solcher Verwundung nicht wider grad würd,
noch zu seinem Gesund kam, alsdann jede Parthei einen Wundarzt
geben, dieselben solch Wunden besichtigen, und sofern die bei ihren
Aiden für lahm erkannten, achteten oder hielten, so soll solch Hand-
lung mit Landgericht zum Heiligenberg oder bei daßigem Oberamt
fürgenommen, beklagt und gestraft, und was also alda erkannt wird,
Sr. Hf. D. zu F. etc., dero Erben und Nachkommen und einer
löbl. Reichsstadt Überlingen oder dero Gottshauß Spithal jeder Parthei
zum halben Theil zugestellt werden. Ob sich aber zutrüg, daß durch
bemelt Wundärzten in solchen Wunden ein Zweiflung würd, also,
daß der ein vermeinte, es wäre ein Lähmin, und der ander nit, so
sollen dannoch die von Überlingen denselben Thäter weder mit noch
ohne Recht umb den Frevel nit strafen, und da auch beede vorge-
melte Wundärzten keine Lähmin erkannt betten, solle es darmit ge-
halten werden, wie wegen denen Bainschrött, flüßenden Wunden,
Erdfällen und truckenen Streichen hieoben schon angeführet worden.
Weilers und
Zum sechsundzwainzigisten solle es auch wegen dem Auß-
f orderen und denen Fehlwürfen bei dem Vertrag de anno 1528 mit
der Erläuterung verbleiben, daß in dem Fall, wann sich begeh, daß
einer ein anderen in deren von Überlingen Dörferen, Nidergerichten
und Gebiethen, alda die hoche Obrigkeit gehn Heiligenberg gehörig
ist, aus dem seinen oder sonsten freventlicher weiß außforderte, oder
einer nach dem anderen ein Wöhr, wie die genannt werden möcht,
oder ein Stein ald anderes nachschüß oder würfe, und nicht treffe,
sondern fehlet, es geschehe tags oder nachts, solch Thäter umb derlei
jede Mißhandlung von der hochen Obrigkeit umb zehen Pfund Pfenning
Landswehrung gestraft und solche Straf Sr. Hf. D. zu F. etc.,
dero Erben und Nachkommen zum halben Theil und der ander halb
Überlinf?en. 663
gehören, doch einer löbl. Reichsstadt Überlingen frei- und bevor-
stehen solle, daß dieselbe nach Maßgaab deren alten Verträgen durch
jemand, der ihren die Klag gemeinschaftlich anbringen, auch all wei-
there rechtliche Nothdurft besorgen helfen, den Sentenz anhören und
wegen Bezihung der Helfte der Straf das behörige observiren lassen
möge. Betreffend
Zum neunundzwainzigisten die Frevel außer Etters be-
gangen, solle es darmit nach denen alten und dißem gegenwärtigen
newen Vertrag gehalten werden, und solchemnach gehören die^ flüßende
Wunden, Bainschrött, Erdfäll, truckene Streich, Glidlähminen und der-
gleichen außer Etters begangen, samt derselben Straf allein zur hochen
Obrigkeit. Gestalten es auch
Zum dreißigsten wegen denen Frevlen auf denen Landstraßen
begangen bei dem Vertrag de anno 1525 §pho: zum sibenden: „alß-
dann herr graff Christoph** etc. sein Bewenden hat, daß, was sich
für Frevel, denen Nidergerichten zugehörig, in denen Dorfettern, darinn
die von Überlingen die Nidergerichten haben, zutragen oder verfallen,
nach Maßgaab dißes gegenwärtigen Vertrags denselben von Über-
lingen, und was außerhalb der Dorfetter für Frevel, hoch oder nider,
darinn nichts außgenommen, sich auf den Straßen begeben, der
hochen Obrigkeit zu strafen zugehören sollen.
Zum einunddreißigisten ist zwaren in dem Vertrag von anno
1585 §pho zum eilften etc. von einer löbl. Reichsstadt Überlingen
die Bestrafung des Ehebruchs, Jungfrawschwächung und Hurerei der
Grafschaft Heiligenberg schon unter die Malefizsachen eingestanden
worden. Dieweilen aber erstermclte löbl. Reichsstadt Überlingen sich
dißertwegen das damahlen noch bei dem hochlöbl. Cammergericht
in puncto secundae simplicis querelae intituliret, unentscheiden ge-
standene Recht reserviret, und nun sothanes Recht den achtund-
zwanzigsten Monathstag Junii, stilo veteri, des 1585 Jahres durch
eine ordentliche Endurthel wider sie, die Stadt, außgefallen ist, als
thuet sich die in vorgesagtem Vertrag gemachte Reservation von
Selbsten höben, und sollen demnach alle Ehebruch, Jungfrauschwä-
chungen und Hurereien noch forthin und zu künftigen ewigen Zeiten
Sr. Hf. D. zu F. etc., dero Erben und Nachkommen an der Graf-
schaft Heiligenberg, abzuwandlen und zu bestrafen privative zu-
stehen, sie, die Stadt Überlingen, auch höchst dieselbe hieran ruhig-
lich lassen und den geringsten Eintrag oder Bekränkung hierinn-
fahls nicht thuen; innmaßen dieselbe sich durch ihre uf Zinßtag,
den 27. Tag Brachmonaths des 1589. Jahrs von sich gestellte Caution
hierzu mit ordenlicher Verschreibung ihres Gottshauß Spithals aigen-
Überlingen. 665
Zum fünfunddreißigsten die bohrende Bäum anbetrifft, da-
mit solle es nach dem Vertrag von anno 1459 und nach der Graf-
schaft bißherigen Observanz sein Verbleiben haben, daß nehmlichen
die von Überlingen und die ihren bohrend Bäum, heimisch oder
wild, uf ihren eigenen Lehen- oder Zinßgüether abhawen mögen un-
gestraft, außgenohmen in denen Frohnwalden und auf gemein Märken,
da sollen sie es meiden, es seie dann mit Sr. Hf. D. etc. oder
mit deren Käthen und Oberamtleuthen Willen und Erlauben. Nebst
deme und
Zum sechsunddreißigsten solle bei sich ergebenden Egerich
zu Schwingung der Aicheln in denen Vogtei- und hospithalischen
Nidergerichten in ihren Waldungen und gemein Märken (außgenohmen
der sich außer der Waldungen befindlichen aigenen Lehen- oder Zinß-
güether) gewisse Tag befindenden Dingen nach mit dem Forst-
amt verglichen und darüber nicht geschwungen noch geleßen werden.
Und da
Zum sibenunddreißigsten eine löbl. Reichsstadt Überlingen
sich beschwehret, daß durch die Heiligenbergische Bestandsharzere
in den Harzen merklich excediret, und andurch die Waldungen nahm-
haft verdorben werden, diße Beschwehrde auch nicht ohnerhöblich
erfunden worden, indeme die ermelte Bestandsharzere der ihnen zu-
gestellten Harzer-Ordnung hin und wider schlecht nachgekommen,
so ist dißer zu desto hinlänglicherer Aufhöbung sothaner Beschwehrde
das Harzen in ihro der Stadt Überlingen, ihres Gottshaus Spithals
und ihrer Underthanen Hölzer, in ihren Nidergerichten gelegen, auf-
gekündet und herentgegen ihro der Stadt gegen einer gewissen Re-
cognition (wie solche hieunden bei dem acht und sechzigsten Articui
des aigentlichen angeführet) auf dreißig Jahr lang solchergestalten
verlihen und überlassen worden, daß jedoch Sr. Hf. D. zu F. etc.
sich die Abwandlung deren in dem Harzen vorbeigehenden Freveln
vorbehalten haben, und nach verflossenen dreißig Jahren sothane
Verleihung wider aufgehöbt sein solle. Über das und
Zum acht und dreißigsten hat es wegen denen Kohlblätzen
nach der Heiligenbergischen Forstordnung und Observanz solcher-
gestalten sein Bewenden, daß von einem new anlegenden Kohlblatz
ein gülden dreißig Kreutzer, von einem alten brauchenden Kohlblatz
aber vier und zwainzig Kreutzer gegeben werden sollen.
Zum neununddreißigsten, als wegen denen Holzfrevlen der
darüber disponirende Vertrag von anno 1525 §pho: zum andern etc.
in ohngleichen Verstand gezogen werden wollen, ist solcher dahin
erläuteret worden, daß für eines, ob jemand dem anderen der oder
Überlingen. 667
weßen und kein Holzrecht habe, die Forstgarb für das künftige nach-
gesehen sein solle, außgenohmen denenjenigeii Orthen, wo die Forst-
garb schon t)ei zwanzig Jahren her bezogen worden, darauf solle
selbige noch fürohin entrichtet werden.
Zum zweiundvierzigsten ist in dem Vertrag von anno 1519
§pho: der achtend articul wider Werdenberg: „der bott halb, den
hunden dremmel anzuhenken** etc. also entscheiden, daß der Forst-
meister in deren von Überlingen Zwing und Bahn nit zu biethen
bab, auch nicht Igebiethen soll, sonderen zu den Amtleuthen derselbigen
reuten, an fünf Schilling Pfenning gebiethen lassen und nit darüber;
und wa der Forstmeister die Hund ferner ahne Dremmel im Forst
find, mag er die, deren die Hund seind, innhalt des Botts strafen,
und soll sölich Bott .währen von angehendem Maien bis Johannis
Sonnewendin, auch das Strafgelt dem Forstmeister zustehen. Da
aber in kurzen Jahren hernach, benantlichen in dem Vertrag von
anno 1525 §pho zum dreizehenden etc. nur gemeiniglich dahin ver-
ordnet worden, daß derselben von Überlingen arme Leuth in ver-
bottene Zeit kein Hund, klein noch groß, ohn angehenkt Bengel der
Grafschaft Heiligenberg forstlichen Gebrauch nachlaufen lassen sollen,
und nun diße beede Vertrag gegen einander etwas unlauther zu sein
erachtet werden wollen, seind solche dahin erläutheret worden, daß
fürohin der Forstmeister alljährlichen zu seiner gewohnlichen Zeit
deren von Überlingen Amtleuthen schrift- oder mündlichen entbiethen,
und durch dieselbe denen Underthanen an fünf Schilling Pfenning
und nicht darüber gebiethen lasse, ihren Hunden der Grafschaft
Heiligenberg forstlichen Gebrauch nach Drenunel anzuhenken, und
daß keiner in verbottener Zeit seinen Hund, klein noch groß, ohn
angehenkt Bengel laufen lassen solle; und wa der Forstmeister die
Hund ferner ohne Drenunel im Forst find, mag er die, deren die
Hund seind, innhalt des Botts strafen, oder nach der Grafschaft
HeiHgenberg forstlichem Gebrauch und Ordnung bei daßigem Ober-
amt der Straf halber anklagen und alsdann die Straf bezihen. So-
fern aber
Zum dreiundvierzigsten durch die überhäufte Menge des
Wildprätts deren von Überlingen armen Leuthen in ihren Feldern
und Früchten ein merklicher Schaden zugehen würde, sollen diße
gleich Sr. Hf. D. zu F. armen Leuthen und Underthanen gehalten
werden.
Zum vierundvierzigsten hat auch insonderheit der Vertrag
von anno 1525 §pho zum dritten: „daß die von Überlingen** etc. in
ungleichen Verstand gezogen und allzuweith extendiret werden wollen,
MB
Überlingen»
deine dann vorzukumnien tlir* Erlänterimg dtihiu brsrhchen, daß dk
von Überlingen, ihre Burger und Einwohner in der Stadt und Vor-
sLaJt daselbst, welche anjetzo mit der Stadt eingeschlossen ist, auch
all ihre Nachkommen in dem determinirlen Gezürk von ihrer Stadt
dem See auLhiß in die Aach, die Aach hinauf in die Reiß-Mühlin,
der Reiß'Müblin nach gehii Aacbhaußen, von daanen die rechten
Aach hinauf biß gehn Salmansweiler, fürter gehn Bruggfelden in dio
Jlühlin, von dannen neben Daidcrstorf, wie die Aach hinahriMt
darnach gehn Herdwang, auch daselbst, wie sich der Landgralschaft
KcUenhurg und Grafschaft zum Heiligenberger Gnlnzen scheiden, und
den See hinauf biß wider gehn Überlingen, auO Gnaden und gueter
Naehbarschaft auf den Seen, Weiher, Wäßeren nnd darzu auf denea
Weithincn Aichhorn und alles Geflügel schießen, deßgleicheii mit dem
Kloben, trag* und stehend Hütten voglon, auch in ihrem Stadtetlir
Ftichs, Haaßen und alles GelKigel uiuerhindcrl Sr. HL D., den*
Erben und derselben Forstmeister, schießen und fangen mögen*
Doch in solchem Gezürk und außerhalb ihrem Stadtetter kein Fuchs.
Haaß, Hhee oder Schwein, nüt^h ander Gewild, nichts außgenohmen.
in denen Waldungen aber ohne l.^nterscheid gar nichts schießen» dar-
neben auch in kraft des V^ertrags von anno 1459 gpho: „dann von
(k*ß forsts wegen'* etc. sich darmit i>escheidentlich hauen, und über
den hieobcn bestiounten Gezürk in der Grafschaft zum Heiligenherger
forstlichen Obrigkeit sonst weder voglen, schießen noch ander Wui^]
werk brauchen sollen. Wo aber einer oder mehr des also, wie vor
stehet, (ibertrett, welches doch nicht sein soll, mögen Sr. Hf. D.,
dero Erben ond Nachkommen oder die ihren von ihretwegen dcn-
oder dieselben darum I* nach Gebraucli der Grafschaft znra Heibgeii'
berg strafen, wie sieh gebühret. Und nachdeme von obangeführteni
(Jezurk in dem Jahr lti37 ein gueter Theil mit denen Regalien, hocher
und forstlicher Obrigkeit, auch iibrigen der Grafschaft zuständig ge-
wußten Jurisdictionaben njul Gerechtigkeiten an das löbL Reichs-Golts-
haus Salmanswciler ül*erlasseu und abgetretten, dißertwegen auch in
dem damahls mit erstersagtem föld, Ueicdis-Gotlshaus errichteten Con-
tract und Suparatiuns-ik'ceß §phi): ,,Und diewuil sich betiudet" eic.
der vornegezügenen Concession halben die Vorsehung geschehen, und
von seithen Heiligenberg mit der löbl. Reichsstadt Überlingen habende
Vertrag außdruckenlich reserviret worden. Als hat es dabei sein
ferneres Verbleiben.
Allermaßen es auch
Zum fünfundvierzigsten wegen der Überlingischen Vögten
bei dem Vertrag von anno 1519 sein ohngeändertes Bewenden hat,
Überliogen. 669
welcher also lauthet : der zcheiid articul Überlingen wider Werdenberg
der drei schlößer Hochen-Bodmann, Ramsperg und Ittendorf halb,
berührend das jagen ist also entscheiden: so die von Überlingen ein
vogt an ein jedliches orth der drei schlößer sezen und ordnen, so
soll dann ein jeglicher vogt bitten den herrn des Heiligenbergs, ihm
zu erlauben, ein fuchs und haaßen zu hezen und heßen; das soll dann
der herr des Heiligenberg dem vogt gnädiglich zügeben und nicht ver-
sagen, doch ungefährlich, und daß sie nicht in die rechte wilde fuhr zihen.
Zum sechsundvierzigsten geben die Vertrag von denen Jahren
1459 §pho: „dann alß unser gnädiger herr** etc. und 1519 §pho: „der
zehend Überlingen articul" etc. daß die von Überlingen in ihren Nider-
gerichten wohl mögen Aupenthcur außgeben. Dieweil aber durch dißes
Worth Aupentheur auch die Freischießen haben verstanden werden
wollen, wo doch bei der Grafschaft Heiligenberg ein anderes herge-
bracht, ist es bei sothaner Observanz dergestalten gelaßen worden,
daß, so oft und vil in deren von Überlinger Nidergerichten, von einem
oder mehreren, diße seien, wer sie w^ollen, ein Freischießen gegeben
werden will, dißertwegen jederzeit bei der Hochen Obrigkeit umb die
Erlaubtnuß gebührend angehalten werden, die Bewilligung der
Scbolter-, Bank- und all übriger dergleichen Spihl hingegen denen
von Überlingen zustehen. Und es benebens auch
Zum sibenundvierzigsten wegen des Platz- und Standgelts
bei dem Vertrag von anno 1525 §pho: zum zwölften: alß herr graff
Christophs forstmeister, etc. mit der Extension verbleiben solle, daß
die von Überlingen das Platz- und Standgelt von denen verwilligten
Scholter- und Spihlbänken, wie auch von denen Grameren nicht nur
an Kürchweihinen, sondern auch zu andern Zeiten, da diße ihr Spihl
halten oder fail haben werden, ohne Unterschied bezihen mögen, doch
daß die Scholterbänk und das Failhaben nicht gar zu frequent gemacht
und darauß kein Markrecht eruiret, noch es sonsten zu einem Miß-
brauch gezogen werden möge.
Zum achtundvierzigsten verbleibt das Abdecken und die
Nonnenmacherei bei der Grafschaft Heiligenberg und nach derselben
Forstordnung, so daß keiner in deren von Überlinger Nidergerichten
gesessen sein Vieh, so abgestanden oder sonst waßenmäßig ist, ander-
werts abdecken, noch auch seine Fohlen und anderes Vieh, deme er
außwerfen lassen will, anderwerts schneiden und verhallen lassen
solle, außer bei denen von Heiligenberg hierzu bestellten Meisteren,
es wäre denn, daß er hierumben zu Heiligenberg geziemend anhalten
und es ihme insbesonders vergönnt würde. In dem Fall aber einer
oder mehrere von denen bestellten Nonnenmacheren durch den Schnitt
070 Üherling^n.
und Verhailuiig ihroa Viehs beschädiget und rhtrnmb hei dem Heilig«
ber^er Oberamt klagbar einkommeu vnirdeu. solle dorn- oder denseUwm
befmdenden Dingen nach gebührendes Recht verschaffet werdon ; wi**
dann auch in dem übrigen deren von übe Hingen arme Leuth und
Underthanen deren köalen halber denen Heiligenbergischen arrnt^n
Leiithen und UnderLbanen gleich gebalten werden sollen.
Zum n ** u n vi n d v i e r z i g s i e n , wann j emanti t oCteiit I ich und lags
übi»r offpü Marken ähret, graßet, asüunct, schneidet oder mähel, diB
soll lau* deren Verträgen von anno 1450 Spbo : ,,wär ancli oiTeiitiich'* elc
und von anno 1519 §pho; „der xehend articul Werdenberg wider
Überlingen** etc. in die Nidergeriehten 2U strafen gehören und nicW
den hochen Gerichten, Wo aber das änderst gcscdioch, und jenuuri
bei der Nacht oder auch kurz nach anbrechendem Tag oder vor du-
brechender Nacht, da gemBinlieh niemand in dem Feld zu sein pfleg^U
über offen Marken ahret, graßet, mmet, schiM.*idet oder mäbelep da»
soll denen fiochen Gerichten g«*hören. Wann nber durch das Vhtp
zäunen die Etter erweitberet werden, oder solches in denen Land-
straßen geschiehet, es eeie bei Tag oder bei Nachl, öffentlich od^r
heimlich, solle in einem, wie in dem andern Fall dessen Abwandlung
der Hochen Obrigkeit ausleben. Und dann
Zum fünfzigsten mit dem Überlreiben und Überfahren mit
dem Vieh in die Felder und Waiden, dem Überähren, Übergraßeii,
ÜberzämuMi^ ri>^'rschnr^j<len und Üheiinahen, wie es in negst hievor
stehenden Articuln enthalten, gleich gehalten werden.
Zum einundfünfzigsten, gleichwie in denen alten Verträgen,
benantlichen in dem Vertrag von anno 1456 §pho: „furo dem, alß von
der nidergericht wegen** etc., von anno 1459 §pho: „und alßdann die
vielgenannten von U.** etc.; item von anno 1519 §pho: „deligleichen
Galle Joppen" etc., und dann in dem Vertrag von anno 1585 §fpho:
„dergegen sollen sich ihren gnaden" etc. schon sattsam versehen, wie
es mit denen Grebotten und Verbotten zu halten, als hat es auch
darbei sein beständiges Verbleiben, daß S. Hf. D. zu F. etc.,
dero Erben «und Nachkommen an der Grafschaft HeiHgenberg in denen
hochenobrigkeitlichen, und anderen nacher Heiligenberg gehörigen
Fällen, eine löbl. Reichsstadt Überlingen aber in ihren competirenden
nidergerichtlichen Sachen zu gebiethcn und verbiethen habe. Und
sollen demnach
Zum zweiundfünfzigsten nach weiterem Innhalt des ober-
melten Vertrages von anno 1519 §pho: „Graf Christophs erster dag
articul** etc. die von Überlingen der hochen gerichlen der Grafschaft
zum Heiligenberg still und müßig stehen, deßgleichen die Innhabere
Überlingen. 671
der Grafschaft Heiligenberg ihnen in ihren Nidergerichten nicht Irrung
thuen, noch dieselben in denen Debitis-Abhandlungen wider das alle-
girte alte Herkommen hinderen. Deßwegen auch
Zum dreiundfünfzigsten eine löbl. Reichsstadt Überlingen
ihre Nidergerichts-Öffnungen für das künftige nach denen Verträgen,
ergangenen Cammergerichtsurthel und insonderheit nach dißem gegen-
wärtigen newen Vertrag einzurichten, und was ein- so anderem zu-
wider darinn enthalten sein möchte, fürdersamst zu emendiren oder
herauszulassen verbunden, auch höcher nicht dann an zehen Pfund
Pfenning zu gebiethen und zu strafen befugt sein solle. Und wie
Zum vierundfünfzigsten S. Hf. D. zu F. etc. sich be-
schwehret, daß von seithen vorersagter löbl. Reichsstadt Überlingen
ihren Nidergerichts-Unterthanen verbotten worden seie, einander ohne
ihr Vorwissen und Beschaiden bei der hochen Obrigkeit in dahin ge-
hörigen Sachen nicht zu verklagen, so doch schnurstracks wider die
alte Vertrag, insonderheit von anno 1586, und dann wider die auß-
gestellte Caution vom 27. Tag Brachmonaths des 1589. Jahres laufe;
die von Überlingen hingegen es niemahlen gethan zu haben und daß
sie es auch noch nicht thuen wölten, haben S. Hf. D. es dabei be-
wenden lassen, sofern nur darauf gehalten werde.
Zum fünfundfünfzigsten ist wegen denen Citationen der Ver-
trag von anno 1585 §pho: „zum eilften" etc. dahin erläutheret, daß,
wann es eine kundbare Malefizsach ist oder ein Verdacht eines Malefiz,
darunder Ehebruch, Jungfraw-Schwächung und Hurerei auch begriffen,
uf ihr trägt, daß S. Hf. D. zu F. etc., dero Erben und Nach-
komnien an der Grafschaft Heiligenberg solche malefizische imd arg-
wöhnische Persohnen tags oder nachts nach Gutbefinden wohl fäng-
lich annehmen imd zum Heiligenberg führen und die Gebühr gegen
ihnen fümehmen lassen mögen. Diejenige aber, die Sachen oder
Handlungen, so nicht malefizisch und ihro Hf. D. vermög der Ver-
trägen und Observanz zu strafen gebühre, begangen haben, die mögen
ihro D. zu güetlich- oder rechtlichem Abtrag ihrer Baß durch die
Jägere oder andere hierzu bestellte Persohnen nach Gelegenheit der
Sach Schrift- oder mündtlichen ohnmittelbar citieren und zum Ueiligen-
berg sich zu stellen erforderen lassen; und da die Verbrechere oder
Delinquenten sich zu gütlichem Abtrag nicht einstellen, sondern mit
Recht veranthworten wolten, in solchem Fall sollen ihro Hf. D. etc.
den- oder dieselbigen nach bißheriger Observanz vor dero Heiligen-
berger Oberamt oder daßigem Landgericht beklagen und nach be-
fundener Beschaffenheit der Sachen mit Recht strafen, auch all das-
jenige, was zu Außführung dißes Rechts erforderlich sein mag, da-
Überlingen. 673
resp. auf den Heiligenberg gegen einander reciprocirlich und dem
Herkommen gemäß gehalten werden.
Zum achtundfünfzigsten ist zwaren in denen hievorstehenden
und insonderheit in dem 51. Articul schon mit mehrerem angeführet,
daß ein jeder Theil in den ihme zustehenden Sachen Gebott und Ver-
bott thuen möge. Nachdeme aber sich in specie deren Arresten halber
:! ein Anstand ergeben, ob eine löbl. Reichsstadt Überlingen dergleichen
^ anzulegen befueget seie, und nun diße neben dem alten Herkommen
N sich hauptsachlichen auf den Vertrag von anno 1585 und desselben
« 6. Articul bezogen, ist die Sach dahin erörtert worden, daß, gleichwie
^ die Grafschaft Heiligenberg in Hochobrigkeits- und derselben com-
$. petirenden Sachen das jus arrestandi hat, also möge auch eine löbl.
I Reichsstadt Überlingen und deroselben Gottshauß Spithal zum Heiligen
I Geist in ihren Nidergerichts-Sachen Arrest mit geziemender Weiß und
r Arth anlegen. Und da
I Zum neunundfünfzigsten eine löbl. Reichsstadt Überlingen
^ und deroselben Gottshauß Spithal in ihren competirenden Niderge-
T richts-Sachen bei sich ergebender Vorfallenheit der Nothdurft erachten
würde, ein- oder mehrere Häußer in ihren Nidergerichts-Orthen auß-
suchen zu lassen, solle auch dißes ihro nicht verwöhret, sondern ge-
stattet sein, doch daß sie oder die ihrige sich darmit bescheidentlich
halten.
Zum sechzigsten, alß S. Hf. D. zu F. sich beschwehret,
daß eine löbl. Reichsstadt Überlingen erst bei kurzen Jahren her an-
gefangen hat, zu underschiedlichen Mahlen etwelche bewöhrte Leuth
auß ihrer Stadt in die Grafschaft Heiligenberg zu schicken und in ihren
Nidergerich tsorten, sonderheitlich in ihren negstangelegenen Würths-
bäußeren visitiren und patrouilliren zu lassen, die von Überlingen aber
vermeinet, dessen in kraft deren ergangenen Craiß-conclusorum citra
praejudicium der Grafschaft wohl befuegt zu sein, ist dißer Punct da-
hin verglichen worden, daß es mit dem Patrouilliren gleich mit dem
Straifen mit dem Vertrag von anno 1585 §pho: „Alß sich auch zum
dritten" etc. mit mehreren angeführet ist, gehalten werden solle.
Zum einundsechzigsten, nachdeme Herr Graf Joachim zu
F. mit einer löbl. Reichsstadt Überlingen wegen eines in dem Boden-
see gefangenen Hürsches bei dem hochpreißlichen kais. Cammerge-
richt in Rechtfertigung primae simplicis querelae intituliret, gerathen,
und erstersagte löbl. Reichsstadt durch ergangene Endurthel zu Er-
stattung genügsamer Caution de non amplius turbando condemniret
worden, diße auch derentwegen vermittelst eines underm 9. Tag Brach-
monaths des 1580. Jahrs von sich gestellten ordentlichen Instruments
Oberrheinische Stadtrechlc. II, 2. 43
67i ^ Oberiin^^n
das Dorf Hagnaw mit der Nidergerichtbarktnl und aller ZugehOrd m
Uiiderpfand und Versichtriing kräftigUch versthribeti, nun aber vür
kurzvernickten Jahren sothanes zu Undorpfand vcTHchribeno Dorf
Hagnavv an das (utäÜ. (inttshaus Eiusidleu vcralieriiret hat, «m wtkhm
en narhgebends an das löbl. Reichsgottshauß Weiiigarlhen gekufnmcii,
bei deme es heutbssutag noch in Händen stehel, als fiabeo S, HL
Ü. zu F., wievvohlt^ii dor nexus cautionis durch sothane Verali^
nirungen nicht geluüel worden und mit dem Dorf Selbsten an dir
Irrnhabere übergegangen, jedennoch zu \ t?rhüetüng künftiger mehitü
Winionnig und zu desto kräftigerer WiderSicherstellung dero /or^lL
Ober- und (ierc?cbLigkt'iten auf eine anderweithe aetjuivalento Caüü«jii
angetragen. Und sokhemnach will eine lübl. Reichsstadt nberhoiteii
pro iso!vendo nexu cautionis auf dem ersagtt^n Dorf tiagnaw für urul
statt dessen ihr aigenthümliche Vfjgtei Ho* beii-Hodjnaiyi liieinit m
einem Unterpfand und Versicherung obligiert und vergcrhriben haben,
ingestatten sie fnemil und in kraft füßer erstermellt» Vog(€*i Hocbco*
üodmann mit der NidergerichLbarkeit und aller Zugeht Frde zu einem
surrngirten rnterpfand und Versicbernng solehergest alten obligirel und
verschrei l>et. daß diße Vogtei tnmmehro ebenso kräftig vH^qjfänd und
verbündten sein nnWv, als waiin dißn gleich aufängUrb in dem okui-
gezogenen Cautionsinstriuneut ansUUt Hagnaw benamset und ver^
schriben worden wäre.
Zuoj zwei und sechzigsten solle es wegen dem Fischen im
Andelspach lediglich bei dem auf Ziustag den 3* Tag des Monatli^
Septernbris im 159G. Jahr gflroflfeiien V^erglich sein Bewenden haben.
Als fierent gegen
Zorn dreiu ndsechzigsten eine löbl. Reichsstadt Überlingwi
sich bescbwehrct, rbiß ihres (loltshauß Sfiithals Maier auf dem sofe^
nannten Köllishof zu Wolfaitsreuthinj anjetzl genannt Langgassen, m6^t
den Vertraß^ vim anno 15ir> an dem Mähen in dem Gampenweiher e!**-
lüiideret werden \vulle> von äeithen F. man aber der Meinung gc
weEen, daß ersagter Maier das Mähen allzuweith extendire und weibn
der Gampenweificr zu der Zeit fast voUkoTumen trucken lige/ es den
Verstand des \'ertrageB nicht hai»en könne, daß er nunmebro auch,
so weith er mit der S«M*ges langen mag, mähen und folgsamlich hM
den gauzen Weilier nutzen därfe, so ist die Sach dahin verabredr't
wordcii, daß ^wartMi i^olhane Besthwehrde bei hiernegsliger WitW
anlassung des Weihers sclhsten ressiren und sich höben w^erde. tu
Entstehung dessen aber wolle die f nrwall ende Zweifelhaftigkeit durrh
eine sondere lle.iu^enscheinigung aligelhau werden.
Zum vierund sechzigsten, ab nm etwelchen Jahren her skh
Überlingen. 675
ein Stritt zwischen Heiligenberg, Überlingen und dem Gottshauß
Mehreren Spithal zu Constanz umb und von wegen des Nidergerichts-
zwangs zwischen Hödingen und Überlingen in der Gegend Spechzget
und Uffkirch erregt und dißer annoch fürdauren thuet, hat man sich
also verabredet, daß man zu ehester Gelegenheit auf dem spennigen
Boden zusammen kommen, daselbsten einander in fürbringend- und
habenden Recht und Gerechtigkeiten anhören und darauf nach aller
Möglichkeit sich miteinander deßhalben in der Güete vergleichen wolle.
Wann aber ein solches wider Verhoffen in der Güete nicht könnte auß-
getragen werden, solle das durch ordentlichen Untergang nach Maß-
gaab deren Verträgen und insonderheit dißes gegenwertigen newen
Vertrags erörtert werden. Und soviel
Zum fünfundsechzigsten die zwischen beeden Gemeinden
Denckingen und Ochsenbach fürwaltende und bei dem hochpreißlichen
keiserl. Reichshofrath annoch im Recht hangende Waidgangs-Strittig-
keit anbelanget, ist diße, jedoch citra praejudicium quodcunque auf
eine Particular-Conferenz, umb nochmahlen in rem praesentem zu
gehen, außgestellet worden.
Zum sechsundsechzigsten ist wegen des Mühlweegs, so über
den Gampenhof gehn Aichbeck gehet, die Beschwehrde vorgekommen,
daß die von Überlingen oder die ihrige erst von kurzen Jahren her
die Heiligenberger Underthanen in Gebrauchung dißes Weegs zu be-
kränken angefangen, deß wegen z waren eine löbl. Reichsstadt Über-
lingen vermeint, daß dißer Mühlweeg mißbrauchet und zu einer offenen
Landstraß gemacht werden wolle. Nachdeme aber von seithen Heiligen-
berg die Erklärung geschehen, daß man auf dißem Mühlweeg keine
Landstraß einzuführen gedenke, ist die Sach dahin entschiden worden,
daß dißer Mühlweeg bei seinem freien Gebrauch gelassen werden solle,
wie es von alters her und allezeit geweßen ist.
Zum sibenundsechzigsten, als die geweßte Filial Schönach
in anno 1723 von der Pfarr Frickingen separiret und zu einer be-
sonderen Pfarr errichtet, hierüber auch, wie es mit dem jure patronatus
und in anderen Stücken gehalten werden solle, ein ordentlicher Ver-
glich autoritate ordinaria abgehandlet und verfertiget worden, worinn
in specie versehen, daß die Schönachischen Heiligenrechnungen jeder-
zeit 14 Tag vor der Abhör ad revidendum nacher Heiligenberg geschickt
werden sollen, hat sich entzwischen der Anstand ereignet, ob es bei
sothaner Communication der Rechnungen allein zu lassen, oder aber
ob Heiligenberg auch der würklichen Revision beizuwohnen habe.
Darauf dann nunmehro verabredet und beederseits beliebet wurde, daß
Heiligenberg sowohl als Überlingen die vorermelte Schönachische
48-
Heiligenre€hniingpn abzuhören befuegt sein. Damit aber gleichwohleii
die Fabric mit allzu großen Kosten nkhi beliiden werde, die Abhör
von beeden Theilen zugleich mir alle drei Jahr vorgenommon und #tii
Fürstenbergischen Abgeordneten, wie dem Überlingischeti jedem nehsl
einer Mittagsverpflegung vor seine Diet ein Pfund Pfenning enlricJilH
werden solle.
Zum achtnndserh^figsten ist bei dem 37. Articul angeföhtel
worden, daß S. Hf. D. zu F. etc. einer löbL Reichsstadt Tber
lingen das Harzen gegen einer gewissen Recognition auf 30 Jahr
lang verlihen und überlassen; hierumben, und weilen annebeos
auch S, Hf. D. bei gegenwertiger Handlung in unlerschidlichea
Pnncten nachgegeben und sich besonders gnädiglich erzeiget, so hat
eine löhl Reichsstadt Ülierlingen diejenige Proceßkösten, welche von
einem hoch f>rei Sil ichen kaiserl. Reichshof rath ihro in der Langgassi*
sehen Mandatssach 2000 und mehreren Gulden zuerkennt worden,
vor die ernannte Recognition und auf solche Vergleichung hin iiaeli-
gesöhen und hiugelassen, wie sie dann hieniit soihane ihro ^uerkannü*
Kfisten nat tiliistjen und S. Hf, D. etc., dero Erben und Nachkommen
darnm, als ab sie es paar empfangen hatte, quittiren thuoL L'nd
darmit solle
Zum neunundsechzigsten alle Ungnad, Unwill, . . . todt und
absein , . , So aber
Zum sibenzigsten gegen all besseres Verhotfen über kurz oder
lang üt*er den wahren und aigentlichen Verstand dißes gegeuwertige»
und hievor schon errichteter Verträgen eine begründete Zweifelhaftig-
keit oder Stritt entstehen würde, alsdann wäre mittelst einer nachkif-
liehen Zusammenkunft ein Verbuch zu thuen, ob der Zweifel und
Stritt nicht etwan unter beeden hoch- und löblichen Theilen selbst,
oder durch ein und andern unpartheiische und beederseiths beliebige
mcdiatores oder Schied mann er in der tiüete abgethan und verglii'heü
werden möge. Sonst eu, unti
Zum letzten solle es außer denen in gegenwartigeui Vertrag
specificirten Ptuu't^'n und Fällen in all anderen Stücken und Filllen.
so hierinn nicht benamset seindt, bei denen alten zwischen Heiligen*
berg und Überlingen hievor aufgerichten Verträgen ohngeändert und
ohnabbrüchig l»es1eheti, verbleiben nnd rlenenselben hierdurch nichril
benohnien sein. Üeßgleiclien solle aui'h in dem übrigen diße gegen-
wärtige newerliche Handlung und Vergleichung Sr, Hf. D., dero
Erben und IS'achk*rmmen an dero Regalien, Privilegien, hochen, forst-
lichen, landgerichtiichcn imd gleitlirbpn tH>rigkeiten und Herrlichkeilen,
auch alten Befuegsamen, Herkommen, Recht und Gerechtigkeiten^ m
Überlingen. 677
S. Hf. D. außerhalb denen Stadt Überlingischen 24 Hochobrigkeits-
marken haben, und dann einer löbl. Reichsstadt Überlingen, ihrem
Gottshauß Spithal und ihren Nachkommen an ihren Nidergerichten,
Rechten und Gerechtigkeiten kein Nachtheil noch Schaden ge-
bühren. . . .
So geben und geschehen den 20. Monathstag Decembris des
1731. Jahrs.
Frobeni Ferdinand Fürst zue Fürstenberg.
Pei'gament'Libell mit 22 Blättern. Siegel des F. v, F. und der
Stadt Überlingen an mehrfarbiger Seidenschnur. L. A. 21139.
LXXIIl.
Yergleichs-Bezeß zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der
Stadt Überlingen wegen der Untemhldingischen Schiffahrt,
der Fruchtmftrkte daselbst u. a.
1733 Dezember 30.
Zuwissen und kundgethan seie allermänniglich mit diesem brieff :
Demnach der durchlauchtigste Fürst und Herr, Herr Frobenius Fer-
dinandus, des Heil. Rom. Reichs Fürst zu Fürstenberg, Landgraf
in der Baar und zu Stühlingen, Graf zu Heiligenberg und Wertenberg
usw. als Prinzipal-Interessenten, wie auch der durchlauchtigste Fürst
und Herr, Herr Josephus Ernestus, des Heil. Rom. Reichs Fürst zu
Fürstenberg usw., als Intervenient, an einem, und dann die wohledel-
gebohren, wohledle, hochgelehrte, edelvest usw. Burgermeister und
Rath des Heil. Rom. Reichs Stadt Überlingen andern Theils, schon
von langen Jahren her der Schiffart halber zu ünteruldingen bei dem
hochpreißlichen kaiserlichen Reichs Hofrath in einem Rechtsstritt mit
einander verfangen gewesen und nun obhöchstgedacht S. Hf. D. zu
Fürstenberg-Mößkirch (mit Vorwißen und Genehmhaltung Sr. Hf. D.
zu Fürstenberg-Stühlingen) und eine löbl. Reichsstadt Überlingen in
sonderheitlicher Erwögung, daß Se. Rom. Kais, und Königl. Kathol.
Maiestät selbst allergnädigst zu erkennen gegeben, wie allerhöchst
dieselbe gern seheten, daß sothane schon so lang fürdauernde Rechts-
sach inter partes güttlich beigelegt werden möchte, zu dero allerunter-
thänigsten Ehren und zu allergehorsamster Erfüllung sothaner aller-
höchsten kaiserlichen Intention, wie auch zu Einführ- und Erhaltung
67 g ^^^^^^^V Überlingen.
einer vollkomnienen gutteii nachbarlichen Einverständnus ihre respec*
tive Räth und Deputirle in eine nachbahrliche Handhing ziisaniaiea ge-
selzt, diese auch auf ihrer beederseitigen resp. höchsten Herren Pria*
cjpalen. auch Oberen und Conuniüenten, wie nicht weniger auf raehf
höchstersagte Sr. HL D. zu Fürstenberg-StühUngen resp. gnädigsl und
gngL Ratification einen Event ual-Vergleich errichtet haben, daß hifr
über und auf erstattete beederseitige resp. unterthänigsl und geziemende?
Relation beede höchsternannte Herren Principalen, auch vorerniplk«
Herren Oberen und Cominittenten sich in Maß und (lestalt, wie imler
scliiedJich und clärlich hienach folget, miteinander freund oachbabr
lieh vereiniget und vor sich, dero Erben und Nachkommen zu küntii^m
ewigen Zeiten verbündlich verglicben, Nehmlichen und
Zum ersten suHe bei vorersagt Unteruhldingischen Schiffa
dem Hochfürstlicben Hauß und deßen alldasigen SchiffleuLben uui
IJnterlhanen die offene Hand vorbehalten bleiben, Wein, Leiith» Vieh,
Heu, Stroh, Holz und dergleichen, ohne L'nterscheid, sowie es m
anderen See- und Markt-Stadien gebraucht wrird, je und illezeitj nach
Begebefiheit der Zeit und Läuten hinüber und herüber führen m
dürfen. Gleichwie aber jfl
Zum änderten der obangezogene Rechtsstreit wegen denen m
die Schweiz überführenden Commercien-Früchten endstandenj eme
löbL Reichs-Stadt Überlingen auch davor gehalten^ es ^erde ibrera
dasigen Markt utid gemeinen Weesen durch sothane Ausfuhr allzugroßt*r
Abbruch und Nachtheil zugefügt; also haben beede resp. Höchst- mn\
LöbL Tbeil zu Abhelfung sothanen vorgebrachten Abbruchs und Narh^
theils sich miteinander dahin vereinbahref, daß zu mehrersagtem Unter*
uldingen nicht allein kein Fruchtmarkt gehalten, noch durchgehenJt^
commercirende Früchten ausgemeßen, sondern auch für das Künftige
mehrere Früchte nicht, als wöchentlich einhundertfünfzig Malter, vm
waserlei Sorten deren Fruchten es immer sein mögen, iedes nacli
seinem Meß, von dem außwertigen Orth, wo. und wie es erkauft winlp
in der Schweiz, nacher Cos tanz, Lindau, oder sonsten auf eine diesseitig
gelegene Marktstatt geführet werden mögen ; iedoch daß
Zum drilten nicht von einer Woch auf die andere gezehW
werden solle, solchergestalten, daß, wann schon in einer Woch das
völlige Quantum der hundertfünfzig Malter derlei Coniinercien -Früchten
nicht wüirklich überfuhrt wird, derentwegen nichts desto weniger di^
nachkommende Woch nicht mehrer, als das ordinari und hiemit stipü^
lierte Quantum außlragt, geladen werden möge^ unter welcher Quanto
der hundert fünfzig Malter auch
Zum vierten die herrschaftlichen Ca mmeral fruchten verstaadeö
I
Überlingen. 679
sein sollen, sofern einige auf denen herrschaftlichen Kästen da oder
dorten würklich verkauft worden, oder anderstwo erst verkauft und
zu Unteruldingen in die Schweiz oder anderwerts, wie in §pho 2^^ ge-
dacht, hinübergeführet werden wollen. Herentgegen sollen
Zum fünften diejenige Früchten, welche bei außbrechender
Kriegsgefahr über See geflehnet und daselbst nur um mehrerer Sicher-
heit willen aufgeschittet werden, iedoch neben alldienlicher Precaution,
daß hierinnfalls keine Gefährde gebraucht werde, hierunter nicht ge-
zehlet, noch auch
Zum sechsten die zu Unterhaltung der Costanzisch- oder andern
kaiserlichen Garnisonen dahin kommende Proviant-Früchten oder Mehl
unter das stipulirte Quantum der einhundertfünfzig Malter gerechnet
werden; desgleichen mögen auch
Zum sibenden die Unteruldingischen Schiffleuth diejenige
Früchten, so von der Stadt Costanz und aldaßiger Burgerschaft oder
Geistlichkeit, auch von denen übrigen über See gelegenen kaiserlichen
und Reichsorthen herüber gemahlen werden, oder aber das zum Ab-
bachen und ad usum domesticum herüber abhollende Mehl ieweils
nach erheischender Nothdurft und ohne Defalcation der hundertfünfzig
Malter abhollen und überschiffen. Im Fall aber
Zum achten eine nahe Feindsgefahr sich ereignen solte,
seind S. Hf. D. zu Fürstenberg-Mößkirch erbietig, die Unterul-
dingischen größern Schiff jederzeit nacher Überlingen zu stellen,
um solche nicht nur allein daselbsten in Sicherheit zu haben, sondern
auch ausser der eigenen Nothdurft zu mehrerer Defension der Statt
gebrauchen zu können; und wie dann auf solchen Fall hin die Unter-
uldingischen Schiffleuth in loco Unteruldingen nichts mehr abführen
könnten, so sollen hingegen diese auf jenen Fall, wo nichts desto
weniger noch einige Früchten in die Schweiz zu führen erlaubt, und
bei allgemeiner Außtheilung des quanti concessi integralis ettwas auf
Unteruldingen nach Proportion repartiret wird, solches von Überlingen
auß zu überführen befugt sein. Auf daß aber
Zum neunten das nacher Unteruldingen stipulirte wöchentliche
Quantum der durchgehenden hundertfünfzig Malter fleißig observirt,
auch niemahlen mehrers auf obverstandene Weiß und Arth über-
führet werde; so wollen S. Hf. D. zu Fürstenberg-Mößkirch nicht
nicht nur allein einem vertrauten hierüber verpflichteten Mann die
Obsicht dießfalls insbesondere auftragen, sondern auch dero Schiff-
leuth diesertwegen noch zu mehrerer Precaution all deme, waß in
gegenwertigem Verglich verabredet und versprochen worden, auf das
genauiste nachzukommen, sich aller Malversation und Contravention
EU bemftßigeu und im geringsten keine Gefährde* zn gebrauchen, aut
druckentlich beeidigen, zumahlt^n anch einer löblichen Reichs-:5lüdl
Überlingen ieweils auf Verlangen einen extmetum prolocoUi von so-
tbaner beschehenen Verpflichte und Beeidigung wiedt*rfahren laßen.
Zu dem Ende sollen auch
Zum zehenden diejenige Kaufhiuth, so das bestirnte QuamuiB
im Reich au End und Orthen aufkaufen, sich mit einem atlestala ver-
sehen lassen, damit solches zu llnieruldingen, wo der Traiisfn>rt gl^
schiehet. dem hierzu speciahter beeidigten inspeclori hinterlegt aod
die linteruldingischen SchiRleuth yüu daraus weiters mit einem atlestato
versehen werden mögen, und sofern
Zum eiiften mehrertjiagte IJnleruldingische Schiflleuth* auch 4»t
hierüber besfellle Inspecior diesem Verglich und ihrem dariiber abgc
schwohrnen eid zuwieder handien würden, sollen diese voa *lem Obn
amt zu Heiligenberg auf jeweiliges Erfahren mit aHer SrhÄr|ife an-
gesehen, auch sn gar befindenden Dingen nacti mit *ier Confiscatitm
selbsl gegpu fiie übt^trelU^re verfahren werden. Dabencbens
Zum zwölften einer lubl* Heichs-StadI (■ bedingen »ihn verwehret
sein solh>, damit ninb so weniger ettwas ülier das Quantum abgcfuhrH
werde nach ihrem litHieben, auf dem Ijand oder See, da oder rluriea.
mit seiner geziemenden Arlh und Uesctieidenheii darauf Achtung zn
gehen, und wann dieselbe einen Schleich oder Contravenlion ver-
merken öder erfahren haben sollen, solches durch iemand lier ihrigeti
dem Fürstenbergi sehen bestellen, sowohl in loco als auch sonsteii
advertiren, oder aber nach gestalten Umständen bei dem }Ieiligen*
bergischen Oberanil anzeigen zu latk'n, um die (lebiihr dargegen vor*
kehren zu künncn, gestalten sich auch
Zum d reiz eh enden beede hoch- und löbliche Theil einander
die mutuelle Assistenz wieder atle neuerliche da und dorten aufzu-
richten intendirende Niederlagen, Ab- und Außfahrten, versprochen,
Früchten noch andere Waaren (worunter auch Roß und Vieh ver-
standen) an Ortli und Eiulen, wo es niemahlen gewesen oder nicht
rechtmäßig hergebracht, abzuführen, zu keinen zeiten zu gestatten,
und dargegen all dienliche Mittel, jeder nach seiner competirenden
Arth, zu Wasser und zu Lande vorkehren zu lassen. Es solle aber in
dem übrigen und
Zum vierz eh enden diese gegenwärtige Vergleichshandlung der
Graffschaft Heiligenberg an ihren Regalien hocherforstlich, landgericht-
lich- und gleitlichen Ober- und Herrlichkeit, auch einer löbl. Reichs-
Stadt Überlingen an ihren Rechten und Gerechtigkeiten ohnschädlich
sein, und hiemit so solle
Überlingen. 681
Zum fünfzehenden die bei dem Hochpreißlichen kaiserlichen
Reichs-Hof-Rath biß daher hierunter anhängig geweste Rechtssach gänz-
lichen aufgehöbt, geschlichtet und vertragen sein, zumahlen auch bei
Sr. Rom. kaiserl. u. königl. Kathol. Majestät die allerunterthänigste
Anzeig dießfalls von beeden hoch- und löbl. Theilen beschehen, und
andurch dieser fürgewalteten nachbahrlichen Spenn- und Strittssach
ihre vollkommene Richtigkeit, Ruhe und Endschaft gegeben werden.
Und dessen zu wahren Urkund seind dieser Vergleichung drei
gleichlautende exemplaria außgefertiget und von höchstermelt beede
Hf. Hf. D. D. eigenhändig unterschrieben, zumahlen mit dero
fürstl. Insiglen und einer löbl. Reichs-Stadt Überlingen gemeinen
Stadt-Signet corroboriret, auch jedem Theil ein Exemplar davon zu-
gestellet worden. So gegeben und geschehen Mittwoch, den dreißigsten
Monathstag Decembris, nach Christi unsers lieben Herrn und Heilands
gebührt des eintausend siebenhundert und drei und dreißigsten Jahrs.
L. S. Frohen Ferdinand L. S. Joseph Fürst zue
Fürst zue Fürstenberg. Fürstenberg.
L. S. Burgermeister und Rath der
Statt Überlingen.
Fap, Orig. mit eigenhändigen Unterschriften imd den jeweils bei-
gedrückten Siegeln, St.-Ä. Äbt, XXXIX Nr. 943.
LXXIV.
Ratsconclusum ttber die Beduktion zweier Löwenräte und aller
8 Richter. Besetzung des unteren Stadtgerichts u. ä.
1753 Mai 24.
Zue wissen und kundgethan seie hiemit jedermänniglichen : Als
bei denen unterm 4'<^" 10^"« des letzt verflossenen und jüngsthin unterm
12*«n Aprilis diß fürlaufenden Jahrs gehaltenen Plenarversammlungen
eines wohllöblichen inneren und kleinen, auch des löblichen äußeren
und großen Raths diser des heil. röm. Reichs Stadt Überlingen in Ahn-
sehung des dem Publico andurch zuegehenden besonderen Nutzen und
Vortheils willen, zumahlen auch aus mehr anderen erheblichen Be-
wögursachen allerdings per unanimia oder wenigist per eminenter
maiora resolvirt und vestgesezet worden, daß nicht nur allein die
sammentlichen H. H. Richtere vollkommen, sondern auch noch dar-
neben zwei Herren Lewenräthe reducirt und in abgang gebracht, mit-
hin das corpus magistrale anstatt deren bißherigen 28 fürohio und
suctt'ssivo auf IH Köpfe oder Herren des iimi ren rathi? (jedach <hm
milhinreclnning des jewaligeii H. Stattammann^, bei deme als dem
driüen Haubi der hiesigen Stadt es ohnehin sein ohimbgeätiderti^s ver-
bleiben habe) rt^stringirt und vermunderet, suforth die /Jim Iheil wüik
lieh sehon vanronde, theils aber noeh in Zukunft naeli und nach durdi
Sterbr, promotions- oder andere FäJde abgehende respective Ewei
Levverirath- und 8 Hithterstellen ninnnermehr ersetzt, aondern narb
deren allseithigem Abgang es bei rdiif^er Anzahl deren 18 Herren A^
inneren Ilaths lediglieh belassen werden* und das corpus eines wohl-
löblichen magistrats. extlusive des jeweiligen Herren Stattarumanng.
in einem neu- und einem alten Herrn Burgf^rnnds^ter, dann zwei Herrt^rt
Lewenralhen. nnd siben neuen, anuh siben alten Herren Zunfliiieisterwi
bestehen solle; also hat auch m\ wohllohiirher magistrat über dm
circa modum ihme erpresse vorbehaltene regulaiivum, wie und duiti
wtdche Herren des Raths sowohl des löblichen rnterf^iadtgerieht. all
auch andere demselben anklebende NebenamHen in das künftige be^
atpHei und versehen, auch übrige Incidentpuncten gehalten sollea,
folgenden Sciduß abgefasset, und solchen hiernechstens publiciren,
fort auch auf den Lewen und die Huaunenl liehe Zütiflefi zue dero
wissen und künftigen Richtschnner communicireu zu lassen, der iSoth*
durf zue sein erachtet, und zwar:
l"^f* hat und hißt man es bei der in obgedachten klein- und großen
Raths concUisis atlbereith resolvirten Reduction zweier H, Lewea-
räthen und aller S H. Richteren hiermit lediglich und wiederhoblter'
bewenden, dergestalten inid gleichwie
2^''* man dafür gehalten, daß das löbliche Unterstadtgericht aa*
statt deren liisberigen 9 aubjectorum von nun an und in Zuekunft mit
7 Subjectis benannt: einem jew^ciligen H. Stattammann als desselben
Ha übt und ersten memhrn, sudarin mit Ü Herren des Ratbs als übrigeQ
cornniend>ris satlsamb bestelle! sein werde; also sollen auch
3'»'^ die derjnahl noch existirende 5 Herren Richtere, benannt*
liehen d(*r Herr Ohcrrichtrr Joseph Anloiii Banr, die Herren Hichler6
Joseph Schiele, Franz Ulrich Mader, Joseph Schmid und Franz Andreas
Ennroth (gestallen die übrige drei als Herr Job. Evang. Finckh zuin
Spithallmeister, der Herr Christoph Schauber und Herr Franz Raphael
von Haubert aber zuc würklichen Zunftmeisteren kurz nacheinander
bereiths accomodirt und promovirt worden) nebst dem erw^ehleteu Herrn
von Haubert als dem jüngsten Zunftmeister besagt löbliches Unter-
stadtgericht fortan und bis zue weitheren in nachstehendem §pho 5*"
ersichtlichen erfolge, ohnangesehen dieselbe immittelst ebenfahls zur
Über)in{;;en. 683
Zunftmeisterstelle gelangen würden, zue frequentiren . und zue ver-
sehen schuldig sein. Da aber
4^ einer oder mehrere von oben denominirten Herren Richteren
vor dero promotion annoch qua tales mit Tod abgiengen, oder selbst
resigniren, oder auch anderwerthshin als zu Zunftmeisteren promovirt
wurden, solchenfahls wurde je der oder die jüngste von denen anderen
Herren Zunftmeisteren ohne Underscheid des neu oder alten Banks
des oder deren Verstorbenen selbst resignirten oder anderwerthshin
promovirten Herren Richteren Stelle oder Stellen zu ersezen, mit-
folglichen statt dess- oder derenselben das Gericht zu bestellen und
zu versehen haben. Wann herentgegen
5*<> der gänzliche Abgang deren noch vorhandenen Herren Rich-
teren sich mitler Zeith ergeben hätte, alsdann werden und sollen die
5 jüngste Herren Zunftmeistere ohne Unterscheid deren Bänkhen, be-
nebst einem jeweiligen jüngsten deren künftigen Herren Lewenräthen
(gestalten die dato noch existirende becde Lewenräthe, als Junkher
Franz Antoni von Echbegg und Herr Lorenz Feinägl de Luxenburg
in Kraft diß für jezt und allezeit davon eximiret werden) das Unter-
stadtgericht zue frequentiren und verwalten schuldig sein. Und da-
mit auch
6'o bei gänzlichem Abgang deren Herren Richteren die denen-
selben anklebende Nebenämtlen oder schauen erforderlicher Maßen
bestellet seien, sollen dise, als da seind die Brot-, Schmalz-,
Fleisch-, Feuer-, Bauschau, Untergang und dergleichen, denen jeweiligen
5 jüngsten Herren Zunftmeisteren nach ihrer promotion und Rang
der Ordnung nach, oder wie es sonsten ein wohllöblicher magistrat
am thuenlichisten zu sein erachten würd, wie bißhero bei denen
Herren Richteren üeblich gewesen, aufgetragen worden, wobei
7"™o die noch gegenwerthige Herren Richtere bei etwann künftig
sich ergebenden vacanten Lewenrath- oder Zunftmeisterstellen nach
der bisherigen Waahlordnung, also daß jederzeith zwei subjecta da-
von bei großem Rath, oder auf der Zunft je nach Gestalt der vacatur
in den Vorschlag zu geben, successive promovirt, der letztere und
noch einzige Herr Richter aber, wann er änderst dazue tauglich und
qualificiret wäre, immediate und ohne Nebenwaahl zu der vacanten
Stelle accomodiret werden solle. Betreffend nun aber
8v<> die künftige Waahlordnung nach erfolgter Promotion und
gänzlichem Abgang deren sammentlichen Herren Richteren, hat ein
löblicher Magistrat sowohl in Ansechuug deren subjectorum, als auch
der Waahl Selbsten für das anständig- und räthlichiste zu sein erachtet,
daß, wann eine hinkünftig vacirend werdende Lewenrathstelle zue
ersehen sein werde, denen eligirenden 7 Herren Amtszniiftnieistercn,
gleichwie es schon eingangs angofährli*n klein- und großen Rath^-
concluso vom 4^®" lO"^"" a. p. § 5 allbereiths beliebt worden, zue den>
freier Willkühr gestellet sein solle, ssue sothaner vacatur 2 anständig
laugliche und allweegens qualificirte subjecta von der gesamlen Burger-
schaft, ohnangesechen dieselbe schon in oder noch außer dem großen
Rath, oder schon verehelichet, oder noch leedigen Standes ^ich h^
findeten, denen großen Rathsherren in die Waage zne ßeben, der-
gestalten* daß von dem großen Rath auf dise vorgeschlagene zwd
subjecta ohne Widerreed votiri und eines davon zum neuen Lewen-
rath erwählt werden solle und müsse« Daherentgegen
9"" bei Besezung deren erledigten Zunftuioisterstellen man denen
Herren Zunftnieisteren, auch respective dem löblichen großen Ralh
und denen ehrbaren Zünften zu dero Option und freien willen an-
heimbgegeben haben will, ob selbe es disfahls bei dem § 4 des mehr-
erwehnlen klein- und großen Ralhsconckisi (kraft dessen zue einer
erledigten Amts- oder alten Zunftmeisterstelle jederzeiüi 3 schon würkh*
lieh beaidigte große Rathsherren auf der Zunft oder bei großem Rath
je nach (.festalt der varatur ad eligendum vorzueschlagen wären) oder
aber bei der bisherig ohnfürdenkblicheii Obsen^anz und freien Waahl
auch fortabn und in Zuekumft bewenden lassen wollen. Nechstdeme
und weilen 10'"® durch den Abgang deren Herren Richteren, als welche
jedorzeilh deu ersten Eilfer der großen Rathsherren sowohl auf dem
Lewen, als denen 7 ehrbaren Zünften ausgemacht, ein jeder ring umh
einen Kopf oder Mitglied geniünderet würd; als ist denen bemelten
7 Zünften hiemit bewilliget und zuegestanden, daß sie anstatt ihres
Herrn Richters einen anderen aus ihren zünftigen als den Eilften
ringsverwandten und großen Rathsherren nach der bisherigen VVaahl-
ordnung selbsten erwöhlen und hierdurch die abgängige eilfte Zahl
wieder erfüllen können und mögen. Dahingegen
11 mo so viel den Lewen anbetrifft, die Waahl und Ersezung so-
thann mit der Zeith abgehenden Eilfers loco des Herrn Richters denen
beeden tit. Herren Burgermeisteren und denen 7 neuen Zunftmeisteren
jeweils auf den Montag post festum ss. trinitatis, wie mit denen
übrigen alldahigen Eilferen bisher geschechen, vorzunehmmen und
andurch den großen Rath vollends zu complectiren hiemit ebenfahls
überlaßen und vorbehalten w^ürd. Dazuemahlen
12^0 fürohin keine neue Richtere mehr zue erwöhlen, mitfolg-
lichen auch deren schuldig gewesene Richtergebühren denen daran
participirenden und dise hierimien wieder ihr erlangtes Recht ver-
kürzt \vurden; als solle künftighin nach würkhlicher Promotion oder
Überlingen. 685
Abgang deren Herren Richteren ein jeder sodann immediate zur Lewen-
rath- oder Zunftmeisterstell gelangende neue Herr Lewenrath und Zunft-
meister das gewöhnliche und schon von vielen Jahren her in eine
Geltpraesentz verwandelte Richtermahl abzueführen, nicht münder
auch ein neu eligirter Herr Zunftmeister ohne Unterscheid deren Bänken
seinen Herren Mitbanksverwandten und Herren Canzleiverwalteren das
ordinari Einstandpraesent benebst der Richtergebühr, mithin beede
zugleich und auf einmahl zu entrichten schuldig sein.
Dessen zu wahrer Urkund etc.
So geben und beschechen Überlingen, Donnerstag, den 24. Mai
des 1753gisten Jahrs. (Publicirt am 11. Juni dess. Jahres in dem
Reffenthal.)
Papierheft. St.-A, AU. VIII Nr. 144.
LXXV.
Vertrag zwischen der Grafschaft Heiligenberg und der Stadt Über-
lingen wegen der Gerichtsbarkeit.
1779 Au^st 28.
Kund und zu wissen seie mit diesem Brief, daß, nachdeme ent-
zwischen dem durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Joseph
Wenzel, des H. R. R. Fürsten zu Fürstenberg u. s. w., als Inhabern
der reichslehenbaren Grafschaft Heiligenberg an einem, und dann
denen wohlgebornen u. s. w. Burgermeister und Rath des H. R. R.
Stadt Überlingen von wegen denen in ersagter Grafschaft liegenden
und zur gemeinen Stadt, derselben Vogteien und ihres anvertrauten
Gotteshauß Spital zum heiligen Geist gehörigen Niedergerichts-Orten
an anderen Theil seiter dem letzteren in anno 1731 errichteten Ver-
trag zerschiedene Jurisdictions-Irrungen sich ergeben und zugetragen
haben, zu deren gütlicher Beilegung und Herstellung eines daurhaften
Ruhestands und nachbarlichen Vernemmens aber eine wechselseitige
Pfandschaftshandlung für das dienlichste Auskunftsmittel angesehen,
deß Ends zumalen von denen beiderseits hiezu deputierten Räthen
in denen dahier abgehaltenen Conferenzien die vertrauliche Unter-
redung hierüber gepflogen, auch die Vorschläge, wie dieses Geschäft
auf die leichtest- und billigste Art zu erziehlen sein möchte, hinc
inde angehöret und erwogen worden, so hat man sich hierauf fol-
gendermaßen miteinander freundnachbarlich vereiniget und nach-
stehenden Pfandschafts-Contract verbündlich abgeschlossen, und zwar :
Überliiigeia-
Erstens überlaßt das hochfür^Lliche Hauß an die löbliche Keichs^
Stadt Überlingen die in denen zu dasig gemeiner Stadt, derBelbea
Vogleien und Gotteshauß Spital gehörigen Ortschaften, auch derselliea
Zwing und Bannen der Reidisgrafschaft Heiligenberg zusiehende bohe,
tandgerichüicbe, forstherrliche imd gkitliche jura und Regalien mit
allen davon abfallenden Einkünften nnd Nutzbarkeiten, wie solch«
an beständigen und unbeständigen Frucht- und Geldeinkünfteu m
der übergebenen Verzaichniß bemerkt und kraft dieses gewähret äini
als eine Pfandschaft, darunter auch die unter denen Überlinger Dorf-
schaften gelegene anderweite Niedergerichts-Orte, als Andelshofen luid
die dahin gehörige zwei Höfe Schön buch und Hagen weüer, daaa
Spezgard, Hödingen, Burgberg, samt dem mit denen Niedergerichteu
utui der hohen Jurisdiction naher Heiligenberg gehörigen sogenannte^
Sehifie mitbegriffen sind. In welch samentlichen Orten dann ■
Zweitens die Reichsstadt Überlingen die von der ReichsgTii-
Schaft Heiligenberg pfandschaftlicb übernommene hohe jura solcher-
gestalten auszuüben berechtiget sein sollen, wie solche ^um Theil
in denen vorhandenen Verträgen enthalten und zum Teil sonsteü
wohl hergebracht sind, mit der weiteren VerbüiuUicbkeit, daB die
währender Pfandschafts-Zeil mit denen vorbemerkten ingelegenc*n
Niedergerichts-Herren etwa sich ergehende Jurisdictions-Coiiflict und
*Proceß von seilen Überlingen auf eigene Kosten verfochten und aus*
getragen werden sollen, darül)er man jedoch die Anzeig und Comuni-
calion der in wichtigen Vorfallenheiten allenfalls wechsehiden ProceB-
scliriften und Correspondenzien dieseits erwartet und zu Erleich-
terung und Auskunft die Mölbige Behetf ex actis auch dahin zu Händen
55 u geben ohnentstehen wird. Ferneres öbergiebt
Drittens Fürstenberg an Überlingen die hohe Jurisdiction über
den Salmansweilischen Hof zu Maleien, wie nicht weniger die hohe
und niedere Jurisdiction in der Gegend Spezgard und Üfkirch; weilen
aber die niedere Gerichten in disem District zwischen Heiligenberj,
Überlingen und dem Spital zu Kostanz annoch strittig sind, so sollen
nocli v(M wiirkücber Imission in diV^ fif;Hidschaftliche jura diese
Diiferenzien nach Maaßgab des Verglich-Recesses de anno 1731 § 64.
mittelst Veranlassung einer der nächstigen Zusammenkunft der inter-
cessirten Tbeilen bestmöglich erörteret und ausgetragen w^erden. Wie
dann auf gleiche Weis
Viertens die abgängige Überlinger Etterstein noch vor Anfang
dieses Pfandschafts-Contracts fürdersamst gemeinschaftlich wieder er-
setzet und die noch ferners ermanglende Niedergerichts-Marken über-
haubt zwischen Heiiigenberg und Überlingen ergänzet werden sollen.
Überlingen. 687
Vor diese an Überlingen abtrettende vorbemerkte hohe jura und
Regalien übergiebt
Fünftens ermelte Reichsstadt dem hochfürstlichen Hauß zu
einer wahren Gegenpfandschaft cum pacto anticretico die zwei Ämter
oder Dörfer Untersikingen und Grünwangen, dann den Weiler Rikerts-
reuthe und eilf weitere in der Reichsgrafschaft Heiligenberg liegende
Spital-Höfe, welche dermalen respective
Inio. Adam Wagner zu Altenbeuren,
2^0- Tiberi Schmid daselbst,
3»>o Johannes Feederle und
4to- Johann Brunner allda,
ö^^' Matheus Zinßmayer zu Brukfelden,
6^0. (Jas Stift Bettenbrunn,
7™o- Martin Sauter zu Frikingen,
8^0- Mathias Hof er zu Golpenweiler,
9"o Hansjerg Rinkenburger zu Lellwangen,
Xyrno. Anton Schmid zu Wintersulgen, und
llmo. Joseph Schmid
zu Erb- und Schupflehen besitzen mit denen dazu gehörigen Ge-
richten, Zwing und Bannen, Trieb und Tratt, Wun und Waid, Fischenz,
Frohnen und Diensten, Leibeigenschaften, Fällen, Ab- und Einzügen
mit dem jure collectandi, armorum sequelae et lustrationis, wie auch
allen übrigen Gülten, Gefällen und Nutzbarkeiten, was ermelte Stadt
Überlingen bishero daran gehabt und davon bezogen, also und der-
gestalten, daß das hochfürstliche Hauß neben der vorhin gehabten
hohen Jurisdiction nunmehro und mit Anfang dieser Pfandschaft nicht
nur allein die niederen Gerichten zu Untersikingen, Grünwangen, zu
Rikertsreuthen und in dem Geilhofer Bann, wie die Stadt Überlingen
solche exerciret und zu exerciren befugt gewesen, in Pfandschafts
Namen auszuüben, sondern auch all weitere Gefälle und Nutzbar-
keiten, die Überlingen an diesen Ortschaften und ab denen 11 Lehen-
höfen zu beziehen gehabt, währender Pfandschaftszeit nach Maaß-
gab der von Überlingen ausgestelten Ertrags- und Gefälls-Berechnungen
mit Einschluß des Zehenden zu Rikertsreuthe, soviel davon dem
Spital Überlingen gehörig einzuziehen und zu genießen befugt sein
solle, immaßen auch die Stadt Überlingen hierwegen die schuldige
Eviction zu leisten verspricht, hiernächst auch
Sechstens über diese herwärts abtrettende Realitäten die wei-
tere verbindliche Zusage machet, zu einem Pfandschilling noch sieben-
zigtausend Gulden entweder baar zu erlegen, oder statt der Baar-
schaft soviel Passivkapitalien mit Acconsentirung der Creditoren von
dem hochfürstUchtni Ilanlio zu ühememmen, auch die eint oder andere
Verbündlichkeit vor würklichcr Iinmission wurklich zu orfüllen.
Siebentens solle diese Plaudiichaftshaüdliing mit näch^Hn
Martini anni currenUs, bis dahin die hievnr gedachterinassen nmh
ohnrichtige Punkten vollends in Richtigkeit zu bringen sind, Jen
würklirben Anfang nemnien und von dieseiu dato an dreißig Jahr
fiirdauern und Sümit mit. der Jahr?:ahl 1809 wtederum zu Ende f^ehrn;
doch solle dem hoehfürstlichen llauße Fürstenberg die privative und
einseitige Ik'fugsanie allein zustehen, auch nach Verfliiß dieser Sb-
puhUion dreißigjährigen Pfandsehaftszeit noch länger und allenfalls
für beständig die Pfandschaftshandlung zu conti nniren, woniUhin rüe
Reichsstadt Überlingen auf diesen Fall Inn auch kräftig verbunden
ist, diesen Contractu solang es dem Hauße Fümtenberg gefällig und
convenable sein wird, ohiiaufkrnullich auf sich zu Ik* halten und füJ-
dauren zu lassen, Hiebei machet sich
Achtens die Stadt tlberllngen auch anheischig, daß wenn nach
den stipolirten dreißig Pfandschaftsjaltnjn dem Hanße F. die ardiero
überlassene Realitäten, davon §pho 5*'* Erwehnung geschehen, allen-
falls nicht mehr anständig sein snllton, ennelte Stadt alsdann hievur
lÜiJOOO Gulden haar erlegen wolle, ohne daß hierdurch der Haubt-
pfandschaftscontracL unterbrochen oder aufgehoben sein solle. Imi
weilen übrigens
Neuntens der Stadt Cberlingen über die Pfarrei zu Unter
sikingen das jus patronatus zustehet, so hat dieselbe auch diese*!
Patronalrecht mit dem jure denotninandi et praesentandi parochum
wahrend dieser Pfandst^haft an das Ilauß F. aligetretteii, dargegc^
aber ist der Stadt Überlingen auch die Convenienz verschaffet vvordcn,
zu tlroßschönach das jus patronatus, so bishero quoad effectum prac
seiitandi parochum zwischen F. und Oberlingeii alternativ gewesen,
diese Pfandschaftszeit hindurch auch aufsei ten Cberlingens privative
exercireu zu dürfen.
Entzwischen bleibet jedoch die Revision und Abhörung def
Kirchenrechnnugen zu gedachtem Uroßschönarh und die RechnungS'
adjustierung bei der Wahlfahrt zu Maria Stein nach dem Vertrag
von anno 1731 noch fortan gemeinschaftlich, und sollen diese Rech-
nungen somit fernershin cumulative abgehört werden.
Zehendens übernimmt die Stadt Überlingen den diesseitigen
Revierjäger Albrecht Dirk zu Hödingen, nachdem dieser seiner auf-
gehabten herrschaftlichen Pflichten erlassen sein wird, in ihre Dienste
und Resoldung, welch letztere unter seinem jetzmaligen Gehalt nicht
zu stehen kommen soll ; lasset sich auoh nicht entgegen sein, dem
Übei'lingen. 689
Heiligenberger Scharfrichter den Waasen oder das abgestandene Vieh
nach Maaßgab seiner Instruction in denen Überiinger Orten auß-
schlüßig folgender der löblichen Reichsstadt Überlingen währender
Pfandschaftszeit zu allenfällig anderweiten Bestellung überlassenen
Orten benanntlich Hödingen, Spezgart, Ufkirch, Höllwangen, Gold-
bach, Bleiche, Regnetshausen, Burgberg, Teusendorf, Schreuenbuch,
Schönbuch, Hagenweiler, Andelshofen, Ernetsreuthe, Neuwürtshauß,
Altbirnau, Bambergen, Unzenreuthe, Reuthenmühle und Reuthehof,
mit der davon bishero gehalten instructionsmäßigen Entgeltnüß zu
überlassen.
Über dieses solle
Eilftens die Stadt Überlingen die besondere Obliegenheit auf
sich haben, über all und jede unter der fürdaurenden Pfandschaft
sich ereignenden hochobrigkeit-, landgerichtlich-, forsteilich- und glait-
liche Vorfälle ein besonderes Protokoll, deßgleichen über die nacher
Überlingen überlassende und allenfalls noch weiters dazukommende
Hochobrigkeits-Gefäll ein besonderes Register zu führen, auch mit
eint und anderes mit allen dazu gehörigen Acten nach geendigter
Pfandschaft getreulich an F. wiederum zu extradiren.
Soviel aber
Zwölftens das bisherige freie Commercium betrifft, so solle dieses
zwischen Heiligenberg und Überlingen wechselseitig noch fortan ohn-
bekünmiert offen verbleiben, und denen Unterthanen beeder contra-
hirender Theilen der freie Gebrauch diesseitig- oder jenseitiger Pro-
vessionisten und Mühlenen etc. fernershin gestattet werden. Nicht-
minder
D reiz eben den s in kraft dieses Pfandschaf ts-Tractats jeder Theil
befugt, die Arrestanten und Maleficanten und zwar in dem pfand-
schaftlichen District ohne eine hierwegen zu machen habende Re-
quisition, in denen übrigen beederseitigen Ortschaften aber mittelst
offener Requisition durchführen und mit der erforderlichen Mann-
schaft benöthigten Falls armata manu escortiren zu lassen, worbei
Überlingen auch noch ferners gehalten ist, die diesseitige Unterthanen
mit ihren Früchten und Waaren durch den Pfandschaftsdistrict den
ohngehindert und freien transitum, wie sie solchen bis anhero ge-
habt, zu gestatten.
Und gleichwie
Vierzehendens die Stadt Überlingen mit denen anhero ab-
getrettenen Niedergerichts-Unterthanen unter anderen auch die Col-
lectation anhero überlassen hat, so ist dießfalls die Vorsehung ge-
machet worden, daß der Matricular-Anschlag bei Reich und Kreis,
44
0tO ^^^^^^^^^H .ÜbefUngen.
wie auch bei nemK "mm^rge rieht zu Wezlar und dem rcichsistädii
sehen CoUegto der Stadt Überlingen ab- und dür Grafschaft Heiligei
b©rß pro hituro zugeschrieben, und damit dieses geschehe, rm
beeden Seilen gemeinschaftlich die Sach beböriger Orleii betrieb^m
werden solle.
Auch wird man sich hie bei von seilen F. nicht entschütti
den Betrag der außständigen Contributions-Gelteren, desgleichen die
AmtS'Exstanzien und überlinger Landsohafts-PassivKapitaiien, soviel
es vori dem eint und anderen denen anhero überlassenen Cberlinger
Kiedergeriehts-Unterthanen auf vorherig ordentliche Liquidation m
ihrem Antheil betreflen mag, denenselben in der nemh'chen Qualität
als Passiv-Schulden zu- und überweisen zu lassen und versprichel
F. diescrlhalben der Stadt Überlingen alle justizmäßige HiÜf zu Ein-
Ireibung dieser rückständigen Schuldigkeiten nach denen Vermögens-
Umständen der Schul dneren widerfahren zu lassen, auch allenfalli
mit Execulions- und Zming^mitleln an Händen zu gehen, auch bei
Husbrechenden Ganlhen solche Ausstände nach ihrer mehr oder wernfftf
privilegierten Qualität in die gehörige Stell und Classen einzubringen.
Bei diesem bishero beschriebenen Pfandschafts-Contract ver-
stehet sich ohne weiteres von Selbsten, daß
Fünfzehendens jedem contraliirenden Tfieil seine jura wäh-
render Pfandschaftszeit gänzlich vorbehalten bleiben und somit nach
Auflößung dieser Pfandschafts-Handlung jeder Theil und zwar das
hochfürsüiche Hauß F. die an die Stadt Überlingen abtrettende hohe
Gerechtsame in ihrem ganzen Umfang, und gegentheils auch die
Reichsstadt Überlingen ihre anhero überlassende Xiedergerichtsbar*
keit mit allen Gefiilien und Gülten zu exercireu und wideruni zu be-
ziehen berechtiget, folglichen auch die Verträge, welche ohnehin, io
soweit solche durch gegenwärtige Ptandschaft nicht sisliret worden,
ihre Verbündlichkeit noch beibehatten, von der vorherigen Kraft und
Würkong sein sollen.
Und wie sich schlüßlichen
S e c h z t; h f a d u a b dt^s rt^giereadea Herra Fürsteas zu F.
Hf. D. zu unverbrüchlicher Vesthaltung und Authentisirung dieses
Pfandschafts -Contracts von dero höchst und hohen Agnatschaft
den consensum beigebracht, so hat auch die löbliche Reichsstadt
Überlingen zu gleichmäßiger Vesthaltung dem kaiserlichen Commis-
sions-Consensum von des Herrn Fürsten und Bischofen zu Kostanz
hochfürstl. Gnaden eingereichet.
Dessen zu wahrer Urkund ....
OberÜDgen. 691
So geschehen Donaueschingen den fünften und Überlingen den
:ten Oktobris in dem Jahr etc. 1779.
Joseph Wenzel Fürst zu Fürstenberg.
Franz Carl Mader, Amtsburgermeister.
Franz Conrad v. Lentz, kaiserl. wirkl. Rath und Alter Burger-
ister.
Pap. Orig. mit den aufgedr. Siegeln des Fürsten zu Fürstenberg
l der Stadt Überlingen. St.-Ä. Abt. LXXIII Nr. 2140.
€avl X0inuv*9 Untocrutdtsbu^banblung in /ocibtlhtv^,
Heidelberger 7lh})anblun^cn
ixiv mittleren unb neueren (9iefd>td>te
^erauBgcgebcn »on Äarl ^(impt, 0ivid) lYTardfe unb iDtetrtd) @d>afer
\. £^eft: Cilienfein, ^einti^, S>tc 2(nf4>auunacn ron Btaat unb
%iv^t im Utiö^ btv ^Karolinger, nr. 8". cjcl^^f^ct .... ITIf. ^.—
2. £}eft: tPittic^en, ^iebti^ Karl, Prcuj^cn unS i£nglan5 in bcr
curopätfAcn polittf 1785- 1788. cir. ho. aeljcftet .... „ 5.—
3. f)eft: tPiefe, (Etnft, iDtc polittf bcr Vttebcridnbcr u)dt)renb bcs
:RaImarfrtcg6 (I^JI— J$I3) unb ihr ^ünbnis mit Bd>n»e5cn
(I6H) unb bcn 4)anfc<labtcn (I6Ii5). IHit einer Karte.
ar. 8»^. ael^cftct „ 4. 60
^. ßeft: 3Rott l^ans, ^'rie5ri(t II. von bcv Pfal^ unb bic ^e«
formation. iiir. 8". c^cl^cftet ,, *.—
5. ßeft: Ugats, Tlxil^nx, i>tv |>ant1f4e ^aicn^anbtL mit brei
Karten, gr. 8«. geheftet „ 3.60
6. £>eft: 5al3et, £tnft, ber Übertritt be« (Broten :Kurfür{len von
btv fibwcbiffhcn auf bit poInif(|>e Bcite tDöbrcnb bes er(len
norbif(|>en :Rriege« in Pufenborf» „Carl (5u<lap" unb
„^'riebri* Wilhelm", gr. 8°. gel>eftet , z.^^o
7. £}eft: Cattenieti, 0tto, Peter t>on 2(ragon unb bie Bi.;ilianif4e
t>efper. gr. 8". gel)cf tet „ 6.80
8. i^cft: tt)iI6, Kätl, Höthar vfran^j von ^^önbovn, ^if<t)of von
Bamberg unb ^r3bif4)of von main^, I'5d3~I7^. gr. s«.
geheftet '. . . „ 5.20
9. ßcft: (Elfan, Ulbtxt, t>ie Publi^iJliF her ^artboIomÄusnacbt
unh ülornar« „Vindiciae contra Tyrannos". ülit einem
^örief ntornar». gr. 8». gel^eftet „ 5.—
\o, V\t\i\ J^afencleoer/ 2l6oIf, :Rurpfal3ifd>c PoIitiF in btn .leiten
he« f(|>maIFalhif(|>en Äriegee Oanuar I5-W bi» 3anuar 1547).
gr. 80. geheftet „ «^.80
U. IM*- ijöntpe, Karl, Urban IV. unh nianfrch (izöi — i:«^).
gr. 8^ geheftet , 2.60
^2. £Jeft: ijarhegen, 5^^lehtid^, 3mperiaIpol!tif :Rönig /^einrieb* II.
von Uinglanh. gr. h". get^cftet ? ,, 2.—
^3. ^cft: Coft^, "Äeorg, SDie :Rampte bcr ^(vabci- mit hcn %civo
lingcrn bi« ^um Tohe iluhivig« II. gr. -''. geheftet ... ,, 2.;u
\ik^ f?eft: Dogel, tPaltl^er, IDie normanncn unh ha? .franfifc^e 7\eic&
bi6 3ur (Brunhung her Hormanhie Töö — öli . gr. ?". ge
heftet, niit einer farbigen Karte in ,foIio „12. —
^5. Beft: tOWb, Karl, Btaat' unh Wirtfcbaft in hcn ^idtümern
von Wiir^burg unb Bamberg, ^^inc Untcrfucbung über
bit organifatorifd)e ZätigFcit hcs öifc^of« Jfrichri(^ :RarI
oon BAönborn J72!?--J7+5. gr. x'\ geheftet ,. '».'»o
^6. I7eft: ^ergftraeger, Cuhwlg, »Tbnilian ,frichr!(|> Pfeffel« pcli-
tifd>e OtigFeit J758— 17$4. gr. s". geheftet „ 2.40
17. t^eft: ^runner, Ciihirig, Politifii-e ^ett>cc?unc?en in nürnberg
I8-f8;-lö. gr. h'\ aeheftct ' . * , :..—
^8. ßeft: (Eiten, <J5üftat>, iba* UntcrFönintum im deiche her lUcro-
ringcr unh "Karolinacv. gr. ^ '. geheftet „ ri.«>o
10. X7eft: Stamm, (Eugen, Äonilantin vfrani5' Bcbriften unb Heben.
«^rfJer Teil: J8J7- J85s\ gr. ^o. achcftet r.-.o
20. luft: llirtnl^ctm, 0tto, jDa* cr<tc 3abr ^c? mintjtcrium? 2^i?
marrf unh hie öffentlictie !Ueinung x^,—
21. i>eft: XDien^, (Erid?, ,fancan wnb *hie fran;öfifc^c Politil^
von \^2'i-\^21. yn Priuf.
22. i>eft: ^atft?aufen, tHay, vtVance^co (J^uicciarhinis politifcbc
Theorien in iäntn Operc incdite r..2«i
Carl Winter'ß Universitätsbuchhandlung in Heidelberg.
Stadtrechte, Oberrheinische. Heraus^ir^'ireben von «1er Badischen Hij^torischen
Kcuninission.
I. Fränkische Rechte. Lex.-JS". ^'elieftet.
1. Heft. Wertheim. Freuden ber;.' und Neubrunn. Bearbeitet von Bichard
Schrvfler. n.n. '2 Mk.
t>. Bett. Der Obfrlmt' Wijnplen mit seinen Totht errechten Eberbach,
Waibstadt, ObersclurfTlenz, Bönni^^heim und Mer^rentlieini. Bearbeitet
von Kichard Schröder, n.n. ">.oU Mk.
:;. Hi?ft. Merjientheim. Lauda, Ballenber;,' und Krautheim. Aniorbaeh.
Walldürn, Buthen. Kül.^lieini und Taulterbischofslieini. Bearbeitet
von Jtichard Schröder, n.n. 0 Mk.
4. Helt. Miltenbertr, Obenibur^', Hirsclihorn, Neckarsteinach, Weinheim,
Sinsheim und Hilsbach. Bearbeitet vim Fichard Schröder und
Carl Koehne. n.n. 0 Mk.
5. Heft. lleidflberL', Mo.KJijuh. Nerkar^emünd und Adelsheim. Bearbeitet
VI in Citri Koehne. n.n. 7 Mk.
(i. Ib'tt. Lii.lonlMiiir, Wi.'-lurh, Zuzi-nhausen, Bretten, Gochsheini. Heiüels-
IniiM, Ztui'Trs, B'ixhor;: nnd Epj^in^'en. Bearbeitet von Carl Koehne.
n.n. ■"• Mk.
7. IbM. )Jrnrli-.il, ll"tiienliur;r, l'hilippsburp (Udenheim), Oberjrrembach
und >tiiid»acli. HL-arlu-itet von Carl Koehne, n.n. 5 Mk.
II. SfhwähiscLe Rechte.
1. X-liini-Mi. [»«'arlH-ikl vnn ChristifUi Hoeder. >^ Mk.
III. Elsäs.<;ische Rechte.
1. lieft. 1. ll.illl.'. .<.lii.-i:M;Hlt.T <•;..!!... I.:i'. \U:\vU'\\('[ w^u Jn.^cph Gch./.
1,*'.\.-^". L'.'lirt*.* n.i!. l:; Mk.
I 11. IL L'. Ili.ll'". S.J.l.-lSi.i.ll. r Sta.iip. ii!.-. i;<-:irlu-itc-t vmm Jo<tph G^tn/.
' •. -- . ^.l:.-i!.-! n.n. -j:. .Mk.
Mo Ko;. >*.);'./:! r ' • "^ •l.-iTeü des Mittelalters. 11- r.iu--'' l'.-Im'ii v.n d«'r T-Jadi-i-lifii
.-. .■;::—■:■. !;• , ■ :=.i'. I \i.!i Knt*rad lleiHrlc. L''X.-^\
Grni- •.;••'•'•: 'u'i:sv-i!.;'l-\--F(^ ;:r:d lUirterriM-ht im mittelalterlichen Konstanz.
.; ■ /'.. -.a.-: /;..-••••'. I i; :. l. T":!- I>n- Salniannoiin-.-ljt.
'■■ * ■ ■ ■■• '«i . ■ I. i;-... 1'; l\'n-t.niz«.'r <Jrundfi>-fn:iii;s--
■.•--:.:;".- -.■; ■;••• l»;Mk. I. Band. LT-W
Die Krei.-v-r!:.»<r.;ii- >l.;\i:i.:li;:;i- ] mihi iif-r -. hv.-i'.i.'Jche Reichskreis m ihrvr
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J-'r-il-'.. ' •. - I .f.-.n .: ,' . .(... N,,..., ...... I... . .'.-JM-net 11 Mk.
* V V V V
OBERRHEINISCHE
STADTRECHTE
HERAUSGEGEBEN
VON DER
BADISCHEN HISTORISCHEN KOMMISSION
ZWEITE ABTEILUNG:
SCHWÄBISCHE RECHTE
ZWEITES HEFT:
ÜBERLINGEN
WORT-, SACH- UND NAMENVERZEICHNIS
BEARBEITET VON
EMIL HAFEN
TEXTVERBESSERUNGEN
VON
CHRISTIAN RODER
HEIDELBERG
CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCH HANDLUNG
1913
V«rUfi-Nr.934
OBERRHEINISCHE
STADTRECHTE
HERAUSGEGEBEN
VON DER
BADISCHEN HISTORISCHEN KOMMISSION
ZWEITE ABTEILUNG:
SCHWÄBISCHE RECHTE
ZWEITES HEFT:
ÜBERLINGEN
WORT-, SACH- UND NAMENVERZEICHNIS
BEARBEITET VON
EMIL HAFEN
TEXTVERBESSERUNGEN
VON
CHRISTIAN RODER
HEIDELBERG
CARL WINTERS UNIVERSITÄTSBUCH HANDLUNG
1913
Verlag«-Nr. 934
I
Register.
695
L Wort- und Sachverzeichnis.
I. für I. und II. Die Wörter auf B und P, C und K, D und T, F und
nlaut sind beisammen. * weist auf die Erklärung eines Wortes in einer
e hin.; dial. = jetzt noch im alamannischen Dialekt gebräuchlich. Wo
Näheres angegeben ist, ist Überlingen gemeint.
durch Werfen, Rollen beseitigen
istein) 479.
3n, infolge Krankheit oder Un-
sfaJls schlachten 669.
n 331. 367.
Tag vor einem Festtag (Vigil) 46.
1 von Wein 480.
1 471. Siehe raiten.
id, Reichs- und Kreisabschied
601. 602.
dln, entästen 457.
das Recht, aus einem Ort weg-
hen, die Gebühr dafür 645. 646.
ht 366. 385; Acht und Bann 534;
Bann. Achter 49. 360; Acht-
371.
?, Zug nach dem Adelfisch 604.
der 46.
(hebr.), Gott 344.
chaft, orbrechtlich jetzt alle Ver-
Ite männlicherseits betreffend 690.
einmal 60. 81.
(mit siner a. hant), eigen 2.
p, Elfer 11.
, einung /., Vereinbarung, gesetz-
vereinbarte Buße oder Strafe 5.
:. 15. 53. 66. 141. 148. 312. 321,
le, alder, oder 3. 10 u. a.
st, allerbest 118.
Inglich, jedermann 9.
de, almainde, almande /, 127. 519.
;e, almuosen n., Almosen 271. 435.
566; einsammeln 227. 228. 534.
Altar 19. 71. 616. 634; Stiftung und Be-
setzung von Altären und Pfründen
616. 616. 617. 618 u. a.
Ampel /. (dial.), Lampe 619.
Amt, Gottesdienst, wobei der Geist-
liche die Messe singt 89. 428; Früh-
Amt 212. 526. 633. 636. 606; Spät-
Amt 602. 615.
an, an, äne, ohne, ausgenommen 1. 44.
45. 61 u. a.
änderst, noch einmal 77.
ane ene m. (dial.), Großvater 610; ane /.,
Großmutter 510.
angster m., Gefäß mit engem Halse 416.
anheimes, daheim 435. 454. 514. 523. 664.
Anschlag 313; anschlagen 420. 637. 638.
449.
ansprechen (rechtlich) 27. 83. 312. 612.
595; Ansprach 30. 37. 117. 290. 363.
382. 572.
antwerk n., berufsmäßige Arbeit mit
Werkzeugen, Handwerk 23. 107 u. a.
antwurten, antworten, sich verteidigen
75. 135. 173. 177. 214 u. a. Ant-
worter m., Überbringer 337. 339 u. a.
Nebenformen: zuantworten 219; in-
antworten 235 241; überantworten
180.
Apotheker, Prüfung derselben 446; Apo-
thekerordnung 439. 440. 441. 442. 443.
485. 486 u. a. Visitation von Apo-
theken 444.
Appellation 347. 361. 699; appellieren
110. 112. 160. 373. 396. 397.
Überlingen.
697
(Schwur). 198 u. a , 543. 544 (Besol-
dung). 178 (Eid seiner Frau).
Bürgermeister, Alt- Bürgermeister 1. 4.
6. 6. 38. 69. 63. 74. 84. 106. 152. 167.
168. 161 u. a.; Wahl: 22. 162 ff. 521.
522. Siehe auch Rat.
Kalkknecht 186. 259 (Fertigung). 619.
624.
Kanzleiverwalter 161. 685.
Kornherr, -meister, -messer 197. 198.
261 (Eid). 417. 623. 624.
Torkelmeister, Aufseher eines Torkels
oder einer Weinkelter 6. 23. 38. 59.
92. 116. 244 (Eid). 248 u. a.
Torhüter, Torschließer, Torwart 140.
194. 228. 236. 258.
Trager (tregel) 198. 201. 419. 421 (Lohn).
622. 534.
Turmherr 161.
Eicher 204. 258 (Fertigung). 259.
Feilträger 243 (Eid).
Fleischschauer 208 (Eid). 210. 527.
Forstherr 352. 354. 581. 695. 664. 667.
Ganter 178 (Schwur).
Garnschauer 246 (Eid). 247.
Gerberschauer 241. 242. 243.
Gerichtsschreiber 348. 518. 524.
Gred-Meister, Aufseher der Gred (wohl
von gradus) oder des Kaufhauses-,
Verweser-, Knecht 105. 194. 198. 230.
232 (Eid). 270. 419. 439. 462. 463. 464.
u. a. Siehe auch Gred.
Händler 229 (Eid).
Hauptleute 157. 197. 199. 289. 395
(Feuerwehrhauptleute). 587. 602.
Hauspfleger 523.
Häuser-, Gartenschätzer 225 (Eid).
Heiligenpfleger 220 (Eid).
Herbstverseher 410. 576.
Lederschauer 222 (Eid).
Lehrmeister 234. 235 (Fertigung).
Marktverseher 197. 199. 417. 577. 621.
622. 623. 624. 625.
Mehlschauer 263. 527; Breimehlschauer
100. 197. 215. 419. 527.
Mistschauer 214 (Eid). 679.
Mühlschauer 262. 263. 264 (Eid).
Münzer 14*.
Quartierherr 410. 527.
Rechner, Rechenmeister 184. 356.
Rebbauschauer 284. 249. 250.
Säckel meister, Geldeinzieher 179. 180.
182. 184. 185. 186. 187. 190. 193 u. a. ;
Säckelmeisterschreiber 193.
Salzherr 266 (Eid). Salzknecht 192. 228.
230. 252. 266. 474 (Schwur) u. a.
Siehe auch Salz.
Schadenstr^fer 571. 572.
Schätzer der verschiedenen Berufsarten
311. 316. 376. 637.
Schlüßler 235. 236.
Schreiber, Stadtschreiber 12. 51. 162.
163. 164. 166. 172. 223. 224. 231. 238.
260. 266 u. a.
Schuhmacherschauer 220.
Schultheiß 124. 157. 362. 587.
Schütter 198. 419. 420. 522. 623. 624.
Spendpfleger 219 (Eid). 266. 267. 268.
272. 418. 435; Spendknecht 266 (Eid).
267.
Spitalmeister, -pfleger, -Schaffner 37. 91.
125. 128. 181 (Eid). 256. 364. 365. 367.
371 u a.
Stadtbote 268 (Eid). 517.
Stadtkarrer 524. 541.
Stadtknecht, Rats- Gerichtsdiener 186.
188 (Eid). 189. 190. 191. 192. 517. 524.
527. 532 u. a. Siehe auch Rat.
Stadtwerkmeister 228. 260.
Steckenschauer 231 (Fertigung). 237.
i Strohschauer 247 (Eid). 248.
' Stubenmeister (einer Zunftstube) 398.
Stüblinsherr, -Schreiber, -knecht (die
Stube im sog. Pfennigturm) 164.
192. 194. 230. 247. 252. 258. 260. 261.
266. 270. 273 u. a.
Überreiter, Reiter, der Nachrichten über-
bringt 524.
Umgelter, Verzeichner und Einzieher des
Umgelts (Ungelts) 77. 107. 180 (Eid).
182. 207. 222. 235. 245 u. a.; 544 (Be-
soldung); Ungelterknecht 161. 183
(Eid). 195. 258. 470 u. a.
Unterkäufer, unterkfiffil 10. 77. 184. 194
(Eid). 319 320. 472. 480. 532.
Untergänger, Grenzbegeher 225. 370.
570. 597. 598.
Unschlittschauer 218 (Eid).
Wächter 186. 188.
I Wagmeister 233 (Fertigung). 270. 529. 542.
Überlingen.
699
Blut, Blutserben 310; Blutsfreund 636.
637. 638.
blütninsic, blutig wund 128. 284.
höhe /., Pechfackel? 188. 629.
boden für Faß 9*.
polite, bolite /., schriftl. Ausweis 194.
230. 247. 441. 446. 616. 647. 648.
Polizeiordnungen 396. 396. 402. 414. 430.
431. 464. 466. 683.
bom m. (dial.), Baum 164; Mehrzahl
bfim 16. 67 u. a. (Frevel des Baum-
abhauens).
borgen 193. 262. 260. 267. 311. 430. 440.
624. 634.
Bot (Gebot) und Verbot 131. 134. 176.
236. 329. 374. 696. 643. 687; Bott n,
(dial.), Angebot 341. 369. 374; Schein-
bott 337. 346. 346.
Botschaften 38. 121. 123. 140. 143. 166.
169. 383. 480; Bote 6. 20. 72. 239. 266.
626. Lohn 269.
Brache /., unbesätes Land 649.
Brand, Hausbrand 99. 126. 632.
brant, Brandstiftung 4*. 291.
Präsent, Geschenk 614. 616.
br&tenwin, Weingelage 267.
bratz, Gebratenes 102.
Bräutigam 600 ff.
Predigt 428. 660. 661. 662. 664. 676.
prest, presthaftic, bresthaft 230. 261.
Priester 14. 89. 228. 286. 317. 602. 611;
als Bürger aufnehmen 148; Verab-
reichung von Wein 183; Besteuerung
497. 498. 668; Bestrafung 663; Be-
lohnung 613.
Brise (dial.) /., Einfassung 104.
privat, privet n. (dial.), Abort 86.
PrivUeg 161. 162. 309. 397. 687. 633.
669. 676; privilegieren 264. 390. 643.
646.
process /., Prozession 622.
profant /., Proviant 289. 391. 679.
Promotion 682. 683.
Protokoll 224. 680. 689; protokollieren
224.
Brotschau 101. 372.
Prozeß, prozessieren 404. 684. 686. 686.
694. 601. 602. 672. 676. 686.
pruch m., Abbruch, Mangel 264.
Bruderschaft, religiöse 496. 614. 618.
Brugg (dial.) Anlandstelle 462
Brunst, Feuersbrunst 188. 272. 331. 674.
642.
bruse /., Brause (beim Gerber) 242.
brutloft, Brautlauf, Hochzeit 14*.
Büchse, Opfer-, Geldbüchse, Geld in die
Büchse stoßen (werfen) 161. 186. 192.
194. 200. 201. 202. 203. 230 u. a.
büßen, eine Buße auferlegen oder be-
zahlen 37. 167. 181. 182. 213. 217. 244.
283. 284. 286. 290 u. a.; bußwürdig
166. 247. 399. 408. 413. 671. 667; buß-
fällig 266. 646.
Pulver, sprengen mit 679.
Bund, Bündnis, Städtebund 47. 76. 142.
144. 146. 148. 149. 160. 321; Bundes-
genosse '240.
pupille /., die Waise 334.
Bürde /. (dial.). Bürde, Last 127. 129.
130. 162. 206. 231. 476. 617. 643.
Burgrecht, Bürgerrecht 7. 10. 69. 62.
77. 106. 149 u. a.; aufgeben 11. 63. 77.
87. 112. 304. 308 u. a.; verwirken 296.
306; erwerben 646.
Bürgschaft 6*. 68. 296. 314. 440. 446.
487. 616. 616; Bürge sein 377. 633.
Büttelamt 171. 174. 176.
kabezkrut, weißer Kopfkohl 476.
Kalk, kalch m., 618. 641; Kalkhaus 269.
260. 329. 330. 643; Kalkofen 666.
Kammer kaiserliche 43. 167. 278. 686.
587; Kammergericht 254. 396. 588.
598. 663. 673; Kammergerichtsurteil
671; Kammergut 495.
Kanoniker, Kanonikat 614. 616.
Kanzlei 224. 633. 636.
Kapelle 610. 668; bauen 597.
Kapitel, Domkapitel 614. 619.
Kaplan 496. 667. 668. 614; Kaplanei668.
610; vakante Kaplanei 616.
Kärder m., Köder für Fische 606. 606.
Karren 206. 468. 676. 679 u. a.
Kartenspiel 204. Siehe auch spielen.
Kaufmann, Kaufleute 142. 415. 623. 680;
Kaufmannsgut 209. 212. 218. 234. 261.
447.
Kaufschilling 614. 636. 637. 646.
Kaution 669. 663. 664. 671. 673. 674.
Keer m. (dial.), Keller 183. 195. 196. 203.
204. 256. 320. 416. 616.
rdebrioren, Messe lesen 664 616.
kenleU keder m., Flicklappen von Leder,
Tuch 22h
Kerze 196.
ChristetvJehrordnong &60 — 565.
Kiöfech, Kuh Vieh 484.
Kindbettenn /., Wöchnerin 27 L 49iX
507; Kindtaufe, Paten dabei 564,
Kirche 19. 37. 39. 71. 78. 134. 2i2. 220.
229. 263. 310 u. a.; Kirchgang bei
Eheschlif^ßu ngen 501, 503. 509; Kirch-
spiel 17U; Kirchenrechnung 688; Kirch-
weihe 509; 510. 62ö. 627. 669.
Kitzi (dial), Kitze n., Zicklein 468. 474.
Klage, klagen 6. 24. 33, 38. 56. 70. 71,
143. 144. 241. 283, 291 u. a,; Kläger
21. 50. 55. 124. 172. 5o5; klagbar 070;
Klagekleid (Trauerkleid) 543. 544. 545.
klobc m., Hokstück zum Vogelfang 362,
Kbmter 10. 71. 280. 646; Verkauf an ein
Kloster 310. 634; Festlichkeiten im
Kloster 506; in ein Kloster eintreten
klucken, brechen 477.
Knecht, Dienslknecht, Lehrknecht (Ge-
selle) 24. 62. 95. 104. 135. 147, 155.
157, 173. 177. 178. 185 n. a.; Salz-
knecht 524; Hausknecht 457; Schub-
kncclit 221; Gantknecht 337; Stüblin-,
Bats-, Ungelt kneeht 532; Rebknecht
248; KriegÄknecht 595. Siehe auch
unter Beanvten.
Collator 616, 617; Pfarr- und Pfründ-
collHtur 6 t 2.
komenlich, komlich, bequem 60, 76.
Gomplet /., die IcUte kanonische Höre
des Tages, Completlauten, zum Ahend-
gebot läuten 92. 615.
Kontrakt 309. 584. 585, 586. 632. 635.
668 u. a.; Kaufkontrakt 637.
Korn, Korn markt, Kornkäufer 25. 99.
193. 206. 383. 384. 438. 577. 621;
Kornordnung 416 — 423; Korn maß
216; Korn messen 197; Kornlaube,
Kornboden 261; Kornglocke 623;
Kornherr, Kornmeister, siehe Beamte.
Kramer, Gramer, Händler (hausieren-
der) 205. 228. 421. 465, 579. 669;
kranerkrärtzen, Kramerkrätze (diaj.)
ttim Tragen auf dem Rücken 421. 470.
9^
kramerie /., Kram wäre 468,
Kranit aufsetzen als öffentliches Stkäiid-
zeic.hen 583.
Kratte (dial.) m., runder Korb 468. 474;
Kratlen tragen, öffentliches Zeichen
für Spendempfänger 27 L
Krebs, Brustpanier 534,
Credenz, Beglauhigungssch reiben ^4
461.
Kreis 512. 689; Kreisstände SIL hlL
515; Kreisbeschluß 673; Kreistag
schwabischer 511; Kreisabschied 511.
512. 513. 515.
Kres, Gekröse n., das kleine Gedärm 326.
Kreuzgang, mit Kreuz und Fahne gehen
(Prozession) 228. 563; Kreuz tag 563;
Kreuiwoche, 2. Woche vor Pfingsten
348, 349.
Krieg 17. 142. 146. 176; in Krieg ziehen
87. 321; kriegen vor Gericht 4. 67;
Kriegsgefahr 679; Kriegsmann 513;
Ivriegsempörung 434; Kriepwesen
494; Kriegszeit 656. M^
Kriese /. (dial.), Kirsche 411. *^
cristafel, Vorstand einer adeligen Zunft
96. 97. 136. 137, 143. 173. 239 u. a,
crnmel, Gabel mit hackenförmig<?n Spit-
zen 264.
cuchel lotze ( ?), Wasserbehältor | ?) 257.
Kunde 576; Kundschaft, Zeugen schaft
226; kündigen 108. 187; kündbar 598.
Kurfürst 278. 449. 450. 493. 495. 552
u. a.
kürsener, Kürschner 189.
Kurrentschul den, laufende Schulden 650,
tagewan m., Tagwerk, Arbeit um Tag-
lohn 04. 478.
Taggtücke läuten, Zeichen zum Auf*
schließen der Stadttore 235, 287. 267,
danne adv., von da weg 154,
Tannen abhauen 293,
Tanz, tan Ken 500. 501, 502. 604. 577;
Tanzurdnung 45 L
tapfart m., eine Art Mantel 104.
Tauf im., noch dial. in Ostertaiif), Taufe
507; Taufstein 564; TaufgÖtti, Tauf-
gotte, Taufpaten 607.
Taverne /., Schenke 655. 656.
Teil, Anteil, Teilung 112. 298. 299, 63L
635. ^
Überlingen.
701
Delinquent 699. 671.
tennin adj., von Tannenholz 205.
Termin 672, 602. 629. 638.
TesUment 86. 278. 306. 327. 334. 638.
639. 646; testieren 639, Testierer 310.
dester, desto adv. 62. 156. 164; dest pas,
desto besser 229. 414. 496.
th&ding, d&ting /., Gerichtstag, Ver-
handlung, Unterhandlung 32. 74. 173.
290. 340. 341; tagedingen, tegedingen,
teidingen, gerichtl. verhandeln 32. 133.
290. 366.
Thaler (Mansfeld'sche, brandenburgische,
württembergische, märkische) 550.
thumb, Dünger 595.
Dienst m., Dienstbote 70. 100. 170. 171.
207 u. a.; Dienstleute, Dienstboten
(Knecht, Magd) 43. 45. 51. 86. 123.
124. 133 u. a.; Dienstboten abdingen,
sie vom Dienst abwendig machen 458.
dienen einem Herrn, der Stadt 7. 14. 62.
67. 94. 203. 240. 314 u. a.; in Dienst
treten 306; Dienst kassieren 582.
diero, dero, deren 6.
diet täte 2*.
Tigel m., Schraelztiegel 188.
dick, dikke, oft 4. 9. 10. 11. 21. 49. 61.
63 u. a.
timel, dumel, dunkel, trüb 258.
dinge aller, gänzlich 44.
dingen, einstellen, unterhandeln 70. 467.
dings adv., auf Borg 97. 137. 324.
Dinnete /. (dial.), kuchenartiges Brot 207.
Distrikt 639. 686. 689.
Doctor medicus, siehe Arzt.
Toi de /. (dial.), Krone eines Baumes 352.
666.
Tonne 465. 472.
Dorf, Dörfler, siehe Überlingen.
Torkel (torquela) benützen 6. 18. 23. 37.
69. 92. 94. 113. 244. 316. 316 u. a.
Totschlag 12. 64. 63. 82. 281. 284. 286.
288 u. a. ; mit Tod abgehen 296. 301 ;
Totfall 639. 640. 641. 646; Toten-
bett 327.
drab, darob, davon 14*.
trahte /., Tracht, Gericht von aufge-
tragenen Speisen 502. 507. 508. 509.
510 u. a.
dramen, mit Balken versehen 20*. 72.
trat /., Weide 139. 140. 170; trib und
trat 354. 654. 655. 687; traten, wieder-
treten, weiden 170.
Tregel m., Träger 198. 201. 419. 420. 522.
534. Siehe auch Beamte.
dremel m., Balken, Riegel 129. 667.
dri, drü, drei 2. 4.
triben (dial.), Vieh treiben 154.
trieter, tritel, Fischgebiet 607.
Trinkstube 87. 97. 137. 195. 198. 199.
206. 251. 271 u. a.
Trog m. (dial.), Truhe 470.
trote /., Kelter 410. 576.
Truche (dial.) /.. Lade, Kiste 441. 470.
518. 579
Truchseß 502.
Trunkenheit, Verbot derselben 425. 426.
659.
Tuch verkaufen 105. 201. 246; Tuch-
mann 205. 416; Tuchhaus 421.
Duge (dial.) /., Faßdaube 476. 478.
dugen, nützen 8.
Dukaten, Doppeldukaten 552.
dult, tult /.. Jahrmarkt, Fest 9. 83.
durchbuschen, durchschlagen (vom Na-
gel) 450.
Türkengebet 380. 562.
Turn m. (dial.), Turm als Gefängnis 75.
78. 161. 172. 176. 197. 199. 223 u a.;
Kost im Turm 173; Turnlöse, zu be-
zahlende Gebühr bei Entlassung dar-
aus 238. 543.
eehaft, ehehaft, ehaftig, rechtmäßig 1.
79. 128. 150. 251. 365. 394. 402. 494.
572; Subst. eehaft, eehaftin /., Recht,
rechtmäßiger Anspruch 43. 44. 424.
452 675. 655. 666
Egli, Barsch (Fischart) 605.
Ehalte eehalt (dial.), Dienstbote 77. 107.
189. 234. 241. 334. 370. 583. 684.
Ehe 294. 299. 301. 674; Ehewirt, Ehe-
mann 272. 412; Ehe versprechen 371;
Eheverbot 10; Doppelehe 640. 641;
Ehebruch 54. 333. 598. 663. 671; Ehe-
gemächt, Eheteü 110. 112. 296. 297.
298. 300. 301. 302. 334 u. a.
eichen, ichen, eichen 204. 320. 480;
eich /., obrigkeitliche Maßbestimmung,
Eichamt 273; an die eich kommen,
legen 183. 256. 615. 516.
Überlingen.
703
nachtsordnung 451; Fastnacht als
Beginn der Gerichtstage 349.
Fastenzeit, Fasten, Fasttage 89. 134.
332. 379. 422. 461. 618. 637. 603. 606.
federn, mit der Federangel fischen 606.
vehen, hassen, befehden 146.
feilsen, handeln 621.
Fell, Haut (Geiß-, Kalb-. Schaffell) 206.
222. 241. 242. 464. 471.
felbe, velwe /., Weidenbaum 2*. 257.
veitsiech, aussätzig 19. 71. 310. 634.
fenklich, gefangen 251. 329. 598. 672.
679.
verainunge, siehe ainunge.
verantworten, siehe antworten.
verbannen, siehe Bann.
verbürgen 148. 149. 292. 314. 622.
verhüten, mit Beschlag belegen sin phant,
sin aigen 73. 290. 313. 427.
verdienen, durch Dienstleistung etwas
erlangen 6.* 116. 202. 244.
verdingen, durch einen Vertrag binden
488.
verfallen 43. 126. 127. 128. 129 u. a.
verfangen Gut, Gut, über das der über-
lebende Ehegattenteil nicht verfügen
darf 88. 110. 297. 298. 300. 301. 303.
315. 334; Verfangenschaft 300-303.
verfürn, wegführen 8.
verganten 187. 239. Siehe auch Gant.
verhaften 83. 173. 238. 239. 346. Siehe
auch Haft.
verheiraten 318. 631. Siehe auch Heirat.
verkaufen, Verkauf von Gütern 637. 638;
von Vieh 379; an ein Gotteshaus ver-
kaufen 375. 426. 427; Verkäufer 202.
verkeren, umkehren, rein halten (Wagen)
219.
verkuppeln 334. 372. 674. 631.
verlaidigen, verhaßtmachen, verleumden
188.
verliesung /., Verlust 157.
verlihen, in Miete geben, verleihen,
schenken, verlihen ze hüsern, aus-
leihen (Feld), damit Häuser erbaut
werden können 21. 108. 175. 200. 312;
an Juden verleihen 385.
Vermächtnis 313. 639; vermachen 302.
vermannen, sich, sich verheiraten 305.
Vermögen 298. 316. 331. 499. 567. 639.
646. 661; des Ledigen oder Witwers
634; der Frau 632; liegend und fah-
rend Vermögen 631. 643.
verpfänden. 36. 173. 630. 632 Siehe auch
Pfand.
verpf runden, siehe Pfründe.
verrichten, in Ordnung bringen 45.
versagen, verleumden 188.
verschalten, verstoßen 203.
verschinung /., Ablauf 212. 343.
verschweigen 167. 183. 231. 232. 251.
265; bis ins Grab 223. 262.
versehen, die hl. Sakramente reichen 162.
versetzen als Pfand 34. 86. 117. 118. 268.
289. 290. 311. 397 u. a.; doppelt ver-
setzen 91. 111; Güter 334.
versteuern 68. 112. 114. 115. 463. 467.
643. 646; siehe auch Steuer.
Vertagedingen, verteidingen, vor Ge-
richt ziehen, verteidigen 341. 397.
vertigung /., Ausfertigung 46. 175. 190.
252. 266. 264. 271. 329 u. a.; fertigen,
abfertigen 180. 191. 196. 199. 201 u. a.
Vertrag schließen 333. 652. 570. 602.
652 u. a.
verungelten 76. 107. 255. Siehe auch
Ungelt.
verveilen, verkaufen 311.
Verwandtschaft bei Wahlen 405.
verweisen aus der Stadt 249; aus dem
Gerichtsbezirk 378.
verwirken, verlieren (Lehen, Dienst) 285.
296. 623. 645. 685.
verzihen, lossagen von 44. 77. 114. 202.
verzollen 467. 468. 621.
Vesen (dial.), der unenthülste Spelz 25.
100. 205, 416. 555. 556. 557. 611. 617.
622.
Vesper, nachmittägiger Gottesdienst 163.
212. 428. 615.
veste adj., ehrenfest 154.
vestenen, festsetzen, bestätigen 34.
vesti /., Burg 48. 145.
Feuersgefahr, -not, -brunst 82. 272. 331.
334. 396J 642. Siehe auch Brunst.
viant, Feind 2.
Viehweide 11; Vieh auf fremde Äcker
treiben 381. Siehe auch Weide.
vigilie /., Gottesdienst am Vorabend
eines Festes 372. Siehe Abend.
Überlingen.
705
gar (adv.), ganz und gar 44. 208; garuß
sein, leer sein 76.
garden, herrenlos umherziehen 613. Gard-
knecht 595.
Gast, Fremder, der nicht wenigstens
Schutzbürger ist 2. 3. 9 27. 54. 57.
76. 78. 91. 105. 115 u. a.
gastgeb, Gastgeber 17. 76. 107. 254. 265.
256. 372. 378. 507. 508 u. a. ; Gast-
wirt 203.
Gastunge, Bewirtung 76. 107. 189. 200.
260. 267; Gastmahl 190; Gastherberge
255. 256.
gater (dial.), Gitter als Tor 466.
gebannen (bannen, ge-verbieten), ge-
bannen tage, gebotene Feiertage 428.
559. 561.
Gebew n. (dial.), Gebäude 156.
Gebot (Gebot und Verbot) 16. 135. 137.
139. 167. 215. 259. 279. 285. 318. 376
u. a.
gebrest m., Gebresten, Mangel 39. 150.
169. 213. 229; gebresten, mangeln 101.
Geburt vertreiben 487.
Gebüttel = Büttel, siehe Beamte.
Gedinge n., Vertrag, Übereinkunft 7. 10.
39. 47. 59. 70. 214. 314. 323. 614. 619.
Gefängnis 139. 140. 141. 172. 176. 228.
238. 282 u. a.; Gefangener 173. 543.
553 (Beköstigung). Gefangenschaft
161.
gefider w., Federbett 229.
gefille n., Unterfutter 104.
gegeni (dial.) /., Gegend 154.
gehaft adj., gebunden 66.
gehalten, bewahren, aufheben 6.
gehebe (dial.), haltbar 264.
gehuse, Insaße, Bewohner des Hauses
22. 74.
Geige, zur Hochzeit spielen 501. 502;
als öffentliches Schandzeichen 672;
aufs Geigenbänkle sitzen 583.
Geil (dial.) = Mehrzahl von Gaul 512.
geilen, betteln 200. 273.
geinnern, erinnern 22.
Geistlicher 12. 14. 44. 51. 64. 66. 82. 86.
124. 142. 147. 157. 190 u. a.; Geistl.
Stand 300; Geistlichkeit 679; Ein-
kommen der Geistlichen 617. 618. 619.
620; Pension 498.
Geld leihen, zahlen 81. 88. 137. 145. 173.
175. 179. 187. 203 u. a.; Wettgeld, d. i.
gerichtliches Bußgeld 94; verboten
Geld 232; um Geld spielen 185. 414.
geleben einer Sache, sie befolgen 227.
245 u. a.
geleger n., Lager 144. 145.
gelenke n., Falte 104.
geleuth (geliuhte, Glanz), hell, geläutert
(was beim Keltern hell herauskommt)
245.
gelichlutter, gleichermaßen 189.
gelte /. (dial.), hölzernes Gefäß für Flüs-
sigkeiten 213. 228. 468. 475.
gelten, bezahlen 6.*
Gemeind /., etwas Gemeinschaftliches,
gemeinschaftlicher Besitz, die Ge-
meinde 12. 22. 27. 28. 64. 88. 93. 99.
124. 157. 254. 288 u. a.; Gemeinde-
recht 88; Gemeinder, Mitbesitzer, Teil-
haber 88. 103. 248. 249. 250. 580. 642.
gemeinsamen, Gemeinschaft haben mit
17.
genge adj., verbreitet 274.
geniez m., Genuß, Nutzen 164. 167.
Gerber 103. 241; gerben 222. 241.
Gereut n. (dial.), ausgereutetes, urbar ge-
machtes Stück Land 369.
Gericht, Stadtgericht (Ober- und Unter-
stadtgericht) 6. 12. 39. 44. 45. 50. 55.
64. 67. 112. 127. 138. 158. 159. 172
u. a.; Besetzung 280. 683; Gerichts-
ordnung am Stadtgericht 345. 346
Unterstadtgericht 237. 329. 336. 337.
338. 339. 345; Oberstadtgericht 237
345. 404; Richter am Unterstadt
gericht 530; Gerichtswahl 626; hohes
niederes Gericht 131. 134. 170. 352,
354. 595. 597. 654. 655. 663 u. a.
Gericht, Zwing und Bann 170. 369
Gerichtszwang 309. 313. 570. 597. 599
fremde und auswärtige Gerichte 59.
232. 335. 359. 575; zitiert werden 371
647. 648; befreit werden 123; Hof-
Landgericht 307. 358. 369. 360. 366.
377. 378. 385 u. a.; Gerichtsbarkeit 594
bis 602. 652—677; Gerichtshandlung
223; Tag 161. 173. 174. 239. 660;
Ort 686; Gerichtsstube 348. 387. 521.
522; Gebühren 348; Gerichtsstab
Oberrheinische SUdtrechte. IL 2.
45
im
Überlingen*
235, 366; vor GöHcht streiten ß7. 334;
laden 314; zieben 313; Omriit ver-
künden 173; ryKcht*« 128; GerichtB-
büchse Ul; geisU. Gericht 17. 68,
295; Gastgencbt 340; Bpilalgericht
2m. 309. 310. 31 L 31«. 428; Satzun-
gen 12Ö; Gerichlsoranung 366. 367;
Maiengericht ^^ letüle Sitiung des
Unterstadtgerichts 348; Malefizgericht
160 (Ordnung). 333. 306. 614. 643. 588.
6B1 u. a.; Gerichtsherr 352. 36?«. 379.
382. 387, 655; Ge rieh Ifik nee ht 338.
330, 341; Gürichtsvemandter 377;
Gerichtsangphöriger 555,
ÜeriehlÄ(GrpnK-) marken setien 60O.
geringsumb, gprin^ herumb, ringsum
383. 601.
geruchlichen adv. ruhig, ungestört 51.
gesaexe n., Belagerung 14&.
geseheichen, geschaht?» 70,
geschell n.. Schall, Lrtrrn 13.* 66*
geschläg; Schlagorf^i 251.
OeschleehterÄöiift, in Überlingon Löwen-
Zunft genannt 406»
Geschworene der Stadt 89. 360,
Geselle, Knecht, Handwerksgeselle,
ZunftmitgHed 5. 23. IM. 144. 415. 439.
451. 500. 506. 509. 566; Mitgeselle
loa
Gesa^herer, Wirt, der sein Gewächs aus-
schenkt 182. 195. 251. 320. 323. 480.
579.
Gesellschaft halten 165, 167, 100. 411.
Oesinde, Hansgesinde 97. 487, 512. 5 IB.
514. Dlö.
gesippet adj., vfrwandt 109. 451,
gestinen, schäumende Wogen 214.*
gestracks, sofort 546 589. 590. 591, Siehe
auch stracks,
geswistergit n„ Geschwister 159. 301,
446 446. 508. 575.
Getat = Tat 143.
Oetli (dial.), Göte, Pate 451. 507,
gev&chig, fähig 69.
gev&rde «., Betrug, an gev^rde ohne
Hintedist, aufrichtig *K 13, 23. 26, 31.
37 u. a. ; gevärlich, hinti^rlistig 69.
gewatt, bettgewall n,, Bettzeug 229, 468.
gew&te fi,. Kleidung 227.
gewetie n., Verpfändung 82.
im;
i
Gewerbe 217. 220. 230, 3^. S84 41ft-
431, 446; Gewerbrwesen 90.
gewern, he^ahlen 44.
Gewicht 520. 531. 543. 544; tabchfe i
Gewicht besichtigen 180,
gewiht, geweiht 82, 599; geweihte Pte^
sonen 288.
Gewinn 108. 137, 219, 323, 371 316,
418 u.a.; gewinnen 127. 2ia Sm,m.
330.
pwirsot von wirsen» verletsen £,• IflL
56. 58.
geitig, &iehe Zeuge.
giessi f., üb<^rfchwpmniung 327.
Gilt in Apotheken 4H7; giftig 440,
Gläubiger 86. 298. 300, 314.329 343. 633.
^ibd, gelübde n., Gelübde 169. 283, 3^
401, 500. 513, 580. 6ö3.
globoUf Glaubensbekenntnis 227,
O lockenschlag als Zeitpunkt zum B^
ginnen der Arbeit 187. 25 L
glöff n„ Auflauf 13. 65. 288. 291.
Goldene Bulle 158.
Gold I6tiges (I6t«?c adj., voll wichtigt*!
157. 278 35L 362. 384. 365, 586, 587.
609. ^
Gotta (dial.), Patin 461. 507.
Gottesdienst 610. 614; Benehmen w4h-
rend des Gottesdienstes 560, 561. 562,
663. 564. Verbot aller Arbeit währe ad
desselben 560. Gotteshaus (Kloster)
19. 142. 151. 152. 241. 242, 248. 254
u. a.; Gotteslästerung, Strafe dafür
326, 380. 465. 456. 496. 560. 577. 624.
Grat 167, 179. 190, 450. 460, 461. 503.
510 u. a, ; Freigraf 562.
grans m.^ Schiffsschnabel, BaucJi 411.
grasen, grasen lassen 293. 647.
Gred (wobl von gradiis), Kaufhaus lU
übeHingen (auch anderwärts, so in
Meersburg, Lindau) 105. 166. 169. 197.
198. 199. 200. 201. 202. 230. 236. 243.
261. 269 u. a.; Gredordnung 621 -
625; Gredgeld 230. 232. 41S. 419. 462.
463. 464, 405. 469 u. a.; Gredglooke
lüuten, Zeichen des Marktbeginaes
438; Gredmeister, siehe Beamte.
Grempler m., Kleinhändler 269.
Griseh (diaL), Mehl mit Kleie 266. W.
grüne /., bewachiener Ort 218.
Überlingen.
707
gült /}., Einkünfte, tragendes Gut 10.
22. 136. 497. 687. 690; mitgülte m.,
Mitbürge 331.
Gupfe (dial.) m., Spitze 604.
Gut liegend und fahrend 11. 87. 121. 236.
278. 290. 296. 299. 300. 306 u. a. ; an-
gefallen Gut 86. 296. 631; verfangen
Gut, siehe verfangen, Gut verkaufen,
verleihen, versetzen, verpfänden 111.
369. 630. 636; Eigen-, Lehen-, Zins-
güter 133. 666; Verkauf an Klöster,
Kirchen verboten 634.
gütemtag (= Wodanestag), Montag (im
Schwäbischen) 31.
Habe /., Habe, Eigentum 239. 264; Hab
und Gut (liegend und fahrend) 297.
298. 307. 317. 360. 361. 497. 498. 666.
667. 686. 632
häbig, wohlhabend 633.
Haft, Bürgschaft, Beschlagnahme, Haf-
tung 113. 173. 239. 344. 346. 613;
haften, verhaften 344.
haige (dial.), Konjunktiv Praes. von
haben 8.
haimen, heimnehmen 182.
haimsen, einheimsen 184.
haiung. Hegung 603.
haingan, anheimfallen 96.
Haken, Einfach- und Doppelhaken, klei-
neres Geschützrohr 409.
halde /., Abhang, steiler Abfall der Ufer
im See 164. 604. 606.
Haller = Heller, siehe Münze.
halsherr, Herr über den Hals- oder Leib-
eigenen 318.
halten, weiden 61.
hamme (dial.) /., Hinterschenkel, Schin-
ken 102. 210.
Hand abschlagen als Strafe 17. 68. 91.
IIL 139.
Handwerk 217. 226. 316. 431. 477. 616;
Verbot 84. 107; erneuern 66; Hand-
werker, Handwerksmann, Handwerks-
leute 397. 409. 410. 497. 666; Wander-
schaft 648. 649; Änderung der Satzun-
gen 439
Hanf, Hanf und Werk 270. 374.
hantveste /., Verbrief ung 42.
harnasch m., Harnisch 144. 240. 366. 434.
489. 612. 534.
Harz, harzen, Haizordnung 666. 676.
h&ss (dial.), Kleid 104. 227.
Hau (dial.). Holzhau 374. 664. 666.
Haupt abschlagen 279. 289.
Hauptleute, Hauptmann 79. 167. 197.
199. 289. 687. 602; Feuerwehrhaupt-
mann 396.
Haut 241; Haut und Haar 131. 170;
gegerbte Haut 471; siehe auch Fell.
Haus, Hausgerät (husrat) 227. 476;Haus-
knecht 467, siehe auch Knecht; Haus-
mühle 264; Hauswirt 287. 342. 629;
Hauspfleger 623; Hauszins 343, siehe
auch Zins; abbrechen von Häusern
verboten 113; abbrennen verboten 21;
Aneinandergrenzen von Häusern oder
Hofstätten 20.
Hebamme 267. 486. 488. 681; Heb-
ammenordnung 489. 490. 491.
Heirat, Heiratsgut 86. 298. 301. 311. 312.
632. 660; Heiratsvertrag 639; hei-
raten, verheiraten 304. 306. 336. 374;
heiraten von Fremden 666; aus der
Stadt 304. 318. 631; außerhalb des
Gerichtsbezirkes 297.
helfe /., Hilfe 6.
Heiberge 113. 187. 460. 600. 610. 612;
geben 227; herbergen 366; offene
Herberge 190.
Herbstzeit 641; Herbstmahl 629. 630;
Herbstverseher, siehe Beamte.
herdishalb, diesseits 171.
Herrengülte /., Einkünfte des Grund-
herrn von einem Gute 261.
heselin adj., von der Hasel 477. 478.
hessen, hetzen 669.
heurling, ein aus dem heurigen Jahr
stammendes Stück Vieh 668.
hinlichen, ausleihen 220.
Hintersaße, der hinter jemand, im Schut-
ze jemandes Sitzende, Schutzbürger
138. 157. 236. 266. 269 (Eid). 309. 312.
363. 364. 366 u. a.
hinz, räuml. und zeitl. bis 33.
Hirte, Alter desselben 358. 662.
Hochzeit 261. 469. 460. 609. 681; offene
und geschlossene 602; Bürgerrecht
erlangen 646; weltliche und geistliche
Hochzeiten 605. 506; Hochzeitsord-
nungen 499-603. 606.
45*
ftrlSngen,
Hof 665. bm; Hof gut 650; Hof mite?
na; Erbr^tht 566.
Hüf&tati IL Sil IL 74 83. 151. 31G.
322. 45ö. 4117. \m. 5B3 u. a.
Hoffiiiibe (hüslube diaL), Zusammen*
kommen (aheuds) in den Bauern-
häusorn 18S*.
Hohe Gerkhtsfalle, eithe Gprlrht.
houbütgülte m., der eigentl. Schiildimr
Im Gegensatz ^um Biirgpn 33ö.
hoiibetsacher, HHUittiirhd>er 225,
houpt (hßpt), Haupt, vom Mpi tun,
töt^n lö; hnptgftt, Kapilal ^. 83. 322,
3S0. 655. 559. ölö. 619 u. a.; hopt-
recht n., das Recht eine Kopfsteuer zu
erheben 318.
ho%'egülte /., HofKins 569,
Htlb^r. Erbleheiibauer 570, 6&3. Hub-
geld, Abgabe von emer Hubt- (Huf)
141
hüth /.. Hecht 1Ö4.»
Hunde lauföu lassen Mh 667.
Hurwd ms, 663. liil.
Hürling, Fisch |Bhiufeldi«fn^ 11*3. 6ö5.
Siehe auch Fi*ch.
huaen, hauspn, Unterkunft gewüliren
144. 2411.
husgesinde m.^ Hausdienstboieu 22. 74.
129. 414. 465. 583. 584.
hüBgewant, Hausrock 190.
hüshabelich, anBilllig 148. 14H, 3DG. 312.
Hnsfe (dtaL), Haushälterin 1811
husrftchij aigen, eigener Herd in?,
Jahr, Jahresfrist 311. 353. 661; Jahr-
gericht 663; Jahreslühn 578; Jahr-
markt 2(H. R92. 393, 464. 466. 47ü
y. a. ; Jahrtag, jährl. Gotlesdicnst für
einen Verstorlumen 372.
jahrgeliih adv., jiihrlkh 31».
Jährling — ein Jahr alt 568. 651.
iejnan, jemand 2. 3. 4 u, a.
iend(*rt, irgendwo iUh
jenen t, jenseits 589,
jelen, jäten 23.* 92.
iche /., Eichamt 77.
ichl (dial.) echt adv., ehva 19. 2u. 26.
33. 169 u. a.
Imbiß einnchiiien 2i»l 228. 249. 267.
268. 483 u. a.
imbten, impfen (vcm Bäumen) 317,*
Imi, Imme n,, HoblmatK (viertc^r lv\[
eines Simri oder Söstors) IW. 24»5.*
216. 217. 264. 466. 530, 53L 6U
Imnj^ (diäbh Bienen Schwann 206. 473.
ing**sinile /i., Gesinde 4L
Inkorporfition von Kirt*ben 630: tß-
korporieren 612, GIT. 6ia
Innerei, innerhalb, irgi^ndwo €7. IL ZU
Inquisition halten 434.
Iftsigcl, Siegel 31. 32. 117, lia. im lü
122. 123 u. a.
Instant 396. 397,
invaht^n, ^infangen 20,
Investitur, investieren 616.
irren, stören, hindern, in V^rwirning
bringen 3. 21. 44. 51. 124. 137 14Ö u. *
irtung, Ürte /., Zeche 267. 327. 565,
Jucharl /., Jauchert, soviel Ack^^rfrld
man mit f*inem Joch Orhsc*n an ciiiitiu
Tag umpflügen kann 171. 557, 5Si
647.
Juden 16. 32. 33, 34. 36. 89. IfL ISl
127. 3t»7 u. a.: Juden tu Bilrig^rffi
niadum tl; Steuer der Juden 4i,
Gt*scjliaitsv<;rkelir mit ihn*?ii 376. 3*v|.
429. 430; Judenfriodbof öS. 121;
Judeneid 344. 345: Judenfirivilegium
583—688. Feld an Juden verleihe«
385.
Junggeselle, Vergehen desselben 412,
426.
Laden haben 269. 467,
löge). Leget |dial.) f., ein längliches hH*
zernes Gefäß 464. 467.
Laich 602. 603; laichen 4fJl; Laich*
fisch 212.
Laie 286; Laienpriester 596.
Laim (dial.), Lehrn 16.
Lais (dial.K Geleise 267.
Landfabrer 142. 514; Landfriede all
612. 616, siehe auch Friede; Land-
gericht 69S^. 661. 686, siehe auch «>-
rirhti Landleute 17. 68. 302. Land^
ri< hter 362, siehe auch Gericht ; Land-
&trüße575. 598, 666. 663. 675; saiib-m
595; Landstreifer 437; Landlag W-
surlien 80; Landvogt 124, siebi? ilKib
V«>gt.
landpriäst m., Schaden^ Mangel für dm
ganze Land 496. ^
Überlingen.
709
Lantwatte, enge, große Netze 154.*
Latwerge /., eingekochter, dicker Saft,
Latwerge 444.
Laube, Vorbau an einem Hause 450.
Lauche /., Grenzzeichen 652.
lauten 208. 605, an den Rat d. i. zur
Ratssitzung 399.
Ledergerber 222.
Lehrmeister 234 ; in die Lehre gehen 235.
Lehen 84. 126. 368. 497. 555. 556.
Lehensherr 94. 248. 249. 250. 368 u. a. ;
zu Lehen machen 312; Lehengüter
249; Lehenhof 687; Lehenfrau 596;
Erb- und Schupflehen 556. 687; be-
lehnen 662.
Leiberbe 296. 297; Leibsteuer 557; Leib-
strafe 582; an Leib und Gut bestrafen
630; Leibeigenschaft 114. 157. 366.
373. 378. 500. 687; Leibeigener 644.
672.
Leinwand (Verarbeitung) 105. 190. 464.
471.
Lerntochter 106. 107.
letzin /., Schutzwehr 79.
Leutpriester, Pfarrgeistlicher 66.
Libtinge, Leibgedinge, ein auf Lebens-
zeit zur Nutznießung ausbedungenes
und übertragenes Gut 10. 12. 14. 64.
181. 310. 311 u. a.
Lidion n., Liedlohn 341. 368. 650; Lied-
löhner 343. 344.
lin m., leinenes Kleidungsstück 253.
linden adj., aus Lindenholz 449.
linlachen n., Bettuch 253.
low n., Gerberlohe 474.
logene, lugene (Laugele dial.), kleiner
Fisch 103. 475.
Lohn, Belohnung, Besoldung 202. 204.
215. 216. 229. 252. 261 u. a. ; Taglohn
499; Lohnordnung für Dienstboten
457. 458. 459; Lohn für Handwerker
481. 482. 483; für Küfer 477. 478.
479; für Rebarbeiter 457. 458; für
Schneider 450; Lohnwäsche 253;
Lohn geben 204; Lohnleder 242.
Los werfen 354.
lose /., Leichtsinn 249.
Lot n., Blei (als Munition) 409.
lAtic, vollwichtig 43. 356; Ifttiges Gold,
Silber, reines Gold, Silber 119.
lougen n.. Leugnung 358.
Löwenrat, siehe Rat in Überlingen.
Lügen (Verbot) 126. 136. 370 u. a.; siehe
auch fluchen.
Lum (dial. Lung) Achsnagel 450.
lümde m.. Ruf 46.
lut /., Wortlaut 49.
lüterung, gerichtliche Entscheidung 88.
lützel, wenig 39. 101. 151. 204. 490.
Made (dial.) /., Schwade beim Mähen 171.
Mäder m., Mäher 459; mähen 370. 670.
674.
mage m., Blutsverwandter 27. 300. 405;
magschaft 350; mütermag. Verwand-
ter von mütterlicher Seite 148.
Magd 189. 268 (Beschäftigung). 226
I (Krankheit).
Magistrat 582. 626. 631. 632. 635. 637.
Siehe auch Rat.
Mahl, Mahlzeit (vor und nach den Wah-
len) 522. 523. 528; Pfingst-, Herbst-
mahl 521. 524.
maiden, Hengst 81.
Maien hauen 546. 580; Maientag 293.
Maier, Oberbauer, in dessen Namen die
niedere Gerichtsbarkeit ausgeübt wird
129. 374. 379. 436. 536. 557. 674.
Malefiz /i., hochgerichtliche, peinliche
Sache 333. 396. 543. 588. 591. 598. 627.
663. 671; Malefiz-Obrigkeit 514. Male-
fikant 689; Siehe auch Gericht.
Malter /i., großes Getreidemaß 25. 98.
100. 126. 200. 202. 205. 267 u. a.
manig, manch, als manig mund als
manig pfund (Sprichwort) 301.
Manmad /., ein Flächenmaß für Wiesen,
was ein Mann an einem Morgen mäht
649.
mannen, heiraten (von der Frau) 69.
manot, monet, Monat 19. 71. 79. 113.
115; Monatsfrist 645.
Mannrecht /i., Beurkundung des freien
Standes 534.
mantag, Montag 40.
Mark, Grenzmark, Markstein, Etterstein
61. 127. 133. 352. 369. 370. 381. 591.
597 u. a.
Markt in Überlingen 25. 26. 86. 95. 179.
207. 247. 384 u. a.; Markttage 198.
200. 340; Marktrecht 21. 74. 669;
Überlingen.
711
nihtzit, nichts 54. 174. 200. 217.
Nonnenmacher, Tierverschneider 669.
Nöst (dial.), Äste 361.
Notwehr 21. 24. 55. 73. 282. 573.
notzüchtigen 288.
nüschenit, nichts 2.* 3; nütz, nichts 206.
Nutznießung nach dem Tode eines Ehe-
teils 631.
Obrigkeit 227. 246. 272. 282. 284. 286
u. a.; geistliche und weltliche 332;
Obrigkeitsmarken 600; forstliche Ob-
rigkeit 591; Oberbeamter 663.
Obligationen machen 684. 586. 646.
br n., Erz 463. 469.
Organist, Bewirtung desselben 602. 603.
618.
Orden, Ordenspersonen, Ordenspflicht
605. 606. 607.
Ostern 164. 606; Ziel zum Steuerzahlen
644.
Quartier, Quartierherr 402. 404. 406.
409. ^42. 621 u. a. ; Quartier-, Wirts-,
Gesellenhaus 406. 425. 466. 601. 504.
Siehe auch Zünfte.
Quatember, Vierteljahr 269. 272. 616.
617. Siehe auch Fronfasten.
Quittbrief m., Quittung 116.
Raitung/., Rechnung, Rechenschaft 185.
262. 266. 267. 638. 539; Weinraitung
381; raiten, zurüsten, bereiten, zäh-
len, berechnen 27. 419. 433. 471. 476.
482. 536 649 551; auf- und abraiten
185. 189. 266 473. 498.
raise, Zug, Kriegszug 8. 80. 138. zu raisen
ausziehen 289.
Rat (Stadtrat) der, alte und junge, später
große und kleine 1. 4. 6. 12. 16. 22. 24.
34. 35. 37. 41. 44. 62. 65. 94. 101. 135
u. a.; Eid der Räte 169. 399. 400:
Bürgermeister und Rat 36. 37. 52.
116 u. a.; Rat, großer und kleiner,
Bürgermeister und Zunftmeister 62.
108; Bürgermeister, Rat und Bürger
116. 120. 121. 122. 123. 124 u. a.; Rat,
Bürgermeister und Gemeinde 166;
Rat (großer und kleiner), Bürger-
meister, Ammann, Ratsknecht 54. 67 ;
an den Rat setzen 62; Wahl des
großen und kleinen Rates 114. 162 ff.
626; Zugehörigkeit von Verwandten
91. 108; in den Rat bieten 188; Strafe
für Fernbleiben und Zuspätkommen
der Ratsherren 386. 387; Vermin-
derung des Rates 681. 682 ; Änderung
der Wahlordnung 389. 406; Ausschluß
von Verwandten aus dem kleinen Rat
110; Entfernung aus dem Rat 63.
66. 76; gesessener Rat 91. 227; Rat-
und Gerichtsordnung und Änderung
396. 397. 401. 402. 403. 404. 405;
Ratgeb 6. 68. 404; Ratsknecht 60.
100. 161. 191. 625. 542 (Besoldung).
543; Rathaus 462. 530; Ratsstube
169. 386; Ratsbuch 187; Ratstag
402; Ratsprotokoll 666; Ratsglocke
1; läuten zu Rat 52. 167; Löwenrat
d. i. in der Löwenzunft 263. 622. 623.
526. 681. 682. 683. 684. 686; Eid der
Räte 164. 166; Zusammensetzung des
Rates 280. 332; Gebühr der Rats-
herren 386; gewesener Rat 396.
Reben, Rebbau 7. 11. 16. 18. 23. 87.
380. 414. Rebarten 642; Anpflan-
zungsart 437; Rebbauordnung 92.
260. 666. Rebleutezunft 243. Lohn
der Rebleute 92. Rebknecht 248;
Weinbergarbeiter 18.
Recht, Rechtstag 342. 602; Rechts-
streit 588. 591. 698. 678; Rechtswohl-
tat 633; Rechtfertigung 368.
rechthengig, rechtsanhängig, in einer
gerichtlichen Rechtfertigung stehend
366. 634.
Register 190. 223. 224. 266. 333. 689;
Registratur 224.
Reich, Reichsstadt 49. 656. 656. 669. 660.
680; Reichstag 264. 683 (Abschied);
Reichshofrat 676. 676. 677. 681;
Reichslehenbrief 664.
Reitgeld nehmen von Amts wegen 182.
Reisgeld (für den Krieg) als Auflage 318.
Rentamt 641; Rentamtsverordnete 642;
Rentstublein im Rathaus 305.
Reservation 498. 663; reservieren 663.
668.
Reutin (dial.) /., Stück Land, das durch
Ausreuten urbar gemacht wurde 381.
Revental n., Refektorium, Speisekammer
in einem Kloster 162. 163. 164. 168.
7\2
Ob«dingen.
n^tfipi 44L 442. 44S. 452. iSl. 489;
KoEeptbuch 442.
Richter 4. 136, 1&7. 164. 166, 174. 181.
233. 404. B23, Ö2ö, 587; Rlchtc^r-Eid
168 400; Wahl 526; Rkhtermahl
686; Rkhlstfltte666; Richterordnumg
396, 3'J7; Ob^rnditer 347; Land-»
Hofrkhtör 124, Ö81; Richter redu-
deren 6S1. ö&2: rüiten ze haus und
hof ( = Vi3rganten| 172. 23t<. 33B, $41
riheHf reichen, geben 2, 3.
ringe (diaL) /,, Oeringheit, Mangelbaltlg-
keil ib2,
ringer (dial,), leichtpr 164.
Eingmauer um Überlingen 7*
Rftch jdia!.) /*., Reh 362,
Rodel /., Liste 224. 230, 232.
Eömerzug 484.
röp, Raub 4. 143. 29 L 322.
rötelBtain* Rötnl 103.
Rücken m., Rücken, bikJl. Schutz,
8chirm 14»); PanxerstQck 534,
ruggin (MehiK von Roggen 26. 229.
rügea 165. 167. IBO. 187 (bei Eid]. 207*
210. 211. 242. 279,
Etm&e (dial.) / , Wassergraben 228,
ruiise, russig 221.
Rute-^lo Werkschuh 600,
s&cher, Ursacher 74.
Sakrament hl., zu den Sakramenten
gehen 413. 435. 46L 657.
lalin, von der Salweide {salhe} 477.
SaJz (in Scheiben) m 138. ISa 19L 192,
193. 201, 216. 267 u. a.; Salzgewerbe
376; Salzbaus, -laden 188. 192. 252.
433. Ö41; Salzmaß 186. 252, 265;
Salz zerstoDen 187. 193, Salzfreiheit
377,
ganienthaft, zusammenhangend 208.
Samnung /,, Kloster, besonders Frauen-
klöster 13. 7L
»atel m., ein bestimmtes Ackermaß 171,
Satzung, Stadtsatzung 583, 633. 661;
Satzungsbuch 416; Verlesung der-
selben 526, 527,
Schaden zufügen, ei^elzen, rügen 15. 85.
90. 111. 292, 294, 207. 392. 4ö8. 423
u. a. ; schadegen, schädigen Ö. 69;
n* dl ich er, nicht redlicher Schaden 6L
fichalklkh, knechtisch, hinterlistig 15. 67,
Scharfrirhtcr 689.
Behau, schauen, Schauer, ottaMl SM
311, 312, 318. 411. 477. 489, Ul u, K
Brot-, Schmalz-, Fleisch-, Wmm^^m
683; Herdschau ö30; Toleni^Itt
210; Schaugdd 248,
Schelhamer w., ,schweref Hanunir 4bX
schf'-Hen 127. 129. 130. 62S; Scheit -
Worte 136. 284. 369, 669, 660,
Siji en ke , A usschen ken , N aclihoduäl
499. 604. 623.
Schenken, Schenkung, Geschenke ma-
chen 190. 191. 200, 2S9. 313. 626. 634.
639,
Scher^r, Barbier 253; Scherst tib© tiS*
seh idelich, friedfertig 38. 147,
Schiedsbrief 652; Hchiedsmaiiner 67C
»chier, s< hier© adv., eogbich, last 3$, 46s*.
650.
Schiff (schef) ausladen^ einladen, mit
Schiffen hierher kommen 99. 201. 203.
420, 421. 463. 469. 475. 696; ^schiff-
wertz, zu Schiff (kommen^ 464. 472.
475; Schiffleute 2ÜL 411, 419. 6t
679.
Schlaftrunk geben 267.
schlaich m., Spur, bildl. List, TauÄch
418, 636.
Schlosserordnung 449^ 450.
Schmalkald. Krieg 390. 391.
Schmer m„ Fett 218. 234, 269.
Schnapphan ?n., Wegelagerer 433, 484,
485.
Schneggtrüsche, Fisch art 604,
Schob, Schaub (dial.l, Strohbuschel 228.
247. 248, 475.
Schock m,, Haufe 475.
Schöffe 587; Freisehöffe 362.
Scholterspiel (dial.), Cdücksspiel 669,
Bchope m. (dial.), Jacke in4.
schrägen, schreien machen 22, 74.
schrenken, schräg stellen, legen 102.
Schrotwunde, Schnitt-, Hiebwunde 595.
Sehuhmacherordnuug 220 ff.
Schulden machen, zahlen 173. 180, 187.
203. 260. 265, 290. 291. 297 u. i,;
Schuldner 113. 226. 260. 267, 29S,
341 u. a. ; Schuldentilgung 78; Schuld-
brief 385. 636; Seh uidgläu biger 638*
643; verbriefte Schulden 34a
iL
Überlingen.
713
Schule 236 398; hohe Schule 317;
Schulgeld 172; Schulmeister 502;
Schüler 286. 288.
schüsla /., Schüssel 14.
Schuz m., Schuß, Schuzbrot, soviel auf
einmal in den Backofen geschossen
wird 207. 267.
Schwebsege, Schwebnetz 604; Siehe
auch sege.
Schweher, Schwager 440. 603. 606. 610;
Schwägerschaft 636.
Schweinehandel 229. 378; Schweine-
treiber 474.
schwören 24. 26. 64. 112. 146. 148. 164.
226 u. a.; unter dem Bürgermeister
79; 186; zu Gott und den Heiligen
39. 102. 156; unmenschlich schwören
326.
Seegäste, Fremde, die zu Wasser her-
kommen 204.
Seeges /. (dial.), Sense 674.
segi/., großes Zugnetz 103. 363. 604. 606.
Selbgeschoß, das von selbst losgeht 546.
579.
Seidner m., Taglöhner 374.
Sele, junger Blaufelchen 154.*
selgeräte, letztwillige Schenkung 19. 71.
310. 372.
serge /., Matratze, sergenman, Mann,
der mit serge (sarge, Tuch) handelt
466.
seßhaft sein, werden 17. 27. 77. 226. 308.
311. 318. 452. 637.
setzen, festsetzen, bestimmen 120.
sident, sidmalen, seither 47. 49.
Sippschaft, Verwandtschaft 27. 405.
Sirup, süßer Saft 444. 487.
Sold 144. 234. 483; versolden 199.
Sonnenwende 169. 303. 401. 667.
so tan adj., so beschaffen, solch 629.
631. 632. 636. 638. 640. 649. 650. 652
u. a.
Span, Spannung, Streit 131. 132. 139.
166. 167. 181. 299. 399 u. a.; spennig,
streitig 299. 337. 443. 699. 676. 681.
spannen, einspannen, Spanner (Lohn)
273. 274.
Spätwacht läuten, Zeichen zum Schlie-
ßen des Helltorse zu Überlingen 236.
267. 283.
Spende geben, erhalten 229. 266. 267.
271. 435. 436. 534; Spendbrot 436;
Spendhaus 267.
Spielen (mit Karten, Würfeln) 82. 177.
184. 186. 189. 192. 193. 196. 196. 199
u. a.; Spielordnung 322. 323.
Sprießel m. (dial.), Leitersprosse 269.
Spruch, Forderung 139. 140. 146. 235.
369. 653. 655; Spruchbrief, Vertrag
601.
Spule /., Weberspule 648.
Stab obrigkeitlicher 173. 226. 268. 364;
halten 249; loben an den stab, unter
Berührung des Stabes, d. i. eidlich
versprechen 76. 290.
Stabreise, Auszug innerhalb des Ge-
richtsbezirkes 66. 291.
Stadt, aus der Stadt verweisen 346. 426.
483. 666. 582. 623 u. a. ; vor (außer)
der Stadt sein 286. 290. 296. 312; aus
der Stadt ziehen 339. 415. 498. 637;
Stadtbuch 80. 224. 302. 304.
Stand-, Platz-, Marktgeld 108, 230. 364.
464. 472. 624. 669; Standgeldordnung
465. 466. 467.
Stapfei m. (dial.), Staffel 108. 636.
stät, stets 1.
stat, Stand, sinem stat gemeß, seinem
Stand gemäß 87. 124. 168.
State /., Bequemlichkeit 272.
Statthalter 174. 176. 177. 195. 204. 218.
224. 258 u. a.
stauche /., Kopftuch 458.
Stecher im Turnier 106.
Steckenmann (für Reben) 231; Stecken-
ladung 260.
Stege (dial.) /., Stiege 259.
Stein brechen 657.
Steinzug, Zug nach den Steinforellen,
Steinlauben, Steinbrachsen usw. 604.
Steuer geben, zahlen, versteuern 7. 9.
24. 34. 41. 58. 59. 62. 91. 93. 94 u. a.;
Steueranschlag 661; Steuerentziehung
76. 644; Steuerordnung 633. 535. 636.
554. 643. 644. 649. 660; Steuer ein-
nehmen 240; ausschreiben 632; Nach-
steuer 636; Heimsteuer 310; Kopf-
steuer 650; Steuerbefreiung 235;
Steuerbuch 535. 637; steuerbar 638.
Überlingen.
715
ußlüt, Außenleute, die nicht in der Stadt
wohnen 137.
usrunt, außerhalb 7.*
ußvarn, eine Reise unternehmen 80;
ußvarn ze tagen, zu Gerichtstagen aus-
fahren 79. 80. 84 u. a.
uswarten, aufwarten 124.
ütz, nichts 20.
Wache, Wächter 177. 185. 188. 261. 306.
489; Wachebefreiung 235; Besetzung
der Wache 140; auf Wache kommen
251; läuten zur Wache 250.
Waffen 172. 174. 238. 239; ergreifen 370.
Wage, Wagmeister 180. 182. 247; große
Wage 233. 270; Waggeld 246. 269.
473.
Wagnerlohn 449.
wähl, walch, welsch 466. 579.
Wahl der Behörde in Überlingen 522;
Wahlordnung für alle Beamte daselbst
392. 393. 394.
waidni /., Fischerei 155.
Waisen, bevogten derselben 294. 334.
630; Witwen und Waisen 164. 399.
Wamsal n,. Wams 104.
wan nach einer Verneinung z. B. nieman,
außer, als nur 4. 6. u. a.
Wannerlohn, Lohn fürs Reinigen des
Getreides mit der Wanne 100.
Wappen, Stadtwappen zu Überlingen
357.
Wäscheordnung 575; auf dem Rathaus
waschen 190.
Wasen (dial.), Rasen 689; Abdeckort
669.
Wasserleitung anlegen 369 ; Bewilligung
und Aufsicht 657.
wat /., Kleidung 15. 67.
wate /., großes Zugnetz 605.
Weber 246. 247; Weberordnung 547.
548. 549; Handwerk 547.
Wecke (dial.) m., Keil 449.
Weide 102. 139. 140. 230. 352; Weid-
ordnung 484; Weidwerk 363. 668;
Weidgang 675.
Weinschenken 9. 108. 109. 183. 189. 256.
373. 378 u. a.; Verbot des Wein-
schenkens unter der Kirche 561 ; Wein-
schenkordnung 460; Einkauf von
Wein 635. 637; Wein einführen 410.
414. 641; ablassen 479; Weinrech-
nung 381. 641; Wein vermischen 319;
Hefwein 319; Weinschätzer 265. 256.
Siehe auch Beamte.
Weißbäcker, Fertigung derselben 226.
Wer Tl., Wehr, Waffe 156. 237. 409. 434.
534. 661.
Werkleute, Handwerksleute 18. 23. 24.
28. 91. 92. 146. 184. 471. 483; Werk-
stätte 222. 242.
Werkschuh m., Schuh als Längenmaß
der Zimmerleute und Maurer 600. 666.
Wettgeld, Geldbuße, Wettgelter, der-
jenige, der dieses Geld einzieht 135.
209. 210. 215. 225. 341. 477. 479. 480.
553.
Wetterkreuz errichten 696. 597. 658.
Wettphenniger, Einnehmer des Wett-
pfennigs, der Geldbuße 75. 99. 101.
180. 206. 209. 211. 216. 247.
wiben und mannen unter 18 Jahren 69.
. 295.
widern sich, sich weigern 167. 158.
widersagen /i., Fehde ansagen 143.
Wüd, GewUd, wildern 581. 682; WUd-
bann, WUdpark 131. 664; Wildbret
667; schießen 681; WUdfell 582.
Siehe auch Felle.
wimnen (dial. wimlen), Weinlese hal-
ten 18.
winzürl, winzürn, Winzer 23. 92.
Wirt 8. 9. 67. 107. 182. 183. 190. 254. 255
u. a.; Wirtschaft, Wirtshaus 195. 228.
251. 254. 271. 457. 462 u. a.
wirsen, schädigen 283.
wispeln, pfeifen 412. 562.
witraite /., ödung 128.
Witwer, Witfrau 164. 304. 305. 307. 342.
346. 377. 399. 496. 511. 555. 556 u. a.;
Witwenstand 297. 581.
Wochenmarkt 383. Siehe auch Markt.
Wochner = derjenige, der diese Woche
Dienst hat 615.
Wucher 321. 334. 574. 584; wuchern 431;
phuntwucher, Geldwucher 80.
Wundarzt 353. 661. Siehe auch Arzt.
Wunde, wunden, wundtün 18. 56. 71.
136. 282. 283. 288. 662; fließende
Wunden 353, öOL ö9&, 627. 659. 660.
mh 663.
Wunii /., Weide 33; wuu imd waid l:B&-
128, 17 a 333. 597. 087.
7^\m /. (dial.), großer Korb 411,
Zargo /., hölzerne Seitenwand um drien
Mühlstein 262. 264.
Zaun einreißen 462* 575; Kannen 37Ü.
Z:#che, zechen 151. 187. 193. isa 251.
266. 271. 57Ö; während des Gottes-
dienstes 66 L 562; Zeche bezahlen 1B7,
Zehnt 37. 38. 244. 24&. 305. 687; gehen
91; sammeln 240; Weiiixnhnt 244.
56S. 611, öl 2. 617; Zehnicnknocht
244. 246,
Eergengen, zergtören, ohntei^engt 618,
zern, Äerzerren, vernichte« 67.
Ziegelb^daeknng geboten 16; Ziegel-
hütte 655.
Zigerkäsc =^ Krttuterkäse 219.
Zigeuner, Virrbot der Unterkunft 514.
Zins geben ^ nehmen, mit Zins beschwe-
ren 18, 2!. 62- lOÖ. na 147, 174, 180.
181. 29U. 300. 318, 341 u. a.; Hana^
Zins 113. 298. 344; Zinsgeld 9. BB.
322; Zinsherr 9, 83. 322. 433; Zins-
käu f er 330; Zinsloser 9; Wein^ins 82.
244, 611; Bodenzins 245. 612. 619;
Zinsbank 520; Ziasbrief 330. 613;
verzinsen 556. 619.
Zinstag (dial.), Dienstag 25. 40. 91. 98.
1U5. 188. 191. 387 u. a.
Zoll 36. 108, 175, 17a 187. 230, 265. 269.
4ia 419. 433. 462. 542 u. a.; Zoll-
stätle 447; großer und kleiner Zoll
192. 464. 470; Zoller, Zolleinnehmer
194. 233. 244. 419. 463. 470. 471, 475.
529, 624; Zoll einsammeln 194; Zoll-
tarif Ä06; Zoll auf Warn und Tinr« 46^.
470. 471. 472. 473. 476.
Zuber w., großer hölzerner Behälter 19^.
204. 205. 244, 24ö. 430. 47a 58a
Zug des Netzes 154.
Zugrecht n.. Recht ein Gut an mch m
ziehen 635. 636. 637.
Zünfte in Überlingen 22. 26, 30. 31. m
164, 165. 167. 253. 284 u. a.; Zunt^
rechl 106; GesüUen, Mitgliftdor dar
Zunft 96; Mitgliedschaft verliefio
319; Aufhebung der Zi'infte 3*J5. SUi;
Ernenernng 66; Wiedertunfuhmi^g
der Zünfte für Metzger und Schneider
407; Zunftmeister 1. 4. 60. 97. im,
187. IGl. 163. 164. 166. 16a 226. 241
u. a.: Wahl 22. 163. 684; Zunfthaö«
96. 135, 136. 398. 448. 661; Zunft-
ordnung 136. 248. 431; Zunftgebot i
136; Zunftmeister und die df IU\
Oberznnftmeister 163; ZunflfneUter I
und die elf als Richter 95; Wahl der
Rate durch die Zünfte 390; Religion ia
den Zünften 560; unter der Zunft
dienen lo7,
zuoker /., Einkehr 189.
zürner, Zornmütiger 57.
züscheiben» zuschieben 178.
Zuspruch m., Anspruch, Forderung S9.
123. 147. 226. 299. 367. 594.
Zntrinken verboten 87. 325. 826.
Zwehel (dlal.), Handtuch 508.
zwigülten, doppelt bezahlen B.
Zwillch, grobes, leinenes Tuch 90, 105.
466. 471.
Zwing und Bann (Niedergericht und des-
sen Bezirk) 112. 125. 12a 130. 132.
13a 309. 346. 3Ö0. 351. 361. 362. 366,
367, 668. 687 u, a.
zwivalt, zweifach 3, 5, 16 u, a.
717
IL Namenverzeichnis.
B. Wo keine nähere Bezeichnung steht, ist Überlingen gemeint.
Seefei der- Aach mündet östl.
bcrlingen in den See 352. 578.
18.
önig 119.
(Achhausen) BA. Überlingen
, heute Echbeck (1 St. nördl.
[eiligenberg), BA. Pfullendorf
Wald auf Gemarkung Bamber-
A. Überlingen 352.
Herzog von Österreich 48.
Graf von W^erdenberg, Bürger
bcrlingen 46.
Theis von Nußdorf bei Über-
591.
lu, Hof hinter St. Leonhard,
von Überlingen 689.
3n bei Sauldorf (Württemberg)
:ians 592.
ch, ein Nebenfluß der Ablach,
die Donau mündet 674.
fen BA. Überlingen 686. 689.
Königreich auf der Pyrcnäen-
iel 552.
? 278. 360. 362. 407. 552. 558.
leichtsag 549. 550.
, V2 St. nördl. von Überlingen
zu gehörig 37. 39. 139. 140. 169.
>6. 599. 615. 675. 689; Mutter-
für Überlingen 567. 610; Patron
?.hael 619.
(gond bei Viliingen und Donau-
?en 677.
1 Aargau 49.
Bambergen bei Überlingen 170. 689;
Zwing und Bann daselbst 129.
Basel 49. 125. 432. 550; Basler Münze
485; Münzverbot 433; Bischof Kon-
rad 49.
Baur Josef Anton, Oberrichter 682.
Beck Wolfgang Michael, Bürgermeister
589. 593. 600.
Bechen (Bächen)', früher ein Franzis-
kanerinnenkloster am Fuße des Heili-
genbergs 653. 654.
Benz von Königseck 124.
Bernigers Haus 526.
Beßrer Hans 129.
Bettenbrunn, Dorf bei Heiligenberg 687.
Betz Wolf gang, Inhaber einer Pfründe
613.
Beuren a. d. Aach, wohl Grasbeuren BA.
Überlingen 171.*
Beuren BA. Überlingen 594.
Pfaffenhofen, Ortstoil von Owingen (1 St.
nördl. von Überlingen). Siehe Owin-
gen.
Pfullendorf 47.
Birk Albrecht, Reviorjäger in Hödingen
BA. Überlingen 688.
Birnau, ehem. Wallfahrtsort, Eigentum
der Standesherrschaft Salem (1 St.
von Überlingen) 228. 257. 525. 526.
527. 539. 581. 591. 592. 597. 658.
Blarer Ulrich, Bürgermeister in Konstanz
132. 138. 141.
Bodman, Ort am West ende des Über-
linger-Sees 155.
Böhmen 34. 35. 45.
Polen 550. 552.
Portugal 562.
Bottighofen im Kanton Turgau 604.
Prag 40, 4a. 48,
Bre^'enz 447,
Bretilau 532.
Bmekff^lden BA. Überlingen 362, 668.
Brunn er Johann von AUenbouren BA.
Überlingen 687.
Brünnensbach, Weüer Vs Bt, westl. von
Überlingen 160. 170, 526,
Pschor Lorenz, Zwnrtmeister 335.
Buchhorn, heute Friedrichshafon 47. 49.
140. 141. 145. 150.
Butikhofer Ulrich 692.
Burgberg, Hofgwt V» St. östl. von Über-
lingen 169. 170. 526. 592. 686. 689.
Burgos, Stadt in Castilien 358.
Karl IV., König, Kaiser 34. 3ö. 36. 40.
41. 42. 47. BO.
Karl V., Kaiser 350. 355. 356. 3ö9. 360,
383. 384. 388. 380. 300. 406,
Karl, Herzog von Burgund 156.
Castilien, Königreich auf der Pyrenäen-
halbinsel 552.
1 SL KaUmrina am See^ ^/^ St. weetl. von
Überlingen 17L* 540.
Kaufbeuren (Bayern) 552.
Kaiit Ambros, Vogt zu Uten dort "BA,
Überlingen 580.
Ke5?;ennng Jakob, Doktor 526.
Kessering Jakob, Vogt in Ittondorf,
Bürgermeisler in Überlingen 335.
Christoph, Graf üi VVerifenberg und
Heiligenberg 352. 353. 354. 654. 663,
669,
Churwalh, rätoromanische Gegend 48,
KippiMihausen BA. Überlingen 263.
K lock 1er Jerg, Landrichter zu Wein-
garten 51*3.
Klump Anton, Arzt 680.
Cfjbe Endres, Amann und dessen Sohn
Konrad 40. 4L 42. 43, 45. 50.
Kollishof, Gemeinde Langgassen BA.
Pfullendorf 674,
Konstanz 30. 32. 33. 49, 105. 118, 120.
121. 123, 124. 140, 141. 153 u, a.;
Spital 348. 541. 675. 686; Bürger-
rneihtcr 47; Bischof 600. 690; Kon-
stanter Pfennij^ 37, 30; Domkapitel
37; Aus!f5chluli der Schaffner und
Pflegwr vom Hat lOS; Douipro]
Konstanzer Währung 44 f*; Kii
604, 605; Konzil 116; Richter 40;
Garnison 679.
Croatien 116. 117, 277.
Kuneman Barthole maus 593,
Kupferschmid Eva, Stifterin für
Spend 272.
40;
\
'*
Taisersdorf BA. ÜberÜngen 352, 353. 6^
Dalmatien 116. 117. 158. 277,
Danemark 65u.
Deisendorf BA, Überüngt*« 127. ^80.
Denkingen BA, Pfullendorf, Gericht da
selbst 128. 675,
Denket Chrbtian» Ratsherr zm Koi
stanz 138.
Thig Hans von Owingen BA* Überiki
592,
Trient, Konzil ÖS4,
Turgau 48. 547. 548. 596,
Ttirken 403, 404.
Echbock Frana Anton von, Löwen
683,
Ederich Philipp. St üblinsch reiber 335.
Eidgenossenschaft der Schweizi^r 550,
Einsiedeln 581. 674
Engehn Jerg, Ratsherr tu Konstant 138^
Engels wies BA. Meßkircb 581.
englisch 550,
Ennroth Franz Andreas, Richter 682.
Ernatsreute BA. Überlingen 655. BBB;
Gericht 130.
Eschlingsberger Konrad, Eürgermeistar
335,
Etscbenreuti, Bauherr 484.
j Valencia, Provinz in Spanien 66.
Federte Johann von Allenbeuren BA.
Überlingen 687.
I Feinägel Lorenz, Ldwenrat 683.
Feldkirch in Vorarlberg 48.
Venedig 462, 552,
Ferdinand, Erzherzog 355. 494.
Ferdinand, Landgraf zu Xellenburg 381
Ferdinand L, Kaiser 406, 407. 408.
Finck Joh. Kvang., Spital meister 682.
Fisehbach, Ort westl. vom heutigeu
Friedrichshafen 155,*
Vives Alfonso belagert Konstanz 391.
Flußhorn zwischen Mainau und Dingels-
dorf 605.
Volkwein Veit 590.
Franciscus, Kanoniker in Prag 50. 52.
Frankfurt 35. 201. 421; Frankfurter
Güter 463.
Freiburg i. Br. 29. 40; Gewicht 42. 50.
51. 396. 397; Rat 361.
Frickingen BA. Überlingen 675.
Friedrich, Pfalzgraf bei Rhein 41.
Friedrich III., Kaiser 142. 156. 158.
Friedrich, Graf von Toggenburg 49.
Fürstenberg Grafen: Joachim 588. 591.
593. 601. 673; Friedrich 570. 596;
Fürsten: Josef Ernestus 677; Josef
Wenzel 685. 691; FrobeniusFerdinand
677; Linien: Fürstenberg-Moßkirch,
Fürstenberg- Stühlingen 677. 679; Für-
stenberger Gebiet 655; Fürst von
Fürstenberg 652. 688.
Ftirnenbuch Joachim, Gerichtsschreiber
589.
Fürnenbüchs Ludin 592
Gailhof B A. Überlingen ( 1 St. westl. vom
Heiligenberg) 687.
St. Gallen 47. 139. 550. 619; Abt Kuno
49.
Gampenhof-, weier BA. Pfullendorf 674.
675.
Gemmingen Georg von 603.
Genua 552.
Gertholz, Wald bei Höllwangen BA.
Überlingen 362.
Ger>vig, Abt zu Weingarten 388.
Glatz (Schlesien), Dukaten 552.
Glom Franciscus, Kanzler 48.
Gmünder Jerg, Alt- Bürgermeister zu
St. Gallen 139.
Goldbach V« St. westl. von Überlingen
169. 170. 526. 605. 689; St. Sylvester
Patron der Kirche 610. 619; Mühle
657.
Gred, Kaufhaus in Überlingen, siehe
unter I.
Grieser Mathäus, Gerber 589.
Griner Ulrich 129.
Grünenberg Konrad, Reichsvogt 188.
Grünwangen bei Untersiggingen BA.
Überlingen 133. 660. 687.
Gsteinzach, Steinenbach ? Gemarkung
Hohenbodman BA. Überlingen 352.
Hagenweiler Michael 590.
Hagen weiler, Hof zur Gemeinde Andels-
hofen gehörig, BA. Überlingen 686.
689.
Hager Michael 589.
Hagnau BA. Überlingen 134. 253. 256.
524. 674; Münchhof 353; Torkel-
meister 245; Vogtei353.
Hahn Hans 590.
j Hamburg 552.
Han Jakob Hans, Apotheker 444.
Hans, Vogt zu Heiligenberg 131.
Hase Heinrich von Laufen, Hofrat und
Präsident von Luxenburg 388.
Hauber Franz Raphael von, Zunftmeister
682.
Hegau 45.
Heiligenberg, Grafschaft, Vogtei 131.
132. 133. 134. 333. 576. 588. 597. 656;
Eigenleute 47; Amtleute 652. 655;
Amtmann 599; Gerichtsbezirk 352.
353. 354. 591. 598. 599. 600. 652 u. a.;
Landgericht 353. 601. 662; Scharf-
richter 689; Gefängnis 595; Oberamt
661. 670. 688; Reichsgraf Schaft 686;
Grafen von Heiligenberg (Werdenberg)
352. 353. 354. 654. 663. 669. Siehe
auch Fürstenberg.
Heinrich VII., König 3L
Helmsdorf Ulrich von, Sendbote 154.
Herdwangen (Hedwang) BA. Pfullen-
dorf 352. 668.
Hildesheim 550.
Hochrat Peter 592.
Hödingen, */4 Stunde von Überlingen
171. 567. 575. 593. 599. 686. 689;
Tobel 171.*
Hof er Mathias von Golpenweiler (V2 St.
westl. von Heiligenberg) 687.
Hohenbodman BA. Überlingen 524. 538.
541. 669. 674.
Hoheneck Wolfgang von 602.
Hohenfels, Ruine nördl. von Sipplingen
BA. Überlingen 118. 119.
720
Ütwrlingon.
liö!hvanr«t Oeh(^rte «/, Bt. iiördL von '
Cberlmgt*n 170.» 17 L mM ,
Homberg BA. Überlingen, Pfarreiverlei-
hung 596,
Horb im ^ !
Hornstein Ji^igmund \on AHnhuusen bei
Aulendorf {WürUemberg) nm.
Hüblers Mauer 604.
HUnerbacb, Gemarkung Bamb*3rgeu,BA.
Überlingen 352.
Jerusalem mi BL Joliann-Ordvn SO.
Immenataad BA, CberUngon 253; Ge-
richt 694. 596. 601; Kippenborn 594
Innsbruck BH2. 388. 389, 090.
Joachim » dehe Farstenberg,
Juhann, Abt in SidmansAveiler (Salem)
153.
Isny OA. Wangen 140-
lUt^ndorf BA, Überlingen, VggtH 245.
253. 638. 524. 511; Oerbht 2öC;
Jußgingen, der» von 124.
l^inggaüsen» BA, Pfullondorf 674. 676,
Lengenfeld (Lenglehtif) bei Hödingen
BA, t^berHiigpn 171,
LenK Franz Conrad von^ kais* Rat und
Alt-Bürgermeister 691.
St. Leonhard (Lkmhart), östl von Über-
lingen, Kapello 171 .* 519. 520. 592,
Leutpöld, Herzog von Österreich 4B,
Liegnitz 552,
Lind Ulrich, Ratsherr au Konstanz 138,
Lindau 47. 49, 12L 124, 140, 141. 145.
l&O, 226. 234. 235. 364. 447. 676.
Lippertsreute B.V, Überlingen ßö5.
Lübeck 552.
Ludwig, Kaiser 32. .H3, 1111.
Luge n h o f ( Lu gen ) , * / ^ S 1 . vo a f ^ berl i n gen
17L* 257. 626, 592.
Luxi?rnbur>^ 46,
Madach» Hof bei Mainwangen, BA,
Stockj^ch 45.
Mader Franz Karl, Amtsbürgermeister
691,
Mader Franx Ulrich, Richter 682,
Mailand 552.
Mainuu» Deutschordenskommend© 37,
lü3. 139, 140, 517; PatfiJaat»
buiig 567. 568. 569; Fischurriv
163, 211. 602. 603. 604, 606. 6t>0. m.
Mäleien, Gewann bei Denkingita. BJL^-
Pfullendorf 686, |jl
Maria im Stein, frühor Wallfahrtsort
oberhalb Bruckfelden (Steiiihafl. BA.
(Iberlingen 68^. ^
Matthias, König 156. ^B
Mauren, Maurach, 1 St, von Üb^rllii^
604.
Maximilian l. König, Kaiser 159, 277,
Maximilian 11., König, Kaisi^r 494. 5ti3.
Mech^Jln (Belgien) 108; Tuch 10t
Mcr» Doktor 626.
Mcßmer Matbäus, Bürger in ifistcr 5BSw ^
Mollin, Truchseß 124. ■
Montfort Hugo, Graf von 570. ^
Muchenhardt, Mauchenhart, Wald W^j
Nwüdorf, BA. (.'berlingen 3öf,
Mülin Haus Jakob 526*
Müller Gallus von Owingeri 692,
Münchrot. Rot ehemaliges Klostrr, 0/
Laupheim 592.
I
«
I Münsterberg ( Schlesien K Münie btl
Navarra in Spanien 5S2,
Neapel 552.
Neuenbürg, Grafschaft, Burg bei Slcik*
kach 352, 668; GericUtswesen 382;
Wolfram, Graf 45.
Neu brunner jun. von PfuUendorf 12S,
N eu wir t sh aus , N eu h of ? z wische n O^ io *
gen und Ül>erlingen 689.
Nieren Asmus 526.
Niether Michael 590,
Nürdlingen 108.
Nothelfer Gallus 590.
Nürnberg S6. 50. 5L 442. 462.
Nußdorf, Vi St. östL von Überlingen 591.
592. 605. 695,
Obersee, Teil des Bodensees 153.
Oberholz, Wald bei Hobenbodman, BA
Überlingen 852.
Ochsenbach BA. PfuUendorf 675.
Oecbsie Hans 593.
Österreich von, Haus, Erzhaus 254. BSöl
494; Herzoge: L<?oi)üld 48: Maxinti-
lian278; Ferdinand 494; Wilhelm 4^^
Überlingen.
721
Owingen BA. Überlingen 590; Pfaffen-
hofen, ein Dorfteil 170.*
Ramsberg, Wallfahrtsort bei Groß-Schö-
nach, BA. Pfullendorf 124. 134. 256;
Vogtei 524. 538. 541.
Ravensburg 33. 42. 47. 49. 121. 124. 226.
236. 361. 364. 408; Bündnisbrief 140.
141. 145. 150.
Regensburg 254. 583. 609; Reichstag
494. 495.
Reichlin, Doktor 593.
Reißmühle, Mühle innerhalb Oberuhl-
dingens, BA. Überlingen 352. 668.
Reitlinger Jakob, Bürgermeister 335.
Rengoldshausen, Gehöfte ^/j St. von
Überlingen 170. 171. 526. 689.
Reutemühle, ^/j St. von Überlingen 170.
171. 689; Reutehof 170. 526.
Rickertsreute, 1 St. nördl. von Heiligen-
berg 594. 687.
Rinkenburger Hans von Lellwangen, BA.
Überlingen 687.
Rom 150.
Rombühl Joachim 592. Johann 230.
Josef 194, Richard 590.
Rorschach, Rorschacher Stein 589.
Röt Jodokus, Kanoniker zu Basel 117.
Roth Gallus 592.
Rottweil 108; Hofgericht 344. 359. 585.
587; Rat 361.
Rubacker (Kloster, Konvent, Priorin),
Gemeinde Homburg, BA. Überlingen
596.
Ruch Hans von Konstanz 131.
Rudolf 1., König 29. 31. 119.
Rudolf II., Kaiser 608.
Salmansweiler, heute Salem 134, ehemals
Zisterzienserkloster 171. 352; Torkel
591; Abt 517; Gotteshaus 668.
Salzburg 552.
Sauter Martin von Frickingen BA. Über-
lingen 687.
Schaffhausen 139. 550.
Schattbuch, Hof bei Weildorf, BA. Über-
lingen 657.
Schatz Konrad, Ratsmitglied zu Kon-
stanz 132.
Schauber Christoph, Zunftmeister 682.
Oberrheinische Stadtrechte. II.
Schaumburg von (belagert Salem) 391.
Scherrer Simon 592.
Schiele Josef, Richter 682.
Schifle, Gewann bei Hödingen, BA.
Überlingen 686.
Schilter Ludwig, Ratsherr zu Konstanz
138.
Schinbein Maria 592.
Schmid Anton von Wintersulgen BA.
Stockach 687.
Schmid Josef von Wintersulgen BA.
Stockach 687.
Schmid Josef, Richter 682.
Schmid Tiberius von Altenbeuren BA.
Überlingen 687.
Schmid Ulrich 589.
Schochner Christoph 589.
Schönbuch, Hof zur Gemeinde Andels-
hofen gehörig, BA. Überlingen 686.
689.
Schreuenbuch, wohl verschrieben für
Scheuenbuch, Scheinbuchhof Gem.
Deisendorf bei Überlingen 689.
Schrieft Jakob 589.
Schriff Anton 592.
Schultheiß Hans, Zunftmeister 335.
Schwaben, Ober- Schwaben, Landvogt
35. 48. 121. 124.
Schwänninger Hans, Ratsherr zu Kon-
stanz 138.
Schwartz Christian 348.
Schweden 550.
Schweiz 678.
Schwyz, Stadt und Kanton 550.
Sernatingen, heute Ludwigshafen, Ge-
richt 125.
Siggingen (Unter- und Obersiggingen)
BA. Überlingen 130. 133. 598. 687.
Siehe auch Untersiggingen.
Sigmund, König, Kaiser 116. 117. 119.
120. 121. 122 u. a.
Sizilien 552.
Sodin Ambros 590.
Solothurn, Stadt und Kanton der
Schweiz 550.
Sorg Peter von Nußdorf BA. Überlingen
591.
Spaltenstein von Nußdorf 604.
Spanien 552.
?iJ
Ül»€rlLng«n.
Spet^gart ^eigentl, Sppehl&hard)» Vi ^^*
von Cberlingen 67ft. ßR6. 68*J.
Bpicß Ambrosius &90.
Stockach, Gericht 382,
Btrabei Heinrich bdil
Stühlingen BA. Waldshüt 677.
Suh, Graf Rudolf 382.
Süßbach mündet Vi St westl. von Über-
lingen in den See 103. 21t 593.
tib^Jacker Hans 526.
Übolaeker Walther 589.
Überlingen. Gotteshäuser: Kirchs lu
Auf kircb t erste Pfarrkirche für Über-
lingen 37. 39. 567. 068. 569. 610;
FUiale Überüngen und Hödingaii.
Sp&ter wurde die 8t. Nikolaus-
kirche {das Mnmler( Pfarrkirche 92.
236. 428- Besetzung der Pf arm 567.
&6Ö. 569; Kollegial t&tift 610-621;
Plarrpf runden: 8t Michael» St. Joos
(JodokK St, Leonhart, ^t Ulrkh,
Bt, Barbara, Heilig Krena, St. Not-
burga, St. Katharina» 8t. Sylvester au
Goldbach 628 (im ganat-n 23). CIO.*
Pfarrer an der Nikolauskirche 567.
568; Propst^ Kanoniker, Kapläne 614.
615. 616; Pfarrhof in der Kreuzgassse
526; Gottesacker 81. 227, 42a 429. 435.
484. 560. 561 u. a.; 577 VRninreinig-
nng desselben; ölberg 244; Sakristei
564; Glockenturm 188; Sturmglocke
161; Spätwacht {Name einer Glocke)
236, 257. 283; Judenkirchhof (nördl.
von der Stadt) 53. 590; St. Sylvester-
kirche zu Goldbach 610; Franzis-
kanerklost(*r, Kirche 92. 228. 259.
423. 448. 495. G12. 613 u. a. ; Guar-
dian 565; Spital (Heilig- Geist- Spital)
19. ö4. 71 (Beschonkungde.'sselben). 84
fAufnahme). 122, 126. 133. 229. 240,
249. 254. 256 u. a.; Spitalordnung
151; Spitalgericht 366. 371. 377. 380,
42Ö. 500, 501. 515 u. a. ; Gerichts-
ordnung 362. 3ß3; Bezirk 509. 510;
Güter 374. 375; Einnahnifni 519; Rich-
tereid 365; Eigenleute des Spitals 3G5;
Spitalmeistpr- und Pflegt^r^ siehe unter
Beamte; Refental (Ref©ktnriuni} i»
Barfüßer- Kloster lf>9 521. 522. B21
686. — Frauenklo^ter auf dtr
Wiese (an der Stelle des jetzigen Fritd*
hofs) 590. — St. Johann, JohallJlfl«^
kommende 30. 517. 52^. - Cafiseo,
Straßen, Wege: Seegasse 448; Ju-
de ugasse^ oder Kunkelga&se 52€, ^(H
Fuclisgasse (nördJ. Brünnen5bach)6f3;
Aufkirchergassß 589 ; Knsuxgmss» 5S(;
Karrenweg 589. 5B0. 592; Oraßtreg
590; Banweg 590; Ganze Gasse (im
Dorf) 53; Kühgasse (Vtehgasse) 589.
—Tore.Törme, Sin dt mauern: Tore
230, 324; Wiestor (ehciriÄligcs Tor an
der nordöstt. Sladtsdt«) 237. 449;
Hell- (Held-, HöU*)tor (ehemal U±
Stadttor) 235, 257. 258, 419. 526, 633;
Barfüßer-! Franziska ner-)Tor23ß; Chri-
stoph.stör (ehe mal. weslL HaupttoH
236. 237; Oberes Tor (ehemal nördl
Stadttor) 2. 235; ITlrichstor (ÄhemaL
östl Tor) 237; Gerber tor (nbgebro-
chen) 237; Tor im Dorf 140; Rudolfe*
toi- (abgebrochon) 236; GroQos Tor
(abgebrochen) 236. 267. ^ Stadt-
teile; Das Darf, liegt außerhalb d$
inneren Stadtgrabens 1. 127. 140, llfll
353. 354. 358. 410 n. a,; Fischerhau-
sen (Vorstadt im Wt*sten| 1. 53, 533,
589; Vorstadt 113. 352. 576. 6€ö; ^
Hauloch (dial. Hohloch) im Dorf. —
Türme, Graben, Mauer 156. 31*1
336. 518. 575. 589. 590. 600. 648. ^
Brücken: 257; Siochenbruck (Stein-
Brück 1 2. 53.590 (nördl. vor der Stadt);
Brücke bei den Mühlen 526. - Stadt-
gericht 224; Oberstadtg^irricht 361.
555: Unlerstadtgericht 642. 681 —
685; Verhörgeld 347, siehe auch unter
Gericht. — Gewanne in der Umge-
bung der Stadt: Bleiche (ösü. von der
Slailt) 53. 171.' 519. 520. 526, 690.
600. 689; St. Ulrich (ösU, vor der
Stadt) 171. 526; Amann (an der Auf-
kirrherstraße) 589; Knöbel fösU,)
600; Enge! (bei Süücnmühle) 593.
668; Fuchshalde (nördl. von Nuß^
dorf) 592; auf dem Stein (wesU, vor
der Stadt) 589; Stumpen (westK vor
Überlingen.
723
der SUdt) 589. 604; Seehalde (nord-
westl.) 589; Zahn (beim Friedhof)
589*; Gischberg (Geirsbeig) bei St.
Leonhard 592; Schraienbühl (nördl.
von St. Leonhard) 592; Gravenholz
(nördl. von St. Leonhard) 592; Greg-
halde (Greithalde) zwischen St. Leon-
hard und Burgberg 592; Bürgle (beim
Burgbergerwäldle 592; Letzgreth (Let-
zi) westl. von Burgberg 592; Hinter-
ried (stid-östl. von Kogenbach) 592;
Galgenberg (heute Galgenbühl bei
Kogenbach) 592; Guldenberg (Guldi-
berg) bei Kogenbach (jetzt Friedrich-
Luisen-Höhe) 592; Fehrenberg (zwi-
schen der alten und neuen Straße nach
Owingen) 592; Hagnauer Breite (an
der alten Straße nach Owingen) 592;
Oefelein (öhnlin), westl. von dieser
Straße 592; Tobelbach (westl. von
der Aufkircherstraße) 592; Untere
Härlen (westl. von der Aufkircher-
straße) 592; Steinplatte (Blatt), nördl.
von Goldbach 593; Rosenberg, Weiler
bei Süßenmühle 593; Spieleberg (Spei-
renberg) bei Süßenmühle 593; Stollen
(nördl. von der Süßenmühle) 170. 526.
693. 597. 658; Espach b. Burgberg 484.
— Sonstiges in und unmittelbar
vor der Stadt : Rathaus 163. 183. 188.
189. 190. 203. 229 u. a. ; Ratsstube 223.
236. 512 (Tischordnung). - Ried-
mühlen (im Osten der Stadt) 118; 119.
Mühle am Graben 119; Mühlenbach
(Riedmühlenbach) 2. 526. 578. 590.
591; Nellenbach (fließt am Friedhof
vorbei) 171*; Haulbach (hinter dem
Gasthaus zum Raben) 454. 577. 578;
Talbach (alter Bach) bei Süßenmühle
593; Platterhaus 228. 253. 331. 447.
448. — Brotlauben (Lauben), Vorbau
an verschiedenen Häusern 208. 216.
217. 228. 466. 526. - Münze 118;
Überlinger-Prägung 232. — Brunnen
257; Brunnen in Fischerhausen (noch
erhalten, beim Badhotel) 526; Eich-
brunnen (war an der Stelle der jetzigen
Post) 204. 258. 259. - Trinkstube
87. 97. 137. 195. 198. 199. 206 u. a. -
Badstuben 253. 655. 656. — Eich-
anstalt 188. 273. — Salmansweiler-Hol
(Besitz des Klosters Salem) 10. 225.
590. 597. — Steinhaus (ehemaliges
Judenhaus) 526. — Kalkhaus 237. 259.
260. 329. 330. 643. - Schmalzhaus
232. 269. 270. 542. - Schuhhaus 243.
273. 441. — Schlachthaus 236. -
Brothaus 174. — Hochbild (altes Stein-
kreuz), später Hochgerichtsgrenze der
Stadt Überlingen und der Grafschaft
Heiligenberg) am Nordostausgang der
Stadt 590. - Besatzung der Stadt
391. - Wappen 589. - Stadtfarben
268. 522. — Schussenrieder Haus (dem
Kloster Schussenried gehörig) nord-
östl. von Nußdorf (heute Pfaffen-
gärten genannt) 591. — Luzenberg
(östl. Anhöhe) 526. — Seelhaus im
Hauloch 227. — Geigers Brügglin, ein
am See gelegener Teü der Stadt 217.
— Gatter, Gitter bei den Mühlen Ried-
mühlen (östl.) 237. - Wald, Walder-
haus (gehörte dem Frauenkloster
Klosterwald) 592. - Ob der Walke,
Haus oberhalb der Riedmühlen 590.
- Fischmarkt (jetzt Hofstatt) 526. —
Schragenhäusle 228. - Wolf, Zunft-
haus der Rebleute (im Dorf) 249. —
Löwen, Zunfthaus der Patrizier (Lö-
wenzunft), jetzt Sparkasse 54. 499.
500. 682. 684; Löwenrat 522. 523. 525.
681 u. a. Siehe auch Rat. — Auf dem
Koff (Kopf), Galgenhölzle bei Kogen-
bach 592. - Gred, Gredhaus 239.
Siehe unter Gred.
Ulm 32. 35. 384. 385. 611.
Ulrich, Grafen zu Helfenstein 36.
Ungarn 116. 166. 158. 277. 493. 494.
Untersiggingen BA. Überlingen 659;
Eigentum des Spitals 664. 687; Pa-
tronatsrecht 688.
Unteruhldingen BA. Überlingen, Fi-
scherei 211; Schiffahrt 103. 677. 678.
679. 681; Fruchtmarkt 678.
Unterwaiden (Schweiz) 660.
Urban Martin 590.
Uri (Schweiz) 650.
Ursprung BA. Pfullendorf 594.
Urzenreute bei Ernatsreute BA. Über-
lingen 689.
46 •
T? ouxiaau
(^V|^VUUJl/C>1 VJKßXil.-
lingen 605.
Walther Hans 590
Waltkilch Hans, Alt-Bürgermeister zu
Schaffhausen 139.
Wangen im Allgäu, Städtebündnis 47.
48. 49. 140. 141. 145. 160.
Wegenfurt (Furterhof) BA. PfuUendorf
133. 134. 613.
dorf 674.
Worms 351.
Zier Christian 592.
Zinsmayer Matthäus vor
BA. Überlingen 687.
Zürich 650.
mi ..,**■
Überlingen.
725
III. Textverbesserungen^
Seite:
32 u
33 m
33 u
35 m
38 0
38 u
40 u
41 u
42 0
42 u
44 o
44 m
45 m
47 u
48 m
48 u
49 m
53 u
54 0
54 m
54 u
55 o
56 o
56 m
58 0
59 o
Vorlagre:
also gemacht — . und lieplichest — .
Kostentz — .
lieben getrüwen — es sei umb — .
in darumb — . am suntag — . dreiz-
zigsten — .
horent — . stat gemainlichan — . die
da — . schirm — .
botschaft — .
gutes — .
Obirsten — .
iriu chind — .
und versprechen — . Dez gelichs — .
uf von unsern wegen — .
zuwart — .
ge verde — .
Martins abent — . und des Land-
gerichts — .
seit nu dieselbe zeit — .
in dem newnzigisten — .
vestinen — .
an alle geverd — .
ain malefitz begat — . nit minder — .
nit erschlagen — .
bracht — . gescheht — . gast
[mit] — .
nit ablon — .
ungewäffnoter (ungewäpnoter]
band — . (siehe auch S. 56.
nit erschlagen — .
semlicher maß — . (auch S. 57
62 u. a.)
daz es — .
torggelmaister — .
63.)
61.
Geier:
also semlichet — . und heplichest — .
Konstantz — .
lieben getrewen — . es sin umb — .
inderumb — . amsonntag — . dreiz-
zigstem — .
herent — . stat semantlichen — .
die das — . schurm — .
betschaft — .
gtües — .
Obresten — .
iren chind — .
und ußrechten — . Dez gilichs — .
uf unsern wegen — .
zu wart — .
gewerde — .
Martinis abent — . u. dem Land-
gericht — .
sind nu d. z. — .
i. d. neuenzigistem — .
vesemen — .
a. a. gewerd — .
ain mali fitzbigat — . mit minder — .
mit erschlagen — .
brächt — . geschieht — . gast
[aint] — .
mit ablon — .
ungew&ffnoter (ungew&pnoter) h. — .
mit e. — .
samlicher m&ß — .
daz er — .
i torgelmaister — .
^ Die Fehler rühren fast durchweg von unrichtiger Lesung des Originals her.
Von den auf unrichtiger alamannischer Lautierung beruhenden Verschen z. B.
m&ß anstatt maß, stübe anstatt stube, almüsen anstatt almüsen (BeilautI),
jeman, jetzt anstatt ieman, letzt konnte nur der geringste Teil berücksichtigt
werden. — 32o, m,u bedeutet: S. 32 oben, Mitte, unten. Die Vergleichung be-
schränkte sich auf die Archivalien des städtischen und des spitälischen Archivs
in Überlingen. Dr. Roder.
72§
Überlingen.
Boit©:
Torlage:
eisten ^^^^H
60 u
war an — .
\vi,v an — . ^^H
64 0
wSn —.
wän — . ^^B
64 u
furo hin^^ — . varender guter
— ^. '
für ohin — . warender g. — . 1
65 0
rrivel --.
frive— . ■
65 ü
geEtuge — .
gezenge — . H
68 u
Ansprach —. bevogl — ,
Anspr&ch — , bevogt*»« — , ■
70 0
ainem tail — . gpsche^nhe —
, kuri
ainen tail —. geschpjcbe — m
oder lang darnach.
oder laug, darnach — .
70 u
si tögen — ,
si rögen ^.
710
abgeseit anders, denn ^. ob
es—.
abgeseit, anders d. ^. ob er-^
7111
samnung — .
sammung — . fl
74 o
si benote — -.
si logne —. J
«Ou
wider urab in koufet ^.
widerumb iükoulet — , ^
ilo
welche da ig.
wcicherla — ig.
84 u
Actum Scolastice vigilia {Febr 9|
actum ScoL (Febr. 10) auno =
anno — .
d
85 m
vollefürt wurden! — ,
V, werden — -. fl
85 u
unrat under den lüten — . (Fußnote
unr. und den 1. — ^. ^
wegl)
87 u
burgr. uffgen— . Actum u.
sen— .
beslos-
burgr. ussgen — . Raten u, h,j-
88 U
oder mist— .
oder nicht — . H
89 0
m6ntag — * fürbass me — ,
mtintag — . fOrbassme — , H
89 u
Juden als — -.
Juden ald — . fl
90 m
und brimelwer— ,
se m mel wer — . H
90 u
der statt nutEe — ^
d. statt, nutze — , ^
910
die fitündent — .
die stünderit— .
93 u
werklüt, torggel — ,
werklüttorgel — ,
94 u
fiiruß buwen — .
für ußbuwen — .
95 a
1 ob die gi'dt — .
oh die geld ^.
97 m
Irin ksl üben — .
trinksluben —,
IQOo
die imin — .
die imm — .
101 li
haissen schlachten — ^
h- schlaihen — .
102u
seh äff in fiaisch — .
schifninflaisch — .
103 ö
von Sössenhuser^.
von Blüssenhüser — .
103 m
köffet — verkflffen — .
köpfet — ver köpfen ^,
103 u
gen dllig und welher — ,
gendzng u. welhz — .
104«
ainem kneht — .
ainen ku. — .
105 u
annodomini MCCCCXXI X (1
^i29)— _
a. domino MCCCCXIX fl419) -
106 0
oder die da stechend — .
oder die st. —.
106 m
nit darin ^. tail siben — .
n. dÄrin — . tal s.
107 o
husrflchi — .
husröchi ^.
107 u
bruch — -, erköffen — .
brüch — . verkoffen —^
109 o
1473 Juni 10^, (Fußnote 2 milt
1493 Juni 10—.
weg).
109 u
worden seind — .
wonien send — -.
113 o
torggelbÄnini — .
torgelbomm— .
113 u 1
hos Zinsen — '.
hußinsen — .
115o
töt^gelmaislcr das bricht — .
torgelm nister der br. — ^
Überlingen.
727
Seite:
Vorlage:
Geler:
121m
1430 Juli 21 — .
1430 Juli 14. — .
122 0
noch niemand — .
noch iemand — .
122 u
dorum gütlich und ganz — .
dorumb und ganz — .
124 0
und nindert anderswo — .
u. mindert a. — .
128 0
trat, wun oder waid — .
tart, w. oderwaid — .
132 0
uffzenemen, so haben wir — .
so haben wir (fehlt) — .
137 m
schniderknichten — . köff — .
schinderknichten — . kftff — .
141 0
zu der sach haf t — . gute trüwen — .
z. d. s. hast — . guten tr. — .
141 0
Protocollum wirdiger Sachen — .
(und bis S. 152).
Prot, widriger Sachen — .
142 m
dester sichrer — . (Die Fußnote
weg!)
d. sichrerer — .
153 u
so sol der — .
sol (Sic!) sol der — .
154 u
an den bomm — . Beren ist — .
an dem b. — . Ber ist — .
161 u
sessionem — .
Sessionen — .
165 u
(17. Mai 1513) — .
(17. Mai 1413) — .
170 0
müllinen — .
mülliner — .
170 u
„Nota den artikel frevel — . (Klam-
mer weg!)
„Nota den . . . (unl.) fr. — .
1710
herdishalb — .
herdischhalb — .
171 u
gebuwen — . verfolgen sollen — .
gebüwen — . verfallen s. — .
172 0
gepuwen — . ain gast. — . von
iedem — .
gepüwen — . aim g. — . von jeden — .
172 m
meiner herrn — .
m. kerrn — .
172 u
thurnlöß — .
thurn, löß — .
1730
schädlich — .
schädlich — .
174 0
begreift — . Verzug — .
begreife — . verzog — .
174 m
fürbotten nüt näm — .
f. mit näm — .
175u
DeBglich ist uf sampstag — .
D. ist uf fri s.
176 u
ainem ieden — . das fürderlich — .
ainen jeden — . das hinderlich — .
177 0
so du sweren wirst — .
so du ges sweren — .
179 0
und was — .
un was — .
182 m
züstat — .
zsütat — .
184 0
gevertiget — .
gewertiget — .
185 0
„Sv du auch unfur" ist zu streichen,
ebenso „wollest" — .
186 m
damit (ir) du im stüblin — . Das
zweite
du ist zu streichen.
187 u
lut der bestallung — . kain zech — .
mit der b. — . kain zeh — darunden
da unden im hus — . gestattest—.
im h. — . gestattet — .
190 m
und fürter — .
und fuerer — .
191 u
früntlich und tougenlich grüssen — .
fr. u. tügenlich mässen — .
198 0
zuber — .
züber — .
200 0
mentag — .
montag — .
205 m
hung — .
hüng — .
206 0
burdi — . kaß (käs) — .
bürdi— . roß—.
206 m
grosse, digne — .
große, figure — .
208 m
ochßenflaisch — gemescht — .
0. gemeschtz — .
210 0
schöwer — .
schöwer — .
213 u
220 m
221 o
222 o
222 in
223 0
224 VI
2S7o
227 111
217 u
328 0
22§ m
22g u
232 u
233 0
33SU
234
m
235
0
236
0
236
m
241
m
242
0
245
u
246
u
246
in
247
m
249
ni
251
111
254
m
256
n
257
ü
257
u
258
0
25S
m
so ir Hinein — ,
nit befröwl ^.
sok*ii — getopplel — .
das sie ainer — .
bedeuchl aber di^ — . [als «ngü?-
vor geschowel — .
sond**r güfenl,] Begebe sich — '.
über Tiurhl zu s**in ^, muß oder
erhscii ^.
armpn numtsclien — -. Bthlafen fü-
rt>^t — -
almüsrn — .
Du hbt — . xü geen — . ob haw — ,
allen pmiind^n — . ^^Mh — .
allwocbpn dip Or^dlohen — . un-
füren — .
barf(iitä*eii ^, gpen macht — ,
nmU — i^ilmüs^'U — .
drm sfibribpf -.
aych kam sliiui — , dann, wems
ÄÜgeh^r — .
m^gpii ir — . ^rboraten usfiireti — ,
od<^r geseilBchaften (Fußnote 3
wef!)
verkawfea — .
ald ge Wimen — >
die schlüßler — * hadsliiben — .
stadgatter — .
ainer jeglichen hule — ,
werkslalt ald hust* — .
geleiilher — .
außer dem Rovüß ^. ^Fußnote
weg!)
Rolwilano lunc temporis archigram-
malt^o — .
etir<?r leuth strafen und puncEen ^.
zu kos tun fiieren — .
die Bpeil — .
we i de TWi* r t lg k m i U*u —.
[wcgi>n] ist KU str*^ji hen,
Heldthor --.
Äun wasserst üben nüd tüehcl leiten
— . wa ufid bei wem er . . ,
bitkel, weggen — -,
Heldthor — . aufsuhleust — .
aniler ungeschmack — . aiiis er-
ferst — *.
Gel«?:
8. !r ftlnen — .
n« befrönet—.
». g^ittopplet — .
d, win a. — .
bedankte die — , [aJs yiig^frei
fjl
vorgeschowet — .
B. gsind.] Bi-gebet ä. — .
üb, nacht hösin — . müfi~ö
er bsen — *
&, mintschen — ^. fchaffen t — .
almtisen — , •fll
Du bis tu — . f ö gen — . ob biir
allen grünen — , schOb — ,
allwecben d. brolU0b<^ji — .
füren — ■.
barfüssen — . steen m. — , müB
alniüsen — .
d. seh i her — ,
auch 8taiti — * dnnti kain, ^
4
mög ir — . schoren usf ttren — .
Die Bemerkung ; unles^bar
j
verkufen — ,
als g. — .
d. schul ßler — . radsituben
sladtgatter — *
ein jegli€he?n hüte — .
w. ald bruse — -.
geleuthen ^.
Notuitano t. t. iiiralo gramatco
&wer , . , sir. und , . . fOie Fyßm
^, Unleserlich'' weg!|
KU lösen f, — »
die .speli — .
wt' 1 1 e r wer t i gk a i ten — .
! hijldtiior— .
zur \\\ und cüehel lolzeti — . wa i
di lii wem er . . . luckel, waggen
haldthor — •. aufschleuB — .
a , Vi * vg*"^c h niack — , a i ns e rf a 6t
Überlingen.
729
Seite:
275 m
Vorlage:
Aid der . . . pfleger.
276 m
brunnenschöpfers — .
286 0
sorgfeltigkait — .
288 u
zertrieg — . schüler — .
289 0
so man mit dem baner — .
2910
desselben gewar — .
292 0
ußbringt — .
293 0
vech oder rossen haltet oder
graset, es — .
294 0
bim aid — .
296 0
also von der statt — .
327 0
gissinen komen — .
329 0
ding abgelegt — .
344 u
diner sünd — .
345 0
verschlinde — . ist durch mein — .
347 u
die liUgantes — '.
348 m
in den Stain beschliessen — . volen-
ten — . undertrunck — .
349 0
fahet — . fahen an — .
352 0
tod und ab haißen — . gescheitet
holz — .
353 0
gezirk— . standhütten — -.
353 m
zue seinem — .
354 u
olmangehenkt tremmel — .
363 u
Abteilung I — .
364 0
under sinem — . zum rechten
stän — .
365 u
ir leib und gut — .
366 0
harnasch und wer, so — . Inzugs — .
367 u
frevel verfalt — . soll meinen
herrn — . welcher auch gestraft — .
368 0
unlougenbar schuld — . dhainen
somen — . som — .
369 u
fre venlich — . schilt — .
370 m
frevel — . maict — .
372 0
mit ewigen Einsen — .
373 m
vierziehen tagen — . pfleger — .
375 0
darzü gepracht — .
375 m
so haben ü stracks — .
376 0
von burgern oder zügeherigen — .
in bestimblem gel — .
380 u
versatzung, waver sollicher — . (Fuß-
note weg!)
384 u
mit iren ^-ucherlichen — . ange-
rieft — .
387 11
Möcht dann — .
393 u
klainen raths erncnt werden, so-
ver sich dann nach crwöllung
s 0 1 1 i c h e r erneuter fünf personen— .
Geler:
aid etc. der . . . pflegers — .
brunnenschöffers — .
sorgseligkait — .
zerrieg — . schüler — .
so man dem b. — .
d. gevar — .
ußbrücht — .
v. oder r., es — .
baim aid — .
also von von d. st. — .
g. koinen — .
d. abgelept — .
d. stund — .
verchlinde — . ist druch m. — .
die litipartes — .
in d. stain beschlo.ssen — . volen-
den — . undertruck — .
fahrt — . fahren an — .
t. und abhaißen — . geschaitet h. — .
gepürk — . stendhütten — .
zue sainem — .
ohn angehenkt trommel — .
Absatz I — .
u. sinen — . z. r. stän — .
ir lieb u. g. — .
harnasch, und wer so — . Inzügs — .
fravel v. — . s. meinem h. — w. auch
gestalt — .
u. schulden — . dh. semen — .
.sem — .
fra venlich — . schelt — .
fravel — . mäet — .
m. ewigem . . Zinsen — .
V. tag — . pflegere — .
d. gepraucht — .
so h. sich — . strackts — .
V. b., zugeh. — . in bestimbt g. — .
versatzung .... 4 .sollicher — .
und iren w. — . angoruefen — .
Macht dann — .
(Die gesperrten Worte fehlen im
Druck.)
im
überlüigen.
\ i
'H
Stite:
Vorimg«;
^^
397 u
nufphoben — ,
aufgdt
39BD
slub, Stuben — .
slüb-
401 0
Dis gelilpt— *
Des g
401 u
dem allem — .
dem ä
402 0
dahin geschlossen—.
dohin
402 u
von stund an sein — . die verxug — -, i
V. st.
403 m
am aller ersten — .
ain all
409 m
fürderlich und unverxögenlich
(Die
uff das rathaus antwurten— .
Tel
412 m
allerhand unraths — .
a. vef
413 o
unsouberkait — .
unseu
;i6u
dingen aigner ingender — ^. selbs
erbaut — .
dingei
420 0
verlesen — ,
vorles
421 U
kromerkrätzen — .
krane
423 u
saunstöllinen —.
Muns
42§ 0
[be^volien] — .
[enm
426 u
uß wölchem — .
110 vn
427 0
til gutem — '. ald des spittals — ,
iüg4
427 u
denselben kauf — iedoch — .
deasd
430 0
verkümbenio^ — ,
verkii
430 u
das ie ainer — ,
das it
431 0
hette — ,
halt«
431 m
hieob — .
hinob
432 0
ald seine dienst — .
als s.
433 0
ald inen gegeben — . verkaufen an
Eins — .
als m
434 m
volnf aren — .
volefa
437 m
oder gemainder — ,
oder 1
438 m
körn andern — -.
k. ikm
440 0
und irnhalb^.
und i
441 m
oder bereden — .
oder 1
441 u
decoctiones — ,
detecl
442 u
die simplicia — .
die sh
443 m
kain bronnen^ — .
kain ,
447 u
Bemblin — ,
bomb
449 o
iunden — . aber den zeug — .
lünde
449 m
von ainer fart— . wegken — .
y. ain
450 y
haben erwogen — .
h. en
451 m
frawen und manßbildern — ,
fraw
452 0
7Ü ruo — . wa jemand z — , exempel
zu rü
darab — .
der
453 0
zefgengt— , hertiglich— . an ainen
sechen — ,
zergei
454 0
mislbellin —.
ml Ohr
454 m
kachlen — . geschwelt — , verwie-
kachli
stens — .
sen.'
456 0
sucht -^,
sucht
457 0
vohren übel gewOest-. nitgeheiet-.
vohi'e
Überlingen.
731
Seite: Vorlage:
457 m auf das 1556ste [jar] — .
457 u und dan ainer — .
458 m zu lessend — .
458 u send gangen — . zu heften — .
459 0 herbstfalg — .
459 u zügetrechen — .
460 u deren iedem — .
461 0 der stintzen — .
462 u oder geschefft — .
474 0 schaufelpritter — .
475 m schoub und strow — .
484 o Eschenreuti — .
517 m Bachhopter käß — .
519 0 Martinsganns — .
520 u laubenzins — .
524 0 gebletzet jung hiener — . geladen — .
526 0 Obertlauben — . radpronnen — .
Hawloch — . Ganzen gassen — .
526 m Kungkelgassen — . Vischmarkt — .
kilbin — .
528 o Sant Lienharten — . stuben — . in
der güete — . gebletzet hüener — .
529 m Costantz — .
548 u reistin tüch — . spulerlab, auch
(Fußnote weg!) — .
558 0 Zugochsen — .
560 0 verrückter jaren — .
562 u gemainen bett — .
583 0 ströhinen Kranz — .
591 u Peter Sorgen — .
602 u 13. Mai 1599—.
Geier:
auf das 1558ste [jar] — .
und den ainer — .
z. lassend — .
sond gangen — . zu hoften — .
herbstfolg — .
zugetragen — .
d. jeden — .
d. stietzen — .
oder geschofft — .
schaufeln, pritter — .
schuob und str. — .
Etschenreuti — .
barhopter k. — .
martinsgmüeß — .
laibenzins — . •
geblotzet j. h. — . geladet — .
obrotzlauben — . radpramen — .
hawloch — . ganzen gassen — .
kungkelgassen — . vischen markt — .
killin — .
s. Einharten — . stüben — . in die
g. — . geblotzet h. — .
Constantz — .
reislin t. — spuler . . .^ — .
Zugochsen — .
verzückter j. — .
g. gebett — .
strohnen Kr. — .
P. Sergen. — .
5. Januar 1580 — .
Überlingen.
733
iche /., Eichung, siehe Beamte und 107.
ichtzit, irgend etwas 169. 176.
jöchen, jechen, jagen 287.
Juden, siehe a. a. O. und 167. 296. 400.
Jüssel, Brühe, Suppe 524. 528.
liegen (dial.), lügen 370.
liht, vielleicht, etwa 70.
loben, geloben, siehe unter Stab.
Martinsgans 519.
Michi (selten Mihi) /. und n. in Üb. von
c. 1526 bis c. 1670, Zugehörigkeits-
verhältnis einer in üb. oder auswärts
wohnenden Person — eines Mannes
oder einer Frau — wornach dieselbe
unter Stellung eines Bürgen an die
Stadt für deren Schutz eine Gebühr —
auf Martinstag — ^das Michigeld, be-
zahlt. Michiherr ist der die Aufnahme
in die Michi vermittelnde Überlinger
Bürger. (Ableitung des Wortes un-
sicher, vielleicht vom fränkischen
mithio, mitio — durch falsche Lesung
— , was auch ein Schutzrecht be-
zeichnet. R. Schröder, Lehrbuch der
deutsch. Rechtsgeschichte V. Aufl.
Register). 271. 272. 299. 305. 325.
375. 435. 436. 457. 486. 489. 499.
505. 506. 515. 533 (Ordnung der
Michileute). 535. (Bürger Michimann,
Einwohner). 548. 575. 578.
miete, nehmen in ist zu tilgen S. 710.
miß (dial.), Mehrzahl von maus 229.
Mistbellin, Hofhund 454.
nechi, nahe stehend 111.
Nest, Mehrzahl von Nast (dial.), Ast 352.
Quartierherren in Vh. Aufsichtsper-
sonen anstatt der Zunftmeister zur
Zeit der Aufhebung der Zünfte 1552
bis 1563. a. a. O.
Rathaus s. unter Rat 188. 190 u. a. a. O.
Ratsessen 189. 516.
Revental, Speisesaal im Barfüßerkloster
a. a. (). und 109. 521 f., 525. 685.
ruggin, von Roggenmehl a. a. O. und 553.
sächer. Verursacher, Veranlasser 74. 95.
samenthaft, insgesamt 208.
satelen, sättigen ? (Suppe) 521. 525.
Schaub, Bindstroh 228.
Scheinbote, der mit Vollmacht versehene
Stellvertreter vor Gericht 337. 345.
schiben, Scheiben, schieben 174. 175.
schitten (Holz) auf scheiten 229.
Schlichte, Weberschlichte 548.
Schmelzler, Schmalzhändler 234.
seh mürben (dial.), schmieren 221.
schoren (dial.), Straßenkot wegkehren,
davon schorate /. , schorenlegi 233. 412.
semlich, solch 94.
seren, verletzen, 8, serung 60.
setzen, sich mit einem, mit ihm ver-
einbaren 62.
Sorgfeltigkait, Besorgnis 286.
Sprür /., (dial.), Spreu 219.
Spulerlab n. zur Anfeuchtung des
Zettels beim Weben 548.
Stad m., Gestade am See 101.
Steitze, Stitze, kleineres Flüssigkeitsmaß
191.
Stube /., Fischart 212.
stülen, seinen Stuhl einnehmen 541.
sundersässent, für sich lebend 107.
übereren, über die Mark pflügen 127. 670.
Ufsatz, listiger Anschalg 61. 572 und
a. a. O.
uftrechen (dial.), aufnötigen 433.
unbelümdet, in gutem Ruf 96. 136.
ünt, irgend etwas 60. 67. 69. 82. 94. 107.
Unzibel n., Ungeziefer 545.
Urbaw /n., 454 = Unbau a. a. O.
urlöge Tl., Krieg, Streit 8. 80.
ußbringen, zustande bringen 292. 294.
ußsetzit, aussätzig 84.
waidkaß /., Weidhütte (?) 230.
Wecken, Weggen m., Keil 257. 449.
werschaft, gewährleistet, richtig 193.
Wettgeld a. a. O. und 95.
wimner 92, siehe wimnen.
winköf m., Trinkgeld 70.
Wochner a. a. O. und 197.
würdig, wichtig 442.
Zaine /., (dial.), großer, niederer Korb
212. 411.
zertragen sich, uneins werden 288.
zütrechen zuschieben 459.
zwerch (dial.), quer 219.
Bachhaupten (Hohcnzollern) 517.
Mecheln (Belgien) 104; Tuch 108.
Nier Asmus 526.
M
Carl Winters Universitätsbuchhandlung in Heidelberg.
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stadtrechte, Oberrheinische. Herausgegeben von der Badischen Historischen
Kommission.
1. Fränkische Rechte. Lex.-8^ geheftet.
1. Heft. Wertheim. Freudenberg und Neubrunn. Bearbeitet von RICHARD
SCHRÖDER, n.n. 2 M.
2. Heft. Der Oberhof Wimpfen mit seinen Tochterrechten Eberbach,
Waibstadt, Oberschefflenz, Bönnigheim und Mergentheim. Bearbeitet
von RICHARD SCHRÖDER, n.n. 5 M. 50.
3. Heft. Mergentheim, Lauda, Ballenberg und Krautheim. Amorbach,
Walldürn, Buchen, Külsheim und Tauberbischofsheim. Bearbeitet
von RICHARD SCHRÖDER, n.n. 6 M.
4. Heft. Miltenberg, Obernburg, Hirschhorn, Neckarsteinach, Weinheim,
Sinsheim und Hilsbach. Bearbeitet von RICHARD SCHRÖDER und.
CARL KOEHNE. n.n. 6 M.
5. Heft. Heidelberg. Mosbach, Neckargemünd und Adelsheim. Bearbeitet
von CARL KOEHNE. n.n. 7 M.
6. Heft. Ladenburg. Wiesloch, Zuzenhausen, Bretten, Gochsheim, Heidels-
heim, Zeutern, Boxberg und Eppingen. Bearbeitet von CARL
KOEHNE. n.n. 5 M.
7. Heft. Bruchsal, Rothenburg, Philippsburg (Udenheim), Obergrembach
und Steinbach. Bearbeitet von CARL KOEHNE. n.n. 5 M.
U. Schwäbische Rechte.
1. Villingcn. Bearbeitet von CHRISTIAN RODER. n.n. 8. M.
Nachtrag, Wort-, Sach- und Namenverzeichnis hierzu von CHRISTIAN
RODER. 1. M.
2. Überlingen. Bearbeitet von FRITZ GEIER, n.n. 23 M.
Nachtrag, Wort-, Sach- und Namenverzeichnis hierzu von EMIL HAFEN.
Textverbesserungen von CHRISTIAN RODER 1 M. 50.
III. Elsässische Rechte.
1. Heft, 1. Hälfte. Schlettstadter Stadtrechtc. Bearbeitet von JOSEPH GENY.
n.n. 13 M.
1 . Heft. 2. Hälfte. Schlettstadter Stadtrechte. Bearbeitet von JOSEPH GENY.
n.n. 25 M.
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Soeben erschien;
Münz- und Geldgesehiehte
der im Großherzogtum Baden vereinigten Gebiete.
Herausgegeben von der Badischen Historischen Kommission.
Bearbeitet von
Dr. JULIUS CAHN
I. Teil:
Konstanz und das Bodenseegebiet im Mittelalter
bis zum Reichsmünzgesetz von 1559.
Mit 10 Tafeln und einer Karte,
gr. 8°. geh. 17 M. 50.
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r
fers UnWersitatsbuchhandlyng in Heidelberg,
WniiiimiiiiiiniiuiiiiiHiinuniiiiiiintitittniiHHinnutttHtiiiuiniuiinniiitHimuiu^^^
mtsehreehtliehe Beiträge ^
Forschungen und Quellen 2ur Geschichte 4es Deutschen Recht
Herausgegeben von '^'^^
Dn KON RAD B EYE RLE
, 0. Prötesor an der Universität Göttingen,
^ ' Band I— IX, 8», geh. U6 M, 20,
WHALT des soeben erschienenen IX. Banden: L Zum altnordlacheti Kriegs- twii"
Beuterecht von KARL LEHMANN. 2. Das Testament des Fürsten Wolf-
gang von Anhalt von O. SCHREIBER, 3, Wimelm von Humboldt und
die Anfänge der preußischen Verfassung von P, LENEL, 4. Die Urkunden-
faischungen des Kölner Burggrafen Heinrich liL yon Arberg von KONR/
BEYERLE. Mit 3 Tafeln.
Band X Ist im Druck,
fwmiiiiiniuiniiriririiiiiuiHiiiiiiiniiuiimiDiiiiiiiitiuiifiniJiim
Quellen und Darstellungen zur Gesehiehte der
Bursohensehaft und der deutschen Einheitsbewegung
Im Auftr^e der
BURSCHENSCHAFTUCHEN mSTORISCHEN KOMMISSIOM
in Gemeinschaft mit.
F. BILGER WILHELM HOPF FRIEDRICH MEINECI
OTTO OPFERMANN PAUL WENTZCKE
herausgegeben von
HERMAN HAUPT
Erschienen sind Band l~IV. &. geh. je 10 M. geb. je II M.
Band V ist im Druck.
miimitiiiniiiniitiniiiiiniJiiiiiiiniiriiiifiiintiitiiifiüiiiiitJUiiiiitiiiinriiiijiiiuiJiiitiiiitiriritfiiiiiiitiiii
Der Deutseh-Französisehe Krieg 1870/71
von
Dr. KARL STÄHLIN
a. o. Professor an der Universität Heidelberg.
Mit 18 Karten. Elegant geb. 3 M.
Selten habe ich einem Buche gegenüber das Gefühl schlechthinigen Oeborgenseins, unbedlnc*
ten Vertrauens in diesem Maße gehabt wie hier .... All das gestaltet Stählins Werkchen in
einer Meisterschöpfung. Die sehr praktisch gefalzte Beigabe eines Schlachten-Atlanten verleiht
dem Ganzen einen weiteren Grad erschöpfender Benutzbarkelt. Kurz: eine der erfreulichsteo
Erscheinungen der letzten Jahre. Prof, Dr, Helmott in der Weserzeitung.
Fuleheri
Carnotensis Historia Hierosolymitana
Mit Erläuterungen und einem Anhange
herausgegeben von
HEINRICH HAGENMEYER
8«. geh. 35 M.